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4  Diskussion

4.1 Kriterien zur Steuerung der Therapie / Vergleich der Methoden

Sowohl mittels der Messung der Temperatur als auch mittels der Messung der Veränderung der Dämpfung kann prinzipiell auf die Lage und Größe der erzeugten Läsion während der Behandlung zurückgeschlossen werden.

Die Temperaturverteilung im Gewebe kann über die ortsaufgelöste Auswertung der Laufzeitänderungen in Echtzeit ermittelt und dargestellt werden, jedoch ist damit die tatsächliche Schädigung des Gewebes nicht eindeutig bestimmt. Die Wirkung der Temperatur auf das Gewebe ist ein komplexer Vorgang, der nur über eine Dosisbeziehung beschrieben werden kann. In den Messungen hat sich gezeigt, daß eine Abgrenzung der Therapieläsion anhand einer Isothermen nur bedingt gültig ist. Die Verwendung der nicht-invasiven Temperaturmessung zur Therapiekontrolle erfordert zumindest als weiteres Kriterium die vergangene Behandlungszeit mit bekannter Temperatur. Setzt man dann eine bekannte Dosisbeziehung für das entsprechende Gewebe voraus, kann die tatsächliche Schädigung während der Therapie abgeschätzt werden. Dazu muß die genaue Kenntnis sowohl der Ratenparameter der Dosisbeziehung für verschiedene Gewebetypen und Tumorklassen als auch die Temperaturabhängigkeit der Schallgeschwindigkeit durch umfangreiche klinisch-experimentelle Untersuchungen gewonnen werden.

Demgegenüber steht die Auswertung der Dämpfungsänderung als direkte Messung der thermischen Wirkung auf das Gewebe. Unter der Annahme, daß die Koagulation des Gewebes durch Denaturierung der Proteine direkt mit dem strukturellen Aufbau und damit mit den mechanischen Eigenschaften des Gewebes in Zusammenhang steht, erscheint die Messung der Frequenzabhängigkeit der Dämpfung ein geeigneter Parameter zur direkten Messung der Koagulation. Auch hier gilt, daß eine genaue Kenntnis der Veränderung der Dämpfungseigenschaften zur Läsions­charakterisierung nötig ist. Die experimentelle Ermittelung dieser Zusammenhänge gestaltet sich jedoch wesentlich sicherer als die Ermittelung der Ratenparameter der Temperatur.

Beide Verfahren sind, bedingt durch die Messung der Veränderungen zwischen zwei Ultraschalldatensätzen, bewegungsanfällig. Die Kompensation der Bewegung gestaltet sich bei der Dämpfungsmessung einfacher als bei der Temperaturmessung, da der Vergleich zu einem Referenzbild erst nach der Extraktion der Dämpfungswerte erfolgt und nicht wie bei der Temperaturmessung die Bestimmung kleinster Veränderungen im Ultraschallsignal nach der Bewegungskompensation erfolgen muß. Dadurch ist die benötigte Genauigkeit der Bewegungskompensation bei der Dämpfungsmessung geringer als bei der Temperaturmessung, und liegt in einer mit den bisherigen Mitteln beherrschbaren Größenordnung.


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Die Auswertung der Dämpfung erscheint damit als geeignetere Wahl zur Darstellung der Läsionsausbreitung. Die Veränderung der Frequenzabhängigkeit der Dämpfung kann in für die LITT ausreichender Geschwindigkeit und ausreichender Ortsauflösung berechnet und dargestellt werden. Diese Darstellung kann vom Arzt interaktiv bewertet und als Steuerkriterium für die Thermotherapie verwandt werden.


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13.01.2005