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6.  Zusammenfassung

In der vorliegenden Arbeit wurde aus dem Sektionsgut der Jahre 1991-2000 der Institute für Rechtsmedizin der Medizinischen Fakultäten der Humboldt-Universität Berlin und der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald alle Fälle mit Tod durch Ertrinken ermittelt und die in den Sektionsprotokollen erfaßten Daten einer statistischen Auswertung unterzogen.

Im umschriebenen Zeitraum kamen insgesamt 129 Personen in Berlin und 209 Personen in Greifswald mit Tod durch Ertrinken zur Obduktion. Betroffene mit Mageninhalt in den Luftwegen findet sich in insgesamt bei acht Fällen in Berlin (6,2 %) und in 12 Fällen in Greifswald (5,7 %). Der Magentod scheint somit bei einer Häufigkeit von unter 6 % zu liegen und hat folglich keine Bedeutung. Im folgenden sind die Häufigkeitsverteilungen in den Gruppen der betroffenen mit Mageninhalt in den Luftwegen aus Greifswald und Berlin nur dann erwähnt, wenn eine Abweichung von der Gesamtverteilung vorzuliegen scheint.

Eine jahreszeitlich bedingte Häufigkeit der Ertrinkungsfälle konnte für Greifswald ermittelt werden. So zeigt sich in Greifswald eine erwartungsgemäße Häufung von 36,8 % in den Sommermonaten, während in den Wintermonaten lediglich 14,7 % der Personen ertranken. In den Frühlingsmonaten betrug die Häufigkeit 26,3 % und in den Herbstmonaten 21,6 %.

In Berlin findet sich folgende Verteilung: S. und W. = je 22 %, F. und H. = je 28 % und 29 %

Die Berliner Abweichung von der in Greifswald beobachteten Verteilung kann mit dem häufigeren Vorkommen an Ertrunkenen in der Badewanne (Berlin 29 %, Greifswald 6 %) und an Ertrunkenen mit Selbstmorden (Berlin 40 %, Greifswald 10 %) erklärt werden.

In Berlin ertranken 126 Personen (97,7 %) im Süßwasser und drei im Salzwasser (2,3 %).

In Greifswald beträgt das Verhältnis von im Süßwasser- zu im Salzwasser-Ertrunkenen 53 % zu 40 %.

In Berlin sind von den Personen, bei denen eine Bestimmung der BAK durchgeführt worden ist, 35 % von Alkohol beeinflusst gewesen. Es finden sich 22,8 % in den Gruppen der stark, sehr stark und hochgradig Beeinflussten, davon 15 % in der Gruppe der hochgradig Beeinflussten.

In Greifswald sind unter den Fällen, bei denen eine BAK Messung durchgeführt worden ist,


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56 % durch Alkohol beeinflusst gewesen. In den Gruppen mit starker, sehr starker und hochgradiger Beeinflussung finden sich 32,5 % der Fälle, davon jedoch nur 7,6 % der Fälle in der Gruppe der hochgradig Beeinflussten.

In der Gruppe der Ertrunkenen mit Mageninhalt in den Luftwegen finden sich in Berlin unter den sechs Personen, bei denen eine BAK durchgeführt wurde, bei vier Personen eine alkoholische Beeinflussung, zwei dieser Personen sind sehr stark beeinflusst gewesen.

Im Gegensatz dazu finden wir in Greifswald unter den Betroffenen mit Mageninhalt in den Luftwegen keine Personen unter den stark bis hochgradig Beeinflussten.

In Berlin haben die meisten der untersuchten Personen (36,4 %) eine Magenfüllung von

100-299 ml.

In Greifswald weisen die meisten Betroffenen (40,6 %) eine Mageninhaltsmenge von 0-99 ml auf.

Unter den Ertrunkenen mit Mageninhalt in den Luftwegen werden die in Berlin die meisten Fälle (50 %) mit einer Magenfüllung von 300-500 ml und in Greifswald (33,3 %) mit einer Magenfüllung von >500ml registriert.

Betrachtet man das Gesamtkollektiv so macht der prozentuale Anteil von Betroffenen mit „Aspirat“ an allen mit 300-500 ml Mageninhalt Ertrunkenen 8 %, und mit >500 ml Mageninhalt 23 % aus.

Allerdings sind die Fallzahlen insgesamt zu gering, um hieraus eine Gesetzmäßigkeit im Sinne eines gehäuften Auftretens von Tod durch Ertrinken bei Betroffenen mit Mageninhalt in den Luftwegen bei stark bis sehr stark gefülltem Magen abzuleiten.

In Berlin finden sich bei 72 % der Personen ein wässriger Mageninhalt und bei 17 % ein breiiger Inhalt. Die restlichen 11 % verteilen sich auf die Gruppen mit schleimigen bzw. festerem Mageninhalt und auf die Personen, bei denen keine Angaben über die Art des Inhaltes gefunden wurden.

In Greifswald beobachten wir folgende Verteilung der Art des Mageninhaltes: wässrig = 40 %, breiig = 22 %, keine Angaben = 29 %. Die restlichen 9 % verteilen sich auf die Gruppen mit schleimigem bzw. festerem Mageninhalt.

Bei der Betrachtung der Gruppen von Betroffenen mit Mageninhalt in den Luftwegen beider Regionen finden sich jeweils gleiche Häufigkeiten bei der Verteilung von wässrigem bzw. breiigem Mageninhalt. Ein breiiger Mageninhalt deutet auf eine Nahrungsaufnahme kurz vor dem Baden hin. Allerdings müssen auch hier wieder die geringen Fallzahlen beachtet werden.


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04.08.2004