Laske, Nora: Die Immunantwort auf Virus-Infektion der Herpesgruppe bei Kindern als potentieller Modulator der menschlichen Allergieentwicklung

42

Kapitel 3. ERGEBNISSE

3.1 Humorale Immunantwort und Atopie

3.1.1 Häufigkeitsverteilungen

Zeitlicher Verlauf der atopischen Manifestationen (Fallzahlen sind mit (n) angegeben)

Unter Verwendung der Daten von 672 Kindern der MAS- Multizentrischen Allergie Studie, konnten Aussagen zum zeitlichen Verlauf der klassischen atopischen Erkrankungen, atopische Dermatitis, Asthma bronchiale, Rhinokonjunktivitis, sowie zum zeitlichen Verlauf der atopischen Parameter, erhöhter Gesamt-IgE-Spiegel und atopische Sensibilisierung, vom 3 Lebensmonat bis zum 7. Lebensjahr getroffen werden. Der zeitliche Verlauf der Häufigkeiten aller untersuchten atopischen Erkrankungen ist in den Abbildungen 23 und 24 wiedergegeben.


43

Der Vergleich der atopischen Symptome mit dem Virus-Antikörperstatus (IgG) der Kinder zum 1. bzw. 3. Lebensjahr, also der Vergleich bei Koinzidenz von Atopie und Infektion ergab keine signifikanten Unterschiede. Seropositive Kinder wiesen nicht signifikant weniger atopischen Symptome auf, als seronegative Kinder. Im Anschluß galt es, den Antikörperstatus der Kinder zum 1. und 3. Lebensjahr mit der atopischen Symptomatik zu einem späteren Zeitpunkt, zum 7. Lebensjahr zu vergleichen, um den möglichen Einfluß von Infektionen auf eine Allergieentstehung zu analysieren. Für die Definition der „Atopie“ war daher allein das Auftreten von atopischen Symptomen zum 7. Lebensjahr von Bedeutung. Es handelt sich um die Erfassung einer Periodenprävalenz. Dabei wurden atopische Symptome der Kinder in den letzten zwölf Monaten ermittelt. Eine derartige Definition „Atopie zum 7. Lebensjahr“ war notwendig, um „missing data“ Raten zu vermeiden. Einerseits konnten dadurch einige atopische Kinder, als „falsch negativ“ eingestuft werden. Andererseits konnten Kinder, ohne atopische Symptomatik sicherer als Atopiker ausgeschlossen werden.

Der Vergleich des Antikörperstatus mit 1 Jahr bzw. 3 Jahren mit den atopischen Symptomen zu einem späteren Zeitpunkt im Leben der Kinder berücksichtigt den Umstand, daß ein möglicher Einfluß von Virusinfektionen auf die atopische Manifestation Zeit benötigt, um seine Wirkung zu entfalten. Zum anderen ist bekannt, daß bereits manifeste atopische Symptome bei Virusinfektion eher verstärkt werden können. Beispielsweise können grippale Infekte die Haut des Neurodermitikers exazerbieren lassen, die pulmonale Situation des Asthmatikers kann sich durch Infekte der oberen Atemwege verschlechtern. Eine virale Infektion trifft auf das bereits „dysregulierte“ Immunsystem (TH2-Immunantwort dominiert) des Atopikers. Ursache und Wirkung können nicht mehr getrennt voneinander analysiert werden. Es galt zu untersuchen, was geschieht, wenn das Virus infiziert, bevor eine manifeste Allergie diagnostiziert wurde.


44

Um dieses Problem zu berücksichtigen, unterteilt die Studie die untersuchten Kinder in zwei große Gruppen. Die Gruppe der Kinder, die zum Zeitpunkt der Antikörper-Bestimmung (1. und 3. Lebensjahr) noch keine atopischen Symptome aufwiesen und die Gruppe der Kinder, die zum Zeitpunkt der Antikörper-Bestimmung (1. und 3. Lebensjahr) bereits unter atopischen Symptomen litten (Atopische Dermatitis, Asthma bronchiale, Rhinokonjunktivitis oder atopische Sensibilisierung). In der statistischen Auswertung konzentriert sich die Arbeit einerseits auf Signifikanz-Unterschieden zwischen seronegativen und seropositiven Kindern, ungeachtet ihrer atopischen Symptome zum Zeitpunkt der Antikörper-Detektion, hinsichtlich ihrer atopischen Symptome zum 7. Lebensjahr. Die Ergebnisse sind in den Abbildungen 27, 28, 31, 32, 35 und 36 widergegeben. Andererseits wurden Signifikanzen für die Gruppe der Kinder, die zum Zeitpunkt der Antikörper-Bestimmung keine atopischen Symptome aufwiesen, berechnet. Die Ergebnisse werden in den Abbildungen 29, 30, 33, 34, 37 und 38 gezeigt. Es wurden somit zusätzlich die atopischen Symptome (zum 7. Lebensjahr) von denjenigen seronegativen und seropositiven Kindern (zum 1. und 3. Lebensjahr) verglichen, die zum Zeitpunkt der Antikörper-Detektion (zum 1. und 3. Lebensjahr) noch keine atopische Symptomatik entwickelt hatten. Eine Atopie lag für uns dann vor, wenn mindestens eine der atopischen Manifesationen, atopische Dermatitis, Asthma bronchiale, Rhinokonjunktivitis und atopische Sensibilisierung, bei den Kindern diagnostiziert worden war. Abbildung 25 zeigt die Zahl der Kinder, die mit 1 Jahr bzw. 3 Jahren noch keine atopische Symptomatik (weder atopische Dermatitis, Asthma bronchiale noch atopische Sensibilisierung) entwickelt hatten. Von den mit 1 Jahr untersuchten 362 Kinder lagen von 297 1-Jährigen Daten und von den mit 3 Jahren untersuchten 457 Kinder lagen von 407 3-Jährigen Daten zur atopischen Symptomatik (atopische Dermatitis, Asthma bronchiale, atopische Sensibilisierung) vor. Mit 1 Jahr wiesen 84,9% (n=252/297) und mit 3 Jahren 78,9% (n=321/407) keine atopischen Manifestationen auf. Der Parameter „erhöhter Gesamt-IgE-Spiegel“ wurde bei der Definition von „Atopie mit 1 Jahr bzw. 3 Jahren“ vernachlässigt. Erhöhte Gesamt-IgE-Spiegel (85.Perzentile) traten im Verhältnis zu den restlichen atopischen Parametern wesentlich häufiger auf, auch ohne entsprechende klinische Symptomatik. Um die Atopie-Kriterien zu präzisieren, beschränkte sich die Definition von „Atopie mit 1 Jahr bzw. 3 Jahren“ auf die atopischen Manifestationen, atopischer Dermatitis, Asthma bronchiale, Rhinokonjunktivitis und atopische Sensibilisierung. Damit wurden einerseits einige „falsch negative Atopiker“ riskiert, es verringerte sich jedoch die Wahrscheinlichkeit, „falsch positive Atopiker“, in die Auswertung einzubeziehen.

45

Geschlecht und Alter

Wir untersuchten insgesamt 672 Kinder, davon 351 Jungen (52,2%) und 321 Mädchen (47,8%) im Alter von 1 Jahr und 3 Jahren. Es standen uns Seren von 362 Kindern im Alter von 1 Jahr und 457 Kindern im Alter von 3 Jahren zur Verfügung.


46

Seropositivität

Von den getesteten Seren 1-jähriger Kinder waren für CMV 33,4% seropositiv (121 von 362), für EBV 1,3% seropositiv (9 von 361) und für VZV 3,1% seropositiv (11 von 360). Unter den 3-Jährigen waren für CMV 73,0% seropositiv (330 von 452), für EBV 18,8% seropositiv (85 von 452) und für VZV 26,0% seropositiv (119 von 457). Siehe Abbildung 26.

Der verwendeten ELISA Kit für EBV stellte sich als hoch sensitiv heraus, so daß auch mütterliche Antikörper bei den 1-Jährigen detektiert wurden. Den vom Hersteller empfohlenen Cut-Off mußten wir nachträglich von 20 auf 100 AU/ml verändern.

Familienanamnese

Hinsichtlich der Verteilung einer positiven Familienanamnese können wir festhalten, 45,8% aller Eltern wiesen ebenfalls atopische Symptome auf, 54,2% waren dementsprechend keine Atopiker. Es bestand ein deutlicher Zusammenhang zwischen atopischer Erkrankung beim Kind und positiver Familienanamnese. Kinder atopischer Eltern wiesen signifikant häufiger atopische Manifestationen auf, als Kinder von Eltern ohne Atopiemerkmale.


47

3.1.2 ELISA-(enzyme-linked immunosorbent assay)-Virus-spezifisches IgG

Unterschiede in den atopischen Manifestationen mit 7 Jahren zwischen seronegativen und seropositiven Kindern mit 1 Jahr bzw. 3 Jahren

Cytomegalie-Virus Infektion CMV

Die CMV-Seropositivität mit 1 Jahr hatte keinen signifikanten Einfluß auf die Prävalenz atopischer Manifestationen mit 7 Jahren (Abbildung 27). Die mit 3 Jahren CMV-seropositiven Kinder zeigten mit 7 Jahren signifikant häufiger Symptome einer atopische Dermatitis als Kinder, die mit 3 Jahren seronegativ waren. Für die übrigen Manifestationen konnten keine statistisch signifikanten Unterschiede gezeigt werden, (Abbildung 28).


48

Unterschiede in den atopischen Manifestationen mit 7 Jahren zwischen seronegativen und seropositiven Kindern ohne atopische Symptome mit 1 Jahr bzw. 3 Jahren

Cytomegalie-Virus Infektion CMV

Die mit 1 Jahr klinisch noch unauffälligen CMV-seropositiven Kinder zeigten mit 7 Jahren signifikant seltener ein erhöhtes Gesamt-IgE (85. Perzentile) als Kinder, die mit 1 Jahr seronegativ waren. Für die übrigen Manifestationen konnten keine statistisch signifikanten Unterschiede gezeigt werden (Abbildung 29). Die mit 3 Jahren klinisch noch unauffälligen CMV-seropositiven Kinder zeigten mit 7 Jahren signifikant häufiger Symptome einer atopischen Dermatitis als Kinder, die mit 3 Jahren seronegativ waren. Für die übrigen Manifestationen konnten keine statistisch signifikanten Unterschiede gezeigt werden (Abbildung 30).


49

Unterschiede in den atopischen Manifestationen mit 7 Jahren zwischen seronegativen und seropositiven Kindern mit 1 Jahr bzw. 3 Jahren

Epstein-Barr-Virus Infektion EBV

Die mit 1 Jahr EBV-seropositiven Kinder zeigten mit 7 Jahren signifikant häufiger Symptome eines Asthma bronchiale als Kinder, die mit 1 Jahr seronegativ waren. Für die übrigen Manifestationen konnten keine statistisch signifikanten Unterschiede gezeigt werden (Abbildung 31). Es bestanden keine signifikanten Unterschiede in der Prävalenz atopischer Manifestationen mit 7 Jahren zwischen mit 3 Jahren EBV-seropositiven und seronegativen Kindern (Abbildung 32).


50

Unterschiede in den atopischen Manifestationen mit 7 Jahren zwischen seronegativen und seropositiven Kindern ohne atopische Symptome mit 1 Jahr bzw. 3 Jahren

Epstein-Barr-Virus Infektion EBV

Es bestanden keine signifikanten Unterschiede in der Prävalenz atopischer Manifestationen mit 7 Jahren zwischen mit 1 Jahr klinisch noch unauffälligen EBV-seropositiven und seronegativen Kindern (Abbildung 33). Es bestanden auch keine signifikanten Unterschiede in der Prävalenz atopischer Manifestationen mit 7 Jahren zwischen mit 3 Jahren klinisch noch unauffälligen EBV-seropositiven und seronegativen Kindern (Abbildung 34).


51

Unterschiede in den atopischen Manifestationen mit 7 Jahren zwischen seronegativen und seropositiven Kindern mit 1 Jahr bzw. 3 Jahren

Varizella-Zoster-Virus Infektion VZV

Es bestanden keine signifikanten Unterschiede in der Prävalenz atopischer Manifestationen mit 7 Jahren zwischen mit 1 Jahr VZV-seropositiven und seronegativen Kindern (Abbildung 35). Es bestanden auch keine signifikanten Unterschiede in der Prävalenz atopischer Manifestationen mit 7 Jahren zwischen mit 3 Jahren EBV-seropositiven und seronegativen Kindern (Abbildung 36).


52

Unterschiede in den atopischen Manifestationen mit 7 Jahren zwischen seronegativen und seropositiven Kindern ohne atopische Symptome mit 1 Jahr bzw. 3 Jahren

Varizella-Zoster-Virus Infektion VZV

Es bestanden keine signifikanten Unterschiede in der Prävalenz atopischer Manifestationen mit 7 Jahren zwischen mit 1 Jahr klinisch noch unauffälligen VZV-seropositiven und seronegativen Kindern (Abbildung 37). Es bestanden auch keine signifikanten Unterschiede in der Prävalenz atopischer Manifestationen mit 7 Jahren zwischen mit 3 Jahren klinisch noch unauffälligen VZV-seropositiven und seronegativen Kindern (Abbildung 34).


53

Kinder, die mit 1 Jahr bzw. 3 Jahren seropositiv gegenüber den drei untersuchten Infektionen CMV, EBV und VZV waren, zeigten in der Tendenz mit 7 Jahren ebenso häufig Symptome atopischer Erkrankungen, wie ihre seronegativen Altersgenossen. Dennoch konnten für die Infektion mit CMV und EBV einzelne signifikante Unterschiede in der Prävalenz der atopischen Manifestationen zwischen seropositiven und seronegativen Kindern gezeigt werden. Kinder, die mit 3 Jahren CMV-seropositiv waren, zeigten mit 7 Jahren signifikant häufiger Symptome einer atopischen Dermatitis (p<0,003**). Diese Tendenz fand sich auch in der Untersuchung der klinisch noch unauffälligen 3-Jährigen. Kinder, die mit 3 Jahren CMV-seropositiv waren und zu diesem Zeitpunkt noch keine atopischen Symptome aufwiesen, zeigten mit 7 Jahren signifikant häufiger Symptome einer atopischen Dermatitis als ihre seronegativen Altersgenossen (p<0,04*). Hingegen zeigten Kinder, die mit 1 Jahr CMV-seropositiv waren und zu diesem Zeitpunkt noch keine atopischen Symptome aufwiesen, mit 7 Jahren signifikant seltener ein erhöhtes Gesmt-IgE (85. Perzentile) als Kinder, die mit 1 Jahr seronegativ waren (p<0,03*). Die Untersuchung der EBV-Infektion ergab, daß Kinder, die mit 1 Jahr seropositiv gegenüber einer EBV-Infektion waren, mit 7 Jahren signifikant häufiger Symptome eines Asthma bronchiale zeigten (p<0,005**). Jedoch war die Zahl der Seropositiven mit 1 Jahr relativ klein. Die Prävalenz atopischer Erkrankungen zeigte hinsichtlich der Infektion mit VZV zwischen seropositiven und seronegativen Kindern keine signifikanten Unterschiede.

Die Verteilung zusätzlicher Einflußgrößen der atopischen Symptomatik, wie Geschlecht und positive Familienanamnese zwischen den Gruppen der Seropositiven und Seronegativen wurde statistisch überprüft. Für die Gruppe mit signifikantem Unterschied, der Gruppe der 1-Jährigen mit erhöhtem Gesamt-IgE ergab sich, daß Kinder atopischer Eltern weniger häufig CMV-seropositiv waren. Gefundene Signifikanzen sind auch von anderen „Bias“ beeinflußt und daher nicht allein auf den Einfluß viraler Infektion zurückzuführen. Die errechneten signifikanten Unterschiede für die CMV-Infektion innerhalb der Gruppe der 3-Jährigen konnte durch die geringe Fallzahl in den Untersuchungsgruppen bei einer erweiterten Signifikanzberechnung (Yates-Korrektur) nicht bestätigt werden. Die Geschlechtsverteilung war in beiden Gruppen gleich. Die Ergebnisse der Untersuchung der humoralen Immunantwort zeigten für die Infektion mit CMV und EBV statistisch signifikante Unterschiede in der Prävalenz einiger atopischer Manifestationen zwischen seropositiven und seronegativen Kindern. Diese Unterschiede konnten jedoch durch die Ungleichverteilung zusätzlicher Einflußfaktoren („confounding variables“) und die geringe Fallzahl in den Untersuchungsgruppen bei einer erweiterten Signifikanzberechnung (Yates-Korrektur) nicht bestätigt werden. Auch wenn sich bei der graphischen Darstellung der Daten leichte Tendenzen abzeichnen müssen wir abschließend festhalten, daß die Daten keine signifikanten Unterschiede in der Häufigkeit atopischer Erkrankungen zwischen seropositiven und seronegativen Kindern zeigen konnten. Kinder, die zum 1. bzw. 3. Lebensjahr seropositiv gegenüber den untersuchten Infektionen waren, zeigten mit 7 Jahren in der Tendenz ebenso häufig Symptome atopischer Erkrankungen wie seronegative Kinder. Die Arbeitsergebnisse konnten die Studienhypothese nicht stützen.


54

3.1.3 Antibody-capture enzyme-linked immunosorbent assay-spezifisches CMV-IgE

Bisher liegen uns Daten von 456 Kindern im Alter von 3 Jahren vor. Unter diesen Kindern konnten insgesamt nur 2 Kinder als positiv gewertet werden. Eine statistische Auswertung der Unterschiede im Auftreten atopischer Symptome zwischen seropositiven und seronegativen Kindern, ist auf Grund der geringen Prävalenz von CMV-spezifischen IgE-Antikörpern im Moment nicht sinnvoll.


55

3.2 T-Zell-Reaktivität und Atopie

Für die immunologische Abwehr von Virusinfektionen sind die T-Zellen von entscheidender Bedeutung. Die Infektion mit dem Cytomegalie-Virus bewirkt im Organismus vorallem die Induktion einer TH1-Antwort. Dabei sezernieren die T-Zellen u.a. IL2, IFN-gamma, TNF-beta sowie GM-CSF und führen über Makrophagen-Aktivierung hauptsächlich zu ausgeprägten Entzündungsvorgängen, die auch das Abtöten von intrazellulären Erregern ermöglichen. Außerdem werden CD8+-zytotoxische T-Lymphozyten generiert, die MHC-Klasse-I-positive CMV-infiltrierte Zellen abtöten können. Der zweite Teil der Arbeit untersucht, ob periphere Blut-T-Lymphozyten von Kindern ohne atopische Symptome (nichtatopische Kinder) auf Stimulation mit CMV-Antigen bzw. Peptid häufiger bzw. stärker mit einer TH1-Antwort reagieren, als stimulierte T-Lymphozyten von Kindern mit atopischen Symptomen (atopische Kinder). Die TH1-Reaktivität wurde anhand einer IFN-gamma-Produktion nach Stimulation bewertet. Dabei war sowohl die prozentuale Produktionsmenge als auch die visuelle Abgrenzbarkeit einer IFN-gamma-produzierenden Zellpopulation von Bedeutung. Die Auswertung der T-Zell-Reaktivität auf Antigen (CD4) und Peptid (CD8) erfolgte getrennt sowie verbunden als „absolute T-Zell-Reativität“. Dabei galt diejenige Probe als „absolut reaktiv“, die entweder auf CMV-Antigen (CD4) und/ oder auf eines der CMV-Peptidgemische (CD8) mit einer IFN-gamma-Produktion reagiert hatte. Um eine schärfere Trennung von „stark reaktiven“ und „nicht reaktiven“ bzw. „wenig reaktiven“ Kindern und somit eventuell deutliche Tendenzen bei der statistischen Analyse zu erhalten, wurden aus der Gruppe der „reaktiven Kinder“ die „stark reaktiven Kinder“ („Highresponder“) ermittelt und mit der Gruppe der „nicht reaktiven“ bzw. „wenig reaktiven“ Kinder verglichen. Dabei galten Kinder mit IFN-gamma-produzierenden Zellpopulationen größer gleich 0,30% als „Highresponder“.

3.2.1 Häufigkeitsverteilungen

Geschlecht und Alter

Von den 62 untersuchten Kindern und Jugendlichen im Alter von 1 Jahr bis 12 Jahren waren 4,8% jünger als 3 Jahre, 1,6% jünger als 7 Jahre und 93,6% 7 Jahre und älter. Die Geschlechtsverteilung belief sich auf 40,3% Mädchen und 59,7% Jungen. Die Kinder und Jugendlichen zeigten in 21% der Fälle atopische Symptome (atopische Deramtitis, Asthma bronchiale oder Rhinokonjunktivitis). Hinsichtlich einer positiven Familienanamnese läßt sich festhalten, 43,3% der Mütter und 9,1% der Väter wiesen atopische Symptome auf.


56

Seropositivität und T-Zell-Reaktivität

Im Immulite ergab sich unter den 62 untersuchten Kindern und Jugendlichen im Alter von 1 Jahr bis 12 Jahren eine CMV-Seropositivität von 50%. Die Reaktivität nach Stimulation mit CMV-spezifischem Antigen lag bei 37,1%, „Highresponder“ waren 8,1%. Die T-Zell-Reaktivität nach Stimulation mit CMV-spezifischem Peptidgemisch lag insgesamt bei 37,1%, „Highresponder“ waren 30,6%. 25,8% reagierten auf den „pp65 Peptidmix“, „Higresponder“ waren 21,0%. 30,6% reagierten auf „IE1 Peptidmix“, 25,8% waren „Highresponder“. Die „absolute Reaktivität“ („Antigen und/ oder Peptidmix“) lag bei 38,7%, „Highresponder“ waren 32,3%, Abbildung 39.

Die Ergebnisse über CMV-Seropositivität und T-Zell-Reaktivität, gewonnen durch Immulite und Facs-Analyse waren interessanterweise nicht übereinstimmend. Von den 31, der im Immulite CMV-seropositiv getesteten Kinder reagierten 71% (22 Kinder) auf Stimulation mit CMV-Antigen, 67,7% (21 Kinder) auf Stimulation mit CMV-spezifischem „pp65 und/ oder IE1 Peptidmix“. Im Einzelnen reagierten 45,2% der 31 seropositiven Kinder (14 Kinder) auf „pp65 Peptidmix“ und 58,1% (18 Kinder) auf „IE1 Peptidmix“. Auf eine Stimulation mit „Antigen und/ oder Peptidmix“ (pp65 oder IE1) reagierten 71% der Kinder (22 Kinder). Es läßt sich festhalten, daß die Kinder auf Antigen oder „Peptidmix“ etwa genauso häufig reagierten. Betrachtet man die Reaktivität auf „Peptidmix“ im Detail, so wird deutlich, die Kinder etwas häufiger auf „IE1-Peptidmix“ reagierten. Dieses Ergebnis läßt sich unter anderem durch die Varianz der HLA-Typen unter den untersuchten Kindern erklären. Zusammenfassend heißt dies, daß nur 22 von 31 (71%) CMV-seropositiven Kindern eine T-Zell-Reaktivität zeigten, während bei erwachsenen, gesunden CMV-seropositiven Blutspendern 100% auch T-Zell-reaktiv sind. Dies könnte auf eine geringere Frequenz CMV-reaktiver Memory-Zellen bei zumindest einem Teil der Kinder aufgrund seltener CMV-Reaktivierungen hindeuten.


57

3.2.2 T-Zell-Reaktivität nach CMV-Stimulation

Unterschiede in der T-Zell-Reaktivität nach CMV-Stimulation zwischen Kindern und Jugendlichen mit und ohne atopische Symptome

(Reaktivität gemessen an der IFN-gamma-Produktion)

CD4+-T-Lymphozyten von Kindern und Jugendlichen ohne atopische Symptome reagierten weniger häufig mit einer IFN-gamma-Produktion nach Stimulation mit CMV-Antigen, als von Kindern und Jugendlichen mit atopischen Symptomen (p<0,04*). Die IFN-gamma-Produktion der CD8+-T-Lymphozyten nach Stimulation mit CMV-Peptidgemischen unterschied sich bei Kindern und Jugendlichen mit und ohne atopische Symptome nicht signifikant, Abbildung 40.

Die errechnete Signifikanz konnte durch die geringe Fallzahl in den Untersuchungsgruppen bei einer erweiterten statistischen Berechnung (Yates-Korrektur) nicht bestätigt werden.

Die Verteilung von positiver Familienanamnese und Geschlecht war in den Gruppen gleich.


58

Unterschiede in der T-Zell-Reaktivität nach CMV-Stimulation zwischen Kindern und Jugendlichen mit und ohne atopische Symptome

(Reaktivität bei „Highrespondern“gemessen an der IFN-gamma-Produktion)

Die IFN-gamma-Produktion der T-Lymphozyten von „Highresondern“ (ge0,3% reaktive T-Lymphozyten) nach CMV-Stimulation unterschied sich bei Kindern und Jugendlichen mit und ohne atopische Symptome nicht signifikant, Abbildung 41.

Es bestanden keine signifikanten Unterschiede in der T-Zell-Reaktivität nach Stimulation mit CMV-spezifischem Antigen und/ oder „Peptidgemisch“, sowohl pp65 als auch IE1, zwischen Kindern mit und ohne atopische Symptome. Die Verteilung von positiver Familienanamnese und Geschlecht war in den Gruppen gleich.

Die Ergebnisse der Untersuchung von T-Zell-Reaktivitäten nach viraler Stimulation bei Kindern und Jugendlichen konnten die Arbeitshypothese der Studie nicht stützten.


[Titelseite] [1] [2] [3] [4] [5] [Bibliographie] [Abkürzungsverzeichnis] [Danksagung] [Lebenslauf] [Selbständigkeitserklärung]

© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.

DiML DTD Version 2.0
Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML - Version erstellt am:
Fri Mar 16 20:12:51 2001