Einleitung

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Die Photoparoxysmale Reaktion (PPR) oder Photosensibilität ist ein elektroenzephalographisches Merkmal, das durch eine abnormale Erregbarkeit und Synchronisationstendenz des visuellen Kortex infolge einer intermittierenden Photostimulation (IPS) charakterisiert ist [39]. Der Ausprägungsgrad der provozierten kortikalen Reaktion (PPR Typ I-IV) reicht von okziptalen Spikes bis hin zu generalisierten Spike-Wave-Entladungen (GSW) [21,45]. Visuell induzierte Anfälle treten bei ca. 10% der Epilepsien im Kindesalter und bei etwa 5% erwachsener Epilepsie-Patienten auf [21]. Besonders häufig sind idiopathisch generalisierte Epilepsien (IGE) mit einer Photosensibiliät assoziiert. Etwa 13-18% der Fälle mit idiopathischer Absence-Epilepsie (IAE) und 30-35% der Fälle mit juveniler myoklonischer Epilepsie (JME) sind photosensitiv [17]. Die IPS bietet somit einen experimentellen Ansatz, die individuelle Anfälligkeit für eine gesteigerte kortikale Synchronisation zu bestimmen und Mechanismen zu untersuchen, die den Übergang in eine epileptogene Aktivität induzieren [33].

Familienstudien belegen, dass die PPR genetisch determiniert ist und eine alters- und geschlechtsabhängige Penetranz aufweist [9,45,46]. Die familiären Vererbungsmuster sprechen für eine genetisch komplexe Disposition, bei der mehrere genetische Faktoren an der Ätiologie beteiligt sind. Den vier Ausprägungsgraden der PPR scheinen gemeinsame genetische Dispositionen zugrunde zu liegen [9]. Die enge Assoziation der PPR Typ-IV mit IGE eröffnet die Möglichkeit, PPR als neurogenetischen Endophänotyp zu verwenden, um genetische Determinanten der IGE zu ermitteln.

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Die Aufgabenstellung der vorliegenden molekulargenetischen Studien war es, mittels genomweiter Kopplungsanalysen bei 60 PPR-Multiplexfamilien (mindestens zwei betroffene Geschwister mit PPR), PPR-Genorte chromosomal einzugrenzen [41] und anschließend positionelle und funktionelle Kandidatengene auf deren pathogenetische Beteiligung bei der PPR und photosensitiven IGE zu überprüfen. Hierzu wurden Sequenzanalysen und Assoziationsstudien von Kandidatengenen durchgeführt [24-28]. Die molekulargenetische Identifizierung von PPR-Genen könnte einen wesentlichen Beitrag leisten, die genetisch komplexe Disposition der photosensiblen IGE aufzuklären und dadurch einen Einblick in die molekularen Mechanismen der kortikalen Erregungsregulation zu erhalten.


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09.07.2007