Mahlich, Wolfgang: Die Herausbildung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in der DDR, dargestellt an der Entwicklung des Kreises Haldensleben, Bezirk Magdeburg (1952 bis 1960)

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Kapitel 1. Historisch-strukturelle Voraussetzungen und Bedingungen

1.1 Die Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) (1945 bis 1950)

1.1.1 Die Bodenreform als eine der ökonomisch-politischen Voraussetzungen späterer Umgestaltungen in der Landwirtschaft der DDR

In der SBZ Deutschlands wurde in den Jahren 1945/46 eine Bodenreform durchgeführt. Sie war sowohl in die Deutschlandpolitik der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) als auch in die maßgeblich von der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) verfolgten antifaschistisch-demokratischen Veränderungen der gesellschaftlichen Verhältnisse im Osten Deutschlands eingebunden. Von der Konzeption her beruhte die Bodenreform primär auf den Erfahrungen der russischen Kommunisten (1917/18), denen der kommunistischen Parteien der baltischen Staaten (1940/41) sowie der Länder Ost- und Südosteuropas (1944/45).

Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa bestanden in Deutschland beträchtliche Schwierigkeiten, die Ernährung der Bevölkerung sicherzustellen. Hauptsächlich traf dies auf die SBZ zu. Dauerhafte Abhilfe sollte den Intentionen der KPD-Führung nach eine radikale Veränderung der Agrarstruktur bringen, die die rasche Wiederbelebung der landwirtschaftlichen Produktion anstrebte.

Bereits über einen großen historischen Zeitraum hinweg rangen die deutschen Bauern um Grund und Boden. Aber weder die bürgerlichen Agrarreformen zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch die bürgerlich-demokratischen Revolutionen von 1848/49 und 1918 erfüllten die Erwartungen der Bauern.

Der Großgrundbesitz, besonders in dem vormaligen Land Mecklenburg und der früheren Provinz Mark Brandenburg, galt als Synonym für rückständige Wirtschaftsweise und parasitäre Lebensführung. Ein unterentwickeltes Schul- und Versorgungssystem sowie eine primitive Infrastruktur waren typisch für diese Territorien. Im Gegensatz zu den meisten Großgrundbesitzern, die in komfortablen Herrenhäusern residierten, hausten die Wanderarbeiter in Schnitterkasernen. Die Landarbeiter sowie die Büdner hatten mit armseligen Katen vorliebzunehmen. Im Verlaufe des zurückliegenden Jahrtausends eigneten sich die Großgrundbesitzer häufig Ländereien der Bauern an, nutzten die bäuerlichen Produzenten maßlos aus und verwüsteten im Mittelalter in der Jagdperiode deren Äcker.

Zu Zeiten der Weimarer Republik dienten die Güter der Großgrundbesitzer verschiedentlich als Zufluchtsorte der Schwarzen Reichswehr, als Reservate von Überresten der Freikorps, die von dort ihre antidemokratischen Aktivitäten inszenierten. Die genannten Fakten zog die KPD-Führung zur Begründung der Enteignung des Großgrundbesitzes heran. Die Beseitigung der politischen und ökonomischen Wurzeln des Militarismus auf dem Lande, der sich seit den zwanziger Jahren mit dem Faschismus verflocht, erforderte ihrer Überzeugung nach, grundsätzliche sozialökonomische Veränderungen in den Dörfern.<26>

Wenige Wochen nach dem Ende der Hitlerdiktatur forderte im Osten Deutschlands, in der SBZ, die KPD


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in ihrem Aufruf vom 11. Juni 1945 u. a. die "Liquidierung des Großgrundbesitzes, der großen Güter der Junker, Grafen und Fürsten und Übergabe ihres ganzen Grund und Bodens sowie des lebenden und toten Inventars an die Landes- und Provinzialverwaltungen zur Zuteilung an die durch den Krieg ruinierten und besitzlos gewordenen Bauern."<27> Der Aufruf widerspiegelte die Interessen der Mehrheit der Bauern, der Landarbeiter und der Umsiedler mit landwirtschaftlichen Berufen. Er fand unter ihnen breiten Anklang. Die KPD knüpfte damit partiell an im vorigen Jahrhundert erhobene Forderungen liberaler, bürgerlich-demokratischer und proletarischer politischer Gruppierungen nach Beschneidung der Macht der Großgrundbesitzer und die "Programmerklärung zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes" der KPD vom August 1930<28>, die Programme der KPD von Brüssel 1935, Bern 1939 und das "Aktionsprogramm des Blocks der kämpferischen Demokratie" von Ende 1944, an.<29>

Auch wenn in den Dokumenten des Potsdamer Abkommens keine konkreten Festlegungen zur Durchführung einer Bodenreform getroffen wurden, befand sich die KPD mit ihrer Bodenreformdirektive in Übereinstimmung mit den Alliierten. Die Reformierung der Agrarverhältnisse gehörte zu ihren Absichten in bezug auf die künftige Gestaltung Deutschlands. Ihre "Ziele waren die Zerschlagung des Großgrundbesitzes als eines der Träger des deutschen Militarismus und der Aggressionspolitik, die Demokratisierung der agraren Besitzstruktur, eine landwirtschaftliche Ertragssteigerung und schließlich auch die Ansiedlung von Zwangsausgesiedelten aus den Ostgebieten."<30> Doch erst auf der Moskauer Außenministerkonferenz am 23. März 1947 beschlossen die Alliierten auf die Forderung der UdSSR hin, in ganz Deutschland eine Bodenreform durchzuführen.<31> Das Vorhaben blieb in den westlichen Besatzungszonen in den Anfängen stecken.

Unter Zugrundelegen von Vorarbeiten deutscher Kommunisten im sowjetischen Exil und nach Präzisierung eines von der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) überstellten Rahmengesetzentwurfs schuf sich die KPD im August 1945 eine bis ins Detail gehende Konzeption. Sie diente später als Grundlage für die Durchführung der Bodenreform in der SBZ.

Im Sommer 1945 sprachen sich die vier politischen Parteien der SBZ - die KPD, die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), die Christlich-Demokratische Union (CDU) und die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDPD) für eine Aufteilung des Bodens mit der Zielstellung aus, endlich eine alte Bauernforderung Wirklichkeit werden zu lassen, die vollauf den Interessen der Klein- und Mittelbauern,


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Landarbeiter, Umsiedler und aufs Land gekommenen Städter nach Zuteilung von Boden entsprach.

"Die Ziele der Alliierten waren von Anfang an" - so die Ansicht Webers - "nur mit Hilfe der deutschen politischen Kräfte zu realisieren."<32> Unter diesem Aspekt wird die Darstellung der KPD verständlich, die die Bodenreform als gemeinsames Anliegen der im "antifaschistisch-demokratischen Block" vereinten Parteien ausgab.

Die vier Parteien der SBZ einigten sich nicht sogleich auf einen gemeinsamen Standpunkt zur Verwirklichung der Bodenreform. Ehe sie zu einem Konsens kamen, prallten die Meinungen innerhalb von CDU und LDPD und in abgeschwächter Form in der SPD sowie in den Blockausschüssen zwischen der Führungsspitze der KPD und den Leitungsgremien der drei anderen Parteien<33>, teils überaus erbittert aufeinander.

Die Vorstellungen der letztgenannten Parteien über Umfang und Tiefe des Reformvorhabens divergierten teils stark - ausführlicher wird darüber noch zu reden sein. Führende Politiker von CDU und LDPD forderten in den Blockberatungen, nur den Besitz solcher Personen zu konfiszieren, denen nachweislich Kriegsverbrechen bzw. aktive Mitgliedschaft in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) zur Last gelegt wurden.<34> Ansonsten sollten Enteignungen gegen Entschädigung bei Belassen von Resthöfen erfolgen. Die Führungsspitzen von CDU und LDPD verlangten weiter die Errichtung zukunftsträchtiger Familienbetriebe mit mindestens 10 Hektar Landwirtschaftlicher Nutzfläche (LN) sowie den Verzicht auf eine Parzellierung der Forstflächen. Die von ihnen verfolgte politische Linie zielte darauf ab, die restlose Zerschlagung des Großgrundbesitzes zu verhindern. Den Standpunkt der CDU-Führung zur Bodenreform brachte unmißverständlich der CDU-Vorsitzende Hermes auf einer Rede am 16. September 1945 zum Ausdruck: "Wenn heute an dem Privateigentum des landwirtschaftlichen Besitzes gerührt wird, so wissen wir nicht, ob nicht morgen an dasjenige der Industrie und übermorgen an das des Handwerks usw. gerührt wird. Hier müssen wir klar unseren Weg gehen."<35> Die Konzeption der CDU lief "auf eine Landreform mit spezifisch antifaschistischer Ausrichtung vor allem zugunsten der aus dem Osten zwangsausgesiedelten Landbevölkerung im Rahmen einer bürgerlichen Eigentums- und Rechtsordnung hinaus."<36>

Während der Zentralausschuß der SPD und ein Teil der Mitglieder Einverständnis mit der politischen und ökonomischen Notwendigkeit einer Bodenreform bekundeten, nahmen einige Funktionäre der SPD


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zunächst eine abwartende bzw. ablehnende Haltung zu diesem für die künftige gesellschaftliche Entwicklung im Osten Deutschlands äußerst wichtigen Problem ein. Sie plädierten dafür, eine Bodenreform nach den Grundsätzen der Siedlungspolitik in der Weimarer Republik durchzusetzen. Erst verschiedene Aussprachen über die Prinzipien zur Durchführung einer Bodenform führten zur Einigung zwischen KPD und SPD.

In der SBZ entwickelte sich nach gezielter agitatorischer Vorbereitung durch die KPD unter der Losung "Junkerland in Bauernhand" eine breite Bewegung von "unten" für die Aufteilung des Bodens der Großgrundbesitzer.<37> Auf Anregung von kommunistischen Funktionären richteten beispielsweise Kleinbauern und Landarbeiter Schreiben an die Landes- bzw. Provinzialverwaltungen mit dem Ersuchen, Gesetze zu erlassen, die ihren Forderungen Rechnung trugen. In Sachsen und Thüringen forderten auf Landesbauernkonferenzen mehrere tausend Bauern von den Landes- bzw. Provinzialverwaltungen die unverzügliche Verabschiedung von Gesetzen zur Enteignung der Großgrundbesitzer. Hierzu äußerte sich der Vorsitzende der KPD, Pieck, auf einer Bauernkundgebung am 2. September 1945 in Kyritz wie folgt: "Der Grundgedanke ist, daß möglichst viele kleine selbständige Bauernwirtschaften geschaffen werden. Das erfordert aber auch eine gewisse Begrenzung in der Größe der zu schaffenden Bauernwirtschaften, die sich natürlich nach der Bodenqualität, der verfügbaren Bodenmenge und der Zahl der Bodenanwärter richten muß."<38>

Die früheste Entscheidung zur Bodenreform fällte das Präsidium der Provinzialverwaltung der Provinz Sachsen in engster Abstimmung mit der SMAD.<39> Einer gemeinsamen Erklärung der vier Parteien zur Bodenreform im Provinzialausschuß am 1. September 1945 gingen hartnäckig geführte Verhandlungen voraus.<40> Eine Einigung kam nicht zuletzt deshalb zustande, weil die KPD davon absah, schon in der Entschließung den Zeitpunkt der Bodenreform, die Vorgehensweise bei ihrer Durchführung, die Größe der Neubauernbetriebe und die umstrittene Frage der Entschädigungen festzulegen. Mit ihrem variablen Vorgehen wahrte sich die KPD alle Möglichkeiten für eine spätere Durchsetzung ihrer Vorstellungen. Die Provinzialleitung der KPD übergab am 2. September 1945 den Entwurf der Bodenreformverordnung dem Präsidenten der Provinzialverwaltung, den das Präsidium der Provinzialverwaltung nach ausgiebiger Diskussion am 3. September 1945 annahm.<41> Bei der Abstimmung im Präsidium der Provinzialverwaltung votierte deren Präsident Dr. Hübener gegen den Gesetzesentwurf. Er unterwarf sich jedoch der Mehrheitsentscheidung und unterzeichnete die Verordnung.<42>

Entsprechend der Bodenreformverordnung der Provinz Sachsen, die den diesbezüglichen Verordnungen


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der anderen Länder und Provinzen der SBZ als Beispiel für die Bodenreform-Gesetzgebung diente, sollten der Landbesitz bestehender Bauernwirschaften unter fünf Hektar vergrößert sowie für landlose Bauern, Landarbeiter, kleine Pächter und Umsiedler selbständige Bauernwirtschaften geschaffen werden.<43> Die Umsiedler büßten infolge des Krieges ihren Grund und Boden und oft ihre gesamte Habe ein. Sie galt es - eine gesellschaftlich bedeutsame Aufgabe - wieder seßhaft zu machen. Desweiteren sollten städtische Versorgungsbetriebe eingerichtet werden sowie Arbeiter und Angestellte kleinere Parzellen für den Gemüseanbau zugeteilt bekommen.

Als bedeutsames Vorhaben ist in diesem Zusammenhang ferner die Reorganisation der Saatgutvermehrung, der Tierzucht sowie der Lehr- und Versuchsgüter zu nennen.<44>

Die Bodenreformverordnung legte fest, den Grundbesitz aller Personen, die als aktive Mitglieder der NSDAP galten bzw. als Kriegsverbrecher eingestuft wurden und die Ländereien von Guts- und Großgrundbesitzern mit mehr als 100 Hektar, entschädigungslos zu enteignen.<45> Neben dem Grund und Boden unterlagen der Enteignung alle Bauten, das gesamte Besitzinventar sowie die landwirtschaftlichen Vermögen des o. g. Personenkreises.<46> Der Enteignung entgingen der Grundbesitz und das Vermögen der landwirtschaftlichen und wissenschaftlichen Forschungsinstitute, aber ebenso:<47>

Nicht enteignet werden sollte ferner der Boden, der Stadtverwaltungen gehörte und zur Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse für die Stadtbevölkerung benötigt wurde sowie das Gartenland.

Nach massiver Einflußnahme der SMAD setzte sich schließlich mit der Annahme einer zustimmenden Erklärung des Bodenreformausschusses des antifaschistisch-demkratischen Blocks am 13. September 1945 die von der KPD und der SPD vertretene Konzeption - abgesehen von einigen Abstrichen - durch. Sie sah eine einschneidende Umwälzung der Agrarverhältnisse vor.<48> CDU und LDPD gaben unter dem Druck der SMAD, der KPD und eines Teiles ihrer Mitglieder ihre Zustimmung in der Hoffnung, eine spätere Korrektur erwirken zu können. Mit der Unterzeichnung einer Erklärung zur Aufteilung des Großgrundbesitzes durch die Vorsitzenden aller vier Parteien im Rücken gelang es der KPD, die


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Bodenreform nicht als kommunistische Forderung, sondern vielmehr als bürgerlich-demokratisches Anliegen darzustellen.<49> Eindeutig ist aber: Die KPD vollzog die Bodenreform mit ausdrücklicher Billigung und uneingeschränkter Unterstützung der SMAD. Ein formeller Befehl zu ihrer Durchführung erging jedoch nicht.

Der SMAD-Befehl 110 vom 22. Oktober 1945 bekräftigte das Gesetzgebungsrecht der Landes- und Provinzialverwaltungen und erklärte die zuvor erlassenen Verordnungen für rechtens.<50>

Die Bodenreform begann mit der Beschlagnahme des Großgrundbesitzes und seiner Überleitung in einen staatlichen Bodenfonds.<51> Als Rechtsgrundlage der Enteignungen dienten die beinahe identischen Verordnungen der Präsidien der Landes- bzw. Provinzialverwaltungen, die die SMAD billigte. Sie wurden als allgemeingültige Maßnahme, nicht aber mittels eines auf den Bodenreformverordnungen fußenden, jeden Einzelfall prüfenden Verwaltungsaktes, so wie es in den westlichen Besatzungszonen praktiziert wurde, vorgenommen.

Die Durchführung der Bodenreform oblag Bodenkommissionen, die sich auf Gemeinde-, Kreis- und Landesebene konstituierten. Auf öffentlichen Dorfversammlungen wählten Arbeiter, landlose- und landarme Bauern<52> sowie Umsiedler fünf bis sieben Personen umfassende Gemeindebodenkommissionen. Es wurden etwa 12 000 Bodenkommissionen gebildet, denen 52 292 Personen angehörten.<53> Unter ihnen befanden sich 19 700 Landarbeiter, 18 556 Kleinbauern sowie 6 352 Umsiedler.<54> Parteipolitisch gehörten 12 475 Kommissionsmitglieder der KPD, 9 164 der SPD und 974 der CDU bzw. der LDPD an.<55> Der Rest der Kommissionsmitglieder - 29 679 Personen - war parteilos. Diese Tatsache ist Ausdruck dafür, daß zahlreiche politisch ambitionierte Landbewohner aus eigenem, nicht parteipolitischem Interesse an der Verteilung des Bodens teilnahmen.

Die Aufgaben der Bodenkommissionen bestanden in:

Die Bodenbewerber berieten über die von der zuständigen Gemeindebodenkommission unterbreiteten Vorschläge zur Verteilung des Bodens und beschlossen danach seine Aufteilung. Der Beschluß der Versammlung der landlosen und landarmen Bauern eines jeweiligen Dorfes erlangte Gesetzeskraft, sobald die beim jeweiligen Landkreis gebildete Kreisbodenkommission ihn bestätigte. Die entscheidenden Akzente im Verlaufe der Bodenreform setzte freilich die KPD in Übereinstimmung mit den Vorhaben der sowjetischen Besatzungsmacht, die sich aus taktischen Erwägungen im Hintergrund hielt.

Im Verlaufe der Bodenreform erfolgte die Enteignung von 11 697 privaten Besitzungen mit einer Gesamtfläche von 2 649 099 Hektar.<57> Mit 2 392 Betrieben der öffentlichen Hand wurden sie zu einem staatlichen Bodenfonds, der am 1. Januar 1950 3 298 082 Hektar betrug, zusammengefaßt.<58> Bei einer Gesamtwirtschaftsfläche der SBZ von 10 746 024 Hektar kam es zu einer Umverteilung von rund einem Drittel des Bodens.<59>

Von der gesamten Bodenfläche gingen 66,4 Prozent in Privateigentum über<60>, 33,6 Prozent in die Hände staatlicher Organe oder der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB), einer eben erst gegründeten Massenorganisation der Bauern.<61> Auf dem Teil des enteigneten Bodens, der gesellschaftliches Eigentum verkörperte, entstand schon bald eine größere Anzahl staatlicher Landesgüter - die Vorläufer der Volkseigenen Güter (VEG) - sowie in der Folgezeit Maschinen-Ausleih-Stationen (MAS).<62> Weiterhin bekamen 183 261 Personen Gartenland und 43 231 Bodenbewerber


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bisheriges Pachtland übereignet.<63>

Die Aufteilung der enteigneten Güter<64> und Höfe wurde bereits bis Ende Oktober 1945 im wesentlichen beendet<65>, die gesamte Bodenverteilung im Herbst 1946 weitgehend abgeschlossen. Die rasche Enteignung kam den Interessen der Mehrheit der Bauern entgegen, die unverzüglich mit der Herbstaussaat beginnen wollte. In den folgenden Jahren gelangte nur noch der Boden zur Aufteilung, der vorübergehend in den Landfonds der Länder, Kreise und Städte einging. Zu diesem raschen Tempo trugen 24 700 aus städtischen Betrieben zur Unterstützung der Arbeit der Bodenkommissionen delegierte Industriearbeiter bei. Ihr Auftrag bestand nicht nur in einer gewissen Kontrollfunktion, sondern gleichfalls darin, die keimenden Bande zwischen Stadt und Land zu festigen sowie die politischen Anschauungen der KPD in die Bauernschaft hineinzutragen.<66> Anspornend wirkte auf die Landbevölkerung die Billigung der Bodenreform durch zahlreiche Pastoren, die die Bauern in ihrem Tun öffentlich ermutigten.

Am 1. Januar 1950 galt die Bodenreform als offiziell abgeschlossen.<67> Insgesamt erhielten bis zu diesem Zeitpunkt 559 089 Bodenempfänger 2 189 999 Hektar land- und forstwirtschafliche Nutzflächen zugeteilt.<68> Die nachfolgend aufgeführte Tabelle gibt detailliert Aufschluß über die elementaren Veränderungen auf dem Lande.


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Tabelle 1: Die Anzahl der Bodenempfänger und ihr Anteil an der verteilten land- und forstwirtschaftlichen Nutzfläche (Stand 1. Januar 1950)<69>

Bodenempfänger

Bodenfläche

Soziale Kategorie

Anzahl

Zuteilung (ha)

Durchschnittlicher Anteil je Empfänger (ha)

absolut

in %

gesamt

absolut

in %

Landarbeiter und landlose Bauern

119 121

21,2

932 487

7,8

42,6

Landarme Bauern

82 483

14,8

274 848

3,3

12,5

Umsiedler

91 155

16,3

763 596

8,4

34,9

Kleinpächter

43 231

7,7

41 661

1,0

1,9

Nichtlandwirtschaftliche Arbeiter, Handwerker usw.

183 261

32,8

114 665

0,6

5,2

Altbauern-Waldzulage

39 838

7,1

62 472

1,6

2,9

gesamt

559 089

100,0

2 189 999

3,9

100,0

In Sachsen-Anhalt erhielten im Rahmen der Bodenreform 152 389 Bodenempfänger 459 287 Hektar Land.<70>

Der hohe gesellschaftliche Stellenwert, der damals dem Boden beigemessen wurde, fand seine Widerspiegelung in dem neu formulierten Bodenrecht. Es forderte eine gute Bearbeitung des Bodens im eigenen und im Interesse der Gesamtheit.

Der Übernahmebeitrag für den Boden belief sich in Abhängigkeit von dessen Qualität auf den Wert einer Jahresrente, also ca. 1 000 bis 1 500 kg Roggen.<71> Analog den im Herbst 1945 üblichen Ablieferungspreisen betrug er etwa 190 bis 280 Reichsmark pro Hektar.<72> Die Bezahlung durfte in Geld oder Naturalien vorgenommen werden. Nach erfolgter Anzahlung von 10 Prozent bis zum Ende des Jahres 1945 bekamen vornehmlich landarme Bauern sowie Umsiedler eine Stundung der zu zahlenden


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Beiträge bis zu 20 Jahren eingeräumt. Die Mehrzahl der Bauern zeigte sich bald in der Lage, den Übernahmebeitrag zu begleichen. Staatliche Kredite, stabile landwirtschaftliche Preise sowie die Produktionshilfe durch die Bevölkerung der Städte trugen dazu bei, die enormen Schwierigkeiten der neugeschaffenen Wirtschaften auf unterschiedlichem Niveau zu lindern.

Den Vollzug der Bodenreform nahmen ihre Gegner nicht überall tatenlos hin. Durch vereinzelte Sachgutbeschädigungen wie Anzünden von Scheunen, Zerstören von Maschinen, Töten von Vieh versuchten einige Gefolgsleute der Gutsbesitzer auf lokaler Ebene, den Fortgang der Bodenreform zu verzögern. Seltener kam es zu Gewaltakten wie etwa Angriffen auf örtliche Funktionäre. Die Hauptform des Widerstandes erfolgte auf politisch-ideologischem Feld, zumeist durch Einschüchterungsversuche und das Verbreiten von Gerüchten. So drohten die Gegner der Bodenreform all denen mit Abrechnung, die es wagten, den Großgrundbesitz anzurühren. Sie bezeichneten die Reform als eine Maßnahme ohnehin nur vorübergehenden Charakters.

Heftigeren Widerstand verhinderte mit Sicherheit die Präsenz der sowjetischen Besatzungsmacht, die im Falle der Gefährdung der Reform mit drastischen Mitteln eingeschritten wäre. Dieses Affronts wegen verhielt sich eine nicht unerhebliche Zahl von Dorfbewohnern gegenüber der Bodenreform vorübergehend abwartend. Sie zögerten, sich als Bodenbewerber eintragen zu lassen.

Ins Zwielicht geriet die antifaschistische Zielsetzung der Bodenreform durch die Überstellung von lediglich Resthöfen an die Hinterbliebenen des Umsturzversuches vom 20. Juli 1944 und aktive Antifaschisten. Diese Höfe überschritten nicht die Größe von Neubauernbetrieben und wurden den Besitzern später wieder aberkannt.

Das Anliegen der Bodenreform diskreditierten zahlreiche Fälle von Willkür. Hierbei sei nicht nur auf Unlauterkeiten bei der Land- und Inventarverteilung verwiesen, sondern desgleichen auf Maßnahmen örtlicher Kommandanturen, wie die ohne triftige Gründe erfolgte Enteignung von Bauernhöfen und ähnliche von der SMAD angeordnete Repressalien. Hierzu zählt das Vorgehen, die enteigneten Familien zunächst aus den Dörfern, dann aus den Heimatkreisen auszuweisen. Sie wurden in Sammellagern zusammengefaßt, bis auf lebensnotwendige Dinge verloren sie ihre gesamte persönliche Habe.<73> Die mit einer Fülle von Gewaltakten verbundene Kampagne wurde damit begründet, man wolle Sabotageakte sowie Gerüchtemacherei verhindern, um einen reibungslosen Verlauf der Bodenreform zu garantieren. Sie "hatte den Charakter einer generalisierenden Repressionsmaßnahme."<74>

Zusammengefaßt zeitigte die Bodernreform folgende ökonomischen Hauptergebnisse:


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  1. Der private Grundbesitz mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von mehr als 100 Hektar hörte auf zu existieren.<75>
  2. Nach Abschluß der Bodenreform bestanden 559 VEG mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von 177 289 Hektar, also landwirtschaftliche Betriebe in staatlichem Eigentum.<76> Sie sind als Keimzelle einer künftigen sozialistischen Landwirtschaft anzusehen.
  3. Der Anteil der Bauernbetriebe mit einer LN von 0,5 Hektar bis 20 Hektar an der gesamten Bodenfläche wuchs von ca. 40 Prozent im Jahre 1939 auf 70 Prozent im Jahre 1949.<77>
  4. Die Bauern, die Bodenreformland erhielten, galten nominell als Eigentümer des Landes. Sie durften es zwar vererben, doch weder verpachten noch verkaufen. Bodenreformland durfte nicht verteilt und nicht verpfändet werden. Es war damit dem allgemeinen Rechtsverkehr entzogen.

Im Falle der Betriebsaufgabe mußte das über die Bodenreformkommissionen erworbene Eigentum an den Staat zurückerstattet werden. Die Staatsmacht wahrte sich so die Möglichkeit, die Konzentration landwirtschaftlicher Produktionsmittel in privater Hand zu vereiteln und den Beginn neuerlicher Differenzierungsprozesse auf dem Lande zu unterbinden. Es bestanden keine privaten landwirtschaftlichen Betriebe einer Größenordnung von über

100 Hektar mehr. Eines der bedeutendsten Hindernisse für den langfristigen Aufbau einer sozialistischen Landwirtschaft geriet damit in Wegfall.<78>

Das politische Hauptergebnis der Bodenreform bestand nach Einschätzung der SED-Führung darin, daß mit der Liquidierung des Großgrundbesitzes die Hauptstütze des Militarismus auf dem Lande, eine der Quellen für friedensbedrohende Aggressionshandlungen, nicht mehr existierte.

Es erhebt sich die Frage, warum die Besatzungsmacht und die KPD in der SBZ darauf verzichtet haben, in breitem Umfang staatliche Großbetriebe zu errichten. Sie hätten als ökonomisch höhere Wirtschaftsform zweifelsfrei den Zielvorstellungen einer sozialistischen Landwirtschaft eher entsprochen, als die nach der Bodenreform in der Landwirtschaft der SBZ dominierenden klein- und mittelbäuerlichen Betriebe. Für die Verstaatlichung eines Teiles des landwirtschaftlich genutzten Grund und Bodens fehlten aber in der SBZ im Jahre 1945 unabdingbare Voraussetzungen, wenngleich der Bodenfonds hinreichend Land aufwies, um ohne Enteignung der Klein- und Mittelbauernwirtschaften eine beträchtliche Zahl von Großbetrieben zu errichten. Nachfolgend aufgeführte objektive Gründe sprachen gegen die umfassende Errichtung von staatlichen landwirtschaftlichen Großbetrieben.

Ökonomisch-soziale Gründe:

Angesichts in beträchlichem Ausmaß zerstörter Produktionsmittel, einer Industrie, die voraussichtlich in


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absehbarer Zeit nicht fähig sein würde, die benötigten Produktionsmittel zu produzieren sowie fehlender Kapitalgrundlage bestanden nur geringe Aussichten, unverzüglich leistungsfähige staatliche landwirtschaftliche Großbetriebe in beträchtlicher Anzahl errichten zu können. Für eine Weiterführung der Gutswirtschaft fehlten die materiellen Voraussetzungen, da sich auf den Gütern zumeist nur noch verschlissenes Inventar fand. Die Schaffung stabiler, auf der intensiven Arbeit der Bauern basierender Betriebe klein- und mittelbäuerlicher Größenordnung erschien der KPD-Führung als die erfolgversprechendste Methode, um eine für die Verbesserung der Ernährungssituation unbedingt notwendige Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion zu erreichen. Ferner galt es, den Bauern unter den Umsiedlern eine neue, von ihnen tatsächlich akzeptierte Existenzgrundlage zu schaffen.<79>

Politische Gründe:

Der entscheidende politische Beweggrund für den Verzicht auf die massenhafte Einrichtung von staatlichen landwirtschaftlichen Großbetrieben ist darin zu sehen, daß die KPD als die führende politische Kraft in der SBZ vielfältige Anstrengungen unternahm, sich gerade unter den Neubauern eine feste politische Basis zu schaffen. Eine Verstaatlichung des Grund und Bodens hätte dem von der KPD angestrebten Bündnis zwischen der Arbeiterklasse und der Bauernschaft entgegengestanden. Die SBZ folgte mithin nicht dem Beispiel der Sowjetunion, die 1917 mit ihrem "Dekret über den Grund und Boden" die Nationalisierung des gesamten Bodens in die Wege leitete. Hierzu bemerkt Horz in seiner Dissertation, die sich mit Problemen des Überleitungsprozesses der Bauern der DDR in LPG befaßt, daß eine Sozialisierung des Bodens bei der deutschen Bevölkerung kaum Verständnis gefunden und außerdem zu sehr an die Agrarentwicklung in der Sowjetunion erinnert hätte.<80>

Die historischen Gegebenheiten, die aktuellen ökonomischen Bedingungen und maßgeblich ihre politischen Zielvorstellungen bewogen in der SBZ bzw. danach in der DDR die politische Führung in Gestalt der KPD/SED, vorsichtig zu agieren und die bestehenden Agrarverhältnisse nur allmählich zu verändern.

Zwar erklärte die SED in ihrem auf dem Vereinigungsparteitag im Frühjahr 1946 verabschiedeten Programm, die Lebensfragen der Bauern könnten nur im Sozialismus gelöst werden, jedoch stand damals in der SBZ die Bewältigung aktueller Forderungen vornan. Zweifellos aber betrachtete sie die Errichtung des Sozialismus als ihr eigentliches Ziel.<81>

Verschiedentlich wird in der Fachliteratur noch immer argumentiert, die bei der Landzuteilung geschaffenen Betriebe einer Durchschnittsgröße von ca. 8 Hektar seien von vornherein bewußt gering bemessen worden und ihre Ausstattung mit Vieh und Inventar wäre vollkommen unzureichend gewesen.<82> Aufgrund mangelnder Effizienz würden Neubauern mit derart ungünstigen Voraussetzungen sehr bald zur Aufgabe ihrer Wirtschaften gezwungen sein. Der Behauptung, diesen Betrieben sei a priori tatsächlich


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nicht mehr als eine Alibifunktion im Hinblick auf die spätere Bildung von LPG zugedacht gewesen, kann nicht vorbehaltlos zugestimmt werden. Unter Beachtung der zuvor ausführlich erörterten historischen, ökonomischen, politischen und sozialen Gründe war die Aufteilung des Bodens in relativ kleine Areale eine zu rechtfertigende Lösung gewesen. Sie wurde von breiten Bevölkerungsteilen akzeptiert.

Resümee

Im Ergebnis der Bodenreform veränderte sich die sozialökonomische Struktur auf dem Lande umfassend.<83> Nach ihrem Abschluß verkörperten die Klein- und Mittelbauern - bei Dominanz letzterer - die zahlenmäßig stärkste Schicht in den Dörfern. Der Anteil der Betriebe mit einer LN von zwei bis unter 20 Hektar LN an der Gesamtzahl der Betriebe erhöhte sich von 41,3 Prozent im Jahre 1939 auf 61,1 Prozent im Jahre 1949.<84> Ihr Anteil an der Gesamthektarzahl wuchs im gleichen Zeitraum von 37,5 Prozent auf 66,5 Prozent an.<85> Der Anteil der Großbauernwirtschaften an der Gesamtzahl der Betriebe fiel von 9,6 Prozent im Jahre 1939 auf 5,7 Prozent im Jahre 1949, ihr Anteil an der Gesamthektarzahl verringerte sich von 30,8 Prozent auf 26,1 Prozent.<86> Die Betriebe über 100 Hektar, die im Jahre 1939 28,3 Prozent der LN bearbeiteten, bewirtschafteten im Jahre 1949 nicht mehr als 3,9 Prozent.<87>

Die einschneidenden Wandlungen auf dem Lande verdeutlicht die folgende Tabelle.


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Tabelle 2: Veränderungen der Anzahl und Größe der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe im Jahre 1949 gegenüber dem Jahre 1939<88>

Größengruppe

1939

7

1949

der Betriebe nach LN (ha)

Betriebe

LN

Betriebe

LN

 

Anzahl

(1000)

Anteil an der Gesamtzahl (%)

ha

(x 1000)

Anteil an der Gesamthektarzahl

(%)

Anzahl

(1000)

Anteil an der Gesamtzahl

(%)

ha

(x 1000)

Anteil an der Gesamthektarzahl

(%)

Unter 0,5

16,4

2,8

5,4

0,1

43,1

5,3

15,3

0,3

0,5 bis unter 2

207,4

35,2

207,2

3,3

225,6

27,8

212,3

3,5

2 bis unter 5

112,6

19,1

369,7

5,8

124,5

15,3

433,7

7,2

5 bis unter 10

93,9

16,0

678,3

10,6

256,8

31,6

1 946,9

32,2

10 bis unter 20

95,2

16,2

1 351,4

21,1

115,9

14,2

1 638,3

27,1

20 bis unter 100

56,8

9,6

1 169,9

30,8

46,7

5,7

1 575,8

26,1

100 und mehr

6,3

1,1

1 809,3

28,3

0,7

0,1

218,6

3,6

Sämtliche Größengruppen

588,6

100,0

6 391,2

100,0

813,3

100,0

6 040,8

100,0

Ende der vierziger Jahre wies der Osten Deutschlands eine relativ homogene Agrarstruktur auf.

Im Verlaufe der Bodenreform veränderten sich in der SBZ/DDR die Lebensbedingungen von rund zwei Millionen Menschen. Zehntausende von Umsiedlern fanden mit der Übernahme von Boden eine neue Heimat. Durch die Zuweisung kleiner Bodenparzellen konnten ca.

180 000 Personen - Arbeiter, städtische Angestellte sowie Dorfhandwerker - vor dem gröbsten Hunger bewahrt werden.<89> Die Bodenreform entsprach den Interessen des überwiegenden Teils der Bauern. Viele tausend Kleinbauern wurden, von den genannten Einschränkungen abgesehen, Herr auf eigener Scholle. Klein- und Mittelbauern lösten sich aus der ökonomischen Abhängigkeit von Großbauern, Großgrundbesitzern sowie kapitalkräftigen städtischen Unternehmern. Erstmals seit Generationen gelangte die Mehrheit der Kleinbauern sowohl in den Besitz von Boden als auch von Vieh.<90> Nicht wenige von ihnen erhielten über das Neubauernprogramm ein eigenes, wenn auch bescheidenes Wohnhaus


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nebst Stallungen. Ein neues Ablieferungssystem nach der Betriebsgröße - die Festlegung des Ablieferungssolls erfolgte gestaffelt - berücksichtigte die Bestrebungen der klein- und mittelbäuerlichen Schichten nach einer positiven Veränderung ihrer materiellen Lebensbedingungen.

Die Großbauern wurden in das von der KPD/SED dominierte "antifaschistisch-demokratische Bündnis" einbezogen und zunächst nicht als "Klassenfeinde" gebrandmarkt. "Das agrarpolitische Konzept der KPD zielte darauf ab, den Großbauern nach Befreiung von der nazistischen Kriegs- und Zwangswirtschaft ökonomische Entwicklungschancen zu bieten und sie für eine antiimperialistische Politik zu gewinnen."<91> Die ersten Ablieferungsbefehle der SMAD - erlassen am 18. Juni und 29. Juli 1945<92> - legten noch keine Differenzierung der Ablieferungsnormen nach sozialökonomischen Gesichtspunkten fest. Sie erwiesen sich für die Inhaber von Bauernwirtschaften mit über 20 Hektar LN als sehr vorteilhaft. Obwohl die Festlegung nach Betriebsgrößen im Frühjahr 1946 die größeren bäuerlichen Betriebe mit den höchsten Ablieferungsnormen belastete<93>, blieben die wirtschaftlichen Bedingungen für die Mehrheit der Großbauern in den nächsten zwei Jahren günstig.

Die Umwälzungen auf dem Lande beeinflußten politische Haltung und Einstellung eines beträchtlichen Teils der Bauernschaft, der Landarbeiter sowie der Umsiedler zu den neuen Machtorganen. Sie riefen bei der Mehrheit der Bevölkerung nicht die Befürchtung hervor, eine Nationalisierung des Bodens stände an. Stattdessen bewirkte seine Aufteilung zugunsten der Kleinbauern, Landarbeiter und Umsiedler, daß "ein gewisses politisches Vertrauensverhältnis zur staatlichen Führung entstand."<94>

Die Bildung von staatlichen Landesgütern, die besondere rechtliche Situation der Neubauernbetriebe, die Schaffung von Neubauernstellen, die in der Größenordnung von Klein- und Mittelbauernwirtschaften lagen, die Gründung der VdgB und die Einrichtung von MAS - all das sind Faktoren gewesen, die sich als günstige Voraussetzungen für die Jahre später einsetzende sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft erweisen sollten.

Angesichts dessen, daß noch keine endgültige Klarheit über die deutsche Nachkriegsentwicklung in Ost und West bestand, kam der Bodenreform durchaus ein politisch-ökonomisches Eigengewicht zu.

1.1.2 Verlauf und Ergebnisse der Bodenreform im Kreis Haldensleben

Der Kreis Haldensleben befindet sich nordwestlich von Magdeburg. Zentral gelegen, nahm der größte Kreis des Bezirkes Magdeburg aufgrund seiner landwirtschaftlichen Bedeutung, eine wichtige Position in diesem Bezirk ein.<95>


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Die namengebende Kreisstadt wurde bereits im Jahre 966 u. Z. gegründet. Ob ihrer reizvollen Lage wird sie auch "Stadt zwischen den Wäldern" genannt. Haldensleben dehnt sich zwischen der Letzlinger Heide im Nordosten, den Calvörder Bergen im Nordwesten und dem Flechtinger Höhenzug im Westen und Südwesten aus. In leichtem Anstieg erklimmen die Wälder zu beiden Seiten der Ohre eine Höhe bis ca.140 Meter.<96> Die Differenz zum Ohrespiegel beträgt in etwa 90 Meter.<97>

Nach der Kreisreform im Jahre 1952 erstreckte sich bei einer Fläche von 849 km2 die Kreisgrenze über ca. 161 km.<98> Der Kreis Haldensleben grenzte im Norden an die Kreise Klötze, Gardelegen und Tangerhütte, im Osten an den Kreis Wolmirstedt und tangierte im Süden die Kreise Wanzleben und Oschersleben. Die westliche Begrenzung bildete das Bundesland Niedersachsen (Bundesrepublik Deutschland). Die Grenzlänge betrug etwa 35 km.<99> In nord-südlicher Richtung dehnte sich der Kreis maximal über 32 km<100>, in west-östlicher Richtung über maximal 38 km aus.<101>

Der territoriale Umfang des Kreises Haldensleben umfaßte im Jahre 1947 - mit diesem Jahre fanden sich seit Kriegsende wieder detaillierte Angaben über den Kreis - 681,11 km2.<102> Die Gesamtbevölkerung bezifferte sich auf 99 378 Personen, darunter 262 Ausländer.<103> Die Zahl der Männer, unübersehbar auch hier die Folgen des Krieges, betrug 29 919.<104> 37 254 Umsiedler, darunter 10 055 Männer, fanden im Kreisgebiet eine neue Heimat.<105>

Im Jahre 1960 betrug die Gesamtfläche des Kreises Haldensleben 85 574 Hektar.<106> Die LN, mit 45 443 Hektar beziffert, belief sich auf etwa 53 Prozent der Gesamtfläche.<107> 26 712 Hektar entfielen auf Waldfläche, 518 Hektar auf Ödland, 332 Hektar auf Gewässer.<108> Aus der Lage des Kreises im Übergangsgebiet zwischen Börde und Altmark resultieren äußerst unterschiedliche Böden. Neben einer größeren Anzahl von Gemeinden, deren Ländereien bei einem Grünlandanteil von zumeist unter 10 Prozent eine Bodenwertzahl von 70 bis 100 ausweisen, gibt es solche, deren Boden nicht die Bodenwertzahl 26 übersteigt.<109> Diese natürlichen Gegebenheiten führten maßgeblich zu beträchtlichen Unterschieden in der ökonomischen Leistungsfähigkeit der Bauernwirtschaften.

Wie die meisten deutschen Städte, so litt auch Haldensleben sehr an den Folgen des Zweiten


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Weltkrieges. Eine größere Zahl von Wohnhäusern, zwei weitgespannte Brücken und verschiedene Werke fielen den Kriegseinwirkungen zum Opfer. Die Ernährungslage spitzte sich in den letzten Kriegsjahren dermaßen zu, daß der überwiegende Teil der Bevölkerung gerade noch zu überleben vermochte.

Unmittelbar nach Kriegsende formierten sich in Haldensleben die ersten Selbstverwaltungsorgane. Im Sommer 1945 nahmen in der Kreisstadt der Kreistag nebst Stadtverordnetenversammlung und in den Dörfern 55 Gemeindevertretungen die Arbeit auf.<110> Als ausführendes Verwaltungsorgan fungierte im Landkreis die Kreisverwaltung mit 10 Ab-teilungen. In 56 Orten des Kreises bestanden Gemeindeverwaltungen, die für die dortigen Belange die Verantwortung trugen.<111> Die Haldenslebener Stadtverwaltung umfaßte neun Abteilungen.<112>

Parteipolitisch gehörte der Landrat, wie in den meisten Kreisen der Länder und Provinzen der SBZ, der SED an. Die 56 Bürgermeister der Gemeinden rekrutierten sich aus 53 SED-, zwei LDPD-Mitgliedern sowie einem Mitglied der CDU.<113> Was die Parteizugehörigkeit der Angestellten der Selbstverwaltungsorgane anging, so überwogen ebenfalls die Mitglieder der SED. 424 gehörten der SED, 14 der CDU und zwei der LDPD an. 245 bekannten sich zu keiner politischen Partei.<114> Bis zur Kapitulation wurden 13 Angestellte der Selbstverwaltungsorgane als Mitglied der NSDAP, zwei des Nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps (NSKK) und 19 des Bundes Deutscher Mädchen (BDM) bzw. der Hitlerjugend (HJ) geführt.<115> Die im Landkreis konsequent durchgeführte Entnazifizierung endete mit der Entlassung von 286 Bediensteten.<116> Davon aus der Kreisverwaltung 69, der Stadtverwaltung 57 und den Gemeindeverwaltungen 160.<117>

In der Landwirtschaft des Kreises Haldensleben stellten bis zum Frühherbst 1945 Großgrundbesitzer, Großbauern und städtische Besitzer großen ländlichen und industriellen Eigentums das herrschende Element dar. Erwähnt seien hier die Namen derer von der Schulenburg, von Alvensleben, Veltheim, von Dauvier, Schenk sowie der des Düsseldorfer Großunternehmers Henkel, der mehrere Güter mit dem ehemaligen Klostergut Alt-Haldensleben erwarb. Mit Beginn der Umsetzung der Bodenreformverordnungen in der zweiten Septemberhälfte 1945 ging die Zeit der ländlichen Großeigentümer zu Ende. Auch in den Dörfern des Kreises Haldensleben wandelten sich die politischen, ökonomischen und sozialen Bedingungen grundlegend.

Die Durchführung der Bodenreform leitete und überwachte die in den ersten Septembertagen gebildete Kreisbodenkommission. An ihrer Spitze stand der stellvertretende Landrat, ein langjähriges KPD-Mitglied. Die Gemeindebodenkommissionen formierten sich bis zum 19. September 1945.<118> Sie setzten sich aus


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163 Arbeitern und Landarbeitern, 73 Kleinpächtern und landarmen Bauern, 12 Umsiedlern und 30 Sonstigen zusammen.<119> Die Parteizugehörigkeit der Mitglieder der Gemeindebodenkommissionen ergab dieses aufschlußreiche Bild: 228 Kommissionsmitglieder gehörten der KPD bzw. der SPD, zwei der LDPD bzw. der CDU an.<120> 28 waren parteipolitisch ungebunden.<121> Damit besaßen KPD und SPD, deren Funktionäre schon in Vorbereitung der Bodenreform eng zusammenarbeiteten, ein deutliches Übergewicht in beiden Kommissionen. Auffallend ist die unterdurchschnittlich geringe Zahl der parteilosen Mitglieder der Gemeindebodenkommissionen im Vergleich zur SBZ.

Zunächst gab es im Kreis Haldensleben nur wenige Landbewerber. "Viele Landarbeiter hatten Angst, sich am Eigentum des Herrn zu vergreifen."<122> Als sie sahen, daß die Großgrundbesitzer binnen kurzer Zeit von ihren Wohnsitzen vertrieben wurden, bejahte ein beträchtlicher Teil der Klein- und Mittelbauern, Landarbeiter und Umsiedler grundsätzlich die Aufteilung des Bodens.

Die Gemeindebodenkommissionen teilten den Bodenempfängern selten zusammenhängende Flächen zu. Die Bodenareale wiesen zudem qualitative Unterschiede in der Güte des Bodens auf. Die Landzuteilung erfolgte durch Los. Alle Empfänger von Bodenreformland erhielten Urkunden ausgehändigt, aus denen die genaue Größe und Lage ihres neuen Eigentums hervorging.

Außer dem Grund und Boden wurde das lebende und tote Inventar der Großgrundbesitzer und aktiven Mitglieder der NSDAP aufgeteilt. Die Zuchttiere erhielten fast immer die volkseigenen Güter und die Komitees der gegenseitigen Bauernhilfe<123>, während die Konzentration der enteigneten Landmaschinen in Maschinenhöfen erfolgte. Von dort konnten sich bei Bedarf Klein- und Mittelbauern Maschinen ausleihen.<124> Das aufgeteilte Inventar bildete die Grundlage für den wirtschaftlichen Neubeginn in den Dörfern des Kreises Haldensleben, der sich auch durch die geringe Zahl an Wohn- und Wirtschaftsgebäuden der Neubauern schwierig gestaltete.

Die Enteignung der Güter erfolgte nach Beratung und Beschluß auf den Versammlungen der Kleinbauern, Landarbeiter und Umsiedler der jeweiligen Gemeinden. Gewählte Treuhänder übernahmen ihre Verwaltung. Mit deren Einsetzung sollte von vornherein jeglicher Widerstand der Großgrundbesitzer und ihrer Gefolgsleute unterbunden werden.

Offen widersetzten sich die enteigneten Großgrundbesitzer im Kreis Haldensleben nicht. Stattdessen versuchten sie, mit Drohbriefen an die Bodenkommissionen und durch die Verbreitung von Gerüchten, in den Dörfern eine Atmosphäre der Unsicherheit unter den Bodenempfängern zu schaffen. Auf Betreiben eines ehemaligen Gutsinspektors richteten Erxlebener Bauern und Landarbeiter ein Schreiben an den


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Landrat, in dem sie sich gegen die Aufteilung des Bodens wandten.<125>

Im Zuge der Bodenreform wurden im Kreis Haldensleben bei einer damaligen LN von

39 787,97 Hektar insgesamt 23 870 Hektar enteignet, mehr als 60 Prozent der gesamten LN.<126> Darunter befanden sich 23 037 Hektar von 62 Großgrundbesitzern und 833 Hektar von 22 aktiven Mitgliedern der NSDAP.<127> Von dem enteigneten Personenkreis durften sechs nebst ihren Familien im Kreis verbleiben.<128> Auf den enteigneten Flächen wurden 1 655 Neubauernwirtschaften mit einer Durchschnittsgröße von 7,50 Hektar geschaffen.<129>

376 landarme Bauern erhielten zu ihrem Ackerland durchschnittlich 7,20 Hektar.<130> Ihre Höfe erreichten damit die Größe von Mittelbauernwirtschaften. Weiterhin entstanden drei VEG.<131> Die 36 Schlösser bzw. Herrenhäuser fanden - entgingen sie dem Abriß - vielfältige Verwendung: als Altersheime, Krankenhäuser, SED-Schule, Erholungsheim der Sozialversicherungsanstalt sowie des Caritasverbandes und als landeseigene Betriebe.<132> Andere wiederum sollten als Schulen, als Wirkungsstätte von Gemeindevertretungen oder nach baulichen Veränderungen als Wohnstätten von Neubauern dienen. Ein Schloß belegte die Rote Armee.<133>

Die Anzahl der im Kreis enteigneten Güter und der von aktiven Nationalsozialisten betriebenen Bauernhöfe bezifferte sich mit 55 mit über 100 Hektar LN und auf 20 mit über 100 Hektar LN.<134> Ferner unterlagen drei staatliche bzw. Gemeindegüter der Enteignung.<135>

Nachdem die Aufteilung des Bodens Ende 1945 als abgeschlossen galt, nahmen zu Beginn des Jahres 1946 die Gemeindebodenkommissionen die Aufteilung der zum Bodenfonds gehörenden Waldbestände vor. Bauern mit Wirtschaften bis zu 15 Hektar LN erhielten bis zu drei Hektar Wald zugesprochen.<136>

Die folgende Tabelle gestattet einen Überblick über die Vergabe des während der Bodenreform enteigneten Grund und Bodens im Kreis Haldensleben.


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Tabelle 3: Die Aufteilung des im Zuge der Bodenreform im Kreis Haldensleben enteigneten Grund und Bodens

Soziale Kategorie

Anzahl der Bodenempfänger

Empfangenes Land (ha)

Landarbeiter

1 239

9 846

Landarme Bauern

376

2 723

Umsiedler

374

2 889

Kleinpächter

1 088

559

Industriearbeiter und Angestellte (Gärten oder etwas Acker)

2 090

994

Bauern (Wald)

132

225

Landeseigene Güter der Provinz und Versuchsgüter der Universität Halle

6

4 290

Im späteren Bezirk Magdeburg, dem der Kreis Haldensleben im Sommer 1952 zugeordnet wurde, bestanden vor der Bodenreform und nach ihrem weitgehenden Abschluß diese Eigentumsverhältnisse:

Tabelle 4: Die Eigentumsverhältnisse in den Dörfern des späteren Bezirks Magdeburg in den Jahren 1939 und 1946<137>

 

Stand 1939

Stand 1946

Betriebsgröße (ha)

Betriebe (%)

LN (%)

Betriebe (%)

LN (%)

unter 2

41,1

2,9

34,6

3,2

2 bis unter 5

13,2

3,4

10,3

4,0

5 " " 20

30,9

26,9

43,5

44,0

20 " " 100

13,7

40,4

11,3

41,6

100 und darüber

1,1

26,4

0,3

7,2


28

Die Auswertung der Daten beider Vergleichsjahre verdeutlicht, daß sich der prozentuale Anteil der Betriebe bis zu 20 Hektar LN an der gesamten LN unwesentlich vergrößerte - von 85,2 Prozent auf 88,4 Prozent. Ihr prozentualer Anteil an der LN hingegen nahm beträchtlich zu. Der Anteil der Großbauernbetriebe verringerte sich geringfügig. Ihr Bodenanteil hingegen wuchs an und erreichte fast die Größe des Anteils der Mittelbauern. Ökonomische und politische Konflikte in den Dörfern waren damit vorprogrammiert.

In einer Abhandlung über die Landwirtschaft des Kreises Haldensleben ist vermerkt, daß vorstehende Angaben über den späteren Bezirk Magdeburg etwa identisch mit denen des Kreises Haldensleben seien.<138> Ihnen zufolge bestand hinsichtlich der Sozialstruktur auf dem Lande zwischen dem Kreis Haldensleben und den anderen Kreisen des Bezirks Magdeburg kaum ein Unterschied. Aus den Daten wird ersichtlich: Klar überwogen im Bezirk Magdeburg jetzt Betriebe der Größenordnung von 5 bis 20 Hektar. Doch bei leichter Verringerung der Anzahl großbäuerlicher Betriebe, nahm der Anteil dieser Betriebe an der LN des Kreises sogar geringfügig zu.

Im Jahre 1947 ergab sich nach der Aufschlüsselung sämtlicher Landwirtschaftsbetriebe des Kreises Haldensleben nach Größenklassen diese Situation:

Tabelle 5: Die Aufschlüsselung der Landwirtschaftsbetriebe des Kreises Haldensleben nach Größenklassen im Jahre 1947<139>

Betriebsgröße (ha)

Anzahl

Anteil (%)

bis 5

11 712

83,4

von 5 bis 10

1 438

10,3

von 11 bis 20

552

3,9

von 21 bis 50

268

1,9

über 50

74

0,5

insgesamt

14 044

100,0

Die Analyse obiger Tabelle verdeutlicht, daß der Anteil der kleinbäuerlichen Betriebe bis fünf Hektar mit ca. 84 Prozent fast das Doppelte betrug als der Durchschnitt im späteren Bezirk Magdeburg. Dieser belief sich auf rund 45 Prozent.<140> Der Anteil der Großbauernbetriebe hingegen lag mit 2,4 Prozent weit unter


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dem Bezirksdurchschnitt, der sich um 11,3 Prozent bewegte.<141> Unbeschadet dieser Tatsache verwies die SED-KL Haldensleben in ihren fortwährenden Einschätzungen der Entwicklung auf dem Lande in den Jahren 1952 bis 1960 auf den bedeutenden Einfluß, den die Großbauern auf die Landbevölkerung ausübten.

Die Neubauern bewirtschafteten ihr Land individuell. Es gab aber Ausnahmen. In Altenhausen, Emden und Ovelgünne bildeten die Neubauern Arbeitsgemeinschaften (AG), "die sowohl die Herbst- als auch die Frühjahrsbestellung gemeinsam vornahmen."<142> Auf Drängen des Landrats und der für den Kreis zuständigen sowjetischen Landwirtschaftsoffiziere lösten sich die AG im Frühsommer 1946 wieder auf. Offenbar sollten auch im Kreis Haldensleben jedwede Maßnahmen vermieden werden, die den Gedanken an eine weitergehende Umgestaltung der Agrarstruktur in der SBZ aufkommen lassen konnten.

Wichtige Aussagekraft im Hinblick auf die Leistungsstärke der Landwirtschaft des Kreises Haldensleben in ausgewählten Produkten im Wirtschaftsjahr 1947/48 haben folgende Angaben:

Tabelle 6: Quantität und Sollerfüllung ausgewählter landwirtschaftlicher Produkte der Bauern des Kreises Haldensleben im Wirtschaftsjahr 1947/48<143>

Produktart

Ablieferung

(t)

Sollerfüllung

(%)

Schweine

234,50

32,0

Rinder

877, 40

67,0

Milch

7 986, 70

52,0

Eier (Stück)

8 340

74,0

Wolle

29,20

57,0

Gemüse

5 028,80

99,0

Getreide

27 238,30

99,0

Kartoffeln

23 637,30

99,6

Aus der Tabelle wird ersichtlich, daß in der Sollerfüllung zwischen pflanzlichen und tierischen Produkten erhebliche Unterschiede bestanden. Während in der pflanzlichen Produktion ein hoher Erfüllungsstand erreicht wurde, traten in der tierischen Produktion größere Defizite auf. Sie finden ihre Erklärung darin,


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daß auch im Kreis Haldensleben infolge des Krieges und seiner Nachwirkungen, die Viehbestände drastisch zurückgegangen waren. Ständiger notorischer Futtermangel tat das Seinige.

Über den Stand der die SED-KL unbefriedigenden Entwicklung der Viehwirtschaft im Kreis Haldensleben in den ersten Nachkriegsjahren gibt nachfolgende Tabelle Auskunft.<144>

Tabelle 7: Der Stand der Viehwirtschaft (1945 bis 1947) und der Sollerfüllung der Bauern (1947) im Kreis Haldensleben<145>

Viehart:

Anzahl im Jahr

Sollerfüllung

 

1945

1946

1947

1947 (%)

Pferde

4 947

5 352

5 314

94

Rindvieh gesamt

18 016

15 510

15 157

82

davon Kühe

k. A.

7 240

6 534

80

Schweine

21 576

21 222

18 528

74

Schafe

26 484

16 965

11 928

66

Ziegen

3 952

5 181

5 565

89

Die beinahe in allen wichtigen Tierarten rückläufige Entwicklung ist Beleg für die außerordentlichen Schwierigkeiten, vor die sich die Landwirtschaftsbetriebe des Kreises nach dem Abschluß der Bodenreform gestellt sahen. Die hier deutlich werdenden Tendenzen trafen auf den Kreis wie auf die nördlichen Länder und Provinzen der SBZ zu.

Im Rahmen des im Kreismaßstab durchgeführten Viehausgleichs erhielten hilfsbedürftige Neubauern 64 Pferde, 47 Ochsen, 90 Milch- und Zugkühe sowie 18 Färsen.<146> Innerhalb der SBZ wiederum gelangten aus den Dörfern des Kreises Haldensleben - bis Mitte des Jahres 1946 - 980 Schweine und 1 495 Schafe an Neubauern in Mecklenburg-Vorpommern.<147>

Die VdgB hatte im Jahre 1947 in allen Gemeinden des Kreises Fuß gefaßt. Unter ihren 3 394 Mitgliedern überwogen die der SED mit 1 833.<148> 136 gehörten der CDU, 68 der LDPD an.<149> Die Zahl der parteilosen


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Mitglieder belief sich auf 1 357.<150> Im Kreismaßstab wurden von der VdgB 42 Maschinen- und Geräteverleihstationen mit einer Belegschaftsstärke von 98 Arbeits-kräften betrieben.<151> Ferner besaß die VdgB eine Ziegelei und eine Brennerei. An verpachteten Betrieben gehörten ihr Mühlen, Bäckereien, Gärtnereien, Sandgruben sowie Obstplantagen. Als besondere Hilfeleistung für die Bauern im Jahre 1947 verbuchte die VdgB des Kreises Haldensleben eine "Rauhfutteraktion", in deren Verlauf die angefallenen Heu- und Strohmengen restlos an Bauern von 11 Dörfern mit mehrheitlich Sandböden verteilt wurden. Diese Bauern sowie bedürftige Bauern anderer Gemeinden erhielten auch größere Mengen an sonstigen Futtermitteln.<152>

Die offiziell erst zu Beginn des Jahres 1950 beendete Bodenreform gelangte im Kreis Haldensleben prinzipiell im Frühjahr 1946 zum Abschluß.

Weitere aussagekräftige Angaben zum abgehandelten Zeitraum sind im zuständigen Kreisarchiv Haldensleben nicht zu finden.

1.2 Die gesellschaftliche Entwicklung der SBZ/DDR in den Jahren 1948 bis 1952 unter besonderer Berücksichtigung der Landwirtschaft (Kurzer Abriß)

Um die vielfältigen Prozesse vom Beginn der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft der DDR bis zum "sozialistischen Frühling" in ihrer Komplexität wie in bestimmten Details einschätzen zu können, ist es unabdingbar, die unmittelbar vorangegangenen historischen Abläufe in den Jahren 1948 bis 1952 einer Betrachtung zu unterziehen. Dies geschieht in geraffter Form. Besondere Beachtung erfahren dabei die ökonomischen, politischen und sozialen Veränderungen auf dem Lande. Den Ausgangspunkt hierfür soll das Jahr 1948 bilden. In der Entwicklung der SBZ ist es als eine gewisse Zäsur anuzusehen. Die Sequestrationen fanden ein Ende, im Frühjahr 1948 wurde zur strafferen Leitung des volkseigenen Sektors der Volkswirtschaft die Bildung der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVEB) festgelegt. Allmählich gelangte in der Industrie der Prozeß der Konstituierung eines volkseigenen Sektors zum Abschluß. Die 1947 als beratendes Organ der SMAD gebildete Deutsche Wirtschaftskommission (DWK) weitete ihr Tätigkeitsfeld aus - sie wurde zum zentralen wirtschaftlichen Führungsorgan. Der SMAD-Befehl Nr. 32 eröffnete ihr weitgehende Vollmachten für die selbständige Leitung der Wirtschaft. Nach ihrer Reorganisierung im Frühjahr 1948 lag es in ihrem Ermessen, allen Organen der SBZ verbindliche Weisungen zu erteilen. Im Grunde genommen stellte sie die Vorstufe einer Regierung dar, zumindest auf wirtschaftlichem Gebiet. Der Schutz der "Errungenschaften" der neuen Ordnung wurde durch die Zentralisierung der Polizeiverwaltung, den Aufbau der Hauptabteilung Ausbildung sowie der strengeren Bewachung der Grenzen zu den westlichen Besatzungszonen verstärkt.

Entsprechend den Dogmen des Marxismus galt die Veränderung der Produktionsverhältnisse, an erster Stelle die der Eigentumsverhältnisse, als Grundlage jedweder gesellschaftlichen Veränderungen. Unter


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diesem Gesichtspunkt betrachtete die Parteiführung die Umgestaltung der Wirtschaft als erstrangige Aufgabe, forcierte ihre Bestrebungen nach rascher Vergrößerung des staatlichen Sektors der Industrie und der Einführung einer zentral gelenkten Planwirtschaft. Ab der zweiten Hälfte des Jahres 1948 vollzog sich die wirtschafliche Entwicklung der SBZ nach einem Halbjahresplan. An dessen Ende konnte u. a. eine Steigerung der Industrieproduktion um etwa ein Drittel gegenüber dem Jahre 1947 konstatiert werden.<153>

Mit dem Zweijahresplan 1949/50 begann die längerfristige Wirtschaftsplanung in der SBZ. Er ist das Ergebnis eines Beschlusses des Parteivorstandes der SED Ende Juni 1948, dem eine eingehende Analyse der wirtschaftlichen Gesamtsituation der SBZ vorausging. Dieser Sachverhalt verdeutlicht den zunehmenden Einfluß der SED auf wirtschaftspolitischem Gebiet. Zweifelsfrei sind die damaligen wirtschaftspolitischen Zielsetzungen der Führung der SED ihrer strategischen Gesamtkonzeption zuzuordnen, die auf die Erringung und Festigung der ungeteilten politischen Macht abzielte.

Die wichtigsten Zielstellungen des Zweijahresplanes bestanden in der Erhöhung der Industrieproduktion auf 81 Prozent des Standes der Vorkriegsproduktion sowie des Anwachsens der Arbeitsproduktivität um 30 Prozent im Vergleich zum Jahre 1947.<154> Die infolge Kriegszerstörungen, Reparationsleistungen und Demontagen knapp bemessenen Investitionsmittel sollten auf die Grundstoff- und Hüttenindustrie, den Maschinenbau und die Energieerzeugung konzentriert werden. Die SED-Führung erhoffte mit dieser Entscheidung eine derartige Stärkung des volkseigenen Sektors der Wirtschaft zu erreichen, daß er in der Volkswirtschaft zukünftig eine Vorrangstellung einnahm.<155> Auf dem Gebiete der Landwirtschaft wurde eine beträchtliche Produktivitätssteigerung angestrebt. So sollten die Erträge an Getreide und Hülsenfrüchten um 23 Prozent, der Rinderbestand um 25 Prozent und der Schweinebestand um 66 Prozent gegenüber dem Jahre 1947 anwachsen.<156>

Diese Zielsetzungen gelang es - rein statistisch! - zu erfüllen und zu übertreffen. Die Industrieproduktion erreichte Ende 1950, verglichen mit der des Jahres 1936, 111 Prozent, die der Landwirtschaft 85 Prozent.<157> Die vergesellschaftete Wirtschaft, die zunehmend sozialistische Züge annahm, besaß Ende des Jahres 1950 bereits einen Anteil von etwa 60 Prozent am gesellschaftlichen Gesamtprodukt.<158> Der volkseigene Sektor begann, in der gesamten Volkswirtschaft der DDR eine beherrschende Stellung einzunehmen.

Herausragende innenpolitische Bedeutung ist der Umwandlung der SED zur "Partei neuen Typus" in den Jahren 1948/49 beizumessen. Dies bedeutete die Absage an einen besonderen "deutschen Weg" zum Sozialismus, das vorbehaltlose Bekenntnis zur führenden Rolle der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (B) (KPdSU-Bolschewiki) und die Ausformung der SBZ zu einer "Volksdemokratie".<159> Die


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Durchsetzung der neuen parteipolitischen Linie führte zur Beseitigung der Parität in der Besetzung von Parteifunktionen sowie der "Säuberung" der Partei auf allen Ebenen. Letztgenannte Maßnahmen beschleunigten die Verdrängung eigenständiger Sozialdemokraten aus der SED und vollendeten den Wandel der SED zur herrschenden Staatspartei.<160> Unverkennbar wuchs die SBZ "... aus der Abhängigkeit des Besatzungsrechtes in die Abhängigkeit einer von der Sowjetunion, gelenkten Volksdemokratie und das hieß, zu einem Territorium mit sozialistischem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem."<161>

Im Jahre 1948 "... waren in der sowjetischen Besatzungszone die entscheidenden Aufgaben der antifaschistisch-demokratischen Umwälzung gelöst ..."<162> Neue Klassen- und Eigentums-verhältnisse hatten sich herausgebildet. Die SED festigte ihre führende Rolle in der Gesellschaft und übte in sämtlichen staatlichen Organen bestimmenden Einfluß aus.

In ihrem Wesen, nicht aber in allen Erscheinungsformen, sind die in der SBZ vollzogenen Umgestaltungen denen in den volksdemokratischen Ländern Europas gleichzusetzen. Im Gegensatz zu diesen Ländern bestand in der SBZ im Jahre 1948 ein starker auf Privateigentum basierender Sektor in Industrie und Landwirtschaft. Zu ihm gesellte sich ein umfassender Sektor der kleinen Warenproduktion wie die Handwerksbetriebe, der private Einzelhandel und nicht zuletzt der Einzelbauernwirtschaften.

Kennzeichnend für die Blockpolitik jener Jahre ist ein verstärkter Differenzierungsprozeß innerhalb von CDU und LDPD, ist ein neuerliches Aufbegehren der Führungsgremien dieser Parteien gegen die ihnen zugedachte Rolle als Transmissionsorgane der SED-Führung. Deren unverhüllt vorgetragener Führungsanspruch bewirkte im Februar 1948 eine langwierige Krise des Zentralen Demokratischen Blocks, die auch mit der Wiederaufnahme der bis dahin ruhenden Sitzungen im August 1948 nicht beseitigt war. Die Kluft zwischen SED einerseits, CDU und LDPD andererseits, blieb trotz anderslautender Einschätzungen der DDR-Historiografie in den nächsten Jahren bestehen. Daran änderte die Gründung zweier neuer kleinbürgerlich-demokratischer Parteien im Frühjahr 1948 - der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD) und der National-Demokratischen Partei Deutschlands (NDPD), die angeblich ausgleichend wirkten - nichts.<163> Die DBD, die partiell klein- und mittelbäuerliche Interessen wahrnahm, schwenkte sehr bald auf die Generallinie der SED ein.

Der Konflikt spitzte sich im Jahre 1950 nochmals zu. Nach Maßgabe der SED-Führung forderte der Zentrale Ausschuß des Demokratischen Blocks die Landes- und Blockauschüsse auf, entschieden gegen widerstrebende Politiker vorzugehen. Diese Ankündigung zeigte Wirkung: CDU und LDPD versicherten im Januar 1950, wie zuvor, konstruktiv im Block mitzuwirken. Im Februar 1950 empfahl gar der geläuterte


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zentrale Blockausschuß "... die Entfernung solcher Elemente, die gemeinsame Beschlüsse mißachten."<164> Im Frühjahr selbigen Jahres wurden einflußreiche oppositionelle Politiker dieser Parteien aus sämtlichen wichtigen Positionen verdrängt. In den nächsen beiden Jahren disziplinierte die SED-Führung die Spitzen von CDU und LDPD dermaßen, daß sie nach außen vorbehaltlos die führende Rolle der SED akzeptierten.

Während des Jahres 1948 spitzte sich unter den Alliierten das Ringen um die Einflußnahme auf die Zukunft Deutschlands zu. Die durch separate Währungsreform (Juni 1948) und Marshallplanhilfe beginnende wirtschafliche Konsolidierung der westlichen Besatzungszonen, dazu die Vorbereitungen zur Bildung einer westdeutschen Regierung, führten zu unüberbrückbaren Diskrepanzen zwischen den Alliierten. Die Sowjetunion mußte einsehen, daß es ihr nicht sobald gelingen würde, ganz Deutschland in ihr Herrschaftssystem einzugliedern. Als Resonanz auf das Scheitern mehrerer Außenministerkonferenzen in den Jahren 1947 und 1948 bekundete sie per 20. März 1948 ihren Rückzug aus dem Alliierten Kontrollrat.<165> Dieser Schritt ließ das oberste Machtorgan in Deutschland handlungsunfähig werden. Neuerliche Diskrepanzen führten Mitte Juni 1948 zur Aufkündigung der Mitarbeit sowjetischer Vertreter in der Alliierten Kommandantur von Groß-Berlin.

Zum Höhepunkt des Tauziehens um die Vormachtstellung in Deutschland wuchs sich im Jahre 1948 die Blockade Westberlins aus, für die die Sowjetunion auch die in den Westsektoren der Stadt durchgeführte separate Währungsreform zum Anlaß nahm. Mit der hermetischen, gegen die Abkommen der vier Großmächte verstoßenden Abriegelung der Stadt wollte die Sowjetunion testen, ob und inwieweit die Westmächte gegen die Einverleibung Westberlins in ihren Herrschaftsbereich Widerstand leisten würden. Einhellig verurteilten diese das Vorgehen der Sowjetunion, die sich weltweit an den Pranger gestellt sah. Das Verhalten der Westalliierten, die statt gewaltsam den bestehenden Status wiederherzustellen durch Einrichtung einer Luftbrücke die Versorgung der Stadt rund ein Jahr lang sicherten, verhinderte den Ausbruch eines neuen Krieges.

Der "Kalte Krieg" eskalierte und beschleunigte die Einbindung der einzelnen Besatzungszonen in die jeweiligen Machtblöcke. Die Währungsreform vom Juni 1948 mit ihren einschneidenden wirtschaftlichen Folgen führte die eigentliche Trennung Deutschlands herbei. Der Bruch zwischen Ost und West offenbarte den Mißerfolg der sowjetischen Deutschlandpolitik, die Spaltung Deutschlands vertiefte sich.

Die Spannungen nahmen durch die sich abzeichnende Bildung zweier großer politisch-militärischer Blöcke unter Führung der USA und der UdSSR sowie das Ausscheren Jugoslawiens von dem von der UdSSR vorbestimmten Weg zu. Die jugoslawische Haltung veranlaßte die UdSSR, die innenpolitische Struktur der SBZ in Richtung volksdemokratische Entwicklung zu forcieren, um vorerst wenigstens in einem Teil Deutschlands ihren Einfluß verstärkt geltend machen zu können.<166> Ihre besonderes


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Augenmerk richtete sie dabei neben der Industrie auf die Landwirtschaft.

In der Landwirtschaft<167> der SBZ galt nach der Bodenreform die Aufmerksamkeit zunächst der Erhöhung der Leistungsfähigkeit der klein- und mittelbäuerlichen Betriebe bei Verbesserung der materiellen Ausstattung der Neubauernwirtschaften.<168> Verschiedene staatliche Unterstützungsmaßnahmen wie Kredithilfen, Viehausgleich und das Neubauernbauprogramm trugen dazu bei, daß sich im Verlaufe der zweiten Hälfte des Jahres 1949 die Agrarproduktion merklich stabilisierte.

Zuvor vermochten viele Bauern nicht, die staatlichen Ablieferungsvorgaben zu erfüllen. Daraufhin sahen sie sich nichtendenwollenden Zwangsmaßnahmen und polizeilichen Aktionen ausgesetzt. Nicht selten wurden ihnen Saat- und Futtergetreide sowie das Brotkorn entzogen. Die Willkürakte gegen Bauern, die ihr Ablieferungssoll nicht erbrachten, hielten in der Folgezeit an. Die ab Herbst 1948 geltende "Wirtschaftsstrafverordnung" (WSTVO) lieferte die gesetzliche Grundlage, säumige "Bauern wegen eines 'Wirtschaftsverbrechens' mit "Verwarnungen, Geldstrafen, Gefängnis, Zuchthaus und Vermögenseinzug zu bestrafen."<169> In der Mehrzahl der "Fälle" kamen Geldstrafen und Gefängnis zur Anwendung. In der Zeit des Einsitzens eines Verurteilten verwaltete die Wirtschaft ein von der Gemeinde eingesetzter Treuhänder. Bei "schweren Verstößen" wurde das Vermögen eingezogen. Der Boden gelangte in einem derartigen Falle nicht etwa in den Bodenfonds - er konnte also nicht neuerlich an Interessierte vergeben werden -, sondern die jeweilige Gemeinde erhielt ihn vorerst zur Nutzung.<170>

In der zweiten Hälfte des Jahres 1949 gelang es der Mehrzahl der Bauern, nicht nur ihr Abgabesoll zu erfüllen, sondern auch "Freie Spitzen" auf den Markt zu bringen. Die Doppelfunktion des Pflichtablieferungssystems zeitigte erste positive Wirkungen. Es garantierte die notwendige Nahrungsgüterreserve für die rationierte Versorgung der Bevölkerung. Gleichzeitig entstand ein Anreiz zur Steigerung der Produktion, da die über das Soll hinaus erzeugten Mengen zu höheren Preisen und "... bei Gegenlieferung von Industrieerzeugnissen aufgekauft wurden."<171>

Die Festlegung der gestaffelten Veranlagung zum Ablieferungssoll von Agrarprodukten berücksichtigte bedingt die Reproduktionskraft der betreffenden Wirtschaften. Sie begünstigte die Kleinbauernwirtschaften, legte aber großbäuerlichen Bestrebungen, zu expandieren, Zügel an. Veränderte Ablieferungsverordnungen eröffneten Ausgleichsmöglichkeiten bei den einzelnen Produkten. Entsprechend den lokalen sowie betrieblichen Gegebenheiten stand nun einer differenzierten


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Veranlagung zum Ablieferungssoll nichts im Wege.

Die ersten schwierigen Nachkriegsjahre ließen eine Reglementierung im agrarischen Bereich unabdingbar werden, was die Mehrheit der Bauern mit einem gewissen Murren akzeptierte.<172> Nun aber bahnte sich im Zusammenhang mit den neuen Varianten zur Realisierung der Ablieferungsverpflichtungen als weitere Erleichterung eine weniger strenge Überwachung der Erfüllung der Anbau-und Viehhaltepläne an. Eine Hoffnung, die durch das Bemühen der VdgB um eine auf Wunschanbauplänen beruhende regionale Planung, bestätigt zu werden schien.

Die meisten Bauern setzten alles daran, von den örtlichen Differenzierungskommissionen günstig eingestuft zu werden.<173> Diese hatten Order, die sich ständig verändernde betriebliche Spezifik hinreichend zu berücksichtigen Da die Reglementierungen von der Bürokratie zumeist intolerant gehandhabt wurden, schwelten in den Dörfern ständig Konflikte unterschiedlicher Ausprägung. Betroffen waren davon vorrangig die in ihrer Interessenlage am weitesten divergierenden Schichten auf dem Lande: die Neubauern an dem einen, die Großbauern am anderen Pol.

Die ökonomische Situation einer beträchtlichen Anzahl von Neubauernwirtschaften verbesserte sich im Wirtschaftsjahr 1948/49 durch solche Maßnahmen wie Bauprogramm, Flächenaufstockung und Viehzuteilung, zuvorderst freilich durch eine niedrige Veranlagung zum Ablieferungssoll. Sie blieb jedoch nach wie vor instabil. Zwischen den Neubauernwirtschaften bildeten sich deutlich erkennbare Unterschiede in der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit heraus.

Soziale und wirtschaftliche Gründe sind für die Existenznot von ca. einem Drittel Neubauern heranzuziehen. "Im Neubauerndorf vollzog sich ein sozialer Differenzierungsprozeß, der nicht nur die Landwirtschaft insgesamt belastete, sondern auch ein Konfliktpotential anhäufte."<174> Drei Kategorien von Neubauernwirtschaften kristallisierten sich im Dorfe heraus:

  1. Zur ersten Kategorie gehörten solche Neubauernwirtschaften, die in relativ kurzer Zeit eine befriedigende wirtschaftliche Entwicklung nachwiesen. Dies traf auf kaum ein Zehntel der Gesamtzahl der Wirtschaften zu. Eine tatsächlich wirtschaftliche Stabilisierung erreichten solche Neubauernhöfe, die - was die Zugkräfte, die Wohn- und Wirtschaftsgebäude anbetraf - gute Ausgangsbedingungen vorgefunden hatten, eigene Mittel besaßen und Boden mit hoher Ackerwertzahl bei günstigem Grünlandanteil unter den Pflug nehmen konnten. Die begründete Hoffnung auf eine positive Entwicklung bestand dann, wenn sich zu diesen vorteilhaften Voraussetzungen gediegene berufliche Kenntnisse, stetiger Fleiß und das unbedingte Wollen, ihre Wirtschaften tatsächlich aufzubauen, gesellten.

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  2. In der zweiten Kategorie befanden sich Neubauernwirtschaften mit schweren und schwersten Böden, wie z. B. der Uckermark, dem Klützer Winkel (Mecklenburg), dem Oderbruch oder der Wische (Altmark). Das Unterfangen, auf derartigen Böden erfolgreich kleinere landwirtschaftliche Betriebe aufbauen zu können, widersprach den bisherigen Erfahrungen. Beim Aufbau ihrer Wirtschaften auf schweren Böden mußten die Neubauern größte Schwierigkeiten überwinden. In ausgesprochenen Trockengebieten mit zumeist leichten Böden und Mangel an Grünland, der notwendigen Futterbasis für die Rinderzucht, "erwiesen sich Wirtschaften in der Größenordnung von knapp 10 Hektar in der Regel als nicht lebensfähig."<175> Oftmals führten in den ersten Nachkriegsjahren persönliche Unfähigkeit sowie fehlende Bereitschaft, die Anfangsschwierigkeiten zu meistern, zur Betriebsaufgabe. Zumeist handelte es sich dabei um solche Personen, die vor der Bodenreform keine landwirtschaftliche Tätigkeit ausgeübt hatten.
  3. Die Mehrheit der Neubauern fand sich zwischen den beiden aufgeführten Kategorien. Typisch für die überwiegende Zahl dieser Wirtschaften war ein unzureichender Ausrüstungsstand mit lebendem bzw. totem Inventar. Daher das ständige Auf und Ab bei ihrem Bemühen, effizient zu wirtschaften und alle Verpflichtungen gegenüber dem Staat zu erfüllen. Sie sahen sich genötigt, das gesamte Wirtschaftsjahr hindurch die meisten wichtigen Arbeitsgänge durch die MAS verrichten zu lassen. Dadurch entwickelte sich eine gewisse Abhängigkeit von dieser Institution.<176> Für die gesellschaftliche Positionierung der Neubauern erwies sich als bestimmend, daß sie sich nicht nur durch das Bodenreformeigentum der neuen Macht verpflichtet fühlten. Diese Affinität festigte sich durch das Wissen, daß die meisten von ihnen über einen größeren Zeitraum hinweg von staatlicher Hilfe abhängig bleiben würden. Mit verbesserten wirtschaftlichen Ergebnissen entwickelte sich das Selbstbewußtsein dieser Bauern.

Großbauern beeinflußten und bestimmten in vielen Dörfern wie zuvor die öffentliche Meinung. Ihnen gelang es rascher als Klein- und Mittelbauern, Kriegsschäden zu beheben und ihre Wirtschaften zu festigen. Ihr Anteil an der Agrarproduktion machte mehr als ein Viertel aus. Die relative ökonomische Stärke der Großbauern resultierte aus vielschichtigen Gründen. Sie bewirtschafteten vornehmlich arbeitsintensive Kulturen.<177> Traditionell konzentrierten sie sich auf die Saatzucht und noch mehr auf die Saatgutproduktion. Der Viehbesatz der Großbauern lag zumeist unter dem in der Landwirtschaft üblichen Durchschnitt. Dafür hielten sie aber fast durchweg hochwertigere Tiere als die Klein- und Mittelbauern. Die Herdbuchhaltung blieb eine Domäne der Großbauern. Außerdem kam ihnen bei der Wahrung ihrer Interessen entgegen, daß sie mehrheitlich bessere Fachkenntnisse als die übrigen Bauern aufwiesen und über langzeitig gewachsene, vielfältige Beziehungen in den Dörfern und Landkreisen verfügten. Ihre Lebensbedingungen gestalteten sich in den Nachkriegsjahren "... besser als die der Klein- und Mittelbauern."<178> Die wirtschaftliche Situation der Großbauern konnte auch nach der Währungsreform im


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Juni des Jahres 1948 noch als günstig bezeichnet werden. Ihr durchschnittliches jährliches Reineinkommen je Betrieb und je Familienkraft im Jahre 1950 belegt dies.

Tabelle 8: Das durchschnittliche jährliche Reineinkommen von Großbauern je Betrieb und je Familienkraft im Jahre 1950<179>

Betriebsgrößengruppe

Reineinkommen in Mark

nach LN

je Betrieb

je Familienkraft

2 - 5 ha

1 596

665

5 - 10 ha

2 538

906

10 - 15 ha

2 968

989

15 - 20 ha

4 329

1 353

20 - 35 ha

5 380

1 793

Im Wirtschaftsjahr 1949 bahnte sich eine neuerliche Veränderung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft an. Der Vergesellschaftungsprozeß der SBZ sollte zwecks Reduzierung des Rückstandes zu den anderen volksdemokratischen Staaten, doch auch in Erwartung einer weiteren Verschärfung der internationalen Lage, beschleunigt werden. Diese Forderung traf uneingeschränkt auf die Landwirtschaft zu. In diesem Wirtschaftszweig war im Verlaufe der Bodenreform vielfach neues Privateigentum mit eingeschränkter Verfügungsgewalt entstanden.<180> Nach der Festigung der neuen Agrarverhältnisse, einer gewissen "Atempause", begann eine systematische Politik der Verdrängung von Großbauern.

Unverkennbar bestand ein innerer Zusammenhang zwischen den außen- und deutschlandpolitischen Intentionen der Führung der KPdSU (B) und dem Beginn des "Klassenkampfes" gegen die Großbauern. Es sei auf die Rückschläge der sowjetischen Außenpolitik in Deutschland verwiesen.

Der Auftakt des härteren Vorgehens gegenüber den Bauern mit einer LN von über 20 Hektar ist auf die Festlegungen der Konferenz kommunistischer Parteien Europas in Schreiberhau im Jahre 1947 zurückzuführen. Auf ihr wurde nicht nur das Kommunistische Informationsbüro gegründet, sondern durch


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Shdanow der weltpolitische Führungsanspruch der Sowjetunion deutlich vorgetragen.<181> In Anlehnung an diese Konferenz ergab sich für die SED u. a. die Aufgabe, die SBZ zu einer "Volksdemokratie" umzugestalten, die wirtschaftliche Entwicklung der Großbauern einzudämmen und eine "Demokratische Bauernpartei Deutschlands" zu gründen. Diese Vorhaben nahm die Parteiführung sogleich in Angriff.

Mitte April 1948 kündigte Ulbricht vor Parteifunktionären in einem mehrstündigen Referat an der Parteihochschule der SED die Kursänderung der Parteiführung im Verhältnis zu den Großbauern an. Gleichfalls im Frühjahr 1948 verständigte sich das Kommunistische Informationsbüro auf eine Entschließung, die schärfere Maßnahmen gegen die Großbauern vorsah.

Die Kerngedanken der Ulbrichtschen Rede lassen sich auf einen knappen Nenner bringen: nach der Beseitigung des Großgrundbesitzes auf dem Lande käme es jetzt darauf an, sich auf die Klein-und Mittelbauern zu stützen und die Großbauern gezielt zurückzudrängen. Die Parteiführung hielt sich in den nächsten Jahren unter Berufung auf Lenin in geradezu dogmatischer Treue an diese politische Linie. Auf propagandistischem Wege versuchte sie, zwei im Dorfe sich angeblich gegenüberstehende Fronten zu konstruieren. Neugeschaffene Institutionen wie die MAS und die VEAB, die DBD sowie die VdgB und nach der Zerschlagung des traditionellen Genossenschaftswesens ab 1951 die neugebildete Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe-Bäuerliche Handelsgenossenschaft (VdgB-BHG) spielten später eine wichtige Rolle beim rigorosen Vorgehen gegen die Großbauern.

Die Verschärfung des Verhältnisses zu den Großbauern deutete einen Wechsel in der Bündnispolitik der SED an, der mit einer offensiven und im Sprachgebrauch aggressiven Pressekampagne einherging. Augenscheinlich verengte sich die Basis "... des mit dem Aufruf der KPD vom 11. Juni 1945 proklamierten Interessenausgleichs zwischen Industriearbeiterschaft und bäuerlichen Warenproduzenten."<182>

Nach Lösung der Aufgaben der antifaschistisch-demokratischen Umwälzung strebte die SED-Führung in der SBZ sukzessive den Übergang zu einer volksdemokratischen Entwicklung, die Ausrichtung auf das sowjetische Gesellschaftsmodell, an. Wie alle anderen kommunistischen Parteien, artikulierte sie ihre wahren Absichten nicht öffentlich. Das Zusammenwirken mit der gesamten Bauernschaft - in das die KPD/SED die Großbauern zunächst involvierte - hatte seine Schuldigkeit getan.

Bei der Verwirklichung der neuen gesamtgesellschaftlichen Zielstellung verbannte die SED-Führung entschieden alle kapitalistischen Elemente, denen sie die Großbauern zuordnete, aus dem Bündnis.<183> Dies geschah unter dem Deckmantel der Verschärfung des Klassenkampfes auf dem Lande. Die bislang übliche Bezeichnung "Bauer" verschwand aus dem offiziellen Sprachgebrauch. Von nun an wurden die Klein-und Mittelbauern, darunter verstand man Bauern mit Betrieben von zwei bis 20 Hektar LN, die keine fremden Arbeitskräfte beschäftigten, als "werktätige Bauern" bezeichnet und den Großbauern als Klassengegner gegenübergestellt. Der Begriff "Großbauer" erhielt ein Negativ-Image.

Von offizieller Seite wurde der Beginn der Politik der Verdrängung der Großbauern wie folgt begründet:


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"Die Politik der Einschränkung und Verdrängung der Großbauern äußert sich darin, daß die Volksmacht gegenüber den Großbauern das System der progressiven Besteuerung und der progressiven Festlegung des Ablieferungssolls anwendet. Die Politik der Verdrängung der Großbauern führen wir hart und konsequent durch. In der gegenwärtigen Etappe des Klassenkampfes auf dem Lande verstärkt die Partei die revolutionäre Wachsamkeit, bekämpft sie die versöhnlerische Einstellung gegenüber der Großbauernschaft."<184> Die Parteiführung argumentierte, die wirtschaftliche Potenz der Großbauern müsse den Interessen breiter Bevölkerungsschichten zunutze kommen. Damit kaschierte sie die politischen Motive des Kampfes gegen die Großbauern und vertuschte sie mit sozialökonomischen Begründungen. Desgleichen verschleierte sie ihre Absicht, durch verstärkten moralischen und ökonomischen Druck auf Bauern mit einer LN von über 20 Hektar die Produktivität der Landwirtschaft zu erhöhen.

Die folgenden agrarpolitischen Veränderungen waren dennoch nicht ausschließlich staats- und gesellschaftspolitischen Zielsetzungen der Führung der KPdSU (B) und der SED-Spitze, sondern durchaus auch wirtschaftspolitischen Erwägungen beider Seiten geschuldet. Offiziell sprach man zu diesem Zeitpunkt noch längst nicht von der angestrebten sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft. Die Parteiführung dementierte in einer auf der ersten Parteikonferenz gefaßten Entschließung vehement ein derartiges Vorhaben, verwahrte sich "... entschieden gegen die unbegründeten und provokatorischen Gerüchte, daß die Absicht bestehe, eine zweite Bodenreform gegen die Großbauern durchzuführen."<185>

Die ersten ernsthaften Maßnahmen gegen die Großbauern zur Schwächung ihrer Wirtschaftskraft bestanden in der Erhöhung der Steuern und der Tarife bei Arbeiten durch die MAS, gesetzlichen Verurteilungen bei bewußt falschen Angaben zur Höhe der Ernteerträge, Verschärfung des Strafmaßes bei mangelnder Erfüllung der auferlegten Ablieferungsverpflichtungen und Benachteiligungen bei der Versorgung mit Betriebsmitteln jeglicher Art. Das großbäuerliche Monopol der Verfügbarkeit von Landtechnik sollte gebrochen werden. Durch das Wirken der MAS gelang dies in der Tat.

Die Differenzierung zwischen den einzelnen Betriebsgrößengruppen erfuhr eine Erweiterung. Da ihr Hektarbesatz an Vieh sehr oft einen geringeren Umfang aufwies als der der kleineren Betriebe, belastete die stufenweise Erhöhung des Ablieferungssolls auf der Grundlage der Größe der LN die Großbauernwirtschaften besonders. Die Einführung der Hektarveranlagung zum Ablieferungssoll von tierischen Produkten nach der bewirtschafteten Bodenfläche durch die DWK mit Wirkung von Anfang Januar 1949 verlangte von den Großbauern eine veränderte Wirtschaftsführung.<186> Nur so bestand für sie eine gewisse Aussicht, ihre Viehbestände aufstocken zu können. Betriebswirtschaftliche Gegebenheiten - wie fehlende Stallungen und Futtermangel - erwiesen sich bei diesem Unterfangen nicht selten als


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unüberwindliche Hürden.<187> Das Zentralsekretariat der SED schätzte ein, die neue Regelung stelle "ein wichtiges Mittel des Klassenkampfes gegen die Großbauern" dar.<188>

Zu den gegen die Großbauern gerichteten Maßnahmen gesellten sich Diskriminierungen bis hin zu verschiedensten Willkürakten. Es begann eine politische Kampagne mit der Absicht, "Großbauern aus öffentlichen Ämtern zu verdrängen."<189> Als offenkundiger Beleg für die Ernsthaftigkeit dieser Absicht erwiesen sich die VdgB-Wahlen im Sommer 1949. Im Verlaufe der Wahlvorbereitungen argumentierte die Parteiführung unablässig, daß Großbauern in den Vorständen das Wirken der VdgB in Richtung "Demokratisierung" des Dorfes unterlaufen würden. Ihre Agitation fruchtete. Nach Abschluß der Wahlen fanden sich fast keine Großbauern mehr in den Vorständen.

Die staatlichen und kleinbäuerlichen Betriebe hingegen erfuhren, wie es der II. Parteitag der SED im September 1948 festlegte, eine systematische Förderung. Weiter wurde auf dem Parteitag verlautbart, die Arbeiterklasse müsse die Bauernschaft nicht als einheitliche Klasse behandeln, sondern zwischen "kleinen Warenproduzenten" und "kapitalistischen Unternehmern" innerhalb der Bauernschaft differenzieren. Unverbrämt betrachtet handelte es sich hierbei um eine "Revolution von oben" bei Schaffung eines neuen Feindbilds.

Die gegen sie gerichteten Maßnahmen nährten bei vielen Groß- und ebenso bei Mittelbauern zu Recht die Befürchtung, eine neuerliche Bodenreform würde vorbereitet. Westdeutsche und Westberliner Massenmedien steigerten die Ängste dieser bäuerlichen Schichten. So ist es verständlich, daß die meisten Großbauern die veränderte Linie in der Agrarpolitik als Bedrohung der wirtschaftlichen Eigenständigkeit ihrer Betriebe ansahen. Anders als die ökonomischen Verhaltensweisen einzelner sozialer Schichten<190>, sind die Beweggründe der politischen Haltung der Bauern vielschichtiger und schwerer durchschaubar. Im Gegensatz zu den beiden bürgerlichen Parteien CDU und LDPD, die auf nur wenige tausend Mitglieder verweisen konnten, führte die SED bereits im Sommer des Jahres 1947 103 457 Bauern als Mitglieder.<191> Die bäuerliche Mitgliedschaft setzte sich zumeist aus Neubauern zusammen. Der SED gehörten aber gleichfalls Altbauern an. Unter ihnen befand sich eine beträchtliche Anzahl Großbauern.<192> Jeder zehnte Bauer war damit Mitglied der SED, einer Partei mit einem marxistischen Programm. Die Hauptgründe für ihre politische Positionierung sind in der beständigen ideologischen Einflußnahme von SED-Agitatoren, wohl aber noch stärker in den Bestrebungen der Bauern zu sehen, ihren Besitz nicht einzubüßen. Sie wollten bei den staatlichen Auflagen zumindest nicht benachteiligt werden und - was für jene Zeit nicht zu unterschätzen ist - Repressalien der sowjetischen Besatzungsmacht entgehen. Aus nicht wenigen Quellen geht indes hervor, "daß breite Schichten der Bauernschaft allgemeine und spezifische Interessen in einem bestimmten Maße durch die Politik der SED


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vertreten sahen."<193> Demnach dürfte die von SED und SMAD in den ersten Nachkriegsjahren im Zusammenspiel verfolgte Agrarpolitik einen weitgehenden Interessenausgleich zwischen Arbeitern und Bauern erreicht haben.<194>

Obwohl abgesehen von den neuen, die Großbauern bedrückenden Verordnungen in den Jahren 1948/49 keine Veränderungen in den agrarpolitischen Rahmenbedingungen eintraten, fanden in den nächsten Jahren nur noch wenige Bauern den Weg in die SED. Die Motive dafür sind in der sich wandelnden innenpolitischen Szene zu finden. Zum einen wich die Angst vor der Besatzungsmacht, die sich in Zurückhaltung übte und die SED-Führung handeln ließ, zum anderen änderte sich das Wesen der politischen Kultur. Zunächst schien es so, als sei mit der VdgB tatsächlich eine demokratische bäuerliche Interessenvertretung entstanden. Aber schon auf dem 1. Kongreß der ländlichen Genossenschaften im Frühjahr 1949 zeigte sich ein von der Parteiführung gesteuerter, nicht zu übersehender Dirigismus. Die gegen die Großbauern gerichtete Agitation der Parteispitze erbrachte aber nicht das von ihr erwartete Resultat. Vielmehr solidarisierte sich ein Großteil der Altbauern, die Höfe mittelbäuerlicher Größenordnung ihr eigen nannten, mit den Großbauern.

Ungeachtet der aufgezeigten Veränderungen scheinen die neuen gesellschaftlichen Verhältnisse bis zum Jahre 1949 von der bäuerlichen Bevölkerung bis zu einem bestimmten Maße akzeptiert worden zu sein - eine gewisse Ambivalenz darf angenommen werden. Als Beleg für diese Annahme mögen zeitgenössische Analysen der Ergebnisse bei den Abstimmungen zum

III. Deutschen Volkskongreß im Mai 1949 dienen. Sie besagen, daß die Kandidatenliste auf dem Dorfe größere Zustimmung erhielt als in der Stadt. In den Neubauerndörfern erfreuten sich die Kandidaten der SED eines besonderen Zuspruchs. Eine Erklärung hierfür mag in der Entwicklung der materiellen Gesamtsituation, den Auswirkungen der Agrarpolitik und der Tatsache "daß sich die städtische Bevölkerung gegenüber den Bauern im Nachteil sah", zu finden sein.<195> Die bestimmenden Motive für die Handlungsweise eines größeren Teils der Bauern aller Schichten sind in ihrer antifaschistischen Grundstimmung, ihrem Verantwortungsbe-wußtsein sowie der Erfahrung zu sehen, ihre materiellen Interessen in gewissem Maße verwirklichen zu können. Dabei gab es keinen Unterschied zwischen Alt- und Neubauern außer dem, daß letztgenannte im Dorfe politisches Engagement zeigten. Das rührte u. a. daher, daß sie sich durch ihr frisch erworbenes Land mit den neuen gesellschaftlichen Gegebenheiten in gewissem Maße verbunden fühlten.

Die statistische Darstellung der sozialen Entwicklung der Bauern in der SBZ/DDR ab 1945 bis Mitte der fünfziger Jahre erweist sich als ein recht schwieriges Unterfangen, da die DDR erst im Jahre 1956 begann, Statistische Jahrbücher herauszugeben.<196> Obschon Angaben über private


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Landwirtschaftsbetriebe ab dem Jahre 1949 vorhanden sind, ist schwerlich ein genauer Nachweis über eingetretene soziale Veränderungen unter den Bauern zu erbringen. Vornehmlich trifft dies auf die Neubauern zu. Für die folgenden Jahre sind Entwicklung und Verbleib privater bäuerlicher Betriebe ebenfalls nicht zweifelsfrei nachzuweisen.<197> Mit Wahrscheinlichkeit ist ein kleinerer Teil des aufgegebenen Landes vermittels Kauf oder Zupacht von anderen Bauern übernommen worden. Einschränkend muß hierzu vermerkt werden, daß Übernahme von Land das Aufrücken in eine höhere Steuerklasse und damit höhere Pflichtablieferungsmengen nach sich zog. Dies lag wiederum nicht im Interesse der Bauern. Sonderregelungen ab 1951 ließen eine Zupacht ökonomisch reizvoller werden.

Die Bodenreform hatte zu einem Anwachsen der bäuerlichen Betriebe mit über einem Hektar LN um etwa 36 Prozent geführt.<198> Dennoch überwogen im Jahre 1949 unter den rund

618 000<199> privaten Bauernbetrieben mit mehr als einem Hektar LN mit einem Anteil von ca. 60 Prozent die Betriebe zwischen fünf und 20 Hektar LN, also Mittelbauernbetriebe.<200> Ihr Anteil an der privatbäuerlichen LN betrug ca. 59 Prozent.<201> Die zwischen einem und fünf Hektar LN ausgelegten Betriebe, zumeist kleinbäuerliche mit Nebenerwerb, kamen bei einem Anteil von etwa 32 Prozent auf rund 9 Prozent der LN.<202> Die Großbauern verfügten bei einem Anteil von 7,6 Prozent an der Gesamtzahl der Betriebe über 30 Prozent der LN der privaten Landwirtschaftsbetriebe.<203>

Der schon in den vierziger Jahren einsetzende soziale Differenzierungsprozeß unter den Bauernwirtschaften führte zum einen zur Produktionskonzentration - die Durchschnittsgröße der Betriebe erhöhte sich aber nur geringfügig -, zum anderen zur Landaufgabe überwiegend von Neubauern. Zu Beginn der fünfziger Jahre gaben gleichfalls Altbauern aller Kategorien ihre Wirtschaften auf. Die vielfältigen Motive für das Aufgeben der Betriebe werden später abgehandelt. Von den mehr als 210 000<204> Neubauernwirtschaften, die Ende 1949 in der DDR bestanden<205>, waren ca. 30 000 Neubauernstellen nach ihrer Aufgabe im gleichen Jahr größtenteils wieder an zukunftsgläubige Bodenbewerber übergeben worden.<206>

Eine gute Chance zu überleben besaßen jene Neubauern, die mit der Landübernahme ein eigenes Wohngebäude nebst Vieh und landwirtschaftlichem Inventar zugewiesen bekamen. Eben jene Wirtschaften, die der o. g. Kategorie 1 zuzuordnen waren. Ein Glücksumstand, der wenigen zuteil wurde. Schon gar nicht traf dies auf die Neubauern der östlichen Teile der Kernländer der Bodenreform, Brandenburg und Mecklenburg, die von den Kriegsereignissen außerordentlich in Mitleidenschaft gezogen


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wurden, zu.

Nur durch seit Beginn des Jahres 1946 einsetzende staatlichen Maßnahmen konnte die überwiegende Mehrheit der Neubauern seine Wirtschaften fortführen. Das hauptsächliche Manko der geplanten Hilfeleistungen für Neubauernbetriebe bestand darin, daß diese sich, unzureichender wirtschaftlicher Potenzen wegen, nicht in beabsichtigtem Umfang verwirklichen ließen. "Trotz erfolgreicher Durchführung des Neubauernprogramms verfügte 1950 erst ungefähr die Hälfte der Neubauern über einen vollausgebauten Hof, also Wohnhaus, Stall und Scheune."<207> Diese ungünstigen Voraussetzungen ließen viele Neubauern, die während der Bodenreform mit Enthusiasmus und voller Zukunftshoffnung eine Wirtschaft übernommen hatten, den Mut verlieren und kapitulieren. Rascher als andere gaben Umsiedler unter den Neubauern auf, die noch keine Bindung zu ihrer neuen Heimat gefunden hatten. Hinzu kamen Abwanderungen von Umgesiedelten in die westlichen Besatzungszonen. Sie wurden hervorgerufen durch wirtschaftliche Schwierigkeiten und den Wunsch, wieder bei ihren Familien oder Menschen ihres früheren Heimatkreises zu leben. Als andere Gründe für die Landrückgabe sind Alter und Krankheit, körperliches Unvermögen von verwitweten Bäuerinnen zur Fortführung der schweren Landarbeit, auch fehlende Erfahrung berufsfremder Städter und Umsiedler heranzuziehen.<208> Als Hauptgrund für die Landrückgabe durch Neubauern sind aber zuallererst ihre beträchtlichen innerbetrieblichen Schwierigkeiten zu nennen.

Kommt für die Aufgabe von bäuerlichen Ländereien vor 1950 ein Bündel von Gründen infrage, so ist die ab 1950 anhebende Landaufgabe bäuerlicher Betriebe überwiegend der veränderten Agrarpolitik der Parteiführung zuzuschreiben. Im Jahre 1950 richteten sich die Ambitionen der Agrarpolitik der DDR vorrangig auf die Steigerung der Produktion. Anders als vor der Staatsgründung praktiziert, erhielt die Landwirtschaft jedoch keine umfassenderen Mittel mehr zugestanden. Die ökonomischen Bestrebungen der Parteiführung hatten sich verlagert. "Der SED kam es darauf an, die Industrie auszubauen; die Landwirtschaft sollte dafür durch Gewinnabführung finanzielle Mittel zur Verfügung stellen."<209> Deshalb befand die Parteiführung, das Ablieferungssoll zu erhöhen.

Innerhalb des Zeitraumes von 1950 bis 1952 legte der Ministerrat der DDR eine alljährliche Erhöhung des Pflichtablieferungssolls für bäuerliche Betriebe sämtlicher Kategorien fest. Es sei vermerkt, daß es nur in diesen Jahren zu Sollerhöhungen kam. Sie wurden damit begründet, daß bis 1950 die Hektarerträge teils das Vorkriegsniveau wieder erreicht hätten. Die bäuerlichen Betriebe aller Größengruppen erhielten die Auflage, höhere Leistungen ohne gleichwertige Gegenleistungen monetärer oder materieller Art zu erbringen. Eine Produktivitätssteigerung wäre den Betrieben nicht nur zumutbar, sondern aufgrund des erhöhten Bedarfs der Nahrungsmittelindustrie nach der Abschaffung der Lebensmittelkarten für Brot und Nährmittel unaufschiebbar vonnöten.

Die drastischen Sollerhöhungen in jenen Jahren belasteten die Großbauern schwer. Das wird am Beispiel der Erhöhung des Solls für pflanzliche Erzeugnisse deutlich.


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Tabelle 9: Die Pflichtablieferungsnormen bei Getreide (in dt/ha und in Prozent: 1949 = 100 %)<210>

Betriebsgrö-ßengruppe

(in ha)

1949

1950

Mecklenburg

Normen-steigerung

(in %)

1949

1950

Thüringen

Normen-steigerung

(in %)

bis 5

6

6

0

06

06

0

5-10

8

8,5

5

09

09,5

5

10-20

10

13

32

11,4

14

23

20-50

12

16

44

13

17

31

über 50

13,5

18

34

14,5

19

30

Wie die Tabelle ausweist<211>, bekamen die Anhebungen des Solls auch die Bauernwirtschaften der Größenordnung von 5 bis 10 Hektar in abgeschwächter Form zu spüren. Selbst Neubauern gestanden die staatlichen Stellen in Sachen Pflichtablieferung zukünftig keine bedeutenden Erleichterungen mehr zu. Im Jahre 1950 erhielten ausschließlich "Neubauern im Aufbau" und 1951 Umsiedler unter den Neubauern Ermäßigungen eingeräumt. Mehr als zuvor wurden Betriebe mit über 10 Hektar LN - zumeist gefestigte Altbauernbetriebe - zur Pflichtablieferung herangezogen. Äußerst hart traf es solche Betriebe, die sich am Anfang der Skala einer jeweiligen Größengruppe befanden, z. B. 11 bzw. 21 Hektar. Laut Gesetz wurde ihnen das gleiche Pflichtsoll pro Hektar abgefordert, wie denen, die 19 bzw. 50 Hektar umfaßten und damit am Ende der Größenskala rangierten. Die Sollerhöhungen erfolgten in knappbemessenen Intervallen. So verblieb den Bauern nicht hinreichend Zeit, sich durch produktionstechnische Veränderungen auf die erhöhten Forderungen des Staates einzustellen. Wenn sich die lokalen Differenzierungskommissionen bei Fixierung der Sollhöhe nicht von der tatsächlichen wirtschaftlichen Situation der einzustufenden Betriebe leiten ließen<212> - und oftmals taten sie das nicht! -, "wurde die Aufbringung des Solls vielfach zum Problem."<213> Bauern mit Sollrückständen disziplinierten die örtlichen Justizorgane teils mit strengen juristischen Mitteln.

Die minimale Erhöhung der Erfassungspreise wog erwiesenermaßen nicht einmal die Selbstkosten auf. Sie stand in einem irrealen Verhältnis zur mehrfachen Anhebung des Ablieferungssolls, so daß der Spielraum zum "Gewinnmachen" sowohl für Großbauern als auch für werktätige Bauern im Durchschnitt gering gewesen ist. Für die meisten von ihnen sicherte nur "... der Verkauf zu den höheren Aufkaufpreisen


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..." das Überleben.<214> Hierbei taten sich erhebliche Unterschiede zwischen Groß- und Kleinbauern auf. Das den Großbauern aufgebürdete hohe Soll gestattete ihnen nur schwerlich den Verkauf zu Aufkaufpreisen. Wirtschaften einer Größenordnung von unter 10 Hektar LN hingegen konnten bei durchschnittlicher Produktivität einen Teil ihrer Produkte zu Aufkaufpreisen veräußern.

Die SED-Führung erkannte sehr bald, daß eine stärkere Belastung der Bauern durch Sollerhöhungen ohne situationsbezogene Unterstützung die angestrebte Produktionssteigerung nicht garantierte. Angesichts ihrer gesellschaftspolitischen Zielstellungen legte sie auf ihrem

III. Parteitag im Juli 1950 dennoch fest, die praktizierte Linie fortzuführen. Sie entschloß sich aber, Maßnahmen zur Verbesserung der Lage wirtschaftsschwacher Bauern zu veranlassen. Einige seien genannt.

Noch im Jahre 1950 erfolgte ein Schuldenerlaß von etwa 50 Prozent für Baukredite von Neu- und Altbauern<215>, das Neubauernbauprogramm wurde fortgeführt. Durch die Erweiterung der Zahl der Betriebsgrößengruppen von fünf auf acht Anfang Januar 1951 sank beispielsweise das Soll in der Kategorie der Betriebe von 10 bis 15 Hektar, der allerdings nur relativ wenige Neubauern angehörten.

Auf die besorgniserregende Tendenz der Landaufgabe reagierte die Regierung der DDR ab dem Sommer 1950 entschieden. In halbjährlichen Abständen ließ sie die Anzahl der nichtbewirtschafteten Neubauernwirtschaften nebst Daten über den Inventarbestand und die Bodenwertzahl der verlassenen Ländereien registrieren. Die Auswertungen förderten zutage, daß eine beträchtliche Zahl von Neubauern, die ihre Wirtschaften aufgaben, sich in einer äußerst ungünstigen Lage befanden. Sie wiesen nicht einmal die Voraussetzungen zur einfachen Reproduktion auf. Am meisten bedrückten die Sollerhöhungen die Großbauernwirtschaften. Doch es zeigte sich, daß neben ihnen auch Klein- und Mittelbauern den gewachsenen Leistungsanforderungen nicht genügen konnten. Vor eine solche Situation sahen sich besonders Neubauern in verschiedenen Kreisen Brandenburgs und Mecklenburgs gestellt. Der wirtschaftliche Zusammenbruch stand ihnen stets vor Augen. Ein Grund mehr dafür, daß sich für aufgegebene Neubauernwirtschaften, bei derart mißlichen Startbedingungen, nach 1950 zumeist keine neuen Bewerber fanden. Trotz der zuvor genannten unterstützenden staatlichen Maßnahmen, die insbesondere im Interesse der Neubauern lagen, setzte sich die Tendenz der Aufgabe von Neubauernwirtschaften in den Jahren 1950 bis 1952 aus den bezeichneten Gründen fort. Ein großes Kontingent unbebauter, herrenloser Flächen entstand.<216> Staatliche Stellen verschleierten die wahren Ursachen für die Landaufgabe durch die Bezeichnung "persönliche" Gründe.<217> Im Zeitraum 1950/51 kam es aus Resignation und Enttäuschung zur Betriebsaufgabe von etwa 30 000 Neubauernwirtschaften, etwa


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15 Prozent ihrer Gesamtzahl.<218>

Es wäre eine unzulässige Vereinfachung, aus der vieltausendfachen Landaufgabe durch Neubauern "... ein Versagen der Bodenreform abzuleiten ..."<219> Die bestimmenden politischen Kräfte vermochten - und das ist ihnen schwerlich als Unvermögen anzulasten - die Kompliziertheit der wirtschaftlichen Situation nicht in Gänze vorauszusehen. Absehbar war nicht, "daß dieses Territorium über Jahre hinweg fast allein die Gesamtlasten der Reparationen zu tragen hatte"<220> Allein aus diesem Grunde sah sich die Volkswirtschaft außerstande, besonders den Neubauern durchgängig finanzielle und materielle Unterstützung zu gewähren. Somit konnte die betriebswirtschaftliche Konzeption der Bodenreform nicht vollauf umgesetzt werden. Aus dem Blickwinkel von heute erhebt sich freilich die Frage: Wäre es für die Sicherstellung der Ernährung der Bevölkerung nicht sinnvoller gewesen, die knapp bemessenen Hilfsmittel vorwiegend wirtschaftlich erfahrenen Altbauern zu gewähren?

Um die Ernährung abzusichern, mußten unbebaute Flächen schnellstens wieder bewirtschaftet werden. Administrative Maßnahmen, wie etwa die Verordnung vom 8. Februar 1951<221>, stellten solchen Neu- und Altbauern Vergünstigungen in Aussicht, die nichtbewirtschaftschaftete landwirtschaftliche Nutzflächen übernahmen. Einen positiven Wandel leiteten sie jedoch nicht ein. Laut dieser Verordnung war es Neu- und Altbauern gestattet, ihre Wirtschaften mit Land aus dem Bodenfonds bis zu einer Größe von 10 Hektar aufzustocken. Wiedereinrichter verlassener Neubauernstellen bekamen eine Sollermäßigung, vor allem für tierische Produkte, eingeräumt. Dieselben Zugeständnisse erhielten Altbauern, übernahmen sie unbewirtschaftete Flächen zusätzlich. Diese Flächen sollten von den jeweiligen Räten der Kreise an bäuerliche Betriebe zu günstigen Sätzen verpachtet oder zur unentgeltlichen Bebauung abgegeben, nichtbewirtschaftetes Bodenreformland wiederum an Neubauern vergeben werden. Erwies sich eine solche Regelung als nicht durchführbar, so wurde angestrebt, derartige Ländereien anderen landwirtschaftlichen Betrieben - z. B. VEG - zur Nutzung zu übertragen.<222>

Die Parteiführung legte aus politischen Erwägungen verstärkten Wert darauf, daß die Umsiedler unter den Neubauern ihre Wirtschaften nicht aufgaben. Ihre Situation erleichterte sich in Realisierung des Umsiedler-Gesetzes durch Übertragung zinsloser Kredite für den Erwerb von Milchkühen sowie die Errichtung von Bauten, durch den Bezug zusätzlicher Baustoffe und eine beträchtliche Sollermäßigung. Mit derartigen Zugeständnissen versuchte die Parteiführung, einen Ausweg aus ihrem hausgemachten Dilemma zu finden.


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Zur Unterbindung der Landaufgaben wurde laut einer Verordnung über die Auseinandersetzung bei Besitzwechsel von Bauernwirtschaften aus der Bodenreform<223> vom 21. Juni 1951 das Aufgeben einer Bodenreformwirtschaft aus persönlichen Gründen als nicht statthaft erklärt. Es sei denn, es gelang dem Neubauern, einen Nachfolger zu finden. Zusätzliche Bestimmungen über einen Wertausgleich erschwerten die Rückgabe. Deshalb beschränkten sich die gesetzlichen Bestimmungen über den Besitzwechsel auf die klassischen Erbanlässe wie Krankheit, Alter und Tod. Bodenreformland, das Altbauern mit weniger als fünf Hektar LN zwecks Erweiterung ihrer Betriebe erhalten hatten, ging wiederum in den staatlichen Bodenfonds ein, veräußerten sie ihren Betrieb oder gaben sie ihn auf. Selbst in dem Falle, daß der Betrieb von einem der Kinder übernommen wurde, mußte dem Nachfolger die dem staatlichen Bodenfonds entnommene Aufstockungsfläche neu zugewiesen werden.<224> Solche Maßnahmen erwiesen sich ebenfalls als untauglicher Versuch, die Bauern auf Dauer an ihre Scholle zu fesseln. "Wer seinen Hof nicht freiwillig verlassen durfte, gab ihn durch Republikflucht auf" stellt Nehrig hierzu fest.<225> Für die stetig anwachsenden herrenlosen Flächen wurde per staatliche Anordnungen Gemeinschaftsbewirtschaftung unter Leitung der ortsansässigen VdgB oder die Übergabe an ein VEG verfügt.

Die Regierung der DDR gab im Sommer 1951 den Räten der Kreise Order, "devastierte" Altbauernwirtschaften nach den Kriterien "Anzahl verschuldeter Bauern nach Betriebsgrößengruppen und die ungefähre Höhe der Schulden" zu erfassen.<226> Unter dem Begriff "devastiert" firmierten künftig Betriebe, die von ihrem Eigentümer verlassen worden waren und solche, die vermeintlich unzulänglicher Wirtschaftsführung wegen unterdurchschnittliche Produktions-resultate aufwiesen. Auf der Grundlage dieser Erhebungen verabschiedete der Ministerrat der DDR am 20. März 1952 eine Verordnung über devastierte landwirtschaftliche Betriebe<227> und eine Ergänzung der Verordnung über nichtbewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzflächen.<228> Die Verordnung ließ den staatlichen Organen hinreichend Ermessensspielraum für eine Entscheidungsfindung im Sinne der Parteilinie.<229> Sie betraf vorwiegend Wirtschaften mit mehr als 20 Hektar LN. Für diese übernahmen staatliche Treuhänder in den Gemeinden die Verantwortung. Eine vollständige Enteignung oder Beschlagnahme kam in solchen Fällen noch nicht in Betracht.

Im Jahre 1952 wurde das Soll für tierische Produkte in außerordentlichem Maße heraufgesetzt. Im Vergleich zu 1950 erhöhte es sich für Bauernwirtschaften der Betriebsgrößengruppen fünf bis 20 Hektar auf 200 bis 240 Prozent des Solls von 1950, das derjenigen über 20 Hektar sogar auf 280 bis 290


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Prozent.<230> Sollerhöhungen dieser Dimensionen überstiegen das Leistungsvermögen eines Großteils der Bauern. Der Viehbestand der meisten Neubauernwirtschaften in jener Zeit bewegte sich nach wie vor auf geringem Niveau. Er war schlechthin unzureichend.<231> Die Alternative, statt Milch und Fleisch pflanzliche Produkte abzuliefern, scheiterte häufig daran, daß auch jene lediglich in beschränktem Maße aufgebracht werden konnten. Für größere Altbauernbetriebe stellte die Realisierung der neuerlich erhöhten Ablieferungsnormen ein noch größeres Problem als für die Neubauernwirtschaften dar. Bei Nichterfüllung des Solls gingen die staatlichen Organe kompromißlos gegen sie vor. Größeren Bauernwirtschaften, "die ihren Viehbestand nicht im geforderten Umfang aufgestockt hatten und deren Austauschmöglichkeiten in pflanzlichen Produkten erschöpft waren, wurde mitunter fast das letzte Stück Großvieh aus dem Stall geholt."<232>

Anwachsender politisch-ökonomischer Druck, die Verweigerung staatlicher Kredite, hohe Geld- und Ablieferungsschulden sowie eine dünne Arbeitskräftedecke verschärften die Situation vieler Großbauern aufs äußerste. Die genannten Faktoren sind als die wesentlichen Gründe für die Aufgabe großbäuerlicher Betriebe in den Jahren 1950 bis 1952 anzusehen. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, daß sich durch die Verabschiedung eines Landarbeiterschutzgesetzes Ende 1950 die Möglichkeiten der Großbauern minimierten, landwirtschafliche Lohnarbeiter auszunutzen. Günstige Tarife in den VEG veranlaßten eine große Zahl von Landarbeitern, ein Arbeitsverhältnis in diesen Betrieben.<233> Allein in den Jahren 1950 bis 1952 verringerte sich die Zahl der ständig in der Landwirtschaft beschäftigten Landarbeiter von ca. 410 000 auf ca. 221 000.<234> Den Großbauernbetrieben gelang es bei aller Mühe oft nicht mehr, den Rückgang an Arbeitskräften - etwa durch den verstärkten Einsatz von Technik - zu kompensieren.<235> Ihnen blieb der käufliche Erwerb von Traktoren und großer Maschinerie verwehrt.

In den statistischen Unterlagen findet sich keine Differenzierung zwischen Alt- und Neubauern, wodurch eine genaue Zuordnung erschwert wird. Aus dem Aufgeben von etwa 3 300 Betrieben mit einer LN von mehr als 20 Hektar bis zum Jahre 1952 läßt sich aber schlußfolgern<236>, daß auch bei den Wirtschaften der Altbauern ab 1950 - wenn nicht gar noch früher - ein Rückgang der Betriebe zu verzeichnen ist. Unter den ca. 2 500 aufgegebenen Betrieben der Größenordnung zwischen 10 und 20 Hektar ist die Mehrheit


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gewiß Altbauern zuzuordnen.<237> Die Landaufgabe von größeren bäuerlichen Betrieben erreichte derartige Ausmaße, daß sich die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln bzw. der Industrie mit Rohstoffen aus eigener Produktion beträchtlich erschwerte. Im April 1952 lagen ca.

235 000 Hektar brach, etwa vier Prozent der LN der DDR.<238> Darunter befanden sich nicht nur aufgegebenes Bodenreformland, sondern gleichfalls Ländereien von Altbauern.

Abschließend sei zum Problem "Sollerhöhungen" festgestellt, daß es sich in das Ensemble der Maßnahmen einfügt, die der Vorbereitung des Umwälzungsprozesses auf dem Lande im Rahmen des Aufbaus der Grundlagen des Sozialismus dienten. Die Anhebung der Ablieferungsverpflichtungen in den Jahren 1950 bis 1952 erwies sich als denkbar ungeeignetes Mittel, die agrarpolitischen Vorhaben der SED-Führung zu verwirklichen. Sie belasteten die wirtschaftsschwachen Bauern aller Kategorien derart, daß diese in der Wirtschaftsaufgabe oftmals den einzigen Ausweg aus ihrer qualvollen Situation sahen. Das unerwünschte ökonomische Resultat war ein außerordentliches Anwachsen unbewirtschafteter größerer Flächen aufgrund von Landaufgaben und Devastierungen. Die davon betroffenen Gemeinden zeigten sich zumeist als unfähig, die ihnen zugewiesenen Ländereien fachgerecht zu bewirtschaften. Und das in einer Zeit, in der jeder Hektar Boden für die Ernährung dringend benötigt wurde. Es entstand ein erheblicher Produktionsausfall, der im Widerspruch zur eigentlichen Absicht stand, der Gesellschaft durch Erhöhung des Solls mehr landwirtschaftliche Erzeugnisse zu liefern. So sahen sich die staatlichen Organe bereits vor Beginn der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft der DDR mit äußerst ernsten ökonomischen Problemen auf dem Lande konfrontiert.

Am 7. Oktober 1949 erfolgte die Gründung der DDR. Sie leitete den Übergang von der antifaschistisch-demokratischen zur sozialistischen Ordnung ein, obwohl die SED-Führung die bis zum Jahre 1952 zu lösenden Aufgaben als noch nicht "sozialistisch" deklarierte. Nach Einschätzung der Parteiführung fand 1950 der "... Prozeß der Errichtung der Arbeiter-und- Bauern-Macht als einer Staatsmacht vom Typ der Diktatur des Proletariats ... im wesentlichen seinen Abschluß."<239>

Der Aufbau eines staatlichen Sektors in der Industrie, die Vorbereitungen und 1952 schließlich der Beginn umfassender Veränderungen auf dem Lande, die beherrschende Rolle der SED innerhalb des Parteiensystems und im Staat sowie die außenpolitische Rückendeckung durch die Sowjetunion ermöglichten es der SED nunmehr, die DDR nach dem politisch-ökonomischen Vorbild der Sowjetunion auszuformen. Die DDR übernahm im Zeitraum von 1949 bis 1955 - sieht man von einigen Varianten wie beispielsweise dem formalen Mehrparteiensystem ab - uneingeschränkt das stalinistisch geprägte politische Modell der Sowjetunion. Als charakteristisch für die gesellschaftliche Realität der DDR jener Jahre sind anzusehen:


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Zur Absicherung einer erfolgreichen ökonomischen Entwicklung wurde die Wirtschaft der DDR zunehmend in die Gesamtplanung der von der UdSSR abhängigen Staaten einbezogen. Nachdem mit der Bestätigung des ersten Fünfjahrplans auf dem III. Parteitag der SED im Juli 1950 der Übergang zur langfristigen Wirtschaftsplanung vollzogen wurde, beschloß schon im Sommer 1950 der Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) die Aufnahme der DDR als Mitglied.

Im November 1951 erhob die Volkskammer den ersten Fünfjahrplan zum Gesetz. In den Hauptzielstellungen sah er vor, die Industrieproduktion zu verdoppeln, die Arbeitsproduktivität sowie das Volksvermögen um 60 Prozent zu steigern und den Vorkriegslebensstandard zumindest zu erreichen.<240>

Beträchtliche Bedeutung maß die Parteiführung der progressiven Entwicklung der Landwirtschaft bei. Diese hatte bis etwa Mitte 1950 die Kriegsschäden überwunden und in der Pflanzenproduktion sowie im Umfang und der Qualität der Tierbestände die Vorkriegsresultate erreicht. Ihre Hauptaufgabe in den nächsten Jahren bestand darin, die Erträge in der Pflanzenproduktion erheblich zu steigern. Die Tierproduktion sollte quantitativ wie qualitativ an Gewicht gewinnen.

Der Plan stellte somit der gesamten Bauernschaft hohe Aufgaben. Er beließ selbst den Großbauern eingeschränkte, freilich schwerlich zu verwirklichende Möglichkeiten der Produktionssteigerung. Die für die Landwirtschaft zuständigen Industriezweige sowie die MAS und VEG erhielten den Auftrag, besser die Bedürfnisse der Landwirtschaft zu berücksichtigen. Letztgenannte Einrichtungen als sogenannte Stützpunkte der Arbeiterklasse auf dem Lande galt es, mehr als zuvor zu fördern.

Im Frühsommer des Jahres 1952 wähnte die Parteiführung die objektiven und subjektiven Voraussetzungen für die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft herangereift. In folgerichtiger Weiterführung der bisherigen gesellschaftlichen Entwicklung verkündete die SED-Führung auf der 2. Parteikonferenz der SED im Juli 1952 den planmäßigen Aufbau der Grundlagen des Sozialismus in der DDR.

1.3 Institutionen zur Vorbereitung und Organisation, Dirigierung und Unterstützung der LPG-Bildung

Neben der Beseitigung des Großgrundbesitzes bestand eines der politisch-ökonomischen Hauptziele der Agrarpolitik der KPD/SED in der SBZ/DDR darin, vornehmlich die Schicht der Klein- und Mittelbauern zu Lasten der Großbauern zu stärken. Letztere stellten noch immer eine starke wirtschaftliche und politische Kraft im Dorfe dar. Zu Recht befürchtete die SED-Führung, daß sich die Großbauern ihren agrarpolitischen Zielstellungen widersetzen würden. Gleichzeitig suchte sie zu verhindern, daß Wirtschaften der Mittelbauern expandierten und die Wirtschaftskraft von Großbauernwirtschaften erreichten. Beide Vorhaben dienten der Absicht, im Dorfe einen günstigen ökonomischen und politischen Nährboden für die beabsichtigten umfassenden Veränderungen zu schaffen.

Die Parteiführung bereitete langfristig die Überführung der selbständigen Bauernwirtschaften in LPG vor. Nachstehend abgehandelte Organe und Institutionen dienten sowohl der Kontrolle der gesamten


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Bauernschaft als auch der Schaffung der Voraussetzungen für den Aufbau des Sozialismus auf dem Lande.

1.3.1 Das politisch-ökonomische System der Lenkung, Leitung und Organisierung der landwirtschaftlichen Entwicklung - Struktur und Funktionen der SED- und Staatsorgane

Wie die Parteiführung der SED die gesamtgesellschaftliche Entwicklung in der DDR bestimmte, so legte der Führungsapparat der BL der SED nach Anweisungen durch die Führungsspitze die Leitlinien der politischen, ökonomischen, kulturellen und sozialen Entwicklung auf seinem Territorium fest.

Dasselbe traf auf die SED-KL zu. Dieses von den Genossen des jeweiligen Kreises gewählte Gremium tagte zur Beratung und Beschlußfassung der politischen Linie innerhalb des Territoriums jährlich mehrmals.<241> Die SED-KL agierten entsprechend den Direktiven der Parteiführung und den Beschlüssen der SED-Bezirksleitungen (SED-BL).<242>

An der Spitze einer SED-KL standen der 1. und 2. Sekretär und die Sekretäre für Wirtschaft, für Landwirtschaft sowie für Agitation und Propaganda. Sie bildeten das Sekretariat.<243> Dazu kamen der Vorsitzende der Kreisparteikontrollkommission, der Vorsitzende des Rates des Kreises, der Kreisvorsitzende des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB), der Kreisvorsitzende der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und der Vorsitzende der Kreisplankommission. An den Sekretariats- bzw. Bürositzungen der SED-KL Haldensleben nahm oft der Redakteur der Lokalredaktion der "Volksstimme"<244> teil, ohne Mitglied des Sekretariats zu sein.

Nach dem XX. Parteitag der KPdSU m Februar 1956 erfuhr der organisatorische Aufbau der SED eine leichte Veränderung: Das Sekretariat der SED-KL wurde vorübergehend durch das Büro der SED-KL ersetzt.

Dem Büro einer SED-KL<245> gehörten neben den zuvor genannten Parteikadern Betriebsdirektoren, LPG-Vorsitzende, die Leiter der PA der MTS bzw. die Sekretäre der KL in den MTS, der Lokalredakteur der "Volksstimme", der Leiter der Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit, der Leiter des Volkspolizeikreisamtes und - nach der Aufstellung der Nationalen Volksarmee - der Leiter des Wehrkreiskommandos an.

Das Sekretariat bzw. das Büro einer SED-KL bildete das Führungsorgan des hauptamtlichen Apparates der SED im Kreismaßstab. Obwohl die KL formal dem Büro bzw. Sekretariat übergeordnet war, gingen de


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facto alle belangvollen Beschlüsse für den Kreis vom Sekretariat bzw. Büro aus, stellten diese das entscheidende Zentrum der Macht im Kreis dar.

Eine bedeutsame Rolle unter den Abteilungen einer SED-KL kam der Abteilung Agitation und Propaganda zu. Sie führte beispielsweise die ideologische Schulung der SED-Mitglieder in Form des "Parteilehrjahres" auf der Grundlage der Dokumente der Parteiführung durch. Ferner oblag dieser Abteilung die Verantwortung für die inhaltliche Gestaltung und die Durchführung des FDJ-Studienjahres, von Gewerkschafts- und handelspolitischen Schulungen.<246> Auf die Pressearbeit nahm sie ebenso Einfluß wie auf die Arbeitsweise der Frauenausschüsse. In Absprache mit dem Sekretariat bzw. dem Büro der KL delegierte sie ihrem Ermessen nach geeignete Kader auf Parteischulen verschiedener Ebenen.

Für die Durchsetzung der Ziele der Partei im Kreis sorgten unter Anleitung und in Absprache mit dem Sekretariat bzw. dem Büro der SED-KL maßgeblich die Grundorganisationen (GO) der SED in den Betrieben und Institutionen, den Städten und Gemeinden.

In den Gemeinden erfüllten diese Aufgabe die Ortsparteiorganisationen (OPO) der SED bzw. die GO der SED der LPG und die Betriebsparteiorganisationen (BPO) der SED der MTS. In LPG mit mindestens fünf SED-Mitgliedern regten die SED-KL nach vorangegangener Direktive durch das Zentralkomitee (ZK) der SED bereits im Herbst 1952 an, GO der SED zu bilden. Zur Durchsetzung der führenden Rolle der Partei auf dem Lande erhielten die GO der SED die politische Verantwortung für diese Aufgaben übertragen:

Um die Parteimitglieder zu konzentrieren und die Effektivität der Parteiarbeit zu verbessern, wurden im Jahre 1959 Struktur und Arbeitsweise der GO der SED auf dem Lande grundlegend verändert und den gewandelten ökonomischen Rahmenbedingungen angepaßt.<248>

Zur Verwirklichung der Vorhaben der SED-Spitze auf dem Lande trugen die BPO der SED der MTS bei. Zu ihren wichtigsten Aufgaben zählten, sämtliche MTS-Angehörigen für die allseitige Unterstützung der LPG zu gewinnen, aber auch ein kontinuierliches Werben der MTS-Mitarbeiter unter den werktätigen Einzelbauern für den Beitritt in LPG.<249>

Das Pendant zu politischen Führung innerhalb eines Kreises, der SED-KL, bildete der Rat des Kreises,


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die staatliche Führung im Territorium. Beim Rat des Kreises handelte es sich um ein von den örtlichen Volksvertretungen gewähltes, permanent arbeitendes Organ, d. h. um einen hauptamtlichen Apparat.

Der organisatorische Aufbau eines Rates des Kreises stimmte weitgehend mit dem der SED-KL überein. Beide wiesen im Prinzip die gleiche Struktur und die gleiche Zahl an Abteilungen auf. Die Arbeit eines Rates des Kreises leiteten der Vorsitzende und dessen Erster Stellvertreter, die Stellvertreter des Vorsitzenden, der Sekretär und die Ratsmitglieder. In enger Zusammenarbeit mit der SED-KL trug der Rat des Kreises für den politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Aufbau innerhalb seines Zuständigkeitsbereichs die Verantwortung. Zur Realisierung seiner Aufgaben bildete der Rat des Kreises Fachorgane, deren Arbeitsweise er kontrollierte.

Der Rat des Kreises unterlag einem doppelten Unterstellungsverhältnis. Zum einen unterstand er dem des Sekretariat bzw. Büro der SED-KL, zum anderen dem übergeordneten Organ auf staatlicher Ebene, dem Rat des Bezirkes. Im Territorium bestand für jede Leitungsfunktion eine Doppelbesetzung - eine auf der politischen und eine auf der staatlichen Ebene. Persönliche Beziehungen der jeweiligen Partner modifizierten zuweilen die allgegenwärtige Einflußnahme durch die Partei. Dieser aufgeblähte Apparat arbeitete nicht selten schwerfällig und ineffizient, sondern begünstigte dazu noch das Abschieben von Verantwortung.

Die SED-KL setzte im Rat des Kreises über die Parteimitglieder und durch die Besetzung leitender Positionen beinahe ausschließlich durch Genossen, die sie formal anwies, die führende Rolle der Partei durch. Die Partei leitete, indem sie beispielsweise festlegte, welche Genossen die Schlüsselpositionen innerhalb des Rates, wie die des Vorsitzenden und seines Stellvertreters, einnehmen sollten. Bei krassem politischen Fehlverhalten von Leitungskadern des Rates sorgte die KL für deren Abberufung.

Formal besaß der Rat des Kreises das Recht, auf der Grundlage von Beschlüssen der örtlichen Volksvertretungen über sämtliche Belange seines Territoriums und der dort ansässigen Bewohner zu befinden.<250> Tatsächlich jedoch gingen die entscheidenden Beschlüsse vom hauptamtlichen Apparat der SED aus.<251> Die Volksvertretungen fungierten in der Praxis zumeist als Erfüllungsorgane dieses Apparates.

Die Realisierung bedeutsamer politischer Beschlüsse von führenden Gremien der Partei und den übergeordneten staatlichen Organen zur gesamtgesellschaftlichen Entwicklung lag gleichfalls im Aufgabenbereich des Staatsapparates.<252> Die Parteispitze bewertete dabei auftretende Mißerfolge zuerst als Führungsschwäche und Unvermögen der staatlichen Organe. Nur in Ausnahmefällen konnte sie sich dazu entschließen, selbstkritisch Fehlleistungen als Resultat falscher politischer Entscheidungen einzuschätzen.<253> Politik


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Nach einem unveröffentlichten Beschluß des Politbüros des ZK der SED bestand für den Staatsapparat ab dem Jahre 1960 die Pflicht, sämtliche Parteibeschlüsse durchzusetzen.

Den Räten der Stadt und der Gemeinden hatte der Rat des Kreises Unterstützung und Anleitung bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu geben, sie zu kontrollieren und in Entscheidungsfindungen einzubeziehen.

Die Aufgabe der Gemeindevertretungen und der Gemeinderäte mit den Bürgermeistern an der Spitze bestand u. a. darin, die Festlegungen der einzelnen Abteilungen des Rates des Kreises zu realisieren, wobei die Bürgermeister die Arbeit der Gemeindevertretungen und der Gemeinderäte koordinierten. Ab dem Jahre 1957 wurde den Gemeindevertretungen eine verstärkte Verantwortung für die Entwicklung der LPG ihrer Gemeinden und den Fortgang der LPG-Bildung auferlegt.

Eine bestimmende Rolle bei der Durchsetzung der politischen Linie der SED spielten die Kader der SED in der Partei selbst, im Staatsapparat und in den Betrieben. Ihre Auswahl und ihr Einsatz unterlagen einer streng hierarchisch aufgebauten Nomenklatur, d. h. die jeweils übergeordneten Organe entschieden über die kaderpolitische Besetzung der untergeordneten Ebenen. Auf gleicher Ebene behielt sich der Parteiapparat die Entscheidungen vor.

Der Einsatz von Kadern auf politisch und wirtschaftlich brisanten Positionen erfolgte nach Bestätigung durch die SED-KL oder auf Beschluß des Rates des Kreises, soweit die Kader nomenklaturmäßig nicht übergeordneten Organen unterstanden.

Über Kaderfragen innerhalb der SED-KL entschieden der 1. Sekretär und das Sekretariat bzw. Büro der SED-KL.

1.3.2 Die Maschinen-Ausleih-Stationen (MAS) und die Maschinen-Traktoren- Stationen (MTS)

Die Landwirtschaft der SBZ stand nach Kriegsende vor beträchtlichen materiellen Schwierigkeiten, die sich im Verlaufe der Bodenreform noch vergrößerten. Den mehr als

200 000 Neubauernwirtschaften mangelte es in ihrer Mehrheit an Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, an lebendem und totem Inventar, oft gar an einfachsten Bodenbearbeitungsgeräten. In besonderem Maße fehlten Zugkräfte und Maschinen. Der Mangel an Maschinen rechtfertigte deren gemeinschaftliche Nutzung, zumal in den aufgelösten landwirtschaftlichen Großbetrieben vorhandene größere Maschinerie eine Bespannung erforderte, über welche die neuen Betriebe nicht verfügten. Die gemeinschaftliche Nutzung bot die Gewähr dafür, diese Misere teilweise zu mildern. Folgerichtig wurde ein Teil der liquidierten Betriebe, dazu die ihnen angeschlossenen Schlosser-, Schmiede- und Stellmacherwerkstätten sowie das Zuchtvieh zwecks späterer Einrichtung von MAS an die Verwaltung der örtlichen Bodenkomitees übergeben. Aus dem Dargelegten wird ersichtlich: Den unmittelbaren Anlaß für die Schaffung von MAS bildeten die Erfordernisse, die sich aus der Bodenreform ergaben.

Bis ausgangs des Jahres 1946 erhielten die örtlichen Bauernkomitees totes Inventar in beträchtlicher Größenordnung. Schon im Frühjahr 1947 bestanden in der SBZ 3 427 Bauernkomitees mit einem


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Schlepperbesatz von 6 122.<254> Sie unterstützten die umliegenden Bauernwirtschaften umfassend. Auf diese Art gelang es, den Mangel an mechanischen und tierischen Zugkräften teilweise zu kompensieren.

Nachdem die im Jahre 1948 in den Maschinenhöfen der VdgB zusammengefaßten Maschinenbestände organisatorisch verselbständigt wurden, erfolgte ihre neuerliche Zusammenfassung auf höherer Stufe in den soeben geschaffenen MAS. Sie erhielten folgende Hauptaufgaben:

Zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft der SBZ und zur wirksameren Kontrolle der politisch-ökonomischen Prozesse auf dem Lande schufen die VdgB<255> und die ländlichen Genossenschaften im Rahmen der VdgB auf Weisung der DWK von Anfang November 1948 die "Verwaltung der MAS" als zentrale Verwaltungsstelle für sämtliche MAS. Diese übernahm den gesamten Maschinen- und Schlepperbesatz der ländlichen Genossenschaften sowie der VdgB.<256> So sicherte sich die Parteiführung bereits zu diesem Zeitpunkt weitere wichtige Positionen für die Errichtung des Sozialismus auf dem Lande.

Die Basis des Maschinenparks der Maschinenausleihstellen und der Maschinenhöfe der VdgB bzw. später der MAS bildeten:

Nach der Umwandlung der Verwaltung der MAS in eine Anstalt öffentlichen Rechts per Anordnung vom 9. März 1949 und ihre Eingliederung in die Hauptverwaltung Land- und Forstwirtschaft der DWK<258> wurde der Einfluß der VdgB und der Genossenschaften wesentlich geschmälert. Auf diese Weise konnte der unter einheitlicher Leitung stehende Maschinenpark zentral gelenkt und kontrolliert werden, wodurch eine beträchtliche Anzahl von Betrieben in wirtschaftliche Abhängigkeit von den MAS gerieten. Als probates Mittel hierzu dienten die Tarifsätze der MAS. Sie erhöhten sich - ebenso wie später die der MTS - mit wachsender Betriebsgröße. Für die Groß- und Mittelbauern bedeutete dies eine weitaus höhere finanzielle Belastung als für die Kleinbauern.


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Anfang Oktober 1949 konnte die DDR bei einem Traktorenbestand von 8 571 auf 505 MAS verweisen.<259>

Durch die finanziellen Einlagen der DWK in die MAS stiegen die staatlichen Vermögensanteile im Jahre 1949 auf 51 Prozent an.<260> Zunehmend fungierten die MAS als Basis für die bevorstehenden Veränderungen auf dem Lande, deren Durchsetzung die umfassende Mechanisierung der landwirtschaftichen Produktionsprozesse voraussetzte. Obwohl die MAS am 31. Dezember 1950 bereits über 10 834 Traktoren verfügten, erhöhte sich die Zahl der Stationen bis zu diesem Zeitpunkt lediglich auf 514.<261> Diese Daten sind Ausdruck für Zentralisierungsmaßnahmen mit dem Bestreben, einen höheren Wirkungsgrad zu erreichen und zugleich die Möglichkeiten der politischen Einflußnahme auf die werktätigen Einzelbauern zu erweitern.<262>

Mit Wirkung vom 14. Dezember 1950 erhielten die MAS den Status von volkseigenen Betrieben mit eigenverantwortlicher Planung und Bilanzierung. Die Stelle der aufgelösten MAS-Verwaltungen nahmen vorerst fünf "Vereinigungen Volkseigener Betriebe" ein, die den Landesregierungen zugeordnet wurden.<263> Die Zusammenfassung der MAS in den "Vereinigungen Volkseigener Maschinen-Ausleih-Stationen" im Jahre 1951 führte zur verwaltungsmäßigen Selbständigkeit der Stationen. Der gesamte in die VdgB eingeflossene Maschinenbestand der ländlichen Genossenschaften und selbiger der MAS wurden durch diese Maßnahme in Staatseigentum überführt. Es entwickelte sich eine zunehmende Abhängigkeit der bäuerlichen Betriebe von den MAS, was die Bereitstellung von Maschinen und Geräten anging. In erster Linie betraf dies die Großbauern. Deren reibungslose Wirtschaftsführung wurde durch die vielen Hindernisse infrage gestellt, die ihnen bei ihren Bemühungen um Ergänzung ihrer Ausstattung erwuchsen. Die Neubauern empfanden die Gesamttätigkeit der MAS mehrheitlich subjektiv als Hilfe, die sie objektiv für sie auch darstellte.<264> Die verwaltungstechnische Zentralisierung, die Unterbindung des genossenschaftlichen Charakters der MAS und ihre Deklarierung zu Staatseigentum finden ihre offensichtlichen Parallelen in der Entwicklung der sowjetischen Landwirtschaft.

Gleich in der Anfangsphase der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft der DDR,

d. h. noch im Sommer 1952, wurden in sämtlichen MAS PA geschaffen. Die vorrangigen Aufgaben der PA bestanden in der Unterstützung der sich bildenden LPG und in der Hilfe für die werktätigen Einzelbauern, der politischen Schulung der MAS/MTS-Mitglieder und nicht zuletzt darin, die sozialistische Ideologie der gesamten Landbevölkerung eines bestimmten MAS/MTS-Bereiches nahe zu bringen. Das geschah u. a. sowohl über Einzelaussprachen als auch auf Bauernversammlungen bzw. -foren und durch die


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Gestaltung von Schaukästen agitatorischen Inhalts. Die PA orientierten verstärkt auf die fachliche Qualifikation der LPG-Mitglieder. Sie nahmen maßgeblich Einfluß auf die Wahl politisch genehmer, fachlich versierter Vorstände sowie auf die Formierung von arbeitsfähigen, problembewußten Parteiorganisationen in den LPG - um einige andere ihrer bedeutsamen Verantwortlichkeiten zu nennen. Ferner gehörte zu ihren Aufgaben:

Durch die Arbeit der PA wurden die tatsächlichen, aber desgeichen die den Neu- und Kleinbauern von "oben" unterschobenen Interessen unterstützt und solcher Art die Verdrängung der letzten Kapitalisten auf dem Lande vorbereitet, als solche die SED-Propaganda die Großbauern bezeichnete.

Zu Beginn des Jahres 1953 erfolgte auf der Grundlage eines Ministerratsbeschlusses vom Dezember 1952 die Umwandlung der MAS in MTS. Die MTS sollten künftig ihre moderne Technik in LPG einsetzen, aber auch die werktätigen Einzelbauern bedienen. In der Praxis ging die Zusammenarbeit zwischen MTS und LPG auf der Basis einheitlicher Musterverträge zwischen den Vertragspartnern vonstatten. Die MTS trugen die Verantwortung nicht nur für die Steigerung der Hektarerträge bei breitester Anwendung von Neuerermethoden, sondern für die gesamte genossenschaftliche Produktion.

Die hohe politische Bedeutung der MTS verdeutlicht die im folgenden zitierte Passage aus ihren Statuten: "Insbesondere sind die MTS die Voraussetzung für die weitere Bildung und Festigung Landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften und damit der Motor für die Veränderung der politischen und ökonomischen Struktur des Dorfes."<265> Bis 1957 arbeiteten die MTS als selbständige Verwaltungen auf Bezirksebene. Danach wurden sie direkt den Bezirken unterstellt.

Ab dem Frühjahr 1959 setzte im Zuge der forcierten LPG-Bildung - zunächst überwiegend leihweise - die allmähliche Übergabe des Maschinenbestandes der MTS unter Einbeziehung des Personals an die LPG ein.<266> Die Parteiführung versprach sich von diesem Schritt eine höhere Leistungsfähigkeit der LPG<267> und eine verstärkte politisch-ideologische Einflußnahme der Traktoristen auf die Genossenschaftsbauern.

Mit Abschluß der LPG-Bildung sah die Parteiführung die ökonomischen und politischen Aufgaben der MTS als im wesentlichen erfüllt an. Die wichtige Rolle der MTS beim Aufbau des Sozialismus auf dem Lande ging zur Neige. Sie durchliefen einen allmählichen Wandel in Reparatur-Technische-Stationen (RTS).<268> Schrittweise begann der Verkauf und die Übergabe ihrer Maschinen und Gerätschaften an die


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LPG. Die Genossenschaften übernahmen zunehmend die alleinige Verantwortung für den Reproduktionsprozeß innerhalb ihres Bereiches.

Die Einfügung der MTS-Technik in die LPG bestätigt die Notwendigkeit, landwirtschaftliche Großbetriebe nur technisiert bewirtschaften zu können.

Ein Ministerratsbeschluß vom März 1963 sah vor, den LPG des Typs III die Grundtechnik der MTS zu übergeben.<269> LPG vom Typ I und II konnten die Grundtechnik der Stationen preisgünstig käuflich erwerben.<270> Insgesamt gelangten Traktoren und Maschinen mit einem Gesamtwert von 1,8 Milliarden DM an LPG.<271>

1.3.3 Die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe-Bäuerliche Handelsgenossenschaft (VdgB-BHG)

Die Geburtsstunde der VdgB ist bis in die Herbsttage des Jahres 1945 zurückzuverfolgen. Bereits die Verordnungen über die Bodenreform sahen die Gründung von Ausschüssen der gegenseitigen Bauernhilfe vor, in denen sich die KPD bestimmenden Einfluß sicherte. In jenen Nachkriegsmonaten wurden etwa 7 000 Ausschüsse in durch Kriegseinwirkungen überaus in Mitleidenschaft gezogenen Dörfern gegründet. Sie sollten Neubauernbetriebe, doch auch geschädigte Altbauernwirtschaften, mit unbedingt benötigten Produktionsmitteln unterstützen.<272> Die Aufgaben der Ausschüsse erschöpften sich nicht in der Hilfeleistung für die bäuerlichen Betriebe, auf die Beratung in Wirtschaftsfragen, sondern erstreckten sich gleichzeitig auf die Tätigkeit der Bodenkommissionen. Politisch verhielten sich diese Ausschüsse mitnichten abstinent. So beteiligten sie sich im Jahre 1946 an den Gemeinde-, Kreis- und Landtagswahlen, um bereits damals mit ihrem Votum die gesellschaftliche Entwicklung in die von der SED eingeschlagene Richtung zu unterstützen.

Auf der ersten gesamtzonalen Arbeitstagung am 9. und 10. Mai 1946 gründeten die fünf Landes- und Provinzialverbände einen vorläufigen Zonenausschuß<273>, aus dem Ende 1947 die Zentralvereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (ZVdgB) hervorging.<274> Ihr Mitgliederstand erhöhte sich kontinuierlich. Nachdem ihr per 1. Juli 1947 bei 12 057 Ortsvereinigungen<275>

480 157 Mitglieder angehörten, wuchs die Mitgliederzahl bis Ende des Jahres 1950 auf

539 718 an.


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Die VdgB stellte einen in Deutschland neuartigen Organisationstyp dar, deren erstes Tätigkeitsfeld zunächst in der Bewältigung wirtschaftlicher Aufgaben lag. Sie ließ dabei aber nicht außer acht, die politischen Ziele der SED-Führung in die Bauernschaft hineinzutragen.<276> Zu den genannten Aufgaben gesellten sich in den ersten Nachkriegsjahren die Beschaffung und Verteilung von landwirtschaftlichen Betriebsmitteln, so daß sich die VdgB sukzessive in einen Lenkungs- und Verteilungsapparat umwandelte. Die Wahrnehmung der Verteilerfunktion für landwirtschaftliche Bedarfsgüter ermöglichte es der VdgB bei der beschränkten Betriebsmittelkapazität, politisch unliebsame Bauern bei der Zuteilung dieser Mittel auszuklammern.

Zwar sollte laut Statut der Beitritt in die VdgB freiwillig erfolgen, doch die wirtschaftliche Monopolstellung dieser Organisation zwang faktisch sämtliche Bauern zur Mitgliedschaft. Den Nichtmitgliedern erwuchsen sowohl bei den Warenkäufen als auch bei der Inanspruchnahme von VdgB-Einrichtungen teils erhebliche Mehrkosten. Sie gelangten als erfolgreiches Druckmittel - neben anderen - zur Anwendung und veranlaßten die Bauern zum Beitritt.

Zunehmend entwickelte sich die VdgB zu der von der Parteiführung angestrebten Massenorganisation der Bauernschaft, die Einfluß auf die bäuerliche Denkweise zu nehmen suchte und die gewissermaßen als Bindeglied zwischen den Dorfbewohnern und der Partei wirkte.<277> Sie verkörperte eines der Instrumente, mit deren Hilfe die Parteiführung in den fünfziger Jahren den Übergang zur sozialistischen Landwirtschaft absicherte.<278> Die damals dringlichere Aufgabe bestand bei dem allgegenwärtigen Hunger aber darin, die Ernährung der Bevölkerung zu gewährleisten. Zweifelsfrei galt jedoch für die Parteiführung die Überführung der Bauern in LPG als ein strategisches Ziel ersten Ranges.

Gemäß dem Leninschen Genossenschaftsplan, auf den sich die SED-Propaganda häufig vordergründig bezog diente die Bildung von Genossenschaften verschiedenster Art der psychologischen Vorbereitung der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft. In Anknüpfung an die historischen Traditionen des entwickelten deutschen Genossenschaftswesens auf dem Lande wurde dieses einst demokratische Element neuerlich etabliert.<279> Ihm wurde später in der DDR die Rolle zugedacht, als Hilfsorgan bei der Überführung der Bauern in LPG zu fungieren.

Auf dem Boden der SBZ ging die Belebung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens zügig voran. Im SMAD-Befehl Nr. 146 "Über die Wiederaufnahme der Tätigkeit von landwirtschaftlichen Genossenschaften in der Sowjetzone" vom 20. November 1945 wurde die Bedeutung der


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Genossenschaften für die Finanzierung, Beschaffung und die gemeinschaftliche Produktion hervorgehoben. Er führte zum Aufschwung des Genossenschaftswesens.<280> Bereits am 30. April 1946 wirkten 6 325 Einzelgenossenschaften bei einer Mitgliederzahl von

792 988.<281> Indes sahen sich die Genossenschaften wachsendem politisch-ökonomischem Druck ausgesetzt. Bei Zurückhaltung der Besatzungsmacht erfolgten durch die Verwaltungsorgane beträchtliche Eingriffe in die Selbstbestimmung und -verwaltung der Genossenschaften. Die Molkereigenossenschaften ausgenommen, vereinigten sich - bei Einschränkung des Einflusses der Großbauern - sämtliche Spezialgenossenschaften in dörflichen Universalgenossenschaften. In der Folgezeit nahmen die VdgB sowie die VEAB<282> Beschaffung und Absatz umfassender wahr.

Exakt fünf Jahre nach Erlaß des SMAD-Befehls Nr. 146, am 20. November 1950, erfolgte die Eingliederung der Genossenschaften in die VdgB.<283> Die unter Zwängen zustande gekommene neue Organisation - ihr gingen nach Schauprozessen drakonische Strafmaßnahmen gegen führende Genossenschaftler voraus - nannte sich nun VdgB (BHG). Ihre Bildung ist ein anschauliches Beispiel für die durchdachte Strategie der Parteiführung, die Vertretung realer Interessen der Bauern mit der Durchsetzung der eigenen politischen Interessen zu verbinden.

Kurze Zeit nach der Verschmelzung der Genossenschaften mit der VdgB wurde die Deutsche Saatgut-Gesellschaft (DSG) in die Volkseigene Deutsche Saatgut-Handelszentrale (VDSH) umgewandelt. Ebenfalls auf dem Verordnungswege wurden im Februar 1952 die fünf Landwirtschaftsbanken aufgelöst. Angeblich "... im Interesse einer zentralen Planung sowie straffen Lenkung und Kontrolle des genossenschaftlichen Geld- und Kreditwesens ... " übernahm deren Aufgaben die am 22. Februar 1950 gebildete Deutsche Bauernbank.<284>

Die Mitgliederzahl der VdgB (BHG) erhöhte sich zu Beginn der fünfziger Jahre und umfaßte im Jahre 1951 608 401 Personen.<285> Das außerordentliche Anwachsen dieser Organisation rührte mutmaßlich daher, daß außer der VdgB (BHG) keine andere bäuerliche Organisation mehr existierte und Abseitsstehende sich mit "... mancherlei Schwierigkeiten, finanziellen Benachteiligungen, politischen Verdächtigungen usw. auseinanderzusetzen hatten."<286>

Mit Beginn des Aufbaus des Sozialismus auf dem Lande im Sommer 1952 bestand die Aufgabe der VdgB (BHG) nach der offiziellen Version vorrangig darin, alle Kräfte für den sozialistischen Aufbau im Dorf einzusetzen und die werktätigen Einzelbauern für die LPG zu gewinnen.


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Nach der Verkündung des "Neuen Kurses" im Juni 1953 nutzten viele Einzelbauern die einsetzende kurzzeitige Freizügigkeit, um mit ihren Familien die Organisation zu verlassen.<287> Der Druck staatlicher Stellen auf Einzelbauern ließ vorübergehend nach.

Die Bildung Ständiger AG der VdgB (BHG) Mitte der fünfziger Jahre in allen Landesteilen und der neuerliche Beitritt von Familienangehörigen der VdgB-Mitglieder, führte wiederum zu einem Anwachsen der Organisation. Der Rückgang im Jahre 1958 ist zuallererst darauf zurückzuführen, daß mit dem neuerlichen Anwachsen des politischen Drucks im Rahmen der LPG-Bildung zahlreiche Bauern aus der DDR flohen. In geringerem Maße ist hierfür der Umzug von Bauern aus dem Dorf in die Stadt heranzuziehen.

Erwähnt sei, daß in den fünfziger Jahren nach dem Verständnis der Parteiführung der FDGB sowie die VdgB (BHG) das enge Zusammenwirken zwischen Stadt und Land symbolisierten.

1.3.4 Die Volkseigenen Güter (VEG)

Die VEG zählten zu den Institution, die in der SBZ im Verlaufe der Bodenreform entstanden. Damit wurde den Bodenreformverordnungen der Länder und Provinzen Rechnung getragen, die festlegten, Musterlandwirtschaftsbetriebe auf einem Teil des enteigneten Grundbesitzes aufzubauen.<288> Ein Teil des Landes aus dem staatlichen Bodenfonds, das in Eigentum der Länder überging, wurde zur Einrichtung von staatlichen Landesgütern - den späteren VEG - genutzt. Die für diesen Behuf von den Landes- bzw. Provinzialverwaltungen vorgesehenen Betriebe wurden der Verwaltung der Länder, Provinzen, Kreise und Gemeinden unterstellt. Zumeist handelte es sich bei ihnen um bestens geführte namhafte Saat- und Tierzuchtbetriebe aus ehemals privatem bzw. öffentlichem Eigentum, deren Funktion unbedingt erhalten bleiben sollte. Einige Betriebe wurden dennoch aufgeteilt.

Die Aufgabenstellung der VEG - im Jahr 1949 gingen die VEG von Landes - in Volkseigentum über - erstreckte sich über die Saat- und Tierzucht bis hin zu Versorgungsaufgaben in der Landwirtschaft. Sie besaßen mithin Verfügungsgewalt über solche Produktionsmittel, die die bäuerlichen Einzelbetriebe unbedingt benötigten. Den werktätigen Einzelbauern, darunter verstand die Parteiführung Bauern mit einer LN bis zu 20 Hektar, die keine fremden Arbeitskräfte beschäftigten, sollten sie allseitige Hilfe geben.

Die staatlichen Landesgüter bzw. später die VEG genossen vom Zeitpunkt ihres Bestehens an die besondere Unterstützung des Staates. So erhielten sie beispielsweise während der Bodenreform bei einem Gesamtbestand von ca. 30 000 Traktoren in der SBZ rund 1 200 zugesprochen.<289> Eine bevorzugte Behandlung erfuhren die VEG bei der Zuerkennung von Inventar und der Erteilung von finanziellen Zuschüssen. Damit erfügten sie über die vom Staat nachdrücklich gesteuerte Möglichkeit der politischen,


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mehr noch der ökonomischen Einflußnahme auf dem Lande. Ihre materielle und personelle Ausstattung ermöglichte ihnen, die Agrarproduktion maßgeblich zu beeinflussen<290> und zugleich die Neubauern fachlich zu unterstützen.

Am 15. Juni 1949 wurde auf Anordnung der DWK eine Zentralverwaltungsstelle für VEG gegründet, die Vereinigung Volkseigener Güter (VVG).<291> Sie war der Hauptverwaltung Land- und Forstwirtschaft der DWK unterstellt. Diese Einrichtung leitete und kontrollierte fortan alle bisher im Eigentum von Ländern, Kreisen und Gemeinden, Körperschaften und Anstalten öffentlichen Rechts - abgesehen von den Kirchen - befindlichen Betriebe der Land-, Forst- und Gartenwirtschaft.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1951 traten an die Stelle der VVG fünf Vereinigungen Volkseigener Güter auf Landesebene<292>, die wiederum 1954 durch die Verwaltungen Volkseigener Güter bei den Räten der Bezirke abgelöst wurden. In den folgenden Jahren wechselten die Verwaltungsformen noch mehrfach.

Ab dem Jahre 1952 erhielten die VEG die Rechtsform einer selbständigen juristischen Person eingeräumt. Mit Beginn der LPG-Bildung galt es, sie verstärkt zu sozialistischen Musterbetrieben zu entwickeln. Ihre erste Aufgabe sahen die VEG künftig in der Erhöhung der Arbeitsproduktivität in ihren Betrieben unter Anwendung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse, in der umfassenden Steigerung ihrer Produktion, aber ebenso darin, die eben erst entstandenen LPG mit den Erfahrungen eines sozialistischen landwirtschaftlichen Großbetriebes vertraut zu machen. Weiter umfaßte ihr Aufgabengebiet, den werktätigen Einzelbauern die Vorteile der gemeinschaftlichen sozialistischen Großproduktion zu verdeutlichen. Dank ihres positiven Beispiels, das sie dem Willen der Parteiführung nach darstellen sollten, hatten sie die werktätigen Einzelbauern für den Eintritt in Genossenschaften oder die Bildung solcher zu gewinnen.

Die besondere Stellung, die die VEG als Staatsbetriebe innerhalb der Landwirtschaft der DDR einnahmen, belegt die ihnen am Ende des Betrachtungszeitraums angetragene Aufgabe von großter Tragweite. Sie sollten maßgeblich die "... komplexe sozialistische Entwicklung des Landes"<293> - d. h. unverbrämt ausgedrückt - die vollständige Vergenossenschaftlichung der Landwirtschaft der DDR, durchsetzen helfen. Die den VEG übertragene qualitativ erhöhte Aufgabenstellung erklärt sich aus ihrer Eigentumsform, ihrer rechtlichen Position und ihrer speziellen Produktionspalette.

Die Organisationsformen der VEG ähnelten bei gleichgearteten Eigentumsformen denen der Industrie; beide galten als staatlich-sozialistisch. Andere Übereinstimmungen bestanden in der Arbeitsorganisation sowie den Formen der Entlohnung. Die in den VEG Beschäftigten wurden ausnahmslos als Arbeiter und Angestellte eingestuft, deren Entlohnung nach dem Leistungslohnprinzip und nach Tariflöhnen erfolgte.

Die VEG fanden in der Landwirtschaft der DDR nur relativ geringe Verbreitung. Zum einen sollte eine Kräftezersplitterung vermieden werden, zum anderen fehlten die Mittel für die Errichtung neuer Güter. Im


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Jahre 1950 bestanden nicht mehr als 559 VEG mit 177 289 Hektar LN, d. h. einem Anteil von 2,7 Prozent an der gesamten LN der DDR.<294> Die Anzahl der VEG und ihr Anteil an der LN erhöhten sich bis zum Jahre 1960.<295> Von 1960 bis 1968 - ein Vorprellen über den zeitlichen Rahmen des Themas sei gestattet - ist eine Abnahme der Güter um 3,7 Prozent, aber eine Zunahme am Anteil der LN um 0,6 Prozent festzustellen.<296> Dieser Tatbestand weist auf einen Konzentrationsprozeß hin. Im Detail verlief die Entwicklung wie folgt:

Tabelle 10: Anzahl und LN der VEG der DDR in den Jahren 1950 bis 1960<297>

Jahr

Anzahl

LN (ha)

Anteil an der LN der DDR (%)

1950

559

177 289

2,7

1955

540

283 243

4,4

1960

669

402 967

6,3

Im DDR-Maßstab erwies sich die Wirtschaftsführung der VEG im Betrachtungszeitraum als bedingt rentabel. Bei gewissen Erfolgen in Teilbereichen der landwirtschaftlichen Produktion erfüllten sie die ihnen gestellten Aufgaben häufig nur unzureichend und wurden so verschiedentlich Gegenstand offizieller Kritik. Als wesentliche Gründe für die geringe Leistungsfähigkeit der VEG sind zu nennen:

Inwieweit diese Einschätzung für den Kreis Haldensleben Gültigkeit besitzt, wird in den folgenden Ausführungen erhellt.

1.3.5 Die Örtlichen Landwirtschaftsbetriebe (ÖLB)

Eine bis dahin nicht gekannte Massenflucht von Bauern in den Jahren 1952/53 ließ die Zahl der verlassenen Bauernwirtschaften drastisch ansteigen. Zur Gewährleistung der Ernährung der Bevölkerung mußte die Bewirtschaftung verlassener, aufgegebener und als devastiert erklärter Betriebe ohne größeren Verzug fortgeführt werden. Aus diesem Grunde hielt die Parteiführung die Bildung einer speziellen Auffangorganisation, die sich mit der Weiterverwendung eben genannter Betriebe befaßte, dringend


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erforderlich. Diesem Zweck sollten die nach der Verordnung über die Bewirtschaftung freier Betriebe und Flächen und die Schaffung von Betrieben der örtlichen Landwirtschaft<298> vom 3. September 1953 gebildeten ÖLB dienen.<299> Zuvor sicherten auch aus dem bürgerlichen Recht bekannte Formen der Treuhandschaft, die Bewirtschaftung verlassener oder aufgegebener Betriebe.<300> Verschiedene Träger zeichneten dafür verantwortlich.

Auskunft über die Verwendung von Betrieben, deren Eigentümer aus der DDR geflohen waren, gibt die mit dem 5. Februar 1954 datierte zweite Durchführungsbestimmung zur Verordnung vom 3. September 1953.<301> In ihr heißt es: "Landwirtschaftliche Betriebe von Eigentümern, die das Gebiet der DDR vor dem 11. Juni 1953 verlassen haben und noch nicht zurückgekehrt sind, verbleiben bis zu deren Rückkehr in unentgeltlicher Nutzung der volkseigenen Güter, der Betriebe der örtlichen Landwirtschaft und der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften."<302>

Nicht nur die verlassenen Bauernbetriebe wurden in ÖLB zusammengefaßt, sondern auch Kommunal- und Kreisbetriebe, staatliche und Gemeindeländereien sowie in der Nutzung von Gemeinden befindliche Betriebe, wie von Neubauern zurückgegebene Landanteile.<303>

Der Bodenfonds der ÖLB rekrutierte sich aus einer weiteren Quelle. Bei schweren Verstößen gegen wirtschaftliche Bestimmungen gestattete eine im Jahre 1948 verabschiedete "Wirtschaftsstrafverordnung" (WStVO), das Vermögen der betreffenden Bauern einzuziehen.<304>

Die ÖLB erhielten den Status einer selbständigen juristischen Person zuerkannt. Die Gemeinden beauflagten von ihnen bestellte Betriebsleiter, die ÖLB-Ländereien mit einer hinreichenden Anzahl von Landarbeitern ordnungsgemäß zu bewirtschaften.<305> Die Arbeiter der ÖLB wurden in ständigen Arbeitsbrigaden zusammengefaßt. Ihre Tätigkeit verrichteten sie nach einheitlichen Richtlinien unter günstigen Konditionen. Arbeiteten sie bisher als Landarbeiter nebst ihren Familienangehörigen ohne zeitliche Begrenzung und oft gegen geringen Lohn auf Einzelbauernhöfen, galten für sie von nun an die tariflichen Festlegungen der VEG, inklusive Dauer der Arbeit und die dort üblichen sozialen Bedingungen.

Die Behauptung Grünebergs, daß vielerorts Arbeiter der ÖLB nach kurzer Zeit baten, "aus dem ÖLB eine LPG zu bilden", ist aufgrund der genannten vorteilhaften Bedingungen für Arbeiter der ÖLB infrage zu stellen.<306> Betriebsleiter und Belegschaft einer größeren Zahl von ÖLB - darunter solche im Kreis


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Haldensleben - lehnten es ab, Mitglied einer LPG zu werden bzw. eine neue zu bilden.<307> Andererseits versuchten Betriebsleiter höchst unwirtschaftlicher ÖLB, ihre Betriebe in eine andere Betriebsform zu überführen. Trotz verschiedener Vergünstigungen<308> sträubten sich ortsansässige LPG oder benachbarte VEG mitunter, eine derartige Bürde auf sich zu nehmen.<309>

Die Umwandlung von ÖLB in LPG bzw. der Übergang von ÖLB in LPG ging der Parteiführung offenbar nicht schnell genug vonstatten. Das ZK der SED rief deshalb in einer Entschließung "Über die Entfaltung der politischen Massenarbeit im Dorfe" vom Januar 1954 dazu auf, "unter den Landarbeitern der örtlichen Landwirtschaftsbetriebe eine intensive Aufklärungsarbeit zur Bildung von LPG aus diesen Betrieben zu entfalten."<310> Ulbricht erneuerte die Forderung nach Eingliederung bzw. Umwandlung der ÖLB in LPG auf der

III. LPG-Konferenz im Dezember 1954.<311> Die Parteiführung strebte die Verwirklichung dieser Absicht in der Erwartung an, die Stagnation bei der LPG-Bildung zu überwinden und aufgrund scheinbar besserer Gesamtbedingungen, kostengünstiger als zuvor produzieren zu können. Eine Hoffnung, die sich als Trugschluß erwies. Wenn sich auch nach der Übernahme die Flächen der Genossenschaften vergrößerten, so stellten diese Betriebe ihres häufig äußerst heruntergekommenen Zustands der Flächen und Gebäude, der geschrumpften Tierbestände sowie der geringen Zahl an Maschinen und Arbeitskräften wegen anfänglich eine große wirtschaftliche Belastung für die jungen, zumeist noch ungefestigten LPG dar. Die Eingliederung von ÖLB-Flächen in LPG bezeichnete das Mitglied des Politbüros des ZK der SED, Heinrich Rau, auf der V. LPG-Konferenz Ende Februar 1957 als "Ursache dafür, daß manche LPG mehr Boden haben, als nach den vorhandenen Arbeitskräften bewirtschaftet werden kann."<312>

ÖLB, die eine LPG bildeten, konnten sich zwangsläufig nur in Genossenschaften vom Typ III organisieren. Weist für das Jahr 1953 die Statistik die Anzahl der LPG vom Typ III mit 1 926 aus, so erhöhte sich bis Ende des Jahres 1955 die Anzahl der LPG dieses Typs bei einer Gesamtzahl von 6 047 LPG auf 4 652.<313> Daraus läßt sich schlußfolgern: Ohne die aus devastierten und verlassenen Bauernbetrieben gebildeten ÖLB, hätte die LPG-Bildung nur in noch langsamerem Tempo als gehabt fortgeführt werden können.<314> Um dieses Eingeständnis kam auch Ulbricht auf der IV. LPG-Konferenz im Dezember 1955 nicht herum, auf der er erklärte, daß das Wachstum des genossenschaftlichen Sektors der Landwirtschaft ohne diesen


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Vorgang nicht möglich gewesen wäre.<315> Auch in dem Bericht des ZK der SED an den V. Parteitag der SED (10. bis 16. Juli 1958) fand sich die Feststellung, daß bis zum Zeitpunkt der 33. Tagung des ZK der SED im Oktober 1957 "der Zugang von LPG sowohl zahlen- als auch flächenmäßig aus den örtlichen Landwirtschaftsbetrieben kam."<316>

Längst nicht immer bewirtschafteten die ÖLB die ihnen übertragenen Flächen ordnungsgemäß. Ulbricht bemerkte dazu auf dem IV. Parteitag der SED im Frühjahr 1954: "Die Bodenflächen der vorübergehend bestehenden Landwirtschaftsbetriebe sind in den meisten Fällen vernachlässigt. Sie werden schlecht bewirtschaftet. Deshalb sind die Ernteerträge gering, der Viehbestand dieser Wirtschaften ist niedrig, und die Anleitung und Kontrolle durch die Kreisorgane ist schwach."<317>

Die ökonomische Leistungsfähigkeit der ÖLB verbesserte sich in den darauffolgenden Jahren nur geringfügig. Auf der V. LPG-Konferenz Ende Februar 1957 erklärte Rau, "daß in den meisten Fällen die aus den verlassenen Ländereien gebildeten örtlichen Landwirtschaftsbetriebe keine großen Erträge erzielten."<318> Dies mag eine nachträgliche Rechtfertigung der Festlegung des 30. Plenums des ZK der SED von Anfang Februar 1957 gewesen sein, das beschloß, von der schematischen Übergabe von ÖLB-Flächen an LPG Abstand zu nehmen.<319>

Letztendlich sind die ÖLB - die ÖLB-Ländereien erreichten im Jahre 1953 ihr größtes Ausmaß, sie erstreckten sich über eine Fläche von ca. 700 000 Hektar und umfaßten 24 000 Betriebe<320> - nicht mehr als eine situationsbedingte Übergangserscheinung in der Landwirtschaft der DDR gewesen. Nach dem Jahre 1957 bestanden in der DDR offiziell keine landwirtschaftlichen Betriebe dieser Struktur mehr.

1.3.6 Die Volkseigenen Erfassungs- und Aufkaufbetriebe (VEAB)

Um die Bauern für eine rasche Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion zu interessieren, wurde in der SBZ bald nach der Kapitulation des Dritten Reiches die Ablieferungsverordnung aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs außer Kraft gesetzt.<321> An ihre Stelle trat ein Ablieferungssystem für pflanzliche und tierische Produkte, das nicht von den erreichten Ernteresultaten und betrieblichen Erfordernissen ausging. Als Grundlage für die Ablieferungsveranlagung diente vielmehr bei pflanzlichen Produkten die Ackerfläche - nicht die Anbaufläche -, bei tierischen Produkten die Anzahl der gehaltenen Tiere. Dabei fanden die Ausgangssituation der Wirtschaften, die Güte des Bodens sowie die individuelle soziale Situation der Bauern Berücksichtigung. "Die ökonomisch stärksten Betriebe hatten auch den größten Anteil an der


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Ernährung der Bevölkerung zu tragen."<322>

Nach der Gründung der DDR hielt es die Parteiführung für erforderlich, schnellstens einen zentralen Apparat für den Aufkauf und die Erfassung pflanzlicher und tierischer Produkte aufzubauen. Zu diesem Zweck wurden im Jahre 1950 die VEAB gebildet. Damals erfolgte der Zusammenschluß der einzelnen VEAB auf Kreis- und Bezirksebene zu Vereinigten Volkseigenen Erfassungsbetrieben (VVEAB), die den Status von Körperschaften öffentlichen Rechts eingeräumt bekamen. Die VVEAB fungierten als zentrale Aufkaufs- und Erfassungsinstitution für die gesamte Marktproduktion der Landwirtschaft.

Die VEAB erfaßten sämtliche agrarischen Produkte getrennt nach Sollmengen und freiem Aufkauf.<323> Die Bezahlung der Lieferbetriebe erfolgte auf der Grundlage des doppelten Preissystems. Zugleich verfügten die VEAB über das Handelsmonopol mit agrarischen Rohstoffen; sie trugen gleichermaßen für die gesamte Absatzfunktion die Verantwortung.<324> Darüberhinaus übten sie die Kontrolle über die Liefertreue eines jeden der über 800 000 individuellen bäuerlichen Produzenten aus und fungierten als "Statistikamt" für die gesamte agrarische Produktion der DDR.

Ebenfalls ist der Handel mit Zucht- und Nutzvieh von den Anfang Januar 1952 gegründeten Volkseigenen Handelskontoren für Zucht- und Nutzvieh, nach deren Auflösung Ende Juni 1955, auf die VEAB übergegangen.<325>

Die produkt- und mengenmäßige Festlegung der Ablieferungsnormen für die einzelnen Agrarerzeugnisse durch die VEAB ermöglichte diesen eine längerfristige Planung.<326> Ablieferungsmenge sowie den Lieferzeitpunkt legten die VEAB für jeden bäuerlichen Betrieb jährlich neu fest. Im Falle des Nichteinhaltens der Frist, der Quantität und Qualität der abzuliefernden Produkte lag es in ihrem Ermessen, Verwarnungen zu erteilen oder gar Strafverfahren wegen Wirtschaftsvergehens einzuleiten.

Wie in den ersten Nachkriegsjahren hingen die abzuliefernden Mengen zum einen von der Betriebsgröße, zum anderen von den produktionstechnischen Voraussetzungen der Bauernwirtschaften ab. In der Praxis aber fand diese Gepflogenheit immer seltener Beachtung. Der Umfang der abzuliefernden Produkte der größeren Wirtschaften überstieg stets klar den der kleineren. Hier offenbart sich augenscheinlich die politische Funktion der VEAB: Die kleinbäuerlichen Betriebe - zumindest vorerst - erhalten, die Mittelbauernwirtschaften nicht über Gebühr erstarken zu lassen, die Großbauernbetriebe in bedeutendem Maße zu schwächen.


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Ende des Jahres 1949 trat mit der Einführung von Erfassungs- und Aufkaufpreisen ein doppeltes Aufkaufsystem für landwirtschaftliche Produkte in Kraft, das doppelte Preise für landwirtschaftliche Produkte vorsah. Die Festlegung eines differenzierten Ablieferungssolls sowie eines doppelten Agrarpreissystems dienten als erfolgreiches, über Jahre angewandtes Mittel zur Beschränkung der Groß-, aber auch der Mittelbauernwirtschaften.

Von ihrer Gründung an zahlten die VEAB für die Pflichtablieferung einen Erfassungspreis, der für zahlreiche Betriebe unter den Selbstkosten lag. Für die zusätzlich erzeugten Mengen erstatteten sie einen Aufkaufpreis, die "Freie Spitze".<327> Zwischen Aufkaufs- und Erfassungspreisen tat sich ein nicht geringes Gefälle auf. Bei pflanzlichen Produkten betrug der Aufkaufpreis das Anderthalb- bis Dreifache, bei tierischen Produkten schon das Drei- bis Vierfache des Erfassungspreises.<328> So eröffneten sich für Kleinbauernwirtschaften mit überwiegender Tierproduktion günstigere Möglichkeiten der Einkommenserhöhung als für großbäuerliche Betriebe, in denen die Getreide- und Kartoffelproduktion im Vordergrund stand. Die Tabelle 11 auf Seite 65 gibt Aufschluß darüber.

Tabelle 11: Anteil der Ablieferungsmengen des "freien Aufkaufs" an den Erlösen der Betriebsgrößengruppen 1 bis 5 Hektar LN und 20 bis 50 Hektar LN im Jahre 1954<329>

Berechnungsart

Anteil der Ablieferungsmengen nach Betriebsgrößengruppen

 

1-5 ha LN in %

20-50 ha LN in %

mengenmäßig

51

13,5

wertmäßig

82

41,0

Aus dem System der betriebsspezifischen differenzierten Veranlagung der Sollmengen ergab sich für jede Wirtschaft ein spezieller "individueller betrieblicher Durchschnittspreis."

Für die Gesamtheit der Bauern bestand jetzt objektiv ein Anreiz, durch erhöhte Produktion ihre wirtschaftliche Situation positiv zu beeinflussen. Es gelang einer nicht geringen Anzahl von ihnen, tatsächlich eine ökonomische Besserstellung zu erreichen. Auf Großbauern traf dies allerdings weniger zu. Eine plausible Erklärung dafür ist die bewußte ökonomische Knebelung der größeren Betriebe, mit ihrem geringeren Hektarbesatz an Vieh und demzufolge eingeschränkteren Ablieferungsmöglichkeiten für tierische Produkte. Die kleinbäuerlichen Wirtschaften dagegen wurden begünstigt. Andererseits hatte


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dieses Veranlagungssystem zur Folge, daß zahlreiche Mittel- und Großbauern, doch auch Neubauern aufgrund des Nichterfüllens des Ablieferungssolls wirtschaftlich ruiniert, gesellschaftlich diskreditiert und mitunter zur Flucht aus ihrer Heimat getrieben wurden.

Die mehrmalige Erhöhung des Ablieferungssolls verwandelte den natürlichen Anreiz zur Produktionssteigerung "... in harten Produktionszwang: Die Bauern mußten neben dem erhöhten Ablieferungssoll freie Spitzen anbieten, um die zur Deckung der Betriebskosten nötigen Einnahmen zu erzielen."<330> Dem Wirken der VEAB ist es zu "verdanken", daß die Wirtschaftlichkeit der überwiegenden Zahl der großbäuerlichen Betriebe eine rückläufige Tendenz aufwies, viele Mittelbauernwirtschaften in ihrer Entwicklung stagnierten und auf den Höfen von zahlreichen Kleinbauern der angestrebte Aufwärtstrend ausblieb. Die VEAB nahmen auf diese Weise Einfluß auf die Agrarproduktion und die Agrarstruktur.

Der Ministerrat der DDR hob im Jahre 1956 den Viehhalte- und 1957 den Anbauplan - jeweils am Jahresbeginn - formal auf.<331> Dieser Umstand bewog neben Faktoren, auf die an anderer Stelle noch näher eingegangen wird, ab Mitte der fünfziger Jahre einen beträchtlichen Teil der Großbauern als Alternative nicht die Flucht gen Westen, sondern den Eintritt in eine LPG zu wählen. Ab den Jahren 1957/58 beschritten verstärkt Mittelbauern diesen Weg. Das geschah vielfach "zähneknirschend". Doch diese Bauern waren einfach mit ihrem Boden, ihrer engeren Heimat, ihrem ganzen Dasein auf dem Lande zu fest verbunden, um dies alles aufzugeben.

Mit dem Abschluß der LPG-Bildung im Frühjahr 1960 wurde das bis dato geltende Ablieferungssystem allmählich durch die Vertragsform ersetzt.

Zu Bedeutung und Rolle der VEAB sei schließlich noch vermerkt, daß sie wie die vorgenannten Einrichtungen dazu beitrugen, vermittels ökonomischen Drucks die einzelbäuerlichen Wirtschaften in LPG überzuleiten. Sie unterstützten damit den Aufbau des Sozialismus auf dem Lande politisch wie ökonomisch.

1.3.7 Die Planungsorgane und das Planungssystem in der Landwirtschaft

Neben vorgenannten Institutionen<332> wurden in der SBZ/DDR, als weiteres wichtiges Instrumentarium in Vorbereitung auf die beabsichtigten Veränderungen der Agrarstruktur, vielfältige Methoden der Planung eingeführt. Sie sollen einer kurzen Betrachtung unterzogen werden.

Das Aufstellen von Wirtschaftsplänen mit dem Ziel der Produktionssteigerung erfolgte auf Anordnung des Stabes der SMAD bereits durch eine Proklamation von Anfang November 1945. Die deutschen Behörden erhielten die Auflage, Kampagnen für Aussaat und Beschaffung zu organisieren. Über die Absicht, die die Behörden mit der Verkündung und dem Versuch der Durchsetzung von Plänen damals verfolgten, gibt


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nachfolgend aufgeführtes Zitat Auskunft: "Die damals aufgestellten Pläne blieben jedoch zunächst weitgehend irreal, ihr Hauptzweck war die Sicherung der Repararationsverpflichtungen."<333> Erschwerend gesellte sich hinzu, daß der für ihre Realisierung notwendige Apparat noch nicht bestand.

Zunächst lag die Planung gänzlich bei der sowjetischen Besatzungsmacht. Die Pläne wurden in Gestalt von Produktionsbefehlen publik gemacht. Später ging die Planung in die Zuständigkeit der in der DWK zusammengefaßten deutschen Verwaltungen bei Kontrolle durch die SMAD über. Gleichzeitig lag bei der DWK die Verantwortung für die Erfüllung der Reparationspläne.<334> Ein Exkurs über diese Problematik sei an dieser Stelle angebracht.

Das besiegte Deutschland hatte entsprechend dem Potsdamer Abkommen an jene Länder Reparationen zu entrichten, die es mit Krieg überzogen hatte. Der Beginn von Wiedergutmachungsleistungen an die UdSSR begann in der künftigen SBZ praktisch bereits vor Beendigung der Kampfhandlungen. Mit dem Einmarsch in deutsches Gebiet bildete die Rote Armee spezielle Brigaden. Anhand von Listen des Armeestabes beschlagnahmten sie bestimmte Güter in vorgegebener Menge und überführten sie in die Heimat. Schwere Opfer blieben auch der Landwirtschaft der SBZ nicht erspart. Sie hatte nicht nur die Versorgung der Armee und ihres Stabes abzudecken. Reparationsleistungen in Form der Abgabe von Leistungsvieh<335> und Hochzuchtsaatgut aus traditionellen "... Zuchtbetrieben kamen der sowjetischen Landwirtschaft quantitativ und qualitativ zugute."<336>

Die wirtschaftlichen Ziele der SBZ wurden zunächst in Quartalswirtschaftsplänen festgelegt. Ihnen folgte in der zweiten Hälfte des Jahres 1948 ein Halbjahresplan, dem sich 1949/50 ein Zweijahresplan anschloß. Ab 1951 ging die DDR zur Planung im Fünfjahresrhythmus über.<337>

Planung und Lenkung der landwirtschaftlichen Produktion wurden in der SBZ/DDR unter Beachtung der regional-örtlichen Produktionsbedingungen weitgehend dezentralisiert vorgenommen. Was die Planaufstellung anbelangte, so wurde als erstes der Bedarf an Agrarerzeugnissen durch Vergleich von Bedarf und Aufkommen festgestellt. Die Festlegung der Produktionsziele nahm die Staatliche Plankommission anhand von Kennziffern des letzten Jahres vor. Auf dieser Basis erarbeiteten das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft sowie das Staatssekretariat für Erfassung und Aufkauf Direktiven. Sie wurden von der Staatlichen Plankommission zwecks Aufstellung von Planvorschlägen zunächst an die Räte der Bezirke und von diesen an die Räte der Kreise übermittelt. Bezirksgeleitete Betriebe, wie MTS und VEG, erhielten von der Abteilung Landwirtschaft des Rates des Bezirkes Richtlinien. Auf deren Grundlage erstellten die Abteilungen Erfassung und Aufkauf bei den Räten der Kreise Planvorschläge, die der Plankommission dieser Räte unterbreitet und deren Billigung bedurften. Bei Akzeptanz leiteten diese die Vorschläge an die Räte der Bezirke weiter. Die dortigen


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Landwirtschaftsabteilungen arbeiteten die Kennziffern der bezirksgeleiteten Betriebe ein und stimmten sie mit den Abteilungen für Erfassung und Aufkauf ab.

Auf der nächsten Ebene faßten die Wirtschaftsräte der Bezirke die Planvorschläge der Kreise in Planvorschläge der Bezirke zusammen. Die Räte der Bezirke zeichneten für die Übergabe an die Staatliche Plankommission, das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft sowie das Staatssekretariat für Erfassung und Aufkauf verantwortlich. In diesen zentralen Institutionen erfolgte die Feinabstimmung der Pläne.

Auf der Grundlage der vom Ministerrat und der Volkskammer der DDR beschlossenen Planvorhaben - sie wurden von der Staatlichen Plankommission an die Räte der Kreise weitergeleitet - stellten die bezirksgeleiteten Betriebe ihre Betriebspläne auf. Demgegenüber erfolgte die Ausarbeitung der Betriebspläne der LPG in enger Kooperation mit den Agronomen der MAS/MTS, den Behörden auf Kreisebene und den Beschaffungsorganen. So konnten die lokalen Bedingungen bei der Ausarbeitung der Erfassungs- und Aufkaufpläne der einzelnen LPG Berücksichtigung finden.

In den Anbau- und Viehhalteplänen wurde exakt festgelegt, in welchem Umfang der Anbau bestimmter Kulturen bzw. die Haltung und Züchtung bestimmter Viehrassen zu erfolgen hatte. So mußten die Bauern sowohl von der Planungs- als auch der Ablieferungskomponente her eine erhebliche Einschränkung ihrer Dispositionsmöglichkeiten hinnehmen. Die Vorsitzenden der Räte der Bezirke und Kreise sowie die Bürgermeister der Gemeinden wurden beauftragt, ständig die termingerechte und vollständige Erfüllung der Anbau- bzw. Viehhaltepläne zu kontrollieren.

Die örtlichen Organe der Staatsmacht erhielten nach der Abschaffung des Viehhalte- und des Anbauplans zur Sicherung der Erfassungs- und Aufkaufpläne erweiterte Rechte eingeräumt. Die jeweiligen Räte der Gemeinden legten für Getreide ein nach der Betriebsgröße differenziertes Ablieferungssoll fest und konnten so erheblichen Einfluß auf den Fortgang des Umgestaltungsprozesses auf dem Lande nehmen.<338> Ihre Entscheidungen trafen dabei häufig Großbauern, doch genauso Mittelbauern hart.<339>

1.4 Zielstellungen und Bedingungen für die Umgestaltung der Landwirtschaft in der DDR

Eine Agrarstruktur mit überwiegend klein- und mittelbäuerlichen Betrieben sowie Privateigentum an Grund und Boden konnten nicht mehr als eine Zwischenlösung auf dem Wege zu jener sozialistischen Gesellschaft sein, auf die sich die SED bei ihrer Gründung als Maximalziel ihrer Politik festgelegt hatte. Unter diesem Blickwinkel ist die gesellschaftliche Entwicklung in der DDR bis zum Jahre 1952 sowohl als eine Phase der Konsolidierung der "antifaschistisch-demokratischen" politischen und ökonomischen Verhältnisse und - auf die Landwirtschaft bezogen - als auch als eine Phase "... der Vorbereitung der


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Kollektivierung aller privaten Landwirtschaftsbetriebe zu sehen."<340>

Das parteioffiziell proklamierte Ziel der Landwirtschaftspolitik der SED-Führung bestand darin, eine hocheffektive, auf der Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse mit modernen Maschinensystemen und perfektionierter Arbeitsorganisation produzierende Landwirtschaft zu schaffen. Sie sollte den ständig wachsenden Nahrungsmittelbedarf der Bevölkerung in hoher Qualität decken und die Industrie hinreichend mit Rohstoffen versorgen. Entsprechend der Argumentation der an Marx und Engels, Lenin und Stalin geschulten Ideologen konnte diese Zielstellung nur durch die Vergesellschaftung des Bodens, des wichtigsten Produktionsmittels auf dem Lande, erreicht werden. Dazu bedurfte es der Überführung der nach Hunderttausenden zählenden Bauernwirtschaften in gemeinschaftlich arbeitende Kollektive, in landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften.

Der Beitrag der Landwirtschaft der DDR bei der Schaffung der Grundlagen des Sozialismus in der DDR sollte nach den Vorstellungen der Parteiführung das Bündnis zwischen der Arbeiterklasse und der werktätigen Bauernschaft auf eine höhere Stufe heben und die DDR politisch wie ökonomisch dermaßen stärken, daß sie eine erstrebenswerte Alternative zur Bundesrepublik Deutschland darstellte. Im Zuge der Schaffung der "Grundlagen des Sozialismus in der DDR" - der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft maß sie besonderes Gewicht bei - schickte sich die SED-Führung an, die DDR zu einem ebenbürtigen Partner der RGW-Staaten<341> erwachsen zu lassen. Sie wollte damit dokumentieren: Der Wandel der gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR ist unumkehrbar!

Mit der vorgesehenen Bildung von landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften verbanden sich nicht ausschließlich politisch-ökonomische, sondern gleichfalls ideologische Absichten. Zweifelsfrei konnten, dem logischen Denkansatz der SED-Führung zufolge, in einem sozialistischen Großbetrieb tätige Produzenten bei fortwährender politischer und arbeitsmäßiger Kontrolle mit weniger Schwierigkeiten in das sozialistische System eingefügt werden, als der auf eigenem Boden selbständig wirtschaftende Bauer.

Der komplizierte gesellschaftliche Umbruch mit einschneidender Wirkung auf Besitz, die Arbeitswelt und die Lebensweise der ländlichen Bevölkerung verlangt die Beantwortung zweier Fragestellungen von grundsätzlicher Bedeutung.

  1. Bestand für die Landwirtschaft der DDR aus ökonomischen, politischen und sozialen Gründen die Notwendigkeit zur sozialistischen Umgestaltung?
  2. Existierten in der DDR tatsächlich die Voraussetzungen für die Gewinnung der werktätigen Einzelbauern als Mitglieder landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften?

Die Beantwortung dieser Fragestellungen ist problematisch. Schon deshalb, weil es fundierte wissenschaftliche Literatur, die das Prädikat "objektiv" für sich beanspruchen darf, zu diesen spezifischen Fragen bis heute nicht gibt. Die Fachliteratur aus den alten Bundesländern widmete diesen Fragen nur fragmentarische Aufmerksamkeit - wenn überhaupt. Die DDR- Historiografie überbetonte einerseits die objektive Notwendigkeit der Umgestaltungen auf dem Lande und stellte andererseits die objektiven


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Gegebenheiten, die Voraussetzungen für die einschneidenden Veränderungen auf dem Lande, überhöht und unrealistisch dar.

Die Betrachtungsweise der Umgestaltungsprozesse auf dem Lande kann nur unter Beachtung der politischen und ökonomischen Erwägungen der SED-Spitze erfolgen, weil die Intentionen der machtausübenden Personen im Zusammenwirken mit der Führung der KPdSU (B) das politische Geschehen initiierten und seine Richtung weitgehend vorgaben.<342> Eine andere Sichtart würde sich in unablässiger Kritik ergehen und den Blick für eine objektive Einschätzung verstellen. Allein aus der Gedankenwelt der jeweils führenden Politiker der dominanten politischen Kraft, der SED unisono mit den politischen Zielvorstellungen der UdSSR, sind die damaligen historischen Abläufe zu verstehen. Widerspruch und Zweifel erfolgen dort, wo die Beugung der Realität unübersehbar wird.

1.4.1 Die Forderungen der SED-Führung nach Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse auf dem Lande

Die historische Notwendigkeit der Schaffung sozialistischer Produktionsverhältnisse in der Landwirtschaft resultiert nach den Dogmen des Marxismus-Leninismus einerseits aus den Entwicklungsgesetzen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, andererseits aus den dem Sozialismus innewohnenden Gesetzmäßigkeiten. Demnach erfordert die Entwicklung der Produktivkräfte mit Notwendigkeit eine moderne Großproduktion. Dies gilt auch für den landwirtschaftlichen Bereich. Die gesellschaftliche Entwicklung drängt - Kanada, die USA und gegenwärtig die neuen Bundesländer belegen dies augenscheinlich - unumkehrbar zum landwirtschaftlichen Großbetrieb.

Nach Ansicht der Parteiführung verdeutlichte sich zu Beginn der fünfziger Jahre in der DDR, daß sich die bäuerlichen Einzelbetriebe nur noch begrenzt weiterentwickeln konnten.<343> Es sei unübersehbar, "daß in der einzelbäuerlichen Wirtschaftsweise die Möglichkeiten zur Erhöhung der Produktion und der Arbeitsproduktivität im wesentlichen erschöpft waren."<344> Aus dem Blickwinkel der Parteiführung bestand in den Dörfern der DDR folgende Situation:

Die meisten Bauernwirtschaften besäßen kaum nennenswerte Technik. Für jene Feldarbeiten, die einen hohen körperlichen Aufwand erforderten, ständen lediglich wenige einsatzfähige Maschinen zur Verfügung. Trotz umfassender Unterstützung der MAS bei der Bewältigung der Feldarbeiten sähen sich die meisten Klein- und Mittelbauernbetriebe gezwungen, ihre Tätigkeiten manuell zu verrichten. Im Jahre 1951 beispielsweise hätten die Bauern nicht mehr als 27 Prozent der Pflugarbeiten mit Traktoren durchgeführt und nur etwa zwei Prozent der Zuckerrüben mit Maschinen geborgen.<345> Die Fütterung und Wartung der relativ hohen Viehbestände der werktätigen Bauern überbeanspruche die Arbeitskraft vieler Landwirte, insbesondere die der Bäuerinnen. Da die Nutz- und Zuchttiere vorwiegend in kleinen Stallungen heranwuchsen, seien die Möglichkeiten erschöpft, die Produktionsleistungen in der


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Viehwirtschaft zu erhöhen. Eine Steigerung der Effektivität der Produktion könne unter diesen Umständen nicht erreicht werden.

Die Ergebnisse in der Pflanzenproduktion des Jahres 1951 würden die Grenzen des bäuerlichen Kleinbetriebes verdeutlichen. Die Hektarerträge der VEG lägen bei Zuckerrüben um 8,8 dt und bei Getreide um 3,3 dt höher als in den einzelbäuerlichen Betrieben.<346> Beim Festhalten an der bisherigen Zersplitterung der Felder erscheine eine Weiterentwicklung in der Feldwirtschaft fraglich. Es könne erst dann eine bedeutende Produktivitätssteigerung bei gleichzeitiger Erleichterung der anstrengenden Arbeiten auf den Feldern und in den Ställen erzielt werden, wenn moderne Technik und neue Formen der Arbeitsorganisation zur Anwendung gelangten.

Während die Industrie sich in beträchtlichem Tempo entwickelte, erreichte die Landwirtschaft nur geringfügige Fortschritte. Betrug der Zuwachs der industriellen Bruttoproduktion der Industrie der DDR von 1950 bis 1952 43 Prozent, so erhöhte er sich in der Landwirtschaft um nicht mehr als 17,2 Prozent.<347> Mit Ausnahme der Landwirtschaft besaß im Jahre 1952 in den übrigen Zweigen der Wirtschaft der sozialistische Sektor bereits ein Übergewicht.<348> Machte 1952 der Anteil der volkseigenen Industriebetriebe 80,5 Prozent der industrieellen Gesamtbruttoproduktion aus, erreichte der der volkseigenen Betriebe an der Gesamtbruttoproduktion der Landwirtschaft nicht mehr als 11,4 Prozent.<349> Die Wurzeln dieses Resultats würden in der aus objektiven und bedingt subjektiven Gründen<350> geringen Leistungsfähigkeit der einzelbäuerlichen Betriebe, die 93 Prozent der LN bewirtschafteten, fußen.<351>

Die deutlichen Differenzen in der Entwicklung der beiden Hauptzweige der Wirtschaft der DDR offenbarten nach Ansicht der Parteiführung den Widerspruch zwischen der sozialistischen Produktionsweise in der Industrie und der kleinen Warenproduktion in der Landwirtschaft. "Die unterschiedliche sozialökonomische Basis zwischen Industrie und Landwirtschaft führte zu wirtschaftlichen Disproportionen und wirkte sich ungünstig auf die Bündnisbeziehungen aus."<352> Ein weiteres Zurückbleiben der Landwirtschaft hinter der Industrie könne den Aufbau des Sozialismus verlangsamen und in gewissem Maße gefährden, weil dadurch besonders die Versorgung der städtischen Bevölkerung infrage gestellt würde.

Zunehmend würden die offenkundigen Widersprüche zwischen den Produktivkräften und dem Charakter der Produktionsverhältnisse in der Landwirtschaft die gesamtgesellschaftliche Entwicklung behindern. Sie bedürften dringend einer Lösung. Unstrittig gäbe es noch wirtschaftsstarke Bauern, die unter Mitarbeit von Familienmitgliedern und der Beschäftigung von Lohnarbeitern bei intensiver Ausnutzung der Arbeitszeit und einem langen Arbeitstag, ihre Produktion geringfügig zu steigern vermochten. Indes, die Grenzen der Leistungsfähigkeit der meisten einzelbäuerlichen Wirtschaften würden sich unübersehbar verdeutlichen.


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Um die Weiterentwicklung der DDR und ihre Stabilität nicht zu gefährden, bestand nach Auffassung der Parteispitze die dringliche Notwendigkeit, den ungenügenden Vergesellschaftungsgrad in der Landwirtschaft zu überwinden sowie die erweiterte planmäßige Reproduktion zur Sicherstellung der Nahrungsgüterproduktion zu gewährleisten. Da sich die Verstaatlichung der Einzelbauernwirtschaften aus politischen und wirtschaftlichen Erwägungen verbot, sah sie nur einen Ausweg zur Lösung der vielfältigen Widersprüche auf dem Lande: den der sozialistischen Umgestaltung unter Nutzung der genossenschaftlichen Produktionsform.

Ohne eine tiefgreifende Veränderung der Agrarstruktur konnte nicht zur angestrebten zentralistischen Planwirtschaft auf dem Lande, die kennzeichnend für einen Staat sozialistischer Prägung ist, übergegangen werden. Die Überleitung der Bauern von der auf Privateigentum basierenden Kleinfelderwirtschaft zur sozialistischen Großflächenwirtschaft ermöglichte die Leitung und Kontrolle der gesamten Landwirtschaft durch den Staat.

Das Überwiegen kleiner Flächen erschwerte laut Meinung der Parteiführung die rationelle Anwendung der Technik der MAS, verhinderte eine Verringerung der Produktionskosten der bäuerlichen Betriebe und gestaltete die Anwendung neuer agrarwissenschaftlicher Erkenntnisse schwierig. Die Arbeit in landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften hingegen ermögliche den umfassenden, rentablen Einsatz von landwirtschaftlichen Großmaschinen und anderem unabdingbarem landwirtschaftlichem Inventar unter Leitung von Agrarspezialisten. In den genossenschaftlichen Großbetrieben beständen die Bedingungen für die Durchsetzung arbeitserleichternder Methoden wie Arbeitsteilung, Kooperation und Spezialisierung, aber gleichfalls für eine ausgewogene, kostensparende Nutzung des Baugrunds, der Gebäude und natürlich der Kulturfächen. Diese günstigen objektiven Voraussetzungen sollten entsprechend den Vorstellungen der SED-Führung dazu beitragen, die Vorzüge der genossenschaftlichen Großraumwirtschaft gegenüber den einzeln wirtschaftenden Bauern zu demonstrieren. Die Überlegenheit des landwirtschaftlichen Großbetriebes führte sie weiter darauf zurück, daß er alle Möglichkeiten für die Anwendung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse im Produktionsprozeß und verbesserter Methoden der Arbeitsorganisation biete, die nur in einem größeren betrieblichen Rahmen zur Anwendung gelangen könnten.

Die Vorteile auf kommerzieller Ebene ergäben sich u. a. aus den Möglichkeiten, landwirtschaftliches Inventar in beträchtlicher Größenordnung - und damit billiger - käuflich erwerben zu können und dem Verkauf landwirtschaftlicher Produkte in größerem Umfang.

Die Parteiführung benannte ferner verschiedene politische Gründe, die aus ihrer Sicht den Aufbau des Sozialismus auf dem Lande zu einem dringlichen Erfordernis werden ließen. In den Jahren 1950/51 zeichnete sich bei strenger Überwachung der gestaffelten Pflichtablieferung, aber abgestuften Förderungsmaßnahmen, ein sozialer Differenzierungsprozeß unter der werktätigen Bauernschaft ab. Zur Sicherung des wachsenden Bevölkerungsbedarfs an Nahrungsmitteln und der erhöhten Nachfrage der Industrie an Rohstoffen glaubte die Parteiführung, der sich anbahnenden Differenzierung unter der werktätigen Bauernschaft Einhalt bieten zu müssen. Bauern mit hohen Einkünften drängten zur erweiterten Reproduktion, andere fielen zurück. Die Parteiführung argumentierte, die Herausbildung neuer Abhängigkeitsverhältnisse auf dem Lande hätte die "... wichtigste gesellschaftliche Grundlage der DDR, das Bündnis mit der Arbeiterklasse und den werktätigen Bauern nicht nur gefährdet, sondern auch zu


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antagonistischen Widersprüchen zwischen den in anderen Zweigen der Volkswirtschaft schon bestehenden sozialistischen Produktionsverhältnissen und der Landwirtschaft geführt."<353> Vielmehr gelte es, die Bestrebungen aller "echten" Bauern um Ausweitung ihrer Produktion so zu lenken, daß ihre materiellen Interessen befriedigt würden. Zugleich wäre es von äußerster Wichtigkeit, das Entstehen eines sozialen Gefälles zwischen den einzelnen Bauernwirtschaften zu unterbinden. Es müsse eine Form der Organisation der landwirtschaftlichen Produktion gefunden werden, die einen von Hemmnissen freien Aufschwung der Landwirtschaft im Sinne der gesamten Bauernschaft gewährleiste. Nach Meinung der SED-Führung würde die Bildung von landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften der absoluten Mehrheit der Bauern den Weg zur Verwirklichung ihrer Interessen weisen.

Unbeschadet der Tatsache, daß aufgrund verschiedener Repressivmaßnahmen eine beträchtliche Anzahl von Großbauern ihre Wirtschaften aufgegeben hatte, bewirtschafteten im Jahre 1951 noch 46 569 großbäuerliche Betriebe<354> immerhin 23,9 Prozent der LN der DDR.<355> Vom privaten großbäuerlichen Eigentum an Produktionsmitteln gingen nach Einschätzung der SED-Führung ebenso wie von den klein- und mittelbäuerlichen Wirtschaften Störungen aus. Sie würden sich nicht nur nachteilig auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung auswirken, sondern auch eine "... potentielle Quelle für die Restauration kapitalistischer Produktionsverhältnisse" bilden.<356> Nach dem Selbstverständnis der SED-Führung war die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft der DDR historisch notwendig, "um die Macht der Arbeiter und Bauern zu festigen, die Ausbeutung und Unterdrückung auf dem Lande vollständig zu überwinden, ... und die werktätige Bauernschaft zu einer sozialistischen Klasse zu formieren."<357> Eine derartig elementare Wandlung der gesellschaftlichen Verhältnisse könne beim Fortbestehen einzelbäuerlicher Wirtschaften nicht gelingen.

Einen äußerst bedeutsamen Grund für die Vergenossenschaftlichung der Landwirtschaft verschwieg die Parteiführung geflissentlich. Er darf nicht unerwähnt bleiben. Die sowjetische Führung erkannte im Frühjahr 1952, Deutschland nicht unter sozialistischen Vorzeichen vereinigen zu können. Nunmehr drängte sie darauf, die Grundlagen des Sozialismus in einem Teil Deutschlands zu errichten.<358>

Der Parteiführung zufolge erforderten nach den Maximen des Sozialismus verschiedene soziale Gesichtspunkte die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft. Nur durch neuerliche, einschneidende Veränderungen der Agrarstruktur bestände die Aussicht, den historisch bedingten Rückstand des Dorfes gegenüber der Stadt zu überwinden, das Kultur- und Bildungsniveau der Landbewohner zu verbessern und das langfristige Ziel der Parteiführung, die gesamte Lebensweise der Bauern auf sozialistische Weise umzugestalten, zu erreichen.


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1.4.2 Voraussetzungen für den Aufbau des Sozialismus in der Landwirtschaft

Ohne Zweifel ließen die politischen Machtverhältnisse in der DDR Anfang der fünfziger Jahre die Durchsetzung der gesellschaftlichen Zielsetzungen der Parteiführung mit Unterstützung der UdSSR zu, ohne auf nennenswerten organisierten politischen Widerstand zu stoßen. Die Transformation des Parteiensystems galt Mitte 1952 als fast abgeschlossen, die von der SED beherrschten Staatsorgane waren so strukturiert, daß sich eine politische Opposition kaum noch zu artikulieren und schon gar nicht dauerhaft zu formieren vermochte.

Wie sah es zum damaligen Zeitpunkt mit den ökonomischen Voraussetzungen für eine sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft aus? Diese setzte das Vorhandensein einer leistungsfähigen volkseigenen Industrie als Garant zur Schaffung der materiell-technischen Grundlagen für die genossenschaftliche Großproduktion voraus. Von ihrem Entwicklungsstand hingen in besonderem Maße Niveau und Umfang der technischen Ausrüstung der Landwirtschaft ab. Menge und Qualität der von ihr gelieferten technischen Produktionsmittel wirkten bestimmend auf die Art und Weise der Betriebsorganisation, ja auf die landwirtschaftliche Struktur als Ganzes. Mit anderen Worten: Ohne eine leistungsfähige Schwerindustrie war eine effizient wirtschaftende Landwirtschaft undenkbar. Laut DDR-internen Erhebungen überbot die Industrie die Vorhaben des Zweijahrplans beträchtlich. Das bedeutete eine erhebliche Stärkung des volkseigenen Sektors der Wirtschaft; die Daten seien nicht angezweifelt. Durch den Aufbau einer eigenen metallurgischen Basis und des Schwermaschinenbaus gelang es der DDR der SED-Apologetik zufolge, mit Unterstützung der Sowjetunion und der RGW-Staaten, die in ihrer Wirtschaft durch die Spaltung Deutschlands hervorgerufenen Disproportionen allmählich zu beheben.

Die Errichtung einer tragfähigen Grundstoffindustrie sollte das Fundament für die im Aufbau begriffene Landmaschinen-und Traktorenindustrie bilden. Diese lieferte im Jahre 1950 den MAS und VEG 5 170 Traktoren und Landmaschinen mit einem Gesamtwert von 64,4 Millionen Mark.<359> Durch die Weiterentwicklung der materiell-technischen Basis der MAS und ihre allmähliche Umwandlung in Volkseigentum mit Beginn des Jahres 1951 entstanden günstigere Bedingungen für die Unterstützung der Klein- und Mittelbauern bei der Bewältigung ihrer Produktionsaufgaben.

Eine eigene metallurgische Basis entstand in der DDR aber erst in den ersten fünfziger Jahren. Im Jahre 1951 erfolgte im heutigen Eisenhüttenstadt der Auftakt für den Bau des Eisenhüttenkombinats Ost, zum gleichen Zeitpunkt wurde das Hüttenwerk West in Calbe an der Saale errichtet.

Aus einem Bündel von komplexen Gründen, zu denen auch die Berücksichtigung der Erfordernisse der Landwirtschaft gehörte, zog die Parteiführung "... wichtige Vorhaben der Schwerindustrie auf das Jahr 1952 vor."<360> Bereits im gleichen Jahr zeigten sich positive Auswirkungen für die MAS. Übertraf der Traktorenpark der Großbauern im Jahre 1949 noch um etwa 30 Prozent den Bestand der in den MAS vorhandenen Traktoren, so wiesen die Stationen im Jahre 1952 unstrittig die Überzahl an Traktoren,


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Maschinen, Gerätschaften und LKW aus.<361> Diese reichten jedoch bei weitem nicht zur Deckung des Bedarfs.

Hinderlich für die Absicherung der materiell-technischen Basis der Landwirtschaft wirkte sich aus, daß sich die großen Schwermaschinenbaubetriebe<362> noch in sowjetischer Hand befanden und nur für die UdSSR produzierten und die DDR-Betriebe zu Beginn der LPG-Bildung weder schwere Traktoren noch Mähdrescher herstellten. Die UdSSR konnte beides nur in sehr begrenztem Umfang liefern.<363> Mithin waren die ökonomischen Voraussetzungen für den Aufbau des Sozialismus auf dem Lande bei unbeschönigter Betrachtungsweise nicht die günstigsten.

In einigen Dörfern mit mehrheitlicher Einwohnerschaft aus Neubauern und Landarbeitern schlossen sich längst vor dem Jahre 1952 ökonomisch schwache Neu- und Kleinbauern sowie Landarbeiter zu Formen genossenschaftlicher Bodenbearbeitung zusammen. Derartige Vereinigungen fanden vorerst keine staatliche Unterstützung. Nach Meinung der Parteiführung erfolgte damals der Übergang zum gemeinschaftlichen Wirtschaften zu früh, weil die notwendigen ideologischen und ökonomischen Bedingungen für den freiwilligen Übergang der Bauern zur sozialistischen Produktionsweise nicht einmal bedingt gegeben waren.

Die offizielle Geschichtsschreibung der DDR vertrat den Standpunkt, daß in der DDR Anfang der fünfziger Jahre die Voraussetzungen für die Bildung von landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften nicht nur auf ökonomischer, sondern auch auf ideologischer und auf geistig-kultureller Ebene heranreiften. Laut SED-Propaganda wären damals vielen Bauern durch die Arbeit der MAS die Grenzen ihres einzelbäuerlichen Betriebes und die Vorteile der gemeinschaftlichen Arbeit immer mehr zu Bewußtsein gekommen. Diese Feststellung entsprach schlechtweg der Unwahrheit.

MAS, VEG und VEAB hätten es laut SED-Apologetik der Parteiführung ermöglicht, noch vor Beginn der Umwälzungen auf dem Lande, "wesentliche Prinzipien des Leninschen Genossenschaftsplanes unter den Bedingungen der einfachen Warenproduktion zu verwirklichen."<364>

Die Gliederungen der VdgB (BHG) waren bestrebt, durch die Gestaltung mannigfaltiger, einfacher neuer Organisationsformen der Arbeit den Bauern ihr Tagewerk zu erleichtern. So hatten sich in den letzten Jahren auf Initiative der VdgB (BHG), vielfältige Formen der Gemeinschaftsarbeit herausgebildet. U. a. entstanden solche Vereinigungen wie Drusch-, Hüte- und Viehzuchtgemeinschaften sowie Gemeinschaften zur Schädlingsbekämpfung. Von Partei und staatlichen Vereinigungen gefördert, bestanden im Jahre 1951 bereits 10 057 AG, die 334 942 Mitglieder zählten.<365> In allen Teilen der DDR waren mehrere tausend "Mitschurinzirkel"<366> und hunderte von Klubs "Junger Agronomen" gebildet


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worden. Sie vermittelten "gestandenen" Bauern, mehr noch dem landwirtschaftlichen Nachwuchs neue theoretische und praktische Erkenntnisse auf verschiedenen landwirtschaftlichen Gebieten unter Beachtung ihrer Interessen und der produktionstechnischen Erfordernisse. Durch ihren bestimmenden Einfluß in den AG, Zirkeln und Klubs versuchte die VdgB (BHG) Denkweise und Handeln der Bauern in die von der Parteiführung gewünschte Richtung zu lenken

Für die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft bestanden Anfang der fünfziger Jahre im Osten Deutschlands nicht nur DDR-Ideologen zufolge relativ gute Voraussetzungen. Auch ein Agrarhistoriker aus den alten Bundesländern griff rund zwei Jahrzehnte danach - damals noch am Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn, später ein anerkannter, aber nicht unumstrittener Experte - die offizielle DDR-Version von den angeblich gegebenen Bedingungen für den sozialistischen Aufbau in den Dörfern auf. Er gelangte in den frühen siebziger Jahren zu der bemerkenswerten Einschätzung, die "Voraussetzungen für eine Kollektivierung der Landwirtschaft waren gegeben"<367>, da der Staat über "... alle Mittel der zentralen Planung und Lenkung des landwirtschaftlichen Produktionsprozesses" verfügte.<368> Offenbar verabsäumte er es, den damaligen Entwicklungsstand der Industrie exakt zu analysieren.

Die ungetünchte Wirklichkeit ergab ein weniger optimistisches Bild als das von der Parteiführung und den SED-Ideologen vorgezeichnete. Die Demontage von Betrieben des Landmaschinenbaus zum Zwecke der Erfüllung von Reparationen erschwerte den Aufbau einer leistungsfähigen Landmaschinenbauindustrie. Von einem entwickelten Landmaschinenbau - leichte Fortschritte seien zugestanden - konnte zu jenem Zeitpunkt nicht gesprochen werden. Wahr ist, die Produktionsleistungen der Landmaschinenbauindustrie in den frühen fünfziger Jahren sind als zu gering für ein dermaßen schwieriges Unterfangen anzusehen, wie es die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft nun einmal darstellte.

Im einzelnen mangelte es in der Landwirtschaft besonders an Grasmähern, Mähbindern und Strohpressen. Aufgrund der Standortverteilung wurden sie auch vor dem Zweiten Weltkrieg im Osten Deutschlands kaum hergestellt. Die Defizite konnten über lange Jahre nicht ausgeglichen werden. Als überaus schwierig gestaltete sich die Deckung des Ersatzteilbedarfs. Die laufende Produktion gewährleistete nicht einmal die Auswechslung der verschlissenen Teile der alten Technik. Einen raschen Aufschwung des Landmaschinenbaus verhinderten weiter der Mangel und die verminderte Qualität der verfügbaren Rohstoffe sowie unausgereifte Fertigungstechnologien, die die Industrie ungeprüft von der Sowjetunion übernahm und schematisch auf ostdeutsche Verhältnisse übertrug. Havarien häuften sich als Folge dessen und unterbrachen die Arbeitsprozesse. Bei Prüfung aller relevanten Faktoren muß eingeschätzt werden, daß für die Mechanisierung der Landwirtschaft als einer grundlegenden Voraussetzung für das Erbringen des Beweises der Überlegenheit der genossenschaftlichen Produktion gegenüber der individuell betriebenen Landwirtschaft unzureichende Ausgangsbedingungen bestanden. Der Ausweg, fehlende Produktionsmittel aus dem Ausland einzuführen, blieb versperrt. In den sozialistischen "Bruderländern" bestanden ähnliche Schwierigkeiten und für Importe aus westlichen Staaten fehlten die Devisen.<369> In diesem Zusammenhang sei beachtet, daß zu Beginn des


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Umgestaltungsprozesses auf dem Lande die LPG offiziell keinerlei neue Technik erwerben konnten.<370> Sie blieben damit weitgehend von der maschinellen Bestückung und der Leistungsbereitschaft der für sie zuständigen MAS/MTS abhängig.

Die im Aufbau begriffene chemische Industrie vermochte trotz gegenteiliger Behauptungen noch längst nicht, den Mineraldüngerbedarf der Landwirtschaft zu decken.

Für die angestrebten Ziele in der Viehwirtschaft fehlten vorab die erforderlichen Bedingungen. Es mangelte an Ställen und Gebäuden. Die vorhandenen befanden sich in veraltetem, oftmals verkommenem Zustand. So blieb eine gemeinsame Viehhaltung im Anfangsstadium der LPG-Bildung zumeist nur Zukunftshoffnung.

Als eine andere schwere Unzulänglichkeit gesellte sich das Fehlen an gutausgebildeten landwirtschaftlichen Fachkräften hinzu. In den ersten Jahren des Umbruchs auf dem Lande besaß die DDR-Landwirtschaft eindeutig zu wenig hochqualifizierte Arbeitskräfte. Das betraf Ackerbau und Viehzucht in gleichem Maße. So bestanden von vornherein nur eingeschränkte Voraussetzungen für einen geordneten Arbeitsablauf und eine fundierte Arbeitsorganisation. Erst im Verlaufe der Umgestaltungen entstand das dringend benötigte Netz an Hoch- und Fachschulen, an denen die Ausbildung von Landwirtschaftsspezialisten erfolgte. Da die landwirtschaftliche Berufsausbildung erst nach Beginn der LPG-Bildung gezielt einsetzte, wiesen z. B. über längere Zeit die meisten Traktoristen der MTS keinen Berufsabschluß nach. Die einsetzende Fluktuation von Landbewohnern in die Stadt tat das Ihrige.

Kulturelle Zentren auf dem Lande, wie etwa Kulturhäuser, deren von der SED verordnete Aufgabe darin bestand, die Mentalität der Bauern "umzumodeln", sie aus ihrer geistigen Enge und Isoliertheit herauszulösen, fanden sich vorerst nur vereinzelt.

Letztlich überbewertete die Parteiführung - bewußt? - die Bereitschaft der Bauern, sich in LPG zu vereinigen. Selbst stetige agitatorische Arbeit führte bei nur relativ wenigen Bauern zur "verinnerlichten" Überzeugung, daß das gemeinsame Wirtschaften in landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in ihrem ureigensten Interesse läge.

Unter den Historikern der DDR hat es mit Sicherheit längst vor der politischen "Wende" im Jahre 1989 latente Zweifel am Vorhandensein der objektiven Voraussetzungen für dermaßen einschneidende Veränderungen der Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur der DDR gegeben, wie sie die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft darstellte. Insofern die Betreffenden nicht das Risiko eingingen, ihre berufliche Existenz zu opfern oder gar eine Haftstrafe in Kauf zu nehmen, bestand damals keine Gelegenheit, sich öffentlich zu diesem Problem zu äußern. Selbst nach dem Ende der DDR erschienen hierzu weder kurze Stellungnahmen noch Monografien. In persönlichen Gesprächen brachten ehemals führende DDR-Historiker und Journalisten<371> unmißverständlich zum Ausdruck, daß zumindest die objektiven Bedingungen für dieses komplizierte Vorhaben nicht vorhanden waren. Auf einen Nenner gebracht begründeten sie ihre Ansicht dahingehend, daß es der Industrie noch an Ausdehnung und


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Potential gefehlt hätte und angesichts ihrer geringen Möglichkeiten die Unterstützung der UdSSR nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein gewesen wäre. Auch seien nur relativ wenige Einzelbauern bereit gewesen, ihre individuelle Wirtschaftsführung aufzugeben.

1.5 Die Auffassungen der Klassiker des "Marxismus-Leninismus" zur sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft

Die Agrarpolitik der DDR prägten in ihren Entwicklungsetappen vordergründig - aber nicht in der praktischen Umsetzung! - die Anschauungen von Marx, Engels und Lenin. Sie räumten der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft bei der Errichtung der sozialistischen Gesellschaftsordnung hervorragende Bedeutung ein und wiesen Wege, Methoden und Mittel zu ihrer Durchführung.<372> Ihrer Realisierung wurde für jene Länder, die sich anschickten den Sozialismus aufzubauen, größte Bedeutung beigemessen.

Als Schöpfer der Lehre von der Überleitung der kleinen und mittleren Bauernwirtschaften in landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften gelten Marx, Engels und Lenin. Ein Blick auf ihre Lehren ist unerläßlich für das Verständnis der Veränderungen der gesamten ländlichen Struktur während der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft der DDR

Die agrartheoretischen Anschauungen der "Klassiker" haben bald nach ihrer Veröffentlichung zu Kontroversen geführt. In deren Mittelpunkt standen die Perspektive der kleinbäuerlichen Wirtschaften in einem privatwirtschaftlichen System und die Funktions- und Leistungsfähigkeit landwirtschaftlicher Großbetriebe unter sozialistischen Bedingungen.<373> Freilich unterschieden sich die Reaktionen auf Marx und Engels, deren Ansichten in einer anderen historischen Epoche entstanden waren, von denen auf Lenin. Bereits in der Zeit seiner Machtausübung gehörte die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft in Sowjetrußland zu den dringendsten Vorhaben der Kommunistischen Partei.<374>

Zentrales Problem der agrarpolitischen Anschauungen der "Klassiker" ist die bäuerliche Eigentumsfrage, zu der Marx, Engels und Lenin unterschiedliche Standpunkte einnahmen. Zwischen ihnen bestand Übereinkunft, daß sich eine Enteignung der kleinen und mittleren Bauernwirtschaften verbot. Ihre Ansicht bestimmten nicht ausschließlich taktische Gründe, sondern ebenso die Beachtung der objektiv bestehenden Differenzierung zwischen dem kapitalistischen Großeigentum und dem Eigentum der kleinen Warenproduzenten.

Der Rückgriff der SED-Führung auf die Klassiker erfolgte weitgehend aus apologetischen Erwägungen. Sie zitierte aus deren Werken das, was ihr in der jeweiligen Situation als angebracht und für die Durchsetzung ihrer Politik am geeignetsten erschien. Nicht selten benutzte sie die Klassiker zur


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Vertuschung eigener Fehler.

1.5.1 Die Ansichten von Marx und Engels zu landwirtschaftlichen Genossenschaften

Den Kern der Marxschen Wirtschaftsanalyse, die auch für die Landwirtschaft galt und mit der die sozialistische Agrarpolitik begründet wurde, bildete die Ansicht von der Überlegenheit des Großbetriebes gegenüber dem Kleinbetrieb (Gesetz der Konzentration).<375> Unbeschadet des Zusammenbruchs der Warschauer Paktstaaten bestätigte die historische Entwicklung langfristig die Realitätsnähe der Marxschen Vorstellungen, “daß sich nämlich früher oder später das Gesetz der Konzentration und der Zentralisierung auch in der Landwirtschaft geltend macht."<376> Von geringfügigen Abweichungen abgesehen, trifft diese Feststellung auf alle entwickelten Länder der Erde zu.

“Das Parzelleneigentum“, so begründete Marx die Notwendigkeit des Übergangs zur landwirtschaftlichen Großproduktion, “schließt seiner Natur nach aus: Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte der Arbeit, gesellschaftliche Formen der Arbeit, gesellschaftliche Konzentration der Kapitale, Viehzucht auf großem Maßstab, progressive Anwendung der Wissenschaft."<377>

Marx neigte zunächst dazu, die Eigentumsfrage in der Landwirtschaft ebenso zu betrachten wie die der Industrie. Er ging in seinen Überlegungen davon aus, daß ihr in diesem Wirtschaftszweig nicht uneingeschränkt zentrale Bedeutung innerhalb der Agrartheorie beizumessen wäre und daß bei der Lösung dieser Frage von vornherein der Landwirtschaft Konzessionen eingeräumt werden müßten. "Die Zukunft wird entscheiden, daß der Boden nationales Eigentum sein kann. Das Land an assoziierte Landarbeiter zu übergeben würde heißen, die ganze Gesellschaft einer Klasse von besonderen Produzenten auszuliefern. Die Nationalisierung des Grund und Bodens wird eine vollkommene Änderung in den Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit mit sich bringen und schließlich die gesamte kapitalistische Produktion beseitigen sowohl in der Industrie wie in der Landwirtschaft."<378>

Die Durchsetzung sozialistischer Produktionsverhältnisse in der Landwirtschaft konnte nach Marx' ursprünglichen Ansichten nur über eine Enteignung der bäuerlichen Produzenten und später generelle Verstaatlichung erreicht werden. Mit der Erkenntnis der Gefahr, die nach der Machtergreifung des Proletariats der Weiterführung der sozialistischen Revolution in dem Falle drohte, daß sich die Klein- und Mittelbauern den Veränderungen verweigerten, wandelte sich seine Meinung: "... das Proletariat ... muß als Regierung Maßregeln ergreifen, wodurch der Bauer seine Lage unmittelbar verbessert findet, die ihn also für die Revolution gewinnen; Maßregeln, die aber im Keim den Übergang aus dem Privateigentum am Boden in Kollektiveigentum erleichtern, so daß der Bauer von selbst ökonomisch darauf kommt; es darf aber den Bauern nicht vor den Kopf stoßen ..."<379>


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Während Marx die politischen Erfordernisse und die Methoden zur Überführung des bäuerlichen Eigentums in genossenschaftliches nur mit Einschränkungen abhandelte, widmete sich Engels diesen Fragen ausgiebig. Unter Zugrundelegen der von Marx entwickelten Konzentrations- und Verelendungstheorie sagte Engels den nicht abzuwendenden Untergang der kleinen Bauernwirtschaften voraus. Engels und später Lenin, erkannten aber: Eine immens große Zahl individuell wirtschaftender kleiner Bauernbetriebe kann man nicht enteignen, wenn man die Bauern für die sozialistische Revolution gewinnen will. Andererseits besitze der bäuerliche Kleinbetrieb mit seiner veralteten, die Fortentwicklung der Produktivkräfte hemmenden, sozialökonomischen Struktur im Sozialismus keine Perspektive.<380> Er zog daraus den Schluß: "Unsere Aufgabe gegenüber dem Kleinbauern besteht zunächst darin, seinen Privatbetrieb und Privatbesitz in einen genossenschaftlichen überzuleiten, nicht mit Gewalt, sondern durch Beispiel und Darbietung von gesellschaftlicher Hilfe zu diesem Zweck."<381> Lenin folgerte weiter: "Sehen diese Bauern die Unvermeidlichkeit des Unterganges ihrer Produktionsweise ein, ziehen sie die notwendigen Konsequenzen daraus, so kommen sie zu uns, und es wird unseres Amtes sein, auch ihnen den Übergang in die veränderte Produktionsweise nach Kräften zu erleichtern."<382> Den Ausweg aus der Konfliktksituation, in der sich diese Bauern befanden, sahen Marx und Engels im Zusammenschluß der kleinen Einzelbauernbetriebe zu Genossenschaften mit allmählicher Herausbildung einer landwirtschaftlichen Großproduktion. Engels ging davon aus, daß die Vorbildwirkung der Ackerbaugenossenschaften selbst die letzten Parzellenbauern und eine Reihe von Großbauern von den Vorteilen des gemeinsamen Wirtschaftens überzeugen würde. Einschränkend wies er daraufhin, die individuellen Betriebe "zunächst" in genossenschaftliche umzuwandeln. Daraus läßt sich ableiten, daß er das genossenschaftliche Kollektiveigentum als Übergangsform betrachtete.

Was die Großbauern betraf, so sah Engels den Widerstand voraus, den diese aufgrund ihrer sozialökonomischen Stellung der Errichtung des Sozialismus entgegensetzen würden. Dennoch empfahl er, sie nicht zu enteignen. Er hoffte vielmehr, “daß die ökonomische Entwicklung auch diese härteren Schädel der Vernunft zugänglich machen wird.“<383> Seine Problemsicht deckte sich mit der Lenins, der darauf hinwies, die Stellung der proletarischen Staatsmacht zu den Großbauern würde von deren Verhalten gegenüber den Veränderungen der Agrarstruktur in Richtung Sozialismus abhängen.

Gestützt auf die Marxsche Theorie der industriellen Produktion im landwirtschaftlichen Großbetrieb haben Engels und später Lenin Überlegungen für solche Formen der Organisation der Produktio n entwickelt, die einen Aufschwung der Produktivkräfte in der Landwirtschaft ermöglichen sollten. Für das genossenschaftliche Eigentum galten die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften als die einer sozialistisch betriebenen Landwirtschaft gemäße Betriebsform.


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1.5.2 Der Leninsche Genossenschaftsplan

Nach Analyse der neuen historischen Bedingungen und den politisch-strategischen Erfordernissen der kleinbäuerlichen ländlichen Struktur Rußlands erarbeitete Lenin Prinzipien für die "sozialistische Umgestaltung" der Landwirtschaft. In mehreren Arbeiten legte Lenin seine Ansichten zur Überleitung der kleinen und mittleren Bauernwirtschaften in landwirtschaftliche Genossenschaften dar. Lenins Abhandlungen galten als theoretische und praktische Grundlage der "sozialistischen Umgestaltung" auf dem Lande. Aus machtpolitischen Erwägungen wurden später unter Stalin Lenins Anschauungen als "Leninscher Genossenschaftsplan" propagiert. Unter dieser Bezeichnung fand er Eingang in die marxistische Literatur und wurde von "bürgerlichen" Autoren ebenfalls unter diesem Terminus übernommen.

Die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft unter Einbeziehung des größten Teils der Bauern betrachtete Lenin als die schwierigste und zugleich komplizierteste Aufgabe der sozialistischen Revolution nach der Machtergreifung des Proletariats.<384> Der Bildung von Genossenschaften maß er Bedeutung bei "erstens von der prinzipiellen Seite her gesehen (Das Eigentum an Produktionsmitteln in den Händen des Staates), zweitens unter dem Gesichtspunkt des Übergangs zu neuen Zuständen auf einem Wege, der möglichst einfach, leicht und zugänglich für den Bauern ist."<385>

Die inhaltlichen Forderungen des Leninschen Genossenschaftsplanes zielten auf:

Das Wesen der sozialistischen Umgestaltung auf dem Lande bestand nach Lenin in der Umwandlung der zersplitterten kleinen Einzelbauernwirtschaften über die Genossenschaften in große, auf der Grundlage der modernen Technik produzierende landwirtschaftliche Betriebe sozialistischen Charakters. Am Ende eines langwierigen Transformationsprozesses sollte dann zwischen dem genossenschaftlich-sozialistischen Eigentum und der angeblich höchsten Eigentumsform, dem staatlich-sozialistischen Eigentum, kein wesentlicher Unterschied mehr bestehen. Somit wäre die Eigentumsfrage durch die Schaffung von zwei Eigentumsformen geregelt und Bedingungen entstanden, auch andere wesentliche Elemente<387> gemäß den Erfordernissen einer sozialistisch betriebenen Landwirtschaft zu lösen.


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Die Genossenschaften betrachtete Lenin als den günstigsten Weg, um die einfachen Warenproduzenten, also die klein- und mittelbäuerlichen Betriebe, in den sozialistischen Aufbau einzubeziehen, die Produktivität der Landwirtschaft zu heben und das ökonomische Fundament des Sozialismus auf dem Lande zu errichten. "Kommunen, artelmäßige Bodenbestellung, bäuerliche Genossenschaften - das ist die Rettung aus den Nachteilen des Kleinbetriebes."<388> Die Gründe, die für den landwirtschaftlichen Großbetrieb sprachen, faßte Lenin folgendermaßen zusammen: “Die Überlegenheit des landwirtschaftlichen Großbetriebes besteht nicht nur in geringerem Verlust an Kulturfläche, in Einsparungen an lebendem und totem Inventar, in voller Ausnutzung des Inventars, in der größeren Möglichkeit, Maschinen anzuwenden, und in der leichteren Kreditbeschaffung, sondern auch in der kommerziellen Überlegenheit des Großbetriebes und in der Verwendung wissenschaftlich geschulter Leiter. Der landwirtschaftliche Großbetrieb bedient sich in höherem Maße der Kooperation der Arbeiter und der Arbeitsteilung.“<389> Das Marxsche Argument, durch die Bildung von Genossenschaften auf dem Lande könne sich eine besondere Klasse von Produzenten herausbilden, versuchte Lenin zu entkräften: "In der bei uns bestehenden Gesellschaftsordnung unterscheiden sich die genossenschaftlichen Betriebe von den privatkapitalistischen als kollektive Betriebe, aber sie unterscheiden sich nicht von sozialistischen Betrieben, wenn sie auf dem Grund und Boden errichtet und mit Produktionsmitteln ausgerüstet sind, die dem Staat, d. h. der Arbeiterklasse gehören."<390> Auch würden gerade die Genossenschaften ein maßvolles Vorgehen beim Aufbau des Sozialismus auf dem Lande unter Beachtung der unterschiedlichen Gegebenheiten in den Dörfern gewährleisten.

Für die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft müßten nach Lenin grundlegende Bedingungen vorhanden sein:

Nur bei Vorhandensein dieser Voraussetzungen sei die Entwicklung der Genossenschaften auf dem Lande zu echten sozialistischen Großbetrieben möglich.

Als außerordentlich wichtig für die Errichtung des Sozialismus auf dem Lande betrachtete Lenin die optimale Gestaltung der Bündnisbeziehungen zwischen der Arbeiterklasse und der werktätigen Bauernschaft in den verschiedenen Phasen des sozialistischen und kommunistischen Aufbaus. Ohne das Bündnis der Arbeiterklasse mit den werktätigen Bauern ist nach Lenin "... die Demokratie nicht von Dauer


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und die sozialistische Umgestaltung unmöglich."<391>

In seiner Abhandlung "Über das Genossenschaftswesen" verwies Lenin darauf, daß - wenn die Arbeiterklasse die Macht im Staate besäße und die wichtigsten Produktionsmittel in Volkseigentum überführt seien - sich Wesen und Funktion der Genossenschaften veränderten, sie sozialistischen Charakter erhielten. Ein "... System zivilisierter Genossenschaften bei gesellschaftlichem Eigentum an Produktionsmitteln, beim Klassensieg des Proletariats über die Bourgeoisie - das ist das System des Sozialismus."<392>

Lenin arbeitete in seinen Abhandlungen zum Genossenschaftsplan für Sowjetrußland mehrere Prinzipien für die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft heraus, die sich wie folgt zusammenfassen lassen:

Als Grundprinzip betrachtete Lenin die Leitung des sozialistischen Aufbaus in den Dörfern durch die Arbeiterklasse und ihre Partei. Um ihrer Rolle als gesellschaftlich führende Kraft gerecht zu werden, müsse die Arbeiterklasse umfassende agitatorische und organisatorische Arbeit unter der werktätigen Bauernschaft leisten. Durch die Entsendung von Industriearbeitern auf das Land habe sie den Umgestaltungsprozeß unterstützen. Besonders gelte es dabei, auf den Abbau der Kleineigentümermentalität und die Herausbildung neuer zwischenmenschlicher Beziehungen zu achten.


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Die führende Rolle im Bündnis kam nach Lenin aus objektiven Gründen der Arbeiterklasse zu. Sie führe und unterstütze die werktätige Bauernschaft, der es auf Grund ihrer engen Bindung an das Kleineigentum, der Zersplitterung ihrer Produktion und dem Fehlen einer eigenen revolutionären Theorie unmöglich sei, selbständig zum Sozialismus zu gelangen.

Besondere Bedeutung maß Lenin, wie vor ihm bereits Engels, dem Prinzip der Freiwilligkeit bei. Engels schrieb dazu in "Die Bauernfrage in Frankreich und Deutschland", daß die Aufgabe der Sozialisten gegenüber den Kleinbauern nach Erringung der Macht darin bestehe, seinen Privatbesitz ohne Anwendung von Zwang, vielmehr durch Hilfe und Unterstützung, in einen genossenschaftlichen Betrieb umzuwandeln.<398> Lenin warnte wie Engels davor, die werktätigen

Bauern zum Eintritt in landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften zu zwingen. Erst wenn vorbildliche, erfolgreiche Genossenschaften beständen und somit die Bauern ein praktisches Beispiel des Wirkens von Genossenschaften vor Augen hätten, könne unter Wahrung des Prinzips der Freiwilligkeit, allmählich zum genossenschaftlichen Zusammenschluß der individuell wirtschaftenden Bauern übergegangen werden. Er mahnte, daß nur die von den Bauern aus freiem Willen gebildeten Genossenschaften für die weitere Entwicklung wertvoll seien.<399> Zu hastiges Vorgehen bei der Überleitung der werktätigen Bauern in Genossenschaften wäre unzweckmäßig und würde besonders bei den Mittelbauern Vorurteile gegen jegliche Veränderungen hervorrufen. Die entschiedene Wahrung des Prinzips der Freiwilligkeit hieße nicht, die Entwicklung auf dem Lande der Spontanität und dem Selbstlauf zu überlassen. Beharrlich und zielstrebig müßten die Arbeiterklasse und ihre Partei sowie die gesellschaftlichen Organisationen politisch-ideologische Überzeugungsarbeit unter der werktätigen Bauernschaft leisten, das Zusammenwirken mit ihr enger gestalten, um sie für den genossenschaftlichen Zusammenschluß zu gewinnen.

Ferner wies Lenin darauf hin, daß ohne die umfassende Hilfe für die werktätige Bauernschaft bei der Bildung von Genossenschaften durch den Staat die sozialistische Umgestaltung auf dem Lande nicht zu verwirklichen sei. Mit vielfältigen ökonomischen und finanziellen Vergünstigungen müsse der Staat die Genossenschaften auf dem Lande unterstützen.<400> Diese Unabdingbarkeit der Hilfeleistung für das ländliche Genossenschaftswesen unterstrich Lenin als er betonte, daß jede Gesellschaftsordnung für ihre Entstehung der finanziellen Unterstützung durch eine Klasse bedürfe.<401> So erfordere die landwirtschaftliche Großproduktion die Schaffung einer leistungsfähigen Schwerindustrie, um die Ausrüstung der neugegründeten Genossenschaften mit modernen Landmaschinen,Traktoren und Düngemitteln sicherzustellen. Bereits die gemeinsame Nutzung des landwirtschaftlichen Inventars räumte Lenin ein, könne zu einer Steigerung der Produktivität der Landwirtschaft führen. Er relativierte seine Auffassung mit der Feststellung, daß der bäuerliche Kleineigentümer sich nur dann für die kollektivbetriebene Landwirtschaft entscheiden würde, wenn er sich in der gesellschaftlichen Praxis von


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deren Vorteilen überzeugt hätte. "Diese Frage in bezug auf den kleinen Landwirt lösen, sozusagen seine ganze Mentalität gesunden lassen, kann nur die materielle Basis, die Technik, die massenhafte Verwendung von Traktoren und Maschinen in der Landwirtschaft, die weitgehende Elektrifizierung. Das würde den kleinen Landwirt von Grund auf und mit enormer Geschwindigkeit ummodeln", erklärte er in einem Referat im März 1921.<402>

Der Übergang zur genossenschaftlichen Produktion sollte nach Ansicht Lenins unter Beachtung größter Mannigfaltigkeit der Formen und der unterschiedlichen Entwicklungsbedingungen nicht überhastet vollzogen werden, sondern stufenweise, allmählich, von niederen zu höheren Formen der Genossenschaften.<403> Zu Beginn der Umwälzungen auf dem Lande hieß es, einfache Formen der Genossenschaften in der Handelssphäre - wie Einkaufs- und Absatzgenossenschaften - zu bilden. Sie sollten dazu beitragen, schrittweise den bäuerlichen Individualismus zu überwinden und die werktätigen Bauern an die nächste Stufe heranführen: den Übergang zu landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften. Dieses Voranschreiten zu immer höheren Formen der Zusammenarbeit würde schließlich in die sozialistische Großproduktion münden. Im Verlaufe des Entwicklungsprozesses müßten die jeweiligen materiellen und ideologischen Voraussetzungen genau beachtet, die vorgesehenen Entwicklungsschritte mit den Bauern beraten und in ihnen verständlicher Form vollzogen werden. Gelänge es, die Bauern durch eigene Erfahrungen von der Notwendigkeit und Richtigkeit des genossenschaftlichen Weges zu überzeugen, würden sie bewußt den Schritt vom "Ich" zum "Wir" vollziehen. "Nur die Vereinigungen sind von Wert", mahnte Lenin, "die von den Bauern selbst aus eigener, freiwilliger Initiative gebildet sind und von deren Vorteilen sie sich in der Praxis überzeugt haben. Übereilung auf diesem Gebiet ist schädlich, denn sie kann nur die Vorurteile ... verstärken."<404>

Lenin regte an, parallel mit der ökonomischen und sozialen, die geistig-kulturelle Umgestaltung auf dem Lande zu vollziehen. Darin sah er ein wichtiges Prinzip für das Entstehen des Neuen auf dem Lande. Er zeigte auf, daß die geistig-kulturelle Umgestaltung eine Grundfrage des "politischen Bündnisses" mit der werktätigen Bauernschaft ist. Ihre Verwirklichung würde dazu beitragen, die Herrschaft der Arbeiterklasse zu festigen. Die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft könne nur dann ihren allseitigen Zweck erreichen - einen neuen, den sozialistischen Idealen verbundenen Menschentyp heranzubilden -, wenn es gelänge, die Verhaltensweisen der werktätigen Bauern in sozialistischem Sinne zu verändern, ihre Mentalität, ihre Arbeits- und Lebensbedingungen "umzumodeln" sowie ihnen eine allseitige Bildung zu vermitteln. Zur Erreichung dieser Zielsetzung müßten in den Dörfern verschiedenartige kulturelle und Bildungseinrichtungen geschaffen sowie stabile, effektive Patenschaftsbeziehungen zwischen Industriearbeitern und werktätigen Bauern hergestellt werden. "Unsere zweite Aufgabe", schrieb Lenin, "besteht in der kulturellen Arbeit für die Bauernschaft. Und diese kulturelle Arbeit unter der Bauernschaft verfolgt als ökonomisches Ziel eben den genossenschaftlichen Zusammenschluß ... Der vollständige


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genossenschaftliche Zusammenschluß schließt ein derartiges Kulturniveau der Bauernschaft in sich ein, daß dieser vollständige genossenschaftliche Zusammenschluß ohne eine ganze Kulturrevolution unmöglich ist."<405> Die Kompliziertheit der geistig-kulturellen Umwälzung ergäbe sich daraus, daß Klein- und Mittelbauern aus sozialer Sicht sowohl Werktätige als auch Privateigentümer an Produktionsmitteln sind. Es verböte sich daher der Staatsmacht, das aus eigener Arbeit erwachsene bäuerliche Eigentum zu enteignen.

Die Leninschen Visionen zur Umgestaltung der Landwirtschaft beinhalten nicht nur die vorgenannten Prinzipien. In seinen Abhandlungen zur Agrarpolitik analysierte Lenin gleichzeitig die in diesem Prozeß bestimmenden politischen Kräfte. Desgleichen erläuterte er sowohl die Linie der Partei gegenüber den einzelnen bäuerlichen Schichten ebenso wie die Notwendigkeit, auch die individuelle Warenproduktion beim Übergang zum Sozialismus zeitweilig mit der sozialistischen Industrie zu verbinden. Er empfahl weiter, die bereits bestehenden Produktions- und Zirkulationsgenossenschaften zur ideologischen Beeinflussung der werktätigen Bauern zu nutzen. Gleichzeitig erteilte er Hinweise für den Entwurf eines Programmes zur sozialistisch-genossenschaftlichen Nutzung des Bodens.

Mit dem Leninschen Genossenschaftsplan<406> und den bei seiner Verwirklichung in der Sowjetunion und den volksdemokratischen Staaten gesammelten Erfahrungen gab die SED-Führung vor, das theoretische und praktische Rüstzeug für eine politisch möglichst reibungsfreie, mit nur geringfügigem Produktivitätsverlust verbundene sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft zu besitzen. Sie ignorierte dabei, daß Lenin die von ihm entwickelten Prinzipien auf die besonderen Bedingungen Sowjetrußlands angewendet wissen wollte. In maßloser Überhöhung der Vorbildwirkung der Sowjetunion interpretierten Lenins Nachfolger seine Vorstellungen als allgemeingültig. Für die Staaten, die sich anschickten, sämtliche Einzelbauern in Genossenschaften zu vereinen, hatte diese Entscheidung einschneidende ideologische, politische und zuallererst ökonomische Folgen.

Die angeblich positiven Erfahrungen bei der Verwirklichung der Leninschen Anschauungen bedürfen daher einer kritischen Überprüfung.<407> Daß seine Ansichten zur Genossenschaftsbildung aber weiterhin von gewisser Bedeutung sind, zeigt sich am Beispiel der GAEC<408> in Frankreich. In ihnen finden sich wesentliche Bestandteile der Leninschen Prinzipien - abgesehen von der führenden Rolle der Partei -


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wieder.

Während der Kollektivierung in der Sowjetunion unter Stalin und in den späteren volksdemokratischen Ländern - die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft der DDR eingeschlossen - wurden Leninsche Grundprinzipien teilweise auf das gröblichste verletzt.<409>

In der Sowjetunion gelangte die Kollektivierung innerhalb der kurzen Zeit von sechs Jahren zum Abschluß. Für die bäuerliche Bevölkerung und die Gesellschaft brachte sie Folgen mit sich, deren Überwindung Jahrzehnte dauerte.<410>


Fußnoten:

<1>

Immler , H., Hat die DDR die Bundesrepublik schon überholt? Thesen zur Agrarpolitik der DDR, in: DDR-Landwirtschaft in der Diskussion, hrsg. von Merkel, K. ; Immler, H. , Köln 1972, S. 46.

<2>

Vgl. Erklärung der Beratung von Vertretern der kommunistischen und Arbeiterparteien der sozialistischen Länder (Moskau, 14.-16. November 1957), Berlin (O) 1958, S. 13/14.

<3>

Wilhelm, H.-G.; Der Übergang zu landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften und die Festigung des genossenschaftlich-sozialistischen Sektors der Landwirtschaft des Bezirks Neubrandenburg 1952 bis 1960, Rostock 1970, S. V.

<4>

Weber, H. , DDR, Grundriß der Geschichte, vollständig überarbeitete und ergänzte Neuauflage, Hannover 1991, S. 12.

<5>

Für die der Parteiideologie verpflichtete Geschichtsschreibung der DDR jener Jahre bildeten subjektivistische Faktenauswahl, das Umgehen “unangenehmer Tatsachen“ und starre Denkschemen die Eckpfeiler des von ihr propagierten Geschichtsbildes. Vgl. Cieslok, A. , Die Entwicklung der Bezirksorganisation der VdgB (BHG) Magdeburg und ihr Einfluß auf die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft, Leipzig 1990, S. 1 f. Treffend kennzeichnete J. Kuczynski diese Problematik: “Für künftige Historiker werde es viel wichtiger sein, Gegenwartsromane zu lesen, als die meisten gesellschaftswissenschaftlichen Schriften, die wir heute herausbringen, denn jene schildern den Sozialismus real, mit all seinen Widersprüchen und Ärgernissen, während diese bei ihrer Beschreibung der Realität oft der Neigung zur Schönfärberei verfallen." Kuczynski, J., Dialog mit meinem Urenkel, neunzehn Briefe und ein Tagebuch, Berlin (O) 1984, S. 12.

<6>

Der Zeitraum zwischen 1945 bis 1960 “gehört zu den interessantesten und am intensivsten erforschten und diskutierten Themen der DDR-Geschichtswissenschaft.“ Heitzer, H., Die Entwicklung des Geschichtsbildes und des revolutionstheoretischen Konzepts von der Übergangsperiode in der DDR, in: DDR-Geschichte in der Übergangsperiode 1945 bis 1961, hrsg. von H. Heitzer, Akademie-Verlag, Berlin (O) 1987, S. 9.

<7>

Klemm, V. , Von den bürgerlichen Agrarreformen zur sozialistischen Landwirtschaft in der DDR, Berlin (O) 1985, S. 204.

<8>

Wenngleich die Wirtschaften der Einzelbauern im Jahre 1952 noch über Potenzen zur Steigerung ihrer Produktivität verfügten.

<9>

Die Landwirtschaftliche Nutzfläche (LN) der Einzelbauernbetriebe erstreckte sich auf über 93 Prozent der LN der DDR. Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 202. Der Anteil der staatlichen Landwirtschaftsbetriebe an der landwirtschaftlichen Bruttoproduktion betrug 11,4 Prozent, während die volkseigenen Betriebe bereits 80,5 Prozent der industriellen Bruttoproduktion erzeugten. Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 202.

<10>

Vgl. Kautsky, K., Die Agrarfrage, Stuttgart 1899.

<11>

Krebs, Chr., Der Weg zur industriemäßigen Organisation der Agrarproduktion in der DDR, Die Agrarpolitik der SED 1945-1960, Bonn 1989, S. 96.

<12>

Die SED-Ideologen versuchten die Notwendigkeit der Überleitung der Einzelbauernwirtschaften in LPG mit der Begründung zu erklären, daß im bäuerlichen Kleinbetrieb die Arbeitsproduktivität stagniere, “weswegen die Arbeits- und Lebensbedingungen der in der Landwirtschaft Beschäftigten hinter der allgemeinen Entwicklung zurückblieben.“ Lambrecht, H. , Die Landwirtschaft der DDR vor und nach ihrer Umgestaltung im Jahre 1960, in: Sonderheft 117-1977, Berlin (W) 1977, S. 30.

<13>

Hofmann, H.-J. , Die Landwirtschaft im geteilten Deutschland, Frankfurt/M. 1969, S. 21.

<14>

Ebenda.

<15>

Die Regionalgeschichte erfreut sich zunehmenden Interesses. Immer mehr Menschen - vor allem junge - möchten wissen, welche geschichtliche Entwicklung ihre engere Heimat durchlaufen hat.

<16>

Wenngleich sich in den Archivalien des Kreisarchivs Haldensleben häufig nur Angaben über die Entwicklung einer bestimmten Gemeinde des Kreises fanden.

<17>

Dies traf beispielsweise zuweilen auf die Entwicklung bestimmter landwirtschaftlicher Kulturen oder der tierischen Produktion von Einzelbauern und LPG zu.

<18>

So erfolgte die Befragung von Klein-, Mittel- und Großbauern sowie Städtern - darunter Umsiedler und Fabrikarbeiter -, die aufs Land gingen.

<19>

Auf den ersten Ebenen geschieht dies in Form einer Überblicksdarstellung, in der letzten Ebene detailliert.

<20>

Die einschneidende Veränderung der Agrarverhältnisse in der SBZ/DDR ging in drei Prozessen vonstatten:

1. Der Bodenreform, die im wesentlichen 1945/46 vollzogen wurde.

2. Der Überführung der Einzelbauernwirtschaften in LPG in den Jahren 1952 bis 1960.

3. Der Einrichtung von spezialisierten, industriemäßig organisierten Großbetrieben der Pflanzen- und Tierproduktion innerhalb des Zeitraumes Ende der sechziger bis zum Ausklang der siebziger Jahre. Vgl.: Kuntsche, S. , Die Umgestaltung der Eigentumsverhältnisse und der Produktionsstruktur in der Landwirtschaft, in: Ansichten zur Geschichte der DDR, hrsg. von Keller, D. ; Modrow H. ; Wolf, H. , Bonn/ Berlin 1993, S. 191.

<21>

Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Darstellung der Vorbereitung, des Verlaufs und der Ergebnisse der Bodenreform, der Skizzierung der Institutionen, die als Wegbereiter des Umgestaltungsprozesses auf dem Lande anzusehen sind und der Zielstellungen, der Notwendigkeit und der Voraussetzungen einer sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft der DDR.

<22>

Vgl. zu Fragen der Periodisierung: Immler, H. , Agrarpolitik in der DDR, Köln, 1971, S. 41 f. , Krebs, Chr. , Der Weg zur industriemäßigen Organisation ... , a. a. O. , S. 79 f. , Merkel, K. ; Schuhans, E. , Die Agrarwirtschaft in Mitteldeutschland - Sozialisierung und Produktionsergebnisse, Bonner Berichte aus Mittel- und Ostdeutschland, Bonn/Berlin (W) 1963, S. 86, 89, 93; Lambrecht, H. , Die Landwirtschaft der DDR ... , a. a. O. , S. 44; Prokop, S. , Übergang zum Sozialismus in der DDR, Berlin (O) 1986, S. 168. Die vorgenannten Autoren setzten ausnahmslos keine übereinstimmenden Zäsuren.

<23>

Immler, H. , Agrarpolitik ... , a. a. O. , S. 17.

<24>

Es sei hier besonders auf solche häufig verwendeten Termini wie "sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft" und "Aufbau des Sozialismus auf dem Lande" verwiesen.

<25>

In der Geschichtsschreibung der Bundesrepublik Deutschland der Jahre 1949 bis 1989 wurde der untersuchte Zeitabschnitt als “Kollektivierungsphase“ bezeichnet. Im Hinblick auf die Begriffsdefinition erfolgte damit eine enge Anlehnung an die Prozesse in der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) Ende der zwanziger -, Anfang der dreißiger Jahre. Der Kollektivierungs-prozeß wird als größtenteils administrativ und repressiv gesteuerter "freiwilliger" Zusammenschluß gesehen, wobei Parallelen zur Veränderung der Agrarstruktur in der DDR in den Jahren 1952 bis 1960 gezogen werden. Vgl. Baum, H.-R. , Zu Fragen der Auseinandersetzung mit Darstellungen in der nichtmarxistischen BRD-Historiographie und Publizistik zu Problemen der Agrarpolitik der SED, in: Aspekte der Geschichte der Agrarpolitik der SED, Leipzig 1988, S. 56; Weber, H. , Geschichte der DDR, München 1989, S. 314 ff.

<26>

Ein erheblicher Teil des Offizierskorps der faschistischen Wehrmacht rekrutierte sich aus Großgrundbesitzern und Gutsverwaltern sowie deren Söhnen.

<27>

Revolutionäre deutsche Parteiprogramme, hrsg. und eingeleitet von Berthold, L. ; Diehl, E. , Berlin (O) 1967, S. 198.

<28>

Darin hieß es: "Wir werden die Herrschaft der Großgrundbesitzer brechen, werden ihren Grund und Boden entschädigungslos enteignen und den landarmen Bauern übergeben, werden Sowjetgüter mit modernstem Maschinenbetrieb schaffen, die Arbeitsbedingungen des Landproletariats denjenigen der städtischen Arbeiterschaft gleichsetzen und viele Millionen werktätige Bauern in den Aufbau des Sozialismus einbeziehen." Revolutionäre deutsche Parteiprogramme, Berlin (O) 1967, S. 126.

<29>

Dieses Programm bezeichnete als vordringliche Aufgaben u. a.: "Entschädigungslose Enteignung der Großgrundbesitzer über 150 Hektar, ... , Schaffung eines Bodenfonds von mindestens 10 Millionen Hektar, dessen überwiegender Teil zur 'Stillung des schlimmsten Bodenhungers' an landarme Bauern und Landarbeiter 'bei weitgehender Zahlungserleichterung' abgegeben werden sollte. Bildung staatlicher Musterwirtschaften und ... die Förderung der 'gemeinschaftlichen und intensiven Bearbeitung des Bodens' durch staatliche Preis- und Kreditpolitik." Piskol, J. , Die Entwicklung der agrarpolitischen Konzeption der KPD 1935 bis 1945, in: Wissenschaftliche Mitteilungen der Historiker-Gesellschaft der DDR, 1982/II, S. 57 f.

<30>

Kuntsche, S. , Die Umgestaltung ... , a. a. O. , S. 193; Deutsche Geschichte, Bd. 9, a. a. O. , S. 117.

<31>

Vgl. Tümmler, E. ; Merkel, K. ; Blohm, G. , Die Agrarpolitik in Mitteldeutschland und ihre Auswirkung auf Produktion und Verbrauch landwirtschaftlicher Erzeugnisse, Berlin (W) 1969.

<32>

Weber, H. , Parteiensystem zwischen Demokratie und Volksdemokratie, Dokumente und Materialien zum Funktionswandel der Parteien in der SBZ/DDR 1945-1950, Köln 1982, S. 82. In diesem Zusammenhang bedauerte W. Leonhard und ein beträchtlicher Teil von KPD- bzw. SED-Funktionären, die einen eigenen "deutschen" Weg zum Sozialismus anstrebten, daß die KPD bzw. die SED voneinem großen Teil der Bevölkerung als verlängerter Arm der SMAD angesehen wurden. Vgl. Leonhard, W. , Die Revolution entläßt ihre Kinder, München 1984, S. 371 f sowie ebenda, S. 382.

<33>

In Sonderheit kam es zu heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der CDU und der LDPD.

<34>

Der Versuch bei der SMAD eine Kurskorrektur zu erwirken, endete für Dr. Andreas Hermes - in der Weimarer Republik Minister (Zentrum) - im Dezember 1945 mit seiner Verdrängung vom Vorsitz der CDU.

<35>

Nach einer Unterredung mit dem sowjetischen Marschall Shukow stand für Hermes fest: Die Bodenreform galt lediglich als erster Schritt auf dem Wege zur vollständigen Kollektivierung der Landwirtschaft der SBZ. Vgl. Hermes, A. , Und setzet ihr nicht das Leben ein, München 1971, S. 190.

<36>

Kuntsche, S. , Die Umgestaltung der Eigentumsverhältnisse und der Produktionsstruktur in der Landwirtschaft, in: Ansichten zur Geschichte der DDR, Bd. 1, hrsg. von Keller, D. ; Modrow, H. ;Wolf, H. , Bonn/Berlin 1993, S. 195.

<37>

Die "breite" Bewegung entwickelte sich und wurde organisiert. Es handelte sich dabei um eine Verquickung von spontaner Bewegung eines Teiles der Landsuchenden aus Eigeninteresse mit gezielter Organisierung einer Massenbewegung durch die KPD - die erste dieser Art nach 1945. Viele weitere folgten!

<38>

Pieck, W. , Junkerland in Bauernhand, Berlin(O) 1955, S. 22.

<39>

Die Provinz Sachsen wies eine breitgefächerte Industrie, aber desgleichen eine ausgeprägte landwirtschaftliche Struktur auf.

<40>

Vgl. Deutsche Geschichte, Bd. 9, Berlin (O) 1989, S. 118.

<41>

Vgl. ebenda, S. 119. Die übrigen Landes-und Provinzialverwaltungen der SBZ erließen bald ähnliche Verordnungen. So am 5. 9. 1945 die Landesverwaltung Mecklenburg-Vorpommerns, am 6. 9. 1945 die Provinzialverwaltung der Mark Brandenburg, am 10. 9. 1945 die Landesverwaltungen Sachsens und Thüringens. Vgl. Deutsche Geschichte, Bd. 9, a. a. O. , S. 119.

<42>

Unmittelbar zuvor hatte der 2. Vorsitzende der CDU, W. Schreiber, sich vergeblich bemüht, die Gesetzesannahme zu vereiteln.

<43>

Vgl. Verordnungsblatt für die Provinz Sachsen, Nr. 1, Halle (Saale) den 6. Oktober 1945, S. 28.

<44>

Die letztgenannten Einrichtungen ermöglichten es später der SED, die häufig bestehende wirtschaftliche Abhängigkeit der Bauern zur politischen Einflußnahme auszunutzen.

<45>

Vgl. Verordnungsblatt für die Provinz Sachsen, Nr. 1, a. a. O. , S. 29. Der Enteignung unterlagen u. a. die Besitzungen der Fürsten zu Stollberg-Wernigerode (22 000 ha), des Herzogs von Anhalt 20 000 ha sowie des Grafen Malte von Putbus (18 000 ha). Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 177.

<46>

Die Bodenreformverordnung der Provinz Sachsen sah weiter vor, 80 000 ha Wald der Großgrundbesitzer zu enteignen. Vgl. Verordnungsblatt für die Provinz Sachsen, Nr. 1, a. a. O. , S. 29 f. Davon waren 50 000 ha den Bauern und 25 000 ha den Gemeinden zugedacht. Vgl. Verordnungsblatt für die Provinz Sachsen, Nr. 1, a. a. O. , S. 30.

<47>

Die Aufzählung folgt auf der nächsten Seite.

<48>

Vgl. Deutsche Geschichte, Bd. 9, a. a. O. . S. 120.

<49>

Der verweigernden Haltung von CDU und LDPD wegen fehlte in der Erklärung die Aussage, die Enteignung habe ohne Entschädigung zu erfolgen. Vgl. Dölling, H. W. , Wende der deutschen Agrarpolitik, Berlin (O) 1950, S. 98.

<50>

Vgl. Deutsche Geschichte, Bd. 9, a. a. O. , S. 120.

<51>

Der Anteil der in den Bodenfonds überführten Flächen an der Gesamtfläche betrug im Land Mecklenburg-Vorpommern 54 Prozent, in der Provinz Mark Brandenburg 41 Prozent, in der Provinz Sachsen 33 Prozent, im Land Sachsen 24 Prozent und im Land Thüringen 15 Prozent. Vgl. Deutsche Geschichte, Bd. 9, a. a. O. , S. 129.

<52>

Als solche galten Bauern mit weniger als fünf ha Land.

<53>

Vgl. Kuntsche, S. , Die Umgestaltung ... , a. a.. O. , S. 195.

<54>

Vgl. Klemm, V. , Von den bürgerlichen Agrarreformen zur sozialistischen Landwirtschaft in der DDR, Berlin (O) 1985, S. 178.

<55>

Vgl. ebenda.

<56>

Krebs behauptet, die Bodenbewerber wären nicht hinsichtlich ihrer Eignung überprüft worden.

Vgl. Krebs, Chr. , Der Weg zur industriemäßigen Agrarproduktion in der DDR, Die Agrarpolitik der SED 1945-1960, Bonn 1989, S. 103.

<57>

Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 177.

<58>

Damit stammten 80,3 Prozent des Gesamtbodenfonds aus ehemaligem privaten Grundbesitz. Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 177. Älteren Quellen zufolge entfielen davon 2 000 000 ha auf landwirtschaftliche Nutzflächen, etwa 1 000 000 ha auf Waldflächen. Vgl. Krebs, Chr. , Der Weg ... , a. a. O. ,S. 103. Binnen eines Jahres wurden ca. 2 000 000 ha Land an 467 753 Bodenempfänger verteilt. Vgl.Die Agrarpolitik der SED 1945-1960, Bonn 1989, S.103.

<59>

Vgl. Statistisches Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik 1960/61, im folgenden Statistisches Jahrbuch der DDR, Berlin (O) 1961, S. 442. Die LN betrug 6 530 000 ha, der Anteil des Ackerlandes an dieser Fläche ca. 76 Prozent. Forsten und Holzungen bemaßen sich auf 2 900 000 ha. Weitere Flächen - wie Moore, Gewässer, Öd- und Unland, Wege, Straßen, Gebäude udgl. - erstreckten sich über 1 320 000 ha. Vgl. Tümmler, E. ; Mer-kel, K. ; Blohm, G. , a. a. O. , S. 26.

<60>

Vgl. Tümmler, E. ; Merkel, K. ; Blohm, G. , a. a. O. , S. 27. Der Waldanteil belief sich auf 1 041 832 ha, mithin auf 31,6 Prozent. Davon erhielten Privatpersonen 433 034 ha Waldflächen, mehr als 600 000 ha Wald wurden als Staatswald deklariert. Vgl. Heidrich, H. , Zehn Jahre DDR - Zehn Jahre sozialistische Forstwirtschaft, in: "Forst und Jagd", Heft 10. Berlin (O) 1959, S. 434.

<61>

Vgl. Tümmler, E. ; Merkel, K. ; Blohm, G. , a. a. O. , S. 27; Ulbricht, W. , Zur Geschichte der Neuesten Zeit, Bd. I, Berlin (O) 1955, S. 414 ff. Der VdgB oblag es, einerseits die kameradschaftliche Hilfe und Zusammenarbeit unter den Bauern zu entwickeln sowie diese mit Saatgut, Inventar und bei der Bestellung des Ackerlandes zu unterstützen, andererseits ideologisch den Nährboden für zukünftige Veränderungen in der ostdeutschen Landwirtschaft zu bereiten. Die Mitgliedschaft in der VdgB stand allen Bauern offen,die Großbauern eingeschlossen. Ihre Bildung entsprach zunächst in gewißem Maße ihren Interessen. Vgl. 1.3. Institutionen zur Vorbereitung und Organisation, Dirigierung und Unterstützung der LPG-Bildung.

<62>

Die Einrichtung von staatlichen Landesgütern und MAS lag vor allem im Interesse der Klein- und Mittelbauern. Erstere belieferten zunächst alle Bauern mit Saatgut und Nutzvieh, während die MAS die Bauern mit unzulänglicher Ausstattung an Zugkräften bei den Bestellarbeiten unterstützten. Viele von ihnen vermochten dadurch der Abhängigkeit von Großbauern zu entgehen. Gleichzeitig wurde im Interesse der Bäuerinnen die schwere Feldarbeit leichter und die Landjugend mit der Technik vertraut gemacht.

<63>

Vgl. Ulbricht, W. , Zur Geschichte , Bd. I, a. a. O. , S. 415. Das aufgeteilte Land fand folgende Verwendung: - für die Einrichtung neuer Bauernwirtschaften 51,4 % - für die Erweiterung bestehender Betriebe 11,5 % - für die Selbstversorgung nichtlandwirtschaftlicher Arbeiter und Angestellter 3,5 % - für die Nutzung zu gesellschaftlichen Zwecken 33,6 % Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 179.

<64>

Innerhalb der knappen Frist von drei Wochen wurde die Beschlagnahme des Großgrundbesitzes durchgeführt. Vgl. Deutsche Geschichte, Bd. 9, a. a. O. , S. 121. Länger währte die Enteignung der zu Kriegsverbrechern erklärten Personen und der aktiven Mitglieder der NSDAP, da in jedem Einzelfall Beweismaterial erbracht werden mußte.

<65>

Auf kleinen Gütern, auf denen z. T. noch patriarchalische Verhältnisse herrschten, setzten sich Landarbeiter verschiedentlich für ihren Grundherren ein und sprachen sich gegen eine Enteignung aus.

<66>

Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 179.

<67>

Vgl. Ulbricht, W. , Zur Geschichte ... , Bd. I, a .a. O. , S. 415.

<68>

Vgl. ebenda.

<69>

Vgl. ebenda.

<70>

Vgl. Judt, M. , DDR-Geschichte in Dokumenten, Bonn 1998, S. 104. Diese Summe setzte sich wie folgt zusammen: 33 383 Landarbeiter und landlose Bauern bekamen 218 209 ha Boden zugeteilt, 20 359 landarme Bauern 71 685 ha, 16 897 Umsiedler 114 227 ha, 12 057 Kleinpächter 12 129 ha und 63 319 nichtlandwirtschaftliche Arbeiter, Handwerker usw. 33 116 ha. Vgl. Judt, M. , a. a. O. , S. 104. 6 374 Altbauern erhielten Waldzulagen einer Größenordnung von 9 731 ha. Vgl. Judt, M. , a. a. O. , S. 104.

<71>

Vgl. Verordnungsblatt für die Provinz Sachsen, Nr. 1, a. a. O. , S. 30.

<72>

Vgl. Horz., G. , a. a. O. , S. 73.

<73>

Was den persönlichen Besitz der Enteigneten anging, so bestanden beträchtliche Unterschiede hinsichtlich der Möglichkeit der Mitnahme persönlicher Gegenstände. Sie bedurfte der Zustimmung des Landrats, während es in der Kompetenz der örtlichen Bodenkommissionen lag, Verbote auszusprechen. Oft wurde den enteigneten Personen bzw. Personengruppen nur die Mitnahme von Handgepäck gestattet.

<74>

Kuntsche, S. , Die Umgestaltung ... , a. a. O. , S. 197.

<75>

1939 betrug er immerhin 28,3 Prozent der LN. Vgl. Merkel, K.; Schuhans, E. , Die Agrarwirtschaft in Mitteldeutschland, Bonn/Berlin 1960, S. 40.

<76>

Vgl. Statistisches Jahrbuch der DDR 1968, Berlin (O) 1969, S. 255.

<77>

Errechnet nach Deutsche Geschichte, Bd. 9, a. a. O. , S. 129.

<78>

Zwar wurden Grund und Boden nicht nationalisiert, jedoch wurden mit dem neuen Agrarrecht Wirkungen für das Bodenreformland erzielt, die einer Nationalisierung gleichkamen.

<79>

Dieser Gesichtspunkt könnte gleichfalls den politischen Gründen zugeordnet werden.

<80>

Vgl. Horz, G. , a. a. O. , S. 67.

<81>

Vgl. Protokoll des Vereinigungsparteitages der SPD und KPD am 21. und 22. 4. 1946, Berlin (O) 1946, S. 202.

<82>

Vgl. Tümmler, E. , Merkel, K. ; Blohm, G. , a. a. O. , S. 19.

<83>

"Die Bodenreform wirkte sich in schätzungsweise zwei Dritteln aller Gemeinden unmittelbar aus." Deutsche Geschichte, Bd. 9, a. a. O. , S.129.

<84>

Errechnet nach Deutsche Geschichte, Bd. 9, S. 129.

<85>

Errechnet nach ebenda.

<86>

Errechnet nach ebenda.

<87>

Vgl. ebenda.

<88>

Vgl. Deutsche Geschichte, Bd. 9, a. a. O. , S. 129.

<89>

Vgl. Kuntsche, S. , Die Umgestaltung ... , a. a. O. , S. 193.

<90>

Die Viehumsetzungen von den weniger vom Krieg betroffenen südlichen Landstrichen der SBZ in die nördlichen halfen, die dortigen riesigen Defizite an Vieh bedingt auszugleichen.

<91>

Piskol, J. , Zur sozialökonomischen Entwicklung der Großbauern in der DDR 1945 bis 1960, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 1991, S. 419 f.

<92>

Vgl. ebenda, S.420.

<93>

Vgl. Piskol, J. ; Nehrig, Chr. ; Trixa, P. , Antifaschistisch-demokratische Umwälzung auf dem Lande (1945-1949), Berlin (O) 1984, S. 91 ff.

<94>

Immler, H. , Agrarpolitik ... , a. a. O. , S. 49.

<95>

Der Anteil des Kreises Haldensleben am Territorium des Bezirkes Magdeburg bemaß sich auf 7,6 Prozent. Vgl. Statistisches Taschenbuch 1957 für den Kreis Haldensleben, Hrsg. : Staatliche Zentralverwaltung für Statistik, Kreisstelle Haldensleben, o. J. , S. 1. Im folgenden firmieren die Statistischen Taschenbücher der Jahre 1956 bis 1960 als Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben mit entsprechender Jahresangabe.

<96>

Vgl. 1 000 Jahre Haldensleben, Haldensleben 1966, S. 7.

<97>

Vgl. ebenda.

<98>

Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben, o. J. , a. a. O. , S. 1.

<99>

Vgl. ebenda.

<100>

Vgl. ebenda.

<101>

Vgl. ebenda.

<102>

Vgl. Kreisarchiv Haldensleben, Akte I/ 2007, S. 1.Unbedingt sei erwähnt, daß sich im Sommer 1952 im Zuge der Kreisreform der Kreis Haldensleben verkleinerte. Die in der Abhandlung über die Bodenreform im Kreis Haldensleben genannten Zahlen dürften sich auf ein ursprünglich größeres Kreisgebiet beziehen. Im Jahre 1993 veränderte sich die Kreisstruktur neuerlich.

<103>

Vgl. Kreisarchiv Haldensleben, Akte I/2007, S. 1.

<104>

Vgl. ebenda.

<105>

Vgl. ebenda.

<106>

Vgl. Die Entwicklung der Landwirtschaft des Kreises Haldensleben 1958-1960, Haldensleben 1960, S. 3.

<107>

Vgl. ebenda.

<108>

Vgl. ebenda.

<109>

Vgl. ebenda, S. 3-7.

<110>

Vgl. Kreisarchiv Haldensleben, Akte I/2007, S. 1.

<111>

Vgl. ebenda, S. 2f.

<112>

Vgl. ebenda, S. 4.

<113>

Vgl. ebenda.

<114>

Vgl. ebenda.

<115>

Vgl. ebenda. Die Mitgliedschaften im Bund Deutscher Mädchen bzw. der Hitler-Jugend sind als Zwangsmitgliedschaften anzusehen.

<116>

Vgl. Kreisarchiv Haldensleben, Akte I/2007, S. 4.

<117>

Vgl. ebenda.

<118>

Vgl. eenda, S 226.

<119>

Vgl. ebenda.

<120>

Vgl. ebenda, S. 227. Im Kreis Haldensleben sprachen sich CDU und LDPD nicht entschieden gegen die Durchführung einer Bodenreform aus.

<121>

Vgl. ebenda.

<122>

Zusammenstellung des Kreis- und Heimatmuseums Haldensleben zur Bodenreform, Haldensleben 1985, S. 105.

<123>

Die Komitees der gegenseitigen Bauernhilfe sind als Vorläufer der VdgB anzusehen.

<124>

Bei dem außerordentlichen Mangel an Maschinerie unmittelbar nach dem Kriege bestand die Funktion der Maschinenhöfe u. a. darin, durch die Verleihung von Maschinen an Neubauern diesen bei der Festigung ihrer Wirtschaften zu helfen und zu verhindern, daß sie in Abhängigkeit von Großbauern gerieten.

<125>

Vgl. ebenda, S. 126 f.

<126>

Vgl. Kreisarchiv Haldensleben, Akte I/2007, S. 5.

<127>

Vgl. ebenda.

<128>

Vgl. ebenda.

<129>

Vgl. Die Entwicklung der Landwirtschaft des Kreises Haldensleben seit 1945, Haldensleben 1958, S. 2. Die hier ausgewiesenen Angaben stehen zum Teil in erheblichem Gegensatz zu einer anderen Quelle, in der beispielsweise von 963 - statt 1 655 - neugeschaffenen Bauernstellen die Rede ist. Vgl. Die Entwicklung der Landwirtschaft des Kreises Haldensleben 1958-1960, a. a. O. , S. 3.

<130>

Vgl. Die Entwicklung der Landwirtschaft des Kreises Haldensleben seit 1945, Haldensleben 1958, S. 2.

<131>

Vgl. Die Entwicklung der Landwirtschaft des Kreises Haldensleben 1958-1960, a. a. O. , S. 3.

<132>

Vgl. Kreisarchiv Haldensleben, Akte I/ 2007, S. 7.

<133>

Vgl. ebenda.

<134>

Vgl. ebenda.

<135>

Vgl. ebenda.

<136>

Vgl. Zusammenstellung des Kreis- und Heimatmuseums Haldensleben ... , a. a. O. , S. 135.

<137>

Vgl. Die Entwicklung der Landwirtschaft des Kreises Haldensleben seit 1945, a. a. O. , S. 1.

<138>

Die obigen Daten ind ihr entnommen.

<139>

Vgl. Kreisarchiv Haldensleben, Akte I/ 2007, a .a. O. , S. 5.

<140>

Vgl. ebenda.

<141>

Vgl. ebenda.

<142>

Ebenda, S. 133.

<143>

Vgl. ebenda, S. 5.

<144>

Sie ist auf der nächsten Seite einzusehen.

<145>

Vgl. ebenda, S. 7.

<146>

Vgl. ebenda.

<147>

Vgl. Zusammenstellung des Kreis- und Heimatmuseums ... , a. a. O. , S. 148.

<148>

Vgl. Kreisarchiv Haldensleben, Akte I/2007, S. 8.

<149>

Vgl. ebenda.

<150>

Vgl. ebenda.

<151>

Vgl. ebenda.

<152>

Vgl. ebenda.

<153>

Vgl. Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin (O) 1981, S. 103.

<154>

Vgl. ebenda, S. 99.

<155>

Vgl. Heitzer, H. , DDR, Geschichtlicher Überblick, Berlin (O) 1978, S. 65.

<156>

Vgl. Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik, a. a. O. , S. 99.

<157>

Vgl. ebenda, S. 128.

<158>

Vgl. ebenda.

<159>

Den Inhalt des Begriffes "Volksdemokratie" erläuterte in einem Referat an der Parteihochschule der SED im Frühjahr 1948 der politische Berater der sowjetischen Militäradministration, Oberst Tulpanow. Vgl. Krebs, Chr. , Der Weg ... , a. a. O. , S. 61 f.

<160>

Vgl. Weber; H. , DDR, Grundriß ... , a. a. O. , S. 25.

<161>

Krebs, Chr. , Der Weg ... , a. a. O. , S. 62.

<162>

Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik, a. a. O. , S. 95.

<163>

Vgl. Weber, H. , DDR, Grundriß ... , a. a. O. , S. 59; Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik, a. a. O. , S. 92.

<164>

Schöneburg, K.-H. ; Mand, R. ; Leichtfuß, H. ; Urban, K. , Vom Werden unseres Staates, Eine Chronik, Bd. 2, 1949-1955, Berlin (O), S. 78.

<165>

Vgl. Weber, H. , DDR, Grundriß ... , a. a. O. , S. 38.

<166>

Eine Reihe von Autoren sind sich darin einig, daß die Motive für das rigorose Vorgehen gegen dieGroßbauern in den folgenden Jahren in den Rückschlägen der sowjetischen Außenpolitik in deutschlandpolitischer Hinsicht, doch auch in der Verschärfung der internationalen Lage zu suchen sind.

<167>

Zu landwirtschaftlichen Problemen innerhalb dieses Abschnitts folgen die Ausführungen weitgehend den Arbeiten von Kuntsche, S. , Bauern im Interessenkonflikt, in: Sonderdruck "Provisorium für längstens ein Jahr", Berlin 1993, S. 231-235; Nehrig, Chr. , Bauern zwischen Hoffnung und Wirklichkeit, Die modifizierte Agrarpolitik von 1950/51, in: Sonderdruck "Provisorium für längstens ein Jahr", Berlin 1993, S. 236-242 sowie dieselbe, Zur sozialen Entwicklung der Bauern in der DDR 1945-1960, in: Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie, 41 (1993), Heft 1, S. 66-76 Zitate und zu belegende Fakten aus Arbeiten dieser und anderer Autoren werden gesondert ausge-wiesen.

<168>

Dazu sollten u. a. die Einrichtung von MAS, VdgB sowie die Verwirklichung des Neubauernprogramms beitragen.

<169>

Tümmler, E. ; Merkel, K. ; Blohm, G. , a. a. O. , S. 49.

<170>

Solche Ländereien fielen ab Herbst 1953 unter ÖLB-Verwaltung, ehe sie an LPG zur Nutzung übergeben wurden.

<171>

Kuntsche, S. , Bauern ... , a. a. O. , S. 232.

<172>

Die Zentralverwaltungswirtschaft stellte indes keine Neuerung auf dem Agrarsektor dar, eigentlich lediglich eine Modifikation der Kriegsernährungswirtschaft.

<173>

Die Differenzierungskommissionen fungierten als beratende Organe der Räte der Gemeinden. Die in Bauernversammlungen gewählten Kommissionen setzten sich in der Regel aus den Bürgermeistern der jeweiligen Gemeinde, einem oder mehreren Gemeindevertretern, einem Vertreter der VdgB, der MAS und werktätigen Einzelbauern zusammen.

<174>

Kuntsche, S. , Bauern ... , a. a. O. , S. 233 f.

<175>

Tümmler, E. ; Merkel, K. ; Blohm, G. , a. a. O. , S. 29.

<176>

Vgl. ebenda.

<177>

Dies ist Hinweis darauf, daß sie über hochwertige Böden verfügten und andererseits Resultat eines Arbeitskräfteüberangebots auf dem Lande in den Nachkriegsjahren.

<178>

Piskol, J. , Zur sozialökonomischen Entwicklung ... , a. a. O. , S. 423.

<179>

Vgl. ebenda.

<180>

Tatsächlich wies die Landwirtschaft der SBZ im Hinblick auf die Vergesellschaftung der Agrarproduktion im Vergleich zu den anderen ost-und südosteuropäischen volksdemokratischen Staaten erhebliche Defizite auf. Während die Volkseigenen Betriebe einen Anteil von 45 % der gesamten Industrieproduktion erbrachten, kam die landwirtschaftliche Produktion auf nicht mehr als 10 %. Vgl. Ulbricht, W. , Unsere Wirtschaftspolitik, Referat anläßlich der 1. Parteikonferenz der SED, 25.-28. 1. 1949, in: die sozialistische Entwicklung der Volkswirtschaft seit 1945, Berlin (O) 1959, S. 156.

<181>

Vgl. Krebs, Chr. , Der Weg ... , a. a. O. , S. 83.

<182>

Kuntsche, S. , Bauern ... , a. a. O. , S. 233.

<183>

Stattdessen versuchte sie, die Positionen der werktätigen Bauern und der Landarbeiter - und damit den Einfluß der SED auf dem Lande - auszubauen.

<184>

Für dauerhaften Frieden und Volksdemokratie, Nr. 31, August 1951; zitiert nach: Die LPG in der Sowjetzone, 2. Auflage, 1959, hrsg. vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (Bonner Fachberichte), S. 2.

<185>

Die nächsten Aufgaben der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Entschließung der 1. Parteikonferenz vom 25.-28. 1. 1949, in: Dokumente der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, im folgenden Dokumente der SED, Bd. 2, Berlin O), S. 189; Vgl. hierzu Ulbricht, W. , Referat vom 26. 1. 1949, Protokoll der 1. Parteikonferenz, S. 215.

<186>

Zuvor erfolgte die Festlegung der Pflichtablieferungssätze für tierische Produkte auf der Grundlage der Größe der Viehbestände.

<187>

Dadurch sahen sich Bauern mit einer LN von über 20 ha oftmals nicht imstande, ihren Verpflichtungen - was Umfang und Termin anging - nachzukommen.

<188>

Piskol, J; Nehrig, Chr. ; Trixa, P. , a. a. O. , S. 160.

<189>

Kuntsche, S. , Bauern ... , a. a. O. , S. 233.

<190>

Diese lassen sich primär aus ihrer materiellen Interessenlage und den Auswirkungen der Agrarpolitik erklären.

<191>

Vgl. ebenda, S. 234.

<192>

Vgl. ebenda.

<193>

Ebenda.

<194>

In diesem Zusammenhang sei nicht vergessen, daß in jener schwierigen Zeit viele Stadtbewohner mit für den Tausch bestimmten Gütern über Land zogen, um sie bei den Bauern gegen Nahrungsmittel einzutauschen. Das Tauschgebaren der Bauern glitt dabei zuweilen ins "Wucherhafte" ab, was zu Diskrepanzen zwischen Stadt- und Landbewohnern führte. Es entstand mitunter der Eindruck, die Bauern würden mehr Nahrungsmittel besitzen, als sie dem Staat abgaben und den Hunger der Städter zur persönlichen Bereicherung ausnutzen.

<195>

Ebenda, S. 235.

<196>

Im Jahre 1956 erschien als erstes Statistisches Jahrbuch der DDR das Statistische Jahrbuch der DDR 1955.

<197>

Schon vor 1952 übernahmen die örtlichen VdgB den überwiegenden Teil des aufgegebenen Bodens in Gemeinschaftsbewirtschaftung, bevor er später mittels einer Reihe von Verordnungen an den Staat gelangte.

<198>

Errechnet nach Statistisches Jahrbuch der DDR 1959, Berlin (O) 1960, S. 420 f.

<199>

Errechnet nach ebenda, S. 419-421.

<200>

Errechnet nach Statistisches Jahrbuch der DDR 1955, a. a. O. , S. 194 f. Die Prozentzahlen beziehen sich ausschließlich auf die Betriebe von über einem ha LN.

<201>

Errechnet nach ebenda.

<202>

Errechnet nach ebenda.

<203>

Errechnet nach ebenda.

<204>

Vgl. Stöckigt, R. , Der Kampf der KPD um die demokratische Bodenreform Mai 1945 bis April 1946,Berlin (O) 1964, S. 266.

<205>

Die meisten Neubauernwirtschaften umfaßten fünf bis 10 Hektar LN, sehr selten 15 Hektar LN.

<206>

Vgl. Nehrig, Chr. , Zur sozialen Entwicklung ... , a. a. O. , S. 68.

<207>

Schulz, D. , Probleme der sozialen und politischen Entwicklung der Bauern und Landarbeiter in der DDR von 1949 bis 1955, Berlin (O) 1984, S. 15.

<208>

Letztere hatten hauptsächlich deshalb eine Neubauernstelle übernommen, um ihren Nahrungsbedarf zu decken.

<209>

Nehrig, Chr. , Bauern ... , a. a. O. , S. 241.

<210>

Vgl. Piskol, J. , Zur sozialökonomischen Entwicklung ... , a. a. O. , S. 425.

<211>

Sie ist als repräsentativ für die gesamte SBZ/DDR anzusehen.

<212>

Als Kriterien hierfür sollten u. a. solche Parameter wie Arbeitskräfte- und Viehbesatz sowie die Bodenwertzahl bemüht werden.

<213>

Nehrig, Chr. , Zur sozialen Entwicklung ... , a. a. O. , S. 70.

<214>

Ebenda, S. 238.

<215>

Vgl. Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik 1950, im folgenden zitiert als

GBl. ; Nr. 104, S. 970.

<216>

Übrigens sahen sich Neubauern in Sachsen und Thüringen, also Ländern mit traditionell höherem Wirtschaftsniveau sowie vorwiegend Altbauernstruktur, nicht in so starkem Maße mit diesen Problemen konfrontiert.

<217>

In der Regel verbargen sich dahinter unlösbare ökonomische Schwierigkeiten. Unter die Rubrik "persönliche Gründe" fielen nach offizieller Lesart u. a. Arbeitskräftemangel, Wechsel des Berufes und Verzug bzw. Auswanderung.

<218>

Vgl. Nehrig,Chr. , Zur sozialen Entwicklung ... , a. a. O. , S. 68. Ergänzend seien die Einlassungen von Krebs hinzugefügt: "Zwischen 1949 und 1952 hatte sich die Anzahl der privaten Betriebe mit mehr als 20 ha LN lediglich um 2,7 Prozent verringert, die von diesen Betrieben bewirtschaftete Fläche ging um knapp 65 000 ha zurück, während gleichzeitig 6,4 Prozent der kleineren Betriebe aufgaben und 85 000 Hektar einbüßten." Krebs, Chr. , Der Weg ... , a. a. O. , S. 86.

<219>

Nehrig, Chr. , Zur sozialen Entwicklung ... , a. a. O. , S. 69.

<220>

Dieselbe, S. 70.

<221>

Vgl. GBl. 1951, Nr. 16, S. 76 f. Entsprechend der Verordnung über nicht bewirtschaftete (so ist an dieser Stelle die Schreibweise) landwirtschaftliche Nutzflächen wurden künftig die verlassenen bäuerlichen Betriebe und Ländereien offiziell als "nichtbewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzflächen" bezeichnet. Bis zum 1. Januar 1951hatten von einem rechtmäßigen Besitzer, vom Eigentümeroder einem von diesem ermächtigten Dritten nicht genutzten Flächen solchermaßen gekennzeichnet zu werden.

<222>

Wenn es sich bei diesen Flächen nicht um Bodenreformland handelte, so sind sie lediglich in Ausnahmefällen in Volkseigentum übergegangen. Laut einer Verordnung vom 25. Januar 1951 kam aber den VEG bei jeglichen Verkäufen landwirtschaftlicher Gebäude ein Vorkaufsrecht zu. Vgl. GBl. 1951, Nr. 10, S. 48.

<223>

Vgl. GBl. 1951, Nr. 78, S. 629-632.

<224>

Vgl. ebenda; vgl. GBl. I 1956, Nr. 77, S. 685.

<225>

Nehrig, Chr. , Bauern ... , a. a. O. , S. 240.

<226>

Dieselbe, Zur sozialen Entwicklung ... , a. a. O. , S. 71. Vgl. dazu GBl. 1952, Nr. 38, S. 226 f. Krebs konnte nur deshalb zu der Auffassung gelangen, zum Zeitpunkt des Erlasses der Verordnun-gen über nicht bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzflächen bzw. devastierte Betriebe hätte noch kaum Grund dafür bestanden, weil die offizielle DDR-Statistik das Vorhandensein größerer nicht be-wirtschafteter Ländereien ignorierte. Vgl, Krebs, Chr., Der Weg . . . , a. a. O. , S. 154.

<227>

Vgl. GBl. 1952, Nr. 38, S. 226 f.

<228>

Vgl. ebenda, S. 227 f.

<229>

Die staatlichen Organe mißbrauchten den ihnen eingeräumten Ermessensspielraum häufig. Mit dem Resultat, daß sich die Zahl der Republikfluchten von Großbauern und deren Familien in den Jahren 1952/53 merklich erhöhte.

<230>

Vgl. Kramer, M. , Die Landwirtschaft in der SBZ, 2. Auflage, Bonn 1953, S. 123 f.

<231>

Die Differenzierungskommissionen sollten die konkrete Situation der Neubauern unbedingt berücksichtigen. Doch oftmals sahen sie sich nicht in der Lage, Neubauern - sie gehörten beinahe ausschließlich der Betriebsgrößengruppe 5 bis 10 ha an - Sollerleichterungen zu gewähren. Eine Differenzierung konnte ausschließlich im Rahmen einer Größengruppe sowie ein Ausgleich nur unter Betrieben dieser Gruppe erfolgen. Vgl. Nehrig, Chr. , Bauern ... , a. a. O. , S. 239.

<232>

Nehrig, Chr. , Zur sozialen Entwicklung ... , a. a. O. , S. 71.

<233>

Die Rechtslage der ehemaligen Landarbeiter glich nun annähernd der der Industriearbeiter.

<234>

Vgl. Statistisches Jahrbuch der DDR 1956, Berlin (O) 1957, S. 171.

<235>

Laut Untersuchungsbericht einer Kommission des ZK der SED von Ende Oktober 1952 konnten ca. 20 % der Betriebe mit über 20 ha LN als wirtschaftlich gefestigt und investitionsfähig eingeschätzt werden.Etwa 30 % der Betriebe dieser Größenordnung vermochten ihren staatlichen Verpflichtungen nachzukommen und ihre Felder ordnungsgemäß zu bewirtschaften, aber nicht zu investieren. 40 % der Großbauernwirtschaften aber lebten von der Substanz. Der Bericht bezog sich unter Auswertung zentraler Unterlagen im Detail auf den Bezirk Schwerin. Vgl. Piskol, J. , Zur sozialökonomischen Entwicklung ... , a. a. O. , S. 426.

<236>

Piskol spricht davon, daß in den Jahren 1950 bis 1952 etwa 5 000 Bauern mit Betrieben von über 20 ha LN aufgaben. Das waren mehr als 10,5 Prozent. Vgl. Piskol, J. , Zur sozialökonomischen Entwicklung ... a. a. O. , S. 426.

<237>

Errechnet nach: Statistisches Jahrbuch der DDR 1959, a. a. O. , S. 419.

<238>

Vgl. Nehrig, Chr. , Zur sozialen Entwicklung ... , a. a. O. , S. 70.

<239>

DDR-Werden und Wachsen, Berlin (O) 1974, S. 191.

<240>

Vgl. Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik, a. a. O. , S. 133.

<241>

Einer SED-KL gehörten gemäß vorgegebener Struktur Arbeiter, Genossenschaftsbauern, Angestellte, Angehörige der Intelligenz, Jugendliche und Frauen an.

<242>

Die Parteiorgane waren an die Gesetze der DDR gebunden. Weisungsgemäß jedoch unterstanden sie nur dem Politbüro und der zuständigen SED-Bezirksleitung (SED-BL) bzw. SED-KL, nicht aber dem Ministerrat, dem zuständigen Rat des Bezirkes bzw. Rat des Kreises.

<243>

Die SED-KL wählte das Sekretariat der KL, das wiederum aus seinen Reihen den 1. und 2. Sekretär der KL bestimmte.

<244>

Die Magdeburger "Volksstimme" war bis zur politischen Wende in der DDR das Presseorgan der SED-BL Magdeburg.

<245>

Im Jahre 1961 trennte sich die Partei wieder von dieser Organisationsform.

<246>

Parteilehrjahr und FDJ-Studienjahr fanden in der Regel allmonatlich statt.

<247>

Vgl. Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Chronik, Teil III, Von 1945 bis 1963, Dietz Verlag, Berlin (O) 1963, S. 344.

<248>

Vgl. dazu Abschnitt 4. 1. , in dem die Veränderungen ausführlich erörtert werden.

<249>

Ihre Bemühungen versprachen dann Erfolg, wenn es ihnen gelang, die Traktoristen zu hohen Arbeitsleistungen auf den genossenschaftlichen Feldern zu inspirieren, zur Festigung der LPG beizutragen und wenn die Traktorenbrigaden auf den Feldern der Einzelbauern zu deren Zufrieden-heit arbeiteten.

<250>

Es sei denn, diese Angelegenheiten lagen in der Zuständigkeit der Volksvertretungen.

<251>

In jenen Jahren galt die These, daß jede wirtschaftliche Frage zugleich eine politische sei. Die Politik besaß dabei das Primat vor der Ökonomie.

<252>

Mitunter bediente sich die Parteiführung des Staatsapparates, um unangenehme Entscheidungen durchzusetzen.

<253>

Z. B. unmittelbar vor dem Aufstand am 17. Juni 1953 mit dem Kommuniqué vom 9. Juni 1953.

<254>

Vgl. Die Bodenreform in Deutschland in Zahlen und Dokumenten, bearbeitet von Reuber; H. ;Skibbe; B. , Berlin (O) 1947, S. 27.

<255>

Dieser Organisation ist ein eigener Abschnitt gewidmet.

<256>

Vgl. Zentralverordnungsblatt Nr. 52/1948, Berlin (O) 1948, S. 525 f.

<257>

Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 193.

<258>

Vgl. Zentralverordnungsblatt Nr. 19/1949, Berlin (O) 1949, S. 145 ff .

<259>

Vgl. Die Maschinen-Traktoren-Stationen in der sowjetischen Besatzungszone, Materialien zur Wirtschaftslage in der sowjetischen Zone, hrsg. vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen, Bonn o. J.,S. 26 f.

<260>

Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 193.

<261>

Vgl. Statistisches Jahrbuch der DDR 1958, Berlin (O) 1959, S. 426.

<262>

Ursprünglich bestand die Absicht, für den Zeitraum des ersten Fünfjahrplans 750 MAS einzurichten. Vgl. GBl. 1951, Nr. 128, S. 981.

<263>

Vgl. Tümmler, E. , K. Merkel und G. Blohm, a. a. O. , S. 40. Es sei vorweggenommen, daß deren Nachfolge nach Auflösung der Ländervereinigungen den Räten der 14 Bezirke unterstellte Bezirksverwaltungen antraten. Vgl. ebenda.

<264>

Allerdings schwankten Quantität und Qualität der Unterstützung der Bauern durch die MAS.

<265>

Zentralblatt der Deutschen Demokratischen Republik, Nr. 11/1954, S. 98.

<266>

Die Eigentumsverhältnisse änderten sich dabei nicht.

<267>

Gleichzeitig erhielten die LPG die Möglichkeit, neue Technik käuflich zu erwerben.

<268>

Die Aufgaben der RTS bestanden in der Instandhaltung und Reparatur der Technik von LPG und VEG sowie der Unterstützung bei der Innenmechanisierung. Weiterhin oblag ihnen die Verantwortung für die materiell-technische Versorgung von LPG und VEG und bestimmte Aufgaben bei der Berufsausbildung und Qualifizierung auf technischem Gebiet.

<269>

Sie brauchten nur die Abschreibungen der erhaltenen Ausrüstung für deren Reproduktion zu erarbeiten. Außerdem erhielten sie Zuschüsse für die erwachsenden Einsatzkosten.

<270>

LPG des Typs I und II, hatten die Bezahlung der Fahrzeuge, Geräte und Maschinen über die In-vestitionsbeiträge zu leisten.

<271>

Früchte des Bündnisses, Werden und Wachsen der sozialistischen Landwirtschaft der DDR,

Berlin (O) 1985, S. 170.

<272>

Vgl. Die Bodenreform ... , a. a. O. , S. 26.

<273>

Vgl. Der Freie Bauer, Nr. 28/1946, S. 3.

<274>

Vgl. Der Freie Bauer, Nr. 48/1947, S. 3 f.

<275>

Vgl. Die Bodenreform ... , a. a. O. , S. 26.

<276>

Die Parteiführung bediente sich zur Beeinflussung der Landbevölkerung vielfältiger agitatorischer Mittel. Leitende Mitarbeiter und "Aufklärer" aus der Stadt, will sagen politisch bewährte Arbeiter aus den Betrieben, versuchten, den Dorfbewohnern die angeblichen und tatsächlichen Vorteile der neuen Gesellschaft zu erläutern, ihnen die Absichten der Parteiführung darzulegen und sie für deren Vorhaben zu gewinnen.

<277>

Die neuen gesellschaftlichen Ziele wurden zunächst - d. h. bis zur 2. Parteikonferenz der SED - nicht als sozialistisch bezeichnet. Wie schon dargelegt gehörte auch dazu, daß das Ziel Sozialisierung" der Landwirtschaft entrüstet abgelehnt wurde.

<278>

1. Durch den Einfluß der KPD zunächst in den Ausschüssen der gegenseitigen Bauernhilfe, dann in den Gliederungen der VdgB selbst; 2. durch Zuordnung der MAS; 3. durch Anschluß der BHG an die VdgB; 4. durch die spätere Verdrängung der Großbauern aus den Vorständen.

<279>

Die Nationalsozialisten beseitigten deren gewisse Selbständigkeit, enteigneten sie z. T. und gliederten sie schließlich in den Reichsnährstand ein.

<280>

Vgl. Verordnungsblatt für die Provinz Sachsen, Nr. 7/1945, S. 6.

<281>

Vgl. Neide, C. von der, Raiffeisens Ende in der sowjetischen Besatzungszone, Bonn 1952, S. 6.

<282>

Bei den VEAB handelte es sich nicht um Genossenschaften, sondern um staatliche Betriebe.

<283>

Vgl. ebenda, S. 25.

<284>

GBl. 1952, Nr. 26, S. 148. Durch Beauftragte der SED-KL in den Kreisfilialen der Bauernbanken sicherte sich die SED ihren direkten politischen Einfluß. Dies geschah in der Absicht, die Vermögens- und Geldbewegungen der Großbauern zu beobachten und zu beeinflussen sowie im Sinne der geplanten ökonomischen Knebelung der Großbauernwirtschaften die Ausgabe dringend benötigter Kredite an jene zu verhindern bzw. auf ein Minimum zu beschränken.

<285>

Vgl. Statistisches Jahrbuch der DDR 1959, a. a. O. , S. 162.

<286>

Kramer, M. , Die Landwirtschaft in der SBZ, Die Entwicklung in den Jahren 1945-1955, Bonn 1957, S. 72.

<287>

Vor dem Juniaufstand des Jahres 1953 und wenige Tage nach dessen Niederschlagung erließen Partei- und Staatsführung der DDR einen Katalog von Maßnahmen. Als "Neuer Kurs" bezeichnet, brachten sie für die Bevölkerung der DDR gewisse Erleichterungen mit sich.

<288>

Vgl. dazu z. B. das Verordnungsblatt der Provinzialverwaltung der Mark Brandenburg, Nr. 1/1945, S. 10.

<289>

Vgl. Die Maschinen-Traktoren-Stationen in der sowjetischen Besatzungszone, Materialien zur Wirt-schaftslage in der sowjetischen Zone, a. , a. , O. , S. 8.

<290>

In Sonderheit traf dies auf die Saatgut- und Zuchttierproduktion zu.

<291>

Vgl. Zentralverordnungsblatt, Teil I, Nr. 57/1949, S. 498 ff.

<292>

Vgl GBl. 1951, Nr.10, S. 47.

<293>

Horz, G. , a. a. O. , S. 77; vgl. ebenda, S. 163-165.

<294>

Vgl. Statistisches Jahrbuch der DDR 1968, a. a. O. , S. 255.

<295>

Vgl. Statistisches Jahrbuch der DDR 1969, Berlin (O) 1970, S. 179.

<296>

Errechnet nach ebenda.

<297>

Zusammengestellt nach ebenda.

<298>

Vgl. GBl. 1953, Nr. 99, S. 983-985.

<299>

Durchführungsbestimmungen vom 30. 9. 1953, GBl. 1953, Nr. 105, S. 1013 und vom 5. 2. 1954,

GBl. 1954, Nr. 23, S. 225-228 ergänzten o. g. Verordnung.

<300>

Vor Verabschiedung o. g. Verordnung nahmen diese Aufgabe VEG, Gemeinden, von den Gemeinden bestellte Treuhänder und ab dem Sommer 1952 in Dörfern, in denen bereits LPG bestanden, jene wahr.

<301>

GBl. 1954, Nr. 23, S.

<302>

Ebenda, S. 225, § 1.

<303>

Sie wurden als sogenannte volkseigene Ländereien in Rechtsträgerschaft bezeichnet.

<304>

Vgl. Verordnung über die Bestrafung von Verstößen gegen die Wirtschaftsordnung vom 23. September 1948, Zentralverordnungsblatt, Berlin (O) 1948, S. 439; geändert durch eine Verordnung vom 29. Oktober 1953. Vgl. GBl. 1953, Nr. 115, S. 1077 f.

<305>

Anleitung und Kontrolle der Betriebsleiter erfolgte durch die Abteilung Landwirtschaft der Räte er Kreise.

<306>

Vgl. Die marxistisch-leninistische Agrarpolitik von der gegenseitigen Bauernhilfe und demokratischen Bodenreform zur Ausarbeitung und Anwendung des neuen ökonomischen Systems der Planung und Leitung in der Landwirtschaft der DDR, Autorenkollektiv unter Leitung von G. Grüneberg, Berlin (O) 1965, S. 93.

<307>

Als ermittelte Gründe für die Verweigerung sind zu nennen: eine verglichen mit den LPG geringere staatliche Kontrolle, ein häufig lockereres Arbeitsregime als in den LPG und eine oftmals höhere Entlohnung als sie in den Genossenschaften möglich gewesen wäre.

<308>

Vgl. GBl. 1953, Nr. 99, S. 984.

<309>

Die Gründe hierfür lagen in dem geringen Besatz der betreffenden ÖLB mit Arbeitskräften, Vieh, Stallungen sowie landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen.

<310>

Zur ökonomischen Politik der SED und der Regierung der DDR, Bd. I, Berlin (O) 1955, S. 182. Nur in Ausnahmefällen sollten künftig ÖLB in VEG eingegliedert bzw. in VEG umgewandelt werden.

<311>

Vgl. Die III. LPG-Konferenz, Berlin (O) 1955, S. 70 f.

<312>

Die V. LPG-Konferenz, a. a. O. , Protokoll , Berlin (O) 1957, S. 98f.

<313>

Vgl. Statistisches Jahrbuch der DDR 1956, a. a. O. , S. 361. Der prozentuale Anteil der LPG vom Typ III vergrößerte sich bis Ende 1953 auf 41, bis Ende 1955 auf 76,9 Prozent.

<314>

Diese Aussage trifft besonders auf die Jahre 1954/1955 zu.

<315>

Vgl. Die IV. LPG-Konferenz, a. a. O. , S. 32.

<316>

Protokoll des V. Parteitags der SED, Bd. I, Berlin (O) 1958, S. 527.

<317>

Ulbricht, W. , Die gegenwärtige Lage und der Kampf um das neue Deutschland, Berlin (O) 1954, S. 115.

<318>

Krebs, Chr. , Der Weg . . . , a. a. O. , S. 302.

"Wenn man die Erträge der ÖLB mit den Erträgen der LPG vergleicht" - so führte Rau weiter aus -,

"dann liegen die Erträge der LPG um 25 % höher bei Getreide, um 50 % bei Kartoffeln, um 140 % bei Schlachtvieh und um 300 % bei Milch." Krebs, Chr. , Der Weg ... , a. a. O. , S. 302.

<319>

Vgl. Die V. LPG-Konferenz, Protokoll, S.119.

<320>

Vgl. Tümmler, E. ; Merkel, K. ; Blohm, G. , a. a. O. , S. 49.

<321>

Diese sah die totale Ablieferungspflicht für pflanzliche Produkte vor.

<322>

Klemm, V. , a. a. O. , S. 171.

<323>

Nachdem die Differenzierungskommission des jeweiligen Dorfes die Sollmengen festgelegt hatte, erging von ihr eine Meldung an den zuständigen VEAB.

Die Festlegung der Preise lag in der Kompetenz des Ministerrates bzw. des Amtes für Preise.

<324>

Sie ließen sich dabei von Plänen leiten, die das Staatssekretariat für Erfassung und Aufkauf in Zu-sammenarbeit mit dem Ministerium für Land- und Forstwirtschaft und die Staatliche Plankommission erstellten.

<325>

Nachdem anfänglich die Veranlagung für die Pflichtablieferung tierischer Produkte nach der Vieh-stückzahl erfolgte, wurde sie ab dem Jahre 1950 nach dem Umfang der LN durchgeführt.

<326>

Um eine gewisse Planung in der Landwirtschaft zu ermöglichen, hatten seit Beginn der fünfziger Jahre die Bauernwirtschaften nach verbindlichen Anbau- und Viehhalteplänen zu arbeiten. Die Be-auflagung der einzelnen Wirtschaften erfolgte in der jeweiligen Gemeinde durch eine Kommission unter Leitung des Bürgermeisters.

<327>

Die Aufkaufpreise für "Freie Spitzen" sollten die bäuerlichen Betriebe zur Steigerung ihrer Produk-tion anregen und ihnen einen gewissen Ausgleich für die geringen Erlöseaus der Pflichtablieferung verschaffen. Produktion

<328>

Vgl. Tümmler, E. ; Merkel, K. ; Blohm, G. , a. a. O. , S. 46; GBl. 1949, Nr. 17, S. 123.

<329>

Vgl. Tümmler, E. ; Merkel, K. ; Blohm, G. , a. a. O. , S. 46.

<330>

Horz, G. , a. a. O. , S. 88.

<331>

Dies bedeutete nicht, die Einzelbauern von der strengen Erfüllung der Ablieferungsverpflichtungen zu entbinden.

<332>

Ihre Genesis, Entwicklung, Aufgaben und Rolle sind soeben kurz skizziert worden.

<333>

Thalheim, K. C. , Die Sowjetische Besatzungszone Deutschlands, in: Die Sowjetisierung Ost-Mitteleuropas 1945-1957, hrsg. von Birke-Neumann, Frankfurt/M.-Berlin (W) 1959, S. 347.

<334>

Vgl. Horz, G. , a. a. O. , S. 64.

<335>

Der Abtransport von Vieh währte bis in das Jahr 1948.

<336>

Horz, G. , a. a. O. , S. 64.

<337>

Der V. Parteitag der SED vom Juli 1958 legte fest, zur Siebenjahresplanung überzugehen. Die Parteiführung verwarf diese Regelung aber bald wieder.

<338>

Produktionspläne für die einzelbäuerlichen Betriebe schrieben die Räte nicht vor.

<339>

Konnten sie ihren wirtschaftlichen Verpflichtungen nicht nachkommen, blieb beinahe stets nur die Aufgabe des Betriebes, die Flucht in den Westen oder - seit Anfang 1955 stand diese Variante auch Großbauern offen - der Eintritt in eine LPG.

<340>

Immler, H. , Agrarpolitik ... , a. a. O. , S. 62.

<341>

Darunter sind die Mitgliedsstaaten des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe zu verstehen.

<342>

Entscheidungen von größerer Tragweite fällte die Parteiführung primär aus politischen, nicht aber ideologischen Erwägungen. Die Ideologie diente der Verbrämung und Verschleierung der tatsächlich praktizierten Politik.

<343>

Diese Betrachtungsweise widerspiegelte sich in der Fachliteratur der DDR sehr detailliert.

<344>

Die marxistisch-leninistische Agarpolitik von der gegenseitigen Bauernhilfe ... , a. a. O. , S. 63.

<345>

Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 203. Auf derselben Seite findet sich eine Tabelle, die Auskunft über den Mechanisierungsgrad bestimmter Feldarbeiten gibt.

<346>

Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 203.

<347>

Vgl. Von der demokratischen Bodenreform zum sozialistischen Dorf, Autorenkollektiv: Herferth, W. ; Poosch, K.-H. ; Stöckigt, R. , Berlin (O) 1965, S. 90.

<348>

Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 202, Tabelle 3/14.

<349>

Vgl. ebenda.

<350>

Die wesentlichen Gründe für die angeblich geringfügige Leistungsfähigkeit der Einzelbauernwirt-schaften sind zuvor genannt worden.

<351>

Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 202.

<352>

Ebenda.

<353>

Ebenda, S. 203.

<354>

Der Anteil der großbäuerlichen Betriebe an der Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Betriebe betrug zum damaligen Zeitpunkt 5,3 %. Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 203.

<355>

Vgl. ebenda.

<356>

Ebenda, S. 204.

<357>

Früchte ... , a. a. O. , S. 83.

<358>

In den volksdemokratischen Staaten Ost- und Südosteuropas war unter ihrem maßgeblichen Einfluß diese Entwicklung bereits weit vorangeschritten.

<359>

Vgl. ebenda, S. 200.

<360>

Schulz, D. , Der Weg in die Krise 1953, Hefte zur ddr-Geschichte, Berlin 1993, S. 14; vgl. Beschluß der 2. Parteikonferenz der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands zur gegenwärtigen Lage und zu den Aufgaben im Kampf für Frieden, Einheit, Demokratie und Sozialismus, in: Protokoll der Verhandlungen der 2. Parteikonferenz der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Berlin (O) 1952, S. 493.

<361>

Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 200, Abb. 3/6. Dieser Vorteil erwuchs nicht ausschließlich aus der beschleunigten Entwicklung der Schwerindustrie. Vielmehr trugen gleichfalls staatliche Maßnah- men - wie weitgehender Lieferstop von landwirtschaftlichem Inventar, insbesondere von Traktoren und größeren Maschinen an Großbauern - zu günstigeren Produktionsvoraussetzungen der staatlichen Landwirtschaftsbetriebe im Vergleich zu den individuell wirtschaftenden großen Bauernwirt-schaften bei.

<362>

Sie firmierten als Sowjetische Aktiengesellschaft.

<363>

Hilfssendungen aus der UdSSR gingen stets mit großer propagandistischer Aufmachung einher.

<364>

Klemm, V. , a. a. O. , S. 201.

<365>

Vgl. ebenda.

<366>

In den "Mitschurinzirkeln" erhielten die Mitglieder wesentliche biologische Grundkenntnisse für eine landwirtschaftliche Tätigkeit vermittelt.

<367>

Immler, H. , Agrarpolitik ... , a. a. O. , S. 62.

<368>

Ebenda.

<369>

Die DDR litt Zeit ihres Bestehens an notorischer Devisenknappheit.

<370>

Diese Einschränkung stellte die Parteiführung als Konsequenz aus dem Mangel an Technik dar.

<371>

Es handelte sich dabei um solche, die allesamt diese Zeit bewußt miterlebt hatten.

<372>

Sie hinterließen allerdings ihre ökonomischen Ansichten zur Agrarfrage nicht als geschlossene Theorie.

<373>

Vgl. Mitrany, D. , Marxismus und Bauerntum, München 1956; David, E. , Sozialismus und Landwirt-schaft, Leipzig 1922; Blohm, G. , Agrarökonomie, in: Sowjetsystem und demokratische Gesellschaft, Eine vergleichende Enzyklopädie, Bd. I, hrsg. von Kernig, C. D. , Freiburg - Basel - Wien 1966; Kautsky, Karl, Die Agrarfrage, Stuttgart 1899.

<374>

Verwirklicht wurde sie dann unter Stalin in den Jahren 1927 bis 1933.

<375>

Kein Teil der von Marx angenommenen Wirtschaftstheorie war unkritischer übernommen worden als dieser.

<376>

Stanek, I., Landwirtschaft in Ost und West, Stuttgart 1977, S. 192. Die höchste Konzentrationsform der Landwirtschaft der DDR im Betrachtungszeitraum verkörperten die VEG und die LPG.

<377>

Marx, K., Das Kapital, in: Marx, K., Engels, F., Werke, Berlin (O) 1956 - 1968, Bd. 25, S. 815.

<378>

Marx/Engels, Werke, Bd. 18, Berlin(O) 1968, S. 62.

<379>

Ebenda, S. 630.

<380>

Vgl. Engels, F. , Die Bauernfrage in Frankreich und Deutschland, in: Marx/ Engels, Ausgewählte Schriften, Bd. II, Berlin (O) 1961, S. 406.

<381>

Engels, F. , Die Bauernfrage in Frankreich und Deutschland, Marx/Engels, Werke, Berlin (O) 1963,

Bd. 22, S. 499.

<382>

Ebenda, S. 503.

<383>

Ebenda, S. 503.

<384>

Das hing natürlich auch mit der konkreten sozialökonomischen Situation in Rußland zusammen. Im Hinblick auf die überwiegende Eigentumsform der kleinen Warenproduktion betrachtete Lenin Rußland als das kleinbürgerlichste Land der Welt.

<385>

Lenin, W. I. : Über das Genossenschaftswesen, in: Ausgewählte Werke in 3 Bänden, Bd. 3, Berlin (O) 1966, S. 859.

<386>

Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 207.

<387>

Hingewiesen sei hier beispielsweise auf die Kooperation im Produktionsprozeß und die Verteilung der Einkünfte.

<388>

Lenin, W. I. , Rede an die Delegierten der Komitees der Dorfarmut des Moskauer Gebiets, in: Werke, Bd. 28, Berlin 1970, S. 171. Später warnte Lenin aber vor der Einrichtung von Kommunen.

<389>

Lenin, W. I. , Der Kapitalismus in der Landwirtschaft, (Über das Buch Kautskys und einen Artikel des Herrn Bulgakow), in: Lenin/Stalin zu Fragen der Landwirtschaft, Berlin (O) 1955, S. 399 f.

<390>

Lenin, W. I. , Über das Genossenschaftswesen, in: Ausgewählte Werke in 3 Bänden, Bd. 3, a. a. O. , S. 864.

<391>

Derselbe, Staat und Revolution, in: Werke, Bd. 25, Berlin(O) 1970, S. 429.

<392>

Derselbe, Über das Genossenschaftswesen, in: Werke, Bd. 33, Berlin (O) 1973, S. 457.

<393>

Lenin sprach immer von proletarischer und/oder kommunistischer Partei. Der Begriff des Leninismus und der "marxististisch-leninistischen" Partei wurde erst von Stalin erfunden. Dabei handelte es sich nicht nur um eine terminologische Zusammenfassung der Leninschen Ideen, sondern der Begriff des Leninismus war für Stalin Deckmantel, unter dem er seine eigene Verzerrung der sozialistischen Idee vollzog - mit all den tragischen Folgen, die letztlich zur historischen Niederlage des realen Sozialismus führten. gl. Lenin, W. I. , Ursprünglicher Entwurf der Thesen zur Agrarfrage (für den Zweiten Kongreß der Kommunistischen Internationale), in: Werke, Bd. 31, Berlin(O) 1970, S. 140 f; Bericht über die poli-ische Tätigkeit des ZK der KPR (B), 8. März. X. Parteitag der KPR (B), 8.-16. März 1921, in: Werke, Bd. 32, Berlin (O) 1970, S. 185-188.

<394>

Vgl. Lenin, W. I. , Tagung des I. Kongresses der Landarbeiter des Petrograder Gouvernements, in: Werke, Bd. 29, Berlin (O) 1963, S. 27.

<395>

Vgl. Lenin, W. I. , Bericht über die Arbeit auf dem Lande, 23 März, VIII. Parteitag der KPR (B), 18.-23. März 1919, in: Werke, Bd. 29, Berlin (O) 1963, S. 200.

<396>

Vgl. Lenin, W. I. , Über die Naturalsteuer, in: Werke, Bd. 32, Berlin (O) 1963, S. 362.

<397>

Vgl. Lenin, W. I. , Über das Genossenschaftswesen, a. a. O. , S. 456 und S. 460.

<398>

Vgl. Engels, F. , Die Bauernfrage in Frankreich und Deutschland, a. a. O. , S. 499.

<399>

Vgl. Lenin, W. I. , Resolution über die Stellung zur Mittelbauernschaft, VIII. Parteitag der KPR(B), in: Werke, Bd. 29, Berlin (O), S. 204.

<400>

Vgl. Lenin, W. I. , Über das Genossenschaftswesen, a. a. O. , S. 455.

<401>

Vgl. ebenda.

<402>

Lenin, W. I , Referat über die Ersetzung der Ablieferungspflicht durch die Naturalsteuer, 15. März, X. Parteitag der KPR (B), 8.-16. März 1921, in: Werke, Bd. 32, Berlin 1963, S. 219.

<403>

Vgl. Lenin, W. I , Rede auf dem I. Kongreß der Landwirtschaftlichen Kommunen und Artels, 4. Dezember 1919, in: Werke, Bd. 30, Berlin(O) 1972, S. 182.

<404>

Lenin, W. I. , Resolution über die Stellung zur Mittelbauernschaft, VIII. Parteitag der KPR(B), a. a. O. , S. 204.

<405>

Derselbe, Über das Genossenschaftswesen, a. a. O. , S. 460 f.

<406>

Dieser Plan stellte offiziell die theoretische Grundlage für die Durchsetzung des sozialistischen Aufbaus in den Dörfern der DDR dar.

<407>

Angesichts des Scheiterns des realsozialistischen Experiments drängt es sich auf, Kritisches zu den Auffassungen von Marx, Engels und Lenin über die Landwirtschaft anzumerken. Etwa, welche ihrer Ansichten hat sich vor der Geschichte als nicht haltbar oder durch die gesellschaftliche Entwicklung als überholt erwiesen? Diese Fragen sind von äußerst politisch-ökonomischer Brisanz, deren Beantwortung aber den vorgegebenen Rahmen der Arbeit sprengen würde.

<408>

Die GAEC (Groupement Agricole d' Exploitation en Commune) verkörpern eine spezielle Genossenschaftsform in Frankreich. Im Jahre 1990 bewirtschafteten in diesem Land ca. 40 000 GAEC-Betriebe 4,5 % der Landwirtschaftsbetriebe - 12,5 % der LN. Vgl. Hagelschuer, P. , Zusammenfassende Wertung der Bildung von Gruppenlandwirtschaftsbetrieben in Frankreich (Groupement Agricole d' Exploitation en Commune), Berlin 1990, S. 1. Vgl. zu dieser Problematik weiter Pfeifer, J. , Die Grup-penlandwirtschaft in Frankreich KTBL-Schriften 250, Landwirtschaftsverlag, Münster-Hiltup 1980 und Nieschke, H.-D. , Gruppenbetriebe - eine Alternative? In: Neue Deutsche Bauernzeitung, Nr. 36, 1990, S. 5.

<409>

Bereits an dieser Stelle sei auf das häufige Ignorieren des Prinzips der Freiwilligkeit des Genossenschaftsbeitritts hingewiesen.

<410>

Zu den besonders negativen Erscheinungen zählen:

- eine andauernde Hungersnot in den dreißiger Jahren;

- die Zerstörung von Millionen Bauernexistenzen ("Kulaken");

- der Mangel an materiellen Anreizen für die Bauern;

- die jahrzehntelange Stagnation der landwirtschaftlichen Produktion auf dem Niveau des Jahres 1913.


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Thu Oct 5 11:46:33 2000