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8.  Zusammenfassung

Auch 10 Jahre nach Veröffentlichung der MSTF-Kriterien ist die differentialdiagnostische Einordnung von Patienten mit schweren neurologischen Defiziten zu einem APS außerordentlich schwierig. Untersuchungen zur Sicherheit der Diagnose APS zeigen, dass bei ca. 50 % der vermeintlich apallischen Patienten andere, phänomenologisch ähnliche neurologische Syndrome bestehen. Zwar gibt die MSTF eindeutige Kriterien zur Diagnose des APS vor, der Anwendung dieser klinischen Kriterien am Patientenbett sind jedoch enge Grenzen gesetzt.

Ziel der vorliegenden Arbeit war deshalb die Beurteilung, inwieweit etablierte klinische und paraklinische Untersuchungsmethoden die Anwendung der MSTF-Kriterien vereinfachen und somit die Sicherheit der Diagnose APS erhöhen.

Dazu wurden apallische Patienten hypoxischer, ischämischer oder traumatischer Genese anhand eines Protokolls untersucht, das sowohl klinische als auch paraklinische Untersuchungsmethoden umfasste. Im klinischen Teil erfolgte neben der Beschreibung spontaner und reflektorischer motorischer Phänomene auch eine Beurteilung einfachster Formen kognitiven Verhaltens, wie zum Beispiel der Habituation. Im apparativen Untersuchungsteil wurden vorrangig elektrophysiologische Methoden zur Beurteilung der Reizaufnahme und Reizleitung eingesetzt (multimodal evozierte Potentiale), deren Ergebnisse gleichzeitig die Interpretation der klinischen Befunde beeinflusste.

Da apallische Patienten nach der Akutphase in der Regel nicht in Krankenhäusern der Primärversorgung (Unikliniken etc.) verbleiben, erfolgte die Rekrutierung der Patienten in allen medizinischen Einrichtungen Berlins (Krankenhäuser, Pflegeheime, Rehabilitationskliniken). Nach Verifizierung der Diagnose APS vor Ort (Pre-Screening) wurden so insgesamt 24 Patienten zur Einschlussuntersuchung in die Neurologische Klinik der Charité aufgenommen. Bei 16 der 24 Patienten wurde die Diagnose APS durch die Einschlussuntersuchung bestätigt (Screening), woraufhin diese Patienten endgültig in die Studie eingeschlossen und anhand des Protokolls untersucht wurden.

Die verwendeten Ein-/Ausschlusskriterien sind Ergebnis einer Literaturrecherche, die bis auf das Jahr der Erstbeschreibung des APS (1940) durch Kretschmer zurückgeht. Diese Literaturrecherche umfasst Übersichtsarbeiten, Fallberichte sowie methoden- orientierte Arbeiten, in denen u.a. Befunde einzelner apallischer Patienten dokumentiert sind.


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Im Ergebnis dieser Arbeit wird eine Übersicht präsentiert, in der klinische und apparative Befunde apallischer Patienten zusammengefasst dargestellt und entsprechend ihrer Wertigkeit für das APS beurteilt werden. Darüber hinaus werden Schlüsselsymptome formuliert, die zur Diagnose eines APS notwendigerweise erhoben werden müssen, und solche, deren Nachweis die Diagnose APS ausschließen.

Bestehen trotz Anwendung der MSTF-Kriterien weiterhin Zweifel an der Diagnose APS, ist es anhand der vorgelegten Systematik möglich einzelne Untersuchungsergebnisse des Patienten hinsichtlich ihrer Spezifität für ein APS zu bewerten und so den Verdacht auf ein APS zu erhärten oder ggf. weitere differentialdiagnostische Maßnahmen anzuschließen.


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09.11.2005