2 Die Realität - Problemstellung

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Unter dem Eindruck der in der Literatur beschriebenen positiven Ergebnisse wurden die Verläufe der Patienten mit Talkum-Pleurodese in unserer Klinik verfolgt und der weitere Krankheitsverlauf im häuslichen Bereich mit einer telefonischen Befragung von Angehörigen und weiter behandelnden Ärzten eruiert. Es handelte sich um meist schwerkranke Patienten mit weit fortgeschrittenem Tumorleiden, für das ein kurativer Therapieansatz nicht mehr vorhanden war. Aufgrund der schweren Phase mit lebensbedrohlicher Luftnot und starker Angst bestand bei nahezu allen Patienten ein deutlicher Therapiewunsch. Dabei stand die Hoffnung im Vordergrund, solche Situationen nicht noch einmal erleben zu müssen. So wurde der Therapievorschlag einer Pleurodese immer dankend und extrem hoffnungsvoll angenommen. Auch nach dem Hinweis, dass es sich hier nicht um eine kausale Therapie sondern nur um eine Hilfsmaßnahme zur Besserung der Lebensqualität handele, wünschten die Patienten diesen Eingriff meist dringlich. Allein die Tatsache, dass sie operiert werden würden, stellte für viele Patienten den „Strohhalm“ dar, an den es sich zu klammern lohnte. Im weiteren Verlauf nach der Pleurodese kam es jedoch bei vielen von ihnen durch die methodisch gewünschte Auslösung der Pleuritis zu „Einbrüchen“ im Allgemeinzustand, erneut zu Luftnotattacken, zu Kreislaufdepressionen und Thoraxschmerzen. Nicht selten sprachen die Patienten in dieser Situation aus, dass sie sich diese Schmerzen lieber erspart hätten.

In 4 Jahren der Tätigkeit als Stationsärztin konnte von der Autorin eine Vielzahl von Patienten nach Pleurodese betreut und beobachtet werden. In bedrückender Erinnerung blieben die Patienten, die den Eingriff nicht längerfristig überlebt haben. Daraus entstand die Aufgabenstellung, zu erarbeiten, für welche Patienten und Bedingungen eine belastende Therapie der geschilderten Art nicht mehr empfohlen werden sollte. In der Literatur waren zu dieser Frage nur wenige Hinweise zu finden. Eine kritische Haltung bezüglich der Grenzen der Anwendbarkeit fehlt völlig. Auffallend war auch der Trend zum blinden Aktionismus, der dazu führte, dass eine Selektion oft völlig unterblieb.

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Darüber hinaus sollten der Modus der von uns geübten Pleurodesemethode und die Beeinträchtigung der Patienten kritisch analysiert und mit den Mitteilungen in der Literatur verglichen werden.

Für die Patienten, die von einer Pleurodese ausgeschlossen werden müssen, soll eine Alternative aufgezeigt werden, wie ihnen dennoch mit zumutbaren Methoden symptomatisch geholfen werden kann.


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07.09.2006