Lövey, György: Ergebnisse der Strahlentherapie und prognostische Faktoren

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Kapitel 1. Einleitung

Eine der schwersten Komplikationen einer disseminierten Geschwulstkrankheit ist die Querschnittslähmung, die infolge einer metastatischen epiduralen Kompression auftritt. Sie schränkt dramatisch und oft endgültig die Lebensqualität eines Krebskranken ein. Der Verlust der Mobilität und der Kontrolle über die Sphinkterfunktionen belastet die von ihrer schweren Krankheiten bereits geprägten Patienten bis zur Unerträglichkeit. Nicht wenige Patienten werden erst durch diese Entwicklung mit ihrem Schicksal konfrontiert. Die Rehabilitationsmöglichkeiten sind im Gegensatz zu traumatischen Querschnittslähmungen wegen der meist progredienten Grunderkrankung sehr begrenzt (Murray 1985 , Byrne 1992). Die Betreuung der querschnittsgelähmten Patienten erfordert aufwendige pflegerische Maßnahmen, die stationäre Behandlung ist häufig unvermeidbar. Zwangsläufig auftretende weitere Komplikationen (urogenitale Infektionen, Ileus, Dekubiti) verkürzen weiter die ohnehin kurze Lebenserwartung. (Ingham et al., 1993 Hicks et al 1993).

Das Knochensystem ist die zweithäufigste Lokalisation der Fernmetastasen bei disseminierter Tumorkrankheiten. Die häufigste Stelle ossärer Metastasen ist die Wirbelsäule. Nach autoptischen Untersuchungen ist eine Wirbelsäulenmetastasierung bei mehr als 70% der an ihrer Krebskrankheit verstorbenen Patienten vorhanden. Eine epidurale Tumorkomponente ist in bis zu 15% zu finden. Nach der zerebralen Metastasierung stellt die metastatische epidurale Kompression die zweithäufigste neurologische Komplikation einer fortgeschrittenen Tumorkrankheit dar. Nach Bach et al.1990 ist die Inzidenz der metastatischen epiduralen Spinalkanalkompression in Dänemark zwischen 1979 und 1985 von 4 auf 7 % gestiegen. Ein Zunahme der Frequenz der spinalen Metastasen wird auch bei Nanassis et al. 1997 erwähnt. Obwohl diese Erhöhungen noch nicht signifikant sind, ist es zu erwarten, daß mit den zunehmenden Möglichkeiten und Erfolgen der palliativen Therapie immer mehr Patienten so lange mit disseminierter Krankheit überleben, daß eine Wirbelkörpermetastasierung in Form einer epiduralen Kompression in den Vordergrund rückt (Boogerd 1993). Eine ähnliche Entwicklung in der Inzidenz der cerebralen Metastasen ist ebenfalls bemerkbar.

Nach dem Eintritt der schweren neurologischen Ausfälle werden die neurologischen Schäden schnell irreparabel (Tarlov 1957). Obwohl anamnestich die frühen Symptomen meist Wochen bis Monate vor der manifesten Querschnitssyndrom auftreten, werden die


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spezifische Diagnose und adäquate Therapiemaßnahmen trotz der in letzten Jahren wesentlich besser gewordenen diagnostischen Möglichkeiten immer noch häufig zu spät eingeleitet (Kim et al. 1990).

Trotz zahlreicher retrospektiver aber auch prospektiver Studien hat sich ein eindeutig überlegenes Behandlungskonzept noch nicht abgezeichnet (Ratanatharathorn und Powers 1991).

Die meisten Veröffentlichungen stammen aus Universitätskliniken, bzw. großen onkologischen Zentren, mit entsprechend selektiertem Patientengut und neurochirurgischem Hintergrund. In der dargelegten Arbeit wird die Problematik hinsichtlich eines städtischen Klinikums betrachtet.

Während der Untersuchungszeit war im Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam keine Abteilung für Neurochirurgie vorhanden, es bestand jedoch eine enge Kooperation mit der neurochirurgischen Klinik in Brandenburg.


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Wed Aug 30 15:37:18 2000