Laske, Nora: Die Immunantwort auf Virus-Infektion der Herpesgruppe bei Kindern als potentieller Modulator der menschlichen Allergieentwicklung

71

Kapitel 5. ZUSAMMENFASSUNG

Die Zusammenhänge der Entwicklung atopischer Erkrankungen sind bisher noch nicht vollständig geklärt. Neben familiärer Prädisposition spielen Umweltfaktoren, wie Allergenexposition und Ernährung, Luftschadstoffe, frühkindliche Infekte sowie soziale Faktoren eine entscheidende Rolle in der Allergiegenese (36). Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf die Analyse frühkindlicher Infektionen als Risikofaktor der Allergieentstehung.

Eine Vielzahl epidemiologischer Studien konnte zeigen, daß ein starkes geographisches Gefälle hinsichtlich der Verteilung atopischer Erkrankungen besteht. Die Häufigkeit atopischer Erkrankungen liegt z.B. im Westen Deutschlands höher als im Osten Deutschlands (53,76). Atopische Erkrankungen werden in den Industrienationen weltweit häufiger gefunden, als in den Staaten der dritten Welt, deren Wirtschaft vor allem landwirtschaftlich geprägt ist (25,84).

In Ländern niedriger Prävalenzen atopischer Erkrankungen (z.B. Osteuropa, afrikanischer Kontinent) sind virale, bakterielle und parasitäre Erkrankungen häufiger anzutreffen, als in west- und nordeuropäischen Ländern mit niedrigeren Prävalenzen atopischer Erkrankungen. Diese Überlegungen führten zur Hypothese, daß virale Infektionen im frühen Kindesalter einen protektiven Effekt hinsichtlich der Allergieentstehung im späteren Leben besitzen.

Das IFN-gamma, welches u.a. im Verlauf viraler Infektionen gebildet wird könnte dabei ein starker Inhibitor von TH2-Zellfunktionen und somit der IgE-Synthese sein (79a). Es scheint von entscheidender Bedeutung zu sein, daß die Infektion in den ersten Lebensjahren, während der Phase der „Ausreifung“ des Immunsystems erfolgt, bevor eine TH1-TH2-Dysbalance des Immunsystems manifest wird.

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie können die Hypothese eines protektiven Effekts viraler Infektion, zumindest der Herpesgruppe, in den ersten Lebensjahren hinsichtlich einer späteren Allergieentstehung nicht bestätigen. Dies galt sowohl für die Untersuchung auf serologischer als auch auf zellulärer Ebene. Auf serologischer Ebene wurde deutlich, daß statistisch Kinder mit positivem Antikörper-Titer gegen CMV, EBV und VZV mit 1 oder 3 Jahren, mit 7 Jahren ebenso häufig atopische Erkrankungen zeigen wie Kinder mit negativem Virus-Antikörper-Titer. Signifikante Unterschiede in den Häufigkeiten atopischer Symptome zwischen Kindern mit positivem und negativem Antikörper-Titer gegen CMV, EBV und VZV konnten nicht gezeigt werden. Auf zellulärer Ebene zeigte sich, daß Kinder und Jugendliche ohne atopische Symptome auf Virus-Stimulation (CMV-Antigen bzw. Peptid) statistisch ebenso häufig mit einer IFN-gamma-Produktion (TH1-Immunantwort) reagieren wie Kinder und Jugendliche mit atopischen Krankheitszeichen. Signifikante Unterschiede zwischen Kindern und Jugendlichen mit und ohne Zeichen atopischer Erkrankungen konnten nicht gezeigt werden. Die Veröffentlichungen der letzten Jahre sowie unserer Daten zeigen, daß bisher noch kein Schlußstrich unter die Diskussion um Rolle von Infektionen für die Atopieentstehung gezogen werden kann. Weitere Studien, wie die vorliegende, können in den nächsten Jahren wohl am ehesten Licht in das Dunkel bringen.


[Titelseite] [1] [2] [3] [4] [5] [Bibliographie] [Abkürzungsverzeichnis] [Danksagung] [Lebenslauf] [Selbständigkeitserklärung]

© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.

DiML DTD Version 2.0
Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML - Version erstellt am:
Fri Mar 16 20:12:51 2001