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1.  Einleitung

Die Fortschritte der modernen Notfall- und Intensivmedizin haben dazu geführt, dass akute Hirnerkrankungen (zum Beispiel globale Ischämie nach Reanimation, globale Hypoxie nach O2‑Mangel, Schädel-Hirn-Trauma, Hirnblutung) überlebt werden, die Patienten aber nach überstandener Akutphase teils in einem Zustand schwerster kognitiver, motorischer und sensorischer Einschränkungen verbleiben. Das Apallische Syndrom (APS) stellt einen möglichen Endpunkt der klinischen Entwicklung nach einer solchen zerebralen Schädigung dar.

Ein Problem im Umgang mit apallischen Patienten ist das Fehlen einheitlicher Diagnosekriterien. Die sich daraus ergebende Zuordnung phänomenologisch ähnlicher Syndrome zur Diagnose Apallisches Syndrom führt unweigerlich zu einer erheblichen Diskrepanz der erhobenen Untersuchungsergebnisse. Dieses scheinbar breite Spektrum von Untersuchungsergebnissen im Apallischen Syndrom verhindert aber eine Klassifizierung der Patienten und den Nachweis prognostisch relevanter Untersuchungskriterien.

Obwohl das Apallische Syndrom innerhalb der letzten Jahre durch eine Vielzahl von klinischen Beobachtungen und Untersuchungen immer umfassender beschrieben wurde, fehlt bis heute eine Systematik klinischer Symptome und apparativer Befunde, die das APS so kennzeichnen, dass verlässlich auf den Umfang und die prognostische Entwicklung der Hirnschädigung geschlossen werden kann.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Erstellung einer Systematik klinischer und apparativer Befunde, die Patienten im Apallischen Syndrom charakterisiert. Anhand dieser Systematik erfolgt eine kritische Diskussion der Literatur zum Apallischen Syndrom, insbesondere solcher Befunde, die im Rahmen der vorliegenden Untersuchungen nicht nachgewiesen werden konnten. Die Beurteilung des prädiktiven Wertes einzelner Untersuchungsmethoden ist nicht Gegenstand dieser Arbeit.

Ausgangspunkt der Arbeit ist eine Literaturrecherche zur Abgrenzung des klinischen Zustandes, welcher innerhalb der Arbeit als Apallisches Syndrom verstanden wird. Gleichzeitig werden Ein- und Ausschlusskriterien abgeleitet, anhand derer Patienten für die klinische Untersuchung selektiert werden.

Im klinischen Teil der vorliegenden Arbeit werden die Ergebnisse elektrophysiologischer und zum Teil bildgebender Untersuchungen sowie die Befunde von Langzeituntersuchungen apallischer Patienten der Systematik hinzugefügt. Die [Seite 2↓]klinische Untersuchung der Patienten ermöglicht auch die Beschreibung typischer motorischer Muster apallischer Patienten, wie zum Beispiel motorischer Reaktionen nach externer Stimulation oder der Okulomotorik.

Im Ergebnis dieser Arbeit wird eine Übersicht präsentiert, in der klinische und apparative Befunde apallischer Patienten zusammengefasst und entsprechend ihrer Wertigkeit für das APS beurteilt werden.


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09.11.2005