Humboldt-Universität, Berlin

Inaugural-dissertation

Poesiemaschinen / Maschinenpoesie

zur Erlangung der Doktorwürde

der Fakultät Philosophie III

vorgelegt von: David Link

Dekan: Prof. Dr. Gert-Joachim Glaeßner

Gutachter:
1. Prof. Dr. Friedrich Kittler
2. Prof. Dr. Siegfried Zielinski

eingereicht:16. 12. 2002

Datum der Promotion:27. 07. 2004


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Abstract Deutsch

Die vorliegende Dissertation analysiert Textgeneratoren aus der Frühzeit der Computergeschichte, seit den 1970er Jahren, ausgehend von ihrem Quelltext. Variablenskripte, Joseph Weizenbaums Eliza, Kenneth Colbys Parry, frühe Adventurespiele und Terry Winograds SHRDLU werden auf die ihnen zugrundelegienden metaphorischen und algorithmischen Strukturen untersucht. Alle diese Programme lassen sich auf den Glauben der formallogischen Tradition zurückführen, Sprache und das in ihr repräsentierte Wissen von Welt stellten vollständig explizierbare und sogar formalisierbare Sachverhalte dar, wie er in Ludwig Wittgensteins Tractatus kulminiert. Technisch werden hier optionale Elemente in Baumstrukturen angeordnet und erzeugen scheinbar unerschöpfliche Varianz.

Dem wird eine zweite Traditionslinie gegenübergestellt, die statt an Optionen an Operationen arbeitet und mit dem Dadaisten Tristan Tzara, der Wiederentdeckung des russischen Mathematikers Andrei Markov durch Claude Shannon und den Cutup-Experimenten von William S. Burroughs verbunden ist. Als deren Weiterführung beschreibt die Arbeit das im Rahmen dieser Promotion entwickelte Computerprogramm Poetry Machine, einen auf semantischen Netzwerken basierenden, interaktiven Textgenerator, der sich selbständig mit Informationen aus dem Internet versorgt. Im Anhang findet sich die Übersetzung des grundlegenden Textes Ein Beispiel statistischer Forschung am Text “Eugen Onegin” zur Verbindung von Proben in Ketten von A. Markov ins Deutsche.

Eigene Schlagworte: Textgeneratoren, Eliza, Parry, Shrdlu, Markov, Shannon, skeywordantische Netzwerke, Computerpoesie, generative Kunst, Medienkunst


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Abstract English

The present dissertation analyses text generators from the early times of computer history, since the 1970ies, starting from their source code. Variable scripts, Joseph Weizenbaum’s Eliza, Kenneth Colby’s Parry, early adventure games and Terry Winograd’s SHRDLU are investigated regarding their metaphorical and arithmetical structure. These programs can be traced back to the belief of the formal-logic tradition that language and the knowledge about the world represented by it can be fully explained and even be formalised, like it culminates in Ludwig Wittgenstein’s Tractatus. Technically, optional elements are arranged in tree-like structures and generate seemingly endless variance.

A second line of tradition is opposed to this, that works on operations rather than on options. It is linked to the dadaist Tristan Tzara, the re-discovery of the Russian mathematician Andrei Markov by Claude Shannon and the cutup-experiments of William S. Burroughs. As a continuation, the computer program Poetry Machine is described in detail, which was developed within the framework of the present dissertation. This interactive text generator is based on semantic networks and acquires its information autonomously from the internet. The translation of the fundamental text An Example of Statistical Investigation of the Text “Eugene Onegin” Concerning the Connection of Samples in Chains by A. Markov into German is given in the appendix.

Keywords: text generators , Eliza, Parry, Shrdlu, Markov, Shannon, skeywordantic networks, computer poetry, generative art, media art

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15.04.2005