2 Zielsetzung

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In Langzeit-immunsupprimierten Nierentransplantatempfängern mit chronischer HBV-Infektion ist die Entwicklung von LZ signifikant mit der Akkumulation und Persistenz von komplexen HBV-Varianten mit Mutationen im Cp/X-Gen, Deletionen im C-Gen und teilweise zusätzlichen Deletionen in der präS-Region assoziiert [134]. Die Immunsuppression macht eine ausschließlich immunvermittelte Pathogenese der Hepatitis in diesen Patienten unwahrscheinlich. Da auch das selektive Verschwinden der komplexen Varianten nach Absetzen der Immunsuppression oder nach antiviraler Therapie mit 3TC mit einem günstigeren Verlauf der Lebererkrankung verbunden war [159], könnten diese eine direkte Rolle in der speziellen Pathogenese bei Nierentransplantatempfängern spielen.

Das Ziel dieser Arbeit war es, mittels funktioneller Analyse der Varianten Hinweise auf ihren potentiellen Beitrag zur Pathogenese zu erlangen. Untersuchungen von künstlich generierten Hybridgenomen, die entweder die C-Gendeletionen oder Cp-Mutationen der komplexen Varianten in einem Wt-Genom-Kontext enthielten, wiesen bereits auf einen im Vergleich zum Wt veränderten Phänotyp hin [157,188]. Es war jedoch unklar, ob sich dieser auch bei den natürlich auftretenden HBV-Varianten mit ihrer strukturellen Vielfalt und innerhalb einer sehr heterogenen Genompopulation manifestiert. Daher sollten folgende Fragen beantwortet werden:

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  1. Weisen die mit LZ assoziierten, komplexen HBV-Varianten einen gemeinsamen, im Vergleich zum Wt-HBV veränderten Phänotyp auf, der sich von dem Wt-ähnlicher Genome aus dem Stadium der klinisch unauffälligen chronischen Hepatitis unterscheidet?
  2. Gibt dieser Phänotyp Hinweise auf ihre Rolle in der Pathogenese der LZ?
  3. Welchen Beitrag leisten die Mutationen in Cp und C-Gen zum Phänotyp der komplexen Varianten?

Für die Analysen standen klonierte, in Cp, C-Gen und teilweise S-Gen sequenzierte HBV-Gesamtgenome zur Verfügung, die aus Seren (und teilweise Leber) von Nierentransplantierten während eines Beobachtungszeitraums von mehreren Jahren gewonnen worden waren [4]. Die Charakterisierung des Phänotyps sollte an beispielhaft ausgewählten komplexen HBV-Varianten (aus 2 repräsentativen Patienten mit Entwicklung von LZ) durchgeführt werden, die während des Krankheitsverlaufs von einer asymptomatischen HBV-Infektion bis zum schweren Leberschaden selektiert wurden und akkumulierten. Die kompletten Genome der komplexen Varianten sollten nach transienter Transfektion der Hepatomazelllinie HuH7 im Vergleich zu Referenz-Wt-Genomen funktionell analysiert werden. Das in-vitro-Transfektionssystem und eine Zelllinie wurden aufgrund der stabilen Untersuchungsbedingungen und aus Gründen der Machbarkeit Untersuchungen an primären Hepatozyten vorgezogen. Weiterhin sollte, stellvertretend für die ursprüngliche Viruspopulation während der klinisch unauffälligen chronischen Hepatitis, jeweils ein Wt-ähnliches Genom der Patienten ohne Deletionen oder Insertionen im Vergleich zu den Referenz-Wt-Genomen und den komplexen Varianten charakterisiert werden.


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14.11.2006