Lévy, Alfred: Traditionen und Perspektiven im Werk von Erich Fromm

Kapitel 1. Von der Psychoanalyse zur analytischen Sozialpsychologie

1.1 Religionspsychologie und Psychoanalyse

Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß Fromm sich zeitlebens als Psychoanalytiker verstand, obwohl ihn die orthodoxen Freudanhänger als Nicht-Mediziner und Kritiker einiger basaler psychoanalytischer Annahmen nach dem Zweiten Weltkrieg aus den offiziellen Institutionen Europas und der USA ausschlossen.

In nähere Berührung mit der Psychoanalyse kam Fromm über seine ehemalige Verlobte, Golde Ginsburg, welche die Psychiaterin Frieda Reichmann kannte. Beide kamen aus Königsberg und trafen sich wieder in Frankfurt, wo Frieda Reichmann von 1918-1920 bei Kurt Goldstein als Assistentin tätig war. Die Verlobung ging in die Brüche, da Golde Ginsburg Fromms Freund Leo Löwenthal heiratete; statt dessen entwickelte sich ein herzlicher Kontakt zwischen Frieda Reichmann und Erich Fromm.

Als Frieda Reichmann nach ihrer Ausbildung zur Psychoanalytikerin von Berlin nach Heidelberg zog und ihr Sanatorium - „eine Art jüdisch-psychoanalytisches Pensionat und Hotel“ - eröffnete, mußten alle Patienten und näheren Bekannten bei ihr eine Analyse machen, so auch Erich Fromm. Eine allgemein beobachtete Nebenwirkung der Analyse bestand in einer Distanzierung von den meisten jüdisch-religiösen Ritualen, wie z.B. dem Einhalten jüdischer („koscherer“) Speisegebote. 1926 berichtete Frieda Reichmann in einem Vortrag in Berlin, daß ihre orthodoxen Analysanden zuerst aufhörten, die vorgeschriebenen Gebete zu sprechen und danach auch nicht mehr „koscher“ aßen. Sie selbst und Fromm begingen um 1926 ebenfalls diese „Sünden“.

Als das Liebesverhältnis zwischen der Therapeutin und ihrem Analysanden begann und 1926 in eine Heirat einmündete, mußte die Analyse Fromms bei Frieda natürlich abgebrochen werden. Das geschah auch auf den Ratschlag von Erichs Therapeuten Karl Landauer. Bei diesem (zweiten) Analytiker lernte Fromm in dessen „Arbeitsgemeinschaft“ ab 1928 zweimal monatlich die neuesten Veränderungen innerhalb der Psychoanalyse kennen. Zu dem Kreis zählten neben Karl Landauer, Frieda und Erich Fromm auch Franz Stein, Heinrich Meng, Clara Happel und Dr. Röllenblöck.

1.1.1 Jüdische Religionspsychologie

Die erste psychoanalytisch inspirierte Veröffentlichung Fromms aus dieser Zeit beschäftigt sich mit einem jüdischen Thema: Der Sabbat<11> (1927). Dem Vorbild Freuds folgend beschäftigt sich auch Fromm mit Fragen des Alltagslebens. Dazu zählt die Untersuchung zum Ruhetag der Juden, der einmal wöchentlich am Samstag (Sabbat) begangen wird. An diesem Tag dürfen die Juden unter vielem anderen nicht arbeiten, kochen oder Geschlechtsverkehr ausüben. Diese Erschwernisse stehen eigentlich im Widerspruch mit dem Gebot, diesen Tag als Ruhe- und Genußtag, als eine Art Festtag, zu feiern.

Fromm ist nun der Meinung, daß dieser Tag eingerichtet wurde, um an die Tötung des Urvaters zu erinnern. Denn nach Freuds Theorie (Totem und Tabu<12> 1912/13) hatten sich die Söhne zusammengerottet, um dem Vater die Herrschaft über die Frauen zu entreißen. Der Urvater besaß angeblich das Recht, alle Frauen sexuell zu besitzen. Die Söhne hatten aber - entsprechend dem ödipalen Kernkomplex der Menschheit - ebenfalls inzestuöse Wünsche gegenüber der Mutter und den Schwestern und gerieten so in tödliche Konkurrenz zum Vater. Dies führte eines Tages (nach Freud wahrscheinlich nicht nur in der Phantasie wie beim Neurotiker) zum Vatermord. Zur Sühne verehrten die sich nun zur sozialen Einheit vereinten Brüder den Vater im Totemtier und errichteten das Inzesttabu. Auf diese Weise erklärt Freud sozialpsychologisch die Kooperation der Menschen auf der Basis eines Triebverzichts.

Fromms Interpretation, die sich noch recht talmudisch auf zahlreiche biblische


17

und rabbinische Zitate stützt, beginnt mit dem Arbeitsverbot. Die Arbeit wurde damals mit Naturveränderung in Zusammenhang gebracht. Die Natur wiederum gilt seit langem als Sinnbild der Mutter:

Das also, was ursprünglich in erster Linie am Sabbat verhütet werden sollte, war, dynamisch betrachtet, die inzestuöse Bezwingung der Mutter Erde wie der Natur überhaupt durch den Menschen (ebd. S.3).

Mit anderen Worten wird im Arbeits- und Koitusverbot das Inzesttabu wiederholt. Neben der Bestrafung fällt aber auch auf, daß der Sabbat zu einem freudigen Höhepunkt der Woche gestaltet werden soll:

Das Arbeitsverbot kann hiernach nicht nur eine negative Bedeutung im Sinne der Inzestverhütung haben, sondern es dient umgekehrt auch der Wiederherstellung des paradiesischen gleich arbeitslosen Zustandes, der Harmonie des Menschen mit der Natur, der Rückkehr in den Mutterleib (ebd. S.5).

Auch der höchste Feiertag der Juden, der Versöhnungstag (Yom Kippur), wird als Tag der Versöhnung mit Gott, dem totgewünschten Vater, interpretiert.

Im Christentum wurde der Sabbat von der jüdischen Strenge befreit und auf den Sonntag verlegt, an dem die „Auferstehung des Herrn“ feierlich begangen wird. Durch die Auferstehung werde die Tötung des Vater symbolisch wieder beseitigt, aber im Kern jedoch die völkergeschichtliche Tatsache bestätigt. Bei den puritanischen Christen tritt in der Regression (der „Feier“ und des „Gottesdienstes“) die düstere, asketische altjüdische Triebversagung in den Vordergrund, während bei den Chassidim (einer ostjüdischen Volksgruppe) die freudige, triebbejahende Stimmung zum Ausdruck komme.

Anmerkungen und Interpretationen. - Die vom Umfang her kleine Arbeit wird an dieser Stelle relativ ausführlich besprochen, um daran einige Charakteristika Fromms aufzuzeigen. Denn bekanntlich sind in Frühwerken, den ersten Kindheitserinnerungen ähnlich, Eigenheiten, Lebensentwurf und Lebensanschauungen wie in einem Stenogramm enthalten.

Wir begegnen hier Themen, die Fromm zeitlebens beschäftigt haben. Freud selbst schätzte sein Buch Totem und Tabu, worauf sich Fromm hauptsächlich stützt, hoch ein. Sowohl Freud als auch Fromm hatten die ehrgeizige Absicht, „ungeklärte Probleme der Völkerpsychologie“ mit Hilfe der Psychoanalyse zu lösen. Freud stützte sich dabei auf Ethnologen und Anthropologen, wobei er seine Erfahrungen mit der Religion und den Neurotikern miteinander verglich. Dabei erkannte er zahlreiche Übereinstimmungen.

Fromms Interesse gilt ebenfalls sozialanthropologisch relevanten Themen, wobei er mit dem religiösen Standpunkt beginnt, dazu zahlreiche religionsgeschichtliche und theologische Aspekte heranzieht, um schließlich durch kühne psychoanalytische Interpretationen das religiöse Alltagswissen zu erschüttern. Für gläubige Juden mußten Fromms Thesen blasphemisch geklungen haben: Er hatte nicht nur Schweinefleisch gegessen, sondern sich auch dem Atheisten Freud angeschlossen, der in der Vorrede zur hebräischen Ausgabe des Buches Totem und Tabu betont, daß er zwar die Zugehörigkeit zum Judentum nie geleugnet habe, „aber keinen jüdischen Standpunkt kennt, keine Einschränkung zugunsten des Judentums macht“ (ebd. S.293).

Fromm orientiert sich also an seinem „Übervater“<13> und zitiert ihn, legt aber seinen Akzent auf etwas, was Freud weniger beachtet hatte, nämlich auf die Mutterrolle in der menschlichen Geschichte. Die Auseinandersetzung mit Vaterfiguren ist hier bereits vorgebildet.

In vielen Punkten schließt er sich aber auch Freud an, ohne die zahlreichen anderen wissenschaftlichen Entwicklungen seiner Zeit zu berücksichtigen. Vorbild ist und bleibt ihm Freud in Bezug auf die Interpretationen und Themenwahl: So beschäftigte sich


18

der Begründer der Psychoanalyse ebenfalls mit der „Sohnesreligion“, welche die jüdische „Vaterreligion“ abgelöst hatte. Fromm griff auch bereitwillig das Thema des „Mutterrechts“ von Bachofen<14> auf, das bei Freud in einem Nebensatz gestreift wird (ebd. S.428).

Ein weiteres Grundmotiv des Frommschen Werkes klingt ebenfalls in diesem Aufsatz an: die messianische Zeit, in der kein Kampf zwischen Mensch und Natur mehr stattfinden werde. Die Sehnsucht nach der Harmonie mit der Natur, in der man nicht arbeiten muß, entspricht nach Fromm der Rückkehr ins Paradies, d.h. dem Mutterleib.

War der Mensch aus dem Paradies vertrieben worden, weil er wie Gott = der Vater werden, d.h. die Mutter gewinnen wollte, und war die Arbeit eine Strafe für dieses Urverbrechen, so wird nach der Vorstellung der Propheten ... der Mensch wieder ... im Paradies = Mutterleib leben (ebd. S.8).

1.1.2 Christliche Religionspsychologie

Die Entwicklung des Christusdogmas. Eine psychoanalytische Studie zur sozialpsychologischen Funktion der Religion<15>. - In dieser umfangreicheren Abhandlung aus dem Jahre 1930 beschäftigt sich Fromm mit der Veränderung in der Vorstellung des Verhältnisses Gott-Vaters zu Jesus zur Zeit der Entstehung des Christentums und der Formulierung des Nizänischen Dogmas im vierten Jahrhundert. Vorab klärt er jedoch genau „Methodik und Problemstellung“. Dabei rekurriert er auf Freuds Aussage, daß Individualpsychologie und Sozialpsychologie untrennbar wären. Allerdings grenzt er sich von den Theorien ab, welche einen „sozialen Trieb“ oder eine „Gruppenseele“ (bzw. eine „Kollektivseele“<16>) postulieren.

Eine individualpsychologische<17> Untersuchung fördert zwar zahlreiche Einzelheiten über einen einzelnen Menschen ans Tageslicht, sagt jedoch wenig über Gemeinsamkeiten einer Gruppe aus. Sozialpsychologische Untersuchungen (z.B. über die Psychologie des Kindes) wiederum umfassen viele Daten über gleiche Lebensgewohnheiten, Schicksale, Produktionsverhältnisse usw., vermitteln aber wenig von Einzelerlebnissen oder individuellen Eigenarten.

Trotzdem bestehe von der Methodik her kein Unterschied zwischen der Sozial- und Personalpsychologie. Fromm zitiert wiederum Freud, der von der Neurosen-Psychologie ausgeht und die seelische Erkrankung als ein Resultat aus Sexualkonstitution und Lebensschicksal beschreibt. Neurose und Erleben (Schicksal und Umgebung) bilden eine sogenannte „Ergänzungsreihe“, was bedeutet, daß je nach sozialen und ökonomischen Umständen einerseits eine seelische Erkrankung nicht auszubrechen braucht; wenn andererseits relativ harmlose Schicksalsschläge auf eine instabile Sexualverfassung mit hohem Triebdruck und starker Verdrängung treffen, können leicht neurotische Symptome einsetzen.

Fromm möchte nun aufzeigen, daß die Veränderungen der Christus-Vorstellungen (der „Ideen“) „aus den Menschen und ihren Schicksalen, nicht die Menschen aus dem Schicksal ihrer Ideen“ zu verstehen sind.

Die Methode dieser Arbeit bringt es mit sich, daß der Darstellung der Lebensschicksale der zu untersuchenden Menschen, ihrer geistigen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Situation, kurz ihrer „psychischen Oberfläche“ ein verhältnismäßig großer Raum gewidmet sein muß (ebd. S.17).

Die Psychoanalyse hat dazu beigetragen, daß diese dogmatischen Vorstellungen aus unbewußten seelischen Vorgängen erklärt und verstanden werden. Deshalb geht Fromm als erstes die Aufgabe an, die sozialpsychologische Funktion der Religion psychoanalytisch zu deuten.


19

Im Sinne der Psychoanalyse sucht der Mensch - nebst der Selbsterhaltung - nach Befriedigung seiner Sexualtriebe. Diese können sich aufgrund ihrer Verschiebbarkeit und Vertauschbarkeit unter anderem auch auf gesellschaftliche Objekte richten.

Die Religion wird als Ersatz für reale Befriedigung und als Mittel zu sozialer Kontrolle interpretiert: Wie sich in der Familie das Kind der Herrschaft des Vaters unterwirft, so geschieht dies im Sozialen und Politischen unter die jeweiligen Machthaber. Die mit dieser Unterwerfung einhergehenden Ängste und Frustrationen werden durch die „Liebe“ des Staates (des Vaters) und die Zugehörigkeit zur mächtigen Nation narzißtisch kompensiert und befriedigt. Diese Befriedigungen, welche die Herrschenden den Untertanen bieten, sind libidinöser Natur und spielen sich hauptsächlich in der Phantasie ab.

Die Masse soll durch geeignete Maßnahmen in ihrer infantilen psychischen Abhängigkeit gehalten und bestärkt werden. Zu diesem Zweck nötigt die herrschende Klasse der Masse unter anderem auch „eine Vaterfigur suggestiv“ (ebd. S.22) auf. Dazu dienen Herrschergestalten oder Götter.

Das Urchristentum entstand zu einer Zeit, als die Menschen völlig verelendet unter römischer Herrschaft dahin vegetierten. Die „Armen, Gedrückten und Leidenden“, d.h. die kleinen Handwerker und Proletarier trugen die neue Verkündigung. Jesus predigte diesen Menschen das Himmelreich, das alsbald eintreffen werde. Jesus selbst war einer dieser Unterdrückten, der nach der Kreuzigung Gott wurde und hernach zurückkehren wollte, um die Leidenden glücklich zu machen und die Herrschenden zu bestrafen. Die neue Lehre weckte in den Elenden die (libidinösen) Hoffnungen auf Erhöhung, Rache und Besserung der Zustände.

Der Aufstand und die Rebellion der Urchristen richteten sich gegen die damaligen „Väter“ (Kaiser, Römer, die Reichen, jüdische Priesterschaft), um an deren Stelle treten zu können. Jesus selbst engagierte sich weniger in politischen als vielmehr in religiös-messianischen Befreiungsaktionen und betätigte sich auf diese Art und Weise als religiöser Ödipus, da er sich anmaßte, den alten jüdischen Gott durch einen neuen (wie der Verlauf zeigt, durch ihn selbst) zu ersetzen.

Fromm schildert eingehend die historischen Ereignisse und die religiösen Wandlungen, die im Zentrum von „Kampf und Haß gegen die väterliche Autorität“ (ebd. S.34) geprägt waren. Die Urchristen beteiligten sich zum Teil weniger an den konkreten Aufständen der Bauern und Proletarier (oder mußten sich nach den Niederlagen den Römern unterwerfen), sondern malten sich in der Phantasie aus, daß Jesus zum Vater-Gott aufsteigen würde, um ihnen das messianische Paradies zu bringen. Damals ordnete sich noch der Sohn (Jesus) - wie in der politischen Situation unter die Römer - Gottvater unter.

In den ersten Jahrhunderten nach dem Tod von Jesus veränderte sich diese Sichtweise und nahm Gestalt an in zwei Dogmen, die vor allem durch zwei Theologen gegensätzlich vertreten wurden: Athanasius betonte die Wesensgleichheit (homo-ousie) von Gott-Vater und Sohn, während sein Gegenspieler Arius den Sohn dem Vater unterordnete. Die „arianische“ Sicht galt zu Beginn des Christentums.

Die Christen waren in kurzer Zeit ökonomisch wie sozial außerordentlich erfolgreich; an die Stelle der Proletarier traten Gebildete und Wohlhabende. Etwa 300 Jahre nach Christus gab es in allen Nationen Christen, und die wohlhabenderen Schichten waren weitaus mehr vertreten als zu Beginn.

Aus dem primär autoritäts- und staatsfeindlichen Christentum entstand eine Religion, welche die Herrschaft der Reichen, Könige, Kaiser und der Kirche konsolidieren sollte. Auf diese Weise veränderte sich auch die Vorstellung (das „Dogma“) von Christus: An die Stelle des zu Gott erhobenen Menschen trat Jesus, der zum Menschen gewordene Gott. Auf diese Art und Weise gelang es den Herrschern und Autoritätspersonen, im Namen Christi die weltliche Macht als eine von „Gottes Gnaden“ zu deklarieren.

Der urchristliche unbewußte Wunsch bestand in der Vater-Tötung. Jesus


20

verkörperte diesen Wunsch und wurde deshalb zur Identifikationsfigur. Als sich die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse wandelten, änderten sich mit ihnen die seelische Verfassung der Menschen und damit auch der geistige „Überbau“, z.B. die Dogmen. Nun sollen der Vater und die Herrschenden nicht mehr gestürzt werden; die Aggressionen wenden sich gegen die Leidenden. Gott-Vater gewährt dem sich unterwerfenden Sohn Verzeihung und Liebe und verwandelt sich damit „in die gnadenreiche Mutter, die das Kind ernährt“.

Rein psychologisch beschrieben ist die Wandlung, die hier vor sich geht, die von einer vaterfeindlichen Einstellung zu einer passiv-masochistisch-gefügigen und endlich zu der des von der Mutter geliebten Säuglings (ebd. S.67).

Die Ursache für diese Wandlung zur katholischen Version des Christentums liegt in der „Veränderung der wirtschaftlichen Situation bzw. dem Rückgang der Produktivkräfte und ihren gesellschaftlichen Konsequenzen“.

Die Vertreter der herrschenden Klassen griffen in diesen Prozeß verstärkend und beschleunigend ein, indem sie der Masse solche Phantasien suggerierten, die ihr (Phantasie-)Befriedigung gewährten und die ihre Aggression in gesellschaftlich ungefährliche Bahnen lenkten ... Der Katholizismus bedeutete die verhüllte Rückkehr zur Religion der großen Mutter, als deren Besieger Jahwe auf den Plan getreten war. Erst der Protestantismus greift wieder auf den Vater-Gott zurück, er steht am Beginn einer gesellschaftlichen Epoche, die eine aktive Haltung der Massen zuläßt, im Gegensatz zur passiv-infantilen des Mittelalters (ebd. S.68).

Fromm setzte sich in dieser Arbeit unter anderem auch mit der Theorie seines Lehrers Theodor Reik auseinander, der 1927 über Dogma und Zwangsidee geschrieben hatte. Sein Gewährsmann für theologische Fragen ist dabei Adolf von Harnack<18>. Wesentlich und neu an Fromms Veröffentlichung ist die Interpretation religiöser Vorgänge durch die Psycho-Analyse gesellschaftlicher, politischer und ökonomischer Vorgänge.

1.2 Grundlegung einer Sozialpsychologie und der Übervater Freud

Die Amalgamierung von Psychoanalyse und Sozialpsychologie machte weitere Fortschritte, als Fromm sich mit dem Thema Die psychoanalytische Charakterologie und ihre Bedeutung für die Sozialpsychologie<19> 1932 beschäftigte. Primär lag das Anliegen der Psychoanalyse darin, neurotische Symptome zu beseitigen. Dabei entdeckte sie libidinöse Vorgänge, die verdrängt oder gehemmt wurden. Anschließend ging Freud dazu über, persönliche Eigenheiten, d.h. den Charakter eines Menschen, durch die Vorgänge der Reaktionsbildung und Sublimierung zu erklären. Bei der Neurose handle es sich - so Freud - um eine nicht geglückte Anpassung der Triebe an die gesellschaftliche Realität, während der nichtneurotische Charakterzug libidinöse Regungen „in einer relativ stabilen und gesellschaftlich angepaßten Weise“ verarbeite.

Fromm expliziert einfühlsam und ausführlich Freuds Konzept der Reaktionsbildung, Sublimierung und Charakterbildung, die sich programmatisch auf die Veröffentlichung von Charakter und Analerotik aus dem Jahre 1908 stützt. Die Libido heftet sich danach an die anale Zone und gewinnt dabei Lust. Dabei will das Kind angeblich mit dem Kot spielen, unordentlich sein und verschwenderisch damit umgehen. Die Mutter möchte aber, daß das Kind den Stuhlgang reinlich, ordentlich, sparsam und gehorsam am richtigen Ort absetzt. Reaktionsbildung bedeutet somit, daß die analen Triebe, die das Gegenteil der mütterlichen Wünsche erstreben, abgewehrt und ins


21

Gegenteil verkehrt werden, d.h. das Kind wird Autoritäten gegenüber unterwürfig, zwanghaft sauber und ordentlich. Wenn die Sublimierung (Veredelung der Triebe) gelingt, entstehen Tugenden wie Reinlichkeit, Ordnungsliebe, Sparsamkeit und - anstelle von Eigensinn - Kooperationswille.

Um die Verbindung zur Sozialpsychologie herzustellen, ist es erforderlich, Freuds Konzept fein säuberlich in Sexualziel (Organlust) und Sexualobjekt (die Objektbeziehung) zu differenzieren. Der Säugling ist vor allem narzißtisch eingestellt, d.h. er ist sein eigenes Objekt; die Organlust entwickelt sich am Mund, After usw. Diese „Stufen“ der Sexualentwicklung hatte Freud 1905 in Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie beschrieben. Auf die orale Phase folgt die anal-sadistische, objektfeindliche Periode, welche in die phallische Phase mündet. Erst mit dem Primat der Genitalität in der Pubertät kommt es zu „objektfreundlichen, liebenden Zügen“.

In der oralen Entwicklung finden sich zu Beginn objektfreundliche, später aber auch feindliche Regungen, die in den Charakter einfließen. Charakterologisch macht sich das glückliche und optimistische orale Schicksal als Freigebigkeit, Optimismus und spenden wollende Mütterlichkeit (Sublimierungen und Reaktionsbildungen) bemerkbar, während die oralen Versagungen eher vampyrartige, aussaugende und beraubende Züge entstehen lassen.

Die anale Entwicklungsphase verzweigt sich in zwei Hauptrichtungen, da die Abgabe des Stuhls entweder Lust oder Konflikt (mit den Erziehern) bewirken kann: Lust am Behalten von Geld, Gefühlen, Zeit und Kraft, andererseits die Unfähigkeit zum Behalten, Sammeln und Produzieren. Gelungene anale Reaktionsbildung bzw. Sublimierung mündet in Pflichtgefühl und Gehorsam, während anale Durchbrüche, d.h. Wiederkehr des Verdrängten, sich als Trotz, Beschmutzen und Verschwenden charakterologisch äußern.

Für die Sozialpsychologie besonders interessant sind der Eigensinn (was sich zu Einzigartigkeits-Gefühlen ausweiten kann), die Sparsamkeit im Erwerbsleben (Arbeit) sowie der Gehorsam.<20>

In der genitalen Reife bringt die Sublimierung Liebe und die Reaktionsbildung den Willen hervor. Fromm zählt unter die „männlichen Sublimierungen“ das geistige Eindringen, Zeugen und Ordnen, auf der weiblichen Seite Aufnehmen, Bergen, Produzieren und „bedingungslose mütterliche Liebe“.

Welche Faktoren fördern und welche Faktoren behindern nun die Entwicklung des Charakters? Einerseits sind es die wachsenden Kräfte und Reifungen im Individuum, die zur „objektfreundlichen, liebenden Haltung“ beitragen, andererseits die Erziehung in der Familie und der Gesellschaft, welche die Verdrängung von prägenitalen Sexualstrebungen fordern und damit der genitalen Sexualität den Weg frei machen.

Diese Entwicklung mißlingt jedoch oft, so daß Fixierungen und Regressionen auf den prägenitalen (oralen, analen und phallischen) Stufen bestehen bleiben oder wieder entstehen. Die Familie vermittelt in der Erziehung diejenigen Strebungen, die gesellschaftlich am brauchbarsten sind: Der Geist der Gesellschaft entspricht somit ihrem Sozialcharakter. Im Kapitalismus soll z.B. alles dem Besitz untergeordnet werden. Dies gelingt am besten, wenn sexuelle Strebungen be- und verhindert werden, so daß die Menschen auf prägenitale Befriedigungen angewiesen sind. Deshalb fördert eine kapitalistische Gesellschaft Pornographie sowie Verherrlichung von Gewalt und Konkurrenz, da sie alle die Liebesfähigkeit sabotieren.

Unter „Geist“ versteht Fromm die „seelischen Grundlagen der bürgerlichen Gesellschaft, ... die Summe der für die Menschen dieser Gesellschaft typischen Charakterzüge“ (ebd. S.71). Im Gegensatz zu anderen Theoretikern wie z.B. W. Sombart<21> (1923), der von „Grundsätzen und Werturteilen“ einer Epoche spricht, rekurriert die Psychoanalyse auf die Charakterzüge, deren rationalisierter Ausdruck sie sind.

Der kapitalistisch-bürgerliche Geist weist nun folgende Charakteristika auf:


22

Lebensglück und Lebensgenuß stehen nicht im Mittelpunkt, sondern die Pflichterfüllung; man verdient mehr Geld, als es für den Lebensunterhalt erforderlich wäre, da Besitz und Reichtum die Lebensziele ausmachen; sparen soll man mit der Zeit, dem Geld, der Seele und dem Körper. Aus diesen Charakterzügen spricht die puritanische Ethik, die im 19. Jahrhundert ihren Siegeszug angetreten hatte.

Die Überbetonung der bürgerlichen Privatsphäre macht des weiteren Affekte gegen den Sozialismus, der solche Schranken niederreißen möchte, verständlich. Auch führt die „Verdinglichung aller menschlichen Beziehungen“ zum Verpönen von Liebe und Sexualität; zweckhaftes Denken und Gleichgültigkeit prägen die Kontakte, so daß sich nur noch wenige für die Gemeinschaft verantwortlich fühlen. Paradigmatisch für diesen bürgerlich-kapitalistischen Geist sind z.B. Benjamin Franklins Lebenserinnerungen<22>, in dessen Tugendkatalog weder Liebe, Caritas noch Güte auftauchen: Der bürgerliche Geist ist (fast) mitleidslos.

Aus all diesen Eigentümlichkeiten schließt Fromm, daß der Sozialcharakter des Bürgers mit dem analen Charakter übereinstimmt. In späteren Untersuchungen (z.B. in Furcht vor der Freiheit, 1941) geht Fromm dazu über, die kapitalistische Wirtschaftsstruktur und ihre Auswirkungen auf die libidinösen Strukturen zu beschreiben, die wiederum via Analerotik die kapitalistische Wirtschaftstruktur fördern. Dabei wird er auf die Veränderung hinweisen, die mit dem Siegeszug des Protestantismus begann, der die gütige, ihre Kinder bedingungslos liebende Mutter (Maria) durch den mit dem Sohn rivalisierenden Vater ablöst (Martin Luther und Calvin). Der neue Gott liebt seinen Sohn nur, wenn er bestimmte Forderungen erfüllt. Hinter der kapitalistischen Produktivität könnten auch - so meint Fromm - männliche Gebärwünsche aufgrund des Gebärneides wirksam sein.

Der Kaufmann, der im 19. Jahrhundert den Kapitalismus verkörpert hatte, wird allmählich vom Großunternehmer abgelöst. Jedoch sind die bürgerlichen Charakterzüge auch im Hochkapitalismus des 20. Jahrhunderts im Kleinbürgertum zu erkennen. Fromm weist auf die typisch kleinbürgerliche Haltung hin, die einerseits väterliche Autorität und Disziplin wünscht, andererseits Rebellion und Trotz ausbrütet. Durch Aufspaltung bleibt diese widersprüchliche Kombination virulent: Der Kleinbürger duckt sich unter den Führer, bekämpft aber andere Vaterfiguren.

Im Proletariat sind die analen Charakterzüge (in geringerem Ausmaß) ebenfalls aufzufinden. Die Arbeiter haben als Arbeitskräfte fast keinen Einfluß auf die Produktion; deshalb sind einige Charakterzüge eigentlich überflüssig. Aber durch die familiäre Erziehung und andere kulturelle Einflüsse bleibt die libidinöse Struktur länger erhalten. Damit werden Widerstände gegen die Akzeptanz des Sozialismus verständlicher.

Im Gegensatz zum Kapitalismus sieht der Marxismus die menschliche Würde und Freiheit erst jenseits der Arbeit auftauchen. Er fordert für jeden Menschen bedingungsloses Recht auf Glück und Befriedigung und kritisiert die Verdinglichung der menschlichen Beziehungen. Bürgerliche Parteien fordern Gleichheit nur im Sinne der den einzelnen zugeteilten Quantitäten (Lohn, Gehalt), während der Marxismus für eine soziale Gleichheit eintritt. Fromm betont in der marxistischen Theorie das Antiautoritäre, welche durch das Zurücktreten der väterlichen Autorität die mütterlichen Züge der Leben spendenden Erde zum Vorschein kommen läßt. Die Befreiung der Frau steht dem kleinbürgerlichen Faschismus entgegen, der den männlich-väterlichen Autoritätsanspruch vertritt. Nationalismus und patriarchalisch-kleinbürgerliche Struktur gehören sinngemäß ebenfalls zusammen.

Der „Geist“ einer Epoche wird in der soziologischen Literatur in der Regel als Ideologie aufgefaßt. Nach Fromm ist er aber ein libidinös bedingter Charakterzug, der sich „in sehr verschiedenen und auch sich widersprechenden Ideologien ausdrücken kann“ (ebd. S.77). Die Frommsche Kritik wendet sich noch einmal gegen W. Sombart, der falsche und oberflächliche psychologische Kategorien verwende, um z.B. den vorkapitalistischen Menschen zu charakterisieren, der „natürlich“ gewesen wäre. Den Großunternehmer wiederum vergleicht Sombart mit einem Kind, das von vier


23

Wertkomplexen („Idealen“) beherrscht wäre, nämlich von sinnlicher Größe, von rascher Bewegung, von Neuem und vom Machtgefühl.

Zum Thema der Übertragung von psychoanalytischen Begriffen auf die Sozialpsychologie werden wir gesamthaft im letzten Teil noch einmal Stellung nehmen. Vorab ist jedoch anzumerken, daß es zumindest fragwürdig ist, den Kernkomplex der Neurose, nämlich die ödipale Thematik, auf fast alle Wissenschaften anzuwenden<23>.

1.2.1 Sigmund Freud, der Übervater

Fromm hatte Freud niemals persönlich kennengelernt. Mit der Person und dem Schöpfer der Psychoanalyse hat er sich zeitlebens beschäftigt; die letzte Arbeit entstand sogar noch ein Jahr vor Fromms Tod.

Das erste größere Werk stammt aus dem Jahre 1959. Es trägt den Titel Sigmund Freud. Seine Persönlichkeit und seine Wirkung<24>. Es handelt sich dabei um ein gediegenes Werk, das die Größe und die Schwächen Freuds ausgewogen darstellt. „Freuds leidenschaftliche Suche nach Wahrheit und sein Mut“ erregen mit Recht die Bewunderung Fromms und der Nachwelt. Er war ein Aufklärer, der seine ganze Hoffnung auf die Vernunft gelegt hatte. Allerdings fehlten ihm „emotionale Wärme, menschliche Nähe, Liebe und Lebensfreude“ (ebd. S.157). Der geniale Begründer der Psychoanalyse war auch unsicher und fühlte sich schnell verraten, bedroht und verfolgt.

Freuds Verhältnis zu seiner Mutter war nicht so einfach strukturiert, wie er es selbst darstellte. Wie bei Goethe war er der Meinung, daß er durch ihre Bewunderung zum „Eroberer“ berufen sei und damit ein unerschütterliches Selbstbewußtsein von ihr erhielt. Aber die Bindung an sie war nach Ansicht Fromms übermäßig eng - Freud besuchte sie zeitlebens jeden Sonntag und zeigte ihr gegenüber eine große Abhängigkeit -, so daß er den Ödipus-Komplex einseitig als sexuellen Wunsch des Knaben nach der Mutter mißdeutete und nicht verstand, daß jedes Kind sich nach Fürsorge, Schutz und Liebe der Mutter sehnt.

Die Abhängigkeit zeigte sich darin, daß er in Depressionen verfiel, wenn eine bedingungslose Liebe nicht fortdauerte: Seiner zukünftigen Frau Martha Bernays gegenüber verhielt er sich ausgesprochen eifersüchtig, und abfallende Schüler verfolgte er mit Haß. Auf Frauen, männliche Freunde sowie Schüler übertrug er „das gleiche Bedürfnis nach bedingungsloser Liebe, Bestätigung, Bewunderung und Schutz“ (ebd. S.164). Falls dies ausblieb, reagierte er mit großer Unsicherheit, die er mit Eifersucht und Aggression überspielte.

Seine Unsicherheit zeigte sich auch in Angst vor Hunger und Armut (oral-rezeptive Haltung), denn er fühlte sich nur sicher in Beziehungen, die an eine mütterliche Liebe erinnerten, welche er auf seine Jünger übertrug: Diese mußten ihm alles geben.

Fromm ist beim Thema „Liebe“ der Meinung, daß „Freud überhaupt wenig Liebe für Menschen übrig“ (ebd. S.171) hatte; im Sexuellen war er ein echter Puritaner.

Freud rebellierte gegen seinen Vater und damit überhaupt gegen Autoritätspersonen. Seine Mutter machte ihn stolz und frühzeitig zum Rivalen seines Vaters. Die Freudschen Identifikationsobjekte Hannibal, Masséna (ein angeblich jüdischer General unter Napoleon) und Moses waren jedoch keine Revolutionäre, sondern Rebellen, die - nach der Definition von Fromm -, sobald sie selbst an der Macht sind, autoritär herrschen und die weltlichen Machthaber akzeptieren: Das autoritäre Verhalten Freuds ist vielfach belegt.

Neue Gesichtspunkte zur Psychoanalyse-Rezeption liefert der Abschnitt über „Freud als Weltverbesserer“. Es ist nämlich wenig bekannt, daß der spätere Konservative sich als junger Mann mit dem Sozialismus und mit Sozialistenführern identifizierte. Die Wohnung in der Berggasse übernahm er nur, weil darin Viktor Adler, ein berühmter österreichischer Sozialist, gewohnt hatte. Auch das Motto, das er der Traumdeutung voranstellte, hatte er bei einem Sozialisten (Lassalle) entdeckt („Kann ich die Götter nicht beugen, so werd’ ich den Orkus bewegen“, Zitat aus Vergils Äneis). Bevor Freud die


24

psychoanalytische Vereinigung gründete, beabsichtigte er 1910, der vom Apotheker Knapp gegründeten „Internationalen Brüderschaft für Ethik und Kultur“ (Präsident: Auguste Forel) beizutreten. Deshalb wird auch verständlicher, warum seine medizinisch- psychologische Vereinigung zu einer „Bewegung“ wurde:

Er wollte die Welt verändern. Im Gewand des Therapeuten und Wissenschaftlers war er einer der großen Weltverbesserer des angehenden 20. Jahrhunderts (ebd. S.199).

So entstand der „quasi-politische Charakter der psychoanalytischen Bewegung“. Kennzeichen dafür waren unter anderem: Eine autoritär ausgerichtete Hierarchie, Kongresse wie Parteitage, ein geheimes Komitee, ein Verhalten wie bei einer „quasi-religiösen Bewegung“, Freuds Führertum und die Ausrichtung auf eine Elite.

Fromm interpretiert auch eingehend Freuds politische und religiöse Überzeugungen. Der Begründer der Psychoanalyse hielt den Menschen für einen Einzelkämpfer, der hauptsächlich für den eigenen Vorteil eintrat und das Soziale unter dem Gesichtspunkt der Nützlichkeit bzw. des Zweckhaften ansah. In der sexuellen Frage war er liberal, politisch bürgerlich-konservativ eingestellt. Die Frau wurde unter patriarchalischen Gesichtspunkten betrachtet.

Er wollte eine neue säkulare und zugleich wissenschaftliche Religion für eine Elite, die die Menschheit führen sollte, begründen (ebd. S.212).

Obwohl Freud sich zu den Atheisten zählte, attestiert ihm Fromm einen religiösen Charakter. Dies wäre unter anderem daran erkennbar, daß „an die Stelle von Kreativität und Spontaneität ... Dogma, Riten und Führerkult getreten“ (ebd. S.213) sind: Es gab kaum Veränderungen (nicht einmal die Einführung von Eros und Thanatos wurde von allen akzeptiert), und das Ritual der Couch-Therapie sowie die „Idolisierung der Person Freuds“ sprechen ebenfalls für dieses Argument.

Somit könne, so sagt Fromm, die Psychoanalyse als „Religionsersatz“ keine fundamentalen Änderungen des menschlichen Charakters bewirken, sondern höchstens einige libidinöse Fixierungen lösen. Die gewisse Popularität, die sie erreicht hat, hänge wahrscheinlich damit zusammen, daß die propagierte sexuelle Freiheit mit dem modernen Konsumverhalten gut übereinstimme. Freuds eigentliches Anliegen, der Vernunft zum Siege zu verhelfen und durch Sublimierung eine höhere Kultur zu schaffen, sei gewiß nicht gelungen.

Freud erlebte mit dem Ersten Weltkrieg und dem Nationalsozialismus „die Ära einer ständig anwachsenden gesellschaftlichen Geisteskrankheit anbrechen“ (ebd. S.217). Die Vernunft hatte versagt; das Irrationale und die „Unterwelt“ siegte. Deshalb mutierte Freud gegen Ende seines Lebens wieder zum Romantiker, der die Übermacht der Unterwelt anerkennen mußte (Thanatos besiegte den Eros).

Trotz aller Kritik endet Fromms Werk versöhnlich und anerkennend:

Aber seine Gabe, seine Ehrlichkeit, sein Mut und die Tragik seines Lebens erfüllen uns nicht nur mit Achtung und Bewunderung, sondern auch mit Liebe und Mitgefühl für einen wahrhaft großen Menschen (ebd. S.221).

In einem kleineren, aber gehaltvollen Aufsatz, Die philosophische Basis der Freudschen Psychoanalyse<25> aus dem Jahre 1962, geht Fromm auf die philosophische Tradition ein, in der Freud stand. Er nennt ihn einen Romantiker, da er sich hauptsächlich für das Unbewußte (der „Unterwelt“) interessierte, wo er mythische Kräfte wie den Ödipus-Komplex oder archaische Traumsymbole zu finden glaubte.

Andererseits darf man Freud mit Fug und Recht einen typischen Aufklärer und Rationalisten nennen, der die Wahrheitsliebe und den Abbau von Illusionen (z.B. der Religion) an die erste Stelle der Entwicklung des Menschen stellte. Die bedingungslose Forderung nach der Vernunft ist Wissenschaft in modernstem Sinne, wobei Fromm betont, daß es zur Wissenschaft gehört, von größeren Irrtümern zu kleineren


25

überzugehen und nicht zu glauben, im Alleinbesitz der Wahrheit und Gewißheit zu sein. Freud war von der Macht der Vernunft und der Wissenschaft überzeugt:

Dies macht ihn zu einem der großen Wissenschaftler der Welt, zu einer der großen Gestalten der Aufklärung. Deshalb glaube ich, daß sein System die Grundlage für die Psychologie der kommenden Jahrhunderte bilden wird (ebd. S.226).

Wenn Wissenschaft so gesehen wird, darf man nicht nur Freud, dem Fromm zahlreiche Irrtümer nachweist, Psychoanalytiker nennen, sondern auch die von der Orthodoxie abgewerteten so genannten „Revisionisten“.

Dazu zählt auch Alfred Adler, den Fromm in diesem Aufsatz milder als früher beurteilt. Hier nennt er die seiner Lehre zugrundeliegende Theorie eine „Sozialphilosophie“, die vom Optimismus des aufsteigenden Kleinbürgertums und des Mittelstands nach den Revolutionen von 1918 erfüllt sei. Dieser Optimismus finde sich auch im „gleichzeitigen Aufstieg der Sozialdemokraten“, die an folgendes glaubten:

Die Bevölkerungsschichten, die sich unten befinden, werden hochkommen, und zwar ohne Konflikte, und das Schlimmste kann sich schließlich als das Beste erweisen (ebd. S.227).

Adler wäre weniger spekulativ als Freud gewesen, „nicht so sehr ein tiefgründiger Seelenforscher“, der aber die Theorie „häufig zu einer gesunden und realistischen Auffassung von Lebensstrategie und -taktik“ (ebd. S.226) zurückgeführt hätte.

Nach einer kurzen Charakterisierung von Carl Gustav Jung, den er einen Romantiker und Relativisten nennt, erläutert Fromm seine von Freud abweichenden Ansichten: Die therapeutische Beziehung beruht auf einem echten Ich-Du-Verhältnis, das „produktive Bezogenheit“ und „volle, echte menschliche Kommunikation“ einschließt. Unbewußtes (das Verdrängte nach Freud) ist hauptsächlich Dissoziiertes und durch Fiktionen Ersetztes. Im Gegensatz zur Psychoanalyse übt Fromm radikale Kritik an der Gesellschaft. Die modernen Psychoanalytiker, Psychologen und Psychiater wären in Gefahr, „sich zu neuen Priestern einer industrialisierten Gesellschaft zu entwickeln“ (ebd. S.229), welche den Neurotiker nur an die bestehenden Verhältnisse anpassen möchten:

Die Psychoanalyse ist - abgesehen von allem anderen - weitgehend zu einem Ersatz für die Religion oder für eine Weltanschauung geworden (ebd. S.230).

Mit der Psychoanalyse im Sinne Fromms könnte der Neurotiker die Entfremdung, „diese allgemeine Krankheit unserer Zeit“ überwinden und damit - „in Übereinstimmung mit dem Ziel der humanistischen Philosophie oder Religion“ - menschlicher werden.<26>

Die Publikation Freuds Modell des Menschen und seine gesellschaftlichen Determinanten (1970/1977) enthält bewundernswerte Konzentrate des Freudschen und Frommschen Denkens.

Freud war ein liberaler, kein radikaler Kritiker der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft (mit Ausnahme vielleicht in der sexuellen Frage). Der Freudsche homo sexualis wird von Fromm sogar als eine Variante des klassischen homo oeconomicus angesehen, da er isoliert existiert und nur dann in Beziehung zu anderen tritt, wenn er sie zur Befriedigung seiner Bedürfnisse benötigt. Das Menschenbild Freuds kann mit den Begriffen des Biologismus, mechanistischen Materialismus und Sexualismus charakterisiert werden. Nach den furchtbaren Erfahrungen des Ersten Weltkriegs wurde sein bürgerlicher Optimismus zerstört, und er ging dazu über, eine in der Natur des Menschen verankerte Aggressivität (Todestrieb) anzunehmen. In Das Unbehagen in der Kultur (1930) bezeichnet er den Menschen als faul und einer starken Führung bedürftig.

Fromm bezeichnet Freuds Dialektik von Irrationalismus und Rationalität als große


26

Errungenschaft, denn er hatte erkannt, daß die Vernunft und das Bewußtsein vom Unbewußten beherrscht werden. Daraus resultierte sein Bestreben, eine „Wissenschaft von der menschlichen Irrationalität“ zu gründen.

Im Gegensatz dazu hätte Adler eine einseitig rationalistisch-optimistische Theorie vertreten, in der er glaubte, daß...

die angeborenen Unzulänglichkeiten die Voraussetzung für Stärke seien und daß sich der Mensch durch das intellektuelle Verstehen einer Situation selbst befreien und die Tragödie des Lebens überwinden könne (ebd. S.236).

Berechtigte Kritik übt Fromm an Freuds Stellungnahmen zu Frau und Kind. Da er die Frau als minderwertig einstufte, konnte er das Wesen der (partnerschaftlichen) Liebe und der Mutterliebe nicht adäquat erfassen. Desgleichen übernahm er beim Kind gesellschaftliche Vorurteile, die das Kind als Ausbeutungs- und Herrschaftsobjekt ansahen, das belogen werden durfte und das „ein kleines kriminelles und perverses Wesen sei“ (ebd. S.240): Das Kind<27> war generell schuldig, die Eltern unschuldig.

Fromm nennt im Folgenden seine Theorie eine „radikal-humanistische Revision“ der Psychoanalyse, die er „nicht als eine besondere ‚Schule’ ansehe“ (ebd. S.243), da er von Freud die Rolle des Unbewußten, der Verdrängung, des Widerstandes, der Bedeutung der Kindheitserlebnisse, der Übertragung und des dynamischen Charakterbegriffs übernommen hat.

Durch den Ersten Weltkrieg und die Erfahrungen bis 1930 richtete sich Fromms Augenmerk auf eine „radikale Gesellschafts- und Ideologiekritik“. Dabei kritisierte er nicht nur die bürgerliche Gesellschaft, sondern auch den Staatssozialismus von Lenin und Stalin. Er stützte sich dabei auf Marx, der einen „radikalen Humanismus, einen historischen Materialismus und ein prozeß-orientiertes und dialektisches Denken“ besaß. Als philosophische Vorbilder nennt Fromm Heraklit, Spinoza, Hegel und Marx.

Im Gegensatz zu Freud sieht er im Menschen nicht primär ein vom Lust-Unlust-Mechanismus getriebenes, sondern ein auf die Mitmenschen „bezogenes und ihrer bedürfendes Wesen, und dies nicht in erster Linie zum Zweck der gegenseitigen Bedürfnisbefriedigung, sondern aus Gründen, die in der „Natur“ des Menschen liegen“ (ebd. S.244).

Der Mensch erfahre den grundlegenden „Widerspruch“, daß er zwar zur Natur gehöre, sie aber doch transzendiere und sich dabei isoliert fühle. Die Einsamkeit würde zu Wahnsinn führen. Deshalb ringt der Mensch um neue Lösungen und Weiterentwicklung. Der Mensch strebe nicht, wie Freud meinte, nur nach Selbsterhaltung und sexueller Befriedigung, sondern besitzt als wichtigste Leidenschaft das Ziel der „Verwirklichung der menschlichen Möglichkeiten - des Menschen-Möglichen“ (ebd. S.245). Hier erwähnt er die Namen von Marx, Kurt Goldstein und Abraham Maslow<28>.

An die Stelle von Freuds Begriff der Libido möchte Fromm „Gesamtenergie“ setzen, die sich beim Menschen nicht nur auf vitale Interessen, sondern auf lebensfördernde und ideale Strebungen richtet. Diese seelischen Strebungen nennt er auch „im weitesten Sinne religiöse Strukturen“.

Ein Unbewußtes im psychoanalytischen Sinn existiere nicht; man könnte es am ehesten als „Funktion“ bezeichnen, das vom Gesellschaftlichen her durch drei verschiedene Filter (Sprache, Logik und Tabus) bestimmt wird.

Der Mensch bleibe ein offenes System. Je höher er sich entwickle, um so verwundbarer werde er und könne sogar gänzlich zerfallen:

Der humane Fortschritt ist immer nur eine Seite der Alternative, deren

27

andere Barbarei oder (psychische und physische) Selbstzerstörung ist (ebd. S.247).

Dieser pessimistische Gesichtspunkt wird von Fromm ergänzt durch die These, daß der Mensch „letztlich undefinierbar und unbeschreibbar“ sei. Hier überträgt Fromm die „negative Theologie“ - daß Gott unerkennbar und unbenennbar sei - auf die Anthropologie.

Die Psychoanalyse Freuds hätte auch nur das „autoritäre Gewissen“, d.h. die im Über-Ich verinnerlichten Stimmen der Eltern und der Gesellschaft gekannt.<29> Fromm führte in Erweiterung dessen den Begriff des „humanistischen Gewissens“ ein, das den Menschen zur Selbstverwirklichung aufruft.

Fromms „dialektisch-humanistische Revision“ (ebd. S.246) hat auch Freuds Charakterologie differenziert und erweitert. Die inzwischen weitestgehend bekannte Libido-Stufen-Theorie Freuds (primär narzißtisch, oral, anal, phallisch, genital) enthält eine implizite Werteskala, welche mit den „Stufen der Bezogenheit“<30> zusammenhängt. In der Terminologie Fromms heißt es dann:

Der oral-empfangende Mensch ist ein abhängiger, unselbständiger Charakter, der oral-sadistische ein ausbeuterischer und der anal-sadistische ein die Unterwerfung und das Leiden anderer genießender und geiziger Mensch. Nur der genitale Charakter ist selbständig; nur er respektiert und - manchmal sagt Freud auch - liebt den andern Menschen; nur er ist produktiv (ebd. S.248).

Der Mensch nimmt diese Stufen der Entwicklung nicht aufgrund von instinktiven bzw. triebhaften Vorgängen, sondern, indem er sich auf andere Menschen bezieht (Sozialisation), sich die Dinge aneignet und sie für sich nutzbar macht (Assimilierung). Es gibt zwei Möglichkeiten der Bezogenheits- und Aneignungssysteme: die „nicht-produktive“ (Empfangen, Ausbeuten, geiziges Sparen) und die „produktive“ Orientierung, welche sich die Dinge durch Arbeit aneignet und sich in Liebe auf die anderen bezieht.

Schließlich verweist Fromm noch auf seinen Begriff des „Gesellschaftscharakters“. Er ist das Abbild der den meisten Menschen einer Gesellschaft oder Klasse gemeinsamen Charakterzüge. Damit eine Gesellschaft funktioniert, muß sie via Familie, Schule, Institutionen und Medien Denken, Fühlen und Handeln der Einzelnen derart verändern, daß die „allgemeine menschliche Energie in gesellschaftlich brauchbare Energie“ (ebd. S.250) verwandelt wird.

Abschließend wehrt sich Fromm gegen eine wohl damals schon häufiger geäußerte Kritik, daß seine Theorie „optimistisch“ sei. Seiner Ansicht nach bleibt es bei der „Nicht-Aufhebbarkeit des existentiellen Widerspruchs, der die Triebfeder menschlicher Entwicklung bleibt“<31> (S.251), so daß der dialektisch verlaufende Prozeß zwar die Gesellschaft menschlicher und gesünder macht, aber niemals zum Übermenschentum oder dem Paradies auf Erden führt.

Nach dem Buch Haben oder Sein (1976) hatte Fromm vor, sein Verständnis von psychoanalytischer Therapie und Technik schriftlich darzustellen. Der schwere Herzinfarkt im Jahre 1977 unterbrach diese Bemühungen, so daß 1979 nur Teile von diesem Projekt in: Sigmund Freuds Psychoanalyse - Größe und Grenzen (1979) veröffentlicht werden konnten.

Freuds wissenschaftliche Erkenntnisse mußten notgedrungen begrenzt und


28

fehlerhaft sein, da nur in einer nicht-entfremdeten und humanen Gesellschaft („politisch-religiös gesprochen heißt das: Nur in der Messianischen Zeit“, ebd. S.265) annäherungsweise die Wahrheit erkannt werden könne. Fromm weist nun nach, wie Freuds bürgerliche und patriarchalische Einstellungen zahlreiche Irrtümer initiiert hatten. Unter anderem erweise sich Freud in der Interpretation des „Wolfsmannes“ (Aus der Geschichte einer infantilen Neurose, 1918) als „zwanghafter Rationalist“ (ebd. S.274), der einige Details seinen Theorien willkürlich anpasse.

Ausführlich werden die Themen des Unbewußten und des Ödipus-Komplexes abgehandelt. Zu letzterem liefert Fromm eine detaillierte Analyse der Trilogie des Sophokles (König Ödipus, Antigone, Ödipus auf Kolonos). Die gesamte Trilogie befasse sich mit dem Konflikt zwischen dem matriarchalischen Prinzip der Gleichheit und Demokratie (vertreten durch Ödipus) und dem Prinzip der patriarchalischen Diktatur von „Gesetz und Ordnung“ (durch Kreon dargestellt). Das Patriarchat gewinne zwar, jedoch würden seine Prinzipien eine Niederlage erleiden.

Die psychoanalytische Technik basiert auf der Diwan- bzw. Couch-Methode. Das Übertragungsgeschehen - eine geniale Entdeckung Freuds - mißlinge auf diese Weise jedoch oft, da, wie einige Analytiker ehrlich zugaben, die Therapeuten aufgrund der Monologe ihrer Analysanden ein „kurzes Schläfchen“ (ebd. S.291) machten. Fromm plädiert dafür, nicht nur die Regression in die Kindheit zu forcieren, sondern die gegenwärtige Realität in einem persönlichen Gespräch, d.h. einander gegenüber sitzend, zu thematisieren.

Die Begrifflichkeit des Narzißmus wird von Fromm auf den Narzißmus des Künstlers, der Politiker sowie auf den Gruppennarzißmus erweitert. Letzterer äußert sich in der Religion, dem Nationalismus und sogar in wissenschaftlichen Gruppen bzw. „Schulen“. In der Neuzeit ist ein Anwachsen des Narzißmus zu diagnostizieren. So kämpft in der „kybernetischen Industriegesellschaft“ (der Computergesellschaft) jeder isoliert gegen den anderen, vergötzt die industriellen Produkte und damit auch sich selbst, wenn er via Knopfdruck den Eindruck bekommt, er besäße Erfindungsgabe und Macht.

Wiederum erläutert Fromm seine abgewandelte Charakterologie, wobei er Charakter als „eine relativ gleichbleibende Struktur von Leidenschaften“ (ebd. S.302) definiert. In seinen eigenen Schriften hatte er besonderen Wert auf die Beschreibung des autoritären, partnerschaftlichen, destruktiven und liebenden Charakters gelegt. Wer sich eingehender mit dem Sozial- bzw. dem Gesellschafts-Charakter beschäftigt, muß die Psychoanalyse von einer Individualpsychologie zu einer Sozialpsychologie umformen.

Beim Thema der Traumdeutung erweist sich Fromm als echter Freud-Anhänger: „Man kann die Bedeutung der Traumdeutung kaum überschätzen“ (ebd. S.313). Deshalb erläutert er eingehend Freuds und die eigene Theorie. Anhand von Freuds selbst berichteten Träumen kritisiert er dessen endlose Assoziationen, die oft - wie Fromm nachweist - von Freuds Widerständen verfälscht wurden. Abschließend konstatiert Fromm das Paradoxon, daß wir in unseren Träumen „nicht nur weniger vernünftig und anständig, sondern auch intelligenter, klüger und urteilsfähiger sind als im wachen Zustand“ (ebd. S.336).

Zur Triebtheorie Freuds hat Fromm ebenfalls viel beizutragen. Daran interessierte ihn vor allem der Todestrieb (Thanatos; dieser Begriff stamme von Paul Federn), da von ihm aus zahlreiche Parallelen zu Fromms „Nekrophilie“-Begriff zu ziehen sind, die er als eine spezielle Form von Destruktivität auffaßt.

Fromm ist der Meinung, daß die Psychoanalyse die Potenz dazu gehabt hätte, den Menschen die Augen zu öffnen für die Wirklichkeit der Gesellschaft, in der sie leben, so daß sie sich für deren radikale Wandlung eingesetzt hätten. Jedoch stammt Freuds Denken und dasjenige seiner Nachfolger aus der bürgerlichen Intelligenz-Schicht, so daß sie zu Stützen der Konsumgesellschaft wurden.

Fromms umfangreiches Manuskript endet mit dem Lob: „Freud war ein Genie“ (ebd. S.362), dessen Gedankenkonstruktionen - wie der Talmud und die Hegelsche Philosophie - Wirklichkeit geschaffen haben.


29

1.2.2 Analytische Ethnologie und Ödipus-Komplex

1936 und 1937 rezensierte Fromm zwei Arbeiten von Margaret Mead<32>,<33> (1901-1978), in denen diese Ethnologin und Anthropologin mehrere primitive Stämme untersuchte. Sie stellte fest, daß die Charaktere, die geschlechtliche Identifikation und Handlungsweise (z.B. aggressiv oder fürsorglich) von den sozialen Bedingungen innerhalb dieser Völker abhing. Aus ihren Darstellungen kann man ableiten, daß die menschliche Triebstruktur eine „ungeheure Schmiegsamkeit und Plastizität“ (ebd. S.110) aufweist.

Fromm hebt die Fruchtbarkeit der Zusammenarbeit zwischen Ethnologen, Psychiatern, Psychoanalytikern und Soziologen hervor. Mead betonte, daß das Verhalten des Einzelnen nur im Zusammenhang mit der Gesamtstruktur der Gesellschaft verstanden werden kann und daß man die Charakterstruktur nur versteht, wenn man den Erziehungsprozeß und die Einflüsse der Kultur berücksichtigt. Die Untersuchungen von Mead, welche Rolle Zusammenarbeit und Konkurrenz in der Sozial- und Persönlichkeitsstruktur spielt, ergaben - wenn man Fromms Interpretation betrachtet - ein eher mageres Resultat: „Starke Ich-Entwicklung ist nicht spezifisch für konkurrierende, kooperative oder individualistische Gesellschaften“ (ebd. S.112), und die „Konzeption von Erfolg“ sei ausschlaggebender für kooperierendes oder konkurrierendes Verhalten als Technik oder Reichtum.

Eine andere Rezension Fromms beschäftigt sich mit einem Buch von Patrick Mullahy<34>: Ödipus. Mythos und Komplex (1948). Mullahy war wie Fromm ebenfalls Dozent im William Alanson White Institute.

Mullahy hatte in diesem Buch die gesamte Trilogie des Sophokles veröffentlicht und nachfolgend mit mehreren psychoanalytischen Interpretationen des Ödipusmythos versehen. Zu den Mythen Stellung zu beziehen ist wichtig, da in ihnen existentielle Erfahrungen, Wünsche und Träume der Menschen symbolisch Ausdruck finden. Mullahys Darstellung der verschiedenen Schulmeinungen ist sehr kenntnisreich; er vermeidet sowohl Eklektizismus wie Kult. Da Mullahy gründliche Kenntnisse auf den Gebieten der Philosophie, Mythologie und Psychoanalyse erworben hat, kann Fromm dieses Buch sehr empfehlen.

Zu diesem Thema hat Fromm noch einmal Stellung genommen, nämlich im Aufsatz Der Ödipuskomplex. Bemerkungen zum „Fall des kleinen Hans<35> aus dem Jahre 1966. Hier liegt eine sorgfältige Interpretation der Schrift von Freud aus dem Jahre 1909 vor (Analyse der Phobie eines fünfjährigen Knaben). Freud war der Meinung, mit dieser Fallgeschichte den Ödipus-Komplex bewiesen zu haben.

Es zeigte sich jedoch, daß Freud einige Tatsachen verdrängt und falsch interpretiert, wenn nicht sogar verleugnet hatte. Aus Fromms „Nach-Analyse“ bzw. Supervision wird deutlich, daß die Eltern des kleinen Hans offensichtliche Erziehungsfehler machten. So bedrohte z.B. die Mutter ihren Sohn Hans mit Kastration; darüber hinaus belog sie ihn. Freud als patriarchalischer Bürger hatte gegenüber diesen Fehlern einen blinden Fleck, da es sich hierbei ja um Fehlverhalten von Autoritätspersonen handelte. Hans hatte also reale Ängste vor der Kastration und vor dem Tod, als er eine Beerdigung und den Sturz eines Pferdes erlebte.

Angst hatte der Junge vor der Mutter, die ihm Kastration androhte, und nicht vor dem Vater, wie Freud behauptet. Darüber hinaus band sie ihn so sehr an sich, daß er ihr bis aufs Klosett folgte und von ihr gerne ins Bett genommen wurde. Dadurch sowie mittels anderer Intimitäten wie z.B. Körperpflege wird sie die „erste Verführerin des Kindes“ (ebd. S.147).


30

Hans war eifersüchtig auf ein neues Geschwisterchen, dem sich die Mutter plötzlich intensiv zuwandte und ihn vernachlässigte. Hans möchte sich deshalb rächen; dazu müßte er aber erwachsen sein, was er in mehreren Aussagen verdeutlicht. Er hoffte auf Unterstützung durch den Vater und erhielt sie letztlich auch durch den „Übervater“, Professor Freud, der ihm durch seine Anteilnahme half. Hans haßte seinen Vater keineswegs (was Freud wiederum meinte), sondern vertraute ihm sehr.

Fromm schließt aus diesem supervidierten Fall von Freud, daß für Knaben die Mutterimago viel wichtiger ist als die Vaterimago:

Eine verführerische und drohende Mutter erregt oft eine intensive Angst. Der Sohn kann dieser Angst dadurch entrinnen, daß er seine positiven Bindungen an die Mutter verstärkt, wenn er auch dafür den Preis bezahlen muß, daß seine Männlichkeit eine Schwächung erleidet. Oder er kann eine positive Bindung an den Vater herstellen, der ihm helfen wird, die Angst vor der Mutter zu überwinden (ebd. S.151).

Die autoritäre Gesellschaftsordnung ist mit Gewalt durchsetzt. Dazu paßt die Kastrationsdrohung. Kinder und Frauen haben vor allem Angst und noch dazu ein schlechtes Gewissen, das durch die Erzieher (und den Staat) auf sie übertragen und verstärkt wird. Auf diese Weise werden bestehende Machtverhältnisse untermauert.

1.3 Analytische Sozialpsychologie

1.3.1 Karl Marx und die Psychoanalyse

Psychoanalyse und Soziologie<36>. - Dieser kleine Aufsatz aus dem Jahre 1929 ist Frommsche Programmatik für sein ganzes Werk, führt er doch Karl Marx in die psychoanalytische Debatte ein. Die Psychoanalyse mit ihrem genetischen Ansatz begreift und versteht implizit den Menschen seit jeher als gesellschaftliches Wesen. Die Untersuchung der Verbundenheit und der Probleme mit Eltern, Geschwistern, Familie und Gesellschaft bedeutet eigentlich, daß die Psychoanalyse sich soziologischen Fragen stellen müßte und daß Soziologie und Psychoanalyse einander bedingen und benötigen. Fromm zitiert für diese These den „genialsten Soziologen“, nämlich Karl Marx:

Die Geschichte tut nichts, sie besitzt keinen ungeheuren Reichtum, sie kämpft keine Kämpfe. Es ist vielmehr der Mensch, der wirkliche, lebendige Mensch, der alles tut, besitzt und kämpft (ebd. S.5, aus K. Marx, Frühe Schriften, Stuttgart 1962).

Politik und Psychoanalyse<37>. - Der Titel dieses 1931 erschienenen Aufsatzes evoziert eigentlich eine Auseinandersetzung mit der Tagespolitik in Deutschland, die vom Heraufkommen des Nationalsozialismus wesentlich geprägt wurde. Aber von dieser brennenden Problematik ist nichts spürbar, spricht doch Fromm nur von „irrationalem politischen Geschehen“, das vielleicht ähnlich wie die neurotische unbewußte Triebproblematik behandelt werden könnte. Die Hoffnung, durch eine „Massenanalyse“ den ewigen Frieden herbeiführen zu können, sei wohl verführerisch, aber letztlich illusorisch.

Fromm erläutert dies wiederum am Beispiel der Psychoanalyse, die beim Einzelnen die Triebstruktur aus dem Lebensschicksal ableitet. Bei der Gesellschaft hingegen sind Wirtschaft und Politik bestimmend: „Die Ökonomie ist ihr Schicksal“ (ebd. S.32). Der historische Materialismus besagt, daß die Menschen zwar ihre Vorstellungen und Ideen (das Bewußtsein) produzieren, aber selbst in ihrem Sein bedingt sind durch die Art, wie sie Waren herstellen, arbeiten, Geld verdienen und damit sozial eingestuft sind.


31

Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt (ebd. S.32, Zitat von K. Marx).

Es wäre, wie eingangs erwähnt, optimal, wenn die Psychoanalyse ebenfalls die Triebstruktur (die Gesamtheit der einer Klasse, Nation, Berufsstand usw. „eigentümlichen Gefühlseinstellungen“) und das Lebensschicksal der Gesellschaft (die ökonomische, gesellschaftliche und politische Situation der Gruppen) erforschen und damit die Gesellschaft therapieren könnte.

Die Masse reagiert zwar ebenfalls „quasi-neurotisch“ auf aktuelle, schädliche und unzweckmäßige Lebensbedingungen, jedoch könnte die Sozialtherapie nur dergestalt funktionieren, daß sie die pathologisierenden und schädigenden Lebensbedingungen verändert. Die Psychoanalyse trägt aber immerhin viel zum Verständnis politischer Erscheinungen bei.

Wie sein großes Vorbild Freud vermeidet es Fromm, eine Analyse des aktuellen Geschehens vorzunehmen. Auch im folgenden Aufsatz ist es sein Anliegen, an die Wurzeln und basalen Geschehnisse des Sozialen zu gelangen.<38>

1.3.2 Methode und Aufgabe einer analytischen Sozialpsychologie

Über Methode und Aufgabe einer Analytischen Sozialpsychologie. Bemerkungen über Psychoanalyse und historischen Materialismus (1932)<39>. - In dieser Publikation sind die wichtigsten Elemente der typisch Frommschen Sozialpsychologie enthalten. Da diese Ausführungen für sein späteres Schaffen grundlegend sind, wird ihnen hier der notwendige Raum geben.

Fromm präsentiert sich ganz als Freudo-Marxist, der es unternimmt, die Psychoanalyse mit dem historischen Materialismus (Marxismus) zu verbinden. Beiden gemeinsam ist der naturwissenschaftliche Materialismus, zu dem Fromm auch das Freudsche Konstrukt des Über-Ich, in das Ideologie und Gewissen eingegangen sind, zählt, da der Ursprung in den Gefühlsbeziehungen zu den Eltern und somit in Triebbedürfnissen steckt.

Freud unterschied Selbsterhaltungs- und Sexualtriebe (Hunger und Liebe). Die Libido ist die Energie in den Sexualtrieben. Die Triebe sind durch zwei Faktoren bedingt, die sich ergänzen: einerseits die Konstitution und andererseits das Lebensschicksal, d.h. das historische Gewordensein.

Charakteristisch für die Sexualtriebe ist, daß sie aufschiebbar, verdrängbar, sublimierbar, vertauschbar und verschiebbar sind. Diese Flexibilität ist Voraussetzung für die Möglichkeit, sie auf soziale Tatbestände zu übertragen. Da man beim Einzelnen etwas über sein Triebschicksal erfahren kann, muß es möglich sein, die psychologischen Gesetze auch auf Gemeinschaften anzuwenden. Dabei widerspricht Fromm Wilhelm Reich, der die Anwendung der Psychoanalyse nur auf die Individualpsychologie und nicht auf gesellschaftliche Erscheinungen wie Politik oder Klassenbewußtsein beschränkt wissen wollte. Allerdings stimmt er mit ihm überein, daß die ökonomisch-soziale Situation es ist, die das Individuum entscheidend prägt:

Analytische Sozialpsychologie heißt also: die Triebstruktur, die libidinöse, zum großen Teil unbewußte Haltung einer Gruppe aus ihrer sozial-ökonomischen Struktur heraus zu verstehen (ebd. S.42).

Nun konzentriert sich aber die Psychoanalyse überwiegend auf die Familienanamnese. In ihr sind jedoch von Beginn an die Umweltbedingungen wirksam, so daß Fromm sagen kann, daß die Familie das Medium ist, das dem Kind die spezifischen Strukturen auf- und einprägt: „Die Familie ist die psychologische Agentur der Gesellschaft“ (ebd. S.42).


32

Bisher war den meisten Psychoanalytikern die bestimmende Rolle des Sozio-Ökonomischen nicht aufgefallen, da sie von der Norm der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft ausgingen, aus der sich die meisten Patienten rekrutierten. Autoritäres und gewinnorientiertes Verhalten galt als normal und gesund. Die einzigen Unterschiede bestanden in strengen oder weichen Vätern und Müttern oder in der Position der Geschwisterreihe. Wenn die intrafamiliären Probleme beseitigt waren, galten die Patienten als geheilt.

Es ist jedoch nicht zulässig, durch einfache Analogieschlüsse von der Personalpsychologie zur Sozialpsychologie überzugehen. Diesen Fehler beging z.B. Freud, als er den Ödipus-Komplex verabsolutierte und alle Sozialvorgänge auf den Vaterhaß und deren Implikationen zurückführte. Diese Interaktions-Probleme stimmen nämlich nur für die patriarchalischen Gesellschaften.

Fromm erläutert die Grundlagen der sozialpsychologischen Methode. Es sind die ökonomischen Bedingungen, welche den Triebapparat (die libidinösen Strebungen) modifizieren.<40> Dabei verteidigt er als erstes Marx und den historischen Materialismus gegen die Fehlinterpretationen von Bertrand Russell<41> und Hendrik de Man<42>. Russell nannte die Marxsche Theorie eine „ökonomistische Theorie“, die auf Gelderwerb ausgerichtet sei. Auch de Man interpretierte den historischen Materialismus als wirtschaftliche Orientierung, die sich auf den Erwerbstrieb des Menschen berufe. Diese Gedanken wären jedoch - so Fromm - durch den Liberalismus diktiert.

In Wirklichkeit ist der Marxismus keine psychologische Theorie. Fromm zählt die wenigen psychologischen Voraussetzungen auf: Es sind die Bedürfnisse (Hunger und Liebe), welche das Handeln und Fühlen der Menschen motivieren. Diese Bedürfnisse steigern sich und bedingen auf diese Weise die wirtschaftliche Tätigkeit; sie sind der Hebel zur Produktion. Marx und Engels ging es nicht um diese Bedürfnisse, die sie deshalb auch nicht differenzierten.

Die Psychoanalyse entdeckte nun, daß es nicht der Erwerbstrieb ist, der als basale Ursache des Besitzen- und Haben-Wollens fungiert, sondern daß er nur „ein Ausdruck narzißtischer Bedürfnisse ist, des Wunsches, bei sich selbst und bei anderen Anerkennung zu finden“ (ebd. S.49). Somit erhält der Erwerbstrieb erst dann in einer Gesellschaft eine große Bedeutung, wenn diese den Besitz wie im Kapitalismus so hochschätzt.

Der Mensch paßt sich an die natürlichen Bedingungen aktiv und passiv an. Dazu zählt an erster Stelle die Arbeit:

Die Arbeit ist zunächst ein Prozeß zwischen Mensch und Natur, ein Prozeß, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigene Tat vermittelt, regelt und kontrolliert. Er tritt dem Naturstoff selbst als eine Naturmacht gegenüber (ebd. S.50, Zitat von K. Marx).

Die Psychoanalyse kann die eine Seite, nämlich die menschliche Beschaffenheit, transparenter machen. Der Triebapparat zählt zu den natürlichen Bedingungen, ist aber bereits durch den gesellschaftlichen Prozeß geformt. Die menschliche Psyche und ihre Wurzeln, die libidinösen Kräfte, gehören zum Unterbau des gesellschaftlichen Prozesses. Ideale, Ideologien und geistige Errungenschaften werden deshalb als eine Art Rationalisierung von Wünschen und Triebregungen interpretiert.

Die Psychoanalyse kann also zeigen, wie sich auf dem Wege über das Triebleben die ökonomische Situation in Ideologie umsetzt (ebd. S.51).

Die Ideologiebildung wird ebenfalls als ein Arbeitsprozeß, d.h. ein Wechselspiel zwischen Mensch und Natur verstanden.

Fromm wendet sich auch gegen „idealistische“ Autoren wie E. Bernstein und Karl Kautsky<43>, die ideelle Momente wie Freiheitswille, Liebe zur Gruppe und einen


33

„eingeborenen sozialen Trieb“ bei der Entstehung der Gesellschaft am Werk zu sehen glauben. Fromm ist der Meinung, daß diese in Wirklichkeit „der rationalisierte Ausdruck von triebhaften, libidinösen Bedürfnissen sind“ (ebd. S.52) und daß der Kautskysche Begriff des sozialen Triebes „nichts anders ist als das dem Menschen eingeborene moralische Prinzip“ (ebd. S.53), was wiederum Bestandteil einer idealistischen Ethik wäre.

Wie kommt es aber, daß ein so kompliziertes und widersprüchliches Gebilde wie eine Gesellschaft funktioniert? Der äußere Machtapparat in Form von Polizei, Justiz und Militär und die egoistischen Interessen der Einzelnen würde den Zusammenhalt allein nicht gewährleisten.

Es sind die libidinösen Kräfte der Menschen, die gleichsam den Kitt formieren, ohne den die Gesellschaft nicht zusammenhielte, und die zur Produktion der großen gesellschaftlichen Ideologien in allen kulturellen Sphären beitragen (ebd. S.54).

Diese Zusammenhänge sind besonders gut in der Klassengesellschaft erkennbar, in der eine Minderheit über eine Mehrheit regiert. Dieses Herrschaftsverhältnis wäre nicht - wie die Aufklärung glaubte - durch List und Betrug zustande gekommen, sondern war „notwendig und bedingt von der ökonomischen Gesamtsituation der Gesellschaft, vom Stand der Produktivkräfte“ (ebd. S.54).

Dazu kommen aber die libidinösen Bindungen (Angst, Liebe und Vertrauen), welche zu den sozial und ökonomisch notwendigen Lebensbedingungen passen. Innerhalb der bürgerlichen Familie ist es hauptsächlich das Verhältnis zum Vater, das eine Mischung aus Bewunderung, Angst, Glauben an seine Kraft, Klugheit und guten Absichten hervorbringt. Des weiteren werden moralische Prinzipien, die sich im Dienste der Mächtigen bewährt haben, ebenfalls in der Familie und der Schule eingeübt: Die Herrschenden (Eltern, Lehrer, Chefs und Führer) propagieren unter anderem, daß Leiden und Pflichterfüllung auf Erden wie im Himmel besser honoriert werden als Ungehorsam.

Zahlreiche Institutionen sind daran beteiligt, die sozial geforderte Haltung „systematisch und planmäßig zu schaffen“ (ebd. S.55). Dabei werden vor allem die prägenitalen Triebe angestachelt, da diese Affekte den Menschen schwächen und das gesellschaftliche Ungleichgewicht aufrecht erhalten.

Die Beziehungen zum Führer sind unterschiedlich strukturiert: Beim proletarischen Führer stehe die Identifikation mit der eigenen Klasse und dem Dienen im Vordergrund; beim „starken Mann“ sei es die Nachahmung des kommandierenden Familienvaters.

Jede Gesellschaft hat also auch eine „spezifische libidinöse Struktur“ (ebd. S.56). Sie ist in relativ stabilen Gesellschaften erkennbar. Wenn jedoch objektive Widersprüche anfangen, die Gesellschaft zu zersetzen, dann werden libidinöse Kräfte frei und wirken nicht mehr als Kitt, sondern als Sprengstoff.

Es ist Aufgabe der psychoanalytischen Sozialpsychologie, die sozial wichtigen libidinösen Strebungen in der Gesellschaft herauszuarbeiten. Sie erläutert die Entstehung dieser libidinösen Strukturen und ihre Funktion im gesellschaftlichen Prozeß und macht deutlich, wie Ideologien aus dem Zusammenwirken von seelischem Triebapparat und sozial-ökonomischen Bedingungen entstehen. Das Abbild der Leidenschaften findet sich - so sagt Fromm später - im „Gesellschafts-Charakter“ (auf englisch: social character).

1.3.3 Abgrenzung von Freuds Psychoanalyse

Die gesellschaftliche Bedingtheit der psychoanalytischen Therapie<44> war Thema eines Aufsatzes aus dem Jahre 1935. Der Titel verbirgt allerdings einen radikalen Umschwung in Fromms Haltung gegenüber Freud, dem er vorwirft, unbewußte Intoleranz gegenüber seinen Patienten und Kollegen praktiziert zu haben, da er der bürgerlichen Moral allzu sehr verhaftet war.

Freud fand heraus, daß Neurose durch Verdrängung entsteht. Dabei spielt die


34

Angst vor den Beziehungspersonen, welche gegen die libidinösen Impulse der Kinder Stellung beziehen, eine gewichtige Rolle. Neben diesen persönlichen Motiven kommt es jedoch auch zur sozialen Verdrängung. Denn wer sich gegen die herrschende Ordnung und die gesellschaftlichen Werte stellt, wird isoliert:

Es scheint, daß diese Gefahr bei den meisten Menschen mehr Angst auslöst als die vorher erwähnte und daß diese gesellschaftliche Isolierung die wichtigste Quelle für die Verdrängung ist (ebd. S.115).

Die Psychoanalyse hat die Aufgabe, diese Verdrängungen des Analysanden aufzudecken. Dies ist jedoch erst dann möglich, wenn der Analytiker selbst das eigene Unbewußte derart verändert hat, daß er den gesellschaftlichen Zwängen nicht unterliegt.<45> Fromm belegt nun, daß Freud als großstädtisch-liberaler Bürger zahlreiche soziale Tabus nicht zu überschreiten wagte und damit seine Analysanden im Sinne des (neurotisierenden) Großbürgertums beeinflußte. Bewußt war er tolerant, unbewußt bewirkte jedoch seine Identifikation mit den gängigen bürgerlichen Tabus, daß die Analysanden ihren Widerstand aus Angst vor Freuds Intoleranz nicht aufgeben konnten.

Fromm geht den geschichtlichen und sozialen Hintergründen der Toleranzidee nach und verweist dabei unter anderem auf Mirabeau am Anfang der bürgerlichen Periode und auf Kant, der in seinen Schriften zwar geistige Freiheit, von den Untertanen jedoch unbedingte Gehorsamspflicht forderte.

Bei Freud weist Fromm nach, daß jener trotz des Kampfes gegen die verlogene Sexualmoral seiner Zeit konventionelle Vorstellungen übernahm: Zum Beispiel ist er der Meinung, daß „die kulturelle Zügelung des Liebeslebens eine allgemeinste Erniedrigung der Sexualobjekte mit sich bringt“ (ebd. S.124), d.h. nur die Möglichkeit der Befriedigung mit Prostituierten zulasse. Damit bestätigt er im Grunde genommen die Notwendigkeit der Prostitution.

Ein anderer Gesichtspunkt ist ebenfalls typisch bürgerlich: Das Ausleben des Sexualtriebes wäre mit kultureller Entwicklung nicht vereinbar. Mit anderen Worten sollte der Mensch seine Sexualität unterdrücken bzw. sublimieren - und für den Fortschritt persönliches Unglück in Kauf nehmen. Einige Zitate aus den Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (1905) unterstützen die These von Freuds puritanischer Sexualmoral sowie seine abwertende Meinung über die Frau und die Menschen überhaupt.

Charakteristisch für Freuds kapitalistisch-bürgerliche Ansicht ist auch die These, daß der Analytiker, der durch das Wegbleiben eines Analysanden mehr Zeit für Muße hätte, sich für diese Gedanken „als Erwerbender zu schämen hätte“<46> (ebd. S.128). Hier kommt wiederum die patriarchalische Haltung zum Vorschein: Die Menschen sollen arbeiten und auf Genuß verzichten; nur dann werden sie vom „Vater“ bzw. dessen sozialen Repräsentanten wie Chef, Regierung, Gesellschaft akzeptiert und sozial als wertvoll anerkannt.

Diese „patrizentrische“ Einstellung Freuds ist am Verhalten gegenüber den „oppositionellen“ Analytikern gut nachzuvollziehen:

Unter „oppositionellen“ Analytikern verstehen wir hier solche, welche wie Adler, Jung, Rank und Reich entscheidende Züge der Psychoanalyse zugunsten der Bildung einer eigenen Schule aufgeben und um eine Fortentwicklung der Theorie bemüht sind (Fußnote, ebd. S.130).

An Georg Groddeck weist Fromm nach, daß jener im Gegensatz zu Freud überhaupt nicht prüde war und seine Patienten „voller Humanität und echter Freundlichkeit“ behandelte. Sandor Ferenczi war von Freud und Groddeck sehr beeinflußt. Als weicher und ängstlicher Charakter wagte er es nicht, sich offen in Gegensatz zu Freud zu stellen und sich von ihm abzulösen.

Mit Sympathie schildert Fromm Ferenczis verdeckte Abweichungen, die darauf


35

hinauslaufen, dem Patienten gegenüber eine „humane, menschenfreundliche, das Glück des Analysanden in unbedingter Weise bejahende Haltung“ (ebd. S.135) anstatt der Freudschen „patrizentrisch-autoritären, in der Tiefe menschenfeindlichen ‚Toleranz’“ einzunehmen. Dieses Dilemma hätte wahrscheinlich viel zum frühen tragischen Tod Ferenczis beigetragen.<47>

1.4 Studien über Autorität und Familie. Die Konzeption des Gesellschaftscharakters<48>

In Paris gab Horkheimer in den „Schriften des Instituts für Sozialforschung“ 1936 diese „Studien“ heraus, wobei andere Teile von Max Horkheimer (Allgemeiner Teil) und Herbert Marcuse (Ideengeschichtlicher Teil) verfaßt wurden. Den zweiten Teil machen Erhebungsresultate aus. Es geht um die Frage, wie die verschiedenen Kultursphären (Politik, Moral, Religion) miteinander in Beziehung stehen und welche Einflüsse dabei überwertig sind. Es ergab sich, daß die Autorität entscheidenden Einfluß ausübt:

Positiv ausgedrückt, gehört zu einem jeden Autoritätsverhältnis die gefühlsmäßige Bindung einer untergeordneten zu einer übergeordneten Person oder Instanz. Das Autoritätsgefühl scheint immer etwas von Furcht, Ehrfurcht, Respekt, Bewunderung, Liebe und häufig auch Haß zu haben (ebd. S.143).

An den vorbereitenden Seminaren nahmen neben Fromm Max Horkheimer, der Pädagoge Leo Löwenthal, der Philosoph Herbert Marcuse und der Wirtschaftshistoriker Karl August Wittfogel teil. Theodor W. Adornos Buch über die autoritäre Persönlichkeit (1950) ist ohne Fromms Vorarbeiten nicht denkbar.

Im ersten Teil wird der Zusammenhang zwischen Autorität und Über-Ich und die Rolle der Familie bei dieser Entwicklung dargestellt. Freud hatte in seinem Begriff des Über-Ichs (Ideal-Ich, Ichideal) die gesellschaftliche Realität zu wenig einbezogen. Bereits in der Familie übernimmt das Kind durch die Introjektion der väterlichen Dominanz die bestehende Gesellschaftsordnung. Dabei spielt vor allem das Über-Ich eine zentrale Rolle, indem die „soziale Hilflosigkeit der Erwachsenen ... der biologischen Hilflosigkeit des Kindes ihren Stempel aufdrückt“ (ebd. S.160) und damit die Wirkung der Autorität verstärkt.

Im Gegensatz zu Freud erblickt Fromm im Ich jedoch einen wesentlicheren Teil des „seelischen Apparates“,

der sich selbst mit der Entfaltung der Produktivkräfte und der gesellschaftlichen Lebenspraxis entwickelt und seinerseits wiederum als eine Produktivkraft in die gesellschaftliche Lebenspraxis eingeht (ebd. S.161).

Angst hemmt die Entwicklung des Ich, während die Befriedigung der genitalen Strebungen die maximale Entfaltung fördert. In der christlichen Kultur wird die Sexualität als etwas Schlechtes und Sündhaftes abgewertet. Die dennoch vorhandenen Bedürfnisse erzeugen Angst und Schuldgefühle, die wiederum Unterwürfigkeit und Abhängigkeit von der Autorität verstärken. In der Regression (Abbau des Ichs) auf orale und anale Stufen bleibt die Energie und Spannung gestaut, da prägenital keine physiologische Abfuhr möglich ist. Auf diese Weise verliert das Ich noch mehr Kraft und versagt in der Leitung der Triebe.


36

Der regressive Ich-Abbau wird am Beispiel der Hypnose<49> dargestellt und mit der Familien-Konstellation verglichen. Der Hypnotiseur nimmt (in der Regel) die Stelle des Vaters in der Kindheit ein und herrscht uneingeschränkt. Deshalb sind die Funktionen des Ich überflüssig, so daß sogar die Wahrnehmung durch den Hypnotiseur manipuliert werden kann. Das Verhältnis zur Autorität wird somit unter dem Aspekt des Ich-Abbaus in einer hypnoiden Situation verstanden.

Je absurder und irrationaler die herrschenden Ideologien dabei vorgehen, um so einleuchtender ist der Masse die Macht:

Das Vernünftige könnte ja der einfache Mann selbst tun; das Unvernünftige und Wunderbare versprechen, ist das Vorrecht des Gewaltigen und Übermächtigen und bedeutet nur eine Erhöhung seines Prestiges (ebd. S.166).

Die Autorität verkörpert auch Ideale. Deshalb ist nicht nur Angst wirksam, sondern auch Bewunderung. Wer den Machthabern nicht gehorcht, verliert ebenso deren Liebe. Je nach gesellschafts-politischer Situation kann deshalb auch Triebunterdrückung den Status eines Lebensideals (wie im Christentum und vor allem im Protestantismus) erringen. Dadurch können z.B. für einen Arbeitslosen in einer bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft unlösbare Konflikte entstehen, da er kaufmännische Ideale verinnerlicht hat, welche den Lebensgenuß zugunsten des Gelderwerb verachten.

Autoritäres Verhalten und Masochismus sind eine Einheit. Deshalb spricht Fromm vom „autoritär-masochistischen Charakter“. Wie kommt es dazu, daß der Unterworfene den Zustand des Gehorchens und der Unterwerfung genießt oder zumindest bereitwillig akzeptiert? Diesen Zusammenhängen sind vor allem Wilhelm Reich<50> und Karen Horney<51> nachgegangen. Sie wiesen nach, daß der „autoritäre Charakter“ je nach Situation andere beherrscht oder sich der Macht unterwirft. Furcht steht am Anfang des Masochismus; daraus entwickelt der autoritäre Charakter Ehrfurcht, Bewunderung und Liebe, wobei Neid und Haß ebenfalls - verdrängt - vorhanden sind. Dies ist z.B. daran erkennbar, daß Mächtige in Gute und Böse aufgeteilt werden (fremde Götter und Führer werden dann gehaßt, während man sich dem eigenen Vater oder Führer unterwirft).

Auf der anderen Seite erwecken Hilflosigkeit und Schwäche im Masochisten Verachtung und Haß. Der Haß gegen den Stärkeren wird verdrängt und erscheint als sadistische Grausamkeit gegen den Schwächeren. Frauen, Kinder und Tiere sind üblicherweise die Objekte des Sadismus; jedoch können auch Rassen, die ideologisch zu „Minderwertigem“ gemacht wurden, an ihre Stelle treten. Je miserabler die ökonomische Situation ist, um so autoritärer und sadomasochistischer sind die Strukturen innerhalb einer Gesellschaft.

Der Masochismus ist auch an der Schicksalsgläubigkeit erkennbar. Der Masochist liebt es, sich einem blinden und allmächtigen Schicksal zu unterwerfen. Rationalisiert heißt es dann vielleicht „Naturgesetz“, „Macht der Vergangenheit“, „Wille Gottes“, „Pflicht“: „Der masochistische Charakter vergottet die Vergangenheit“ (ebd. S.175). Masochistische Weltanschauung ist deshalb durch Konservatismus, Opfer aus Pflicht, ehrfürchtige Knechtschaft, Pessimismus und der Unterwerfung unter das Schicksal charakterisiert. Irrationalität ist in der Beziehung zur Macht keineswegs ein Hindernis, im Gegenteil:

Je mehr ... die Widersprüche innerhalb der Gesellschaft anwachsen und je unlösbarer sie werden, je blinder und unkontrollierter die gesellschaftlichen Kräfte sind, je mehr Katastrophen wie Krieg und Arbeitslosigkeit als unabwendbare Schicksalsmächte das Leben des Individuums überschatten,

37

desto stärker und allgemeiner wird die sado-masochistische Triebstruktur und damit die autoritäre Charakterstruktur, desto mehr wird Hingabe an das Schicksal zur obersten Tugend und zur Lust (ebd. S.177).

Wer masochistisch an der Macht partizipiert, befriedigt auch Lust in Form narzißtischer Ersatzbefriedigung, da die Anlehnung an die Herrscher Angst reduziert, Schutzbedürfnisse sowie eigene phantasierte Wünsche nach Größe und Stärke erfüllt. Machthaber und Verführer aller Zeiten nutzten diese Schwäche der Menschen aus, indem sie glanzvolle Spiele und Feiern organisierten und nationalistische Affekte schürten<52>.

Psychoanalytisch gesehen werden im Sadomasochismus die prägenitalen Strebungen verstärkt, so daß die genitale und normale Sexualität geschwächt wird. Dies wiederum fördert latent und manifest homosexuelle Tendenzen. Die stets vorhandene Angst wird auf die Frau als unbekanntes Wesen projiziert; darüber hinaus ist sie in der patriarchalischen Gesellschaft die Schwächere, die gehaßt wird, während der männliche Führer verehrt und geliebt wird.

Masochistische Menschen neigen zu verstärktem Zweifeln und Zögern, was charakteristisch für Zwangsneurotiker ist. Autoritäre Führer nehmen ihnen die Entscheidungen ab und erlösen sie aus ihrer seelischen Not. Im Zusammenhang mit der „patrizentrischen Gefühlsstruktur“, die sich Liebe und Sympathie der Führer nur aufgrund von Gehorsam und Pflichterfüllung zugesteht, prädestiniert der sadomasochistische Charakter zu den typischen bürokratischen Befehlsempfängern<53>.

Die Autorität festigt ihre Macht und ihre Position durch zahlreiche Handlungen wie imposante Aufmärsche, soziale Distanz, willkürliche und von den Machthabern gegängelte Strafjustiz, kirchliche Segnungen, Berufung auf Gott und vor allem durch ständigen Terror, der eine diffuse Angst erzeugt. Uniformen, Rituale und Zeremonien sowie Propaganda sind zusätzliche Faktoren, welche die Untertanen beeindrucken.

Zuerst werden diese autoritären Strukturen in der Familie, hernach in der Schule und anderen Institutionen eingeübt. Die Religion trägt viel dazu bei, da sie durch eine umfassende Abwertung des Einzelnen das Gefühl der eigenen Sündhaftigkeit und Nichtigkeit erzeugt. Dies sind wichtige Voraussetzungen für den blinden Glauben an die Obrigkeit.

Jedoch ist die Geschichte auch eine Kette von Auflehnungen. Wer von der Autorität abfällt, aber die autoritäre Charakterstruktur beibehält, ist - wie Fromm formuliert - ein Rebell. Wer jedoch keine Unterwerfung unter eine Autorität mehr benötigt, ist ein Revolutionär. Rebellen sind neurotisch strukturiert. Deshalb werden sie auch zwanghaft dazu getrieben, z.B. vernünftige Sachautoritäten zu verteufeln, zu bekämpfen oder zu hassen. Fromm ist der Meinung, daß sich solche Rebellen hauptsächlich unter den Anarchisten finden<54>. Andere Rebellen wiederum unterwerfen sich der nachfolgenden Autorität.

Fromm unterscheidet auch zwischen demokratischen und totalitären Autoritäten. Letztere erzeugen nur Untertanen, während Autoritäten, die sich auf Wissen und Können stützen, in allen Bereichen der Gesellschaft nötig und förderlich sind. Dies ist bereits in der Familie erkennbar, wenn die Erziehung auf „rationaler Autorität“ beruht:

Sie dient ausschließlich der Entfaltung des Kindes, und soweit sie die Unterdrückung bestimmter Triebregungen fördern muß, ist auch diese triebeinschränkende Funktion verschieden, weil sie im Interesse der

38

Entfaltung der Gesamtpersönlichkeit des Kindes liegt (ebd. S.187).

Kommentar: Mit dieser Arbeit hat sich Fromm einen bleibenden Platz in der Sozialpsychologie erobert. Seine Analyse des autoritären Charakters ist nicht nur von zahlreichen anderen Autoren kopiert worden und in deren Werke eingegangen, sondern ist noch heute von zentraler Bedeutung: Denken wir nur an die noch global verbreiteten autoritären (diktatorischen) Strukturen. Souverän überträgt er psychoanalytische Begrifflichkeiten auf gesellschaftliche Vorgänge und erweitert sie auf soziologische und historische Themen.

Ebenfalls in dieses Jahr (1936) läßt sich Fromms vielleicht wichtigste Begriffsbildung datieren, nämlich der Terminus des Gesellschaftscharakters. Er taucht zum ersten Mal im erläuternden Beitrag<55> Fromms zu Max Horkheimers Buch Autorität und Familie auf, das 1936 veröffentlicht wurde. Es handelt sich dabei um Erhebungen des „Instituts für Sozialforschung“ über Sexualmoral, Autorität und Familie in verschiedenen Ländern und Untersuchungen bei Arbeitslosen.

Aus der Gesamtheit der Antworten wurde auf eine spezifische Charakterstruktur geschlossen, wobei sich damals nur der autoritäre Charakter als theoretisch fundiert herauskristallisierte. Die charakterologischen Typen bilden eine allen gemeinsame unbewußte seelische Haltung, nämlich den Gesellschaftscharakter.

1.5 Kritik an und Konkurrenz mit Kollegen

Fromm war nicht der erste, der Marx und die Psychoanalyse miteinander verknüpfen wollte. Dies kann aus Fromms Aufsätzen nicht abgeleitet werden, da er z.B. die intensiven Gespräche mit den Berliner Freudo-Marxisten Siegfried Bernfeld und Wilhelm Reich nicht erwähnt und sie praktisch nicht zitiert. Fromms „Abstinenz“ gegenüber seinen geistigen Vätern, Brüdern und Schwestern - mit Ausnahme des Übervaters Freud - wird uns noch oft begegnen.

Reich z.B. war in Berlin intensiv bemüht, die Psychoanalyse - und darin hauptsächlich die Sexualtheorie - politisch mit dem Marxismus zu verbinden und die Bevölkerung gegen den Faschismus zu mobilisieren (unter anderem in der MASCH, der marxistischen Arbeiterschule, wo er Vorlesungen über die Sexualpolitik, den sogenannten „Sexpol“, hielt). Auch Manès Sperber, damals noch engagierter Anhänger des Individualpsychologen Alfred Adler, beteiligte sich am Klassenkampf auf der Seite der Kommunisten und berichtet, daß Reichs sexueller Befreiungskampf ihm allzu einseitig zu sein schien, zeigte sich doch in der Psychotherapie, daß die wahllos praktizierte Sexualität niemanden wirklich frei und glücklich macht.<56>

Zu Wilhelm Reichs Theorie nahm Fromm 1933 Stellung, als er im Rahmen des „Frankfurter Instituts für Sozialforschung“ zwischen 1932 und 1939 30 Rezensionen für die „Zeitschrift für Sozialforschung“ schrieb (Der Einbruch der „Sexualmoral“<57>).

Reich stützte sich auf Malinowskis ethnologische Untersuchungen der Tobriander<58> (1930), die relativ autoritätsfrei (mutterrechtlich) und sexuell ungehemmt erzogen wurden. Daraus resultierten Erwachsene mit erfülltem sexuellen Erleben und Fehlen von Neurosen und Perversionen.

Reich stellte eine unmittelbare Verbindung zwischen den ökonomischen und sexuellen Verhältnissen her. Kapitalismus bewirke sexuelle Unterdrückung und deshalb auch entsprechende psychische Krankheiten. Er empfahl, an die Stelle einer Sexualmoral eine Sexualökonomie zu setzen.

Fromm bejahte die theoretische Fundierung Reichs in den sozio-ökonomischen Usachen, lehnte aber zahlreiche Schlußfolgerungen und Beweisführungen des Autors ab. Unter anderem wendet er ein:


39

Wenn Reich davon spricht, daß dem Fortschritt der Produktion ein Niedergang der Sexualkultur parallel ging und die „natürliche“ Sittlichkeit der Primitiven rühmt, so scheint uns hier eine gewisse undialektische Vereinfachung vorzuliegen und vor romantischen Tendenzen zu warnen zu sein (ebd. S.96).

Wie recht Fromm hier hatte, beweist der tragische Lebenslauf Reichs, der in den USA mit seiner Einführung der „Orgon“-Theorie in vorwissenschaftliche Behandlungsmethoden zurückfiel und wegen „medizinischer Scharlatanerie“<59> inhaftiert wurde. Er starb 1957 mit 60 Jahren im Gefängnis an Herzversagen.

Siegfried Bernfeld war einer der wenigen Psychoanalytiker, die sich offen zum Sozialismus bekannten. Er hatte sich schon erstaunlich früh (1918<60>) für Veränderungen in der Pädagogik im Sinne des Marxismus eingesetzt und für die Verbindung von Sozialismus und Psychoanalyse<61> plädiert.

Was Fromm in der Abhandlung Über Methode und Aufgabe eine Analytischen Sozialpsychologie (1932) noch als „idealistisch“ kritisiert und als angeborenes moralisches Prinzip deklariert - z.B. den „sozialen Trieb“ -, wird er in seinen späteren Arbeiten sehr wohl als „menschliches Bedürfnis“ akzeptieren und den sozialen und ökonomischen Bedingungen gegenüberstellen. Die Kritik an der Übertragung psychoanalytischer Trieb- und Bedürfnis-Theorien auf den Marxismus werden wir in der kritischen Würdigung anfügen (unter anderem von Agnes Heller<62>).

Möglicherweise wirkte sich Fromms Konkurrenz-Problem auch an anderer Stelle negativ aus: Er kritisierte nämlich einen Kampf- und Leidensgenossen, Otto Rank, 1939 massiv und ungerecht im Artikel über Die Sozialphilosophie der „Willenstherapie“ Otto Ranks<63>. Rank (1884-1939) war bis etwa 1924 einer der getreuesten Anhänger Freuds und galt sogar als sein Nachfolger. Publizistisch war er sehr erfolgreich, auch als Vortragender in den USA, wohin er 1935 emigrierte.

Fromm hatte Bedenken, diesen Aufsatz durch Rainer Funk in die Gesamtausgabe aufnehmen zu lassen; es spricht für seine Aufrichtigkeit, daß er es trotzdem zuließ. Die harsche Kritik, die er an Rank darin äußert, wurde von ihm später nicht mehr wiederholt. Im Gegenteil: In späteren Aufsätzen verteidigt er ihn auf der Seite der Freud-Abweichler gegen die Anschuldigungen vor allem von Ernest Jones, der in seiner Freud-Biographie willkürlich und böswillig zahlreichen Abtrünnigen Neurosen und Psychosen attestierte.

Fromm klagt Ranks „Willenstherapie“ an, die Freudsche Weltanschauung derart verraten zu haben, daß er in „eine enge Verwandschaft mit Elementen der faschistischen Weltanschauung“ (ebd. S.106) geraten sei. Dabei zitiert Fromm offensichtlich Ranksche Aussagen, die den Neurotiker und nicht den gesunden Menschen - der bei Rank dem nicht-angepaßten Künstler entspricht - betreffen.

Um nur ein Beispiel herauszugreifen: Der Neurotiker intendiert in der Psychotherapie eine fortgesetzte Analyse, um sich nicht aus der Familien-Abhängigkeit lösen zu müssen. Aus diesen Gründen propagierte Rank gerade das Gegenteil dessen, was Fromm herauszulesen glaubte, nämlich eine verkürzte Psychotherapie. Rank zählt deshalb zu den Pionieren der Kurztherapie. Dies wird in der Beschreibung von Anaïs Nin<64> deutlich, wo er ihr sagte:

Ich glaube nicht an langwierige Psychoanalysen. Ich halte nicht viel davon, in die Vergangenheit zurückzugehen und mit ihr die Zeit zu verschwenden.

Fromm benutzte offensichtlich Ranks aus dem Zusammenhang gerissene Zitate, um die Analyse des Faschismus voranzutreiben (sie wird dann im Buch Die Furcht vor der


40

Freiheit, 1941, vervollständigt).

Wie aber kam es, daß Fromm solche Fehlinterpretationen unterliefen? Wir sind nicht in der Lage, die genauen Motivationen auszumachen, da Fromm diese Fehleinschätzung nie kommentiert hat. Aber dieser blinde Fleck könnte damit zusammenhängen, daß Rank das verkörperte, was Fromm im Begriffe war, zu werden: Ein „Abweichler“, der von der orthodoxen Psychoanalyse ausgeschlossen wurde, obwohl - oder gerade weil - er so populär wurde.

Im Gegensatz zu Rank hatte sich Fromm aber niemals von Freud ganz losgesagt; im Gegenteil: Bis zuletzt bezeichnete er sich trotz unüberwindlicher Gegenpositionen als Psychoanalytiker. Möglicherweise war Fromm eifersüchtig auf den lange Zeit als Nachfolger Freuds gehandelten Rank und neidisch auf dessen entschiedene (reife) Ablösung von seinem „Übervater“. Solche verdrängten Affekte könnten Fromms Urteilsvermögen getrübt haben. Der Ablösungsprozeß von Freud zählt zur „zweiten Geburt“, nämlich der Person. Diese Wehen drücken sich in seelischen Schmerzen und Leidenschaften aus.


Fußnoten:

<1>

Herkner, Werner: Lehrbuch Sozialpsychologie. Bern, Stuttgart, Toronto 1991

<2>

Funk, Rainer: Zu Leben und Werk Erich Fromms. In: Fromm, Erich: Gesamtausgabe (GA). Stuttgart 1980. Bd. 1

<3>

Ders.: Mut zum Menschen - Erich Fromms Denken und Werk, seine humanistische Religion und Ethik, Stuttgart 1978 Ders.: Erich Fromm mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten (1983), Reinbek bei Hamburg 1998

<4>

EF: Das jüdische Gesetz. Zur Soziologie des Diasporajudentums (1922). In: GA 1999, Bd. 11, S.19

<5>

EF: Ihr werdet sein wie Gott - eine radikale Interpretation des Alten Testaments und seiner Tradition (1966). In: GA Bd. 6

<6>

ebd. S.94

<7>

Green, Hannah: Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen (1964). Reinbek 1978

<8>

Tauber, E.S. und Landis, B.: In the Name of Life. Essays in Honor of Erich Fromm. New York 1971, S.XII

<9>

Horkheimer, M.: Studien über Autorität und Familie. Forschungsberichte aus dem Institut für Sozialforschung. Paris 1936

<10>

Sullivan, Harry Stack: Die interpersonale Theorie der Psychiatrie (1953). Frankfurt am Main 1980

<11>

Erich Fromm (im Folgenden EF): Der Sabbat. In: GA VI, Stuttgart 1980, S.1.

<12>

Freud, Sigmund: Totem und Tabu (1912/13). In: Studienausgabe, Bd. IX, Frankfurt am Main 1974

<13>

Zur Charakterisierung der Freudschen Dominanz in Fromms Denken

<14>

Siehe Teil 3

<15>

EF: Die Entwicklung des Christusdogmas. In: GA Bd. VI, Stuttgart 1980, S.11

<16>

Simmel, Georg: Über das Wesen der Sozialpsychologie. Tübingen 1908

<17>

Fromm benutzt den Begriff „personalpsychologisch“, um nicht die verständlichere Bezeichnung der Individualpsychologie Alfred Adlers verwenden zu müssen.

<18>

Harnack, A.v.: Lehrbuch der Dogmengeschichte. Tübingen 1909

<19>

EF: Die psychoanalytische Charakterologie und ihre Bedeutung für die Sozialpsychologie (1932). In: GA, Bd.1, S.59

<20>

Später spricht Fromm vom „hortenden Charakter“.

<21>

Sombart, W.: Der Bourgeois. München/Leipzig 1923

<22>

Franklin, B.: Dr. Benjamin Franklins Leben. 1. Teil, Leipzig 1838

<23>

Kolakowski, Leszek: Psychoanalytische Kulturtheorie. In: Zweifel an der Methode. Stuttgart 1977

<24>

EF: Sigmund Freud. Sein Persönlichkeit und seine Wirkung (1959). In: GA, Bd.8, S.153

<25>

EF: Die philosophische Basis der Freudschen Psychoanalyse (1962). In: GA, Bd.8, S.223

<26>

Hier erscheint in den abschließenden Worten die für Fromm charakteristische Wendung, daß die Zielsetzung der humanistischen Philosophie mit derjenigen der großen Religionen übereinstimme. Jedoch hat die Religionsgeschichte gezeigt, daß an die Stelle der „Humanisierung“ mehrheitlich Besitz-, Prestige- und Machtstreben getreten war.

<27>

Es überrascht einigermaßen, daß der ansonsten so belesene und gut informierte Fromm die großartigen Erkenntnisse der Individualpsychologie im Bereich der Pädagogik nicht kannte - möglicherweise aber auch verdrängte.

<28>

Abraham Maslow zählt zu den „humanistischen Psychologen“, die ähnliche Thesen, „etwas popularisiert“ (S.245), wie Fromm ausgearbeitet haben. Die Zusammenarbeit mit ihnen scheint nicht gut funktioniert zu haben.

<29>

Was nicht ganz stimmt, wenn man an die Bedeutung des Freudschen „Ich-Ideals“ denkt. - Das „autoritäre Gewissen“ ist im üblichen Sprachgebrauch mit dem „schlechten Gewissen“ identisch. Nietzsche und Adler beschrieben es als „Gewissensbisse“, die den Menschen nur hemmen und abwerten, aber nicht bessern.

<30>

Anstelle von „Bezogenheit“ könnte Fromm eigentlich den Begriff der „sozialen Verbundenheit“ benutzen. Er scheute sich wohl davor zurück, da die Individualpsychologie Alfred Adlers diese Begrifflichkeit und deren Inhalte seit langem für sich beansprucht hatte.

<31>

Daß ein „existentieller Widerspruch“ zur Höherentwicklung der Menschheit beitragen kann, hat ebenfalls Alfred Adler mit seinem Konzept des „Minderwertigkeitsgefühls“ vorweggenommen. Wir werden in der „kritischen Würdigung“ auf diesen Aspekt näher eingehen.

<32>

Ders.: Rezension zu M. Mead „Sex and Temperament in Three Primitive Societies“. In: GA Bd.8, S.108

<33>

Ders.: Rezension zu M. Mead „Cooperation and Competition Among Primitive Peoples. In: GA Bd.8, S.111

<34>

EF: Einleitung zu P. Mullahy „Ödipus. Myth and Complex“ (1948). In: GA Bd.8, S.137

<35>

EF: Der Ödipuskomplex. Bemerkungen zum „Fall des kleinen Hans“ (1966). In: GA Bd.8, S.143

<36>

EF: Psychoanalyse und Soziologie. In: GA, Bd.1, Stuttgart 1980, S.3

<37>

EF: Politik und Psychoanalyse. In: GA Bd. I, Stuttgart 1980, S.31

<38>

Hierbei ist aber zu bemängeln, daß er damit einen direkteren Einfluß auf die Öffentlichkeit verliert. Wahrscheinlich war ihm die drohende Gefahr des Nationalsozialismus doch noch nicht so bewußt wie später der Kapitalismus, der Kommunismus, die Aufrüstung und die Marketing-Orientierung, die er seit dem Zweiten Weltkrieg mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln tatkräftig bekämpfte.

<39>

Ders.: Über Methode und Aufgabe einer Analytischen Sozialpsychologie. In: GA, Bd.1, S.37

<40>

Später nannte er das Libidinöse „leidenschaftliche Kräfte“.

<41>

Russell, Bertrand: Autobiographie 1944-1967, Frankfurt 1971

<42>

Man, H. de: Zur Psychologie des Sozialismus. Jena 1927

<43>

Kautsky, K.: Die materialistische Geschichtsauffassung. Berlin 1927

<44>

EF: Die gesellschaftliche Bedingtheit der psychoanalytischen Therapie (1935). GA, Bd.1, S.115

<45>

Es erhebt sich die Frage, ob und wie gut dies möglich wäre, auch bei Fromm selbst.

<46>

Freud, Sigmund: Zur Einleitung der Behandlung. Weitere Ratschläge zur Technik der Psychoanalyse (1913). GW Bd. 8, S.453-478

<47>

Dieser Aufsatz macht deutlich, daß sich Fromm von zahlreichen Thesen des „Übervaters“ Freud gelöst hatte. Dies ist wohl auf den häufigen und engen Kontakt mit Georg Groddeck, auf die ernüchternden Erfahrungen mit der eigenen Analyse bei Hanns Sachs in Berlin und die Zusammenarbeit mit Max Horkheimer (den er in einem Zitat erwähnt) zurückzuführen. Wahrscheinlich bewirkte auch der Tod seines Vaters 1933, daß Fromm die eigene männliche Identität neu überdachte. Überdies hatte die räumliche Distanz zu Europa (Fromm befand sich seit 1933 praktisch nur noch in den USA) den Ablösungsprozeß erleichtert.

<48>

EF: Studien über Autorität und Familie. Sozialpsychologischer Teil (1936). GA, Bd.1, S.139

<49>

Dabei verweist Fromm auf Ferenczis Ausführungen in: Schriften zur Psychoanalyse. Frankfurt/Main 1970/1972

<50>

Reich, Wilhelm: Charakteranalyse. Technik und Grundlagen. Wien 1933

<51>

Horney, Karen: The Problem of Feminine Masochism. In: Psychoanalytic Review, New York 22 (1935)

<52>

In unserer modernen Kultur haben dies der Sport, das Fernsehen, die Reklame und die Computerspiele übernommen.

<53>

Offensichtlich hat Fromm hier bereits den Befehlsempfänger in der Diktatur beschrieben, der mit gutem Gewissen Verbrechen begeht, da sie von oben vorgeschrieben wurden (Eichmann, Himmler usw.).

<54>

Diese Auffassung wurde hauptsächlich durch die dogmatische Literatur der herrschenden Kommunisten und Stalinisten verbreitet. Andere Erfahrungen sind u.a. bei H.M. Enzensberger: Der kurze Sommer der Anarchie. Frankfurt/Main 1972 oder bei Arthur Koestler: Autobiographische Schriften (1971) aufzufinden.

<55>

EF: Autorität und Familie. Geschichte und Methoden der Erhebungen (1936). In: GA Bd.3, S.225

<56>

Sperber, Manès: Die vergebliche Warnung. In: All das Vergangene... Wien 1983

<57>

EF: Rezension zu W. Reich „Der Einbruch der Sexualmoral“ (1933). In: GA Bd.8, Stuttgart 1981, S.93

<58>

Malinowski, B.: Das Geschlechtsleben der Wilden in Nordwest-Melanesien. Zürich-Leipzig 1930

<59>

Rattner, Josef: Klassiker der Tiefenpsychologie. München 1990, S.269

<60>

Bernfeld, Siegfried: Die Schulgemeinde und ihre Funktion im Klassenkampf. Berlin 1918

<61>

Ders.: Sozialismus und Psychoanalyse. In: Der sozialistische Arzt, 2 (1926), Heft 2/3

<62>

Heller, Agnes: Theorie und Praxis - ihr Verhältnis zu den menschlichen Bedürfnissen. In: Individuum und Praxis. Positionen der „Budapester Schule“ (Lukács, Heller, Fehér u.a.). Frankfurt am Main 1975

<63>

EF: Die Sozialphilosophie der „Willenstherapie“ Otto Ranks. In: GA Bd.8, S.97

<64>

Nin, Anaïs: Die Tagebücher, Bd.1, 1974, S.16


[Titelseite] [Einleitung] [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [Bibliographie] [Anhang] [Lebenslauf] [Selbständigkeitserklärung]

© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.

DiML DTD Version 2.0
Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML - Version erstellt am:
Wed Mar 14 15:21:56 2001