9 Thesen

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  1. Patienten mit malignen Pleuraergüssen repräsentieren ein fortgeschrittenes Stadium ihres Tumorleidens.
  2. Der Zeitpunkt des Auftretens eines klinisch wirksamen Pleuraergusses markiert den Beginn der letzten kritischen Lebensphase eines Patienten, der an einem malignen Tumor erkrankt ist.
  3. In diesem Stadium ist weder mit einer Heilung (restitutio ad integrum) des Tumorleidens noch des metastatisch ausgelösten Pleuraergusses zu rechnen.
  4. Das Kardinalsymptom des malignen Pleuraergusses ist die Dyspnoe.
  5. Die Dyspnoe bedeutet für die Kranken eine erhebliche Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität.
  6. Die Patientengruppe entspricht der Zielgruppe der Palliativmedizin.
  7. Maßnahmen, die die Lebensqualität der Patienten über eine begrenzte Zeit verbessern können, sind demnach per definitionem auch eine palliativmedizinische Behandlung.
  8. Fortgesetzte Punktionen zur Ergussentlastung bzw. eine Dauer-Drainage des Ergusses können vorübergehend das Symptom Dyspnoe lindern, stellen dennoch eine unverhältnismäßige Belästigung der Patienten dar.
  9. Eine wirksame Ergussbehandlung für die maligne Pathogenese ist die Talkum-Pleurodese.
  10. Die Pleurodese mit eingeblasenem Talkum in Form der videoassistierten Thorakoskopie ist in einem hohen Prozentsatz der Anwendungen dauerhaft wirksam.
  11. Die Talkum-Pleurodese ist trotz ihrer hohen Wirksamkeit auf einen malignen Pleuraerguss eine Maßnahme mit hoher Invasivität.
  12. Das gilt nicht nur für die videoassistierte Poudrage, sondern auch für die Ein-schwemm-Pleurodese.
  13. Diese Erkenntnis schränkt die Anwendung beider Verfahren auf eine ausgewählte Patientengruppe mit malignen Pleuraergüssen ein.
  14. Die Auswahl hat in erster Linie die Lebensqualität zum Zeitpunkt der Indikationsstellung zu berücksichtigen, wobei sich der Karnovsky-Index zur Beschreibung von Allgemeinzustand und Leistungsfähigkeit gegenwärtig am besten eignet.
  15. Wegen der relativ hohen Krankenhaus-Letalität nach Talkum-Pleurodese halten wir einen Index von weniger als 50% als begrenzend für die Indikation.
  16. Für Grenzfälle sind zusätzlich das Alter eines Patienten, der pH-Wert und der Glukose-Gehalt des Ergusses zu berücksichtigen. Sind die Werte von pH und Glukose deutlich vermindert, sollte von einer operativen Pleurodese Abstand genommen werden.
  17. Für Patientinnen mit Pleuraergüssen beim metastasierenden Ovarialkarzinom ermittelten wir mit einer geringen durchschnittlichen Überlebenszeit und einem hohen Anteil der postoperativen Krankenhausverweildauer an der Gesamtüberlebenszeit nach Pleurodese den geringsten Nutzen für eine Talkum-Pleurodese.
  18. Für diesen Tumortyp und das Bronchialkarzinom mit Pleuraerguss sind deshalb die Kriterien zur Indikation einer Talkum-Pleurodese besonders streng anzulegen.
  19. Wenn Patienten für eine Talkum-Pleurodese kritisch ausgewählt sind, haben sie in einem sehr hohen Prozentsatz die Gewähr auf Symptomfreiheit über die Zeit ihres begrenzten Lebens.
  20. Für solche Fälle kann die im FLT praktizierte und oben beschriebene Methodik (Kap. 4.3) der videoassistierten Talkum-Pleurodese als zumutbar bezeichnet und dem Repertoire der Palliativmedizin zugeordnet werden.
  21. Patienten mit malignen Pleuramesotheliomen und Patientinnen mit Mammakarzi-nomen profitieren besonders von der Talkum-Pleurodese, was durch die hohe mittlere Überlebenszeit demonstriert wird. Dennoch muss auch hier die Indikation kritischer als bisher gestellt werden.
  22. Für Patienten, die von einer Talkum-Pleurodese ausgeschlossen werden müssen, ist es ethisch geboten, Alternativlösungen anzubieten.
  23. Eine wenig beeinträchtigende dauerhafte Ergussableitung mittels leicht zu handhabender Pleura-Drainage ist in Kapitel 6.7 dargestellt.
  24. Patienten mit geringem Lebensqualitäts-Index müssen zusätzlich mit Schmerzmitteln und Sauerstoffanreicherung der Atemluft begleitet werden.


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07.09.2006