Mahlich, Wolfgang: Die Herausbildung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in der DDR, dargestellt an der Entwicklung des Kreises Haldensleben, Bezirk Magdeburg (1952 bis 1960)

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Kapitel 3. Zwischen Stagnation und Beschleunigung (1956 bis Mitte 1958)

3.1 Die Entwicklung auf dem Lande vom Beginn des Jahres 1956 bis Mitte 1958 (Kurzer Abriß)

Die zweite Fünfjahrplanperiode hob mit einer Maßnahme an, die sämtlichen Bauern zum Vorteil gereichte: der Abschaffung des Viehhalteplans. Künftig blieb es LPG und Einzelbauern nach Erfüllung der Marktproduktion überlassen, soviel Vieh zu halten, wie es ihre betriebliche Situation zuließ. Parallel dazu trat eine Erzeugerpreisreform in Kraft, die den LPG auf längere Sicht erhebliche Vorteile verschaffte.<987>

Die 3. Parteikonferenz der SED (24. bis 30. März 1956) stellte der Landwirtschaft die Aufgabe, die Erträge im Feldbau zu erhöhen, Verbesserungen in Umfang und Qualität der Tierbestände zu erreichen und die LPG zu festigen. Um die wirtschaftlich-organisatorische Festigung der LPG voranzutreiben, forderte die Konferenz, neben Kleinbauern auch wirtschaftsstarke Mittelbauern für die Genossenschaften zu gewinnen; sie mahnte schrittweises Vorgehen an.<988> Die technische Ausrüstung der MTS sollte verbessert und die vorhandene Technik unter Durchsetzung der Schönebecker Methode völlig ausgelastet werden.

Die wichtigste Zielstellung des zweiten Perspektivplans, “ökonomisch auf allen Gebieten an Westdeutschland heranzukommen und es zu überflügeln“, propagierte die Parteiführung vorerst nicht in der Öffentlichkeit.<989> Die Landwirtschaft hatte beinahe alle Zielstellungen des ersten Planjahrfünfts verfehlt. Ungeachtet dessen erklärte Ministerpräsident Grotewohl im Februar 1956, ihre Aufgabe bestände darin, die entwickelten kapitalistischen Länder in der Landwirtschaftsproduktion nicht nur einzuholen, sondern zu überholen.<990> Bei der gegebenen sozialökonomischen Struktur der DDR hielt es die Parteiführung für möglich, relativ schnell “Elemente industrieller Produktion in der Landwirtschaft durchzusetzen."<991> Sie glaubte, durch die erhöhte Auslastung der Maschinerie der MTS die Arbeitsprozesse in der Landwirtschaft kostengünstig mechanisieren zu können.<992> Die Rinder- und Geflügelmast sollte in konzentrierter Form erfolgen, Arbeitsgänge wie Lagerung, Trocknung und Reinigung ausgegliedert und die Innenmechanisierung forciert werden. Von diesen Modifikationen


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versprach sich die Parteiführung bei weiterer Bildung von LPG eine beträchtliche Steigerung der Arbeitsproduktivität und betriebswirtschaftliche Vorteile der Landwirtschaft der DDR im Systemvergleich mit der Bundesrepublik Deutschland.<993>

Allmählich fanden in den Produktionsplanungen der LPG mehr als zuvor die klimatischen und Bodenbedingungen beim Anbau landwirtschaftlicher Kulturen Berücksichtigung. Anfänge von Arbeitsteilung und Spezialisierung sollten die Effektivität der Landwirtschaft erhöhen.<994>

Im Kreis Haldensleben setzte die SED-KL schrittweise die Einteilung der LN des Kreises in Produktionszonen - in das nördliche Gebiet der Altmark und das Bördegebiet im Süden des Kreises - mit spezifischen Produktionsstrukturen durch.

Zahlreiche Wirtschaften erzielten unzureichende Erträge. Von Mitte 1954 bis Mitte 1956 sahen sich in der DDR 14 297 Einzelbauernbetriebe zur Aufgabe genötigt.<995> Zur Vermeidung weiterer Produktionsausfälle und zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion gestand die staatliche Plankommission den Einzelbauernwirtschaften erweiterten ökonomischen Spielraum zu. Unter diesem Gesichtspunkt ist als erste bedeutsame Maßnahme die Aufhebung des Viehhalteplanes zu Beginn des Jahres 1956 zu sehen. Ferner blieben die seit 1953 bestehenden Pflichtablieferungsnormen auf dem gleichen Stand, während der MTS-Tarif IV, der “Großbauerntarif“, im August 1956 wegfiel. An seine Stelle trat der kostengünstigere

Tarif III.<996>

Die Parteiführung förderte weiterhin die Ständigen AG als vermeintliche Vorstufe von LPG. AG, die auf der Grundlage von Sammelarbeitsverträgen produzierten, erhielten einem Beschluß der 28. ZK-Tagung vom August 1956 zufolge einen zehnprozentigen Tarif-Nachlaß für MTS-Leistungen.<997> Dieser sah weiter vor, sie durch bevorzugte Belieferung mit Kleinmaschinen und Geräten sowie mit Vorzugskrediten zu fördern.<998> Echte genossenschaftliche Tendenzen in den AG, wie z. B. die Anschaffung von Maschinen, wies Ulbricht bereits Ende 1955 als "sinnlos“ und “falsch“ zurück, weil sie “... eine unnötige hohe finanzielle Belastung der Bauern“ bedeuten würden.<999> Zum Jahresausklang 1956, auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung, erfaßten die Ständigen AG bei 42 449 Mitgliedern nicht mehr als 9,4 Prozent der


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Einzelbauernbetriebe.<1000> Von ihnen ging für die Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktion und den Fortgang der LPG-Bildung nicht eine solche Wirkung aus, wie sie sich die Parteiführung versprochen hatte.

Die Bilanz der Landwirtschaft fiel im Jahre 1956 wiederum unbefriedigend aus. Die wichtigsten Hauptkennziffern konnten bis auf eine Position nicht erfüllt werden.<1001>

Ihr Hauptaugenmerk widmete die Parteiführung auf dem Sektor der Landwirtschaft der Festigung und Fortentwicklung der LPG. Partei und Regierung erließen vom Sommer bis zum Herbst 1956 verschiedene Beschlüsse und verabschiedeten Maßnahmen, um einen wirtschaftlichen Aufschwung der LPG herbeizuführen:

Die 28. Tagung des ZK der SED Ende Juli 1956 legte die Streichung von Krediten in Höhe von 180 Mill. DM für LPG mit komplizierten Ausgangsbedingungen und die Stundung an LPG ausgereichter Kredite fest.<1002> In den folgenden Wochen erhielt die große Zahl wirtschaftsschwacher LPG - von den 706, die im Bezirk Magdeburg bestanden, arbeiteten beispielsweise nur 130 rentabel<1003> - Produktionsbeihilfen in Höhe von 50 Mill. DM gewährt.<1004> Schließlich legte Anfang Oktober 1956 das Präsidium des Ministerrates zur Verbesserung der mängelbehafteten Arbeitsorganisation und der teilweise unglaublich negativen Arbeitsdisziplin fest, versierte Agronomen und Zootechniker sowie 1 500 Industriearbeiter in LPG zu


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entsenden.<1005>

Die Entwicklung der Genossenschaften verlief in jenem Jahr wie zuvor nicht ohne Probleme. Erfüllten sie in den Jahren 1952 bis 1955 nicht annähernd die überzogenen Erwartungen der Parteiführung, so traten ihre Schwächen 1956 wiederum sehr plastisch zu tage. Die LPG wiesen in den Produktionsleistungen trotz der genannten fördernden Mechanismen durchschnittlich unübersehbare Rückstände gegenüber den Einzelbauern auf. Diese Tendenz spiegelte sich deutlich in der Entwicklung der Höhe der AE wider. Von 1955 bis 1956 erhöhte sich die Anzahl der LPG, “die pro Arbeitseinheit ... nichts erarbeitet hatten“<1006> von 1 017 auf

1 700.<1007> Die dürftige Einkommensentwicklung in den LPG - viele Genossenschaftsbauern erzielten geringere Einkünfte als ihre individuell wirtschaftenden Berufskollegen - ließ die Zahl derer, die ihrer LPG den Rücken kehrten, nicht versiegen.

Um die Genossenschaften lebensfähig zu halten, erhöhte der Staat seine finanzielle Unterstützung. Rund 378 Mill. DM, das waren etwa 75 Prozent der an LPG-Mitglieder des Typs III ausgezahlten Gelder, stellte er zur Verfügung.<1008> Die überfälligen Kredit wuchsen von 253 Mill. DM im Jahre 1955 auf 562 Mill. DM im Folgejahr. Die Kreditbelastung der LPG erhöhte sich innerhalb von drei Jahren aufs Dreifache.<1009>

Im Herbst 1956 sah sich die Parteiführung vor unerwartete wirtschaftliche Probleme gestellt. Nach den Aufständen der Bevölkerung in Polen und Ungarn gegen die Dominanz der kommunistischen Parteien funktionierten Wirtschaftskoordinierung und Arbeitsteilung innerhalb des RGW nicht mehr in vorangegangenem Maße, wodurch in der DDR erhebliche ökonomische Probleme entstanden. Die ausbleibenden Rohstofflieferungen verlangten zusätzliche Investitionen. Sie konnten weder durch Kredite abgedeckt noch angesichts der brisanten politischen Lage durch Einschnitte in den Lebensstandard der Bevölkerung erwirtschaftet werden. Es wurde unumgänglich, die fehlenden Gelder u. a. durch Kürzungen in der Landwirtschaft aufzubringen. Die politischen Erschütterungen in Polen und Ungarn ebenso wie die Reduzierung der Mittel für die Landwirtschaft führten zu Irritationen in der Landwirtschaftspolitik der DDR, die von Ende 1956 bis zur Jahresmitte 1957 währten.

Das Tempo der LPG-Bildung hing nicht ausschließlich von der Bereitschaft der Einzelbauern ab, LPG-Mitglied zu werden oder von der Ausstrahlung, die von leistungsstarken LPG ausging. Laut unveröffentlicher Analysen plante die Pareiführung vielmehr - unter Beachtung solcher Faktoren wie der Kapazität des Staatshaushaltes, der Entwicklung des Landmaschinenbaus und der chemischen Industrie - den Fortgang der Vergenossenschaftlichung. Im Frühjahr 1956 ging sie davon aus, daß bei zumindest gleichbleibender Höhe der staatlichen Zuschüsse bis 1960 die LPG etwa 60 Prozent der LN der DDR


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bearbeiten würden.<1010> Die ungünstigeren Bedingungen ließen die Mittel knapp werden. Eine Verlangsamung des sozialistischen Aufbaus auf dem Lande - in den Akten ist von “... 32 Prozent, 40 bzw. 45 Prozent ...“ geplanter genosenschaftlicher LN zu lesen - schien unumgänglich.<1011> Anstatt der geplanten Zunahme der landwirtschaftlichen Bruttoproduktion um 21,4 Prozent prognostizierte die Staatliche Plankommission nicht mehr als 8 bis 11 Prozent am Ende des zweiten Fünfjahrplans, was ein Überholen der Bundesrepublik ausschloß.<1012> Da in der DDR die Selbstversorgung mit landwirtschaftlichen Produkten beileibe nicht abgesichert werden konnte, zeichneten sich erhöhte Lebensmittel- und Getreideimporte zu Lasten der ohnehin dünnen Devisendecke und damit neue Schwierigkeiten ab.

Die problematische Entwicklung der LPG und die Auswertung von Untersuchungsergebnissen über die Entwicklungsmöglichkeiten der individuell betriebenen Landwirtschaft veranlaßte führende Agrarexperten der DDR zu kritischem Nachdenken über die bisher praktizierte Landwirtschaftspolitik. Es artikulierte sich in Vorbehalten gegenüber der Agrarpolitik der Parteiführung verflochten mit Änderungsvorschlägen der agrarpolitischen Linie der SED, die sich eng an die Stalinsche anlehnte. Nun aber, angesichts ausbleibender Erfolge und der teilweisen Auflösung der LPG in Jugoslawien, Polen und Ungarn, sah sich die Agrarpolitik der SED vehementen Attacken ausgesetzt.<1013> Moralische Unterstützung erhielten die Kritiker durch die realistischen Einschätzungen auf dem XX. Parteitag der KPdSU im Februar 1956 und die anhebenden globalen Auseinandersetzungen über den Personenkult um Stalin. Angesichts der verschärften wirtschaftlichen Lage in der DDR kam es in der Parteispitze der SED zu Überlegungen, ob eine einschneidende Wende in der Agrarpolitik vollzogen werden müsse. Die Mehrheit der Politbüromitglieder rang sich jedoch nicht dazu durch, neue Wege bei der Entwicklung der Landwirtschaft zu beschreiten. Stattdessen sprachen sich Ulbricht, Grotewohl und der ZK-Sekretär für Landwirtschaft, Mückenberger, bereits in den Sommermonaten des Jahres 1956 mehrfach gegen die u. a. von Vieweg vertretene Auffassung aus, wirtschaftlich instabile LPG und MTS aufzulösen.<1014> Auch das Politbüromitglied Oelßner plädierte sowohl auf der 28. und 29. Tagung des ZK der SED im Juli bzw. November 1956 für die Auflösung unrentabler LPG und MTS sowie die Verlangsamung des Umgestaltungs-prozesses auf dem Lande.<1015>


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Professor Dr. Vieweg, Direktor des Instituts für Agrarökonomie der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR, Mitglied des Zentralvorstandes der VdgB (BHG) und des Zentralen LPG-Beirates beim Ministerrat der DDR, forderte nach Analysen von Unterlagen des Staatssekretariats für Erfassung und Aufkauf im Spätherbst 1956 gleichfalls eine Veränderung der Agrarpolitik. Der Einschätzung beider Agrarexperten zufolge verlief die Produktivitätsentwicklung der Landwirtschaft der DDR besorgniserregend.<1016> Die Ursache dafür sah Vieweg in erster Linie im Versagen der LPG. Er erklärte, die Agrarpolitik der DDR müsse künftig von dem Grundsatz ausgehen, “daß ein sozialistischer Staat auch über einen historisch langen Zeitraum auf dem Nebeneinanderbestehen zweier Wirtschaftsformen in der Landwirtschaft beruhen kann: einerseits auf dem staatlichen und genossenschaftlichen Sektor und andererseits auf einem größeren Sektor einzelbäuerlicher Privatbetriebe.“<1017> Ohne Anwendung von ökonomischen Zwängen, so betonte er weiter, wären die Bauern in absehbarer Zeit nicht für die LPG zu gewinnen. Gleichzeitig hielt er es für angebracht, “unwirtschaftliche LPG aufzulösen, MTS in Reparaturwerkstätten umzuwandeln und ihre Technik den Genossenschaftsbauern zu verkaufen."<1018> Ferner schlug Vieweg die Einrichtung von hinreichend mit Maschinerie bestückten Familienbetrieben einer Größe von 30 bis 40 Hektar Bodenfläche unter Vermeidung von Lohnarbeit oder die Errichtung von Großbetrieben durch Vereinigung von Familienwirtschaften zu Familien-Anteilbetrieben vor.<1019> Die Subventionierung der LPG durch den Staat sollte eingestellt werden und die Regulierung der Landwirtschaft über Preise, Steuern und Kredite erfolgen.<1020> Die Entideologisierung der Landwirtschaftspolitik, die Abkehr von der bevorzugten Behandlung der Klein- und Mittelbauern - vor allem aber der LPG - und der Abbau des Primats der Industrie gegenüber der Landwirtschaft gehörten zu seinen weiteren Forderungen.<1021>

Die Vorschläge Oelßners und Viewegs lehnte das Politbüro als unannehmbar, ja als konterrevolutionär ab. Die Aufrechterhaltung der LPG betrachtete die Parteiführung zuallererst von ihrer politischen Bedeutung her. Über Rentabilitätserwägungen hinweg gedachte sie ihre Vorstellungen von einer gesellschaftlichen Alternative zu verwirklichen. Nach einigen “dürren“ Jahren erwartete sie eine bisher ungekannte ökonomische Dynamik.

“... Aufbau des Sozialismus auf dem Lande kostet immer Geld ...“, hielt Mückenberger oppositionellen Gedankengängen entgegen.<1022> Ein Nachgeben in einer prinzipiellen Frage wie der sozialistischen


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Umgestaltung der Landwirtschaft kam für die Parteispitze von vornherein nicht in Betracht; sie befürchtete Auflösungsprozesse in anderen gesellschaftlichen Bereichen.

An dieser Stelle sei ein Gedankengang eingeflochten, dessen Umsetzung mit Wahrscheinlichkeit zu einem beträchtlichen Produktionsaufschwung der Landwirtschaft der DDR hätte führen können ... Mitte der fünfziger Jahre wurde es unumgänglich, einen Strukturwandel auf dem Lande zu vollziehen. In der Einbindung der Einzelbauern in LPG sah die Parteiführung den einzig gangbaren Weg für die künftige Gestaltung des Dorfes, die zudem objektiv den Interessen des größten Teils der Bauern entsprach. Die konkreten Gegebenheiten in der DDR erforderten ein maßvoll austariertes Überleiten der Einzelbauernbetriebe in LPG. Doch in der Frage des zeitlichen Ablaufs des Aufbaus des Sozialismus auf dem Lande prallten die Interessen der Einzelbauern und der Verfechter agrarpolitischer Veränderungen auf der einen, die der Parteiführung auf der anderen Seite, besonders heftig aufeinander.

Zu Beginn der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre verfügte eine beträchtliche Zahl von Einzelbauernwirtschaften noch über erhebliche, unausgeschöpfte Potenzen. Wie in den Anfängen der LPG-Bildung zeigten nur solche individuell wirtschaftenden Bauern Interesse LPG-Mitglied zu werden, die geringe wirtschaftliche Überlebenschancen als Einzelbauern besaßen. Selbst unter marktwirtschaftlichen Bedingungen würden in der DDR erst nach ca. 20 Jahren die Leistungsgrenzen und Rentabilitätsschwellen sämtlicher bäuerlicher Betriebe erreicht worden sein. Aber längst vor Ablauf dieser Frist hätten allmählich gewachsene Genossenschaften mit tatsächlicher Selbstverwaltung, auch ohne aufgeblähte Unterstützung des Staates, zu einer gangbaren Alternative mit sich ausweitender Anziehungskraft auf Einzelbauern werden können.<1023> Allein der Druck des Marktes hätte dazu geführt, “daß sich die Bauern den LPG hätten nicht verschließen können.“<1024> Das Beschreiten dieses Weges wäre eine Chance gewesen, die Landwirtschaft aus der damaligen Stagnation zu lösen, beträchtliche Subventionsmittel einzusparen und viele Bauern vor der Betriebsaufgabe oder vor der Flucht aus dem Lande zu bewahren.

Für die Parteiführung kam diese Variante nicht infrage. Ihre agrarpolitischen Ambitionen zielten darauf ab, durch den beschleunigten Übergang sämtlicher Einzelbauernbetriebe in LPG notwendige gesellschaftliche Entwicklungsprozesse zu überspringen, um Vorteile im ökonomischen Wettstreit der Systeme zu erlangen. Dafür entstanden Anfang 1957 mit Klärung der politischen Lage in Polen und Ungarn zugunsten der Kommunisten günstigere außenpolitische Bedingungen, die für die Vorhaben der Parteiführung zu Buche schlugen. Die Ankündigungen der UdSSR, ihre Warenlieferungen für die DDR im Jahre 1957 um 30 Prozent zu steigern und ihr einen Kredit von 340 000 000 Rubeln in konvertierbarer Währung einzuräumen, half die Macht der SED innenpolitisch zu konsolidieren.<1025>

Im Bewußtsein neu gewonnener Stärke ging die Parteiführung kompromißlos gegen jegliche Abweichung von der Parteilinie vor. Auf der 30. Tagung des ZK der SED vom 30. Januar bis 1. Februar 1957


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brandmarkte Ulbricht Viewegs Vorschläge als konterrevolutionäre Konzeption Viewegs und als “... Rückkehr zur kapitalistischen Wirtschaft, wobei die Großbauern die ökonomische Hauptkraft im Dorf werden würden.“<1026> "Jede Auflösung von Genossenschaften durch den Staat und die Partei hätten den Gegner mobilisiert“, stellte Mückenberger einige Zeit danach fest.<1027> Damit nannte er ein ganz wesentliches Element für die nachdrückliche Ablehnung des Viewegschen Agrarprogramms.

Wenn es auch Oelßner und Vieweg nicht gelang, ihre agrarpolitischen Alternativen durchzusetzen, so sollten ihre Ansichten die Parteiführung aber vorerst weiter beunruhigen und noch für einige Zeit Gegenstand innerparteilicher Diskussionen bleiben.

Trotz der Aufhebung des Anbauplans für Getreide und Kartoffeln mit Wirkung vom 1. Januar 1957, die den bäuerlichen Betrieben Spielraum eröffnete und die die Parteiführung als Vertrauensbeweis gegenüber den Einzelbauern verstanden wissen wollte, schlug die SED-Führung nun wieder eine entschiedenere Gangart bei der Errichtung des Sozialismus auf dem Lande ein. Sie dürfte maßgeblich auf die rückläufige Entwicklung der LPG-Bildung, vorwiegend in den letzten Monaten des Jahres 1956, zurückzuführen sein. Die folgende Tabelle weist diese Entwicklung aus.

Tabelle 17: Die Entwicklung der LPG der DDR in den letzten Monaten des Jahres 1956<1028>

Stichtag

LPG

Mitglieder

LN (ha)

LN (%)

30.09.1956

6 287

221 443

1 487 700

23,0

31.12.1956

6 281

219 599

1 501 000

23,1

Mückenberger erklärte, die Beachtung des Prinzips der Freiwilligkeit bei der Schaffung von LPG dürfe nicht bedeuten, die Entwicklung den Selbstlauf zu überlassen. Stattdessen sei eine weitere zielbewußte Überzeugungsarbeit unter den Bauern notwendig.

Die BL und KL der SED aktivierten daraufhin die sogenannte massenpolitische Arbeit in den Dörfern. Größere Unterstützung als zuvor erhielten sie von den Gliederungen der VdgB (BHG). Auf dem 5. Deutschen Bauerntag im März 1957 gab sich diese ein Statut, das die Festigung und Neubildung von LPG als ihre Hauptaufgabe auswies.<1029> Im Frühjahr 1957 erlebten die Landsonntage eine Neuauflage.<1030>


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Die städtischen und ländlichen GO der SED verstärkten vor den Kommunalwahlen Ende Juni 1957 ihre Agitationsarbeit auf dem Lande. Ab dem Sommer 1957 setzte die Parteiführung bei der Mitgliedergewinnung für LPG mehr als zuvor auf Parteimitglieder unter den Einzelbauern und durch ihre Arbeit mit dem Staat verbundene Landbewohner.

Nach vorangegangener Kritik der Parteiführung am Zurückweichen der VdgB vor Grundfragen der Agrarpolitik erklärte der Zentralvorstand der VdgB im August 1957, die Ständigen AG, seien kein Selbstzweck; ihre Mitglieder müßten entschiedener an die LPG herangeführt werden. Zur ersten Aufgabe der Organisation benannte er die Gewinnung von Einzelbauern für LPG.<1031> Gleichzeitig drängte der Zentralvorstand darauf, daß mehr VdgB-Ortsvorstandsmitglieder in Genossenschaften eintraten.

Die verstärkte ideologische Offensive der Parteiführung ging vorerst nicht mit einer Veränderung der politischen Linie gegenüber den Einzelbauern einher. Das Politbüro der SED faßte Anfang 1957 einen Beschluß zur Innenmechanisierung der LPG, von der auch die Einzelbauernbetriebe profitieren sollten. Es legte fest, entsprechend den Erfordernissen die Anzahl an Dämpfkolonnen, Dreschmaschinen, Förderanlagen, Häckselmaschinen und Kränen bei den BHG zu erhöhen und zur gemeinsamen Nutzung LPG und Einzelbauern zur Verfügung zustellen.<1032>

Im Herbst 1957 veränderte sich die Situation neuerlich, nachdem es der DDR im Verlaufe des Jahres gelang, sich ökonomisch und in gewissem Maße politisch zu stabilisieren. Ende September 1957 schloß sie mit der UdSSR ein Handelsabkommen ab, dessen Laufzeit sich bis 1960 erstreckte und das ihr einen Warenkredit von 400 000 000 Rubel sowie einen Valutakredit von 300 000 000 Rubel verschaffte.<1033> Dadurch taten sich ökonomische Freiräume auf, die das Politbüro der SED zu einer beträchtlichen Erhöhung der Investitionen für die Landwirtschaft nutzte.

Auf der 33. Tagung des ZK der SED (16. bis bis 19. Oktober 1957) verkündete Ulbricht ein “Aktionsprogramm des Sozialismus“. Dessen Umsetzung sollte dazu beitragen, künftig ohne teure Importe die volle Selbstversorgung mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu gewährleisten.<1034> Folgerichtig enthielt es Zielstellungen, die eindeutig über den früheren Planvorschlägen lagen.

Die Parteiführung strebte die Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion durch die Steigerung der


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Arbeitsproduktivität sowie über die Erweiterung und Festigung der LPG an. Dazu galt es, die Mehrheit der Einzelbauern, insbesondere wirtschaftsstarke Mittelbauern, für LPG zu gewinnen. Analog dazu beschloß die Tagung, den Anteil der LPG an der LN von 24,5 Prozent Ende September 1957 auf 50 Prozent bis 1960 zu erhöhen.<1035> Ulbricht forderte gleichfalls auf dieser Tagung, mehr Mais als zuvor anzubauen und - unbeschadet eindringlicher Warnungen - den Bau von Rinderoffenställen anstatt der konventionellen Massivbauten.<1036> Zur Unterstützung der Genossenschaftsbewegung sollte die verbesserte Arbeit der Staatsorgane, die Ausarbeitung von Hilfsprogrammen für ungefestigte LPG und die Aktivierung der Patenschaftshilfe beitragen.

Mit der Einstellung der kurzzeitigen, begrenzten Förderung von Einzelbauernwirtschaften rückte die Parteiführung davon ab, gleichzeitig in LPG und in individuell betriebener Landwirtschaft eine Produktionssteigerung zu erreichen. Schon ab dem Spätsommer 1957 begann sie sich von den Ständigen AG zu distanzieren, die parteioffiziell nun nicht mehr als Vorstufe von LPG angesehen wurden.<1037> Verstimmt erklärte Ulbricht auf der 33. ZK-Tagung, die Ständigen AG brächten für den sozialistischen Aufbau auf dem Lande dann Nutzen, wenn sie in LPG des Typs I mündeten. Auf eine derartige Entwicklung wartete die Parteiführung vergeblich. Die folgende Tabelle gibt Aufschluß über die Entwicklung der Ständigen AG.


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Tabelle 18: Die Entwicklung der Ständigen AG der VdgB (BHG) der DDR zwischen März 1956 und März 1957<1038>

 

AG

Mitglieder (Betriebe)

Jahr

Insgesamt

davon Sammel-arbeitsverträge mit den MTS

insgesamt

LN (ha)

je Betrieb

März 1956

8 500

3 000

25 000

3,8

31.12.1956

10 162

7 353

42 449

4,2

31.03.1957

8 513

5 457

34 842

4,1

Die Zahl der in AG vereinigten Betriebe belegt ihren geringen Anklang bei den Einzelbauern und ihre anteils- und größenmäßig untergeordnete Rolle. Ihr Rückgang im ersten Quartal 1957 ist Folge ihrer Auflösung und nicht etwa darauf zurückzuführen, daß die Mitglieder der Ständigen AG LPG gebildet hätten. Als Konsequenz auf das unergiebige Experiment erhielten die BHG keine Maschinen zur Innenmechanisierung mehr.<1039> Ende Dezember 1957 räumte Ulbricht das Scheitern des Versuchs ein, über den Weg der Bildung von Ständigen AG, zur Vergesellschaftung der landwirtschaftlichen Produktionsprozesse zu gelangen.

Nach der 32. ZK-Tagung vom Juli 1957 hob erneut eine sehr resolut betriebene Kampagne zur Gewinnung von Einzelbauern für den Eintritt in LPG bzw. zur Bildung von neuen LPG an, die nach der 33. ZK-Tagung durch Pläne zur Bündelung der Aktivitäten mit kontrollierbaren Festlegungen systematisiert wurde.<1040> Abgesehen von der Einflußnahme über Rundfunk, Presse und Fernsehen forderte die Parteiführung von den örtlichen Partei- und Staatsfunktionären, die Dorfbewohner mündlich zu agitieren, mit ihnen zu diskutieren und die Ergebnisse schriftlich festzuhalten. Unter diesem Blickwinkel maß sie der Erntehilfe durch die Patenbetriebe und der Durchführung von Landsonntagen wie zuvor Bedeutung bei.

Eine wichtige Zäsur auf dem Weg zum vollgenossenschaftlichen Dorf stellte die 2. Zentrale MTS-Konferenz dar, die Ende Januar 1958 in Greifswald stattfand. Ihre Festlegungen markierten präzise das


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weitere ökonomische und politische Vorgehen der MTS und trugen zur Beschleunigung des Umwälzungsprozesses auf dem Lande bei. Die Maßgabe, die LPG zu Musterbetrieben der DDR-Landwirtschaft zu entwickeln, verlangte von den MTS, ihre weiterhin unbefriedigende Arbeitsweise zu verbessern und sich mehr als zuvor auf die wirtschaftlich-organisatorische Festigung der Genossenschaften zu konzentrieren. “Damit wurde das Verhältnis der MTS zum sozialistischen Sektor der Landwirtschaft qualitativ neu bestimmt."<1041> Als Richtschnur für ihre künftige Arbeit beschloß die Konferenz Thesen mit folgenden Schwerpunkten:<1042>

Mit der letztgenannten Festlegung kündigte die Parteiführung die Abkehr von der bisherigen Politik gegenüber den Einzelbauern und die bevorstehende Kursnahme auf eine entschiedenere Vergenossenschaftlichung der Landwirtschaft an. Außerdem sahen die Thesen vor, die Entsendung von Industriearbeitern aufs Land fortzusetzen.<1045>

Die 1. LPG-Konferenz des Bezirkes Magdeburg Anfang Februar 1958 erarbeitete in Auswertung der 2. MTS-Konferenz ein Programm zur Steigerung der pflanzlichen und tierischen Produktion in den Genossenschaften. Es beinhaltete u. a. diese Festlegungen:<1046>

Mit diesen Maßnahmen war die Hauptrichtung der Arbeit in den LPG des Bezirkes ab 1958 vorgegeben.<1047>

Im Winter 1957/1958 wurde parteiintern mehrmals der zu langsame Fortgang des sozialistischen Aufbaus auf dem Lande und der Produktivitätsentwicklung der Landwirtschaft dieses Bezirkes gescholten. Nachdem auf einer Beratung von Parteiaktivisten am 14. Februar 1958 in Schönebeck das Bezirksparteiaktiv zunächst das Zurückbleiben des Bezirkes Magdeburg beim Umgestaltungsprozeß auf dem Lande bemängelte, kritisierte Mückenberger als Gastredner, “daß bei der Werbung neuer Mitglieder der Bezirk an letzter Stelle steht, ... daß besonders die Milchleistung hinter den anderen Bezirken zurückblieb.“<1048> Kritik mußte neben anderen die SED-KL Haldensleben hinnehmen. Sie wäre sich ihrer Verantwortung bei der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft nicht vollauf bewußt und kämpfe ungenügend um die Weiterentwicklung des sozialistischen Sektors.<1049>

Zur Belebung der LPG-Bildung verabschiedete die Volkskammer der DDR 1957/58 verschiedene Gesetze und fasste eine Reihe von Beschlüssen. Mit der Verabschiedung des Gesetzes über die örtlichen Organe der Staatsmacht vom 17. Januar 1957 erhöhte sich die Verantwortung dieser Organe sowohl gegenüber den LPG als auch den Einzelbauernwirtschaften.<1050> In dem Gesetz über die Vervollkommnung und Vereinfachung des Staatsapparates in der Deutschen Demokratischen Republik vom 11. Februar 1958 wurde verankert, daß die operative Leitung der Landwirtschaft durch die örtlichen Organe der Staatsmacht zu gewährleisten sei.<1051> Das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft hatte sich auf grundsätzliche Aufgaben der Planung und Leitung der Landwirtschaft, auf die Steigerung der landwirtschaftlichen Marktproduktion und elementare Probleme des Fortganges des Umgestaltungsprozesses auf dem Lande zu konzentrieren.<1052>

Im Juni 1958 beschloß der Ministerrat der DDR in der Absicht, die Arbeit unter den Genossenschaftsbauern zu verbessern, den Aufgabenbereich der LPG-Beiräte bei den Räten der Bezirke, Kreise und Stadtkreise zu erweitern.<1053> Im Beschluß des Ministerrates zur Förderung der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft vom 12. Juni 1958 sind verschiedene Maßnahmen für das weitere Vorgehen der Räte der Bezirke und Kreise im Hinblick auf den sozialistischen Aufbau in den Dörfern verankert.<1054> Sie beinhalteten bereits einen Teil der Festlegungen, die nach dem V. Parteitag der SED zur beschleunigten Umgestaltung der Landwirtschaft beitrugen.


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Im Winter/Frühjahr 1958 erarbeiteten die BL der SED langfristige Aktionsprogramme für den Fortgang der Umgestaltung sowie der Steigerung der Brutto- und Marktproduktion. Die Aufgaben der Landwirtschaft des Bezirkes Magdeburg widerspiegelten sich im Bezirksperspektivplan für die weitere sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft, der Mitte April 1958 die Zustimmung des Bezirkstages Magdeburg erhielt.<1055> Er sah u. a. vor, bis 1960 die Mehrzahl der Einzelbauern - darunter viele Mittelbauern - für den genossenschaftlichen Weg zu gewinnen und im Jahre 1960 60 Prozent der LN des Bezirkes genossenschaftlich zu bewirtschaften.<1056> Der Plan enthielt ferner konkrete Maßnahmen für den Übergang zur Spezialisierung und Kooperation in der landwirtschaftlichen Produktion.

Die Kreisperspektivpläne zur sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft lehnten sich eng an die der Bezirke an. Der Plan des Kreises Haldensleben enthielt folgende Schwerpunkte:<1057>

Nach diesen Vorgaben begannen die LPG und Gemeinden des Kreises mit Unterstützung der Parteiorganisationen, der staatlichen Organe, der MTS, der VEG und der Nationalen Front auf ihre Bedingungen und Ziele zugeschnittene Perspektivpläne auszuarbeiten.

Nach der 33. ZK-Tagung vom Oktober 1957 trat eine Fortentwicklung in der LPG-Bildung ein. Von Ende September 1957 bis Ende März 1958 entstanden in der DDR 1 032 neue LPG. Der Mitgliederzuwachs der Genossenschaften innerhalb dieses Zeitraumes belief sich auf

32 756.<1058> Die neuen Mitglieder, häufig wirtschaftsstarke Mittelbauern, bildeten in der Regel LPG vom Typ I oder traten LPG dieses Typs bei.<1059> Dieser LPG-Typ kam ihren Interessen am weitesten entgegen, räumte er ihnen doch ein, die individuelle Viehwirtschaft als ihre wichtigste Einnahmequelle beizubehalten. So kam es, daß in einer Gemeinde zuweilen mehrere LPG unterschiedlichen Typs bestanden.<1060>

Ab Herbst 1957 nahm die Parteiführung davon Abstand, freie Flächen per Verordnung LPG zu


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übertragen. Erstmals seit 1953 bildeten sich nun wieder eine größere Zahl von Genossenschaften, die statt aus ÖLB aus dem Zusammenschluß von Einzelbauern hervorgingen.

Wirkung zeigte die Strategie der Parteiführung, sich bei der Gewinnung von LPG-Mitgliedern auf Mitglieder und Funktionäre der SED, der Blockparteien<1061> und der VdgB zu konzentrieren, die auf dem Lande wohnten. In den Jahren 1957/1958 traten 3 800 Mitglieder der DBD und 3900 Vorstandsmitglieder der VdgB, zumeist Mittelbauern, LPG bei.<1062>

Die folgende Tabelle gewährt Einblick in die LPG-Entwicklung im Betrachtungszeitraum.

Tabelle 19: Die Entwicklung der LPG in der DDR von Ende 1956 bis Mitte 1958<1063>

Stichtag

Anzahl der LPG

Mitglieder

LN (ha)

LN ( %)

31.12.1956

6 281

219 599

1 501 000

23,1

31.03.1957

6 268

219 016

1 539 600

23,8

30.06.1957

6 295

222 177

1 562 400

24,2

30.09.1957

6 399

224 262

1 582 700

24,5

31.12.1957

6 691

229 026

1 631 812

25,2

31.03.1958

7 367

257 018

1 791 560

27,8

31.06.1958

8 069

281 041

1 926 796

29,9

Von den 6 691 LPG am Ende des Jahres 1957 gehörten 5 554 dem Typ III und 1 137 den Typen I und II an.<1064>

Der Bezirk Magdeburg verzeichnete vom Jahresbeginn 1957 bis zur 33. Tagung im Herbst 1957 nur 11 LPG-Gründungen. Bis zum Jahresende erhöhte sich diese Zahl um weitere 12<1065>, so daß am Jahresende auf seinem Territorium 719 Genossenschaften bestanden.<1066> Sie bewirtschafteten 33,1 Prozent der LN


217

dieses Bezirkes.<1067> Die Mitgliederzahl verminderte sich aber von 38 278 im September 1956 auf 37 050 Ende 1957.<1068>

Die Anzahl der LPG des Kreises Haldensleben stieg von 53 im Jahre 1956 auf 55 im Jahre 1957<1069>, darunter 53 vom Typ III und jeweils eine der Typen I bzw. II.<1070> Die Zahl der Mitglieder wuchs auf 3 231, die bearbeitete LN erstreckte sich mit 16 468 Hektar über gut ein Drittel der LN des Kreises.<1071> Im DDR-Schnitt bewegte sich die soziale Zusammensetzung der LPG-Mitglieder des Kreises Haldensleben: 1 970 Landarbeiter und sonstige Berufe, 1 631 weibliche Mitglieder, 109 Jugendliche.<1072>

Augenscheinlich zeichnete sich 1957 ein allmählicher Aufschwung in der Produktivität der Landwirtschaft der DDR ab. Es gelang, nicht nur die Planvorgaben in der tierischen Produktion zu überbieten, sondern gleichzeitig die landwirtschaftliche Bruttoproduktion um

11 Prozent zu erhöhen.<1073> Hieran hatte der sozialistische Sektor der Landwirtschaft, der seine Bruttoproduktion um 17 Prozent steigerte, "... überproportionalen Anteil."<1074> In den LPG des Typs III erhöhte sich der real erarbeitete Wert der AE von 1,70 DM 1956 auf 3,16 DM im darauffolgenden Jahr.<1075> Im Kreis Haldensleben stieg die Vergütung je AE von 7,00 DM im Jahre 1956 auf 8,40 DM im Jahre 1957.<1076> Der Arbeitskräftebesatz, der im DDR-Maßstab 1957 von 14,6 je 100 Hektar auf 14,0 sank, erhöhte sich bei regionalen Unterschieden<1077> bis Mitte 1958 wieder auf 14,6.<1078> Die Entwicklung in Industrie und Landwirtschaft gestattete, per

28. Mai 1958 die Lebensmittelkarten abzuschaffen.<1079>

Die Trendwende bei der LPG-Bildung, die im letzten Quartal 1957 anhob, setzte sich im ersten Halbjahr 1958 beschleunigt fort. Traten in der ersten Jahreshälfte 1957 in der gesamten DDR nicht mehr als 872 Bauern LPG bei, vollzogen im ersten Halbjahr 1958 18 615 Bauern diesen Schritt.<1080>

Der Aufschwung in der LPG-Bildung bestätigte sich auch im Bezirk Magdeburg. Per 30. Juni 1958 konnte


218

der Bezirk auf 788 LPG verweisen.<1081> Davon zählten 60 zum Typ I, drei zum

Typ II und 725 zum Typ III.<1082>

Die SED-Führung konstatierte im Frühjahr 1958 in der DDR einen “großen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung.“<1083> Sie glaubte, im Wettstreit der beiden Systeme die Oberhand gewinnen zu können, zumal auch in der Industrie im ersten Halbjahr 1958 Arbeitsproduktivität und Wachstum weiter zunahmen. Die Gesamtentwicklung ließ die SED- Führung zu dem Schluß gelangen, in der DDR seien die objektiven und subjektiven Voraussetzungen herangereift, “um die abschließende Etappe der Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus in der DDR einzuleiten.“<1084>

3.2 Die wirtschaftlich-organisatorische Entwicklung der LPG des Kreises Haldensleben im Zeitraum 1956 bis Mitte 1958

3.2.1 Die wirtschaftlich-organisatorische Entwicklung ausgewählter LPG des Kreises im Jahre 1956

Das 25. Plenum des ZK der SED vom Oktober 1955 und die IV. LPG-Konferenz vom

Dezember des gleichen Jahres forderten eine erhebliche Produktivitätssteigerung der DDR-Landwirtschaft. Dies betraf in erster Linie den sozialistischen Sektor, in dem die Entwicklung nicht mit den Erwartungen der SED-Führung Schritt hielt. In Anlehnung an die Richtlinien beider zentraler Tagungen stellte die SED-KL den LPG des Kreises hohe Ziele. Sie zu erreichen, sollten verschiedene Maßnahmen gewährleisten. Als wesentlichste seien genannt:

Zur Verwirklichung der Dominanz des genossenschaftlichen Sektors der Landwirtschaft leiteten Mitarbeiter der Abteilung Landwirtschaft der KL und der gleichen Abteilung des Rates des Kreises weniger leistungsstarke Genossenschaften an, um sie systematisch an das Niveau der fortgeschrittenen heranzuführen und die materiellen Interessen der Genossenschaftsbauern zurückgebliebener LPG besser zu befriedigen. Außerdem bemühten sich Agitatoren der KL und staatlicher Institutionen mehr als bisher, gefestigte Wirtschaften werktätiger Einzelbauern für LPG zu gewinnen. Das Büro der SED-KL


219

Haldensleben konkretisierte die Wichtigkeit des Werbens ökonomisch gefestigter Bauernwirtschaften, über die vorwiegend Mittelbauern verfügten: "Wir müssen erkennen, daß unsere LPG nicht dadurch gestärkt und gefestigt werden, wenn die wirtschaftlich schwächsten Betriebe in die LPG aufgenommen werden müssen, weil sie keine Produktionsgrundlage mehr haben. Solche Betriebe schwächen die Genossenschaften und tragen nicht dazu bei, daß die Überlegenheit der sozialistisch betriebenen Landwirtschaft in kürzester Zeit zum Durchbruch kommt.“<1086>

Die überwiegende Zahl der LPG des Kreises Haldensleben durchlief im Jahre 1956 eine DDR- typische Entwicklung. Präziser ausgedrückt, von wenigen Ausnahmen abgesehen, stagnierten sie.<1087> Eine Analyse der wirtschaftlich-organisatorischen Entwicklung einiger ausgewählter LPG des Kreises Haldensleben im Jahre 1956 bestätigt dies. In der LPG Wedringen deutete sich bereits Ende April 1956 an, daß sie zum Jahresende verschiedene Planziele in der tierischen Produktion nicht erreichen würde. Die Zielstellung in der Milchproduktion wurde zu diesem Zeitpunkt nur zu 70 Prozent realisiert.<1088> In der Eierproduktion belief sich der Rückstand auf 1 000 Stück.<1089> Am Jahresende mußte in dieser LPG mit einem finanziellen Ausfall von Milch in Höhe von 28 000 DM, an Schweinen von 65 000 DM gerechnet werden.<1090> Es zeichnete sich ab, daß diese LPG im Jahre 1956 die Höhe der geplanten AE von 6,80 DM nicht erreichen würde.<1091>

Die LPG Neuenhofe kam im Jahre 1956 gleichfalls nicht voran. In einer Reihe von Positionen überschritt sie die Ausgabenseite beträchtlich.<1092> Frühzeitig deutete sich an, daß bis zum Jahresende ca. 50 000 kg an Milch fehlen würden.<1093> Der geplante Ferkelbestand betrug per 30. April 1956 erst 54 Prozent.<1094> Die unzureichende Zusammenarbeit im Vorstand dieser LPG hatte eine mangelhafte Arbeitsorganisation zur Folge. Der Hauptgrund für das Zurückbleiben dieser LPG bestand indes in der fehlenden Arbeitsbereitschaft der Genossenschaftsmitglieder: Produktiv arbeiteten sie nicht mehr als sieben Stunden am Tag.<1095>

In der LPG Hörsingen, MTS-Bereich Weferlingen, lag die Milchproduktion zum Jahressoll per 30. April 1956 bei nicht mehr als 13,3 Prozent des Jahresplanes.<1096> Mit einem Ausfall von

65 000 kg mußte hier gerechnet werden. Gemessen an den Vorgaben des Viehhalteplans würden am Jahresende mindestens 50 Schweine fehlen.<1097> Vom Vorstand dieser LPG gingen kaum Initiativen zur Erreichung der Rentabilität aus. Die Arbeitsbewertung der Frauenbrigade erfolgte immer noch nach der


220

Anzahl der geleisteten Stunden. Selbst die Männerbrigaden arbeiteten kaum nach Normen.

Häufige Hochwasser im Drömlingsgebiet führten dazu, daß die dort ansässigen LPG des MTS-Bereiches Rätzlingen nur über eine ungenügende Futtergrundlage verfügten. Der Mangel an Futter ist als ein sehr wichtiger Grund für das Zurückbleiben in der Viehwirtschaft anzusehen.<1098>

Die LPG Rottmersleben, MTS-Bereich Schackensleben, die erste im Kreis Haldensleben gebildete LPG, plagten wie in ihren Anfängen größere Probleme. Die fehlende Futterbasis stand einem Aufschwung in der tierischen Produktion im Wege. Trotzdem wäre bei gewissenhafterer Arbeitsweise der Viehpfleger eine ausreichende Versorgung der Tiere gewährleistet gewesen. In der Milchproduktion blieben die Genossenschaftsbauern dieser LPG im I. Quartal 1956 um 12 000 kg hinter dem Plan zurück.<1099> Mangelhaftes Verantwortungsbewußtsein des Tierzuchtbrigadiers der LPG Rottmersleben hatte zur Folge, “daß in wenigen Tagen mehr als 600 Küken verendeten.“<1100> Zwar schloß diese LPG fünf Tage früher als geplant die Frühjahrsbestellung ab, jedoch mutet die angebliche Feststellung werktätiger Einzelbauern der Gemeinde Rottmersleben: “Hut ab in diesem Jahr vor der LPG“ nach den vorangegangenen Erläuterungen der Zustände in dieser Genossenschaft seltsam an.<1101> Unter den 18 Zugängen, die diese LPG seit ihrer Bildung im Sommer 1952 zu verzeichnen hatte, befanden sich lediglich fünf werktätige Einzelbauern.<1102> Ein Zeichen mehr dafür, wie wenig attraktiv die Mehrzahl der Bauern diese Genossenschaft fand und Fingerzeig darauf, welcher Stellenwert obiger Aussage beizumessen ist.

Wie in vielen LPG des Kreises, arbeitete auch der Vorstand der LPG Ivenrode, MTS-Bereich Flechtingen, ineffektiv. U. a. berief er, unter Verletzung der Prinzipien der innergenossen-schaftlichen Demokratie, über Monate hinweg keine Mitgliederversammlungen ein. Der Kuhstall befand sich in unzulänglichem Zustand, die Mengenbuchhaltung funktionierte nicht. Durch übermäßige Rotlichtbestrahlung ging der gesamte Kükenbestand - insgesamt 600 - ein.<1103> Die Milchproduktion wies bis Ende Mai 1956 einen Planrückstand von 10 000 kg auf, der sich bis zum Jahresende aufgrund von Leberegelbefall noch vergrößern sollte.<1104>

Aus den Akten der Sitzungen des Büros der SED-KL Haldensleben geht weiter hervor, daß den LPG Schackensleben, Hakenstedt, Gropendorf und Groß Santersleben keine Weiterentwicklung in wirtschaftlich-organisatorischen Belangen erreichten. Demgegenüber wurden die LPG Hödingen, MTS-Bereich Weferlingen und Bornstedt, MTS-Bereich Schackensleben strengeren Maßstäben gerecht. Die LPG Hödingen nahm nach Einschätzung des Büros der SED-KL eine “... äußerst günstige Entwicklung.“<1105> Bereits Ende April 1956 erfüllte sie ihr Milchsoll für das erste Halbjahr und lieferte


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darüber hinaus 22 500 kg Milch an “Freier Spitze“.<1106> Desgleichen realisierte sie gänzlich das Soll an Schweinefleisch und bereits zu diesem frühen Zeitpunkt 70 Prozent der geplanten Jahresmenge an “Freier Spitze“.<1107> In der Rindfleischerfüllung gelang ihr mit 54,4 Prozent zum Jahresplan Ähnliches.<1108> Die Zahl der Abschlachtungen reduzierte sich auf ein Minimum. Bei einer Erfüllung des Eiersolls schon nach den ersten vier Monaten des Jahres 1956 lieferte die LPG noch 1 056 Stück für den freien Aufkauf.<1109> Auf ihrer Habenseite verbuchte die LPG Hödingen, in der Genossenschaft beschäftigte Saisonkräfte für die LPG gewonnen zu haben. Werktätige Einzelbauern traten aber kaum dieser Genossenschaft bei.

Ende Juni 1956 bestätigte in einer Einschätzung die Abteilung Landwirtschaft der LPG Bornstedt, in der Feld- und Viehwirtschaft konsequent das Leistungsprinzip und eine verbesserte Einstellung zur Arbeit durchgesetzt zu haben.<1110> Die Anwendung der Schönebecker Methode habe dort zum verbesserten Zusammenwirken zwischen LPG und MTS geführt. Trotz ungünstiger Witterungsverhältnisse vermochte diese Genossenschaft, einen Qualitätssprung in allen angebauten Kulturen zu vollziehen.

Von Ausnahmen abgesehen, stagnierte jedoch im Jahre 1956 die Entwicklung der LPG des Kreises oder es zeichnete sich gar eine rückläufige Tendenz ab. Im Herbst 1956 gab das Büro der SED-KL Haldensleben zu: “Die Ergebnisse der LPG-Produktion veranlassen die werktätigen Bauern noch nicht zum LPG-Eintritt.“<1111>

Nach der Kurzbetrachtung der Entwicklung von LPG verschiedener MTS-Bereiche des Kreises Haldensleben im Jahre 1956 sollen nun Komponenten einer Einschätzung unterzogen werden, die Auskunft über Umfang und Stand der wirtschaftlich-organisatorischen Festigung der LPG des Kreises bis zum Sommer 1958 geben.

3.2.2 Produktionsergebnisse der LPG und ihre finanziellen Aspekte

3.2.2.1 Die Entwicklung der tierischen Produktion

Die tierische Produktion verkörperte in den meisten LPG den Wirtschaftszweig, der durch den Stand seiner Produktivität die Rentabilität und damit die Befriedigung der materiellen Interessen der Genossenschaftsbauern am entschiedensten bestimmte. Die Bestrebungen der LPG des Kreises gingen nach einer Maßgabe der SED-KL dahin, etwa zwei Drittel der Erlöse aus der tierischen Produktion und ein Drittel aus der pflanzlichen Produktion zu erwirtschaften.<1112> Damit standen die Genossenschaften vor der


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Notwendigkeit, die Produktivität auf dem Gebiet der Viehwirtschaft durchgehend zu verbessern. Doch auch in diesem äußerst bedeutsamen Zweig der landwirtschaftlichen Produktion verzeichneten die LPG des Kreises Haldensleben im Jahre 1956 kaum - und wenn überhaupt, dann sehr begrenzt - Fortschritte. Im Mai stieg die Milchleistung der Kühe von 5,4 kg je Tier und Tag auf 6,2 kg.<1113> Bei Jungrindern und den Schafbeständen trat ein leichter Aufschwung zutage, nicht aber bei Schweinen.<1114> Größere Schwierigkeiten offenbarten sich in der Ferkelaufzucht. Bei hohen Verlusten konnte nicht einmal der eigene Bedarf abgesichert werden. In den LPG Bebertal I und Emden bewegten sich die Aufzuchtverluste um die 50 Prozent.<1115> Die Ursachen dafür lagen in der mangelhaften Futterversorgung, den engen, unhygienischen Ställen sowie in der schlechten Pflege und Haltung der Sauen bzw. Ferkel.

Den LPG gelang es bis Ende Mai 1956 nicht, hinreichend Vertragsabschlüsse mit festen Abnehmern zu tätigen. Im späten Frühjahr 1956 bestanden Verträge mit festen Abnehmern über 238 Kühe, 502 Jungrinder und 1 344 Schweine.<1116> Der Rat des Kreises bezeichnete die Zahl der Abschlüsse als unzureichend.<1117>

Die Erhöhung der Tierbestände, besonders von Rindvieh, erforderte eine bedeutende Ertragssteigerung der Futterproduktion. Dem standen zu Beginn der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre objektive Gründe entgegen. Bedingt durch ungünstige Witterungsverhältnisse blieb der Futteranfall weit unter den mittleren Werten. Das führte dazu, daß sich besonders im Drömlingsgebiet der Kuhbestand stark verminderte. Dort wies das Futter durch sich ständig stauende Nässe eine mindere Qualität auf. Hinzu kam die Überalterung des Kuhbestandes. Beide Faktoren wirkten sich negativ auf die Milchleistung und die Güte der Milch aus.

Der bauliche Zustand der Ställe verhinderte in vielen LPG eine gesunde Aufzucht. “So sind

z. B. in den LPG Eickendorf und Belsdorf die Gebäude in einem katastrophalen Zustand, so daß die Leistungen der Tiere durch die schlechten Haltungsbedingungen negativ beeinflußt werden und von einer gesunden Jungviehaufzucht nicht gesprochen werden kann“, hieß es in einer Einschätzung des Rates des Kreises zum Kreisergebnis der Perspektivpläne der LPG im September 1956.<1118>

Im Zusammenhang mit der Auswertung der Halbjahresanalyse und der Erörterung der Perspektivplanung der LPG des Kreises Haldensleben kam es Anfang September 1956 zu Differenzen zwischen der Abteilung Landwirtschaft der SED-KL und verschiedenen LPG-Vorständen. Das Büro der SED-KL verwarf letztlich auf einer Bürositzung die Meinung verschiedener Vorstände, die Erhöhung der Viehbestände von der Erweiterung der Hauptfutterflächen abhängig zu machen.<1119>


223

Die Übernahme von ÖLB durch LPG ging mit Problemen in den Genossenschaften einher, die längere Zeit nachwirkten.<1120>Dieser Umstand erklärt teilweise den Rückgang im 100 ha-Besatz. Als typisches Beispiel sei die Entwicklung in der LPG Vahldorf angeführt. Hier ging durch das Hinzukommen größerer Flächen von Ende Juni 1956 bis Ende Juni 1957 der Besatz von 100,5 auf 49,4 je 100 ha zurück. Bei Kühen verminderte sich der Besatz in der gleichen Zeit von 43,8 auf 23,4 je 100 ha.<1121>Er lag damit aber wie zuvor über dem Durchschnitt der LPG des Kreises.

LPG mit hoher Ferkelsterblichkeit führten die Verluste ausschließlich auf die Übernahme von ÖLB zurück. Dieser Versuch einer schlüssigen Begründung ist nicht mehr als eine untaugliche Ausrede anzusehen.<1122> Zumeist lagen die Ferkelverluste an der mangelhaften Arbeitsweise der Viehpfleger sowie ihren fehlenden fachlichen Kenntnissen. Es darf aber nicht übersehen werden, daß die von den ÖLB übernommenen Tiere mitunter angekränkelt und unterernährt in die LPG gelangten.

Bei der Entwicklung der Viehbestände unterliefen verschiedenen LPG des Kreises in den ersten Monaten des Jahres 1957 ernsthafte Versäumnisse, die den Aufschwung im ersten Halbjahr geringfügiger als erwartet ausfallen ließen. In einem Teil der LPG fanden die Pflege- und Haltungsbedingungen unzureichende Beachtung. Häufiger Wechsel der Viehpfleger, teils hervorgerufen durch deren Überbelastung, tat das Seine. Ein Kreistagsbeschluß vom

23. November 1956 bei Rindern sah für 1957 einen 100 ha-Besatz von 60 Stück vor.<1123> Er konnte u. a. deshalb nicht realisiert werden, weil verschiedene werktätige Einzelbauern vor ihrem Eintritt in eine LPG ihre Kühe verkauften oder - wie z. B. in der LPG Hilgesdorf geschehen - vorwiegend Kühe mit geringer Milchleistung in die LPG einbrachten. Andererseits hielten sich einige LPG ungenügend an den Kreistagsbeschluß, der vorsah, Rinder selbst aufzuziehen. Zur Behebung der Misere in der Viehzucht standen für die LPG des Kreises im Jahre 1957 970 000 DM zur Verfügung.<1124> Wirtschaftsschwache LPG erhielten beim Viehzukauf Vergünstigungen für die gekauften Tiere bei der Sollanrechnung.

Einen günstigeren Verlauf als in den anderen LPG des Kreises nahm die tierische Produktion in der LPG Hundisburg. Sie gehörte zu den wenigen LPG, die rentabel arbeiteten. Durch den Übergang zur Gruppen- und Leistungsfütterung erreichte diese LPG im Jahre 1957 eine relativ hohe Marktproduktion. Materielle Stimuli gelangten hier erfolgreich zur Anwendung.

Der Rat des Kreises bemängelte im Sommer 1957 die angeblich aufgeblähte individuelle Viehhaltung in einigen LPG. Sie trage nicht dem erreichten Entwicklungsstand der Genossenschaften Rechnung, sondern untergrabe deren Grundlagen. Den Mitgliedern würde der Blick dafür verstellt, daß zuerst gute


224

Arbeit in der LPG zur Verwirklichung ihrer materiellen Interessen beitrüge. Die Genossenschaftsbauern mit ausgeprägter individueller Viehhaltung würden verkennen, daß die Genossenschaft und nicht die individuelle Hauswirtschaft, ihre Existenzgrundlage darstelle. Private Bereicherung dürfe nicht geduldet werden.<1125> Der Rat ließ außer acht, daß viele Genossenschaftsmitglieder auf die Einkünfte aus der individuellen Hauswirtschaft für das Bestreiten ihres Lebensunterhaltes nicht verzichten konnten.

Ab der zweiten Hälfte des Jahres 1957 entwickelte sich die tierische Produktion der LPG des Kreises Haldensleben insgesamt günstiger. Zuvor trat überwiegend bei Rindern laut einem "Bericht über den Entwicklungsstand der LPG im Kreis Haldensleben ..."<1126> vom 15. August 1957, ein deutlicher Rückgang zutage. Der 100 ha-Besatz sank demnach vom 30. Juni 1956 bis zum 30. Juli 1957 von 47 auf 43 Stück, bei Kühen von 21,1 auf 20 Stück.<1127> Die Abteilung Landwirtschaft forderte daraufhin in Übereinstimmung mit dem Büro der KL, ein erhebliches “... Zurückbleiben des 100 ha-Besatzes der LPG gegenüber den einzelbäuerlichen Betrieben im Kreisdurchschnitt könne nicht mehr länger geduldet werden."<1128> Diese Feststellung kontrastiert mit der im selben Bericht getroffenen Aussage, die Arbeitsproduktivität in den LPG des Kreises Haldensleben sei auch in der tierischen Produktion rascher angestiegen als im einzelbäuerlichen Sektor.<1129>

Einem umfassenden Bericht "Die Ergebnisse der Entwicklung der LPG des Kreises Haldensleben im ersten Halbjahr 1958“<1130> zufolge, erhöhte sich in den letzten 12 Monaten der Viehbestand erheblich. Besonders traf dies auf Rinder, Schafe und Legehennnen zu. Als Beleg dafür wird die Entwicklung im MTS-Bereich Schackensleben angeführt. In diesem Bereich ergab sich an Rindern dieser Trend:


225

Tabelle 20: Die Entwicklung des Rinderbesatzes im MTS-Bereich Schackensleben zwischen Juni 1957 und Juni 1958<1131>

Stichtag

Rinder insgesamt (je 100 ha)

davon Kühe (je 100 ha)

03.06.1957

03.12.1957

03.06.1958

41,6

43,0

47,5

20,7

21,0

23,4

Seit der letzten Zählung der Viehbestände des Kreises am 30. Juni 1957 erhöhte sich der Rinderbesatz bis zum Sommer 1958 von 48,1 auf 50,1 je 100 Hektar.<1132> Die Werte der natürlichen Aufzuchtgebiete in den MTS-Bereichen Klüden und Rätzlingen bewegten sich jedoch unter dem Kreisdurchschnitt.<1133> In dem Bericht wurde die unbefriedigende Entwicklung des Durchschnittsbestandes an Kühen im MTS-Bereich Klüden vermerkt, der 3 712 Stück betrug.<1134>

Als Ursachen für die erwähnten Defizite im MTS-Bereich Klüden sind zu benennen:

Es müsse das Ziel der LPG dieses Bereiches sein, alle Jahre ein Kalb pro Kuh aufzuziehen.

Zur Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung mit Rindfleisch versuchte die Abteilung Landwirtschaft, im Jahre 1958 mit möglichst vielen LPG Rindermastverträge abzuschließen.<1135>

Die Mehrheit der LPG des Kreises nahm dieses Anerbieten an. Ihren Mitgliedern bot sich durch die Aufzucht von qualitativ hochwertigen Rindern die Möglichkeit, höhere Einkünfte zu erzielen und ihre materiellen Interessen umfassender zu verwirklichen. In der ersten Hälfte des Jahres 1958 Jahres Jahres 1958 schloß z. B. die LPG Bebertal II 54 Mastverträge ab.<1136>


226

In der Milchproduktion erreichten beinahe alle LPG des Kreises höhere Werte als ein Jahr zuvor; lediglich drei verzeichneten einen leichten Rückgang.<1137> Wie aus der folgenden Aufstellung hervorgeht, erhöhte sich die Milchproduktion der LPG des Kreises Haldensleben im Zeitraum vom 1. Januar 1956 bis zum 30. Juni 1958 stetig.

Tabelle 21: Die Milchproduktion der LPG des Kreises Haldensleben im ersten Halbjahr der Jahre 1956 bis 1958<1138>

Zeitraum

Milch-

produktion (kg/ha)

01. 01. 1956 bis 30. 06. 1956

206,3

01. 01. 1957 bis 30. 06. 1957

214,3

01. 01. 1958 bis 30. 06. 1958

290,0

Im Jahre 1958 betrug die Steigerung gegenüber dem Vorjahr 35,3 Prozent.<1139> Die verbesserten Resultate standen im engen Zusammenhang mit der Erhöhung des 100 ha-Besatzes bei Kühen um 11,3 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.<1140> Die Spitzenposition unter den LPG behauptete die LPG Hundisburg. In der Milchproduktion je Hektar nahm sie die erste, in der Leistung je Kuh die vierte und im 100 ha-Besatz wiederum die erste Stelle ein.<1141> In der Milchproduktion je Hektar lag das Aufkommen dieser LPG am 30. Juni 1957 bei 460 kg, am 30. Juni 1958 aber bereits bei 634 kg.<1142>

Mit Beginn des Jahres 1958, als sich in den LPG des Kreises Haldensleben die Tendenz zur Spezialisierung verstärkte, betraf diese Entwicklung in der der tierischen Produktion vorrangig die Milchproduktion. Zum Hauptproduktionsgebiet für die Milcherzeugung sollte der Altmarkteil des Kreises Haldensleben entwickelt werden. Hier bestanden langjährige Traditionen in der Viehzucht.

Die Weiterentwicklung der LPG Bebertal II mit einer Gesamtfläche um 310 ha Ende des Jahres 1957 läßt sich laut Aktenlage besonders anhand der Entwicklung der Milchproduktion nachvollziehen. Betrug diese im Jahre 1954 noch 67 184 kg, so gelang es den Genossenschaftsbauern durch sorgfältigere Wartung der Tiere und eine verbesserte Futtergrundlage die Milchproduktion im Jahre 1956 auf 71 303 kg und im Jahre 1957 auf


227

157 964 kg zu erhöhen.<1143> Der Erfüllungsstand der für 1958 geplanten Milchproduktion dieser LPG betrug am 30. Juni des Jahres 54,6 Prozent.<1144> Der Zuwachs in den Vorjahren ist in der Tat beträchtlich, wobei aber das Hinzukommen von Kühen durch neu in die LPG eintretende Bauern berücksichtigt werden muß. Die Produktionssteigerung der Bebertaler Genossenschaftsbauern zwischen den Jahren 1954 und 1957 betrug bei Milch 184 Prozent, bei Rindfleisch 159 Prozent und bei Schweinefleisch 126 Prozent.<1145>

Nicht Schritt mit dem Flächenzuwachs der LPG des Kreises Haldensleben hielt die Entwicklung des Schweinebesatzes je 100 Hektar. Die folgende Statistik unterstreicht diese Feststellung.

Tabelle 22: Die Entwicklung des Schweinebesatzes der LPG des Kreises Haldensleben je 100 Hektar vom 30. Mai 1956 bis zum 30. Juni 1958<1146>

Stichtag

Schweine insgesamt

davon Sauen

30. 05. 1956

117,0

12,3

30. 06. 1957

105,0

12,0

30. 06. 1958

104,3

11,3

Im MTS-Bereich Flechtingen lag im Sommer 1958 der Durchschnitt an Schweinen je 100 Hek-tar bei 102,8, wobei die LPG Belsdorf mit 75,3 Stück am weitesten zurücklag.<1147>

Im vorgenannten Bericht fand sich Kritik an der zu geringen Sauenbedeckung, die eine der Ursachen für die rückläufige Tendenz bei Schweinen wäre. Die Abteilung Landwirtschaft verlangte deshalb, günstigere Bedingungen für die Sauenhaltung - den Tieren fehlte es oftmals an Auslauf - zu schaffen. Der Mangel an Stallkapazitäten könne durch eigene Aus-, Um- und Neubauten behoben werden, empfahl sie den Genossenschaften. Das Befolgen dieser Hinweise für die Tierhaltung würde zu einer erheblichen Abnahme der Ferkelverluste beitragen. Diese beliefen sich beispielsweise in den ersten sechs Monaten des Jahres 1958 in der LPG Hödingen, einer in der Gesamtheit der landwirtschaftlichen Produktion im Kreis führenden LPG, auf 25,5 Prozent.<1148> Von 235 Ferkeln verendeten 60. In Flechtingen lag die Ferkelsterblichkeit bei über 45 Prozent.<1149>


228

Gegenüber dem ersten Halbjahr 1957 erreichten die LPG des Kreises Haldensleben in der ersten Jahreshälfte 1958 in der Schweinefleischproduktion eine Steigerung von 35,2 kg auf 37,8 kg je Hektar - mithin um 7,4 Prozent -, verglichen mit dem Jahre 1956 aber eine Verbesserung um 44,9 Prozent.<1150> Die Spitze behauptete wiederum die LPG Hundisburg mit 116 kg je Hektar gefolgt von der LPG Bebertal II mit 97,9 kg je Hektar.<1151> Eine sehr ungünstige Entwicklung in diesem Bereich der Landwirtschaftsproduktion durchlief die LPG Süplingen, die 1957 49 kg je Hektar, 1958 aber infolge Kraftfuttermangels 27 kg produzierte.<1152> Durch den Abschluß von 100 Mastverträgen sollte dieser niedrige Wert verbessert werden.<1153> Trotz einer MTS am Ort, zu deren wichtigsten Aufgaben die Unterstützung der LPG bei ihrem Bestreben um Festigung gehörte, fiel die Schweinefleischproduktion in der LPG Flechtingen von 12,9 kg je Hektar im Jahre 1957 auf 6,4 kg je Hektar und damit auf das niedrigste Ergebnis des Kreises im Jahre 1958.<1154> Das negative Resultat dieser und die schwachen Ergebnisse anderer LPG lagen überwiegend in unsachgemäßer Pflege und Haltung der Tiere begründet.

Kontinuierlich entwickelte sich der Schafbestand der LPG des Kreises. Der 100 ha-Besatz erhöhte sich von 38,7 (30. 6. 1956) über 43,0 (30. 6. 1957) bis auf 52,9 (30. 6. 1958).<1155> Der Bestand an Legehennen wuchs von 105,7 je 100 Hektar am 20. Juni 1956 auf 139 je 100 Hektar per 30. Juni 1958.<1156> Die durchschnittliche Legeleistung der Hennen lag im 1. Halbjahr bei 71 Stück. Bis zum Jahresende konnte durch die Erhöhung der Futterqualität und eine verbesserte Wartung mit einem Durchschnitt von 110 bis 120 Stück gerechnet werden.<1157> Durch die Steigerung des Legehennenbestandes stieg auch die Eiererzeugung. Betrug sie im ersten Halbjahr 1956 je Hektar 60 Stück, so wuchs sie im ersten Halbjahr 1957 je Hektar auf 84 Stück an, um schließlich in der ersten Jahreshälfte 1958 105 Stück je Hektar zu erreichen.<1158> Mit 267 Stück je Hektar wies im ersten Halbjahr 1958 die LPG Hundisburg den höchsten Durchschnitt im Kreis auf.<1159> Ihr folgte die LPG Wedringen mit 241 Stück.<1160> Die LPG Ivenrode hingegen verzeichnete von 1957 zu 1958 einen Rückgang von 75 auf 54 Stück.<1161>

Laut dem Bericht "Die Ergebnisse der Entwicklung der LPG des Kreises Haldensleben im ersten Halbjahr 1958"<1162> brachten die LPG des Kreises in der ersten Hälfte des Jahres 1958 trotz der aufgezeigten Schwächen mehr tierische Produkte zur Pflichtablieferung, als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres.<1163> Statistisches Material für den Beweis dieser Behauptung findet sich in den Akten nicht.


229

3.2.2.2 Die Entwicklung der pflanzlichen Produktion

Für die LPG des Kreises Haldensleben sind in den Jahren 1956 bis weit in das Jahr 1958 hinein sowohl Rückschritt, Stagnation als auch leichter Fortschritt charakteristische, in Abhängigkeit von Kulturart und Jahreszeit einander abwechselnde Erscheinungen gewesen.

Die Fortschritte in der Pflanzenproduktion, die das Büro der SED-KL von den LPG im Jahre 1956 erwartete, stellte von vornherein das niedrige Anspruchsdenken mehrerer LPG-Vorstände des südlichen Kreisgebietes infrage. Diese planten in technischen Kulturen Erträge, die unter den Zielen des Volkswirtschaftsplans lagen. Ihre Realisierung verlangte weniger Anstrengungen von den Genossenschaftsbauern. Niedrige Planziele boten außerdem eine gewisse Gewähr, erreicht zu werden und damit der Kritik von SED-KL und Rat des Kreises zu entgehen.<1164> Die festgelegten Ernteerträge standen nach Meinung des Büros nicht im Einklang mit den tatsächlichen Ertragsmöglichkeiten. Es bedurfte mehrerer Diskussionen zwischen Mitarbeitern der Landwirtschaftsabteilung der SED-KL und des Rates des Kreises mit den Vorständen dieser LPG, ehe letztere sich bereitfanden, ihre Vorhaben nach oben zu korrigieren.

Durch gute Arbeit der Saatgutgemeinschaften der VdgB (BHG) stand im Frühjahr 1956 für die LPG und darüber hinaus die Planflächen des gesamten Kreises hochwertiges Saatgut zur Verfügung. Bei Pflanzkartoffeln hingegen tat sich eine Lücke von erheblichen Ausmaßen auf - insgesamt fehlten den LPG 1 654,60 t -, die nur mühevoll und nicht einmal vollauf geschlossen werden konnte.<1165>

Erschwerend für die Weiterentwicklung der pflanzlichen Produktion im Jahre 1956 wirkten sich Mängel in der Versorgung von LPG und werktätigen Einzelbauern mit Düngemitteln aus.

Zur Sicherung eines kontinuierlichen Ablaufs bei der Rübenpflege nahmen die meisten Genossenschaftsbauern ihre individuellen Rübenschläge im Frühsommer 1956 in persönliche Pflege. Doch ein Großteil der LPG-Vorstände verstand es nicht, diese verbesserte

Arbeitseinstellung der LPG-Mitglieder weiterzuentwickeln und sie davon zu überzeugen, auch genossenschaftliche Zuckerrübenfelder in persönliche Pflege zu nehmen. Dadurch traten bei der dünnen Arbeitskräftedecke der LPG in den Genossenschaften neue Engpässe zutage. Die Verweigerung der Genossenschaftsbauern zeigt, daß das genossenschaftliche Bewußtsein nicht jenen Stand erreicht hatte, den offizielle zeitgenössische Berichte suggerierten. Eine Ausnahme bildete die LPG Altenhausen, in der jedes Mitglied eine fest zugeteilte Fläche in persönliche Pflege nahm, “da man (auf diese Weise) feststellen kann, ob gute Arbeit geleistet wurde oder weniger sorgsam die Rüben behandelt worden sind.“<1166>

In der Landwirtschaft der DDR setzten die Parteiführung und das Ministerium für Land- und


230

Forstwirtschaft ab der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre verstärkt auf den Mais (Grün- und Silomais) als Futtermittel in den LPG.<1167> Um die geeignetste Anbauart und die günstigsten Maissorten für das Kreisgebiet zu ermitteln, legte das VEG Seggerde große Versuchsflächen für den Anbau von Körnermais an.<1168>

In der Vergangenheit gab es häufig Schwierigkeiten bei der Grünfutterversorgung der Viehbestände. Eine größere Zahl von LPG lernte aus den Versäumnissen der zurückliegenden Jahre und traf die erforderlichen Vorbereitungen, um die Versorgung der Tiere mit Grünfutter bis zum Abschluß der Ernte des Jahres 1956 zu sichern. Als Beispiele dafür seien die LPG Altenhausen und Etingen erwähnt. Diese silierten die Winterzwischenfrüchte bis Mitte Juli 1956 ein.

Zur Vermeidung von Terminverzögerungen bei der Getreideernte regelten im Gegensatz zum Vorjahr im Jahre 1956 beinahe alle LPG die Verrichtung ihrer Feldarbeiten mit den MTS ihres Bereichs vertraglich. Der Verlauf der Ernte bewies aber, daß die werktätigen Einzelbauern trotz geringfügiger Unterstützung durch die MTS ein höheres Arbeitstempo vorzulegen vermochten als LPG, VEG oder ÖLB.<1169> Die Kommissionen für Landwirtschaft in den Gemeinden, der Rat des Kreises und die Druschkommissionen - allesamt zuständig für den Fortgang der Ernte - schalteten sich kaum operativ in den Ablauf der Erntearbeiten ein und gaben den LPG keine nennenswerte Hilfe.

Die starr gehandhabte Anbauplanung durch die Abteilung Landwirtschaft führte dazu, daß die LPG des südlichen Teils des Kreises mit fruchtbarem Bördeboden in verstärktem Maße Zuckerrüben anbauten. Als Folge dessen traten besonders im Herbst 1956 stärkere Disproportionen zwischen Hackfrucht- und Halmfruchtanbau auf.<1170> Bedingt durch Naturunbilden kam es im Drömlingsgebiet im Jahre 1956 gehäuft zu Schwierigkeiten im Kartoffelanbau. Deren Behebung erforderte eine großzügige Regulierung der Wasserverhältnisse. Erst dann würden die LPG in diesem Gebiet imstande sein<1171>, ihre Erträge im erforderlichen Maße zu steigern.<1172>

Im November 1956 stellte der Kreisvorstand der VdgB (BHG) fest, durch gründlichere Pflegearbeiten der Genossenschaftsbauern hätte sich der Kulturzustand ihrer Felder verbessert. Besonders bei Getreide und Kartoffeln seien höhere Erträge als zuvor erzielt worden. Alle LPG erfüllten im Jahre 1956 angeblich das Getreidesoll.<1173> Es konnte erreicht werden, daß der Landwirtschaft im Kreisgebiet über die VdgB qualitativ hochwertige Absaaten, die LPG und einzelbäuerlicher Sektor erzeugten, zur Verfügung


231

standen.<1174>

Die SED-KL war bestrebt, die LPG rentabel zu gestalten und zu Musterwirtschaften mit Ausstrahlungskraft auf die umworbenen Mittelbauern zu entwickeln. Deshalb forderte das Büro der SED-KL im Herbst 1956, die Arbeitsproduktivität in den Genossenschaften durch die umfassende Mechanisierung der Feld- und der Innenwirtschaft bedeutend zu erhöhen und damit gleichzeitig die schwere körperliche Arbeit zu verringern.<1175> Das Postulat des Büros der KL, vermehrt Maschinerie auf den Feldern der Genossenschaften des Kreises einzusetzen, konnte aus finanziellen Gründen und fehlender Kapazitäten des Landmaschinenbaus wegen zunächst nicht in notwendigem Umfange durchgesetzt werden.

Im September 1957 legte der Kreistag Sofortmaßnahmen zur verlustlosen Einbringung und Konservierung der anfallenden Futtermengen fest.<1176> Künftig sollten die LPG ihre Maisanbauflächen bedeutend erweitern. Das Ziel der LPG des Kreises müsse darin bestehen, den Anbau von Grünmais auf 10 Prozent der Zwischenfruchtanbaufläche, den von Silomais auf 130 Prozent der Futterfläche und den von Körnermais auf 100 Hektar zu erhöhen.<1177> Der Kreistag empfahl allen LPG, Maßnahmen zu treffen, die eine Einordnung des Maises in die Fruchtfolge ermöglichten.

Im Verlaufe der Kartoffelernte im Herbst 1957, so ist in einem undatierten "Bericht über die Vorbereitung und Durchführung der Hackfruchternte ..."<1178> zu lesen, “... bewies sich einmal mehr die große Leistungsmöglichkeit der sozialistischen Produktionsverhältnisse.“<1179> Die LPG erreichten durch den erhöhten Einsatz moderner Technik bedeutende finanzielle Einsparungen. Der Arbeitsaufwand der LPG bei der Kartoffelernte mit Gespannen (Schleuderroder, Transport mit Gespannen) betrug 300 Arbeitskräftestunden je Hektar.<1180> Bei der Teilmechanisierung (Vorratsroder, Transport mit Traktoren) 200 Arbeitskräftestunden je Hektar und bei den Vollerntemaschinen - im Fließverfahren - je 70 bis 80 Arbeitskräftestunden je Hektar.<1181>

Während der gesamten Kartoffelernte behaupteten die LPG eine knappe Führung vor den einzelbäuerlichen Betrieben, was ihnen im Verlaufe der Getreideernte nicht gelang. Die LPG beendeten die Kartoffelernte am 15. Oktober, die einzelbäuerlichen Betriebe hingegen wiesen am 14. Oktober einen Erfüllungsstand von 97 Prozent nach.<1182> Obwohl auch die Entwicklung der LPG des Kreises die in der gesamten DDR festzustellende leichte Aufwärtstendenz in der ökonomischen Entwicklung der Genossenschaften im zweiten Halbjahr 1957 bestätigte,


232

ist dieses Beispiel wenig geeignet, die "... große Leistungsmöglichkeit ...“ und Überlegenheit der LPG gegenüber den Einzelbauernbetrieben zu beweisen.<1183> Im o. g. Bericht wird dies aber behauptet.

Das folgende ist es noch weniger, belegt vielmehr die enge Wechselwirkung zwischen Stagnation und Fortschritt. Auf der Bürositzung vom 1. November 1957 gestand der Sekretär für Landwirtschaft der KL ein, “daß der sozialistische Sektor der Landwirtschaft bei der Rübenrodung nicht die führende Kraft darstellt, sondern an zweiter Stelle (hinter den einzelbäuerlichen Betrieben) liegt.“<1184>

Die Ertragsentwicklung der LPG des Kreises Haldensleben verlief in ausgewählten Kulturen während der Jahre 1956 bis 1957 folgendermaßen:

Tabelle 23: Die Ertragsentwicklung ausgewählter Kulturen der LPG des Kreises Haldensleben in den Jahren 1956 und 1957<1185>

Kulturart

Reinerträge (dt/ha)

 

1956

1957

Getreide insges.

(einschl. Körnermais)

27,2

17,1

Speisehülsenfrüchte

10,2

14,7

Futterhülsenfrüchte

13,2

9,0

Ölfrüchte insges.

14,4

9,2

dar.; W.-Raps

19,0

11,0

Faserpflanzen/Samen

7,1

4,5

Faserpflanzen/Rohstengel

32,0

33,0

Kartoffeln insges.

155,0

186,0

dar. Frühkartoffeln

144,0

147,0

Spätkartoffeln

155,0

190,0

Zuckerrüben

216,0

300,0

Futterhackfrüchte

61,0

52,0


233

Wiesen

37,0

42,0

Weiden

45,0

44,0

Wie aus der Tabelle ersichtlich ist, veränderten sich die Durchschnittserträge der LPG des Kreises im Jahre 1957 in differenzierter Weise. Bei Getreide und Futterhackfrüchten ist ein deutlicher Rückgang verglichen mit den Erträgen des Jahres 1956 festzustellen.

Ein Vergleich der Entwicklung der Hektarerträge der LPG und der Einzelbauernbetriebe in den Jahren 1956 und 1957 - er wäre von beträchtlichem Interesse - ist anhand der Angaben in den Statistischen Taschenbüchern des Kreises Haldensleben nicht möglich.

Erhebliche Unterschiede traten in den Getreideerträgen der Altmark- und Börde-LPG zutage. Einige Beispiele seien als Beweis dieser Feststellung aufgeführt:<1186>

Tabelle 24: Die Getreideerträge ausgewählter Altmark- und Börde-LPG des Kreises Haldensleben im Jahre 1957<1187>

Altmark-LPG

dt/ha

Börde- LPG

dt/ha

Bodendorf

15,0

Gr. Santersleben

41,0

Hörsingen

16,0

Ivenrode

25,7

Haldensleben

15,8

Eimersleben

31,7

Als Schlußfolgerung aus diesen Resultaten empfahl die Abteilung Landwirtschaft der KL und die des Rates des Kreises, im Interesse einer bestmöglichen Entwicklung der LPG entschiedener die Spezialisierung in der pflanzlichen Produktion durchzusetzen. Beide schlugen vor, den Getreideanbau stärker in die Börde-LPG, den Maisanbau mehr in die Altmark-LPG im Norden des Kreises zu verlagern.<1188> Der Kreisanbauplan sah für 1958 die Erweiterung der Maisanbaufläche auf 2 200 Hektar vor.<1189>

In der ersten Hälfte des Jahres 1958 verstärkte sich, wie in der gesamten DDR, in den LPG des Kreises Haldensleben die Tendenz zur Spezialisierung. Unter gewisser Mitsprache der LPG-Mitglieder und in Anlehnung an o. g. Vorschläge begann sie auf der Grundlage der natürlichen Produktionsbedingungen.


234

Im nördlichen Teil des Kreises befanden sich ausgedehnte Grünlandflächen. Zukünftig konzentrierten sich dort die LPG vermehrt auf die Entwicklung der Viehwirtschaft. Die LPG mit hochwertigen Bördeböden im Süden des Kreises hingegen setzten auf den verstärkten Anbau pflanzlicher Produkte. Reine Börde-LPG, wie die LPG Nordgermersleben, Rottmersleben und Schackensleben, sollten nach vollzogener Spezialisierung pro Ernte rund 1 200 dt Getreide mehr als früher einbringen.<1190>

3.2.2.3 Finanzielle Ergebnisse, Verteilung der Einkünfte und Fondsbildung in den LPG

Umfang und Qualität der Marktproduktion der LPG stellten ein wesentliches Element der ökonomischen Leistungsfähigkeit der genossenschaftlichen landwirtschaftlichen Großproduktion dar. Vergleichbare Werte über die Entwicklung der Marktproduktion der LPG des Kreises im Zeitraum 1956/57 liegen aber nur für die tierische Produktion vor. Die von den LPG in den Jahren 1956/57 erzielten Ergebnisse weist diese Tabelle aus:<1191>

Tabelle 25: Die Entwicklung der tierischen Marktproduktion der LPG des Kreises Haldensleben in den Jahren 1956/57<1192>

Produkt

1956

1957

Rindfleisch

17 348 dt

18 596 dt

Schweinefleisch

46 454 dt

48 504 dt

Milch

253 045 dt

277 928 dt

Eier (Stück)

9 060 600 dz

11 969 900 dz

Im Jahre 1957 erhöhte sich die Marktproduktion der LPG umgerechnet auf Getreideeinheiten<1193> (GE) je Hektar von 17 dt GE im Jahre 1956 auf ca. 23 dt GE im Jahre 1957.<1194> Dabei wuchs die pflanzliche Produktion von 8 dt GE auf 13 dt GE, die tierische Produktion von 9,00 dt GE auf 9,8 dt GE je Hektar an.<1195> Mit den relativ geringen Steigerungsraten in der tierischen Marktproduktion zeigte sich das Büro der KL sehr unzufrieden. Es zeigte aber keine Wege auf, die zur Verbesserung der Ergebnisse führen konnten.


235

Das Marktaufkommen der LPG in ausgewählten Hauptprodukten der pflanzlichen Produktion bot 1957 folgendes Bild:<1196>

Getreide

49 992

dt

Ölfrüchte

6 143

dt

Kartoffeln

63 556

dt

Zuckerrüben

497 611

dt

Wie so häufig fehlen in den Archivalien und in den Statistischen Jahrbüchern des Kreises vergleichbare Angaben über die zurückliegenden bzw. folgenden Jahre. Die aufgeführten statistischen Daten sind so nur von bedingtem Wert.

Das wirtschaftliche Potential der Genossenschaften ließ es im Jahre 1956 nur in zwei von ihnen zu, die geplanten Geldeinkünfte zu erfüllen. Ein Jahr darauf schafften dies 30 LPG und damit 56 Prozent der Genossenschaften.<1197> Die aufgeführte Statistik auf der folgenden Seite gestattet einen Überblick über die Aufschlüsselung der Einkünfte der LPG je Hektar LN.

Tabelle 26: Die Einkünfte der LPG des Kreises Haldensleben je Hektar LN im Jahre 1957<1198>

Einkünfte DM/ha

Anzahl der LPG

 

absolut

in %

Bis 100 DM

3

7

100 bis 200 DM

7

13

200 bis 300 DM

7

13

300 bis 500 DM

11

21

500 bis 700 DM

9

17

über 700 DM erzielten

14

26

Keine Einkünfte erzielten zwei LPG.<1199> Es handelte sich dabei um die LPG Hilgesdorf und Rätzlingen. Geringe Einkünfte von unter 100 DM je Hektar LN erzielten die LPG Belsdorf, Eschenrode und


236

Hörsingen.<1200>

Bei den Erlösen der LPG je Hektar, die im Kreisdurchschnitt bei 1 108 DM lagen<1201>, nahm die LPG Hundisburg mit 2 995 DM gefolgt von der LPG Bebertal II mit 1 929 und der LPG Hödingen mit 1 804 DM die Spitzenposition ein.<1202> Die folgende Tabelle gibt Aufschluß über die Entwicklung der landwirtschaftlichen Erlöse der LPG des Kreises Haldensleben je Hektar LN im Jahre 1957.

Tabelle 27: Die Entwicklung der landwirtschaftlichen Erlöse der LPG des Kreises Haldensleben je Hektar LN im Jahre 1957<1203>

Erlösgruppe (DM/ha)

Anzahl der LPG

Anteil (%)

unter 500

1

2

über 500 bis 750

9

17

über 750 bis 1 000

13

25

über 1 000 bis 1 250

15

26

über 1 250 bis 1 500

10

19

über 1 500

5

9

Der Vergleich der durchschnittlichen Erlöse der LPG des Kreises Haldensleben vom Jahre 1957 mit denen der Vorjahre bestätigt eine ansteigende Tendenz:<1204>

1955 je ha 871 DM

1956 " " 837 "

1957 " " 1108 "

Unter den LPG, die über 700 DM an Erlösen je Hektar LN nicht hinauskamen, befanden sich die LPG Flechtingen, Mannhausen und Satuelle.<1205> Hieran wird wiederum offenbar, daß LPG mit enormen


237

Anfangsschwierigkeiten - wie die vorgenannten - über Jahre hinweg nicht zu den wirtschaftlich stärksten Genossenschaften aufzuschließen vermochten.

Im Kreisdurchschnitt entfielen ca. 43 Prozent der Erlöse auf die pflanzliche und ca. 57 Prozent auf die tierische Produktion.<1206> Die Ergebnisse entsprachen damit nicht gänzlich den anvisierten.

Die verbesserte, doch noch längst nicht ausreichende Arbeitsproduktivität in einigen LPG bewirkte den Anstieg des durchschnittlichen realen Wertes der AE von 2,20 DM im Jahre 1956 auf 5,22 DM im Jahre 1957.<1207>

Laut Ministerratsbeschluß erhielten wirtschaftsschwache LPG einen Sonderkredit zur Stützung der AE. Betrug 1956 die Stützung je AE 4,71 DM, so fiel sie im Jahre 1957 auf 2,68 DM je AE.<1208> Durchschnittlich gelangten 1957 für eine AE einschließlich der ausgegebenen Naturalwerte und einschließlich der Stützung 8,40 DM sowie für einen Hektar Bodenanteil 50,62 DM an die Genossenschaftsmitglieder zur Auszahlung.<1209> Aus den Archivmaterialien geht hervor, daß die LPG Döhren 1956 10 DM je AE, 1957 aber 12,60 DM je AE erwirtschaftete.<1210> Die Geldeinkünfte einer zweiköpfigen Familie in dieser LPG betrugen im Jahre 1957 7 121 DM.<1211> Im einzelnen entwickelten sich die AE in den LPG des Kreises Haldensleben im Jahre 1957 wie folgt:<1212>

Eine Reihe von LPG, die bisher sehr unrentabel arbeiteten, vollzogen 1957 einen Schritt nach vorn. Der LPG Ackendorf gelang eine Steigerung des Wertes der AE von 1,09 DM auf 7,90 DM, der LPG Bebertal II von 0,20 DM auf 8,21 DM, der LPG Groppendorf von 0,82 DM auf 8,70 DM.<1213>

Der Vergleich der Erlöse der ersten Halbjahre 1956 und 1957 mit denen des ersten Halbjahres 1958 zeigt einen deutlichen Aufschwung im letztgenannten. Da Erlöse im ersten Halbjahr fast ausschließlich aus der Tierproduktion stammen, sind die Resultate der ersten Halbjahre 1957 und 1958 Beweis für das stetige Anwachsen der Tierproduktion.<1214>

Die Erlöse der LPG je Hektar LN in der ersten Jahreshälfte der Jahre 1956 bis 1958 gliederten sich so auf:<1215>

Das Ergebnis des ersten Halbjahres 1958 bedeutete verglichen mit dem des Jahres 1957 eine Steigerung um 27 Prozent.<1216>

Vom Kreisergebnis wichen einige LPG erheblich ab. Die LPG Walbeck, in dieser LPG lag der Erfüllungsstand bei 21,2 Prozent und 12 weitere LPG erfüllten die Vorgaben für die Erlöse nicht, was sich in einer hohen Kreditbelastung widerspiegelte. In der LPG Walbeck betrug sie 589 DM pro Hektar.<1217>

An dieser Stelle seien einige Ausführungen über Wesen und Bedeutung des unteilbaren Fonds eingeflochten. Der unteilbare Fonds verkörperte das wichtigste Element einer jeden LPG. Er setzte sich aus dem Grundmittel-<1218>, dem Investitions- und dem Umlaufmittelfonds zusammen.<1219> Von Beginn der LPG-Bildung an stellte der unteilbare Fonds den "... Ausdruck des genossenschaftlichen Anteils am Wert der in der LPG insgesamt vorhandenen Grundmittel, Umlaufmittel- und Mittel für Neuanschaffungen und Generalreparaturen", dar.<1220> Grund- und Umlaufmittelfonds der LPG hatten ausschließlich der Sicherung des genossenschaftlichen Produktions- und Reproduktionsprozesses zu dienen. Während sich die Geschäftsanteile und die Inventarbeiträge der Genossenschaftsbauern verschlissen, vergrößerte sich der unteilbare Fonds stetig.<1221> Er schloß den Anteil der Genossenschaft am Wert der Grundmittel, "am Wert der Umlaufmittel sowie die finanziellen Mittel aus den Abschreibungen und dem wirtschaftlichen Ergebnis der LPG zur einfachen und erweiterten Reproduktion" in sich ein.<1222>

Der unteilbare Fonds sollte mit dem Entwicklungstempo der Produktion wachsen und schon bald die


239

Höhe der Inventarbeiträge übersteigen.<1223> Seine Einrichtung in jeder LPG bildete die Voraussetzung für Erhaltung und Ausbau ihrer Produktionsstätten. Den Genossenschaften erwuchsen somit günstigere Bedingungen für ihre wirtschaftliche Festigung. Ihr finanzieller Spielraum erweiterte sich.<1224>

Laut Festlegungen in den Musterstatuten hatten die Zuweisungen in den unteilbaren Fonds von LPG des Typs I und II bis zu fünf Prozent<1225> der Geld- und Naturaleinkünfte, in LPG vom Typ III entsprechend dem Beschluß der Mitgliederversammlung sechs Prozent zu betragen.<1226> Im Jahre 1955 erfolgte bei Aufhebung der Naturalzuweisungen eine Erhöhung der finanziellen Zuweisungen in den unteilbaren Fonds auf acht bis 15 Prozent.<1227> In LPG mit günstigereren ökonomischen Voraussetzungen lag es im Ermessen der Mitgliederversammlung, Zuweisungen in Höhe bis zu 20 Prozent der Geldeinnahmen festzulegen.<1228>

Dem unteilbaren Fonds wie im Statut festgelegt ordnungsgemäß Mittel zuzuführen bedeutete in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre, die Bedingungen für die Erweiterung der genossenschaftlichen Produktion aus eigener Kraft zu schaffen.<1229> Die allmähliche Festigung der LPG und ihre zunehmende Bedeutung im volkswirtschaftlichen Reproduktionsprozeß ab etwa Mitte der sechziger Jahre ließen es notwendig werden, "außer den Grundmittel- und Umlaufmittelfonds auch die finanziellen Mittel aus Abschreibungen und Akkumulation als Investitionsfonds dem unteilbaren Fonds zuzuordnen."<1230>

Analog den Statuten bildeten die LPG des Kreises Haldensleben genossenschaftliche Fonds in unterschiedlicher Höhe. Wie sie sich aufschlüsselten, ist auf der folgenden Seite einzusehen.

Tabelle 28: Die Bildung genossenschaftlicher Fonds in den LPG des Kreises Haldensleben im Jahre 1957<1231>

LPG

Anteil der Fonds an den

Anzahl

%

Gesamterlösen (in %)

22

42

8-10

26

53

10-15

3

5

15-20


240

Häufig überschätzten LPG bei der Beschaffung von Produktionsmitteln ihre finanziellen Verhältnisse, was zur Überziehung des unteilbaren Fonds führte. Teilweise bezahlten die LPG die Beiträge sogar aus der kurzfristigen Produktionssphäre. Es geschah nicht selten, daß solchen LPG am Jahresende diese Gelder zur Nachzahlung für geleistete AE fehlten. Andererseits standen am Ende des Jahres 1957 Forderungen von LPG des Typs I gegenüber Mitgliedern in Höhe von 49 670 DM noch offen.<1232> Diese Summe rührte aus unbezahlten Futtermitteln.

3.2.3 Die inneren LPG-Bedingungen und ihr Einfluß auf die Produktionsergebnisse

3.2.3.1 Arbeitsorganisation

Von einer fundierten Arbeitsorganisation konnte in den LPG des Kreises Haldensleben im Jahre 1956 insgesamt nicht gesprochen werden. In den Archivalien findet sich zur Arbeitsorganisation der LPG im Jahre 1956 viel Kritik, aber wenig Positives. Einige Beispiele seien aufgegriffen.

In der LPG Wegenstedt hatten unzulängliche Arbeit des Vorstandes und Uneinigkeit unter den Mitgliedern eine mangelhafte Organisation der Arbeit zur Folge.<1233> Im Herbst 1956 wies der Parteisekretär der LPG Döhren auf gravierende Mängel in der Arbeitsorganisation dieser LPG hin.<1234>

Die MTS Schackensleben verkörperte seit Jahren die führende Station des Kreises. Deshalb erscheint es unverständlich, daß die LPG im gleichen Ort die anstehenden Arbeitsaufgaben nicht mit der MTS absprach. Der LPG-Vorstand stellte weder Wochenarbeitspläne auf noch verstand er es, die Tagesaufgaben sinnvoll zu organisieren. und die Genossenschaftsmitglieder entsprechend ihren Fähigkeiten einzusetzen. In den Akten ist gar von vorübergehend vollkommen fehlender Arbeitsorganisation zu lesen. Andererseits wiederum ignorierte die MTS ihre Verpflichtung, gerade labile LPG - dazu noch eine räumlich nahe gelegene - umfassend zu unterstützen.

Vom Frühjahr 1956 bis zum Sommer 1956 warb die LPG Rottmersleben mit der Absicht, ihre Arbeitsorganisation und damit ihre Leistungsfähigkeit zu verbessern, gezielt fünf wirtschaftlich erfahrene werktätige Einzelbauern für die LPG. Diese sollten zu Brigadieren ausgebildet werden.<1235> Nach personellen Veränderungen im Vorstand dieser LPG - er arbeitete nun besser zusammen - stellten sich Fortschritte in der Arbeitsorganisation sowie in der Arbeit nach Normen ein.

Ein größerer Teil der LPG war bestrebt, die anstehenden Arbeiten gewissenhaft zu organisieren. Als positive Beispiele seien die LPG Hundisburg, Bösdorf u. a. genannt. Zur Verbesserung des Arbeitsablaufs setzten diese Genossenschaften neben den Brigadieren Gruppenleiter ein. Vor Arbeitsbeginn führten sie Arbeitsbesprechungen durch. Die Mitglieder fügten sich in die Selbstverständlichkeit, in den Hauptkampagnezeiten auf die Einhaltung des Achtstundentags zu verzichten.


241

Zum Aufschwung der Qualität der Arbeitsorganisation trug der Einsatz landwirtschaftlicher Beratungskräfte aus der zuständigen MTS und des Kreisvorstandes der VdgB (BHG) bei.

Die Steigerung der Getreideerträge der LPG hing neben anderen Faktoren von der präzise geplanten Anwendung der schweren Technik ab, den LPG und MTS übereinstimmend mit den wirtschaftlichen Erfordernissen zu planen hatten. Durch den gezielten Einsatz von Mähdreschern im Fließverfahren erreichten die LPG im Jahre 1957 laut einem Bericht über die Entwicklung der sozialistischen Landwirtschaft im Kreis Haldensleben im Jahre 1957<1236> eine Senkung der Ernteverluste von 10 bis 15 Prozent.<1237>

Die Positiva überwogen jedoch noch nicht. Häufig ließen in jenen Jahren die LPG ihre Maschinen verrotten, statt sie gezielt auf den genossenschaftlichen Feldern einzusetzen. In nicht wenigen Genossenschaften blieb die Arbeitsorganisation - auch fehlender Identifikation des Vorstandes mit ihrer Genossenschaft wegen - dem Selbstlauf überlassen. Es blieb keine Ausnahme, daß Genossenschaftsbauern noch Stunden nach Arbeitsbeginn nicht einmal ihre Tagesaufgaben kannten.

Die Arbeitsorganisation in den LPG des Kreises Haldensleben konnte im Jahre 1957 und in der ersten Hälfte des Jahres 1958 etwas verbessert werden. Im allgemeinen erreichte sie aber nicht den Stand, den ein höherer Grad der Festigung verlangte.

Im Jahre 1957 setzten in den LPG verstärkt Bestrebungen ein, das Niveau der wirtschaftlichen Rechnungsführung zu verbessern. Eine zunehmende Zahl von Buchhaltern versuchte, die wirtschaftlichen Abläufe zu kontrollieren und zu lenken. Der im Februar 1958 in einem Bericht des Rates des Kreises zur Entwicklung der sozialistischen Landwirtschaft im Kreis Haldensleben im Jahre 1957 getroffenen Feststellung, das “Rechnungswesen hat sich weiter entwickelt, es ist in allen LPG einheitlich und das Belegwesen geordnet“<1238>, steht eine im gleichen Bericht wenige Seiten weiter nachzulesende Einschätzung gegenüber. In ihr wird daraufhingewiesen, ein großes Handicap auf dem Weg zur wirtschaftlich-organisatorischen Festigung der LPG bestände darin, “daß in einem Großteil der Genossenschaften es einfach nicht möglich ist, geordnete Mengenbuchhaltung zu führen.“<1239>

In den meisten LPG des Kreises Haldensleben ist von einer durchgängigen wirtschaftlichen Rechnungsführung und einer überschaubaren Mengenbuchhaltung erst einige Jahre nach Abschluß der LPG-Bildung zu sprechen.

3.2.3.2 Leistungsprinzip

Um die LPG auf dem Wege zu rentabel wirtschaftenden landwirtschaftlichen Großbetrieben voranzubringen, wurde es gerade im Zeitraum 1956 bis Mitte 1958 zu einem dringenden Erfordernis, in


242

den LPG konsequent das Leistungsprinzip durchzusetzen.<1240> Die Bewertung der Arbeit nach der erbrachten Leistung ließ sich in den LPG des Kreises Haldensleben über Jahre hinweg nur partiell verwirklichen. Oft traten dabei Rückschläge auf. Schwerer als andere taten sich - auch bei der Durchsetzung des Leistungsprinzips - solche LPG, in denen ehemals wirtschaftsschwache werktätige Einzelbauern einen größeren Anteil an Mitgliedern stellten und die sich von Beginn an mit Schwierigkeiten erheblichen Ausmaßes konfrontiert sahen.

Auf einer Sitzung des Büros der KL im Sommer 1956 fand besondere Erwähnung, daß die LPG Bornstedt in Feld- und Viehwirtschaft durchgängig nach dem Leistungsprinzip arbeitete.<1241> Das ist ein beredtes Zeichen dafür, wie wenig die Bewertung der Arbeit nach der Leistung in anderen LPG kontinuierliche Anwendung fand. In der fehlenden oder eingeschränkten Beachtung des Leistungsprinzips sah das Büro der KL eine der Hauptursachen für die geringfügigen Fortschritte, langwährende Stagnation oder Rückschritte zahlreicher LPG. Im Herbst 1956 sprach es einen besonders krassen Fall der Mißachtung dieses Prinzips namentlich an. “So konnte es z. B. in Hörsingen vorkommen, daß wohl die Männer nach Leistungslohn bezahlt wurden, aber die Frauen arbeiteten in Stundenlohn“, obwohl die Arbeiten eine Leistungsbewertung gestattet hätten.<1242>

Auch in anderen LPG verrichteten die Genossenschaftsmitglieder ihre Arbeitsaufgaben über längere Phasen auf Stundenlohnbasis. Ihre Qualifikation fand keine Berücksichtigung. Die Arbeit - egal ob schwer oder leicht - wurde gleich vergütet. In LPG, in denen so verfahren wurde, bestand für die Mitglieder kein Anreiz zur Produktionssteigerung. Die in dem "Bericht über den Stand der Entwicklung der LPG im Kreis Haldensleben ..."<1243> vom 15. August 1957 nachzulesende Feststellung, die meisten LPG würden sich bemühen, die Vergütung der Arbeit nach dem Leistungsprinzip vorzunehmen, geht an den Tatsachen vorbei.<1244> Für das Jahr 1957 gibt es hinreichend Beispiele für die Mißachtung des Leistungsprinzips. Wie der Vorstand der LPG Neuenhofe verfuhr, sei geschildert. Hier erfolgte die Bewertung der Arbeit weiterhin “über den Daumen“, wobei die Feldbaubrigaden zu günstige Bewertungen erhielten. Die Gleichmacherei innerhalb der Brigaden führte zu heftigem Unmut unter den Genossenschaftsbauern.<1245>

Zur Gewährleistung einer sorgfältigen Pflege und des pünktlichen Fütterns der Tiere sowie der Beachtung der Grundprinzipien der Viehhaltung - alles bedeutsamer Faktoren zur qualitativen Verbesserung und quantitativen Erhöhung der Viehbestände - kam der Durchsetzung des Leistungsprinzips in der tierischen Produktion große Wichtigkeit zu. Viele LPG des Kreises Haldensleben ignorierten aber gerade in der tierischen Produktion dessen Anwendung. Zwar lag der Stand der Planerfüllung der LPG Rottmersleben in der tierischen Produktion bei lediglich 84 Prozent, dennoch schöpfte sie die AE-Vergütung mit ca. 108


243

Prozent mehr aus.<1246> Sicherlich entschloß sich der Vorstand zu dieser Maßnahme, um den in diesem Produktionszweig tätigen Mitgliedern die Arbeitslust nicht zu nehmen und einer Fluktuation vorzubeugen.

Öfter als zuvor nahmen nach dem Plenum des ZK vom Oktober 1957 Mittelbauern den Eintritt in LPG bzw. die Bildung von LPG als eine Alternative zum Einzelbauerndasein an. In solchen LPG war es leichter möglich, zumindest Anfänge des Leistungsprinzips durchzusetzen.

Um künftig einer Mißachtung des Leistungsprinzips entgegenzuwirken, erhielten die LPG ab dem Sommer 1958 von der Abteilung Landwirtschaft eine Kennziffer für den Normalverbrauch an AE je Mitglied und die Bezahlung von Spezialisten und Saisonkräften vorgegeben. Unter Berücksichtigung dieser Kennziffer sollte eine Wirtschaftsbeihilfe bis zum Erreichen eines realen Wertes von 7 DM je AE gewährt werden können.<1247> Die LPG-Mitglieder müßten einsehen, erklärte die Abteilung Landwirtschaft, daß eine selbstverschuldete Nichterfüllung der Pläne und die Verletzung des Leistungsprinzips den Geldwert je AE herabmindern.

3.2.3.3 Arbeitsmoral

In den Archivalien sind Aussagen über die Arbeitsmoral in den LPG des Kreises in den Jahren 1956 bis Sommer 1958 nur für das erstgenannte Jahr zu finden. Sie lassen aber hinreichend Schlüsse zu, die in persönlichen Gesprächen mit ehemaligen LPG-Mitgliedern Bestätigung fanden.

Die LPG Rätzlingen entwickelte sich anfänglich günstig. In dieser Genossenschaft wirkte sich -wie in anderen - die spätere Eingliederung des ÖLB und ihrer Landarbeiter auch nachteilig auf die Arbeitsmoral und damit auf die Entwicklung dieser LPG aus.<1248> Die Mehrheit der ehemaligen Landarbeiter handelte äußerst ichbezogen und war ausschließlich auf ihren Vorteil bedacht. Auf einen Teil der Genossenschaftsmitglieder färbte ihre Einstellung ab. In der LPG Ackendorf übten die Mitglieder deutliche Kritik an der Arbeitseinstellung des Vorstands, besonders aber der des Vorsitzenden. “Was nützt uns unsere Arbeit“, so fragten sie sich, “wenn der Vorsitzende rumsäuft?“<1249>

Während der Ernte im Sommer 1956 registrierte die Abteilung Landwirtschaft der SED-KL vielfache Verstöße gegen die Arbeitsmoral und die Statuten in den LPG. Über 30 Mitglieder kämen in Schackensleben nicht zur Arbeit, da sie angeblich “krank sind.“<1250> Die wirtschaftsschwache LPG Hörsingen, die aus dem ÖLB des Dorfes gebildet wurde und dessen ehemaliger Leiter als LPG-Vorsitzender fungierte, kam in wirtschaftlich-organisatorischer Hinsicht nicht voran. Die KL der SED und die Abteilung Landwirtschaft führten den langanhaltenden Stillstand in der Entwicklung dieser LPG darauf zurück, daß es dort nicht gelang , die “Landarbeiterideologie“ zu überwinden. Viele LPG-Mitglieder, die vordem ihr Brot als Landarbeiter verdienten, standen auf dem Standpunkt: “Hauptsache ich - Hauptsache,


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ich habe Kartoffeln - ich bekomme mein Geld - arbeite 8 Stunden (gleich eine AE) und alles andere interessiert mich nicht.“<1251> Eine derartige Haltung bekundet, wie wenig sich diese Genossenschaftsmitglieder mit ihrer Genossenschaft identifizierten. Sie belegt ihr ausgeprägtes Bestreben, in erster Linie ihre eigenen Interessen zu verwirklichen. Zum anderen wird an diesem Beispiel die Wechselwirkung zwischen der unbefriedigenden Wirtschaftslage der LPG und dem Individualismus ihrer Mitglieder offenkundig. Je weniger sich die Arbeit in der LPG für den Einzelnen rentierte, umso weniger augeprägt war seine Bereitschaft, sich voll in der Genossenschaft einzusetzen. Sie schonten sich an ihrem Arbeitsplatz, um nach Feierabend ihre individuelle Wirtschaft voranbringen zu können.

Verschiedene LPG-Vorstände hatten die Bedeutung einer positiven Arbeitsmoral für die wirtschafltlich-organisatorische Festigung ihrer LPG erkannt. Mit Bestimmtheit versuchten sie, die Arbeitseinstellung ihrer Mitglieder zu verbessern. Zu ihnen gehörten die Vorstände der LPG Bornstedt, Groß Santersleben und Hakenstedt. In diesen LPG gingen die Leitungen trotz zuweilen fehlender Geschlossenheit energisch gegen schlechte Arbeitsmoral und Arbeitsdisziplin vor. Sie versuchten die Mitglieder davon zu überzeugen, daß das Einkommen jedes Einzelnen von der bewußten Arbeit aller Genossenschaftsbauern abhänge.<1252> Erfolge in dieser Hinsicht verzeichnete die LPG Bornstedt, in der zur Erledigung der anfallenden Pflegearbeiten die Mitglieder über die Arbeitszeit hinaus auf den Äckern verblieben.<1253>

Die Nichtbeachtung des Statuts - häufig seien die Mitglieder mit dessen Inhalt nicht vertraut gewesen - schätzte das Büro der KL im Herbst 1956 als einen grundlegenden Fehler aller LPG ein. “In dieser Unkenntnis liegt die Ursache, weswegen sie das genossenschaftliche Eigentum mißachten und auch eine schlechte Arbeitsmoral und -disziplin zeigen.“<1254> Dieser Feststellung ist entschieden zu widersprechen. Vielmehr offenbarten derartige Verhaltensweisen von Genossenschaftsmitgliedern einerseits die fehlende Verinnerlichung des Schrittes vom individuellen bäuerlichen Produzenten zum gemeinschaftlich produzierenden Genossenschaftsmitglied, andererseits Desinteresse an der Fortentwicklung “ihrer“ LPG.

Während im August 1957 in dem "Bericht über den Stand der Entwicklung der LPG im Kreis Haldensleben ..."<1255>wiederum von Problemen mit der Arbeitsdisziplin in den LPG die Rede ist, wird in einer Einschätzung vom Frühjahr 1958 von einer im allgemeinen verbesserten Arbeitsdisziplin in den LPG im Jahre 1957 gesprochen. Der erreichte Stand genügte dem Büro der SED-KL aber nicht. Leisteten die LPG-Mitglieder 1956 durchschnittlich 294 AE, so erhöhte sich 1957 die Anzahl der geleisteten AE auf 320,9 AE.<1256> Die folgende Statistik gibt nicht nur Aufschluß über die in den LPG des Kreises Haldensleben im Jahre 1957 geleisteten AE, sondern ist gleichzeitig Spiegelbild der Arbeitsmoral in den Genossenschaften.


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Tabelle 29: Zusammenstellung der in den LPG des Kreises Haldensleben im Jahre 1957 geleisteten AE <1257>

Mitglieder (%)

geleistete AE

14

bis zu 100

17

100 bis 200

22

200 bis 300

10

300 bis 350

37

mehr als 350

Von den Genossenschaftsbäuerinnen, die im Jahre 1957 im Kreis Haldensleben mehr als 50 Prozent der LPG- Mitglieder stellten, erarbeiteten 32 Prozent immerhin 200 bis 300 AE.<1258>

3.2.3.4 Arbeitskräftelage

Mit der Übernahme von ÖLB gelangten größere Ländereien, aber relativ wenige Arbeitskräfte, in die LPG. Jüngere Landarbeiter wie teils gut ausgebildete, junge Genossenschaftsmitglieder zog es zunehmend in die Stadt. Der Anteil der jugendlichen LPG-Mitglieder an der Gesamtheit der Genossenschaftsmitglieder verringerte sich im Jahre 1957 gegenüber dem Vorjahr von 4,52 Prozent auf 3,34 Prozent.<1259> Die Abteilung Landwirtschaft führte als Gründe für die Abwanderung aus den LPG Alter, Krankheit, Werbung für die VP sowie Wohnungswechsel an. Im Jahre 1957 standen 450 Zugängen 487 Abgänge gegenüber.<1260>

Die Arbeitskräftelage blieb für die LPG des Kreises problematisch. Die LPG litten stärker als die private Landwirtschaft an Arbeitskräftemangel, ohne daß dieser bedenkliche Tatbestand in den Akten hinreichend Niederschlag fand.<1261> Eindeutig wären bei umfassenderer Bestückung der LPG und vor allem der MTS mit Maschinerie die Auswirkungen des Mangels an Arbeitskräften auf die genossenschaftliche Produktion kleiner gewesen.

Bei anwachsender Fläche, aber geringer Zunahme der Mitgliederzahl der LPG erhöhte sich im Jahre 1957 die pro Mitglied zu bearbeitende Fläche von 4,74 auf 5,03 Hektar.<1262> Im MTS-Bereich Rätzlingen hatte


246

jedes Mitglied ca. 7,1 Hektar LN zu bearbeiten. Die 26 Mitglieder der LPG Everingen trugen sogar für die Bearbeitung von je 11,0 Hektar LN die Verantwortung.<1263> In anderen LPG, wie in Behndorf und Belsdorf, bestand eine ähnlich schwierige Situation. Hier bearbeitete jedes Mitglied im Durchschnitt eine LN von 10 Hektar.<1264>

Beinahe die Hälfte der Genossenschaftsbauern gehörte der Altersgruppe 40 bis 65 Jahre an. Ihre verringerte physische Belastbarkeit setzte der Erhöhung der Produktivität in den Bereichen, die schwere körperliche Arbeit erforderten, gewisse naturgegebene Grenzen. Die folgende Statistik gibt Aufschluß über die altersmäßige Zusammensetzung der LPG-Mitglieder laut Stand vom 30. Juni 1958.<1265>

Tabelle 30: Die altersmäßige Zusammensetzung der LPG-Mitglieder des Kreises Haldensleben Ende Juni 1958<1266>

Altersgruppe

Anzahl der

davon weiblich

 

Mitglieder

absolut

in %

unter 18 Jahre

121

46

38,0

18-25 Jahre

428

205

47,9

25-40 Jahre

980

535

54,9

40-60 Jahre

1 693

894

52,8

über 60 Jahre

409

135

33,0

Zur langfristigen Lösung des Arbeitskräfteproblems der LPG forderte das Büro der KL die GO der SED in den LPG, die OPO, die Gemeindevertretungen und besonders die Lehrerkollegien der Schulen in den Gemeinden dazu auf, die Schuljugend für das Erlernen von landwirtschaftlichen Berufen zu gewinnen. Die Leistungen und allgemeinen Bedingungen in nicht wenigen LPG des Kreises Haldensleben hielten vorerst die überwiegende Zahl der Heranwachsenden davon ab, ihre berufliche Zukunft in den Genossenschaften zu suchen.

3.2.3.5 Probleme der innergenossenschaftlichen Demokratie

Einschätzungen zu einem für die wirtschaftlich-organisatorische Festigung der LPG so wichtigen Problem wie der Wahrung und Weiterentwicklung der innergenossenschaftlichen Demokratie finden sich in den


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Archivalien für den Zeitraum 1956 bis Mitte 1958 lediglich äußerst verstreut. Ihnen zufolge verzeichneten die LPG im Jahre 1956 bei der Durchsetzung der innergenossenschaftlichen Demokratie kaum Fortschritte. Die Genossenschaftsbauern wurden nicht umfassend am Leben in den LPG beteiligt und zu wenig in die Ausarbeitung der Perspektivpläne einbezogen. Verschiedentlich legte nicht die Mitgliederversammlung - wie laut Statut gefordert -, sondern der Vorstand die innere Betriebsordnung fest. Die Einhaltung bzw. Verwirklichung der Beschlüsse der Mitgliederversammlung erfolgte oftmals entgegen den Festlegungen bzw. nur plakativ. Um mit einigen Beispielen für die Mißachtung der innergenossenschaftlichen Demokratie aufzuwarten: In den LPG Hilgesdorf, Ivenrode und Neuendorf hielten die Vorstände nicht den Zyklus für die Abgabe des Rechenschaftsberichts ein und unterließen es, regelmäßig Mitgliederversammlungen einzuberufen.

Dem Bericht über die Entwicklung der sozialistischen Landwirtschaft im Kreis Haldensleben im Jahre 1957<1267> vom Februar 1958 zufolge, seien bei der Verbesserung des Niveaus der innergenossenschaftlichen Demokratie, Fortschritte in allen LPG des Kreises zu verzeichnen gewesen. In beinahe allen LPG würden Revisionkommissionen wirksam werden. Typisch wäre eine Aufwärtsentwicklung in Fragen der Einhaltung des Statuts und der Bildung von Normenkommissionen. Wie die vorangegangenen Ausführungen bekunden, traf diese Einschätzung teilweise, aber nicht vollauf, zu.

3.2.3.6 Die Anwendung von Neuerermethoden

Durch die umfassende Entfaltung der Neuererbewegung in den LPG beabsichtigte die Parteiführung, die Initiative und Kreativität der Genossenschaftsbauern zu wecken, auf diese Weise die Arbeitsproduktivität zu erhöhen und somit das Wachstum der genossenschaftlichen Produktion zu beschleunigen.

Die Neuererbewegung in den Genossenschaften erstreckte sich sowohl auf die Vervollkommnung der technischen Ausrüstung an kleiner Maschinerie und Gerätschaften als auch auf die Verbesserung des Produktionsablaufs. Allmählich sollten durch die Anwendung von Neuerermethoden Einseitigkeit und Monotonie im Arbeitsprozeß überwunden werden.

In den LPG des Kreises Haldensleben spielten Neuerermethoden im Zeitraum 1956 bis zum Sommer 1958 wie in den Jahren zuvor eine relativ geringe Rolle. Im Frühjahr 1956 forderte das Büro der SED-KL zum wiederholten Male, die Anwendung von neuen Arbeitsmethoden dürfe nicht dem Selbstlauf überlassen bleiben. Die Ergebnisse bewährter Neuerermethoden und die dabei gewonnenen Erfahrungen müßten zum Allgemeingut aller Bauern werden. Doch der Rückgriff auf Verfahren, die angeblich oder tatsächlich die Arbeit erleichterten und ihre Qualität verbesserten, blieb vom Standpunkt der Sekretariats der KL und der Abteilung Landwirtschaft selbst in den LPG unbefriedigend. Die Einzelbauern setzten ohnehin auf Althergebrachtes. Eine vermeintlich neue Methode zur Heugewinnung fand in den LPG weniger Anklang.<1268> Die von den Medien hochgespielten sowjetischen landwirtschaftlichen


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Neuerermethoden - wie das Quadratnestpflanzverfahren bei Kartoffeln - erwiesen sich für die Landwirtschaft der DDR als nicht erfolgversprechend. Die Bauern des Kreises Haldensleben griffen sie kaum auf.

Aufgeschlossen gegenüber neuen Arbeitsmethoden gaben sich die Genossenschaftsbauern der LPG Bornstedt. Sie pflanzten im Jahre 1956 10 Hektar Kartoffeln im Quadratnestpflanzverfahren und bearbeiteten 62 Hektar im Engdrill- und Kreuzdrillverfahren.<1269> An diesem Beispiel ist jedoch nicht nachvollziehbar, ob dies gänzlich freiwillig geschah oder auf Veranlassung eines besonders lininientreuen LPG-Vorsitzenden oder Parteisekretärs.

3.2.4 Die äußeren Bedingungen der LPG und ihre Auswirkungen auf die Produktionsergebnisse

3.2.4.1 Die Finanzpolitik gegenüber den LPG

Die Abteilung Haushalt des Rates des Kreises als bestimmendes Instrument der Finanzorgane nutzte ihre Befugnisse hinsichtlich der Kreditpolitik, um die sozialistische Entwicklung auf dem Lande zu fördern und die LPG bei ihrem Bemühen um wirtschaftlich-organisatorische Festigung zu unterstützen. Die Genossenschaften erhielten hohe Kredite für die Entwicklung ihrer Produktion zugestanden. Die Belastung des Produktionskredites in der ersten Hälfte des Jahres 1957 belief sich auf 363 DM je Hektar. Die höchste kurzfristige Kreditbelastung wies die LPG Walbeck mit 589 DM je Hektar<1270>, die niedrigste die LPG Bülstringen mit 254 DM auf.<1271> Zur Verbesserung ihres Produktionsniveaus gestand der Kreishaushalt den LPG im Jahre 1958 1 811 700 DM zu.<1272> Dieser Betrag erhöhte sich um weitere 4 735 000 DM, die die LPG als langfristige Kredite von der Deutschen Bauernbank zur Verfügung gestellt bekamen.<1273>

Langfristige Kredite gewährte die Deutsche Bauernbank ebenfalls den einzelbäuerlichen Betrieben sämtlicher Größenordnungen zum Ankauf von totem und lebendem Inventar, vor allem von Zucht- und Nutzvieh. Desgleichen erhielten sie langfristige Kredite für Generalreparaturen an Maschinen und Einrichtungen, die Instandhaltung von Gebäuden und zur Durchführung von Meliorationsarbeiten.<1274> Die Laufzeit dieser Kredite betrug bis zu fünf Jahren.<1275> Besonders günstige Kredite bekamen LPG, die sich mit Jungviehaufzucht und Schafhaltung beschäftigten, beispielsweise zum Um-, Aus- und Neubau von


249

Stallungen. Solche Objekte kreditierte die Deutsche Bauernbank mit bis zu 90 Prozent ihres gesamten Wertumfanges.<1276> Die Kredittilgung hatte nach dem ökonomischen Nutzeffekt zu erfolgen. Die Verzinsung langfristiger Kredite ging für LPG zu sehr günstigen Bedingungen vonstatten - sie betrug nicht mehr als zwei Prozent.<1277> Hieran wird ersichtlich, welche Entlastung und Hilfe die staatlich verordnete Kreditpolitik dem genossenschaftlichen Sektor der Landwirtschaft brachte.

Zur Schaffung von Wohnraum für LPG-Mitglieder bewilligte die Abteilung Haushalt des Rates des Kreises Haldensleben im Jahre 1957 880 000 DM an langfristigen Krediten.<1278> Die LPG nahmen diese jedoch für Baulichkeiten nur unzureichend in Anspruch. Bis zum 30. Juni 1957 verbrauchten sie trotz dringlich zu lösender Bauvorhaben erst 20 Prozent der bewilligten Summe.<1279>

Für den Zukauf von Maschinen, Geräten, Vieh und die Durchführung von Meliorationsvorhaben standen LPG mit größeren wirtschaftlichen Schwierigkeiten laut dem Haushaltsplan des Jahre 1958 2 340 000 DM an langfristigen Krediten zur Verfügung.<1280> Diese gliederten sich wie folgt auf:

Tabelle 31: Langfristige Kredite für besonders wirtschaftsschwache LPG des Kreises Haldensleben laut Haushaltsplan 1958<1281>

Verwendungszweck

Summe (DM)

für genossenschaftliche Viehzukäufe

xxxxxxxx1 000 00016

für Zukäufe von Maschinen und Geräten

xxxxxxxx1 100 000<1282>

für Meliorationen

xxxxxxxx1 110 00016

für den Ausbau von Nebenwirtschaften

xxxxxxxx1 150 00016

für den Viehzukauf für individuelle Hauswirtschaften

xxxxxxxx1 180 000<1283>

insgesamt

xxxxxxxx2 340 00016


250

Von der aufgeführten Summe verbrauchten die LPG bis zum 30. Juni 1958 682 000 DM.<1284>

Wirtschaftsschwache LPG des Kreises Haldensleben erhielten im Jahre 1958 zum Kauf von Maschinen und Geräten Produktionsbeihilfen in Höhe von 288 000 DM gewährt.<1285>

Die schwache Planerfüllung im Hinblick auf die Erlöse in einer größeren Zahl von LPG wurde per 30. Juni 1958 an der Kreditbelastung je Hektar offenkundig.<1286> In diesem Zusammenhang werden in den Archivalien neben der LPG Walbeck 12 weitere LPG als Negativbeispiele aufgeführt.<1287> Die aufgewendeten AE lagen bei 47,8 Prozent der Plansumme.<1288> Pro Hektar wurden 29,9 AE aufgewendet.<1289>

Die Ministerratsbeschlüsse vom 12. Juni 1958 forderten nicht nur die Produktions-, sondern ebenfalls die Finanzpläne der LPG bis zum 31. Juli 1958 neu zu erarbeiten.<1290> Von der bisher praktizierten Stützung der AE sollte künftig abgegangen werden. “Sie ging nicht von der Steigerung der Produktion und der Arbeitsproduktivität aus und verstieß gegen das Prinzip der materiellen Interessiertheit.“<1291> Die Stützungen der AE nutzten zahlreiche Mitglieder einer Reihe von LPG dahingehend aus, sich möglichst viele AE anzuschreiben. Derartige unlautere Handlungsweisen stellten nicht nur eine Verletzung des Leistungsprinzips dar, sondern zogen eine hohe, ungesunde Kreditbelastung der betreffenden LPG nach sich. Außerdem differenzierten sich die Einkünfte der Mitglieder verschiedener LPG in ökonomisch nicht vertretbarer Weise. Ohne Sonderkredite arbeitende LPG vermochten aufgrund ihrer oftmals angespannten finanziellen Situation je Mitglied weniger Geldeinkünfte zu verteilen als LPG, die das Leistungsprinzip mißachteten und hohe Sonderkredite beanspruchten. Den Genossenschaftsbauern solcher LPG fehlte es bei einer derartigen ökonomisch und moralisch unvertretbaren Unterstützung nicht selten an dem unbedingten Willen zur Leistungssteigerung.

In Anlehnung an die Junibeschlüsse des Jahres 1958 erhielten solche LPG des Kreises Haldensleben, die im Juni 1958 ungeachtet ihrer Bemühungen um die Steigerung ihrer Produktion und die Senkung der Selbstkosten keine ausreichenden Geldeinkünfte erzielten, die Zinsen für überfällige lang- und kurzfristige Kredite erlassen sowie die Rückzahlungsraten für langfristige Kredite gestundet. Wenn LPG trotz Ausschöpfung sämtlicher Reserven und der vorgesehenen Hilfsmaßnahmen (ausschließlich der zur Verteilung gelangten Naturalien) nicht den Wert von 7 DM je AE erreichten, so konnte ihnen eine Wirtschaftsbeihilfe zugestanden werden.<1292> Unter Berücksichtigung der veränderten Preisrelationen vom 28. Mai 1958 erhielten nach Überarbeitung ihrer Produktions- und Finanzpläne 31 LPG


251

Wirtschaftsbeihilfen.<1293> In diesen Genossenschaften belief sich der reale Wert der AE auf keine 7 DM. Die Gesamthöhe der Beihilfen belief sich in der ersten Hälfte des Jahres 1958 auf 1 663 390,40 DM.<1294> Nach dem alten Plan wiesen 15 LPG einen Planwert der AE von über 7 DM auf, während 38 LPG mit Stützungen arbeiteten. Der reale Wert der AE dieser LPG lag also unter 7 DM.<1295>

Die erhöhten Geldeinkünfte hingegen, die aus der Übererfüllung der Pläne herrührten, gingen in den unteilbaren Fonds der LPG ein.<1296> In der ersten Hälfte des Jahres 1958 traf dies - wie gehabt - auf nur wenige LPG des Kreises zu.

Für die Übernahme von freien, d. h. eindeutig von den Bauern aufgegebene oder durch Flucht verlassene Ländereien und ÖLB-Flächen, bekamen die LPG Staatszuschüsse.<1297> Bis zum Sommer 1958 erhielten 11 LPG des Kreises Haldensleben Zuschüsse von insgesamt

89 078 DM.<1298> Die höchsten Zuschüsse erkannte der Rat des Kreises der LPG Behnsdorf mit 24 304,50 DM zu. Das läßt darauf schließen, daß sich für eine Reihe von dort ansässigen Einzelbauern die Fortführung ihrer Wirtschaften nicht mehr rentierte.<1299>

Die Abteilung Landwirtschaft schlüsselte - bei Beachtung der bisherigen Produktivität der jeweiligen LPG - die von dieser zu erarbeitenden AE auf.<1300> Die neue Planung sah vor, daß der Kreisdurchschnitt je Mitglied statt der vom Rat des Bezirkes für das Jahr 1958 vorgegebenen 321 AE nunmehr 319,2 AE betragen sollte.<1301> Bei Löhnen und Gehältern für Spezialisten und Saisonkräfte veranschlagte die Abteilung Landwirtschaft zunächst 76 DM je Hektar.<1302> Die korrigierte Festlegung sah dann 66,25 DM je Hektar vor.<1303>

Einige Ergebnisse der neuen Planung in zwei MTS-Bereichen seien aufgeführt: Für den MTS- Bereich Schackensleben sah der Plan einen Wert der AE von 8,74 DM<1304>, für den MTS-Bereich Rätzlingen hingegen einen realen Wert von 3,34 DM vor.<1305> Einen ähnlich ungünstigen Stand verzeichnete der MTS-


252

Bereich Klüden. Abgesehen von der LPG Lockstedt kam keine der LPG dieses Bereichs an den Kreisdurchschnitt heran.<1306>

Unter den LPG des Kreises bestand ein beträchtliches Entwicklungsgefälle. Viele Genossenschaften hatten sich aufgrund mangelnder wirtschaftlich-organisatorischer Festigung mit immensen Schwierigkeiten auseinanderzusetzen. Den Rat des Kreises hielt dies nicht davon ab im Sommer 1958 festzustellen: “Insgesamt muß jedoch hervorgehoben werden, daß sich die Entwicklung der Genossenschaften unseres Kreises im 1. Halbjahr so vollzogen hat, daß alle Potenzen in unserem Kreis vorhanden sind, bis 1960 ohne Wirtschaftsbeihilfen zu arbeiten.“<1307> Dieses hohe Anspruchsdenken befand sich nicht in Übereinstimmung mit den objektiven Möglichkeiten einer Reihe von LPG und fand in den folgenden anderthalb Jahren keine durchgehende Bestätigung in der Realität.

3.2.4.2 Arbeitsweise und Leistungen der MTS

Der ihnen von der SED-Führung auferlegten Verantwortung, den Umwälzungsprozeß auf dem Lande voranzutreiben und die wirtschaftlich-organisatorische Festigung der LPG entschieden verbessern zu helfen, wurden die MTS des Kreises Haldensleben im Jahre 1956 noch immer nicht gerecht. Die Einschätzung ihrer Arbeit durch das Büro der KL unterstreicht dies.

Im Frühjahr 1956 hielt das Büro der SED-KL Haldensleben den MTS Klüden und Weferlingen vor, die LPG ihres Bereiches häufig unzureichend zu unterstützen. In diesem Manko sah es die Ursache für ihre teils beträchtlichen Entwicklungsrückstände und die damit verbundenen größeren Stützungsbeiträge, die die betreffenden LPG in Anspruch nehmen mußten. Es stellte ausdrücklich die Verantwortlichkeit der MTS für ihren jeweiligen Bereich klar. Obwohl die Produktionsziele der MTS des Kreises für Arbeiten bei den LPG z. T. über den Richtlinien des Volkswirtschaftsplanes lagen - auf dem Papier wohlgemerkt<1308>-, tätigten die genannten MTS zu wenig Vertragsabschlüsse und halfen überdies den werktätigen Einzelbauern kaum. Bis zum Frühjahr gelang es ihnen nicht einmal, das Winterreparaturprogramm zu beenden. Die vom

25. Plenum des ZK des SED vom Oktober 1955 und der IV. LPG-Konferenz vom Dezember 1955 zum Hauptmittel für die Verwirklichung der sozialistischen Wirtschaftsprinzipien in MTS und LPG erklärte Schönebecker Methode wandten die MTS des Kreises Haldensleben zunächst kaum an.

Aus einem Bericht über die Frühjahrsbestellung 1956 gehen die schwachen Leistungen der MTS hervor. Der Erfüllungsstand ihrer Planvorgaben betrug 46,6 Prozent.<1309> Die Ergebnisse der Stationen standen in keinem Verhältnis zu den Ergebnissen des Vorjahres. Und "... wenn man die Leistungen der einzelnen bäuerlichen Betriebe betrachtet“, stellte das Büro der SED-KL konsterniert fest, “sind diese weiter als


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unsere MTS.“<1310> Es fuhr fort, der derzeitig schleppende Ablauf der Frühjahrsbestellung gäbe nicht die Gewähr dafür, daß der sozialistische Sektor den Plan im ersten Quartal erfüllen würde.<1311> Das Büro der SED-KL Haldensleben zog aus aus den Bestellarbeiten des Frühjahres 1956 den Schluß, die Arbeitsweise der MTS führe nicht zur Stärkung und Erweiterung des genossenschaftlichen Sektors der Landwirtschaft. Sie trage eher dazu bei, die werktätigen Einzelbauern vom Eintritt in LPG abzuhalten. Diese Aussage bestätigt wiederum, daß zu jenem Zeitpunkt durchschnittlich wirtschaftende Einzelbauern ihre Interessen materieller Art als Einzelbauern besser verwirklichen konnten als dies in einer LPG der Fall gewesen wäre.

Die Mängel und Versäumnisse in der Arbeit der MTS beruhten auf Ursachen objektiver und subjektiver Art. Sie lagen auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlichen Bereichen. Zu ihnen zählten:

Dem Maisanbau galt als Futtergrundlage für die tierische Produktion im sozialistischen Sektor der Landwirtschaft seit dem Frühjahr 1956 verstärkte Aufmerksamkeit. Zur erweiterten Popularisierung der Bedeutung der vermeintlichen Vorteile des Maisanbaus und damit zur angestrebten Steigerung der tierischen Produktion in den LPG führten sämtliche MTS-Bereiche des Kreises Haldensleben zwischen dem 13. und dem 20. April 1956 “Maiskonferenzen“ durch.<1312> Schon des geringen Besuches dieser Veranstaltungen wegen, blieb ihr Erfolg zweifelhaft. Werktätige Einzelbauern nahmen kaum an ihnen teil.


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Die Arbeitsweise der MTS des Kreises trug auch im Sommer 1956 nicht zur Festigung der LPG bei, sondern rief nach wie vor die Kritik des Büros der KL hervor. Die Arbeitsdisziplin in den MTS Haldensleben II und Rätzlingen blieb tadelnswert.<1313> Traktoristen der MTS Schackensleben - diese MTS galt als die beste im Kreis - äußerten sich: “Was geht uns denn die LPG an?“<1314> Während der Ernte war von straffer Organisation in den MTS wenig zu spüren. Viele Traktoristen nahmen es mit der Arbeitsdisziplin nicht genau, das Fließsystem kam nicht durchgehend zur Anwendung.<1315>

Per 11. August 1956 waren im Kreis Haldensleben 67 Prozent der gemähten Fläche geschält, wobei der Anteil der MTS-Arbeiten 42 Prozent ausmachte.<1316> Von den im Kreis bisher mit Zwischenfrucht bestellten 1 839 Hektar drillten die MTS nicht mehr als 475 Hektar.<1317> Die Gründe dafür sah das Büro der KL in der Unterschätzung der Schichtarbeit, aber wiederum auch in der indiskutablen Arbeitsdisziplin. “Ein MTS-Brigadier sitzt mit seinen Traktoristen in der Kneipe“, ist einem Bericht über die Durchführung der Ernte vom August 1956 zu entnehmen.<1318> Negativer kann eine Arbeitseinstellung kaum gekennzeichnet werden.

Nachdem sich die MTS Weferlingen im Spätherbst 1956 neuerlich starker Kritik durch das Büro der SED-KL ausgesetzt sah<1319>, traf es im Winter die MTS Ostingersleben. Die LPG Eimersleben zeigte sich mit der Arbeit dieser MTS unzufrieden, weil deren von der Genossenschaft angeforderte Maschinen nicht überstellt wurden. Die Eimerslebener LPG mußte Ausfälle an Arbeitszeit und dadurch erhöhte Kosten hinnehmen. In der LPG Bodendorf zogen die Traktoristen die Winterfurche nicht vollständig; 1,75 Hektar Winterweizen blieben unbestellt.<1320> Bessere Arbeit leisteten die Traktorenbrigaden dieser MTS in zwei anderen Genossenschaften. In den LPG Bösdorf und Bülstringen gelang es, eine effektive Zusammenarbeit zwischen den Traktorenbrigaden der MTS und den Feldbaubrigaden der LPG zu entwickeln. Beide Brigadiere legten mit den Vorständen den Wochenarbeitsplan fest und achteten auf die Einhaltung der Grundsätze der Schönebecker Methode.<1321>

Die mangelhafte Durchsetzung der Schönebecker Methode stand in jenen Jahren häufig im Mittelpunkt von Debatten des Büros der KL. Im Sommer 1957 rügte es, einige MTS des Kreises Haldensleben fühlten sich weder für die Planerfüllung noch für die Gesamtentwicklung der LPG ihres Bereiches verantwortlich.<1322> Das Büro der SED-KL verdeutlichte den betreffenden MTS-Leitungen: Die Arbeitsweise


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der MTS werde nicht ausschließlich nach der Hektarleistung mittleren Pflügens, sondern vorrangig nach der Steigerung der Marktproduktion der LPG des Bereiches bewertet.<1323> Die MTS-Leitungen müßten nach wie vor darauf achten, die Schönebecker Methode durchzusetzen.

Unverständlich und realitätsfern ist nach der vorangegangenen häufigen Kritik die Feststellung des Büros der SED-KL vom Oktober 1957, als es erklärte: “Auf der Grundlage der Schönebecker Methode vollbrachten unsere MTS ... gerade während der Frühjahrsbestellung und besonders während der Pflegearbeiten den Beweis für die Überlegenheit und Richtigkeit der Arbeit nach der sozialistischen Großproduktion.“<1324> Einschränkend stellte es aber im gleichen Atemzug fest, daß die Schönebecker Methode im Verlaufe der Hackfruchternte unbefriedigend zur Anwendung gelange. Die MTS-Bereiche Flechtingen und Klüden verständen es im Gegensatz zu Schackensleben nicht, die Fließmethode durchzusetzen.<1325>

Auf der gleichen Sitzung relativierte das Büro den oftmals als “hoch“ dargestellten Mechanisierungsgrad der MTS, indem es feststellte: “Die MTS sind in der Lage 45 bis 50 Prozent der Kartoffelflächen in den LPG und bei den Einzelbauern zu roden, wovon 8 Prozent mit modernen Vollerntemaschinen bewältigt werden können.“<1326> Mit dieser Verlautbarung gestand das Büro indirekt die begrenzten materiellen Möglichkeiten der MTS zur Hilfeleistung für LPG und werktätige Einzelbauern während der Hackfruchternte ein. Nochmals verwies es darauf, daß Vollerntemaschinen nur im sozialistischen Sektor der Landwirtschaft einzusetzen seien. Bei Befolgen dieser Festlegung der 2. Zentralen MTS-Konferenz vom Winter 1958 würden sich betriebswirtschaftlich große finanzielle Einsparungen für die LPG ergeben. Es zeigte kein Verständnis dafür, “daß durch den Rat des Kreises Haldensleben versucht würde, Maschinen aus der LPG Haldensleben II zugunsten des einzelbäuerlichen Sektors abzuziehen, ohne daß die LPG Haldensleben II ihre Arbeitsspitze auch nur annähernd bewältigt hat.“<1327> An diesem Beispiel zeigt sich, wie nachdrücklich das Büro der SED-KL versuchte, die Überlegenheit der Genossenschaften herbeizuführen und Einzelbauern durch unverhüllte ökonomische Pressionen zum Erwägen eines LPG-Beitritts zwang.

Angesichts der dargelegten Schwächen in der Zusammenarbeit zwischen MTS und LPG konnte von einer umfassenden, qualitativ ausgewogenen Hilfeleistung der MTS zur Festigung der LPG wahrlich nicht gesprochen werden. Deshalb mutet die Einschätzung des Rates des Kreises Haldensleben vom Januar 1958, die MTS des Kreises hätten 1957 wesentlich zur Stärkung des sozialistischen Sektors der Landwirtschaft beigetragen, befremdend an und kann nicht geteilt werden.<1328> Die geplanten Arbeiten der Tarifklasse I, d. h. die Arbeiten in den LPG, hätten laut Rat bis auf kleine Abstriche erfüllt werden können.<1329> Den Erfüllungsstand der Leistungspläne der MTS des Kreises gab der Rat des Kreises für


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das Jahr 1957 mit 109,9 Prozent an.<1330> Dieser hohe Stand der Planerfüllung ist nach der häufigen Bemängelung der Arbeitsweise der MTS erstaunlich und läßt Zweifeln Spielraum ...

In den Stationen bestand - obwohl sich die Situation im Vergleich zur ersten Hälfte der fünfziger Jahre bedeutend gebessert hatte - weiterhin ein Mangel an landwirtschaftlichen Großmaschinen, Gerätschaften und Ersatzteilen. Ungeachtet dessen legte das Büro der KL Ende Januar 1958 als eine bedeutsame Zielstellung der MTS für die folgenden Jahre fest: “Die MTS als die wichtigsten Faktoren zur Festigung der LPG haben die Hauptaufgabe, die verstärkte Mechanisierung aller Arbeiten in der Feld-, Vieh- und Innenwirtschaft stärkstens zu beachten.“<1331> Um diese Vorhaben Wirklichkeit werden zu lassen, sollten die MTS die Schönebecker Methode in allen MTS-Stützpunkten und LPG-Brigaden durchsetzen, sie anhand der gesammelten Erfahrungen weiterentwickeln und variabler anwenden.

Auf einer Konferenz der Vorsitzenden der LPG, der Direktoren der MTS und von Vertretern der Patenbetriebe des Kreises Haldensleben Ende Februar 1958 stand die Schönebecker Methode wiederum im Mittelpunkt von Vorträgen und anschließenden Diskussionen. Von ihrer gerichteteren Anwendung versprach sich die KL höhere Produktionsleistungen der LPG und VEG des Kreises Haldensleben. Nach umfassender Erörterung dieser Methode stellte die Tagung fest, die beste Art der Zusammenarbeit der MTS mit den LPG seien solche Prinzipien der Wirtschaftsführung, wie sie die Schönebecker Methode beinhalte. Zur Durchsetzung ihrer Prinzipien noch im Jahre 1958 gelte es folgende Maßnahmen einzuleiten:<1332>

Gleichzeitig beschloß die Konferenz in Anlehnung an die Festlegungen der 2. Zentralen MTS- Konferenz, zur weiteren Entwicklung und Festigung der LPG mit Hilfe der MTS in jedem MTS-Bereich drei Arbeitsgruppen unter Leitung eines Oberagronomen, eines Technikers und eines Hauptbuchhalters zu bilden.<1333> Die erste Arbeitsgruppe entstand dann tatsächlich erst im Juli 1958 an der MTS Rätzlingen. Somit setzte sich die insgesamt laxe Unterstützung der MTS des Kreises zur Festigung der LPG über das erste Halbjahr 1958 hinaus, fort.

3.2.4.3 Zum ländlichen Bauwesen

Der Errichtung und Erneuerung von genossenschaftlichen Bauten verschiedenster Art - sei es nun


257

Ställen, Hallen, Garagen - kam im Hinblick auf die Weiterführung der Veränderungen auf dem Lande ein gewichtiger Stellenwert bei. Von ihren Mitgliedern wie auch den ÖLB hatten die LPG im Regelfalle ein Erbe an Bausubstanz erhalten, das weder für den Fortgang und schon gar nicht für die Vollendung der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft die notwendige materielle Basis abgab. Neben den aufgeführten Bauten bestand in den LPG dringlicher Bedarf an einer größeren Anzahl von Wohnungseinheiten. Sie wurden benötigt, um die Land-, vor allem jedoch die Industriearbeiter und in den späten fünfziger Jahren die Traktoristen der Stationen dauerhaft an LPG zu binden.<1334>

Die staatlichen Organe des Kreises Haldensleben trugen der Notwendigkeit zur Errichtung von Nutz- und Wohnbauten Rechnung und billigten dem ländlichen Bauwesen vom Herbst 1956 bis zum Jahre 1960 eine Baukostensumme von 16 682 000 DM zu.<1335> Diese Summe enthielt die reinen Baukosten sowie die Projektierungsgebühren und die Kosten für die Erstellung der Außenanlagen. Die Abteilung Haushalt des Rates des Kreises begründete die Verabschiedung dieses hohen Betrages u. a. mit dem Erfordernis, in einer Reihe von LPG nicht nur Stallum-, sondern überwiegend Neubauten vornehmen zu müssen.

Auf der Bürositzung der KL vom 16. Oktober 1956 wurde kritisch angemerkt, daß die für das Bauwesen in den LPG Verantwortlichen statt über fehlende Arbeitskräfte, Materialmangel und schlechte Arbeitsmoral zu lamentieren, entschiedener darauf achten sollten, daß mit dem vorhandenen Material und den zur Verfügung stehenden Arbeitskräften qualitäts- und termingerechte Arbeiten in den LPG durchgeführt würden. In den LPG Eimersleben, Haldensleben II und Wedringen wäre dies nicht der Fall. Es sei notwendig, die Maurer in den LPG von der Notwendigkeit zu überzeugen, sich zu Baubrigaden zusammenzuschließen. Jenen LPG müsse geholfen werden, in denen Schwerpunktaufgaben einer Lösung bedurften.<1336>

Im Herbst 1956 wurden in 30 von 53 LPG im Kreis Haldensleben 39 Bauvorhaben durchgeführt, für die 1 711 000 DM zur Verfügung standen.<1337> Im einzelnen fielen diese Kreditlasten an:


258

Tabelle 32: Kreditlasten der LPG und der werktätigen Einzelbauern des Kreises Haldensleben im Baugeschehen im Herbst 1956<1338>

Kreditverwendung

Bauvorhaben (Anzahl)

Kreditsumme (DM)

LPG-Hauswirtschaften

48

574 500

LPG-Nutzbauten

39

1 711 000

Im Vergleich dazu:

werktätige Einzelbauern

8

70 000

Wie dieses Beispiel verdeutlicht, bekamen die werktätigen Einzelbauern bedeutend niedrigere Summen als die LPG zugestanden. Dementsprechend gering fiel die Zahl ihrer Bauvorhaben aus. Die Abteilung Haushalt des Rates des Kreises hielt sich in diesem Falle nicht an zentrale Weisungen, denen zufolge den werktätigen Einzelbauern als den Genossenschaftsmitgliedern der Zukunft gleichfalls umfassende Unterstützung zu gewähren sei.

Einige Bauvorhaben an LPG-Hauswirtschaften konnten im Herbst 1956 nicht wie vorgesehen begonnen werden.<1339> Bei der Fertigstellung von LPG-Nutzbauten traten Schwierigkeiten wie ungenügende Belieferung der Baustellen mit Kalk, Zement, Dachpappe, Glas, Stahlträgern, mehr noch aber das leidige Problem "Arbeitskräftemangel" auf. Letzteres deshalb, "weil die Handwerker zur Schwarzen Pumpe gehen." Dort bestanden bei weitem günstigere Verdienstmöglichkeiten als in den LPG.<1340>

Im Jahre 1956 mußte der genossenschaftliche Bausektor erhebliche Abwanderungen hinnehmen. Die Situation komplizierte sich weiter, da die Genossenschaftsmitglieder mit einem Bauberuf bis auf wenige Ausnahmen nur Reparaturarbeiten durchführten. Diese Zurückhaltung trug zur Verzögerung bei der Fertigstellung der Nutzbauten bei. Durch das Zusammenfassen der Baubrigaden der LPG zu "Einsatzbrigaden" in den sieben MTS des Kreises glaubte die Abteilung Aufbau beim Rat des Kreises, über leistungsfähige Brigaden unter Leitung erprobter Bauleiter zur Vollendung der Nutzbauten zu verfügen und künftig die anberaumten Termine halten zu können.

Die SED-KL Haldensleben setzte sich auf ihren Bürositzungen mehrmals mit der Arbeitsweise dieser Abteilung des Rates des Kreises auseinander. Durch ungenügende Zuteilung von Baumaterialien wäre der Bau von Viehställen erschwert und die genossenschaftliche Entwicklung verzögert worden. "Da man dieser Entwicklung, der tierischen Produktion nicht genügend Beachtung schenkt durch das ländliche Bauwesen, muß es sich nachteilig auf die Rentabilität der Genossenschaften und der gesamten Volkswirtschaft auswirken", erklärte das Büro der KL Mitte Oktober 1956.<1341>


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In den ersten Monaten des Jahres 1957 mangelte es auf den Baustellen wiederum an Baumaterialien. Andererseits schöpften Rat des Kreises und LPG die staatlichen Mittel für Baumaßnahmen oftmals nicht aus. Beide befanden sich in dem Dilemma, daß zwar Gelder, jedoch nicht Materialien des benötigten Sortiments und der erforderlichen Qualität vorhanden waren.

Für das Jahr 1957 sahen die Planvorhaben die Errichtung von wesentlich mehr Wohnungseinheiten für Genossenschaftsmitglieder als in früheren Jahren vor. Folgende Neubauten stellten die Baubrigaden bis zum Jahresende fertig:<1342> je zwei Wohnungseinheiten in Alleringersleben, Brumby, Flechtingen und Seggerde, sechs in Hundisburg und acht in Bebertal.

Sämtliche im Wohnungsbau tätigen Gewerke litten 1957 besonders unter der nichttermingerechten Anlieferung von Materialien. Vor allem bestand ein Mangel an Fertigteildecken und Dachsparren. Der Bezug der fertiggestellten Gebäude wiederum verzögerte sich wegen lückenhafter Versorgung mit Elektromaterial; die Installationsarbeiten gingen so schleppend voran. Fehlplanungen verhinderten einen pünktlichen Baubeginn der Hauswirtschaften. Die Kostenpläne für den Bau dieser Wirtschaften überstiegen bei weitem die in den Kreditrichtlinien der Deutschen Bauernbank festgelegte Höchstbaukostensumme. Erst nach vollständiger Überarbeitung der Pläne entsprechend der örtlichen Möglichkeiten und der vorhandenen Baustoffreserven konnten reale Finanzierungspläne aufgestellt und mit dem Bau begonnen werden.<1343> Am Jahresende 1957 wies der Erfüllungsstand des Bauprogramms des Kreises Haldensleben für LPG-Nutzbauten 84, für die LPG-Hauswirtschaften aber nicht mehr als 55 Prozent aus.<1344>

Mit der Errichtung von Rinderoffenställen - die Planungen des Kreises Haldensleben sahen für das Jahr 1958 davon 20 vor - setzte sich auch in diesem Kreis eine in der gesamten DDR zu beobachtende Entwicklung fort.<1345>

Das Büro der SED-KL Haldensleben maß der Errichtung von Rinderoffenställen, der billigsten Variante für den Bau von Großställen, größte ökonomische Bedeutung bei, förderte die Vorhaben und überwachte deren Fortgang. Trotzdem sprach es auf einer Bürositzung in der ersten Junihälfte 1958 nach einer Analyse der Realisierung des Offenstallprogramms im Kreis von einem unbefriedigenden Bautenstand.<1346> Das Büro bildete daraufhin spezielle Arbeitsgruppen, die Organisationsmängel bei der Errichtung der Bauten auszumerzen und deren Durchführung zu kontrollieren hatten. Dadurch sollte eine Qualitätsverbesserung erreicht werden und der Bauablauf flüssiger vonstatten gehen.

Von den Vorteilen der Rinderhaltung in Rinderoffenställen zeigten sich längst nicht alle leitenden LPG-Kader überzeugt. Fehlendes Vertrauen in diese Art der Tierhaltung spricht aus den Worten des LPG-


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Vorsitzenden von Bartensleben, der sich im Juni 1958 so äußerte: "Wenn unsere Partei erst vom Bau der Offenställe abhängt, dann verhungern wir alle!"<1347>

Vorbehalten von erfahrenen Herdbuchzüchtern zum Trotz, plädierte die KL Haldensleben bis über das Jahr 1960 hinaus weiter für die Errichtung von Rinderoffenställen.

3.2.4.4 Die Orientierung der SED auf den "sozialistischen Wettbewerb"

Der Wettbewerb stellte in der sozialistischen Wirtschaft ein neues Element dar. Zwar blieb die Warenproduktion und damit ein Element der Konkurrenz - die in der Marktwirtschaft eine entscheidende Triebkraft für die Weiterentwicklung der Produktivkräfte ist - bestehen, doch unter den neuen gesellschaftlichen Bedingungen endete der Wettbewerb nicht mit schwerwiegenden sozialen Folgen für die Unterlegenen. Aber ähnlich wie beim propagierten Leistungsprinzip hat sich der "reale Sozialismus" als historisch unfähig erwiesen, mit Hilfe dieses Instruments und weiterer Mittel, ein im Vergleich zur Marktwirtschaft höheres ökonomisches Niveau zu erreichen.<1348>

In der Landwirtschaft der DDR sollte sich der sozialistische Wettbewerb von Bauer zu Bauer, von LPG zu LPG und von Gemeinde zu Gemeinde zu einem bedeutsamen Hebel für die Steigerung der Arbeitsproduktivität, der Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion und damit zur Erfüllung der Pläne entwickeln. Er konnte regional-, über-, zwischen- und innerbetrieblich ausgetragen werden. Den sozialistischen Wettbewerb erachtete die SED-Spitze als wichtig "für die Hebung der Verantwortung der Genossenschaftsmitglieder für ihre Genossenschaft und deren Produktion."<1349> Sie glaubte, von ihm würden belebende Wirkungen für den sozialistischen Aufbau auf dem Lande ausgehen.

Die Verantwortung für seine Durchführung trugen die LPG-Vorstände. Die Wettbewerbsformen sowie seine Ziele und die Bedingungen hingen von den konkreten ökonomischen und politischen Vorhaben der jeweiligen LPG ab. Als Grundlage der Wettbewerbsprogramme in der Landwirtschaft dienten persönliche Verpflichtungen von werktätigen Einzel- oder von Genossenschaftsbauern, von Brigaden, ganzen LPG und Gemeinden. Die Programme hatten u. a. die Formen der Kontrolle und der Auswertung zu enthalten sowie Aufschluß über die materiellen und moralischen Anreize zu geben.

Der Wettbewerb entwickelte sich in kürzester Zeit zum ständigen Element sozialistischen Wirtschaftens. Er beruhte vor allem auf moralischen Anreizen, beinhaltete zumeist wenig materielle Stimulanz. Zudem verkam der Wettbewerb sehr schnell zu einem "planmäßigen" Programm zur Überwindung von Materialknappheiten, zu einem Ersatzprogramm für nicht verfügbare Produktionsfaktoren.<1350> Ein gewisser Wert aber kann den Betriebsvergleichen, die - ähnliche Bedingungen vorausgesetzt - Fehler und Schwächen verdeutlichten und den Erfahrungsaustausch belebten, nicht abgesprochen werden.


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Den sozialistischen Wettbewerb als effizientes Gegenstück zum marktwirtschaftlichen Wettbewerb zu initiieren - das blieb Wunschdenken der Parteiführung und ihrer Ideologen. Letzterer ist seiner sozialen Konsequenzen wegen notwendige Lebensstrategie. Ersterer blieb ein unverbindlicher, ideologisch überfrachteter Versuch zur Leistungsstimulation. Für die Teilnehmer am sozialistischen Wettbewerb brachte ein erfolgreiches Abschneiden keine sonderlichen Vorteile mit sich. Für die Unterlegenen wiederum traten keine spürbaren Nachteile auf. Er mußte daher in seiner Wirkung versagen.

Im Kreis Haldensleben erlebte der Wettbewerb ab Mitte der fünfziger Jahre eine zuvor nicht gekannte Ausweitung. Sämtliche MTS, VEG, LPG sowie eine größere Zahl von Gemeinden und werktätige Einzelbauern erklärten ihre Teilnahme. Zumeist allerdings nicht aus eigenem Antrieb, sondern auf Initiative der KL hin. Hieran wird ein Grundproblem des Führungsstils der Parteiführung deutlich: Mißtrauen gegen alles Spontane und Führung des Wettbewerbs von oben nach unten statt umgekehrt. Das galt gleichfalls für die Industrie.

Um die Bestellarbeiten im Kreis Haldensleben so zeitig wie möglich abzuschließen, rief die Gemeinde Calvörde die umliegenden Gemeinden und die dort ansässigen LPG im Frühjahr 1956 zum Wettbewerb auf. Nach der Veröffentlichung des Aufrufs in der Presse schlossen sich alle Gemeinden und LPG der Bewegung an. Die Beteiligung blieb unterschiedlich. Im Gegensatz zu den Gemeinden Walbeck und Wedringen, die angeblich eine gute, jedoch nicht bezifferte Beteiligung am Wettstreit aufwiesen, lag sie in Bregenstedt und Everingen unter 10 Prozent.<1351> Folgende Kriterien lagen dem Wettbewerb zugrunde:<1352>

Der Wettbewerb sollte täglich ausgewertet, aber nicht formal geführt werden. Mit der Popularisierung der besten Ergebnisse in der Lokalpresse glaubten die KL und die Abteilung Landwirtschaft, weitere Wettbewerbsaktivitäten auslösen zu können.

Wie aus einem Bericht der Abteilung Landwirtschaft vom Sommer 1956 hervorgeht, sei es den LPG durch verbesserte Zusammenarbeit mit den staatlichen Organe gelungen, gute, aber im Detail nicht näher definierte Wettbewerbsergebnisse zu erzielen. Die Wettbewerbsteilnahme von werktätigen Einzelbauern erhöhte sich immens: von 407 am 10. Juni 1955 auf 1 516 ein Jahr später.<1353> Gleichzeitig gingen die werktätigen Einzel- und die Genossenschaftsbauern des Kreises Wettbewerbsverpflichtungen ein, deren Erfüllung die Bevölkerungsversorgung erheblich verbessern sollte. Sie stellten sich das Ziel, 274 Zuchtkälber und 2 316 Ferkel für den freien Aufkauf bereitzustellen.<1354>

Der Wettbewerb der MTS kam im Jahre 1956 von Station zu Station, Brigade zu Brigade und Traktorist zu


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Traktorist zur Austragung. Während der Erntearbeiten des Sommers 1956 fand er keine Fortsetzung in seiner bisherigen Form.<1355> Im Gegensatz zu den Vormonaten unterblieben die öffentliche Auswertung sowie die Übermittlung der Ergebnisse an die Presse. Im Sommer und Herbst 1956 beteiligten sich alle MTS und VEG des Kreises am Wettbewerb zur raschen Bergung der Halm- und Hackfruchternte. Unter Abgabe persönlicher Verpflichtungen nahmen sämtliche Mähdrescherbesatzungen der MTS und VEG am Wettbewerb auf Bezirksebene teil, der unter dem Motto “Wer wird Träger des gelben und blauen Trikots“ in drei Etappen zur Austragung gelangte. In der Woche vom 11. August bis zum 18. August 1956 erreichte eine Mähdrescherbesatzung des VEG Tundersleben die höchste Hektarleistung aller VEG des Bezirkes.<1356> Die Jugendbrigade der MTS Schackensleben wiederum belegte den dritten Platz im Vergleich der Jugendbrigaden des Bezirkes.<1357>

Am Wettbewerb des Jahres 1956 beteiligten sich nach beständiger Agitation durch Instrukteurbrigaden der KL und der Abteilung Landwirtschaft 61 Prozent der werktätigen Einzelbauern.<1358> Der Kreis Haldensleben belegte Platz drei im Bezirksmaßstab.<1359>

Die Wettbewerbe in der Landwirtschaft des Kreises Haldensleben krankten an verschiedenen Mängeln, einheitliche Kriterien blieben anfänglich die Ausnahme. Nach Ansicht des Büros der KL fehlte die eindeutige Forderung nach Erfüllung der staatlichen Pläne. Es empfahl, statt “Geredes über Verpflichtungen für den Wettbewerb sollte man einen richtigen materiellen Anreiz schaffen, um das Interesse dafür zu erwecken.“<1360> Das Büro der SED-KL forderte: "Nicht das Ausfüllen der Wettbewerbshefte sollte dabei entscheidend sein, sondern die Produktionsleistung.“<1361> Jeder Bauer müsse stets wissen, wo er im Wettbewerb und der pro-Hektar-Leistung stehe. Zur Gewährleistung dessen sei es erforderlich, an gut sichtbarer Stelle Leistungstafeln anzubringen.

Der Sieg der LPG Hundisburg im Republikmaßstab im Wettbewerb der LPG der Größenklasse 250 bis 500 Hektar im Sommer 1957 ist Synonym für die allmähliche Festigung einiger LPG des Kreises in sehr kleinen Schritten.<1362> Das Büro der SED-KL interpretierte den leichten Aufschwung als Beweis für Fortschritte in der wirtschaftlich-organisatorischen Festigung der LPG des Kreises insgesamt. Diese Einschätzung ist als verfrüht und ungerechtfertigt anzusehen. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, daß es sich bei der LPG Hundisburg um eine LPG handelte, die bald nach ihrer Gründung die führende Genossenschaft im Kreis verkörperte. An diese LPG reichte die absolute Mehrheit der Genossenschaften nicht annähernd heran. Deshalb konnte vom Erfolg der Hundisburger Genossenschaftsbauern nicht auf eine allgemeine Festigung der LPG des Kreises Haldensleben geschlossen werden.


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Im Sommer 1957 verpflichteten sich die LPG des Kreises nach ideologischer Bearbeitung durch Mitarbeiter der KL, des Rates des Kreises und der Leitungen der Massenorganisationen über den Plan hinaus für den freien Aufkauf folgende Mengen zur Verfügung zu stellen:<1363>

Hülsenfrüchte

52 000

kg

Rind

70 000

kg

Eier

120 000

kg

Ölsorten

10 000

kg

Milch

156 000

kg

Schwein

124 700

kg

Fleisch

16 800

kg

Hähnchen

300

Stück

Im Entwurf Beschluß des Kreistages des Kreises Haldensleben zur Unterstützung der Entwicklung der LPG<1364> vom 4. September 1957 begrüßte dieses Gremium ausdrücklich die Initiative der LPG Hundisburg für eine breite Wettbewerbsentfaltung. Als belangvollste Wettbewerbsziele benannte die LPG Hundisburg die Übererfüllung der Produktionspläne, die Senkung der Selbstkosten und die Erhöhung der Marktproduktion. Der Kreistag rief alle LPG des Kreises dazu auf, sich dem Beispiel der LPG Hundisburg anzuschließen.<1365> Die Ausschreibung sah vor, LPG mit ähnlichen Voraussetzungen in bis zu 10 Vergleichsgruppen zusammenzufassen und die Resultate - besonders die Produktions- und Finanzkennziffern - an den Rat des Kreises zu melden.<1366>

Zur raschen Abwicklung der Rübenkampagne in den LPG riefen die Jugendbrigaden der LPG Hundisburg und die MTS Haldensleben II im Herbst 1957 alle MTS-Brigaden des Kreises auf, sich am Wettbewerb um die höchsten Leistungen bei der Arbeit mit Rübenvollerntemaschinen zu beteiligen. Laut einem undatierten Bericht über die Vorbereitung und Durchführung der Hackfruchternte<1367> vom Herbst 1957 erzielten dabei die MTS-Brigaden im Zusammenwirken mit den LPG vorbildliche Leistungen. Den Akten zufolge hatten die Brigaden auf den genossenschaftlichen Feldern 1 902 Hektar Rüben zu roden, von denen sie bis zum nicht exakt bestimmten Zeitpunkt des Abfassens o. g. Berichtes 25 Prozent abernteten. Die Einzelbauern rodeten in der gleichen Zeit 24 Prozent von 2 428 Hektar und bewiesen damit, nicht weniger leistungsstark als die von den MTS unterstützten LPG zu sein.<1368> Der Bewertungsmaßstab für


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den einzelbäuerlichen Sektor muß allerdings ein anderer als der allgemein übliche gewesen sein, denn die Leistung der Einzelbauern fand keine positive Erwähnung.

Im Frühjahr 1958 gestand das Büro der SED-KL ein, zur Führung der Wettbewerbe im Kreis müsse bemerkt werden, “daß sie sich in der Mehrzahl durch formalen Charakter auszeichnen, weil die Wettbewerbserfolge in den meisten Fällen kaum meßbar sind.“<1369> Im ganzen Kreis gäbe es kein Beispiel der vergleichbaren täglichen Planerfüllung, der konkreten Planaufschlüsselung, der genauen Kontrolle und der täglichen Auswertung der Wettbewerbsergebnisse. In seltener Offenheit bekannte das Büro, daß sich die Wettbewerbsbewegung nicht ohne Anstoß von außen entfaltete. Bei diesem Eingeständnis handelte es sich um pure Heuchelei. Als ob die SED-Führung einen spontanen Wettbewerb je gewollt hätte. “Jedoch muß die Wettbewerbsbewegung in unseren Betrieben durchaus so eingeschätzt werden, daß sie nicht ausschließlich durch die Initiative der Werktätigen selbst hervorgerufen und getragen wurde ...“, gab das Büro der SED-KL in einem Beschlußprotokoll Anfang Oktober 1958 zu.<1370> Damit nannte es den wichtigsten Grund dafür, daß die Wettbewerbe auf den verschiedensten Ebenen nicht in dem Maße zur Festigung der LPG und zum Aufschwung der Landwirtschaft des Kreises beitrugen, wie es seinen Zielsetzungen entsprach.

3.2.4.5 Die Ständigen Arbeitsgemeinschaften (Ständige AG)

In die Bildung Ständiger AG setzte das Büro der SED-KL Haldensleben beträchtliche Hoffnungen für einen Aufschwung der gesamten Landwirtschaft des Kreises und den Fortgang der LPG-Bildung. Vermittels Gemeinschaftsarbeit sollten wirtschaftsschwache Einzelbauernbetriebe an das Niveau wirtschaftlich starker herangeführt<1371> und eine Produktivitätssteigerung im einzelbäuerlichen Sektor erreicht werden. Das Büro der KL hoffte, die Anwendung der Technik der MTS und neuer agrarwissenschaftlicher Erkenntnisse im Arbeitsprozeß würden bei den werktätigen Einzelbauern zu der Erkenntnis führen, daß die Zukunft der Landwirtschaft der DDR nur in der sozialistischen Großproduktion liegen könne und sie zum Eintritt in bestehende bzw. zur Gründung neuer LPG anregen.

Im März 1956 bestanden im Kreis Haldensleben 31 Ständige AG.<1372> Unter deren Mitgliedern sorgten allerdings Unklarheiten über künftige Flächenzusammenlegungen im Falle des Eintritts in eine LPG bzw. der Neubildung einer Genossenschaft für Unruhe.<1373> Angeblich versuchte der "Klassengegner" Schwierigkeiten bei der Bildung von AG auszunutzen. Er verbreite Gerüchte, “daß die Arbeitsgemeinschaft die Vorstufe für die LPG sei.“<1374> Was die SED-KL apologetisch als "Gerüchte" abschmetterte, besaß einen realen Kern. Das Büro der KL sah die Ständigen AG zu diesem Zeitpunkt als


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einen Schritt in Richtung LPG an und registrierte die Bildung verschiedenenartiger AG, die den werktätigen Einzelbauern die Arbeit erleichterten, mit Genugtuung. Es verlangte aber, mehr als bisher auf die Bildung von Ständigen AG zu achten. Der Kreisvorstand der VdgB (BHG) schob die Verantwortung für den langsamen Fortgang der Bildung von Ständigen AG den MTS zu. Sie nähmen zu wenig Anteil an deren Bildung und würden oftmals nicht entschieden genug auf den Abschluß von Sammelarbeitsverträgen mit ihnen drängen.

Für das Büro der KL gab es keine Zweifel an der Wirksamkeit der Ständigen AG. Dort, wo die werktätigen Einzelbauern schon längere Zeit gemeinsam arbeiteten, seien Schwierigkeiten im Produktionsprozeß weitgehend überwunden worden.<1375> Es gäbe kaum Probleme bei der Beschaffung von Saat- und Pflanzgut und es entständen durch den Einsatz von Maschinerie der MTS günstigere Produktionsbedingungen für die in Ständigen AG zusammengefaßten werktätigen Einzelbauern. Insofern vermischten sich gewisse Zwänge mit Vorteilen. Ein werktätiger Einzelbauer aus Morsleben, Mitglied einer Ständigen AG, äußerte sich: “Wir sind mit der Arbeit der MTS sehr zufrieden.“<1376> Ein werktätiger Einzelbauer aus Schwanefeld betonte, daß die Gemeinschaftsarbeit stets von Vorteil sei, weil einer den anderen brauche. “In unserer Arbeitsgemeinschaft“, so äußerte er sich weiter, “ist die werktätige Bäuerin F. , die unverschuldet in Not geraten ist und unsere Hilfe in Anspruch genommen hat. Betrachten wir diesen Betrieb heute, so müssen wir feststellen, daß er wieder gefestigt ist und jederzeit seinen Verpflichtungen gegenüber dem Staat nachkommen kann.“<1377> Im Sommer 1956 galt im Kreis Haldensleben die Arbeitsweise der Ständigen AG in der Gemeinde Bornstedt als ein Musterbeispiel. Dort schlossen sich die Bauern auf der Basis der Flurnachbarschaft zusammen und vereinbarten Sammelarbeitsverträge mit der für sie zuständigen MTS. Das Büro der KL beabsichtigte, in jeder Gemeinde des Kreises mindestens eine Ständige AG nach dem Bornstedter Beispiel zu bilden.

Im Herbst 1956 bestanden im Kreis Haldensleben 55 Ständige AG mit 206 landwirtschaftlichen Betrieben, die sich aber nur auf 33 Ortsorganisationen der VdgB (BHG) verteilten.<1378> Sammelarbeitsverträge mit den MTS schlossen lediglich 29 von ihnen ab.<1379> In 11 Ortsorganisationen fand unter den werktätigen Einzelbauern ein organisierter Erfahrungsaustausch statt. Das Sekretariat rechnete mit ihrem baldigem Zusammenschluß zu Ständigen AG.<1380>

Am günstigsten entwickelte sich die Gemeinschaftsarbeit zunächst in den MTS-Bereichen Ostingersleben und Haldensleben II. In den Bereichen Flechtingen und Rätzlingen stellten sich leichte Verbesserungen ein, der Bereich Weferlingen hingegen stagnierte. Die AG reichten von der losen Form der Gemeinschaftsarbeit bis zu solchen Ständigen AG, die sogar die Fruchtfolge miteinander abstimmten. In Erxleben wurde z. B. so verfahren. Das Büro der KL schätzte ein, daß ein Großteil der Ständigen AG des Kreises Haldensleben jedoch nur formal bestände. Zumeist handelte es sich um Zusammenschlüsse von


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werktätigen Einzelbauern zu Drusch-, Ernte- oder Rodegemeinschaften, ohne das Arbeitsplanungen vorausgingen. So arbeiteten einige AG, die sich als Ständige AG bezeichneten - wie die in Bülstringen und Eimersleben - ausschließlich während der Erntekampagnen zusammen. Es gab Fälle, in denen sich Familienwirtschaften um des Vorteils Willen die Bezeichnung “Ständige AG“ gaben.

Den Gedanken des stetigen gemeinschaftlichen Arbeitens gelang es noch längst nicht in allen Gemeinden des Kreises durchzusetzen. In Klinze, Seggerde und Weferlingen bestanden weder LPG noch Ständige AG.

Das Büro der SED-KL übte mehrmals Kritik an der Zusammenarbeit von VdgB (BHG) und MTS mit den Ständigen AG. Von beiden verlangte es, in den kommenden Monaten das Zusammenwirken mit den Ständigen AG straffer zu organisieren und eine bessere Ausnutzung der Technik auf der Basis der Flurnachbarschaft zu erreichen.

Die Vereinigung eines kleineren Teils der werktätigen Einzelbauern in Ständigen AG bewirkte im Kreis Haldensleben weder einen Produktionsaufschwung in der Landwirtschaft noch den erhofften Beitritt der meisten AG-Mitglieder in LPG. Die Stagnation in der ökonomischen Entwicklung einer Reihe von LPG ließ die meisten AG-Mitglieder einen Genossenschaftsbeitritt hinauszögern. Offenkundig konnten sie als Einzelbauern ihre materiellen Interessen noch besser befriedigen, als dies in LPG der Fall gewesen wäre.

Bereits ab Dezember 1956, längere Zeit bevor die Parteiführung sich offiziell von ihnen distanzierte, spielten die Ständigen AG auf den Sitzungen des Büros der KL keine Rolle mehr. Es ignorierte sie.

3.3 Beschlüsse und Handlungsweise der Partei- und Staatsorgane zur Weiterführung der sozialistischen Umgestaltung auf dem Lande

3.3.1 Zur Arbeit der SED-Kreisleitung (SED-KL) Haldensleben

3.3.1.1 Arbeitsweise und Maßnahmen der SED-KL

Da die SED erklärtermaßen und realiter die Führungsrolle in der DDR-Gesellschaft innehatte, wuchsen mit dem Fortschreiten des Umgestaltungsprozesses auf dem Lande die Anforderungen an die Leitungstätigkeit der Partei auf allen Ebenen. Dabei ging es der Parteiführung nicht ausschließlich um die Gewinnung neuer Genossenschaftsmitglieder bzw. die Bildung weiterer LPG, sondern ebenso darum, das Niveau der wirtschaftlich-organisatorischen Festigung der Genossenschaften zu verbessern. Die konsequente Durchsetzung der Prinzipien der innergenossenschaftlichen Demokratie und die Einhaltung der inneren Betriebsordnung konnten dazu in gehörigem Maße beitragen. Das Büro der SED-KL wies in Erkenntnis dessen die Parteiorganisationen der LPG des Kreises an, die innergenossenschaftliche Demokratie in den Genossenschaften breit zu entfalten. Es müsse erreicht werden, daß alle Genossenschaftsbauern am genossenschaftlichen Leben teilnehmen, in die Leitung der Genossenschaften einbezogen werden und sich für die Steigerung der Produktion voll verantwortlich fühlen.


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In diesem geforderten Sinne handelte der Parteisekretär der LPG Döhren. Auf einer Bürositzung im Herbst 1956 legte er im Zusammenhang mit den Auswirkungen der Nichtbeachtung des Statuts in dieser LPG dar, "daß die Arbeitsorganisation und -disziplin schlecht sind und daß jeder Genossenschaftsbauer nur an seine persönlichen Vorteile denkt."<1381> Die Genossenschaftsbauern hätten Schwierigkeiten, den Zusammenhang zwischen der Steigerung der genossenschaftlichen Produktion auf dem Feld und im Stall und der Erhöhung ihres Wohlstands zu erkennen. Veränderungen in dieser seiner LPG seien dringend geboten.

Die unverzügliche Reaktion des Büros der SED-KL blieb nicht aus. Noch auf derselben Sitzung beauftragte es einige Bürgermeister zu klären, inwieweit personelle Umstrukturier- ungen in den Gemeindevertretungen ihrer Dörfer die Gewähr für eine qualitativ verbesserte Anleitung der LPG gäbe. Konkret ging es um die Entfernung inaktiver oder mißliebiger Mitglieder aus den Vertretungen und ihr Austausch durch neue Kräfte. Zum wiederholten Male kritisierte das Büro auf dieser Sitzung die Arbeitsweise der GO der SED in den LPG. Die Parteiorganisationen überhaupt, tadelte es, "... nehmen noch keinen maßgeblichen Einfluß auf die LPG-Entwicklung."<1382> Die politisch-ideologische Arbeit im genossenschaftlichen Sektor der Landwirtschaft müsse in nächster Zeit grundlegend verbessert werden. Zum Aufschwung sollte die Gewinnung neuer Parteimitglieder in LPG, MTS und VEG beitragen.

Das Büro der KL verkannte zu jenem Zeitpunkt: Ein quantitativ erhöhter Mitgliederstand bedeutete noch längst keine Gewähr für eine qualitativ bessere Bewältigung der Aufgaben. Zur Lösung der dringendsten Probleme in LPG und MTS konnten eher auf bestimmte Schwerpunkte orientierte Erfahrungsaustausche zwischen den Parteisekretären der MTS-Bereiche beitragen. Das Büro der KL wies an, sie regelmäßig durchzuführen.

Die Ausweitung der "politischen Massenarbeit"<1383> bedeutete auf dem Lande vor allem, die Agitation für die Politik der Parteiführung und das Wecken der Bereitschaft der Einzelbauern, künftig genossenschaftlich zu produzieren. Sie oblag neben den Gliederungen der SED auch der Nationalen Front. Das Büro der SED-KL Haldensleben forderte, die politische Massenarbeit noch stärker unter der einheitlichen Leitung der Partei zu konzentrieren. Zur Lösung des genannten Aufgabenkomplexes sollten für den Spätherbst 1956 anberaumte Neuwahlen der Parteileitungen in den GO der SED des Kreises beitragen.<1384>

Im Zusammenhang mit den Systemkrisen in Polen und Ungarn setzte sich das Büro der KL mit der Republikflucht ehemals im Kreis Haldensleben ansässiger Bürger auseinander. “Einzelne PO“, so mahnte es, “unterschätzen diese Form des verschärften Klassenkampfes.“<1385> Mit solchen Anwürfen ging es wiederum mit den GO der SED aus Haldensleben und denen auf dem Lande ins Gericht. Allerdings


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verließen bei weitem mehr Arbeiter und Angestellte aus der Kreisstadt und den größeren Gemeinden die DDR als Landarbeiter, Einzel- oder LPG- Bauern. Im Grenzkreis Haldensleben hatte es sich unter der Bauernschaft längst herumgesprochen, daß das Verlassen der DDR im Regelfall mit der Aufgabe des trotz erschwerter Bedingungen geliebten Bauerndaseins einherging. Trotz mancherlei Schikanen durch die Behörden, den nervenaufreibenden Werbungsversuchen der Agitationsbrigaden von KL und Rat des Kreises für LPG, den vielfältigen Schwierigkeiten und der geringen Entlohnung in den meisten LPG, lag ein Verlassen der heimischen Scholle nicht im Interesse der überwiegenden Mehrheit der Einzel- bzw. Genossenschaftsbauern des Kreises Haldensleben.

Die Probleme der meisten LPG des Kreises Haldensleben in wirtschaftlich-organisatorischen Belangen im Jahre 1956 standen in den ersten Monaten des Jahres 1957 im Mittelpunkt von Parteigruppenversammlungen in den LPG. “In einer ganzen Anzahl von Parteigruppen in den LPG kam zum Ausdruck, daß in Zukunft konsequent nach dem Leistungsprinzip gearbeitet werden soll, um höhere wirtschaftliche Ergebnisse zu erzielen.“<1386>

Das Büro der KL beauftragte die GO der SED in den LPG mit Fortschreiten der sozialistischen Umgestaltung, mehr als bisher Einfluß auf das wirtschaftliche Geschehen in den LPG zu nehmen. Im Herbst 1957 sah es die vorrangige Aufgabe der GO der SED der LPG im Verein mit den Parteiorganisationen der Gemeinden, den Parteigruppen der örtlichen Organe der Staatsmacht und den Ausschüssen der Nationalen Front in der verlustlosen Bergung der Hackfruchternte. Als dabei Schwierigkeiten auftraten, bemühte das Büro neuerlich die These von der Verschärfung des Klassenkampfes auf dem Lande. Beweis dafür sei das Verhalten der Großbauern, die nur schleppend ablieferten. Sie würden dafür plädieren, vorerst nicht mehr als 50 Prozent der Hackfruchternte an den Staat abzuführen und die werktätigen Einzelbauern dazu aufwiegeln, sich ihrer Forderung anzuschließen.<1387> Diese “50-Prozent-Bewegung" drohte angeblich, auch die Ablieferungsmoral der Genossenschaftsbauern zu unterminieren. Zu ihrer Eindämmung setzte das Büro in den Dörfern Ständige Agitationsbrigaden ein, zu deren Auftrag es u. a. gehörte, die sogenannten feindlichen Elemente herauszufinden.<1388>

Auf der Grundlage der Beschlüsse des 33. Plenums des ZK der SED und der Beschlüsse seiner 12. Sitzung, erhöhte und präzisierte das Büro der SED-KL Haldensleben im Herbst 1957 seine ökonomischen Ziele dahingehend, daß “unser Kreis die volle Versorgung der eigenen Bevölkerung mit Fleisch, Fett, Milch und Eiern gewährleistet und seine Verpflichtungen zur Versorgung der Bevölkerung der Großstädte erfüllt und übererfüllt."<1389> Zu ihrer Verwirklichung faßte das Büro Beschlüsse.<1390> Komprimiert lauteten sie:<1391>

Mit dem Fortgang des sozialistischen Aufbaus auf dem Lande steckte das Büro der
KL die Perspektiven der LPG, ja darüber hinaus aller Dörfer des Kreises Haldensleben ab. Die Parteimitglieder des Staatsapparates und der MTS erhielten im Januar 1958 den vom Büro verfassten Parteiauftrag, bis Ende Februar 1958 zusammen mit den Genossenschaftsmitgliedern Perspektivpläne auszuarbeiten. Sie sollten unter Hinzuziehen der Ortsvorstände der VdgB und der örtlichen Volksvertretungen mit der gesamten Bauernschaft beraten werden. Das hörte sich demokratisch an und kam den Interessen aller Bauern nach demokratischer Mitbestimmung scheinbar entgegen. Faktisch jedoch erhielt sie nicht mehr als ein Mitspracherecht in Detailfragen eingeräumt.

Das Büro der SED-KL hatte in Anlehnung an die Vorgaben des 33. Plenums des ZK der SED vom Oktober 1957 noch im gleichen Monat die Hauptrichtung der künftigen Entwicklung in den Dörfern festgelegt. "Ein reiches wohlhabendes Leben der gesamten Bevölkerung erfordert die weitere Festigung der bestehenden landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften und die aktive Förderung des freiwilligen Übergangs vieler Einzelbauern, besonders Mittelbauern, zur genossenschaftlichen Großproduktion. Das Ziel muß sein, bis zum Jahre 1960 den Anteil der Genossenschaften an der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Kreises auf mindestens 50 % zu erhöhen.“<1394> Damit sprach das Büro deutlich aus, welche bäuerlichen Schichten es für die LPG zu gewinnen trachtete und welche Ausweitung der genossenschaftliche Sektor in nächster Zukunft erreichen sollte.

Zur Durchsetzung seiner Vorhaben verlangte das Büro ein planmäßiges, verstärktes Einwirken der Parteimitglieder des Staatsapparates, der Mitglieder der Ortsparteiorganisationen und der VdgB auf die werktätigen Einzelbauern, um diese für den Übergang in Genossenschaften zu gewinnen. “Dabei ist den


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werktätigen Bauern eine besondere Unterstützung bei der Bildung von Gründungskomitees der LPG des Typs I zu gewähren“, legte es fest.<1395> Leitende Parteimitglieder des Rates des Kreises erhielten von ihm die "Empfehlung", eine Kommission aus politisch erfahrenen und qualifizierten Fachkräften zu bilden. Diese sollte mit den werktätigen Einzelbauern geführte Diskussionen auswerten und im Ergebnis dessen mit den örtlichen Organen geeignete Maßnahmen zur Gewinnung von Einzelbauern für LPG einleiten. Mit seiner Art des Vorgehens glaubte das Büro der SED-KL, eine systematische und koordinierte Einflußnahme auf die Festigung und Erweiterung des genossenschaftlichen Sektors der Landwirtschaft zu erreichen.

Was das Tempo der LPG-Bildung anbelangte, so stellte sich das Büro der KL noch im Winter 1958 neue, höhere Ziele. Die Erfolge im genossenschaftlichen Sektor der Landwirtschaft würden diesen zunehmend an Anziehungskraft auf die Einzelbauern gewinnen lassen.<1396> "Die Zielstellung, bis einschließlich des Jahres 1960 60 % der LNF im sozialistischen Sektor<1397> der Landwirtschaft im Kreis Haldensleben zu bewirtschaften, stellt als Hauptaufgabe, einen großen Teil der Einzelbauern für die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften zu gewinnen“, erklärte es im Januar 1958.<1398> Dabei sei es besonders wichtig, die LPG vom Typ III nicht nur zu festigen, sondern ihnen auch neue Mitglieder zuzuführen. Darüber hinaus müßten die Entwicklung der LPG vom Typ I vorangetrieben und in 16 Gemeinden Gründungskomitees gebildet werden.<1399>

Welche Schwierigkeiten es beim sozialistischen Aufbau auf dem Lande gab, geht aus dem Beschlußprotokoll der außerordentlichen Bürositzung der SED-KL vom 15. Februar 1958 hervor.<1400> Ihm zufolge gab der 1. Sekretär der KL den Sitzungsteilnehmern die unverblümte Kritik des Büros der SED-BL Magdeburg am Zurückbleiben des genossenschaftlichen Sektors der Landwirtschaft zur Kenntnis. Es sah das Fortschreiten der Bildung von LPG offenbar weniger rosig als das Büro der SED-KL. Die sich daran anschließende Diskussion habe deren Berechtigung bestätigt. Weil bei der Herstellung der Rentabilität der LPG gewisse Fortschritte zu verzeichnen gewesen wären, sei zu geringe Aufmerksamkeit auf die Erweiterung des genossenschaftlichen Sektors der Landwirtschaft gelegt worden. Die Beschlüsse würden nicht stets konsequent umgesetzt und deren Durchführung zudem kaum kontrolliert. Vor allem sei “... zu wenig Wert darauf gelegt worden, neue Menschen für die LPG zu gewinnen und die Fluktuation in den LPG beseitigen.“<1401> Ferner hätten die BPO der MTS, die OPO und die GO der SED der LPG die sozialistische Bewußtseinsbildung der LPG-Mitglieder und noch mehr die der werktätigen Einzelbauern,


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vernachlässigt. Doch gerade von der ideologischen Beeinflussung der werktätigen Einzelbauern und der ständig zu verbessernden massenpolitischen Arbeit auf der Grundlage angeblicher bisheriger Erfolge, versprach sich das Büro der KL Haldensleben, “bis 1960 erfolgreich die revolutionäre Umwälzung der Landwirtschaft zu vollziehen.“<1402> Beabsichtigte dieser Aussage zufolge das Büro der SED-KL bis zum Jahre 1960 tatsächlich, sämtliche Einzelbauern in LPG zu vereinigen und damit den offiziellen zentralen Vorgaben weit vorauszueilen? Oder gab es damit lediglich zu verstehen, bis zu diesem Zeitpunkt mehr als die Hälfte der Bauern des Kreises in Genossenschaften vereinigt haben zu wollen? Aus den Archivalien ist keine unmißverständliche Deutung dieser Frage zu entnehmen.<1403>

Das Büro sah den Schwerpunkt seiner Arbeit weiterhin in der Festigung und Erweiterung des genossenschaftlichen Sektors der Landwirtschaft. Im März 1958 wertete es Verlauf und Ergebnisse der ökonomischen Konferenzen der LPG aus und zog daraus für die unmittelbare Zukunft diese Schlußfolgerungen:<1404>

  1. 1. Die Stärkung und Entwicklung des genossenschaftlichen Sektors der Landwirtschaft ist abhängig von der Gewinnung weiterer leistungsfähiger Einzelbauernwirtschaften für die LPG
  2. Die tierische und pflanzliche Produktion ist zu erweitern, um den Bedarf der Bevölkerung an Milch, Fleisch, Wolle und Fett abzudecken. Die Viehwirtschaft als die Haupteinnahmequelle der LPG ist vorrangig zu entwickeln.
  3. Die ökonomische Leistungsfähigkeit der LPG ist in einem solchen Ausmaß zu steigern, daß die Überlegenheit der Genossenschaften unverkennbar wird. Dazu ist es notwendig, die Schönebecker Methode umfassend durchzusetzen.

Kritik übte das Büro der KL an der unzulänglichen politisch-ideologischen Vorbereitung der ökonomischen Konferenzen der LPG, die viele Genossenschaften am Jahresausklang 1957 durchführten. Es erteilte dem auf mehreren dieser Konferenzen von LPG-Mitgliedern unterbreiteten Vorschlag, man “... müsse in der Entwicklung der LPG langsam treten", eine Abfuhr.<1405> Zuvor hatten bereits die GO der SED der jeweiligen LPG derartige Empfehlungen zurückgewiesen, die auf eine Verlangsamung der LPG-Bildung hinausliefen.<1406>

Das Büro konstatierte die geringe Bereitschaft von Einzelbauern, in LPG einzutreten. Das betraf sowohl werktätige Einzelbauern als auch Bauern mit Wirtschaften von über 20 Hektar LN. Zwar hätten 155 Einzelbauern an den ökonomischen Konferenzen der LPG teilgenommen, sich lebhaft an der Diskussion


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beteiligt und die Fortschritte der LPG nicht geleugnet, “jedoch der entscheidende Schritt, selbst die Aufnahme als Mitglied zu beantragen, erfolgte nicht.“<1407>

Aufschluß über die Einschätzung der Leistungsfähigkeit der LPG durch Einzelbauern und deren Einstellung zu den Genossenschaften geben die Auslassungen von individuell wirtschaftenden Bauern im Sommer 1957, die sich einem LPG-Beitritt verweigerten. “Im Arbeiter-und-Bauern-Staat geht es mir besser als zuvor, aber mit der sozialistischen Entwicklung laßt mich vorläufig in Ruhe, denn noch nicht in allen Genossenschaften geht es schon beispielhaft vorwärts.“<1408> Aus diesen Worten wird ersichtlich, wie aufmerksam Einzelbauern die wirtschaftliche Entwicklung der Genossenschaften beobachteten und welcher Stellenwert einer gefestigten LPG für die Gewinnung weiterer individuell wirtschaftender Bauern für den Eintritt in eine LPG beikam.

Skepsis und Unzufriedenheit mit bestimmten Modalitäten nach erfolgtem LPG-Beitritt klingen in dieser Meinung an: “Z. Zt. sind wir noch so stark, daß wir es nicht nötig haben, der LPG beizutreten. Die LPG bieten uns keine Garantie für unsere weitere Entwicklung, da es ja nochmal anders kommen kann. Die Bewertung für unser eingebrachtes Inventar ist zu niedrig. Warum bekommen wir, wenn wir Mitglied der LPG sind, erst im Laufe von drei bis fünf Jahren unseren überhöhten Wertbetrag ausgezahlt ...?“<1409> Meinungen und Fragestellungen ähnlicher Art registrierte das Büro der SED-KL im gesamten Kreis Haldensleben. Es führte diese auf die ungenügende Aufklärungsarbeit von Staatsfunktionären, BHG-Leitern und OPO zurück. Im MTS-Bereich Klüden aber würden sie zum Teil aus der "Stimmungsmache" von Großbauern herrühren.

Das Büro der SED-KL bezog im Frühjahr 1958 Stellung zu den Perspektivplänen. Zunächst beklagte es das Fehlen der Pläne von 20 LPG. Bei der Erarbeitung der Entwicklungspläne der LPG seien aber erstmalig “breite Teile der Genossenschaftsmitglieder, der Parteiorganisationen und Volksvertretungen in die Frage der sozialistischen Entwicklung der Landwirtschaft, in die Erarbeitung der sozialistischen Betriebsökonomik einbezogen ...“ worden.<1410> In den meisten LPG des Kreises sei eine klare Orientierung entsprechend des Kreisperspektivplanes zur weiteren Entwicklung bis über das Jahr 1960 hinaus vorhanden. Der Abschluß des Prozesses der LPG-Bildung erfordere, im Kreis Haldensleben noch 2 500 Einzelbauern für bestehende oder zu bildende LPG zu gewinnen.<1411>

Im Frühsommer 1958 achtete das Büro der KL besonders auf die Vorbereitungen zur verlustlosen Einbringung der Ernte. Von den Ernteergebnissen hing die Festigung der LPG und die vorfristige Ablieferung an den Staat wesentlich ab. Es empfahl die Aufstellung eines überprüfbaren Maßnahmeplans zur Einbringung der Ernte. Dessen Erstellung und Durchführung sollte in Zusammenarbeit von Partei, Staatsapparat, den Ausschüssen der Nationalen Front, den Blockparteien und den Massenorganisationen


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erfolgen.<1412>

Die SED-KL Haldensleben bediente sich verschiedener Instrumente zur Beeinflussung der Menschen auf dem Lande. Aus der Vielzahl seien zwei herausgegriffen, die im Sinne der "Stalinschen" Transmissionsriemen wirkten: die Frauenausschüsse und die Frauenkommissionen sowie die Dorfzeitungen.

3.3.1.2 Die SED-KL und die Frauenausschüsse sowie die Frauenkommissionen

Anfang Januar 1952 beschloß das Politbüro des ZK der SED, Frauenausschüsse in Industrie und Landwirtschaft zu bilden.<1413> Durch die Schaffung von Frauenausschüssen in den Dörfern und - insofern existent - in LPG, versuchte die Parteiführung, die Frauen stärker als bisher in den Aufbau des Sozialismus auf dem Lande einzubinden. Über die Ausschüsse sollten die Frauen politisch aktiviert, ihre Rechte in den LPG gewahrt und ihre gleichberechtigte Teilnahme an allen belangvollen Entscheidungen der LPG durchgesetzt werden.

Das Sekretariat der SED-KL nebst den OPO, den staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen taten sich schwer, in der Landwirtschaft diesen Beschluß umzusetzen.Erst die Direktive der KL “Über die Aufgaben der Parteiorganisationen zur Verbesserung der Arbeit der Frauenausschüsse“<1414> vom 18. Januar 1955 führte zu Veränderungen.

Von der LPG Nordgermersleben einmal abgesehen, bestanden in allen LPG des Kreises Frauenausschüsse. Bis auf wenige Ausnahmen, zu denen die Frauenausschüsse der LPG Bornstedt und Groß Santersleben gehörten, bezeichnete das Büro der KL die Arbeit der Frauenausschüsse noch im Sommer 1956 als ziellos, unsystematisch und uneffektiv.<1415> Auch die Frauenausschüsse in den MTS-Stützpunkten zeigten sich als nicht fähig, die Arbeit der Frauenausschüsse zu aktivieren. Deshalb verlangte das Büro von den Parteiorganisationen der MTS, der LPG und der Gemeindevertretungen, die Ausschüsse in Zukunft mehr und umfassender anzuleiten. Außer in den beiden erwähnten LPG nahmen bis zum Sommer 1956 die Frauen ungenügend auf die Entwicklung ihrer LPG Einfluß, obgleich sie etwa die Hälfte der LPG-Mitglieder ausmachten.

Im Herbst 1956 zeichnete sich im MTS-Bereich Weferlingen ein Aufschwung im Wirken der Frauenausschüsse ab. In jeder LPG bestand ein Frauenausschuß, dessen Anleitung durch den Parteisekretär der LPG erfolgte. Die Arbeitsweise der Frauenausschüsse innerhalb ihres Bereichs schätzte die Parteileitung der MTS Weferlingen als gut, aber verbesserungsbedürftig ein. Stellvertretend


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für das Vorgehen der Frauenausschüsse dieses Bereiches sei der Ausschuß der LPG Hörsingen genannt. Neben anderen Aktivitäten führte er ein Forum mit den LPG-Bäuerinnen des gesamten Bereichs durch, zu dem er auch werktätige Einzelbäuerinnen einlud.<1416>

Zur Verbesserung ihrer Arbeitsweise benötigten die Frauenausschüsse Unterstützung durch die Parteileitungen in LPG, MTS und den Gemeinden. Doch auch in den ersten Herbstwochen des Jahres 1957 tat sich in dieser Hinsicht wenig. Einem Bericht des Büros der SED-KL vom
30. Oktober 1957 ist zu entnehmen, daß sich die Parteileitungen der LPG ungenügend um die Frauenausschüsse gekümmert hätten.<1417> Den Frauen sei nunmehr allseitige Hilfe für ihre berufliche und politische Qualifikation durch die Parteileitungen und Vorstände der Genossenschaften zu geben. Entsprechend ihren Interessen solle ihnen die Übernahme von leitenden Funktionen und demzufolge höherer Verantwortung in ihren LPG ermöglicht werden.<1418>

Kritik wird in dem Bericht an der mangelhaften Anleitung und Unterstützung der Frauenausschüsse durch die meisten Sekretäre der KL in den MTS laut. Sie würden die Ausschüsse vornehmlich bei der Erziehung der Frauen zum sozialistischen Bewußtsein allein lassen. Dem Bericht zufolge entwickelten sich die Frauenausschüsse der MTS-Bereiche Ostingersleben und Weferlingen günstiger als die der anderen Bereiche. Die Sekretäre der KL dieser beiden MTS würden die Frauenausschüsse regelmäßig zusammenfassen, sie in ökonomischen und politischen Fragen schulen und ihnen helfen, regelmäßig Frauenforen durchzuführen. In dem Bericht findet ferner Erwähnung, daß das Büro der SED-KL einen Beschluß faßte, demzufolge die Sekretäre der KL in den MTS die Frauen in den genannten Fragen anzuleiten hätten. Er endete mit der Forderung, im Kreis sofort mit der Bildung von Frauenkommissionen zu beginnen. Mitglieder sollten vorwiegend solche Frauen sein, die über Einfluß unter ihnen verfügten.

Laut einem Bericht des Büros der SED-KL über die Erfahrungen in der Arbeit der Frauenkommissionen der MTS-Bereiche und der Frauenausschüsse der Betriebe, ihre Auswirkungen bei der massenpolitischen Arbeit unter den werktätigen Frauen im Kreis<1419> vom Sommer 1958 leisteten die inzwischen auf die Zahl von 74 angewachsenen Frauenausschüsse eine zufriedenstellende Arbeit. Wie gehabt blieb die vom Büro der KL eingeforderte Unterstützung durch BPO, Betriebsleitungen der MTS und Vorstände der LPG oft aus.

Als Beispiel für die gute Arbeitsweise eines Frauenausschusses nannte der Bericht das Vorgehen des Frauenausschusses der LPG Alleringersleben, der monatlich zweimal Frauenversammlungen durchführte. Er setzte sich dabei u. a. mit Fragen der Steigerung der Marktproduktion auseinander, von deren Qualität und Quantität ganz entscheidend die Befriedigung der materiellen Interessen der


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Genossenschaftsmitglieder abhing.<1420> Der Ausschuß hätte es verstanden, durch ein enges Zusammenwirken mit der Parteileitung der LPG die Arbeitsmoral der LPG-Mitglieder deutlich anzuheben.<1421> Auf Initiative des Frauenausschusses hin verpflichteten sich die Frauen dieser LPG, mit dem DFD zusammenzuarbeiten und den werktätigen Einzelbäuerinnen die günstigen Möglichkeiten für die Verwirklichung ihrer ökonomischen, politischen, sozialen und kulturellen Interessen in den LPG aufzuzeigen.

Ähnlich gut wird in diesem Bericht die Arbeit des Frauenausschusses der LPG Döhren bewertet. Er verstände es, Frauenversammlungen mit hoher Beteiligung einzuberufen und gut besuchte Vorträge zu organisieren. Zu den Frauenforen in den MTS-Stützpunkten Flechtingen und Ostingersleben wären 180 bzw. 350 Frauen aus LPG und MTS erschienen. Sie hätten darüber beraten, wie die Frauenausschüsse alle Frauen ihres Wirkungsbereiches aktiv in den Prozeß der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft einbeziehen könnten.<1422> In Vorbereitung dieser Foren führten die Frauenausschüsse beider MTS-Bereiche Frauenversammlungen durch, auf denen unter anderem Probleme der Produktionssteigerung der LPG und die Aktivierung der Frauenausschüsse der LPG zur Debatte standen.

An diesen Beispielen zeigt sich, daß in jenen MTS-Bereichen Fortschritte in der Arbeit nicht ausblieben, in denen ein befähigter Sekretär der KL die Interessen der Genossenschaft und hier wiederum der weiblichen LPG-Mitglieder vertrat, er die Ausschüsse anleitete und unterstützte.<1423>

Obwohl die Arbeit der Frauenkommissionen des Kreises Haldensleben die Aufmerksamkeit der SED-BL Magdeburg im positiven Sinne hervorrief, finden sich über sie in den Unterlagen der SED-KL Haldensleben keinerlei nähere Angaben.<1424>

Die Frauenausschüsse und -kommissionen trugen unbestritten zur konsequenteren Verwirklichung der Interessen der LPG-Bäuerinnen bei. Vorwiegend traf dies auf Fragen der beruflichen Qualifikation und der Mitbestimmung in wesentlichen Belangen des Wirtschaftsablaufs der LPG zu. Sie belebten aber die wirtschaftlich-organisatorische Festigung der LPG nicht spürbar.

3.3.1.3 Die SED-KL Haldensleben und die Dorfzeitungen

Die Parteiführung erachtete es bereits wenige Monate nach dem Auftakt der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft für erforderlich, auf dem Lande ein spezifisches Presseorgan herauszugeben: die


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Dorfzeitungen.<1425> Sie sah in ihnen ein Instrument der Einflußnahme auf die Landbevölkerung. Die Dorfzeitungen sollten dazubeitragen, den Aufbau des Sozialismus auf dem Lande voranzutreiben.

Ihr erstmaliges Erscheinen in der DDR fällt in den Herbst des Jahres 1952, als eine Reihe von MAS auf Geheiß der zuständigen SED-KL mit der Herausgabe von Dorfzeitungen begann.<1426>

In den MTS-Bereichen des Kreises Haldensleben erschienen Dorfzeitungen erst später, wahrscheinlich nicht vor dem Jahre 1956. Jedenfalls geben die Archivalien keinen anderen Aufschluß.

Gutbesetzte Redaktionen gaben im Regelfalle einmal im Monat eine Zeitung heraus. Im Kreis Haldensleben vermochte dies die Redaktion des MTS-Bereichs Schackensleben. In den anderen MTS-Bereichen erschienen die Dorfzeitungen in mehr oder weniger unregelmäßigen Abständen.

Die Zuständigkeit für die inhaltliche Gestaltung der Dorfzeitungen lag bei den Dorfzeitungsredaktionen. Die politische Verantwortung für das Erscheinen dieser Zeitungen trugen zunächst die Leiter der PA sowie die BPO der MAS/MTS, ab dem Frühjahr 1956 dann die Sekretäre der SED-KL in den MTS.<1427> Hieran wird deutlich: Die Dorfzeitungen waren Organe der Partei.

Angeblich um lebensnah vom Aufbau des Sozialismus auf dem Lande berichten zu können, hielt die Abteilung Agitation und Propaganda des ZK der SED eine enge Zusammenarbeit der Dorfzeitungsredaktionen mit Mitarbeitern des Staatsapparates, der Gemeindevertretungen und der VdgB für unabdingbar. Dahinter verbarg sich zweifelsfrei die Absicht, die Parteilinie ohne jedwede Einschränkung durchzusetzen und von vornherein keine ideologischen Abweichungen aufkommen zu lassen.

Die grundsätzliche Aufgabe der Dorfzeitungen vom Beginn bis zum Abschluß des Umbruchs auf dem Lande bestand darin, der Landbevölkerung die Grundprinzipien der Agrarpolitik auf dem Lande nahezubringen und zur Erweiterung und Festigung des genossenschaftlichen und sozialistischen Sektors der Landwirtschaft beizutragen.<1428> Das Büro der SED-KL definierte Ende 1957 seine weiteren Zielstellungen, die es mit der Herausgabe von Dorfzeitungen verband, folgendermaßen: Die Dorfzeitungen haben, “ausgehend von den ideologisch-politischen Fragen des MTS-Bereiches, ständig aufzuklären, für den Sozialismus zu werben, sich auf das Neue zu orientieren und unsere Siege zu organisieren.“<1429> Im einzelnen hatten sich die Dorfzeitungsredaktionen der MTS des Kreises Haldensleben deshalb vorrangig mit den Ursachen, die der Weiterentwicklung der LPG im Wege standen und deren Beseitigung zu befassen. Deshalb widmeten sie sich häufig solchen die Weiterentwicklung der LPG bestimmenden Fragen wie der Verbesserung der Arbeitsmoral, der Durchsetzung des


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Leistungsprinzips, der Wahrung der innergenossenschaftlichen Demokratie und der Einführung von agrarwissenschaftlichen Neuerungen. Gleichfalls gehörte die Auseinandersetzung mit angeblich feindlichen Auffassungen und Ende der fünfziger Jahre die Erarbeitung von kulturpolitischen Konzepten für die Dorffestspiele zu den Obliegenheiten der Dorfzeitungen. Selbstredend nahmen Erfolge in der genossenschaftlichen Arbeit in der Berichterstattung einen breiten Raum ein.

Im Kopf der Titelseiten fanden sich Symbole aus der Landwirtschaft. Scheinwerfer und Spritze verhießen beispielsweise Kritik und satirisches Herangehen an Probleme.

An der Spitze einer jeden Dorfzeitungsredaktion sollte ein hauptamtlicher Redakteur stehen. Im Kreis Haldensleben jedoch konnte eine vollständige Besetzung der Redakteurstellen bis zum Abschluß der LPG-Bildung nicht einmal zeitweilig durchgesetzt werden.

Als ehrenamtliche Mitarbeiter der Dorfzeitungen wirkten im Kreis Haldensleben eine nicht näher bezeichnete Zahl von den BPO der MTS ausgesuchte Parteimitglieder der MTS und der OPO, die politische Linientreue bewiesen hatten und nach Ansicht der KL die intellektuellen Voraussetzungen zur journalistischen Aufbereitung von Problemen der neuen Entwicklung auf dem Lande besaßen.

Die systematische und regelmäßige fachliche Anleitung der Dorfzeitungsredaktionen des Kreises hatte bei Kontrolle der Abteilung Agitation und Propaganda der KL die Kreisredaktion der "Volksstimme" zu gewährleisten.<1430> Zur Verbesserung ihrer Schreibfähigkeit und zur ideologischen Ausrichtung hospitierten in größeren Abständen Mitarbeiter der Dorfzeitungen in der Bezirksredaktion der "Volksstimme" in Magdeburg.

Das Büro der SED-KL Haldensleben befaßte sich erstmalig im Frühjahr 1956 mit den Dorfzeitungen - und zwar in kritischer Form. Es bemängelte, daß außer in der MTS Schackensleben in keiner anderen MTS des Kreises ein hauptamtlicher Dorfzeitungsredakteur arbeiten würde. Das Büro umging, sich mit inhaltlichen Fragen der Arbeit der Dorfzeitungen auseinanderzusetzen.<1431> Demzufolge erhielten die Redaktionen keine Hinweise zur Verbesserung der Qualität ihrer Beiträge.

Äußerst ausführlich beschäftigte sich das Büro der KL Ende Dezember 1957 mit der Arbeitsweise der Dorfzeitungsredaktionen. Zu Beginn der Sitzung nannte es die hauptsächlichsten Kriterien, nach denen es die Tätigkeit der Dorfzeitungsredakteure zu bewerten gedachte. Sie lauteten:<1432>

Positiv schätzte es ein, daß in allen Ausgaben der Dorfzeitungen anhand von Beispielen die Vorteile, die Einzelbauern bei einem Genossenschaftsbeitritt erwarteten, eingängig dargestellt würden. Die


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Dorfzeitungen der MTS Ostingersleben, Schackensleben und Weferlingen brächten über ihre Bereiche Berichte und aussagekräftiges Bildmaterial. Beides würde dazu beitragen, das Leben auf dem Lande realitätsnah darzustellen.<1433> Als Beispiel benannte es die Nummer 11/1957 der “Kombine“ Weferlingen. In ihr sei ausführlich beschrieben, wie sich eine kleine Gemeinde unter Einbeziehung eines großen Teils der Bevölkerung ein Freibad schuf.<1434> “Der Scheinwerfer" bediente sich der Methode, durch Kritik bei der Überwindung von Unzulänglichkeiten in der individuell betriebenen Landwirtschaft und in den Genossenschaften zu helfen. Ihn gab die Dorfzeitungsredaktion der im Kreis führenden MTS Schackensleben heraus. Die Publizierung von Mißständen in der LPG Groppendorf durch den “Scheinwerfer“ habe bewirkt, daß in seiner nächsten Ausgabe von der Abstellung der Mängel in der kritisierten LPG berichtet werden konnte.

Das Kreisbüro betonte, die meisten Dorfzeitungsredaktionen verständen es, gekonnt die politischen, ökonomischen und sozialen Verhältnisse mit denen in Westdeutschland zu vergleichen. Es gelänge ihnen die Vorzüge herauszuarbeiten, die die DDR den Bauern böte. Sie würden nachvollziehbar darstellen, was sich im Dorfe positiv verändert hat. Die Qualität ihrer Artikel zeige, daß die Dorfzeitungen sehr wohl in der Lage seien, “entscheidend auf die Schaffung neuer sozialistischer Produktionsverhältnisse auf dem Lande einzuwirken.“<1435> Das Büro der KL empfahl den Redaktionen, alle Probleme rechtzeitig und offensiv anzugehen und nicht einseitig das Schwergewicht ihrer Berichterstattung auf die Lösung ökonomischer Fragen zu legen. Umfassender als zuvor seien in verständlicher Form Grundfragen der Politik zu erörtern.<1436>

Als andere belangvolle Aufgaben, die in der nächsten Zeit von den Dorfzeitungsredaktionen zu lösen seien, bezeichnete das Büro der KL:

Das Büro der SED-KL äußerte sein Einverständnis mit dem Inhalt von Artikeln im "Traktor" und im "Bündnis." Im Leitartikel “Auf jeden Einzelnen kommt es an“ der Nr. 4/1957 des “Traktor“ seien die positiven Effekte des Einsatzes moderner Großmaschinen der MTS auf genossenschaftlichen und einzelbäuerlichen Feldern überzeugend dargestellt worden.<1439> Gleichzeitig habe “Der Traktor“ auf die


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nicht selten ineffiziente Arbeitsorganisation in den Stationen aufmerksam gemacht, die bessere Arbeitsleistungen verhindert hätte. Durch sachkundige Anregungen versuche er, zur Beseitigung von Mängeln bei der Organisation der Arbeit in den Stationen beizutragen, um diese tatsächlich zur führenden Kraft beim Aufbau des Sozialismus auf dem Lande werden zu lassen.<1440>

Die Dorfzeitung "Das Bündnis" der MTS Flechtingen, weise in dem Artikel “Von der MAS zur MTS Flechtingen“ Nr. 8/1957 überzeugend nach, wie durch eine veränderte, neudurchdachte Führungstätigkeit der MTS die Traktorenbrigaden der Station in einigen Dörfern des Bereiches höhere Arbeitsleistungen erreicht hätten.<1441> Fast jede Dorfzeitungsausgabe warte gegenwärtig mit Beispielen auf, die die führende Rolle der MTS beim Aufbau des Sozialismus auf dem Lande anschaulich darstellen würden. “Dadurch, daß in diesen Artikeln immer wieder von der Rentabilität des Einsatzes der Großmaschinen auf Großflächen der LPG geredet wird“, versuchte das Büro der KL Glauben zu machen, “zeigen wir den noch individuell arbeitenden Bauern die Vorteile der genossenschaftlichen Arbeit auf und werben so für den Beitritt zur LPG.“<1442>

Überzeugende Beiträge gelängen den Dorfzeitungen zu Fragen der Wahrung bzw. Wiederherstellung der innergenossenschaftlichen Demokratie, der Einhaltung des Statuts und der inneren Betriebsordnung.<1443>

Verschiedene Agronomen meldeten sich in den Dorfzeitungen zu Wort. Ihnen legte das Büro nahe, vom starren Fachbuchstil abzugehen und in verständlicher Ausdrucksweise den Bauern neuere agrarwissenschaftliche Erkenntnisse und ihre Erfahrungen zu vermitteln.

Kein Verständnis zeigte das Büro der SED-KL Haldensleben dafür, daß die Dorfzeitungen nicht mit letzter Konsequenz politisch-ideologische Konflikte ausfochten. Es bedauerte die ungenügende ideologische Auseinandersetzung “... mit falschen Auffassungen über unsere Agrarpolitik bzw. der Agrarpolitik in Westdeutschland, über immer noch vorhandene Anschauungen der 'Freien Marktwirtschaft'.“<1444> Völlig unzureichend würden von den Dorfzeitungsredaktionen die Auseinandersetzungen mit der Viewegschen Konzeption geführt werden, zu der in den Gemeinden des Kreises der Parteilinie zuwiderlaufende Auffassungen festzustellen seien. Die Sekretäre der KL müßten darüber wachen, daß die Dorfzeitungsredakteure in jeder Ausgabe strikt parteilich wichtige Gesichtspunkte der Politik der SED aufgreifen und interpretieren.<1445> Nur so könne bewirkt werden, daß die Dorfzeitungen tatsächlich ein “... Organ der Auseinandersetzung mit falschen und feindlichen Auffassungen in den MTS-Bereichen werden.“ An dieser Forderung des Büros der KL wird erkennbar, welche wichtige ideologische Rolle es den Dorfzeitungen bei ihrem Bemühen um die Gewinnung der Dorfbevölkerung für ihre Ziele und der Abwehr von Gedankengut beimaß, das ihren Vorhaben entgegenstand.


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Auf dieser Sitzung erörterte es weiter, inwieweit die Sekretäre der KL in den MTS-Bereichen und die Parteileitungen der MTS die Dorfzeitungen unterstützten. Die Parteiführung verlangte dies seit längerem. Ein Beschluß des ZK der SED vom Oktober 1955 verpflichtete die Dorfzeitungsredakteure nämlich, allmonatlich ihre Arbeitspläne den Leitungen der BPO der SED der MTS vorzulegen.<1446> Wie es der Beschluß vorsah, hatten die Leitungen die Pläne eingehend zu diskutieren und nach eventuell vorangegengenen inhaltlichen Änderungen zu bestätigen. Aber weder die Sekretäre der KL in den MTS noch die Parteileitungen der Stationen griffen lenkend in die Arbeit der Dorfzeitungen ein. Ob nun aus Unfähigkeit, Trägheit oder dem Glauben an die ideologische Linientreue der Redakteure gaben sie damit aus parteipolitischer Sicht einen wichtigen Kontrollmechanismus aus der Hand.

Hinweise der Sekretäre der SED-KL bzw. der Parteileitungen der MTS an die Dorfzeitungsredaktionen zu akuten ökonomischen, politischen und kulturellen Problemen in LPG und MTS bildeten die Ausnahme. Deren Publizierung und Lösung aber wäre für die Weiterentwicklung beider Institutionen dringend erforderlich gewesen.

Den Redaktionssekretären blieb fast immer die alleinige Arbeit überlassen. “So kommt es vor“, tadelte das Büro, “daß die Genossen Redaktionssekretäre Autor, Korrespondent und Kassierer in einer Person sein müssen.“<1447> Zur Entlastung der Redaktionssekretäre in den einzelnen MTS-Bereichen, der Verbesserung der Berichterstattung und der Erweiterung des Umfangs der Dorfzeitungen legte das Büro fest, bis Ende Februar 1958 in den Bereichen Flechtingen, Haldensleben II, Ostingersleben und Weferlingen sowie bis Ende März 1958 in den MTS-Bereichen Klüden, Rätzlingen und Schackensleben arbeitsfähige Redaktionen mit jeweils mehreren Mitarbeitern zu bilden.<1448>

Von den Sekretären der KL in den MTS-Bereichen erwartete das Büro der KL zu bestimmten Anlässen, mindestens aber einmal pro Quartal, einen Bericht über den Entwicklungsstand der Dorfzeitung ihres Bereiches. Da allein der Sekretär des Bereiches Weferlingen dieser Forderung nachkam, wetterte es, “daß die Bedeutung der Dorfzeitung für die politische Massenarbeit im Bereich von den meisten unserer Genossen Sekretäre verkannt wird.“<1449>

Auch in den folgenden Jahren nahmen die Verantwortlichen nicht regelmäßig - wie vom Büro der SED-KL gefordert - zur Arbeit der Dorfzeitungen Stellung; nur selten legten sie die Arbeitsschwerpunkte der Redaktionen fest. In diesem Zusammenhang drängt sich die Frage nach der Führungsstärke - oder -schwäche? - des Büros der SED-KL Haldensleben auf. Zumindest was diese Problematik betraf, verstand es das Büro nicht, die Sekretäre in den MTS-Bereichen zu disziplinieren.

Anläßlich des fünfjährigen Erscheinens von Dorfzeitungen schlug das Büro auf der gleichen Sitzung den BPO der MTS vor, die Sekretäre der KL in den MTS sowie die Redaktionssekretäre zu beauftragen, in den einzelnen Bereichen große Dorfpressefeste zu veranstalten. Diese sollten dann alljährlich als


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traditionelle Volksfeste in den Gemeinden gefeiert werden. Der kulturpolitische Inhalt dieser und der Feste in den kommenden Jahren sei von den Dorfzeitungsredaktionen im Einklang mit den agrarpolitischen Zielen der Parteiführung festzulegen. Erstmals führte im Jahre 1958 das “Drömlings-Echo“ Rätzlingen ein Pressefest durch.

Später bemerkte das Büro zu den Möglichkeiten der ideologischen Einflußnahme auf die Landbevölkerung<1450>, die sich aus der Durchführung von Pressefesten für die Dorfzeitungen ergaben: “Diese Gelegenheit auszunutzen und mit Hilfe der Parteiorganisation der MTS als verantwortliches Organ für die Herausgabe diesen Volksfesten einen neuen sozialistischen Charakter zu geben, das ist eine dankbare Aufgabe für unsere Genossen Redaktionssekretäre.“<1451>

Erst zwei Jahre nach der ausführlich behandelten Sitzung des Büros der SED-KL befaßte sich Ende November 1959 eine Bürositzung der KL eingehend mit der Entwicklung der Dorfpresse.<1452> Nach Auswertung einer von ihrer Abteilung Agitation und Propaganda erstellten Vorlage zur Arbeit der Dorfzeitungen kam das Büro zu dem Schluß, daß gegenwärtig in den MTS-Bereichen nur zwei Dorfzeitungen erscheinen würden. Es handelte sich dabei um “Das Drömlings-Echo“ der MTS Rätzlingen und “Die Kombine“ der MTS Weferlingen. In beiden Stationen sowie in der MTS Klüden arbeiteten hauptamtliche Redaktionssekretäre. Der Klüdener Kollege befand sich allerdings auf einem längeren Qualifizierungslehrgang. Von Haldensleben II einmal abgesehen, seien in den übrigen Bereichen hauptamtliche Redaktionssekretäre aus ihrem Aufgabengebiet herausgelöst und mehr oder weniger zweckentfremdet eingesetzt worden.<1453> Diese Umbesetzungen würden von einer Unterschätzung der Bedeutung der Dorfzeitungen bei der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft zeugen, urteilte das Büro der KL.<1454> Unterschätzte nicht auch das Büro der SED-KL Haldensleben, das auf alle Lebensbereiche des Kreises Haldensleben bestimmenden Einfluß ausübte und bei ernsthaftem Wollen o. g. Veränderungen hätte verhindern können, die Rolle der Dorfzeitungen für den Aufbau des Sozialismus auf dem Lande? Oder erfolgte die Umsetzung der Redaktionssekretäre etwa auf Veranlassung der SED-BL Magdeburg? Die Beantwortung dieser Fragestellungen ergibt sich nicht aus den zugänglichen Akten.

Wegen der Abberufung der genannten Kader und dem daraus resultierenden Personalmangel erschienen in fünf von sieben MTS-Bereichen bloß zu besonderen Anlässen Dorfzeitungen.<1455> Die dringliche Forderung des Büros nach einem allmonatlichen Erscheinen der Dorfzeitungen blieb vorerst Vision.<1456>

Das Büro der SED-KL erachtete nunmehr die Herausgabe von Dorfzeitungen in allen MTS-Bereichen für unbedingt notwendig. Deshalb verlangte es, unter Verantwortlichkeit der Parteileitungen der MTS müsse erreicht werden, bis zum Beginn des Jahres 1960 in allen


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MTS-Bereichen wieder arbeitsfähige Redaktionen zu bilden<1457> sowie eine größere Zahl von Autoren und Korrespondenten als ständige Mitarbeiter der Dorfzeitungen zu gewinnen.

Zur endgültigen Durchsetzung ihrer seit längerem gehegten Absicht beauftragte es die Parteileitungen der MTS, gemeinsam mit ihrer Abteilung Agitation und Propaganda befähigte Parteimitglieder aus allen MTS-Bereichen des Kreises für eine solche Funktion zu gewinnen. “Nur so können unsere Dorfzeitungen ihrer verantwortlichen Aufgabe als kollektiver Propagandist, Agitator und Organisator der sozialistischen Umgestaltung auf dem Lande gerecht werden“, bekräftigte das Büro der KL seine Sicht der Dinge.<1458> Es wäre, möglich ihre Wirksamkeit zu erhöhen, wenn sich die Parteileitungen der MTS und die BPO der Stationen ihrer Verantwortung für die qualitative Verbesserung des Inhalts der Dorfzeitungen bewußt werden würden.<1459>

Lobende Worte fand das Büro der KL für die Arbeit der Redaktion des “Drömlings-Echo“ und noch mehr der der “Kombine.“ Beide würden mit ihren Artikeln systematisch unter den individuell wirtschaftenden Bauern für das Beschreiten des genossenschaftlichen Weges werben und so helfen, den Prozeß der LPG-Bildung voranzutreiben. “Die Kombine“, die sich in Form und Inhalt merklich verbessert habe, erschiene mit 1 000 Exemplaren pro Auflage und fände Anklang unter den Landbewohnern.<1460> Ihr käme erheblicher Anteil an der Entwicklung des genossenschaftlichen und sozialistischen Sektors der Landwirtschaft im Bereich Weferlingen zu. Die Weferlinger “Kombine“ wüßte, gekonnt auf die Mannigfaltigkeit der journalistischen Genres zurückzugreifen und Glosse und Satire anzuwenden. Damit hob sie sich von anderen Dorfzeitungen ab, die fast ausschließlich Berichte und Nachrichten veröffentlichten. Als Symbol ihrer Kritikfähigkeit zierte die Aufmachung jeder Ausgabe ein Mann, der eine Spritze in der Hand hielt.<1461> Ein sehr anschauliches Beispiel für Wandlungen zum Besseren, die Kritik bewirken könne, fände sich in der “Kombine“ Nr. 3/1958 unter der Aufmachung “Bauer Temme und seine Garantien.“<1462>

Im Kreis Haldensleben erfüllten die Dorfzeitungen nicht gänzlich die Erwartungen, die das Büro der KL mit ihrem Erscheinen verband. Die Entwicklung der Dorfpresse innerhalb der beiden letzten Jahre bis zur Bürositzung der KL Ende Dezember 1959 verlief eher regressiv als progressiv. Die meisten Dorfzeitungen erschienen noch unregelmäßiger als früher. Bedingt durch die redaktionellen Umbesetzungen griffen weniger Dorfzeitungen als Jahre zuvor aktuelle Probleme des Veränderungsprozesses auf dem Lande auf. Der zu geringe Kaderbesatz in den Redaktionen und die Umsetzungen der Redakteure, ganz besonders aber die zu geringe Unterstützung der Dorfzeitungsredaktionen durch die Sekretäre der KL in


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den MTS und die Parteileitungen der Stationen, verhinderten eine tragende Rolle der Dorfzeitungen in der Endphase der LPG-Bildung im Kreis Haldensleben.

Auf der gleichen Sitzung befaßte sich das Büro der SED-KL eingehend mit der Arbeitsweise und dem Wirkungsgrad des Lokalblattes der “Volksstimme“ in bezug auf die Weiterführung des Aufbaus des Sozialismus auf dem Lande. Es bezeichnete die sozialistische Presse als schärfste “Waffe“ und als "... Sprachrohr und wesentliches Kampfmittel der Partei"<1463> bei der Verwirklichung der Beschlüsse des V. Parteitages der SED vom Sommer 1958 auf dem Gebiete der Landwirtschaft.<1464> Eine Analyse der Artikel auf der Lokalseite habe aber ergeben: Die überwiegend landwirtschaftliche Struktur des Kreises komme hier nicht deutlich genug zum Ausdruck und offenbare eine gewisse Unterschätzung des Ringens um den Fortgang der LPG-Bildung! Es müsse an dieser Stelle anschaulicher die Entwicklung der Dörfer des Kreises in Richtung Sozialismus zum Ausdruck kommen.<1465> Oftmals würden solche belangvollen Sachverhalte wie die LPG-Bildung, die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion und das Ringen um “Das schöne Dorf“ zwar dargestellt und dabei auftretende Schwierigkeiten kommentiert, doch keine Vorschläge zur Problemlösung unterbreitet werden. Zu wenig sei bisher die Auseinandersetzung mit falschen und feindlichen Auffassungen geführt worden. Daraus läßt sich ableiten, daß die Viewegschen Anschauungen unter den Einzelbauern wie zuvor Befürworter besaßen.

Bisher wäre es der Kreisredaktion nicht gelungen, verantwortliche Staatsfunktionäre zu solchen akuten Problemen wie dem Zurückhalten von Kartoffeln durch Einzelbauern, dem bewußten Ignorieren der Ablieferungsverpflichtungen in Berenbrock und Bülstringen sowie diffizilen Problemen der LPG-Bildung zu einer öffentlichen Stellungnahme zu bewegen. Haben die Staatsfunktionäre aus Furcht, Wahrheiten auszusprechen, die nicht der Parteilinie entsprachen, es vorgezogen zu schweigen? Diese Annahme ist gewiß nicht ganz abwegig.

Im Hinblick auf die Entwicklungen auf dem Lande gab das Büro der KL dem Redaktionskollegium der Lokalpresse zur Verbesserung ihrer redaktionellen Arbeit u. a. folgende Empfehlungen:

Weiter sei es notwendig, auf Leserforen umfassend, tiefgründig und parteilich zu Fragen der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft Stellung zu nehmen.


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Die Empfehlungen - präziser müßte es “Weisungen“ heißen - des Büros der KL an die Kreisredaktion der “Volksstimme“ bekunden, daß die KL sehr wohl die meinungsbildende Rolle der Presse zu nutzen wußte. Das Büro der SED-KL setzte in der Endphase der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft die Lokalpresse gezielter und intensiver als zuvor zur Erreichung ihrer Ziele auf dem Lande ein.

3.3.2 Arbeitsweise und Maßnahmen des Rates des Kreises und des Kreistages

Im Verlaufe der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft gewann die Tätigkeit des Staatsapparates zunehmend an Stellenwert. Die SED-Führung und die nachgeordneten Gliederungen der SED erwarteten von ihm eine Verbesserung seiner leitenden, lenkenden und kontrollierenden Tätigkeit, um eine Erhöhung der Produktivität im gesamten landwirtschaftlichen Bereich und einen Aufschwung in der LPG-Bildung zu erreichen. Mit dem Erlaß des Gesetzes über die örtlichen Organe der Staatsmacht vom Januar 1957 wurde diese Forderung erhärtet. Als Konsequenz daraus beschäftigte sich das Büro der SED-KL Haldensleben in diesem Zusammenhang ab der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre auf seinen Sitzungen mehr als bisher mit Vorgehensweise und Resultaten der Arbeit der staatlichen Organe.

In Vorbereitung der ökonomischen Konferenzen der LPG im Frühjahr 1956 mißbilligte das Büro der KL die ungenügende Hilfe des Rates des Kreises für die Genossenschaften. Es stellte fest, “er wird seinen Aufgaben in Fragen der Landwirtschaft nicht gerecht.“<1468> Wenig später mußten Instrukteure des Rates des Kreises ob ihrer Arbeitseinstellung die Kritik von Bürgermeistern verschiedener Gemeinden über sich ergehen lassen. Diese bemängelten, die Instrukteure würden ihre Aufträge nicht konsequent genug durchführen.

Eines von vielen Problemen der LPG des Kreises Haldensleben in diesem Zeitraum bestand in dem geringen Zuwachs an Mitgliedern. Die Abteilung Landwirtschaft veranstaltete auf Geheiß des Büros der KL gemeinschaftlich mit dem Kreisvorstand der VdgB Bauernforen mit der Absicht, möglichst viele werktätige Einzelbauern mit intakten Betrieben zum Eintritt in LPG bewegen zu können. Auf ihnen wurden in blumenreicher Sprache die Vorteile einer effektiv arbeitenden LPG dargelegt und nur in beschränktem Maße Schwächen der Genossenschaften eingestanden.<1469>

Im Sommer 1956 überließ die Abteilung Landwirtschaft den Fortgang der Getreideernte über weite Phasen dem Selbstlauf. Nur selten schaltete sie sich operativ in die Arbeiten ein. Hinweise und Maßnahmen zur Abstellung von Mängeln und Schwierigkeiten in den Genossenschaften blieben weitgehend aus. Erst nachdem das Büro der KL die Abteilung Landwirtschaft auf ihre Obliegenheiten hinwies, traten bedingt Änderungen ein. Sie gab nun über die Bürgermeister den örtlichen Druschkommissionen sowie den Kommissionen für Landwirtschaft Hinweise zur Verbesserung ihrer Arbeitsweise in der Ernteperiode.<1470> Unterstützung zur Begleichung der Planrückstände von LPG und


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Einzelbauern erhielten durch die Abteilung Landwirtschaft auch die Erfassungsaktivs in den Gemeinden.

Die Abteilung Landwirtschaft warb im Sommer 1956 im Zusammenwirken mit Vertretern aller Parteien und Massenorganisationen auf Ausspracheabenden in verschiedenen Dörfern des Kreises um mehr Verständnis und Akzeptanz für die Landwirtschaftspolitik der Parteiführung. Inhaltlich ging es dabei hauptsächlich um die Klärung von Problemen des ländlichen Raumes, die sich aus den Beschlüssen des 28. Plenums des ZK der SED von Ende Juli 1956 ergaben.

Zu Herbstbeginn 1956 führte die Abteilung Landwirtschaft mit den Sekretären der KL in den MTS unter Hinzuziehung weiterer verantwortlicher Funktionäre aus dem landwirtschaftlichen Bereich einen vierzehntägigen Erfahrungsaustausch durch, in dessen Verlauf Wege und Methoden zur Erhöhung der Rentabilität der LPG zur Diskussion standen.<1471> Wenig später legten auf einer Arbeitsberatung Vertreter der Abteilung Landwirtschaft gemeinsam mit Landwirtschaftsexperten aus LPG, MTS, VdgB (BHG), Parteien, Massenorganisationen, Institutionen und werktätigen Einzelbauern die Hauptproduktionsrichtungen der einzelnen LPG fest.<1472>

In den LPG traten oftmals Schwierigkeiten bei der Erarbeitung der Perspektivpläne auf. Da die MTS-Leitungen und die Vorstände der LPG dieses Problem unterschätzten, verlief deren Ausarbeitung sehr schleppend. Deshalb führte die Abteilung Landwirtschaft gleichfalls im Herbst 1956 zur Unterstützung der LPG mit allen LPG-Vorsitzenden unter Hinzuziehen der Bürgermeister eine ganztägige Schulung zu Fragen der Perspektivpläne durch. Als großer Mangel bei der Aufstellung der Perspektivpläne erwies sich, daß der Abteilung Landwirtschaft im Herbst 1956 noch keine verbindlichen Kontrollziffern zum zweiten Fünfjahrplan vorlagen. So konnten den Perspektivplänen vorerst nur die Vorschläge für den neuen Fünfjahrplan zugrunde gelegt werden.<1473>

Intensiv kümmerte sich die Abteilung Landwirtschaft um die Entwicklung des ländlichen Bauwesens, wofür ihr das Büro der KL im Sommer 1957 ein ausdrückliches Lob aussprach. Um die termingerechte Durchführung des ländlichen Bauprogrammes abzusichern, prüfte sie verschiedene Varianten zur Steigerung der Baustoffproduktion. Durch die Werbung von Bauarbeitern aus der Stadt versuchte die Abteilung, den Mangel an qualifizierten Kräften mit Erfahrungen bei der Errichtung von Plattenbauten zu beheben.<1474>

Vom verstärkten Maisanbau versprach sich das Büro der KL einen Aufschwung in der tierischen Produktion. Nach seinem unmißverständlichen Hinweis, der einer Weisung gleichkam, erstellte die Abteilung Landwirtschaft im Frühjahr 1957 einen konkreten Plan für die Ausweitung des Maisanbaus. Zur Durchsetzung ihrer Vorhaben führte sie in allen MTS-Bereichen mit der gesamten Bauernschaft


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Konferenzen und Erfahrungsaustausche durch. Referenten der Abteilung Landwirtschaft sprachen auf ihnen über wichtige Aspekte des Maisanbaus und versuchten bei dieser Gelegenheit, Einzel- und Genossenschaftsbauern für den verstärkten Maisanbau zu gewinnen.<1475>

Im Sommer 1957 legte der Rat des Kreises verschiedene ökonomische Maßnahmen zur Stärkung der LPG fest. Auf ihre Nennung und Interpretation soll hier verzichtet werden. Die Aktenlage gestattet es in diesem Falle nicht, auch nur einen einzigen Punkt auf seine Realisierung hin zu überprüfen.<1476> Dieses Manko ist nicht atypisch für die Materialien, die Einblick in das Wirken des Sekretariats bzw. des Büros der SED-KL Haldensleben geben. Häufig werden Beschlüsse des Sekretariats bzw. des Büros der KL, des Rates des Kreises, des Kreistages und von Institutionen in den Unterlagen aufgeführt. Es finden sich seltener Hinweise, inwieweit diese Beschlüsse mit Leben erfüllt, d. h. verwirklicht wurden.

Das Büro der KL analysierte und kritisierte in regelmäßigen Abständen die Arbeitsweise der Abteilung Landwirtschaft. Bedingt durch ihren Arbeitsstil, so stellte eine Bürositzung der KL am 20. September 1957 fest, “... werden selbst die Beschlüsse des Rates ungenügend verwirklicht, weil die systematische Kontrolle und Anleitung durch die Ratsmitglieder fehlt.“<1477>

Zur Unterstützung der LPG während der Hackfruchternte im Herbst 1957 beabsichtigte die Abteilung Landwirtschaft, einen Plan für den Einsatz qualifizierter Mitarbeiter in Schwerpunkt-LPG aufzustellen. Die verantwortlichen Mitarbeiter unterließen es jedoch, die Verhältnisse in den LPG vor Ort in Augenschein zu nehmen. Sie entsandten Organisationinstrukteure in LPG, die es versäumt hatten, Erntepläne für die Einbringung der Hackfruchternte auszuarbeiten.<1478> Die Erträge der Hackfruchternte fielen denn auch für die LPG, ganz im Gegensatz zu denen der Einzelbauern, höchst unbefriedigend aus.<1479>

In Auswertung der Hackfruchternte des Jahres 1957 setzte sich das Büro der KL mit der Abteilung Landwirtschaft auseinander. Deren zuständige Mitarbeiter vermochten es nicht, gemeinsam mit leitenden MTS-Kadern und den örtlichen Funktionären die Hackfruchternte vorzubereiten und durchzuführen.<1480>

Die Abteilung Landwirtschaft mußte sich im Herbst 1957 vom Büro der KL den Vorwurf gefallen lassen, sie nehme unbefriedigenden Einfluß auf die im Kreise zu lösenden Agrarfragen.<1481> Als Konsequenz darauf erhielt nicht etwa die Abteilung eine Rüge. Nein, auf Empfehlung des Büros der SED-KL beraumte der Vorsitzende des Rates des Kreises eine öffentliche Ratssitzung unter Hinzuziehen der Bürgermeister der Gemeinden an und bestrafte jene von ihnen, die angeblich ihre Aufgaben nicht im notwendigen Maße erfüllten. Bezeichnenderweise maßregelte der Rat des Kreises nicht seine zuständigen leitenden Mitarbeiter der Abteilung Landwirtschaft, sondern die unteren Chargen: die Bürgermeister.


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Die verbesserte Anleitung der Bürgermeister durch leitende Mitarbeiter des Rates des Kreises sowie die Erfahrungsaustausche der Bürgermeister der einzelnen MTS-Bereiche unter Leitung der Ratsmitglieder führten in Verbindung mit anderen Maßnahmen allmählich zu einer höheren Qualität der Arbeitsweise der staatlichen Repräsentanten der Dörfer. Sie schlug sich in einer leichten Erhöhung der Produktivität im privatwirtschaftlichen und genossenschaftlichen Sektor der Landwirtschaft nieder und zog ab Ende 1957 Fortschritte in der LPG-Bildung sowie im Hinblick auf den Mitgliederstand der Genossenschaften nach sich.<1482>

Zu den Aufgabenstellungen der Kreistage in den Kreisen der DDR zählte die Verantwortung für die planmäßige Weiterentwicklung des genossenschaftlichen Sektors der Landwirtschaft unter Beachtung der territorialen Erfordernisse. Sie hatten den Erfüllungsstand der grundlegenden Aufgaben des Volkswirtschaftsplanes zu kontrollieren, Reserven zu mobilisieren und alle gesellschaftlichen Kräfte in die Realisierung der wichtigsten Vorhaben auf dem Gebiete der Landwirtschaft einzubeziehen.

Der Kreistag Haldensleben, die formal höchste gewählte politische Körperschaft im Kreis, erörterte auf seinen turnusmäßigen Tagungen stets landwirtschaftliche Fragen. Seit dem Sommer 1952 befaßte er sich regelmäßig mit der Entwicklung nicht nur der VEG, sondern mehr noch der der LPG.

Ein Beispiel für die Herangehensweise des Kreistages Haldensleben an Entwicklungsprobleme der LPG des Kreises sei mit der Skizzierung seiner Sitzung vom 4. September 1957 dargelegt. Auf dieser Sitzung befaßte sich der Kreistag allseitig mit den LPG des Kreises und faßte Beschlüsse, die zum Aufschwung der Genossenschaften beitragen sollten.<1483> Als Richtlinie dienten ihm Beschlüsse und Forderungen der Parteiführung, des Büros der SED-BL Magdeburg und des Büros der SED-KL. Der Kreistag erklärte, die LPG bedürften zu ihrer Weiterentwicklung der beständigen, systematischen politischen, organisatorischen und ökonomischen Unterstützung der Volksvertretungen, der MTS des Kreises sowie aller Parteien und Massenorganisationen. “Das Ziel unserer gemeinsamen Arbeit muß darin bestehen“, so stellte der Kreistag fest, “die bestehenden LPG zu stärken und hiervon ausgehend weitere LPG in unserem Kreis durch die Überzeugung werktätiger Einzelbauern zu schaffen.“<1484> Eine der wichtigsten Vorbedingungen zur Festigung der LPG bestände darin, jedem einzelnen Mitglied seine Mitverantwortung für die Gesamtentwicklung der Genossenschaften zu verdeutlichen. Dies zu erreichen setze eine gründliche Aussprache in den Mitgliederversammlungen voraus. Nur so könne es zu einer einheitlichen Meinungsbildung bei der Beschlußfassung und geschlossenem Handeln bei der Verwirklichung der Beschlüsse kommen. Zur Unterstützung und Weiterentwicklung der LPG müßten solche Festlegungen getroffen werden, die zur Durchsetzung einer effizienten Betriebs- und Arbeitsorganisation beitragen würden. Der Kreistag beschloß zur Stärkung der LPG und der Erweiterung des genossenschaftlichen Sektors der Landwirtschaft verschiedene politische und organisatorische Maßnahmen:<1485>

Vorwiegend der Bildung von LPG des Typs I sei zunächst Rechnung zu tragen.<1490> Mit der Ausrichtung auf die Bildung von LPG des Typs I hofften Parteiführung und SED-KL, besonders Mittelbauern für LPG


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gewinnen zu können. Deshalb sollte unter Aufzeigen der Perspektive der Landwirtschaft hauptsächlich mit den Mittelbauern diskutiert und diese davon überzeugt werden, Gründungskomitees zur Bildung von LPG in den Dörfern zu schaffen. Der Kreistag schlug vor, in gut geleiteten LPG Erfahrungsaustausche mit werktätigen Einzelbauern durchzuführen, um diesen am praktischen Beispiel die Funktionsweise einer LPG zu demonstrieren und sie zum Genossenschaftsbeitritt zu bewegen.

3.3.3 Aufgaben und Arbeit der Gemeindevertretungen

Die Gemeindevertretungen verkörperten die untersten Organe der Staatsmacht in der DDR. Mit dem Fortgang des Aufbaus des Sozialismus auf dem Lande maß die Parteiführung ihrem Wirken zunehmende Bedeutung bei. Sie sollten mit hoher Einsatzbereitschaft zur Lösung bedeutsamer Probleme der LPG ihrer Dörfer, der Popularisierung des Genossenschaftsgedankens unter den Einzelbauern sowie der Beseitigung von Widerständen im Prozeß der LPG-Bildung beitragen.<1491> Das Büro der SED-KL Haldensleben schenkte aus den genannten Gründen der Tätigkeit der Gemeindevertretungen des Kreises mit Fortschreiten des Umwälzungsprozesses auf dem Lande größere Aufmerksamkeit als zu Beginn der LPG-Bildung.

Im Frühjahr 1956 wies das Büro der KL daraufhin, es müsse von den OPO und den GO der SED der LPG mehr als bisher auf die soziale Zusammensetzung der Gemeindevertretungen geachtet werden. Nur so könnten die Belange des genossenschaftlichen Sektors der Landwirtschaft und damit die Interessen der Genossenschaftsbauern, direkter und wirkungsvoller vertreten werden. Es dürfe nicht mehr vorkommen, daß in einer Reihe von Dörfern Genossenschaftsbauern, Arbeiter der MTS sowie Mitglieder bäuerlicher AG keinen unmitttelbaren Anteil an der Lenkung der Geschicke ihrer Gemeinden haben.

Die Feststellung des Büros der KL ist zutreffend, was die relativ geringe Anzahl von LPG-Mitgliedern angeht, die als "Volksvertreter" fungierten. Unter den 941 Gemeindevertretern des Kreises Haldensleben befanden sich im Sommer 1956 nicht mehr als 96 Genossenschafts- und 192 werktätige Einzelbauern.<1492> Im Kreistag wiederum verfügten bei 47 Abgeordnetensitzen sechs werktätige Einzelbauern über Sitz und Stimme, aber kein einziges LPG-Mitglied.<1493> Die Zusammensetzung des Kreistages und der Gemeindevertretungen konnte aber keine andere sein, resultierte sie doch aus den "Wahlen" vom Dezember 1950. Zu diesem Zeitpunkt bestanden in der DDR noch keine LPG. Wenn im Kreistag kein Genossenschaftsbauer vertreten war, so entsprach diese Tatsache der damaligen gesellschaftlichen Realität. Bei den LPG-Mitgliedern in den Gemeindevertretungen dürfte es sich um Nachfolgekandidaten gehandelt haben. Insofern ist die o. g. Forderung des Büros der SED-KL vom Frühjahr 1956 eine nicht gänzlich exakte, eher eine zeitlich verfrühte. Erst am 23. Juni 1957 fanden die nächsten Wahlen zu den


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Kreistagen, Stadtverordnetenversammlungen und Gemeindevertretungen statt.<1494>

Im Herbst 1956 bestanden die vordringlichsten Aufgaben der Gemeindevertretungen des Kreises Haldensleben auf dem Gebiete der Landwirtschaft in:

Mit der Bewältigung dieser Obliegenheiten sollten die Gemeindevertreter helfen, den Boden für das Fortschreiten des Sozialismus auf dem Lande aufzubereiten. In Dörfern, wie beispielsweise Erxleben und Schackensleben, befaßten sich die Gemeindevertretungen ernsthaft mit den Problemen der LPG. Dort verlief die Entwicklung günstiger als in Dörfern, wo Gleichgültigkeit ihr Verhältnis zu den LPG bestimmte. Komplikationen blieben aber auch dort nicht aus.

Längst nicht alle Gemeindevertretungen identifizierten sich in den ersten Jahren der LPG- Bildung mit den auf ihrem Territorium ansässigen Genossenschaften. In einer Bürovorlage über die Arbeit der Gemeindevertretungen unter besonderer Berücksichtigung der Arbeit der Nationalen Front<1495> vom Herbst 1956 findet sich die Feststellung, daß 23 Gemeindevertretungen des Kreises die Belange der Genossenschaften unzureichend beachten würden. Es wären keine Einzelfälle, daß von den Einwohnern ihrer Dörfer in die Gemeindevertretungen gewählte werktätige Einzel- und Genossenschaftsbauern nicht korrekt aufträten. Sie würden das Ansehen der örtlichen Organe der Staatsmacht durch unmoralisches Verhalten, schlechte Sollerfüllung und mangelnde Zahlungsdisziplin bei der Begleichung von Steuern diskreditieren.<1496>

Im Herbst 1956 bemängelte das Büro der KL, die Gemeindevertretungen hätten sich zu wenig oder gar nicht um die Entwicklung der LPG in ihren Gemeinden gekümmert. “Dafür ist die MTS da“, so lautete die Begründung für ihre Passivität oder bissiger formuliert: ihres Desinteresses.<1497>

Auch zur häufig unkorrekten Arbeitsweise der MTS auf den Feldern der Einzel- und Genossenschaftsbauern verhielten sich verschiedene Gemeindevertreter indifferent. “Wenn die Bauern auf die MTS schimpfen, geben die Bürgermeister den Bauern recht, ohne bei der Abstellung der Fehler zu helfen“, ist im Beschlußprotokoll der Bürositzung der KL vom


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26. Oktober 1956 festgehalten.<1498>

Nachdem in Aussprachen Mitarbeiter der KL und der Abteilung Landwirtschaft die Gemeindevertreter ausdrücklich auf ihre Verantwortung als Staatsfunktionäre hingewiesen hatten, verbesserte sich in einigen Dörfern das Verhältnis der Gemeindevertreter zu “ihrer“ Genossenschaft. Als ein Beispiel dafür sei ihre nunmehr häufigere und teils aktivere Teilnahme an den wöchentlichen Produktionsberatungen der LPG genannt.

Von den Bürgermeistern forderte das Büro der KL, zu Gemeindevertretersitzungen regelmäßig dann Genossenschaftsmitglieder einzuladen, wenn Landwirtschaftsprobleme zur Diskussion standen.

Die Beschlüsse der V. LPG-Konferenz von Ende Februar 1957 und ebenso des Kreistages Haldensleben vom November 1956 bzw. vom März 1957 wiesen auf die Erweiterung der Rechte und Pflichten der örtlichen Volksvertretungen bei der Lösung der vielfältigen politischen und ökonomischen Probleme im Zuge der genossenschaftlichen Entwicklung hin. Den Gemeindevertretungen erwuchsen daraus neue, umfassendere Aufgaben.<1499> In einem Kreis wie Haldensleben, in dem die Landwirtschaft den Haupterwerbszweig der Bevölkerung bildete, verlangte das Büro der SED-KL von den örtlichen staatlichen Organen künftig eine wirksamere Unterstützung der Genossenschaften als zuvor. Um den LPG effektiver bei der Festigung und Weiterentwicklung zu helfen, müßten sich die Mitglieder der örtlichen Volksvertretungen gründliche Kenntnisse über die politische und ökonomische Entwicklung der LPG ihrer Gemeinden aneignen. Erst dann könnten sie tatsächlich die LPG ihrer Dörfer anleiten und unterstützen. In Verwirklichung des Gesetzes über die örtlichen Organe der Staatsmacht vom Januar 1957 sei eine aktivere und verantwortungsbewußtere Mitarbeit der Genossenschaftsmitglieder in den örtlichen Volksvertretungen unerläßlich.<1500>

Im Sommer 1957 erklärte das Büro der KL, der überwiegende Teil der Volksvertreter auf dem Lande sei bemüht, den neuen, höheren Anforderungen nachzukommen.<1501> Wenig später widersprach es sich arg - nicht zum ersten Mal.<1502> Den Gemeindevertretungen Bornstedt, Bülstringen und weiteren bescheinigte es eine gute Zusammenarbeit zwischen Gemeindevertretung und LPG. In diesen Gemeinden hätte der Gemeinderat mindestens einmal monatlich zur Entwicklung des genossenschaftlichen Sektors der Landwirtschaft Stellung genommen und Beschlüsse gefaßt, die zur Festigung der LPG beitragen sollten. Die Gemeindevertretungen in Wedringen, Bebertal und einigen anderen Orten würden den LPG-Vorstandsmitgliedern vor den Räten der Gemeinde Bericht über Maßnahmen zur Förderung der LPG erstattet haben.

Nun aber verstrickte sich das Büro bei den folgenden Einschätzungen in offensichtliche Widersprüche. Im


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Gegensatz zu unmittelbar davor getroffenen schalt es, ein Großteil der örtlichen Volksvertretungen und Ständigen Kommissionen unterstütze die genossenschaftliche Entwicklung ungenügend. Keine auf das jeweilige Dorf abgestimmten Beschlüsse hätten die Gemeindevertretungen von Uhrsleben, Groß Santersleben sowie eine Reihe weiterer Gemeindevertretungen gefaßt. Sie ignorierten damit die Kreistagsbeschlüsse. Über die Tätigkeit des Rates der Gemeinde Emden äußerte sich das KL-Büro, er würde dulden, "daß ca. 20 Mitglieder der LPG in der Regel nicht zur Arbeit erschienen.“<1503> Ferner übte es Kritik daran, daß im Kreis bisher lediglich auf wenige Beispiele für ein tatsächliches Bemühen von Räten der Gemeinden und Ständigen Kommissionen verwiesen werden könne, werktätige Einzelbauern für LPG zu gewinnen. Andererseits seien auch Beispiele zu registrieren, “daß Bemühungen örtlicher Räte, den LPG Anleitung und Hilfe zu geben, als eine Einmischung in die genossenschaftlichen Belange angesehen wird.“<1504> Eine größere Zahl von LPG-Vorständen lehne die unterbreiteten Vorschläge für die Hilfeleistung von vornherein ab oder ignoriere sie.<1505> Es kam durchaus vor, daß Bürgermeister einiger Gemeinden - wie undiplomatisch! - den bzw. die LPG-Vorsitzenden ihres Verantwortungsbereiches zum Rapport bestellten. Natürlich ging dies nicht an. Sinnvoll, jedoch seltener praktiziert, erwies sich ein kameradschaftliches Zusammengehen von LPG-Vorständen und Gemeinden.

Das Büro der KL erklärte im Spätsommer 1957, jetzt gelte es, alle Kraft darauf zu konzentrieren, mit Unterstützung der örtlichen Volksvertretungen bedeutende Fortschritte in der Entwicklung und Festigung der LPG und des genossenschaftlichen Bewußtseins der LPG-Mitglieder herbeizuführen.<1506>

Zur weiteren Gewinnung von leistungsstarken Einzelbauernwirtschaften für LPG bereiteten viele Gemeindevertretungen in Zusammenarbeit mit im Orte ansässigen Genossenschaften Ausspracheabende mit werktätigen Einzelbauern vor. Das Büro der KL empfahl, den besonderen Schwerpunkt bei der Bildung neuer Genossenschaften auf die Bildung von LPG des Typs I zu legen. Dazu wäre es erforderlich, sich vorwiegend auf die Ständigen AG zu stützen. Die Parteiführung sah die AG zu jenem Zeitpunkt als potentielle Quelle für die Gewinnung neuer LPG-Mitglieder an.

Während der Hackfruchternte im Herbst 1957 kritisierte das Büro der SED-KL den Arbeitsstil der Räte der Gemeinden, besonders was die Leitungstätigkeit betraf. Sie hätten die persönliche Verantwortung eines jeden Gemeinderatsmitgliedes für das ihm übertragene Aufgabengebiet ungenügend durchgesetzt. Den MTS-Arbeitern, den Genossenschafts- und den Einzelbauern seien häufig nicht einmal die Pläne zur Einbringung der Hackfruchternte zur Kenntnis gegeben worden.<1507> Dieser untragbare Zustand änderte sich im weiteren Verlauf der Ernte nicht. An diesem typischen Beispiel zeigt sich sehr plastisch das Dilemma eingeschränkter Mitbestimmung der Genossenschaftsbauern. Partei und Staat diktierten


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anfänglich in Form von Kampagneplänen den Genossenschaftsbauern und den Einzelbauernbetrieben, was und wie sie zu produzieren hatten. Unumdeutbar handelte es sich dabei um eine unzulässige Einmischung in innerbetriebliche Angelegenheiten. Die Betroffenen empfanden es zumeist genauso. Entsprechend dieser Vorgehensweise faßten die LPG-Vorstände "schöngefärbte" Berichte an die SED-KL und den Rat des Kreises ab.

Anfang November 1957 äußerte der Sekretär für Landwirtschaft der KL auf einer Bürositzung der KL, das Zurückbleiben der LPG hinter den Einzelbauern resultiere daraus, “daß die örtlichen Organe der Staatsmacht wenig ökonomischen Einfluß auf die Entwicklung der Genossenschaften nehmen.“<1508> Das Büro der KL bezeichnete die Gemeindevertretungen und ihre führenden Repräsentanten, die Bürgermeister, als schwächste Punkte beim Aufbau einer sozialistischen Landwirtschaft.<1509> Es gebe solche unter ihnen, die sich überhaupt nicht mit ihren LPG oder der Gründung einer solchen befaßt hätten.<1510>

Das Büro erwartete in der nächsten Zeit von den Gemeindevertretungen umfassendere Aktivitäten wie

Auf diese Weise glaubte das Büro der SED-KL, den Fortgang des Aufbaus des Sozialismus auf dem Lande beschleunigen zu können.

3.4 Bildung und Kultur im Prozeß der LPG-Bildung (1952 bis 1960)

Im Wissen um die Bedeutung von Kultur, Bildung und Ideologie für den Aufbau des Sozialismus befaßte sich die 2. Parteikonferenz der SED in ihren Beratungen eingehend mit Fragen aus diesen Bereichen. Zur Errichtung der Grundlagen des Sozialismus in möglichst hohem Tempo bedurfte es der Heranbildung einer neuen Intelligenz. In der Stadt und auf dem Lande sollten Kinder von Arbeitern und werktätigen Bauern qualifiziert und kontinuierlich gefördert werden.<1511> Von diesen jungen Kadern erwartete die Parteiführung Verbundenheit mit dem Sozialismus und tragfähige Ideen in großer Zahl. Sie sah in ihnen einen Garant für die Durchsetzung ihrer Ziele trotz offener Grenze zu einem gegensätzlichen


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Gesellschaftssystem.

Als wichtigste Aufgabe auf kulturellem Gebiet benannte die Parteikonferenz, ein vielfältiges sozialistisches Kultur- und Geistesleben zu entfalten und die Menschen in Stadt und Land mit dem humanistischen Kulturerbe vertraut zu machen. Sie leitete daraus die Notwendigkeit ab, im Zuge des Aufbaus des Sozialismus auf dem Lande die Kulturarbeit in den Dörfern zu verstärken.

Die neuen Aufgaben stellten qualitativ höhere Anforderungen an die organisatorische, mehr noch an die politisch-ideologische Tätigkeit der Partei. Deshalb erachtete es die Konferenz für unabdingbar, die sozialistische Ideologie und Kultur in allen Lebensbereichen durchzusetzen und die Bevölkerung in Stadt und Land mit den Ideen des Marxismus-Leninismus vertraut zu machen. "Das konnte nur geschehen, wenn die bürgerliche Ideologie kompromißlos bekämpft und ihr Einfluß weiter zurückgedrängt wurde."<1512> Es gelte Dogmatismus und Schematismus zu überwinden, beharrlich das sozialistische Bewußtsein der Bevölkerung zu entwickeln, bei ihr Verständnis für die neuen Aufgaben zu wecken und sie für deren Bewältigung zu mobilisieren.<1513>

Nach der 2. Parteikonferenz gewannen Kultur, Bildung und Ideologie in der strategischen Konzeption der Parteiführung einen neuen, höheren Stellenwert.

Der IV. Parteitag der SED im März/April 1954 widmete sich wiederum ausgiebig den genannten Bereichen. Zur Gewährleistung von Fortschritten in der genossenschaftlichen Produktion "mußte vor allem das sozialistische Bewußtsein der Genossenschaftsbauern entwickelt werden", hieß es auf dem Parteitag.<1514>

Die 3. Parteikonferenz der SED im März 1956 rief die GO der SED in Stadt und Land dazu auf, sich ständig mit "reaktionären" Ideologien auseinanderzusetzen und der Bevölkerung die objektiven Gesetze der gesellschaftlichen Entwicklung zu erläutern.<1515>

Auf dem V. Parteitag der SED im Sommer 1958, der nach dem Verständnis der SED-Führung die Endphase der Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus in der DDR einleitete, nahmen Fragen der Ideologie, Kultur und Bildung eine zentrale Position ein. Der Parteitag entwickelte eine angeblich geschlossene theoretische Konzeption zu Inhalt und Weiterführung der sozialistischen Kulturrevolution.<1516> In einem Beschluß des Parteitages ist nachzulesen, je mehr die Bevölkerung von der Richtigkeit der sozialistischen Perspektive überzeugt sei, desto bewußter würde sie an der Realisierung der Aufgaben auf ökonomischem, politischem und kulturellem Gebiet teilhaben.<1517> Der Stand des sozialistischen Bewußtseins würde in nicht zu unterschätzendem Maße die ökonomische,


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wissenschaftliche und kulturelle Entwicklung in der DDR und damit das Tempo des Aufbaus des Sozialismus in der DDR beeinflussen. Deshalb verlangte der Parteitag, konsequent dem Sozialismus feindlich gegenüberstehendes Gedankengut aus dem Bewußtsein der Menschen zu verbannen sowie die fachliche und ideologische Leitungstätigkeit der Partei zu vervollkommnen.<1518>

Der V. Parteitag verkündete überdies die zehn Grundsätze der sozialistischen Moral und Ethik. Sie orientierten auf neue sozialistische kameradschaftliche Beziehungen zwischen den Werktätigen, eine bewußte Einstellung zur Arbeit, die allmähliche Herausbildung einer sozialistischen Lebensweise und - als Ziel des Ganzen - die Formung eines neuen sozialistischen Menschen. Der Abschluß der Übergangsperiode erfordere ferner, erklärte der Parteitag, die Aktivitäten aller Gliederungen der SED auf bildungspolitischem und kulturellem Gebiet auszudehnen.

Nach dem V. Parteitag der SED versuchten die GO der SED im ganzen Land mit unterschiedlichem Erfolg die Festlegungen und Anregungen des Parteitages umzusetzen.

Anfang Januar 1959 legte nach vorangegangenem Anstoß der SED-KL Bitterfeld die Jugendkomplexbrigade "Nikolai Mamai" des VEB Elektrochemisches Kombinat Bitterfeld unter der Losung "Sozialistisch arbeiten, lernen und leben" fest, die Kriterien für den Titel "Brigade der sozialistischen Arbeit" zu erfüllen.<1519> Offiziell begründeten die Brigademitglieder ihren Entschluß damit, das Fortschreiten der Technik verlange von allen Werktätigen, sich fachlich weiterzubilden, ihr Kultur- und Bildungsniveau zu erhöhen und die sozialistische Gemeinschaftsarbeit zu entwickeln. Sie verständigten sich darauf, nach den zehn Geboten der sozialistischen Ethik und Moral zu handeln. Die Brigademitglieder riefen alle Brigaden ihres Werkes und alle Arbeitsbrigaden in der DDR dazu auf, inner- und überbetrieblich in den Wettbewerb zu treten.

Die von "oben" lancierte Initiative der Bitterfelder Brigade sollte zur Herausbildung neuer "sozialistischer" Beziehungen der Menschen im Arbeitsprozeß gemäß der gängigen Parole vom "Ich zum Wir", einer bewußten Einstellung zur Arbeit und letztendlich zur Weiterentwicklung der Produktivkräfte beitragen.

Von höchster Parteiebene gesteuert und gestützt, fand der Aufruf der "Mamais"<1520> in den Arbeitsbrigaden verschiedenster Industriezweige der DDR viele Nachahmer.

Mit ihm nahmen die Bestrebungen der Parteiführung, auf breiter Front "sozialistische" Persönlichkeiten zu entwickeln, praktische Gestalt an.

Daß die Heranbildung eines Menschen mit neuen Einstellungen und Verhaltensweisen allzu häufig klischeehaft vonstatten ging, daß die Anforderungen oftmals nicht mehr als formal erfüllt wurden, daß sich bei der absoluten Mehrheit der arbeitsfähigen Bevölkerung nicht wahrhaftig ein "verinnerlichter" Wandel vollzog, sondern die vermeintlichen Veränderungen ihrer Verhaltens- und Handlungsweisen Anpassung an das von "oben" Gewollte waren - die SED-Führung sah es nicht oder sperrte sich gegen diese


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Tatsachen.

3.4.1 Die Bildungsarbeit auf dem Lande

3.4.1.1 Die berufliche Qualifizierung der LPG-Bauern

Ob sich eine LPG allmählich zu einem leistungsfähigen landwirtschaftlichen Großbetrieb entwickelte, nach Anfangsschwierigkeiten Fortschritte auf dem Wege zur Rentabilität erzielte oder fortwährender staatlicher Unterstützung bedurfte, hing wesentlich von der beruflichen Qualifikation, den Fähigkeiten und Fertigkeiten der LPG-Mitglieder ab. Nur durch die Verbesserung des Bildungsniveaus der Genossenschaftsbauern und die Ausbildung hochqualifizierter Fachleute konnten die moderne Technik gehandhabt und neuere wissenschaftliche Erkenntnisse in den LPG zur Anwendung gelangen.

Viele der ersten Genossenschaftsmitglieder hatten vor ihrem LPG-Beitritt eine Wirtschaft betrieben oder sich als Landarbeiter bei Groß- und Mittelbauern verdingt, ohne zuvor eine landwirtschaftliche Berufsausbildung durchlaufen zu haben. Gänzlich abgesehen von ehemaligen Städtern, denen es vollkommen an Arbeitserfahrungen und Kenntnissen in der Landwirtschaft fehlte. Das Sekretariat der SED-KL Haldensleben versuchte seit dem Beginn des Umwälzungsprozesses auf dem Lande den Genossenschaftsbauern und ebenso den werktätigen Einzelbauern als potentiellen LPG-Mitgliedern eine solide berufliche Grundlage zu vermitteln. Sie sollte sie befähigen, die anfallenden Arbeitsaufgaben in einem landwirtschaftlichen Großbetrieb zunächst in befriedigender, dann in höherer Qualität zu bewältigen. Auf seine Anregung hin, richtete die Kreisvolkshochschule Haldensleben in Zusammenarbeit mit der Kreisorganisation der VdgB (BHG) und der Abteilung Volksbildung des Rates des Kreises, ein Netz von Abendschulen in den größten Dörfern des Kreises ein. In diesen Schulen fanden bereits in den Wintermonaten 1952/1953 Bauernschulungen statt. Im Winter 1953 führte die Kreisvolkshochschule nach einem einheitlichen Lehrplan Lehrgänge in den Fächern Agrarsoziologie und Tierzucht durch. Lehrgänge im Fach "Gesellschaftswissenschaften" sollten die Bauern ideologisch auf den Aufbau des Sozialismus auf dem Lande ausrichten.<1521> Die “Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse“ hielt in den LPG Vorträge über den Aufbau des Sozialismus, zu denen sie die werktätigen Einzelbauern und darüber hinaus die gesamte Landbevölkerung einlud. In Diskussionsrunden versuchten ihre Agitatoren, Einzelbauern von den Vorzügen und den günstigen Bedingungen für ihre Interessenverwirklichung in den LPG zu überzeugen.

Getreu dem Schulbeschickungsplan wurden im Jahre 1953 sieben LPG-Vorsitzende, fünf Buchhalter, drei Feldbau- und drei Viehzuchtbrigadiere, zwei Tiergesundheitspfleger und ein Agronom ausgebildet.<1522> Drei LPG-Bäuerinnen nahmen an einem vierzehntägigen Lehrgang für Buchhalter teil, auf dem sie Kenntnisse zur Durchführung eines ordnungsgemäßen Jahresabschlusses vermittelt bekamen.<1523> Für einen längeren Zeitraum erfolgte die Delegierung einer Kollegin zur “Zentralschule für kulturelle


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Aufklärungsarbeit“ in Köthen, eines Kollegen auf eine Spezialschule für Agronomen nach Wettin und von vier Kollegen an die Bezirksschule der LPG nach Hohenwulsch.<1524>

Diese Ergebnisse nahm am Ende des Jahres 1953 das Kreissekretariat zum Anlaß, sich voller Zufriedenheit über den bisherigen Verlauf der Kaderentwicklung der LPG auszusprechen.

Durchführung und Teilnahme an den Winterschulungen verliefen im Kreis einen unterschiedlich. Verschiedene LPG konnten bei ihren Winterschulungen auf eine größere Teilnehmerzahl verweisen. So nahmen beispielsweise in der LPG Mannhausen im ersten Quartal 1955 22 Kollegen, in der LPG Hundisburg 16 Kollegen an den Schulungen teil.<1525> In Hasselburg und Satuelle hingegen fanden keine Winterschulungen statt. Aus dieser widersprüchlichen Entwicklung zog die Kreisvolkshochschule die Schlußfolgerung, ihre Schulungen präziser zu planen. Unmittelbar nach Beginn des Winterhalbjahres 1955/56 begann sie, Schulungen in Ackendorf, Süplingen sowie weiteren Dörfern durchzuführen. In kleineren LPG hielten Lehrkräfte Vorträge.<1526> Zur Qualifizierung von Genossenschaftsbauern zum “Meister der Landwirtschaft“ richteten die Stützpunkte Haldensleben, Morsleben, Rätzlingen und Rottmersleben Lehrgänge mit einer durchschnittlichen Teilnehmerzahl von 13 Kollegen aus.<1527>

Zum Zwecke der Aneignung neuer agrarwissenschaftlicher Erkenntnisse und der Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen LPG und MTS fanden von Januar bis März 1955 in der LPG-Bezirksschule Hohenwulsch sowie in Egeln-Nord Lehrgänge für Feldbaubrigadiere der LPG und Brigadiere der jeweils zuständigen MTS-Bereiche statt.<1528>

Zur Illustrierung der Maßnahmen der Erwachsenenqualifizierung in den ersten Jahren der LPG-Bildung seien einige statistische Angaben aufgeführt.:

Diese magere, unbefriedigende Bilanz fand nach Meinung des Sekretariats der SED-KL ihren Niederschlag in Gestalt einer größeren Anzahl unqualifizierter LPG-Vorsitzender.<1533> Es gäbe Beispiele, wo der "Klassengegner" aufgrund des Mangels an qualifizierten Leitungskadern versucht hätte, seine Leute in leitende Stellungen zu lancieren.<1534>

Selbstkritisch schätzte Ende des Jahres 1955 die Abteilung Landwirtschaft ein, die Kaderentwicklung in den LPG nicht systematisch und kontinuierlich genug zu fördern. Zur Behebung des Mangels an Kadern führte sie zunächst mit allen LPG-Vorsitzenden und Brigadieren Kaderentwicklungsgespräche durch. Nach deren Auswertung erarbeitete die Abteilung Landwirtschaft Kaderentwicklungspläne, in denen vorrangig die Beschickung der Lehrgänge “Meister der Landwirtschaft“ Berücksichtigung fand.<1535> Die Abteilung Landwirtschaft beauftragte weiter die Bevollmächtigten der jeweiligen MTS-Bereiche, in den Wintermonaten Schulungen mit allen Vorsitzenden und Brigadieren über Grundsätze der sozialistischen Wirtschaftsführung abzuhalten.<1536>

Anfang Januar 1956 verwies das Sekretariat der SED-KL wiederum darauf, daß die LPG erst dann allmählich rentabel arbeiten könnten, wenn ihnen hinreichend qualifizierte Kader zur Verfügung ständen. In der Vergangenheit hätten die staatlichen Organe und Institutionen der Kaderentwicklung zu wenig Beachtung geschenkt. Die Beschickungskapazitäten seien unter Angabe fadenscheiniger Gründe nicht immer vollauf genutzt worden. Dieser Zustand müsse ohne Verzug geändert werden.

Ein höheres Niveau im System der Erwachsenenqualifizierung verkörperten die Lehrgänge “Meister der Landwirtschaft.“ LPG-Mitglieder mit einer derartigen Qualifikation, die zumindest Führungskader zur Leitung von Produktionsprozessen benötigten, fehlten zu Beginn der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre in den Genossenschaften noch häufig. Deshalb legte die Abteilung Landwirtschaft fest, ab Anfang Januar 1957 in jedem MTS-Bereich einen hauptamtlichen Dozenten für die Meisterausbildung einzusetzen.<1537> Sie erfolgte im Fachschulabendstudium.

Bei der beruflichen Qualifizierung der Erwachsenen stellten sich Fortschritte ein, die aber bis zum Herbst 1956 nicht den vom Büro der KL und der Abteilung Landwirtschaft angestrebten Umfang erreichten. Einer Einschätzung zum Kreisergebnis der Perspektivpläne der LPG<1538> vom Herbst 1956 ist zu entnehmen, daß bis zum Jahre 1960 auf dem Gebiet der tierischen Produktion 119 Genossenschaftsbauern zu


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Spezialisten der Landwirtschaft ausgebildet werden sollten.<1539> U. a. war geplant, sie zum “Meister der Geflügelzucht“, “Meister der Schweine- und Rinderzucht“, Viehzuchtbrigadier sowie Veterinärhelfer zu qualifizieren.<1540> Die Perspektivpläne sahen auf dem Sektor der pflanzlichen Produktion vor, bis zum selben Zeitpunkt an Fachschulen und in den MTS 78 LPG-Mitglieder zu Feldbaubrigadieren bzw. Saatgutprüfern auszubilden.<1541> Sie bestimmten, an nicht näher bezeichneten Fachschulen 36 LPG-Mitglieder zu Lehrausbildern, Pflanzenschutzwarten und Maschinisten auszubilden.<1542>

Im Spätherbst und im Winter galten die Winterschulungen in den LPG inzwischen als probates Mittel, die Genossenschafts- und werktätigen Einzelbauern in Theorie und Praxis erfolgversprechender Arbeitsmethoden einzuweihen und verschüttetes Wissen aufzufrischen. Im Winter 1956/57 nahmen diese Schulungen von der Abteilung Landwirtschaft ausgewählte Agronomen im Abstand von 14 Tagen in Schwerpunkt-LPG vor.<1543> Mit den Leitungskadern der LPG führte dieselbe Abteilung des Rates des Kreises nicht näher bezeichnete Qualifizierungsmaßnahmen durch.

Im Laufe des Jahres 1959 gingen verschiedene LPG des Kreises Haldensleben zur Spezialisierung ihrer Produktion über. Zur Lenkung der Produktionsprozesse benötigten die jeweiligen LPG nicht Arbeitskräfte schlechthin, sondern gut qualifizierte Genossenschaftsmitglieder. Eine zeitweilige Kaderkommission der Abteilung Landwirtschaft erarbeitete zum Zwecke der Absicherung des Bedarfs der LPG an Spezialisten eine exakte Kaderanalyse, aus der die berufliche Qualifikation der LPG-Mitglieder, ihr gegenwärtiger Einsatz und der zukünftige Bedarf an Kadern hervorging.<1544>

Angesichts der großen Zahl neugegründeter LPG und der berächtlichen Zahl unrentabel wirtschaftender Genossenschaften kam der Fortbildung ihrer Mitglieder wesentliche Bedeutung bei. Sie ist als eine von verschiedenen Komponenten zur Erhöhung der Effizienz der LPG gerade in jenen Jahren anzusehen. Während die Leitungskader und die LPG-Mitglieder ohne Funktion zumeist an Weiterbildungsmaßnahmen teilhatten, versäumten viele LPG-Vorstände, ihre mittleren Kader weiterzuqualifizieren. Besonders betraf dies Kader, die in der tierischen Produktion arbeiteten und deren Leistungen für die Rentabilität einer LPG besondere Wichtigkeit beikam.

Die von der Parteiführung stetig angemahnte Förderung der Frauen beachteten die Vorstände der LPG des Kreises Haldensleben kaum. Zu einem im IV. Quartal des Jahres 1959 anberaumten überregionalen Lehrgang, an dem sieben Genossenschaftsbäuerinnen aus dem Kreis Haldensleben zur Teilnahme vorgesehen waren, erhielt nur eine Kollegin die Freistellung.<1545> Insgesamt nahmen die Vorstände der


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Genossenschaften ungenügenden Einfluß auf die Förderung und Qualifizierung der Frauen. Die weiblichen LPG-Mitglieder fanden ihre Interesse nach beruflicher Vervollkommnung sowie auf die Übertragung verantwortungsvoller Aufgaben im Beruf nicht in ausreichendem Maße berücksichtigt.

Eine Erklärung für diese, die Weiterentwicklung der LPG hemmende Haltung, bietet ein Blick auf die fachliche Kompetenz der Vorstände. Leitende Kader der LPG verfügten häufig nicht mehr als Volksschulbildung und im Selbststudium angeeignete Kenntnisse. Neben einem guten Stamm befähigter, leistungswilliger, qualifizierter LPG-Vorsitzender, Brigadiere und Buchhalter besaßen aber ca. 50 Prozent der Vorsitzenden keinen ihrer Funktion entsprechenden fachlichen Abschluß. Der LPG-Beirat schätzte ein, 15 LPG-Vorsitzende müßten eine Schulung durchlaufen. Sie würden ihre Genossenschaften - wegen unzulänglicher Qualifikation - nur kommissarisch und dabei fachlich ungenügend leiten.<1546>

Oftmals fehlte den LPG-Vorsitzenden die Zeit und desgleichen der Wille, sich beruflich fortzuentwickeln. Im Rahmen der Winterschulung 1959/60 fanden sich nicht mehr als sechs LPG-Vorsitzende bereit, das Staatsexamen abzulegen.<1547> Andere leitende Genossenschaftskader lehnten es ab, sich in harter Studienarbeit weiterzubilden. An beruflichen Fortbildungsmaßnahmen teilzunehmen, dazu rangen sich nur wenige durch. Die Statistik belegt dies offenkundig. Sie weist lediglich vier Teilnehmer am Lehrgang “Meister der Landwirtschaft“ in Hohenwulsch und 18 Teilnehmer - darunter sieben Frauen - an der Buchhalterschule Egeln-Nord aus.<1548>

Die Abteilung Landwirtschaft führte im Jahre 1959 mehrere zentrale Lehrgänge mit Schweine- und Rinderpflegern, den Mitgliedern von Normenkommissionen und Geflügelzüchterinnen durch. Alles in allem nahmen daran ca. 450 Genossenschaftsbäuerinnen und -bauern teil.<1549> In den Konsultationsstützpunkten Hundisburg und Nordgermersleben erhielten rund 500 Genossenschaftsmitglieder eine theoretische und praktische Weiterbildung.<1550>

Auf dem Höhepunkt der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft kritisierte das Büro der SED-KL im Zusammenhang mit der Erwachsenenbildung die MTS des Kreises. Es hielt ihnen vor, sich unzureichend um die Qualifizierung der Genossenschaftsbauern ihrer Bereiche zu bemühen. Sie würden den Standpunkt verfechten, gerade jetzt sei jede Arbeitskraft in der Genossenschaft vonnöten. Diese Feststellung träfe vornehmlich auf die Leitung der MTS Schackensleben zu, die sich kaum um die Anhebung des fachlichen Entwicklungsstandes der LPG-Mitglieder ihres Bereiches kümmere. Besonders die berufliche Vervollkommnung der Jugendlichen und der Frauen würde vernachlässigt. Ihnen fehle häufig eine klare berufliche Perspektive, ohne die keine zukunftsorientierte Qualifizierung erfolgen könne.<1551> Die Leitung der MTS Schackensleben sorge sich ferner zu wenig um die Weiterbildung der


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leitenden und mittleren LPG-Kader der tierischen Produktion ihres Bereiches. Ihr Desinteresse hätte zur Folge, daß die Leistungen dieses Produktionszweiges weder das geplante Volumen noch eine hohe Qualität erreichten.<1552>

Die Schulung von etwa 25 Prozent der Genossenschaftsbauern des Kreises Haldensleben im Jahre 1959 entsprach nicht den Ansprüchen des Büros der SED-KL.<1553> Es stellte zur Anzahl der in Weiterbildungsmaßnahmen erfaßten LPG-Mitglieder fest: “Insgesamt muß man einschätzen, daß wir in der Qualifizierung der breitesten Schichten der Genossenschaftsbauern noch keine befriedigenden Ergebnisse erzielt haben.“<1554>

3.4.1.2 Dorfakademien

Zur Erhöhung des Bildungs- und Kulturniveaus der Dorfbewohner trugen die Dorfakademien und Dorfklubs bei. Ihr Wirken ist in engem Zusammenhang mit der Erwachsenenqualifizierung und der Verbesserung der kulturellen Massenarbeit zu sehen. Die kurze Skizzierung und Analyse ihrer Tätigkeit hilft, den Eindruck über den Komplex “Bildung und Kultur“ abzurunden.

Im Sommer 1959 begannen die Gemeinden des Kreises Haldensleben mit der Einrichtung von Dorfakademien. Sie sollten in allen Hauptdörfern entstehen. Die Aufgaben der Dorfakademien bestanden vorrangig in der Förderung des Erfahrungsaustausches unter den Genossenschaftsbauern, aber auch zwischen Genossenschafts- und werktätigen Einzelbauern sowie der Verallgemeinerung der neuesten agrarwissenschaftlichen Erkenntnisse. Die Verantwortung für den Bildungsplan dieser Stätten lag bei der Gewerkschaft Land und Forst sowie der Abteilung Landwirtschaft. Im Gegensatz zu den Abteilungen Kultur und Volksbildung des Rates des Kreises, die in den betreffenden Dörfern eng zusammenwirkten, übte sich die Abteilung Landwirtschaft in Zurückhaltung. Sie mied in dieser Angelegenheit die Zusammenarbeit mit den vorgenannten Abteilungen.

Die Dorfausschüsse der Nationalen Front widmeten der Errichtung von Dorfakademien ebenfalls zu wenig Aufmerksamkeit.

Im März 1960 besuchten 486 eingetragene Hörer die Dorfakademien, darunter 125 Genossenschaftsbauern.<1555> Das Büro der KL merkte hierzu an, diese Zahl beweise, “daß wir in unseren Dörfern die Atmosphäre des Lernens noch nicht entwickelt haben.“<1556> Außerdem ließe die soziale


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Zusammensetzung der Hörerschaft erkennen: Das Lernen sei der Dorfbevölkerung noch nicht zum Bedürfnis geworden. Die Lehrtätigkeit der Dorfakademien vermochte bis zum Frühjahr 1960 noch nicht hinreichend dazu beizutragen, “besser die täglichen Produktionsaufgaben lösen zu helfen.“<1557>

Mit dem ungestümen Abschluß der Vergenossenschaftlichung der Dörfer des Kreises Haldensleben erwuchsen den Dorfakademien neue, erweiterte Anforderungen. Die Mehrheit der LPG stellte im März 1960 für ihre Mitglieder Qualifizierungspläne auf, denen die Mitarbeiter der Dorfakademien Hinweise auf die Schwerpunkte ihrer künftigen Arbeit entnahmen. Die Dorfakademien sollten perspektivisch zu Zentren der Qualifizierung aller Genossenschaftsbauern, Traktoristen und der Arbeiter der VEG entwickelt werden. Das Büro der SED-KL forderte von ihnen, besondere Aufmerksamkeit auf die Qualifizierung der Frauen und Jugendlichen zu legen.

3.4.1.3 Volksbildung

Im ländlichen Schulwesen des Kreises Haldensleben vollzogen sich im Verlaufe des Umgestaltungsprozesses auf dem Lande wie überall in der DDR Wandlungen, die seine Struktur grundlegend veränderten. Bis zur Mitte der fünfziger Jahre verschwanden die Einklassenschulen aus den Dörfern. An ihre Stelle traten schulische Einrichtungen, in denen die Schüler zunächst die Unterstufe absolvierten, bevor sie bis zum Abschluß ihrer Schulzeit Zentralschulen besuchten. Derartige Schulen entstanden auf Veranlassung des Sekretariats bzw. des Büros der SED-KL und des Rates des Kreises in verkehrstechnisch günstig gelegenen Dörfern des Kreises, in denen die Voraussetzungen für die Errichtung großer Schulbauten bestanden. Den Veränderungen im Schulwesen der DDR lag die Erkennntnis der SED-Führung zugrunde, nur mit gebildeten, auf die Linie der Partei eingeschworenen Menschen den Aufbau des Sozialismus weiterführen und vollenden zu können.

In den höheren Klassen der Zentralschulen wurde in modern ausgestatteten Klassenräumen generell fachspezifischer Unterricht gehalten. Zur Durchführung des Fachunterrichts standen dem Lehrerkollegium zumeist gutbestückte Fachkabinette zur Verfügung. Qualifizierte, mitunter speziell für einen Einsatz auf dem Land ausgebildete Lehrer sorgten in der Regel für eine niveauvolle Vermittlung des Unterrichtsstoffes.

Einen breiten Raum in der schulischen Ausbildung nahm die körperliche Ertüchtigung der Schüler ein. Allmählich entstanden auf dem Lande Turnsäle, Turnhallen, Kleinsportanlagen und Sportplätze. Im Sportunterricht erlernten die Schüler kostenlos das Schwimmen.

Auf sozialer Ebene wurden der heranwachsenden Generation im Schulbereich verschiedene Vergünstigungen zuteil. So konnten die Schüler in den Frühstückspausen kostenlos oder gegen ein geringes Entgelt Milch, in den Pausen zur Mittagszeit ein preisgünstiges Mittagessen einnehmen. Schüler aus kinderreichen Familien brauchten die Schulbücher nur teilweise oder überhaupt nicht zu bezahlen.

An unterrichtsfreien Nachmittagen gab es für die Schüler verschiedene Möglichkeiten, ihre Freizeit in der


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Schule sinnvoll und abwechslungsreich zu verbringen. Es stand den Schülern frei, an Arbeitsgemeinschaften ihrer Wahl teilzunehmen. In ihnen erhielten sie Wissen vermittelt, das den Unterrichtsstoff ergänzte oder über diesen hinausging. Die erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten kamen den Schülern oftmals in ihrem späteren Leben zugute.

Die Teilnahme der Schüler am Training von Schulsportgemeinschaften trug dazu bei, ihre sportlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu verbessern und ihre Willenskraft zu schulen. Nicht wenige erfolgreiche Leistungssportler der DDR erlernten das ABC ihrer Sportart in einer ländlichen Schulsportgemeinschaft, bevor sie an eine fast stets in den Bezirkshauptstädten ansässigen Kinder- und Jugendsportschulen delegiert wurden.

Die Schulbibliotheken konnten von allen Schülern genutzt werden. Die Beschäftigung mit Büchern half ihnen, den Unterrichtsstoff zu vertiefen, ihr Wissen zu erweitern und Lücken zu schließen. Letztere Aufgaben erfüllte ebenso der unentgeltliche Nachhilfeunterricht, den Lehrer, Hortner und teils befähigte Schüler durchführten.

Schüler der unteren Klassen, deren Eltern einen Beruf ausübten, verbrachten die Nachmittage im Schulhort. Unter Aufsicht von Hortnerinnen verrichteten sie ihre Hausaufgaben. Die "sozialistische" Erziehung fand hier ihre Fortsetzung.

Nach einem festen Turnus fanden an den unterrichtsfreien Nachmittagen "Pioniernachmittage" statt, die meistens haupamtliche Pionierleiter leiteten. Hier wurden den Schülern nicht nur freudvolle Stunden geboten, sondern auch schulische Probleme besprochen und die Schüler zum "Patriotismus" erzogen.

Schon in den unteren Klassen versuchten die Lehrer auf dem Lande bei ihren Schülern die Neigung zu wecken, später einen landwirtschaftlichen Beruf zu ergreifen. Besuche von LPG, VEG und MTS, auch kurzzeitige Arbeitseinsätze in diesen Einrichtungen sollten ihre Bemühungen unterstützen. Der ausgangs der fünfziger Jahre eingeführte polytechnische Unterricht für die oberen Klassen diente in Verbindung mit Werbegesprächen von leitenden Mitarbeitern von LPG, MTS, VEG und Gemeindevertretern demselben Zweck: Schulabgänger zur Aufnahme einer landwirtschaftliche Lehre zu bewegen. Derartige Bemühungen konnten nicht verhindern, daß ein großer Teil der Schüler nach Abschluß der Schule einer Lehre in der Stadt den Vorzug gegenüber einem Lehrverhältnis auf dem Lande gab. Die Schüler kannten die oft mißlichen Verhältnisse in LPG, MTS und VEG sehr wohl. Dieser Umstand und die teilweise sehr geringe Entlohnung in der Landwirtschaft bewirkten, daß sich viele von ihnen nicht dazu entschließen mochten, einen landwirtschaftlichen Beruf zu erlernen.

Den Schulen kam im System der ideologischen Beeinflussung der SED ein hoher Stellenwert bei. Der Unterrichtsauftrag der Lehrer erschöpfte sich nicht darin, den Schülern anwendungsbereites Wissen für ihren künftigen Berufsweg zu vermitteln. Er lautete gleichrangig, die Schüler zu "bewußten" Staatsbürgern zu erziehen, die kraft ihres Wissens und Könnens und ihrer politischen Überzeugung helfen sollten, den Sozialismus durchzusetzen. Der zweifelsfrei guten, ausgewogenen fachlichen Ausbildung stand gegenüber, daß den Schülern marxistisch-leninistisches Gedankengut regelrecht eingetrichtert und sie zu dogmatischem Denken und Handeln im Sinne der SED erzogen wurden. Eine derartig einseitige


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Ausrichtung diente letztlich der Verherrlichung und Verteidigung des Sozialismus und führte im Ergebnis zum Zusammenbruch der DDR.

3.4.1.4 Lehrlingsausbildung und Nachwuchsgewinnung

Der Ausbildung der Lehrlinge in der Landwirtschaft kam eine elementare Bedeutung für die Perspektive der sozialistischen Landwirtschaft zu. Schließlich sollten die jungen Menschen maßgeblich die zukünftige Entwicklung der LPG bestimmen. Von dem Niveau ihrer Ausbildung, der Qualität der ihnen vermittelten Fähigkeiten und Fertigkeiten, der Erziehung zur gewissenhaften Erfüllung der in dem gewählten Berufsstande zu erledigenden Aufgaben, hingen die allseitige Entwicklung der Genossenschaften und damit das der Dorfbevölkerung projizierte Erscheinungsbild der LPG ab.

Die Ausbildung von Landwirtschaftslehrlingen verlief in den ersten Jahren der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft im Kreis Haldensleben problematisch. Weder zentrale Ausbildungsbetriebe noch Lehrlingswohnheime waren vorhanden. Es fehlte an befähigten Ausbildern und nicht minder an Beispielen für die methodische Gestaltung der theoretischen und praktischen Ausbildung. Im Herbst 1952 erfolgte die Schulung von Landwirtschaftslehrlingen in der MTS Schackensleben und dem VEG Seggerde, den ersten Ausbildungsstätten im Kreis. Der Ausbildung lagen noch keine einheitlichen Plänen zugrunde. Es gelang noch nicht, die geforderte Einheit von Theorie und Praxis in der Ausbildung durchzusetzen. Da die VEG des Kreises konnten im Frühjahr 1953 aufgrund fehlender Kapazitäten die Ausbildung von Lehrlingen nicht ausschließlich tragen. Deshalb ging die Abteilung Berufsausbildung des Rates des Kreises daran, in von Großbauern verlassenen Gehöften, kleinere Ausbildungsstätten für Lehrlinge mit einem landwirtschaftlichen Berufsziel einzurichten.<1558>

Die SED-BL Magdeburg legte bereits in der Anfangsphase des Aufbaus des Sozialismus auf dem Lande Wert darauf, den Bedarf an leitenden Kadern in der Landwirtschaft durch junge Menschen aus der Landbevölkerung zu decken. Der von ihr erarbeitete Plan zur Beschickung der Arbeiter-und-Bauern-Fakultäten<1559>, sah im Jahre 1953 25 Prozent der in ihrem Zuständigkeitsbereich zu vergebenden 450 Plätze für die Kinder von Landarbeitern, LPG- und werktätigen Einzelbauern vor.<1560>

Im Kreis Haldensleben bemühte sich eine Werbekommission, die besten und “bewußtesten“ Töchter und Söhne von Genossenschaftsbauern, von MTS- sowie VEG-Arbeitern für ein derartiges Studium zu gewinnen.

Wie zu Beginn der Veränderungen auf dem Lande, erfolgte auch in den nächsten Jahren in den Genossenschaften keine kontinuierliche Lehrlingsausbildung. Diese Unterlassung lastete das Kreissekretariat der SED der Abteilung Berufsausbildung des Rates des Kreises an.<1561> Von ca. 9 000


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Lehrlingen im Kreis Ende des Jahres 1955 befanden sich etwa 300 in einem landwirtschaftlichen Lehrverhältnis, darunter nur ca. 30 in LPG.<1562>

Um mehr Schulabgänger für eine berufliche Ausbildung in LPG zu gewinnen, erarbeitete gleichfalls Ende 1955 die Abteilung Volksbildung des Rates des Kreises einen Werbeplan. Die Abteilung Berufsausbildung des Rates des Kreises wiederum suchte nach Möglichkeiten, mehr Jugendliche für das Ergreifen eines landwirtschaftlichen Berufes zu begeistern. Jede LPG sollte überprüfen, inwieweit sie Voraussetzungen zur Lehrlingsausbildung besaß. In Genossenschaften ohne qualifizierte Kräfte für die Ausbildung, galt es, geeignete Mitglieder zu gewinnen und zu schulen. Die fachlichen und menschlichen Defizite mancher “Ausbilder“ in LPG lassen unschwer erahnen, auf welchem Niveau sich zuweilen die Heranbildung der Lehrlinge zu Fachkräften vollzog.

Für das Jahr 1956 bestätigte die Abteilung Berufsausbildung des Rates des Bezirkes Magdeburg für den Kreis Haldensleben die Neueinstellung von 83 Lehrlingen in der Landwirtschaft.<1563> Bedenkt man, daß es sich bei dem Kreis Haldensleben um einen territorial relativ großen Kreis mit überwiegend landwirtschaftlicher Struktur handelte, so erscheint diese Zahl als ungenügend. Da vorerst in 24 von 53 LPG des Kreises die objektiven Voraussetzungen für eine vertretbare Lehrlingsausbildung bestanden, hielt es die Abteilung Berufsausbildung des Rates des Kreises für angebracht, im Jahre 1957 lediglich 53 Lehrlinge einzustellen.<1564> Von diesen sollten 23 im Acker- und Pflanzenbau, 20 in der Tierpflege und 10 in der Buchhaltung eine Facharbeiterausbildung erhalten.<1565>

Der akute Arbeitskräftemangel in den LPG des Kreises mag die Abteilung Berufsausbildung im Herbst 1956 veranlaßt haben, den bestehenden Ausbildungsplan nach oben zu revidieren und auf 228 Lehrlinge in den genannten Berufsrichtungen zu erweitern.<1566> Sie empfahl,

75 Lehrlinge im Lehrlingswohnheim Uhrsleben, die Mehrheit von 153 Lehranfängern aber hauptsächlich in LPG ausbilden zu lassen.<1567>

Im Herbst 1957 erarbeitete die Abteilung Landwirtschaft gemeinsam mit der Abteilung Volksbildung des Rates des Kreises einen Maßnahmeplan zur Gewinnung von Lehrlingen für die LPG. Erste Auswirkungen ihrer Bemühungen traten Anfang 1958 zutage. Angefangen von den 7. bis hinauf zu den 12. Klassen bildeten die Schulleitungen der Zentral-, Mittel- und Oberschulen des Kreises Schülerbrigaden. Sinnvoll verteilt, wurden sie über das Jahr hinweg zu landwirtschaftlichen Arbeiten vorwiegend in LPG eingesetzt. Die Abteilung Volksbildung des Rates des Kreises hielt die Lehrer dazu an, bei möglichst vielen Schülern die Bereitschaft zum Erlernen eines landwirtschaftlichen Berufes zu wecken. Sie verpflichtete die Leitungen aller Schulen, mit den Schülern der Klassen 5 bis 12 in jedem Quartal einmal den


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Betriebsablauf einer LPG, MTS oder eines VEG in Augenschein zu nehmen.<1568> Im Rahmen der Besichtigungen sprachen befähigte Genossenschaftsbauern bzw. MTS-Angehörige mit den Schülern über ihre Arbeit mit der Absicht, bei diesen Neigung und Interesse für eine Tätigkeit in der Landwirtschaft zu wecken.

Wie Augenzeugen berichteten, führten derartige Bildungsbesuche zuweilen zu anderen als den beabsichtigten Resultaten: Die jungen Menschen fühlten sich mitunter von den Zuständen in LPG und MTS abgeschreckt und suchten nunmehr entschieden nach einer Chance, beruflich vom Lande wegzukommen.

Die Abteilung Berufsausbildung des Rates des Kreises forderte MTS und LPG weiter auf, die Anleitung der Schüler bei der Arbeit in den Schulgärten zu verbessern und methodisch inhaltsvoller zu gestalten. Zur Behebung des Mangels an Arbeitskräften in LPG bedürfe es eigener, dauerhafter Bemühungen der Genossenschaften. Um die schulpflichtigen Kinder der Genossenschaftsbauern für das Erlernen eines landwirtschaftlichen Berufes zu gewinnen, nahmen die Vorstände der LPG zweimal jährlich zu Fragen der Nachwuchsgewinnung und der Berufsausbildung in den Genossenschaften vor dem Rat des Kreises Stellung. Sie luden dazu die Lehrkräfte der oberen Schulklassen ein.

In der Endphase der LPG-Bildung benötigte die Vielzahl der soeben gegründeten Genossenschaften dringend jede Arbeitskraft, insbesondere entwicklungsfähige junge Menschen. Sie fanden sich auch in den Dörfern des Kreises Haldensleben in hinreichender Anzahl. Zwecks langfristiger Bindung dieser Kräfte an das Dorf und um Heranwachsende für eine Tätigkeitsaufnahme in LPG zu gewinnen, bedurfte es interessanter, fordernder Arbeitsaufgaben in der Großraumwirtschaft. Zu deren Meisterung genügte das bisherige theoretische Wissen bzw. praktische Können der jungen Genossenschaftsbauern nicht mehr vollauf. Deshalb entstand auf Anregung des Büros der SED-KL im März 1960 in Zusammenarbeit zwischen der MTS Weferlingen, den LPG dieses MTS-Bereiches, den Blockparteien und Massenorganisationen in Weferlingen die erste “Jugenduniversität“ des Kreises. Sie vermittelte 170 jugendlichen Genossenschaftsmitgliedern in Theorie und Praxis die Anwendung moderner Technik und neuere wissenschaftliche Erkenntnisse in Ackerbau und Viehzucht.<1569> Dieses Musterbeispiel sollte in allen MTS-Bereichen des Kreises baldige Nachahmung und weitere Vervollkommnung finden.

3.4.2 Die Kultur auf dem Lande

3.4.2.1 Die kulturelle Massenarbeit in den Dörfern des Kreises Haldensleben

In Verfolgung der kulturpolitischen Zielsetzungen der Parteiführung überdachte das Sekretariat der SED-KL Haldensleben nach der 2. Parteikonferenz der SED seine bisherige Arbeitsweise auf kulturellem Gebiet und setzte neue Prioritäten für seine Arbeit. Unmittelbar nach dem Beginn des Aufbaus des Sozialismus auf dem Lande verlangte es von allen Bürgermeistern Anstrengungen zu unternehmen, um in


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jedem Dorf eine Kulturstätte zu errichten, die vielfältige kulturelle Betätigungen ermöglichte. Dabei sei auf die beschleunigte Errichtung von Kulturstätten in der Sperrzone zu achten. Sie sollte helfen, ideologische Einflüsse aus der Bundesrepublik Deutschland einzudämmen. Ein anderer Grund für die Verbesserung des Kulturangebots bestand darin, die nach den Grenzsicherungsmaßnahmen vom Mai 1952 im Grenzgebiet verbleibenden Menschen dort zu halten.<1570>

Anfang des Jahres 1953 bestanden im Kreis Haldensleben 52 Jugendzimmer in Gemeinden mit und ohne Genossenschaft.<1571> Modernisierte Jugendstätten gab es in 10 Grenzgemeinden.<1572> Hier konnte sich die Landjugend kulturell betätigen, sich gedanklich austauschen oder kleinere gesellige Veranstaltungen ausrichten. Ungeachtet einer gewissen Freizügigkeit bestimmten die OPO der SED, sozusagen mit “langer Leine“, Inhalt und Richtung der kulturellen Aktivitäten in den Dörfern. In jenen Jahren ging es dem Kreissekretariat vorrangig darum, der Jugend sozialistisches Ideengut nahezubringen, sie für das Neue auf dem Lande einzunehmen und durch die Gestaltung eines interessanten Jugendlebens der Abwanderung Jugendlicher vom Land in die Stadt vorzubeugen. Dies gelang bedingt. Die komplexen Gründe hierfür sind zuvor dargelegt worden.

Auf einer Sekretariatssitzung zu Beginn des Jahres 1953 regte die KL an, in der LPG Ackendorf ein “kulturelles Beispiel“ zu schaffen. Sie erwartete, es würde von anderen LPG bzw. Dörfern aufgegriffen werden. Desweiteren legte das Sekretariat fest, im Februar 1953 eine Kulturkonferenz mit ländlichen Kulturfunktionären durchzuführen. Das Anliegen dieser Konferenz sollte darin bestehen, die Funktionäre auf die kulturpolitische Linie der Parteiführung "einzuschwören" und erste Erfahrungen bei dem Bemühen um die Belebung der Kulturarbeit auf dem Lande auszutauschen. Der Rat des Kreises schaltete sich aktiv in die Kulturarbeit auf dem Lande ein. Er plante, sämtliche Kulturfunktionäre alle vier Wochen unter der “Obhut“ der Abteilung Kultur des Rates des Kreises zur Erteilung von Instruktionen und zum Gedankenaustausch zusammenzufassen.

Der IV. Parteitag der SED vom Frühjahr 1954 stellte den Kreisparteiorganisationen auf kulturpolitischem Gebiet u. a. die Aufgabe, die kulturelle Massenarbeit auf dem Lande allseitig zu verbessern. Um diese Forderung durchzusetzen, kontrollierte auf Veranlassung des Sekretariats eine Brigade von Instrukteuren der KL der SED im Juli 1954 die Kulturarbeit in den Gemeinden des Kreises Haldensleben. Ihre Erkenntnisse verschafften dem Sekretariat der KL einen Überblick über den gegenwärtigen Stand des kulturellen Geschehens auf dem Lande. Die Brigade stellte fest, daß in den Gemeinden mit einer LPG in regelmäßigen Abständen Spielfilme politisch-ideologischen Inhalts zur Aufführung gelangen würden. Ansonsten kranke aber die gesamte Kulturarbeit an mangelhafter Organisation. Fehlender Finanzen wegen wäre es nicht möglich, neue Kulturstätten zu errichten oder namhafte Künstler für Auftritte zu gewinnen. Die Analyse des Brigadeeinsatzes sollte den Ausgangspunkt für eine künftig aktivere und gezieltere Kulturpolitik der SED-KL auf dem Lande bilden. Das Ergebnis lautete: Nur durch den planmäßigen Einsatz und die Bündelung der Kräfte des Kulturbundes, der Gesellschaft für Deutsch-


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Sowjetische-Freundschaft (DSF), der Volkshochschule, der Kreislichtspiele, der Kulturgruppen der Betriebe, der Ober- und Fachschulen, der FDJ und der Jungen Pioniere (JP) könne eine merkliche Belebung der Kulturarbeit im Kreisgebiet erreicht werden.

Wie eine Überprüfung durch die Kreisparteikontrollkommission (KPKK), ebenfalls im Sommer 1954, ergab, entwickelte sich in der Gemeinde Calvörde ein reges kulturelles Leben. Dort bestanden unter anderem ein Pionierorchester, je eine Blockflöten-, Mandolinen-, Gitarren-, Akkordeon- und Geigengruppe sowie eine Volkstanz- und Laienspielgruppe.

In dieser Zeit bildeten sich die ersten Patenschaftsbeziehungen zwischen Arbeitern und Genossenschaftsbauern auf kultureller Ebene heraus. Die Haldenslebener Sandwerke und verschiedene LPG des Kreises vereinbarten zur Förderung ihrer Beziehungen, sich wechselseitig zu Kulturveranstaltungen einzuladen.

Eine Anordnung des Ministerrates der DDR vom Frühjahr 1956 sah zur Verbesserung der kulturellen Arbeit auf dem Lande die Bildung von Beiräten für Kultur und Volksbildung in den MTS vor. Demnach bestand die Aufgabe aller Beiräte darin, ein allseitig auf dem Gebiete der Kultur arbeitendes Gremium zur Veränderung der Kulturarbeit auf dem Lande und ein Instrument zur Einflußnahme auf die Produktionssteigerung in der Landwirtschaft zu sein. Im Herbst 1956 bestanden erst in den MTS-Bereichen Klüden, Ostingersleben und Rätzlingen Beiräte für Kultur. Von ihnen gingen - wenn überhaupt - wenige Anregungen zur Belebung der Kultur- und Bildungsarbeit aus. In den anderen Bereichen liefen die Vorbereitungen für ihre Gründung.

Die 3. Parteikonferenz der SED Ende März 1956 verwies auf die Bedeutung der Kulturarbeit für die Herausbildung einer neuen Einstellung zur Arbeit, für das Verhältnis zum genossenschaftlichen Eigentum, ja für die Erziehung der DDR-Bevölkerung zum sozialistischen Bewußtsein überhaupt. Ausgehend von diesen Maximen, nahm Ende Oktober 1956 die Abteilung Kultur des Rates des Kreises eine Einschätzung der kulturellen Massenarbeit im Kreise und der Wirksamkeit der MTS-Beiräte für Kultur vor.<1573> Sie stellte fest, den mit der Veränderung der gesellschaftlichen Bedingungen gewachsenen kulturellen Ansprüchen der Bevölkerung in Stadt und Land hätten SED-KL und Rat des Kreises Rechnung getragen. Nach dem Umbau des “Volksparks“ in Haldensleben fänden in diesem Hause ständig Theateraufführungen statt, die “Deutsche Gastspieldirektion“ wäre monatlich präsent. In verschiedenen Gemeinden hätten sich junge Menschen in Volkstanzgruppen zusammengefunden.<1574> In Hödingen, Nordgermersleben und Vahldorf wären kommunale Kulturhäuser errichtet worden, die mit ihren Veranstaltungsplänen an die kulturellen Wünsche der Landbevölkerung anknüpften. Das neugeschaffene FDGB-Kulturhaus in Flechtingen sowie die renovierten Klubhäuser der FDJ und der Jungen Pioniere in Haldensleben würden sich regen Zuspruchs erfreuen.

Ein Beschluß des Ministerrates der DDR von Anfang Mai 1956<1575> beauflagte die Räte der Kreise, in den


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jeweiligen MTS-Bereichen schrittweise bis zum 31. Dezember 1956, Außenstellen der Abteilung Kultur der Räte der Kreise einzurichten. Der Rat des Kreises Haldensleben stand nun vor dem Problem, geeignete Außenstellenleiter zu finden. Deren Einsatz sollte im Einvernehmen mit den MTS-Leitungen erfolgen.

Dem Film kam in jenen Jahren nicht Unterhaltungswert zu, sondern er diente ganz wesentlich der Verbreitung sozialistischen Kulturgutes und der ideologischen Beeinflussung der Landbewohner im sozialistischem Sinne. Die SED-KL Haldensleben verstand es, das Medium "Film" geschickt zu nutzen. In kurzer Zeit entstanden auf seine Veranlassung hin mehrere neue Spielstätten. Der Kreislichtspielbetrieb unterhielt im Herbst 1956 sieben stationäre sowie acht mobile Anlagen mit 2 414 Sitzplätzen.<1576> An festen Häusern gab es drei in Haldensleben und je eines in Calvörde, Erxleben, Schackensleben und Weferlingen.<1577>

Von den 71 Gemeindebibliotheken im Kreis - hinzu kamen sieben MTS-Bibliotheken, nähere Angaben über sie fehlen - arbeiteten der Einschätzung der Abteilung Kultur nach 25 Prozent sehr gut, 50 Prozent gut und 25 Prozent unbefriedigend.<1578>

Das Kreisheimatmuseum, das steigende Besucherzahlen verzeichnete, plante für die nähere Zukunft eine Vielzahl von Veranstaltungen.

Als noch ungelöste Probleme bezeichnete die Abteilung Kultur des Rates des Kreises in ihrem Informationsbericht vom Herbst 1956 über die kulturelle Massenarbeit im Kreis Haldensleben die verbesserungsbedürftige kulturelle Betreuung der Gemeinden entlang der Demarkationslinie und die Berücksichtigung der Forderungen nach Erneuerung der kulturellen Einrichtungen in verschiedenen Landgemeinden.<1579>

Auf einer turnusmäßigen Sitzung im Herbst 1957 verwies das Büro der SED-KL zum wiederholten Male auf die Bedeutung der Kulturarbeit für den Aufbau des Sozialismus. Sie sei ein wichtiger Bestandteil der politischen Massenarbeit zur Verwirklichung der ökonomischen und politischen Ziele des zweiten Fünfjahrplans. In diesem Zusammenhang wäre es notwendig, sich prinzipiell mit allen Erscheinungen und Auswirkungen der bürgerlichen Ideologie auseinanderzusetzen. Insbesondere träfe dies auf die Dekadenz im kulturellen Bereich zu. Die Rolle und Bedeutung der Kulturarbeit, vornehmlich der Kunst und kulturellen Massenarbeit, würden noch von vielen ländlichen GO der SED unterschätzt. Daher hielt es das Büro der KL zur Absicherung der politischen Kontrolle der Kulturarbeit durch die Partei für unerläßlich, sich offensiv über die Durchsetzung der Prinzipien der sozialistischen Kulturpolitik in den Parteigruppen der KL, des Kulturbundes sowie in den Einrichtungen der staatlichen Organe auseinanderzusetzen.<1580>


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Zur Erfüllung seiner kulturpolitischen Vorhaben legte das Büro der KL fest, eine Kulturkommission bei der KL zu bilden. Sie hatte ein Grundsatzprogramm zur Durchsetzung der sozialistischen Kulturpolitik im Kreis zu erarbeiten. Die erste Aufgabe dieser Kommission bestand darin, dem Büro der SED-KL zu Beschlüssen des ZK Maßnahmen zu unterbreiten. Diese sollten die Erfüllung der politischen und ökonomischen Aufgaben mit wirkungsvoller Unterstützung von Mitteln der Kunst, Literatur und kulturellen Massenarbeit gewährleisten.

Kulturpolitische Probleme gewannen auf den Sitzungen des Büros der KL und des Rates des Kreises gegen Ende der fünfziger Jahre zunehmende Beachtung. Im Januar 1958 erklärte der Rat des Kreises, das Anliegen aller kulturellen Bestrebungen auf dem Lande sei es, “durch die Verbesserung der massenpolitischen Arbeit der hierfür verantwortlichen Institutionen und die Verbesserung der Organisation auch bisher noch abseitsstehende Teile der Bevölkerung für die sozialistische Kultur zu gewinnen."<1581> Die Durchsetzung der Prinzipien der sozialistischen Kultur im Kreis Haldensleben werde dazu beitragen, die ökonomischen und politischen Aufgaben besser zu verwirklichen. Bei der Aufstellung der Dorfpläne durch die örtlichen Volksvertretungen müsse die Bevölkerung, auch was den kulturellen Bereich anginge, unbedingt einbezogen werden.<1582> Die Einbindung breiter Teile der Landbevölkerung in die Kulturarbeit hänge weitgehend davon ab, wie es die Beiräte für Kultur und Volksbildung bei den MTS und die Ständigen Kommissionen für Kultur, Volksbildung, Jugendfragen und Sport bei den örtlichen Volksvertretungen verständen, die Landbevölkerung für die Mitwirkung bei der Gestaltung des Kulturlebens ihrer Dörfer zu interessieren und zu gewinnen.

Verschiedene Gemeinden des Kreises Haldensleben verzeichneten im Winter 1958 Fortschritte in ihrem Bemühen, die Kultur auf dem Lande heimisch werden zu lassen:

Die Vertrauensleutevollversammlung der Gewerkschaft Land und Forst - diese Gewerkschaft zeichnete für die kulturelle Entwicklung auf dem Lande mitverantwortlich - äußerte sich im Frühjahr 1958 dennoch kritisch zur Kulturarbeit. Diese werde vernachlässigt, obwohl “... die Kulturarbeit ein entscheidender Faktor bei der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft und in der sozialistischen Umerziehung unserer


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Menschen ist.“<1584>

Ende Oktober 1958 beschloß der Rat des Kreises die Bildung eines Beirates für kulturelle Massenarbeit.<1585> Er glaubte, mit dieser Maßnahme die Grundzüge einer sozialistischen Kulturpolitik unter staatlicher Leitung konsequenter durchsetzen zu können.<1586>

Im Juni 1959 betonte das Büro der SED-KL, die kulturelle Massenarbeit trage zur Lösung der wirtschaftlichen und politischen Hauptaufgabe bei. Ein reiches, “... vielfältiges kulturelles Leben vermittelt den Werktätigen Freude, Unterhaltung und Entspannung und trägt dazu bei, schöpferische Initiativen zu wecken.“<1587> Mit dieser Feststellung unterstrich es nochmals den Stellenwert, den es einer von der Bevölkerung angenommenen Kulturpolitik beimaß.

In einem Bericht der Abteilung Kultur des Rates des Kreises über die Entwicklung der sozialistischen Kulturpolitik im Kreis Haldensleben und die Verwirklichung des Beschlusses der 1. Kreiskulturkonferenz der SED<1588> von Ende Juni 1959 wurde gefordert, alle Werktätigen müßten lernen, sämtliche Mittel der kulturellen Massenarbeit für die Formierung ihrer Persönlichkeit im sozialistischen Sinne besser zu nutzen. Sie sollten sich engagierter bemühen, ihr kulturelles Niveau zu erhöhen, um wirksamer beim Aufbau des Sozialismus zu helfen. Der Beirat für kulturelle Massenarbeit habe sich in seinem knapp dreivierteljährigem Bestehen als eine neue Form der staatlichen Leitungstätigkeit bewährt, hieß es dort weiter.<1589> Seine Bestrebungen könnten noch günstigere Ergebnisse zeitigen, wenn die Ständige Kommission für kulturelle Zusammenarbeit des Rates des Kreises engeren Kontakt mit ihm aufnehmen würde.<1590> Die Kommission arbeite nicht operativ und planmäßig genug mit der Landbevölkerung zusammen.

Außerdem wurde in dem Bericht verlangt, die GO der SED in den Dörfern müßten stärker als bisher ihre führende Rolle auf kulturellem Gebiet durchsetzen. Dazu sei es notwendig, eine Kulturkommission bei der KL der SED zu bilden und die Arbeit der Parteigruppen in den Volksvertretungen, kulturellen Einrichtungen und Volkskunstgruppen zu verbessern. Die Leitungen der GO der SED auf dem Lande, die Leitungen der Massenorganisationen und die Gemeindevertretungen müßten sich allseitig und prinzipiell mit Fragen der Kultur und ihrer Bedeutung für die Lösung der gegenwärtigen politischen und ökonomischen Aufgaben auf dem Lande befassen.


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Auf Empfehlung der IV. LPG-Konferenz<1591> formierten sich bei den MTS Beiräte für Kultur und Volksbildung. Von ihnen verlangten das Büro der SED-KL und der Rat des Kreises ab dem Sommer 1959 einen umfassenderen Beitrag bei der Herausbildung eines sozialistischen Kulturlebens auf dem Lande. Die Beiräte konnten erst dann sachkundige Anleitung erfahren, wenn in jedem MTS-Bereich ein Außenstellenleiter der Abteilung Kultur als Sekretär des jeweiligen MTS-Beirates für Kultur und Volksbildung arbeiten würde. In jenen Jahren gab es im Kreis Haldensleben angeblich nur in unzureichender Zahl befähigte Kader, die diese Positionen auszufüllen vermochten.<1592> Unter diesen Gegebenheiten ist es nachvollziehbar, wenn es zwischen den Ständigen Kommissionen für Volksbildung, kulturelle Massenarbeit, Jugendfragen und Sport der Gemeindevertretungen und den Beiräten für Kultur und Volksbildung bei den MTS zu keiner engen Zusammenarbeit kam.

Bei der Wichtigkeit, die das Büro der SED-KL und der Rat des Kreises der kulturellen Entwicklung im Kreisgebiet beimaßen, überrascht der Vorschlag des Rates des Kreises vom Herbst 1959. Er sah vor, den Kulturetat mit der Zustimmung der Gemeinden und der Abteilung Kultur um 50 000 DM zu senken.<1593> Wenig später erfolgte in Abstimmung mit dem Rat des Bezirkes eine nochmalige Kürzung um 81 400 DM.<1594> Knappe Finanzen und nicht etwa eine abrupt veränderte Betrachtungsweise der Bedeutung der Kulturarbeit dürften als Gründe für diese drastischen Beschneidungen infrage kommen. Andererseits würde das Büro der SED-KL auf seiner Sitzung am 28. März 1960 schwerlich erklärt haben, der Kulturarbeit käme entscheidende Bedeutung für die Produktionssteigerung, die Erhöhung der Arbeitsproduktivität und die Festigung der LPG zu.<1595> Der Sekretär für Agitation und Propaganda der KL legte auf dieser Sitzung dar, die rasante Entwicklung der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft erfordere ein verändertes Vorgehen zur Durchsetzung der kulturpolitischen Ziele der Partei im Kreis. Es gelte, die Enge der Kulturarbeit zu überwinden. Sie müsse vielseitiger und realitätsbezogener gestaltet werden. Gelänge dies, dann würden positive Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion nicht ausbleiben.

In dem Bericht "Der Stand der sozialistischen Kulturpolitik im Kreis Haldensleben unter besonderer Beachtung der Entwicklung der kulturellen Massenarbeit, vor allem der kulturellen Selbstbetätigung der Werktätigen"<1596> des stellvertretenden Vorsitzenden des Rates des Kreises vom 7. März 1960 wird festgestellt, mit Hilfe der Arbeitsgruppe Kultur der gemeinsamen Kommission "10 Jahre DDR" wäre es gelungen, in fast allen Gemeinden des Kreises ein reges Kulturleben zu entfalten. Kulturelle Fragen würden heute in vielen Gemeinden als bedeutender Teil der politischen Massenarbeit angesehen und behandelt werden. Dennoch sei die Entwicklung eines reichen und vielgestaltigen Kulturlebens hinter dem Tempo der ökonomischen Veränderungen zurückgeblieben.<1597> Die Kulturpolitik des Kreises würde zu


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wenig in die Aufgabenstellungen von Partei und Regierung einbezogen.<1598>Wie in den Vorjahren nähmen die Parteileitungen auf dem Lande - ob nun die von MTS, LPG oder VEG - ihre führende Rolle auf kulturellem Gebiet nicht vollauf wahr. Jetzt müsse alles getan werden, so hieß es, “um das kulturelle Niveau unserer Menschen weiter zu erhöhen, um sie damit zu befähigen, als allseitig gebildeter Mensch noch wirksamer die Entwicklung zum Sieg des Sozialismus zu beeinflussen.“<1599> Die Sekretäre der KL in den MTS hätten entsprechend eines Beschlusses regelmäßig die kulturelle Entwicklung innerhalb ihres Bereiches einzuschätzen und auf den Stützpunktberatungen mit den Parteisekretären von LPG und VEG für die Erörterung kulturpolitischer Fragen zu sorgen.<1600> Dieser Beschluß sei ungenügend verwirklicht worden, wird in diesem Bericht kritisch angemerkt.<1601> Im übrigen bewies der stellvertretende Vorsitzende des Rates des Kreises ungewöhnliche Zivilcourage. Er hielt dem Büro der KL und dem Rat des Kreises in seinem Bericht vor, sie verständen es in ihrer gesamten Leitungstätigkeit nicht ausreichend, die Schwerpunktaufgabe “Landwirtschaft“ ausgewogen im Zusammenhang mit den Aufgaben der Ideologie und Kultur zu lösen.

Die Abteilung Kultur des Rates des Kreises Haldensleben zeigte sich im Frühjahr 1960 einzig mit dem Agieren der AG “Bildende Kunst“ zufrieden. Sie habe sich nicht nur künstlerisch betätigt, sondern die Mitglieder hätten über ihre Werke mit den Genossenschaftsbauern diskutiert und sich dabei kritisch auseinandergesetzt. Den Volkskunstgruppen empfahl sie, Parteigruppen zu bilden, um die anvisierten kulturpolitischen Ziele schneller und in höherer Qualität zu erreichen. Freilich auch, um die Mitglieder zu disziplinieren und stets ein mit den kulturpolitischen Intentionen der Partei übereinstimmendes Programm darzubieten.<1602> Die Abteilung Kultur mißbilligte die Arbeitsweise der MTS-Beiräte für Kultur und Volksbildung. Sie stellte fest, sie “haben ihre Aufgaben in unserem Kreis nicht erfüllt.“<1603> Gleiches träfe für die Ständigen Kommissionen Volksbildung, Kultur, Jugendfragen und Sport bei den Gemeindevertretungen zu. Die Hauptursache für deren Versagen sei in der mangelnden Unterstützung durch die MTS-Leitungen bzw. fehlender Initiative der Bürgermeister zu suchen. Die Mitglieder der genannten Kommissionen - diese Feststellung sei der Objektivität halber getroffen - unterließen mitunter jegliche Anstrengungen, ihre Vorhaben eigenständig zu realisieren. Die Ständige Kommission für kulturelle Massenarbeit des Kreistags mußte sich das Armutszeugnis ausstellen lassen, trotz verschiedener Anläufe, im März 1960 noch immer nicht arbeitsfähig zu sein. Überhaupt, so ist weiter in o. g. Bericht vermerkt, sei es typisch für die Ständigen Kommissionen des Kreistags, die Bedeutung der kulturellen Massenarbeit für die Erfüllung der ökonomischen Aufgaben zu unterschätzen.<1604>


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Diesem Negativbeispiel reiht sich noch ein anderes an. Schon im Juni 1959 legten Mitarbeiter der Abteilung Kultur des Rates des Kreises dem Büro der KL dar, es fehle den Gemeinden an einer ständigen, ausgewogenen Anleitung auf kulturellem Gebiet. Zur Änderung dieses ihrer Meinung nach untragbaren Zustandes beabsichtigte das Büro der KL, Außenstellenleiter für Kultur in jedem MTS-Bereich einzusetzen. Obschon sie zu diesem Zeitpunkt längst mit ihrer Tätigkeit begonnen haben sollten, konnte das Büro der KL bis zum Frühjahr 1960 keine geeigneten Kader für die inhaltliche Gestaltung der kulturpolitischen Arbeit in den MTS-Bereichen gewinnen. Das führte dazu, daß die Kulturarbeit in einer Reihe von Gemeinden ein Schattendasein führte.

Nach Abschluß der LPG-Bildung im Kreis Haldensleben entwickelten das Büro der KL und die Abteilung Kultur des Rates des Kreises, die ländlichen Parteiorganisationen und die Gemeindevertretungen in den Dörfern des Kreises verschiedene Initiativen zur Belebung der Kultur auf dem Lande. Sie sollten kulturelle Bedürfnisse der Landbevölkerung wecken und

befriedigen, die Kultur in ihrer Vielfalt auf dem Lande heimisch werden lassen und zu einem solchen Faktor gestalten, der spürbar die Produktion der LPG stimulierte. Die Ergebnisse differierten von Gemeinde zu Gemeinde.

3.4.2.2 Die Dorfklubs

Die Dorfklubs galten an der Wende der fünfziger zu den sechziger Jahren aus parteipolitischem Blickwinkel als neue Formen der kulturellen Massenarbeit in den Dörfern, als sichtbarer Ausdruck des Zusammenwirkens aller Parteien, Massenorganisationen und Institutionen des Kreises auf kulturellem Gebiet. Sie sollten vordergründig Stätten der kulturellen Selbstbetätigung der Landbevölkerung sein. Tatsächlich sah die SED-KL in der Bildung von Dorfklubs eine weitere Möglichkeit, auf die Entwicklung sozialistischer Denk- und Verhaltensweisen unter den Dorfbewohnern Einfluß zu nehmen.

Im Frühjahr 1960 bestanden in 11 Gemeinden des Kreises Haldensleben Dorfklubs, die das kulturelle Leben - unter politischer Akzentuierung - in und im Umkreis dieser Gemeinden anregten und bereicherten.<1605> Ca. 270 ehrenamtliche Mitarbeiter wirkten in ihnen mit. In Nordgermersleben beispielsweise entwickelte sich aus einem Männerchor ein Volkskunstensemble mit gemischtem Chor sowie eine Laienspiel- und Volkstanzgruppe, die rund 85 Mitglieder umfaßte.<1606> Dieser Dorfklub führte - wie andere - mehrfach Treffen “Junger Talente“ durch, auf denen die Dorfjugend einer größeren Zuhörerschaft ihre bisher verborgenen musischen Fähigkeiten demonstrieren konnte.<1607> Dennoch ist der in einem Bericht über den Stand der sozialistischen Kulturpolitik Anfang März 1960 getroffenen Aussage, die Dorfklubs würden “... immer besser zu organisierenden Zentren des kulturellen Lebens in unseren


315

Dörfern werden“, keine volle Gültigkeit beizumessen.<1608>

Wenig später traf eine Kulturkommission der SED-KL nämlich die das Vorhergesagte einschränkende Feststellung, die Mehrzahl der Dorfklubs arbeite “... noch wenig erfolgreich.“<1609> Sie begründete ihre Feststellung mit der unzureichenden Unterstützung der Ausschüsse der Nationalen Front bei der Bildung und Festigung von Dorfklubs. Es sei deshalb notwendig, die Anleitung der Dorfklubs effektiver zu gestalten und sie zu befähigen, im Sommer 1960 niveauvolle Dorffestspiele durchzuführen.

Trotz verschiedener Abstriche an der Arbeitsweise der Dorfklubs und ihrer Instrumentalisierung durch die SED kamen sie dennoch den kulturellen Interessen und Ansprüchen der Landbevölkerung in gewissem Maße entgegen.<1610> Vornehmlich in den sechziger Jahren stellten sie - ungeachtet mancher “Aber“ - einen gewichtigen Schritt auf dem Wege der Verbannung der Kulturlosigkeit aus den Dörfern dar.


Fußnoten:

<987>

Vgl. Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik I 1955, im folgenden GBl.; Nr. 106, S. 905-916.

<988>

Unter die Kategorie “Mittelbauernbetriebe“, also Betriebe einer Größenordnung von fünf bis 20 ha, fielen im Jahre 1956 36 % aller Einzelbauernwirtschaften in der DDR. Vgl. Noziczka, L. , Probleme der Gewinnung der Mittelbauern für die genossenschaftlich-sozialistische Produktion, in: Aspekte der Geschichte der Agrarpolitik der SED, Leipzig 1988, S. 40. Sie bearbeiteten 42,7 % der LN der DDR. Vgl. ebenda. Teilweise beschäftigten sie fremde Arbeitskräfte, deren Zahl die familieneigenen aber nicht übersteigen durfte.

<989>

Unsere Pläne sind Kampfziele, in: Neues Deutschland, B, 27. 2. 1958 . Vgl. dazu Schulz, D. , "Kapitalistische Länder überflügeln", Die DDR-Bauern in der SED-Politik des ökonomischen Wettbewerbs mit der Bundesrepublik von 1956 bis 1961, hefte zur ddr-geschichte, 16, S. 6, Anmerkung 6.

<990>

Vgl. Kapitalistische Länder überflügeln, in: Neues Deutschland, B, 11. 2. 1956. Der geplante Zuwachs in der landwirtschaftlichen Bruttoproduktion von 58,1 % konnte nur mit 51,4 % realisiert werden. Außer bei Eiern wurden die Kennziffern aller pflanzlichen und tierischen Produkte nicht erreicht. Vgl. Schulz, D. , “Kapitalistische Länder ...“, a. a. O. , S. 7.

<991>

Schulz, D. , “Kapitalistische Länder ...“, a. a. O. , S. 7.

<992>

Die Parteiführung plante mit staatlichen Mitteln in Milliardenhöhe, bis 1960 einen Mechanisierungsgrad von 80 % zu erreichen. Vgl. Der zweite Fünfjahrplan und der Aufbau des Sozialismus in der Deutschen Demokratischen Republik, Referat des Ersten Sekretärs des Zentralkomitees der SED, Walter Ulbricht, auf der 3. Parteikonferenz , in: Neues Deutschland, B, 25. 3. 1956, Sonderdruck, S. 31.

<993>

Vgl. Schulz, D. , “Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 7.

<994>

Vgl. Vieweg, K. , Bemerkungen zu den 17 “Produktionszonen“ der DDR, in: Die deutsche Landwirtschaft, Nr. 1/1955, S. 2 ff und Zierold, R. , Welche Bedeutung hat die Standortverteilung der landwirtschaftlichen Produktion?, in: Das demokratische Dorf, Nr. 10/1956, S. 12 ff.

<995>

Vgl. Schulz, D. , “Kapitalistische Länder ...“, a. a. O. , S. 8.

<996>

Vgl. Horz, G. , Die Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands unter besonderer Berücksichtigung des sowjetischen Vorbildes: Ziele-Methoden-Wirkungen, Berlin (W) 1960, S. 125.

<997>

Vgl. GBl. II 1956, Nr. 33, S. 281 und Beschluß der 10. Sitzung des Zentralvorstandes der VdgB (BHG) am 16. und 17. 11. 1955 in Berlin, in: Das demokratische Dorf, Nr. 1/56, Beilage, S. 5; Heidel/Schmidtke, Eine wichtige Lehre aus den MTS-Konferenzen mit den ständigen Arbeitsgemeinchaften, in: Das demokratische Dorf, Nr. 2/57, S. 8; Mückenberger, E. , Der Kampf der Sozialistischen Einheitspartei für die Festigung des Bündnisses der Arbeiterklasse mit der werktätigen Bauernschaft, Berlin (O) 1956, S. 40 ff; Kuhrig, H. , Die Aufgaben und die Arbeitsweise unserer Maschinen- und Traktoren-Stationen, in: Einheit, Nr. 5/57, S. 567.

<998>

Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 10.

<999>

Die IV. LPG-Konferenz, a. a. O. , S. 72.

<1000>

Vgl. Schulz, D. ,"Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 10.

<1001>

Vgl. ebenda.

<1002>

Vgl. Volksstimme, Magdeburg, 8. 12. 1956. Auf derselben Tagung verlangte Ulbricht, den Zusammenschluß von Bauern in LPG fortzuführen, die Genossenschaften zu festigen und ihre nnenmechanisierung auf ein höheres Niveau zu heben. Vom Lavieren der Parteispitze zeugt ihre als Zugeständnis zu wertende Absicht, den Einzelbauern Ablieferungsrückstände teilweise zu erlassen und die Pflichtablieferungsnormen zu überprüfen.

<1003>

Vgl. Lange, G.; Schäfer, H. , Die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft im Bezirk Magde-burg (1952-1960), Magdeburg 1981, S. 47. Mit "rentabel arbeiten" dürfte hier gemeint sein, daß diese LPG ohne staatliche Stützungen der AE auskamen.

<1004>

Vgl. Früchte des Bündnisses, Werden und Wachsen der sozialistischen Landwirtschaft der DDR, Berlin (O) 1985, S. 118.

<1005>

Vgl. Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Chronik, Teil III, Von 1945 bis 1963, Berlin (O) 1967, S. 518.

<1006>

Schulz, D. , “Kapitalistische Länder ...“, a. a. O. , S. 11.

<1007>

Vgl. ebenda.

<1008>

Vgl. ebenda.

<1009>

Vgl. ebenda.

<1010>

Vgl. ebenda.

<1011>

Ebenda, S. 12.

<1012>

Vgl. ebenda.

<1013>

In Ungarn lösten sich 50 %, in Polen ca. 80 % und in Jugoslawien beinahe alle LPG auf. Vgl. Schulz, D. "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 13.

<1014>

Vgl. Ulbricht, W. , Über die Arbeit der SED nach dem XX. Parteitag der KPdSU und die bisherige Durchführung der Beschlüsse der 3. Parteikonferenz, in Neues Deutschland, B, 2. 8. 1956; MTS und LPG werden weiter gefestigt, in: Neues Deutschland, B, 28. 11. 1956; Erklärung der Regierung der DDR, gegeben durch Ministerpräsident Grotewohl auf der 16. Tagung der Volkskammer, in: Neues Deutschland, B, 3. 11. 1956.

<1015>

Vgl. Ulbricht, W. , Zu einigen Fragen der ideologischen Arbeit der SED, in: Probleme des Friedens und des Sozialismus, Nr. 2/1958, S. 24; Mückenberger, E. , Allseitige Hilfe und Unterstützung der Genossenschaftsbewegung, in: Einheit, Nr. 3/1958, S. 343; Für die Einheit und Geschlossenheit der Partei, in: Neues Deutschland, B, 25. 2. 1958. Oelßner fungierte seit 1955 als stellvertretender Vorsitzender der Regierungskommission für Fragen der Konsumgüterproduktion zur Bevölkerungsversorgung und gehörte als solcher der Agrarkommission des ZK der SED an.

<1016>

Ihr gelang es noch immer nicht, die Vorkriegserträge der Jahre 1934 bis 1938 in wichtigen Kulturen zu übertreffen. Vgl. Schulz, D. , “Kapitalistische Länder ...“, a. a. O. , S. 24.

<1017>

Entwurf “Neues Agrarprogramm für die Entwicklung der Landwirtschaft beim Aufbau des Sozialis mus in der DDR“, in: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Nr.3/1994, S. 80.

<1018>

Schulz, D. , “Kapitalistische Länder ...“, a. a. O. , S. 14.

<1019>

Vgl. Ulbricht, W. , Grundfragen der Politik der SED, 30. Tagung des ZK der SED, 30. 1. bis 1. 2. 1957, Berlin (O) 1957, S. 86 f.

<1020>

Vgl. ebenda.

<1021>

Vgl. Entwurf “Neues Agrarprogramm ...“, a. a. O. , S. 83; Appelt, W. , Die antisozialistische Konzeption Viewegs, in: Das demokratische Dorf, Nr. 8/1957, S. 9 ff; Ulbricht, W. , Zu einigen Fragen der ideologischen Arbeit, a. a. O. , Anm. 27; Diskussionsbeitrag des Kandidaten des Politbüros, Genossen Erich Mückenberger auf der 30. Tagung des ZK der SED, in: Die deutsche Landwirtschaft, Nr. 3/1957, S. IV ff; Grundfragen der Politik der SED, zweiter Teil des Referates des Ersten Sekretärs des ZK der SED, Genossen Walter Ulbricht, auf der 30. Tagung des ZK, in: Neues Deutschland, B, 5. 2. 1957.

<1022>

Schulz, D. , “Kapitalistische Länder ...“, a. a. O. , S. 15.

<1023>

Vgl. ebenda, S. 15 f.

<1024>

Ebenda, S. 16.

<1025>

Vgl. Erklärung der Regierung der DDR ... , a. a. O. , S. 4.

<1026>

Ulbricht, W. , Zur konterrevolutionären Konzeption Viewegs, Aus der Rede auf der 30. Tagung.des ZK der SED vom 30. Januar bis 1. Februar 1957, in: Ulbricht, W. , Die Bauernbefreiung in der Deutschen Demokratischen Republik, Bd. I, Februar 1945-Juni 1958, Berlin (O) 1961, S. 601.

<1027>

Mückenberger, E. , Die Welt schreitet vom Kapitalismus zum Sozialismus, in: Das demokratische Dorf, Nr. 4/1958, S. 4 und Grundfragen der Politik der SED, zweiter Teil des Referats des Ersten Sekretärs des ZK der SED, Genossen Walter Ulbricht,auf der 30. Tagung des ZK , in: Neues Deutschland, B, 5. 2. 1957; Aus dem Bericht des Politbüros auf der 30. Tagung des ZK, in: Neues Deutschland, B, vom 2. 2. 1957; Aus der Diskussionsrede des Mitglieds des Politbüros, Genossen Rau, auf der 30. Tagung des ZK der SED, in: Die deutsche Landwirtschaft, Nr. 3/1957, Sonderbeilage, S. X.

<1028>

Vgl. Schulz. D. , “Kapitalistische Länder ...“, a. a. O. , S. 17.

<1029>

Vgl. Mückenberger, E. , Zu einigen Fragen der Agrarpolitik, in: Neues Deutschland, B, 18. 12. 1956 und ders. Diskussionsbeitrag des Kandidaten des Politbüros ... , a. a. O. , S. VI; Behrend, W. ,und ders. kussionsbeitragdes Kandidaten des Politbüros ... , a. a. O. , S. VI; Behrend, W. , Kurs auf die sozialistische Landwirtschaft, in: Neues Deutschland, B, 1. 9. 1957.

<1030>

Unter dem Motto “Die Stadt besucht das Land“ fand Ende Mai eine republikweite Veranstaltung statt. Die Parteien, staatliche Organe und Verwaltungen entsandten tausende Agitatoren in die Dörfer. Sie arbeiteten mit den Bauern auf den Feldern zusammen und suchten danach das politische Gespräch mit ihnen. Im Bezirk Magdeburg befanden sich an diesem Tag 12 400 Agitatoren im Einsatz, darunter hunderte in den Dörfern des Kreises Haldensleben. Vgl. Über die Durchführung der Beschlüsse der 30. ZK-Tagung, in: Neues Deutschland, B, 16. 7. 1957; Die Stadt besucht das Dorf, in: Neues Deutschland, B, 22. 5. 1957.

<1031>

Sämtliche VdgB-Vorstände erhielten den Auftrag, Aktivitäten zur Förderung der Genossenschaftsbildung festzulegen.

<1032>

Ferner beinhaltete dieser Beschluß, bei den BHG die Anzahl von Förderanlagen sowie weiterer Maschinerie wie Saatgutreinigungs- und Trocknungsanlagen zu erhöhen und zur gemeinschaftlichen Nutzung LPG und Einzelbauern bereitzustellen. Vgl. Mückenberger, E. , Die Perspektive der Landwirtschaft und die Klassenverhältnisse auf dem Dorfe in der Deutschen Demokratischen Re publik, Berlin (O) 1957, S. 38; ders. In jeder LPG eine Parteiorganisation, in: Das demokratische Dorf, Nr. 4/1957, S. 9; Beschluß über die nächsten Aufgaben bei der Organisation der genossen- schaftlichen und gemeinschaftlichen Tätigkeit im Dorf, in: Das demokratische Dorf, Nr. 6/1957, Sonderbeilage.

<1033>

Vgl. Geschichte der Außenpolitik der DDR, Abriß, Berlin (O) 1985, S. 133 und S. 142. Die mit zwei % verzinsten Kredite sollten bis 1965 zurückgezahlt werden.

<1034>

Vgl. Das große Aktionsprogramm des Sozialismus, in: Neues Deutschland, B, 24. 10. 1957.

<1035>

Vgl. Ulbricht, W. , Grundfragen der ökonomischen und politischen Entwicklung in der Deutschen Demokratischen Republik, Referat auf der 33. Tagung des Zentralvorstandes der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Berlin (O) 1957, S. 69 und Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 20.

<1036>

Als Erfolg der LPG verkündete Ulbricht deren Produktionssteigerung bei tierischen Produkten. Ihre Produktion stieg im ersten Halbjahr 1957 schneller an als die in der einzelbäuerlichen Viehhaltung. Der prozentuale Zuwachs vollzog sich allerdings auf niedrigem Niveau. Vgl. Ulbricht, W. , Die allseitige Festigung der LPG - Eine Grundfrage unserer weiteren Entwicklung, Referat auf der 33. Tagung des ZK der SED, in: Die Bauernbefreiung in der Deutschen Demokratischen Republik, Bd. I, a. a. O. , S. 624.

<1037>

Es hieß, eine Reihe von AG bestände nur auf dem Papier. Andere AG würden sich sperren, wirtschaftlich schwache Betriebe aufzunehmen. Durch eigene Initiativen seien sie bestrebt, die Mechanisierung ihrer Wirtschaften zu erreichen, um auf MTS-Hilfe verzichten zu können. Die VdgB vermerkte kritisch, die Arbeitsweise der Ständigen AG hätte bei den Einzelbauern zu der Ansicht geführt, es gäbe eine Möglichkeit, außerhalb der LPG die Vorzüge der Technik nutzen zu können. Dies hätte zur Folge, daß letztlich die Bauern von der LPG-Bildung abgehalten würden.

<1038>

Zusammengestellt nach: Ulbricht, W. , Der zweite Fünfjahrplan und der Aufbau des Sozialismus in der DDR, Berlin (O) 1956, S. 110; Statistisches Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik 1956, im folgenden Statistisches Jahrbuch der DDR, Berlin (O) 1957, S. 366, ; Vierteljahreshefte zur Statistik, Heft 3/1957, S. 108.

<1039>

Vgl. Mückenberger, E. , Große Perspektiven der Landwirtschaft im zweiten Fünfjahrplan, in: Neues Deutschland, B, 28. 3. 1956; ders. , Die 32. Tagung des Zentralkomitees und Fragen unserer Land-wirtschaft, in: Einheit, Nr. 8/57, S. 1073; Die VdgB hat große Aufgaben bei der sozialistischen Umge-staltung des Dorfes, in: Das demokratische Dorf, Nr. 9/57, S. 5; Ulbricht, W., Grundfragen der öko-nomischen und politischen Entwicklung ... , a. a. O. , S. 91; Broschatt, W. , Kreisorganisation Rügen stärkt den sozialistischen Sektor, in: Das demokratische Dorf, Nr. 11/57, S. 12; Glemnitz, K. , Es gibt keinen dritten Weg in der Landwirtschaft, in: Der Freie Bauer, Nr. 35/57, 1. 9. 1957, S. 3; Huy, A. , Mit ganzer Kraft die Hauptaufgabe unserer Organisation der Organisierung der genossenschaftlichen und gemeinschaftlichen Tätigkeit im Dorf, in: Das demokratische Dorf, Nr.6/57, Sonderbeilage.

<1040>

Vgl. Schulz, D., “Kapitalistische Länder ...“, a. a. O. , S. 21.

<1041>

Prokop, S. , Übergang zum Sozialismus in der DDR, Berlin (O) 1986, S. 169.

<1042>

Vgl. ebenda.

<1043>

Vgl. ebenda, S. 171. Bis zum 25. 4. 1958 delegierte die MTS 4 557 Agronomen und Zootechniker in LPG, von denen 2 199 in Genossenschaften eintraten. Vgl. Protokoll der Verhandlungen des V. Parteitages der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, 10. bis 16. Juli 1958 in der Werner-Seelenbinder-Halle zu Berlin, 6. und 7. Verhandlungstag, Bd. 2, Berlin (O) 1959, S. 1523.

<1044>

Dokumente der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Bd. VII, Berlin (O) 1961, S. 13.

<1045>

Bis 1960 sollten 2 500 erprobte Meister und Arbeiter für technische Tätigkeiten auf dem Lande gewonnen werden, 15 000 Arbeiter den LPG als Traktoristen im Produktionsprozeß helfen und 5 000 demobilisierte Armeeangehörige von der Notwendigkeit der Arbeitsaufnahme in LPG, MTS und VEG überzeugt werden. Vgl. Dokumente der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Bd. VII, a. a. O. , S. 23 f.

<1046>

Sie werden auf der nächsten Seite aufgeführt.

<1047>

Vgl. LAMD-LHA, 9072/1, Bl. 85. Vgl. Lange, G. ; Schäfer, H. , Die sozialistische Umgestaltung ... , a. a. O. , S. 2.

<1048>

Volksstimme, Magdeburg, 18. 2.1958.

<1049>

Vgl. Volksstimme, Magdeburg, 14. 2. 1958.

<1050>

Vgl. GBl. I 1957, Nr. 8, S. 67.

<1051>

Vgl. GBl. I 1958, Nr. 11, S. 119.

<1052>

Vgl. GBl. I 1958, Nr. 15, S. 181 f.

<1053>

Vgl. GBl. I 1958, Nr. 44, S. 502 f. Der genannte Ministerratsbeschluß erklärte die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft zum Hauptkettenglied des sozialistischen Aufbaus in der DDR.

<1054>

Vgl. GBl. I 1958, Nr. 47, S. 529-533.

<1055>

Vgl. Volksstimme, Magdeburg, 12. 4. 1958.

<1056>

Vgl. LAMD-LHA, IV/2/1, Bl. 20; Perspektivplan für die weitere sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft und die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion im Bezirk Magdeburg,Magdeburg 1958, S. 11.

<1057>

Vgl. Perspektivplan zur sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft bis 1960, Kreis Haldensleben, Haldensleben 1958, S. 5.

<1058>

Errechnet nach Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , Tabelle 3, S. 25. Noziczka spricht von 1 344 in dieser Zeitspanne gegründeten LPG und 51 000 neuen Mitgliedern, darunter 24 000 ehemaligen werktätigen Einzelbauern. Vgl. Noziczka, L. , a. a. O. , S. 43. In einer anderen Quellewird die Zahl der neugegründeten LPG mit 1 045 beziffert. Vgl. Klemm, V. , Von den bürgerlichen Agrarreformen zur sozialistischen Landwirtschaft in der DDR, Berlin (O), S. 224.

<1059>

Nociczka verweist auf 924 LPG vom Typ I, die im genannten Zeitraum entstanden seien. Vgl. Nocicz-ka, L. , a. a. O. , S. 43.

<1060>

Das Phänomen, daß innerhalb eines Dorfes mehrere LPG bestanden, trat überwiegend erst in der Endphase der LPG-Bildung auf.

<1061>

Hier ist besonders die DBD gemeint.

<1062>

Vgl. Erklärung des Präsidiums der VdgB zur Tagung des erweiterten LPG-Beirates in Leipzig-Markkleeberg, in: Der Freie Bauer, Nr. 20/1958, S. 2; Goldenbaum, E. , In festem Bündnis zu neuen Erfolgen, in: Neues Deutschland, A, 28. 4. 1958.

<1063>

Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 25.

<1064>

Zusammengestellt nach Statistisches Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik 1962, im folgenden Statistisches Jahrbuch der DDR, Berlin (O) 1963, S. 405.

<1065>

Errechnet nach LAMD- LHA, IV/2/3, Bl. 106

<1066>

Vgl. Statistisches Jahrbuch der DDR 1957, a. a. O. , 1958, S. 356. In LAMD-LHA, IV/2/1, Bl. 20 ist allerdings von 732 LPG die Rede.

<1067>

Vgl. Volksstimme, Magdeburg, 11. 1. 1958.

<1068>

Vgl. LAMD-LHA, IV/2/1, Bl. 20.

<1069>

Vgl. Statistisches Taschenbuch 1957 für den Kreis Haldensleben, Hrsg. : Staatliche Zentralverwal-tung für Statistik, Kreisstelle Haldensleben, o. J. , S. 81. Im folgenden firmieren die Statistischen Taschenbücher der Jahre 1956 bis 1960 dieses Kreises als Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben mit entsprechender Jahresangabe. Der Herausgeber ist stets derselbe.

<1070>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 121.

<1071>

Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1957, o. J. , S. 81.

<1072>

Vgl. ebenda.

<1073>

Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 25.

<1074>

Ebenda.

<1075>

Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 25.

<1076>

Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1957, o. J. , S. 81.

<1077>

Im Kreis Haldensleben litten besonders die LPG unter ständigem Arbeitskräftemangel.

<1078>

Vgl. Mückenberger, E., Der sozialistische Sektor erobert sich das Dorf, in: Neues Deutschland, B, vom 13. 7 1958, S. 7; Die sozialistische Planwirtschaft beweist ihre Überlegenheit, in: Neues Deutsch land, B, vom 28. 2. 1958; vgl. Streit, H. , Die Ziele für die Marktproduktion unserer Landwirtschaft sind zu überbieten, in: Neues Deutschland, B, vom 5. 3. 1958.

<1079>

Vgl. GBl. I 1958, Nr. 33, S. 413-415.

<1080>

Vgl. Schulz, D. , “Kapitalistische Länder ...“, a. a. O. , S. 25.

<1081>

Vgl. LAMD-LHA, 9073/3, Bl. 45.

<1082>

Vgl. ebenda.

<1083>

Über Fragen der sozialistischen Bewußtseinsbildung, in: Neues Deutschland, B, 29. 4.1958, Sonderbeilage.

<1084>

Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin (O) 1981, S. 197.

<1085>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/60, Bl. 17.

<1086>

LAMD-LHA, IV/4/5/61, Bl. 280.

<1087>

Zu denen gehörte beispielsweise die LPG Haldensleben II.

<1088>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/61, Bl. 214.

<1089>

Vgl. ebenda.

<1090>

Vgl. ebenda.

<1091>

Vgl. ebenda.

<1092>

Dies betraf Saatgut, Düngemittel und Kleingeräte.

<1093>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/61, Bl. 215.

<1094>

Vgl. ebenda.

<1095>

Vgl. ebenda.

<1096>

Vgl. ebenda, Bl. 216.

<1097>

Vgl. ebenda.

<1098>

Die fehlende Futtergrundlage hemmte insbesondere die LPG Bösdorf, Eickendorf, Etingen, Everingen, Kathendorf, Lockstedt, Mannhausen und Rätzlingen in ihrer Entwicklung.

<1099>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/61, Bl. 222.

<1100>

Ebenda, Bl. 313.

<1101>

Ebenda, Bl. 315.

<1102>

Vgl. ebenda.

<1103>

Vgl. ebenda, Bl. 223.

<1104>

Vgl. ebenda, Bl. 224.

<1105>

Ebenda, Bl. 216.

<1106>

Vgl. ebenda.

<1107>

Vgl. ebenda, Bl. 217.

<1108>

Vgl. ebenda.

<1109>

Vgl. ebenda.

<1110>

Keiner würde bei den Pflegearbeiten auf die Uhr schauen. Vgl. ebenda, Bl. 311.

<1111>

LAMD-LHA, IV/4/5/64, Bl. 9.

<1112>

Im Kreis Haldensleben gab es aber auch im Jahre 1957 eine große Anzahl von LPG, die diese Werte nicht annähernd erreichten. So betrug der Anteil der tierischen Produktion zu den landwirtschaftlichen Gesamteinnahmen in der LPG Rottmersleben 34 %, der LPG Ackendorf 40 % und der LPG Groß Santersleben 41 %. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, BL. 314.

<1113>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/61, Bl. 212.

<1114>

Vgl. ebenda, Bl. 212.

<1115>

Vgl. ebenda, Bl. 213.

<1116>

Vgl. ebenda.

<1117>

Die zu geringe Anzahl an Vertragsabschlüssen führte der Rat darauf zurück, daß der Klassengegner das Argument aufwerfen würde, gemessen an der Hauptfutterfläche sei der geplante 100 ha-Besatz zu hoch. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/61, Bl. 213. Dieser Begründung ist schwerlich zu folgen.

<1118>

LAMD-LHA, IV/4/5/63, Bl. 14.

<1119>

Vgl. ebenda, BL. 2.

<1120>

Die LN der LPG des Kreises Haldensleben wuchs vom Beginn des Jahres 1957 bis Mitte August des Jahres um 7,5 % an, wobei nur wenig Vieh hinzukam. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 227.

<1121>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 227. Ähnlich sah es in dieser LPG bei Schweinen, Schafen und Hühnern aus.

<1122>

In einigen LPG, wie z.B. Hörsingen, verendeten von 70 Ferkeln 45. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/64, Bl. 7. Um bei Hörsingen zu bleiben: Die dortigen Einzelbauern konnten auf wesentlich hochwertigere Schweinebestände als die LPG verweisen.

<1123>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 227.

<1124>

Vgl. ebenda, Bl. 230

<1125>

Als Negativbeispiel wurde die LPG Emden angeführt. Dort “gelang“ es den Genossenschaftsbauern gar, für den individuellen Verbrauch Wintervorräte an Futter anzulegen. Andererseits traten in dieser LPG - was für ein Paradoxon! - Ausfälle in der Mastproduktion fehlenden Futters wegen auf. Ähnliches traf auf weitere LPG zu. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/ 65, Bl. 231.

<1126>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 217.

<1127>

Vgl. ebenda, Bl. 227.

<1128>

LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 305.

<1129>

Vgl. ebenda, Bl. 295.

<1130>

LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 92 ff.

<1131>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 104. Hier finden sich weitere diesbezügliche Angaben.

<1132>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 104. Die Resultate stimmen nicht gänzlich mit den Angaben in den Statistischen Taschenbüchern des Kreis Haldensleben der Jahre 1957 und 1958 überein. Allerdings differieren die Erhebungen um einige Wochen. Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1957 o. J. , S. 68; Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1958, o. J. , S. 59.

<1133>

In ersterem Bereich wies die LPG Wegenstedt mit 41,2 Rindern je 100 ha den höchsten Rückstand auf. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 105.

<1134>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 105.

<1135>

Über die Verträge tat sich den Genossenschaften eine zusätzliche Kraftquelle auf. Je Vertrag erhielten sie z. T. mehrere dt Kraftfutter.

<1136>

Vgl. ebenda, Bl. 106. Es gab aber auch LPG, wie Eschenrode u. a. , die keinen einzigen Vertrag abschlossen. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 106.

<1137>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 106.

<1138>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 106.

<1139>

Vgl. ebenda.

<1140>

Vgl. ebenda.

<1141>

Vgl. ebenda, Bl. 108.

<1142>

Vgl. ebenda, Bl. 107.

<1143>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 295.

<1144>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 107.

<1145>

Vgl. ebenda.

<1146>

Vgl. ebenda, Bl. 109

<1147>

Vgl. ebenda, Bl. 111.

<1148>

Vgl. ebenda.

<1149>

Vgl. ebenda.

<1150>

Vgl. ebenda, Bl. 112.

<1151>

Vgl. ebenda.

<1152>

Vgl. ebenda.

<1153>

Vgl. ebenda.

<1154>

Vgl. ebenda, Bl. 113.

<1155>

Vgl. ebenda, Bl. 115. Auch hier treten leichte Differenzen zu den Angaben in den Statistischen Taschenbüchern des Kreises Haldensleben der Jahre 1957 und 1958 zutage.

<1156>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 116.

<1157>

Vgl. ebenda.

<1158>

Vgl. ebenda.

<1159>

Vgl. ebenda.

<1160>

Vgl. ebenda.

<1161>

Vgl. ebenda.

<1162>

Vgl. ebenda, S. 92 ff.

<1163>

Vgl. ebenda, Bl. 98.

<1164>

Es erhebt sich freilich die Frage, inwieweit von der Witterung abhängige Erträge überhaupt zu planen sind.

<1165>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/60, Bl. 243. Bezeichnenderweise lag die Fehlmenge im weitaus größeren einzelbäuerlichen Sektor kaum höher: nämlich bei rund 700 t. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/60, Bl. 243.

<1166>

LAMD-LHA, IV/4/5/61, Bl. 211.

<1167>

In diesen Jahren entstand auch der Slogan vom Mais als der “Wurst am Stengel“, geprägt von Chruschtschow beim Besuch des Bezirkes Magdeburg im Sommer 1957.

<1168>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/63, Bl. 139.

<1169>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/62, Bl. 171.

<1170>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/63, Bl. 10.

<1171>

Genannt seien die LPG Bösdorf, Etingen, Kathendorf, Mannhausen und Rätzlingen. Sie wiesen den größten Anteil am Kartoffelanbau auf, für die Versorgung der Bevölkerung des Kreises kam ihnen erhebliche Bedeutung bei.

<1172>

Bis zur Regulierung der Be- und Entwässerung bestand für die Kuhherden fortwährend die Gefahr einer Leberegelverseuchung.

<1173>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/64, BL. 10.

<1174>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/63, BL. 307. Rund 50 % davon erhielten andere Kreise. Vgl. ebenda.

<1175>

Sie verlangte besonders den Frauen ein hohes Maß an physischen Kräften ab.

<1176>

Unter Verantwortlichkeit der LPG-Vorsitzenden, der Innenmechanisatoren und der landwirtschaft-lichen Beratungskräfte müßten die Bestrebungen aller LPG dahin gehen, mindestens 40 dt Silage je Rindergroßvieheinheit (RGV) zu produzieren. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 293.

<1177>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 293.

<1178>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/66, Bl. 52.

<1179>

Ebenda, Bl. 59.

<1180>

Vgl. ebenda.

<1181>

Vgl. ebenda.

<1182>

Vgl. ebenda.

<1183>

Ebenda.

<1184>

LAMD-LHA, IV/4/5/66, Bl. 89.

<1185>

Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1957, o. J. , S. 65.

<1186>

Eine Tabelle zu dieser Problematik ist auf der nächsten Seite einzusehen.

<1187>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 297.

<1188>

Lag der Republikdurchschnitt beim Anbau von Silomais bei 4,1 % der Anbaufläche, so belief er sich bei den LPG des Kreises Haldensleben im Jahre 1957 auf 4,6 %. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67,

Bl. 298.

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 301.

<1189>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 123.

<1190>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 98.

<1191>

Die tabellarische Aufstellung befindet sich auf der folgenden Seite.

<1192>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 250.

<1193>

Die Getreideeinheit (GE) gilt als Maßstab für die Berechnung der gesamten Produktion eines Landwirtschaftsbetriebes oder der Landwirtschaft eines Gebietes insgesamt. Das Getreide dient als Ausgleichsbasis nach dem Schlüssel: 1 dt Kartoffeln = 0,2 dt GE; 1 dt Raps = 1,7 dt GE, 1 dt Schwein (Lebendgewicht) = 4,2 dt GE; 1hl Vollmilch = 0,80 dt GE; 100 Eier (Durchschnittsgewicht 58 g) = 0,25 dt GE. Vgl. Lexikon für die Agrarwirtschaft, hrsg. von A. Strothe, Frankfurt am Main 1989, S. 110.

<1194>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 309.

<1195>

Vgl. ebenda.

<1196>

Vgl. ebenda.

<1197>

Vgl. ebenda, Bl. 315.

<1198>

Vgl. ebenda.

<1199>

Vgl. ebenda.

<1200>

Vgl. ebenda.

<1201>

Im Jahre 1955 lagen die Erlöse im Kreisdurchschnitt je ha bei 871 DM, im Jahre 1956 jedoch gar nur bei 836 DM, was die im DDR-Maßstab rückläufige Tendenz der wirtschaftlichen Entwicklung der LPG bestätigte. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 315.

<1202>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 315.

<1203>

Vgl. ebenda, Bl. 316.

<1204>

Vgl. ebenda, Bl. 315.

<1205>

Vgl. ebenda, Bl. 316.

<1206>

Vgl. ebenda, Bl. 315. Im Kreis Haldensleben entfielen in den LPG je ha 441 DM auf die pflanzliche und 600 DM auf die tierische Produktion. Vgl. LAMD-LHA, IV/5/67, Bl. 316.

<1207>

Vgl. ebenda, Bl. 315.

<1208>

Vgl. ebenda.

<1209>

Vgl. ebenda.

<1210>

Vgl. ebenda, Bl. 294.

<1211>

Vgl. ebenda.

<1212>

Vgl. ebenda, Bl. 315.

<1213>

Vgl. ebenda. Die LPG Bülstringen aber überzog den geplanten Wert an AE um 3 988 AE, die LPG Nordgermersleben um 3 948 AE. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 350.

<1214>

Einnahmen im ersten Halbjahr konnten eventuell noch von Saatgutverkäufen herrühren.

<1215>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 103.

<1216>

Vgl. ebenda. Von den Erlöse der LPG erhielten die Mitglieder 70,6 %, davon 67,3 % für Leistungen auf AE und 3,3 % auf Bodenanteile. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 316.

<1217>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 103.

<1218>

Zum Grundmittelfonds gehörten alle Grundmittel der einer LPG wie z. B. Anlagen, Geräte, Maschi-nen, Transportmittel und die Geldmittel. Zu den letzteren zählten insbesondere die Eintrittsbeiträge der Mitglieder und die jährlichen Zuweisungen aus den Geldeinkünften entsprechend den Statuten. Die Geldmittel waren u. a. für die Rückzahlung von langfristigen Krediten bestimmt.

<1219>

Vgl. Lexikon Recht der Landwirtschaft der Deutschen Demokratischen Republik, Autorenkollektiv unter Leitung von R. Arlt, Berlin (O) 1975, S. 114. In den ersten Jahren der LPG-Bildung befand sich nur ein Teil des unteilbaren Fonds in Geldform. Der überwiegende Teil fand Verwendung zur Anschaffung von Produktionsmitteln.

<1220>

Schmidt, W. , Die Grundzüge der Entwicklung der Landwirtschaft in der DDR von 1945 bis zur Gegenwart, II/1, Berlin (O) 1961, S. 273.

<1221>

Vgl. Schmidt, W. , Das Statut der LPG, Berlin (O) 1957, S. 81.

<1222>

Lexikon Recht . . . , a. a. O. , S. 317. Für die rechtliche Regelung des unteilbaren Fonds galten diese Richtlinien:

- Zweckgebundenheit der materiellen und finanziellen Mittel; ihre Verwendung hatte sich nach den Erfordernissen des Plans zu richten;

- keine wertmäßige Verringerung der Mittel des unteilbaren Fonds;

- unbedingte Gewährleistung des Anwachsens des unteilbaren Fonds der LPG, um einen Produktionsaufschwung und eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedin gungen der Genossenschaftsbauern zu erreichen;

- keine Verwendung der Mittel des unteilbaren Fonds für die Konsumtion. Vgl. Lexikon Recht . . . , a. a. O. , S. 317.

<1223>

Vgl. Schmidt, W. , Die Grundzüge ... , a. a. O. , S. 273.

<1224>

Die LPG bildeten außer dem unteilbaren Fonds weitere Fonds wie einen Saatgut- und Saatgutreservefonds, einen Hilfsfonds sowie einen Kultur- und Prämienfonds.

<1225>

Vgl. GBl. 1952, Nr. 181, S. 1376 bzw. 1382.

<1226>

Vgl. ebenda, S. 1387.

<1227>

Vgl. GBl. I 1955, Nr. 9, S. 69.

<1228>

Vgl. ebenda.

<1229>

Vgl. Schmidt, W. , Das Statut ... , a. a. O. , S. 81.

<1230>

Lexikon Recht . . . , a. a. O. , S. 317.

<1231>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 316.

<1232>

Vgl. ebenda, Bl. 318.

<1233>

Vgl. LAMD-LHA , IV/4/5/61, Bl. 224.

<1234>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/64, Bl. 1.

<1235>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/61, Bl. 88.

<1236>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 292 ff.

<1237>

Vgl. ebenda, Bl. 297.

<1238>

Ebenda, Bl. 319.

<1239>

Ebenda, Bl. 320.

<1240>

Es sei daran erinnert: Der Stagnation in der Gesamtentwicklung der Genossenschaften folgten leichte Fortschritte.

<1241>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/61, Bl. 311.

<1242>

LAMD-LHA, IV/4/5/64, Bl. 7. Wenn eine objektive Leistungsbewertung nicht möglich ist, ist es durchaus üblich, bestimmte landwirtschaftliche Arbeiten mit Stundenlohn zu entgelten. Dabei handelt es sich beispielsweise um solche Tätigkeiten wie Steinesammeln und Hofarbeiten.

<1243>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 217.

<1244>

Vgl. ebenda, Bl. 223.

<1245>

Vgl. ebenda.

<1246>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 332. Hier galt das Prinzip der Selbsterhaltung. Hätte der Vorstand anders gehandelt, wären die Erlöse der Mitglieder wahrscheinlich unter die Armutsgrenze gefallen.

<1247>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 100.

<1248>

Vgl. ebenda, Bl. 220.

<1249>

Ebenda, Bl. 318.

<1250>

LAMD-LHA, IV/4/5/62, Bl. 167.

<1251>

LAMD-LHA, IV/4/5/64, Bl. 9.

<1252>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/62, Bl. 85.

<1253>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/61, Bl. 311.

<1254>

LAMD-LHA, IV/4/5/64, Bl. 8.

<1255>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 217.

<1256>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 331.

<1257>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 332.

<1258>

Vgl. ebenda.

<1259>

Vgl. ebenda, Bl. 329.

<1260>

Vgl. ebenda. Im einzelnen bezifferten sich die Abgänge wie folgt: 302 Landarbeiter und deren Familienangehörige, 20 Neubauern, 40 Familienangehörige der Neubauern, 16 Altbauern bis 20 ha, 15 Familienangehörige dieser Altbauern, zwei Altbauern über 20 ha, vier Familienangehörige von ihnen, 35 Industriearbeiter, 53 Angehörige sonstiger Berufe. Vgl. LMAD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 329. Zu den Zugängen im Jahren 1957 vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 329.

<1261>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 128.

<1262>

Vgl. ebenda, Bl. 329.

<1263>

Vgl. ebenda, Bl. 345.

<1264>

Vgl. ebenda.

<1265>

Sie ist auf Seite 249 einzusehen.

<1266>

Vgl. LAMD- LHA, IV/4/5/69, Bl. 97.

<1267>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 292.

<1268>

Ihre Skepsis kam nicht von ungefähr, denn verschiedentlich wurde vor Jahrzehnten Kreiertes in neuer Gewandung propagiert.

<1269>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/62, Bl. 87.

<1270>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 103.

<1271>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 237.

<1272>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 65.

<1273>

Vgl. ebenda. Klein-, Mittel- und Großbauern erhielten kurzfristige Kredite zur Begleichung der Kosten für das Saatgut sowie der Bestell- und Erntearbeiten bei fünf % Zinsen pro Jahr. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 60.

<1274>

Vgl. Richtlinien der Deutschen Bauernbank, Nr. 38/1953. Bei der Erteilung von Krediten bestimmte die Größe der LN deren Höhe. So erhielten werktätige Einzelbauern mit einer LN bis zu fünf ha einen Kredit bis zu 70 % des Kaufpreises eingeräumt, indessen Bauern mit einer LN von über 20 ha nur 50 % des Kaufpreises zugestanden wurde. Vgl. Richtlinien der Deutschen Bauernbank, Nr. 38/1953. Auch dieses Beispiel demonstriert, wie der Staat die Kreditpolitik als Pressionsmittel gegen die Groß-bauern anwandte.

<1275>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 65.

<1276>

Vgl. ebenda.

<1277>

Vgl. ebenda.

<1278>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 149. Die Errichtung von Wohnbauten lag vornehmlich im Interesse der ehemaligen Land- und Industriearbeiter, die sich oftmals über längere Zeit mit kaum zumutbaren Wohnungen begnügen mußten.

<1279>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 236.

<1280>

Vgl. ebenda, Bl. 122.

<1281>

Vgl. ebenda.

<1282>

Zur Vermeidung von Fehlinvestitionen bei der Belieferung von LPG mit Maschinen und Geräten hielt es die Abteilung Haushalt des Rates des Kreises für notwendig, bei größeren Objekten von den Innenmechanisatoren der MTS Rentabilitätsbuchungen anzufordern.

<1283>

Im Jahre 1957 betrugen die Kredite für Vieh 1 195 000 DM, für totes Inventar 1 230 000 DM; sie wurden jeweils voll ausgeschöpft. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 351.

<1284>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 104.

<1285>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 121.

<1286>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 103.

<1287>

Vgl. ebenda.

<1288>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 237.

<1289>

Vgl. ebenda. Im Vorjahr lauteten die Daten 44,9 % bzw. 26,9 AE. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 237.

<1290>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 99.

<1291>

Ebenda.

<1292>

Vgl. ebenda, Bl. 99 ff.

<1293>

Vgl. ebenda, Bl. 100. Zur Höhe der Wirtschaftsbeihilfen für die einzelnen LPG vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 100. Die höchste erhielt die LPG Etingen mit 197 565,62 DM, die niedrigste die LPG Grauingen mit 9 843,40 DM. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 100 f.

<1294>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 101.

<1295>

Vgl. ebenda.

<1296>

Wirtschaftlich leistungsstarke LPG verwendeten diese Mittel zur Erweiterung ihrer Grundmittel so-wie der Erhöhung ihres Viehbestandes.

<1297>

Die Übernahme von ÖLB-Flächen durch LPG des Kreises Haldensleben stellte insofern eine Besonderheit im Zuge der LPG-Bildung dar, da seit der zweiten Jahreshälfte 1957 keine zentralen Verfügungen für die Übernahme von LPG durch ÖLB mehr ergingen.

<1298>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 101.

<1299>

Vgl. ebenda.

<1300>

Vgl. ebenda, Bl. 99.

<1301>

Vgl. ebenda.

<1302>

Vgl. ebenda, Bl. 102.

<1303>

Vgl. ebenda.

<1304>

Vgl. ebenda. In diesem Bereich sollten alle LPG einen Planwert von über 7 DM erreichen.

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 102.

<1305>

Vgl. LAMD-LHA, IV74/5/69, Bl. 102. Lediglich für die LPG Detzel sah der Plan einen Wert der AE von über 7 DM vor. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 102.

<1306>

Die Hauptursachen für diese negative Tendenz in den LPG des MTS-Bereichs Klüden bestanden in der Nichtbeachtung von Grundelementen der Wirtschaftsführung durch die LPG-Vorstände, der völlig unzureichenden Unterstützung der LPG durch die MTS, der ungenügenden Produktivität der Viehbestände und den geringen Erlösen aus der pflanzlichen Produktion.

<1307>

LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 102.

<1308>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/60, Bl. 20.

<1309>

Ebenda, Bl. 241.

<1310>

Ebenda.

<1311>

Als Gründe dafür benannte sie: ungenügende Anwendung der Schönebecker Methode, inkonsequente Durchsetzung des Mehrschichtsystems, geringe Wettbewerbsinitiativen und den Stillstand von 26 Traktoren in MTS des Kreises wegen vernachlässigter Wartung und fehlender Ersatzteile. Vgl. LAMD-LHA, V/4/5/60, Bl. 241.

<1312>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/60, Bl. 244.

<1313>

Einige in der LPG Etingen arbeitende Traktoristen der MTS Rätzlingen stellten die Pflüge so “geschickt“ ein, daß jeweils ein Streifen ungepflügt liegen blieb, aber mit der aufgepflügten Erde zugedeckt wurde. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/61, Bl. 211.

<1314>

LAMD-LHA, IV/4/5/61, Bl. 317.

<1315>

Unter dem Fließsystem ist eine Koppelung von Maschinen und Geräten und ihr Einsatz in einem Zug nach einer festgelegten Reihenfolge zu verstehen.

<1316>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/62, Bl. 168.

<1317>

Vgl. ebenda.

<1318>

Ebenda.

<1319>

“Die Traktoristen arbeiten lieber bei den werktätigen Einzelbauern, weil es dort etwas zu essen gibt“, bemängelte die KL. LAMD-LHA, IV/4/5/64, Bl. 11.

<1320>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 53.

<1321>

Vgl. ebenda, Bl. 223.

<1322>

Dies träfe vor allem auf die MTS Klüden und Flechtingen zu.

<1323>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 224.

<1324>

LAMD-LHA, IV/4/5/66, Bl. 52.

<1325>

Vgl. ebenda, Bl. 58.

<1326>

Ebenda.

<1327>

Ebenda, BL. 62.

<1328>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 60.

<1329>

Diese Leistungen würden sich aus der Kostensenkung pro ha mittleren Pflügens ergeben, die wiederum hauptsächlich auf die Realisierung der Transportvorhaben zurückging. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 60.

<1330>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 60.

<1331>

Ebenda, Bl. 123.

<1332>

Vgl. ebenda, Bl. 353.

<1333>

Vgl. ebenda, Bl. 354.

<1334>

Diese Erfordernis ist im Zusammnehang mit der schrittweisen Übernahme der MTS-Technik durch die LPG zu sehen.

<1335>

Vgl. LAMD-LHA, IV//5/63, Bl. 15.

<1336>

Vgl. ebenda.

<1337>

Vgl. ebenda, Bl. 250.

<1338>

Vgl. ebenda.

<1339>

Eine LPG-Hauswirtschaft umfaßte Wohnhaus nebst Stallungen.

<1340>

LAMD-LHA, IV/4/5/63, Bl. 253.

<1341>

Ebenda, Bl. 256.

<1342>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/66, S. 226.

<1343>

Verschiedentlich, wie in Bülstringen und Wedringen, gingen genossenschaftseigene Baubrigaden an die Durchführung der Vorhaben.

<1344>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 321.

<1345>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/68, Bl. 223. In LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 321 ist aber von 23 Rinderoffenställen die Rede. Die Problematik der Rinderoffenställe wird unter 4.1. ausführlich behandelt.

<1346>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/68, Bl. 225.

<1347>

Ebenda.

<1348>

Von der Anwendung vielfältiger Wettbewerbsformen versprach sich die Parteiführung einen wirtschaftlichen Aufschwung.

<1349>

Lexikon Recht ... , a. a. O. , S. 293.

<1350>

"Zentrale Wettbewerbsaufrufe" von "oben" lassen sich daraus erklären.

<1351>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/61, Bl. 278.

<1352>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/60, Bl. 26.

<1353>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/61, Bl. 277.

<1354>

Vgl. ebenda, Bl. 278.

<1355>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/62, Bl. 168. Nähere Angaben zu diesem Sachverhalt sind in einem Bericht von Mitte August 1956 nachzulesen. über den Verlauf der Geteideernte im Sommer 1956.

<1356>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/63, Bl. 52. Für diese Leistung erhielt sie 400 DM Prämie. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/63, Bl. 152.

<1357>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/63, Bl. 139.

<1358>

Vgl. ebenda, Bl. 309.

<1359>

Vgl. ebenda.

<1360>

Ebenda, BL. 316.

<1361>

Ebenda.

<1362>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 221.

<1363>

Vgl. ebenda.

<1364>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 289 ff.

<1365>

Vgl. ebenda, Bl. 296.

<1366>

Vgl. ebenda, Bl. 298.

<1367>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/66, Bl. 52 ff.

<1368>

Vgl. ebenda, Bl. 63.

<1369>

LAMD-LHA, IV/4/5/68, Bl. 8.

<1370>

Ebenda, Bl. 9.

<1371>

Und damit gute Voraussetzungen für die angestrebte wirtschaftlich-organisatorischen Festigung bei Neubildung einer LPG bzw. den Eintritt werktätiger Einzelbauern in eine LPG geschaffen werden.

<1372>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/60, Bl. 24.

<1373>

Vgl. ebenda.

<1374>

Ebenda. Bemerkenswert ist, daß das Büro der SED-KL auf diese Feststellung hin empört reagierte, während es andererseits die Ständigen AG als Quelle für den genossenschaftlichen Sektor der Landwirtschaft bezeichnete.

<1375>

Dies habe eine Überprüfung mehrerer Ständiger AG im Frühjahr 1956 ergeben.

<1376>

LAMD-LHA, IV/4/5/61, Bl. 281.

<1377>

Ebenda, Bl. 282.

<1378>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/63, Bl. 304.

<1379>

Vgl. ebenda, Bl. 305.

<1380>

Vgl. ebenda, Bl. 304.

<1381>

LAMD-LHA, IV/4/5/64, Bl. 2.

<1382>

Ebenda, Bl. 11.

<1383>

"Politische Massenarbeit", so lautete der offiziell von der SED verwendete Begriff für die Einbeziehung breiter Bevölkerungsschichten in die Lösung gesellschaftspolitischer Aufgaben.

<1384>

Vgl. ebenda, Bl. 207.

<1385>

Ebenda, Bl. 189.

<1386>

LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 53.

<1387>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/66, Bl. 6.

<1388>

Vgl. ebenda.

<1389>

Ebenda, Bl. 102.

<1390>

Diesen Zielstellungen fehlte zu jenem Zeitpunkt die reale ökonomische Basis.

<1391>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/66, Bl. 102.

<1392>

Wie besonders aus den Darlegungen über die wirtschaftlich-organisatorische Festigung der LPG ersichtlich, gelang es dieses Vorhaben nicht annähernd durchzusetzen.

<1393>

LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 102.

<1394>

LAMD-LHA, IV/4/5/66, Bl. 103.

<1395>

Ebenda

<1396>

Das Büro der SED-KL bediente sich hier einer bewußten Übertreibung, um nicht zu sagen Lüge. Daß Fortschritte im genossenschaftlichen Sektor der Landwirtschaft sich vorerst nur auf bescheidenem Niveau vollzogen, ist im Abschnitt über die wirtschaftlich-organisatorische Festigung der LPG des Kreises Haldensleben hinlänglich nachgewiesen worden. Die Unzulänglichkeiten in einer Reihe von LPG hielten die meisten Einzelbauern nach wie vor davon ab, Genossenschaften beizutreten.

<1397>

Gemeint ist hier eindeutig der genossenschaftliche Sektor der Landwirtschaft. Das Büro der SED-KL Haldensleben formulierte in diesem Falle - wie so häufig - nicht präzise.

<1398>

LAMD-LHA, IV/4/5/ 67, Bl. 121.

<1399>

Vgl. ebenda.

<1400>

Vgl. ebenda, Bl. 231.

<1401>

Ebenda.

<1402>

Ebenda. Bl. 293.

<1403>

Erschwerend auf die politisch-ideologische Führungstätigkeit der KL wirkte sich die Entlassung der Sekretäre der KL in den MTS Flechtingen und Klüden aus. Wegen Unfähigkeit zu straffer Führung und aufgrund mangelhafter Kenntnisse mußten sie von ihren Funktionen entbunden werden. In drei von sieben MTS-Bereichen des Kreises fehlte damit vorerst ein verantwortlicher Sekretär. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/ 67, Bl. 232.

<1404>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/ 67, Bl. 338.

<1405>

Ebenda, Bl. 335. Selbst Genossenschaftsbauern in Leitungspositionen vertraten zeitweilig diese Ansicht.

<1406>

Vorschläge dieser Art sind als Widerspiegelung der "Vieweg-Diskussion" auf Kreisebene einzuordnen.

<1407>

LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 339.

<1408>

LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 219. Ähnliche Äußerungen finden sich auf diesem Blatt.

<1409>

LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 339.

<1410>

Ebenda. Daß diese Feststellung nur bedingt zutraf und daß den Genossenschaftsbauern lediglich eine partielle Mitbestimmung zugestanden wurde, ist weiter oben eingehender dargelegt worden.

<1411>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 339.

<1412>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/68, Bl. 260.

<1413>

Den Beschluß faßte das Politbüro des ZK der SED am 8. Januar 1952. Vgl. Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Chronik, Teil III, ... ,a. a. O. , S. 310.

<1414>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/66, Bl. 155. Die Direktive legte unter anderem fest, alle Abteilungen der KL und die Parteileitungen der Betriebe und Institutionen wären für die Verbesserung der Arbeit der Frauenausschüsse zuständig.

<1415>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/66, Bl. 155.

<1416>

Die Frauen legten im Verlaufe der Veranstaltung fest, auf die Erhöhung der Arbeitsdisziplin und -moral in ihren Heimat-LPG Einfluß nehmen zu wollen.

<1417>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/66, Bl. 155.

<1418>

In dem Bericht findet sich die bemerkenswerte Feststellung, die Qualifizierung der Frauen erfolge auch deshalb, “damit sie in den Kampf um ein einheitliches demokratisches Deutschland schneller einbezogen werden.“ LAMD-LHA, IV/4/5/66, Bl. 155. Die Logik dieser Argumentation ist nur über Umwege nachzuvollziehen.

<1419>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/68, Bl. 297.

<1420>

Vgl. ebenda, Bl. 297 ff.

<1421>

Die verbesserte Arbeitsmoral der LPG-Mitglieder ermöglichte es zum Beispiel, die Hackfruchternte termingerecht und ohne fremde Hilfe einzubringen.

<1422>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/68, Bl. 301.

<1423>

In der MTS Weferlingen verstand es der Sekretär der KL, Zusammenkünfte mit den gesellschaftlich aktivsten Frauen zu organisieren. Für die Bildung von Frauenkommissionen konnte er sie aber nicht gewinnen.

<1424>

Die Aufgabe der Frauenkommissionen bestand primär in der Förderung und Entwicklung der LPG-Bäuerinnen. Nach Auswertung ihrer positiven Erfahrungen mit der Tätigkeit der Frauenkommissionen im Kreis Haldensleben empfahl die SED-BL Magdeburg den MTS des Bezirkes Magdeburg, die Bildung von MTS- und Kreisfrauenkommissionen vorzunehmen. Eine solche "Empfehlung" kam einem Partei-auftrag gleich.

<1425>

Die Dorfzeitung ist als ein im deutschen Pressewesen neuartiger Zeitungstyp anzusehen, der nicht dem Charakter einer Tageszeitung entsprach.

<1426>

Diese erhielten vordem von den SED-BL und jene wiederum von der Parteiführung Order, Dorfzeitungen herauszugeben.

<1427>

In den Monaten Januar bis März 1956 erfolgte die Auflösung der bezirksgeleiteten PA bei den MTS. An ihre Stelle traten Sekretäre bzw. Instrukteure der SED-KL.

<1428>

Vgl. LAMD-LHA IV/4/5/66, Bl. 275.

<1429>

Ebenda, Bl. 273.

<1430>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/73, Bl. 492.

<1431>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/60, Bl. 154.

<1432>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/66, Bl. 275.

<1433>

Unter “realitätsnah“ verstand die KL die Widerspiegelung der objektiven Realität in dem von ihr gewünschten Sinne.

<1434>

Vgl. LAMD-LHA IV/4/5/66, S. 273.

<1435>

Ebenda, Bl. 274.

<1436>

Themen, wie z. B. Rolle und Bedeutung der DDR, würden in den Dorfzeitungen nicht behandelt werden.

<1437>

LAMD-LHA, IV/4/5/66, Bl. 267. Diese und ähnliche Diskussionen würden dazu beitragen, “vor dem Kreis stehende gesellschaftliche Aufgaben besser und schneller lösen zu helfen.“ LAMD-LHA, IV/4/5/66, Bl. 267.

<1438>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/66, Bl. 266.

<1439>

Vgl. ebenda.

<1440>

Wie bekannt, vermochten die Stationen diese kaum umzusetzen.

<1441>

Vgl. LAMD-LHA IV/4/5/66, Bl. 275.

<1442>

Ebenda.

<1443>

Sehr gut würde diese Probleme “Das Bündnis“ in seiner Nr. 8/1957 mit dem Artikel “Der Hilgesdorfer Liederkranz“ aufgearbeitet haben. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/66, Bl. 275.

<1444>

LAMD-LHA, IV/4/5/66, Bl. 267.

<1445>

Ebenda, Bl. 274.

<1446>

Vgl. ebenda, Bl. 277. An dieser Forderung wird wiederum die dominierende Rolle der Partei deutlich.

<1447>

LAMD-LHA, IV/4/5/66, Bl. 277.

<1448>

Vgl. ebenda, Bl. 286.

<1449>

Ebenda, Bl. 278.

<1450>

Das Büro der SED-KL verstand es sehr wohl, sie sich zunutze zu machen.

<1451>

LAMD-LHA IV/4/5/73, Bl. 491.

<1452>

Vgl. ebenda, Bl. 488 ff.

<1453>

Vgl. ebenda, Bl. 488. Im Kreis Haldensleben galten die Dorfzeitungsredakteure als Nachwuchskader der Massenorganisationen und staatlichen Institutionen.

<1454>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/73, Bl. 488.

<1455>

Genannt seien der 1. Mai und der Gründungstag der DDR.

<1456>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/73, Bl. 412.

<1457>

Bis zum Beginn der Umbesetzungen der Redakteure erwiesen sich die Redaktionen als voll arbeitsfähig. Es sei daran erinnert, daß das Büro der KL der SED auf einer Sitzung Ende Dezember 1957 festlegte, in allen MTS-Bereichen bis Ende März 1958 aus mehreren Mitarbeitern bestehende Redaktionen zu bilden. Vgl. LAMD-LHA IV/4/5/66, Bl. 286.

<1458>

LAMD-LHA, IV/4/5/73, Bl. 492.

<1459>

Vgl. ebenda.

<1460>

Vgl. ebenda, Bl. 489.

<1461>

Vgl. ebenda, Bl. 490. Diese Spritze müsse so angesetzt werden, daß es piekt, forderte die Propagandaabteilung der KL in o. g. Vorlage. In humorvoller Weise angebrachte Kritik würde häufig mehr bewirken, als bissige Bemerkungen, heißt es dort weiter.

<1462>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/73, Bl. 490.

<1463>

LAMD-LHA, IV/4/5/73, Bl. 483.

<1464>

Vgl. ebenda, Bl. 482.

<1465>

Vgl. ebenda, Bl. 485.

<1466>

Vgl. ebenda, Bl. 483.

<1467>

Vgl. ebenda, Bl. 487.

<1468>

LAMD-LHA, IV/4/5/60, Bl. 112.

<1469>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/61, B1. 240.

<1470>

Dennoch ging von den genannten Kommissionen im gesamten Verlauf der Getreideernte des Jahres 1956 weder für die LPG noch für die werktätigen Einzelbauern - die Unterstützung für letztere mahn-ten SED-KL und Rat des Kreises in regelmäßigen Abständen immer wieder an! - nennenswerte Hilfe aus. Die Gemeindevertretungen vernachlässigten den Drusch und die Druschplätze.

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/ 62, Bl. 171.

<1471>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/63, BL. 2. Wie aus den Darlegungen über die wirtschaftlich-organisatorische Festigung des Kreises Haldensleben ersichtlich ist, fruchteten diese Bemühungen im Grunde genommen nicht.

<1472>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/63, Bl. 7.

<1473>

Vgl. ebenda, Bl. 8.

<1474>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 49.

<1475>

Vgl. ebenda, Bl. 151.

<1476>

Vgl. ebenda, Bl.. 291.

<1477>

Ebenda, Bl. 342.

<1478>

Erntepläne für die Bergung der Hackfruchternte konnten zu Beginn der zweiten Septemberhälfte 1957 erst 23 LPG des Kreises vorweisen. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 343.

<1479>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/66, Bl. 89.

<1480>

Was nach den Forderungen des 32. Plenums des ZK der SED vom Juli 1957 unbedingt erforderlich gewesen wäre.

<1481>

Vgl. ebenda, Bl. 57.

<1482>

Auch Mittelbauern nahmen jetzt im Kreis Haldenslebendie Alternative “LPG“ an - allerdings noch immer zögerlich.

<1483>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 289.

<1484>

Ebenda.

<1485>

Vgl. ebenda, Bl. 296 ff.

<1486>

Womit eindeutig die vollständige Vergenossenschaftlichung gemeint war.

<1487>

Die Pläne sollten zuvor eingehend mit den LPG-Mitgliedern diskutiert werden.

<1488>

Für diese Arbeitsgruppen bestand Rechenschaftspflicht vor dem Kreistag.

<1489>

Dieser Beschluß datierte vom 4. 10. 1956.

<1490>

Der Typ I kam der Eigentümermentalität der Einzelbauern in gewissem Maße entgegen, da ihnen das Vieh, die Traktoren, die landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte als Eigentum und in individueller Nutzung verblieben.

<1491>

Daß von der Arbeitsweise der Gemeindevertretungen wesentlich Tempo und Qualität des Umgestaltungsprozesses auf dem Lande abhingen, ist unzutreffend. Die DDR-Historiografie behauptet dies jedoch. Auch ihr Einfluß auf die Betriebsführung der LPG ist als äußerst geringfügig zu bewerten. Die Gemeindevertretungen entschieden aber über solche strukturellen Fragen wie die des Gesund-heitswesens, der Kultur und der Bevölkerungsversorgung. Sie konnten bei der Vergabe von Wohnungen den LPG durchaus entgegenkommen.

<1492>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/61, BL. 175.

<1493>

Vgl. ebenda, Bl. 171.

<1494>

Vgl. Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Chronik, Teil III, ... , a. a. O. , S. 550.

<1495>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/63, Bl. 144.

<1496>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/61, BL. 175.

<1497>

LAMD-LHA, IV/4/5/64, Bl. 12.

<1498>

Ebenda.

<1499>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 224.

<1500>

In der Gemeindevertretung Altenhausen würden sich beispielsweise mehrere Genossenschaftsmitglieder, nur ungenügend für die Verwirklichung der genossenschaftlichen Belange einsetzen.Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, Bl. 224. Die LPG-Bauern müßten stärker Einfluß auf die Gemeindevertretungen nehmen und in ihren verschiedenen Kommissionen mitarbeiten.

<1501>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/ 65, Bl. 225.

<1502>

Vgl. ebenda, Bl. 226.

<1503>

Ebenda, Bl. 225.

<1504>

Ebenda, Bl. 226.

<1505>

So gab z. B. der Rat der Gemeinde Schackensleben auf mehreren Vorstandssitzungen der LPG den Vorstandsmitgliedern den Hinweis, der individuell genutzte Wald sei in genossenschaftliches Eigen-tum zu überführen und das Futter für die individuelle Viehhaltung sei entsprechend den Leistungen zu verteilen. Der LPG-Vorstand aber erteilte diesen Vorschlägen eine Absage. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/65, BL. 226.

<1506>

In diesem Zusammenhang wies es auf die Beachtung des Gesetzes über die örtlichen Organe der Staatsmacht vom Januar 1957 und die Kreistagsbeschlüsse hin.

<1507>

Einen ähnlichen Zustand registrierte die KL schon bei der Getreideernte.

<1508>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/66, Bl. 89.

<1509>

Eine große Zahl von Bürgermeistern stammte aus dem Arbeiterstande. Ihnen billigte das Sekretariat vorab eine große politische “Reife“ zu. Sie erschienen ihm politisch zuverlässiger als LPG- bzw. Einzelbauern oder Landarbeiter und prädestinierter als diese, die Ziele der Partei auf dem Lande durchzusetzen. In den Grenzgemeinden des Kreises Haldensleben kamen für den Posten des Bürgermeisters ausschließlich SED-Mitglieder infrage.

<1510>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 331.

<1511>

Vgl. Geschichte der Sozialistischen Einheitspartei ... , a. a. O. , S. 278.

<1512>

Ebenda.

<1513>

Vgl. ebenda, S. 279.

<1514>

Ebenda, S. 311.

<1515>

Vgl. Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Chronik, Teil III, ... , Berlin (O) 1967, S. 498.

<1516>

Die Konzeption für die Weiterführung der Kulturrevolution dürfte in Wirklichkeit zuvor von führenden Parteiideologen ausgearbeitet und vom Politbüro abgesegnet worden sein.

<1517>

Vgl. Protokoll der Verhandlungen des V. Parteitages der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, 10.-16. Juli 1958, Berlin (O) 1959, Bd. 2, S. 1388.

<1518>

Vgl. Geschichte der Sozialistischen Einheitspartei ... , a. a. O. , S. 381.

<1519>

Vgl. Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Chronik, Teil III, ... , a. a. O. , S. 626.

<1520>

So wurde diese Jugendbrigade damals von der offiziellen Propaganda bezeichnet.

<1521>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/47, Bl. 280.

<1522>

Vgl. ebenda, Bl. 307.

<1523>

Vgl. ebenda.

<1524>

Vgl. ebenda.

<1525>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/58, Bl. 218. Gemeindevertretungen und Bürgermeister, aber auch Parteien und Massenorganisationen, ließen in verschiedenen Dörfern die notwendige Tatkraft vermissen, um Genossenschafts- und werktätige Einzelbauern zur Teilnahme an bäuerlicher Winterschulung und Qualifizierung zu bewegen. Es sei aber vermerkt, daß nicht wenige werktätige Einzelbauern und LPG-Mitglieder, unter letzteren vorwiegend ehemalige Landarbeiter, sich hartnäckig gegenüber jeder Bildungsmaßnahme sperrten.

<1526>

Die Beteiligung blieb mit 37 Genossenschaftsmitgliedern in bescheidenem Rahmen. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/58, Bl. 218.

<1527>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/58, Bl. 218.

<1528>

Die Ausbildungsstätte Egeln-Nord schulte vom Januar bis März 1955 sieben MTS und 12 Feldbaubrigadiere. Die LPG-Schule Hohenwulsch bildete im Jahre 1955 12 Vorsitzende respektive Vorstandsmitglieder aus. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/58, Bl. 218.

<1529>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/58, Bl. 218.

<1530>

Vgl. ebenda.

<1531>

Vgl. ebenda. Dieses Resultat betrachteten das Büro der KL und die Abteilung Landwirtschaft als ungenügend.

<1532>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/58, Bl. 218.

<1533>

Unzureichend ausgebildete Vorsitzende “leiteten“ LPG u. a. in Erxleben und Wedringen. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/58, Bl. 216.

<1534>

So sei z. B. der abgelöste Vorsitzende der LPG Vahldorf ein früherer Inspektor auf den im Kreis Haldensleben gelegenen Ländereien des Herrn von Ribbentrop gewesen. Weitere Beispiele von vermeintlichen Klassengegnern in leitenden Stellungen finden sich in LAMD-LHA, IV/4/5/58, Bl. 216.

<1535>

Die LPG stellten bereits in den Vorjahren Kaderentwicklungspläne auf, die aber wegen angeblichem Arbeitskräftemangel nicht eingehalten wurden.

<1536>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/58, Bl. 230.

<1537>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/63, Bl. 16. Die Anleitung und Kontrolle der Dozenten sollte durch die Abteilung Landwirtschaft des Rates des Kreises erfolgen.

<1538>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/63, Bl. 7 ff.

<1539>

Vgl LAMD-LHA, IV/4/5/63, Bl. 16. Die Zahl der in Lehrgängen in den MTS-Bereichen ausgebildeten Genossenschaftsbauern zu Meistern belief sich auf 60. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/63, Bl. 16. wiederum fehlen hier die Angaben, innerhalb welches Zeitraumes die Ausbildung vonstatten ging.

<1540>

Die Zahl der in Lehrgängen in den MTS-Bereichen ausgebildeten Genossenschaftsbauern zu Meistern belief sich auf 60. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/63, Bl. 16. Wiederum fehlen hier die Angaben, innerhalb welches Zeitraumes dies geschah.

<1541>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/63, Bl. 16.

<1542>

Vgl. ebenda.

<1543>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/64, Bl. 15.

<1544>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 197.

<1545>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 282.

<1546>

Vgl. ebenda.

<1547>

Vgl. ebenda. Unter ihnen befanden sich die Vorsitzenden der LPG Erxleben, Haldensleben II und Wedringen.

<1548>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 282.

<1549>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 283.

<1550>

Vgl. ebenda.

<1551>

Das Ignorieren der Notwendigkeit der beruflichen Weiterbildung der jungen Menschen ließ auf mangelnde Bereitschaft der MTS-Verantwortlichen schließen, ihnen Verantwortung zu übertragen.

<1552>

Die leitenden Kader der MTS-Schackensleben besaßen fast ausnahmslos keine für die Ausübung von Leitungsfunktionen erforderliche fachliche Qualifikation. Die Begrenztheit ihres Wissens und Könnens verstellte ihnen den Blick auf die unbedingte Notwendigkeit der eigenen Qualifizierung und der Weiterbildung der Genossenschaftsmitglieder ihres Bereiches.

<1553>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 283.

<1554>

Ebenda. Als zusätzlichen Grund führte sie an, die Erwachsenenqualifizierung sei durch eine Reihe von Organen und Institutionen zu wenig koordiniert worden. Diese Tatbestände sprach das Büro der SED-KL bereits früher an. Im Frühjahr 1958 wies es darauf hin, die Förderung und Bildung der Kader als entscheidende Voraussetzung zur Stärkung der LPG werde in "vielen Fällen von den staat-lichen Organen, den Parteiorganisationen, Vorständen und einzelnen Mitgliedern unterschätzt." LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 337.

<1555>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 93.

<1556>

Ebenda.

<1557>

Ebenda.

<1558>

Sehr bald erfolgte deren Angliederung an die Kreislandwirtschaftsbetriebe.

<1559>

So hießen die Bildungsstätten zur Vorbereitung von Arbeiter- und Bauernkindern auf ein Hochschulstudium.

<1560>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/42, Bl. 150.

<1561>

Ein eben errichtetes Wohnheim in Uhrsleben stand frei, weil angeblich kein Geld für die Bezahlung der Ausbilder zur Verfügung stand.

<1562>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/ 58, Bl. 229.

<1563>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/62, Bl. 14.

<1564>

Vgl. ebenda, Bl. 83.

<1565>

Vgl. ebenda.

<1566>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/63, Bl. 17.

<1567>

Vgl. ebenda. In der landwirtschaftlichen Ausbildungsstätte Uhrsleben blieben über Jahre hinweg eine Reihe von Ausbildungsplätzen unbesetzt.

<1568>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 134.

<1569>

Die etwas hochtrabend als “Jugenduniversität“ titulierte Einrichtung stellte im Grunde genommen eine Erweiterung des Wirkens der Arbeitsgemeinschaft “Junge Neuerer“ dar.

<1570>

Vgl. dazu 2.2.7.

<1571>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/41, Bl. 24.

<1572>

Vgl. ebenda.

<1573>

Vgl. ebenda, Bl. 21 ff.

<1574>

Darunter die der Oberschule Haldensleben und der Keramischen Werke Haldensleben.

<1575>

Vgl. GBl. 1956, Nr. 23, S. 182.

<1576>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/64, Bl. 26.

<1577>

Vgl. ebenda.

<1578>

Vgl. ebenda, Bl. 29.

<1579>

Vgl. ebenda, Bl. 26.

<1580>

Wie der Abteilung Kultur des Rates des Kreises, dem Volkskunstkabinett, den Kulturbeiräten der MTS.

<1581>

LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 103.

<1582>

Vgl. ebenda, Bl. 136.

<1583>

Die Finanzierung erfolgte aus Lottomitteln.

<1584>

LAMD-LHA, IV/4/5/68, Bl. 13.

<1585>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 88.

<1586>

Ferner ging es ihm darum, eine engere Zusammenarbeit der örtlichen Organe der Staatsmacht mit dem FDGB, den Ausschüssen der Nationalen Front und den anderen Massenorganisationen auf kulturellem Gebiet zu erreichen.

<1587>

LAMD-LHA, IV/4/5/71, Bl. 308.

<1588>

Vgl. ebenda, Bl. 388 ff.

<1589>

Die gemeinsamen kulturpolitischen Beratungen sollten künftig noch mehr im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen.

<1590>

Ständige Kommissionen wurden bei den Bezirks- und Kreistagen, aber auch den örtlichen Volksvertretungen gebildet. Sie umfaßten beispielsweise die Ressorts örtliche Industrie, Landwirtschaft, Finanzen, Handel, Jugend, Volksbildung, Kultur. Als deklarierte Organe einer erweiterten Demokratie waren sie dazu gedacht, einen breiteren Kreis von Bürgern als nur die gewählten "Volksvertreter", an der staatlichen Arbeit zu beteiligen. Dies geschah aber alles unter den Bedingungen der sehr eingeschränkten Mit- und Selbstbestimmung der Bürger der DDR.

<1591>

Sie fand im Dezember 1955 statt.

<1592>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/71, Bl. 389.

<1593>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/73, Bl. 30. Das Büro konnte - oder mochte? - sich offenbar gegen derart

einschneidende Maßnahmen in seinem Bereich nicht wehren.

<1594>

Vgl. ebenda.

<1595>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 9 f.

<1596>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 86 ff.

<1597>

Vgl. ebenda.

<1598>

Hier seien Änderungen dringend geboten. Die Kulturarbeit dürfe nicht länger als Ressortaufgabe einiger Kulturfunktionäre angesehen werden.

<1599>

Ebenda.

<1600>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 87.

<1601>

Auf den bisher durchgeführten Wahlberichtsversammlungen der SED seien Fragen der kulturellen Entwicklung des eigenen Ortes bzw. Betriebes nicht erörtert worden. Eine Ausnahme bildeten ier Gemeinden. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 87. Es handelte sich dabei um die Dörfer Calvörde, Erxleben, Hundisburg und Neuenhofe.

<1602>

Diese Absicht tat der Rat öffentlich nicht kund.

<1603>

LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 88.

<1604>

Vgl. ebenda. Der stellvertretende Vorsitzende des Rates des Kreises schlug zur Belebung der Kulturarbeit auf dem Lande u. a. vor, die Ortsleitungen des Kulturbundes müßten künftig mehr Einfluß auf die verschiedenen Ständigen Kommissionen nehmen und ihnen helfen, wirksamer zu arbeiten.

<1605>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 90 f.

<1606>

Vgl. ebenda, Bl. 91.

<1607>

Ab und an mündete die künstlerische Freizeitbeschäftigung der jungen Landbewohner tatsächlich in einen festgefügten Berufsweg.

<1608>

LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 90.

<1609>

Ebenda, Bl. 91.

<1610>

Ihr Anspruchsniveau lag auf einer tieferen Ebene, als das der Städter.


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