Mahlich, Wolfgang: Die Herausbildung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in der DDR, dargestellt an der Entwicklung des Kreises Haldensleben, Bezirk Magdeburg (1952 bis 1960)

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Kapitel 2. Die ersten Jahre der LPG-Entwicklung in der DDR (1952 bis 1955)

2.1 Die Landwirtschaftsentwicklung der DDR von 1952 bis zum Ende des ersten Fünfjahrplanes (Kurzer Abriß)

2.1.1 Die Beschlüsse der 2. Parteikonferenz der SED und ihre ersten Auswirkungen auf die Landwirtschaft

Vom 9. bis 12. Juli 1952 fand in Berlin die 2. Parteikonferenz der SED statt.<411> Nach eingehender Erörterung der gegenwärtigen Lage in der DDR durch die Konferenzteilnehmer verkündete W. Ulbricht: "Die politischen und ökonomischen Bedingungen sowie das Bewußtsein der Arbeiterklasse und der Mehrheit der Werktätigen sind so weit entwickelt, daß der Aufbau des Sozialismus zur grundlegenden Aufgabe in der Deutschen Demokratischen Republik geworden ist. Das deutsche Volk wird unter Führung der Arbeiterklasse die großen Ideen des Sozialismus verwirklichen."<412> In allen Bereichen der Gesellschaft sollten planmäßig die Grundlagen des Sozialismus geschaffen werden. Diese Absichtserklärung fand bei den Delegierten, "bewährten" Parteigenossen, begeisterte Zustimmung. Der Verfahrensweg könnte den Anschein erwecken, die neue politische Zielrichtung wäre auf demokratischem Wege zustande gekommen und verkörpere die Umsetzung des Wollens breiter Bevölkerungskreise. In der Realität verhielt es sich jedoch so, daß die SED-Spitze auf Geheiß der Parteiführung der KPdSU (B) längst vor der 2. Parteikonferenz die Errichtung der Grundlagen des Sozialismus in der DDR als ihr bedeutsamstes politisches Vorhaben festgelegt hatte.

In ihren Beschlüssen legte die 2. Parteikonferenz die Aufgaben fest, die vorrangig beim Aufbau des Sozialismus in der DDR gelöst werden sollten. In ihnen spiegelte sich aus dem Blickwinkel der Parteiführung der SED die Weiterentwicklung ihrer strategischen Grundkonzeption wider. Als Hauptaufgaben auf dem Gebiete der Ökonomie bezeichnete die Konferenz die Realisierung der Zielstellungen des Fünfjahrplans, vor allem aber die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft. Die Erfüllung des Fünfjahrplans, so vermerkten die Konferenzteilnehmer weiter, böte die Möglichkeit einer erweiterten Hilfeleistung für die werktätige Bauernschaft. So könnten in der landwirtschaftlichen Produktion größere Erfolge erzielt und der Lebensstandard der werktätigen Bauern durch die vermehrte Lieferung von Massenbedarfsgütern erhöht werden.<413>

Entsprechend der vermeintlichen Notwendigkeit und den angeblich bestehenden Voraussetzungen faßte die 2. Parteikonferenz den Beschluß, die Vereinigung werktätiger Bauern und Landarbeiter in Produktionsgenossenschaften allseitig zu unterstützen. Jede Veränderung der hergebrachten bäuerlichen Produktionsweise müsse den Bauern erläutert und auf völlig freiwilliger Grundlage durchgeführt


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werden.<414> Dabei ging die SED-Führung davon aus, daß die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft unter Führung der Arbeiterklasse bei ständiger Festigung des Bündnisses mit der gesamten werktätigen Bauernschaft, also den Genossenschafts-, den Klein- und Mittelbauern, erfolgen müsse. Der Hauptredner auf der

2. Parteikonferenz, Ulbricht, führte dazu aus: "Die Arbeiter bedürfen der Hilfe von seiten der Bauern, die die Stadt mit Lebensmitteln und Industriestoffen versorgen. Ihrerseits können die Bauern nicht ohne die Hilfe der Arbeiter auskommen, da die städtische Industrie die Bauern nicht nur mit Massenbedarfsgütern versorgt, sondern auch mit den Mitteln, ohne die eine landwirtschaftliche Produktion unmöglich ist: mit Maschinen, Geräten, Dünger usw. Ohne die leitende Hilfe der Arbeiterklasse kann die Bauernschaft überhaupt kein neues, besseres Leben aufbauen."<415>

Optimistisch verkündete er: "Wenn wir freundschaftliche Beziehungen zu den werktätigen Bauern herstellen, jedes Kommandieren im Dorfe unterlassen, den landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften helfen, ohne in ihre innere demokratische Bewegung einzugreifen, dann wird es mit der Schaffung der Grundlagen des Sozialismus in der Landwirtschaft vorwärtsgehen."<416>

Die gegenseitige Hilfe zwischen den Bauern sei unter Anleitung der VdgB (BHG) fortzuführen. Gerade von dieser Organisation erwartete die Parteiführung Unterstützung für die werktätigen Bauern bei der Bildung von LPG .

Die angestrebten Veränderungen auf dem Lande erforderten aus der Sicht der Konferenz die konsequente Leitung durch den Staat. Dabei wäre zu beachten, "daß die Verschärfung des Klassenkampfes unvermeidlich ist und die Werktätigen den Widerstand der feindlichen Kräfte brechen müssen."<417> Die Konferenz bezog eindeutig Stellung zu der Frage, wer unter den gegenwärtigen Verhältnissen auf dem Lande als Großbauer anzusehen sei. "Als Großbauernwirtschaften sind solche Wirtschaften zu betrachten", so führte Ulbricht aus, "die mehr als 20 Hektar Land mittlerer Bodenqualität besitzen und Landarbeiter beschäftigen mit dem Ziel, nicht selbst erarbeitete Einkünfte zu erhalten. Es versteht sich, daß zu dieser Gruppe die großkapitalistischen Wirtschaften gehören, die 50 Hektar und mehr Land besitzen und die ständig fremde Arbeitskraft ausbeuten.

Wir sprechen von mittlerer Bodenqualität. Das bedeutet, daß es Bauern mit besonders gutem Boden gibt und große Gartenbaubetriebe, die auch bei geringerer Hektarzahl als Großbauernbetriebe oder als kapitalistische Betriebe in der Landwirtschaft angesehen werden müssen."<418>

Mit der 2. Parteikonferenz begann ein neuer, äußerst gravierender Entwicklungsabschnitt in der Landwirtschaft der DDR, der mit der Überführung im Prinzip aller individuell wirtschaftenden Bauern in landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften endete. Die einschneidende Umwälzung der


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Agrarverhältnisse, die mit der Bodenreform anhob, ging in ein neues Stadium über. Für die meisten von ihnen ungewollt, von anderen mit ambivalenten Gefühlen akzeptiert, von einer kleinen, nicht zu ignorierenden Zahl ehrlich herbeigesehnt, “... setzte die unmittelbare Einbeziehung der werktätigen Bauern in den Aufbau des Sozialismus ein.“<419>

Die Konferenz verfolgten breite Bevölkerungskreise der DDR mit großer Aufmerksamkeit. Die Bauern brachten ihr ein Interesse entgegen, das von Bangen um die Zukunft ihrer Betriebe geprägt war. Insofern ist die Aussage der Neubäuerin Pannwitz aus Schenkenberg/Krs. Delitzsch, die Bauern hätten "... schon darauf gewartet, daß von der Parteikonferenz der SED auch für die Landwirtschaft eine neue Regelung kommt“ nicht frei von Pikanterie, ja Doppelsinnigkeit.<420> Denn es verhielt sich keineswegs so, wie diese Aussage verallgemeinernd interpretiert wurde, daß die Mehrzahl der Bauern der Bildung von LPG “entgegenfieberte“. In erster Linie befürchteten Bauern, die mittel- und großbäuerliche Betriebe bewirtschafteten,, bereits in den folgenden Monaten durch den erzwungenen Eintritt in LPG, ihr oft über einen Zeitraum von Generationen erarbeitetes und behütetes Eigentum einzubüßen. Eine Vorstellung, die so gar nicht mit ihrer Vision vom “freien Bauern“ auf “freier Scholle“ korrespondierte.

Den Neubauern fiel es gleichfalls nicht leicht, ihr ernsthaftes Bemühen um die Aufrechterhaltung ihrer Wirtschaften vorausgesetzt, sich mit dem Gedanken an einen LPG-Beitritt vertraut zu machen. Die Mehrheit der Bauern erkannte - schmerzlich und durchaus nicht, wie die SED-Führung damals und erst recht in den folgenden Jahrzehnten glaubhaft zu machen versuchte -, freudvoll, daß ein neuer, angeblich besserer Abschnitt in ihrem Leben anhob. In dessen Verlauf wurde die Bauernschaft in das überwiegend nicht erstrebte Korsett des Aufbaus des Sozialismus auf dem Lande gezwungen und fand sich in LPG wieder, trat die Flucht in den Westen an oder kehrte der Landwirtschaft den Rücken und nahm eine andere Tätigkeit auf.

Die ersten LPG der DDR entstanden bereits in den Monaten Juni/Juli 1952 in den Dörfern Merxleben (Krs. Mühlhausen), Alt-Tucheband (Krs.Seelow), Gustebin (Krs. Greifswald) - um einige zu nennen - sowie im Bezirk Magdeburg in Gollensdorf (Kreis Seehausen) und Kunrau (Kreis Klötze).<421>

Im Kreis Haldensleben gründeten Mitte Juli 1952 einige wenige werktätige Bauern und Landarbeiter in Rottmersleben die erste LPG.<422>

Als Schrittmacher der LPG-Bildung traten Neubauern und Landarbeiter mit langjähriger kommunistischer politischer Prägung hervor, die ihr Lebensziel darin sahen, in der DDR eine


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sozialistische Gesellschaftsordnung zu schaffen. Erste Mitglieder oder Gründer von LPG wurden auch Neubauern, die ihren wirtschaftlichen Schwierigkeiten entfliehen wollten und Landarbeiter, die sich durch den Beitritt eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen erhofften.

Die SED-Führung ging zunächst davon aus, den Übergang von der individuellen zur genossenschaftlichen Produktionsweise bei äußerst offensiver Überzeugungsarbeit unter den werktätigen Bauern und Landarbeitern erst in einem größeren Zeitraum zu vollziehen. Mit der Feststellung, “daß die werktätige Bauernschaft nur unter der politischen Führung der industriellen Arbeiterschaft, nur mit Unterstützung der sozialistischen Staatsmacht, nur bei ausreichender Versorgung der Landwirtschaft mit modernen Großmaschinen und Geräten sowie Düngemitteln seitens der sozialistischen Industrie, nur bei Anwendung der modernen Agrarwissenschaft zum Sozialismus gelangen kann“, nahm im August 1952 die Parteiführung ihre Mitglieder und gleichfalls die der anderen Parteien, der Massenorganisationen sowie der Mitarbeiter des Staatsapparates in die Pflicht, die Gründung von LPG zu unterstützen.<423> Sie erklärte damit den Aufbau des Sozialismus auf dem Lande zum gesamtgesellschaftlichen Anliegen. Strenger als zuvor bestimmte und kontrollierte die Parteiführung "... die Produktionsmittelbereitstellung und die Vermarktung der Produkte, legte Preise, Tarife und Steuern fest und lenkte teilweise selbst den Produktionsmitteleinsatz.“<424>

Nachdem die 2. Parteikonferenz die Grundprinzipien des planmäßigen Aufbaus des Sozialismus auf dem Lande festgelegt hatte, sah die Parteiführung ihre nächste Aufgabe darin, Wege, Formen und Methoden zu deren Durchsetzung zu beschließen und in die Praxis umzusetzen. Die Umwälzung der hergebrachten Agrarstruktur erwies sich in Anbetracht fehlender Erfahrungen in einem hochindustrialisierten Land, dazu bei Bestehen zweier deutscher Staaten mit unterschiedlichen Gesellschaftssystemen unter den Bedingungen einer offenen Grenze, als äußerst diffiziles Vorhaben.<425> Erschwerend gesellten sich ein tiefverwurzelter, historisch gewachsener Eigentumssinn der Bauern und Zweifel an der Durchsetzbarkeit des Sozialismus in der DDR, ja am Weiterbestehen dieses Staates überhaupt, hinzu.<426>

Um die Situation nicht weiter zu komplizieren entschloß sich die Parteiführung, den sozialistischen Aufbau auf dem Lande unter Beibehaltung des Privateigentums an Grund und Boden durchzuführen. Folgerichtig hieß es so in den maßgeblich von ihren Zielvorstellungen geprägten Statuten der LPG vom Typ I und Typ II: “Der Boden bleibt Eigentum der Bauern. Beim Austritt oder Ausschluß aus der Produktionsgenossenschaft erfolgt die Rückgabe der Bodenanteile bei gleicher Qualität am Rande der genossenschaftlichen Ländereien.“<427> Eine mit dieser Festlegung inhaltlich übereinstimmende


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Formulierung wird in dem Musterstatut der LPG vom Typ III getroffen.<428> Die Festlegungen über das Eigentum erfuhren im Laufe der weiteren Entwicklung keine Veränderung. Die LPG blieben uneingeschränkte Nutzer des Bodens, die private Verfügungsgewalt über das Bodeneigentum unterlag damit erheblichen Einschränkungen.<429>

Für den Aufbau, die Organisation und die Art des Wirtschaftens der LPG verabschiedete die erste Konferenz der Vorsitzenden und Aktivisten der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften<430> Anfang Dezember 1952 auf der Grundlage der Statuten der LPG Worin (Typ I)<431>, Merxleben (Typ II)<432> und Fienstedt (Typ III)<433> Musterstatuten, die gleichfalls noch im Dezember 1952 durch eine Musterbetriebsordnung für Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften<434> sowie durch einen Katalog Musterarbeitsnormen und Bewertung der Arbeit in Arbeitseinheiten eine Ergänzung und Präzisierung fanden.<435> Anders als bei der Errichtung einer genossenschaftlichen Landwirtschaft in den europäischen Ländern, die den Aufbau des Sozialismus anstrebten, standen den beitrittswilligen werktätigen Bauern und Landarbeitern in der DDR drei Typen von LPG zur Auswahl. Diese unterschieden sich in erster Linie durch den Vergesellschaftungsgrad der Produktionsmittel, durch den Umfang der zu leistenden genossenschaftlichen Arbeit sowie der Verteilung der Einkünfte an die Genossenschaftsmitglieder voneinander. Die Möglichkeit der Wahl zwischen verschiedenen Typen von LPG sollte den werktätigen Bauern einen Genossenschaftsbeitritt leichter werden lassen.

Die Musterstatuten der LPG des Typs I sahen vor, das Ackerland zur gemeinsamen Nutzung in die LPG einzubringen, das Vieh aber zunächst weiterhin individuell zu halten. Wiesen, Weiden und Wald sollten in privater Nutzung der Bauern verbleiben. Das zur gemeinsamen Feldwirtschaft benötigte Inventar hatten die LPG-Mitglieder der Genossenschaft zur Verfügung zu stellen.

Der Eintritt in eine LPG vom Typ II verlangte von den Bauern neben dem Acker- und Grünland die Zugkräfte, Maschinen und Geräte der Genossenschaft zu übertragen. Langfristig wurde in den LPG dieses Typs eine genossenschaftliche Viehwirtschaft aufgebaut. Allerdings spielten die LPG vom Typ II in der Landwirtschaft der DDR kaum eine Rolle.

Laut Musterstatut für LPG vom Typ III hatten die Genossenschaftsmitglieder die Feld- und Viehwirtschaft genossenschaftlich zu betreiben und Wiesen, Weiden, Waldparzellen sowie sämtliche anderen Flächen<436>


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der LPG zu übergeben.

Bei entsprechendem Beschluß der Mitgliederversammlung erhielten die Mitglieder aller drei Genossenschaftstypen zur Wahrung ihrer materiellen Interessen das Recht, sich eine individuelle Hauswirtschaft einzurichten. Sie durfte nicht mehr als 0,5 Hektar LN<437> und - in LPG des Typs III - verschiedene Nutztiere umfassen.<438>

Mit der Schaffung verschiedener Typen von LPG trug die SED-Führung dem Leninschen Prinzip des stufenweisen Aufbaus des Sozialismus auf dem Lande und der gesellschaftlichen Realität in der DDR durch die Beachtung des tiefverwurzelten Eigentumssinns der beitrittswilligen werktätigen Bauern, der unterschiedlichen objektiven und subjektiven Gegebenheiten und der bäuerlichen Traditionen Rechnung. Die Einrichtung von LPG der Typen I bis III ist als ein eigenständiger Beitrag der SED zur marxistischen Agrarpolitik zu betrachten.

Der gleichzeitige Zusammenschluß sämtlicher werktätiger Bauern in LPG des Typs III, der erhebliche materielle Aufwendungen erfordert hätte, wäre zum damaligen Zeitpunkt von der Volkswirtschaft der DDR nicht zu verkraften gewesen.<439>

Nach außen versuchte die Parteiführung akribisch den Schein zu wahren, sämtliche wichtigen Maßnahmen der schrittweisen Überleitung der werktätigen Bauern in LPG gemeinschaftlich mit diesen und beitrittsbereiten Landarbeitern zu beraten und in die Praxis umzusetzen. Zwar debattierten die Bauern nach ihrer Veröffentlichung in der Presse überall auf dem Lande über die Statuten - an ihren von der Parteiführung sanktionierten Eckpfeilern wurde jedoch nicht gerüttelt. Ausschließlich im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften bestand eine gewisse Flexibilität.<440>

Zwischenzeitlich trieb die SED-Führung den Umgestaltungsprozeß auf dem Lande mit Unterstützung sämtlicher Gliederungen der Partei, des Staatsapparates, der Blockparteien und der Massenorganisationen voran.

Mit dem Gesetz “Über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der staatlichen Organe in den Ländern der Deutschen Demokratischen Republik“ vom 23. Juli 1952 erhielten die örtlichen Volksvertretungen und ihre Organe in den Bezirken, Kreisen und Gemeinden die Verantwortung für die allseitige Förderung der LPG übertragen.<441> Gleichzeitig wurden die fünf Länder aufgelöst - an ihre Stelle


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traten 14 Bezirke.<442> Die Zahl der Kreise erhöhte sich auf 217.<443>

Zur Konsolidierung der jungen LPG und als Anreiz, der möglichst vielen werktätigen Einzelbauern<444> den Entscheid für den Eintritt in eine LPG weniger schwerfallen lassen sollte, beschloß der Ministerrat der DDR noch Ende Juli 1952 Vergünstigungen für die LPG und deren Mitglieder. Danach hatten u. a. die MAS die Felder der LPG nach der niedrigsten Tarifstufe zu bearbeiten sowie ihnen erprobte Agronomen und Viehwirtschaftsberater zur Seite zu stellen.<445> Als besonderen materiellen Anreiz erhielten die Genossenschaftsbauern eine Steuerermäßigung von 25 Prozent eingeräumt.<446>

Dermaßen unterstützt, schritt die Bildung von Genossenschaften voran. Schon im August 1952 bestanden in der DDR rund 100 LPG, in denen sich 1 220 bäuerliche Betriebe mit 1 518 werktätigen Einzelbauern sowie Landarbeitern zur gemeinschaftlichen Produktion vereinigt hatten.<447> Im September 1952 betrug die Zahl der LPG-Mitglieder 11 215. Darunter befanden sich ihrer sozialen Herkunft nach 9 278 Neubauern, 1 092 Landarbeiter, 642 Altbauern und 203 Arbeiter aus Industriebetrieben.<448>

In den ersten Monaten der Veränderungen auf dem Lande entstanden zumeist LPG vom Typ I. Bis zur Endphase der Genossenschaftsbildung wurden jedoch überwiegend LPG vom Typ III gebildet, obschon Ulbricht empfohlen hatte, “Schritt für Schritt“ vorzugehen.<449>

Im Oktober 1952 verabschiedete das Sekretariat des ZK der SED die Direktive über die Bildung von Grundorganisationen (GO) der SED in den LPG, deren wesentliche Aufgaben sich von der Einflußnahme auf die Produktionsprozesse in den LPG, über die Verbesserung der Arbeitsorganisation, die Anhebung der Arbeitsdisziplin bis zur beschleunigten Gewinnung weiterer werktätiger Einzelbauern für die LPG erstreckten. Mitte 1953 bestanden in etwa der Hälfte aller LPG der DDR GO der SED<450>, im Bezirk Magdeburg schon Anfang Dezember 1952 in etwa 45 Prozent der Genossenschaften.<451>

Die Bildung von GO der SED verlief in den LPG des Kreises Haldensleben zögerlich. Zudem entsprach


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ihre Wirksamkeit über Jahre hinweg nicht den Vorstellungen des Sekretariats der SED-KL.

Aus der Erwägung, die Produktivität der Genossenschaften zu heben, wurden nach der ersten LPG-Konferenz im Dezember 1952 bei den Räten der Kreise und Bezirke LPG-Beiräte geschaffen.<452> Dasselbe Anliegen verfolgte der Ministerratsbeschluß über die Aufgaben der Verwaltungsorgane in den Bezirken, Kreisen und Gemeinden zur besseren Unterstützung der LPG vom 19. Dezember 1952.<453> In den Kreisen und Bezirken erhielten künftig die Vorsitzenden der Räte persönlich für alle die LPG betreffenden Fragen die Verantwortung auferlegt.<454>

Bis Ende 1952 erhöhte sich die Anzahl der LPG beträchtlich. Sie gewannen an Mitgliederzahl und LN. In 1 906 LPG mit einer LN von 218 043 Hektar schlossen sich 37 000 werktätige Einzelbauern und ehemalige Landarbeiter zusammen<455>, die 3,3 Prozent der LN der DDR bearbeiteten.<456> 78,1 Prozent der LPG-Mitglieder wirtschafteten vorher als Neubauern, 8,9 Prozent als Altbauern und ca. 13 Prozent verdingten sich zuvor als Landarbeiter.<457>

Im Bezirk Magdeburg bestanden Ende 1952 243 LPG, darunter 177 vom Typ I, 5 vom Typ II und 61 vom Typ III<458>, deren 4 714 Mitglieder 3,6 Prozent der LN der Bezirkes bewirtschafteten.<459> Vor ihrem Eintritt in LPG arbeiteten 3 642 ihrer Mitglieder als werktätige Einzelbauern, 1 024 als Landarbeiter und 48 in anderen Berufen.<460>

Im Kreis Haldensleben gab es laut einer Aufstellung der Abteilung Landwirtschaft des Rates des Kreises Haldensleben Ende 1952 achtzehn LPG, überwiegend vom Typ I.<461> Sie hatten

1 536 Hektar unter dem Pflug , mithin drei Prozent der LN des Kreises.<462> Einer graphischen Darstellung über die soziale Zusammensetzung der LPG-Mitglieder zufolge lag die Zahl der ehemaligen Neubauern bei weitem über der der Landarbeiter.<463>


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2.1.2 Die erste Etappe der LPG-Entwicklung (bis März 1954)

In den ersten Jahren der LPG-Bildung traten in vielen Genossenschaften erhebliche Probleme bei der wirtschaftlich-organisatorischen Festigung auf.<464> Objektive und subjektive Faktoren komplizierten die Fortentwicklung der jungen LPG. Einige belangvolle seien genannt:

Da der Staat zu Beginn der fünfziger Jahre nur über sehr begrenzte Mittel zur Förderung der Landwirtschaft verfügte, begleiteten die vorgenannten materiellen Probleme im Bereich der pflanzlichen und tierischen Produktion die LPG noch über einen längeren Zeitraum. Hinzu kamen mangelnde Erfahrungen zur Führung eines größeren Wirtschaftsgefüges und die fehlende fachliche Qualifikation vieler LPG-Vorsitzender sowie ein notorischer Arbeitskräftemangel, der sich durch die hohe Fluktuation der Viehpfleger noch verschärfte. Fehlende Identifikation der Mitglieder mit ihrer LPG führten zu fortwährenden Verstößen gegen die Arbeitsdisziplin und trugen nicht dazu bei, die Arbeitsmoral zu heben. Ein wichtiges Prinzip zur Erhöhung der Produktivität, die Arbeitsvergütung analog der Leistung, konnte in vielen LPG des Kreises Haldensleben - selbst in den Anfängen - nur längerfristig durchgesetzt werden. Dasselbe traf auf die Arbeit in ständigen Brigaden zu.

Die Gesamtheit dieser Faktoren prägte das Erscheinungsbild vieler LPG zu Beginn der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft. Dementsprechend war ihre Akzeptanz in der Bevölkerung. Unter diesen Umständen wird es verständlich, wenn über Jahre hinweg Altbauern - und hier wiederum Mittelbauern - die Verwirklichung ihrer materiellen Interessen weiterhin als Einzelbauern wahrnahmen.

Beinahe alle neu gebildeten LPG benötigten zu ihrer Festigung für längere Zeit staatliche Unterstützung.


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Im produktiven Bereich erfolgte die Hilfeleistung des Staates für die Genossenschaften - und mit Einschränkungen für die werktätigen Einzelbauern - hauptsächlich über die MAS/MTS. Mit der Konzentration der Technik in den Händen des Staates beabsichtigte die Parteiführung, den Genossenschaftsbauern wirksame Hilfe beim Aufbau und der Festigung ihrer Genossenschaften zu erweisen, die werktätigen Einzelbauern in gewissem Maße zu unterstützen und - verbunden mit politisch-ideologischer Agitation - möglichst viele von ihnen für LPG zu gewinnen. Als staatliche Einrichtungen garantierten die MAS/MTS die führende Rolle der Partei bei der Errichtung der materiell-technischen Basis des sozialistischen Aufbaus auf dem Lande in politischer, ökonomischer und kultureller Hinsicht.

Zur Verbesserung des maschinellen Ausrüstungsstandes der Landwirtschaft und der Ausweitung des Maschinenparkes der MAS/MTS bewilligte der Staatshaushalt für die Herstellung landwirtschaftlicher Maschinen im Jahre 1952 84,2 Mill. Mark sowie im Jahre 1953 123 Mill. Mark.<465>

Weiter trugen folgende Maßnahmen zur Vergrößerung des anfangs sehr geringen Maschinenbestandes der Landwirtschaft, vorranig der MAS/MTS, bei:

Die UdSSR unterstützte den Umwälzungsprozeß auf dem Lande u. a. ferner durch die Übergabe von Lizenzen und Konstruktionsunterlagen für den Bau von Erntekombinen und Mähdreschern, die bald in Serie gingen. Sie eigneten sich nicht immer für den Einsatz in der Praxis.

Da die Entwicklung und Bereitstellung technischer Ausrüstungen losgelöst von dem Bedarf der Landwirtschaftsbetriebe erfolgte, büßte sie einen “erheblichen Teil ihres Wertes für die Agrarproduktion ein.“<467> So konnten, auch fehlender Kapazitäten wegen, die MAS/MTS ihre umfassenden Produktionsaufgaben nicht vollauf erfüllen.

Das Zusammenwirken zwischen den MAS/MTS einerseits und den Genossenschafts- und Einzelbauern andererseits fußte auf der Grundlage von Jahresarbeitsverträgen zwischen den Partnern. Dadurch entstanden günstigere Voraussetzungen für die Steigerung der Erträge. In den Dörfern arbeiteten nunmehr ständige Traktorenbrigaden, die auf Dauer eine LPG bedienten. Deren Bildung erfolgte in der Absicht, bei den Traktoristen ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl für “ihre“ Genossenschaft zu wecken. Den LPG entstanden durch die Arbeit der MAS/MTS auf den genossenschaftlichen Feldern nur geringe Kosten. Die ermäßigten MTS-Tarife verhinderten eine Überbelastung der ohnehin labilen LPG und schufen die Voraussetzungen für die Reproduktion auf einfacher Stufe.<468>


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Die außerordentlichen Mängel in der Arbeitsweise der MAS/MTS schmälerten indes den Wert ihrer Unterstützung. Sie entsprach in vielen Fällen nicht den Vorstellungen der Bauern - ob nun LPG- oder Einzelbauern -, die sich gehäuft über mangelhafte Arbeitsleistungen und fehlende Verläßlichkeit beim Einhalten von Terminen - sei es bei Bestellarbeiten oder während der Ernte - beschwerten. Genossenschaften wie Einzelbauern lehnten es mitunter in den ersten Jahren der LPG-Bildung ab - so wie auch im Kreis Haldensleben verschiedentlich geschehen -, Verträge mit den Stationen abzuschließen.

Die Arbeitsweise einer großen Zahl der Traktoristen verbesserte sich in den ersten Jahren des Umbruchs auf dem Lande kaum. Ihre unzureichende Qualifizierung, ihr fehlender Wille, Arbeiten diszipliniert und termingerecht durchzuführen und ihre häufige Fluktuation aus der Landwirtschaft trugen unter den Bauern zu einem berechtigten Mißtrauen gegenüber der Leistungsfähigkeit der MTS bei. Es konnte längerfristig nur bedingt abgebaut werden.<469>

Im Frühsommer des Jahres 1953 spitzten sich in der DDR die ökonomischen und politischen Widersprüche zu, nachdem sich schon Monate zuvor zeigte, daß die Wirtschaftspläne die objektiv gegebenen Möglichkeiten der DDR überstiegen. Das neuerlich verschärfte Vorgehen gegen alle Kategorien von Bauernwirtschaften ab dem Winter 1953<470> und die den Interessen der Arbeiter widerstrebenden Beschlüsse zur administrativen Normerhöhung im Mai 1953 führten zur Verunsicherung breiter Bevölkerungsschichten. Die Republikfluchten von Bauern und Städtern erreichten bisher ungekannte Dimensionen, verheerende Folgen bahnten sich an.<471>

Von der Führung der KPdSU gedrängt, die entsprechende Beschlüsse vorbereitete und Anfang Juni 1953 führenden Vertretern der SED in Moskau überreichte, sah sich die SED-Führung zum Handeln veranlaßt. Ein Kommuniqué des Politbüros und Beschlüsse des Ministerrates, am 9. bzw. 11. Juni 1953 verabschiedet, verhießen der Bevölkerung vor allem tiefgreifende ökonomische Veränderungen. Damit bahnte sich eine Wende in der Politik der SED, allgemein als "Neuer Kurs" bezeichnet, an. Sie vermochte jedoch eine Explosion des angestauten Unmutes nicht zu verhindern.<472> In Großstädten und industriellen Ballungsgebieten kam es zu massiven Auseinandersetzungen aufgebrachter Arbeiter mit der Staatsmacht, auf dem Lande hingegen blieb es relativ ruhig.

Im Kreis Haldensleben spielten sich in Erxleben tumultartige Szenen ab.<473> In Rätzlingen rissen mißgestimmte Landbewohner Porträts führender SED-Genossen und propagandistische Losungen von


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den Wänden<474>, in Schackensleben nahmen die Sicherheitsorgane “... fünf Provokateure ...“ fest.<475>

Nach der kurzfristigen Niederschlagung des Aufstands, hauptsächlich durch die Sowjetarmee, begannen die von Partei und Regierung beschlossenen Maßnahmen zu wirken.<476> Sie brachten für die bäuerlichen Betriebe aller Größenordnungen spürbare Erleichterungen mit sich.

Die Parteiführung hatte sich offenbar unter Beachtung der internationalen Lage und der Situation in der DDR entschlossen, von der harten Linie der Überführung von Bauernwirtschaften in LPG vorerst abzugehen und stattdessen LPG, VEG und Einzelbauernbetriebe für einen längeren Zeitraum nebeneinander bestehen zu lassen. Sie beabsichtigte mit der Abkehr von der zuletzt von unerbittlicher Härte gekennzeichneten Gangart gegenüber den Einzelbauern, vor allem den Großbauern, das Verhältnis zu den Einzelbauern zu entspannen und sie politisch stärker an sich zu binden Die Parteiführung knüpfte daran die Hoffnung, einen Aufschwung in der landwirtschaftlichen Produktion und damit eine Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung mit landwirtschaftlichen Produkten zu erreichen.

Die “sanftere“ Art des Umgangs der Parteiführung mit den individuell wirtschaftenden Bauern untersagte nach den Juniereignissen 1953 nicht mehr grundsätzlich die Auflösung von LPG. Laut Eingeständnis Ulbrichts lösten sich von Juni bis September 1953 in der gesamten DDR 270 LPG auf, bei denen es sich um vorwiegend wirtschaftsschwache gehandelt haben soll.<477>

Im Bezirk Magdeburg bezifferte sich bis zum 27. Oktober 1953 die Zahl der aufgelösten LPG auf 30.<478> 515 Mitglieder verließen Genossenschaften verschiedenen Typs, deren LN sich um

2 805 Hektar verminderte.<479> Zwar gelang es den jeweils zuständigen SED-KL, die beabsichtigte Auflösung von weiteren 31 LPG im Bezirk zu revidieren, doch noch im Herbst 1953 erwogen in 11 LPG die Mitglieder, ihre Genossenschaft aufzulösen.<480>

Besorgniserregend empfand die SED-BL Magdeburg die gehäuften Austritte von Altbauern. 25 Prozent derer, die am 30. Juni 1953 LPG angehörten, hätten einen Antrag auf Austritt gestellt oder wären bereits ausgeschieden.<481> Bis Ende 1953 bezifferte sich im Bezirk Magdeburg die Zahl der Austrittsanträge aus LPG auf 2 923; 1 791 Mitglieder hatten bis dahin den Austritt bereits vollzogen.<482>

Im Kreis Haldensleben löste sich bis Ende Juli 1953 als einzige die LPG Flechtingen auf. Diese


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Genossenschaft bestand aus nicht mehr als drei ehemaligen werktätigen Einzelbauern.<483>

In Verfolgung der Junibeschlüsse erhielten in der gesamten DDR 4 742<484> Bauern ihre Höfe - sie umfaßten 144 647 Hektar LN - zurück.<485> Es handelte sich dabei überwiegend um Großbauernbetriebe wie ihre durchschnittliche Größe von 30,5 Hektar belegt.<486>

Im Bezirk Magdeburg erhielten bis Anfang September 1953 46 ehemals republikflüchtige Bauern ihre Gehöfte ganz oder teilweise zurück. 407 als devastiert erklärte bäuerliche Betriebe gingen bis zum Frühherbst 1953 wieder an die Bauern, die sie zuvor bewirtschafteten, zurück.<487>

Mit Durchsetzung des "Neuen Kurses" hörte die einseitige Bevorzugung der LPG durch MTS vorerst auf. “Die Maschinen-Traktoren-Stationen sind verpflichtet, den werktätigen Einzelbauern wie den landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften die größte Hilfe zu geben ...“ hieß es in einem ZK-Beschluß vom 23. Januar 1954.<488>

Da nach den Junibeschlüssen längst nicht alle Bauern in die DDR zurückkehrten, andere auf die Rückgabe ihrer Höfe verzichteten, ließ der erhebliche Umfang an verlassenen Bauernwirtschaften die Bildung einer Auffangorganisation unumgänglich werden. Zu diesem Zweck erließ Anfang September 1953 der Ministerrat die bereits erwähnte Verordnung über die "Bewirtschaftung freier Betriebe und Flächen und die Schaffung von Betrieben der örtlichen Landwirtschaft."<489> Die Verordnung sah u. a. vor, in Dörfern ohne LPG aus freien Betrieben und Flächen ÖLB zu bilden. Zunächst sollten die ÖLB von den Räten der Gemeinden bewirtschaftet und bei der Gründung von LPG diesen im Regelfalle übertragen werden. Die Parteiführung erachtete die Übernahme von ÖLB durch LPG oder die Neubildung von LPG aus ÖLB als den zweckmäßigsten Weg, die vernachlässigten Flächen ordnungsgemäß zu bewirtschaften und die landwirtschaftliche Produktion zu steigern.

Im Bezirk Magdeburg wurden 1954 48 ÖLB den LPG angegliedert, während 194 ÖLB mit einer LN von 24 336 Hektar vorerst bestehen blieben.<490>

Für die Bildung von LPG aus ÖLB ist noch ein anderer Grund heranzuziehen. Bei vorübergehend vermindertem Druck von Partei- und Staatsorganen traten deutlich weniger werktätige Einzelbauern als


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zuvor LPG bei. Um eine totale Stagnation des Umgestaltungsprozesses abzuwenden, flüchtete sich die Parteiführung für einige Jahre in eine Vergenossenschaftlichung mit vielen Landarbeitern, aber relativ wenigen werktätigen Einzelbauern.<491>

2.1.3 Die Entwicklung nach dem IV. Parteitag der SED

Der IV. Parteitag der SED (30. März bis 6. April 1954) zog eine Zwischenbilanz der bisherigen Veränderungen auf dem Lande und gab einen Ausblick auf die kommenden Ziele. Zu den vordringlichsten Aufgaben der Genossenschaftsbewegung in der nächsten Zeit erklärte er:

Gemäß den Beschlüssen des Parteitags und seiner Forderung, “Dem Volke mehr, bessere und billigere Konsumgüter“ zur Verfügung zu stellen, sollte das Jahr 1954 zum “Jahr der großen Initiative“ werden.<492> Verschiedene LPG, wie zum Beispiel die LPG Kröchelsdorff und Großzöbern reagierten rasch. Sie riefen alle LPG der DDR auf, dem Beispiel der Industriearbeiter nachzueifern und hohe Produktionsleistungen zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Bevölkerung der DDR anzustreben.

Von dem Traktoristen Dieter Weichhard und seinem Schichttraktoristen Manfred Laube, MTS Warmsdorf (Kreis Staßfurt, Bezirk Magdeburg) ging der Aufruf an alle Traktoristen der DDR aus, die persönliche und systematische Pflege von bestimmten Kartoffel- und Zuckerrübenflächen nicht nur in den LPG, sondern gleichfalls bei den werktätigen Einzelbauern zu übernehmen. Dem in der “Volksstimme“ Ende April 1954 veröffentlichten Aufruf leisteten beinahe alle MTS des Bezirkes Magdeburg und eine größere Anzahl in der DDR Folge. Initiativen dieser Art entstanden nur in Ausnahmefällen spontan. In der Regel erfolgte eine Steuerung von außen über die Partei, teils auch über die Massenorganisationen.<493>

Unter Regie der GO der SED der Gemeinden - und soweit bereits gebildet, der GO der SED der LPG - stellten die Bauern fast aller Gemeinden der DDR im Jahre 1954 Dorfarbeitspläne auf.

Zum Zeitpunkt der III. LPG-Konferenz Ende 1954 bestanden auf dem Lande 50 000 Bestell-, Drusch-, Ernte- und Rodegemeinschaften, zu denen sich über 180 000 bäuerliche Betriebe zusammengeschlossen hatten.<494> Diese Gegebenheit gedachte die Parteiführung ihren agrarpolitischen Zielen dienstbar zu


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machen. Um die ins Stocken geratene LPG-Bildung zu forcieren, beabsichtigte sie, die bäuerliche Nachbarschaftshilfe zunächst zu institutionalisieren, dann zu kanalisieren. In diesem Zusammenhang ist die Forderung des Zentralorgans der SED “Neues Deutschland“ vom 16. Februar 1955 zu sehen, in allen Dörfern als weitergehende Formen der Vergesellschaftung des Produktionsprozesses, Ständige AG zu bilden.<495> Die VdgB (BHG) zog mit und erklärte die Bildung von Ständigen AG zu einer ihrer Hauptaufgaben im Jahre 1955. Sie unternahm vielfältige Anstrengungen, um die Einzelbauern zunächst für die gemeinschaftliche Erledigung von Feldarbeiten, die gemeinsame Nutzung von Maschinen, Geräten und Zugtieren und das Zusammenfügen ihrer verstreuten Bodenstücke zu geschlossenen Flächen zu gewinnen. Danach ging es darum, sie in Ständigen AG zusammenzuführen. Die sich formierenden AG und die MTS schlossen Sammelarbeitsverträge ab, die das Zusammenlegen der verstreuten Felder vorsahen, zu einer einheitlichen Fruchtfolge führen und die Arbeit der MTS sowohl erleichtern als auch verbilligen sollten. Das grundsätzliche Anliegen der Bildung Ständiger AG bestand aber darin, durch das Zusammenwirken von MTS und Einzelbauern im Produktionsprozeß den individuell wirtschaftenden Produzenten die Vorzüge der mechanisierten Großproduktion vor Augen zu führen und sie auf den allmählichen Übergang in LPG vom Typ I vorzubereiten.

Ende 1955, um ein Beispiel für das Anwachsen der AG zu geben, bestanden in den Dörfern der DDR 8 500 Ständige AG mit einer Mitgliederzahl von 31 588 werktätigen Einzelbauern.<496>

Im Kreis Haldensleben hatte sich bis zum Herbst 1955 eine größere Anzahl von werktätigen Einzelbauern in 24 Ständigen AG und mehreren hundert kurzzeitigen AG zusammengeschlossen. Unter ihnen bestand keine ausgeprägte Bereitschaft, sich zu LPG zusammenzuschließen.

Die Parteiführung förderte zunächst die Ständigen AG in der Erwartung, sie würden in den folgenden Jahren zu Katalysatoren der sozialistischen Umgestaltung auf dem Lande werden. Ihre Entwicklung in der Folgezeit wird im historischen Teil des nächsten Kapitels behandelt.

Ausgangs des Jahres 1954 hatte sich die innenpolitische Lage in der DDR weiter stabilisiert. Schrittweise verwarfen die SED-Spitze und die Führungen der Kommunistischen Parteien der volksdemokratischen Länder die Stalinsche These von der Verschärfung des Klassenkampfes beim Aufbau des Sozialismus. Nach dem Kommuniqué des ZK der SED vom Juni 1953 ging die Parteiführung daran, von ihrer sektiererischen Bündnispolitik abzurücken.<497> Ihre politischen Intentionen gingen dahin - die Juniereignisse 1953 und die sich aus der offenen innerdeutschen Grenze für ihre gesellschaftspolitischen Zielsetzungen ergebenden Gefahren mögen dabei eine Rolle gespielt haben -, breitere Bevölkerungsschichten an sich zu binden, um den Aufbau des Sozialismus in der DDR entschiedener


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vorantreiben zu können.<498>

Unter diesem Gesichtspunkt ist die Öffnung der LPG für Großbauern bei Erfüllung bestimmter Bedingungen zu sehen. Untersagten die Musterstatuten aller drei LPG-Typen Großbauern die Mitgliedschaft in einer LPG, so hob die III. LPG-Konferenz im Dezember 1954 den Beschluß der ersten LPG-Konferenz vom Jahre 1952 auf. Sie gestattete Großbauern Mitglied einer LPG zu werden, wenn sie sich dem Staat gegenüber loyal verhielten und ihren ökonomischen Verpflichtungen nachkamen.

Intakte Großbauernbetriebe verdankten ihre Leistungsstärke nicht ausschließlich überkommener Erbmasse und der Ausnutzung fremder Arbeitskraft. Vielmehr handelte es sich bei den Großbauern oftmals um mit dem notwendigen Wissen und Können zur effizienten Führung einer Wirtschaft ausgerüstete landwirtschaftliche Fachleute, die mit Fleiß und Beharrlichkeit ihre Betriebe aufrecht erhielten.<499> Auf diese brachliegende Kompetenz, mehr noch die wirtschaftliche Potenz dieser Betriebe, konnte und mochte die Parteiführung angesichts einer deutlich verminderten Zahl von werktätigen Einzelbauern, die Genossenschaften beitraten, und angesichts der erheblichen wirtschaftlich-organisatorischen Schwierigkeiten der LPG nicht länger verzichten. Die Konzessionen an die Großbauern waren sowohl auf die veränderten politischen Rahmenbedingungen als auch auf Erwägungen und Notwendigkeiten der Landwirtschaftspolitik der SED-Spitze zurückzuführen.

Über die Aufnahme von Großbauern in eine landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft entschied die Mitgliederversammlung einer LPG. Sprach sie sich für die Aufnahme von Großbauern in ihre Reihen aus, so bedurfte diese Willensbekundung noch der Zustimmung durch den Rat des Kreises. Ihre gleichberechtigte Integration in LPG verhinderten vorerst verschiedene einschränkende Bestimmungen.<500> Leitungsfunktionen durften in LPG aufgenommene Großbauern vorerst nicht besetzen. Bei der Verteilung von Bodenanteilen wurde nicht ihr eigener Boden, sondern der Durchschnitt der von den werktätigen Einzelbauern in die Genossenschaft eingebrachten Flächen zugrunde gelegt.<501>

Mit der Öffnung der LPG für Großbauern verließen in den nächsten Jahren weniger von ihnen die DDR.<502>

Den MAS und ab 1953 ihrer Nachfolgeinstitution, den MTS, maß die Parteiführung eine äußerst bedeutsame Rolle bei der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft zu. Die MTS konnten bis Mitte der fünfziger Jahre auf der Basis ihres erweiterten Maschinenparks den Umfang ihrer Arbeitsleistungen deutlich erhöhen. Von 1952 bis 1955 wuchs ihr Traktorenbestand um fast das Doppelte<503>, die geleisteten


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Feldarbeiten für die LPG und die Einzelbauern stiegen um das 6,3fache.<504> Die folgende Tabelle demonstriert den Anstieg der Verrichtungen der MAS/MTS auf den Feldern zwischen 1952 und 1955 im DDR-Maßstab.

Tabelle 12: Geleistete Feldarbeiten der MAS/MTS im DDR-Maßstab 1952 und 1955 (je 1 000 hm)<505>

Jahr

LPG

Werktätige Einzelbauern

Großbauern

 

absolut

(%)

absolut

(%)

absolut

(%)

1952

89,2

3,3

2 429,6

91,0

150,9

5,7

1955

4 322,7

59,5

2 730,9

37,6

212,5

2,9

Wenn auch nicht in dem offiziell proklamierten Maße, so trugen die MTS doch unbestritten zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion, zur Erleichterung der Arbeit besonders der Genossenschaftsbauern und zur Erhöhung des Kulturniveaus auf dem Lande bei.

Trotz der hohen Zuschüsse, die die Ausdehnung ihres Maschinenparks ermöglichten - Ulbricht nannte für das Jahr 1955 415 Mill. Mark<506> -, blieb die Qualität ihrer Arbeit aus administrativen und organisatorischen Gründen unbefriedigend. Daran konnte kurzfristig die Propagierung der Schönebecker Methode nichts ändern, die sich ab dem Winter 1955 zögernd Bahn brach. Sie sah vor, in den MTS die Prinzipien der sozialistischen Arbeitsorganisation und Wirtschaftsführung durchzusetzen, die Planvorhaben aufzuschlüsseln und in den Traktorenbrigaden die sozialistische Rechnungsführung anzuwenden. Durch ein verbessertes Zusammenwirken zwischen den Traktorenbrigaden der MTS und den Feldbaubrigaden der LPG sollten die Hektarerträge der Genossenschaften gesteigert und die Selbstkosten der MTS gesenkt werden.<507> Mit der Durchsetzung der Schönebecker Methode verbanden sich politisch-ideologische Intentionen: nämlich den Boden für den Eintritt einer möglichst hohen Anzahl wirtschaftsstarker werktätiger Einzelbauern in LPG zu bereiten. Die umworbenen begegneten ihnen zumeist mit ausgeprägten Vorbehalten.

Der Landwirtschaft der DDR fehlten zu Beginn der fünfziger Jahre tausende gut ausgebildeter Fachleute. Diese Lücke wirkte sich hemmend auf die wirtschaftlich-organisatorische Festigung der jungen LPG aus und verzögerte die Fortentwicklung des Produktivitätsniveaus der Landwirtschaft. Die Parteiführung


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versuchte, sie durch die Einrichtung von “Kaderschmieden“ zu schließen. Zur Qualifizierung von LPG-Leitungskadern entstand ein umfangreiches Netz von Fachschuleinrichtungen. Im Januar 1953 begann in Schwerin die Zentralschule des ZK der SED mit der Ausbildung von Fachkräften für den sozialistischen Sektor der Landwirtschaft. In Liebenwalde, Kreis Bernau, nahm das Institut für die Ausbildung politischer Leiter den Lehrbetrieb auf. Zur Ausbildung von LPG-Leitungskadern konstituierte sich schließlich im September 1953 die LPG-Hochschule Meißen.

In den Bezirken ließen die zuständigen SED-BL LPG-Schulen einrichten, die in mehrmonatigen Lehrgängen Vorsitzende, Feldbaubrigadiere und Buchhalter ausbildeten. Für den Bezirk Magdeburg seien Egeln und Hohenwulsch genannt. Die Kapazitäten dieser Spezialschulen wurden aber nur unzureichend genutzt.<508>

Die Mitarbeiter der Kreisvolkshochschulen sorgten mit befähigten Kadern der jeweiligen Gemeinden, in Schwerpunktgemeinden an Dorfakademien, in den Wintermonaten für die Ausbildung von Bauern in verschiedenen landwirtschaftlichen Berufen. Im Kreis Haldensleben erhielt auf diese Weise eine größere Anzahl von werktätigen Einzel- und Genossenschaftsbauern sowie Landarbeitern eine Facharbeiterausbildung. Der Bedarf konnte über diese Ausbildungsformen jedoch längst nicht abgedeckt werden.

Zu Beginn der fünfziger Jahre - die Wirtschaft erreichte in wichtigen Kennziffern das Vorkriegsniveau, ihre Planung erfolgte langfristig - entstanden günstigere Voraussetzungen für die Weiterentwicklung der Agrarwissenschaften. Die Lösung der agrarwissenschaftlichen Grundprobleme erfolgte ab 1951 zentral an der Akademie für Landwirtschaftswissenschaften der DDR in Berlin. Sie errichtete bald darauf ein Netz von Zweiginstituten in verschiedenen Bezirken der DDR.<509> Der Staat unterstützte die Akademie und die agrarwissenschaftlichen Hoch- und Fachschuleinrichtungen mit größeren Summen.<510>

Von der im Jahre 1950 erstmals durchgeführten Zentralen Landwirtschaftsausstellung der DDR in Leipzig Markkleeberg sollten richtungsweisende Impulse für die Übertragung neuer agrarwissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis ausgehen. Hier erhielten viele tausende Bauern Anschauungsunterricht aus erster Hand darüber, mit welchen Methoden sich die Effektivität der Landwirtschaftsproduktion erhöhen, Arbeitsbedingungen und Arbeitsschutz verbessern ließen. Die Wirkung auf das Handeln der Bauern darf aber nicht überschätzt werden.<511>


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Was Umfang und Qualität der wissenschaftlichen Hilfeleistung der Sowjetunion für die Landwirtschaft der DDR angeht, sind Vorbehalte gegenüber der offiziellen Version gewiß angebracht. Die sowjetische Hilfeleistung erfolgte durchaus nicht uneigennützig. Die UdSSR besaß ein vitales Interesse daran, die Ausstrahlungskraft der DDR, des Staates “der kleinen Leute“, als Alternative zur “imperialistischen Bundesrepublik“ zu erhöhen. Die den Bauern zur Anwendung empfohlenen sowjetischen Neuerermethoden erwiesen sich verschiedentlich als in Deutschland bereits seit Jahrzehnten unter anderem Namen bekannte Verfahrensweisen oder als für mitteleuropäische Verhältnisse unanwendbar.

Im Kreis Haldensleben zeigten sich die Bauern an der Anwendung von Neuerermethoden wenig interessiert.<512>

Ende April 1953 erließ das Sekretariat des ZK der SED den Aufruf “Industriearbeiter auf das Land“. Die Parteiführung verfolgte damit folgende Absichten:<513>

Mehrere tausend Industriearbeiter verlegten ihren Wohnsitz aus den südlichen Industriebezirken unter teils beträchtlichen persönlichen Opfern in die Agrarbezirke des Nordens der DDR. Mit ihrer Arbeitsaufnahme in den dortigen LPG, MTS, VEG sowie Gemeindevertretungen halfen die Arbeiter nach Einschätzung der DDR-Geschichtsschreibung in wesentlichem Maße, die LPG politisch und wirtschaftlich zu festigen und “die sozialistische Ideologie in die werktätige Bauernschaft zu tragen."<515> Bis zum Ende des Jahres 1955 übersiedelten 31 422 Arbeiter aufs Land.<516> Viele von ihnen gehörten der SED an.

Im Bezirk Magdeburg delegierten von Mai 1953 bis zur Jahresmitte 1954 vor allem Großbetriebe zunächst 305, im zweiten Halbjahr 1954 nochmals 290 Industriearbeiter in die Dörfer.<517> Der Kaderbedarf des Bezirkes wurde damit bei weitem nicht gedeckt. Werbekampagnen der Parteileitungen und staatlichen Leitungen von Betrieben und Institutionen bewirkten bis Ende 1955 die Übersiedlung von rund 3 000


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Industriearbeitern aufs Land und eine Arbeitsaufnahme in den Genossenschaften.<518> Nach Aneignung lediglich landwirtschaftlicher Grundkenntnisse arbeiteten sie nicht nur als Traktoristen und Techniker, standen nicht nur Gemeindevertretungen und Parteiorganisationen vor, wirkten nicht nur als Politleiter, sondern bekleideten häufig leitende Positionen von LPG und MTS. Ihre fehlende fachliche Kompetenz verschärfte oft die Probleme der LPG und MTS, statt sie zu entschärfen.<519>

Nicht selten blieben die Industriearbeiter selbst nach einer längeren Eingewöhnungszeit nur “nachgemachte Bauern“<520>, deren Integrationsfähigkeit in ein anders geartetes berufliches Milieu der Vorsitzende der LPG Grischow, Bezirk Neubrandenburg, so einschätzte: “Sie haben sich mehr oder weniger davon leiten lassen, daß sie eben 8 Stunden arbeiten, der Vorsitzende holt das Geld von der Bauernbank und alles ist in Ordnung.“<521>

Die Parteiführung mußte erkennen, “daß es nicht genügte, die Produktionsmittel zu vergesellschaften und zur Vergesellschaftung der Produktionsprozesse ... die Löcher mit Arbeiterbrigaden zu stopfen.“<522> Die aufs Land entsandten Arbeiter hieß es fachlich zu qualifizieren, ihr Interesse und Gespür für die in der Landwirtschaft notwendigen Verrichtungen galt es zu wecken, sie mußten mit der ihnen oftmals unbekannten Gegend vertraut werden und eine für die qualitätsgerechte Ausführung landwirtschaftlicher Arbeiten erforderliche Qualifikation erhalten.

Den Abschluß von Patenschaftsverträgen zwischen LPG und größeren Industriebetrieben, mit staatlichen und wissenschaftlichen Institutionen erachtete die SED-Spitze als bedeutungsvoll im Hinblick auf die politisch-ideologische, ökonomische und kulturelle Entwicklung der Genossenschaften. Kennzeichnend für diese Art der Patenschaftsarbeit war materielle Hilfe für die LPG, verbunden mit vielfachen Varianten der ideologischen Einflußnahme auf die Genossenschaftsbauern. Die Zahl der Patenschaftsverträge belief sich in der DDR im Jahre 1953 auf 3 311, im Jahre 1954 auf 4 912.<523>

Im Bezirk Magdeburg schlossen bis zum Februar 1954 VEB und LPG etwa 300<524> und bis Anfang Mai des gleichen Jahres 501 Patenschaftsverträge ab.<525>

Eine ähnliche Absicht wie die eben beschriebene verfolgte die Parteiführung mit der Einführung von


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Landsonntagen, die regelmäßig durchzuführen die 17. Tagung des ZK der SED Anfang 1954 vorschlug. Arbeiter und Angestellte zumeist aus größeren Industriebetrieben sowie Funktionäre von Partei und Massenorganisationen fuhren aufs Land, um vornehmlich während der Pflegearbeiten und der Erntekampagnen den Bauern zu helfen und sie von den Vorzügen der Genossenschaften zu überzeugen.<526>

Ab Mitte 1953 gelangten in der Landwirtschaft der DDR verschiedene Wettbewerbsformen zur Austragung. Durch die Ausweitung der Wettbewerbsbewegung von der Industrie auf den sozialistischen Sektor der Landwirtschaft versprach sich die Parteiführung eine spürbare Erhöhung der Arbeitsproduktivität in den LPG und erteilte deshalb den Bezirks- und KL der SED Order, entsprechende Initiativen einzuleiten. Angeregt durch die SED-KL Bitterfeld und der GO der SED der im selben Kreis ansässigen LPG Brehna, nahm die Wettbewerbsbewegung innerhalb der Landwirtschaft der DDR Ende April 1953 von dieser LPG ihren Ausgang. In ihrem an die LPG Schafstädt, Kreis Merseburg, gerichteten Wettbewerbsaufruf verpflichteten sich die Mitglieder der LPG Brehna, durch die Entfaltung des innerbetrieblichen Wettbewerbs bei Einführung fortschrittlicher Arbeitsmethoden die Hektarerträge zu steigern. Sie forderten ihre Wettbewerbspartner dazu auf, ähnliche Verpflichtungen einzugehen.

Das Brehnaer Beispiel griffen bald zahlreiche LPG und MTS der gesamten DDR auf, wobei der Wettbewerb auf verschiedenen Ebenen zur Austragung gelangte.<527> Seine Auswertung erschwerte das Fehlen eindeutiger Kriterien, deren Erfüllung nicht immer genau eingeschätzt werden konnte. Statt Enthusiasmus stellte sich nicht selten Gleichgültigkeit ein. Zusammenfassend läßt sich dazu feststellen: Die Wettbewerbsbewegung trug in den ersten Jahren der Umwälzungen auf dem Lande nicht wesentlich zur Steigerung der ökonomischen Leistungsfähigkeit der LPG bei.

Im Kreis Haldensleben beteiligten sich zahlreiche LPG und alle sieben MTS sowohl am inner- als auch am überbetrieblichen Wettbewerb. Von ihm gingen aber keine wirklich belebenden Impulse für die Fortentwicklung der LPG aus.

Bereits im Laufe der ersten Jahre des Umwälzungsprozesses auf dem Lande setzten in den Dörfern erste bedeutsame soziale und kulturelle Wandlungen ein. Allmählich verringerte sich die geistig-kulturelle Rückständigkeit des Dorfes gegenüber der Stadt. Die im DDR-Maßstab verbliebenen 960 Einklassenschulen verschwanden ausnahmslos. An ihre Stelle trat ein dichtes Netz von Zentralschulen.<528> Bis Ende 1955 wurden in den Dörfern der DDR 1 356 Kulturhäuser, 18 250 Klubräume und eine größere Anzahl Kulturhäuser, Schwimmbäder sowie Sportstätten errichtet.<529> Der besseren medizinischen Betreuung der Landbewohner dienten künftig 299 Landambulatorien und 4 031 Gemeindeschwestern-Stationen. Fachkräfte in 711 Kinderkrippen mit einer Kapazität von 17 944 Plätzen betreuten die


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Säuglinge und Kleinkinder der Bäuerinnen<530>; sie konnten unbeschwerter ihrer Arbeit nachgehen.

Der Bezirk Magdeburg konnte im Jahre 1955 auf 59 Kulturhäuser, 39 Klubhäuser, 394 Kulturräume, 1 044 Klubräume und 28 Landambulatorien verweisen.<531>

Mit dem Ausklang des Jahres 1955 endete die erste Fünfjahrplanperiode in der DDR. Diesem langfristigen Vorhaben hatte die Parteiführung an deren Beginn erstrangige nationale Bedeutung und einen erheblichen deutschlandpolitischen Stellenwert beigemessen. Im Verlaufe der folgenden Jahre rechnete sie mit offensichtlichen Fortschritten in Industrie und Landwirtschaft. Die Parteiführung versprach sich, durch ökonomische Erfolge bisher nicht gekannten Ausmaßes eine Veränderung des innerdeutschen Kräfteverhältnisses und im Resultat dessen die Einheit Deutschlands herbeiführen zu können.<532> Dieses strategische Ziel sowie verschiedene belangvolle Planvorhaben gelang es nicht zu realisieren.

In der Landwirtschaft lagen die Ergebnisse trotz eines leichten Aufwärtstrends unter den hochgesteckten Erwartungen. Obwohl Ulbricht schon auf dem III. Parteitag der SED im Sommer 1950 dem Agrarsektor die außerordentliche Aufgabe gestellt hatte, “bei normaler Witterung höhere Durchschnittserträge zu erreichen als in Westdeutschland und in den westeuropäischen Ländern“<533>, blieb die Landwirtschaft trotz des Erhalts enormer Fördermittel hinter beinahe allen Zielstellungen des Perspektivplanes beträchtlich zurück.<534> Dennoch sollen entsprechend von Berechnungen der Staatlichen Plankommission die Produktionsleistungen zwischen 1950 und 1955, verglichen mit der Bundesrepublik, "um 10 Prozent schneller gestiegen sein."<535>

Die Entwicklung der LPG verlief nicht wie beabsichtigt. Von einer sozialistischen Ökonomie könne man bei den vorhandenen LPG nur in wenigen Fällen sprechen, räumte Ulbricht auf der IV. LPG-Konferenz Ende 1955 ein. Die Mehrzahl der Betriebe sei “... noch nicht so weit entwickelt ... Noch kann nicht gesagt werden, daß das ganze System eines auf sozialistische Weise arbeitenden landwirtschaftlichen Großbetriebes auf genossenschaftlicher Grundlage aufgearbeitet worden ist ...“<536>

Gleichfalls auf dieser Konferenz stellte Ulbricht die Forderung, "mit Hilfe der Methoden der sozialistischen Wirtschaftsführung die Produktion in den LPG so zu steigern, daß die Erträge der Mittelbauern übertroffen und die Lebensbedingungen der Genossenschaftsbauern besser werden als die der Mittelbauern.“<537>


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Daraus läßt sich schlußfolgern, daß sich am Ausklang des Jahres 1955 die Mehrzahl der LPG weit entfernt von ihrem Ziel befand, sozialistische Musterbetriebe zu sein. Die Feststellung von Krebs, sie glichen "Armenhäusern", ist jedoch zu verabsolutierend.<538>

Die Überfrachtung der LPG mit devastierten Flächen und Wirtschaften, ihre zu geringfügige Ausstattung, fehlerhafte Leitungstätigkeit und unqualifizierte, oftmals undisziplinierte Arbeitskräfte ließen in der Überzahl der Genossenschaften das Arbeitseinkommen der Mitglieder auf einem niedrigen Stand verharren. Besonders umworbene alteingesessene Bauern sahen deshalb davon ab, ihre Interessen in einer von ihnen wahrzunehmen.<539>

Die Entwicklung der Hektarerträge wichtiger Kulturen der DDR-Landwirtschaft ging zwischen 1950 und 1955 wie folgt vonstatten:<540>

Tabelle 13: Die Entwicklung der Hektarerträge wichtiger Kulturen der DDR-Landwirtschaft zwischen 1950 und 1955<541>

Jahr

Getreide (dt/ha)

Kartoffeln (dt/ha)

Zuckerrüben (dt/ha)

1950

19,7

168,9

259,2

1951

25,0

163,5

257,3

1952

23,1

152,6

265,9

1953

22,4

159,3

284,8

1954

21,6

186,1

321,9

1955

24,8

132,8

265,9

Die Durchschnittserträge der LPG übertrafen bei Getreide mit 25,1 dt<542> gegenüber 24,8 dt<543> der gesamten Landwirtschaft knapp deren Resultat. Bei Kartoffeln, Zuckerrüben und einigen weiteren Kulturen wies die Mehrheit der LPG im Jahre 1955 noch nicht die Ergebnisse der VEG und der Einzelbauern auf.<544>


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Die Hektarerträge der Landwirtschaft des Bezirkes Magdeburg lagen bei Futterpflanzen, Getreide, Hülsen- sowie Ölfrüchten über dem DDR-Durchschnitt. Dagegen verlief die Entwicklung der Kartoffel- und Zuckerrübenerträge - man bedenke, in einem traditionellen Zuckerrübenanbaugebiet mit günstigsten natürlichen Gegebenheiten! - unbefriedigend .

Die IV. LPG-Konferenz Ende 1955 stellte zum wirtschaftlichen Niveau der LPG fest, die Mehrzahl von ihnen hätte noch nicht die Hektarerträge der Einzelbauern erreicht. Im Hinblick auf die Arbeitsproduktivität sei es ihnen jedoch gelungen, zumindest ansatzweise die Vorzüge des gemeinsamen Wirtschaftens zu demonstrieren.<545>

Die Tierbestände der DDR-Landwirtschaft erhöhten sich zwischen 1950 und 1955 in unterschiedlichem Umfang beständig. Beispielsweise gelang es, den Besatz an Rindern je 100 Hektar LN von 53,9 Stück im Jahre 1950 auf 58,4 Stück im Jahre 1955 auszuweiten.<546> Bei Schweinen belief sich die Steigerung von 69,1 auf 125,9, bei Schafen von 17,1 auf 30,4 und bei Legehennen von 259,4 Stück im Jahre 1952 auf 294,2 Stück im Jahre 1955.<547> Die Milchleistung je Kuh wuchs von 1 935 kg auf 2 450 kg.<548>

Die Entwicklung der Tierbestände, angeblich übertrafen “... die fortgeschrittensten LPG ... bereits das Leistungsniveau der Einzelbauern in der Tierproduktion“<549>, bewirkten von 1950 bis 1955 folgende Steigerung des staatlichen Aufkommens:<550>

In den Landwirtschaftsbetrieben des Bezirkes Magdeburg vergrößerten sich zwischen 1950 und 1955 die Schweinebestände um mehr als die Hälfte. In der Milchleistung je Kuh erreichte der Bezirk Spitzenwerte im DDR-Maßstab.<551>

Die numerische Entwicklung der LPG in der gesamten DDR und dem Bezirk Magdeburg in den Jahren 1952 bis 1955 sollen kurzkommentierte Tabellen, die des Kreises Haldensleben ein durch statistische Angaben präzisierter Kommentar, verdeutlichen.


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Tabelle 14: Die Anzahl der verschiedenen LPG-Typen, die LN der LPG, die Anzahl der Mitglieder und der Anteil der LPG an der LN der DDR in den Jahren 1952 bis 1955<552>

Jahr

Anzahl der LPG

LN der

Anzahl der

Anteil an

gesamt

Typ I

Typ II

Typ III

LPG (ha)

Mitglieder

der LN der DDR

1952

1 906

1 649

91

166

218 043

37 000

3,3

1953

4 691

2 596

169

1 926

754 301

128 550

11,6

1954

5 120

1 917

143

3 060

931 393

158 356

14,3

1955

6 047

1 303

92

4 652

1 279 900

169 946

19,7

Bei Zugrundelegen der sozialen Herkunft nahmen die ehemaligen Landarbeiter mit beinahe 50 Prozent unter den LPG-Mitgliedern mit weitem Abstand die Spitzenpositionen ein.<553> Ähnlich hoch belief sich der Anteil der weiblichen Mitglieder<554>, wogegen der Anteil der Altbauern nebst Familienangehörigen nicht einmal 10 Prozent ausmachte.<555>

Im Bezirk Magdeburg verlief die LPG-Bildung wie auf der nächsten Seite dargestellt.

Tabelle 15: Die LPG-Bildung im Bezirk Magdeburg in den Jahren 1952 bis 1955<556>

Jahr

Anzahl der LPG

 

gesamt

Typ I

Typ II

Typ III

1952

243

177

5

61

1953

606

100

10

416

1954

638

45

4

589

1955

706

31

3

672


117

Die Flächen der LPG des Bezirkes Magdeburg dehnten sich bei einer Mitgliederzahl von

37 063 über 29 Prozent der LN des Bezirkes Magdeburg aus.<557>

Die Entwicklung der LPG im Kreis Haldensleben läßt sich in den Anfangsjahren - was die Daten am jeweiligen Jahresende anbelangt - nur mit weniger detaillierten Angaben belegen. Die Anzahl der LPG erhöhte sich von 18 im Jahre 1952 über 39 im Jahre 1953 auf 43 im Jahre 1954.<558> Am Ende des Jahres 1955 belief sie sich auf 52.<559> Welchem Typ von LPG sie zuzuordnen waren, ist nicht zweifelsfrei zu belegen.

Gesicherten Angaben zufolge gehörten Mitte Mai 1954 von 39 LPG 37 dem Typ III, eine dem Typ I und eine dem Typ II an.<560> Diese Entwicklung entsprach der DDR-Tendenz.

Im Spätherbst 1955 wiesen die 49 LPG des Kreises 2 925 Mitglieder auf, die mit 13 762 Hektar ca. 25 Prozent der LN des Kreises bewirtschafteten.<561> Mitte November 1955 zählten zu den 2 978 Mitgliedern, darunter 1 526 weiblichen, 1 991 ehemalige Landarbeiter und Angehörige sonstiger Berufe.<562>

2.2 Der Beginn der LPG-Bildung im Kreis Haldensleben

2.2.1 Erste LPG im Kreis

Wenige Tage nach Beendigung der 2. Parteikonferenz, am 18. Juli 1952, konstituierte sich die LPG "Erich Grün" Rottmersleben als erste LPG im Kreis.<563> Sie war damit die dritte im Bezirk Magdeburg. Zunächst gehörten ihr neun Mitglieder an, überwiegend werktätige Einzelbauern.<564> In der ersten Augustwoche des gleichen Jahres erfolgte die Registrierung beim Rat des Kreises Haldensleben. Den Namen "Erich Grün" wählten die Genossenschaftsmitglieder im Gedenken an den Widerstandskämpfer gegen den Faschismus, dessen Wiege in der Kreisstadt Haldensleben stand. Bis zum Dezember 1952 erhöhte sich die Mitgliederzahl dieser Genossenschaft bei einer LN von 64,50 Hektar auf 11.<565>

Wie in beinahe ausnahmslos allen neugegründeten LPG, traten in der LPG "Erich Grün" täglich neue Probleme und Schwierigkeiten auf. Es mangelte an Maschinen, es fehlte an Möglichkeiten, in größeren Ställen die genossenschaftliche Viehhaltung zu entwickeln, die jungen Genossenschaftsbauern besaßen


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keinerlei Erfahrungen in bezug auf die Leitung eines landwirtschaftlichen Großbetriebes. Im Dorfe räumten viele werktätige Einzelbauern und erst recht Großbauern der Genossenschaft nur geringe Überlebenschancen ein. Die SED-KL unterstützte diese LPG mit allen ihr zu Gebote stehenden Möglichkeiten und entsandte anfänglich täglich aus den MAS solche Fachkräfte wie Agronomen, Politleiter und Zootechniker in die Genossenschaften. Sie halfen, die besonderen "... Anfangsschwierigkeiten in Fragen der Produktion, des politischen Lebens und der Kultur" einzudämmen.<566> Mit staatlicher Hilfe und Unterstützung der Sowjetunion gelang es der LPG Rottmersleben, die schwierigen ersten Monate und die nicht minder problembelasteten folgenden Jahre, zu überstehen.<567> Es sei vorweggenommen, daß die Weiterentwicklung der LPG Rottmersleben diskontinuierlich verlief und daß ihr der Ruf einer Genossenschaft mit großen Problemen längere Zeit anhaftete.

Nach der Gründung der LPG Rottmersleben bemühte sich das Sekretariat der SED-KL Haldensleben in Verbindung mit dem Rat des Kreises äußerst intensiv um die weitere Bildung von LPG. Es regte in beinahe allen Gemeinden des Kreisgebietes sorgfältig vorbereitete Versammlungen an. Auf ihnen referierten der SED angehörende, propagandistisch geschulte Redner über die LPG. Sie legten die Vorteile gemeinsamen Wirtschaftens in Produktionsgenossenschaften dar und gaben den Bauern Gelegenheit zur Diskussion. Die Bauern reagierten vorsichtig. Zu Beginn des Umwälzungsprozesses auf dem Lande fanden sich nur wenige von ihnen bereit, den Schritt in eine LPG zu vollziehen. Der Kollektivierungsgedanke war auch in den Gemeinden des Kreises Haldensleben verpönt, erinnerte die Bauern zu sehr an die sowjetischen Kolchosen, die sie in Verbindung mit bäuerlicher Eigentumslosigkeit brachten. Dennoch konnte das Sekretariat der KL sehr bald auf Achtungserfolge verweisen. Kurze Zeit nach Gründung der ersten LPG schlossen sich weitere Klein- und Neubauern sowie Landarbeiter zu Genossenschaften zusammen. So in Ackendorf und Alleringersleben.

Eine Analyse der Mitgliedschaft in den drei ersten LPG des Kreises bestätigte die in der gesamten DDR anzutreffende Tendenz: In der Anfangsphase der Umstrukturierung der Landwirtschaft traten überwiegend Neubauern und Landarbeiter, jedoch kaum Altbauern den LPG bei. Von den 39 Mitgliedern der drei genannten LPG zählte nur ein einziges zu den Altbauern.<568> Dabei soll aber nicht unerwähnt bleiben, daß verschiedene Gründungskomitees Altbauern den Zugang zu ihnen verwehrten. Der Sekretär für Landwirtschaft der KL stellte zu den Motiven des Beitritts der ersten LPG-Mitglieder fest: "Es gibt Betriebe, die aus einer außerordentlichen Notlage in die LPG gegangen sind, aber die Mehrzahl, die reingegangen sind, waren doch wirklich bewußte Bauern."<569>

Im Kreis Haldensleben befanden sich wie überall in der DDR unter den ersten in die LPG eintretenden Bauern solche, die allein ihre Wirtschaften nicht hätten weiterführen können. Die infragekommenden Gründe wurden schon behandelt. Und es gab im Kreis Bauern, wie z. B. in Erxleben, die Schulden


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belasteten, als sie den Weg in die LPG gingen.<570>

Zunächst erarbeitete sich jede neugegründete LPG im Kreis ihr eigenes Statut, das nicht selten auf Mißbilligung des Sekretariats der KL stieß.<571> Die genannte LPG wie die ihr folgenden organisierten sich auf der Grundlage der Statuten der LPG Merxleben, Worin und Fienstedt. Mitunter kam es zu heftigen Debatten unter den Bauern.

Die Parteiführung orientierte darauf, anfänglich mit dem Aufbau der LPG auf der untersten Stufe zu beginnen, also LPG des Typs I und II zu gründen. Die Bildung von LPG des Typs III gestaltete sich im Kreis Haldensleben insofern problematisch, da für eine gemeinsame Viehhaltung die objektiven Voraussetzungen zumeist fehlten. Im konkreten Fall betraf dies die Stallungen. Zur Vermeidung einer Zersplitterung der Kräfte und der zur Verfügung stehenden Mittel hielt es das Kreissekretariat für angebracht, in jeder Gemeinde nicht mehr als eine LPG zu gründen, insofern nicht mehrere Ortsteile bestanden. Es glaubte, damit den Interessen insbesondere der Altbauern entgegenzukommen, verblieb doch in den beiden vorgenannten LPG-Typen das Vieh bei den Bauern. Die zweckbestimmte Kulanz der Partei zog nicht. Kaum ein Altbauer ersuchte in den ersten Monaten nach der 2. Parteikonferenz der SED um die Mitgliedschaft in einer Genossenschaft.

Was die Wahl des Vorstands einer LPG anging empfahl, ja forderte das Sekretariat von den Genossenschaftsbauern, die Wahl eines "fortschrittlichen" Vorstands durchzusetzen. Es gab weiter den Hinweis, in den Gemeinden behutsam vorzugehen und "unbedingt auf das Prinzip der Freiwilligkeit" bei der Gründung von LPG zu achten.<572>

Zur kontinuierlichen, flächendeckenden Entwicklung des sozialistischen Aufbaus auf dem Lande erfolgte im Sommer 1952 die Einteilung des Kreises in 11 Stützpunkte.<573> Obwohl das Sekretariat der SED-KL zu Beginn des Umwälzungsprozesses auf dem Lande darauf verwiesen hatte, bei der LPG-Bildung nicht übereilig vorzugehen, verlautbarte es im Oktober 1952, "50 % des Kreises sollen sehr rasch kollektiviert werden."<574> Ende Oktober 1952 legte es fest, daß zur Erzielung von Fortschritten bei der Gründung von LPG jeder Sekretär der KL ein Gründungskomitee zu betreuen habe. Wie energisch die SED-KL die Genossenschaftsbildung betrieb, beweist das Protokoll einer Sitzung des Sekretariats gleichfalls von Ende Oktober 1952. Ihm ist zu entnehmen ist, daß im Kreis bis zum

8. November des laufenden Jahres acht LPG entstehen sollten.<575> In den Unterlagen findet sich weiter der aufschlußreiche Hinweis, daß es wichtig wäre, bald weitere 10 Gründungskomitees zu bilden, um auf 18


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LPG im Kreis verweisen zu können.<576> Ein rascheres Vorgehen verlangte das Sekretariat der KL in den Gemeinden Dorst und Hilgesdorf. Für letztere hieß die Zielstellung, "die ganze Gemeinde 100 %ig in die LPG zu bekommen."<577> Daraus ist nicht zwingend zu schließen, daß bei dem vorgegebenen Tempo das fortwährend betonte Prinzip der Freiwilligkeit in Gefahr geraten mußte. Die Forderungen des Sekretariats belegen zumindest seinen unbedingten Willen, die LPG-Bildung beschleunigt fortzuführen.

Um möglichst rasch die angestrebten Ziele zu erreichen, legte das Sekretariat fest, sich selbst in die Vorbereitungen zur LPG-Bildung einzuschalten und die Bedeutung der LPG für die Veränderungen der Lebensbedingungen der gesamten Landbevölkerung verstärkt zu popularisieren.

In den ersten Monaten der sozialistischen Umgestaltung des Dorfes trat eine unverkennbare Isolierung der Altbauern auf. Bei der Bildung von Gründungskomitees klammerte man zuweilen Altbauern aus, obwohl es durch die Parteiführung keine Richtlinien oder Vorbehalte gegen die Aufnahme dieser Kategorie von Bauern gab. Eine derartige Haltung gegenüber beitrittswilligen Altbauern bleibt unverständlich. Für die neugegründeten LPG, denen es an materiellen Grundlagen und wirtschaftlich-organisatorischen Erfahrungen fehlte, hätte die Aufnahme gerade dieser Bauern einen Gewinn bedeutet. Auch wurde offenbar die Beispielwirkung auf andere werktätige Einzelbauern unterschätzt. Das Sekretariat der SED-KL forderte im Herbst 1952 die unverzügliche Korrektur derart sektiererischen Handelns, das in einigen Gemeinden auftrat.<578> Aus seiner Forderung läßt sich schlußfolgern, daß schon in den ersten Monaten nach dem Auftakt der LPG-Bildung Altbauern den Weg in die LPG anstrebten. Andererseits - und das steht in gewissem Widerspruch zu der oben getroffenen Aussage - traten nach der Initiative des Sekretariats der KL über einen längeren Zeitraum hinweg kaum Altbauern den LPG bei. Im Kreis Haldensleben hat es, ebenso wie in der gesamten DDR, ein LPG-Beitritt offensichtlich zunächst nicht im Interesse der meisten Altbauern gelegen. Folgende Ursachen seien hierfür genannt:

Ende Dezember 1952 konnten in den meisten LPG des Kreises Bestrebungen registriert werden, über die bisherige Orientierung hinaus zur Bildung von Genossenschaften des Typs III überzugehen. Die Abteilung Landwirtschaft der KL der SED versuchte, die Genossenschaftsbauern des Typs III davon zu überzeugen, daß sie vorerst ihren Viehbestand als zusätzliche individuelle Wirtschaft zu Hause halten sollten. Genau besehen handelte es sich dabei um einen klaren Verstoß gegen das Statut. Er mutet um so unverständlicher an, weil größtenteils in den LPG die Bedingungen für ein gemeinsame Viehhaltung bestanden haben sollen.<579> Persönliche Gespräche im Kreisgebiet haben einhellig bestätigt, daß Zweifel


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gegenüber dieser Feststellung angebracht sind.

Mitte Dezember 1952 bestanden im Kreis in etwa einem Sechstel der Gemeinden - nämlich in 10 - Genossenschaften.<580> Bis Ende Dezember sollten weitere 26 vorbereitende Versammlungen in Gemeinden des Kreises stattfinden<581>, in denen von der Struktur und der vermeintlichen Bereitschaft der Bauern her sich günstige Voraussetzungen für die Bildung einer LPG boten. Trotzdem kam im Neujahrsaufruf der SED-KL Ende 1952 eine gewisse Unzufriedenheit zum Ausdruck. Sie verwies neuerlich darauf, daß die Bemühungen für die Schaffung der Grundlagen des Sozialismus auf dem Lande, die Ausweitung und Festigung der LPG, verstärkt werden müßten. Weiter hieß es in dem Aufruf: "Durch den freiwilligen Zusammenschluß zu landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften beweisen unsere werktätigen Bauern und Landarbeiter, daß sie stärkstens am Aufbau des Sozialismus auf dem Lande mitarbeiten und nicht gewillt sind, sich noch lange von den großbäuerlichen Elementen ausbeuten zu lassen."<582> Besonders die letzte Passage ist überdenkenswert. Sollte mit dieser, möglicherweise von der zentralen Parteiebene vorgegebenen Formulierung, ein härteres Vorgehen gegenüber den Großbauern in der ersten Jahreshälfte 1953 angekündigt werden? Zumindest kam in dieser mehr oder weniger deutlichen Drohung zum Ausdruck, daß die Interessenverwirklichung der Großbauern künftig stärkeren Einschränkungen unterliegen würde.

Am Jahresbeginn 1953 steckte das Sekretariat der KL seine unmittelbaren Ziele auf dem Lande ab. Im Monat Februar galt das Augenmerk der Festigung, im März der Neubildung von LPG. Als Schwerpunkt nannte die KL die Gewinnung von mehr Landarbeitern, Frauen und Jugendlichen für die Genossenschaften. Um sich eine Vorstellung von Größe und Mitgliederstand der Genossenschaften einige Monate nach Beginn der Veränderungen auf dem Lande bilden zu können, seien an dieser Stelle einige Zahlen genannt. Die LN der kleinsten LPG, der LPG Mannhausen, betrug bei neun Mitgliedern 55 Hektar<583>, die der größten, der LPG Hundisburg, 352 Hektar.<584> Die höchste Mitgliederzahl wies im Februar 1953 die LPG Ackendorf, Typ III, mit 72 Mitgliedern auf.<585>

Beinahe Unglaubliches ereignete sich im Zusammenhang mit den seit September 1952 währenden Bemühungen, eine LPG in Morsleben zu bilden. Sie scheiterten längere Zeit am Widerstand der Parteimitglieder. Einige von ihnen hatten mittels Manipulationen durch den Vorsitzenden der Bodenreformkommission bestes Ackerland erhalten, an dem sie hartnäckig klebten und das sie sich nicht in die Genossenschaft einzubringen bereit fanden.<586>

Die zuständigen Gremien des ZK der SED und der SED-BL Magdeburg forderten ein rascheres Tempo bei der LPG-Bildung. Daraufhin entschied das Kreissekretariat im zeitigen Frühjahr 1953 auf einer


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außerordentlichen Sekretariatssitzung, die Bildung und Festigung von LPG mit allen zur Verfügung stehenden Kräften voranzutreiben. Es bildete fünf Brigaden, die sich aus Parteimitgliedern der Verwaltung, der VdgB (BHG) und der PA der MTS zusammensetzten. Ihre Aufgabe bestand darin, in den nächsten Wochen und Monaten solange in den Gemeinden Aufklärungsarbeit zu leisten, bis eine Genossenschaft bestand.<587>

Die Mitgliederzahl der LPG und die von ihnen zu bearbeitenden Flächen nahmen nach dem Einsatz dieser Brigaden an Umfang zu. Dennoch kam die Erklärung des 1. Kreissekretärs kurze Zeit nach obiger Festlegung überraschend, der Mitte April 1953 ausführte: "Wir haben die LPG-Bildung abgestoppt, um zur Festigung zu kommen".<588> Er begründete diese Absicht u. a. damit, die Flächen geflüchteter Großbauern solchen Gemeinden zuzuschlagen, in denen LPG bestanden. Durch die Übernahme derartiger Flächen würden die häufig erst seit Wochen bestehenden LPG einen größeren Zeitraum benötigen, um aus den gröbsten Schwierigkeiten herauszukommen. Wahrscheinlicher ist indes, daß die zögernde Haltung der SED-KL Haldensleben, wie die wenig später von ihr demonstrierte Hektik bei der LPG-Bildung, auf die immer gespannter werdende politische und ökonomische Situation in der DDR zurückzuführen war. Sie führte schließlich am 16./17. Juni 1953 zum offenen Konflikt zwischen Teilen der Bevölkerung und der Staatsmacht.

Zur besseren Kontrolle der Genossenschaftsbildung legte das Sekretariat fest, daß zukünftig sämtliche Gründungskomitees von ihm zu bestätigen seien.<589> Vornehmlich ging es damals dem Kreissekretariat darum, das Eindringen "klassenfremder Elemente" in die LPG und ihre Einflußnahme auf Beitrittswillige zu verhindern, aber ebenso, um Fehler schon bei der Gründung einer LPG zu vermeiden.

Die Parteiführung ließ in der Anfangsphase der LPG-Bildung den Fortgang der Veränderungen auf dem Lande, auch im Bezirk Magdeburg, mehrfach absichern. Aus einer aktenkundigen Feststellung des Sekretariats der SED-KL Haldensleben ist ersichtlich, daß nach vorausgegangener Bestätigung durch die SED-KL der Rat des Bezirkes bis Mitte April 1953 26 der 30 LPG des Kreises bestätigte.<590>

Unter den LPG-Mitgliedern befanden sich im Frühjahr 1953 weit mehr als ein Drittel Frauen. Sie folgten nicht allein aus ihrem Zusammengehörigkeitsgefühl heraus ihren Männern - wobei sicherlich mehr oder weniger intensive familiäre Gespräche vorausgegangen waren -, sondern versprachen sich vom gemeinsamen Wirtschaften Erleichterungen für ihre mit großen physischen Anstrengungen verbundene Arbeit als Bauersfrauen und Mütter. Und schließlich wird manche von ihnen der ständigen Agitation über den LPG-Eintritt müde geworden sein und diesem zugestimmt haben.<591>

Die Landwirtschaftspolitik des Sekretariats der SED-KL Haldensleben kennzeichnete im ersten Jahr der


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sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft alles andere denn Kontinuität.<592> Zunächst erklärte der 1. Kreissekretär Ende Mai 1953, die Gründung neuer LPG sei im Interesse der Festigung bestehender vorerst zu stoppen. Wenig mehr als 14 Tage danach überraschte - und das ist sehr moderat ausgedrückt - seine neuerliche Erklärung zum Tempo der Umgestaltung selbst in der Landwirtschaft tätige Funktionäre. "Wir sprechen davon, daß wir uns bis zum 15. 6. das Ziel setzen, d. h. schwerpunktmäßig sich alle Verwaltungen, Institutionen, Massenorganisationen usw. konzentrieren im Zusammenhang mit dem Beschluß 'Funktionäre aufs Land. Bis zum 15. 6. müssen wir zum Abschluß kommen mit der Bildung der LPG."<593> Soweit die Ausführungen des Kreisparteichefs, die den Bauern neue Agitationskampagnen und verstärkten ökonomischen Druck verhieß. Gewiß ist seine Akklamation, bis Mitte Juni 1953 mit der Bildung von LPG zu Ende zukommen, so zu verstehen, daß bis zu diesem Termin in jeder Gemeinde eine LPG bestehen sollte. Dennoch handelt es sich dabei um eine überaus massive Forderung, die so ultimativ weder in Publikationen noch Aktenmaterialien und schon gar nicht in zentralen Beschlüssen der Partei nachzulesen ist.

Die wiederum veränderte Vorgehensweise der KL begründete ihr 1. Sekretär damit, daß unter Berücksichtigung der Rede Ulbrichts anläßlich des 135. Geburtstages von K. Marx, in der er die neuen Ziele der Partei aufzeigte, die Bildung weiterer LPG schneller voranschreiten müsse.<594> Gewiß dachte die Parteiführung dabei nicht an ein derartiges Tempo, wie es die KL Haldensleben einzuschlagen beabsichtigte. Eine andere Deutung als die, daß sie im Alleingang vorgeprellt ist, läßt sich selbst nach intensivem Recherchieren nicht finden. Oder sollte ihr Vorgehen vielleicht mit der SED-BL Magdeburg abgesprochen gewesen sein? Ob das vielzitierte Prinzip der Freiwilligkeit bei der Bildung von Genossenschaften durchgehend eingehalten wurde, ist zumindest anzuzweifeln.<595> Weiterhin verlangte die KL, daß Funktionäre und Mitarbeiter der Verwaltungen die LPG anleiten und kontrollieren sollten. Durch "beharrliche Aufklärungsarbeit" sei eine Erhöhung der Mitgliederzahl der LPG sowie der Übergang von Genossenschaften des Typs I zu solchen des Typs III anzustreben. Im Plan des Kreissekretariats von Anfang Mai 1953 zur Bildung neuer LPG im Kreis heißt es unter Verweis auf 35 bestehende LPG: "Diese stürmische Entwicklung gilt es zu verstärken und zu festigen, um innerhalb der kürzesten Zeit auch im letzten Dorf des Kreises durch intensive Aufklärungsarbeit durch den freiwilligen Zusammenschluß, die werktätigen Bauern und Landarbeiter in LPG zusammenzuschließen."<596>

Das Sekretariat schlug zur Verwirklichung dieser Zielstellung vor, in Dörfern ohne LPG im Zeitraum von Mitte bis Ende Mai 1953 neben den o. g. Einsätzen zweitägige Brigadeeinsätze unter der Leitung von Kreistagsabgeordneten durchzuführen.<597> Als erklärtes Ziel einer jeden Brigade hatte zu gelten, das


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jeweilige Dorf nicht eher zu verlassen, bis einer LPG-Gründung nichts mehr entgegenstand.<598> Der Maßnahmeplan des Sekretariats beinhaltete, die Brigadeeinsätze mit Aufklärungsversammlungen unter Teilnahme sämtlicher Klein- und Mittelbauern abzuschließen. Es ging davon aus, daß bis zum Ende der Zusammenkünfte die Bereitschaft möglichst vieler Bauern und Landarbeiter zur Bildung einer LPG erreicht werden könne.

Ungeachtet dieser aufwendigen, intensiven Bemühungen konnte das hochgesteckte Vorhaben, bis Mitte Juni 1953 in allen Gemeinden auf eine LPG verweisen zu können, nicht erreicht werden.<599> Wie in der gesamten DDR setzte die absolute Mehrheit der Bauern - insbesondere die Altbauern - darauf, unter Beibehaltung der individuellen Wirtschaftsweise ihre Interessen am besten verwirklichen zu können.

2.2.2 Formen und Methoden der Unterstützung der LPG

2.2.2.1 Die MAS/MTS

Der Aufbau des Sozialismus auf dem Lande erforderte die umfassende Unterstützung der bereits bestehenden und der im weiteren Verlauf der Umgestaltungen sich formierenden LPG durch die gesamte Gesellschaft. Eine zentrale Rolle kam dabei den MAS/MTS zu. Das bedeutete für die Stationen, ihre Anstrengungen mehr als zuvor auf die Steigerung der Hektarerträge, die Erhöhung der Viehbestände und die Verbesserung der Produktivität der Viehwirtschaft der werktätigen Einzelbauern und besonders der LPG zu lenken. Die Hilfeleistung der MAS/MTS für die LPG erstreckte sich im einzelnen weiter auf die Anleitung und Unterstützung der Genossenschaften

Dieses breite Aufgabenspektrum kann im Verlaufe der Ausführungen nicht vollauf abgehandelt werden. Vielmehr gilt das besondere Augenmerk der Arbeitsweise und den Arbeitsleistungen der MAS/MTS.

Mit Beginn des Aufbaus des Sozialismus auf dem Lande im Sommer 1952 bestanden im Kreis Haldensleben sieben MAS: Haldensleben II, Klüden, Ostingersleben, Rätzlingen, Schackensleben und Weferlingen. Jede Station bediente die LPG und die Einzelbauernbetriebe der in ihrem näheren Umfeld liegenden Dörfer. In diesem Zusammenhang bürgerte es sich ein, von MAS- bzw. MTS-Bereichen zu


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sprechen.<600>

Die MAS/MTS und die LPG sowie die Einzelbauern arbeiteten auf der Grundlage von Jahresargbeitsverträgen zusammen. Erst diese längerfristige Bindung ermöglichte eine kontinuierliche, auf die Ertragssteigerung gerichtete Zusammenarbeit.<601>

Die Voraussetzungen der MAS/MTS des Kreises Haldensleben ähnelten einander und waren alles andere denn günstig. Sie besaßen nur wenige bzw. überhaupt keine ausgebildeten Kader und mußten mit unzureichender, teils veralteter Technik die anfallenden Aufgaben bewältigen.<602> Diese ungünstige Konstellation erschwerte die Hilfeleistung der Stationen für die jungen, ungefestigten LPG erheblich und hinderte sie, der bedürftigen großen Zahl von Einzelbauern Unterstützung zu geben.

Im Rahmen der zentralen Richtlinien bestimmte das Sekretariat der SED-KL Haldensleben Art und Umfang der Hilfe der MAS/MTS für die LPG im Kreis. Gleich auf seiner ersten Sitzung nach der 2. Parteikonferenz der SED wies es Mitte Juli 1952 die MAS-Leitungen an, sich formierenden LPG in allen Belangen zu helfen. Das Kreissekretariat beauftragte die MAS-Leitungen der einzelnen Bereiche schon zu einem Zeitpunkt, als im Kreisgebiet noch keine LPG bestand, einen Wirtschaftsberater aus ihrer Belegschaft zu benennen. Erfolgte die Gründung einer LPG, sollte er dieser hilfreich zur Seite stehen.

Nach dem Auftakt zur sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft erreichte die LPG-Bildung im Kreis Haldensleben in den ersten Wochen nicht die Dimensionen, die sich das Sekretariat der SED-KL versprach. Ungeachtet dessen vereinbarte es bereits Anfang August 1952 mit den MAS-Leitungen, sämtliche Verträge mit Einzelbauern zu kontrollieren. Die Vertragsüberprüfung sollte dazu dienen, Großbauern herauszufiltern, mit ihnen getätigte Vertragsabschlüsse in Verfolgung einer von der Landesverwaltung der MAS ergangenen Weisung zu annulieren und alle Arbeiten bei ihnen einzustellen.<603> Künftig sollten durch ständige Produktionsbrigaden der Stationen bevorzugt die Äcker der in ihrem Bereich ansässigen LPG, dann der werktätigen Einzelbauern und zuletzt - nach Beendigung aller anstehenden Arbeiten - die Flächen der Großbauern bearbeitet werden.<604> Die in den nächsten Monaten weiterhin noch geringe Zahl an LPG, ihre LN dehnte sich selten über 100 Hektar, aus rechtfertigte diese Maßnahme nicht. Sie war weder sinnvoll noch notwendig, sondern eine neuerliche Schikane zur Untergrabung der Wirtschaftskraft der Bauern mit einer Wirtschaftsfläche von mehr als 20 Hektar und entsprach der zentralen Politik der Verschärfung des Klassenkampfes beim Aufbau des Sozialismus.

Diese Bestimmtheit des Sekretariats der KL am Beginn des Vergenossenschaftlichungsprozesses ist typisch für die Vorgehensweise der SED-KL bis zum Abschluß der LPG-Bildung. Bei bisweilen fehlender


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Elastizität versuchte sie nachdrücklich, die Prioritäten der Landwirtschaftspolitik der Parteiführung durchzusetzen.

Als im Herbst 1952 die LPG-Bildung im Kreis sukzessive Konturen gewann, äußerte sich das Kreissekretariat unzufrieden über die Arbeitsweise der MAS. Ihre wirtschaftlichen Resultate entsprängen lediglich finanziellen Begünstigungen. Noch längst nicht seien sie ein Bindeglied zwischen Arbeiterklasse und werktätigen Bauern - auf den Ausbau dieser Beziehungen legte die Parteiführung besonderen Wert. Es schätzte ein, die MAS Schackensleben<605> wäre noch kein wirtschaftliches, politisches und kulturelles Zentrum entsprechend der wiederholten Forderung zentraler Gremien der Partei.<606> Diese MAS beherzigte die Kritik, stellte die besten Traktoristen für die LPG ihres Bereiches ab. Ein Agronom gab von nun an jeder neu gebildeten LPG des Bereiches fachmännische Ratschläge. Um die Produktionsleistungen zu steigern, beteiligten sich die Traktorenbrigaden dieser MAS am inner- und überbetrieblichen Wettbewerb. Allein, ihre Leistungen stiegen nicht spürbar an.

Zur Erhöhung der Effektivität der MAS und der Befähigung ihrer leitenden Mitarbeiter zur politischen Argumentation mit den werktätigen Einzelbauern<607> faßten das Sekretariat der SED-KL und die Abteilung Landwirtschaft des Rates des Kreises den Beschluß, die MAS-Führungskader monatlich zweimal zum Erfahrungsaustausch und zur Schulung zusammenzufassen.<608>

Das Sekretariat der KL stellte bis zum Jahresende leichte Fortschritte in der Arbeitsweise der MAS fest. Die von der MAS Haldensleben II zum Jahresende gemeldete Planerfüllung mit 117,5 Prozent kann aber bei den erheblichen Mängeln, die dieser MAS anhafteten, nur Verwunderung hervorrufen.<609>

Trotz engen Zusammenwirkens zwischen den MTS<610> und deren PA, den VEG und den ersten LPG verlief die Frühjahrsbestellung 1953 wenig erfolgreich. Das Sekretariat der SED-KL kam nicht umhin, die Arbeitsweise der MTS - in der parteioffiziellen Diktion wurden sie häufig als “Stützpunkte der Arbeiterklasse auf dem Lande“ bezeichnet - neuerlich zu kritisieren. Ihre mangelhaften Leistungen würden zur Überprüfung ihrer Arbeit dringlich den Einsatz von Instrukteuren erfordern.<611>

Die unzulänglichen Ergebnisse der MTS im Frühjahr 1953 lagen u. a. darin begründet, daß sich die Stationen mit der Einführung des Mehrschichtsystems während der gesamten Dauer der Bestellarbeiten schwertaten. Stellvertretend für andere sei hier die Arbeitsweise der MTS Haldensleben II in der LPG Neuenhofe angeführt. Der zuständige Agronom suchte die LPG kaum auf, von einer Unterstützung der MTS für die junge, ungefestigte Genossenschaft konnte nicht die Rede sein. Die Arbeitsleistungen der dieser LPG zugeteilten MTS-Brigade illustriert die Aussage eines Genossenschaftsbauern: “Kommen die


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Bauern abends zu den Kampfausschußsitzungen, dann machen sie ihre Glossen darüber, wie schlecht die MTS gearbeitet hat.“<612> Weiter bemängelte er: “Tagelang muß auf den Feldern das in Ordnung gebracht werden, was die MTS schlecht gepflügt hat.“<613>

Äußerst Widersprüchliches verlautbaren die aktenkundlichen Einschätzungen der Leistungsfähigkeit und der Arbeitsleistungen der MTS Klüden durch das Sekretariats der SED-KL in den Frühlingstagen des Jahres 1953. An Positivem ist in ihnen nachzulesen, diese MTS habe ihren Quartalsplan mit 161 Prozent erfüllt<614>, der Jahresproduktionsplan sei auf die Brigaden aufgeschlüsselt worden, jede Brigade hätte ihr exakt umrissenes Aufgabengebiet, ihren festen Maschinenpark und "ständige" Betriebsschlosser. Andererseits folgt die Einschätzung, die MTS habe es nicht verstanden, “die werktätigen Bauern von den Vorzügen der Bodenbearbeitung durch die MTS zu überzeugen.“<615>

Das geringe Leistungsvermögen und die mangelnde Zuverlässigkeit der MTS zu Beginn der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft untergruben sehr bald ihre Akzeptanz bei den Genossenschafts- und den werktätigen Einzelbauern. So sperrten sich die LPG Süplingen und Bülstringen, Verträge mit der MTS Flechtingen abzuschließen. Beide zogen die Bestellung ihrer Flächen mit Pferdebespannung einem Kontrakt mit der MTS vor.<616> Angesichts der geschilderten Zustände mutet die auf einer Sekretariatssitzung der KL im Frühjahr 1953 getroffene Feststellung grotesk an, anders als im Vorjahr hätten die Genossenschaftsbauern jetzt zur MTS Vertrauen.<617>

Das Kreissekretariat sparte im Gegensatz zu parteioffiziellen Darstellungen, die Rolle und Leistung der MTS überbewerteten, nicht mit geharnischter Kritik an den Stationen. Beim Einbringen der Getreideernte des Jahres 1953 attestierte es in Sonderheit den MTS Flechtingen und Klüden eine zu geringe Unterstützung der in ihren Bereichen liegenden LPG. Im Herbst 1953 warf es den MTS - hier in erster Linie der MTS Haldensleben II - vor, sie hätten es im Verlaufe der Hackfruchternte nicht verstanden, den Einsatz von Traktoren nebst Hängern und Maschinen effektiv zu organisieren. Wenig später kritisierte es die MTS Klüden - was im konkreten Falle kein einmaliger Vorgang blieb - und kreidete ihr an, die Belegschaft bilde keine Einheit. Zerwürfnisse in der Leitung würden einen geregelten Arbeitsablauf verhindern. Einzig die gute Arbeit der für die Gemeinden Böddensell und Schwanefeld zuständigen Traktorenbrigaden lobte das Sekretariat.<618>

Die Einschätzung einer Überprüfungsbrigade der SED-BL Magdeburg vom 22. Dezember 1953, die den MTS bescheinigte, “... sie hätten bei der Durchführung der Herbstarbeiten eine gute Qualitätsarbeit


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geleistet“, stellt die Tatsachen auf den Kopf.<619> “Alle Genossenschaftsbauern sowie die werktätigen Einzelbauern, mit denen wir gesprochen haben“, so heißt es weiter in dem Bericht, “brachten ihre volle Zufriedenheit über die Arbeit der MTS zum Ausdruck.“<620> Die häufige Kritik des Sekretariats der SED-KL Haldensleben an der Arbeit der Stationen führt freilich zu anderen Schlüssen.

Nach Analyse der Arbeitsweise der MTS in den LPG im Jahre 1953 zog das Sekretariat die Schlußfolgerung, sie müsse sich generell ändern. Wie zuvor sollten sich die Stationen vorrangig um die genossenschaftliche Feldwirtschaft kümmern, darüber aber nicht deren Festigung vernachlässigen. Das Sekretariat der KL forderte die MTS dazu auf, ernsthafter als bisher das Leistungsprinzip, die Einhaltung des Statuts und die Einführung von Neuerermethoden in den LPG durchzusetzen.<621>

Die Leitungen der Stationen zogen aus diesen Ermahnungen keine Lehren. Bei den Bestellarbeiten im Frühjahr 1954 trat zutage, daß einige MTS ohne konkrete Einsatzpläne arbeiteten. Ihre spontane Vorgehensweise verhinderte die termingerechte Durchführung der Arbeiten.<622> Zwecks Vermeidung weiterer Pannen sollten die MTS-Leitungen auf Vorschlag des ZK der SED für die Erntearbeiten im Sommer 1954 genauestens aufgeschlüsselte Arbeitspläne erstellen, die der Bestätigung der Abteilung Landwirtschaft der SED-KL bedurften.<623> Inwieweit durch diese Maßnahmen die Getreideernte auf den Feldern des Kreises rascher und qualitativ höher verlief, ist aus den Akten nicht zu erfahren.

Eine Konstanz bei der Erledigung der von ihnen zu bewältigenden Arbeitsaufgaben - ob nun bei LPG- oder werktätigen Einzelbauern - erreichten die MTS des Kreises Haldensleben im Jahre 1954 wiederum nicht. Die günstigen MTS-Tarife für die LPG, u. a. ermöglicht durch die intensive Besteuerung von Mittel-, mehr noch von Großbauern und aus dem Staatshaushalt finanziert, hielten die genossenschaftlichen Produktionskosten gering. Diese Vorteile gingen aber oft wieder durch die unqualifizierte Arbeit von MTS-Traktorenbrigaden verloren. Bei allem Verständnis für die Schwierigkeit ihres Unterfangens sind ihre Leistungen treffend nur mit einem ständigen “Auf“ und “Ab“ zu bewerten.

In einem Bericht über die Hackfruchternte im Herbst 1954 wird beklagt, die MTS hätten ihre Leistungskapazität deshalb nicht voll zur Geltung gebracht, weil sie es nicht verständen, ausgebildete Schichtfahrer einzusetzen. Die Forderung Ulbrichts, “daß für jeden Traktor wenigstens zwei ständige Traktoristen zur Verfügung stehen“, erfüllten die MTS des Kreises nicht.<624> Mit Ausnahme der MTS Schackensleben setzten die Stationen das Mehrschichtsystem und damit die Auslastung der Maschinen und Gerätschaften in nur geringem Maße durch. Für das Erreichen der Rentabilität der LPG äußerst wichtige Arbeiten verzögerten sich dadurch, um dann zum Teil in verminderter Qualität überstürzt durchgeführt zu werden. Auch verstanden es die MTS-Leitungen nicht, die Schichttraktoristen von der Notwendigkeit zu überzeugen, innerhalb ihres MTS-Bereiches flexibel einsetzbar zu sein.


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In einem Bericht der VdgB (BHG) zur Bergung der Hackfruchternte vom 4. November 1954 sahen sich die MTS wiederum heftiger Kritik ausgesetzt, die sich vornehmlich auf die Einhaltung der Verträge und die Qualität der Arbeit erstreckte.<625> Die herbsten Anwürfe widerfuhren den Traktorenbrigaden des Bereiches Weferlingen - die Leistungen dieser MTS galten als die schwächsten im Kreis. Auf einer Bauernversammlung in Hörsingen brachten werktätige Einzel- und Genossenschaftsbauern ihr Erstaunen über die absonderlichen Normen dieser MTS zum Ausdruck. Sie erklärten, wenn sie in der Lage wären, sich alle Geräte zu beschaffen, weit höhere Erträge erzielen zu können als mit der fragwürdigen Unterstützung dieser MTS.<626> Diese unverblümte Meinungsbekundung ist signifikant für das “Vertrauen“, das die Bauernschaft als Ganzes der Zuverlässigkeit und Leistungskraft der MTS des Kreises entgegenbrachte. Allein die MTS Schackensleben unterschied sich durch ihre Arbeitsergebnisse von den übrigen MTS.

Ein weiteres Beispiel, das die sorglose, um nicht zu sagen schlampige Arbeitsweise eines Traktoristen der MTS Weferlingen belegt, trug sich in Hörsingen zu. Dort lag eine Scheibenegge ein Dreivierteljahr, ehe sie repariert wurde. “Nach deren Fertigstellung kam ein Trecker, band diese hinten an und raste damit über das Dorfpflaster. Am Dorfausgang war die Scheibenegge wieder auseinandergefallen.“<627> Es ist nicht verwunderlich, daß sich in der großen Gemeinde Weferlingen trotz des Bestehens einer MTS erst relativ spät werktätige Einzelbauern bereitfanden, eine LPG zu bilden.<628> Eine Station mit solchen offenkundigen Mißständen wirkte abschreckend auf die werktätigen Einzelbauern der umliegenden Gemeinden. Hier verweigerte sich die überwiegende Zahl der Altbauern - von den Mittelbauern unter ihnen gar nicht zu reden - bis zur Endphase der Vergenossenschaftlichung einem LPG-Beitritt.<629>

Ein Instrukteureinsatz Anfang Januar 1955 förderte zutage, warum diese MTS mehr Hemmschuh denn Motor der LPG-Bildung war, weswegen von ihr nur wenig oder gar keine wirksame Hilfe für die LPG ihres Bereiches ausging. Die Traktoristen arbeiteten ohne Kenntnis der Verträge, häufig sich selbst überlassen ohne jegliche Anleitung und Kontrolle. Infolge dessen traten hohe Kosten auf. Zur Arbeitsorganisation auf dieser Station erklärten die Traktoristen, “sie müßten sich Arbeit teils selbst suchen".<630> Die Festlegung der Normen erfolgte erst nach getaner Arbeit, und zwar mit mindestens einhundertprozentiger Erfüllung.<631> An diesem Beispiel wird deutlich, wie Normen manipuliert und Vorhaben der MTS auf dem Papier realisiert wurden. Ähnlich unlauter arbeiteten weitere Traktorenbrigaden von MTS des Kreises Haldensleben.

Im Frühjahr 1955 erarbeitete die Abteilung Landwirtschaft des Rates des Kreises<632> in Verwirklichung


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eines Ministerratsbeschlusses vom März 1955 einen Plan, der zu einem Aufschwung in der Arbeitsweise der MTS des Kreises führen sollte. Er enthielt für die MTS die Verpflichtung, gemäß der Schönebecker Methode mehr, schneller und besser zu arbeiten.<633> Zur Realisierung dieser Aufgabenstellungen legten nach Anregung durch das Sekretariat der SED-KL die MTS und LPG eines bestimmten Bereiches unter Einbeziehung der Arbeiter bzw. Genossenschaftsbauern "Kampfpläne" nach dem Muster der MTS Obhausen, Kreis Querfurt, und der LPG Emden, Kreis Haldensleben, fest. Demnach verpflichteten sich die Traktoristen aller Stationen des Kreises, 3 246,95 Hektar LN in persönliche Pflege zu nehmen.<634>

Das Mühen um verbesserte Arbeitsleistungen und mehr Vertrauen bei LPG und Einzelbauern führte nicht zu einem längerwährenden Aufschwung in der Arbeitsweise der MTS. Die MTS aller Bereiche realisierten im Sommer 1955 nicht mehr als 40 Prozent der vertraglich gebundenen Arbeiten.<635> In einem Bericht über die verlustlose Einbringung der Ernte<636> der Abteilung Landwirtschaft der SED-KL vom Sommer 1955 ist nachzulesen, ausreichende Maschinenkapazität einschließlich Mähdrescher wären vorhanden, die Stationen würden nach der Schönebecker Methode und im Zweischichtsystem arbeiten.<637> Doch wenige Wochen später findet sich in einem Bericht derselben Abteilung eine andere Einschätzung. Er enthält das Eingeständnis, daß nur wenige Stationen im Schichtdienst die anfallenden Arbeiten erledigten, so wie es der rasche Abschluß des Ziehens der Schälfurche erforderte. Die Daten über das Ziehen der Schälfurche nach Abschluß der Getreideernte 1955 bekundeten ein gewisses Unvermögen der MTS des Kreises.<638> Besondere Schwächen offenbarte der MTS-Bereich Klüden, “wo im gesamten Stationsbereich 85,5 Prozent geschält wurden und demgegenüber die MTS nur 48,9 Prozent zur Auflage geleistet hat.“<639> Eine noch krassere Fehlleistung unterlief den Traktoristen der MTS Flechtingen auf den Feldern ihres Bereiches, “wo die MTS nur 1,7 Prozent der Auflage gedrillt hat, während die Erfüllung der Auflage durch die Gemeinden bei 65,8 Prozent liegt.“<640>

Das Leistungsvermögen und die Leistungsbereitschaft beinahe aller MTS des Kreises Haldensleben charakterisierte im Zusammenhang mit der Einbringung der Rübenernte des Jahres 1955 treffend eine Feststellung der Abteilung Landwirtschaft in einem Bericht über die Vorbereitung, den Stand und den Verlauf der Rübenernte im Kreis Haldensleben.<641> Dort heißt es: "Die Maschinen der Stationen Weferlingen und Flechtingen stehen still."<642> Ein vernichtenderes Urteil konnte sie nicht treffen.


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In einem Bericht über die Vorbereitung und Durchführung der Jahresendabrechnung 1955 und der Produktions- und Finanzplanung 1956 des Kreises Haldensleben<643> vom Ende des Jahres 1955 ist eine Einschätzung nachzulesen, die den Leistungsstand der MTS des Kreises Haldensleben wiedergibt. In ihr wird festgestellt, die wirtschaftliche und politische Arbeit wäre von den Leitungen der MTS unterschätzt worden. “Dadurch wurde nicht planmäßig gearbeitet, die Verträge nicht eingehalten und dadurch die Erträge nicht erreicht.“<644>

Das Sekretariat der SED-KL Haldensleben, zum Zweckoptimismus verpflichtet, fand für die Leistungen der MTS nur selten lobende Worte. Wie bescheiden es dabei noch die Meßlatte ansetzte, beweist, daß sie das Vorhandensein von Brigadeeinsatzplänen bei allen MTS am “Tag der Erntebereitschaft“ in der letzten Junidekade 1954 - normalerweise eine Selbstverständlichkeit - bereits als einen Erfolg wertete.<645>

Häufigere positive Erwähnung durch die Genossenschafts-, aber auch die werktätigen Einzelbauern fand als einzige MTS des Kreises die MTS Schackensleben. Der Rechenschaftsbericht der LPG Groß Santersleben vom 16. Dezember 1954 vermerkte die spürbare Unterstützung der MTS Schackensleben, die in Einschätzungen des Sekretariats der KL wie auch von Zeitzeugen mit Abstand am besten abschnitt.<646>

Eine günstige, gewiß realitätsnahe Einschätzung erfuhren die MTS Ostingersleben und wiederum Schackensleben, die zu den beiden führenden Stationen des Kreises gehörten, auf einer Sekretariatssitzung der KL im Dezember 1955: “So konnten die Genossen der MTS Schackensleben und Ostingersleben die vorfristige Erfüllung ihres Arbeitsplanes bereits am

6. Dezember 1955 mitteilen“, hieß es auf dieser Sitzung.<647>

Die MTS des Kreises beteiligten sich ohne Ausnahme - darüber ließ das Sekretariat keinerlei Diskussionen zu - am sozialistischen Wettbewerb der MTS des Bezirkes. Das Hauptanliegen dieser Wettbewerbsbewegung bestand darin, durch Aufdeckung und Mobilisierung sämtlicher Reserven die Arbeitsproduktivität wesentlich zu heben und die Arbeitsbrigaden fester zusammenzufügen. Im Frühsommer des Jahres 1955 belegte die MTS Schackensleben im Bezirkswettbewerb als beste Station des Kreises den neunten Platz.<648> Die Auswertung der Mähdrescherleistungen nach Abschluß der Getreidemahd des Jahres 1955 verdeutlichte die Spitzenstellungen vorgenannter LPG im Kreismaßstab: Sie belegte mit 398 Hektar im Bezirk den 16. Rang.<649>

Erfolgreicher als die Tätigkeit der Produktionsbrigaden der MTS des Kreises ist die der MTS-Agronomen einzuschätzen, wenngleich die unvollständigen Aufzeichnungen eine durchgängige, differenzierte Bewertung ihrer Arbeit nicht zuließen. Als gesichert angesehen werden kann, daß sie in Zusammenarbeit


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mit den Feldbau- und Viehzuchtbrigadieren der LPG mehrjährige Fruchtfolge- und Düngepläne aufstellten und den Genossenschaften ab dem Frühjahr 1955 Hinweise für die Aufstellung von Normenkommissionen gaben.<650> In Verwirklichung eines Ministerratsbeschlusses zur Steigerung der tierischen und pflanzlichen Produktion vom März 1955 informierten Agronomen auf den Brigadestützpunkten der MTS Genossenschafts- und werktätige Einzelbauern über Neuerermethoden. Von deren konsequenter Anwendung versprachen sie sich eine erhebliche Produktionssteigerung. So erhielten die Bauern unter anderem Aufschluß über Anwendungsmöglichkeiten und Bedeutung des “Grünen Fließbands“, eine fachmännische Vorgehensweise bei der verlustlosen Kälberaufzucht, die günstigsten Varianten bei der Durchführung des Quadratnestpflanzverfahrens u. a.<651> Die Bauern verhielten sich bei der Anwendung verordneter Arbeitsmethoden sehr zurückhaltend.

Den meisten LPG des Kreises Haldensleben gelang es in den ersten Jahren nach ihrer Bildung nicht, eine intakte Buchhaltung aufzubauen. Es fehlte ihnen an kaufmännisch ausgebildeten Kräften und an Erfahrungen. Teilweise ließen die eingesetzten Kader die erforderliche Sorgfalt bei der Buchführung vermissen. Durch eine fehlerhafte Buchhaltung erlitten die LPG teils beträchtliche finanzielle Einbußen, die zu Unmut in den Genossenschaften führten und deren Festigung erschwerten. Deshalb erhielten in erster Linie leistungsschwache LPG bei der Einführung der Anfänge der wirtschaftlichen Rechnungsführung Unterstützung durch Buchhalter der MTS.

Eine gedeihliche Zusammenarbeit zwischen MTS und LPG wurde bereits in der Anfangsphase der Umgestaltungen verschiedentlich durch die rüde, ungerechtfertigte Zahlungspraxis von LPG erschwert. Andererseits zeigte sich hieran, über welchen geringen finanziellen Spielraum die ersten LPG im Kreis Haldensleben verfügten. Die LPG Uhrsleben beispielsweise gedachte, Schulden von 4 500 DM erst nach Abschluß der Ernte des Jahres 1953 zu begleichen.<652> Bei der wirtschaftlichen Situation dieser LPG hieß das, den Betrag abzuschreiben. Eine ähnliche Lage bestand im Einzugsbereich der anderen Stationen. Da die Zahlungsrückstände im tiefen Herbst 1953 weiterhin nicht beglichen waren, gab das Sekretariat der SED-KL den MTS-Direktoren und Leitern der PA der MTS Order, ihre Belegschaftsmitglieder zu mobilisieren. Diese sollten die Bauern - sowohl Genossenschafts- als auch Einzelbauern - davon überzeugen, im Interesse eines erfolgrreichen Zusammenwirkens ihren Verbindlichkeiten nachzukommen. Anders als bei Verfehlungen von Großbauern beließen es Kreissekretariat und Rat des Kreises in derartigen Fällen bei Appellen.<653>

Zuweilen verhielten sich LPG-Mitglieder so, als hätten sie es nicht nötig, ihren finanziellen


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Verpflichtungen nachzukommen. Einige wiesen ausgangs des Jahres 1953 Zahlungsrückstände von bis zu 2 000 DM auf, die größtenteils aus dem Jahre 1952 stammten, lehnten aber nichts desto trotz deren Begleichung ab. Als Begründung gaben Mitglieder der LPG Eimersleben an: “Wir müssen erst sehen, was wir haben. Wenn etwas übrig ist, könnt ihr Geld bekommen.“<654> Die gesamten Zahlungsrückstände der LPG des Kreises Haldensleben beliefen sich Ende des Jahres 1953 auf die erkleckliche Summe von ca. 750 000 DM.<655> Interessanterweise bewegten sich die Rückstände der Einzelbauernwirtschaften bis 10 Hektar mit 43 000 DM - trotz günstigerer MTS-Tarife für Betriebe dieser Größenordnung im Vergleich zu den Großbauernwirtschaften - in ähnlicher Höhe wie die der Wirtschaften bis 25 Hektar. Diese wurden mit 45 000 DM angegeben.<656>

In der Tat gestaltete sich das Verhältnis zwischen MTS und LPG im Kreis Haldensleben problematisch. Von einem durchgehend engen Zusammenwirken kann in den ersten Jahren des Veränderungsprozesses auf dem Lande nicht gesprochen werden. Das ist durchaus nicht stets den zu allseitiger Hilfe vergatterten MTS anzulasten, wie vorab genannte Beispiele belegen. Mitunter verschlossen sich LPG auch den treffenden Hinweisen der MTS oder mißachteten die Absprachen zwischen MTS und LPG, wodurch teils erhebliche Schwierigkeiten im betriebswirtschaftlichen Ablauf beider entstanden.

Nicht immer hielten sich die MTS-Traktorenbrigaden an die Weisung des Sekretariats der SED-KL, zuerst die Felder der LPG zu bearbeiten. In einem Bericht über die politische und wirtschaftliche Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften unseres Kreises<657> der Abteilung Landwirtschaft der SED-KL vom Herbst 1955 räumte der Sekretär für Landwirtschaft bei der KL der SED ein, Traktoristen der MTS würden nicht zuerst die LPG bedienen, "sondern mit ihren Maschinen bei den werktätigen Einzelbauern arbeiten und die LPG vernachlässigen.“<658> In den MTS-Bereichen Flechtingen und Rätzlingen sowie weiteren nichtbezeichneten Bereichen sei auf den Feldern der LPG wegen der angeblich zu großen Flächen - dabei erstreckte sich die LN der werktätigen Einzelbauern über weitaus größere Dimensionen - nur zur Nachtzeit gearbeitet worden. Das ist eine seltsame Logik, denn gerade weiträumige Felder boten beste Voraussetzungen für den Einsatz der Technik der MTS. Zielte die Landwirtschaftspolitik der Parteiführung nicht darauf ab, durch die Vergenossenschaftlichung große zusammenhängende Flächen zu schaffen, auf denen die moderne Technik rentabel angewandt werden konnte?

Vor wenigen Tagen hätten es im MTS-Bereich Flechtingen Einzelbauern neuerlich verstanden, so ist wiederum in diesem Bericht zu lesen, Traktoristen mit Alkohol und Taschengeld zu korrumpieren und zur Arbeit auf ihren Feldern zu überreden. Als Ursache für das Verhalten dieser Traktoristen bezeichnete der


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Sekretär die unregelmäßigen Arbeitsbesprechungen zwischen MTS- und Feldbaubrigadieren der LPG.<659>

Hier irrte er in seiner Einschätzung. Der Hauptgrund für das vom Standpunkt des Kreissekretariats der SED krasse Fehlverhalten der Traktoristen war ein anderer. Nämlich der, daß sie über ideologische Grenzen hinweg dort arbeiteten, wo sie einen teils erheblichen Nebenverdienst erzielen konnten. Die Genossenschaftsbauern fühlten sich durch derartige Handlungsweisen hintenan gestellt. Sie trugen nicht dazu bei, das Klima zwischen MTS und LPG zu verbessern.<660>

Zu einem leidigen Problem, das stets von neuem die Arbeit der MTS behinderte, zum Vertrauensverlust der Stationen bei Einzel- und Genossenschaftsbauern beitrug und sie teilweise der Lächerlichkeit preisgab, wuchs sich ihr völlig unzureichender Ersatzteilbestand aus. Während der Getreideernte 1953 beklagten die Traktoristen das Fehlen von Ersatzteilen, wodurch die vielen anfallenden Reparaturen erschwert wurden.<661> Derselbe Mangel behinderte die Erntearbeiten im Sommer 1954 und beeinträchtigte die Resultate der Stationen. Nach Defekten an ihren Maschinen konnten im Verlaufe der Getreideernte oftmals längere Stillstandzeiten wegen des Fehlens unbedingt notwendiger Ersatzteile nicht vermieden werden.<662> Von welcher unzulänglichen Qualität die Geräte und Maschinen der heimischen Landmaschinenindustrie in jenen Jahren zuweilen gewesen sind, das illustriert der Einsatz von “Schatzgräbern“ während der Hackfruchternte des Jahres 1954. Sie fielen nicht in einer, sondern in mehreren LPG nach sehr kurzer Zeit aus. Ein Arbeitsstillstand konnte durch die Bereitschaft der werktätigen Einzel- und der Genossenschaftsbauern, den MTS ihre Pferdezug- und Schleuderrodemaschinen zur Verfügung zu stellen, verhindert werden. Diese ungewöhnliche Umkehrung der Hilfeleistung schränkte die Autorität der MTS weiter ein, wie im Bericht über den Stand der Bergung der Hackfruchternte<663> vom 15. Dezember 1954 das Sekretariat der SED-KL einräumen mußte.<664> Im Sommer 1955 beschwerten sich Klüdener und Schackenslebener Traktoristen neuerlich wegen des Fehlens von Ersatzteilen; die MTS beklagten allgemein die geringe Belastbarkeit der im VEB-Mähdrescherwerk Weimar gefertigten Mähdrescher.<665>

Das Dilemma des Ersatzteilmangels und der mangelhaften Qualität der den MTS gelieferten Maschinerie - die MTS griffen, wo immer möglich, noch auf vor dem Kriege produziertes Gerät zurück - ließ sich bis


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zum Abschluß der Vergenossenschaftlichung der Landwirtschaft nicht beheben.

Ein anderer Grund für die unzulänglichen Produktionsleistungen der MTS-Brigaden auf den Feldern der LPG ist in der fehlenden beruflichen Qualifikation eines Teils ihrer Traktoristen zu sehen. Kaum einer von ihnen konnte einen Berufsabschluß nachweisen, viele gelangten im Zusammenhang mit der Bewegung “Industriearbeiter auf‘s Land“ in das Dorf und zur MTS, ohne je vorher eine landwirtschaftliche Tätigkeit ausgeübt zu haben. Es ist nachvollziehbar, daß dererlei “Traktoristen“ in der Regel unzureichende Arbeitsleistungen erbrachten. Hinzu kam ihre häufig fehlende Identifikation mit ihrer neuen Tätigkeit. Eine permanente Fluktuation stellte sich als logische Folge ein, an der auf dem Lande aufgewachsene Arbeiter der MTS gleichfalls teilhatten.<666>

Die Lösung der Kaderfrage der MTS scheiterte zuerst an der fehlenden Bereitschaft der Traktoristen, sich zu qualifizieren. Andererseits bremsten einige MTS-Leitungen und MTS-Brigadiere die Qualifikationsbereitschaft ihrer Traktoristen. Sie gedachten, so wie bisher “weiterzuwursteln“. Schließlich fehlte jede Arbeitskraft, die zur Schulung ging, auf dem Traktor. Die Leitung der MTS Rätzlingen erkannte nicht einmal die Notwendigkeit der Qualifizierung ihrer Brigadiere zu Meistern der Landwirtschaft.<667>

Neben dem geringen Qualifikationsgrad der Arbeiter der MTS wirkte sich ein ständiger Mangel an Schichttraktoristen, Druschmaschinisten und Dreschmaschinenführern sehr hemmend auf die Arbeitsweise der Traktorenbrigaden aus.<668> Solche ungünstigen Voraussetzungen wie die geschilderten komplizierten die Durchführung der Erntearbeiten. Mißerfolge ließen dann nicht auf sich warten.

Der geringe Festigungsgrad des überwiegenden Teils der LPG des Kreises Haldensleben bis zum Ende der ersten Fünfjahrplanperiode ist in gehörigem Maße auch auf die mangelhaften Arbeitsleistungen der MTS auf den Feldern der LPG und die unzureichende Unterstützung der Genossenschaften in innerbetrieblichen Fragen durch die Stationen zurückzuführen. Den MTS fehlte eine klare Konzeption, die auf die Einzelbauern überzeugend wirkte und die in der Praxis ihre Bestätigung fand.<669> Die Leistungen und das Verhalten der Arbeiter der Traktorenbrigaden der MTS entsprachen aus vorgenannten objektiven und subjektiven Gründen weder den Erwartungen des Sekretariats der SED-KL noch denen der Genossenschafts- und der Einzelbauern. Die MTS des Kreises Haldensleben konnten mit ihrem insgesamt gesehen geringen Leistungsvermögen in den ersten Jahren des Aufbaus des Sozialismus auf dem Lande die Genossenschaftsbewegung nicht wesentlich stimulieren und die jungen, wirtschaftlich labilen LPG längst nicht in dem Maße unterstützen, wie es nötig gewesen wäre. Dennoch bleibt festzustellen: Ohne die Unterstützung der sieben über das Kreisgebiet verteilten MTS hätten sich die LPG


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noch langsamer oder fast gar nicht entwickelt.

2.2.2.2 Die Politischen Abteilungen (PA) in den MAS/MTS

In der Parteiführung der SED bestand vorab Klarheit darüber, daß im Zuge der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft immense, nicht voraussehbare Schwierigkeiten auftreten würden. Um diesen wirkungsvoll begegnen und den jungen LPG helfen zu können, beschloß die Parteiführung, die politische Kontrolle zu verstärken und bestimmenden Einfluß auf die politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Veränderungen auf dem Lande zu nehmen. Dabei baute sie besonders auf ihre ländlichen Stützpunkte: die MAS.

Knapp zwei Wochen nach den Beschlüssen der 2. Parteikonferenz verabschiedete das Politbüro des ZK der SED am 22. Juli 1952 einen Beschluß über die Bildung von PA bei den MAS mit der Maßgabe, die Stationen zu "... Zentren der organisatorischen, wirtschaftlichen und politischen Arbeit unter den werktätigen Bauern und der Umgestaltung des Dorfes auf sozialistischer Grundlage" zu entwickeln.<670> Hohe Zielstellungen wie die vorgenannten sind als typisch für die gesamte Politik der Parteiführung insbesondere in der ersten Hälfte der fünfziger Jahre anzusehen.<671> Sie ließ sich nicht selten von Wunschvorstellungen leiten und überschätzte dementsprechend die Einflußmöglichkeiten der Propaganda auf die Bevölkerung.

Mit den “Richtlinien für die Arbeit der Politischen Abteilungen bei den Maschinenausleihstationen“ des Politbüros vom 23. September 1952 erhielten die PA sehr genaue Anweisungen für ihr Vorgehen in den MAS, den LPG und im Dorfe.<672>

Vom Status her galten die PA als Abteilungen der KL, die sie ständig anleitete. Der Besetzung der Funktion eines Leiters einer PA maß die Parteiführung eine derartige Bedeutung bei, daß sie der Bestätigung durch das ZK der SED bedurfte.

Das Sekretariat der SED-KL Haldensleben versuchte im Sommer 1952 sehr agil, die Beschlüsse und Festlegungen der 2. Parteikonferenz auf dem landwirtschaftlichen Sektor umzusetzen. Im Hinblick auf die Einrichtung von PA bei den MAS eilte es gar der Entwicklung voraus. Um nachdrücklicher den Aufbau des Sozialismus auf dem Lande vorantreiben zu können, sprach sich das Sekretariat der KL bereits auf seiner Sekretariatssitzung vom 18. Juli 1952<673> für den Einsatz politischer Leiter in den MAS aus.<674> Sein Begehr ist mit Sicherheit nicht politischer Weitsicht zuzuschreiben, sondern erfolgte mit Wahrscheinlichkeit nach einer Information von "oben".


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Die Arbeitsweise der PA der MAS entsprach nicht den Erwartungen der SED-KL. Das Kreissekretariat räumte Mitte Dezember 1952 ein, die Arbeit der PA wäre nicht "... so angelaufen und zur Unterstützung der LPG geworden, wie sie die LPG eigentlich benötigen.“<675> Als Ursache dafür bezeichnete es die geringe Anzahl der Mitarbeiter in den einzelnen Stationen, die sich in der Regel auf nicht mehr als zwei belief.<676>

Bei der Bildung von Parteiorganisationen in den LPG duldeten die PA Verzögerungen. Die GO der SED der LPG erwiesen sich nicht als “Motor“ bei der Entwicklung der LPG, wie es erforderlich gewesen wäre.<677> Ihre Leistungsschwäche lag u. a. an der dürftigen Anleitung durch die PA.

Zwischen der Arbeitsweise der MAS/MTS des Kreises Haldensleben und ihren PA bestand eine enge Wechselwirkung: Auf dem Niveau der jeweiligen MAS/MTS bewegte sich auch die dazugehörige PA. Umgekehrt hing wiederum von der Fähigkeit und Intensität der Einflußnahme der PA auf Entwicklungsprobleme "ihrer" MAS/MTS in gewissem Maße das Leistungsvermögen der jeweiligen Station ab. Damit ist Wesentliches über die Bedeutung der PA der MAS/MTS für den weiteren Verlauf des Umwälzungsprozesses auf dem Lande im Kreise Haldensleben gesagt.

Aus dem Blickwinkel des Sekretariats der KL gelang allen PA auf Teilgebieten ihres Aufgabenbereiches zeitweilig Positives. So regte die PA der MAS/MTS Rätzlingen in den Dörfern Lockstedt und Mannhausen, die zu ihrem MTS-Bereich gehörten, im Winter 1952/53 die Bildung von Gründungskomitees für LPG an.<678> Dieselbe PA stellte sich im Frühjahr 1953 allerdings das unrealistische Ziel, in allen Gemeinden ihres Zuständigkeitsbereichs bis Ende April 1953 je eine LPG zu bilden, gleichwohl in den meisten Dörfern die objektiven und subjektiven Voraussetzungen dafür fehlten.<679> Hierzu sei bemerkt: Bereits im Sommer 1952 warnte der Rat des Bezirkes Magdeburg formal die Räte der Kreise vor der Inszenierung eines Wettbewerbs in der LPG-Bildung, nachdem er von den Plänen des Burger Landrats Kenntnis bekam, bis zum Jahresende im Kreis Burg 50 LPG zu bilden.<680> Ähnliche Ergebnisse strebten weitere Kreise des Bezirkes an. Der erhobene Zeigefinger des Rates des Bezirkes bedeutete freilich nicht, im Tempo der LPG-Bildung nachzulassen.

Die PA der MTS Flechtingen schaltete sich ebenfalls im Frühjahr 1953 in die Bildung von fünf LPG ein und sorgte dafür, daß sich in mehreren LPG ihres Bereiches Frauenausschüsse konstituierten.<681> Die PA der MTS Schackensleben bewirkte nach mehreren Aussprachen mit ihren Traktoristen, daß die


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Frühjahrsbestellung 1953 schneller als vordem üblich, abgeschlossen werden konnte.<682> Besonders mühten sich die Traktoristen auf den Feldern der LPG.

Aus der Sicht des Kreissekretariats der SED leistete im Jahre 1953 lediglich die PA eben genannter MTS eine durchgängig akzeptable Arbeit. Ähnliches bescheinigte der PA der MTS Schackensleben eine Überprüfungsbrigade der SED-BL Magdeburg. In ihrem Bericht vom

22. Dezember 1953 konstatierte sie: “Die Politabteilung hat eine enge Verbindung ... besonders mit den Genossenschaftsbauern ...“<683>

Mehrheitlich überwog in der Arbeitsweise der PA der MTS des Kreises Haldensleben zu Beginn des Umgestaltungsprozesses statt des Lichts der Schatten. Auf ihrer Sekretariatssitzung unmittelbar nach den Juniereignissen 1953 sah sich die KL zu dem Eingeständnis genötigt, selbst das Vorhandensein einer PA bei der MTS hätte in Flechtingen den geschlossenen Austritt der ehemaligen Neubauern aus der LPG nicht verhindern können.<684>

Die PA der MAS/MTS des Kreises Haldensleben vermochten nicht, die ständige Forderung der Parteiführung nach Verbesserung der politischen Massenarbeit durchzusetzen. Schulungen der MAS/MTS-Angehörigen führten sie - wenn überhaupt - nur in großen Zeitabständen durch. Sie verzichteten fast völlig auf die Einberufung von Bauernversammlungen bzw. die Durchführung von Bauernforen. Individuelle Aussprachen zur Gewinnung von werktätigen Einzelbauern für LPG blieben die Ausnahme. Ihr Einfluß auf die Entwicklung des kulturellen Lebens in den Dörfern blieb gering.

Die zu geringe Einflußnahme der PA der MAS/MTS auf den Umgestaltungsprozeß auf dem Lande hatte folgende Gründe:

Den PA mangelte es über Jahre hinweg an fachlich und politisch versierten Mitarbeitern. Diesen fehlten nicht nur grundlegende Kenntnisse, sondern sie ließen darüber hinaus nicht immer Einsatzbereitschaft und Durchsetzungsvermögen erkennen. Nicht selten jedoch stießen sie bei dem Versuch der Umsetzung ihrer Vorhaben auf "taube Ohren" bei werktätigen Einzel- und Genossenschaftsbauern. Hinzu kam, daß die BPO der Stationen, die LPG-Vorstände<685>, die Abteilungen der SED-KL und des Rates des Kreises die Mitarbeiter der PA unzureichend unterstützten.

Anhand dieser Einschätzung wird deutlich, wie sehr die Wirksamkeit jeglicher politisch-ideologischer Initiative in der DDR von den gegebenen objektiven historischen und aktuellen Bedingungen abhing. Im Kreis Haldensleben erwiesen sie sich als ungünstig. So konnten die PA bis zum Ende des Jahres 1955 weder die dringendsten Probleme ihrer Stationen lösen<686> noch den sich formierenden LPG spürbare Hilfe leisten.


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Gewisse Erfolge bei der Entfaltung der Wettbewerbsbewegung, der Förderung von Kultur und Sport seien dem Wirken der PA aber nicht abgesprochen.

2.2.2.3 Industriearbeiter aufs Land

Ein Beschluß des Sekretariates des ZK der SED vom April 1953 sah vor, fachlich qualifizierte und politisch linientreue Industriearbeiter zur Hilfe beim Aufbau des Sozialismus auf dem Lande in die Dörfer zu entsenden. Die Resonanz darauf blieb gering. Bis zum Abschluß der ersten Fünfjahrplanperiode übersiedelten nur relativ wenige Industriearbeiter in die Gemeinden des Kreises. Faktisch ruhte im Kreis Haldensleben die Werbung von Industriearbeitern. Erst Mitte Januar 1955 bahnte sich eine Veränderung an. Zu diesem Zeitpunkt veranlaßte das Sekretariat der SED-KL, “... um den politischen und wirtschaftlichen Zustand auf dem Gebiet der Landwirtschaft zu verbessern“<687>, die Bildung einer aus acht Parteimitgliedern bestehenden Kommission zur Gewinnung von Industriearbeitern für die Arbeit in der Landwirtschaft veranlaßte.

Diese Kommission versuchte vorwiegend in Magdeburger Schwermaschinenbaubetrieben wie dem “Karl-Marx-“und dem “Georgi-Dimitroff-Werk“ vom parteipolitischen Standpunkt aus geeignete Arbeiter für eine Tätigkeit auf dem Lande zu gewinnen. In relativ kurzer Zeit gelang es ihr, 28 Arbeiter - überwiegend Parteimitglieder - von der Notwendigkeit der Arbeitsaufnahme in den Dörfern zu überzeugen.<688> Bis zum Februar 1955 warb die Kommission 125 Industriearbeiter, davon 81 für die Arbeit in LPG.<689> Zwei von ihnen sollten den Vorsitz in einer Genossenschaft übernehmen.<690> Bei ihren Werbekampagnen nutzte sie Presse und Stadtfunk.

In den nächsten Monaten trat eine Stagnation in der Werbung von Industriearbeitern für die Landwirtschaft ein. Die Verantwortung dafür schob die Werbekommission des Kreises der starren Haltung von Kader- und Werkleitungen Magdeburger Großbetriebe zu, die offensichtlich kein Interesse zeigten, qualifizierte Arbeiter abzugeben. Die Reaktion des Sekretariats der SED-KL Haldensleben bestand darin, die Parteimitglieder in den städtischen GO der SED des Kreises zu verpflichten, “... die besten, politisch qualifiziertesten Kader zur Arbeit auf dem Dorfe zu gewinnen.“<691> Daraufhin verlagerte die Kommission den Schwerpunkt ihrer Werbung in die Betriebe der Kreisstadt. Weiterhin lud sie Industriearbeiter aus dem Kreis Haldensleben zu Festveranstaltungen und Gemeindevertretersitzungen in Dörfer ein, um sie vorrangig für die Arbeit in LPG zu werben. Nur wenige nahmen eine Tätigkeit in einer Genossenschaft auf.

Zu den Aktivitäten des Sekretariats gehörte weiter, in Magdeburg arbeitenden Industriearbeitern aus dem Kreis Haldensleben den Einsatz auf dem Lande als eine Alternative zu ihrer bisherigen Tätigkeit


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aufzuzeigen.<692> Immerhin begannen bis zum Spätherbst des Jahres 1955 neben den vorgenannten neuerlich 122 Arbeitskräfte aus der Industrie, in LPG zu arbeiten. Sechs bekleideten leitende Funktionen.<693> Weiterhin kamen 58 ehemalige Industriearbeiter in der Pflanzen- und 26 in der Tierproduktion zum Einsatz. 27 arbeiteten als Handwerker und fünf verrichteten nicht näher bezeichnete Tätigkeiten.<694> Im MTS-Bereich Flechtingen wurden 15 Arbeiter aus städtischen Betrieben eingesetzt. Sie fungierten als Direktor der MTS, als Politleiter und stellvertretender Politleiter, als Kulturleiter und zwei als Instrukteure. Neun verstärkten die MTS als Tarktoristen.<695>

Inwieweit im Kreis Haldensleben ehemalige Industriearbeiter die Funktion eines Bürgermeisters bekleideten, darüber geben die Archivmaterialien keinen Aufschluß.

Besonders dringlich betrachtete das Kreissekretariat den Einsatz von vermeintlich klassenbewußten Arbeitern in solchen LPG, in denen gehäuft ideologische und wirtschaftliche Schwierigkeiten auftraten. Das traf z. B. auf die LPG Ackendorf und Wedringen zu.<696>

Am Ende der ersten Fünfjahrplanperiode hielt es das Büro der SED-KL Haldensleben für notwendig, weitere Industriearbeiter für die Arbeit in LPG und MTS zu gewinnen.<697>

Der Einsatz von Industriearbeitern im sozialistischen Sektor der Landwirtschaft führte zu keinen merklichen Auswirkungen auf den Fortgang des Umbruchs in den Dörfern des Kreises Haldensleben und auf die wirtschaftlich-organisatorische Festigung der LPG. Das lag neben anderen Faktoren daran, daß den Industriearbeitern häufig die für landwirtschaftliche Tätigkeiten erforderliche Qualifikation fehlte. Sehr oft brachten sie weder Eignung noch Interesse noch Gespür für die Arbeit auf dem Lande mit. Sie fanden überwiegend keine Beziehung zu ihrer neuen Tätigkeit und konnten sich nur schwer an den langen Arbeitstag während der Spitzenzeiten gewöhnen. Hinzu kam, daß sie oft unter Versprechungen auf das Land gelockt wurden und die Dorfbewohner sie nicht immer annahmen.

2.2.2.4 Patenbetriebe und Landsonntage

Erhebliche Unterstützung erhielten die LPG des Kreises von ihren Patenbetrieben, unbeschadet mancher Schwächen, die ihren Beziehungen anhafteten.

Gemäß einer Orientierung der SED-Führung und ständigen Aufforderungen des Sekretariats der SED-KL schlossen zur Überwindung ihrer vielfältigen Probleme LPG mit volkseigenen Betrieben, staatlichen Verwaltungen, Fach-, Ober-, Berufs- und allgemeinbildenden Schulen sowie weiteren Institutionen Patenschaftsverträge über Hilfeleistungen ab. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, beinhalteten die Patenschaftsverträge einseitige wirtschaftliche, politische und kulturelle Verpflichtungen der Patenbetriebe


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für die LPG.<698> Die LPG dagegen befanden sich in den ersten Jahren des Veränderungsprozesses auf dem Lande in einer Gesamtsituation, die eine Unterstützung der Patenbetriebe fast völlig ausschloß. Im Winter halfen aber mitunter Genossenschaftsbauern den Arbeitern ihrer Patenbetriebe bei der Lösung weniger komplizierter Arbeitsaufgaben.

Das ökonomische Ziel der Patenschaftshilfe der Betriebe für die LPG bestand darin, ihnen bei der wirtschaftlich-organisatorischen Festigung und der Steigerung der Marktproduktion zu helfen, das ideologische Ziel, die Genossenschaftsmitglieder mit sozialistischem Ideengut vertraut zu machen.

Arbeiter und Angestellte aus Betrieben begaben sich abends sowie an Sonn- und Feiertagen in die Dörfer und halfen - um einige Beispiele zu nennen - Stallanlagen neu-, um- und auszubauen. Gleichzeitig nutzten sie ihren Landaufenthalt, um mit den Dorfbewohnern über politische Probleme in einer der SED-Führung genehmen Richtung zu diskutieren. Eine ähnliche Absicht verfolgte die Parteispitze mit der Durchführung von Landsonntagen, über die im Anschluß an diese Ausführungen geredet werden wird.

Es ist verbürgt, daß im Kreis Haldensleben die Patenschaftshilfe der Betriebe für die LPG im Winter 1953 ihren Anfang nahm. Damals halfen Arbeiter des VEB Leichtbau Haldensleben der LPG Süplingen, sämtliche Maschinen und Geräte bis zum 21. Februar 1953, dem “Tag der Erntebereitschaft“, funktionsfähig herzurichten.<699>

Das Sekretariat der SED-KL zog bereits in deren Anfangsphase die Kontrolle und Anleitung der Patenschaftshilfe durch die Partei an sich. So sah ein Sekretariatsbeschluß vom 7. Mai 1953 die wöchentliche Anleitung der LPG durch die Patenbetriebe vor.<700> Weiterhin sollten jeder Kreistagsabgeordnete, jeder Funktionär der PA der MTS, des FDGB, der VdgB (BHG) sowie leitende Mitarbeiter des Rates des Kreises Patenschaften über eine LPG übernehmen, um enge Verbindungen zwischen den Genossenschaften und dem politischen Verwaltungsapparat herzustellen.

Rasches Handeln gebot die schwierige Situation der LPG unmittelbar nach den Juniereignissen des Jahres 1953. Das Kreissekretariat verlangte von den Betriebsleitern und Buchhaltern der Patenbetriebe, den Genossenschaften unverzüglich beim Abschluß ihrer Produktionspläne zu helfen. Um zu überleben benötigten die jungen LPG dringend tatkräftige Hilfe an der Basis, auf ihren Feldern. Nach der in einem Situationsbericht über den Zustand der LPG getroffenen Feststellung, ein Großteil der Patenschaftspartner käme “... in keiner Weise ihren Verpflichtungen gegenüber unseren LPG nach“<701>, revidierte der wenig später durchgeführte Großeinsatz der Patenbetriebe die Ursachen dieser Kritik.<702>

Durch den konzentrierten Einsatz von 12 740 Arbeitskräften aus Betrieben, Verwaltungen, Banken,


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Versicherungen, Fach-, Ober- und Berufsschulen hoffte das Sekretariat, die Hackfruchternte termingerecht abschließen zu können.<703> Die Helfer leisteten vom 12. bis 28. Oktober 1953 auf den Rübenfeldern von LPG und VEG 73 440 Arbeitsstunden.<704> Wenn das Gesamtergebnis das Sekretariat letztendlich nicht gänzlich befriedigte, so ging dies zu Lasten fehlerhafter Arbeitsorganisation der LPG, mehr noch der MTS. Beide verstanden es nicht, ihre Traktoren, Zuggeräte und Maschinen rationell einzusetzen.<705> Von einer mangelnden Unterstützung durch die Patenbetriebe, wie kurz zuvor in dem Bericht über den Verlauf der Hackfruchternte und Winteraussaat 1953<706> festgestellt wurde, konnte fortan weniger die Rede sein.<707>

Die Beteiligung der Industriebetriebe an den Erntekampagnen der LPG erschwerte die Erfüllung der Planauflagen der Patenbetriebe.<708> Deshalb war es nicht mehr vertretbar, daß Industriearbeiter zusätzliche Arbeitseinsätze in LPG leisteten. Die Abteilung Landwirtschaft gab den Gemeinden Order, zur Behebung des Arbeitskräftemangels besonders der LPG, mit Beginn der Getreideernte Arbeitskräfte innerhalb ihrer Gemarkungen zu gewinnen.

Auf die ideologische Hilfe der Patenbetriebe legte das Sekretariat der KL der SED ähnlichen Wert wie auf die ökonomische. Im Frühjahr 1954 forderte es die Industriearbeiter der Patenbetriebe nachdrücklich auf, den LPG-Bauern bei “... der Erziehung der Veränderung des Staatsbewußtseins“ zu helfen.<709> Es wiederholte diese Forderung im Winter 1955 mit dem Hinweis, im kommenden Jahr müsse dem politisch-ideologischen Aspekt mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Die Patenschaftshilfe für die LPG erstreckte sich kontinuierlich über den gesamten Betrachtungszeitraum. Pannen blieben dabei nicht aus. Die wenig kooperative Arbeitsweise des Rates des Bezirkes Magdeburg behinderte verschiedentlich die konkrete Planung der Aufgaben. An der Basis setzten LPG und MTS Rodegeräte planlos ein, zuweilen erfolgte die Aufteilung der Arbeitskräfte sinnentleert.<710>

Auf Verärgerung und Unverständnis stießen die Verhaltensweisen der Mitglieder einiger LPG, die symptomatisch für die Zustände in den Genossenschaften und die Effizienz der absoluten Mehrheit der LPG des Kreises in jenen Jahren sind. Während sich die Erntehelfer aus Betrieben, Institutionen und Schulen unter wenig anheimelnden Bedingungen auf den LPG-Feldern mühten zogen es die Genossenschaftsbauern vor, an den Wochenenden die Helfer auf den Äckern sich selbst zu überlassen. Im Klartext: sie blieben zu Hause! Solcherlei Verhalten provozierte Unmut bei den Patenbrigaden und trug nicht dazu bei, die Bindungen zwischen den betroffenen Patenbetrieben und den LPG, die derartige


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Zustände zuließen, zu vertiefen. Gelegentlich kam es jedoch auch vor, daß ein Großteil der von den Patenbetrieben fest zugesagten Helfer den Feldern fernblieb.<711> Derartige atypische Verfehlungen sollen jedoch die Hilfe der Patenbetriebe für die LPG nicht schmälern.

Am Jahresende 1955 bestanden zwischen dem überwiegenden Teil der LPG und Betrieben sowie Institutionen Patenschaftsverträge, insgesamt 41 im Kreis.<712>

Stetige Unterstützung, vorwiegend bei Erntekampagnen, erfuhren die LPG des Kreises durch die Fachschule für Landwirtschaft Haldensleben, die Deutsche Reichsbahn sowie den VEB Kali und Salz Borkensleben.<713>

Letztlich sei hierzu vermerkt, daß die Anstrengungen der Patenbetriebe den LPG in den ersten Jahren der Umwälzungen auf dem Lande durchaus bei der Lösung von wichtigen Produktionsaufgaben und komplizierten innergenossenschaftlichen Problemen halfen.

Die Durchführung von Landsonntagen stand in engem Zusammenhang mit der Patenschaftshilfe der Betriebe. Die Teilnehmer aus der Stadt gehörten Betrieben, Institutionen, Parteien und Massenorganisationen an. Die Parteiführung verfolgte mit der Ausrichtung von Landsonntagen zwei grundsätzliche Zielstellungen:

Gesicherte Aufzeichnungen über die Durchführung von Landsonntagen im Kreis Haldensleben sind in den Archivalien seit dem Sommer 1954 zu finden. Im Frühjahr des gleichen Jahres mahnte das Sekretariat der SED-KL die PA der MTS und die Industriegewerkschaften, der Vorbereitung der Landsonntage durch Überprüfung der Freundschaftsverträge mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Das läßt vermuten, daß schon eher - wahrscheinlich mit Beginn des Wandels auf dem Dorfe - im Kreis Haldensleben Landsonntage stattgefunden haben.<714>

Nominell lag die Verantwortung bei der Vorbereitung und Durchführung der Landsonntage bei den in der Nationalen Front zusammengeschlossenen Parteien und Massenorganisationen. In Wirklichkeit bestimmte das Sekretariat der SED-KL die Vorgehensweise. In der Regel faßte es vor Landsonntagen die Sekretäre der größten Industriebetriebe, der Schulen und Wohnparteiorganisationen zusammen, um die Schwerpunktaufgaben, die Anzahl der Arbeitskräfte und Aufklärer festzulegen.


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Jeder Landsonntag sollte neben dem gleichlautenden politischen Auftrag zur Lösung akuter Aufgaben beitragen. So stand der Landsonntag vom 8. August 1954 unter der Losung “Das erste Getreide unserem Arbeiter-und-Bauern-Staat.“<715> Gemäß dieser Forderung erfolgte die sofortige Übergabe des Getreides an die Erfassungsstellen des VEAB. Verschiedene an übersichtlichen Stellen angebrachte großflächige Plakate demonstrierten der Landbevölkerung die tatsächlichen und fiktiven Veränderungen auf dem Dorfe.

Politisch wesentliche Tagesaufgaben plante das Kreissekretariat sorgfältig. Die Abteilung Agitation und Propaganda der SED-KL legte genau Inhalt und Vorgehensweise bei Diskussionen mit werktätigen Einzelbauern fest. Längere Vorbereitungen gingen beispielsweise dem Landsonntag vom 17. Juli 1955 voraus. Einer Weisung des Politbüros des ZK der SED zufolge hatte sein Hauptinhalt in intensiven Gesprächen mit den werktätigen Einzelbauern zu bestehen. Sie sollten zum Eintritt in eine LPG gewonnen bzw. zur Neubildung einer LPG veranlaßt werden.

Im Vergleich mit der Unterstützung der LPG durch die Patenbetriebe ging von der Ausrichtung der Landsonntage nur eine geringe Hilfe für die Genossenschaften aus. Mehr Bedeutung für die Weiterführung des sozialistischen Aufbaus auf dem Lande ist der ideologischen Seite beizumessen. Durch den gezielten Einsatz gut geschulter Agitatoren sollte allmählich der Boden für den Eintritt einer größeren Zahl von werktätigen Einzelbauern in LPG als bisher bereitet und die enge Verbindung zwischen Arbeitern und werktätigen Bauern der Bevölkerung der DDR sichtbar demonstriert werden.

2.2.2.5 Die VEG

Das Sekretariat der SED-KL Haldensleben versprach sich entsprechend der zentralen Aufgabenstellung für die VEG von den sieben VEG im Kreise eine allseitige, spürbare Unterstützung der LPG. Doch statt von ihnen Hilfe zu erwarten, wären vermehrte Kontrolle und Anleitung der VEG durch die Abteilung Landwirtschaft der KL der SED und durch die zuständige Abteilung des Rates des Kreises angebracht gewesen.<716>

Lediglich auf einigen Teilgebieten der landwirtschaftlichen Produktion erwiesen sich die VEG des Kreises Haldensleben in der Lage, den LPG bedingt Hilfe zu erweisen. Zeitweilige Unterstützung erhielten die LPG im Umfeld der VEG Hundisburg und Tundersleben. Deren Feldbau- und Viehzuchtbrigaden führten die Genossenschaftsbauern in die Anfänge einer effektiven Arbeitsorganisation, der Mechanisierung der Viehwirtschaft und Methoden zur Senkung der Ferkelsterblichkeit ein.<717> Letzterem Unterfangen blieb der Erfolg versagt, denn gerade die hohe Tiersterblichkeitsrate in diesen VEG verhinderte die ausreichende


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Versorgung der LPG mit Nutz- und Zuchtvieh.<718>

Im Frühjahr 1953 benötigten die noch relativ wenigen, ungefestigten LPG des Kreises dringend hochwertiges Saatgut. Die dafür zuständigen VEG schafften es jedoch nur unter Schwierigkeiten, einen Teil der benötigten Saaten bereitzustellen.<719>

Nach Ansicht des Sekretariats der KL ging die Durchsetzung von Neuerermethoden im Kreis zu zögerlich vor sich. Deshalb hielt es im Frühjahr 1954 die Betriebsleiter der VEG an, auf den genossenschaftlichen Feldern für die breite Anwendung von neuen Arbeitsmethoden zu sorgen. Ein durchschlagender Erfolg ist diesen Bestrebungen nicht beschieden gewesen.

Einer ihrer wichtigsten Aufgaben, der ausreichenden Belieferung der LPG mit hochwertigem Zucht- und Nutzvieh sowie Saatgut von guter Qualität, entsprachen sie nicht. Die innerbetrieblichen Schwierigkeiten der VEG<720> lassen berechtigte Zweifel an der Version aufkommen, die VEG hätten den LPG bei der Durchsetzung von Prinzipien der sozialistischen Arbeitsorganisation geholfen. Das Niveau der wirtschaftlich-organisatorischen Festigung der LPG in den Anfangsjahren läßt andere Schlüsse zu. In dieses Bild fügt sich die Einschätzung des Sekretariats der KL vom Herbst 1955 logisch ein. Sie bezeichnete den gegenwärtigen Zustand in den VEG, in erster Linie das fachliche und politische Niveau der Betriebsleiter, als nicht ausreichend für die Bewältigung der vor der Landwirtschaft stehenden Aufgaben .

Auf einen Nenner gebracht: Die VEG des Kreises Haldensleben konnten innerhalb des Zeitraumes vom Beginn der LPG-Bildung im Sommer 1952 bis zum Abschluß des ersten Fünfjahrplanes Ende 1955 den LPG keine wirkliche Unterstützung erweisen.

2.2.3 Das Konfliktpotential Großbauern - von der Liquidierungspolitik zum "Neuen Kurs"

Ab 1948/49 begann die Parteiführung, die Wirtschaftskraft der Großbauern durch eine Reihe von Maßnahmen nachdrücklich einzuschränken.<721> In den Jahren 1952/53 verschärfte sie durch den Erlaß verschiedener Verordnungen die Repressalien gegen die Gesamtheit der Einzelbauern weiter. Ihr Ziel bestand darin, hauptsächlich die Wirtschaftskraft von bäuerlichen Betrieben über 20 Hektar stark zu beschneiden.

Gemäß der Verordnung über devastierte landwirtschaftliche Betriebe<722> vom 20. März 1952 konnte nicht nur für von ihren Eigentümern verlassene Betriebe ein Treuhänder eingesetzt werden, sondern ebenso für Wirtschaften, die “... infolge Arbeitsunfähigkeit der Eigentümer oder infolge schlechter Wirtschaftsführung des Eigentümers oder Bewirtschafters eine weit unter dem Durchschnitt liegende Produktion ...“


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erbrachten und bei denen keine Aussicht auf Verbesserung der Produktionsleistung bestand.<723> Die Interpretation des Tatbestandes “schlechte Wirtschaftsführung“ bot den Behörden für eine Entscheidung weitgehenden Ermessensspielraum, den sie nicht selten zu Ungunsten von Bauern mit einer Betriebsgröße von über 20 Hektar nutzten.

Die Kreditpolitik des Staates erschwerte die großbäuerliche Wirtschaftsführung weiter. Die Kreditausreichung an Bauern durfte nur durch Zustimmung des Landrats nach Überprüfung der wirtschaftlichen Lage ihres Hofes durch eine Kommission, bestehend aus Vertretern des Kreditgebers, der VdgB (BHG) und des Kreistags, vorgenommen werden. Damit verschlechterten sich die Bedingungen der Kreditgewährung für Großbauern ganz außerordentlich. Staatliche Stellen und die gleichgeschaltete Presse bezeichneten sie immer unverhohlener als “Klassengegner“.

Die ebenfalls am 20. März 1952 erlassene Ergänzungsverordnung<724> knüpfte an die Bestimmungen der Verordnung über nicht bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzflächen<725> vom 8. Februar 1951 an. Fortwährende Kontrollen sollten die Bewirtschaftung der bis zum 15. März 1952 registrierten brachliegenden und zuvor oft von Großbauern bearbeiteten Flächen sicherstellen.<726>

Die Verordnung zur Sicherung von Vermögenswerten vom 17. Juli 1952 legte fest, landwirtschaftliches Vermögen und Grundbesitz der Bauern, die ohne polizeiliche Abmeldung die DDR verlassen hatten, zu beschlagnahmen und gemäß den Vorschriften über die Durchführung der Bodenreform zu behandeln.<727> Der Beschlagnahme unterlag ferner von seinen Besitzern aufgegebener landwirtschaftlicher Grundbesitz. Er wurde in den staatlichen Bodenfonds überführt und damit den Flächen der enteigneten Großgrundbesitzer gleichgestellt. Zumeist erhielten LPG und VEG diese Flächen zur unentgeltlichen Nutzung übertragen.

Durch die Verordnung zur Sicherung der landwirtschaftlichen Produktion und der Versorgung der Bevölkerung vom 19. Februar 1953<728> verschärfte sich die Situation der Bauern und hier wiederum in besonderem Maße die der Großbauern, aufs äußerste. Sie bestimmte, Besitzern von bäuerlichen Betrieben, die gegen DDR-Gesetze verstießen, die weitere Bewirtschaftung zu untersagen.<729> Der angeblich nicht ordnungsgemäß geführte Betrieb sei in die Verwaltung des Rates des Kreises zu überführen oder bevorzugt LPG zu übergeben. Im Gegensatz zu der bei “Republikflucht“ unabwendbaren Beschlagnahme von Betrieben erfolgte bei festgestellter Devastierung “nur“ der Entzug der


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Bewirtschaftung, aber keine Beschlagnahme oder Enteignung.<730> Den bisherigen Eigentümern durfte laut dieser Verordnung die Weiterbeschäftigung in ihren früheren Betrieben nicht gestattet werden.

Konnten die meisten Einzelbauern die drastische Einschränkung der Vergabe von Krediten noch verkraften, so traf sie die kompromißlose Eintreibung von Steuerrückständen aus den Vorjahren äußerst hart. Die Aufkäufer und Erfasser der VEAB versuchten mit Zwangsmaßnahmen, Ablieferungsrückstände einzutreiben. Zweifelsfrei lag es im Bestreben eines jeden mit seiner Wirtschaft verbundenen Bauern, diese funktionsfähig zu halten. Wenn es Einzelbauern nicht gelang, den vom Staat festgelegten Verpflichtungen nachzukommen, so handelte es sich im Regelfalle kaum um bewußte Nichterfüllung von Auflagen. Die Staatsorgane jedoch werteten nach Gutdünken Ablieferungsschwierigkeiten von Großbauern als Sabotageakte, denen sie mit harten Maßnahmen begegneten.

Während der Frühjahrsbestellung 1953 trat ein bisher nicht zur Anwendung gelangtes Zwangselement zutage. Die Abteilungen Landwirtschaft konnten Besitzer von Traktoren verpflichten, diese den MTS bei Bezahlung nach MTS-Tarif zur Verfügung zu stellen. Bürgermeister erhielten die Vollmacht, bei Großbauern zwangsweise landwirtschaftliche Verrichtungen vornehmen zu lassen.<731> Erschwerend für die Großbauern kam die gesteigerte Progression der MTS-Tarife hinzu. Verglichen mit 1952 blieb sie im Jahre 1953 in den Tarifgruppen I bis III konstant, in der Gruppe IV aber stieg sie erheblich an.<732> Im Zeitraum von Februar bis Mai 1953 “... nahm die administrative Landwirtschaftspolitik Formen einer Strangulation der privaten Landwirtschaften an."<733> Innerhalb dieser kurzen Zeitspanne wurden in der DDR 17 581 vorwiegend großbäuerliche Betriebe in staatliche Verwaltung übernommen.<734> Die Gesamtzahl der unter staatlicher Verwaltung stehenden Betriebe bezifferte sich bis dahin im Republikmaßstab auf 22 773.<735>

Wirtschaftliche Schwierigkeiten ließen zunehmend mehr Bauern in die Mühlen der Justiz geraten. Gegen sie erkannten die Justizorgane aufgrund nichtgenehmigter Schlachtungen und Nichterfüllung der Pflichtablieferung oftmals auf langjährige Freiheitsstrafen, teils gekoppelt mit Vermögensentzug. “Manchmal verließen nach solchen öffentlich durchgeführten Prozessen Bauern gruppenweise ihre Dörfer.“<736>

In dieser angespannten Situation blieben den individuell wirtschaftenden Bauern zwei Alternativen. Die eine bestand darin, ungeachtet der einschneidenden staatlichen Eingriffe in ihre Wirtschaftsführung alles daran zu setzen, den staatlichen Auflagen nachzukommen und zu bleiben. Viele Bauern, deren Wirtschaften am Boden lagen, wählten die andere: aus der DDR zu fliehen. So wuchs sich die Republikflucht zu einer bedrohlichen Größenordnung aus. Von Juni 1952 bis Juni 1953 verließen 90 100


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Bauern aus der gesamten DDR nebst ihren Angehörigen ihre Wirtschaften, deren LN 1, 250 Mill. Hektar betrug.<737> Die Zahl der Großbauernbetriebe verringerte sich von Mitte 1952 bis Mitte 1953 um 16 549 auf 28 846, wovon etwa die Hälfte der betroffenen Bauern mit Höfen einer LN von über 20 Hektar die DDR verließ.<738> Als Ursachen hierfür sind die einsetzende LPG-Bildung und eine großbauernfeindliche Landwirtschaftspolitik zu nennen. Ein beträchtlicher Teil der Betriebe der Großbauern verfiel dem Ruin.

Aus dem Grenzkreis Haldensleben flohen in den Monaten Februar/März 1953 134 Personen, “insbesondere Großbauern.“<739>

Das Sekretariat der SED-KL Haldensleben hielt sich bei der Gestaltung des Verhältnisses zu den Großbauern strikt an die vorgegebene Parteilinie. Sein Vorgehen gegen die Bauern mit Betrieben einer LN von über 20 Hektar ähnelte dem in anderen Kreisen der DDR. Zwar hieß es in einer Vorlage für eine Sekretariatssitzung der SED-KL im August 1952, Aufbau des Sozialismus in der DDR dürfe nicht heißen, “daß wir jetzt zu einem Großbauernabschießen übergehen“, dennoch wurde in derselben Vorlage zu strafferem Vorgehen gegen bestimmte großbäuerliche Betriebe aufgerufen.<740> Diejenigen Großbauernbetriebe, die den Viehhalteplan nicht erfüllten, sollten bestraft werden. <741>

Am Ende des Jahres 1951, Monate vor der Bildung der ersten LPG, hatten die MAS des Kreises auch mit den Großbauern Verträge abgeschlossen. Sie sahen deren Unterstützung vor. Obwohl es den Großbauern an den für die Einbringung der Ernte des Jahres 1952 notwendigen Maschinen fehlte, veranlaßte das Sekretariat der KL die sofortige Aufkündung dieser Vertragsabschlüsse. Unmißverständlich verdeutlichte das Sekretariat den Bauern mit einer LN von über 20 Hektar, es verlange von ihnen dennoch, daß sie ihren Verpflichtungen gegenüber dem Staat uneingeschränkt nachkämen.

Bei der Durchführung von Repressivmaßnahmen stützte sich das Sekretariat der SED-KL u. a.

auf die Bürgermeister der Gemeinden.<742> Sie erhielten Weisungen, mit welchen Mitteln und Methoden sie Großbauern mit Rückständen zur Einhaltung ihrer Ablieferungsauflagen zu zwingen hätten. Das Sekretariat beschloß, die Bürgermeister der Gemeinden zu verpflichten, säumige Getreideablieferer dem


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Sekretariat der KL zu melden. Es lud sie daraufhin zum Gespräch vor. Während die Bürgermeister unverhohlen mit dem Verhängen von Wirtschaftsstrafbescheiden oder mit der Ankündigung, die betreffenden Betriebe als “devastiert“ erklären zu lassen, drohten, operierten die ständigen Mitarbeiter der KL vordergründig weniger rüde. Mit Argumenten, wie die verzögerte Ablieferung des Getreides gefährde die Versorgung der städtischen Bevölkerung, damit den Aufbau des Sozialismus und letztlich den Erhalt des Friedens, suchten sie die Großbauern zur Anspannung aller Kräfte zu bewegen. Fruchtete diese relativ milde Variante nicht - auch im Kreis Haldensleben reichte die Wirtschaftskraft der Großbauern häufig nicht aus, den hohen Auflagen nachzukommen - so folgten Wirtschaftsstrafbescheide oder gar eine Vorladung des Staatsanwalts.

In ihre harte Gangart gegen die Gesamtheit der Großbauern bezog die SED-KL Haldensleben den gesamten Staatsapparat sowie alle Institutionen und Massenorganisationen des Kreises ein. Die VdgB (BHG) z. B. , ursprünglich als Anwältin der Interesse aller Bauern gedacht und als solche immer wieder in der Öffentlichkeit dargestellt, erhielt den Auftrag, “... die werktätigen Bauern ... gegen die Machenschaften von Großbauern, die sich vor der Ablieferung drücken wollen, zu mobilisieren."<743> Das hieß, auf dem Lande ähnlich wie Ende der zwanziger, Anfang der dreißiger Jahre in der Sowjetunion, ein Feindbild zu konstruieren, das es in den Dörfern der DDR in dieser Ausprägung überhaupt nicht gab. Die Großbauern des Kreises Haldensleben genossen in der Regel unter ihren Berufskollegen - ungeachtet ihrer oftmals bereits eingeschränkten Wirtschaftskraft - ihres fachlichen Könnens wegen beträchtliches Ansehen. Die Mehrzahl der Bauern mit kleineren Wirtschaften beteiligte sich nicht an dem Kesseltreiben gegen sie, das nun einsetzte.

Ende August 1952 lud die Abteilung Erfassung und Aufkauf des VEAB sämtliche Bauern, die bei der Ernteeinbringung in Rückstand geraten waren, zu einer Aussprache vor. Überwiegend betraf dies wiederum Großbauern. Neben Vertretern der Abteilung Landwirtschaft nahm dar-an - Demonstration der unnachgiebigen Staatsmacht und Drohung zugleich - der Kreisstaatsanwalt teil.<744>

Im Gleichklang mit der Parteiführung verschärfte das Sekretariat der SED-KL zu Beginn des Jahres 1953 seine Gangart gegen die Großbauern bis in den Juni hinein weiter. Im Februar "empfahl" es dem Rat des Kreises, hart gegen jene “Elemente“ durchzugreifen, die ihr Soll nicht erfüllten. Als es in Rätzlingen und Mannhausen mit der LPG-Bildung nicht wie erwartet voranging, schob es die Schuld an der dortigen Stagnation den ortsansässigen Großbauern zu. “Großbäuerliche Elemente“ würden die Genossenschaftsbildung behindern. Es akzeptierte nicht, daß die Mehrheit der Bauern es vorzog, außerhalb der LPG ihre Interessen wahrzunehmen.<745>

Die mangelhafte Vorbereitung der Frühjahrsbestellung 1953 lastete das Sekretariat der SED-KL bar jeglicher logischer Argumentation und in bewußter Verkehrung der Ursachen, der “... verbrecherischen Handlungsweise von Großbauern, die das DDR-Gebiet verlassen haben ... “, an.<746> Seine Aufforderung,


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dort wo Großbauern beim Aufbringen des Saatgutes Schwierigkeiten bereiteten, müsse es konsequent sichergestellt werden, weckt Assoziationen an das Vorgehen lokaler Machtorgane gegen die “Kulaken“ in der UdSSR. Tatsächlich erfüllten die Organe von Partei und Staat nur den Willen der SED-Führung. Dabei bestand das Perfide darin, daß dieser Wille oftmals keine Proklamation in der Öffentlichkeit fand. Gerade in den Jahren 1952/53 arbeiteten die Führungsorgane der SED sehr viel mit internen Weisungen, die nie publiziert wurden. Dies war einer der Gründe dafür, daß eben im Jahre 1953 der Widerspruch zwischen Worten und Taten der Parteiführung und des Staatsapparates zunehmend mehr Menschen bewußt wurde. Sie erlebten ihn alltäglich am eigenen Leibe. Im Juni 1953 mündete der Gegensatz zwischen Partei und Volk schließlich in einen offenen Konflikt.

Kennzeichnend für die künstlich geschaffene Klassenkampfatmosphäre im Kreis Haldensleben in den ersten Monaten des Jahres 1953 ist auch die in Berichten von Partei- und Staatsorganen häufig gewählte Titulierung der Großbauern mit “reaktionär“.

Die führenden Funktionäre der SED-KL wahrten gegenüber den Großbauern keinerlei Toleranz. So äußerte sich der 1. Kreissekretär, als er erfuhr, daß MTS- und Politleiter der MTS Rätzlingen bei der Durchführung von Bestellarbeiten im Frühjahr 1953 über Nacht auf dem Acker eines Großbauern den Einsatz einer dringend benötigten Maschine veranlaßten: “Wenn diese beiden die Gesetze studiert hätten, dann müßte ihnen klar sein, daß es unzulässig ist, bei Großbauern zu arbeiten. Man hätte den Großbauern zwingen müssen, mit seinen Maschinen, seinem Geld, seine Wirtschaft zu bearbeiten.“<747>

Ein Sekretär der KL brachte unverblümt zum Ausdruck, worum es damals dem Sekretariat bei Außerachtlassen jeglicher ideologischer Verbrämung ging: “Der Boden aus der Klasse der Privatkapitalisten muß in unsere Hände.“<748>

Bei der Vergabe von Krediten gab sich die KL in den ersten Monaten des Jahres 1953 noch engherziger als zuvor. Bei einer Überprüfung der von den BHG an Großbauern ausgegebenen Kredite stellte sie mißbilligend fest, einem Großbauern aus Neuenhofe seien 2 000 DM zugestanden worden.<749>

Als die “Klassenkampfmaßnahmen“ gegen die Großbauern in den ersten Monaten des Jahres 1953 eskalierten, trat in einigen Dörfern des Kreises wie Ostingersleben, Ribbenstedt und anderen die Erscheinung auf, “daß Großbauern freiwillig ihre Wirtschaften zur Verfügung stellen.“<750> Gewiß haben diese Großbauern die Aussichtslosigkeit eingesehen, einen geordneten Wirtschaftsbetrieb weiterhin aufrecht erhalten zu können. Auf welche Art sie künftig ihren Lebensunterhalt bestritten, ob sie sich eventuell in den Westen absetzten, darüber ist nichts bekannt.


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Äußerst wenige Großbauern ergriffen die Flucht nach vorn und versuchten Mitglied einer LPG zu werden. Entgegen den Festlegungen der Musterstatuten gelang dies ihnen zunächst. Obwohl die Musterstatuten aller drei LPG-Typen ausdrücklich die Aufnahme von Großbauern in LPG untersagten<751>, setzten sich verschiedene LPG über die Festlegungen hinweg.

Das Sekretariat der SED-KL bewertete die Aufnahme von Betriebsinhabern mit einer LN von über 20 Hektar in Genossenschaften als einen folgenschweren Fehler. In Bebertal, Mannhausen, Wegenstedt und weiteren namentlich nicht genannten LPG hätten Vorstand und Mitglieder die in den Statuten getroffenen Festlegungen ignoriert und Großbauern in die LPG aufgenommen. Einzelne wurden bereits kurze Zeit später aus den Genossenschaften wieder ausgeschlossen worden, um jedoch einer "inneren Zersetzung" der LPG durch diese vorzubeugen, hätten die Vorsitzenden, so legte das Sekretariat der KL Anfang Juni 1953 auf einer Sekretariatssitzung fest, unverzüglich ihren Ausschluß zu betreiben.<752> Diese Forderung verdeutlicht, wie exakt sich das Sekretariat der SED-KL Haldensleben an die von der Parteiführung vorgegebene Linie hielt.

Es war überhöht in jenen Großbauern, die in die Genossenschaft eintreten wollten, verkappte Gegner des Umbruchs auf dem Lande zu sehen. Gewiß gab es unter den Großbauern solche, die den Veränderungen ablehnend, ja teilweise feindlich gegenüberstanden. Letztere dürften kaum den Weg in eine Genossenschaft gesucht haben. In der Regel erkannten die wenigen Großbauern, die sich in der Anfangsphase der Umgestaltungen um eine Mitgliedschaft in einer LPG bewarben, daß ihr Einzelbauerndasein ohnehin bald beendet sein würde. Sie wollten Repressalien entgehen und weiterhin in der Landwirtschaft tätig bleiben. Für andere bestand das Motiv für einen LPG-Beitritt darin, den hohen Sollbelastungen zu entgehen. Daß sie in den LPG in naher Zukunft ihre Interessen besser als zuvor verwirklichen könnten, daran glaubte kaum einer von ihnen.

In die LPG Mannhausen z. B. fanden vier Großbauern Eingang.<753> Erst nach harten, längeren Auseinandersetzungen nicht nur mit den parteilosen LPG-Mitgliedern, sondern auch mit denen, die der GO der SED angehörten, sei es gelungen, die "großbäuerlichen Elemente" aus der LPG zu entfernen.<754> Der rigide Ton des Sekretariats der SED-KL kein halbes Jahr, bevor die

III. LPG-Konferenz im Dezember 1954 die Aufnahme von Großbauern in LPG unter bestimmten Voraussetzungen beschloß, zeigt zum einen, mit welcher Konsequenz die leitenden Kader der unteren Parteiebene die Linie der Parteiführung gegenüber den Großbauern verfochten. Andererseits wird daran ihre fehlende Kenntnis von dem bevorstehenden Kurswechsel der Partei im Verhältnis zu Bauern mit einer LN von über 20 Hektar deutlich.<755>


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In der LPG Satuelle - unter ihren Mitgliedern befanden sich viele ehemalige Landarbeiter<756>, die früher in ÖLB ihr Auskommen fanden - beschlossen die Genossenschaftsbauern, einem ehemaligen Großbauern seine frühere Wohnung zuzuweisen, wodurch "... ein ehemaliger Landarbeiter eine schlechtere Wohnung beziehen mußte."<757> Sogar die Genossen unter den LPG-Mitgliedern begründeten ihren Standpunkt damit, "daß dieser Großbauer der beste Arbeiter der LPG sei."<758> Hieran zeigt sich, daß zumindest vereinzelt Großbauern in Genossenschaften aufgenommen wurden. Doch gleichfalls, wenn auch auf unterer Ebene, wird ein gewisser Vorrang der praktischen Politik gegenüber der Ideologie deutlich. Eben weil besagter ehemaliger Großbauer durch seine Arbeitsleistungen in besonderem Maße zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der LPG beitrug und fürderhin beitragen sollte, ließen sich die Genossenschaftsbauern von rein pragmatischen Erwägungen leiten und sprachen sich für den Wiederbezug seiner günstigen Wohnung aus. Großzügig in der Frage der Aufnahme von Großbauern in LPG gaben sich die Genossenschaftsbauern der LPG Süplingen. Hier leitete ein ehemaliger Großbauer dank seiner Erfahrungen erfolgreich die Geschicke einer Brigade.<759>

Das Kreissekretariat sorgte aber rasch, teilweise nach zwischen LPG-Mitgliedern und Parteibeauftragten kontrovers geführten Debatten, für den Ausschluß von Großbauern aus LPG.

Mit Argusaugen wachten die Mitarbeiter des VEAB-Kreisbetriebes Haldensleben über die Einhaltung der Ablieferungstermine von Großbauern sowie Höhe und Qualität der abzuliefernden Produkte. Laut einer Statistik des VEAB - die VEAB-Statistiken sind für die damalige Zeit als die aussagekräftigsten hinsichtlich der Marktproduktion und der Viehbestände einzuschätzen - erfüllten die bäuerlichen Betriebe mit über 35 Hektar LN in keiner Tierart den staatlichen Viehhalteplan.<760> Der VEAB sollte sie auf Veranlassung des Sekretariats der KL zwingen, ihre Viehbestände aufzustocken. Aber eben da begann der Teufelskreis für die Mehrheit der Großbauern, aus dem es kaum ein Entrinnen gab. Das hohe Ablieferungssoll bei pflanzlichen Produkten ging zu Lasten der Futtergrundlage und schloß die Vergrößerung der Viehbestände fast aus. Das Sekretariat der KL sah darin jedoch keinen Hinderungsgrund, über den VEAB Wirtschaftsstrafbescheide gegen Großbauern mit Ablieferungsbescheiden auszustellen und Anklagen wegen “Wirtschaftssabotage“ durch den Kreisstaatsanwalt erheben zu lassen. Zufrieden stellte es fest, die Zusammenarbeit mit dem Volkspolizeikreisamt und der Kriminalpolizei klappe gut, “da Hinweise und Meldungen von uns genügten, um die sabotierenden Großbauern der gerechten Strafe zuzuführen."<761>

Im Kreis Haldensleben belegten die Justizorgane Bauern, es ist anzunehmen, daß es sich dabei überwiegend um Großbauern handelte, mit folgenden Strafen:

Über die Anzahl der in den westlichen Teil Deutschlands bzw. nach Westberlin geflohenen Bauern und der als devastiert erklärten oder beschlagnahmten bäuerlichen Betriebe geben die Akten der SED-KL Haldensleben und des Rates des Kreises Haldensleben keine genaue Auskunft. In den ersten Monaten des Jahres 1953 - vorwiegend im Februar und März - flohen 134 Personen aus dem Kreis Haldensleben, “darunter viele Großbauern.“<763> Gerade im Grenzkreis Haldensleben mit seiner relativ langen Grenze zur Bundesrepublik Deutschland ist aufgrund verwandtschaftlicher Bande, aber mehr noch zunehmender Bedrückungen wegen davonauszugehen, daß in den Jahren 1952/1953 eine größere Zahl von Großbauern in den Westen Deutschlands geflüchtet ist.<764>

Im Winter 1953 kam die SED-Führung nicht umhin einzusehen, daß eine weitere Beschleunigung des wirtschaftlichen Entwicklungstempos die Potenzen der DDR überstieg. Doch der abrupten Wende der bisher verfolgten Linie, dem Übergang zum "Neuen Kurs", lagen zuvorderst politische Motive zugrunde. Nach dem Tode Stalins Anfang März 1953 suchte die neue Parteiführung der KPdSU jedes unnötige Risiko im eigenen Lande, doch ebenso in den "sozialistischen Bruderländern“, zu vermeiden. Deshalb verlangte sie seit Ende April 1953 zunehmend von der SED-Führung, sowohl ökonomisch als auch politisch gemäßigter vorzugehen.<765> Diese konnte sich zu keinen merklichen Veränderungen ihrer politischen Linie durchringen. Daraufhin bestellte die KPdSU-Spitze in den ersten Junitagen 1953 Ulbricht und Grotewohl nach Moskau. In der sowjetischen Hauptstadt gaben ihnen maßgebliche Politbüromitglieder Hinweise über das von der UdSSR gewünschte Vorgehen der SED in der DDR. Sie wurden am 9. Juni 1953 als "Kommuniqué'' des Politbüros veröffentlicht.<766>

Das Politbüro kündigte u. a. an, den Fünfjahrplan zu korrigieren, den Lebensstandard zu verbessern und die Beschränkungen der Privatwirtschaft zurückzunehmen. Auf seiner Sitzung vom 9. Juni 1953 "empfahl" es der Regierung der DDR, eine Reihe von Maßnahmen zu treffen, die eine positive Veränderung der Lebenslage der gesamten Bevölkerung bewirken und zur Eindämmung der “Republikflucht“, insbesondere von Einzelbauern, führen sollten.

Die zur Verbesserung der Situation in der Landwirtschaft vorgesehenen Maßnahmen des "Neuen Kurses" wurden unmittelbar vor der Sitzung des Politbüros der SED auf der Konferenz der Genossenschaftsbauern und werktätigen Einzelbauern, Traktoristen der MTS und Landarbeiter der VEG in Berlin erörtert. Die DDR-Regierung berief sich auf diese Konferenz, als sie am 11. Juni 1953 erklärte:


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“Die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik stellt fest, daß in letzter Zeit eine Reihe Fehler gegenüber Großbauern und sogar Mittelbauern begangen worden sind. Das hat seinen Ausdruck in einer Reihe von Verordnungen gefunden, zum Beispiel in den Verordnungen über devastierte Betriebe, über Kreditgewährung, in außerordentlichen Maßnahmen der Erfassung, in verschärften Methoden der Steuererhebung sowie in der Vernachlässigung der Einzelbauern durch die Maschinen-Traktoren-Stationen. Bei der Durchführung dieser Verordnungen und Anordnungen sind ernste Fehler in den Bezirken, Kreisen und Orten begangen worden. Die Folge ist das Verlassen von Bauernhöfen durch ihre Besitzer. Die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik hat angeordnet, daß solche Verordnungen, die die Entwicklung der Bauernwirtschaften hindern, aufgehoben werden.“<767>

Zur Abstellung der gröbsten gegen einen beträchtlichen Teil der Einzelbauern gerichteten agrarpolitischen Maßnahmen, die für zahlreiche Bauern und ihre Familien unsagbares Leid mit sich brachten, erließ der Ministerrat der DDR am 11. Juni 1953 zwei Verordnungen: Die Verordnung über die in das Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik und den demokratischen Sektor von Groß-Berlin zurückkehrenden Personen<768> und die Verordnung über die Aufhebung der Verordnung zur Sicherung der landwirtschaftlichen Produktion und der Versorgung der Bevölkerung.<769> Die Beschlüsse wurden von der Mehrheit der Einzelbauern - nicht nur der betroffenen - mit Genugtuung aufgenommen. Sie berührten besonders die Interessen der Großbauern.

Dabei handelte es sich um folgende Festlegungen:

Mit der Verabschiedung des Kommuniqués vom 9. Juni 1953 und der Beschlüsse vom 11. Juni 1953 leiteten das Politbüro des ZK der SED und die Regierung der DDR die Politik des "Neuen Kurses" ein.<778>

Das Politbüro unterbreitete gleichfalls am 9. Juni dem Ministerrat den Vorschlag, den Minister für Land- und Forstwirtschaft zu beauftragen, Maßnahmen zur Interessenwahrung der LPG zu treffen.<779> Das Politbüro des ZK der SED fühlte sich zu diesem Schritt veranlaßt, weil das gewandelte Verhältnis des Staates zu den Großbauern einen der Hauptdiskussionspunkte in den Dörfern zu Beginn des "Neuen Kurses" bildete. Hier wirkten sowohl reale Ängste, daß Großbauern wieder Machtpositionen im Dorf gewinnen und den LPG durch Maßnahmen zugunsten der Bauern mit einer LN von über 20 Hektar geschadet werden könne als auch die alte SED-Propaganda vom Klassenfeind, die fest in den Köpfen saß.<780>

Der Ministerrat handelte entsprechend. Sollte im Falle der Rückgabe von landwirtschaftlichen Betrieben, die gegenwärtig von LPG bewirtschaftet werden, "eine ernste Gefährdung der Existenz der LPG" eintreten, so seien den Eigentümern gleichwertige Betriebe aus der öffentlichen Hand zum Ausgleich anzubieten.<781> Die Festlegung des Ministerrates trug dazu bei, Verunsicherungen unter den Genossenschaftsbauern abzubauen.

Der Ministerpräsident begründete den Erlaß der Verordnungen und Beschlüsse, die sich markant von der bisher verfolgten Linie unterschieden, damit, daß in der Vergangenheit verschiedene Fehler unterlaufen wären. Er führte dabei u. a. Fehlentscheidungen bei der Durchführung von Erfassungsmaßnahmen und der Steuerveranlagung an. Sehr negativ hätte sich die Verwendung von Mitteln aus dem Staatshaushalt für Aufwendungen erwiesen, die der Fünfjahrplan nicht vorsah. Desweiteren sei die Verlagerung


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bestimmter Vorhaben dieses Planes zugunsten der Schwerindustrie zu früh von 1955 auf 1952 erfolgt.<782>

Während der Juniereignisse des Jahres 1953 kam es auf dem Lande - im Gegensatz zu vielen Städten - trotz des angestauten Unmuts kaum zu Turbulenzen. Die Parteiführung hielt es aber für angebracht, durch die Regierung der DDR am 25. Juni 1953 eine Verordnung des Ministerrates über Erleichterungen in der Pflichtablieferung und zur weiteren Entwicklung der bäuerlichen Wirtschaften<783> verabschieden zu lassen. Sie sollte dazubeitragen, die Situation auf dem Lande zu konsolidieren. Weil “... die größeren Betriebe oft zu hoch veranlagt waren“, legte der Ministerrat eine differenzierte Ermäßigung der Ablieferungsnormen fest, die die Bedrückung der Großbauernwirtschaften ein wenig linderte.<784> Die ohnehin vorteilhaft eingestuften LPG erhielten ähnliche Vergünstigungen wie die Großbauern eingeräumt.<785>

Die Bestrebungen der staatlichen Agrarpolitik gingen in den Jahren nach 1953 vorerst dahin, auch Großbauern Möglichkeiten zur Entwicklung ihrer Betriebe einzuräumen. Die Senkung des Ablieferungssolls ermöglichte Großbauernwirtschaften, eine größere Produktenmenge auf dem freien Markt feilzubieten. Als Folge dessen erhöhten sich die im Durchschnitt erzielten Erzeugerpreise von 1952 bis 1955 in den größeren Wirtschaften rascher als in den kleineren. Die Größengruppe über 20 Hektar wies eine Steigerung von 27 Prozent auf, die in der Gruppe von ein Hektar bis fünf Hektar hingegen betrug lediglich 20 Prozent.<786>

In Beachtung der komplizierten Arbeitskräftesituation von Großbauernwirtschaften wies im Sommer 1953 der Staatssekretär des Ministeriums für Landwirtschaft die MTS an, während der Hackfruchternte bei Großbauern ebenfalls die Technik der MTS einzusetzen. Nach Verfügung des Ministerrates der DDR stellten ab Mitte 1954 die MTS Großbauern dieselben Tarife in Rechnung, wie sie für Wirtschaften zwischen 10 und 20 Hektar zur Anwendung gelangten. Diese Erleichterungen bewirkten von Ende 1953 bis Ende 1955 eine Erhöhung der mechanisierten Feldarbeiten der MTS in großbäuerlichen Betrieben um über das Doppelte.<787>

Über die Rechtslage der Betriebe "republikflüchtiger" Bauern, die auf Grund der Verordnung vom 11. Juni 1953 nicht in die DDR zurückkehrten bzw. sich nicht um die Rückgabe ihrer Betriebe zur Eigenbewirtschaftung bemühten, gaben wiederum die Verordnung über die Bewirtschaftung freier Betriebe und Flächen und die Schaffung von Betrieben der örtlichen Landwirtschaft<788> vom 3. September 1953 und die Zweite Durchführungsbestimmung zur Verordnung über die Bewirtschaftung freier Betriebe und Flächen und die Schaffung von Betrieben der örtlichen Landwirtschaft<789> vom 5. Februar 1954. Eine Anordnung vom 1. Dezember 1953 verfügte, daß auch nach dem 10. Juni 1953 von Einzelbauern


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verlassene bäuerliche Betriebe nicht beschlagnahmt oder enteignet werden durften.<790>

Das Sekretariat der SED-KL Haldensleben tat sich bei der Begründung der Maßnahmen des "Neuen Kurses" verbal nicht schwer. Ihr verändertes Vorgehen insbesondere gegenüber den Bauern außerhalb der LPG, die deutliche Abkehr von der bisher praktizierten Linie erklärte sie mit von der Parteiführung entlehnten Argumenten, ohne aber - wie diese - Worte der Selbstkritik zu finden. Auf den Sekretariatssitzungen der KL fiel nach Verkündung des "Neuen Kurses" - beispielsweise über die rüde, überbetont harte Behandlung der Großbauern - kein Wort des Bedauerns. Bei der LPG-Bildung hätte die KL auf die unbedingte Wahrung des Prinzips der Freiwilligkeit geachtet, man habe vielleicht lediglich das Tempo etwas überzogen, rechtfertigte sich das Kreissekretariat.<791>

Im Rahmen dieser Arbeit ist es nicht möglich, auf alle Aspekte der Verwirklichung der Maßnahmen des "Neuen Kurses" im Kreis Haldensleben einzugehen. Unter Berücksichtigung der Materiallage wird Bezug auf die wichtigsten genommen.

Die praktische Umsetzung der Junibeschlüsse bereitete der gesamten SED-KL einschließlich ihres Sekretariats, dem Rat des Kreises und den Gemeindevertretungen anfänglich erhebliche Schwierigkeiten. In einem Bericht über die Durchführung der Ministerratsbeschlüsse vom

2. Juli 1953 schätzte das Sekretariat die Arbeit der Gemeinderäte im Hinblick auf die Durchsetzung der Maßnahmen des "Neuen Kurses" als ungenügend ein.<792> Um nicht weiter in Verzug zu geraten, schickte es täglich Instrukteurgruppen in die Dörfer. Sie setzten sich aus Mitarbeitern der SED-KL und des Rates des Kreises zusammen. Ihr Auftrag lautete, die Bürgermeister, Gemeindevertretungen und -räte eingehend über die neue Linie der Partei zu informieren sowie ihr einheitliches Argumentieren und Handeln durchzusetzen. Mit der gleichen Absicht faßte die KL die Bürgermeister der Gemeinden und die Kreistags-abgeordneten zu Wochenendschulungen zusammen.<793>

Ohne Akzeptanz der Bevölkerung, ohne ihre auf Überzeugung beruhende Mithilfe - darüber herrschte innerhalb des Sekretariats der KL Einvernehmen -, konnten die Zielvorstellungen des "Neuen Kurses" nicht verwirklicht werden. Das Sekretariat der SED-KL Haldensleben rief deshalb die Bevölkerung des Kreises auf, bei der Realisierung der Beschlüsse von Partei und Regierung mitzuhelfen.<794>

Zahlreiche Bauernversammlungen mit der Thematik "Neuer Kurs" fanden zumeist unter Regie der Kreisorganisation der VdgB (BHG) in Verbindung mit der Nationalen Front bis in den Herbst des Jahres 1953 hinein statt. Die Teilnehmerzahlen blieben unter den Erwartungen der Parteioberen. Vorwiegend Großbauern verschlossen sich. Die Einzelbauern monierten, es würde zu wenig Substantielles zu den Beschlüssen dargelegt.<795> Tenor der politischen Stimmung in den Dörfern des Kreises Haldensleben in


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den ersten Wochen und Monaten nach Verkündung des "Neuen Kurses" blieben Skepsis und Mißtrauen und: ein wenig Hoffnung.

An dieser Einschätzung ändert ein Bericht der Kreisorganisation der VdgB (BHG) von Ende Juni 1953 nichts. Er versuchte zu suggerieren, nach den Erklärungen von Politbüro und Ministerrat wäre die Arbeitsfreude der Bauern gestiegen. Der Bericht fuhr in Relativierung des soeben Gesagten fort, in Diskussionen mit den Bauern käme zum Ausdruck, sie erwarteten statt Versprechungen Taten.<796> Und ein Einzelbauer aus Groß Santersleben erkühnte sich sogar: “Es gibt uns wieder neuen Auftrieb, hoffen wir aber, daß Ulbricht diesmal Wort hält.“<797> Grundsätzliche Zweifel an der Berechtigung des Fortbestandes der Regierung, die viele Landbewohner teilten, äußerte ein Jugendlicher: “... daß, wenn die kleinen Leute Fehler machen, sie gleich ihrer Funktion enthoben und eingesperrt werden.“<798> Er stellte die Frage, warum man die Regierung nicht absetze, weswegen man die führenden Regierungsmitglieder nicht zur Verantwortung ziehe.<799>

Das Sekretariat der KL verkündete auf seiner Sitzung Anfang Juli 1953, die Bauernschaft reagiere "... sehr positiv ..."<800> auf die Verordnung vom 25. Juni 1953<801>, die Einzelbauern könnten jetzt ihre Wirtschaften stärken. Gleichwohl gelang es der SED-KL in Verfolgung des "Neuen Kurses" in den Dörfern nur sehr schwer, das verlorengegangene Vertrauen gegenüber der Politik der Parteiführung wiederherzustellen. Als die Durchsetzung der Juni-Beschlüsse in Belsdorf Schwierigkeiten bereitete, brachte ein größerer Teil von Einzelbauern zum Ausdruck, die Regierung könne keine Garantien geben, ob nicht schon morgen neue Zwangsmaßnahmen gegen alle Bauern eingeleitet werden würden und sämtliche Bauern den LPG beitreten müßten, “denn wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.“<802>

Derartige Feststellungen, die erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Partei und Regierung deutlich werden ließen, animierten das Sekretariat der KL zu verstärktem Handeln. Durch Abhalten öffentlicher Sprechstunden informierte das Sekretariat zuerst jene werktätigen Einzelbauern und Großbauern über die Erleichterungen des "Neuen Kurses", die in den Jahren 1952/1953 Restriktionen erlitten hatten. Ebenso warb es unter solchen Bauern um Verständnis für die veränderte Linie der Partei, deren Betriebe in Anwendung der Verordnung vom 19. Februar 1953 unter die Verwaltung des Rates des Kreises fielen oder LPG zugeschlagen wurden. Wiederum Zweifel und Ängste bekundeten die Anfragen von in den Westen geflohenen Großbauern, die Interesse an der Weiterführung ihrer Wirtschaften hatten. Sie ließen über ihre Frauen oder andere Familienangehörige anfragen, ob die Durchführung der Ministerratsbeschlüsse garantiert sei und sie im Falle ihrer Heimkehr tatsächlich mit keiner Bestrafung


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rechnen müßten.<803>

Essentielle Bedeutung aus dem Blickwinkel der betroffenen Bauern kam der ihnen in den Juniabschlüssen eingeräumten Möglichkeit des Rückerhalts ihrer beschlagnahmten Betriebe zu.

Anfang Juli 1953 lagen der für die Rückgabe der Betriebe zuständigen Kommission des Rates des Kreises<804> 11 Ersuchen um Betriebsrückgabe vor.<805> Darunter befanden sich neun von Großbauern. Ausdrücklich sei vermerkt, daß eine Rückgabe von Bauernwirtschaften ohne Entscheid der Kreiskommission nicht erfolgen konnte.

Bis Mitte August 1953 erhöhte sich die Zahl der Anträge auf 44.<806> Im Spätherbst 1953 erreichte sie mit 73 Anträgen auf Rückgabe landwirtschaftlicher Betriebe, auf Teilrückgabe und auf Pachtentschädigung ihren aktenkundlich belegten Höchststand.<807>

Unter den Antragstellern befanden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit zahlreiche Großbauern. Die Unterlagen geben aber nicht genau Aufschluß darüber, welchen Betriebsgrößengruppen die Antragsteller angehörten. Nach der Entscheidungsfindung der Kreiskommission ergab sich folgende Situation:<808>

Zur Vermeidung von Härtefällen, mehr noch, um Unmut von vornherein nicht aufkommen zu lassen, legte der Rat des Bezirkes fest, den Antragstellern Austauschbetriebe anzubieten. Die Betroffenen beharrten auf Rückgabe ihrer Betriebe und lehnten ab. Nach dem Entscheid über eine größere Zahl von Anträgen, darunter die einer Reihe von Großbauern, vermerkte das Sekretariat der KL, nicht immer seien - wie im Juni-Komminiqué des SED-Politbüros gefordert - die Interessen der LPG durch den Rat des Kreises in notwendigem Maße vertreten wurden.

Wenig problematisch gestaltete sich die Rückgabe von Betrieben, deren vorübergehende Bewirtschaftung


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durch VEG, Gemeinden, Kreislandwirtschaftsbetriebe oder ähnliche Einrichtungen erfolgte. Die vormaligen Eigentümer bzw. Pächter derartiger Betriebe erhielten diese mit dem gesamten lebenden und toten Inventar in dem Umfange zurück, der beim Verlassen des Betriebes bestand.<809> Schwierigkeiten traten bei der Rückgabe solcher Betriebe auf, die vor dem "Neuen Kurs" durch Verfügung des Rates des Kreises den LPG zur Bewirtschaftung übergeben wurden. Der Beschluß der Regierung der DDR vom 11. Juni 1953 sicherte den LPG die Wahrung ihrer Belange vor der Rückgabe von Betrieben.

Unter den Genossenschaftsbauern des Kreises Haldensleben bestand ein vitales Interesse, jeden der ihnen überantworteten Betriebe einzubehalten. Im Falle einer Rückgabe wäre die Existenz ihrer Genossenschaften aufs höchste gefährdet gewesen. Zur Durchsetzung ihrer Anliegen richteten sämtliche LPG Schreiben<810> an die Abteilung Landwirtschaft des Rates des Kreises mit dem Ersuchen, diese Betriebe nicht wieder zurückgeben zu müssen. Die Abteilung trug der Situation der LPG Rechnung und entschied in ihrem Sinne.<811>

Die Verhandlungen mit den Eigentümern über eventuelle Ausgleichsregelungen lagen in den Händen des Rates des Bezirkes.

Welche Probleme die Rückgabe von Bauernwirtschaften zuweilen mit sich brachte, ist einem Bericht über die Rückgabe landwirtschaftlicher Betriebe und die Durchführung des neuen Kurses<812> der Abteilung Landwirtschaft des Rates des Kreises Haldensleben vom 3. Dezember 1953 zu entnehmen. In der Gemeinde Rottmersleben stellten diesem Bericht zufolge drei Großbauern einen Antrag auf Rückgabe ihrer Wirtschaften. Sie erhielten einen abschlägigen Bescheid mit der Begründung, bei Stattgeben ihres Ersuchens würde ein ernsthafte Gefährdung des Fortbestandes der LPG eintreten.<813> Nach Intervention dieser Großbauern entschied die Kreiskommission wiederum, deren Betriebe nicht zurückzugeben. Schließlich legte der Rat des Bezirkes fest, einem Antragsteller einen Teil seines Betriebes zurückzuerstatten und ihm als weiteren Ausgleich eine Hofstelle zur Verfügung zu stellen. Mit den beiden anderen Großbauern kam es zum Abschluß von Pachtverträgen.<814>

Bei der Vereinbarung von Pachtverträgen zwischen Eigentümern und LPG trafen häufig konträre Auffassungen aufeinander, obwohl der Stellvertreter des Ministerpräsidenten der DDR, Scholz, in einem Grundsatzartikel “Zur Durchführung des Beschlusses über die Rückgabe landwirtschaftlicher Betriebe“<815> Ende Juni 1953 unmißverständlich empfahl, Pachtverträge auf der Grundlage der bestehenden gesetzlichen Pachtbestimmungen abzuschließen.<816> Im Kreis Haldensleben erschien den Eigentümern der Pachtsatz generell als zu niedrig, den LPG wiederum als zu hoch. Nachdem der Rat des Kreises


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verschiedene Entscheidungen getroffen hatte, mißbilligte das Sekretariat der SED-KL dessen Verfahrensweise. Es warf ihm vor, nicht hinreichend Struktur und Beschaffenheit sowie Vieh- und Gerätebesatz der verpachteten Betriebe berücksichtigt und unzureichend die Bedürfnisse der LPG gewahrt zu haben.

Mit der Rückgabe der Betriebe, besonders der von Großbauern, ließ sich der Rat des Kreises Zeit. In Walbeck beispielsweise warteten die betroffenen Bauern Anfang Dezember 1953 noch immer auf einen Entscheid, der ihnen die Rückkehr auf ihre Höfe gestattete.<817> In Rätzlingen erhielten zwei Großbauern, die vor Verkündung des "Neuen Kurses" wegen Wirtschaftsvergehens in Haft saßen, ihre Wirtschaften erst im Frühjahr 1954 zurück.<818>

Die oben erwähnte Verordnung des Ministerrates der DDR vom 25. Juni 1953 gehörte zu den Maßnahmen, die zur Erleichterung der wirtschaftlichen Lage der Einzelbauern beitrugen.<819> Sie verschaffte mehr als den anderen bäuerlichen Schichten den Großbauern deutliche Erleichterungen in der Pflichtablieferung. Die Abteilung Landwirtschaft des Rates des Kreises Haldensleben handelte in dieser Angelegenheit zügig und legte als erste des Bezirkes Magdeburg die veränderten Ablieferungsbescheide sämtlicher 64 Gemeinden des Kreises zur Bestätigung beim Rat des Bezirkes vor. Umgekehrt gingen von 35 Gemeinden des Kreises bei der Abteilung Stundungsanträge ein, die sie fast immer positiv beschied.<820> Darunter befanden sich viele von Großbauern. Die Unterabteilung Haushalt des Rates des Kreises wies die Gemeinden Anfang Juli 1953 an, Steuerrückstände aus dem Jahre 1951 nicht durch Zwangseintreibung wettzumachen. Aus den Jahren 1952 und 1953 datierende Rückstände seien über die Verbesserung des Mahnwesens einzuholen. Diese “Konzilianz“ kam überwiegend den Interessen der Großbauern entgegen.

Nur wenige Tage nach den Juniereignissen beauftragte die SED-KL den Vorsitzenden des Rates des Kreises unbedingt darauf zu achten, daß die Banken, Sparkassen und Kreditinstitute des Kreises tatsächlich Kredite an Großbauern ausreichten. Ab Sommer 1953 gewährte die Bauernbank Bauern mit Wirtschaften über 20 Hektar langfristige Kredite für den Erwerb von Vieh und totem Inventar bis zur Hälfte des Kaufpreises zu einem Zinssatz von 5,4 Prozent. Für Gebäudereparaturen, Neubauten und Meliorationsvorhaben bis zur Hälfte des Wertes der Anlagen erhob sie nicht mehr als zwei Prozent Zinsen.<821>

Verschiedentlich bekundete das Kreissekretariat, daß die Großbauern in sämtliche Maßnahmen des "Neuen Kurses" involviert seien. Ende 1953 verwies es darauf, erst kürzlich wären drei Großbauern mit Krediten von je 4 000 DM bedacht worden.<822>


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Das Sekretariat der SED-KL war bestrebt, Unmutsbekundungen der Landbevölkerung bei der Durchführung des "Neuen Kurses" so gering wie möglich zu halten. Noch im Juni 1953 wies es die staatlichen Organen im Kreis darauf hin, Verkauf, kostenlose Abgabe sowie die Umsetzung jeglicher Vermögenswerte ab sofort zu verbieten und sich ansonsten in dieser Angelegenheit streng an die Ministerratsbeschlüsse zu halten.<823> Desweiteren appellierte das Sekretariat an die Gemeinden, den ursprünglichen Rechtszustand in Bezug auf das Vermögen von Rückkehrern wieder herzustellen.

Die Einbindung der Großbauern in den "Neuen Kurs" bedeutete für das Sekretariat der SED-KL Haldensleben keineswegs - wie gleichfalls für die Kreisparteiorganisationen im Republikmaßstab -, in den Großbauern nicht mehr die “reaktionären Elemente“ zu sehen. Sie wurden im "Bedarfsfalle" nach wie vor als “Klassenfeinde“ betrachtet. Nicht einmal ein Vierteljahr nach Verkündung der Ministerratsbeschlüsse dräute das Sekretariat Ende August 1953 im Zusammenhang mit der stockenden Pflichtablieferung an Getreide in Richtung Großbauern: “Wir lassen nicht mit uns spielen. Der neue Kurs bedeutet nicht, daß sie jetzt denken, sie können machen, was sie wollen. Der neue Kurs bedeute vielmehr, daß den Saboteuren ... das Handwerk gelegt wird.“<824> Bedauernd fügte das Sekretariat der SED-KL hinzu: "Einsperren können wir sie nicht. Nur agitieren hilft.“<825>

Im Spätherbst 1953 sprach das Sekretariat von in die ländliche Bevölkerung hineingetragene Diskussionen des “Klassengegners“. Unmißverständlich meinte es damit die Großbauern. Ihre Forderungen würden darin gipfeln, nicht mehr als die LPG abliefern zu müssen.<826> Kurz darauf beklagte das Sekretariat, daß in verschiedenen LPG eine versöhnlerische Haltung gegenüber Großbauern bestehe.<827> In Wahrheit handelte es sich bei diesem der Bevölkerung suggerierten Feindbild um nicht mehr als eine parteipolitische Phrase, eine von der Parteiführung und ihren Ideologen sorgsam genährte Klischeevorstellung. Die unteren Parteiebenen nahmen sie willfährig auf. Als Beleg dafür seien einige Beispiele aus dem Kreis Haldensleben herangezogen.

Bei den Neuwahlen des Vorstandes der VdgB (BHG) Nordgermersleben im Dezember 1953 solidarisierte sich spontan ein größerer Teil werktätiger Einzelbauern mit dem Antrag von Großbauern auf Herabsetzung des Ablieferungssolls und des Viehhalteplans.<828> Mit der Parole “Es gibt keine Großbauern mehr“ würde in Ostingersleben - man beachte, hier bestand eine MTS mit PA! - laut Interpretation des Sekretariats der SED-KL versucht werden, die Klassenstruktur zu verwischen.<829>

Kurz zuvor richtete der VEAB-Kreisbetrieb eine deutliche Drohung an die Adresse der Großbauern. Niemand dürfe sich dem Trugschluß hingeben, “daß der Klassenkampf im Kreis Haldensleben nicht


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andauert.“<830> Die Großbauern irrten sich, wenn sie annähmen, "daß mit dem neuen Kurs ... ein Zustand der Gesetzlosigkeit, der der Anarchie gleichzusetzen ist, eingetreten ist.“<831>

Der VEAB forderte, dem entgegenzutreten, indem “... die staatlichen Organe zu Beginn des Jahres bei der böswilligen Nichterfüllung der Pläne ein Exempel statuieren“ müßten.<832> Wirtschaftsstrafbescheide gehörten ab 1954 wieder zur gängigen Praxis im Kreis Haldensleben. Sie wurden vor allem gegen Großbauern verhängt.

Die DSG Haldensleben fand noch schärfere Töne und bekundete in einem Bericht an das SED-Kreissekretariat Anfang April 1954 Ergebenheit: “Wir werden nicht nachlassen, den Kampf gegen die Großbauern weiterzuführen, bis auch der letzte Großbauer als Saatgutvermehrer ausgeschaltet ist.“<833>

Manchmal wehrten sich die attackierten Großbauern, wie Erfasser des VEAB zu berichten wußten. In verschiedenen Gemeinden des Kreises hätten Großbauern argumentiert, sie würden dem Staat aufgrund ihrer Wirtschaftskraft und der Höhe der ihnen auferlegten Ablieferungsnormen mehr liefern als die LPG. Demzufolge seien sie es, die dem Staat das ökonomische Fundament gäben. Es wäre somit gleichgültig, ob sie mit 80 Prozent oder 90 Prozent ihr Ablieferungssoll erfüllten.<834>

Die vermeintlichen Einwirkungen und den Einfluß des Klassengegners, dieses oft nur imaginären Feindes, schoben das Sekretariat der KL der SED und staatliche Organe des Kreises immer dann vor, wenn Schwierigkeiten bei der Fortentwicklung der Landwirtschaft auftraten. Sie dienten in den Anfangsjahren der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft als fortwährendes Alibi für Schwierigkeiten, deren Wurzeln in der offenkundigen Unerfahrenheit der LPG-Vorstände bei der Leitung eines landwirtschaftlichen Großbetriebes und nicht selten im fachlichen Unvermögen sowie der mangelnden Leistungsbereitschaft der Genossenschaftsbauern lagen. An einem Beispiel sei dies dargelegt. In Uthmöden löste sich die LPG auf, obwohl sich unter den relativ wenigen Mitgliedern sechs Genossen befanden. "Daraus ist zu ersehen", so argumentierte das Sekretariat der SED-KL, "daß in Uthmöden der großbäuerliche Einfluß groß ist ..."<835> Es scheint den leitenden Parteikadern des Kreises nicht in den Sinn gekommen zu sein, daß die Uthmödener Genossenschaftsbauern daran zweifelten, in ihrer äußerst wirtschaftsschwachen LPG ihre Interessen in absehbarer Zeit verwirklichen zu können und sie deshalb aufgaben. Und weiter: "Die Schädigung unserer LPG durch den Klassengegner kommt in letzter Zeit insbesondere dadurch zum Ausdruck, daß verschiedene LPG größere Austritte zu verzeichnen haben und daß dabei in der Mehrzahl der Fälle gegen das Statut verstoßen wird. Ebenfalls werden durch die Einwirkungen des Klassengegners von den einzelnen Mitgliedern noch immer Forderungen erhoben" - das Sekretariat definierte sie nicht näher -, "die mit dem Statut nicht zu vereinbaren sind."<836> Wiederum


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lastete das Sekretariat der SED-KL diese Erscheinungen den Großbauern an. Deren Argumente gegen die LPG fänden unter den Mitgliedern mit vormals klein- bzw. mittelbäuerlichen Wirtschaften eher Gehör, als bei ehemaligen Landarbeitern. Der SED-KL kam es nicht in den Sinn, daß es berechtigte Forderungen von "unten" geben könnte. Sie rührten aus einer Reihe von Parteibeschlüssen und einer auf ihnen beruhenden Politik, die nicht vollauf den Interessen der Arbeitenden entsprach. Darum wurden Schwierigkeiten vielfältiger Natur zuweilen gegnerischen Einflüssen zugeschrieben. Die Parteiführung und die nachgestellten Gliederungen der Partei begaben sich jedoch damit selbst des Hebels einer Praxiskritik der eigenen Politik, die zum Überdenken und zu Modifikationen der politischen Linie führen konnte. Hierin lag ein grundsätzlicher Mangel marxistisch-leninistischen Demokratieverständnisses und der ihr entsprechenden gesellschaftlichen Realität.

Keineswegs darf aber verschwiegen werden: Tatsächlich gab es zumeist von Großbauern ausgeführte oder von ihnen angeregte begrenzte Aktionen mit der Absicht, den LPG Schaden zuzufügen. So fanden sich - laut Aussagen von Zeitzeugen - in einigen LPG im Futter Glasscherben und Nägel. Vereinzelt sollen Großbauern Scheunen von Genossenschaften in Brand gesteckt und örtliche Vertreter der Staatsmacht und Parteifunktionäre bedroht haben. Die aktenkundigen Beweise hierfür fehlen allerdings.

Es sei erwähnt, daß die Grenzlage des Kreises Haldensleben verschiedene Organisationen in Westdeutschland zeitweilig animierte, vorwiegend über Flugblattaktionen zu versuchen, den Verlauf der Entwicklung auf dem Lande zu stören. Sie setzten auf die Großbauern als Verbündete.

Selbst nach der III. LPG-Konferenz im Dezember 1954, die Großbauern unter bestimmten Bedingungen den Eintritt in LPG gestattete, änderte sich nichts an der Art des Umgangs mit ihnen.<837> Der VEAB als unerbittlicher Verfechter der Parteilinie stellte im Sommer 1955 bedauernd fest, über das ganze Jahr hinweg wäre kein Fall bekannt geworden, daß ein Erzeuger schuldenhafter Nichterfüllung des Viehhalteplanes wegen zur Verantwortung gezogen worden wäre. Dies trüge nicht dazu bei, "insbesondere die großbäuerlichen Elemente zur Erhaltung der demokratischen Gesetzlichkeit zu erziehen.“<838> Wie früher drohte der VEAB, Bauern bei “... böswilligem Verhalten ...“ hart zu bestrafen.<839>

Mit der Durchsetzung der Maßnahmen des "Neuen Kurses" verbesserte sich häufig vorübergehend die wirtschaftliche Situation der Großbauern. Der "Neue Kurs" gewährte ihnen und den Klein- und Mittelbauern eine kurze Atempause<840>, verzögerte aber den Fortgang der Umgestaltungen auf dem Lande insgesamt nur geringfügig.

Die SED-Führung handelte stets pragmatisch. Aus heutigem Blickwinkel ist in dem Eingeständnis der Fehlerhaftigkeit vorangegangener Politik in den ersten Junitagen des Jahres 1953 der Beginn eines


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elastisch geführten Rückzuggefechts der Parteispitze zu sehen. An dessen Ende - nach Beruhigung der politischen Situation - ging sie wieder zum Angriff im Sinne der zuvor verfolgten Linie über.

Unter den Großbauern des Kreises Haldensleben gab es keine Illusionen über ihre Zukunft als individuelle Produzenten in einer sich “sozialistisch“ nennenden DDR. Treffend drückte ein Großbauer aus Wedringen aus, was viele von ihnen intuitiv erkannten: “Man kann mir ja viel erzählen und versprechen, das Studium des Kommunistischen Manifestes sagt mir alles. Wir werden zur Zeit gebraucht, denn ich liefere mit meinen 250 Morgen als Ablieferungssoll

28 000 Liter Milch, wogegen die LPG mit ihren 1 200 Morgen nur 33 000 Liter zu liefern braucht. Die Berufskollegen meiner Klasse, welche so großzügig Stellungnahmen in der Zeitung abgeben, sind blind und einfältig. Sie kennen die Entwicklung nicht. Auf den gepackten Koffern brauche ich zwar nicht zu sitzen, aber auch für uns wird der Zeitpunkt kommen, wo wir abtreten müssen. Das "Wann“ - so äußerte er sich weiter - “werden wir zeitig genug erfahren und spüren - nur das 'Wie' ist noch ungeklärt.“<841> Er sollte recht behalten.

2.2.4 Die werktätigen Einzelbauern und die LPG

Die SED-Spitze sah in der führenden Rolle "der Arbeiterklasse auf der Grundlage eines festen Bündnisses mit der sich herausbildenden Klasse der Genossenschaftsbauern und den übrigen werktätigen Bauern" das tragende Moment bei der Umsetzung des Leninschen Genossenschaftsplans in der DDR im Verlaufe der fünfziger Jahre.<842> In allen Phasen des Umgestaltungsprozesses auf dem Lande betrachtete sie die Entwicklung dieses Verhältnisses als äußerst bedeutsame politisch-ökonomische Grundlage des DDR-Staates. Die Parteiführung berief sich dabei vordergründig in bekannter Manier auf Lenin, der betonte: "Die grundlegendste und wesentlichste Frage ist das Verhältnis der Arbeiterklasse zur Bauernschaft, ist die Fähigkeit der fortgeschrittenen Arbeiter, ... daß sie die Masse der Bauern, ... für sich gewinnen. Nur die Festigung des Bündnisses zwischen den Arbeitern und Bauern verbürgt die allgemeine Befreiung der Menschheit ..."<843>

In diesem Abschnitt der Arbeit indes sollen nicht umfassende theoretische Erörterungen über das Zusammmenwirken zwischen der Arbeiterklasse, den Genossenschaftsbauern und den werktätigen Einzelbauern im Mittelpunkt der Ausführungen stehen. Vielmehr werden ihr praktisches Verhältnis zueinander, Umfang sowie Art und Weise ihrer Unterstützung durch die Partei- und Staatsorgane untersucht.

Nach der 2. Parteikonferenz der SED im Juli 1952 richteten die Partei- und Staatsorgane ihre Anstrengungen verstärkt auf die sozialistische Entwicklung des Dorfes. So galt mit Beginn der LPG-Bildung das bisher ungeteilte Interesse der MAS nicht mehr den werktätigen Einzelbauern, sondern den jungen, jegliche Unterstützung benötigenden Genossenschaften. Ab dem Sommer 1952 setzten die MAS


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ihre moderne Technik primär in den LPG ein. In dieser Hinsicht traten für die werktätigen Einzelbauern Nachteile im Vergleich zu früher auf<844>, was jedoch nicht zur völligen Vernachlässigung des einzelbäuerlichen Sektors führte. Als Beleg hierfür sei angeführt: Im Jahre 1952 leisteten die MAS in der DDR bei den werktätigen Einzelbauern 2 429 600 Hektar mittleren Pflügens.<845> Das ZK der SED forderte von den

nachgeordneten Partei- und Staatsorganen, jede Unterschätzung der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Arbeit mit den werktätigen Einzelbauern zu unterbinden. In den individuell wirtschaftenden Klein- und Mittelbauern sah die Parteiführung die Genossenschaftsbauern von morgen. Doch gerade unmittelbar vor und zu Beginn der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft wuchs auch der ökonomische Druck auf die werktätigen Einzelbauern, verschärfte der Staat die Gesetzgebung und ahndete selbst kleinste Verfehlungen mit drakonischen Strafen.<846> Die SED-KL Haldensleben legte zumindest nach außen auf die Stabilität der Wirtschaften der werktätigen Einzelbauern Wert, beherzigte die vorgegebene Parteilinie. Variantenreich ließ sie nichts unversucht, werktätige Einzelbauern zum LPG-Beitritt zu bewegen. Auf ihren Sitzungen in den Jahren 1952 bis 1960 betonte sie mehrfach, von der Leistungskraft der Einzelbauernwirtschaften hänge perspektivisch die Stärke des genossenschaftlichen Sektors der Landwirtschaft ab. Die Verträge der MAS/MTS mit den werktätigen Einzelbauern sollten eingehalten und auf deren Äckern qualifizierte Arbeit geleistet werden; die Resultate wurden und werden ausführlich dargelegt.

Anfang Juli 1953 beschlossen das ZK der SED und die DDR-Regierung auf einer gemeinsamen Sitzung in Umsetzung der Maßnahmen des "Neuen Kurses", die MTS müßten die werktätigen Einzelbauern stärker unterstützen und die mit ihnen getroffenen Vereinbarungen exakter erfüllen. Von den staatlichen Organen und den Parteiorganisationen verlangte das Führungsgremium der SED, den werktätigen Einzelbauern hauptsächlich während der Erntezeit spürbare Hilfe zu geben. Im Zuge des "Neuen Kurses" ab dem Sommer 1953 durften die werktätigen Einzelbauern wieder mehr Maschinen und Geräte beziehen. Die örtlichen staatlichen Organe gewährten ihnen merkliche Unterstützung bei Ausbesserungsarbeiten an Stallungen, Scheunen und Wohngebäuden. Die BHG erhöhten ihr Warenangebot an Zement, Dachpappe sowie an Futtermitteln. Die SED-KL Haldensleben nahm die VdgB (BHG) in die Pflicht, auf eine enge Zusammenarbeit zwischen den individuell wirtschaftenden und den LPG-Bauern hinzuwirken und die gegenseitige Hilfe zu erweitern und zu vertiefen. Auf seiner 17. Tagung im Januar 1954 bekräftigte das ZK der SED vorangegangene Erklärungen. Es verlautbarte, Partei und Regierung hätten in den vergangenen Jahren der wirtschaftlichen Entwicklung der Betriebe der werktätigen Einzelbauern erhebliche Aufmerksamkeit gewidmet. Daran würde sich durch die verstärkte


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Bildung von LPG nichts ändern. "Partei und Regierung" - so hieß es in dieser Erklärung - "unterstützen auch weiterhin die individuell wirtschaftenden werktätigen Bauern ... Die Maschinen-Traktoren-Stationen sind verpflichtet, den werktätigen Einzelbauern sowie den landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften die größte Hilfe zu geben."<847> Diese neuerlichen Zusicherungen an die Adresse der werktätigen Einzelbauern bedeuteten nicht, daß die Parteiführung in ihren Bemühungen nachließ, diese für LPG zu gewinnen.

Mit Beginn der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft entstand in den Dörfern der DDR eine neue soziale Schicht, von der SED-Führung Klasse der Genossenschaftsbauern genannt. Sie war anfangs zahlenmäßig klein, entwickelte sich aber im Verlaufe der LPG-Bildung in weniger als einem Jahrzehnt zur wichtigsten sozialen Kraft auf dem Dorfe. Das Wechselverhältnis zwischen Genossenschafts- und werktätigen Einzelbauern beinhaltete viele Widersprüche, die sich im Verlaufe der Entwicklung im Sinne der von der Parteiführung vorgegebenen politisch-ökonomischen Linie als lösbar erwiesen.

Als abwägende, pragmatisch denkende Leute beobachteten die werktätigen Einzelbauern, zunächst mit Argwohn und überaus kritisch, die Entwicklung innerhalb ihres Dorfes, speziell der neugebildeten LPG. Neu- und Kleinbauern unter den werktätigen Einzelbauern ließen sich zumeist leichter zum Eintritt in die Genossenschaften bewegen als Altbauern, die Mittelbauernwirtschaften führten. U. a. lag dies daran, daß ihr Eigentumssinn längst nicht eine derart starke Ausprägung erfahren hatte, wie der der Mittelbauern. Oftmals befanden sich ihre Wirtschaften in labiler, ja auswegloser wirtschaftlicher Situation und schließlich gab es unter den Neu- und Kleinbauern mehr den gesellschaftspolitischen Wandlungen auf dem Lande gegenüber aufgeschlossene Bauern als in den anderen bäuerlichen Schichten: Zahlreiche Neubauern verdienten sich vor der Bodenreform ihr Brot als Landarbeiter, städtische Arbeiter oder Angestellte. Unter ihnen fielen sozialististische Ideen auf fruchtbareren Boden, als beispielsweise unter den Mittelbauern. Dennoch darf letztere Komponente nicht überschätzt werden.

Tatsächlich bestimmendes Kriterium für die Entscheidung, weiter als "freier" Bauer auf kleiner Scholle zu produzieren oder auf der Basis gemeinsamer Arbeit und genossenschaftlichem Eigentum große Flächen zu bearbeiten, sind beinahe immer die Leistungsfähigkeit der eigenen Wirtschaft bzw. der Entwicklungsstand der LPG im Ort und die jeweilige innergenossenschaftliche Atmosphäre gewesen. Verschiedentlich äußerten sich Einzelbauern öffentlich gegen den Zusammenschluß der Bauern in LPG, schnitten die LPG-Bauern, wo immer sich eine Möglichkeit dazu bot. Diese Art des Umgangs miteinander zeigte Wirkung. In jenen Dörfern, in denen keiner LPG angehörende Bauern den Genossenschaftsmitgliedern derart begegneten, sie ihnen ihre Abneigung beständig spüren ließen, griff Unsicherheit in diesen vorerst kleinen Gruppen von Menschen um sich.

Unverhüllte Aversionen gegenüber LPG traten aber lediglich in wenigen Dörfern des Kreises Haldensleben zutage. Das abfällige Verhalten gegenüber den Genossenschaften änderte sich in dem Maße, in dem sich diese allmählich wirtschaftliche Fortschritte erreichten und teilweise gar ihre


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Überlegenheit gegenüber den Einzelbauernwirtschaften zu beweisen vermochten. Das oftmals in Jahrhunderten gewachsene Zusammengehörigkeitsgefühl der nicht privilegierten bäuerlichen Schichten, zu denen die Klein- und Mittelbauern nun einmal gehörten, sorgte dafür, daß nicht unüberwindliche Barrieren die Beziehungen zwischen werktätigen Einzelbauern und den Genossenschaftsbauern prägten. Hinzu kamen die vielfältigen familiären Verflechtungen innerhalb des Dorfes. Sie schlossen eine erbitterte Rivalität von vornherein weitgehend aus, nicht aber familiäre Streitigkeiten.

So herrschte zwischen den werktätigen Einzelbauern und den LPG-Bauern ein im wesentlichen gedeihliches Miteinander, das gegenseitige Hilfe ohne Order von "oben" von vornherein einschloß. Beispiele hierfür finden sich im Kreis Haldensleben in Fülle. In Alleringersleben, Etingen, Erxleben, Mannhausen und Uhrsleben bildeten sich enge Wechselbeziehungen zwischen werktätigen Einzelbauern und LPG heraus, die auf gegenseitigem Geben und Nehmen basierten. Das Sekretariat der KL stellte hierzu im Bemühen, die Atmosphäre auf dem Lande künstlich anzuheizen, fest, damit sei der Versuch des Klassengegners<848> zerschlagen worden, die werktätigen Einzelbauern gegen die LPG aufzuhetzen. Wirtschaftsstarke werktätige Einzelbauern des Kreises Haldensleben unterstützten ungefestigte LPG verschiedentlich mit Maschinerie bei der Frühjahrsbestellung und der Ernte. Andererseits profitierten die werktätigen Einzelbauern von verbesserten und erprobten neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen, die üblicherweise zuerst in den LPG Eingang fanden und ihnen von dort vermittelt wurden.

In Fragen der Erhöhung der Produktion erhielten neugebildete LPG häufig fachlich ausgewogene Ratschläge von wirtschaftlich erfolgreichen werktätigen Einzelbauern. Für den Kreis Haldensleben traf dies vorwiegend auf die Viehwirtschaft zu, denn in diesem Produktionszweig gab es einige hervorragende Herdbuchzüchter. Die werktätigen Einzelbauern von Ackendorf, Beendorf, Bülstringen und Neuenhofe tauschten mit den LPG-Bauern dieser Gemeinden Produktionserfahrungen aus.<849> Bei der Getreideaussaat einschließlich der Beseitigung von Auswinterungsschäden brachten die werktätigen Einzelbauern und die Genossenschaftsbauern im Jahre 1954 den überwiegenden Teil des Saatgutes in gegenseitiger Hilfe auf. Gemeinsamkeiten zwischen den werktätigen Einzelbauern und Genossenschaftsbauern entwickelten oder festigten sich ebenfalls bei der Verschönerung der Dörfer. Sie gingen im Kreis Haldensleben gar soweit, daß Genossenschaftsbauern werktätige Einzelbauern vor einem LPG-Beitritt warnten und sie hinter vorgehaltener Hand darin bestärkten, am Einzelbauerndasein festzuhalten. LPG-Mitglieder machten werktätige Einzelbauern in einigen Orten auf intrigante Leitungen von LPG oder einen autoritären, jegliche Mitbestimmung ignorierenden Vorsitzenden aufmerksam, wie das in Satuelle der Fall war.

Andererseits bestand zwischen den werktätigen Einzelbauern und den Genossenschaftsbauern des Kreises eine gewisse Rivalität, gab es einen nichterklärten Wettbewerb um die größere ökonomische Effizienz.<850> Der mündete im Regelfalle nicht in Kontroversen, wenngleich häufig LPG-Mitglieder von der übrigen Dorfbevölkerung wenig pietätvoll, anfänglich jedoch im weitesten Sinne zutreffend, als


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"Hungerleider" tituliert wurden. Beide - und mit ihnen die gesamte Landbevölkerung - wußten sehr wohl:

Letztlich ging es um die Beantwortung der Frage, wer von den beiden - werktätige Einzelbauern oder LPG - über die größere Leistungsfähigkeit verfügte und damit die günstigste Variante der Interessenverwirklichung der Bauern darstellte.

Die Ergebnisse dieses inoffiziellen Wettbewerbs widerspiegelten sich in den internen Statistiken des Sekretariats der KL. Wiesen die LPG-Bauern bei bestimmten pflanzlichen oder tierischen Produkten Leistungen auf, die über denen der werktätigen Einzelbauern lagen, so fanden die Ergebnisse in die Presse Eingang. In solchen Fällen wiesen die Lokalredakteure in ihren Kommentaren auf die Vorzüge der sich entfaltenden sozialistischen Großproduktion hin. Kreissekretariat, Rat des Kreises und Presse bereiteten aber über jene Bereiche der landwirtschaftlichen Produktion beinahe stets den Mantel des Schweigens, in denen die werktätigen Einzelbauern dominierten,

Im Verhältnis zwischen werktätigen Einzelbauern und den LPG blieben Dissonanzen nicht aus. Unbehagen unter den meisten werktätigen Einzelbauern des Kreises - den Großbauern sowieso - lösten die gestaffelten MTS-Tarife aus, die LPG außerordentlich begünstigten, den Wirtschaften der verschiedenen Kategorien der Einzelbauern jedoch beträchtliche Kosten aufbürdeten; heftig gebeutelt wurden die Großbauern. Unterschwellig, teils gar offen auf Bauernversammlungen, solidarisierten sich werktätige Einzelbauern in verschiedenen Gemeinden des Kreises mit den Großbauern. Sie ersuchten darum, für alle Bauern, Bauern von Wirtschaften über 20 Hektar LN nicht ausgenommen, einheitliche MTS-Tarife einzuführen. Ihr Anliegen entsprach so gar nicht der Generallinie der Parteiführung beim Aufbau des Sozialismus auf dem Lande, dafür jedoch vollauf den Interessen der Einzelbauern. Die KL schmetterte es in billiger Weise als vom Klassengegner kommend ab. Sie ließ damit von vornherein keinerlei Diskussion in dieser Frage zu. Dadurch verlor sie weiter an Vertrauen und Glaubwürdigkeit bei den meisten einzeln wirtschaftenden Bauern des Kreises.

Zu Meinungsverschiedenheiten kam es gelegentlich, wenn es um die Festlegung der Anbau- und Viehhaltepläne ging. Dabei fühlten sich die werktätigen Einzelbauern mitunter gegenüber den LPG ebenso benachteiligt wie bei den ihrer Ansicht nach - verglichen mit den Genossenschaften - zu hoch veranschlagten Sollabgaben. Als Folge dieser Unzufriedenheit bestand in einigen Dörfern vorübergehend ein gespanntes Verhältnis zwischen frustrierten werktätigen Einzelbauern und den LPG. In Befolgung der Beschlüsse und Hinweise des

IV. Parteitags der SED vom Frühjahr 1954 bemühte sich das Kreissekretariat Haldensleben, durch eine gewisse Großzügigkeit und Toleranz in weniger wichtigen Belangen, sein Verhältnis zu den werktätigen


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Einzelbauern zu verbessern.<851> Die meisten von ihnen ahnten freilich unabhängig davon, daß sie in absehbarer Zeit eine Entscheidung über ihren weiteren Lebensgang würden fällen müssen. Sie konnte nur lauten, entweder in LPG einzutreten, in die Stadt abzuwandern oder aus der DDR zu fliehen. Wie in der gesamten DDR entschied sich im Kreis Haldensleben die absolute Mehrheit der Einzelbauern zum Bleiben.

Auch in den Jahren 1955/56 wies die Parteiführung die örtlichen staatlichen Organe und die Leitungen der MTS mehrfach daraufhin, nicht nur LPG, sondern gleichfalls werktätigen Einzelbauern Unterstützung zu gewähren. Nicht nur auf direktem Wege, auch durch Einbindung in Ständige AG gelte es, werktätige Einzelbauern für den Eintritt in LPG bzw. für den Zusammenschluß in LPG zu gewinnen. Im Gefolge der Ungarnunruhen im Spätherbst 1956 arbeiteten die MTS, um Mißstimmungen vorab nicht aufkommen zu lassen, kurzzeitig gar bevorzugt auf deren Feldern.<852>

Bestrebungen der Parteiführung, den örtlichen Organen der Staatsmacht mehr Verantwortung beim Aufbau des Sozialismus auf dem Lande aufzuerlegen, fanden in Gesetzesform ihren Niederschlag. Das Gesetz über die örtlichen Organe der Staatsmacht vom Jahre 1957 erhöhte deren Verantwortung für die Entwicklung der LPG, doch gleichfalls für die Wirtschaften der werktätigen Einzelbauern. Seine Verwirklichung sollte u. a. dazu beitragen, zukünftig mehr ökonomisch stabile Bauernbetriebe in LPG zu integrieren, solchermaßen bei deren wirtschaftlich-organisatorischer Festigung erhebliche Fortschritte zu erreichen und damit eine stärkere Anziehungskraft auf werktätige Einzelbauern ausüben zu können.<853>

Mit dem Fortgang der LPG-Bildung ging eine zunehmende Politisierung des Dorfes einher. Sekretäre, leitende Mitarbeiter und verschiedene Brigaden von Instrukteuren der KL sowie Führungskader der Räte der Kreise und wiederum Instrukteurbrigaden dieses Organs leisteten rege Agitationsarbeit. Sie versuchten den werktätigen Einzelbauern die Notwendigkeit und die Ziele der sozialistischen Großraumwirtschaft und den vermeintlichen Zusammenhang zwischen Ökonomie, Politik und der Erhaltung des Friedens nahezubringen und sie zum Eintritt in Genossenschaften zu bewegen. Die Gemeindevertretungen beriefen zum gleichen Behufe Bauernversammlungen unter Einbeziehung der gesamten werktätigen Einzelbauern ein, an denen auch ihre Frauen teilnahmen.

Die Anzahl neugegründeter LPG wuchs in unterschiedlichem Ausmaß, die Mitgliederzahl in bereits bestehenden nahm zu. In logischer Konsequenz verringerte sich damit die Anzahl der werktätigen Einzelbauern. Im Kreis Haldensleben verzeichneten die LPG bereits vor dem V. Parteitag der SED im Sommer 1958 eine merkliche Zunahme an Mitgliedern und LN. Nunmehr fanden mehr als zuvor wirtschaftlich gut gestellte Mittelbauern den Weg in die Genossenschaften. Ihr Beitritt half den Genossenschaftsbauern auf dem Wege zur Herstellung ihrer Rentabilität, stärkte ihr Selbstbewußtsein und übte eine gewisse Beispielwirkung auf noch individuell produzierende Bauern aus. Zu jenem Zeitpunkt von einem qualitativen Umschwung beim Aufbau des Soziaismus auf dem Lande zu sprechen,


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wäre aber verfrüht.

Nach der 2. MTS-Konferenz im Winter 1958 verstärkte sich der ökonomische Druck auf die werktätigen Einzel- und die Großbauern wiederum. Entgegen den von der Konferenz verabschiedeten verbindlichen Richtlinien bevorzugten die MTS die LPG eklatant, während sie auf den Feldern der werktätigen Einzelbauern nicht einmal mehr kleinere Maschinerie einsetzten. Mitunter versuchten LPG-Vorstände Traktorenbrigaden der MTS dahingehend zu beeinflussen, nicht bei Einzelbauern zu pflügen oder BHG zu veranlassen, werktätige Einzelbauern nur unzureichend mit Düngemitteln und Gerätschaften zu beliefern.

Auf einer Parteiaktivtagung der SED-Bezirksparteiorganisation Magdeburg im September 1958 gelangte zur Sprache, es würden bei den MTS Tendenzen auftreten, "nicht mehr auf den Feldern der Einzelbauern zu arbeiten ..."<854> Im Verlaufe des Jahres 1959 wiederum, als eine größere Zahl von Einzelbauern - darunter viele der emsig umworbenen Mittelbauern - LPG beitrat oder neue bildete, ließen die MTS von der ofensichtlichen Benachteiligung der werktätigen Einzelbauern ab. Sie erhielten in ähnlichem Maße Unterstützunge wie zuvor.<855>

Obwohl Partei- und Staatsorgane hartnäckig versuchten, "mittels ökonomischem Druck Einzelbauern in die LPG zu drängen"<856>, bestand bzw. bestanden Anfang 1959 im Bezirk Magdeburg in nicht mehr als in sieben Kreisen in jedem Dorf eine oder mehrere LPG. In 69 Gemeinden dieses Bezirks gab es noch keine LPG.<857>

Zu Beginn des Jahres 1960, in der Endphase der LPG-Bildung, wandte sich im Kreis Seehausen, Bezirk Magdeburg, eine Gruppe von Genossenschaftsbauern an die Einzelbauern des Kreises. Als ehemals wirtschaftsstarke Mittelbauern mit beträchtlichem Einfluß in ihren Dörfern appellierten sie per Flugblatt an die Einzelbauern des Kreises, sich den Veränderungen auf dem Lande nicht mehr zu verschließen und Mitglied einer LPG zu werden.<858> Mit Argumenten wie: "Solange ich noch gut leben kann, solange wirtschafte ich auf meiner Wirtschaft" oder: "Ich möchte meine Freiheit als Einzelbauer nicht aufgeben" verschlossen sich noch immer nicht eben wenige Einzelbauern den LPG.<859> Andererseits verhielten sich gefestigte LPG des Bezirkes Magdeburg in der Endphase der LPG-Bildung skeptisch zur Aufnahme von werktätigen Einzelbauern. Sie nahmen an, der Wert der Arbeitseinheiten (AE<860>) würde sich durch weitere, u. U. weniger leistungsfähige Betriebe, verringern.<861> In verschiedenen Fällen führte dies dazu, daß die Verschmähten neue Genossenschaften bildeten.

Das Widerstreben, die ausstehende Bereitschaft eines beträchtlichen Teils der individuell produzierenden Bauern, sich einer LPG anzuschließen, fand mit dem Abschluß der LPG-Bildung innerhalb des überaus


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kurzen Zeitraums vom Ausgang des Jahres 1959 bis zum Frühjahr 1960 ein jähes, ja abruptes Ende. Damit gehörte das Nebeneinanderbestehen von Wirtschaften werktätiger Einzelbauern - ja Einzelbauernbetrieben überhaupt<862> - und LPG der Vergangenheit an. Nach SED-Lesart hatte sich auf dem Lande die Klasse der Genossenschaftsbauern herausgebildet, deren Festigungsprozeß es mit allen Mitteln zu befördern galt.

2.2.5 Zur wirtschaftlich-organisatorischen Festigung der LPG des Kreises in der ersten Etappe ihrer Entwicklung

2.2.5.1 Die wirtschaftlich-organisatorische Lage der LPG am Beginn der Genossenschaftsentwicklung

Der wirtschaftlich-organisatorischen Festigung der neugebildeten LPG kam im Hinblick auf die Interessenverwirklichung der Genossenschaftsbauern eine Schlüsselstellung zu. Ohne eine stabile wirtschaftliche Grundlage ließen sich die materiellen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der LPG-Bauern - wenn überhaupt - lediglich auf einem niedrigen Niveau verwirklichen. Zum anderen übte nur eine gefestigte LPG, die rentabel arbeitete, deren AE Stabilität nachwiesen, in der ein geregeltes Arbeitsregime herrschte, deren Höfe einen gepflegten Eindruck hinterließen und deren Mitglieder den herkömmlichen moralischen Normen Genüge taten - kurzum eine gefestigte Produktionsgenossenschaft - Anziehungskraft auf Einzelbauern und Landarbeiter aus. Demzufolge richtete das Sekretariat der SED-KL Haldensleben seine Anstrengungen nicht nur auf die Bildung neuer LPG, sondern mit ähnlichem Aufwand auf die Festigung der bestehenden.

In der Anfangsphase der ländlichen Umgestaltungen bestanden in den LPG des Kreises große Schwierigkeiten bei der Organisation der gemeinschaftlichen Arbeit. Eine Erscheinung, die verständlich wird, beachtet man, daß zuvor das individuelle Wirtschaften die Art der Produktion wie das Denken und Handeln der Bauern bestimmte. Viele Genossenschaftsbauern hatten als werktätige Einzelbauern und Landarbeiter in AG zwar erste Erfahrungen in der kollektiven Arbeit gesammelt. Dennoch mußten sie noch lernen, organisiert gemeinschaftlich zu produzieren. Die meisten Genossenschaftsbauern arbeiteten zunächst, wie gehabt, nach alten Traditionen weiter. Es ist illusorisch anzunehmen, mit dem Eintritt in eine LPG hätten die Bauern abrupt ihre verwurzelten Denk- und Verhaltensweisen abgelegt. Nein, wie zuvor stand für die Mehrheit das Streben nach persönlichen Vorteilen im Mittelpunkt ihres Tuns. Ansichten wie "Jeder ist sich selbst der Nächste", "Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott!" prägten weiterhin das Handeln der Mehrheit der LPG-Mitglieder. Bis auf wenige Ausnahmen fiel es den Bauern schwer, in der LPG "ihren" Betrieb zu sehen, den es in gemeinschaftlicher Arbeit zu stärken und zu festigen galt und von dessen Gedeihen der Lebensstandard eines jeden Mitglieds abhing.

Besonders in den ersten Monaten nach Beginn der Veränderungen auf dem Lande traten in den LPG des


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Kreises schwerwiegende Mängel auf. Pünktlichkeit, Einhaltung der Arbeitszeit, Ordnung und Disziplin am Arbeitsplatz waren für jeden erfolgreichen Landwirt Selbstverständlichkeiten - nicht aber vorbehaltlos für die ersten Genossenschaftsbauern im Kreis. In einigen LPG ignorierte man die vorgesehene Anzahl der zu leistenden AE, in anderen wurde über die geleisteten Arbeiten der Genossenschaftsmitglieder nicht exakt Buch geführt.Verbürgt trat in einer LPG die Meinung auf, Arbeit nach Normen sei "unsozialistisch". Unter Nichtbeachtung des Leistungsprinzips<863> - welch unzulässige Gleichmacherei - erfolgte die Bezahlung tageweise.

Den dem Sekretariat politisch in der Regel genehmen, fachlich häufig unqualifizierten und in der Führung größerer Menschengruppen unerfahrenen Vorständen der jungen LPG mangelte es oft an Kenntnissen und Durchsetzungsvermögen für die Leitung eines größeren Wirtschaftsbetriebes, wie ihn die LPG darstellten. So kam es vor, daß die Mitglieder Naturalien erhielten, ohne daß sich die Genossenschaft vorher entsprechende Fonds, einschließlich des Reservefonds, angelegt hatte.

Eine große Anzahl von LPG-Mitgliedern richtete anfänglich ihr Hauptaugenmerk auf die Erzielung hoher Einkünfte aus der individuellen Hauswirtschaft und ließ dabei die Interessen der Genossenschaft außer acht.

In den Sommermonaten des Jahres 1952 war es verfrüht, Aussagen über die ökonomische Effizienz der wenigen soeben gegründeten LPG des Kreises Haldensleben zu treffen. Der Herbst mit der anstehenden Erntekampagne auf den Kartoffel- und Zuckerrübenfeldern und die darauffolgende Winterbestellung der Felder galten als erste wirkliche Bewährungsproben für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der jungen LPG. Trotz der genannten Schwierigkeiten vermochten einige LPG Ergebnisse zu erreichen, die den Mitgliedern Mut machten. Durch umsichtiges Zusammenwirken im Arbeitsprozeß gelang es den Genossenschaftsbauern der LPG Ackendorf, die Bergung der Hackfrüchte sowie die hundertprozentige Aussaat des Winterweizens bereits Ende November 1952 abzuschließen. In weiteren LPG, wie denen in Alleringersleben, Bebertal, Hasselburg und Neuenhofe, konnten gleichfalls durch sinnvolle Organisation des Arbeitsablaufs bescheidene Erfolge in der Produktion erzielt werden. Die LPG in den genannten Orten bewirkten damit ein erstes, weniger verächtliches Aufmerken unter den Dorfbewohnern.

Inwieweit die LPG des Kreises die Vorgaben des Volkswirtschaftsplanes für das Jahr 1952 tatsächlich erfüllten, ist den angegebenen Daten nur fragmentarisch zu entnehmen. Den Angaben zufolge erfüllte die LPG Haldensleben II den Plan mit 117,5 Prozent.<864> Angesichts der verständlichen Probleme in beinahe allen LPG sind Zweifel am Aussagewert dieser Zahlen durchaus angebracht, wie überhaupt die Angaben über jene Jahre mit einer gewissen Zurückhaltung zu betrachten sind.

Im Anfangsstadium der LPG-Bildung ging man im Kreis mit scheinbaren Versagern hart ins Gericht. Das


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Sekretariat der SED-KL beachtete dabei unzureichend die fehlende fachliche Qualifikation der leitenden Genossenschaftsmitglieder. Beging eine Leitung Fehler, verlangte die Mitgliederversammlung, inspiriert vom Sekretariat, die Einsetzung einer neuen. Daß man auf diese Art unliebsame Vorstandsmitglieder auf kaltem Wege eliminierte, ist nicht nur ein "Nebenprodukt" der Neuwahlen der jeweiligen LPG-Vorstände gewesen.

Was die Vorbereitung der ersten Frühjahrsbestellung nach Beginn des Umbruchs angeht, so ist in den Akten von einem engen Zusammenwirken zwischen LPG, Gemeinden, den MTS und deren PA sowie den VEG zu lesen. Allerdings vermerkte die KL mehrfach, in der Arbeitsweise der LPG beständen erhebliche Mängel. Erst in etwa der Hälfte von ihnen wären in den letzten Monaten die Grundlagen für eine wirksame genossenschaftliche Arbeit geschaffen worden. In den übrigen LPG träten erhebliche Fehler und Versäumnisse zutage.

Im Winter 1953 verlief die Entwicklung der LPG Hundisburg und Haldensleben II - beide vom Typ I - sowie die der LPG Groß Santersleben, Typ II, günstiger als die der übrigen LPG. In letztgenannter Genossenschaft arbeitete eine große Zahl ehemaliger Landarbeiter. Sie hatten einige Betriebe von Bauern übernommen, die in den Westen gegangen waren. Im Gegensatz zu den meisten von ihren Besitzern verlassenen Betrieben bestanden hier die Voraussetzungen für eine zügige Weiterentwicklung. Nach dem Willen des Sekretariats der KL sollte diese Genossenschaft zu "... einer der fortschrittlichsten ..." entwickelt werden.<865>

In der Gemeinde Hundisburg bewirtschaftete die LPG bereits den überwiegenden Teil der LN. Hier zeichneten sich erste Konturen der Vorteile einer genossenschaftlich betriebenen Großraumwirtschaft ab. Die LPG Haldensleben II bereitete das bevorstehende Wirtschaftsjahr - an sich eine Selbstverständlichkeit unter Landwirten, in den neugebildeten LPG nicht immer und daher in den Akten hervorgehoben - bei beträchtlichem Anstieg der Mitgliederzahl planmäßig vor.<866>

Unzulänglichkeiten bei der Planung und Organisation, vor allem aber die Mißachtung des Leistungsprinzips bei der Bewertung der Arbeit führten dazu, daß einige LPG nicht aus den Anfangsschwierigkeiten herausfanden. Zu diesen gehörten die LPG Bebertal und Emden.<867>

Differenziert entwickelten sich die Genossenschaften vom Typ III. In Uhrsleben und Ackendorf erreichten die Genossenschaftsbauern kleine Fortschritte in einigen Bereichen. Die Zusammenfassung des Viehs in gemeinsamen Stallungen konnte abgeschlossen werden. Die Produktionspläne sowie eine erste Betriebsordnung wurden erstellt und die Vorbereitungen für die Frühjahrsbestellung getroffen. Zu ihrer wirtschaftlichen Stabilisierung bedurften andere LPG vom Typ III, wie die in Döhren, Rottmersleben und Süplingen, noch der ständigen Hilfe und Beratung durch die Agronomen der MTS bzw. der VdgB (BHG).

In der Mehrzahl der LPG des Typs I und II überwogen ernsthafte Mängel. Diese Genossenschaften


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erhielten im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten Hilfe. Agronomen und Buchhalter von LPG mit geringeren Schwierigkeiten standen den noch weniger gefestigten bei der Erstellung von Produktions- und Brigadeplänen sowie der Berechnung der AE zur Seite.

Im Frühjahr 1953 wurden an AE vergütet: in LPG des Typs III 8,95 DM sowie 98,50 DM Bodenrente pro Hektar. In LPG des Typs I schwankten die Beträge von ca. 4 DM bis zu einer DM. Die Bodenrente lag abgestuft bei 80.-, 40.- und 30 DM.<868> Die staatliche Stützung der AE in LPG vom Typ III trug der Tatsache Rechnung, daß in diesen Genossenschaften die AE-Vergütung die wichtigste Einkommensquelle der Genossenschaftsbauern darstellte. Diese Bedeutung kam der AE-Vergütung in den LPG des Typs I nicht bei, in denen die Mitglieder ihre Haupteinkünfte aus der individuell betriebenen Viehwirtschaft erzielten.

In Verkennung der tatsächlichen Gegebenheiten schätzte das Kreissekretariat der SED im Frühjahr 1953 die Entwicklung der Mehrzahl der LPG bis auf wenige Ausnahmen im wesentlichen als gut ein.<869> In den meisten LPG des Typs I und II würden die Mitglieder mit Unterstützung der staatlichen Organe beginnnen, die Voraussetzungen für eine gemeinsame Viehhaltung zu schaffen, "um mit Beginn der Ernte zum Typ III übergehen zu können."<870>

Kleinere Fortschritte im Hinblick auf die wirtschaftlich-organisatorische Festigung der LPG zeigten sich am "Tag der Bereitschaft" im April 1953. Maschinen und Geräte eines großen Teils der LPG befanden sich in einem kaum zu beanstandenden Zustand, die Vorbereitungen für die Durchführung der Frühjahrsbestellung waren getroffen. Diese konnte bis Mitte April in allen LPG abgeschlossen werden.<871> In der LPG Schackensleben stieg die Leistung beim Pflanzen von Kartoffeln durch den Einsatz einer neuentwickelten Pflanzmaschine bei reduziertem Arbeitsaufwand.

Trotz des Hanges zur Schönfärberei übersahen das Sekretariat der SED-KL und der Rat des Kreises nicht die beträchtlichen Mängel in den Genossenschaften. Häufig übte das Sekretariat

der SED-KL geharnischte, im wahrsten Sinne des Wortes knallharte Kritik an der Arbeitsweise und den Zuständen in den LPG. Seine Hinweise und Beschlüsse, die bei Umsetzung zur Weiterentwicklung der Genossenschaften beigetragen hätten, fielen in den Anfangsjahren häufig auf dornige Erde. Sie fanden aus objektiven und subjektiven Gründen in den LPG selten Beachtung und Resonanz.

Zur weiteren Festigung sehr labiler LPG schlug die Abteilung Landwirtschaft der KL ihrem Sekretariat vor, in der ersten Junidekade 1953 jeweils einer Brigade von drei bis vier Mitarbeitern der KL für einen Tag die Anleitung einer LPG zu übertragen. Mit einer solchen kurzzeitigen Maßnahme durfte kaum eine Erhöhung des Festigungsgrades der Genossenschaften erreicht worden sein.

Rund ein Jahr nach Gründung der ersten LPG im Kreise Haldensleben wiesen beinahe alle


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Genossenschaften noch immer ähnliche Mängel wie in den ersten Wochen ihres Bestehens auf, sieht man von zeitweiligen Teilerfolgen einmal ab. Von einer Festigung konnte zu diesem Zeitpunkt nicht gesprochen werden.

Um objektiv einschätzen zu können, ob und in welcher Qualität in den folgenden Jahren bis Ende 1955 Verbesserungen im Hinblick auf die wirtschaftlich-organisatorische Festigung der Genossenschaften eintraten oder ob sie in Stagnation verharrten, seien eine Reihe der eben nur kurz behandelten Kriterien detaillierter und ausführlicher untersucht, die Aufschluß über diese Fragen geben.

2.2.5.2 Faktoren und Bedingungen zur Bewertung der wirtschaftlich-organisatorischen Festigung

Die Bewertung und Vergütung der Arbeitsleistungen

Das besondere Interesse eines jeden Genossenschaftsmitglieds galt der Bewertung seiner Arbeitsleistungen.<872> Als Maß- und Verrechnungseinheit für den Anteil eines LPG-Mitglieds am erwirtschafteten Gesamtprodukt fungierte die AE. Ihr Wert hing ab "... vom erzielten Ergebnis."<873> Die AE widerspiegelte die Bewertung der individuellen Arbeitsleistung eines LPG-Mitglieds an der genossenschaftlichen Produktion, fußte auf der Menge, die ein Genossenschaftsmitglied in einer bestimmten Zeit erarbeitet hatte und galt als ausschlaggebender Maßstab für die Höhe des Anspruchs eines Mitglieds an der Verteilung der Einkünfte der LPG. Die AE sollte auf technisch begründeten Arbeitsnormen basieren und so die Grundlage für eine gerechte Vergütung der Arbeit der Genossenschaftsbauern sein. Sie stellte gleichfalls den Richtwert für die qualitative Bewertung der Arbeit dar und wirkte somit als Bewertungsfaktor der genossenschaftlichen Arbeit.<874> Deshalb wurden sämtliche Arbeiten in Bewertungsgruppen eingeteilt. Die Einstufung eines jeden Genossenschaftsbauern nahm die Mitgliedervollversammlung vor.

Die materielle Vergütung der Genossenschaftsmitgieder aller drei Typen von LPG erfolgte nicht nur auf der Basis der während des Jahres geleisteten AE<875>, sondern auch auf der Grundlage eingebrachter bzw. zugeschriebener Bodenanteile. Darüber hinaus konnte sich jeder in einen der drei LPG-Typen eintretende Bauer auf Beschluß der Mitgliederversammlung eine persönliche Hauswirtschaft von maximal 0,5 Hektar LN einrichten.<876> Das Statut der LPG vom Typ III erlaubte Genossenschaftsbauern mit Familie eine ausgedehnte Tierhaltung.<877>

Für die Vergütung auf der Grundlage der AE und der Bodenanteile galt folgender Modus:


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  1. für AE wurde eine Geldsumme ermittelt - mindestens 7 DM pro AE - sowie ein Naturalanspruch in Mengeneinheiten Kartoffeln und/oder Getreide festgelegt;
  2. für Bodenanteile wurde lediglich ein Geldbetrag ermittelt.

Die Geldbeträge, die für AE und Bodenanteile zur Verteilung gelangten, ergaben sich aus den Nettoeinkünften der LPG, reduziert um die zu bedienenden genossenschaftlichen Fonds<878> Der zur Verteilung anstehende Geldbetrag - eine Mischgröße aus Arbeitslohn und Gewinnanteilen - wurde auf die AE-Summe und die Bodenanteile in Abhängigkeit vom LPG-Typ wie folgt aufgeteilt:

Traten Einzelbauern mit gleichgroßer Bodenfläche und ähnlicher Bodenqualität Genossenschaften vom Typ III bei, so konnte die Mitgliederversammlung durch einstimmigen Beschluß festlegen, "daß bei der Verteilung der Natural- und Geldeinkünfte der eingebrachte Boden nicht berücksichtigt wird, sondern die Verteilung ausschließlich nach geleisteten Arbeitseinheiten erfolgt."<882> Einige LPG räumten ihren Mitgliedern entsprechend den geleisteten AE einen bestimmten Kaufanspruch an Naturalien gegenüber ihrer Genossenschaft ein.

Zur Befriedigung elementarer Lebensbedürfnisse benötigte jedes Genossenschaftsmitglied laufende Einkünfte aus den Ergebnissen der genossenschaftlichen Arbeit. Bis zur endgültigen Abrechnung konnten die LPG-Mitglieder während des Jahres Geld- und Naturaleinkünfte als Vorschuß bis zu 70 Prozent des Planwertes der AE<883> in Anspruch nehmen.<884> Die Vorauszahlung erfolgte monatlich.

Die Restauszahlung für die geleisteten AE und den eingebrachten Boden nahmen die LPG nach den Ergebnissen der Jahresendabrechnung vor. Ihre Höhe ergab sich aus den von einem Mitglied während des ganzen Jahres geleisteten AE multipliziert mit dem Unterschiedsbetrag zwischen dem Vorschußwert der AE und ihrem endgültigen Wert.<885>

Die Möglichkeit des Aufbaus einer individuellen Hauswirtschaft ist nicht nur als Zugeständnis an den


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Eigentumssinn der ehemaligen werktätigen Einzelbauern zu verstehen.<886> Die Parteiführung betrachtete die "... individuellen Hauswirtschaften als eine notwendige Form der Verbindung gesellschaftlicher und persönlicher Interessen in den LPG."<887> "Der Kleinstbetrieb der privaten Hofwirtschaft blieb - vorwiegend in den ersten Jahren der LPG-Bildung - eine Notwendigkeit des Einkommenserwerbs und der Eigenversorgung mit Nahrungsmitteln."<888> Den meisten Genossenschaftsbauern diente sie als unentbehrliche zusätzliche Einkommensquelle. Bei solchen Agrarprodukten wie Eiern, Geflügel und Gemüse erzielten sie häufig einen hohen Anteil an der Gesamtproduktion der LPG. Die Einkommensverhältnisse der Genossenschaftsbauern verbesserten sich dadurch nicht unerheblich.

Den ersten LPG des Kreises bereitete es Schwierigkeiten, die Arbeit nach AE zu bewerten. Zumeist vergüteten sie die Tätigkeiten auf Stundenlohnbasis. So erfolgte in der LPG Satuelle trotz des Übergangs zum Typ III die Entlohnung der Genossenschaftsmitglieder im November/Dezember 1953 nicht wie im Statut gefordert nach AE, sondern nach Stundenlohn. Erst im Jahre 1954 sollte die Entlohnung nach AE vorgenommen werden, entschied der Vorstand.<889> Eine für die Entwicklung dieser Genossenschaft günstige Tendenz deutete sich in der LPG Etingen an. Hier wurde versucht, die Arbeitsleistungen konsequent nach AE zu bewerten. Inwieweit diese richtige Verfahrensweise die Interessen der Bäuerinnen berührte, mag ein Beispiel aus dieser Genossenschaft belegen. Eine Genossenschaftsbäuerin, vormals Landarbeiterin in einem einzelbäuerlichen Betrieb und dort monatelang ohne Bezahlung geblieben, erhielt vom Zeitpunkt ihres Genossenschaftsbeitritts am 1. Juni 1953 bis zum 1. De-zember 1953 folgende Vergütungen:<890>

 

für 210, 92 geleistete AE

1 581,90 DM,

desweiteren

 

527,30 kg Getreide,

 

 

175,00 kg Kartoffeln

und

 

18,90 kg Ölfrüchte.

Zweifelsfrei hatte sich für sie, zumindest in materieller Hinsicht, der Eintritt in die LPG gelohnt.<891>


179

In LPG, in denen die Arbeitsbewertung nicht oder nur teilweise nach AE vorgenommen wurde, suchte das Sekretariat der KL Abhilfe zu schaffen. Es ließ den für die betreffenden Genossenschaften zuständigen Agronomen und einen Mitarbeiter des Referats LPG beim Rat des Kreises exakte Arbeitsnormen ausarbeiten.<892>

Nach den konkreten Darstellungen über die Beachtung bzw. das Ignorieren des Leistungsprinzips in den LPG des Kreises ist es an dieser Stelle angebracht, hierzu eine weiterführende Analyse vorzunehmen. Die Durchsetzung des Leistungsprinzips in den LPG hing von einer Reihe objektiver und subjektiver Faktoren ab. Die wichtigsten seien genannt und knapp kommentiert:

Bei der Verteilung der Produkte mißachteten die neugebildeten LPG oftmals die Statuten. Eine Reihe von Genossenschaften führte im Jahre 1953 die Verteilung so durch, wie es der Produktionsplan vorsah.


180

Dafür bestanden in den meisten LPG des Kreises nach unterdurchschnittlichen Ergebnissen bei der Getreide- und Ölfruchternte jedoch keine realen Grundlagen. Dementsprechend wäre es laut Statut erforderlich gewesen, die Ernteerträge nochmals auf die einzelnen Fonds sowie die AE und den eingebrachten Boden zu verrechnen.<894> Die Verteilung von Kartoffeln nach dem eingebrachten Boden und den erzielten AE nahmen die LPG allerdings statutengerecht vor.

Beispielgebend für die anderen LPG des Kreises erfolgte die Verteilung der Produkte in der LPG Hundisburg. In dieser LPG erhielten die Mitglieder ihren Anteil am Ernteertrag nach AE und eingebrachtem Boden unter Berücksichtigung der Abgaben für den unteilbaren Fonds<895>, den Saatgut- sowie den Futterfonds.<896> Gemessen an dem insgesamt unbefriedigenden Verlauf der wirtschaftlich-organisatorischen Festigung der LPG des Kreises in den ersten Jahren des Aufbaus des Sozialismus auf dem Lande ist die Entwicklung der LPG Hundisburg, Typ III, als eine positive Ausnahme anzusehen. Hier bestanden Ansätze, was die Erhöhung der Effektivität der genossenschaftlichen Arbeit anging. Im ersten Quartal des Jahres 1954 gelang es dieser LPG, 80 Prozent der AE über Erlöse zu decken.<897> Die LPG zahlte die AE nicht in voller Höhe aus. Am jeweiligen Monatsende erhielten die Mitglieder pro AE 6,50 DM, nach dem Jahresabschluß weitere 0,50 DM pro geleisteter AE erstattet.<898> Die vorerst einbehaltenen Anteile an AE nutzte die LPG zur Deckung laufender Ausgaben.

Verschiedentlich trat - wie in der LPG Eimersleben - "Gleichmacherei" im Rechnungswesen der LPG zutage. Der Vorstand verkannte die Wichtigkeit ordnungsgemäßer Rechnungsführung und schenkte weder Buchhaltung noch Belegwesen die notwendige Aufmerksamkeit. Oft erfolgte die Buchführung lückenhaft und wenig systematisch. Diese Genossenschaft verzichtete noch im Frühjahr 1954 auf die Führung eines Bodenbuchs und der Mengenbücher. Da die Brigadiere über die geleisteten AE nicht Buch führten, erhielten die Mitglieder allesamt - unter Außerachtlassen des Leistungsprinzips - gleiche Beträge.<899> Ein Beispiel, das im Kreis viele Nachahmer fand. Es erschwerte bzw. unterband die wirtschaftliche Festigung der LPG, in denen wie beschrieben verfahren wurde. Die LPG Uhrsleben hingegen honorierte zuvorderst die Arbeitsleistungen, in dem sie 85 Prozent der Einkünfte nach geleisteten AE und nur 15 Prozent für den eingebrachten Boden verteilte.<900>

Die Organisation der Arbeit im Anfangsstadium der LPG-Bildung

In der Anfangsphase der LPG-Bildung besaßen die Vorstände der Genossenschaften keine Erfahrungen


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zur Führung eines landwirtschaftlichen Großbetriebes. Legte vormals jeder Einzelbauer den Ablauf seines Arbeitstages fest, so standen die Vorstände der LPG nun vor der Aufgabe, den Arbeitsablauf für eine mehr oder minder große Zahl von Genossenschaftsbauern sinnvoll zu organisieren und sie entsprechend ihren Fähigkeiten einzusetzen. Mit der Erhöhung der Mitgliederzahl der LPG ging die Erweiterung der genossenschaftlichen Flächen einher. Das Inventar und - bei LPG vom Typ III - die Viehbestände wuchsen an. Daraus entstanden den Vorständen fortwährend neue Aufgaben, denen sich anfangs viele nicht gewachsen zeigten.

Auf dem Wege zu einer fundierten Arbeitsorganisation standen die LPG vor diesen schwierigen Problemen:

Diese allgemeinen Feststellungen zur Arbeitsorganisation lassen erkennen, daß für die anfänglichen Mängel in der Arbeitsorganisation der LPG durchaus subjektive Gründe heranzuziehen sind. Eine ähnliche Bedeutung kam jedoch zweifelsfrei den schwierigen objektiven Bedingungen zu.

Als wichtigsten Aspekt für die wirtschaftliche Festigung der LPG bezeichnete das Sekretariat der SED-KL die konsequente Durchsetzung des Leistungsprinzips, verbunden mit der Verbesserung der Arbeitsorganisation. Vom wohldurchdachten, präzise organisierten Arbeitsablauf einer LPG hing in bedeutendem Maße ihre wirtschaftliche Entwicklung und Festigung ab. Zu den qualitätsbestimmenden Faktoren des Niveaus der Arbeitsorganisation gehörten das genaue Festlegen der Arbeitsaufgaben der LPG-Mitglieder, die Zusammenstellung der ständigen Produktionsbrigaden<902> nach den Fähigkeiten und Kenntnissen eines jeden Mitglieds, der sinnvolle Einsatz von Maschinen und Geräten und die Gewährleistung eines durchgängigen Produktionsablaufs.<903>


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In beinahe allen LPG traten in den ersten Jahren in der Arbeitsorganisation Mängel unterschiedlichen Ausmaßes auf. Viele Genossenschaften stellten keine festen Arbeitsbrigaden zusammen, obwohl die Musterbetriebsordnung für LPG dies vorschrieb.<904> Die Mitglieder werkelten wie zuvor als Individualisten. Andererseits trat in Erscheinung, daß in den LPG zwar die Arbeit in Brigaden, doch nicht auf der Grundlage von exakt erstellten Brigadeplänen vonstatten ging. Solche LPG bewerteten in der Regel die erbrachten Arbeitsleistungen nicht auf der Basis von AE.<905> Als Folgeerscheinungen traten vermindertes Interesse an der Erhöhung der Arbeitsproduktivität zutage, wodurch sich die Durchsetzung einer effektiven Arbeitsorganisation erschwerte. Das Sekretariat der SED-KL kritisierte, daß vorwiegend in LPG mit beträchtlichen Mängeln in der Arbeitsorganisation, die Bewertung der Arbeitsleistungen zumeist nicht nach AE, sondern nach geleisteten Arbeitsstunden erfolgte. In solchen LPG seien die Mitglieder überaus auf die Wahrung ihrer individuellen Vorteile bedacht.<906>

Den engen Zusammenhang zwischen Arbeitsorganisation, Bewertung der Arbeitsleistungen und Arbeitsergebnissen bestätigte das Beispiel der LPG Hundisburg. Der Vorstand verstand es, die anstehenden Arbeiten durchdacht zu planen. Die Brigadiere bewerteten die Arbeit nach dem Leistungsprinzip. Abgesehen von einigen Verfehlungen wahrten die Mitglieder Disziplin im Arbeitsprozeß. Die Ergebnisse dieser LPG bewiesen die Richtigkeit des eingeschlagenen Weges. Die Bedeutung der Arbeitsorganisation für die Festigung der LPG verdeutlichte auch das negative Beispiel der Genossenschaft in Uthmöden, in der sich keinerlei Produktionserfolge einstellten und die sich Ende 1953 auflöste. Folgt man den Aussagen der Mitglieder, lag ein Grund dafür in der mangelhaften Arbeitsorganisation.<907> In Bebertal wiesen die Austrittserklärungen einen einheitlichen Tenor aus: Die Genossenschaft würde es nicht verstehen, den Arbeitsablauf effektiv zu gestalten und dadurch unrentabel arbeiten. Hier gesellte sich noch der Unglaube hinzu, daß sich in der LPG in absehbarer Zeit wirtschaftliche Erfolge einstellen könnten. Lethargie kam in den Worten des Buchhalters zum Ausdruck, der erklärte, daß ein Produktionsplan für die LPG nicht mehr ausgearbeitet werden müsse, "zu Weihnachten beständen ohnehin keine LPG mehr."<908>

Um Fortschritte in der Organisation der Arbeiten nach Arbeitsnormen sowie eine bewußtere Arbeitseinstellung der Mitglieder zu erreichen, ordnete das Sekretariat der KL verschiedene Maßnahmen an. Zu ihnen gehörte, die LPG-Brigadiere regelmäßig zu Schulungen zusammenzufassen. Ab dem Frühsommer 1954 fand künftig einmal in der Woche in jedem MTS-Bereich eine Schulung der Brigadiere statt. Sie erhielten Weisung, die auszuführenden Arbeiten langfristig zu planen und den Produktionsablauf nicht dem Selbstlauf zu überlassen. Die erhofften Verbesserungen blieben indes aus.


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Zu Fragen der Arbeitsdisziplin

Von der Arbeitseinstellung der Genossenschaftsbauern hing wesentlich die Erhöhung der Produktionsleistungen und das "Betriebsklima" in den LPG ab. Deshalb kam es in den Genossenschaften darauf an, ein strenges Arbeitsregime nach den damals in der DDR geltenden Maximen durchzusetzen. Das ständige pünktliche Erscheinen am Arbeitsplatz, die Einhaltung und Ausnutzung der Arbeitszeit, die sorgfältige Erledigung der Arbeitsaufgaben, der gewissenhafte, pflegliche Umgang der LPG-Mitglieder mit den ihnen anvertrauten Produktionsmitteln, gegenseitige Hilfe und - ein besonderes Problem in den jungen LPG - der Verzicht auf Alkohol in der Arbeitszeit mußten allmählich zu Selbstverständlichkeiten im Arbeitsleben der LPG-Mitglieder werden.

Für die meisten ehemaligen werktätigen Einzelbauern bedeutete der Übergang zum gemeinsamen Wirtschaften eine große Umstellung, die sie nicht komplikationslos verkrafteten. Früher für den Fortgang und das Gedeihen ihrer Betriebe allein zuständig, ließen eine Reihe von ihnen mit dem Eintritt in eine LPG jegliches Verantwortungsbewußtsein für das Ganze vermissen. Nicht wenigen bereitete die Unterordnung unter einen einheitlichen Willen Schwierigkeiten. Andere betrachteten "ihre" LPG als eine Einrichtung zur persönlichen Bereicherung, der sie wenig zu geben bereit waren. So richtete auch im Kreis Haldensleben ein Teil der Genossenschaftsbauern sein vornehmliches Augenmerk auf das Betreiben seiner individuellen Hauswirtschaft. Die Genossenschaftsbauern betrachteten ihre individuelle Hauswirtschaft beinahe ausnahmslos als ihre Haupteinnahmequelle, für deren Gedeihen sie sich häufig am genossenschaftlichen Eigentum vergingen.

Das Niveau der Arbeitsmoral beeinflußte maßgeblich ein Gesichtspunkt, den die LPG-Vorstände - im Kreis Haldensleben wie andernorts in der DDR - lange Zeit außer acht ließen: die allseitige Durchsetzung des Leistungsprinzips! In LPG, in denen das Prinzip der Entlohnung nach der Leistung Anwendung fand, arbeiteten die Genossenschaftsmitglieder engagierter. Zumindest in Teilbereichen nahm die genossenschaftliche Produktion eine günstigere Entwicklung als in LPG, die die Arbeit nach geleisteten Stunden bewerteten.

In welche Richtung sich die die Arbeitsdisziplin in den LPG entwickelte, hing nicht unwesentlich vom Auftreten und Verhalten leitender LPG-Mitglieder im Arbeitsprozeß ab.<909>

Schließlich kam bei der Festigung der Arbeitsmoral den individuellen Charaktereigenschaften der LPG-Mitglieder eine gewichtige Rolle zu. Die Landarbeiter, die durch die Übernahme von ÖLB durch LPG in die Genossenschaften gelangten, brachten oft eine sehr ichbezogene Arbeitseinstellung ein. Andere unter ihnen fühlten sich unzureichend in die Belange ihrer LPG einbezogen. Diese tatsächliche oder nur subjektiv empfundene Benachteiligung schlug sich oftmals in Desinteresse an den genossenschaftlichen Arbeitsaufgaben nieder.


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Die Bemühungen um eine hohe Arbeitsdisziplin in den LPG galt es ständig wachzuhalten. Sie garantierten längerfristig verbesserte ökonomische Ergebnisse.

In den LPG des Kreises Haldensleben blieb die Durchsetzung einer hohen Arbeitsdisziplin der Genossenschaftsmitglieder zwecks Befriedigung ihrer persönlichen, gemeinschaftlichen und darüber hinaus der gesamtgesellschaftlichen Interessen für längere Zeit Illusion. Den Worten des Sekretärs für Landwirtschaft der KL, der sinngemäß ausführte, daß durchaus nicht immer die besten Bauern den Weg in die LPG beschritten hätten, ist ohne Einschränkung beizupflichten. Einige Beispiele hierfür seien aufgeführt.

In den LPG Erxleben und Wedringen herrschte in der Periode der Einbringung der Hackfruchternte im Herbst 1954 eine unglaublich negative Arbeitsmoral. So erschienen in Erxleben von 168 Genossenschaftsmitgliedern nicht mehr als 25 regelmäßig zur Arbeit.<910> In Wedringen bequemten sich die Mitglieder in dieser für die Landwirtschaft so hochwichtigen Arbeitsphase, nicht mehr als fünf Stunden am Tage zu arbeiten.<911> Sind diese beiden LPG eine Institution für Faulenzer gewesen? Diese Frage drängt sich selbst dem unvoreingenommenen Betrachter auf.

Als konkrete Ursachen für die offensichtliche Arbeitsunlust in diesen LPG und einer größeren Zahl anderer seien genannt:

Nach ihrer Feststellung übte das Sekretariat der SED-KL nicht etwa Kritik an Mitgliedern und Vorständen. Vielmehr stellte es sich schützend vor sie, lastete ihr grobes Fehlverhalten dem Einfluß des "Klassengegners" an! Dieser mußte im Kreis Haldensleben zuweilen dann herhalten, wenn es Schwierigkeiten bei der Bildung und Festigung der LPG gab. Darüber ist an anderer Stelle bereits geredet worden. Die Arbeitsmoral in den beiden LPG habe sich nach verschiedenen Diskussionen der Mitglieder verbessert, ist in den Akten zu lesen. In Erxleben gingen nun 80 Prozent der LPG-Bauern ständig zur Arbeit.<913>


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Gewiß handelte es sich dabei um eine Wendung zum Besseren. Mit einer derartigen Arbeitseinstellung konnte aber keine Erhöhung des Wertes der AE, der entscheidend von den Produktionsleistungen der Genossenschaftsbauern abhing, erreicht werden. Gleichfalls während der Hackfruchternte genossen die Mitglieder der LPG Altenhausen das Wochenende, indes die Brigaden aus den Städten auf ihren Äckern die Rüben bargen.<914> Fälle ähnlicher Art gab es weitere. Sie bildeten eine der Ursachen für den beschwerlichen Fortgang der Festigung der LPG des Kreises.

Mangel an Arbeitskräften<915>

Ein akutes Problem in den meisten LPG blieb über Jahre hinweg der Mangel an Arbeitskräften. Es verschärfte sich noch, wenn eine LPG einen ÖLB übernahm. Wie bereits erwähnt, erstreckten sich diese Betriebe teils über große Flächen, die aber nur wenige Landarbeiter bestellten. Bei der Einbeziehung von ÖLB in LPG sahen sich die Genossenschaften schon ihres ohnehin dünnen Arbeitskräftebesatzes wegen vor größere Schwierigkeiten gestellt, die Feldarbeiten in ansprechender Qualität zu verrichten sowie die Ernte termingerecht und verlustlos zu bergen. Das Manko fehlender Arbeitskräfte - qualifizierter sowieso - vermochte im Betrachtungszeitraum weder der zunehmende - doch nicht ausreichende - Einsatz von leistungsfähigen Maschinen und Geräten noch die Hilfe von Saisonkräften gänzlich zu kompensieren.

Die innergenossenschaftliche Demokratie in den LPG<916>

Die sich marxistisch-leninistisch nennende Agrartheorie entwickelte Prinzipien der innergenossenschaftlichen Demokratie, die im wesentlichen in folgendem bestanden:<917>

Die Durchsetzung der Prinzipien der innergenossenschaftlichen Demokratie sollte im Zusammenwirken mit anderen Faktoren dazu beitragen, die Genossenschaftsbauern im Produktionsprozeß zu hoher Leistungsbereitschaft anzuregen, die Arbeitsproduktivität in den LPG zu erhöhen sowie alle Genossenschaftsmitglieder aktiv in die Umgestaltungen auf dem Lande einzubeziehen.

Wie sah es nun mit der Durchsetzung der wichtigsten Grundsätze der innergenossenschaftlichen Demokratie in den LPG des Kreises Haldensleben in den Jahren 1952 bis 1955 aus?

Das Sekretariat der SED-KL achtete seit Beginn der LPG-Bildung auf ihre formale Wahrung und betonte, die Genossenschaften könnten eigenständig über ihre Belange entscheiden. Es setzte sich jedoch dann über den Willen der Vollversammlung der Genossenschaftsmitglieder hinweg, wenn diese Festlegungen traf, die mit seinen Vorhaben nicht in Einklang standen.

In den neugebildeten LPG fanden die Mitgliederversammlungen, die Beratungen und die Rechenschaftslegungen der Vorstände zumeist innerhalb der vorgesehenen Fristen statt.<920> Entscheidungen über wichtige Gesichtspunkte der Entwicklung der jeweiligen LPG erfolgten in der Regel entsprechend den Festlegungen der Musterstatuten. Ausgiebig diskutierten die Genossenschaftsbauern in den LPG Bösdorf und Eimersleben über den Inhalt des Statuts ihrer LPG. Im Hinblick auf die Rechte und Pflichten der Genossenschaftsbauern gab es in diesen LPG differenzierte Meinungen.<921> Gerade in diesem Zusammenhang kam es zu einer Reihe von Verstößen. In der LPG Satuelle bediente sich der Vorsitzende außerordentlich autoritärer Methoden, in der LPG Rottmersleben bildete ein Familienklüngel die Leitung, der versuchte, wo immer es ging, Vorteile zu erlangen.

Während im Kreis Haldensleben alle neugegründeten LPG Aktivs zur Übernahme und Bewertung des eingebrachten Bodens und des Inventars bildeten, ging die Schaffung von Normenaktivs nur sehr langsam vor sich. Doch gerade ihre Einrichtung galt als eine grundlegende Voraussetzung für die Bewertung der Arbeiten nach dem Leistungsprinzip und als äußerst wichtiger Stimulus für die ökonomische Entwicklung einer jeden LPG. Schwer verständlich ist, daß die SED-KL Haldensleben über Jahre hinweg eine solche Inkonsequenz und Halbherzigkeit einer Reihe von LPG-Vorständen duldete, daß die Parteiorganisationen der Genossenschaften nicht Maßnahmen ergriffen, diesen für die Fortentwicklung einer jeden LPG äußerst hinderlichen Zustand zu beenden. Die "Gleichmacherei" hielt


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das Gros leistungsstarker werktätiger Einzelbauern bis zum Abschluß der LPG-Bildung davon ab, in eine Genossenschaft einzutreten.

Von Anbeginn aber versäumten die Gremien der meisten LPG, regelmäßig und gewissenhaft die Erfüllung der auf verschiedenen Ebenen gefaßten Beschlüsse in den LPG auf ihre Verwirklichung hin zu überprüfen. Dem Rat des Kreises und der Abteilung Landwirtschaft der SED-KL unterlief die gleiche Unterlassung. Trotz vieler selbstkritischer Äußerungen der betreffenden LPG sowie der zuständigen Partei- und Staatsorgane, änderte sich dieser Zustand in den ersten Jahren der LPG-Bildung nur geringfügig.

Die ÖLB des Kreises

Mit der Übernahme der Ländereien der ÖLB gesellten sich in den LPG, die devastierte oder von ihren Besitzern verlassene Bodenflächen übernahmen, fast immer zu den bestehenden neue Probleme hinzu; einige sind bereits genannt worden. Der Kreis Haldensleben wies im Bezirk Magdeburg die höchste Anzahl an ÖLB auf. Diese Gegebenheit ist nicht vorrangig auf die Grenznähe zurückzuführen, die die Fluchtpläne DDR-müder Bauern begünstigte.<922> Es ist auch nicht erwiesen, daß die SED-KL, die Staats- und Justizorgane hier härter als in anderen Kreisen des Bezirkes Magdeburg gegen Einzelbauern bei Nichterfüllung ihrer ökonomischen Verpflichtungen vorgingen und diese daraufhin ihre Betriebe verließen. Der entscheidende Fakt ist in der im Vergleich zu anderen Kreisen relativ großen Zahl an Einzelbauernbetrieben zu sehen. Logischerweise konnten sich unter denen - für den Kreis Haldensleben traf dies zu - von vornherein mehr devastierte oder von ihren Besitzern verlassene Einzelbauernbetriebe befinden als in Kreisen mit weniger bäuerlichen Betrieben.

Die immensen Schwierigkeiten bei der Festigung und Entwicklung der Genossenschaften lassen sich z. T. auf die Übernahme von ÖLB durch LPG zurückführen. Die ÖLB des Kreises befanden sich in der absoluten Mehrzahl in einem abgewirtschafteten Zustand, der nicht nur mit fehlerhafter Arbeit der eingesetzten Betriebsleiter oder mangelndem Leistungswillen der dort beschäftigten Landarbeiter - oft Frauen und Jugendliche - zu erklären ist. Die übernommenen Äcker waren beinahe immer sehr vernachlässigt, die Gebäude und Stallungen verfallen, das Vieh unterernährt und das Inventar verschlissen. Hinzu kam die Streulage der übernommenen Gehöfte und Flächen, die eine komplikationslose Bewirtschaftung erschwerte. Häufig rentierte es sich deshalb nicht, größere Technik der MTS einzusetzen.

Ein beredtes Beispiel für die zusätzlichen Belastungen, die sich eine Genossenschaft angesichts ihrer eigenen Misere mit der Übernahme eines ÖLB auflud, bildete die LPG Satuelle. Ihre Flächen bestanden größtenteils aus ehemaligen ÖLB-Ländereien. Die zu den Bodenarealen der ehemaligen Einzelbauern


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hinzugekommenen Äcker wiesen die beschriebenen Mängel auf. Sie lagen ungünstig und die Bodenwertzahl - deprimierend für einen landwirtschaftlichen Betrieb, der um seine Festigung rang - pendelt hier um die 25. Zum Vergleich: In den im Süden des Kreises Haldensleben gelegenen Gemeinden - dem "Bördeteil" - liegen die Bodenwertzahlen zwischen 70 und 90.

In LPG, deren Situation sich durch die Übernahme von ÖLB-Betrieben weiter erschwerte, blieben wirtschaftliche Erfolge eine Mangelerscheinung. Sie dümpelten in der ersten Etappe der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft im wahrsten Sinne des Wortes vor sich hin. Am Ausgang des Abschnitts wird von den ÖLB in anderer Hinsicht nochmals die Rede sein.

Die Vergabe von Krediten

Zu ihrer wirtschaftlich-organisatorischen Festigung und Weiterentwicklung erteilte die Deutsche Bauernbank den LPG kurz- und langfristige Kredite.

Kurzfristige Kredite erhielten die LPG zur Begleichung der Produktionsausgaben wie u. a. den Kauf von Saatgut, Handelsdünger, die Bezahlung von Arbeiten der MTS, kleinere Reparaturen an Gebäuden, Geräten und Maschinen. Weiterhin konnten die LPG derartige Kredite für Vorschüsse des ermittelten Geldwertes der AE beanspruchen, allerdings nicht mehr als 70 Pro-zent des geplanten Wertes der AE.<923>

Die LPG versuchten, die kurzfristigen Kredite durch die Ernteerträge und die Erlöse aus der Viehwirtschaft an die Deutsche Bauernbank zurückzuerstatten. Dies gelang längst nicht allen.

Als Grundlage für die im Laufe des Jahres aus kurzfristigen Krediten zu tätigenden Produktionsausgaben diente der von der Mitgliederversammlung zu bestätigende Produktions- und Finanzplan. In dieser Frage bestand für die Mitglieder ein gewisses Mitspracherecht. Vergrößerte sich innerhalb eines Jahres die LN einer LPG oder dehnte sie ihre Produktion aus, lag es in ihrem Ermessen, zusätzliche Kreditanträge zu stellen.

Um das Risiko ungedeckter Kredite<924> zu vermeiden, hatte die Buchhaltung der jeweiligen LPG monatlich die Höhe der erreichten Geldeinnahmen und der getätigten Geldausgaben zu überprüfen.

Die Ausreichung langfristiger Kredite an LPG direkt auf dem Überweisungswege durch die Deutsche Bauernbank sollte dazu beitragen, die genossenschaftliche Produktion zu erhöhen und "... die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft zu einem modernen, sozialistischen, genossenschaftlichen Großbetrieb aufzubauen und auszurüsten."<925> Maßgebend für ihre Gewährung war


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für die Deutsche Bauernbank der bestätigte Produktions- und Finanzplan der jeweiligen LPG.

Die vom Ministerium für Finanzen der DDR festgelegten Tilgungssätze für langfristige Kredite erstreckten sich für lebendes Inventar über einen Zeitraum von 10 Jahren.<926> Die Tilgung langfristiger Kredite erfolgte aus den Mitteln des unteilbaren Fonds.

Für größere Reparaturen an Gebäuden und Maschinen bestand ebenfalls die Möglichkeit, langfristige Kredite zu beantragen.

Langfristige Kredite für den Kauf von Vieh, Gebäudeeinrichtungen, Transportanlagen und

-geräten, Werkzeugen, Betriebs- und Geschäftsausstattung erhielten die LPG dann genehmigt, wenn "die Neuanschaffung im Produktions- und Finanzplan durch die Mitgliederversammlung

bestätigt ..." und die für die Lieferung zuständigen Betriebe die Lieferverpflichtung für das bevorstehende Planjahr übernahmen.<927>

Für die ersten Jahre des Umbruchs auf dem Lande finden sich in den Archivalien keine zusammenfassenden Auflistungen über die Gesamthöhe der an LPG ausgereichten Kredite und keine aufgeschlüsselten Daten über einzelnen LPG zugestandenen Kredite. Die zugänglichen fragmentarischen Angaben entbehren dennoch nicht einer gewissen Aussagekraft. So bekam die LPG Satuelle, die in der Festigung kaum auf Fortschritte verweisen konnte, Anfang 1954 eine Wirtschaftsbeihilfe von 25 000 DM eingeräumt.<928> Die problemüberhäufte LPG Süplingen - ihre Flächen setzten sich aus devastierten Betrieben und Pachtländereien zusammen, daher resultierten u. a. ihre besonderen Schwierigkeiten - erfüllte den Viehhalteplan in für die wirtschaftlich-organisatorische Festigung entscheidenden Positionen nicht. Um die Produktion aufrecht zu erhalten, erhielt sie für das Wirtschaftsjahr 1954 einen Überbrückungskredit in Höhe von 164 000 DM.<929>

2.2.6 Zur Lage der LPG am Ende des ersten Fünfjahrplanes

Am Ende des Betrachtungszeitraums lag der Schwerpunkt bei der Entwicklung der LPG weiterhin auf der wirtschaftlich-organisatorischen Festigung. Selbst angesichts der ungünstigen Ausgangssituation vieler LPG stellten sich für den Fortgang der LPG-Bildung dringend notwendige Fortschritte in wirtschaftlich-organisatorischer Hinsicht nur in geringem, unbefriedigendem Maße ein. Das Sekretariat der SED-KL sah sich zu dem Eingeständnis genötigt, daß die Hinweise und Beschlüsse des 17. bzw. 21. Plenums zur Weiterentwicklung der LPG - die Plenartagungen fanden im Januar sowie im Oktober 1954 statt - im Kreis Haldensleben nicht vollauf verwirklicht werden konnten. Eine nähere Begründung dazu gab es nicht ab.

Erhebliche Versäumnisse ließ sich die Abteilung Landwirtschaft zuschulden kommen, die sich in den rund


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dreieinhalb Jahren seit der Bildung der ersten LPG als nicht in der Lage zeigte, die Genossenschaften durchgehend systematisch anzuleiten.<930> Die an die Basis entsandten Mitarbeiter erhielten meistens nicht nur keine konkreten Aufträge, sondern erwiesen sich oft als unfähig, die ihnen übertragenen Aufgaben zu erfüllen. Überdies kamen sie häufig ihrer Kontrollpflicht in ungenügendem Maße nach. So lag die Verantwortlichkeit bei den leitenden Mitarbeitern des Rat des Kreises, die aber kaum Kontakte zur Basis besaßen. Als Beispiel für die unzureichende Kontrolle der LPG durch den Rat des Kreises sei der Produktionsplan der tierischen Produktion der LPG Rätzlingen für das Jahr 1955 genannt. Er sah ohne das Vorhandensein von realen Möglichkeiten den Abschluß von 500 Mastverträgen vor.<931> Eine derart ungefestigte Genossenschaft, wie die Rätzlinger, konnte kaum damit rechnen, neue Mitglieder zu gewinnen. Einige Bauern äußerten sich, sie wären bereit 4 000 DM zu zahlen, wenn sie aus der LPG austreten könnten.<932>

Verschiedentlich schoben im Kreis Haldensleben - wie gehabt - die verantwortlichen Funktionäre Mißerfolge im sozialistischen Sektor der Landwirtschaft auf die Zersetzungstätigkeit des "Klassengegners." Seltener fanden sich kritische, auf eigene Unzulänglichkeiten hinweisende Töne. Im Oktober 1955 traf der Kreisvorstand der VdgB die bemerkenswerte Feststellung, "daß wir es selber sind, daß es unser Arbeitsstil ist, der dem Klassengegner die willkommene Angriffsbasis schafft."<933> Es genüge nicht, Gerüchten nachzujagen, sondern es müßten die Bedingungen und die Kontrollmechanismen in der gesamten Landwirtschaft verbessert werden. Damit würde jeglicher Gerüchtemacherei und Feindarbeit sowie unlauteren Manipulationen der Boden entzogen. In der LPG Eimersleben förderte in Verfolgung dieser Hinweise eine Überprüfung die Machenschaften einer Clique zutage, die sich bereicherte und der Genossenschaft durch unkorrekte Arbeitsweise fortwährend beträchtlichen Schaden zufügte.

Wie in den Vorjahren traten in den meisten LPG Verletzungen des Statuts, überwiegend auf dem Gebiet der Arbeitsorganisation, zutage. Am Ende des ersten Fünfjahrplans konnte aber auch im Kreisgebiet auf Genossenschaften verwiesen werden, die gut arbeiteten. Zu ihnen gehörten die LPG Hundisburg, desgleichen die LPG Döhren. Beide konnten auf eine erfolgreiche Bilanz in der pflanzlichen und tierischen Produktion verweisen.

In den Genossenschaften, in denen es seit ihrer Gründung Schwierigkeiten gab, gelang es den Mitgliedern nicht, wesentliche Fortschritte im Hinblick auf die Festigung und Weiterentwicklung ihrer LPG zu erzielen. Sie erfüllten die Planauflagen in den meisten Positionen nicht. Dementsprechend niedrig bezifferte sich der reale Wert der AE. In den LPG Eimersleben, Bebertal I, Mannhausen, Wedringen und Rätzlingen betrug er nicht einmal zwei DM.<934> In 23 LPG lag der reale Wert der AE bei 3,50 DM bis 4,00 DM, in 21 LPG wurde der reale Wert der AE durch "... die Produktion der LPG selbst bestimmt ..."<935>; er


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schwankte zwischen sieben und 10 DM.<936>

Die mangelnde Rentabilität vieler LPG resultierte nicht primär aus den objektiv ungünstigen Ausgangsbedingungen, sondern laut einem Bericht über die politische und wirtschaftliche Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften unseres Kreises<937> vom Spätherbst 1955 zufolge in erster Linie aus groben Verstößen gegen das Statut.<938> Der Bericht nannte als grundsätzliche Mängel in mehr als der Hälfte der LPG fehlende Arbeitsdisziplin, mangelnde Einstellung zum genossenschaftlichen Eigentum, Gleichmacherei, Außerachtlassen des Leistungs- sowie des Sparsamkeitsprinzips. Mit der detaillierten Ausarbeitung von Perspektivplänen in vier LPG wurde ein erstes Fundament für deren allmähliche Festigung gelegt und damit ein Beispiel geschaffen, von dem sich sich das Sekretariat der SED-KL erhoffte, daß es andere aufgreifen würden.<939>

Stellvertretend für die insgesamt ungenügende wirtschaftlich-organisatorische Festigung der LPG des Kreises sei die Situation der LPG Süplingen dargelegt. Laut Produktionsplan hatten die Mitglieder dieser LPG bis Ende 1955 9 174 AE zu leisten, realisiert wurden jedoch nicht mehr als 6 989 AE.<940> Für Saisonarbeiten sah der Plan 10 000 DM vor. Doch bis zum

30. September 1955 - noch vor dem Abschluß der Kartoffelernte - hatte diese LPG

29 000 DM verauslagt.<941> Da die ehemaligen Einzelbauern unter den Genossenschaftsmitgliedern eine unzureichende Zahl an AE erbrachten, wurden sie dementsprechend niedrig vergütet. Ehemalige Landarbeiter aber, die wenig leisteten, erhielten durchschnittlich 400 AE pro Jahr angeschrieben.<942> Diese krasse Diskrepanz läßt die Schlußfolgerung zu, daß in dieser LPG keine leistungsorientierten Arbeitsnormen zur Anwendung kamen und die gewährten AE in keinem Verhältnis zur tatsächlich geringen Arbeitsproduktivität standen.

Begünstigt durch eine undifferenziert gehandhabte Futterzuteilung, konzentrierte sich eine größere Anzahl von Genossenschaftsbauern verstärkt auf ihre eigene Wirtschaft. Diese Bauern kamen ihren Verpflichtungen gegenüber der Genossenschaft nicht in dem Maße nach, wie es die labile wirtschaftliche Situation erfordert hätte. Die Frauen gingen in dieser LPG zeitweilig gar nicht zur Arbeit. Ähnliche Verstöße gegen die Statuten ständen "mit wenigen Ausnahmen bei dem überwiegenden Teil unserer LPG auf der Tagesordnung."<943>

Einzelbauern mit stabilen Wirtschaften traten wie zuvor kaum den LPG bei. Der o. g. Bericht nannte dafür zwei Ursachen. "A. Weil verschiedene LPG in ihrer Betriebsführung nicht immer Vorbild sind (wie milde ausgedrückt! D. A.) B. Weil die Aufklärungsarbeit unter der werktätigen Bauernschaft noch ungenügend


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ist."<944>

Die präzise Aufstellung der Produktions- und Finanzpläne der Genossenschaften bei strikter Beachtung der jeweiligen objektiven Bedingungen konnte wesentlich zu ihrer Weiterentwicklung beitragen. Häufig berücksichtigten die LPG aber bei der Erarbeitung ihrer Produktionspläne nicht ihre geringe Rentabilität. Sie nahmen eine hohe Bevorschussung ihrer AE vor, obwohl Klarheit darüber bestand, daß die Produktionsvorhaben nicht erfüllt werden konnten.<945> Die Abteilung Landwirtschaft bestätigte derart überzogene Pläne. Formal vernachlässigte sie damit ihre Kontrollpflicht. Bei dem im allgemeinen niedrigen Wert der AE blieb ihr im Prinzip jedoch schwerlich eine andere Wahl.

Ende 1955 bestanden im Kreis insgesamt acht ÖLB. In ihnen sollten die ökonomischen Voraussetzungen für die Bildung von LPG geschaffen werden.<946> Im ÖLB Grauingen gab es mehrfach Versuche, eine LPG zu bilden. Wie in anderen Betrieben dieser Struktur zeigte es sich hier, daß der Betriebsleiter seinen Posten nicht aufgeben wollte. Gegen die Umwandlung des ÖLB in eine LPG sträubte er sich u. a. deshalb, weil seine Tätigkeit kaum einer Kontrolle unterlag, weil er sich auf dieser Position bestens sanieren konnte. Den Landarbeitern des ihm unterstehenden Betriebes hingegen zahlte er nicht einmal den ihnen zustehenden Tarif.

Die beschriebenen Zustände galten als typisch für die ÖLB des Kreises. Die Unzulänglichkeiten in den ÖLB veranlaßten den Rat des Kreises, in diesen Betrieben unverzüglich eine Überprüfung der Finanzen und der Wirtschaftsführung vorzunehmen. Dieser indirekte Druck auf die Betriebsleiter sollte jene veranlassen, beschleunigt den Übergang zu LPG zu vollziehen oder sich einer Genossenschaft anzuschließen. Er bewirkte aber kurzfristig keinen Sinneswandel der Betriebsleiter.

Zur Erreichung der Rentabilität benötigten die LPG angesichts des hohen Altersdurchschnitts ihrer Mitglieder dringend junge Kräfte, die neben körperlicher Unverbrauchtheit, geistige Frische, Elan, den Mut, Schwieriges zu wagen, in die Genossenschaften einbrachten. Doch der herbeigesehnte Eintritt junger, im günstigsten Falle gar geschulter Landwirte, erfolgte nur in seltenen Fällen. Vielmehr glaubte ein beträchtlicher Teil junger Landbewohner, mehr Geld mit geringerem Aufwand in anderen Wirtschaftsbereichen verdienen zu können. Ein weiterer Grund für die Fluktuation zumeist in die Industrie mit häufiger Wohnsitznahme in der Stadt bestand darin, daß in den Städten weiterhin interessantere Tätigkeiten auf junge, sich ausprobierende Menschen warteten. Manche Jugendliche reizte das Abenteuer "Stadt". Trotz gewisser Fortschritte im dörflichen Kulturniveau, wollten sie der Monotonie des Landlebens schlechtweg entfliehen. Sehr hart traf es in dieser Hinsicht die relativ kleine LPG Bartensleben. In der zweiten Hälfte des Jahres 1955 erklärten 10 Jugendliche im Alter von 18 bis 25 Jahren ihren Austritt aus dieser LPG.<947> Die Abwanderung besonders von Jugendlichen aus LPG trat in


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verschiedenen Genossenschaften auf und führte zu permanentem Arbeitskräftemangel. Ihr konnte längerfristig nur durch die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen, durch das Übertragen interessanter, schöpferischer Aufgaben an junge LPG-Mitglieder und zuallererst durch die Anhebung der Einkünfte der Genossenschaftsbauern Einhalt geboten werden. Daran zeigt sich wiederum, welche Bedeutung der Erhöhung der ökonomischen Leistungsfähigkeit der LPG, mithin ihrer wirtschaftlich-organisatorischen Festigung, zukam.

Unzulänglichkeiten in der Arbeitsdisziplin und eine negative Einstellung zum genossenschaftlichen Eigentum kennzeichneten das Erscheinungsbild verschiedener LPG mit ungünstigen Ausgangsbedingungen.<948> Eine zeitgenössische Einschätzung im vierten Jahr des Bestehens von LPG sagt aus, diese ließen die Äcker verkommen und deshalb würde sich die Situation auf dem Lande immer mehr verschlechtern.<949> Hier erkannten die Mitglieder, wie der Sekretär für Landwirtschaft der KL im November 1955 feststellte, noch immer nicht, "daß sie in der gemeinsamen genossenschaftlichen Wirtschaft für sich selbst wirtschaften und nicht als Landarbeiter auf Arbeit gehen."<950>

Für die beschwerliche Festigung der LPG zeichnete weiter die fehlende Bindung durchaus nicht weniger Mitglieder zu ihrer Genossenschaft verantwortlich. Sie lehnten entweder die Übernahme von Bodenanteilen ab - wie in der LPG Rätzlingen - oder verbrachten den größten Teil ihrer Arbeitszeit in ihrer eigenen Wirtschaft. Ähnlich ausgeprägt wie in den Anfangsgründen erschienen in mehreren LPG nur 50 Prozent der Mitglieder regelmäßig zur Arbeit, obwohl auf jedes Mitglied durchschnittlich bis zu 8 Hektar LN auf die Bearbeitung warteten.<951>

Ausdruck für die mangelnde Festigung der LPG und die unbefriedigende Interessenverwirklichung ihrer Mitglieder ist die beträchtliche Anzahl an Austritten, die sich im Kreis auf etwa 150 bezifferte.<952> Diese Tatsache ist als ein Zeichen mehr dafür anzusehen, daß ihre Anziehungskraft auf die individuell wirtschaftenden Bauern noch längst nicht jene war, die die Parteiführung anstrebte.

Einen weiteren Eindruck von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der LPG im Herbst 1955 vermittelt der Stand der Erfüllung des Erfassungsplans bei ausgewählten tierischen und pflanzlichen Produkten.


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Tabelle 16: Die Erfüllung des Erfassungsplans der LPG des Kreises Haldensleben bei ausgewählten tierischen und pflanzlichen Produkten im Jahre 1955<953>

Tierische Produkte

Pflanzliche Produkte

Produktart

Anteil (%)

Produktart

Anteil (%)

Eier

96

Getreide

97

Milch

91

Kartoffeln

41

Rind

88

Ölsaaten

100

Schwein

82

 

 

Die Planerfüllung durch die einzelnen LPG erfolgte unterschiedlich.<954> Einige wenige LPG kamen ihren Ablieferungsverpflichtungen vorfristig nach, andere wiederum erfüllten diese nur in einigen Positionen oder gar in keiner. In der Tierproduktion bei freiem Aufkauf ergab sich per 30. September 1955 eine Mindereinnahme von 615 000 DM und somit lediglich eine Realisierung der geplanten Jahreseinnahmen von 34 Prozent.<955> Nur wenigen Genossenschaften gelang es, den geplanten Besatz an Vieh je 100 Hektar zu erreichen und andere wichtige Produktionsvorhaben zu verwirklichen.<956> Der wichtigste Grund für die Nichterfüllung der Vorhaben in der tierischen Produktion ist in der mangelhaften Einhaltung des Viehhalteplans in den meisten LPG zu sehen. In der Pflanzenproduktion beliefen sich im Herbst des Jahres 1955 die finanziellen Erlöse auf 37 Prozent der beabsichtigten Jahreseinnahmen.<957>

Im Spätherbst 1955 zog eine Kreiskonferenz der LPG des Kreises Haldensleben eine Bilanz der Genossenschaftsentwicklung vornehmlich des letzten Jahres.<958> Sie befaßte sich überwiegend mit ökonomischen Fragen wie der Produktivitätssteigerung auf dem Gebiete des Ackerbaus und der Viehzucht sowie der Durchsetzung "sozialistischer" Wirtschaftsprinzipien. Weiterhin setzte sie sich kritisch mit genossenschaftsschädigenden Auffassungen und Verhaltensweisen sowie mit Tendenzen der Gleichmacherei, typischen Erscheinungen fehlender Arbeitsmoral und der Mißachtung des Genossenschaftseigentums auseinander.

Die Analysen blieben oberflächlich und in Ansätzen stecken. Als bestimmenden Grund für die ausbleibende wirtschaftliche Rentabilität nannte die Konferenz die Nichteinhaltung des Leistungsprinzips in einer Reihe von LPG. Zwar existierten in sämtlichen Genossenschaften Normenkollektive, doch erst in etwa 13 bis 15 LPG erfolgte die Berechnung der AE tatsächlich nach dem Normenprinzip.<959> Die


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Brigadiere erwiesen sich häufig als unfähig, die AE exakt zu ermitteln. Deshalb veranschlagten über 30 LPG die Einheiten nach der geleisteten Stundenzahl.<960>

Eine Überprüfung der Genossenschaften unmittelbar vor dem Jahresabschluß 1955 ergab: Von den 49 LPG des Kreises würden drei den Plan übererfüllen<961>, acht eine Planerfüllung erreichen und 10 ständen vor einem solchen Abschluß, der keine weitere Kreditaufnahme erforderte.<962> Für die übrigen LPG zeichnete sich ab, daß sie Kredite in Höhe von insgesamt 1 800 000 bis

2 000 000 DM würden in Anspruch nehmen müssen.<963> In den LPG mit langwierigen Schwierigkeiten häufte sich ein Defizit, dessen Höhe im Kreis Haldensleben etwa 700 000 bis 800 000 DM erreichte.<964> Der Widerspruch zwischen dem geplanten und dem tatsächlichen Wert der AE in nicht wenigen LPG des Kreises ist als ein weiteres Anzeichen für ihre unzureichende Festigung zu werten. Im Bereich der Viehzucht, der Haupteinnahmequelle der Landwirtschaft, gelangen den LPG im Kreismaßstab keine Fortschritte. Die zu dünne Futtergrundlage, das unrationelle Füttern der Tiere, führte im Jahre 1955 beispielsweise zu einem Rückgang des Rinderbestandes um zwei Prozent.<965>

Die erste LPG im Kreis, die LPG Rottmersleben, durchlief trotz umfassender Förderung keine durchgehend progressive Entwicklung. In der mangelhaften Leitungstätigkeit bestand über die ersten Jahre hinweg die Achillesferse dieser LPG. Das Sekretariat der KL erachtete es für unerläßlich, diesen Vorstand - wie auch die Vorstände weiterer zurückgebliebener Genossenschaften - im Interesse der Weiterentwicklung und Festigung der LPG, zum wiederholten Male auszuwechseln. Es drängt sich jedoch der Verdacht auf, daß für die Abberufung von LPG-Leitungen weitere Gründe als der vorgegebene heranzuziehen sind. Wie meist, lagen auch hier komplexe Ursachen vor, die das Sekretariat einseitig bewertete.

Bemerkenswert ist im Zusammenhang mit den Bemühungen der LPG um wirtschaftlich-organisatorische Festigung, daß LPG, die sich von Anbeginn schwer taten, zumeist in den nächsten Jahren nicht oder nur geringfügig vorankamen.<966>

Beispiele für positive Entwicklungen beim sozialistischen Aufbau in den Dörfern bis zum Ende des ersten Fünfjahrplans seien nicht verhehlt. Die LPG Hödingen, die erst zu Beginn des Jahres 1955 aus einem ÖLB hervorging, konnte auf einen realen Wert der AE von 12 DM verweisen. Dem unteilbaren Fonds führten die Genossenschaftsbauern überdies noch 13 000 DM mehr als geplant zu. Weiterhin bestritten


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sie in der kurzen Zeit ihres Bestehens den Kauf von Maschinen und Geräten im Werte von 7 000 DM aus eigenen Mitteln. Durch Eigenfinanzierung in einer Höhe von gleichfalls 7 000 DM verschafften sie sich eine günstige Ausgangsposition für das kommende Jahr.<967>

Ungeachtet vielfältiger Probleme und Rückschläge in den Genossenschaften veränderte sich das Äußere der Dörfer augenscheinlich. Zahlreiche landwirtschaftliche Nutzbauten und Wohnungseinheiten entstanden. Doch um auf einer gesicherten materiellen Basis zur landwirtschaftlichen Großproduktion übergehen zu können, wurden weitaus mehr Ställe, landwirtschaftliche Nutzbauten und Wohnungen benötigt.<968> Der Wert der Nutzbauten in den Genossenschaften des Kreises bezifferte sich ausgangs des Jahres 1955 auf 11 286 000 DM.<969>

In den Statuten der LPG waren wesentliche Erfordernisse für deren gedeihliche wirtschaftliche Entwicklung formuliert. Davon ausgehend ist festzustellen, daß in den LPG des Kreises Haldensleben

Verungünstigend kam nach Meinung des Sekretariats der SED-KL die laxe Arbeitsweise des Staatsapparates hinzu. Er kontrollierte nur unzureichend, inwieweit die einzelnen Genossenschaften die Planauflagen erfüllten. Die aufgezeigten negativen Komponenten führten dazu, daß die Entwicklung in den betreffenden LPG zeitweilig dem Selbstlauf überlassen wurde und insgesamt einen unbefriedigenden Verlauf nahm.

Die Festlegungen des 25. Plenums des ZK der SED sowie der IV. LPG-Konferenz von Ende Oktober 1955 bzw. Anfang Dezember 1955 besagten, die LPG zu mustergültigen sozialistischen Großwirtschaften zu entwickeln.<970> Am Ende des ersten Planjahrfünfts erfüllten

die LPG des Kreises Haldensleben beinahe ausnahmslos nicht annähernd diese hohen Anforderungen. In den Genossenschaften der Anfangsjahre sah die überwiegende Mehrheit der werktätigen Einzelbauern keineswegs den Garanten für die Verwirklichung ihrer Interessen.

2.2.7 Die LPG-Bildung im Grenzgebiet zur Bundesrepublik Deutschland

Der Bildung von Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in den Grenzgemeinden -im Kreis Haldensleben gab es immerhin 17 Gemeinden mit 15 970 Einwohnern in Grenznähe<971> - lagen keinerlei


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besondere, von der Parteiführung zentral oder der BL der SED vorgegebenen Richtlinien zugrunde. Jedenfalls gab es darüber keine offiziellen Verlautbarungen. Und doch zeichnete sich die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft an der Nahtstelle zwischen Ost und West, vorwiegend in ihrer Anfangsphase, durch einige Besonderheiten aus. Diese sind in erster Linie auf die "Verordnung der Regierung der DDR über Maßnahmen an der Demarkationslinie zwischen der DDR und den westlichen Besatzungszonen Deutschlands" vom 26. Mai 1952 zurückzuführen.<972> Unter dem Decknamen "Ungeziefer" diente sie der Säuberung des Grenzgebietes von "unzuverlässigen Elementen".<973> Zu den in den Grenzgemeinden des Kreises Haldensleben Betroffenen gehörten 19 Bauernfamilien mit eigenen Wirtschaften<974> und 644,80 Hektar Land.<975> Die freigewordenen landwirtschaftlichen Betriebe wurden schnellstens wieder besetzt: durch von der Gemeinde bestimmte Verwalter sowie durch die Angliederung an Kreislandwirtschaftsbetriebe bzw. VEG. Mitunter bewirtschafteten die entblößten Betriebe mehrere werktätige Einzelbauern gemeinsam, "solange der verlassene Besitz nicht in eine Produktionsgenossenschaft übernommen worden war."<976>

In dieser Zeit kam es ferner zu Zwangsenteignungen von Wirtschaften, die keine Aussiedlung nach sich zogen. Statistisches Material über die Anzahl der enteigneten Wirtschaften ist unauffindbar. Für die Lebensführung unbedingt notwendige Gegenstände durften die zur Aussiedlung vorgesehenen Bauernfamilien in ihre neue "Heimat" mitnehmen. Die "Bauern mußten jedoch ihr Vieh, Maschinen, Gerätschaften, Saatgut, Brennmaterial und sonstige Vorräte zurücklasssen."<977> Zur Wahrung der Kontinuität des Reproduktionsprozesses wurden in verlassenen landwirtschaftlichen Betrieben - die Bauern hatten mit ihren Familien in solchen Fällen häufig die Flucht in den Westen dem Verbleib in der DDR vorgezogen - unverzüglich politisch zuverlässige Treuhänder eingesetzt.

Die "Verordnung der Regierung der DDR über Maßnahmen an der Demarkationslinie ..." löste unter denjenigen erhebliche Unruhe aus, die in ihrer alten oder nach Kriegsende schmerzlich neugefundenen Heimat verbleiben durften. Zahlreiche Bauern fühlten sich in ihrer Existenz aufs Äußerste bedroht. Die Regierung der DDR versuchte, die Grenzbevölkerung mit materiellen Zugeständnissen für sich zu gewinnen, um angestauten Unmut sowie vernehmliche Kritik von vornherein nicht aufkommen zu lassen. Am 31. Mai 1952 erließ der Minister für Staatssicherheit, Zaisser, die Anordnung über die Vergünstigungen für die an der Demarkationslinie zwischen der DDR und den Westzonen lebenden Bevölkerung.<978> Zu den erwähnenswerten Erleichterungen für die Bauern gehörten u. a.

Genannt seien weiter die Abschreibungen kurz- und mittelfristiger Kredite für die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Betriebsflächen, die durch die Grenzsicherungsmaßnahmen zu Niemandsland oder der Bundesrepublik Deutschland zugeschlagen wurden oder als Schutzstreifen dienten. Durch die von den DDR-Behörden im Grenzgebiet praktizierten Maßnahmen gelangten auch 386 Hektar Land westdeutscher Bauern an ausnahmslos Neubauern, das diese zuweilen nur kurze Zeit nach der Vergabe in die ersten LPG einbrachten.<980> Aus dieser Sachlage und dem vorher Dargelegten läßt sich berechtigt schlußfolgern: Die Zwangsaus- und Zwangsumsiedlungen im Grenzgebiet des Kreises Haldensleben zu Beginn des Aufbaus des Sozialismus auf dem Lande haben den Umgestaltungsprozeß in der Landwirtschaft in diesem Kreis in der Anfangsphase direkt beeinflußt. "Zweifellos ist dieser Schluß möglich und historisch belegbar. Das zumindest für unseren Kreis"<981>, stellte der Leiter des Kreisarchivs Haldensleben, Thomas Kübler, in einer Dokumentation fest.

Vor Verallgemeinerungen im DDR-Maßstab muß indes gewarnt werden; überhaupt bedarf es zu dieser Problematik noch eingehenderer Untersuchungen des Verlaufs der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft in den Grenzgemeinden der DDR.

Die Maßnahmen an der Grenze trugen nicht nur zur Erweiterung des Bodenfonds der VEG bei. Erheblich profitierten die sich herausbildenden LPG von dem in diesem Teil des Kreises zumeist gutem Kulturzustand der ihnen aus der Treuhandschaft der Gemeinden übertragenen Ackerflächen und der Tierbestände der flüchtigen oder ausgesiedelten Bauern sowie deren intaktem Inventar. In einem als "vertraulich" gekennzeichneten Fernschreiben des Rates des Bezirkes Magdeburg an die Vorsitzenden der Organisationskomitees der Grenzkreise heißt es u. a., dem ausgesiedelten Personenkreis sei nur dann der der wertvolle Tierbestand sowie das zurückgelassene Inventar zu übergeben, wenn er den Nachweis erbrächte, "daß neuer Grund und Boden, Ställe und Futtermittel für die Versorgung des Viehs zur Verfügung stehen."<982> Aus der Forderung des Rates des Bezirkes spricht nicht nur die Sorge um den Erhalt der Viehbestände, sondern eindeutiger das Bestreben, den gemaßregelten Bauern ihr Vieh zu entziehen. Wie nur sollten es die Ausgesiedelten bewerkstelligen, in ihren neuen Wohnorten die für eine ordnungsgemäße Viehhaltung erforderlichen Voraussetzungen zu erfüllen?

Die vom Rat des Bezirkes Magdeburg diktierten, von den betroffenen Bauern nur schwerlich zu realisierenden Bedingungen ermöglichten eine rasche, unkomplizierte Übernahme des Eigentums der ausgesiedelten und erst recht der geflohenen Bauern durch LPG, VEG und ÖLB. So fand z. B. die die aus


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einem ÖLB hervorgegangene LPG Hödingen zum Zeitpunkt ihrer Gründung Ende Februar 1955 derart günstige Voraussetzungen vor, daß ihr das Sekretariat der KL die besten Bedingungen innerhalb des Kreises attestierte.<983> Wie in den vorangegangenen Abschnitten mehrfach erwähnt, nahm diese LPG - selbst beim Anlegen strengerer Maßstäbe - eine günstige Entwicklung. Eine ähnliche Feststellung läßt sich über die LPG Döhren treffen.

Ansonsten vollzog sich der Prozeß der LPG-Bildung in den Grenzgemeinden des Kreises Haldensleben weder signifikant langsamer noch dynamischer als in den zentral gelegenen Gemeinden. Das gibt insofern Anlaß zur Verwunderung, da in den Grenzgemeinden Instrukteurbrigaden<984> der SED-KL mit besonderer Intensität versuchten, werktätige Einzelbauern von der Notwendigkeit und den Vorteilen der LPG-Bildung zu überzeugen bzw. für den Eintritt in bereits bestehende Genossenschaften zu gewinnen. Das Sekretariat legte in Befolgung des ausgeprägten Sicherheitsinteresses der Parteiführung besonderes Augenmerk auf die Bildung von "Bastionen" des Sozialismus an der Grenze zu Westdeutschland. Zu denen zählte sie auch die LPG.

Die Charakterisierung der Werbekampagnen mit dem Prädikat "nachdrücklich", trifft tatsächlich das Wesen der Bestrebungen der SED-Werber. Zeitzeugen erinnern sich, daß damals die Abgesandten der Partei wahrlich mit Nachdruck vorgingen - also das hehre Prinzip der Freiwilligkeit, anders als offiziell vorgegeben - seine Interpretation fand. Dennoch ist der Erfolg ein eher mäßiger gewesen. Die räumliche Nähe der beiden MTS Rätzlingen und Weferlingen bewirkte in ihren Bereichen nachweislich nicht den gewünschten breiten Zustrom von individuell wirtschaftenden Bauern in die sich mühsam formierenden LPG. Im unmittelbar an der Grenze gelegenen Weferlingen bildete sich trotz des Hauptsitzes einer MTS im gleichen Ort mit günstigeren materiellen Bedingungen als in den meisten anderen Gemeinden und vielfältigen propagandistischen Möglichkeiten, erst im Sommer 1958 eine LPG. Der LPG Rätzlingen gelang es über lange Zeit hinweg nicht, zu den leistungsstärkeren Genossenschaften des Kreises aufzuschließen. Überhaupt verlief die wirtschaftlich-organisatorische Festigung der LPG in den Grenzgemeinden ähnlich beschwerlich und schleppend wie in den zentral gelegenen. Die verzögerte LPG-Bildung in Weferlingen, die ausbleibenden Erfolge in der LPG Rätzlingen sind gewiß Hinweis auf die insgesamt unbefriedigende Arbeitsweise der MTS-Stationen im Grenzgebiet. Altbauern mit mittelbäuerlichen Betrieben entschlossen sich in den Anfangsjahren der LPG-Bildung gerade im Grenzgebiet, nur in äußerst kleiner Zahl LPG beizutreten.

Interessant wäre es zu wissen, ob - und falls gegeben inwieweit - die erleichterten Bedingungen für die Bauernwirtschaften die LPG-Bildung in den Grenzgemeinden gar erschwerten. Aufschluß darüber können nur künftige Detailforschungen erbringen. Es ist durchaus denkbar, daß eine gewisse Anzahl werktätiger Einzelbauern ohne die erwähnten wirtschaftlichen Vergünstigungen, rascher Zugang zu den LPG gesucht bzw. eine Genossenschaft gegründet hätte.


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Erschwerend auf die Bildung von LPG im Grenzgebiet mögen sich die Einflußmöglichkeiten westdeutscher Organisationen ausgewirkt haben, die der gesellschaftlichen Entwicklung in der DDR grundsätzlich ablehnend gegenüber standen. Diese versuchten auf dem Wege der Flüsterpropaganda, des Einsatzes von Lautsprechern direkt an der Grenze und durch den Abwurf von Flugblättern den Umgestaltungsprozeß zu behindern.

Die Veränderungen auf dem Lande in Grenznähe gestalteten sich weiterhin schwierig, weil der Einfluß der Kirche auf das öffentliche Leben bedeutsamer als in den anderen Gemeinden des Kreises gewesen ist. Die evangelische Kirche und die Sekte "Zeugen Jehovas" entwickelten hier rege Aktivitäten.

Während des Juniaufstands 1953 blieb es in den Grenzdörfern des Kreises weitgehend ruhig. Auch in den folgenden Monaten gaben sich Einzelbauern mit Wirtschaften aller Größengruppen - nicht nur aus berechtigter Vorsicht - zurückhaltend. Die Herabsetzung des Ablieferungssolls um 10 und 20 Prozent<985> entsprach ihren Interessen und ließ kaum Diskussionen, wie etwa um eine "Freie Wirtschaft", aufkommen. Dafür verlangte ein Teil der werktätigen Einzelbauern der Grenzgemeinden in den letzten Monaten des Jahres 1954, ihre Sollverpflichtungen auf die Höhe der Ablieferungssätze der LPG zurückzuschrauben. Derartige Forderungen stellten sie vorwiegend - und nicht etwa die als Klassengegner verschrienen Großbauern! - in solchen Grenzgemeinden, in denen noch keine LPG bestanden.<986>

Im Umfeld von Weferlingen, der bedeutendsten Grenzgemeinde des Kreises mit stadtähnlichem Charakter, befand sich der Standort einer größeren Einheit von Grenztruppen. Von deren leitenden politischen Kadern erwartete das Sekretariat der SED-KL ideologische Unterstützung bei der Gründung und Festigung von LPG sowie tatkräftige Hilfe während der Erntekampagnen. Der Stab der Grenztruppen regte an, kompanieweise Patenschaften über Gründungskomitees für LPG und neugebildete LPG zu übernehmen. Über die Ergebnisse des Wirkens auf beiden Ebenen ist wenig bekannt. Ältere Einwohner Weferlingens und anderer Grenzgemeinden erinnern sich, daß Grenzsoldaten den LPG und seltener den werktätigen Einzelbauern bei der Ernte des Getreides und der Hackfrüchte halfen.

Die staatlichen Organe ließen den Grenzbewohnern verschiedene Vergünstigungen zuteil werden. Sie sollten dazu beitragen, die Abwanderung von Arbeitskräften - und hier zuvordert von Jugendlichen als potentiellen Fachkräften einer sozialistischen Landwirtschaft - aus den LPG möglichst gering zu halten und die Bevölkerung an der Grenze für eine Reihe von Beschränkungen entschädigen. Erwähnt sei die bevorzugte Belieferung der Grenzgemeinden mit Waren des täglichen Bedarfs sowie mit hochwertigen Spezialartikeln. Der "Landfilm" erhöhte Umfang und Qualität seiner Vorstellungen. Die in mehreren Dörfern gebildeten Laienspielgruppen erhielten materielle sowie fachliche Unterstützung. In Weferlingen fanden in regelmäßigen, relativ kurzen Abständen Theaterabende statt. Was die sportlichen Ambitionen der Landjugend in den Grenzgemeinden anging, achteten die SED-KL und Gemeindevertretungen auf die Schaffung und bevorzugte Instandhaltung sowie Erneuerung von Sportanlagen. Andere Maßnahmen - wie


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die Einrichtung von Tischtennisräumen und Bibliotheksstuben - kamen den sportlichen und kulturellen Ambitionen der Jugendlichen entgegen.

Fußnoten:

<411>

Zur Terminierung der 2. Parteikonferenz vgl. Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Chronik,Teil III, von 1945 bis 1963, Berlin (O) 1967, S. 331.

<412>

Protokoll der Verhandlungen der II. Parteikonferenz der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Berlin (O) 1952, S. 492.

<413>

Vgl. ebenda, S. 106.

<414>

Vgl. ebenda, S. 494.

<415>

Ebenda, S. 106.

<416>

Ebenda, S. 114.

<417>

Ebenda, S. 402.

<418>

Ebenda, S. 107 f.

<419>

Von der demokratischen Bodenreform zum sozialistischen Dorf, Autorenkollektiv: Herferth, W. Poosch, K.-H. ; Schmidt, W. ; Stöckigt, R. , Berlin (O) 1965, S. 104.

<420>

Bericht über die Produktionsgenossenschaft “7. Oktober“, Schenkenberg, Krs. Delitzsch, in: Archiv des Zentralvorstandes der VdgB (BHG), Akte 7188.

<421>

Die SED-BL Magdeburg beschloß auf einer Sitzung am 21. August 1952, die LPG in den beiden letztgenannten Gemeinden sowie eine LPG des Bördekreises Wanzleben zu “Muster-LPG“ zu entwickeln. Sie sollten sofortige Hilfe durch die zuständigen MAS, VdgB (BHG), Verwaltungen und SED-KL erhalten. Vgl. Landesarchiv Magdeburg-Landeshauptarchiv, im folgenden LAMD-LHA; IV/2/3/1, Bl. 40. Von deren Bildung versprach sich die BL der SED eine derartige Beispielwirkung auf die werktätigen Einzelbauern dieser und der umliegenden Dörfer, daß sie sich zum LPG-Beitritt entschließen oder LPG gründen würden.

<422>

Vgl. Festschrift 1 000 Jahre Rottmersleben, 964-1964, Die gesellschaftliche Entwicklung in den Dörfern Rottmersleben und Ackendorf, vom "Ich zum Wir", Rottmersleben 1964, S. 4.

<423>

Neues Deutschland, (B), 24. 8. 1952.

<424>

Krebs, Chr. , Der Weg zur industriemäßigen Organisation der Agrarproduktion in der DDR, Die Agrarpolitik der SED 1945-1960, a. a. O. , S. 313.

<425>

Die offene Grenze zur Bundesrepublik Deutschland vergrößerte die Schwierigkeiten auf ökonomi-schem, politischem und vor allem dem ideologischen Gebiet unbestreitbar.

<426>

Was viele Bauern in der DDR dachten, wagten einige aus der Gemeinde Reitwein im vormaligen Bezirk Frankfurt/Oder auszusprechen: “Wir werden in die LPG eintreten, wenn wir wissen, ob in einem einheitlichen Deutschland die LPG bestehen bleiben“, Neuer Tag, Frankfurt/Oder, 3. 12. 1952.

<427>

GBl. 1952, Nr. 181, S. 1376 und S. 1380.

<428>

Vgl. ebenda, S. 1384.

<429>

Dem privaten Bodeneigentum kam für den Anteil des LPG-Mitglieds an den Einkünften der Genos-senschaft nicht mehr als sekundäre Bedeutung zu. Genossenschaftliches Eigentum an Boden entstand erst im März 1990 nach dem Erlaß des Bodengesetzes der Regierung Modrow.

<430>

Im folgenden werden die Konferenzen der Vorsitzenden und Aktivisten der LPG als "Die erste .II ... III ... usw. LPG-Konferenz bezeichnet.

<431>

Vgl. Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik 1952, im folgenden GBl; Nr. 181, S. 1375-1379.

<432>

Vgl. GBl. 1952, Nr. 181, S. 1379-1383.

<433>

Vgl. ebenda, S. 1383-1388.

<434>

Vgl. ebenda, S. 1389-1391. In der Musterbetriebsordnung erfuhren solche Fragen wie Arbeitsorganisation,Vergütung der Arbeit, Arbeitsschutz, Verwendung des LPG-Vermögens sowie die soziale Betreuung der LPG-Mitglieder ausführliche Behandlung.

<435>

Vgl. GBl. 1952, Nr. 181, S. 1392-1402. Auf der Grundlage des Kataloges sollten die Arbeitsleistungen der LPG-Mitglieder nach Qualität, Quantität und dem Schwierigkeitsgrad bewertet werden.

<436>

Beispielsweise seien Fischteiche und Sandgruben aufgeführt.

<437>

Vgl. GBl. 1952, Nr. 181, S. 1376, S. 1380, S. 1383.

<438>

Vgl. GBl. 1952, Nr. 181, S. 1384.

<439>

Vgl. Die marxistisch-leninistische Agrarpolitik von der gegenseitigen Bauernhilfe und demokratischen Bodenreform zur Ausarbeitung und Anwendung des neuen ökonomischen Systems der Planung und Leitung in der Landwirtschaft der DDR, Autorenkollektiv unter Leitung von G. Grüneberg, Berlin (O) 1965, S. 80. Aber selbst bei Vorhandensein der notwendigen Voraussetzungen hätte ihr ausgeprägtes Besitzdenken einen beträchtlichen Teil der Einzelbauern bewogen, LPG des Typs I gegenüber solchen des Typs III den Vorzug zu geben.

<440>

Die SED-BL Magdeburg wandte sich in diesem Zusammenhang gar im Sommer 1952 an das ZK der SED mit dem Vorschlag, “daß die LPG nur nach Bestätigung durch den Vorsitzenden des Rates desBezirkes nach Abstimmung mit der BL der Partei ihre Arbeit beginnen können und nicht - wie nach dem Vorschlag des ZK - schon nach Bestätigung durch die Kreisinstanzen." LAMD-LHA, IV/2/3/1, Bl. 7.

<441>

Vgl. GBl. 1952, Nr. 99, S. 613 f.

<442>

Vgl. Geschichte der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Abriß, Berlin (O) 1978, S. 281.

<443>

Vgl. ebenda.

<444>

Mit Beginn der LPG-Bildung wurden parteioffiziell Einzelbauern mit Betrieben von unter 20 Hektar LN nicht mehr als "werktätige Bauern", sondern als "werktätige Einzelbauern" bezeichnet. Werktätige Einzelbauern zählten nach dieser Version gemeinsam mit den Genossenschaftsbauern zur werktätigen Bauernschaft.

<445>

Vgl. GBl. 1953, Nr. 16, S. 251 f.

<446>

Vgl. Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Chronik, Teil III, Von 1945 bis 1963, Berlin (O) 1963, S. 336. Bei der Bearbeitung der genossenschaftlichen Felder zunächst durch die MAS und ab dem Jahre 1953 durch die MTS kamen die gleichen Tarife zur Anwendung wie für Einzelbauernwirtschaften der Größenordnung bis zu fünf ha. Die Veranlagung der Genossenschaften entsprach der von Einzelbauernbetrieben der Größe von 5 bis 10 ha. Weiterhin erfolgte ihre bevorzugte Belieferug mit Qualitätssaatgut und Mineraldünger. Vgl. GBl. 1952, Nr. 101, S. 620.

<447>

Vgl. Klemm, V. , Von den bürgerlichen Agrarreformen zur sozialistischen Landwirtschaft in der DDR, Berlin (O) 1985, S. 208.

<448>

Vgl. ebenda.

<449>

Vgl. Ulbricht, W. , Schlußwort zur ersten LPG-Konferenz vom 6. 12. 1952, Protokoll, a. a. O. , S. 233.

<450>

Vgl. Früchte des Bündnisses, Werden und Wachsen der sozialistischen Landwirtschaft der DDR, Berlin 1985, S. 91.

<451>

Vgl. Unter Führung der Partei für das Wohl des Volkes, Geschichte der Bezirksparteiorganisation Magdeburg der SED 1952 bis 1981, Magdeburg 1989, S. 34.

<452>

Das Hauptaugenmerk dieser Beiräte lag auf der Übermittlung von Erfahrungen der besten LPG an die große Zahl der überaus leistungsschwachen. Desweiteren in der Organisation von Betriebsver-gleichen zwischen den LPG, die oftmals propagandistisch in großem Format vorbereitet und ausge-wertet wurden. Unter dem Strich halfen sie zunächst aber kaum kaum Genossenschaften voran.

<453>

Vgl. Die erste LPG-Konferenz, a. a. O. , S. 328 f.

<454>

Die Räte der Gemeinden sollten monatlich zur Lage in den LPG Stellung nehmen und Maßnahmen zu ihrer Unterstützung festlegen. LPG-Mitglieder hatten in die Gemeindevertretungen kooptiert zu werden.

<455>

Errechnet und zusammengestellt nach Statistisches Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik 1956, im folgenden Statistisches Jahrbuch der DDR; Berlin (O) 1957, S. 361 f.

<456>

Errechnet nach ebenda, S. 361.

<457>

Errechnet nach ebenda, S. 362 f.

<458>

Vgl. Statistischer Jahresbericht 1956 - Bezirke der DDR - Bezirk Magdeburg, Berlin (O) 1957, S. 29.

<459>

Vgl. ebenda, S. 13 - 15.

<460>

Zusammengestellt nach ebenda.

<461>

Vgl. Auflistung der LPG des Kreises Haldensleben, 1952 bis 1960, Rat des Kreises Haldensleben, unpag.

<462>

Vgl. Perspektivplan zur sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft bis 1960, Kreis Haldens-leben, Entwurf, Haldensleben 1958, S. 16.

<463>

Vgl. Statistisches Taschenbuch 1958 für den Kreis Haldensleben, Hrsg. : Staatliche Zentralverwaltung für Statistik, Kreisstelle Haldensleben, o. J. , S. 82. Im folgenden firmieren die Statistischen Taschenbücher der Jahre 1956 bis 1960 dieses Kreises als Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben mit entsprechender Jahresangabe. Der Herausgeber ist stets derselbe.

<464>

Die "wirtschaftlich-organisatorische" Festigung der LPG beinhaltete im wesentlichen folgende Komponenten: Verbesserungen in der ökonomischen Lage der LPG, wie der Höhe des Wertes der AE, des Anteils der kurzfristigen Kredite, des Umfanges der Kreditsumme; hohe, kontinuierliche lanerfüllung in der pflanzlichen und tierischen Produktion; die Stabilisierung der Leitung und eine wirkungsvolle Arbeit der genossenschaftlichen Gremien; disziplinierte Brigadearbeit; konse-quente, leistungsabhängige Vergütung; Eingrenzung der Fluktuation.

<465>

Vgl. Die marxistisch-leninistische Agrarpolitik ... , a. a. O. , S. 83. Hier wird von "Mark" gesprochen, obschon in der DDR zu diesem Zeitpunkt offiziell die DM als Währungseinheit fungierte. ("Deutsche Mark der Deutschen Notenbank").

<466>

Vgl. ebenda.

<467>

Krebs, Chr. , Der Weg ... , a. a. O. , S. 337.

<468>

Sie deckten nicht annähernd die Produktionskosten; ihr Ausgleich erfolgte über den Staatshaushalt.

<469>

Hierzu sei der Darstellung in Klemm, V. , "Von den bürgerlichen Agrarreformen ... " nicht uneinge-schränkt zugestimmt, wo von fachlich erfahrenen Kadern in den MTS gesprochen wird. Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 212. Tatsächlich verhielt es ich so, daß ein größerer Teil der MTS-Traktoristen zunächst keinen landwirtschaftlichen oder überhaupt keinen Berufsabschluß vorweisen konnte. Auf den Kreis Haldensleben traf letztere Aussage vollauf zu.

<470>

In diesem Zusammenhang sei besonders auf die Verordnung zur Sicherung der landwirtschaftlichen Produktion und der Versorgung der Bevölkerung vom 19. Februar 1953 verwiesen. Vgl. GBl. 1953, Nr. 25, S. 329 f.

<471>

Vgl. Hillger, W. , Der 17. Juni im Norden Sachsen-Anhalts, Ursachen - Verlauf - Folgen, unveröffentlichtes Manuskript, Magdeburg 1994, S. 1 f.

<472>

Über die temporäre Dauer des "Neuen Kurses" gibt es keine Angaben. Die Bezeichnung "Neuer Kurs“ verschwand Mitte der fünfziger Jahre aus dem offiziellen Sprachgebrauch der Parteiführung.

<473>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/44, Bl. 1.

<474>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/46, Bl. 149.

<475>

Bericht des Rates der Gemeinde Schackensleben an den Rat des Kreises Haldensleben vom 24. Juni 1953, Stadt- und Kreisarchiv Haldensleben, unpag.

<476>

Sie werden im Abschnitt 2.2.3. exakt bezeichnet und - insofern sie die Großbauern betreffen - eingehend analysiert.

<477>

Vgl. Ulbricht, W. , Die wichtigsten Bedingungen für die Weiterentwicklung unserer Landwirtschaft, Referat auf der 16. Tagung des ZK der SED, in: Die Bauernbefreiung in der Deutschen Demokrati-schen Republik, a. a. O. , Bd. I, S. 359.

<478>

Vgl. LAMD-LHA, IV/2/3/21, Bl. 70. Davon fünf vom Typ I und 15 vom Typ III.

Vgl. LAMD-LHA, IV/2/3/21, Bl. 70.

<479>

Vgl. LAMD-LHA, IV/2/3/21, Bl. 70.

<480>

Vgl. ebenda.

<481>

Vgl. ebenda, Bl. 71.

<482>

Vgl. LAMD-LHA, IV/2/3/22, Bl. 118.

<483>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/44, Bl. 75.

<484>

Vgl. Kuntsche, S. , Die Umgestaltung der Eigentumsverhältnisse und der Produktionsstruktur in der Landwirtschaft der DDR, in: Ansichten zur Geschichte der DDR, Bd. I, hrsg. von Keller, D. ; Modrow, H; Wolf, H, Bonn/Berlin 1993, S. 202.

<485>

Vgl. Piskol, J. , Zur sozialökonomischen Lage der Großbauern in der DDR 1945 bis 1960, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 1991, S. 430.

<486>

Vgl. ebenda.

<487>

Vgl. Emmer, M. , Die führende Rolle der Bezirksparteiorganisation Magdeburg der SED im Prozeß der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft, Magdeburg 1986, S. 35.

<488>

Beschluß der 17. Plenartagung des ZK der SED “Über die Entfaltung der politischen Massenarbeit im Dorf und die nächsten Aufgaben in der Landwirtschaft“, in: Dokumente der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, im folgenden Dokumente der SED, Bd. V, Berlin (O) 1956, S. 44. Hilfe durch die MTS konnten künftig ebenfalls Großbauern in Anspruch nehmen - allerdings zu wesentlich höheren Preisen als die für die LPG und die werktätigen Einzelbauern vorgegebenen.

<489>

Vgl. GBl. 1953, Nr. 99, S. 983-985.

<490>

Vgl. LAMD-LHA, IV/1/4a, Bl. 6.

<491>

Unter den 196 946 LPG-Mitgliedern im Jahre 1955 befanden sich 81 021 Landarbeiter, aber nur 33 520 Neu- und 10 790 Altbauern. Vgl. Statistisches Jahrbuch der DDR 1957, Berlin (O) 1958, S. 368 f.

<492>

Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik, Autorenkollektiv unter Leitung von R. Badstübner, Berlin (O) 1981, S. 159.

<493>

Die formale Zustimmung zu den vorgegebenen “Kampfzielen“ bedeutete nicht, daß die Genossenschaftsbauern diese vorbehaltlos billigten. Dennoch entsprach eine Reihe der gesteuerten Vorhaben in gewissem Maße ihren Interessen.

<494>

Vgl. Ulbricht, W. , Die ersten bisherigen Ergebnisse und weiteren Aufgaben landwirtschaftlicher Pro-duktionsgenossenschaften, Referat zur III. LPG-Konferenz vom 12. 12. 1954, Protokoll, Berlin (O) 1955, S. 28 f.

<495>

Vgl. Die IV. LPG-Konferenz, 9. bis 11. 12. 1955, Berlin (O) 1956, S. 71; Die V. LPG-Konferenz, Berlin (O) 1957, S. 54. Die historischen Wurzeln der Ständigen AG lagen in China. Vgl. Mao Tse Tung, Fragen des genossenschaftlichen Zusammenschlusses in der Landwirtschaft, Berlin (O) 1956, S. 13 und 24 f.

<496>

Vgl. Ulbricht, W. , Die Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften zu mustergültigen sozialistischen Großwirtschaften, Referat, Die IV. LPG-Konferenz vom 9. bis 11. 12. 1955, Protokoll, a. a. O. , S. 71 ff.

<497>

Kleineren Industriebetrieben bot sich die Perspektive der staatlichen Beteiligung an ihren Unterneh-men, die Einzelhändler firmierten künftig unter der Bezeichnung “Kommissionshändler“.

<498>

Bereits Engels verwies darauf, Großbauern unter gewissen Umständen in LPG aufnehmen zu können: “Von einer gewaltsamen Expropriation werden wir auch hier wahrscheinlich absehen und im übrigen darauf rechnen können, daß die ökonomische Entwicklung auch diese härteren Schädel der Vernunft zugänglich machen wird.“ Engels, F. , Die Bauernfrage in Frankreich und Deutschland, in: Marx/ Engels, Werke, Bd. 22, Berlin (O) 1963, S. 503.

<499>

Insofern sie Repressalien in der Vergangenheit nicht aufgeben ließen und/oder sie die DDR verlassen hatten.

<500>

Vgl. Die III. LPG-Konferenz vom 12./13. 12. 1954, a. a. O. , S. 71 f.

<501>

Vgl. ebenda.

<502>

Nach dem V. Parteitag der SED im Juli 1958 nahm die Republikflucht von Großbauern wieder zu.

<503>

Vgl. Statistisches Jahrbuch der DDR 1955, Berlin (O) 1956, S. 198. Über das Anwachsen des Ma-schinenbestandes der MAS/MTS zwischen 1952 und 1955 gibt eine detaillierte, übersichtlich gestaltete Tabelle in "Früchte ... , a. a. O. , S. 92, Auskunft.

<504>

Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 213.

<505>

Ein ha mittleres Pflügen (hm) ist der Arbeitsaufwand für das 20 bis 25 cm tiefe Pflügen von einem ha Ackerland mittlerer Bodengüte. Die Tabelle ist Klemm, a. a. O. , S. 214 entlehnt.

<506>

Vgl. Die V. LPG-Konferenz vom 26 bis 28. 2. 1957, Protokoll, Berlin (O) 1957, S. 26. Bei Klemm, V., a. a. O. , S. 213 wird für das gleiche Jahr von 319 100 000 Mark, richtiger müßte es DM heißen, gesprochen.

<507>

Vgl. Die V. LPG-Konferenz, a. a. O. , S. 47 und 348 ; Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Chronik, Teil III, ... , S, 446.

<508>

Daran änderte sich in den folgenden Jahren wenig. So berichtete der Rektor der LPG-Hochschule Meißen, die Spezialschulen der Bezirke würden nur zu 45 % ausgelastet werden, da die Arbeits- kräfte während der Zeit des Schulbesuches dem Betrieb fehlen würden und weil die Unterstützung der Lehrgangsteilnehmer durch den Betrieb nicht ausreichte. Vgl. Pfeifer, W. , LPG-Hochschule Meißen, Zur Kaderentwicklung und Lehrlingsausbildung, Die V. LPG-Konferenz, Protokoll, a. a. O. , S. 175 ff.

<509>

Von diesen Instituten erhielten die LPG Anregungen für eine geordnete Wirtschaftsführung, die Anwendung erfolgversprechender Fruchtfolgen, zur Pflege und Haltung genossenschaftlicher Viehbestände, der zweckmäßigen Futterverteilung und zu betriebswirtschaftlichen Fragen. Zwischen 1951 und 1961 entstanden 35 Institute und Forschungsstellen mit etwa 10 000 Mitarbeitern. Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 216.

<510>

Von 1951 bis 1961 erhielt die Akademie der Landwirtschaftswissenschaften 820 000 000 Mark an Haushalts- und Investitionsmitteln zur Verfügung gestellt. Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 216.

<511>

Die Bauern besahen sich zumeist alles, folgten interessiert Vorträgen - um in der täglichen Praxis häufig doch alles beim alten zu lassen.

<512>

Sie vertraten häufig die Ansicht, daß das, was für ihre Väter gut gewesen wäre, auch für sie gut sei. Gegen die Einführung sowjetischer Neuerermethoden sperrten sie sich weitgehend.

<513>

Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 212.

<514>

Der Norden der DDR galt als traditionell rückständig. Im industriell entwickelten Süden hingegen gab es eine zahlenmäßig starke und nach Meinung der Führungsriege der SED ideologisch gefestigte Arbeiterschaft.

<515>

Früchte ... , a. a. O. , S. 94.

<516>

Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 212.

<517>

Vgl. Unter Führung ... , a. a. O. , S. 80. Allein in den 77 MTS des Bezirkes Magdeburg fehlten fast400 Kräfte, darunter 11 Leiter von PA, fünf Stellvertreter und 37 Instrukteure. Vgl. Unter Führung ... ,a. a. O. , S. 80. Die Situation erschwerte sich durch die erhebliche Fluktuation aus diesen Funktionen.

<518>

Vgl. Unter Führung ... , a. a. O. , S. 80.

<519>

Ein derartiger beruflicher Werdegang vom Arbeiter in Spitzenpositionen der Landwirtschaft ohne entsprechende Qualifikation ist aus heutiger Sicht schwerlich nachvollziehbar. Zweifel sind ange-bracht, ob die Industriearbeiter als nicht in der Landwirtschaft aufgewachsene Arbeitskräfte, tatsächlich mit Sachverstand landwirtschaftliche Produktionsprozesse größeren Ausmaßes zu leitenvermochten. Selbst bei größerem Engagement ist der Mangel an fachlichen Voraussetzungen unübersehbar gewesen. Häufig nahmen Vorsitzende, die nicht aus der Landwirtschaft kamen, mit dem Parteisekretär die politische Leitung wahr, während die fachliche bei den Agronomen und Brigadieren lag.

<520>

Auf einer LPG-Konferenz im Bezirk Gera wurden die Mitglieder einer LPG, die sich vorwiegend aus Industrie- und Landarbeitern zusammensetzte, derart bezeichnet. Vgl. Die III. LPG-Konferenz, LPG Großenstein, Kreis Gera, a. a. O. , S. 160 ff.

<521>

Die III. LPG-Konferenz, LPG Grischow, a. a. O. , S. 208.

<522>

Krebs, Chr. , Der Weg ... , a. a. O. , S. 296.

<523>

Vgl. Früchte ... , a. a. O. , S. 95.

<524>

Vgl. Unter Führung ... , a. a. O. , S. 58.

<525>

Vgl. Emmer, M. , a. a. O. , S. 47. Allein das Magdeburger Karl-Liebknecht-Werk verpflichtete sich über Patenschaftsverträge, 12 LPG des Bezirkes zu helfen. Vgl. Unter Führung ... , a. a. O. , S. 58.

<526>

Den inhaltlichen und organisatorischen Ablauf dieser Landsonntage legten im wesentlichen die jeweiligen SED-KL - nach Absprache mit der Nationalen Front - fest.

<527>

So zwischen einzelnen Brigademitgliedern, zwischen Brigaden, Abteilungen und auf überbetrieblicher Ebene zwischen den LPG.

<528>

Vgl. Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Chronik, Teil III, ... , a. a. O. , S. 488.

<529>

Vgl. Von der demokratischen Bodenreform ... , a. a. O. , S. 142.

<530>

Vgl. ebenda.

<531>

Vgl. Volksstimme, Magdeburg, 5. 5. 1955.

<532>

Vgl. Ulbricht, W. , Der Fünfjahrplan und die Perspektiven der Volkswirtschaft, in: Protokoll der Ver-handlungen des III. Parteitages der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Bd. 1, Berlin (O) 1951, S. 339 ff und S. 415; Schulz, D. , Der Weg in die Krise 1953, Hefte zur ddr-Geschichte, 6, Berlin 1993, S. 7.

<533>

Ulbricht, W. , Der Fünfjahrplan ... , Bd. I, a. a. O. , S. 340, Anmerkung 3.

<534>

Laut Krebs bezifferte Ulbricht die allgemeinen Fördermittel für den Agrarsektor für die Jahre 1952 bis 1955 mit 9,6 Milliarden Mark. Vgl. Krebs, Chr. , Der Weg ... , a. a. O. , S. 291.

<535>

Schulz, D. , “Kapitalistische Länder überflügeln“, Die DDR-Bauern in der SED-Politik des ökonomischen Wettbewerbs mit der Bundesrepublik von 1956 bis 1961, Hefte zur ddr-Geschichte, 16, Berlin 1994, S. 7.

<536>

Ulbricht, W. , Schlußwort zur IV. LPG-Konferenz, Protokoll, a. a. O. , S. 342. Vgl. dazu sein Referat vom 9. 12. 1955, ebenda, S. 92.

<537>

Die IV.-LPG-Konferenz, a. a. O. , S. 37.

<538>

Vgl. Krebs, Chr., Der Weg ... , a. a. O. , S. 365.

<539>

Der Mindestsatz in den LPG betrug 7 DM pro AE. Vgl. GBl. I 1958, Nr. 47, S. 531.

<540>

Die entsprechende Tabelle ist auf Seite 113 einzusehen.

<541>

Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 220.

<542>

Vgl. ebenda.

<543>

Vgl. Früchte ... , a. a. O. , S. 104.

<544>

Vgl. Statistisches Jahrbuch der DDR 1955, a. a. O. , S. 212 f.

<545>

Wissenschaftlichen Untersuchungen der Jahre 1952 bis 1956 zufolge belief sich der Aufwand der LPG gegenüber den einzelbäuerlichen Betrieben je Stunde/dt bei Getreide auf 3,3 gegenüber 7,6, bei Kartoffeln 2,0 zu 3,1, bei Zuckerrüben 1,8 zu 2,6. Vgl. Von der demokratischen Bodenreform ... ,a. a. O. , S. 64. Die unterschiedliche Anzahl der zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte in den beiden Sektoren stellte aber von vornherein eine objektive Bewertung infrage.

<546>

Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 220.

<547>

Vgl. ebenda.

<548>

Vgl. ebenda.

<549>

Ebenda, S. 220 f.

<550>

Vgl. ebenda, S.221.

<551>

Vgl. Unter Führung ... , a. a. O. , S. 91.

<552>

Die Statistischen Angaben, abgesehen von der letzten Spalte, sind dem Statistischen Jahrbuch der DDR 1956, a. a. O. , S. 361 f, entlehnt. Die Angaben der letzten Spalte stammen aus: "Früchte ..." , a. a. O. , S. 104.

<553>

Errechnet nach Statistisches Jahrbuch der DDR 1955, a. a. O. , S. 197.

<554>

Errechnet nach ebenda.

<555>

Errechnet nach Statistisches Jahrbuch der DDR 1956, a. a. O. , S. 363.

<556>

Zusammengestellt nach Statistischer Jahresbericht 1956 - Bezirke der DDR - Bezirk Magdeburg, Berlin (O) 1957, S. 114.

<557>

Vgl. Emmer, M. , a. a. O. , S. 71. Die LN des Bezirkes Magdeburg betrug 770 000 ha, wovon 77,3 %als Ackerland genutzt wurden. Vgl. Statistischer Jahresbericht 1956 - Bezirke der DDR - Bezirk Magdeburg, a. a. O. , S. 1 und S. 10 f.

<558>

Vgl. Auflistung der LPG des Kreises Haldensleben von 1952 bis 1960, Rat des Kreises Haldensleben, Haldensleben 1960, unpag.

<559>

Vgl. ebenda.

<560>

Vgl. LAMD-LHA, IV/e/5/49, Bl. 105.

<561>

Vgl. LAMD-LHA IV/e/58, Bl. 222.

<562>

Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1956, o. J. , S. 65.

<563>

Vgl. Festschrift 1 000 Jahre Rottmersleben ... , a. a. O. , S. 4.

<564>

Vgl ebenda.

<565>

Vgl. ebenda, S. 52.

<566>

Ebenda, S. 4.

<567>

Die UdSSR lieferte dieser LPG Maschinen und Traktoren.

<568>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/40, Bl. 139. Die Zahl der weiblichen Mitglieder hielt sich mit der Anzahl der männlichen etwa die Waage.

<569>

LAMD-LHA, IV/4/5/45, Bl. 74.

<570>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/43, Bl. 15.

<571>

Die Statuten der ersten LPG standen verschiedentlich nicht im Einklang mit den vorgegebenen Musterstatuten. Die KL wies abweichende an die betreffende LPG zwecks Überarbeitung zurück.

<572>

LAMD-LHA, IV/4/5/39, Bl. 171.

<573>

Zu Stützpunktgemeinden bestimmten SED- KL und Rat des Kreises: Calvörde, Erxleben, Flechtingen, Haldensleben, Hillersleben, Klüden, Ostingersleben, Schackensleben, Süplingen, Rätzlingen und Weferlingen.

<574>

LAMD-LHA, IV/4/5/40, Bl. 135.

<575>

Vgl. ebenda.

<576>

Vgl. ebenda.

<577>

Ebenda.

<578>

Vgl. ebenda, Bl. 243.

<579>

Vgl. ebenda, Bl. 295.

<580>

Vgl. ebenda, Bl. 293.

<581>

Vgl. ebenda, Bl. 294.

<582>

Ebenda, Bl. 300.

<583>

Vgl. LAMD-LHA, IV/475/41, Bl. 208.

<584>

Vgl. ebenda.

<585>

Vgl. ebenda, Bl. 207 f.

<586>

Vgl. ebenda, Bl. 236.

<587>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/42, Bl. 2. Die Schulung der Ausgewählten zu Problemen der LPG-Bildung erfolgte auf einem mehrtägigen Seminar.

<588>

LAMD-LHA, IV/4/5/43, Bl. 1.

<589>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/42, Bl. 102.

<590>

Vgl. LAMD-LHA, ebenda, Bl. 109.

<591>

Die soziale Zusammensetzung der LPG-Mitglieder ist in den Unterlagen nicht exakt aufgeschlüsselt. Es ist von 477 Frauen, 102 Alt- und 295 Neubauern die Rede. Die übrigen wurden als Familienmitglieder klassifiziert. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/43, Bl. 11.

<592>

Auch für die Politik der Parteiführung in jener Zeit blieben "jähe Wenden" - die Beschlüsse der 2. Parteikonferenz und der "Neue Kurs" sind als solche anzusehen - keine Ausnahme. Die Ursachen hierfür lagen nicht nur in subjektivem politischen Fehlverhalten, sondern vor allem in den internatio-nalen Bedingungen, denen sich die Politik der Parteiführung stellen mußte.

<593>

LAMD-LHA, IV/4/5/43, Bl. 105.

<594>

Vgl. ebenda.

<595>

Die SED-KL Haldensleben forderte immer wieder die Einhaltung dieses Prinzips.

<596>

Ebenda, Bl. 107.

<597>

In den Brigaden sollten Mitglieder der Kommission für Landwirtschaft sowie deren Aktiv, Funktionäre der MTS und deren PA, die Mitarbeiter der Abteilung Landwirtschaft beim Rat des Kreises sowie die Funktionäre der VdgB (BHG) zusammenwirken. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/43, Bl. 112.

<598>

Vgl. ebenda.

<599>

Unmittelbar nach den Juniereignissen des Jahres 1953 bestanden im Kreis Haldensleben 39 LPG. Davon 10 vom Typ I, 6 vom Typ II und 23 vom Typ III. In ihnen hatten sich 750 Landarbeiter, 403 Neubauern und 176 Altbauern zusammengeschlossen, darunter 740 Frauen. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/44, Bl. 8.

<600>

Eine Auflistung der zu den einzelnen MAS/MTS-Bereichen gehörenden Gemeinden findet sich in: LAMD-LHA, 2452, Bl. 31. Bis zum Wirksamwerden der im Sommer 1952 durchgeführten Verwaltungsreform betreuten die MAS noch eine Reihe von Gemeinden, die später dem Kreis Gardelegen zugeordnet wurden.

<601>

Deshalb mahnte die Parteiführung immer wieder die unbedingte Einhaltung der Jahresarbeitsverträge an.

<602>

Sowohl zum Problem der unqualifizierten Kader als auch zur fehlenden bzw. mängelbehafteten technischen Ausrüstung der Stationen finden sich in diesem Abschnitt ausführliche Passagen.

<603>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/39, Bl. 104.

<604>

Die ständigen Produktionsbrigaden sollten mindestens ein Jahr zusammenarbeiten, was sich im Kreis

Haldensleben als undurchführbar erwies.

<605>

Dieser MAS gedachte die SED-KL eine Schlüsselrolle im Kreis zu. Später nahm sie die günstigste Entwicklung der MTS des Kreises Haldensleben.

<606>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/40, Bl. 177 f.

<607>

Mit dem Ziel, diese für den Genossenschaftsbeitritt zu gewinnen.

<608>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/40, Bl. 178.

<609>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/41, Bl. 19.

<610>

Zur Erinnerung: Anfang 1953 erfolgte die Umwandlung der MAS in MTS.

<611>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/42, Bl. 2.

<612>

LAMD-LHA, IV/4/5/42, Bl. 102.

<613>

Ebenda. Als ähnlich unzufrieden mit den Arbeiten dieser MTS zeigten sich die LPG-Bauern der Ge-meinde Bebertal II. Dort hätte die MTS ohne vorhergehende Absprache mit der LPG den Acker zu einem Zeitpunkt gepflügt, als er entsprechend den Anbauplänen der LPG noch nicht bearbeitet werden durfte.

<614>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/42, Bl. 142.

<615>

Ebenda.

<616>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/43, Bl. 4.

<617>

Vgl. ebenda, Bl. 6.

<618>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/46, Bl. 249.

<619>

LAMD-LHA, IV/2/3/23, Bl. 25.

<620>

Ebenda.

<621>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/47, Bl. 307.

<622>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/49, Bl. 320.

<623>

Vgl. ebenda.

<624>

Ulbricht, W. , Die Aufgaben und Perspektiven der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, in: Die Bauernbefreiung ... , Bd. I. , a. a. O. , S. 312.

<625>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/52, Bl. 17 e.

<626>

Vgl. ebenda.

<627>

Vgl. ebenda, Bl. 18.

<628>

Ihre Gründung erfolgte im Herbst 1958.

<629>

Weitere wesentliche Mängel in der Arbeitsweise dieser MTS sind in LAMD-LHA, IV/4/5/53, Bl. 31 ff aufgeführt.

<630>

LAMD-LHA, IV/4/5/53, Bl. 30.

<631>

Vgl. ebenda.

<632>

Im folgenden wird im Kontext die Abteilung Landwirtschaft des Rates des Kreises als Abteilung Landwirtschaft bezeichnet.

<633>

Vgl. hierzu die Ausführungen im historischen Abschnitt dieses Kapitels.

<634>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/55, Bl. 41. Diese Pläne enthielten weitere Selbstverpflichtungen mit Termi-nen für die Aussaat, die Pflegearbeiten sowie vor allem die Getreide- und Hackfruchternte. Das Zusammenwirken zwischen Traktoristen und Genossenschaftsbauern bewirkte eine durchschnittliche Ertragssteigerung von 15 Prozent. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/52, Bl. 203.

<635>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/55, Bl. 45.

<636>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/56, Bl. 192.

<637>

Vgl. ebenda.

<638>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/57, Bl. 139.

<639>

Ebenda.

<640>

Ebenda.

<641>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/58, Bl. 125.

<642>

Ebenda, Bl. 133.

<643>

Vgl. ebenda, Bl. 249.

<644>

Ebenda.

<645>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/49, Bl. 352.

<646>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/52, Bl. 203.

<647>

LAMD-LHA, IV/4/5/58, Bl. 295.

<648>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/55, Bl. 47.

<649>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/56, Bl. 138.

<650>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/55, Bl. 43.

<651>

Unter dem Begriff "Grünes Fließband" ist die kontinuierliche Versorgung der Viehbestände mit Grün-futter in den Monaten April bis November zu verstehen. Um diese zu gewährleisten, sollten Kleegrasgemische sowie Sommer- und Winterzwischenfrüchte permanent angebaut werden. Das Quadratnestpflanzverfahren verkörperte ein sowjetisches Verfahren, das - wenn überhaupt - überwiegend imKartoffelanbau Anwendung fand. Über weitere Neuerermethoden, die die Bauern nach dem Willen der SED-KL und dem Rat des Kreises anwenden sollten, finden sich Hinweise in LAMD-LHA, IV/4/5/54,Bl. 213.

<652>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/43, Bl. 4.

<653>

Obwohl bereits im Frühjahr 1953 die Abteilung Landwirtschaft dem Sekretariat der SED-KL den Vorschlag unterbreitete, die an die BHG überwiesenen anstehenden Beträge aus den “Freie Spitzen“-Erlösen zu begleichen. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/43, Bl. 4.

<654>

LAMD-LHA, IV/4/5/47, Bl. 61.

<655>

Vgl. ebenda.

<656>

Vgl. ebenda, Bl. 79.

<657>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/58, Bl. 203.

<658>

Ebenda, Bl. 228.

<659>

Vgl. ebenda.

<660>

Daß MTS bevorzugt auf den Feldern von werktätigen Einzel- ja auch Großbauern arbeiteten, ehe sie sich den LPG zuwandten, ist ein in diesen Jahren in der gesamten DDR festzustellender Vorgang. Dies bestätigen die Ausführungen des Ministers für Land- und Forstwirtschaft auf der IV. LPG-Konferenz: “Die Genossenschaftsbauern haben sich mit Recht darüber beschwert, daß viele MTS mit den modernen Maschinen und Geräten zuerst bei den Einzelbauern und teilweise sogar bei den Großbauern gearbeitet und die Genossenschaften vernachlässigt haben.“ Bostelmann, O. , Die Auf-gaben der MTS für die Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, IV. LPG-Konferenz, Protokoll, a. a. O. , S. 103 und vgl. Ulbricht, W. , ebenda, S. 67 f.

<661>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/44, Bl. 285.

<662>

Der von Krebs vertretenen Meinung zu einer Achillesferse der MTS, den fehlenden Ersatzteilen und den sich daraus ergebenden Folgen für die Produktion, ist auch in bezug auf den Kreis Haldensleben zuzustimmen. “Die Planauflagen der Industriebetriebe ließen kaum Spiel für die Bereitstellung der erforderlichen Ersatzteile, wodurch die Nutzung der gesamten Produktion konterkariert wurde“. Krebs, Chr. , Der Weg ... , a. a. O. , S. 328.

<663>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/51, Bl. 245.

<664>

Vgl. ebenda, Bl. 247.

<665>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/57, Bl. 8.

<666>

So artikulierten beispielsweise die Schlosser der MTS Klüden einheitlich ihre Unzufriedenheit darüber, weniger Geld als ihre Berufskollegen in den städtischen Industriebetrieben zu erhalten. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/42, Bl. 143. Einige zogen daraus Konsequenzen.

<667>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/53, Bl. 251.

<668>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/56, Bl. 70.

<669>

Das Erreichen höherer Produktionsleistungen der MTS verhinderten folgende Faktoren: Eine man-gelhafte Arbeitsorganisation; fehlende Brigadepläne; das Versäumnis, Vertragsabschlüsse für die gesamte Maschinenkapazität zu tätigen; die Mißachtung des Leistungsprinzips; die inkonsequente Durchsetzung des Mehrschichtsystems; ein notorischer Ersatzteilmangel für die Maschinerie; die zu geringe Zahl qualifizierter Kader sowie das Außerachtlassen des Sparsamkeitsprinzips.

<670>

Dokumente der SED, Bd. IV, Berlin (O) 1958, S. 142.

<671>

Sie wurde charakterisiert einerseits durch den Widerspruch zwischen unangemessenen, die eigenen

objektiven Möglichkeiten oft bei weitem übersteigenden subjektiven ökonomischen und politischen Zielsetzungen und andererseits den historisch gewachsenen und aktuell gegebenen objektiven Bedingungen für die Politik.

<672>

Vgl. Dokumente der SED, Bd. IV, Dietz Verlag, Berlin (O) 1954, S. 142 ff.

<673>

Einen Beschluß über die Bildung von PA bei den MAS verabschiedete das Politbüro des ZK der SED -wie oben erwähnt - am 22. Juli 1952.

<674>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/39, Bl. 99.

<675>

LAMD-LHA, IV/4//40, Bl. 295.

<676>

Vgl. ebenda.

<677>

Am 16. Oktober 1952 erließ das Sekretariat des ZK der SED die “Direktive des Sekretariats des ZK über die Bildung und die Arbeit der Parteiorganisationen in den landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften.“ Dokumente der SED, Bd. IV, a. a. O. , S. 166 ff .

<678>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/43, Bl. 16.

<679>

Vgl. ebenda. Im Abschnitt "Der Beginn der LPG-Bildung im Kreis" findet sich der Hinweis, daß das

Kreissekretariat vorübergehend darauf orientierte, bis Mitte Juni 1953 in jedem Dorf eine LPG zu

bilden. Er mag eine Erklärung für die Zielstellung dieser PA sein.

<680>

Vgl. LAMD-LHA, 2452, Bl. 55.

<681>

Vgl. ebenda, Bl. 18.

<682>

Vgl. ebenda, Bl. 17.

<683>

LAMD-LHA, IV/2/3/23, BL. 23.

<684>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/44, Bl. 8. In der LPG verblieben nur der Vorsitzende und ehemalige Land-arbeiter. Vgl. ebenda.

<685>

Von den in der Regel sehr schwachen GO der LPG konnten die PA keine Hilfe erwarten.

<686>

Vgl. dazu die Passagen über die Einschätzung der Arbeit der MAS/MTS.

<687>

LAMD-LHA, IV/4/5/53, Bl. 89.

<688>

Vgl. ebenda.

<689>

Vgl. ebenda., Bl. 343. Auf diesem Blatt findet sich ferner eine Aufstellung über die für andere land-wirtschaftliche Einrichtungen vorgesehenen Industriearbeiter.

<690>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/53, Bl. 344.

<691>

Ebenda, Bl. 306.

<692>

Vgl. ebenda, Bl. 414.

<693>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/58, Bl. 219.

<694>

Vgl. ebenda.

<695>

Vgl. ebenda.

<696>

Vgl. ebenda, Bl. 230.

<697>

Bis dahin hatte es das Sekretariat der SED-KL versäumt, ein Büro "Industriearbeiter aufs Land" einzurichten.

<698>

Beide Vertragspartner überprüften in größeren Zeitabständen die Einhaltung der getroffenen Verein-barungen und regten Verbesserungen an.

<699>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/41, Bl. 163.

<700>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/43, Bl. 112.

<701>

LAMD-LHA, IV/4/5/46, Bl. 184.

<702>

Dem Einsatz ging ein Appell des LPG-Beirates des Kreises an die Betriebsleitungen der Patenbetrie-be voraus, den Genossenschaften bei der Bergung der Hackfruchternte zu helfen.

<703>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/46, Bl. 249.

<704>

Vgl. ebenda.

<705>

Vgl. ebenda.

<706>

Vgl. ebenda, Bl. 43.

<707>

Vgl. ebenda.

<708>

Der VEB Holzindustrie Haldensleben, dessen Belegschaft im August 1954 rund 1 000 Stunden auf Feldern von LPG die Ernte bergen half, büßte durch diese Hilfeleistung rund 5 000 DM ein.Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/51, Bl. 119.

<709>

LAMD-LHA, IV/4/5/48, Bl. 254.

<710>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/57, Bl. 285.

<711>

So geschehen während der Hackfruchternte im Herbst 1954, als von den für das Wochenende geplanten 900 Helfern kaum 200 erschienen. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/54, Bl. 121.

<712>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/58, Bl. 216.

<713>

Die Genannten halfen nicht ausschließlich auf den Feldern. Sie leiteten die LPG auch beim Aufbau einer funktionierenden Buchhaltung, bei der Aufstellung der Produktions- und Finanzpläne und der Erstellung der Jahresendabrechnungen an.

<714>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/48, Bl. 256.

<715>

LAMD-LHA, IV/4/5/51, Bl. 194.

<716>

Den geringen Leistungsstand der VEG belegt eine Statistik des VEAB Haldensleben. Aus ihr geht hervor, daß die Erfüllung der VEG an landwirtschaftlichen Produkten nicht einmal mit den vielgescholtenen Betrieben über 20 ha LN, ja gar über 50 ha LN, Schritt hielt. So betrug der Erfüllungsstand der VEG am 13. November 1953 bei Getreide 64 %, Kartoffeln 51 %, Ölsaaten 75 % und bei Schweinen 53 %. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/46, Bl. 341.

<717>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/47, Bl. 291.

<718>

Häufig krepierten Saug- und Absatzferkel sowie Läuferschweine.

<719>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/41, Bl. 212.

<720>

Sie lassen sich zu einem erheblichen Teil mit dem geringen Qualifizierungsgrad ihrer Arbeiter, ja selbst der Leitung und einer ungefestigten Arbeitsmoral erklären.

<721>

Einige davon sind bereits unter 1. 2. aufgeführt.

<722>

Vgl. GBl. 1952, Nr. 38, S. 226 f.

<723>

Ebenda, S. 226.

<724>

Vgl. ebenda, S. 227 f. Die Verordnug ist bereits im vorangegangenen Kapitel erwähnt worden.

<725>

Vgl. GBl. 1951, Nr. 16, S. 75-77.

<726>

Besonders günstige Bedingungen erhielten Bauern und Landarbeiter zugestanden, die durch so-genannte Gemeinschaftsleistung, die Bewirtschaftung dieser Flächen übernahmen. In gewissem Sin-ne handelte es sich dabei um Vorläufer der LPG, Ihre Finanzierung erfolgte über die Gemeindekassen bzw. den Haushalt des Kreises. Grundsätzlich bekamen sie hohe Verkaufspreise und niedrigste Tarif-sätze für Leistungen der MTS eingeräumt. Bei Ausbleiben dieser Anreize wären nur schwerlich Bau-ern für die Bearbeitung dieser Flächen zu finden gewesen.

<727>

Vgl. GBl. 1952, Nr. 100, S. 615 f.

<728>

Vgl. GBl. 1953, Nr. 25, S. 329 f. Mit dieser Verordnung wurden die beiden vorgenannten Verordnungen außer Kraft gesetzt.

<729>

Vorrangig betraf dies Bauern mit Ablieferungsrückständen.

<730>

Für zur “ordnungsgemäßen“ Bewirtschaftung benötigte Aufwendungen konnte das Vermögen des Eigentümers herangezogen werden.

<731>

Vgl. Schulz, D. , Der Weg ... , a. a. O. , S. 21; GBl. 1953, Nr. 5, S. 75.

<732>

Vgl. GBl. 1952, Nr. 7, S. 45 f; GBl. 1953, Nr. 16, S. 251 f.

<733>

Schulz, D. , Der Weg ... , a. a. O. , S. 21.

<734>

Vgl. ebenda.

<735>

Vgl. ebenda.

<736>

Ebenda. , S. 16.

<737>

Vgl. Unrecht als System, Dokumente über planmäßige Rechtsverletzungen in der Sowjetzone, hrsg. vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen, Bd. II, 1952-1954, Bonn 1955, S. 216. Die An-zahl der Bauern, die im Jahre 1953 die DDR illegal verließen und in der Bundesrepublik Deutschland Wohnsitz nahmen, betrug 39 346. Sie erreichte damit ihren absoluten Höchststand. Vgl. Die Zwangskollektivierung des selbständigen Bauernstandes in Mitteldeutschland, Weißbuch des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen, Bonn/Berlin 1960, S. 19. Die Zahl der 1952 bzw. 1954 in den Westen Deutschlands übergesiedelten Landwirte wird mit 13 867 bzw. 12 620 angegeben. Vgl. ebenda.

<738>

Vgl. Schulz, D. , Probleme der sozialen und politischen Entwicklung der Bauern und Landarbeiter in der DDR von 1949 bis 1955, Berlin (O) 1984, S. 71.

<739>

LAMD-LHA, IV/4/5/54, Bl. 132.

<740>

LAMD-LHA, IV/4/5/39, Bl. 181.

<741>

Vgl. ebenda, Bl. 182.

<742>

Nach den Gemeindewahlen vom Herbst 1946 gab es gewisse "demokratische" Gepflogenheiten mit Wahlen der Bürgermeister durch die Gemeinderäte bzw. die Ernennung von Bürgermeistern durch Landräte und Kreistage. Bereits damals bedingten sich die SED-KL das Vorschlags- und Bestätigungsrecht aus. Obwohl dieses System offiziell nie eine Änderung erfuhr - selbst wenn die KL immer stärker und direkter in Personalfragen eingriffen und die Kreis- und Gemeinderäte deren Wünsche immer mehr als Befehle auffaßten - ignorierte die SED-KL Haldensleben die an sich übliche Verfahrensweise und setzte zuweilen selbstherrlich ihr politisch genehme Bürgermeister ein.

<743>

LAMD-LHA, IV/4/5/39, Bl. 290.

<744>

Vgl. Rat des Kreises Haldensleben, Akte 112, unpag.

<745>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/41, Bl. 210.

<746>

LAMD-LHA, IV/4/5/42, Bl. 1. Es verlor kein Wort darüber, welche Motive Großbauern des Kreises veranlaßt haben könnten, aus der DDR in den Westen zu fliehen.

<747>

LAMD-LHA, IV/4/5/43, Bl. 2. Bei Vorhandensein der notwendigen Produktionsinstrumente hätte der betreffende Großbauer die MTS kaum um Hilfe gebeten. Abgesehen davon bestand keine gesetzliche Regelung, auf die sich zu berufen der Kreisparteichef vorgab. Die Traktoristen erhielten aber zentral die strenge Weisung, zuerst die LPG, dann die werktätigen Einzelbauern und erst bei Vorhandensein freier Kapazitäten die Großbauern zu bedienen. Ungeachtet dieser Maßgabe, die die Großbauern in “die Knie zwingen sollte“, verhielten sich die Traktoristen in der Praxis nicht nur in Ausnahmefällen anders.

<748>

LAMD-LHA, IV/4/5/42, Bl. 107.

<749>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/41, Bl. 3.

<750>

LAMD-LHA, IV/4/5/43, Bl. 3.

<751>

Vgl. GBl. 1952, Nr. 181, S. 1376, S. 1380, S. 1385.

<752>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/43; Bl. 232.

<753>

Vgl. ebenda, Bl. 196.

<754>

Vgl. ebenda, Bl. 232.

<755>

Zum Verständnis, nicht zur Rechtfertigung der Haltung des Sekretariats der SED-KL, sei aber fest-gestellt: Bei der strengen Hierarchie innerhalb der SED kann den SED-KL nicht vorgeworfen werden, daß sie nicht vorausahnten, was die Parteiführung ein halbes Jahr später beschließen würde. Zumal solche Beschlüsse oft für die untere Parteiebene sehr überraschend kamen, wie beispielsweise das Kommuniqué vom 9. 6. 1953. Aber man kann den KL natürlich nachsagen, daß sie wenig Gespür für die sich verändernde Situation auf dem Lande aufbrachten, daß sie von unten zu wenig für die Kor-rektur überholter Beschlüsse taten.

<756>

Das Sekretariat der KL tadelte mehrfach, ihnen mangele es an politischer Reife.

<757>

LAMD-LHA, IV/4/5/47, Bl. 292.

<758>

Ebenda.

<759>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/53, Bl. 38. Und das, obwohl es noch Jahre nach der III. LPG-Konferenz als ungeschriebenes Gesetz galt, ihnen keinerlei Leitungsfunktionen zu übertragen.

<760>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/42, Bl. 198. Ergänzend sei hinzugefügt, daß auch die Wirtschaften der Größenordnung zwischen 15 und 20 ha lediglich eine Position erfüllten. Vgl. ebenda.

<761>

LAMD-LHA, IV/4/5/42, Bl. 195.

<762>

Vgl. ebenda.

<763>

LAMD-LHA, IV/4/5/54, Bl. 131.

<764>

Darunter befanden sich einige Genossenschaftsbauern.

<765>

Vgl. Horz, G. , a. a. O. , S. 119. Die sowjetische Parteiführung schlug der SED-Spitze im wirtschaftlichen Bereich u. a. vor, die Konsumgüterproduktion zu Lasten der vorrangigen Entwicklung der Schwerindustrie zu fördern. Vgl. ebenda.

<766>

Die Parteiführung übernahm die sowjetischen Richtlinien auch mit ihren Fehlern, wie denen der Normenproblematik. Das Politbüro korrigierte die administrative Normerhöhung vom Mai/Juni 1953, als die Parteiführung durch die Demonstration von Bauarbeitern der Stalinallee in Berlin die Dringlichkeit der Lösung dieses Problems erkannte.

<767>

Der Freie Bauer, Berlin (O), 14. 6. 1953.

<768>

Vgl. GBl. 1953, Nr. 78, S. 805 f.

<769>

Vgl. ebenda, S. 806 f.

<770>

Vgl. ebenda, S. 806.

<771>

Vgl. ebenda.

<772>

Vgl. ebenda.

<773>

Vgl. ebenda. Die zunächst bis Ende September 1953 festgesetzte Rückkehrfrist verlängerte der Ministerrat der DDR wegen geringer Resonanz bis Mitte Oktober 1953.

<774>

Vgl. GBl. 1953, Nr. 78, S. 806.

<775>

Zurückkehrende Bauern erhielten Entschädigungen von insgesamt 92 000 000 DM. Vgl. Grotewohl, O. , Die gegenwärtige Lage und der neue Kurs der Partei, in: Ders. , Im Kampf um die einige Deutsche Demokratische Republik, Reden und Aufsätze, Bd. III, Berlin (O) 1954, S. 414.

<776>

Vgl. GBl. 1953, Nr. 78, S. 807.

<777>

Vgl. ebenda.

<778>

Vgl. Schulz, D. , Der Weg ... , a. a. O. , S. 28.

<779>

Vgl. Volksstimme, Magdeburg, 11. 6. 1953.

<780>

Über tatsächliche und erfundene Fakten zu Umtrieben des "Klassenfeindes" berichtete damals monatelang Tag um Tag die Presse. Ihre tendenziöse Berichterstattung trug dazu bei, daß bei linientreuen Genossen Vorbehalte gegenüber Großbauern über längere Zeit weiter fortbestanden. Eine solche Einstellung war typisch für das Hereinfallen der Genossen auf die eigene Propaganda in der gesamten Zeit des Bestehens der DDR. Ihr blindes Vertrauen in die Politik der Parteiführung ließ sie dann - bei notwendigen Kurskorrekturen - politisch-ideologisch oftmals schwerfällig handeln.

<781>

GBl. 1953, Nr. 78, S. 807.

<782>

Vgl. Volksstimme, Magdeburg, 13. 6. 1953.

<783>

Vgl. GBl. 1953, Nr. 80, S. 821 f.

<784>

Ebenda.

<785>

Vgl. ebenda.

<786>

Vgl. Piskol, J. , Zur sozialökonomischen Entwicklung ... , a. a. O. , S.430.

<787>

Vgl ebenda.

<788>

Vgl. GBl. 1953, Nr. 99, S. 983-985.

<789>

Vgl. GBl. 1954, Nr. 23, S. 225 f.

<790>

Vgl. GBl. 1953, Nr. 130, S. 1231.

<791>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/45, Bl. 73.

<792>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/44. Bl. 90.

<793>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/45, Bl. 88.

<794>

Vgl. ebenda, Bl. 199.

<795>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/46, Bl. 14.

<796>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/44, Bl. 52.

<797>

Ebenda.

<798>

Ebenda, Bl. 232.

<799>

Vgl. ebenda. Allerorten war im Bezirk Magdeburg eine solche Stimmung anzutreffen, wie die im Bericht über die Verwirklichung der neuen Beschlüsse von Partei und Regierung in der FDJ vom 23. 7. 1953 geschilderte. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/44, Bl. 232.

<800>

LAMD-LHA, IV/4/5/44, Bl. 75.

<801>

Dabei handelte es sich um die zuvor erwähnte Verordnung des Ministerrates über Erleichterungen in der Pflichtablieferung und zur weiteren Entwicklung der bäuerlichen Wirtschaften. Vgl. GBl. 1953,Nr. 80, S. 821 f. “

<802>

LAMD-LHA, IV/4/5/48, Bl. 153.

<803>

Daraufhin sah sich die Abteilung Landwirtschaft zu der selbstkritischen Einschätzung veranlaßt, sie müsse bei ihren kommenden Einsätzen auf dem Lande so auftreten, daß “... nicht wieder solche Fragen ... , ob auch die Durchführung der Ministerratsbeschlüsse garantiert sei“, einer Klärung bedürften. LAMD-LHA IV/4/5/44, Bl. 81.

<804>

Im folgenden wird die Kommission des Rates des Kreises als Kreiskommission bezeichnet.

<805>

Vgl. LAMD-LHA IV/4/5/44, Bl. 87.

<806>

Vgl. ebenda, Bl. 86.

<807>

Vgl. LAMD-LHA IV/4/5/47, Bl. 139.

<808>

Vgl. ebenda.

<809>

Die Ernte ging in die Hände des Eigentümers über, der aber die Aufwendungen für Bestell- und Pflegearbeiten zu begleichen hatte.

<810>

In diesen Schreiben legten sie ihre wirtschaftliche Lage dar.

<811>

Im Regelfalle legte sie fest, daß die LPG die ihnen übertragenen Betriebe behalten durften.

<812>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/47, Bl. 139.

<813>

Vgl. ebenda.

<814>

Vgl. ebenda.

<815>

Volksstimme, Magdeburg, 29. 6. 1953.

<816>

Vgl. ebenda.

<817>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/47, Bl. 141.

<818>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/48, Bl. 133.

<819>

Vgl. GBl. 1953, Nr. 80, S. 821 f.

<820>

Vgl. LMD-LHA, IV/4/5/45, Bl. 87.

<821>

Vgl. Meyer, K. , Die Entwicklung der Großbauernschaft im Prozeß der sozialistischen Revolution der DDR bis zu ihrem Übergang in die Klasse der Genossenschaftsbauern (1949/50 bis 1961), nachge-wiesen am Beispiel des mittelsächsischen Raumes, Leipzig 1971, S. 111.

<822>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/45, Bl. 85.

<823>

Die ordnungsgemäße Lagerung der sichergestellten Einrichtungen und Gegenstände sollte genau überprüft und keine Mißstände bei der Rückgabe der Sachen geduldet werden.

<824>

LAMD-LHA, IV/4/5/45, Bl. 111.

<825>

Ebenda.

<826>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/46, Bl. 118.

<827>

Vgl. ebenda, Bl. 184.

<828>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/47, Bl. 221.

<829>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/48, Bl. 83.

<830>

LAMD-LHA, IV/4/5/47, Bl. 332.

<831>

Ebenda, Bl. 333.

<832>

Ebenda.

<833>

LAMD-LHA, IV/4/5/48, Bl. 154.

<834>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/49, Bl. 15.

<835>

LAMD-LHA, IV/4/5/47, Bl. 301.

<836>

Ebenda, Bl. 304.

<837>

Zwischenzeitlich trat in der Interpretation von Handlungsweisen der Großbauern im Sprachgebrauch des Sekretariats der SED-KL und der Abteilungen der KL ein gewisser Wandel ein. Beispielsweise sprach es - wenn Großbauern das Soll nicht erfüllten - nicht mehr von "Sabotage" oder bewußter Nichterfüllung des Solls, sondern von "Schwierigkeiten" bei der Sollerfüllung. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/51, Bl. 267.

<838>

LAMD-LHA, IV/4/5/57, Bl. 13.

<839>

Ebenda.

<840>

Dieser kurzzeitige Aufschub ähnelte der Neuen Ökonomischen Politik (NEP) in Sowjetrußland.

<841>

LAMD-LHA, IV/4/5/52, Bl. 17.

<842>

Emmer. M. , a. a. O. , S. 20.

<843>

Lenin, W. I. , Gesamtrussischer Sowjetkongreß, Werke, Bd. 33, Berlin (O) 1962, S. 139.

<844>

Die werktätigen Einzelbauern mußten im Vergleich zu früher weniger merkliche Nachteile in Kauf nehmen, da der Anteil der LPG an der LN eines Dorfes in den ersten Jahren des Umgestaltungs-prozesses ein geringer gewesen ist. In den letzten Jahren der LPG-Bildung - mit der immensen Zunahme an Genossenschaften und deutlicher Verringerung der Einzelbauernwirtschaften - trat eine spürbare Benachteiligung dieser Kategorie von Bauern zutage.

<845>

Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 214. Diese Zahl ist von ihrer Wertigkeit her schwer einzuordnen, weil erst Mitte des Jahres 1952 die LPG-Bildung einsetzte. Als dieser Prozeß begann, war das Frühjahrs-pflügen schon erledigt.

<846>

Sehr ausführlich ist dazu im vorangegangenen Abschnitt Stellung genommen worden.

<847>

Dokumente der SED, Bd. V, a. a. O. , S. 44.

<848>

Im Kreis Haldensleben galten vornehmlich Großbauern und kirchliche Kreise als "Klassengegner".

<849>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/48, Bl. 154.

<850>

Nicht jeder LPG-Bauer fühlte sich aber von diesem inoffiziellen Kräftemessen inspiriert.

<851>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/49, Bl. 343.

<852>

Vgl. Emmer, M. , a. a. O. , S. 84.

<853>

Vgl. Staats- und Rechtsgeschichte der DDR, Grundriß, Berlin (O) 1983, S. 137.

<854>

Emmer, M. , a. a. O. , S. 114.

<855>

Wiederum mit der Absicht, intakte einzelbäuerliche Betriebe in den genossenschaftlichen Sektor der Landwirtschaft überführen zu können.

<856>

Emmer, M. , S. 113 und vgl. LAMD-LHA, IV/2/2/, Bl. 12a.

<857>

Vgl. LAMD-LHA, IV/2/7, Bl. 20.

<858>

Vgl. Volksstimme, Magdeburg, 5. 1. 1960.

<859>

Emmer, M. , a. a. O. , S. 133.

<860>

Eine eingehende Erklärung des Begriffes "Arbeitseinheit" (AE) erfolgt im Abschnitt 2 2.5.2.

<861>

Vgl. Volksstimme, Magdeburg, 19. 1. 1960.

<862>

Von ganz wenigen Ausnahmen im Republikmaßstab abgesehen, vollzogen auch die Großbauernbetriebe bis zum Frühjahr 1960 den Übergang in LPG, insofern sie nicht ihre Wirtschaft aufgegeben oder die DDR verlassen hatten.

<863>

Die Parteiführung verlangte, auch in den LPG die Bewertung der Arbeit entsprechend der Leistung durchzusetzen. In den staatlichen Industrie- und Landwirtschaftsbetrieben fand dieses Prinzip be reits Anwendung.

<864>

Im Detail sah dies wie folgt aus: Drusch 89,5 %, Feldarbeiten 91,2 %, Transport 286 %.

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/41, Bl. 19. Es ist unmöglich, hierzu ein Bezugssystem zu finden. Offensichtlich handelte es sich um Ungleichgewichte in der Planerfüllung.

<865>

LAMD-LHA, IV/4/5/41, Bl. 210.

<866>

Vgl. ebenda, Bl. 211.

<867>

Vgl. ebenda.

<868>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/42, Bl. 110.

<869>

Zu den LPG mit unzureichender Entwicklung gehörten die LPG Alleringersleben, Bebertal und Neuenhofe.

<870>

LAMD-LHA, IV/4/5/42, Bl. 111. So z. B. in den LPG Alleringersleben, Groß Santersleben und Hakenstedt.

<871>

In der LPG Hilgesdorf sogar vorzeitig, obwohl hier nur ein Pferdegespann und 39 Kühe zur Verfügung standen. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/43, Bl.. 11.

<872>

Die Ausführungen folgen hier dem "Lexikon Recht der Landwirtschaft der Deutschen Demokrati-schen Republik", erarbeitet von einem Autorenkollektiv unter Leitung von R. Arlt, Berlin (O) 1975, S. 27.

<873>

Schmidt, W. , Das Statut ... , a. a. O. , S. 76.

<874>

Als Bewertungsfaktor drückt die AE Kompliziertheit, Bedeutung und Verantwortlichkeit der Arbeit aus.

<875>

Den Wert der planmäßigen AE und des eingebrachten Bodens bestätigte die Mitgliederversammlung.

<876>

Vgl. GBl. Nr. 181, S. 1376, S. 1380, S. 1383.

<877>

Vgl. ebenda, S. 1384.

<878>

Wie unteilbare Fonds, Prämien-, Sozial-, Kultur- und Hilfsfonds.

<879>

Vgl. GBl. 1952, Nr. 181, S. 1378.

<880>

Vgl. ebenda, S. 1382.

<881>

Vgl. ebenda, S. 1387. Während die LPG vom Typ I und II ausschließlich Produkte des Ackerbaus ver-teilten, kamen bei LPG des Typs III noch Gärtnereierzeugnisse hinzu.

<882>

GBl. 1952, Nr. 181, S. 1387.

<883>

Der Planwert der AE wurde multipliziert mit der Zahl der AE, die das Genossenschaftsmitglied im betreffenden Monat leistete. Vgl. Lexikon Recht der Landwirtschaft der Deutschen Demokratischen Republik, a. a. O. , S. 359.

<884>

Vgl. Schmidt, W. , Das Statut ... , a. a. O. , S. 68 f.

<885>

Vgl. ebenda. Einige LPG nahmen bereits vor Abschluß der LPG-Bildung die Gesamtvergütung differenziert zwischen den Brigaden vor. Sie bewerteten die Leistungen der Brigademitglieder nicht nur nach den Ergebnissen der LPG als Ganzes, sondern gleichfalls nach der Planerfüllung einer jeden Bri- gade. Jedem Brigademitglied beabsichtigten sie mit dieser wettbewerbsähnlichen Vorgehensweise zu erdeutlichen, wie sehr von seiner Leistung die Ergebnisse seiner Brigade abhingen und daß sich gute rbeit für den Einzelnen stets lohne.

<886>

Zusätzlich zu den 0,5 ha Ackerland durfte beispielsweise jede Bauernfamilie, die einer LPG vom Typ III beitrat, an Vieh behalten:

"bis zu 2 Kühe mit Kälbern,

bis zu zwei Mutterschweine mit Nachwuchs,

eine unbegrenzte Zahl von Schafen, Ziegen, Geflügel, Kaninchen und anderes Kleinvieh,

bis zu 10 Bienenstöcke,

1 Pferd mit 1 bis 2 Fohlen oder

1 Ochsen." GBl. 1952, Nr. 181, S. 1384.

<887>

Cesarz, W. , Die persönliche Hauswirtschaft in den LPG Typ III, Berlin (O) 1960, S. 9.

<888>

Weber, A. , Umgestaltung der Eigentumsverhältnisse und der Produktionsstruktur in der DDR, angefertigt für Deutscher Bundestag, Enquete-Kommission, "Aufarbeitung und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland", Kiel 1993, S. 15.

<889>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/47, Bl. 291.

<890>

Vgl. ebenda, Bl. 291. Die Vergütungen sind auf der nächsten Seite aufgeführt.

<891>

Unstimmigkeiten gab es in verschiedenen LPG des Kreises in Fragen der Vergütung der Landarbeiter, die keiner Genossenschaft angehörten. Ihre Entlohnung erfolgte, wie die der Genossenschaftsbauern, gleichfalls nach AE. Sie erhielten dieselben Rechte wie die Mitglieder. In Verfolgung ihrer materiellen Interessen sperrten sie sich des öfteren, Pflichten zu übernehmen.

<892>

Der vorgenannte Personenkreis erhielt weiter die Aufgabe, Arbeitspläne zur Verbesserung des Arbeitsablaufs der jeweiligen LPG zu erstellen. Unterstützung dieser Art sollte neben anderen den LPGBebertal I und II sowie der LPG Ostingersleben zuteil werden, obwohl in der Gemeinde eine MTS hren Sitz hatte.

<893>

Erschwerend kam die unterschiedliche Interessenlage der LPG-Mitglieder der einzelnen Typen hinzu.

<894>

Ebenfalls wäre eine Verrechnung des Grünfutters in Getreidewerte und mit den Naturalien für AE und dem eingebrachten Boden notwendig gewesen.

<895>

Über den unteilbaren Fonds wird an anderer Stelle ausführlich berichtet.

<896>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/47, Bl. 307.

<897>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/49, Bl. 372.

<898>

Vgl. ebenda.

<899>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/48, Bl. 270.

<900>

Vgl. ebenda, Bl. 75.

<901>

Ihre Ausarbeitung erfolgte erst im weiteren Verlauf der LPG-Entwicklung.

<902>

In den LPG bestanden ständige Produktionsbrigaden für den Feldbau, die Viehwirtschaft und - falls erforderlich - für den Gemüseanbau und die Bautätigkeit einer LPG. Jede Brigade untergliederte sich in einzelne Arbeitsgruppen. Die Leitung einer Brigade lag bei einem Brigadier, der von der Mitgliederversammlung bestätigt werden mußte.

<903>

Beispielsweise die ganzjährige Bereitstellung von Futtermitteln in Genossenschaften mit gemeinsamer Tierhaltung und die Vermeidung von Leerläufen im Produktionsprozeß.

<904>

Vgl. GBl. 1952, Nr. 181, S. 1389.

<905>

U. a. betraf dies die LPG Böddendorf, Hakenstedt und Wedringen.

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/41, Bl. 208.

<906>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/49, Bl. 105.

<907>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/47, Bl. 301.

<908>

LAMD-LHA, IV/4/5/44, Bl. 75.

<909>

So davon, ob und wie sie die Arbeitszeit ausnutzten, ob sie während der Arbeitszeit dem Alkohol zusprachen. Letztere Verhaltensweise trat anfänglich gehäuft in LPG des Kreises Haldensleben auf.

<910>

Vgl. LMAD-LHA, IV/4/5/51, Bl. 248.

<911>

Vgl. ebenda.

<912>

Mit Fleiß und Umsicht konnten die Genossenschaftsbauern aus ihrer persönlichen Hauswirtschaft ein Mehrfaches des in den LPG zu erzielenden Arbeitsverdienstes herausholen. (1,5 AE . 7 . 0,8 ergaben 9 DM pro Tag. Bei 24 Arbeitstagen pro Monat ergab sich ein zusätzlicher Erlös von 201, 60 DM für diesen Zeitraum.)

<913>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/51, Bl. 248.

<914>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/52, Bl. 12. An diesem Beispiel zeigt sich, wie schwer es dn Genossenschaftsbauern zumindest anfänglich fiel, ihre privaten Interessen mit denen ihrer LPG in Einklang zu bringen.

<915>

Über die Ursachen des notorischen Arbeitskräftemangels in den LPG wird an anderer Stelle ausführlicher Stellung genommen.

<916>

Unmißverständlich sei hier festgestellt: "Demokratie" - echte, nicht demagogisch verfärbte - war eine der großen Schwachstellen im politischen System der DDR. Zwischen einer gewissen Demokratie an der Basis der LPG und den fortwährenden Eingriffen "von oben" tat sich ein deutlicher Widerspruch auf. Im Kreis Haldensleben vertiefte er sich in der Endphase der LPG-Bildung noch.

<917>

Diese Prinzipien sind auf der folgenden Seite einzusehen.

<918>

Die Einbeziehung der LPG-Mitglieder in die Leitung der LPG sollte außer in den Mitgliederversammlungen auch über Brigade- und Abteilungsversammlungen, die Mitarbeit in Kommissionen und die Beteiligung an Vorstandssitzungen erfolgen.

<919>

Der Vorstand hatte die Pflicht, mindestens zweimal innerhalb eines Wirtschaftsjahres der Mitgliederversammlung einen Rechenschaftsbericht zu geben und in der Regel allmonatlich eine Mitgliederversammlung einzuberufen.

<920>

In Rottmersleben ist es aber beispielsweise so gehandhabt worden, daß vor den Sitzungen des Vorstands keine Leitungssitzungen und vor den Vollversammlungen keine Mitgliederversammlungen stattfanden.

<921>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/48, Bl. 268.

<922>

Schlüssige Angaben über die Anzahl der Republikfluchten von Bauern in den Anfangsjahren der LPG-Bildung konnten dem zugänglichen Archivmaterial nicht entnommen werden.

<923>

Vgl. Schmidt, W. , Das Statut ... , a. a. O. , S. 29. Einzelne Mitglieder erhielten in Ausnahmefällen eine höhere Vorschußzahlung, wenn dieser Leistung ein zustimmender Beschluß der Mitgliederversammlung vorausging. Zuvor aber hatte der Vorstand der jeweiligen LPG die Zustimmung des Rates des Kreises und der Kreisstelle der Deutschen Bauernbank einzuholen.

<924>

Dabei handelte es sich um Kredite, deren Laufzeit abgelaufen war und deren Rückzahlung die LPG aus Liquiditätsgründen nicht vornehmen konnten.

<925>

Schmidt, W. , Das Statut ... , a. a. O. , S. 29.

<926>

Vgl. ebenda, S. 30.

<927>

Ebenda, S. 31.

<928>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/48, Bl. 38.

<929>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/53, Bl. 38. Der Begriff "Überbrückungskredit" brachte zum Ausdruck, daß zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen in LPG - d. h. auch zur Sicherung der AE bis zu einer Höhe von 7 DM - ein Kredit ausgereicht wurde.

<930>

So wurden z. B. die vom Kreissekretariat geforderte monatliche Schulung und der Erfahrungsaus tausch mit den Vorsitzenden der LPG und den LPG-Beiräten aufs gröblichste vernachlässigt.

<931>

Vgl. LAMD-LHA, 4/4/5/58, Bl. 44.

<932>

Vgl. ebenda, Bl. 205.

<933>

Ebenda, Bl. 46.

<934>

Vgl. ebenda, Bl. 206.

<935>

Ebenda. Das würde bedeuten, daß diese LPG am Jahresende mit Gewinn abgeschlossen hätten. Angesichts vielerlei Probleme sind Zweifel an dem Wahrheitsgehalt dieser Feststellung angebracht.

<936>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/58, Bl. 206.

<937>

Vgl. ebenda, Bl. 203.

<938>

Vgl. ebenda, Bl. 207.

<939>

Vgl. ebenda, Bl. 206.

<940>

Vgl. ebenda und Anmerkung 106.

<941>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/58, Bl. 206.

<942>

Vgl. ebenda.

<943>

Ebenda.

<944>

Ebenda, Bl. 208.

In dem Bericht ist weiter zu lesen, die Bildung von Ständigen AG würde dazu beitragen, den Ge-nossenschaftsgedanken zu festigen. Vgl. ebenda.

<945>

Beredte Beispiele hierfür fanden sich in den LPG Rätzlingen und Behnsdorf.

<946>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/58, Bl. 216.

<947>

Vgl. ebenda.

<948>

Zu diesen LPG zählten die Genossenschaften Rätzlingen, Süplingen und Wedringen.

<949>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/57, Bl. 289.

<950>

LAMD-LHA, IV/4/5/58, BL. 224.

<951>

Vgl. ebenda, Bl. 228. In den LPG Bebertal, Erxleben und Wedringen traten diese Erscheinungen besonders kraß auf.

<952>

Vgl. ebenda, Bl. 234.

<953>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/58, Bl. 209.

<954>

Vgl. ebenda, Bl. 210.

<955>

Vgl. ebenda.

<956>

Dies gelang den LPG Döhren, Hödingen und Hundisburg.

<957>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/58, Bl. 234.

<958>

Künftig sollte in zweijährigem Turnus eine Kreiskonferenz der LPG des Kreises Haldensleben stattfinden.

<959>

Vgl. ebenda, Bl. 227.

<960>

Nur bei Kenntnis dieser Sachlage ist es zu verstehen, daß die LPG Süplingen für Saisonarbeiten statt der geplanten 10 000 DM 29 000 DM verauslagte, während sie die laut Plan zur Verfügung steh- enden AE wenig beanspruchte. In dieser LPG sowie weiteren leisteten einige Mitglieder jährlich nicht mehr als 30 bis 40 AE, anstatt des Kreisdurchschnitts von 400 AE. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/58,Bl. 206.

<961>

Es handelte sich dabei um die LPG Döhren, Hödingen und Hundisburg. Laut Jahresendabrechnung bererfüllten die LPG Hasselburg und Nordgermersleben gleichfalls den Plan. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/59, Bl. 175.

<962>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/58, Bl. 249.

<963>

Vgl. ebenda.

<964>

Vgl. ebenda. Zu diesen LPG gehörten neben anderen die LPG Eimersleben, Mannhausen und Wedringen.

<965>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/59, Bl. 52

<966>

Die LPG Bebertal, Erxleben und Wedringen zählten zu den LPG, die bei der SED-KL und dem Rat des Kreises beinahe ausnahmslos kritisch Erwähnung fanden.

<967>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/59, Bl. 69.

<968>

Die geringe Produktivität der Baubrigaden verhinderte raschere Fortschritte im ländlichen Bauwesen.

<969>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/57, Bl. 224. Auf diesem Blatt finden sich weitere Angaben über das ländliche Bauwesen.

<970>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/57, Bl. 173.

<971>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/42, Bl. 50.

<972>

Verordnungen bedurften im Gegensatz zu Gesetzen nicht der Zustimmung der Volkskammer.

<973>

Darunter verstanden die Partei- und Staatsorgane Andersdenkende, Ostflüchtlinge und Volksdeutsche, nichtneutralisierte Ausländer, ehemalige Berufssoldaten, Angehörige vermögender und selbständiger Berufe, Bürger mit Westverwandten, illegale Grenzgänger, Handwerker und Gastwirte. Letzteren unterstellten die Behörden häufig Verstöße gegen die Bewirtschaftungsvorschriften.

<974>

Unter ihnen acht Großbauern, drei Mittelbauern, sechs Kleinbauern und zwei Neubauern. Vgl. Kübler, Th. , Dokumentation: Zwangsum- und Aussiedlung in den fünfziger Jahren, untersucht und dargestellt am Beispiel des Kreises Haldensleben, Haldensleben 1992, Dokumentenanhang, Dok. XXVII und XXVIII.

<975>

Vgl. ebenda, S. 20.

<976>

Die Sperrmaßnahmen der DDR vom Mai 1952, Die Sperrmaßnahmen der Sowjetzonenregierung an der Zonengrenze und um Westberlin, faksimilierter Nachdruck des Weißbuches von 1953, Bonn 1987, S. 14.

<977>

Die Sperrmaßnahmen ... , a. a. O. , S. 13.

<978>

Kübler, Th. , a. a. O. , S. 7 und vgl. ebenda Dokumentenanhang, Dok. VII-IX.

<979>

Diese Erleichterungen trafen in hervorragendem Maße auf die Bauern der Gemeinden Döhren und Walbeck zu.

<980>

Vgl. Kübler, Th. , a. a. O. , S. 20.

<981>

Ebenda.

<982>

Ebenda, S. 19.

<983>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/56, Bl. 61.

<984>

Instrukteurbrigaden der SED-KL bestanden ausschließlich aus SED-Mitgliedern. In Kommissionen, wie beispielsweise der zur "Überprüfung spezieller Probleme der Produktionsentwicklung", wurden Mitglieder der Blockparteien und Parteilose miteinbezogen.

<985>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/47, Bl. 47.

<986>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/52, Bl. 41.


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