Mahlich, Wolfgang: Die Herausbildung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in der DDR, dargestellt an der Entwicklung des Kreises Haldensleben, Bezirk Magdeburg (1952 bis 1960)

316

Kapitel 4. Auf dem Weg zum vollgenossenschaftlichen Dorf (Mitte 1958 bis Frühjahr 1960)

4.1 Die Entwicklung im ländlichen Raum der DDR vom V. Parteitag der SED bis zum Frühjahr 1960 (Kurzer Abriß)

Der V. Parteitag der SED, der vom 10. bis 16. Juli in Berlin stattfand, bestätigte die bisherige Politik der SED und bestimmte die Hauptrichtung und die grundsätzlichen Ziele der gesellschaftlichen Entwicklung in der DDR für die nähere Zukunft. Er stellte der produktiv tätigen Bevölkerung der DDR die Aufgabe, "während der nächsten Jahre die sozialistischen Produktionsverhältnisse in der DDR zum Siege zu führen und die Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus abzuschließen."<1611>

Dieses Vorhaben erforderte sowohl die materiell-technischen Grundlagen des Sozialismus auszubauen und die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft zum Abschluß zu bringen als auch die Veränderungen auf ideologischem und kulturellem Gebiet fortzuführen und den sozialistischen Staat als Hauptinstrument des sozialistischen Aufbaus weiter zu festigen.

Analog den anderen kommunistischen und Arbeiterparteien beschlossen die Parteitagsdelegierten als Beitrag im ökonomischen Wettbewerb zwischen Kapitalismus und Sozialismus die ökonomische Hauptaufgabe.<1612> Für den Parteitag bestand sie darin, die Volkswirtschaft der DDR binnen weniger Jahre derart zu entwickeln, "daß die Überlegenheit der sozialistischen Gesellschaftsordnung gegenüber der kapitalistischen Herrschaft umfassend bewiesen wird."<1613> Deshalb beschlossen die Delegierten, die Planziele für 1959 und 1960 zu erhöhen und nach Chrustschowschem Vorbild das Planungssystem auf die Siebenjahresplanung umzustellen.

In Verkennung der objektiven Möglichkeiten der Wirtschaft der DDR legte der Parteitag fest, im Pro-Kopf-Verbrauch bis zum Jahre 1961 die Bundesrepublik Deutschland im Verzehr von Grundnahrungsmitteln und den wichtigsten Konsumgütern zu übertreffen. Wie die Geschichte zeigte, blieb dies eine völlig illusorische Forderung.<1614>

Für die Landwirtschaft lautete die Zielstellung, bis Ende 1962 die Eigenversorgung der Bevölkerung mit landwirtschaftlichen Produkten und die weitgehende Versorgung der Industrie mit landwirtschaftlichen Rohstoffen sicherzustellen. Zu deren Realisierung hieß es,

  1. die Vorteile der gemeinschaftlichen Arbeit voll auszuschöpfen, die moderne Technik und neue agrarwissenschaftliche Erkenntnisse gezielter anzuwenden;

    317

  2. auf die Produktionserfahrungen führender VEG und LPG in sämtlichen Genossenschaften zurückzugreifen und die Einzelbauern durch stetige Überzeugungsarbeit für LPG zu werben.

In jeder Gemeinde sollte vorerst eine LPG entstehen. Bis dies überall durchgesetzt sei, empfahl der Parteitag eine kameradschaftliche Zusammenarbeit zwischen Einzel- und LPG-Bauern.

Vom Entwicklungsstand der Viehwirtschaft hing wesentlich die ökonomische Entwicklung der LPG ab. In Beachtung dessen verlangte der Parteitag, die Viehbestände innerhalb kurzer Zeit zu vergrößern und die notwendige Futtergrundlage durch die Ausweitung des Anbaus von Silomais, Zwischenfrüchten und Futterpflanzen zu schaffen. Diese Vorhaben erforderten nicht nur das Leistungsprinzip in allen LPG durchzusetzen und die Wettbewerbsbewegung breiter zu entfalten, sondern vor allem die Arbeitsorganisation und die Leitungstätigkeit in den Genossenschaften auf einen höheren Stand zu bringen.

Der Parteitag erklärte die Gewinnung der großen Zahl von Einzelbauern für die genossenschaftliche Großproduktion und die Unterstützung der neugebildeten LPG zu einer grundlegenden Aufgabe der politischen, ideologischen sowie wirtschaftlich-organisatorischen Arbeit der gesamten Partei.<1615> Ihre Lösung verlange die Mitwirkung der Arbeiter aus den Betrieben und aller in der Nationalen Front vereinigten gesellschaftlichen und politischen Kräfte. Es sei weiterhin notwendig, den Wirkungsgrad der Arbeit der Partei- und Massenorganisationen - vornehmlich der VdgB, und des FDGB - zu steigern sowie ein höheres Niveau in der Arbeitsweise der MTS und der VEG zu erreichen.

Der Parteitag definierte die qualitative Verbesserung der Unterstützung der LPG zur Hauptaufgabe der MTS in der nächsten Zeit. Zur Hebung der Arbeitsproduktivität im genossenschaftlichen und sozialistischen Sektor der Landwirtschaft empfahl der Parteitag den MTS:

Die MTS sollten auf die Entwicklung des Miteinander zwischen Genossenschafts- und Einzelbauern Einfluß nehmen, sich in die Bestrebungen zur Gewinnung aller Einzelbauern für LPG einschalten und bei den Einzelbauern die schwersten Feldarbeiten ausführen.


318

Von den VEG verlangte der Parteitag, sich zu sozialistischen Musterwirtschaften auf den Ebenen Produktionsleistungen, Niveau der Arbeitsproduktivität und Betriebsorganisation zu entwickeln.

Die Delegierten forderten von den VdgB, sich initiativreicher in den Umgestaltungsprozeß auf dem Lande einzuschalten und von den BHG, mit mehr Aktivitäten den sozialistischen Aufbau auf dem Lande unterstützen.<1616> Nur so könne die unmittelbare Zielstellung erreicht werden, in jedem Dorf eine LPG zu bilden.

Die GO der SED und die staatlichen Organe wurden verpflichtet zu gewährleisten, "daß die MTS besser als bisher zur Erhöhung der Arbeitsproduktivität in MTS und LPG und zur Herstellung der ökonomischen Überlegenheit aller LPG gegenüber den besten Einzelbauern im Dorf beitragen."<1617>

Die Parteitagsdelegierten appellierten an die Industriebetriebe und weitere sozialistische Einrichtungen, die Qualität ihrer Patenschaftshilfe zu erhöhen.

Sie setzten sich offensiv mit den agrarpolitischen Konzeptionen Viewegs und Oelßners auseinander. Nach dem 33. Plenum des ZK der SED im Herbst 1957 sei in der gesamten DDR erfolgreich begonnen worden, opportunistischen und revisionistischen Ansichten und der daraus resultierenden Selbstlauftheorie entgegenzutreten. Die Realität habe die Auffassungen Oelßners und anderer Opportunisten widerlegt. Diese behaupteten, der Fortgang der LPG-Bildung erschwere die Versorgung der Bevölkerung. Obwohl die LPG laut Parteitag ihre Überlegenheit bewiesen hätten, charakterisierte Mückenberger die Ansichten o. g. Agrarexperten, die LPG der freien Konkurrenz bäuerlicher Betriebe auszusetzen, "als ernstes Hemmnis für die Entwicklung der sozialistischen Großproduktion auf dem Lande" und als Selbstlauftheorie.<1618> Der Parteitag erklärte, die Partei dürfe sich nicht davon abbringen lassen, einen entschiedenen Kampf gegen revisionistische und opportunistische Auffassungen in der sozialistischen Landwirtschaft zu führen. Neutralen bzw. liberalistischen Auffassungen von Mitarbeitern des Staatsapparates und von Massenorganisationen im Zuge der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft sei mit Nachdruck zu begegnen.

Auf reges Interesse unter den Delegierten aus dem Bereich der Landwirtschaft stieß das Modell des MTS-Bereiches Golzow, Bezirk Frankfurt/Oder, das Ulbricht vorstellte. Neben dem Umfang bzw. der Konzentration der Produktionsfaktoren ließ es schon die künftige Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktionsprozesse in Richtung Kooperation und Spezialisierung erkennen.

Aus der Fülle der Festlegungen sei noch das bisher umfassendste Programm zur Entwicklung des geistig-kulturellen Lebens auf sozialistischer Grundlage erwähnt. Es sollte dazu beitragen, die kulturelle Rückständigkeit des Dorfes gegenüber der Stadt zu verringern.

Die Magdeburger Delegation gab auf dem Parteitag bekannt, das Gebiet der Wische zum ersten


319

sozialistischen Landwirtschaftsgebiet des Bezirkes Magdeburg zu entwickeln.<1619>

Nach der Auswertung der Beschlüsse des V. Parteitags stellte sich die SED-Bezirksparteiorganisation Magdeburg neue höhere Ziele. Sie strebte an, die Bildung von LPG in enger Verbindung mit Produktionssteigerungen in der Pflanzen- und Tierproduktion voranzutreiben. Über verbesserte Agitation unter den Einzelbauern und durch die Entwicklung der LPG zu solchen landwirtschaftlichen Großbetrieben, die auf die Einzelbauern Anziehungskraft ausüben konnten, sollten bis 1960 nicht mehr wie ursprünglich vorgesehen

60 Prozent, "sondern 65 Prozent der LNF des Bezirkes genossenschaftlich bearbeitet werden."<1620> Für die VEG des Bezirkes sah die Zielstellung vor,,. 5,9 Prozent der LN des Bezirkes zu bewirtschaften.<1621>

Die Entwicklung der VEG des Bezirkes beunruhigte die SED-BL. Von den 85 VEG des Bezirkes Magdeburg arbeiteten 1957 nicht mehr als 24 mit Gewinn, 1958 sollten es 30 sein.<1622> Die ökonomischen Resultate der VEG im Bezirk Magdeburg im Jahre 1958 waren nicht dazu angetan, Einzelbauern von den Vorzügen des Großbetriebes sozialistischer Art zu überzeugen. Die SED-BL Magdeburg lastete ihnen denn auch den nach ihren Vorstellungen zu geringen Fortgang der Vergenossenschaftlichung innerhalb des Bezirkes mit an.<1623>

Auf die VEG des Kreises Haldensleben traf diese Feststellung nicht ungeteilt zu. Hier erreichten inzwischen drei von sieben VEG überdurchschnittliche Leistungen. Das VEG Tundersleben fand internationale Anerkennung in der Schafzucht. Das VEG Hundisburg entwickelte sich zu einem der besten Tierzuchthauptgüter des Bezirkes. Das VEG Seggerde produzierte hochwertiges Faserleinen und Futtersorten - wie Erbsen - in anspruchsvoller Qualität.<1624> Die gewachsene Stärke dieser VEG mündete aber nicht in eine umfassendere Unterstützung der LPG des Kreises.

Unmittelbar vor dem V. Parteitag der SED beschloß Ende Juni 1958 der Bundesvorstand des

FDGB ein Programm zur Förderung des sozialistischen Aufbaus auf dem Lande. Bis Ende 1958 schlossen Betriebsgewerkschaftsleitungen von VEB 9 835 Patenschaftsverträge mit LPG, 577 mit MTS und 494 mit VEG ab.<1625> 5 795 allgemeinbildende Schulen übernahmen Patenschaftsverpflichtungen


320

gegenüber LPG.<1626>

Im Bezirk Magdeburg gingen bis Ende 1958 rund 2 000 Industriearbeiter aufs Land.<1627>

Ein weiterer Schritt in Richtung vollständiger Vergenossenschaftlichung ist in der Festlegung des ZK der SED und des Nationalrats der Nationalen Front zu sehen, in allen Dörfern unter der propagandistischen, oft gebrauchten Losung “Plane mit - Arbeite mit - Regiere mit“ Perspektivpläne auszuarbeiten und in Gemeindeversammlungen zu beraten.<1628> Die Bestätigung dieser Pläne erfolgte nach vorangegangener Überprüfung durch die zuständige SED-KL formal in öffentlichen Gemeindeversammlungen.<1629> Die für jede Gemeinde detailliert aufgeschlüsselten Steigerungsraten deuteten an: Die den Einzelbauern von der Parteiführung eingeräumte “Bedenkzeit“ ging zur Neige. Veränderungen in der praktischen Politik gegenüber den Einzelbauern ließen nicht auf sich warten.

Die MTS konzentrierten ihre Hilfeleistung für die LPG in der neuen Etappe der Genossenschaftsbewegung verstärkt auf die Entwicklung und Festigung der Genossenschaften. Sie erhielten zur Lösung ihrer Aufgaben weitere finanzielle Zuwendungen.<1630> Der Maschinenpark der MTS erfuhr eine erhebliche Ausweitung. Er erreichte aber noch längst nicht ein Niveau, das für die Erfüllung der Anforderungen an eine effektive Großflächenwirtschaft in Umfang und Qualität notwendig gewesen wäre.<1631>

In den meisten MTS des Bezirkes Magdeburg, die des Kreises Haldensleben nicht ausgenommen, gab es unerschlossene Reserven bei der Durchsetzung des Zweischichtsystems. Um einen spürbaren Aufschwung der Produktivität der LPG herbeizuführen, sie für ökonomisch gefestigte Einzelbauernbetriebe zu einer akzeptablen Alternative zur individuell betriebenen Wirtschaft zu gestalten, mußten mehr als bisher das Zweischichtsystem und das Leistungsprinzip in den MTS und die Verbesserung der Arbeitsmoral in den LPG durchgesetzt werden.

Die Unterstellung der Traktorenbrigaden unter die Einsatzleitung von LPG-Vorsitzenden schritt weiter voran. Im Bezirk Magdeburg bezifferte sie sich Ende 1958 auf 53.<1632> Bereits ausgangs des Jahres 1958 arbeiteten in der gesamten DDR in den meisten LPG des Typs III die Traktorenbrigaden unter Regie von LPG-Vorsitzenden.

Zur Lösung der neuen Aufgaben forderte die SED-Führung die Mitarbeit breiter Bevölkerungsschichten und aller in der Nationalen Front vereinigten politischen Kräfte. Dabei zeigten sich - auch im Bezirk


321

Magdeburg - die Mitglieder der DBD besonders aktiv. Die DBD intensivierte ihre agitatorische Arbeit in den dörflichen Ortsgruppen und erreichte so, daß eine wachsende Zahl ihrer Mitglieder in LPG eintrat. Bei der Führung des Wettbewerbs unterstützte sie die Ortsvorstände der VdgB. So gelang es, 1958 im Bezirk Magdeburg mehr als 200 Gemeinden in den Wettbewerb um “Das schöne Dorf“ einzubeziehen.<1633>

Nach dem V. Parteitag der SED im Sommer 1958 verstärkte sich der propagandistische und ökonomische Druck auf die Einzelbauern erneut, um sie zum Eintritt in LPG zu bewegen.<1634> Im Bezirk Magdeburg versuchten Partei- und Staatsorgane flächendeckend, “mittels ökonomischem Druck Einzelbauern in die LPG zu drängen.“<1635> In Befolgung der Beschlüsse der 2. Zentralen MTS-Konferenz, die vom 24. bis 26. Januar 1958 in Güstrow stattfand, kamen die Mähdrescher und Vollerntemaschinen von MTS nicht mehr auf den Feldern der Einzelbauern zum Einsatz. Die LPG setzten die einfache von den MTS übernommene Technik trotz der Auflage, diese auch bei Einzelbauern anzuwenden bzw. diesen zur Verfügung zu stellen, zumeist nur auf den genossenschaftlichen Feldern ein. Auch im Kreis Haldensleben verhielt es so. Die veränderte Konstellation verlangte von den Einzelbauern und deren Familienangehörigen im Produktionsprozeß einen noch höheren physischen Einsatz als zuvor.<1636>

Erschwerend auf die Wirtschaftsführung der Einzelbauern wirkten sich ferner solche agrarpolitischen Maßnahmen “wie die zunehmende Behinderung und Einschränkung des Verkaufs von Traktoren und größeren Landmaschinen an private Landwirte“ aus.<1637> Die Räte der Kreise und Gemeinden nutzten die neuen einschränkenden Bestimmungen für MTS-Leistungen und ihre Befugnisse bei Kauf, Verkauf und Pachtung von Boden dazu, um “die Bauern durch Druck zum Eintritt in die LPG zu zwingen.“<1638> Mit der beschleunigten LPG-Bildung einhergehende flankierende Maßnahmen gegen Einzelbauern verungünstigten besonders die Reproduktionsbedingungen der Wirtschaften mit über 20 Hektar LN.<1639> Ab dem Spätsommer 1959 stellten verschärfte Bedingungen für die Beschäftigung von Saisonarbeitskräften vornehmlich die großbäuerlichen Betriebe vor eine schwierige Arbeitskräftesituation.

Eine ausgangs des Jahres 1957 begonnene Kampagne sah vor, Gemeinschaftseinrichtungen und Maschinen der BHG den LPG zu übergeben, um durch Einsparung der von ersteren erhobenen Handelsspanne die Einkünfte der LPG zu erhöhen. Lokale SED-Funktionäre veranlaßten mitunter die Schließung von BHG-Läden und sorgten für die Übergabe von BHG inklusive sämtlicher Einrichtungen an


322

LPG. Bis zur Unterbindung dieses überzogenen Handelns durch zentrale Verfügungen im Jahre 1958 kam es zur Liquidierung von 234 BHG, “um auf diese Weise einen gewissen ökonomischen Druck auf die Einzelbauern auszuüben.“<1640>

Das ZK der SED setzte sich Mitte September 1958 mit Überspitzungen im Zuge der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft auseinander. Es verlangte, das Prinzip der Freiwilligkeit bei der Bildung von Genossenschaften zu wahren - wohlwissend, daß ohne Druck die Genossenschaftsbewegung auf der Stelle treten würde.<1641> Die Verurteilung der Anwendung von Druck bei der LPG-Bildung durch die SED-Führung war nicht mehr als eine Geste für die Öffentlichkeit. Die Repressalien gegen Einzelbauern rissen bis zum Frühjahr 1960 nicht ab. In der Endphase der LPG-Bildung nahmen sie an Vielfalt und Heftigkeit noch zu.

Im Jahre 1958 erzielte die DDR-Landwirtschaft einen Aufschwung in einer Reihe von landwirtschaftlichen Produkten. So stieg das staatliche Aufkommen je Hektar LN 1958 im Vergleich zu 1955 bei Schlachtvieh um 14,5 kg je Hektar, bei Milch um 148,3 kg, bei Eiern um 99,7 Stück.<1642> Die Pflanzenproduktion verzeichnete 1958 mit 25,2 dt Getreide je Hektar den bis dahin höchsten Jahresdurchschnittsertrag.<1643> In der gesamten Pflanzenproduktion konnte ein Zuwachs von 4,5 dt GE/ha im Vergleich zu 1956 erreicht werden.<1644>

Die LPG erreichten Fortschritte in der Höhe der AE. In den LPG des Typs III stieg der reale Wert der AE um fast 40 Prozent auf 4,42 DM, womit er aber noch immer um beinahe
drei DM unter der Grenze für staatliche Stützungsmaßnahmen lag.<1645> Die Zahl der die Wirtschaftlichkeit erreichenden LPG wuchs, während die Anzahl derer mit nichtverteilbaren Einkünften sich reduzierte. Die folgende Tabelle gibt Auskunft über die Zahl der LPG des Typs III, die ohne Stützung ihrer AE auskamen.<1646> Aber genauso über Genossenschaften, die über keine Einkünfte für AE erwirtschafteten sowie wiederum ihren prozentualen Anteil an der Gesamtzahl der LPG des vorgenannten Typs.


323

Tabelle 33: Anzahl der LPG des Typs III mit ungestützten AE und ohne Einkünfte für AE in den Jahren 1956 bis 1958 im DDR-Maßstab<1647>

Jahr

LPG Typ III

ohne Stützung

LPG Typ III

mit voller Stützung

 

absolut

in %

absolut

in %

1956

357

6,8

1 700

32,1

1957

740

13,3

1 293

23,3

1958

1 049

16,5

784

12,3

Der bedingte wirtschaftliche Aufschwung der LPG basierte nur zum Teil auf deren erhöhter Leistungsfähigkeit<1648>, vielmehr begünstigten die in den Jahren 1957/58 neu festgelegten Agrarpreise die LPG erheblich. Die Austritte aus LPG flauten aufgrund der verbesserten Gesamtsituation vieler Genossenschaften im DDR-Maßstab ab.

Tabelle 34: Mitgliederschwund und -zuwachs in LPG der DDR in den Jahren 1956 bis 1958<1649>

Jahr

Mitglieder

Austritte

Eintritte

Differenz

1956

219 599

35 960

58 350

22 390

1957

229 026

38 000

48 769

10 769

1958

352 938

33 400

157 312

123 912

In den Jahren 1957/1958 unterstützte die Parteiführung die LPG der DDR mit mehr als zwei Milliarden DM, die diesen als Ermäßigungen, Fördermaßnahmen und in Form von Streichungen offener Abgaben zuteil wurden.<1650> Dennoch blieb im Jahre 1958 die Mehrzahl der 6 369 LPG des Typs III auf staatliche Stützungen angewiesen, um den Mindestwert der AE von 7 DM an die Genossenschaftsbauern auszahlen zu können.<1651>


324

Trotz verbesserter Leistungsfähigkeit der LPG wuchsen die Aufwendungen für ihre Festigung von 330 100 000 DM im Jahre 1957 auf 374 000 000 DM im Jahre 1958.<1652> Ihre zunehmende Anzahl sei aber beachtet. Zur Erfüllung der Beschlüsse des Ministerrates vom 12. Juni 1958 stellte der Staat für das Jahr 1959 Mittel in Höhe von 38 600 000 DM zur Verfügung.<1653> In wirtschaftlich schwachen LPG sollten damit 9 388 600 AE auf 7 DM gestützt werden.<1654>

Im Herbst 1958 verringerte sich das Tempo der LPG-Bildung wiederum. Selbst in Aussicht gestellte Vergünstigungen und Erleichterungen im Falle eines Genossenschaftsbeitritts und logische Argumente bewogen die Mehrheit der Einzelbauern nicht dazu, LPG-Mitglied zu werden. Dazu hätte es der deutlichen Überlegenheit der LPG gegenüber den Einzelbauernbetrieben bedurft, die zu erreichen im Regelfall nicht gelang. Zumeist erzielten die individuell wirtschaftenden Bauern in den Jahren 1958/59 noch immer höhere Erträge und Einkünfte als die Genossenschaftsbauern. Einzelbäuerliche Familienbetriebe erreichten 1957 ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 5 000 DM, während Familien von Genossenschaftsmitgliedern auf nicht mehr als 4 300 DM verweisen konnten. LPG-Mitglieder ohne individuelle Hauswirtschaft - das waren 55 Prozent - kamen auf lediglich 3 700 DM.<1655>

Vor 1958/59 ging lediglich von wenigen LPG - sogenannten Leuchttürmen, die besondere staatliche Förderung erfuhren - eine gewisse Anziehungskraft auf Einzelbauern aus. Als in hohem Maße hinderlich für die Weiterentwicklung der LPG wirkte sich neben den verschiedentlich genannten Mängeln die Stützung des Wertes der AE in schlecht geleiteten, instabilen LPG durch den Staat aus, die “... der Passivität Vorschub leistete und parasitäre Verhaltensweisen begünstigte.“<1656>

Von der materiellen Komponente einmal abgesehen, hielt die Ignoranz wesentlicher Seiten der genossenschaftlichen Selbstbestimmung durch Staatsorgane, mehr noch die der jeweiligen SED-KL, Einzelbauern davon ab, in LPG einzutreten.<1657>

Am Ende des Jahres 1958 bestanden in der DDR 9 637 LPG.<1658> Sie umfaßten damit 37 Prozent der LN des Landes.<1659> 240 Dörfer produzierten in der DDR auf vollgenossenschaftlicher Basis.<1660>


325

Der Bezirk Magdeburg wies am Jahresende 1958 915 LPG auf<1661>, darunter 124 vom

Typ I.<1662>

Im Kreis Haldensleben erhöhte sich im Jahre 1958 die Zahl der LPG auf 66.<1663> Die absolute Mehrheit bildeten LPG des Typs III mit 4 185 Mitgliedern, darunter 2 048 Frauen.<1664>Die LPG dieses Kreises bewirtschafteten am Ende des Jahres 1958 31 606 Hektar und damit 41,1 Prozent der LN des Kreises.<1665>

Das Jahr 1959 markierte eine entscheidende Entwicklungsetappe auf dem Wege zur Durchsetzung der Zielstellungen des sozialistischen Aufbaus auf dem Lande. In jenem Jahr schuf die Parteiführung wichtige ökonomische, politische und organisatorische Voraussetzungen für die Einbeziehung aller Einzelbauern in LPG. Sie setzte bei der Veränderung der Verhältnisse auf dem Lande in nicht unerheblichem Maße auf die Bäuerinnen. Bedingt durch ihre traditionelle Stellung in den Einzelbauernwirtschaften und ihre hohe Belastung im Arbeitsprozeß sowie im Haushalt bestand bei den Bäuerinnen ein objektives Interesse, in LPG einzutreten. Am 28. und 29. Januar 1959 beriet die Zentrale Bäuerinnenkonferenz in Erfurt darüber, wie die Bäuerinnen effektiver in die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft einbezogen werden könnten. Sie sollte zur Beschleunigung des Tempos der Vergenossenschaftlichung beitragen.<1666>

Die VI. LPG-Konferenz fand vom 20. bis 22. Februar 1959 in Leipzig statt.<1667> Von ihr ging eine Reihe von Anregungen zur Verwirklichung der vom V. Parteitag der SED festgelegten agrarpolitischen Vorhaben aus.<1668> Sie empfahl:


326

Die neuen Musterstatuten übernahmen im wesentlichen - doch detaillierter und konkretisierter - die Bestimmungen der bisher geltenden Statuten. Sie fußten auf den bisherigen Resultaten des Aufbaus des Sozialismus auf dem Lande, berücksichtigten die mehrjährigen Erfahrungen in der genossenschaftlichen Produktion und trugen den künftigen Tendenzen des genossenschaftlichen Sektors der Landwirtschaft Rechnung.

Die Konferenz erachtete es für notwendig, die Musterstatuten der LPG vom Typ I den gewandelten Bedingungen anzupassen. Danach konnte die Mitgliederversammlung festlegen, Grünland, Dauerkulturen sowie Obst und Hopfenanlagen sowie Wald genossenschaftlich zu bewirtschaften.

Durch die Schaffung von Voraussetzungen für die genossenschaftliche Viehhaltung sollte allmählich der Übergang zum Typ III vollzogen werden.

Die Ergebnisse vieler LPG waren wie zuvor nicht dazu angetan, Einzelbauern zum LPG-Beitritt zu stimulieren. Deshalb hielt es die Parteiführung für angebracht, die Musterstatuten für alle LPG-Typen so abzuändern, daß sie den beitrittsbereiten Einzelbauern die Möglichkeit eröffneten, neben bestehenden neue LPG zu bilden, “die zunächst weder mit den Fehlern noch mit den Schulden der bereits vorhandenen Kollektivwirtschaften belastet waren.“<1670>

Die Konferenz beriet außerdem den Entwurf eines LPG-Gesetzes. Die Empfehlungen der

VI. LPG-Konferenz zur leihweisen Übergabe der MTS-Technik an fortgeschrittene LPG und zu den neuen Musterstatuten erhielten durch das Präsidium des Ministerrats der DDR im April 1959 Gesetzeskraft.

Die Steigerung der tierischen Produktion gewann ausgangs der fünfziger Jahre für die wirtschaftlich-organisatorische Festigung der LPG an Bedeutung. Die Erhöhung der Tierbestände verlangte von den LPG des Typs III, in kurzer Zeit genügend Stallraum zu schaffen. In der Rinderhaltung hielt die Parteiführung weiterhin am Rinderoffenstallprogramm fest. Mit der Durchsetzung dieses Programms Ende der fünfziger Jahre verknüpfte die Parteiführung die Hoffnung, es würde bis zu einer fünfzigprozentigen Arbeitseinsparung führen und dazu beitragen, gesündere, leistungsfähigere Tiere aufzuziehen.<1671> Die Errichtung von Offenställen, die überwiegend aus Holz und damit kostengünstig erbaut werden konnten, schienen eine gangbare Alternative zu den konventionellen Massivbauten zu sein. Nachdem bereits die 33. ZK-Tagung im Herbst 1957 den Übergang zur Offenstallhaltung der Rinderbestände beschloß, traf im Frühjahr 1959 der Ministerrat der DDR eine ähnliche Festlegung. Der von ihm verabschiedete Beschluß sah ab dem Jahre 1960 vor, “daß das Offenstallbauprogramm für die Landwirtschaft in der Mastenbauweise durchgeführt wird ... und zur vollen Anwendung industrieller Baumethoden die Produktion industriell vorgefertigter Bauelemente auch für den Innenausbau veranlaßt wird."<1672>


327

Die hochgesteckten Erwartungen, die sich mit dem Bau von Offenställen sowie von Schweinehütten verbanden - 1958 bereits 3 367 an der Zahl - erwiesen sich als Trugschluß.<1673> Den LPG fehlten oft die betriebswirtschaftlichen Voraussetzungen, die für eine hochintensive, doch nur unter bestimmten Bedingungen erfolgversprechende Laufstallhaltung notwendig sind.<1674> Baustoffmangel und fehlende Baukapazitäten führten dazu, daß Offenställe oftmals nicht voll ausgebaut wurden und nur behelfsmäßig zur Nutzung gelangten. Damit war eine ordnungsgemäße Rinderhaltung in den neuen Ställen ausgeschlossen. Die verringerte Milchproduktion der Kühe und hohe Tierverluste veranlaßten viele LPG, die Offenställe zweckentfremdet als Scheunen und Garagen zu nutzen. Andere wiederum bauten sie zu geschlossenen Ställen um.<1675>

Der verstärkte Maisanbau konnte ebenfalls nicht als durchschlagender Erfolg verbucht werden. Aufgrund fehlender Erfahrungen und kaum geeigneter Technik brachten die Bauern häufig nur die Hälfte der geplanten Ernte ein. Die Konservierung von Mais in Silos als langzeitige Futterbasis für die anwachsenden Viehbestände erforderte spezielle Kenntnisse, die den LPG-Bauern fehlten. Als Folge dessen stellten sich Minderungen der Qualität und Verluste bei der Silierung ein.

Ende der fünfziger Jahre trat unter den Einzelbauern die Tendenz auf, vor einem LPG-Beitritt ihr Inventar zu veräußern und ihre Viehbestände zu schlachten. Die Weiterentwicklung von LPG des Typs III hing aber wesentlich von einem umfassenden und gesunden Tierbestand ab. Deshalb traf die Regierung der DDR auf Anregung der Parteiführung hin Maßnahmen, die beim Fortgang des Umgestaltungsprozesses den zu erwartenden Einbruch der Viehbestände aufgrund von Schlachtungen nicht ausufern ließen.<1676>

Im Frühjahr 1959 begannen wirtschaftlich gefestigte LPG vom Typ III, denen bereits alle oder die überwiegende Mehrheit der Bauern eines Dorfes angehörten, die zuvor den Vorsitzenden unterstellte Technik der MTS leihweise zu übernehmen. Diese Maßnahme sollte helfen, den Einsatz der modernen Technik effektiver und den Produktionsablauf überschaubarer zu gestalten, die Selbstkosten zu senken, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der LPG zu stärken und schließlich die Anziehungskraft der Genossenschaften auf die Einzelbauern zu erhöhen. Die Jahresarbeitsverträge wurden in Leihverträge umgewandelt. Ca. 40 Prozent der etwa 600 MTS der DDR meldeten unmittelbar vor dem Abschluß der LPG-Bildung die Übergabe ihrer gesamten Technik an LPG.<1677> Jenen LPG, die die Technik noch nicht erhielten, empfahl die Parteiführung eine enge Zusammenarbeit zwischen Genossenschaftsbauern und


328

MTS-Brigaden. Ulbricht begründete die Übergabe der MTS-Technik an fortgeschrittene LPG mit der Notwendigkeit der höchstmöglichen Auslastung der Technik sowie der Kostenersparnis.<1678>

Die schrittweise Übergabe der Technik der MTS an die LPG führte zur Herausbildung neuer Widersprüche. Sie erwuchsen daraus, daß die LPG nach der Übernahme der MTS-Technik nicht umhin kamen, die Reproduktion der Grundfonds abzusichern, die individuell wirtschaftenden Bauern aber nicht zur Deckung der Kosten herangezogen wurden. Die Parteiführung sah die Lösung der aus ihrem Blickwinkel ökonomisch nicht vertretbaren Situation in der "... Herstellung einheitlicher sozialökonomischer Verhältnisse im Dorf.“<1679>

Am 3. Juni 1959 beschloß die Volkskammer der DDR das Gesetz über die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften. Das genossenschaftliche Eigentum, das Privateigentum der Bauern am Boden, die Stellung der Genossenschaftsbauern und ihre Rechte und Pflichten in den LPG erhielten somit eine umfassende rechtliche Grundlage.<1680> Es bestimmte den Charakter der LPG als sozialistische Großbetriebe gleichberechtigter Mitglieder. Mit dem Erlaß des LPG-Gesetzes verband sich die Hoffnung, es würde dazu beitragen, den genossenschaftlichen Zusammenschluß aller Bauern zu fördern.

Um den Aufbau des Sozialismus auf dem Lande weiter voranzutreiben und die bestehenden LPG auf dem Wege zu rentablen landwirtschaftlichen Großbetrieben voranzubringen, wurden in den Dörfern der DDR dringend umsichtige, erfahrene Arbeitskräfte aus städtischen Großbetrieben benötigt. Bereits im Herbst 1958 begann der Zustrom qualifizierter Arbeiter aufs Land. In den ersten Monaten des Jahres 1959 erhöhte er sich weiter. Auf Betreiben des ZK der SED nahmen bis zum 30. Juni 1959 rund 5 000 und bis zum Jahresende weitere Tausende von Arbeitern aus Industriebetrieben eine Tätigkeit in den Dörfern auf.<1681> Insgesamt gingen vom Jahre 1954 bis zum Jahre 1960 48 029 Industriearbeiter nebst ihren Familienangehörigen aufs Land<1682>, davon allein in den Jahren 1958 bis 1960 14 486.<1683>

Am Wettbewerb “Das schöne Dorf“ beteiligten sich beinahe alle Gemeinden der DDR. Er trug in Sonderheit zur Veränderung des Erscheinungsbildes der Dörfer bei. Ein Wettbewerbspunkt beinhaltete die Gewinnung von Einzelbauern für LPG. Nach vorangegangener Steuerung durch die SED-KL, die Nationale Front, die OPO der Dörfer und die BPO von MTS fand der Wettbewerb in VEG und LPG regen Zuspruch.

Die MTS weiteten ihre Wettbewerbsbewegung aus. So standen im Mai 1959 174 MTS-Brigaden des Bezirkes Magdeburg unter der Losung “sozialistisch arbeiten, lernen und leben“ im Wettbewerb.<1684>


329

Die 6. Tagung des ZK der SED Mitte September 1959 beriet den Entwurf des Siebenjahrplanes für die Entwicklung der Volkswirtschaft, der den zweiten Fünfjahrplan auf einer höheren Stufe fortsetzen sollte. "Faktisch jedoch wurde die Wirtschaft von 1956 bis 1965 vorwiegend operativ durch Jahrespläne geleitet."<1685>

Im Jahre 1959 konnte die Erarbeitung von Maßnahmen zur schrittweisen Aufhebung der Pflichtablieferung nicht mehr aufgeschoben werden. Ihre Beibehaltung hätte sich hemmend auf die Steigerung der Produktion und die Senkung der Selbstkosten ausgewirkt und eine Spezialisierung der Produktion behindert. Desgleichen stand die Einführung einheitlicher Agrarpreise zur Disposition. Das doppelte Preissystem begünstigte das Bestreben verschiedener örtlicher Staatsorgane und von LPG, die Wirtschaftlichkeit dadurch zu erreichen, indem sie das Ablieferungssoll künstlich niedrig hielten. Gefestigte LPG mit hoher Marktproduktion erreichten aufgrund niedriger Pflichtablieferungsnormen und höherer Aufkaufpreise ungerechtfertigt hohe Erlöse. Deshalb bestand bei ihnen lediglich ein gedämpftes Interesse an einer Produktionssteigerung.

Durch grundlegende Veränderungen in der Struktur und der Arbeitsweise der GO der SED sowie der örtlichen Staatsorgane auf dem Lande entstanden günstigere Voraussetzungen für eine Beschleunigung der Agrarumwälzung.<1686>

Vom 10. bis 13. Dezember 1959 fand die 7. Tagung des ZK der SED statt.<1687> Sie ist offensichtlich als Ausgangspunkt für den zügigen Abschluß der LPG-Bildung anzusehen, wie die in den folgenden Wochen eingeleiteten Maßnahmen zeigten. Das ZK der SED stellte der Landwirtschaft die Aufgabe, in den Hektarerträgen und in der tierischen Produktion das Weltniveau zu erreichen.<1688> Dazu sei es notwendig, die moderne Technik rationell einzusetzen und neue Erkenntnisse der Agrarwissenschaft in der gesamten landwirtschaftlichen Produktion umfassend anzuwenden. Die Tagung sah die entscheidende Voraussetzung für die maximale Steigerung der landwirtschaftlichen Marktproduktion und eine Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln in der Festigung und vollständigen Durchsetzung der sozialistischen Produktionsverhältnisse auf dem Lande. Dies bedeutete, die Überführung der noch verbliebenen Einzelbauern in LPG in nächster Zeit abzuschließen.

Die beschleunigte Durchführbarkeit dieses Vorhabens bestätigte eine Erfolgsmeldung, die - welch ein Zufall! - das ZK noch während seiner Tagung erreichte. Als erste der DDR vermeldete am 12. Dezember 1959 die SED-KL Eilenburg, Bezirk Leipzig, sämtliche Bauern des Kreises in LPG zusammengeschlossen


330

zu haben.<1689> Diesem Resultat ging eine äußerst intensive, systematische Werbekampagne von etwa 600 Agitatoren der Parteien, Massenorganisationen und Arbeitern aus Industriebetrieben unter Führung der SED-KL voraus.<1690>

Die Tagung empfahl den staatlichen Organen auf dem Dorf, ihre Aufmerksamkeit besonders auf den weiteren Fortgang des Aufbaus des Sozialismus auf dem Lande zu richten. Sie beauftragte das Politbüro ein Dokument auszuarbeiten, das die weiteren Schritte zur Lösung der Aufgaben der Landwirtschaft in den nächsten sieben Jahren festlegen sollte.<1691>

Am 17. Dezember 1959 führte das ZK der SED eine Beratung mit allen Bezirks- und Kreissekretären durch. Sie befaßte sich offiziell u. a. - in Wirklichkeit primär - mit Problemen des Abschlusses der LPG-Bildung.<1692>

Die LPG-Bildung schritt im Jahre 1959 nur langsam voran. Für den Uneingeweihten gab es noch keine Anzeichen dafür, daß sie in der gesamten DDR sehr bald beendet sein würde.

Am Ende des Jahres 1959 bestanden in der DDR 10 132 LPG<1693>, die 43,5 Prozent der LN des Landes bewirtschafteten und 435 365 Mitglieder zählten.<1694> 329 Dörfer wirtschafteten bereits vollgenossenschaftlich<1695>, in 1 393 Dörfern bearbeiteten LPG 80 bis 100 Prozent der LN.<1696> Der sozialistische Sektor der Landwirtschaft produzierte 47,6 Prozent der landwirtschaftlichen Bruttoproduktion, davon 32,7 Prozent die LPG.<1697>

Im Bezirk Magdeburg verringerte sich im Jahre 1959 trotz der Erhöhung des Tempos des Umwälzungsprozesses die Zahl der LPG durch die Zusammenfassung einer Reihe kleinerer LPG zu einer größeren oder die Einfügung kleinerer LPG in größere die Zahl der Genossenschaften geringfügig.<1698> Die Anzahl der LPG belief sich auf 907<1699>, die Zahl ihrer Mitglieder auf 60 839.<1700>

Bei differenziertem Verlauf der Vergenossenschaftlichung in den Kreisen des Bezirkes Magdeburg verzeichnete der Kreis Haldensleben im Jahre 1959 leichte Fortschritte in der LPG-Bildung und der Gewinnung von Einzelbauern für LPG. Zwar blieb die Anzahl der LPG mit 66<1701> konstant, doch gewannen


331

die Genossenschaften an Mitgliedern und Fläche. Die Mitgliederzahl erhöhte sich um rund 1 000 auf über 5 100.<1702> Die LN der LPG dehnte sich auf über 25 865 Hektar aus.<1703> Damit betrug der Anteil der LPG an der gesamten LN des Kreises 49,1 Prozent.<1704>

Die Mitgliedschaft der LPG des Kreises Haldensleben setzte sich Ende des Jahres 1959 zusammen aus:<1705>

Die Zahl der weiblichen Mitglieder ist mit 2 478 angegeben.<1706> Damit stellten die Frauen fast die Hälfte der Genossenschaftsmitglieder. Auffallend bei der Durchsicht der Statistik des Kreises Haldensleben für das Jahr 1959 ist, daß außerordentlich wenig Jugendliche - nämlich nur 99 - in den LPG arbeiteten.<1707> Für das Jahr 1955 wies die Statistik noch 170 Jugendliche in LPG bei einer geringeren Anzahl an Genossenschaften aus ...<1708> Immer mehr Jugendliche wanderten demnach in die Industrie ab, einige verließen die DDR.

Ungeachtet der Verlangsamung des Tempos der LPG-Bildung erhöhte sich im Jahre 1959 die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Genossenschaften im DDR-Maßstab in einigen Teilbereichen. Eine größere Zahl von LPG erreichte durchaus bemerkenswerte Produktions- und Sozialleistungen, die in der Arbeit der Genossenschaftsmitglieder wurzelten.<1709> In der Pflanzenproduktion deutete sich ein Aufwärtstrend an. Während die Einzelbauern 22,5 dt Getreideeinheiten (GE) je Hektar ernteten, lagen die Erträge der LPG bei 24,1 dt GE je Hektar.<1710> Von 1958 bis 1959 wuchs das staatliche Aufkommen je Hektar LN umgerechnet in GE um 12 Prozent, in den einzelbäuerlichen Betrieben dagegen nur um 6,5 Prozent.<1711> Dennoch ist der Meinung Kuntsches: “Nun gelangten auch Bauern mit ökonomisch stabilen Höfen zu der Einsicht, auf Dauer werde ein weiterer Leistungsanstieg zur Befriedigung der wachsenden Ernährungsansprüche nur auf der Basis größerer Betriebseinheiten möglich sein", nicht vorbehaltlos


332

zuzustimmen.<1712> Ebenso ist die von Schulz vertretene Ansicht längst nicht auf alle außerhalb von LPG wirtschaftenden Bauern übertragbar. Er behauptete, die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse der Bauern hätten sie zu der Einsicht geführt, “daß die klein- und mittelbäuerliche Struktur der Landwirtschaft, so wie sie in der DDR existierte, keine Zukunft hatte und unvermeidlich überwunden werden mußte.“<1713> Die Mehrzahl der Einzelbauern würde es zu diesem Zeitpunkt bei tatsächlicher Entscheidungsfreiheit vorgezogen haben, weiterhin nach Art ihrer Väter zu wirtschaften.

Eine für Parteiführung und Landwirtschaftsexperten unbefriedigende Entwicklung nahm die tierische Produktion der LPG der DDR in den Jahren 1958/59. Zwar näherten sich dem Umfang nach wirtschaftlich stabile LPG dem Viehbesatz der individuell wirtschaftenden Bauern, trotzdem taten sich größere Rückstände in der tierischen Produktion auf.<1714> Gelang es 1958 noch die Forderungen des Planes an Schlachtvieh mit 96,9 Prozent und die an Milch mit 97,2 Prozent zu erfüllen, so verringerten sich im Jahr 1959 die Leistungen in diesen Produkten auf 92,1 bzw. 94,5 Prozent.<1715> Die absehbaren Probleme bei der Planerfüllung der tierischen Produktion im Jahre 1960 führte die Parteiführung nicht auf die Unerfüllbarkeit des Siebenjahrplanes unter den bestehenden Voraussetzungen zurück, sondern auf die Existenz eines starken privatwirtschaftlichen Sektors in der Landwirtschaft der DDR.

Fortschritte verzeichneten die LPG in der Entwicklung der Höhe der AE. Doch längst nicht alle LPG nahmen eine solche wirtschaftliche Entwicklung, die ihnen den Verzicht auf Wirtschaftsbeihilfen erlaubte. Ungeachtet des Anstiegs des realen Wertes der AE auf 5,68 DM, nahmen 58 Prozent der LPG des Typs III staatliche Stützungen zur Gewährleistung eines Wertes der AE von 7 DM in Anspruch.<1716> Im Jahr zuvor erhielten etwa 75 Prozent der LPG Beihilfen.<1717> Somit erwirtschafteten derartige LPG 80 Prozent der verteilten Einkünfte, nachdem sie 1956 nicht mehr als ein Drittel der verteilten Einkünfte selbst erarbeitet hatten.<1718>

Bei Betrachtung der Höhe der AE der LPG werden unverkennbar territoriale Unterschiede deutlich.<1719> Eine nicht geringe Zahl von LPG des Bezirkes Magdeburg - die LPG dieses Bezirkes visierten für das Jahr 1959 ausnahmslos einen Wert der AE von mindestens 7 DM an<1720> - blieb unter dieser Richtzahl. Darunter befanden sich zahlreiche LPG des Kreises Haldensleben.

Hinderlich für die wirtschaftlich-organisatorische Festigung der LPG wirkte sich die mangelnde berufliche


333

Qualifikation von leitenden LPG-Kadern aus. Von den etwa 900 LPG-Vorsitzenden des Bezirkes Magdeburg besaßen im Herbst 1959 nicht mehr als 252 eine solche Qualifikation, wie sie eine Leitungstätigkeit erforderte.<1721> Zur Hebung des fachlichen Niveaus der Genossenschaftsbauern entstanden im Bezirk Magdeburg bis Ende 1959 141 Dorfakademien und 205 Dorfklubs.<1722>

Die Parteiführung leitete zu Beginn des Jahres 1960 äußerst aktiv und gezielt den Fortgang des Umgestaltungsprozesses auf dem Lande, wie die folgenden Fakten belegen.

Erwog das Politbüro des ZK der SED zunächst den Termin für die Zusammenfassung sämtlicher Einzelbauern in LPG auf das Jahr 1963 vorzuverlegen, so entschied es sich jedoch "Anfang 1960 ... ohne Rücksicht auf die zumeist zögernde oder ablehnende Haltung der noch privat wirtschaftenden Bauern, ja selbst unter Mißachtung der ökonomischen Grenzen der DDR für eine Unterstützung der Produktionsgenossenschaften im bis dahin üblichen Umfang, die Vollgenossenschaftlichkeit in kürzester Frist durchzusetzen."<1728> Der erhebliche Vorsprung der Bundesrepublik in der Flächenproduktion<1729> beirrte die Parteiführung nicht in ihrem Glauben, einen entscheidenden Produktionsaufschwung in der Landwirtschaft zu erreichen.<1730> Die Umsetzung ihrer Visionen gedachte sie, durch die rasche Einbindung der noch individuell produzierenden, oftmals wirtschaftsstarken Einzelbauern in LPG zu erreichen.

Am 27. Januar 1960 fand unter Teilnahme Ulbrichts eine Beratung des ZK der SED mit den

1. Sekretären der SED-BL über den aktuellen Verlauf des Aufbaus des Sozialismus auf dem Lande und die während der letzten Wochen in diesem Prozeß gewonnenen Erfahrungen statt. Das ZK verwies darauf, ohne die Einbeziehung aller Einzelbauern in LPG sei eine deutliche Erhöhung der Produktivität der Landwirtschaft nicht möglich.<1731> Ulbricht äußerte sich noch deutlicher als er erklärte: "Das wichtigste Thema heißt jetzt Vergenossenschaftlichung. Wenn die Aufgabe, die der Landwirtschaft gestellt ist, nämlich hohe Erträge zu erzielen, ernst genommen wird, müssen wir überall das genossenschaftliche Dorf schaffen. Niemand kann sich dem entziehen."<1732> Damit löste er die "Initialzündung" für den beschleunigten Abschluß der LPG-Bildung aus.<1733>

Ein Beschluß des Politbüros des ZK der SED aber, aus dem die Forderung nach Überführung der Einzelbauern in LPG in kürzester Zeit hervorgeht, hat sich bei intensiven Recherchen weder im Bundesarchiv Berlin noch im Landeshauptarchiv Magdeburg angefunden. Die gesichteten Akten enthalten keine terminlichen Zielsetzungen für den Abschluß der LPG-Bildung. Auch in den Beschlüssen des Büros der SED-BL Magdeburg im fraglichen Zeitraum finden sich keine Hinweise darauf, daß es einen solchen Beschluß gegeben haben könnte. Das ist keineswegs verwunderlich. Das Verwischen von unliebsamen Spuren entsprach ganz den Verhaltensmustern, der "Psyche" der Parteiführung. Auch andere, die


335

Richtung der gesellschaftlichen Entwicklung der SBZ/DDR bestimmende Entscheidungen, wurden der Öffentlichkeit überhaupt nicht, verspätet oder erst unmittelbar vor ihrem Inkrafttreten zur Kenntnis gegeben.<1734>

Am 2. und 3. Februar 1960 tagte in Moskau eine Konferenz von Vertretern der kommunistischen und Arbeiterparteien sozialistischer Länder Europas, auf der die Teilnehmerstaaten Erfahrungen bei der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft und Methoden zur Erhöhung der Arbeitsproduktivität austauschten. Sie erklärten - wie das ZK der SED vorher mehrfach -, eine weitere Ertragssteigerung in der Landwirtschaft könne nur noch durch die Ausweitung des genossenschaftlichen Sektors erreicht werden.<1735> Die Spitzenfunktionäre der SED äußerten auf dieser Konferenz, ihr Ziel sei es, “die bestehenden LPG zu verstärken, die Bauern für die LPG zu gewinnen und durch Anwendung der fortgeschrittensten wissenschaftlich-technischen Erkenntnisse die Marktproduktion zu steigern.“<1736>

Nach dieser Konferenz gewann die LPG-Bildung außerordentlich an Tempo. Ende Februar/Anfang März 1960 gab die Parteiführung nunmehr offiziell vor, die Gesamtheit der Bedingungen sei herangereift, alle noch individuell wirtschaftenden Bauern in LPG zu überführen. Die Entscheidung hierüber war längst gefallen.

Auf Geheiß der Parteiführung wurde Anfang Februar 1960 beim Ministerrat der DDR ein Zentraler Operativstab gebildet. Beim jeweiligen Rat des Bezirkes bzw. des Kreises entstand ein Bezirks- bzw. Kreisoperativstab. Die Stäbe vereinigten im Sinne der SED-Führung erprobte Kräfte der in der Nationalen Front zusammengeschlossenen Parteien und Massenorganisationen in sich. Die formal den Räten der Kreise unterstellten Operativstäbe leiteten den Abschluß der LPG-Bildung auf ihrem Territorium. Nach außen auf Empfehlung, in Wahrheit auf strikte Anweisung des ZK der SED hin, formierten sich in allen Kreisen der DDR Agitationsbrigaden und Arbeitsgruppen der Nationalen Front in einer Gesamtstärke von etwa 100 000 Personen.<1737> In ihnen wirkten Kader verschiedenster Ebenen der SED-BL und der SED-KL, Mitarbeiter des Staatsapparates, Mitglieder der Blockparteien<1738>, der VdgB, des FDGB, der FDJ und des DFD zusammen.<1739> Das geschlossene Vorgehen von Tausenden von SED-Mitgliedern und ca. 17 000 Mitgliedern der DBD, etwa 15 000 der CDU und mehrerer Tausend von LDPD und NDPD erhöhte deren Effektivität bei der Gewinnung von Einzelbauern für LPG.<1740>


336

Im Bezirk Magdeburg kamen in den ersten Monaten des Jahres 1960 rund 4 000 Agitatoren und Helfer der Nationalen Front zum Einsatz.<1741> Im Kreis Haldensleben schwärmten hunderte von umtriebigen Agitatoren in die Dörfer aus. In gehörigem Maße trugen im Bezirk Magdeburg zur Bildung neuer LPG Einzelbauern bei, die Blockparteien angehörten.<1742>

Die Einsätze in den Dörfern erfolgten nach minutiöser Vorbereitung bei straffer Organisation. Vor Beginn einer jeden Werbekampagne erstellten Instrukteurbrigaden der SED-KL eine Analyse der politischen und ökonomischen Situation des betreffenden Dorfes. Sie diente zur Abstimmung des weiteren Handelns unter Einbeziehung aller lokalen gesellschaftlichen Kräfte. Morgens und abends trafen sich die Mitglieder der Agitationsgruppen mit den jeweils zuständigen SED- und Staatsfunktionären, um ihr künftiges Vorgehen festzulegen, Erfahrungen auszutauschen, die Wirksamkeit von Argumenten und die Gegenargumente der Einzelbauern zu analysieren. Unterstützung fanden sie in den meisten Gemeinden durch rasch verbreitete Dorfzeitungen, per Hand weitergereichte Flugblätter und Lautsprecherwagen. “Täglich wurde ein Bulletin verbreitet, in dem die Argumente enthalten waren und wo mitgeteilt wurde, wieviel Bauern in die LPG eingetreten sind, welches Dorf am Soundsovielten vollgenossenschaftlich geworden ist, daß dieser und jener Großbauer eingetreten ist usw. Es verging buchstäblich keine Stunde, in der es nicht irgendwelche Neuigkeiten über die Entwicklung der LPG gab.“<1743>

Die KL der SED und die GO der SED in den Dörfern beriefen gemeinsam mit den Agitationsbrigaden Bauernversammlungen ein. Im Rahmen dieser Zusammenkünfte versuchten sie ebenso wie in individuellen Gesprächen, den Einzelbauern die ökonomischen und politischen Gründe für einen Genossenschaftsbeitritt und die vermeintlich objektive Notwendigkeit des unumgänglichen Konzentrationsprozesses in der Landwirtschaft nahe zu bringen.

Am 4. März 1960 meldete der Bezirk Rostock - nachdem von dort unter der Losung “De Appel is riep“ eine breite Initiative für den Beitritt von Einzelbauern in LPG ausging - dem ZK der SED den vollgenossenschaftlichen Zusammenschluß. Als nächste Bezirke schlossen am

12. März Neubrandenburg, am 18. März Frankfurt/Oder, am 21. März Potsdam und gleichzeitig am 29. März Cottbus, Leipzig, Magdeburg und Schwerin die LPG-Bildung ab.<1744> Als erster Kreis im Bezirk Magdeburg erreichte der Kreis Schönebeck am 12. März 1960 die Vollgenossenschaftlichkeit.<1745>

Zur Beschleunigung des Vergenossenschaftungsprozesses trugen die Briefe vom 17. und 21. März 1960 bei, die das ZK der SED an alle Bauern des Bezirkes Rostock bzw. der gesamten DDR richtete. Hieran wie an den zuvor aufgeführten Fakten, die das Agieren der Parteiführung und anderer gesellschaftlicher


337

Kräfte belegen ist ersichtlich, daß die Parteiführung die von ihr so genannte sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft stabsmäßig plante und rigoros durchführte.

Bis zum 15. April 1960 traten, von unbedeutenden Ausnahmen abgesehen, sämtliche Bauern der DDR LPG bei.<1746>

Wie der Prozeß der LPG-Bildung bis zu seinem Abschluß im Kreis Haldensleben verlief, wird im Abschnitt 4.4. unter eingehender Bewertung des methodischen Vorgehens der SED-KL, des Rates des Kreises, des Kreisoperativstabes, der Werbebrigaden, der Gemeindevertretungen, der MTS und der VdgB behandelt.

Im Zeitraum von März bis Mai 1960 vollzogen in der DDR insgesamt mehr als 498 000 Einzelbauern, Landarbeiter, Handwerker, Gärtner sowie viele ihrer Familienmitglieder den Beitritt in LPG.<1747> In den ersten Monaten des Jahres 1960 entstanden 9 213 LPG, die Zahl ihrer Mitglieder erhöhte sich um 526 174<1748> auf ca. 945 000.<1749> Im Verlaufe des Umgestaltungsprozesses traten rund 400 000 zuvor individuell wirtschaftende Bauern mit Betrieben sämtlicher Größengruppen - rund 63 Prozent der zu Beginn der fünfziger Jahre bestehenden ca. 640 000 Wirtschaften - LPG bei.<1750> Unter ihnen befanden sich ungefähr

100 000 Neubauernhöfe, mithin knapp die Hälfte der im Zuge der Bodenreform eingerichteten Neubauernstellen.<1751> Zwischen 1952 und 1960 schieden etwa 210 000 Haupt- und Nebenerwerbsbauern - rund 33 Prozent - aus der Landwirtschaft aus.<1752> So fielen mehr als eine Million Hektar LN an den Staat, von denen annähernd 800 000 Hektar, oft nach Zwischenbewirtschaftung durch ÖLB, in den Bodenfonds von LPG eingingen.<1753>

Mit Abschluß der Vergenossenschaftlichung bestanden in der DDR 19 345 LPG.<1754> Die absolute Mehrheit - 13 022 Genossenschaften - bildeten die LPG des Typs I, deren Gründung als ein Zugeständnis an die längst noch nicht überwundene Eigentümermentalität der Bauern anzusehen ist.<1755> Den überwiegenden Anteil der LN der LPG bewirtschafteten aber mit 62,8 Prozent<1756> die 6 323 LPG des Typs III.<1757> Der sozialistische Sektor der Landwirtschaft umfaßte im Frühjahr 1960 92,4 Prozent der LN<1758>, wovon 85,0 Prozent auf die LPG entfielen.<1759> Das bäuerliche Inventar allerdings war im Frühjahr 1960 “... kaum zur


338

Hälfte erfaßt.“<1760>

Nachdem bis Ende 1959 in der DDR ca. 9 000 Großbauernbetriebe den LPG beitraten, kamen in der Schlußphase der LPG-Bildung rund weitere 14 000 hinzu.<1761> Mit insgesamt 23 240 in LPG überführten Wirtschaften von Großbauern gelangten etwa die Hälfte der im Sommer 1952 bestehenden Betriebe mit über 20 Hektar LN in Genossenschaften<1762> und stellten "... personell wie materiell eine beträchtliche Potenz für die Entwicklung der LPG zu leistungsstarken Betrieben dar.“<1763> Eine kleine Minderheit trat aus eigenem Entschluß LPG bei, die Überzahl, vornehmlich ab Herbst 1958, “unter Druck und Zwang.“<1764>

Andere Großbauern wiederum gaben ihre Höfe aus Altersgründen auf oder suchten sich eine Arbeit außerhalb der Landwirtschaft. Eine weniger große Zahl verließ die DDR. Dabei überrascht, daß sich in den letzten Jahren des Umgestaltungsprozesses die Zahl der Übersiedler in die Bundesrepublik Deutschland, gemessen an den Vorjahren, um ca. 50 Prozent verringerte.<1765> Allerdings stieg die Fluchtwelle zu Beginn des Jahres 1960 noch einmal an. Bei den Bundesaufnahmedienststellen meldeten sich in den ersten Monaten des Jahres 1960 4 720 Flüchtlinge aus landwirtschaftlichen Betrieben, davon allein in den Monaten März und Ap-

ril 3447.<1766>Insgesamt stellten zwischen 1952 bis März 1960 annähernd 130 000 Angehörige landwirtschaftlicher Berufe Anträge auf ein Notaufnahmeverfahren.<1767>

In der Schlußphase der LPG-Bildung schieden fast 19 Prozent der Ende 1959 vorhandenen Arbeitskräfte, insgesamt etwa 220 000, aus der Landwirtschaft aus.<1768> Zumeist handelte es sich dabei um Familienmitglieder von Genossenschaftsbauern, die die Mitgliedschaft in einer LPG ablehnten.

Nach dem 30. April 1960 wirtschafteten 18 821 Bauern individuell weiter und Ende 1960 bearbeiteten etwa 10 000 Einzelbauern ungefähr 1,5 Prozent der LN der DDR.<1769>

Mit dem Abschluß der LPG-Bildung im Bezirk Magdeburg bewirtschafteten die LPG 83,4 Prozent der LN, die Kleinstbetriebe bis ein Hektar umfaßten 7,1 Prozent, die VEG bearbeiteten 8,6 Prozent und die Handwerker eine Fläche von 0,4 Prozent.<1770> Die 1 710 LPG dieses Bezirkes - davon 955 des Typs I, acht


339

des Typs II und 747 des Typs III - vereinten in sich 98 859 Mitglieder, von denen über 21 000 in den ersten Monaten des Jahres 1960 beitraten bzw. neue bildeten.<1771>

Der Prozeß der Entwicklung der LPG im Bezirk Magdeburg Ende 1959/Anfang 1960 verlief wie in der folgenden Tabelle dargestellt.

Tabelle 35: Der Prozeß der LPG-Bildung in der Endphase der Vergenossenschaftlichung in den Dörfern des Bezirkes Magdeburg<1772>

 

Zahl der LPG Mitglieder
Stichtag nach Typ alle LPG nach Typ gesamt
I II III absolut LN (%) I II III

 

30.11.59 159 0 769 928 51,2 2 993 17 57 827 60 837
29.02.60 236 4 705 945 55,8 4 328 64 62 246 66 638
31.03.60 955 8 747 1 710 82,2 k. A. k. A. k. A. 98 859

Im Kreis Haldensleben bestanden Ende des Jahres 1960 126 LPG<1773>, wobei sich die Zahl derer vom Typ I und Typ III annähernd die Waage hielten.<1774> Die Genossenschaften bearbeiteten eine LN von 43 491 Hektar, die sich hauptsächlich aus 34 835 Hektar Acker- und 7 927 Hektar Grünland zusammensetzte.<1775> Unter den 8 953 Personen, die im Herbst 1960 LPG angehörten - darunter 5 088 ehemalige Einzelbauern nebst Familienangehörigen - befanden sich 4 299 weibliche.<1776>

Die altersmäßige Zusammensetzung der Mitglieder ließ eine gewisse Überalterung unschwer erkennen. Die Mehrheit der Genossenschaftsbauern, exakt 44,7 Prozent, gehörte der Altersgruppe 40 bis 59 Jahren an, während der Anteil der Jugendlichen unter 18 Jahren nicht mehr als 1,2 Prozent und der Anteil der Mitglieder zwischen 18 und 24 Jahren lediglich 9,4 Prozent betrug.<1777>

Innerhalb weniger Monate gelang es der Parteiführung, die die Kampagne straff organisierte und jederzeit Herr der Lage blieb, die LPG-Bildung abzuschließen. Die rasche Beendigung des Vergenossenschaftlichungsprozesses gibt Anlaß zu einer Vielfalt von Fragestellungen zum Charakter der Endphase. Einige seien aufgegriffen.


340

Die überwiegende Mehrheit der Bauern trat im Frühjahr 1960 beileibe nicht aus Überzeugung von der Überlegenheit der LPG, wie die Medien der DDR und Publikationen von DDR-Historikern und Gesellschaftswissenschaftlern glauben machen wollten, Genossenschaften bei. Allzu gern wären die meisten von ihnen, trotz sich ständig erschwerender Bedingungen und verschiedener Versprechungen, im Status eines Einzelbauern verblieben. Teils erklärten sie ihren Beitritt in der vagen Hoffnung, fürderhin den eigenen Hof bewirtschaften zu können - wie es verschiedene Bauern in LPG vom Typ I hielten -, einige saßen Zusicherungen auf, die die zuständigen Organe nicht einhielten.<1778> Letztlich klammerten sich nicht wenige Bauern an die in den Statuten eingeräumte Möglichkeit, die LPG verlassen zu können. Andere wiederum zogen es vor, in den westlichen Teil Deutschlands zu fliehen.

Bei territorialen und lokalen Unterschieden in der Art und Weise der Überführung der Einzelbauern in LPG herrschte der durch die Aufklärungsbrigaden angewandte massive politische Druck vor. Oft wurden aber auch individuell wirtschaftenden Bauern Versprechungen gemacht - häufig von vornherein unerfüllbare -, wenn sie Genossenschaftsmitglied werden würden. Uneingeschränkt trafen derartige unlautere Machenschaften auf den Kreis Haldensleben zu.

Daß es gelang, in einer sehr gering bemessenen Frist im Prinzip alle Einzelbauern in LPG zu überführen, dazu trug in gewichtigem Maße das von "oben" inspirierte Wetteifern der SED-KL bei. Die SED-BL, und von diesen instruiert und angetrieben die SED-KL, stellten sich "Kampfziele", die enorme Fortschritte bei der Gewinnung von Einzelbauern beinhalteten. Die einzelnen SED-KL versuchten sich - fernab von moralischen Bedenken - in ihren Zielstellungen zu übertreffen. Die Aussicht auf hohe Prämien, Auszeichnungen und die begründete Hoffnung, in der Funktionärshierarchie aufzusteigen ließ zahlreiche Funktionäre kompromißlos agieren: Sie verletzten das Prinzip der Freiwilligkeit des Genossenschaftsbeitrittes gröblich.

Zu den härtesten Auseinandersetzungen im Frühjahr 1960 kam es in den südlichen Bezirken. In einer Reihe von Orten griffen die lokalen Partei- und Staatsorgane gegenüber sich hartnäckig einem LPG-Beitritt widersetzenden Bauern zu Zwangsmaßnahmen, wie kurzzeitigen Festnahmen, Enteignungen, Vorladungen zu Gesprächen mitten in der Nacht, die zwangsweise Einbringung von Flächen der Einzelbauern in Genossenschaften und gesetzwidrige ökonomische Restriktionen.<1779> Im Kreis Haldensleben ereignete sich Ähnliches.<1780>

Um individuell wirtschaftende Bauern zum LPG-Beitritt zu bewegen, konstruierten Parteiagitatoren und Mitarbeiter lokaler Staatsorgane zuweilen einen rational schwer nachvollziehbaren Zusammenhang zwischen dem LPG-Beitritt eines Einzelbauern und seinem Standpunkt zum Frieden. In hartnäckig


341

geführten verbalen Auseinandersetzungen attackierten des öfteren Mitarbeiter der Justizorgane und der Staatssicherheit solche Bauern, die auf der Fortführung ihrer Einzelbauernwirtschaft bestanden, mit der vor Zeugen gestellten unsinnigen Frage, ob sie für den Frieden und damit zum LPG-Beitritt bereit seien. Eine abwägende und erst recht ablehnende Haltung der Einzelbauern gegenüber einem Eintritt in eine LPG legten sie als “friedensfeindliche“ Handlung aus, die mit der Anwendung des Artikels 6 der DDR-Verfassung und des Gesetzes zum Schutz des Friedens geahndet und mit strafrechtlichen Mitteln verfolgt werden könne.<1781> Eine andere von den Agitatoren Einzelbauern häufig gestellte Frage galt deren Einstellung zum Arbeiter-und-Bauern-Staat. Es sei Pflicht der Einzelbauern gegenüber den Arbeitern, einer Genossenschaft beizutreten. Die geschilderten Vorgehensweisen stellten im DDR-Maßstab keine Ausnahme dar. Laut mündlichen Aussagen von Zeitzeugen, die die Endphase der LPG-Bildung in den Dörfern des Kreises Haldensleben wachen Auges miterlebten, wurden die genannten Methoden in solcher oder ähnlicher Form vereinzelt praktiziert.

Wenn es zwar nach heutigen Erkenntnissen zu keinen Strafprozessen und dem Einsatz von polizeilicher Gewalt im Zusammenhang mit unterschobenen Delikten kam, so konnten mit unlauteren Mitteln der indirekten Nötigung Bauern eingeschüchtert und - wie beabsichtigt - zur Betriebsaufgabe getrieben werden.<1782>

Die häufig praktizierte Politik von Druck und Nötigung stand im Widerspruch zum stets betonten Freiwilligkeitsprinzip und diskreditierte die Genossenschaftsbildung politisch und moralisch. “Sowohl die ökonomischen Bedingungen, unter denen sich die Kollektivierung vollzog, als auch die überwiegend angewandten Mittel und Methoden standen dem Ziel im Wege, die Bauern für einen freiwilligen, selbstbestimmten Zusammenschluß in Genossenschaften als Alternative zur kapitalistischen Agrarentwicklung zu gewinnen. Die Kollektivierung war Bestandteil der Ausprägung eines obrigkeitsstaatlichen Sozialismus in der DDR.“<1783> Offensichtliche Verletzungen des Prinzips der Freiwilligkeit wiegelte Ulbricht mit der lapidaren Erklärung ab, bei einer derart großen Bewegung seien auch einige Fälle von Überspitzungen nicht auszuschließen.<1784>

Tausende von Bauern traten aber ohne Zwang jeglicher Art LPG bei, sich den gesellschaftlichen Gegebenheiten anpassend, oder durch die Agitatoren “... zur Konsequenz eigener Überlegungen gedrängt.“<1785> Für die Beurteilung ihrer Handlungsweise ist die sehr differenzierte Interessenlage der Bauern heranzuziehen. Einzelbauern mit klein- bzw. mittelbäuerlichen Betrieben erfuhren über die Parteiführung jahrelang eine umfassende Förderung und wurden überproportional an der Verteilung des landwirtschaftlichen Reineinkommens beteiligt. Sie wußten sehr wohl, wie hart Bauern häufig unter marktwirtschaftlichen Bedingungen um ihre Existenz ringen mußten. Aus dieser Erkenntnis heraus fiel


342

manchem Einzelbauern der Gang in eine LPG leichter.<1786>

Stellvertretend für die Motive des Genossenschaftsbeitritts von Einzelbauern sei der Beweggrund eines von ihnen genannt: “Offen gestanden, ich hätte nicht mehr lange allein weiter wirtschaften können. Der Vater hat aufgehört zu arbeiten, er ist zu alt, der Arzt hat es ihm verboten. Landarbeiter gibt es nicht mehr ... Wir haben unseren Höhepunkt erreicht. Weiter geht es nicht.“<1787>

Ähnliches gaben Bauern aus Satuelle, Kreis Haldensleben, zu Protokoll.

Zusammenfassend sei festgestellt: Beim Abschluß der LPG-Bildung handelte es sich um eine wohldurchdachte, von der Parteiführung gesteuerte, administrative Eingliederung der Bauern und Landarbeiter in landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften, “wobei, phasenweise in unterschiedlicher Reihenfolge und mit unterschiedlichem Gewicht, Versprechungen, aber auch reale soziale Verbesserungen, wirtschaftliche Einengung, Einschüchterung, Resignation sowie Zwangsmaßnahmen bis hin zu Gesetzesverletzungen und dem Einsatz staatlicher Gewalt eine Rolle spielten.“<1788>

Die große Zahl der in kürzester Folge gebildeten LPG galt es sobald wie möglich zu festigen. Diese Forderung griff eine Präsidiumstagung des FDGB im März 1960 auf. Sie erklärte, die Organisierung des Wettbewerbs, die allseitige Förderung der Brigadearbeit und der Forschungsgemeinschaften sei für die Gewerkschaften eine der wichtigsten Aufgaben auf dem Lande geworden. Die staaatlichen Organe der Kreisstädte halfen mehr als zuvor den örtlichen Organen der Staatsmacht in den Dörfern. 95 Prozent der Bürgermeister der Landgemeinden gaben an, Hilfe und Unterstützung der Räte der Kreise bei der Lösung der neuen Aufgaben hätten sich verbessert.<1789>

Die 8. Tagung des ZK der SED, die vom 30. März bis 2. April 1960 stattfand<1790>, zog eine Bilanz der bisherigen Entwicklung auf dem Lande und legte die Hauptaufgaben für die weitere Entwicklung der sozialistischen Landwirtschaftsbetriebe fest. Im Mittelpunkt stand dabei die politische und ökonomische Festigung der LPG. Die Tagung beriet ausführlich einen Beschlußentwurf, der ein konkretes Programm für die Entwicklung der landwirtschaftlichen Großproduktion in der Feld- und Viehwirtschaft, der Arbeitsorganisation und Leitung der LPG, der Gemeinschaftsarbeit sowie die Aufgaben des Landmaschinenbaus enthielt. Ulbricht, Hauptredner auf der Tagung, stellte fest, es sei notwendig, “die innergenossenschaftliche Demokratie zu entwickeln, die Genossenschaftsmitglieder mit dem Statut vertraut zu machen, die Fragen der Leitung und der Arbeitsorganisation der LPG in der Mitgliederversammlung durchzusprechen und exakte Beschlüsse zu fassen.“<1791>


343

Kritik übte Ulbricht auf der 8. Tagung an der Durchsetzung des Offenstallprogramms. Er bemängelte, es sei im Jahre 1959 lediglich mit 70 Prozent erfüllt worden, weniger als 25 Prozent der für diese Haltung bestimmten Kühe hätten Stallplätze erhalten.<1792> Die Stornierung dieses Programms erwies sich später als unabdingbar.<1793> Die Akklimatisierung der Tiere gelang nicht, “Gesundheit, Lebensalter und Leistung der Kühe fielen stark ab.“<1794>

Das ZK appellierte an sämtliche in der Nationalen Front vereinten politischen Kräfte, für eine schnelle Festigung aller LPG Sorge zu tragen.

Einen zentralen Platz im Rahmen der Tagung nahm die internationalistische Seite des Abschlusses der LPG-Bildung ein.<1795>

Um den neu gebildeten LPG aus den gröbsten Anfangsschwierigkeiten zu helfen, appellierte der Zentralrat der FDJ in seinem Aufruf “Der Sozialismus siegt - 10 000 unserer Besten gehen in das vollgenossenschaftliche Dorf“ vom 5. April 1960 an die Jugendlichen in der Stadt, als Viehzüchter und Mechanisatoren in LPG einzutreten.<1796> Dem Aufruf schlossen sich tausende von Jugendlichen an.

Allseitige Unterstützung benötigten die jungen LPG in der Tat. Während der Frühjahrsbestellung traten Schwierigkeiten bei der Organisierung des Arbeitsablaufs dergestalt auf, daß eine größere Zahl von Genossenschaftsbauern zwar formal LPG angehörte, doch weiterhin allein wirtschaftete. Hohe Tierverluste führten zu erheblichen Rückständen bei Fleisch. Im Bezirk Magdeburg gelangten vom 1. Januar 1960 bis zum 31. Januar 1960 807 t Schlachtvieh und 14 272 t Milch weniger an den Staat zur Ablieferung als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.<1797> Diese Defizite hieß es schnellstens zu begleichen. Durch die Ausweitung der Wettbewerbsbewegung, verbesserte Arbeitsorganisation und die stärkere Ausnutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse sollte eine Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion im Bezirk Magdeburg erreicht werden.

Hatten zu Beginn des Umgestaltungsprozesses auf dem Lande "... die volkswirtschaftlichen Voraussetzungen für den Aufbau genossenschaftlicher Großbetriebe und die Förderung einer intensiven,


344

zunehmend mechanisierten Agrarproduktion weitgehend gefehlt“, so konnten sie trotz beträchtlicher Investitionen in den Traktoren- und Landmaschinenbau, die chemische Industrie und das ländliche Bauwesen auch bis 1960 nicht geschaffen werden.<1798> Aufgrund der Abwanderung von Arbeitskräften sowie der zunehmenden Landflucht von Jugendlichen gelang es in den LPG nicht einmal, die unabdingbare “Substitution von lebendiger durch vergegenständlichte Arbeit“ vollauf zu erreichen.<1799> Zusätzlich erschwerten häufige Austrittserklärungen die Festigung soeben gegründeter LPG.

Trotz der schwierigen ökonomischen Situation der Genossenschaften am Beginn des Jahres 1960 wuchs jedoch in LPG des Typs III der reale Wert der AE von 5,68 DM auf 5,79 DM an.<1800> Staatliche Stützungen ermöglichten aber, im Schnitt für die AE 8,23 DM auszuzahlen.<1801> Erwirtschafteten 1959 erst 42 Prozent der LPG je AE über 7 DM, so gelang dies 1960 62 Prozent.<1802> Damit erhöhte sich der Anteil des realen Wertes gegenüber dem erstatteten Wert der AE auf 83,9 Prozent.<1803>

Die Volkskammer der DDR verabschiedete auf ihrer 11. Sitzung am 25. April 1960 einen Beschluß über die Entwicklung der LPG, der den Zusammenschluß aller Bauern in LPG begrüßte und ihren Übergang zur genossenschaftlichen Produktion auf der Grundlage des LPG-Gesetzes vom 3. Juni 1959 bestätigte.<1804> In diesem Beschluß erneuerte sie die Eigentumsgarantie an Grund und Boden. Sie blieb nichtig, da die Genossenschaftsbauern faktisch nicht frei über ihr Eigentum verfügen konnten. Ferner fehlte in dem Beschluß der Hinweis auf das zukünftige Verbot eines LPG-Austritts und das Außerkraftsetzen bedeutsamer Teile der neuen Musterstatuten.<1805> In ihm fand sich aber die Festlegung, Kreistage, Stadtverordnetenversammlungen und Gemeindevertretungen durch im Sinne der Partei bewährte Genossenschaftsbauern zu ergänzen. Die Mitarbeiter der örtlichen Staatsorgane erhielten wiederum eine höhere Verantwortung für die Festigung der LPG und für deren Planerfüllung in der Marktproduktion übertragen.<1806>


345

Tabelle 36: Die Entwicklung der AE der LPG der DDR in den Jahren 1956 bis 1960

<1807> <1808> <1809> <1810> <1811>
<1812> <1813> <1814> <1815> <1816>
<1817> <1818> <1819> <1820> <1821>
<1822> <1823> <1824> <1825> <1826>
<1827> <1828> <1829> <1830> <1831>
<1832> <1833> <1834> <1835> <1836>

Der offiziell als sozialistischer Frühling bezeichnete und von der Volkskammer am 25. Ap-

ril 1960 gesetzlich festgeschriebene Abschluß der LPG-Bildung<1837> widerspiegelte sich im Bewußtsein der Mehrheit der Bauern als “freiwilliger Zwang.“<1838>

Die erheblichen Schwierigkeiten nach Abschluß der LPG-Bildung brachten die Parteiführung jedoch nicht von ihrer Überzeugung ab, agrarpolitisch den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Ulbricht äußerte sich dazu: “Wenn wir hier weniger moderne Maschinen hätten und wenn die Lage der Bauern schlechter wäre, es wäre trotzdem ein Riesensieg. Vom geschichtlichen Standpunkt aus ist das eine Wende in Deutschland, selbst wenn es uns nicht gelungen wäre, die Lage im Dorf so schnell zu verbessern. Die gesellschaftliche Umwälzung, die Beseitigung des alten Unrechts, das den Bauern angetan worden war, die Enteignung der Großgrundbesitzer, das ist unsere geschichtliche Leistung, und wenn es da noch irgendwelche Schwierigkeiten gibt, dann ist das ganz untergeordnet.“<1839> Er vermied es geflissentlich hinzuzufügen, welche immensen materiellen und ideellen Opfer der "Aufbau des Sozialismus" auf dem Lande einer beträchtlichen Zahl von Bauern abverlangte, welchen Drangsalierungen, Ängsten und Nöten sie sich ausgesetzt sahen. Egal, welcher Kategorie von Bauern sie nun angehörten. Vornehmlich Einzelbauern mit Betrieben von über 20 Hektar LN büßten neben ihren größeren Bodenarealen guterhaltenes Inventar, intakte Gebäude und gepflegte Viehbestände ein.

Den allermeisten Bauern fiel es unendlich schwer, sich von ihrem z. T. erst im Herbst 1945 erworbenen Boden zu trennen. Der zerronnene Traum vom "freien Bauern auf freier Scholle" ließ so manchen Bauern für längere Zeit gegenüber der Entwicklung in "seiner" LPG lethargisch werden. Andere hatten längst ihre Wirtschaft aufgegeben, wieder andere in größerer Zahl im Zeitraum zwischen 1952 und 1960 voller Verzweiflung, Enttäuschung und Ohnmacht ihren Lebensraum verlassen. Diese bitteren Tatsachen "vergaß" Ulbricht zu erwähnen wie gleichfalls den Umstand, daß besonders in der Endphase der LPG-Bildung die absolute Mehrzahl der noch individuell wirtschaftenden Bauern durch politischen, ökonomischen und psychischen Druck in LPG gepreßt wurde.


346

Insgesamt stellt sich die Entwicklung der LPG in der DDR in den Jahren 1958 bis 1960 wie folgt dar:

Tabelle 37: Die Entwicklung der LPG der DDR in den Jahren 1958 bis 1960.<1840>

Jahr

insgesamt

Anzahl der LPG

 

LN der LPG

(ha)

Vergleich zur LN der DDR (%)

 

 

Typ I und II

Typ III

 

 

1958

9 637

3 268

6 369

2 253 145

37,05

1959

10 132

3 597

6 535

2 625 345

43,55

1960

19 345

13 022

6 323

4 714 685

85,0<1841>

4.2 Die wirtschaftlich-organisatorische Festigung der Genossenschaften des Kreises Haldensleben bis zur Endphase der LPG-Bildung

Die auf dem V. Parteitag der SED im Juli 1958 gefaßten Beschlüsse verlangten von der Landwirtschaft der DDR eine erhebliche Produktivitätssteigerung, um die Zielstellungen zu erreichen. Zur Umsetzung dieser Forderung mußte die wirtschaftlich-organisatorische Festigung der LPG in höherem und umfassenderem Maße als bisher vorangetrieben werden.

Im August 1958 überprüfte die Abteilung Landwirtschaft der SED-KL Haldensleben die ökonomische Situation in den sieben MTS-Bereichen des Kreises. Mit dem Ziel der Unterstützung der LPG des Kreises und der Herstellung ihrer Wirtschaftlichkeit beschloß das Büro der SED-KL noch im gleichen Monat in wirtschaftsschwachen LPG Brigaden, die sich aus Sekretären der SED-KL, Ratsmitgliedern und Kreisvorstandsmitgliedern der VdgB zusammensetzen sollten, einzusetzen. Deren Aufgabe bestand vor allem darin, die Perspektivpläne der LPG zu überarbeiten oder neue für eben gegründete Genossenschaften zu erstellen.<1842> Offenbar verlief die Arbeit dieser Brigaden erfolgreich. Der Rat des Kreises Haldensleben stellte nach Abschluß der Getreideernte im September 1958 fest, die LPG des Kreises hätten “... die Anfangsschwierigkeiten des Genossenschaftsaufbaus gemeistert und überwunden ...“<1843> Die Ergebnisse der LPG seien Beweis dafür, so ist in dem Bericht des Rates des Kreises weiterzulesen, wie die Stagnation in den Produktionsleistungen der Einzelbauern durch ihren Zusammenschluß in genossenschaftlichen Großbetrieben behoben werden könne.

Das Büro der SED-KL schloß sich kurze Zeit später dieser Feststellung an, als es erklärte, die LPG hätten


347

sich politisch-organisatorisch sowie ökonomisch immer mehr gefestigt.<1844> “Auf dem Gebiet der Festigung und Stärkung des sozialistischen Sektors der Landwirtschaft kommt es ebenfalls entscheidend darauf an“, führte das Büro aus, “die Mitarbeit und das Mitdenken aller Bauern, insbesondere der LPG-Bauern, so zu entwickeln, daß die Beschlüsse des

V. Parteitages unserer Partei auf dem Gebiete der Landwirtschaft schnell verwirklicht und die ökonomische Hauptaufgabe schneller gelöst werden.“<1845>

Vom 20. Oktober 1958 bis 30. November 1958 fanden in den LPG des Kreises ökonomische Konferenzen statt, die sich hauptsächlich mit der Überarbeitung der Perspektivpläne der LPG, der anhebenden Kooperation und Spezialisierung und der vollen Verwirklichung der sozialistischen Wirtschaftsprinzipien auseinandersetzten.<1846> Sie analysierten ferner die politischen, organisatorischen und ökonomischen Ergebnisse der jeweiligen LPG bei der Verwirklichung der Beschlüsse des V. Parteitages, der Sicherung und Erhöhung ihrer Rentabilität und ihrer weiteren Perspektive im Siebenjahrplan.

Das Büro der SED-KL erklärte die Konferenzen zum entscheidenden Hebel zur Realisierung der im Kreisperspektivplan der SED-KL vorgesehenen politischen und ökonomischen Ziele zur sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft<1847>, als große Produktionsberatung in Verwirklichung der Losung “Plane mit, arbeite mit, regiere mit.“<1848> Es resümierte, “daß die ökonomischen Konferenzen im Kreis den großen politischen und ökonomischen Wachstumsprozeß aller unserer LPG eindeutig demonstrierten ...“<1849>

Diese Einschätzung stand eindeutig im Gegensatz zu den Realitäten. Hauptsächlich die Verabschiedung von Hilfsprogrammen für eine erhebliche Anzahl von LPG und die Entwicklung der AE - beide Gesichtspunkte werden noch ausführlich analysiert - zeigen den Widerspruch zwischen den Wunschvorstellungen des Büros und der Wirklichkeit.

Auf ihren turnusmäßigen Sitzungen im April 1959 forderten das Büro der SED-KL und der Rat des Kreises, im Jahre 1959 alle LPG rentabel zu gestalten.<1850> Wirtschaftsschwache Genossenschaften müßten den Anschluß an fortgeschrittene finden, d. h. keine Wirtschaftsbeihilfen mehr beanspruchen. Erreicht werden sollte diese Verbesserung durch die höchstmögliche Senkung der Produktionskosten sowie die Steigerung der genossenschaftlichen Marktproduktion unter Ausnutzung aller Reserven bei strenger Beachtung der sozialistischen Wirtschaftsprinzipien. Im einzelnen verabschiedete der Rat des Kreises Maßnahmen zur

Im Juli 1959 fanden wiederum ökonomische Konferenzen der LPG mit folgenden inhaltlichen Schwerpunkten statt: die bisherigen Ergebnisse bei der Herstellung der Rentabilität bzw. deren Erhöhung im Zusammenhang mit der Verwirklichung der Grundsätze der sozialistischen Leitung, die Organisation des Arbeitsablaufs und die innergenossenschaftliche Demokratie. Dazu kamen substantiell neue Inhalte wie die leihweise Übergabe der MTS-Technik an fortgeschrittene LPG, die Bildung von sozialistischen Brigaden, die überarbeiteten Musterstatuten der LPG und das LPG-Recht. Dabei gerieten die Genossenschaftsbauern mitunter in Fragen der Durchsetzung des Leitungsprinzips sowie der individuellen Tierhaltung heftig aneinander.<1852>

Die ökonomischen Konferenzen sollten gemäß den Erwartungen des Büros der KL dazubeitragen, durch die weitere “... Gewinnung der werktätigen Bauern für die LPG die Stagnation zu überwinden und das Vorjahrestempo bei der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft wieder zu erreichen.“<1853> Um möglichst bald Fortschritte bei der LPG-Bildung zu erzielen, legten auf den ökonomischen Konferenzen im Sommer 1959 die lokalen Partei- und Staatsorgane gemeinsam mit dem Vorstand einer jedweden LPG den werktätigen Einzelbauern, die sie ausnahmslos einluden, die aktuelle Situation der betreffenden LPG dar. Probleme schilderten sie den Konferenzteilnehmern oftmals verniedlicht. Sie gaben sich optimistisch was deren baldige Lösung anbetraf und versuchten, durch eine übertrieben positive Darstellung der Entwicklung der Genossenschaften die individuell wirtschaftenden Bauern zum Eintritt in LPG zu bewegen.

Leitende Kader der KL der SED, die auf den ökonomischen Konferenzen die Grundsatzreferate hielten, sprachen undifferenziert unter Ignorierung der Tatsachen von Erfolgen der LPG “... bei der Erhöhung der Marktproduktion, in der politischen, ökonomischen und organisatorischen Festigung des sozialistischen Sektors ...“<1854> Wenngleich diese Einschätzung, wie eine Reihe anderer des Büros der SED-KL die Realität nur teilweise widerspiegelte, so muß dennoch verschiedenen LPG eine partielle Aufwärtsentwicklung zugestanden werden.

Bemerkenswert ist die im Sprachgebrauch der SED, in der Lokalpresse und in Berichten über die ökonomischen Konferenzen der LPG im Jahre 1959 gehäufte Anwendung des Terminus “noch wirtschaftsschwache LPG". Damit sollte bei den Einzelbauern und darüber hinaus der gesamten


349

Bevölkerung des Kreises Haldensleben der ungerechtfertigte Eindruck erweckt werden, diese LPG wären auf dem besten Wege, bald ohne staatliche Stützungen zu arbeiten.<1855>

Was die weitere Gewinnung von Einzelbauern für die LPG anging, hingen nach Ansicht des Büros der SED-KL Fortschritte von der Haltung der Vorstände der LPG und ihrer Mitglieder ab. Es vertrat den Standpunkt, der günstigste anzustrebende Zeitpunkt für einen LPG-Beitritt von Einzelbauern läge vor Erntebeginn. So könnte einem Ausverkauf der Ernte vorgebeugt werden. Es lag aber im Interesse der Einzelbauern, wenn überhaupt, dann erst nach Veräußerung ihrer Ernteerträge einer Genossenschaft beizutreten. Sie versuchten zumeist in zähen Verhandlungen mit den LPG-Werbern, ihren Eintrittstermin so weit wie möglich hinauszuzögern.

Das Büro der SED-KL beklagte, die ökonomischen Konferenzen seien von den lokalen Partei- und Staatsorganen mit den werktätigen Einzelbauern ungenügend ausgewertet worden. Dies wiederum zeigt: Die oft bemühte Losung “Plane mit, arbeite mit, regiere mit“ blieb auf dem Lande zumindest zuweilen ein wirklichkeitsfernes Leitbild.<1856>Andererseits bestand von seiten der werktätigen Einzelbauern häufig kein ausgeprägtes Interesse, in Fragen der sozialistischen Entwicklung ihres Dorfes involviert zu werden.<1857>

Im Juli 1959 verfügte das Büro der KL, einen Teil der Vorstandsmitglieder wirtschaftsschwacher LPG in gefestigteren Genossenschaften zusammenzufassen. Ihnen seien erprobte, erfolgverheißende Erfahrungen zu übermitteln, die in den LPG unter Beachtung der konkreten Verhältnisse angewendet werden sollten.

Beträchtliche Schwierigkeiten bei der Erlangung der Rentabilität traten in der LPG Bülstringen zutage. Als Gründe hierfür benannte die SED-KL "ideologische Unklarheiten" der Mitglieder. Sie würden daran deutlich, “daß sie (die Genossenschaftsbauern, d. A.) mit bestimmten Lohnerhöhungen der Industriearbeiter nicht einverstanden sind ... Sie bezeichnen sich nicht als LPG-Bauern, sondern betrachteten sich zum Teil noch als Landarbeiter.“<1858> In dieser LPG mokierten sich die Mitglieder zu Recht über die "Delegierungen" von Berufskollegen in andere LPG, ohne vorher mit den betreffenden gesprochen zu haben. Dort bestand die Meinung, “was nützen die schönen Reden über das Statut usw., der Rat des Kreises macht doch was er will.“<1859> Diese Aussage korrespondiert mit früher getroffenen Feststellungen und unterstreicht, was sich wie ein roter Faden durch den Prozeß der LPG-Bildung zieht: die Beeinträchtigung des Mitspracherechts der Genossenschaftsmitglieder in wesentlichen Belangen der LPG.


350

Wie im vorangegangenen Kapitel sollen nach der allgemeinen Einschätzung des Fortgangs der wirtschaftlich-organisatorischen Festigung der LPG des Kreises Haldensleben, nun wesentliche Gesichtspunkte dieses Prozesses betrachtet, analysiert und kommentiert werden.

4.2.1 Die tierische Produktion

Die Grundlage für die Entwicklung der Landwirtschaft des Kreises Haldensleben für die Jahre 1958 bis 1960 bildete ein Kreisperspektivplan.<1860> Er stand in Übereinstimmung mit dem Perspektivplan für die weitere sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft und die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion im Bezirk Magdeburg.<1861> Im Kreisperspektivplan wurden ausführlich die Aufgaben und Ziele der tierischen und der pflanzlichen Produktion für die LPG, die VEG und die werktätigen Einzelbauernwirtschaften festgelegt; die Fragwürdigkeit derartiger Pläne sei hier nicht erörtert. Die Parteiführung änderte ihre strategische Linie und beschleunigte den Prozeß der LPG-Bildung. Durch die rasante Entwicklung auf dem Lande verloren die Festlegungen des Perspektivplans ihren Wert. Sie ergaben ein verzerrtes Bild und eigneten sich nicht mehr zu einer objektiven Darstellung der ökonomischen Entwicklung der LPG. Deshalb wird auf den Plan nur in Ausnahmefällen eingegangen.<1862>

Das Hauptanliegen der LPG des Kreises Haldensleben in der tierischen Produktion während der letzten Etappe des Vergenossenschaftlichungsprozesses bestand in der ständigen Vergrößerung des 100 ha-Besatzes. Bei diesem Bestreben erreichte die LPG Döhren mit Stand vom Dezember 1958 Ergebnisse, die bei Rindern und Schweinen über den Durchschnittswerten der LPG des Kreises lagen.

Der 100 ha-Besatz dieser LPG betrug:<1863>

Die Viehzählungen in den Genossenschaften des Kreises verdeutlichten die erheblichen Schwächen, die in der tierischen Produktion bestanden. Die Steigerungsraten fielen gering aus, teilweise trat eine rückläufige Entwicklung ein. Bei Rindern und Schweinen erbrachten drei Zählungen innerhalb eines Jahres diese Resultate:


351

Tabelle 38: Die Entwicklung des Rinder- und Schweinebesatzes der LPG des Kreises Haldensleben zwischen dem 3. Dezember 1957 und dem 3. Dezember 1958<1864>

Stichtag

3.12.1957

3.9.1958

3.12.1958

Tierart

absolut

je 100 ha

absolut

je 100 ha

absolut

je 100 ha

Rinder gesamt

25 583

51

26 985

54,5

27 974

56,6

davon Kühe

14 266

28

14 245

28,8

14 332

29,0

Schweine gesamt

71 404

142

66 866

135,1

64 724

130,9

Der hier aufgeführte Hektarbesatz<1865> bei Rindern, Kühen und Schweinen liegt eindeutig über dem in den Statistischen Jahrbüchern ausgewiesenen und damit verbindlichen.<1866> Auch wenn die Termine der Zählungen differieren, so sind die im o. g. Bericht angegebenen höheren Ergebnisse in Zweifel zu ziehen. An diesem Beispiel wird eine gewisse Fragwürdigkeit von statistischen Angaben aus den Unterlagen der SED-KL bzw. des Büros der SED-KL Haldensleben deutlich. Die in den Statistischen Taschenbüchern des Kreises Haldensleben nachzulesenden Daten sind davon nicht ausgenommen.<1867>

Über völlig ungenügende Rinderbestände verfügten zu den o. g. Zählterminen die LPG Bebertal I, Erxleben und Nordgermersleben.

In der Milchproduktion wiesen per Stand vom 30. September 1958 die LPG Hundisburg mit 902 kg, die LPG Döhren mit 805 kg und die LPG Detzel mit 768 kg Milch je Hektar LN die höchsten Leistungen innerhalb des Kreises auf.<1868> Weit unter dem Kreisdurchschnitt lagen die Werte der LPG Etingen mit 229 kg und der LPG Satuelle mit 279 kg.<1869> Auf den ökonomischen Konferenzen dieser LPG versuchten die Genossenschaftsmitglieder, die Verlustquellen aufzudecken und Maßnahmen zu deren Beseitigung festzulegen.

Die Auswertung der Viehzählungen von Anfang Juni 1959 ergab einen erheblichen Anstieg der Rinderbestände der LPG verglichen mit den Ergebnissen vom Juni des Vorjahres. Demnach vergrößerte sich der Rinderbesatz der LPG des Kreises Haldensleben vom 3. Juni 1958 bis zum 3. Juni 1959 von 48,8<1870> Stück auf 66,8 Stück je 100 Hektar.<1871> Insgesamt erhöhte sich der Rinderbestand der LPG


352

innerhalb dieses einen Jahres um 4 000 Stück.<1872> Der erhebliche Zuwachs ist primär auf den Eintritt von Einzelbauern in LPG vom Typ III, das Hinzukommen von Futterflächen und die eigene Reproduktion zurückzuführen.

Der einzelbäuerliche Sektor erreichte bei Rindern bessere Resultate als der genossenschaftliche. Der Rinderbesatz der Einzelbauern stieg im soeben aufgeführten Zeitraum um 4,5 Stück je 100 Hektar von 69 Stück auf 73,5 Stück, wozu der Abschluß von Mastverträgen seit Beginn des Jahres 1959 beigetragen haben mag.<1873> Während seine Schweineproduktion stagnierte, erhöhte sich der Kuhbesatz im einzelbäuerlichen Sektor vom 3. Juni 1958 bis 3. Juni 1959 von 24,3 Stück auf 27,3 Stück je 100 Hektar.<1874> Er kam damit nicht ganz an den Besatz heran, den die LPG bereits Ende des Jahres 1958 aufzuweisen hatten.

Einige LPG blieben eindeutig unter den Durchschnittswerten. So kamen die LPG Flechtingen und Süplingen im o. g. Zeitraum je 100 Hektar nur auf einen Besatz von rund 20 Kühen.<1875> Rückläufige Abkalbergebnisse und eine hohe Kälbersterblichkeit verhinderten in diesen sowie weiteren LPG bessere Ergebnisse.

Im Dezember 1959 verwies der 1. Sekretär der SED-KL Haldensleben auf einen Rückgang der Kuhbestände, der ein vermindertes Milchaufkommen mit sich brächte. Er mahnte an, der Kreis Haldensleben käme bei der Lösung der ökonomischen Hauptaufgabe in Verzug.<1876> Der stellvertretende Vorsitzende des Rates des Kreises wiederum klärte das Büro der KL über die Futterschwierigkeiten im Kreise auf, die in den folgenden Jahren erhebliche Negativwirkungen nach sich ziehen würden. Wenig später stellte er fest, wenn auch das Ergebnis der Viehzählung vom 3. Dezember 1959 800 Kühe mehr als 1950 aufweise, so würden zur Sicherung des Planes im Jahre 1960 1 749 Kühe im Kreis fehlen.<1877>

Die Entwicklung des Kuhbesatzes der LPG verlief bis zum Ende des Jahres 1959 tatsächlich schleppend. Der 100 ha-Besatz bei Kühen lag in den LPG bei 27,6 Stück und damit unterhalb des Wertes des Vorjahres.<1878> Bei den Einzelbauern wuchs er jedoch im Vergleich zum Ergebnis des Monats Juni 1959 sprunghaft auf 39,5 Stück je 100 Hektar an.<1879>


353

Ende 1958 gab es im Kreis Haldensleben 1 011 Herdbuchkühe.<1880> Davon entfielen 378 auf LPG, 365 auf Einzelbauern und 268 auf VEG.<1881> Auf dieser Grundlage erzeugten im Jahre 1958 die LPG im Durchschnitt 3 274 kg, die VEG 3 666 kg, die Einzelbauern jedoch 3 765 kg Milch je Kuh.<1882> Verglichen mit dem Vorjahr verzeichneten die LPG in der Milchproduktion im Jahre 1958 einen Zuwachs von 10 Prozent.<1883> Der Kreisdurchschnitt der LPG je Hektar LN betrug 265 kg.<1884> Den höchsten Wert erreichte die LPG Hundisburg mit 635 kg, den niedrigsten die LPG Klinze - eine kleine LPG - mit 109 kg je Hektar LN.<1885>

An der Bezifferung der Leistung der LPG Hundisburg scheiden sich wiederum die Geister, was die Objektivität, die Verläßlichkeit von Zahlenangaben in den Archivalien über die LPG des Kreises Haldensleben angeht.<1886> Eine im Zusammenhang mit den Ergebnissen der ökonomischen Konferenzen der LPG zusammengestellte Statistik vom 30. September 1958 wies die Leistung der LPG Hundisburg mit 902 kg Milch je Hektar LN aus.<1887> Das waren

267 kg mehr als oben genannt.<1888> Sollten diese “Vorzeige-LPG“ und weitere LPG<1889> bis zum Sommer 1959 bei einem allgemeinen Aufschwung der Milchproduktion der LPG in kurzer Zeit tatsächlich eine derartig rückläufige Entwicklung genommen haben? Wohl kaum.

Der Schweinebesatz der LPG erfuhr laut einem Bericht der Landwirtschaftskommission der KL der SED an das Büro der KL über Probleme der Entwicklung der Landwirtschaft des Kreises Haldensleben im 1. Halbjahr 1959<1890> vom 3. Juni 1958 bis zum 30. Juni 1959 eine geringfügige Steigerung. Er vergrößerte sich von 116,7 auf 123 Stück je 100 Hektar.<1891> Zwischenzeitlich lag er allerdings per 3. Dezember 1957 bereits bei 142 und am 3. Dezember 1958 bei 130,9 Stück je 100 Hektar.<1892> In Wirklichkeit vertuschte die Landwirtschaftskommission der SED-KL also einen zwischenzeitlich eklatanten Rückschritt, den ein leichter Aufschwung ablöste.

Auf den niedrigsten Schweinebesatz je 100 Hektar kamen die LPG Flechtingen und Erxleben mit 75 bzw.


354

76 Schweinen.<1893> 11 LPG verzeichneten einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr.<1894> Eine hohe Ferkelsterblichkeit und unsachgemäße Tierhaltung verhinderten in diesen LPG insgesamt bessere Resultate.<1895> Als Folgeerscheinung traten bei der Planerfüllung an Fleisch in den LPG Bartensleben, Bebertal I, Benndorf und Bülstringen ernsthafte Schwierigkeiten auf.

Problematisch erwies sich der Versuch, die Hühnerhaltung in allen LPG als Ergänzungszweig durchzusetzen, obwohl der Kreis mit 10 000 intensiv gehaltenen Hennen zu den besten im Bezirk Magdeburg gehörte.<1896> Bei derart hohen Beständen ist der Rückstand in der Eiererfassung schwer verständlich. Im Sommer 1959 belief er sich auf 525 000 Stück.<1897>

Der VEAB stellte am 20. August 1959 ein Defizit in der tierischen Marktproduktion von rund 500 t fest.<1898> Wenige Tage später wies der 1. Sekretär der SED-KL die Büromitglieder während einer Sitzung des Büros auf die Rückstände des Kreises Haldensleben bei der Erfüllung dieser Komponente der Marktproduktion hin. Hier nähme der Kreis die letzte Stelle im Bezirk ein.<1899> Auf dieser Sitzung stand weiter die Glaubwürdigkeit statistischer Angaben über die Planerfüllung zur Debatte, "die ein vollkommen falsches Bild aufzeigten und somit desorientierten."<1900>

In den nächsten Monaten des Jahres 1959 gelang es den Genossenschaften nicht, die Fehlmenge wettzumachen. Die Hauptursache hierfür lag im zu niedrigen Schweinebesatz je 100 Hektar, obschon die LPG des Kreises Haldensleben im 100 ha-Besatz bei Schweinen per

3. Dezember 1959 einen geringfügig höheren Stand als die Einzelbauern des Kreises erreichten. Der 100 ha-Besatz in den LPG lag nunmehr bei 147, der der Einzelbauern bei 143 Schweinen.<1901> Verschiedene LPG blieben weit unter dem Durchschnittsresultat. Sie vereitelten ein besseres Ergebnis der Genossenschaften.

Der Kreissekretär erklärte, die volkswirtschaftlichen Erfordernisse würden dringend eine Kürzung der Dauer der Schweinemast verlangen.<1902> Als Erfolg verbuchte er, daß sich gegen Ende des Jahres 1959 die hohen Ferkelverluste verringerten. Am Ausklang des Jahres 1958 bewegten sie sich noch um 26 Prozent.<1903>


355

Die Festlegungen des Volkswirtschaftsplanes erforderten von den LPG des Kreises Haldensleben, im Jahre 1959 mindestens 8 900 t an Schlachtvieh - ohne Geflügel - zu erzeugen.<1904> Das Ergebnis belief sich aber nur auf 8 658 t.<1905> Für Schlachtvieh ohne Schweine lautete die Kennziffer 2 800 t, die es den LPG mit 2 793 t nicht gänzlich zu erfüllen gelang.<1906> Bei Schlachtschweinen betrug der Erfüllungsstand 5 865 t statt der geplanten 6 100 t, bei Milch anstatt der vorgesehenen 45 600 kg nur 43 271 kg.<1907>

Zusammenfassend ist festzustellen, “daß außer bei Schlachtgeflügel keine Kennziffer des Volkswirtschaftsplanes erreicht wurde.“<1908>

Die mangelhafte Planerfüllung in der tierischen Produktion der LPG des Kreises Haldensleben im Jahre 1959 resultierte aus objektiven und subjektiven Gründen. An erster Stelle ist die katastrophale Futtergrundlage aufgrund der bereits im Frühsommer 1959 einsetzenden und über den ganzen Sommer anhaltenden Dürreperiode zu nennen. Sie trug erheblich zu Defiziten in der Marktproduktion im ersten Halbjahr in 24 LPG des Kreises bei<1909> und zog in der tierischen Produktion Ausfälle von 950 000 DM nach sich.<1910>

Die witterungsbedingten Schwierigkeiten bei der Futterversorgung der Tiere konnten nicht darüber hinwegtäuschen, daß in den LPG Erxleben, Hörsingen und weiteren LPG Ausfälle entstanden, “die auf Schlamperei in der Arbeitsorganisation, besonders des Leistungsprinzips, aufgeblähter individueller Viehwirtschaft zu diesen mangelhaften Ergebnissen führten.“<1911>

Erschwerend auf die Planerfüllung wirkte sich das Unvermögen eines großen Teils der LPG des Kreises Haldensleben aus, in jedem Quartal einen kontinuierlichen Planausstoß zu gewährleisten. Noch im November und Dezember 1959 verkauften wirtschaftsschwache LPG Läufer bzw. untergewichtige Schweine, um den Wert der AE zu erhöhen.<1912> Diese Handlungsweise vertrug sich nicht mit den Interessen der LPG-Bauern nach materiellem Gewinn und erwies sich als nicht dazu angetan, die außerhalb der Genossenschaften produzierenden Bauern für LPG zu gewinnen.<1913> Um so erstaunlicher, wie rasch sich dann in den ersten Monaten des Jahres 1960 die Vergenossenschaftlichung auf der Grundlage vermeintlicher Freiwilligkeit vollzog ...


356

Auf die Erfüllung der Vorhaben der Marktproduktion der LPG wirkte sich weiter negativ die Übernahme von Flächen ohne ein einziges Tier durch verschiedene LPG aus. Doch auch solche Faktoren wie die geringe Qualifikation der Viehpfleger und deren hohe Fluktuationsrate, der verkommene Zustand der Viehställe, die unsachgemäße Pflege und Fütterung des Viehs, verhinderten einen Aufschwung. Hinzu kam, daß einige LPG dahin tendierten, "die staatlichen Auflagen und den Volkswirtschaftsplan gröblichst zu mißachten.“<1914>

In Auswertung der Ergebnisse der tierischen Produktion der LPG des Kreises Haldensleben im Jahre 1959 bestätigte der Rat des Kreises Haldensleben der rentabel arbeitenden LPG Dorst bewiesen zu haben, wo die Reserven in der tierischen Produktion der LPG des Kreises lägen:<1915>

  1. im hohen Anteil der Veredlungswirtschaft in der tierischen Produktion, d. h. daß 75 bis 85 Prozent der Erlöse der Altmark-LPG aus der tierischen Produktion kommen müssen, und daß eine Spezialisierung aller Altmark-LPG auf die Spezialisierung hochwertigen Zucht- und Nutzviehs unumgänglich ist;
  2. im entwickelten, alle Möglichkeiten nutzenden Feldfutterbau - besonders dem Zwischenfruchtanbau - und dem vermehrten Anbau von Mais.

Die aufgezeigten Wege zur Leistungssteigerung in der tierischen Produktion gelte es nun in allen LPG entsprechend den lokalen Gegebenheiten zu beschreiten, forderte der Rat des Kreises.

Das Büro der SED-KL und der Rat des Kreises Haldensleben zogen aus der unzureichenden Entwicklung der tierischen Produktion die Schlußfolgerung, in den Börde-LPG die Rinderbestände zu erhöhen und das ungünstige Rinder-Kuh-Verhältnis zugunsten der Kuhhaltung zu verändern.<1916> Im Jahre 1959 bestand ein umgekehrtes Verhältnis. Das Büro der SED-KL und der Rat des Kreises verlangten, in sämtlichen LPG strikt auf eine kontinuierliche Produktion und einen nach Dekaden aufgeschlüsselten Produktionsausstoß zu achten.

Am Ende dieses Abschnittes sollen offizielle statistische Angaben die Entwicklung der wichtigsten Tierbestände und die Entwicklung der Milcherzeugung der LPG des Kreises Haldensleben in den Jahren 1956 bis 1960 aufzeigen.<1917>


357

Tabelle 39: Die Entwicklung der wichtigsten Vieharten in den LPG des Kreises Haldensleben in den Jahren 1956 bis 1960 je 100 Hektar

Tiere\Jahr

1956<1918>

1957<1919>

1958<1920>

1959<1921>

1960<1922>

Pferde

7

7

6

k. A.

k. A

Rinder (gen. und inivid.)

45

43

49

66

73

davon Kühe

22

22

24

27

32

Schweine

123

117

117

120

146

Schafe

40

44

51

53

50

Tabelle 40: Die Entwicklung der Milcherzeugung der LPG des Kreises Haldensleben in den Jahren 1956 bis 1960

Kriterium\Jahr

1956<1923>

1957<1924>

1958<1925>

1959

1960

Anzahl der Kühe in LPG

(nur Typ III)

3 024

3 315

3 944

k. A.

k. A.

Milchleistung je Kuh bei 3,5 % Fettgehalt (nur Typ III)

2 044

2 302

2 724

2 637<1926>

2 608<1927>

Tatsächlicher Fettgehalt in %

(nur Typ III)

3,30

3,26

3,38

k. A.

k. A.

Gesamterzeugung (dt) je 100 ha LN

(nur T. III)

402

470

575

k. A.

k. A.

Gesamterzeugung (dt) bis 3,5 % Fettgehalt

61 956

76 300

107 437

k. A.

k. A.


358

In der tierischen Produktion nahmen die LPG des Kreises Haldensleben unter den LPG des Bezirkes Magdeburg im Jahre 1960 eine Position im unteren Mittelfeld ein.

Die Fülle der Schwierigkeiten im Zuge des außerordentlich raschen Abschlusses der LPG-Bildung vereitelte höhere Ergebnisse der LPG in der tierischen und pflanzlichen Produktion im Jahre 1960 und in den Jahren unmittelbar danach. Im Sinne einer objektiven Einschätzung gebietet es sich, diese Feststellung hinzuzufügen.

4.2.2 Die pflanzliche Produktion

Zu den wichtigsten Aufgaben der pflanzlichen Produktion der Landwirtschaft der DDR am Ende der fünfziger Jahre zählte zum einen die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln aus eigenem Aufkommen, zum anderen, der tierischen Produktion eine ausreichende, qualitativ hochwertige Futtergrundlage zu gewährleisten. Diesem landwirtschaftlichen Produktionszweig kam für die wirtschaftlich-organisatorische Festigung der LPG und damit auch der Ausstrahlung auf die Einzelbauern und den Fortgang der LPG-Bildung eine ähnliche Bedeutung wie der tierischen Produktion bei. Deshalb setzte das Büro der SED-KL Haldensleben vor allem in den LPG die Prioritäten in der pflanzlichen Produktion auf die Schaffung einer breiten Futterbasis als generelle Voraussetzung für hohe Ergebnisse in der tierischen Produktion.

An dieser Stelle sei nochmals darauf verwiesen, daß sich die Materiallage, selbst was bedeutsame Gesichtspunkte des Umgestaltungsprozesses anging, zuweilen als äußerst lückenhaft herausstellte. Durch diesen Umstand erschwerte sich die zusammenhängende Darstellung und Analyse wichtiger Bestandteile der LPG-Bildung.<1928> Einem Torso gleichen die habhaften Unterlagen, was die Entwicklung der pflanzlichen Produktion der LPG im Zeitraum Mitte 1958 bis Frühjahr 1960 angeht.

Der Kreisperspektivplan sah für die pflanzliche Produktion u. a. vor, durch den Anbau von Frischfutter in den Monaten April bis November<1929>, die Stallfuttertage in den LPG von 210 auf 190 zu verkürzen.<1930> Die Umsetzung dieses Vorhabens verlangte, das Saatgut für Futterpflanzen zu einem Großteil selbst zu erzeugen. Dazu fehlten in einer Reihe von LPG die Voraussetzungen, die kurzfristig nicht geschaffen werden konnten. In diesen LPG gelang es nicht, die Anzahl der Stallfuttertage herabzusetzen.

Größte Bedeutung kam der Ausdehnung des Anbaus von Mais als eines der wichtigsten, wenn nicht gar


359

des wichtigsten Futtermittel zu. Der vermehrte Anbau von Mais sollte eine ausreichende Futterversorgung der Viehbestände über das ganze Jahr hinweg garantieren. Zur Sicherung des fristgemäßen Abschlusses der Maisernte und damit der Futtergrundlage für das Jahr 1959 appellierte das Büro der KL im Rahmen des Aufgebots “Junger Sozialisten“ an die Jugendlichen des Kreises, die Maisflächen in persönliche Pflege zu nehmen. Vorwiegend auf Mais- und Zuckerrübenfeldern von Genossenschaften leisteten die jungen Menschen bis zum Sommeranfang des Jahres 1958 38 541 Arbeitsstunden.<1931> Daneben nahmen die Genossenschaftsmitglieder bis zum gleichen Zeitpunkt 64 Hektar Mais und 206,5 Hektar Zuckerrüben in persönliche Pflege.<1932>

Im Herbst 1958 stellten sich Schwierigkeiten bei der Kartoffelablieferung ein, die mit der Rodung nicht Schritt hielt. Obwohl per 16. November auf den genossenschaftlichen Feldern

60 Prozent der Kartoffeln gerodet waren, lag der Ablieferungsstand der LPG bei mageren

30 Prozent.<1933>

Am Ende des Jahres 1958 verbuchte der größte Teil der LPG überdurchschnittliche Futtererträge. “Allerdings gibt es jedoch solche alarmierenden Anzeichen“, stellte der Rat des Kreises zu Beginn des Jahres 1959 in einer Analyse der Entwicklung der genossenschaftlichen Landwirtschaft fest, “daß vor allen Dingen die Einzelbauern, die sich mit dem Gedanken zum Eintritt in die LPG tragen, mit allen Mitteln die vorhandenen Futtervorräte durch den hohen Kuhbestand verbrauchen, um schnell zu Geld zu kommen, und um dann zwar am Jahresende mit einem entsprechenden Viehbesatz einzutreten, jedoch eine völlig ungenügende Futterbasis mit einzubringen. Hierauf müssen wir in nächster Zeit mit allem Ernst achten.“<1934>

Die von der Parteiführung der Landwirtschaft vorgegebenen, erhöhten Zielstellungen, erforderten auch im Kreis Haldensleben eine Änderung der Anbauverhältnisse auf den Flächen der Einzel- und Genossenschaftsbauern entsprechend der volkswirtschaftlichen Bedeutung bestimmter Kulturen. Der Kreisperspektivplan sah vor, erstrangig die Anbaufläche von Zuckerrüben zu Lasten des Gemüseanbaus zu verändern.<1935>


360

Tabelle 41: Plan der Veränderung des Umfangs der Anbauflächen ausgewählter Kulturen von 1958 bis 1960 im Kreis Haldensleben

1958

1959

1960

Silomais

2 200 ha

2 400 ha

2 500 ha

Zuckerrüben

4 615 ha

4 620 ha

4 660 ha

Gemüse

450 ha

430 ha

410 ha

Die Zielstellungen konnten nach Ablauf des Perspektivplans nicht gänzlich erreicht werden.<1936>

Wie aus einem Bericht der Abteilung Landwirtschaft hervorgeht, zeichnete sich bereits im Frühjahr 1959 in den LPG des MTS-Bereiches Rätzlingen ab, daß die Genossenschaften in der Kultur Getreide - bis auf Winterweizen - die vorgesehenen Erträge erreichen und in der Kultur Wintergerste überbieten würden. Die Analyse verhieß: Die Winterrapserträge könnten zwischen 12 und 14 dt je Hektar, die Erträge von Sommerweizen, Hafer und Gemenge schätzungsweise 22 bis 25 dt je Hektar erbringen.<1937>

Eine bei weitem geringere Ausbeute sei in den Fruchtarten Sommerroggen und Sommergerste zu erwarten. Bei den frühesten Kartoffelsorten sei mit mittleren, bei den späteren Sorten aber mit unterdurchschnittlichen Erträgen von 65 bis 100 dt je Hektar zu rechnen.<1938>

In fast allen LPG des MTS-Bereiches Rätzlingen und darüber hinaus in vielen LPG des Kreises fehlte es infolge der Dürreperiode im Jahre 1959 an Futter für die tierische Produktion. Die Grünfutterbasis für die Bullenmast blieb unzureichend.<1939> Nach dem ersten ausreichenden Wiesenschnitt mußte der zweite als völliger Ausfall bezeichnet werden. Bei der Auswertung der Futterbilanzen der LPG traf das Büro der SED-KL auf seiner Sitzung vom 5. Dezember 1959 die Feststellung, daß sich die Schwierigkeiten in der Futterversorgung über Jahre hinweg auf die tierische Produktion auswirken würden.<1940>

Diese Einschätzung traf in Sonderheit auf die LPG Rätzlingen zu. Zur Rentabilität in dieser Genossenschaft zu gelangen hieß, unbedingt die Futtergrundlage für die tierische Produktion zu verbessern, die Weideflächen dosierter zu nutzen und eine intensivere Weidepflege nach dem Weideauftrieb durchzuführen.

Der Stand im MTS-Bereich Klüden unterschied sich kaum von dem im Bereich Rätzlingen.


361

Voraussichtlich würden laut einer Überprüfung die Roggenerträge auf feuchten Böden zwischen 20 und 22 dt, auf Sandböden zwischen 8 bis 12 dt betragen.<1941> Da die LN dieses Bereiches zu 90 Prozent aus Sandböden bestand, erwartete die Abteilung Landwirtschaft im Durchschnitt einen Roggenertrag von etwa 13 dt je Hektar und einen Ertrag an Frühkartoffeln von etwa 90 dt je Hektar.<1942>

Die extrem hohen Temperaturen des Sommers 1959 verursachten in der pflanzlichen Produktion verheerende Schäden, die sich aufgrund der nun schmaleren Futterbasis negativ auf die tierische Produktion der Genossenschaften auswirkten. Selbst in der über ein komplettes Beregnungssystem verfügenden LPG Neuenhofe gelang es nicht, die Wiesen und Weiden ertragsfähig zu halten. Ein Großteil der Untersaaten im Altmarkteil des Kreises verdorrte völlig, desgleichen ein erheblicher Teil der mittlerweile ausgesäten Zwischenfrüchte. Die Ausfälle im Bördeteil des Kreises hielten sich dagegen in Grenzen.

Nur zögernd nahmen viele LPG-Vorstände den Vorschlag der Abteilung Landwirtschaft und der Leitungen der MTS an, zwecks Entspannung der Situation in der Futterversorgung auf

15 Prozent der LN Winterzwischenfrüchte anzubauen. Zuvor hatten sie sich teils hartnäckig gesträubt, das Saatgut in den ausgedorrten Boden bringen zu lassen. Die eingeschränkte Futterbasis im Sommer 1959 regte einige LPG an, ihre Arbeitsweise in der pflanzlichen Produktion zu ändern. Zur Absicherung einer ausreichenden Futtergrundlage für die Vorratswirtschaft im Falle von Witterungskapriolen und ihren Folgen legte die im Altmarkteil des Kreises gelegene und von der Trockenheit arg betroffene LPG Wegenstedt fest, den Zwischenfruchtanbau auf etwa 25 Prozent der LN ihrer LPG auszudehnen.<1943> Um in der Futtersaatenvermehrung voranzukommen, plante diese Genossenschaft eine umfassendere Pflege der Vermehrungsflächen.

Zu den Vorhaben der LPG Süplingen gehörte, höchste Erträge in der Zuckerrüben- und Kartoffelernte zu erzielen. Deshalb nahmen im Frühjahr 1959 die Genossenschaftsbauern sämtliche Anbauflächen von Zuckerrüben in persönliche Pflege.<1944>

Die Zobbenitzer Genossenschaftsbauern kümmerten sich mehr als bisher um ihre Grünlandbestände. Sie hofften, dadurch ihre Futterausbeute zu erhöhen und sich damit eine verbesserte Ausgangslage für höhere Leistungen in der tierischen Produktion schaffen zu können.

Von der gewissenhaften Vorbereitung der MTS auf die Ernte hingen durchaus Ertragshöhe und Qualität der geernteten Pflanzenart ab. Den “Tag der Erntebereitschaft“ Mitte Juni 1959 werteten Kreisbüro und Abteilung Landwirtschaft als Maßstab des Vorbereitungsstandes der Stationen. Von den an diesem Tage vorgenommenen Überprüfungen liegen lediglich von den MTS-Bereichen Flechtingen und Ostingersleben Berichte vor.<1945> Sämtliche Binder befanden sich auf den Rapsfeldern zur Mahd. In der LPG Bregenstedt


362

beteiligten sich alle werktätigen Einzelbauern und ein beträchtlicher Teil der Genossenschaftsbauern an der Überprüfung der Maschinen und Gerätschaften der MTS.

Eine Kontrolle der Abteilung Landwirtschaft der KL ergab eine wenig verantwortungsbewußte Vorbereitung dieses Tages in den meisten Gemeinden. Völlig ungenügend hätten nach Meinung dieser Abteilung der KL die Kommission für Landwirtschaft, die örtlichen Volksvertretungen, die Vorstände der LPG und die Ortsvorstände der VdgB diesen wichtigen Termin vorbereitet. In den Gemeinden der MTS-Bereiche Flechtingen und Ostingersleben wäre der Gleichgültigkeit der Bürgermeister wegen eine nur mäßige bzw. überhaupt keine Beteiligung der Gemeindevertreter zu verzeichnen gewesen. Die Abteilung Landwirtschaft der KL tadelte ferner das allgemeine Desinteresse der werktätigen Einzelbauern an den Tests der Erntebereitschaft der beiden MTS. Eine Ausnahme bildeten nur die Bregenstedter werktätigen Einzelbauern. Für den Bereich Flechtingen lautete ihre Einschätzung, trotz guter Vorbereitung dieses Ereignisses sei die Teilnahme der werktätigen Einzelbauern eine geringe geblieben.<1946>

Die Verhaltensweise eines bedeutenden Teils der individuell wirtschaftenden werktätigen Bauern wenige Monate vor Beginn des Abschlusses der LPG-Bildung dokumentiert ihre Stellung zu den tiefgreifenden Veränderungen. Sie zeugt von ihrer Hoffnung, daß alles doch noch “anders kommen“ möge.

Ende August 1959 drängte das Büro der KL die MTS, die Einzel- und die Genossenschaftsbauern, die Getreideernte so früh wie möglich zum Abschluß zu bringen. Abgesehen von den LPG Döhren und Schwanefeld erfüllten einem Informationsbericht der Abteilung Landwirtschaft der KL vom 26. August 1959 zufolge, bis zu diesem Tage alle LPG die Getreidemarktproduktion mit 100 Prozent.<1947> 18 Prozent der LN des Kreises seien mit Stoppelsaaten bestellt, darunter größere Flächen der LPG.<1948> 115 Hektar - 1,5 Prozent der LN des Kreises - wären zu etwa gleichen Teilen auf einzelbäuerlichen und genossenschaftlichen Feldern mit Winterzwischenfrüchten bestellt. 4 428 Hektar, 30 Prozent der zu ziehenden Saatfurche, seien auf den Äckern beider bäuerlicher Eigentumsformen gezogen.<1949> Das Ausdrillen des Winterrapses stände vor dem Abschluß. Am 29. August 1959 betrug die Planerfüllung in der Marktproduktion von Getreide 89,5 Prozent.<1950> Daran hatten die LPG nicht unwesentlichen Anteil. Der Kreis rangierte mit diesem Resultat auf Platz neun im Bezirk Magdeburg.<1951>

Das Büro der KL stellte den LPG das Ziel, bis zum 31. August 1959 die Getreidemarktproduktion auf 94 Prozent zu erhöhen.<1952> Es regte den Rat des Kreises und die örtlichen Organe in den Dörfern an, alle gesellschaftlichen Kräfte für die Erreichung dieses Vorhabens zu mobilisieren. Die örtlichen Organe, die MTS, die VdgB und die BHG sollten Maßnahmen treffen, die bewirkten, daß sämtliche verfügbaren Kapazitäten an Dresch- und Großaggregaten mit Traktorenantrieb schleunigst auf den nicht abgeernteten


363

Schlägen zum Einsatz gelangten. Es müsse jetzt durchgesetzt werden, daß mehr als bisher nachts gedroschen wird. Das Büro der KL verpflichtete die Sekretäre der KL in den MTS, die Durchführung der Maßnahmen auf lokaler Ebene mit Unterstützung der Parteiorganisationen der Genossenschaften zu garantieren. Die gebündelten Anstrengungen bewirkten, daß mit dem Stichtag 22. September 1959 die Marktproduktion an Getreide einen Stand von 97,9 Prozent aufwies.<1953>

Zur Vorbereitung der Hackfruchternte fand am 29. August 1959 in den Gemeinden des Kreises Haldensleben der “Tag der Bereitschaft der Hackfruchternte“ statt. Einzel- und Genossenschaftsbauern führten ihn separat durch. Folgende Schwerpunkte standen zur Debatte:<1954>

Die Bauern diskutierten ausgiebig und legten Maßnahmen fest, die aber Komplikationen während der Hackfruchternte nicht ausschlossen. Die teilweise geringen Kartoffelerträge in den LPG, sie schwankten zwischen 30 und 230 dt, rührten nicht vorrangig aus unzulänglicher Arbeitsweise von MTS und LPG her.<1955> Hauptsächlich waren sie der ungünstigen Witterung sowie dem Befall der Pflanzen durch Drahtwurm und Erdraupe zuzuschreiben. Diese Faktoren führten in den LPG zu Sollrückständen bei Kartoffeln in Höhe von 1 163 dt.<1956> Der Ausfall an Vermehrungsbeständen der gleichen Fruchtart wird in den Archivalien mit ca. 8 000 t angegeben.<1957>

Das Büro der SED-KL erörterte im Herbst 1959 eingehend die Hauptaufgaben, die der Siebenjahrplan den Genossenschafts- und Einzelbauern stellte.<1958> Es erklärte im Hinblick auf die pflanzliche Produktion, eine wichtige Voraussetzung für hohe Hektarerträge sei die Erhaltung und Mehrung der Bodenfruchtbarkeit. Im Altmarkteil des Kreises müßten solche agrarwissenschaftlichen Erkenntnisse angewandt werden, die eine generelle Ertragssteigerung mit sich brächten.<1959> Der Plan sah für die pflanzliche Produktion u. a. vor, den Zwischenfruchtanbau auf mindestens 30 Prozent der Anbaufläche auszudehnen, davon 12 Prozent Winter- und 18 Prozent Sommerzwischenfrüchte.<1960> Zur Erweiterung der Futterbasis sollte der Maisanbau ausgedehnt werden und auf 8 Prozent der LN des Kreises erfolgen.<1961> Gleichfalls sollte der Anbau mehrjähriger eiweißhaltiger Kulturen über das bisherige Maß hinaus


364

gesteigert werden. Sie versprachen hohe Erträge.

Die Landwirtschaft des Kreises Haldensleben verfügte in Gestalt des natürlichen Grünlands über erhebliche, aber teils schwer nutzbare Futterreserven. Durch die der jeweiligen Situation angepaßten wasserwirtschaftlichen Maßnahmen mußten diese erschlossen und ihre Ertragsfähigkeit beständig erhöht werden. Die Sicherstellung des Viehaustriebs im zeitigen Frühjahr verlangte eine intensive Pflege des Grünlands in den Wintermonaten.

In den Planvorhaben des Kreises Haldensleben fand sich zum Zwecke der umfassenden Versorgung der Bevölkerung mit Gemüse und Obst aus eigenem Aufkommen die Festlegung, den Anbau solcher Gemüsearten wie Bohnen, Pflückerbsen, Spargel, Tomaten und Zwiebeln zu erhöhen, neue Gewächshäuser für den Anbau von Treibgemüse zu errichten und Verbesserungen in der Pflege der Obstbestände durchzusetzen.<1962>

Mit der Qualifizierung der LPG Emden, Hödingen, Nordgermersleben und Vahldorf zu Saatgut-LPG glaubte das Büro, eine Lösung des Saat- und Pflanzgutproblems in den Genossenschaften erreichen zu können. Für die genannten LPG ging es darum, vornehmlich Futterpflanzen aufzuziehen. Für die LPG Mannhausen stand im Vordergrund, Kartoffeln zu vermehren.<1963> Neben der Erzeugung von Saatgut für Konsumkulturen gewann die Vermehrung von Futtersaaten an Bedeutung. Zur Erzielung von Maximalerträgen sollte mehr Aufmerksamkeit auf den planmäßigen Saatgutwechsel sowie die Verwendung von Saatgut hoher Qualität gelegt werden.

Das Büro der KL befaßte sich zu Beginn des Jahres 1960 mehrmals mit der in den LPG verbreiteten Tendenz, “weiche“ Pläne aufzustellen. Diese wichen von den vom Rat des Kreises vorgegebenen Kennziffern teils erheblich nach unten ab. Das Büro kam daraufhin zu dem Schluß, auf landwirtschaftlichem Gebiet beständen verschiedene Pläne: ein Plan der jeweiligen Gemeinde und ein Plan des Rates des Kreises. Sie würden nicht miteinander übereinstimmen und es gäbe unterschiedliche Meinungen zu ihnen.<1964>

Eine besonders ausgeprägte Kluft tat sich in diesem Zusammenhang in der Planung der pflanzlichen Produktion durch den Rat des Kreises und der einiger LPG des MTS-Bereichs Rätzlingen auf. Zwei Beispiele geben darüber Auskunft.


365

Tabelle 42: Differenzen in der Planung der pflanzlichen Produktion für das Jahr 1960 zwischen dem Rat des Kreises Haldensleben und LPG des Kreises<1965>

Plan des Rates des Kreises

dz/ha

Plan der LPG Everingen

dz/ha

Plan des Rates des Kreises

dz/ha

Plan der LPG Mannhausen

dz/ha

Getreide

30

21,2

23

19,6

Kartoffeln

220

145,0

210

150,0

Zuckerrüben

290

252,0

250

293,0

Ölfrüchte

14

13,0

11

12,0

Das Büro der KL argumentierte, die ausgeprägten Differenzen in der Planung der Hektarerträge zwischen dem Rat des Kreises und verschiedenen LPG würden sich nachteilig auf die gesamte Futterwirtschaft auswirken und somit die Entwicklung der tierischen Produktion negativ beeinflussen.<1966> Nach seiner Intervention kamen die betreffenden LPG-Vorstände nicht umhin, die Kennziffern des Rates des Kreises zu akzeptieren. Die propagierte These von der demokratischen Mitbestimmung erwies sich hier ein weiteres Mal als bloße Worthülse.

Verschiedene ökonomisch stärkere LPG der MTS-Bereiche Ostingersleben, Schackensleben und Weferlingen sahen ihre Haupteinnahmequelle in der pflanzlichen Produktion und versuchten, Änderungen des Planes in ihrem Sinne durchzusetzen.<1967> Die Ambitionen dieser LPG zielten augenscheinlich auf eine von der Parteiführung seit geraumer Zeit ausdrücklich geforderte Spezialisierung ab. Das Büro der SED-KL Haldensleben stand derartigen Absichten jedoch nicht gewogen gegenüber.

Die instabile Futtersituation brachte es mit sich, daß in vielen LPG bei der Fütterung der Milchkühe ein gesundes Eiweiß-Stärke-Verhältnis nicht durchgängig eingehalten werden konnte. Der Zwang zum sparsamem Futterumgang führte dazu, daß die Mastschweine statt der vorgesehenen 500 bis 600 g nicht mehr als 300 g je Tag an Gewicht zunahmen.<1968> Deshalb ging die Abteilung Landwirtschaft zu Beginn des Jahres 1960 dazu über, an besonders futterschwache LPG Futter aus dem Naturhilfsfonds auszuteilen.<1969> Zur Verteilung gelangten u. a. 200 t Getreide, ca. 150 t Heu, 20 t Stroh sowie weiteres


366

Kraftfutter.<1970> Die noch verbliebenen Mengen gedachte der Rat des Kreises im März des Jahres 1960 freizugeben.

Zur Behebung der Futterengpässe im Verlaufe des Jahres 1960 plante der Rat des Kreises, auf den genossenschaftlichen Feldern mehr Mais- und Zwischenfrüchte anzubauen. Nach einer von ihm vorgenommenen Veränderung der Auflage für den Maisanbau nahm die Anbaufläche dieser Fruchtart im Frühjahr 1960 etwa sieben Prozent der LN des Kreises - 3 770 Hektar - ein.<1971> Sie überstieg damit die im Perspektivplan des Kreises Haldensleben vom Jahre 1958 vorgesehene Anbaufläche um mehr als 600 Hektar.<1972> Das Anbauverhältnis zwischen Silo- und Grünmais lautete jetzt 80:20.<1973>

Die Frühjahrsbestellung des Jahres 1960 verlief gemäß einer Darstellung des Büros der SED-KL auch nach Abschluß der LPG-Bildung und der damit verbundenen Zusammenlegung ausgedehnter Flächen ohne größere Komplikationen. Demnach reichten die vorhandenen Restbestände an Pflanzkartoffeln und Maissaatgut aus.<1974> Die Lücke im Saatgut anderer Fruchtarten schloß die DSG. Ausgenommen hiervon waren Untersaaten und hier zuerst Hülsenfrüchte.

Das Büro der KL achtete darauf, daß die Genossenschaften die von vormaligen Einzelbauern mit Institutionen und Betrieben abgeschlossenen Verträge über solche Kulturen wie beispielsweise Zuckerrüben, Gemüse und Tabak vollauf übernahmen. Es äußerte hierzu: “Es gab Bestrebungen auf Grund falscher Aufklärung bei der Werbung der Einzelbauern für die LPG, die Vertragskulturen nicht in voller Höhe in den LPG jetzt anzubauen. Durch die DSG bzw. Zuckerfabriken werden jetzt neue Anbauvereinbarungen mit den LPG abgeschlossen, so daß die Kennziffern des Volkswirtschaftsplanes für das Kreissoll voll erfüllt werden.“<1975>

Zur Hilfeleistung bei den Bestellarbeiten auf den genossenschaftlichen Feldern aktivierten die Ortsausschüsse der Nationalen Front die Landbevölkerung, so daß schon im zeitigen Frühjahr 1960 die Pflegearbeiten in manueller Hinsicht als abgesichert gelten konnten. Das Bestellen eines beträchtlichen Teils der Kulturflächen der LPG zum agrotechnisch günstigsten Zeitpunkt schuf für eine größere Zahl von Genossenschaften des Kreises günstige Voraussetzungen für die Planerfüllung in der pflanzlichen Produktion.

Am Ende dieses Abschnittes sollen einige statistische Angaben die Entwicklung der pflanzlichen Produktion der LPG des Kreises Haldensleben innerhalb der Zeitspanne von 1958 bis 1960 illustrieren. Zugleich wird deren Leistungsvermögen auf dem Gebiet der Pflanzenproduktion mit dem der Einzelbauern des Kreises und dem der LPG anderer Kreise des Bezirkes Magdeburg verglichen und in


367

knapper Form verbal bewertet.

Tabelle 43: Die Entwicklung der Hektarerträge ausgewählter Kulturen der LPG des Kreises Haldensleben von 1958 bis 1960<1976>

Kulturart

Reinerträge (dz/ha) je Jahr

 

1958

1959

1960

Getreide

28,0

27,7

29,1

Speisehülsenfrüchte

13,9

14,4

12,6

Ölfrüchte

8,2

10,5

13,8

Faserpflanzen

37,6

29,0

39,2

Zuckerrüben

290,0

115,0

301,0

Kartoffeln

155,0

113,0

188,2

Futterhackfrüchte

467,0

227,0

494,4

Feldfutterpflanzen gesamt

62,0

40,0

k. A.

In den meisten Fruchtarten übertrafen bereits im Jahre 1958 die Erträge der LPG die der privaten Landwirtschaft.<1977> Beim Vergleich der Ergebnisse der LPG mit denen der individuell betriebenen Landwirtschaft sei allerdings die hohe finanzielle, materielle und personelle Unterstützung des Staates für die Genossenschaften unbedingt beachtet! Während die Resultate der VEG im Jahre 1958 klar über denen der LPG lagen<1978>, verringerte sich der Rückstand der Genossenschaften zu den VEG im Jahre 1960 deutlich.<1979>

Unter den LPG der 21 Kreise des Bezirkes Magdeburg nahmen die Genossenschaften des Kreises Haldensleben in der pflanzlichen Produktion im Jahre 1960, ebenso wie im Jahre 1958, eine mittlere Position ein.<1980>


368

4.2.3 Zum ländlichen Bauwesen

Die Ausweitung der pflanzlichen und tierischen Produktion der Genossenschaften erforderte die Errichtung von Stallungen, Melk- und Silageanlagen, von Berge- und Lagerhallen sowie verschiedener anderer Bauten. In den LPG vom Typ III fehlten oft die notwendigen Produktionsbauten. Die Stallungen in den LPG vom Typ I und II waren häufig abgewirtschaftet und entsprachen nicht den Anforderungen, die eine moderne landwirtschaftliche Großproduktion erforderte. Außerdem benötigten die aufs Land übergesiedelten Industriearbeiter sowie die Landarbeiter und Neubauern<1981> neue Wohnstätten in Gestalt von Neubaublöcken oder Hauswirtschaften, d. h. Einfamilienhäusern mit Stallungen. Da es der Mehrzahl der LPG an finanziellen Mitteln fehlte, war der Staat gefordert.

Einen besonderen Schwerpunkt im ländlichen Bauwesen des Kreises Haldensleben stellte ausgangs der fünfziger Jahre die Errichtung von Rinderoffenställen dar. Agrarexperten wie versierte LPG-Vorsitzende des Kreises warnten davor, zur Rinderhaltung in Offenställen überzugehen. Das Kreisbüro mißachtete deren Hinweise und forcierte stattdessen das Offenstallbauprogramm. Sah der Plan für 1956 die Errichtung von einem Offenstall mit einer Kapazität von 50 Plätzen vor, so entstanden 1957/58 in den LPG 20 Offenställe mit 1 340 Plätzen.<1982> Für das Jahr 1959 verlangte der Plan eine Steigerung auf 2 600 Plätze.<1983> Laut Vorhaben sollten in demselben Jahr weiter 500 Schweinehütten und 100 Schweinepilze errichtet werden.<1984> Der größte Teil der LPG-Vorsitzenden und viele Genossenschaftsbauern lehnten den Erwerb dieser Hütten wegen ihrer zu leichten Bauweise ab. Statt den Willen der Genossenschaftsmitglieder in dieser Frage zu akzeptieren - und das wäre ein Beispiel für tatsächliche demokratische Mitbestimmung gewesen -, kritisierte das Büro der SED-KL die nach seiner Ansicht ungenügende Wirksamkeit des Rates des Kreises bei der Lösung der Aufgaben im ländlichen Bauwesen. Es drängte ihn, die Annahme o. g. Objekte durchzusetzen. Eine Überprüfung des ländlichen Bauwesens durch Mitarbeiter der SED-KL förderte per

30. Mai 1959 einen Erfüllungsstand der Jahresbauvorhaben mit 18 Prozent zutage. Dieses Ergebnis befriedigte das Büro nicht.<1985>

Äußersten Unmut rief in diesem Zusammenhang beim Büro der SED-KL der bisherige Verlauf der Errichtung von Schweineaufzuchtställen hervor. Ein Ministerratsbeschluß legte ihre Fertigstellung auf den 1. Juli 1959 fest.<1986> Bis zum 30. Mai 1959 realisierten die Baubrigaden erst für die KL indiskutable 2,9 Prozent dieses Vorhabens.<1987>

Die Qualität der Bauten kam verschiedentlich nicht über das Prädikat "mangelhaft" hinaus. “Das Melkhaus in Wegenstedt ist in einem derartig katastrophalen Zustand errichtet, daß z. B. die Türbogen einfallen


369

bzw. die Milchkühlanlage zu kurz gebaut wurde usw.“, hieß es in einem Bericht der Landwirtschaftskommission der KL der SED an das Büro der KL von Anfang Juli 1959.<1988> Die mehrmalige Kritik an der Arbeit der Bauleute veranlaßte die Verantwortlichen, zur schnelleren Fertigstellung der Offenstallbauten in den MTS-Bereichen LPG-Baubrigaden einer Stärke von mehr als fünf Kollegen zu bilden.<1989> Die verbesserten personellen Voraussetzungen ließen beim Bau der Ställe den schrittweisen Übergang zur industriellen Bauweise zu.

Auch einem informatorischen Bericht für den Kreistag Haldensleben<1990> des Rates des Kreises vom Sommer 1959 ist - was das ländliche Bauwesen betrifft - kein günstigeres als das vorangegangene Urteil zu entnehmen. Seine Entwicklung sei “... recht unbefriedigend“, heißt es dort.<1991> Die Durchführung des Bauprogramms krankte u. a. an ungenügender Vorbereitung, wodurch sich der zum Jahresanfang vorgesehene Baubeginn verzögerte.

Hinsichtlich der Errichtung von landwirtschaftlichen Produktionsbauten ergab sich nach Ablauf des II. Quartals 1959 folgender Stand:<1992>

Der Bauablauf - die Objektliste sah die Errichtung von 93 landwirtschaftlichen Bauten vor - gestaltete sich wie folgt:<1993>

Fertiggestellt:

Der Fortgang der Bauarbeiten an den Fischgrätenmelkständen<1994> ließ ihren Abschluß in der ersten Oktoberdekade 1959 erwarten.

Die Errichtung von Offenställen sah das Büro der KL als Schwerpunkt des ländlichen Bauwesens an. Im August 1959 bezifferte sich der materielle Erfüllungsstand in puncto “Bau von Offenställen“ auf 58,1


370

Prozent bei einer Baukostensumme von 1 030 000 DM.<1995> Der Stand der Fertigstellung bei den 1959 zu errichtenden Melkhäusern lag per 15. August 1959 bei 65 Prozent.<1996>

Erschwerend bei der Umsetzung des Bauprogramms wirkte sich im Sommer 1959 die Einbindung der Baubrigaden in die Erntekampagne aus. Daran wird deutlich, wie sehr es in den LPG an Arbeitskräften mangelte. Nicht stets erhielten die Baubrigaden bei der Errichtung von Produktionsbauten Unterstützung durch die LPG-Vorstände.<1997> Auch dieser Umstände wegen blieben die Leistungen der Baubrigaden für die KL weiterhin unbefriedigend. Zu dieser Einschätzung trug gewiß bei, daß die 108 Mitglieder von Baubrigaden verschiedener LPG, für die der Plan im Jahre 1959 eine Produktionsleistung von 1 500 000 DM vorsah, bis Mitte August nur 650 000 DM realisierten.<1998>

Nach Ansicht des Büros der SED-KL Haldensleben nahmen die Gemeindevertretungen mit den Bürgermeistern an der Spitze in zu geringem Maße Einfluß auf das Baugeschehen in ihren Gemeinden, obwohl ihnen das Gesetz über die örtlichen Organe der Staatsmacht vom Januar 1957 die Verantwortung für die Entwicklung des Baugeschehens auf ihrem Territorium übertrug. Als Erklärung für die Inaktivität der Gemeindevertretungen in dieser Hinsicht könnte eine nicht ausreichende Anleitung des Rates des Kreises infrage kommen.

Mit dem nicht fachgerechten Einsatz von LPG-Baubrigaden beschäftigte sich eine Bürositzung der KL der SED kurz vor Jahresausklang 1959 eingehend. Der 1. Kreissekretär führte aus, keine Einrichtung habe das Recht, die LPG-Baubrigaden zu gängeln und sie administrativ in die Erfüllung der Planbauten einzubeziehen.<1999> Zur künftigen Vermeidung von Planrückständen dürfe ein anderweitiger Einsatz erst nach Absprache des LPG-Beirats mit der zuständigen LPG erfolgen.

4.2.4 Zur Entwicklung der Arbeitseinheiten und der Einkünfte

Aus der Höhe der AE ließen sich realitätsnahe Schlüsse auf den Grad der wirtschaftlich-organisatorischen Festigung einer LPG ziehen. In den Genossenschaften des Kreises Haldensleben verlief die Entwicklung der Höhe des Wertes der AE von Beginn der LPG-Bildung an überaus differenziert. Als Beleg dafür sei eine Statistik angeführt, die Aufschluß über die Entwicklung des Wertes der AE in den LPG mit den höchsten und den niedrigsten Werten an AE in den Jahren 1955 bis 1958 gibt.


371

Tabelle 44: : Die LPG des Kreises Haldensleben mit den höchsten und den niedrigsten Werten an AE von 1955 bis 1958 (DM/AE)

1955

1956

1957

1958

Döhren

10,00

10,00

12,60

13,00

Hödingen

-

9,75

11,68

12,00

Behnsdorf

5,30

2,82

3,58

1,50

Walbeck

-

0,45

0,16

2,50

Bei der Betrachtung der Höhe der AE sei beachtet, daß in LPG mit einem Wert der AE von unter 7 DM, bis zum Erreichen dieses Betrages eine staatliche Stützung erfolgte. Diese Zuschüsse hatten die LPG bei Erreichen der Wirtschaftlichkeit teilweise zurückzuerstatten.

Eine stark rückläufige Tendenz kennzeichnete die Entwicklung der AE in der LPG Hasselburg. Sie erreichte 1955 einen Wert von 7,44 DM, 1958 aber lediglich einen realen Wert der AE von 3,50 DM.<2000>

In dem o. g. Bericht der Landwirtschaftskommission der KL der SED an das Büro der KL der SED vom Sommer 1959 ist nachzulesen: “Im Bezirksmaßstab wurde der Kreis Haldensleben der zweitbeste Kreis mit durchschnittlichem Wert der AE von 7,12 DM.“<2001> Das Erreichen dieses Wertes könnte zu der Einschätzung führen, der Großteil der LPG des Kreises arbeitete bereits im Jahre 1958 ohne staatliche Stützungen der AE. In der Tat verschleierte der erzielte Durchschnittswert, daß in 18 LPG der reale Wert der AE weniger als 7 DM betrug.<2002> Der Wert von über 7 DM kam durch solche LPG zustande, deren Höhe der AE klar über dem Durchschnitt lag. Sie “zogen“ mithin die Gesamtheit der LPG des Kreises nach oben und kaschierten die mangelnde Produktivität einer Reihe von LPG.<2003>

Eine Überprüfung des Wertes der AE der LPG des Kreises durch die Abteilung Landwirtschaft im 1. Halbjahr 1959 offenbarte wiederum: noch nicht alle LPG würden am Jahresende einen realen Wert der AE von 7 DM erreichen. Auf dem Weg zum höchsten Wert an AE befand sich die LPG Uhrsleben, die pro AE 11,70 DM geplant hatte und voraussichtlich 12,50 DM erreichen würde. Die problembehaftete LPG Satuelle hingegen befand sich am Ende der Auflistung mit einem geplanten Wert der AE von 2,47 DM, aber voraussichtlich nur 2,21 DM realisiertem.<2004> Der Rat des Kreises nahm an, 11 LPG<2005> würden mit weiterer Hilfe des Staates, bei Eintreten günstigerer Witterungsbedingungen sowie bei Durchsetzung des


372

Leistungs- und Sparsamkeitsprinzips, bis zum Jahresende ohne staatliche Stützung der AE arbeiten.<2006>

Das Büro der SED-KL und der Rat des Kreises bezeichneten als ersten Grund für eine solche, sie insgesamt nichtzufriedenstellende Entwicklung die inkonsequente Durchsetzung des Leistungsprinzips in einer größeren Anzahl von Genossenschaften. "In diesen LPG bestehen

z. B. bis heute keine arbeitsfähigen Normenkommissionen und die Bewertung der Arbeit erfolgt auf der Grundlage der Meinung der Brigadiere.“<2007> Zur Beseitigung dieser Mängel und Fehler trat das Büro der SED-KL an die Abteilung Landwirtschaft mit dem Anliegen heran, gemeinsam mit dem LPG-Beirat, der Bauernbank und den Vorständen solcher LPG, die noch nicht einen realen Wert von 7 DM pro AE erreicht hatten, umgehend Zusatzpläne zu erarbeiten. Nicht näher bezeichnete ökonomische und politische Maßnahmen sollten wirtschaftsschwachen LPG helfen, perspektivisch ohne staatliche Stützungen der AE auszukommen.

Nachdem im Jahre 1957 in den LPG des Kreises der durchschnittliche reale Wert einer AE 5,22 DM betrug, erhöhte er sich 1958 auf 7,12 DM.<2008> Ein Jahr später fiel er um einen Pfennig auf 7,11 DM.<2009> Das Büro der SED-KL ignorierte die unverkennbare Stagnation und sprach - als ob ihm elementare Kenntnisse der Mathematik abhanden gekommen wären - von einer Steigerung des Wertes der AE. Es behauptete, diese “... Tatsachen beweisen eindeutig die großen Produktionsreserven, aber auch andererseits die Überlegenheit unserer LPG.“<2010>

Eine Übersicht dokumentiert die Entwicklung des Wertes der AE in den LPG vom Typ III im Kreis Haldensleben im Jahre 1959.

Tabelle 45: Die Entwicklung des erarbeiteten Wertes der AE der LPG vom Typ III im Kreis Haldensleben im Jahre 1959<2011>

Wert der AE in DM

Anzahl der LPG

 

absolut

in %

über 0 bis 3

8

14,5

über 3 bis 6

17

30,9

über 6 bis 7

4

7,7

über 7 bis 8

7

12,7

über 8 bis 10

10

18,2

über 10 bis 12

7

12,7

über 12 bis 15

2

3,7


373

Aus der folgenden Tabelle geht hervor, daß die LPG des Kreises 1959 einen leichten Aufschwung in der Anzahl der pro Mitglied geleisteten AE erreichten.

Tabelle 46: Die Anzahl der im Jahre 1959 im Kreis Haldensleben pro LPG-Mitglied geleisteten AE<2012>

AE

Anzahl der LPG

absolut

in %

bis 300

6

10,9

300 bis 350

24

43,6

350 bis 400

14

27,5

500

10

18,0

Auf den höchsten durchschnittlichen Verbrauch an AE, kamen die noch wirtschaftsschwachen LPG, ohne daß die entsprechende Produktivität dahinterstand. "Hier werden letzten Endes auf Kosten des Staates AE angeschrieben“, kritisierte die Abteilung Landwirtschaft, “um die nicht vorhandenen Einnahmen<2013> aus der Produktion andererseits zu gewährleisten.“<2014>

Die LPG Haldensleben I erarbeitete 0,86 DM je AE, verzeichnete jedoch einen Verbrauch von 4,28 DM je AE.<2015> Bei ähnlich geringer Produktivität verauslagte die LPG Behnsdorf 4,10 DM je AE.<2016>


374

Wie die Entwicklung der AE gibt auch die Entwicklung der Einkünfte der LPG des Kreises im Jahre 1959 je Hektar LN Aufschluß über das wirtschaftliche Niveau der Genossenschaften. Sie ist tabellarisch im folgenden dargestellt.

Tabelle 47: Die Entwicklung der Einkünfte der LPG des Kreises Haldensleben im Jahre 1959 je Hektar LN<2017>

Einkünfte (DM/ha)

Anzahl der LPG

 

absolut

in %

100 bis 200 DM

5 LPG

9,1

200 bis 300 DM

7 LPG

12,7

300 bis 500 DM

15 LPG

27,2

500 bis 700 DM

8 LPG

14,5

700 bis 1 000 DM

11 LPG

20,0

1000 bis 1 200 DM

7 LPG

12,8

über 1 200 DM

2 LPG

3,7

Bei der Verteilung der Einkünfte je AE erfüllten 1959 12 LPG (21,9 Prozent) den Plan, bei den Einkünften je Hektar LN 15 LPG (27,2 Prozent).<2018>

Zur Herstellung der Rentabilität der Genossenschaften gehörte unbedingt der Aufbau einer leistungsfähigen Buchhaltung in den LPG. Diese Aufgabe konnte bis zum Ausklang des Jahres 1959 in den LPG der MTS-Bereiche des Kreises Haldensleben nicht annähernd gelöst werden.

Stellvertretend für andere seien als Beleg die Bestrebungen der Arbeitsgruppe “Buchhaltung“ im MTS-Bereich Klüden aufgeführt, deren Aufgabe darin bestand, eine gut funktionierende Buchhaltung für eine beanstandungsfreie Kostenberechnung einzurichten. Sie führten zu keiner nennenswerten Verbesserung.<2019>

4.2.5 Zur Erfüllung des Finanzplans und der Vergabe von Krediten

Im ersten Halbjahr 1959 bezifferten sich die Erlöse der LPG des Kreises im Durchschnitt auf 362 DM pro Hektar.<2020> Ihre Höhe verdeutlichte die erheblichen Unterschiede in der wirtschaftlichen Entwicklung der


375

LPG. Die LPG Hundisburg nahm unangefochten mit
1 338 DM pro Hektar die Spitzenposition ein, die LPG Klinze bildete mit 151,90 DM pro Hektar das Schlußlicht.<2021>

Bedingt durch die anhaltende Hitze des Sommers 1959 traten in den Genossenschaften der MTS-Bereiche Flechtingen, Klüden und Rätzlingen bereits vor Erntebeginn erhebliche Verluste in der Pflanzenproduktion zutage. Dennoch stellte die Abteilung Haushalt des Rates des Kreises Haldensleben fest, der Finanzplan sei im ersten Halbjahr 1959 in bezug auf die Erlöse im Kreismaßstab um 12 Prozent übererfüllt worden.<2022> Bis zum Sommer 1959 schöpften die LPG die für ihre Entwicklung geplanten Kredite mit 47,7 Prozent aus.<2023>

Zur Gewährleistung der Hilfe für besonders wirtschaftsschwache LPG entschied fortan die Abteilung Haushalt des Rates des Kreises, unter Mitsprache der Abteilung Landwirtschaft der SED-KL, individuell über die Anträge von LPG auf den Bezug von Krediten.<2024>

Um die betroffenen LPG vor noch größeren Schwierigkeiten zu bewahren, stellte die Abteilung Haushalt für die im Jahre 1959 von den LPG selbstverschuldeten Ausfälle, ca. 700 000 DM an Überbrückungskrediten bereit.<2025> “Andererseits erhielten die LPG des Kreises neben den vielfältigen Sollvergünstigungen Produktionsbeihilfen (ca. eine Million DM), niedrig verzinste Kredite, sollfreie Kontingente, eine Million überfällige kurzfristige und 1 500 000 überfällige langfristige Kredite gestrichen.“<2026> Zur Verbesserung ihrer ökonomischen Situation bekamen im Jahre 1959 sämtliche wirtschaftsschwachen LPG 7 000 DM an langfristigen Krediten eingeräumt.<2027> Diese Summe dürfte allerdings stark untertrieben sein. Als Gegenleistung für diese Kulanz erwartete das Büro der SED-KL von den Genossenschaftsmitgliedern höhere Produktionsleistungen.

Für den Ankauf von Maschinen, Geräten und sonstigen Ausrüstungen für die LPG sah der Haushalt des Kreises für das Jahr 1960 eine Kontrollziffer von 2 290 000 DM mit einem Kreditanteil von 1 160 000 DM vor.<2028> Die Kontrollziffer für genossenschaftliche Viehzukäufe betrug 1 200 000 DM bei einem Kreditanteil von 680 000 DM.<2029>

Der Beschlußentwurf für den Haushaltsplan des Kreises Haldensleben für das Jahr 1960 wies die Höhe der den LPG zugestandenen langfristigen Kredite mit 7 935 000 DM aus.<2030> Sie sollten für die Begleichung der Kosten von Baumaßnahmen, der Anschaffung von Vieh sowie totem Inventar herangezogen werden.


376

Die kurzfristigen Kredite für die LPG im Jahre 1960 lagen mit 9 474 000 DM sechs Prozent unter dem Stand von 1959.<2031>

4.2.6 Die Rolle von Wirtschaftsbeihilfen und Hilfsprogrammen

An Stelle von Sonderkrediten erhielten in der DDR ab dem späten Frühjahr 1958 ungefestigte LPG Wirtschafts- bzw. Produktionsbeihilfen zugebilligt. Mit deren Einführung sollte das bisherige System der materiellen Stimulierung verbessert werden und wirkungsvoller greifen. Der Übergang zu Wirtschaftsbeihilfen für LPG ist als Versuch zu werten, die Stützung der AE aufzuheben.<2032>

Per Beschluß gestand der Kreistag Haldensleben wirtschaftsschwachen LPG des Kreises für das Jahr 1959 Beihilfen in Höhe von 689 358 DM zu, die sie bei Nichtinanspruchnahme an den Staatshaushalt zurückzuführen hatten.<2033> Wenn überhaupt, dürfte dieser Umstand erst nach Verstreichen eines längeren Zeitraumes eingetreten sein. Zusätzlich erhielten die wirtschaftsschwachen LPG im Kreisgebiet in den ersten Monaten des Jahres 1959 zunächst 163 000 DM und im Juni weitere 220 000 DM an nichtrückzahlbaren Produktionsbeihilfen.<2034>

Die Wirtschaftsbeihilfen beliefen sich am Ende des Jahres 1959 auf insgesamt 1 650 000 DM.<2035>

Im Kreis Haldensleben benötigten Ende 1958 36 LPG Wirtschaftsbeihilfen.<2036> Diese wirtschaftlich labilen LPG bekamen weiterhin pro Genossenschaft ein sollfreies Kontingent von 37 t an Schwein und 145 t an Rind eingeräumt, um Rind- und Zuchtvieh aufkaufen zu können.<2037>

Das vom Rat des Bezirkes Magdeburg festgelegte Limit für Sollabsetzungen aufgrund von Vertragsausfällen wurde zuerst wirtschaftsschwachen LPG zugestanden.

Die Bewilligung von Wirtschaftsbeihilfen an LPG unterlag einer strengen Kontrolle. Die Stornierung folgte auf dem Fuße, wenn die Auswertung der Ergebnisse der Halbjahresanalyse noch wirtschaftsschwacher LPG einen Wert der AE von 7 DM ergab.<2038> Eine weitere Stützung hätte dazu führen können, daß LPG sich nicht genug bemühten, ihre Produktivität zu erhöhen.

Bis zum Ende des zweiten Quartals 1959 bekamen die LPG 346 300 DM an Wirtschaftsbeihilfen ausgereicht.<2039> Gemäß eines Beschlusses des Bezirkstages Magdeburg wurden die den LPG des


377

Kreises Haldensleben zugedachten Wirtschaftsbeihilfen für das dritte und vierte Quartal 1959 gesperrt. Als Grund für diesen Entscheid benannte der Bezirkstag fehlende Klarheit über deren Verwendung.

Bei voraussehbaren weiteren Liquiditätsschwierigkeiten konnten Auszahlungen vorgenommen werden, wenn die betreffenden LPG einen Aufholplan über die Rückzahlung vorlegten. Sie sollten bis zum Jahresende erfolgen. Hoffnungsvoll erwartete das Büro der SED-KL: “Da zur Zeit die Einnahmen der pflanzlichen Produktion anlaufen und überhaupt im zweiten Halbjahr die hauptsächlichsten Einnahmen liegen, andererseits nur noch 34 Prozent der Kosten im zweiten Halbjahr anfallen und 50 Prozent der AE, müßten sich auch die wirtschaftsschwachen LPG mit wenigen Ausnahmen selbst finanzieren.“<2040> Wo das in Ausnahmefällen nicht möglich sei - woraus schöpfte die KL diesen Optimismus? -, sollten die Mittel aus dem Kreishaushalt aufgebracht werden.<2041> “Andererseits jedoch wird durch die Nichterfüllung des Planes, wie dies nachfolgend dargelegt wird, voraussichtlich eine Wirtschaftsbeihilfe von 717 000 DM bereitgestellt werden müssen“, erklärte das Büro der SED-KL Mitte März 1959 zu dieser Problematik weiter und dämpfte damit bereits wieder seine Erwartungen.<2042>

Nach einer Überprüfung des ökonomischen Entwicklungsstandes der LPG des Kreises Haldensleben im zeitigen Frühjahr 1959 zeichnete sich ab, daß die LPG Hörsingen mit einer Marktproduktion von 92 000 DM die Wirtschaftlichkeit am Jahresende nicht erreichen würde.<2043> Um ärgstes zu vermeiden, erhielt diese LPG 60 000 DM.<2044>

Die LPG Bebertal I kam im Jahre 1958 erstmals auf 7 DM pro AE.<2045> Bei Beibehaltung der bisherigen Arbeitsweise würde sich bis zum Jahresende 1959 ein Defizit von 50 000 DM auftun.<2046> Durch unverzügliche Planumstellung und weitere finanzielle Zuwendungen im Rahmen des Hilfsprogramms sollten die Ausfälle in Grenzen gehalten werden.

Das Büro der KL, der Rat des Kreises und die Deutsche Bauernbank fanden sich ab Herbst 1959 nicht mehr so großzügig wie zuvor bereit, Wirtschaftsbeihilfen an LPG zu gewähren. Künftig knüpften sie deren Erteilung an die Erfüllung bestimmter Bedingungen, die sie exakt festlegten. Unmittelbar vor dem Finale der LPG-Bildung - im Dezember 1959 - legte das Büro der KL härtere Kriterien für die Erteilung von Wirtschaftsbeihilfen an LPG fest. Der Entwurf des komplexen und territorialen Haushaltsplanes des Kreises Haldensleben für das Jahr 1960<2047> vom 24. November 1959 stellte eindeutig klar: “Wirtschaftliche Führungsmaßnahmen müssen dahin gelenkt werden, wo sie fördernd auf die weitere sozialistische Umgestaltung einwirken.“<2048> In solchen Fällen, in denen LPG jahrelange Unzulänglichkeiten


378

nicht beseitigt hatten und diese durch günstige Wirtschaftsbeihilfen zu decken versuchten, “... sei zu veranlassen, daß keine Wirtschaftsbeihilfen in Anspruch genommen werden, sondern daß Liquiditätskredite genommen werden, um die LPG damit zu erziehen.“<2049>

Wenn das Büro der SED-KL Haldensleben sowie der Rat des Kreises Haldensleben in den Jahren 1958/59 in mehreren Einschätzungen von einem deutlichen Aufschwung in der wirtschaftlichen Festigung der LPG des Kreises und von einer unverkennbaren Überlegenheit der Genossenschaften gegenüber dem einzelbäuerlichen Sektor der Landwirtschaft sprachen, so wurden diese Feststellungen durch die Verabschiedung einer größeren Zahl von Hilfsprogrammen für wirtschaftsschwache LPG sehr infrage gestellt.<2050> In diesem Zusammenhang verdient der Beschluß 40/59 des Büros der SED-KL Haldensleben vom März des Jahres 1959 besondere Erwähnung. Er verpflichtete die Abteilung Landwirtschaft, den LPG-Beirat und die MTS-Fachbeiräte, Hilfsprogramme für wirtschaftsschwache LPG zur Erreichung ihrer Wirtschaftlichkeit zu erarbeiten.<2051>

Auf Veranlassung des Büros der KL bildeten sich in wirtschaftsschwachen LPG Arbeitsgruppen aus LPG-Beiratsmitgliedern, Mitarbeitern der Abteilung Landwirtschaft, leitenden Kadern der MTS und den Ortsausschüssen der Nationalen Front. Sie erörterten gemeinsam mit den Genossenschaftsbauern die Situation der jeweiligen LPG und erarbeiteten unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten Hilfsprogramme. Die Hilfsprogramme knüpften inhaltlich an Mangelerscheinungen in den LPG - wie die unzureichende Bestückung mit Maschinen, Geräten, Düngemitteln und Saatgut - an. Wirtschaftsschwache LPG erhielten bevorzugt hochwertiges Saatgut für den Hauptfrucht- und Zwischenfruchtanbau, um ihre dürftige Futterbasis zu verbreitern. In LPG mit extrem leichten Sandböden und geringem natürlichen Grünlandanteil entwickelte sich die Viehwirtschaft ungenügend: Das Futter fehlte. Diese LPG sollten aus dem staatlichen Fonds solange Futtermittel beziehen, bis sich die Ertragsfähigkeit ihres Bodens durch die Anwendung von die Bodenfruchtbarkeit steigernden Maßnahmen deutlich erhöht hatte.

Zur Verbesserung der Produktivität von wirtschaftsschwachen LPG bedurfte es größerer Anstrengungen in den Genossenschaften selbst, fortwährender Anleitung und Hilfe durch die SED-KL und die Parteiorganisationen der LPG, der staatlichen Organe und der MTS. In vielen LPG fehlte jedoch die konkrete Kenntnis der tatsächlichen Lage. Sie erkannten nicht die Ursachen für das Zurückbleiben und wußten nicht um die Mittel und Methoden, Rückstände aufzuholen. Eine besondere Schwierigkeit bestand laut dem Büro der KL darin, die Genossenschaftsmitglieder von der Lösbarkeit der anstehenden Aufgaben zu überzeugen. Bei Erarbeitung und Durchsetzung der Hilfsprogramme traten ein angeblich "... unbegründeter Pessimismus und eine Atmosphäre der Ausweglosigkeit in einigen LPG auf.“ Sie würden sich in Verbindung mit der Ideologie der “weichen Pläne“ kontraproduktiv auf die weitere Entwicklung der


379

betreffenden LPG auswirken.<2052> “Damals und zum Teil auch noch heute gab es bei Staats- und Wirtschaftsfunktionären sowie bei den Genossenschaftsbauern einen starken Unglauben an die Richtigkeit und die Möglichkeit, politisch und ökonomisch allumfassend die Wirtschaftlichkeit herbeizuführen“, ist einem Bericht der Landwirtschaftskommission der SED-KL an das Büro der SED-KL vom Juli 1959 zu entnehmen.<2053>

Im Verlaufe der Erarbeitung der Hilfsprogramme stellte sich die mangelnde Wirksamkeit der ökonomischen Arbeitsgruppen der MTS heraus, “die nicht zur mobilisierenden Kraft wurden, sondern sich in Einzelaktionen verloren und zum Teil ein Schattendasein führten.“<2054> In den MTS-Bereichen erfolgte der Einsatz von 20 bis 30 ausgebildeten Kadern und Wirtschaftsfunktionären, der aber an einer klaren Aufgabenstellung krankte und nicht konsequent genug erfolgte. Ein Teil dieser Wirtschaftsfunktionäre der MTS “zeichnete“ sich durch Verantwortungslosigkeit aus.<2055>

Das Büro der SED-KL sah dies anders. Aus seinem Blickwinkel leisteten die Mitglieder des LPG-Fachbeirates, verschiedene Mitarbeiter der Abteilung Landwirtschaft sowie der MTS gute Arbeit zur Sicherung der Hilfsprogramme.<2056>

Aufgrund verbesserter politischer und ökonomischer Initiativen der Vorstände und der überwiegenden Mehrheit der LPG-Mitglieder, würden 14 LPG mit Hilfsprogrammen in naher Zukunft ohne staatliche Stützungen auskommen.<2057> Dies ergab eine Überprüfung durch die Abteilung Landwirtschaft vom 30. Juni 1959.<2058> Die konsequente Durchsetzung des Hilfsprogramms der LPG Süplingen trug dazu bei, in dieser LPG bis zum 30. April 1959

3 000 DM an MTS-Kosten und 2 012 AE einzusparen.<2059>

Eine weitere Überprüfung förderte zutage, daß die Leitung der MTS Weferlingen die Erarbeitung der Hilfsprogramme der LPG ihres Bereichs gröblichst unterschätzte. Von ihr seien keine Anregungen zur Behebung der Misere wirtschaftsschwacher LPG ihres Bereiches ausgegangen. Das fehlerhafte Handeln der Arbeitsgruppe der MTS Weferlingen sei u. a. daran zu erkennen, daß sie unter Mißachtung elementarer Grundsätze des Sparsamkeitsprinzips,

25 000 DM statt einzusparen regelrecht verschleuderte.<2060>

Einem informatorischen Bericht des Rates des Kreises Haldensleben an das Büro der KL vom Sommer


380

1959 ist zu entnehmen, der ökonomischen Stärkung der 18<2061> LPG mit Hilfsprogrammen müsse besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden.<2062> Daran wird deutlich: bis zu diesem Zeitpunkt konnte insgesamt noch kein entscheidender Durchbruch in der wirtschaftlich-organisatorischen Festigung der LPG erreicht werden.

Auf einer Sitzung am 22./23. Januar 1960 machte das Büro der SED-BL Magdeburg aus seiner Unzufriedenheit über die fehlende Wirksamkeit der Hilfsprogramme der LPG des Bezirkes Magdeburg keinen Hehl. Sie wären mehr Taschenspielerei als wirkliche Hilfsmaßnahmen ..." gewesen.<2063> So bedeutsame Aufgaben, wie die Verbesserung der Arbeitsorganisation und die Durchsetzung des Leistungsprinzips, seien von den meisten wirtschaftsschwachen LPG nicht hinreichend beachtet worden.

4.2.7 Arbeitsdisziplin und Arbeitsmoral

Ein qualitativer Aufschwung von Arbeitsdisziplin und -moral, eine verbesserte Einstellung der Genossenschaftsmitglieder zur Entwicklung “ihrer“ LPG und zum genossenschaftlichen Eigentum waren wesentliche Voraussetzungen für die Festigung der Genossenschaften, die Steigerung ihres Marktaufkommens und die Erhöhung ihrer Erlöse. In diesen Belangen lagen vor der SED-KL, dem Rat des Kreises, den Räten der Gemeinden, den MTS und “vor Ort“ den LPG-Vorständen auf der letzten Wegstrecke des Umwälzungsprozesses auf dem Lande komplizierte Aufgaben. Bei deren Bewältigung konnten in der Vergangenheit kaum Fortschritte erzielt werden.

Arbeitsbummelei, Alkoholmißbrauch, die Überbetonung der eigenen Interessen gegenüber denen der Genossenschaft, ja mangelnde Einstellung zur Genossenschaft überhaupt, traten nach wie vor in vielen LPG des Kreises zutage. In der LPG Hasselburg verhielt sich ebenso wie in anderen LPG des MTS-Bereiches Flechtingen eine größere Anzahl von LPG-Bauern gleichgültig gegenüber der Entwicklung ihrer Genossenschaften. Das Büro der KL forderte von den LPG-Vorständen, der Leitung der MTS, den GO der SED der LPG und der Parteileitung der MTS Flechtingen die sogenannte Landarbeiterideologie zu überwinden. Bei diesem Bemühen hielten die Fortschritte den immer wieder eintretenden Rückschlägen nicht die Waage.

Zu dem leidigen Problem traf das Büro der KL in dem Bericht "Die Ergebnisse der ökonomischen Konferenzen in den landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, Maßnahmen zur Herstellung der Rentabilität aller LPG im Jahre 1959 in Verbindung mit der Auswertung der Diskussion der Thesen zur VI. LPG-Konferenz"<2064>im Herbst 1958 eine Feststellung, die beileibe nicht ausschließlich auf die im folgenden erwähnte LPG zutraf: “Richtig heißt es dazu in der Einschätzung der LPG Alleringersleben, daß wenige Mitglieder das genossenschaftliche Denken vor das persönliche Ich stellen und in den


381

Hauptarbeitsspitzen sich ihrer individuellen Wirtschaft widmeten und die genossenschaftliche Arbeit dadurch ins Hintertreffen kam.“<2065> Die Alleringerslebener Genossenschaftsbauern legten nach mehreren Diskussionen fest, gegen das offenkundige, unverständliche Desinteresse an der Erzielung eines höheren Einkommens aus der genossenschaftlichen Produktion unverzüglich vorzugehen. Die 45 Mitglieder dieser LPG bearbeiteten 213 Hektar LN; durchschnittlich nicht mehr als 4,70 Hektar.<2066> Durch die ungenügende Arbeitsmoral einiger Mitglieder kam diese LPG aber nicht umhin, jährlich 15 000 DM an Saisonkräfte zu zahlen.<2067> Dadurch erhöhte sich der Wert der AE irregulär um eine DM.<2068> “Dieses typische Beispiel“, äußerte sich verärgert das Büro, “trifft auf Grund der ungenügenden Leistungsarbeit, der Arbeitsmoral und des ungesunden Verhältnisses des Einkommens aus der genossenschaftlichen Produktion zur individuellen Wirtschaft für eine Reihe von LPG zu und stellt ein ernstes Hemmnis für die Entwicklung dieser Genossenschaften dar.“<2069>

Das Büro der SED-KL verwies darauf, den angesprochenen Fragen müsse im Zusammenhang mit der Steigerung der Produktivität in der Feld- und Viehwirtschaft in Auswertung der Thesen der MTS-Bereichskonferenzen des Kreises größte Beachtung in allen LPG eingeräumt werden.<2070>

In den Hilfsprogrammen der wirtschaftsschwachen LPG des Kreises Haldensleben werden zumeist die Gründe für ihr Zurückbleiben dargelegt. Sie erhellen z. T. schlaglichtartig, wie es um die grundsätzliche Einstellung zu Fragen der Arbeitsdisziplin und die Durchsetzung leistungsfördernder Prinzipien in vielen LPG dieses Kreises stand. Im Hilfsprogramm der LPG Flechtingen findet sich die Feststellung, daß in den vergangenen Jahren Arbeitsdisziplin und Leistungsprinzip nicht die notwendige Beachtung fanden. Dies war einer der Gründe dafür, daß die Arbeitsproduktivität in dieser LPG nur unwesentlich gesteigert werden konnte. Kritik an der ungenügenden Kollektivität der Leitung der Genossenschaft wird im Hilfsprogramm der LPG Bülstringen beklagt. Im Hilfsprogramm der LPG Grauingen wird gefordert, künftig konsequent ein strenges Betriebsregime durchzusetzen, die Arbeitsorganisation zu verbessern und die Bewertung der Arbeit nach dem Leistungsprinzip vorzunehmen. Die LPG Etingen vermerkte in ihrem Hilfsprogramm die kaum glaubhafte Feststellung: “1959 muß das Leistungsprinzip bis zu 80 Prozent durchgesetzt werden.“<2071> Sie mutet umso erstaunlicher an, wenn man bedenkt, daß Sekretariat bzw. Büro der SED-KL seit Jahren forderten, in sämtlichen LPG des Kreises das Prinzip der Bewertung der Arbeit nach der Leistung ohne jede Abstriche zu praktizieren.

Bis zum Abschluß der LPG-Bildung verbesserten sich Arbeitsdisziplin und -moral der


382

Genossenschaftsmitglieder der LPG des Kreises Haldensleben nicht entscheidend. Sie so anzuheben, wie sie eine effizient produzierende Landwirtschaft benötigt, blieb eine wichtige Aufgabe der LPG-Vorstände und der Parteiorganisationen der LPG bzw. der OPO in den sechziger Jahren.

Sekretariat und Büro der SED-KL Haldensleben mahnten im Zuge des Umwälzungsprozesses stets von neuem die Wahrung der innergenossenschaftlichen Demokratie in den LPG als eine unerläßliche Voraussetzung für die Verbesserung der Arbeitsmoral und die Erhöhung ihrer Produktivität an. Auf den großen Rechenschaftslegungen der LPG nach Abschluß der Hackfruchternte im Herbst 1958, den ökonomischen Konferenzen, fanden nach Meinung des Büros der SED-KL in der überwiegenden Zahl der LPG Fragen der innergenossenschaftlichen Demokratie<2072> nur ungenügende Aufmerksamkeit.<2073> Der Vorstand der LPG Hasselburg interpretierte die Grundsätze der innergenossenschaftliche Demokratie in unkonventioneller Weise. Er vertrat die Ansicht, die Vollversammlung sei selbst dann beschlußfähig, wenn nur 10 Prozent der Mitglieder anwesend seien.<2074> Entschieden gelte es solchen Auffassungen entgegenzutreten, da zwischenzeitlich mehrere LPG-Vorstände des Kreises ähnliche Positionen eingenommen hätten.

Im März 1959 verwies das Büro der KL mit Nachdruck auf die Notwendigkeit der Entfaltung der innergenossenschaftlichen Demokratie. Unbedingt verbessert werden müsse die Arbeit der Ständigen und zeitweiligen Kommissionen der LPG.<2075> Wenige Wochen später konkretisierte das Büro seine Forderungen weiter. Die erste Aufgabe der Parteiorganisationen und der Vorstände der LPG bestände darin, sämtliche Genossenschaftsbauern in die Leitung der LPG und die Arbeit in Kommissionen einzubeziehen. Sie hätten ihr Interesse an wichtigen Problemen der Entwicklung ihrer LPG zu wecken und ihre aktive Teilnahme an den Mitgliederversammlungen zu bewirken. Die Vorstände der LPG wurden gehalten - wie oft wohl schon? -, alle vier Wochen Mitgliederversammlungen durchzuführen.<2076> Das Büro der SED-KL verlangte, in den neugegründeten LPG innerhalb kürzester Zeit Kommissionen zur Übernahme und Bewertung des eingebrachten Bodens und des Inventars sowie Normenkommissionen zu bilden.

In den Sommermonaten des Jahres 1959 bildeten in einer größeren Anzahl von LPG die Mitgliederversammlungen Kommissionen und Aktivs zur Teilnahme an der Leitung und Verwaltung ihrer Genossenschaft.

Die ökonomischen Konferenzen sollten fortan stets Ausgangspunkt für eine breit entwickelte innergenossenschaftliche Demokratie sein. Mit dem Beschluß Nr. 119 vom August 1959 wies das Büro der SED-KL nochmals ausdrücklich auf die Durchsetzung der Prinzipien der innergenossenschaftlichen


383

Demokratie in den LPG hin.<2077>

Von einer bewußten Teilnahme der überwiegenden Zahl der Genossenschaftsbauern an der Gestaltung der Geschicke ihrer LPG konnte aber - von Ausnahmen abgesehen - bis zum Abschluß der LPG-Bildung nicht gesprochen werden.

Es sei an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, daß die SED-KL zwar an einer breiten Mitarbeit der Genossenschaftsbauern in solchen Fragen wie beispielsweise der Entwicklung von Wegen und Methoden zur Erhöhung der Arbeitsproduktivität und Verbesserung der Arbeitsdisziplin ausdrücklich interessiert war, wichtige Angelegenheiten aber absolut autoritär entschied.

4.2.8 Zur Zusammenarbeit von MTS und LPG

In Anlehnung an die Beschlüsse der 2. Zentralen MTS-Konferenz vom Winter 1958 verlangte das Büro der SED-KL Haldensleben von den sieben MTS des Kreises, die LPG sowohl in ökonomischen als auch in politischen Belangen umfassender und qualitativ besser als zuvor zu unterstützen.

Der Mehrheit der MTS des Kreises gelang es bis zum Abschluß des Umbruchs auf dem Lande nicht, diese Forderung umzusetzen. Beredtes Beispiel hierfür sind die ökonomischen Leistungen der MTS Flechtingen im Verlaufe des Sommers 1958.

Der Rückgang der Viehwirtschaft in den LPG Flechtingen und Hasselburg, so ist in einer Vorlage der BPO der MTS Flechtingen an das Büro der KL von Mitte August 1959 über die politisch-ideologische Erziehungsarbeit der Parteiorganisation des MTS-Bereiches Flechtingen unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses der Genossen der MTS auf die Stärkung, Festigung und Entwicklung des sozialistischen Sektors der Landwirtschaft auf der Grundlage der Beschlüsse der 2. Zentralen MTS-Konferenz<2078> zu lesen, fußt “... zwar in ökonomischen Mißständen, hat aber ihre Ursache in der mangelnden Unterstützung durch die MTS und die örtlichen Volksvertretungen.“<2079> Wochenlange Bemühungen der Traktorenbrigaden dieses MTS-Bereiches um die konsequente Durchführung der zweiten Schicht, die Organisierung von Wettbewerben und regelmäßige Brigadeberatungen vermochten nicht zu verhindern, daß ab dem Spätsommer 1958 die Entwicklung dieser MTS für längere Zeit stagnierte.

In diesem MTS-Bereich agierte aber auch - um ein positives Beispiel aufzugreifen - ein Brigadier, der auf qualifizierte Arbeit seiner Traktoristen in den ihnen zugeordneten LPG achtete, Mängel und Schwächen in seinem Zuständigkeitsbereich zu beseitigen trachtete und den werktätigen Einzelbauern bei der Lösung ihrer Probleme auf den Feldern half.

Abgesehen von dieser Ausnahme erwies sich die Arbeitsweise der MTS Flechtingen laut o. g. Vorlage als unvereinbar mit der Aufgabenstellung der 2. Zentralen MTS-Konferenz, die den MTS als Stützpunkte der


384

Arbeiterklasse auf dem Lande die volle Verantwortung für die Gesamtentwicklung der LPG übertrug.<2080>

Nicht immer lag es an den MTS, wenn ihre Hilfe für LPG von geringem Nutzen blieb. Mitunter trugen auch unkooperative Verhaltensweisen von Leitung und Mitgliedern der LPG dazu bei, eine effektive Zusammenarbeit zu vereiteln. In einer nicht namentlich genannten LPG des MTS-Bereiches Rätzlingen stand eine unregelmäßig genutzte Öldruckpresse, die die MTS dringend benötigte. Die Leitung dieser Genossenschaft verzögerte die Verhandlungen mit dem MTS-Direktor solange, "... bis über 40 Stunden ausgefallen waren.“<2081>

Die Zusammenarbeit zwischen der LPG Altenhausen und der für sie zuständigen Traktorenbrigade der MTS Flechtingen verlief nicht wie von der Station vorausgesetzt. “Oftmals hat es den Anschein“, so ist in einer Bürovorlage der SED-KL, in der die Ergebnisse eines Brigadeeinsatzes der KL im MTS-Bereich Flechtingen im Frühjahr 1959 ausgewertet werden, vermerkt, “als wenn die Technik aufgrund des günstigen Mitgliederstandes durch den Vorstand der LPG nicht voll zur Anwendung kommt.“<2082>

Ausgehend von der unbefriedigenden Unterstützung der LPG durch die MTS des Kreises beauflagte das Büro der SED-KL im August 1959 die Direktoren der MTS, sie müßten den LPG “vor Ort“ Anleitung zur Verbesserung ihrer Leitungstätigkeit geben. Von den zuständigen Arbeitsgruppen der MTS verlangte das Büro, den LPG zur Absicherung ihrer Futtergrundlage bei der Erarbeitung der Futterpläne zu helfen.

Einzelne Mähdrescherbesatzungen der MTS vollbrachten im Sommer 1959 auf den Feldern der LPG überdurchschnittliche Leistungen. Eine Mähdrescherbesatzung der MTS Haldensleben II erntete bis zum 31. Juli 1959 210 Hektar ab.<2083> Der Kreisdurchschnitt lag bei 127 Hektar.<2084>

Im Herbst 1959, um mit den erfolgreichen Aktivitäten der MTS fortzufahren, half die Leitung der MTS Weferlingen der LPG Velsdorf, MTS-Bereich Klüden, die Kollektivität der Leitung herzustellen. Die MTS Klüden zeigte sich zuvor nicht in der Lage, den Velsdorfer Genossenschaftsbauern zu helfen. Damit bestätigte sich, was der Sekretär der KL im MTS-Bereich Klüden wenig später in einer Bürovorlage über die Wirksamkeit der MTS Klüden unumwunden ausdrückte: “Die MTS als Stützpunkt der Arbeiterklasse auf dem Lande und damit Zentrum der politischen, kulturellen und sozialen Entwicklung der Landbevölkerung sind ihren Aufgaben, wie es in den Beschlüssen der 2. Zentralen MTS-Konferenz und der

IV. LPG-Konferenz festgelegt worden ist, nur ungenügend nachgekommen."<2085> Von den MTS


385

Schackensleben und Ostingersleben und im eben genannten Falle der MTS Weferlingen abgesehen, traf diese Einschätzung auf alle Stationen des Kreises zu.

Die LPG des Bereiches Klüden erhielten den Einlassungen des Sekretärs zufolge in Fragen der Arbeitsorganisation, der Durchsetzung des Leistungsprinzips, der komplexen Mechanisierung des gesamten Produktionsprozesses und allen Fragen der Ökonomik eines landwirtschaftlichen genossenschaftlichen Großbetriebes von der MTS nur unzureichende Anleitung. Dieses Versäumnis ist mit dafür heranzuziehen, daß von den sieben LPG des Bereiches bis Ende 1959 lediglich zwei wirtschaftlich arbeiteten.<2086>

Die Beziehungen der Traktorenbrigaden der MTS Klüden und der Feldbaubrigaden der LPG ihres Bereiches im Produktionsprozeß prägte kein durchgängiges Miteinander, wie es die Weiterentwicklung der LPG erfordert hätte. Die Traktoristen wandten auf den Äckern der LPG nur halbherzig die Schönebecker Methode an, die ein enges Zusammenwirken zwischen den LPG- und MTS-Brigaden verlangte. Bessere Arbeitsleistungen verhinderten weiter die noch immer geringe Qualifikation der Traktoristen.<2087>

Der Sekretär der SED-KL im MTS-Bereich Klüden verlangte von den ökonomischen Arbeitsgruppen der MTS für die LPG größere Hilfe als zuvor, eine verbesserte Anleitung der Genossenschaften bei der Ausarbeitung der Produktions- und Perspektivpläne sowie die Mithilfe bei der Ausarbeitung von Hilfsprogrammen für die wirtschaftsschwachen LPG des Bereiches. In den Anfangsjahren der LPG-Bildung hätten im MTS-Bereich Klüden nur die Vorstände Entscheidungen getroffen. Jetzt aber gelte es, alle LPG-Mitglieder in die Regelung wichtiger Belange einzubeziehen. Diese Aufforderung beinhaltete, die innergenossenschaftliche Demokratie zu beleben. Die von den ökonomischen Arbeitsgruppen der MTS ausgehende Hilfe für die LPG blieb dennoch nur eine mäßige. Sie zeitigte für die Genossenschaften kaum positive Auswirkungen.

Um einen Überblick über die Leistungen der Stationen des Kreises Haldensleben im Jahre 1959 zu geben: Sie leisteten 246 600 hm mittleren Pflügens bei einem Kostensatz von 49,08 DM.<2088>

Zur Verbesserung ihrer Leistungsfähigkeit erhielten die MTS statt 7 743 000 DM im Jahre 1959 für das Jahr 1960 8 428 000 DM an Subventionen zugebilligt.<2089>

Für die Maschinenausrüstung der MTS standen im Jahre 1960 Investitionen in Höhe von 3 191 800 DM zur Verfügung.<2090>

Ende der fünfziger Jahre orientierte die SED-Führung auf neue Strukturen der Landwirtschaft in den sechziger Jahren. Allmählich wurden den MTS die Produktionsaufgaben zugunsten der LPG entzogen.


386

Nach der 2. Zentralen MTS-Konferenz Ende Januar 1958 gingen auch die sieben MTS des Kreises Haldensleben dazu über, ihre Traktorenbrigaden allmählich der Einsatzleitung der LPG-Vorsitzenden zu unterstellen. Bis zum Sommer 1958 gelang dies nur in Ansätzen und unter Schwierigkeiten.

Mit Beginn der Hackfruchternte im Herbst 1958 verlangte das Büro der SED-KL vom Rat des Kreises nun endlich derartige Voraussetzungen zu schaffen, daß die Traktorenbrigaden Bornstedt, Döhren, Uhrsleben und Süplingen der Einsatzleitung der Vorstände der jeweiligen LPG unterstellt werden konnten.<2091> Es empfahl dem Rat, dabei eng mit der Abteilung Landwirtschaft des Rates des Bezirkes zusammenzuarbeiten.

Durch die Unterstellung von Traktorenbrigaden der MTS unter die Einsatzleitung von Vorsitzenden fortgeschrittener LPG vom Typ III sollte bei Weiterentwicklung der Schönebecker Methode die Technik rationeller und kostengünstiger eingesetzt sowie Kompetenzstreitigkeiten vermieden werden. Doch diese Maßnahme reichte nach Ansicht der Parteiführung nicht aus, den Widerspruch zwischen relativ fortgeschrittenen LPG “ ... und der Form des Einsatzes der Technik zu Gunsten der LPG völlig zu lösen.“<2092> Ulbricht forderte deshalb auf der VI. LPG-Konferenz Ende Februar 1959: “Eine Lösung dieser Frage wird erst erreicht, wenn sich durch die Unterstellung der Traktorenbrigade unter den Vorsitzenden der LPG die Zusammenarbeit so gefestigt hat, und die LPG bereits wirtschaftlich so entwickelt ist, daß die Traktorenbrigade vollständig in die LPG übergeht und die entsprechenden Maschinen und Geräte von der MTS im Leihvertrag an die LPG übergeben werden können.“<2093>

Im Kreis Haldensleben begannen die MTS schon im März 1959 mit der Übergabe der MTS-Technik auf Leihvertragsbasis an 15 LPG.<2094>

Anfang Juli 1959 gab das Büro der SED-KL den MTS-Leitungen des Kreises Order, bis zum Beginn der Getreideernte des gleichen Jahres die gesamte Technik der MTS den LPG leihweise zu übergeben.<2095> Dieses Vorhaben scheiterte am Widerstand der Belegschaften einiger MTS. Äußerst hartnäckig sträubten sich die Traktoristen der MTS Ostingersleben gegen die Übergabe der Technik an LPG ihres Bereiches. Die Brigadiere der Traktorenbrigaden reagierten verbittert. Der Brigadier der Traktorenbrigade Erxleben vertrat die Ansicht, wenn im Zuge der Übergabe der Technik an die LPG seiner Brigade auch nur eine Maschine entzogen würde, dann könne die Leitung diese gleich auflösen.<2096>

Laut einem Informationsbericht der Abteilung Landwirtschaft der KL von Ende August 1959 habe es Traktoristen gegeben, die es mit Meinungen ohne jeglicher logischen Grundlage ablehnten, Mitglied einer LPG zu werden.


387

Hinter der verweigernden Haltung jener Traktoristen verbargen sich stichhaltige Gründe. Sie verlangten zu erfahren, “ob sie in den LPG als Traktoristen schlechter dastehen als jetzt und daß sie nur dann Mitglied der LPG werden, wenn sie genau wissen, was sie zu tun haben.“<2097> Die “Überzeugungsarbeit“ der Parteiorganisation dieser MTS bewirkte letztlich, daß die meisten Traktoristen dieses Bereiches LPG beitraten.

Zum Sommerausklang des Jahres 1959 liefen im Kreis neuerliche Vorbereitungen für die Übergabe der Technik der MTS an LPG. So bestand die Absicht, in nächster Zeit die Technik des MTS-Bereiches Schackensleben an die LPG Schackensleben und Groß Santersleben sowie im MTS-Bereich Flechtingen an die LPG Altenhausen, Süplingen und Hasselburg zu übergeben.<2098> Im Laufe des Monats August 1959 übernahmen die wirtschaftsstarken LPG

Hundisburg und die LPG Bebertal II die Technik der MTS. Die Traktoristen erhielten den Status eines LPG-Mitglieds. Im Bezirk Magdeburg erfolgte bis zum Oktober 1959 in 90 großen LPG vom Typ III die leihweise Übergabe der Technik.<2099>

Bis Mitte Januar 1960 übergaben von den sieben MTS des Kreises Haldensleben sechs leihweise die Technik den LPG.<2100> Mit der Übergabe der Technik traten Kombinefahrer, Traktoristen und weitere Spezialisten in Genossenschaften ein, die durch diese technisch versierten Kräfte eine Stärkung erfuhren.

Nicht in allen LPG bestanden die Voraussetzungen für die Übernahme der MTS-Technik. Durch die Bildung von Gemeinschaften der sozialistischen Arbeit versuchte das Büro der SED-KL, das Zusammenwirken zwischen den Traktorenbrigaden der MTS und den Genossenschaftsbauern soweit zu verbessern, daß die Übergabe der Technik der MTS an die betreffenden LPG vertretbar wurde.

Im Kreis Haldensleben konnte die leihweise Übergabe der Technik der MTS an die LPG bis Ende des Jahres 1961 abgeschlossen werden.

4.3 Die Maßnahmen von Partei- und Staatsorganen des Kreises Haldensleben bis zum Abschluß der LPG-Bildung

4.3.1 Die Arbeitsweise der SED-KL und der Grundorganisationen (GO) der SED der LPG

Die Forderung nach der Wahrung des Prinzips der Freiwilligkeit des Genossenschaftsbeitritts von Einzelbauern bedeutete für die Parteiführung in keiner Etappe des Umgestaltungsprozesses auf dem Lande auf dem Lande, die Entwicklung dem Selbstlauf zu überlassen. Im Verlaufe der gesellschaftlichen Veränderungen in den Dörfern wahrte sie vielmehr ihre dominierende Rolle immer konsequenter.


388

Die Kreisparteiorganisationen mit den SED-KL an der Spitze, nahmen Einfluß auf sämtliche Lebensbereiche auf dem Lande, um sie im Sinne der zentralen Vorgaben und im Bezirk Magdeburg der Richtlinien der SED-BL Magdeburg zu beeinflussen und zu steuern. Äußerst genau beobachtete die SED-KL Haldensleben die ökonomische Entwicklung der LPG, registrierte minutiös Fortschritt und Stagnation in der Genossenschaftsbewegung. Sie war sich darüber im klaren: Nur wirtschaftlich gefestigte LPG, sogenannte Leuchttürme, konnten effizient wirtschaftende Einzelbauern zum LPG-Eintritt bewegen. Deshalb lenkte die SED-KL ihr Augenmerk auf die wirtschaftlich-organisatorische Festigung bestehender Genossenschaften mit allen ihren Festigungsgrad bestimmenden Komponenten<2101> und die Gewinnung weiterer leistungsstarker Einzelbauernbetriebe für LPG. Die Parteisekretäre der LPG erhielten vom Büro der KL Order, unbedingt auf die Wahrung der Aspekte zu achten, die die Leistungsfähigkeit einer LPG bestimmten, Schwächen aufzudecken, die in diesem Zusammenhang auftraten und für deren schleunigste Behebung zu sorgen. In Auswertung des V. Parteitages der SED beschloß das Büro der SED-KL Haldensleben nicht näher bezeichnete Maßnahmen zur weiteren Vergenossenschaftlichung der Landwirtschaft des Kreises Haldensleben.

In den letzten Jahren der LPG-Bildung versuchte die SED-KL Haldensleben, mehr als zuvor ideologischen Einfluß auf die werktätigen Einzelbauern zu nehmen. Kurze Zeit nach dem

V. Parteitag der SED im Sommer 1958 faßte das Büro der KL seine Festlegungen zur massenpolitischen Arbeit in einem Beschlußentwurf zusammen. “In der massenpolitischen Arbeit unter den Bauern kommt es in Auswertung des V. Parteitags besonders darauf an“, so heißt es dort, “verstärkt für die Gewinnung der Mittelbauern des Dorfes für die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft zu arbeiten.“<2102> Die Hauptzielstellung der massenpolitischen Arbeit in den Dörfern des Kreises Haldensleben lautete, “1958 mindestens 42 Prozent der LN im sozialistischen Sektor zu vereinen. 1959 müssen 55 Prozent und 1960 65 Prozent der LN des Kreises genossenschaftlich bearbeitet werden“, erklärte das Büro der SED-KL weiter.<2103> Nach vorheriger Absprache mit der SED-BL weitete es damit seine früheren Vorhaben aus. Sie sahen vor, zunächst 60 Prozent der LN des Kreises in Genossenschaften zusammenzufassen.<2104> “Das Ziel besteht darin, durch die Gewinnung der werktätigen Einzelbauern für die Genossenschaft 1958 22 250 Hektar, 1959 29 000 Hektar und 1960 34 200 Hektar in der genossenschaftlichen Produktion zu vereinen“, hieß es in dem Beschlußentwurf des Büros der KL vom Herbst 1958.<2105>

An dieser Zielstellung wird deutlich: Das Büro sah eine seiner Hauptaufgaben darin, die werktätigen Einzelbauern planmäßig für den Eintritt in LPG oder die Bildung neuer LPG zu gewinnen.<2106> Es bildete eine besondere Instrukteurgruppe, deren Auftrag darin bestand, für die Stärkung und Entwicklung des sozialistischen Sektors der Landwirtschaft Sorge zu tragen. Sekretäre der SED-KL, Ratsmitglieder und


389

Kreisvorstandsmitglieder der VdgB organisierten nach Bewertung der ökonomischen Situation der LPG in den sieben MTS-Bereichen schwerpunktmäßig Brigadeeinsätze in wirtschaftsschwachen LPG, um diesen bei der Herstellung der Wirtschaftlichkeit zu helfen.

Im Herbst 1958 bilanzierten alle LPG des Kreises auf ökonomischen Konferenzen ihre Entwicklung im Verlaufe dieses Jahres. Aus den Ergebnissen zog im Dezember 1959 das Büro der KL diese Schlußfolgerungen zur Herstellung der Rentabilität wirtschaftsschwacher Genossenschaften:<2107>

Zur Verbesserung der Produktionsleistungen der Genossenschaften und zur Gewinnung von mehr werktätigen Einzelbauern für LPG forderte das Büro der SED-KL auf einer Bürositzung Ende Februar 1959 von den GO der SED der LPG und den OPO der SED, die Patenschaftsarbeit der Industriebetriebe gegenüber den LPG mehr zu kontrollieren und besser zu organisieren. Desweiteren sollten die Bürgermeister der Gemeinden in achttägiger Schulung zusammengenommen und mit ihnen seminaristisch die Beschlüsse der VI. LPG-Konferenz durchgearbeitet werden.<2112> Das Büro hielt die LPG-Vorstände an, durch nachdrücklichere Überzeugungsarbeit unter den werktätigen Einzelbauern bis zum 10. Jahrestag der DDR im Oktober 1959 den Anteil der LPG an der LN der Gemeinden um 8 bis 10 Prozent zu erhöhen.<2113>

Beträchtlichen Nachholebedarf in der LPG-Bildung registrierte eine Landwirtschaftskommission der SED-KL im Sommer 1959 in den MTS-Bereichen Flechtingen, Klüden und Rätzlingen. “In diesen Bereichen, die zum Teil längere Zeit nicht durch Sekretäre der KL besetzt waren bzw. sind, schätzen wir ein, ist die Führungsarbeit der Grundorganisationen unserer Partei völlig unzureichend.“<2114>

Die Bürositzung der KL vom 10. Juli 1959 befaßte sich hauptsächlich mit der Entwicklung der LPG und der Arbeitsweise der für sie zuständigen Gremien. “Die heutige Bürositzung diene dazu,“ erklärte der Kreissekretär eingangs, “Maßnahmen einzuleiten, um in gemeinsamer Zusammenarbeit mit allen demokratischen Kräften und mit Hilfe aller Werktätigen bei der weiteren Entwicklung und Stärkung des sozialistischen Sektors der Landwirtschaft schneller voranzukommen, die Stagnation zu überwinden, die Planrückstände aufzuholen und alle vorhandenen Möglichkeiten auszunutzen, um die Wirtschaftlichkeit aller LPG unseres Kreises zu erreichen.“<2115> Das Büro stellte fest, der Aufbau des Sozialismus wäre in erster Linie eine Frage der Erziehung der Menschen. Um die ökonomische Hauptaufgabe auf dem Gebiete der Landwirtschaft bis 1961 zu erfüllen, seien der Ressortgeist im Partei- und Staatsapparat und den gesellschaftlichen Institutionen zu überwinden und gemeinsam mit allen Parteien und Massenorganisationen die weiteren Aufgaben der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft zu lösen.


391

Was die Zusammenarbeit mit den Blockparteien betraf äußerte sich das Büro, die bürgerlichen Parteien würden so arbeiten, wie sie im Demokratischen Block unter Führung der SED in die Mitarbeit einbezogen und wie ihre Ausrichtung auf die Erfüllung der anstehenden Aufgaben erfolge. Auf dem Wege zum Aufbau des Sozialismus bestände kein Widerspruch zwischen der SED und den Blockparteien.<2116> Eindeutig lag dabei das Primat bei der SED.

Zur Zukunft der Großbauern erklärte das Büro der SED-KL: “Wir geben auch den Großbauern eine sozialistische Perspektive und müssen uns revidieren, wenn es in dieser Beziehung Engstirnigkeit gibt.“<2117> Wiederum forderte das Kreisbüro, es müßten alle Anstrengungen unternommen werden, um die noch individuell wirtschaftenden Bauern für LPG zu gewinnen. Sektiererische Tendenzen der LPG gegenüber den werktätigen Einzelbauern seien nicht zu dulden. In der Praxis bedeutete dies die Unterstützung der Betriebe von werktätigen Einzelbauern bis zu einem gewissen Maße. Die KL war wie in den Jahren zuvor bestrebt, zumindest noch funktionsfähige Wirtschaften in LPG zu überführen.

An dem auf derselben Sitzung vorgetragenen Bericht der Landwirtschaftskommission der KL bemängelte das Büro die oberflächlichen Begründungen für die Nichterfüllung von Beschlüssen der Kreisparteiaktivtagung vom März 1959.<2118>

Das Büro stellte sich mit dem Beschluß Nr. 101/59 hinter 26 Bürgermeister, die ihren Aufgaben im Zuge der LPG-Bildung, laut Einschätzung einer Untersuchungskommission der SED-KL, nicht genügten.<2119> Ihr Unvermögen bei der Bewältigung der komplizierteren Aufgaben auf dem Lande sei auf die unbefriedigende Anleitung und Unterstützung durch den Rat des Kreises zurückzuführen. Um die Entwicklung in den Dörfern weiter voranzutreiben, sei eine veränderte, verbesserte Zusammenarbeit zwischen dem Rat und den Bürgermeistern unumgänglich.

Im Kreis Haldensleben verkaufte eine größere Anzahl von Einzelbauern vor ihrem Eintritt in LPG vom Typ III wertvolles Inventar und schlachtete seine Viehbestände. Ihr Handeln erschwerte die wirtschaftlich-organisatorische Festigung der LPG gerade dieses Typs. Das Büro der SED-KL wandte sich mit seinen Festlegungen im Beschlußprotokoll vom 7. August 1959 mit Nachdruck gegen den Ausverkauf von Einzelbauernwirtschaften vor dem Eintritt von individuell wirtschaftenden Bauern in LPG. “Man muß die Voraussetzungen schaffen“, so legte es fest, “daß die werktätigen Einzelbauern mit einem normalen Viehbestand in die LPG eintreten.“<2120>

Das Büro schätzte im Spätherbst 1959 selbstkritisch ein, in den Dörfern ohne LPG habe es sich unzureichend um die Verbesserung der massenpolitischen Arbeit, um das Aufzeigen der Perspektive von Einzelbauern im Falle eines Genossenschaftsbeitritts und um deren Gewinnung für LPG gekümmert.<2121>


392

Diesen Zustand gelte es schleunigst zu verändern. Es dürfe im Kreis keine Gemeinde ohne LPG mehr geben.<2122>

Im Spätherbst 1959 erteilte es den GO der SED der LPG bzw. den OPO verschiedene ideologisch geprägte Hinweise zur Durchführung der bäuerlichen Winterschulungen.<2123> Im Verlaufe der Schulungen sollten die Einzelbauern von der Notwendigkeit und Überlegenheit der sozialistischen Großraumwirtschaft soweit überzeugt werden, daß sie ihren Beitritt in LPG erklärten. Eine weitere Aufgabenstellung der Schulungen bestand darin, den Genossenschaftsbauern die besten, im Verlaufe der LPG-Bildung gesammelten Arbeitserfahrungen sowie neue agrarwissenschaftliche Erkenntnisse mit dem Ziel der Steigerung der Arbeitsproduktivität in den LPG zu vermitteln.<2124>

Unmittelbar vor Beginn der Endphase der LPG-Bildung verlangte das Büro der SED-KL Haldensleben, alle politischen Kräfte im Demokratischen Block, der Gemeindevertretungen und in den Ausschüssen der Nationalen Front müßten ihre politisch-ideologische Erziehungsarbeit im Dorf zielbewußt verstärken. Nachdrücklich hätten sie “sich mit Erscheinungen der Passivität mancher Gemeindevertreter und Ortsvorstände der VdgB auseinandersetzen, um die weitere sozialistische Umgestaltung zielstrebig voranzubringen.“<2125> Es stellte klar, zur sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft gehöre künftig nicht nur die Bildung neuer LPG bzw. die Vergrößerung bestehender Genossenschaften. Es müsse im gesamten Kreis die Spezialisierung der LPG durchgesetzt werden. Dazu gehöre die Einrichtung von Groß-LPG, wie sie bereits in Bornstedt und Uhrsleben beständen.<2126>

Das Büro der SED-KL Haldensleben betonte auf seinen Sitzungen in den letzten Wochen des Jahres 1959 mehrfach, sämtliche Abteilungen der KL seien für die Verwirklichung der Zielstellungen der Parteiführung auf dem Lande im Jahre 1960 gewappnet.

In den letzten anderthalb Jahren vor dem Abschluß der LPG-Bildung standen im Mittelpunkt der Arbeit der GO der LPG folgende grundsätzliche Aufgaben:

Doch längst nicht stets erwiesen sich die GO als die führende Kraft mit erheblicher Ausstrahlung auf die


393

sozialistische Entwicklung des Dorfes, die sie nach dem Willen der Parteiführung darstellen sollten.

Die Hauptursache für die Schwächen in der Führungstätigkeit der Parteiorganisationen der LPG lag nach Ansicht des Büros der SED-KL in der ungenügenden fachlichen und politischen Qualifikation der Parteisekretäre sowie der Leitungsmitglieder. Sie hindere sie daran, die massenpolitische Arbeit wirkungsvoll zu lenken.<2128>

Die Arbeitsweise der GO der SED der LPG Flechtingen, die sich von der einer ganzen Reihe von LPG des Kreises Haldensleben kaum unterschied, kennzeichne versöhnlerisches Verhalten gegenüber Mängeln und Schwächen der LPG. So dulde sie beispielsweise derartige unsozialistische, verwerfliche Auffassungen wie “... ich gehe arbeiten und verlange meinen Lohn, alles andere interessiert mich nicht.“<2129> “Das Zurückweichen der Genossen vor den in der LPG stehenden Problemen sowie das uneinheitliche Auftreten bei der Durchführung von Beschlüssen ist eine der Hauptursachen der nur geringen Entwicklung der LPG“, urteilte das Büro.<2130>

Mangelnde Wirksamkeit und fehlende Wachsamkeit der SED-GO der LPG Flechtingen hätte es verschiedenen Groß- und Mittelbauern ermöglicht, einen derart erheblichen Einfluß auf die Genossenschaftsbauern zu nehmen, "daß beinahe jede Vollversammlung tumultartig abläuft.“<2131> Die von ihm im Herbst 1959 getroffene Einschätzung träfe nicht ausschließlich auf die genannte Parteiorganisation zu, betonte das Büro.

Eine Analyse der Organisationsstatistik<2132> der SED-KL Haldensleben ergab, daß per

31. Dezember 1958 in 12 LPG des Kreises noch keine GO der Partei bestanden.<2133> Bis zum Jahresende konnten sich 193 im Status eines Parteikandidaten befindende werktätige Einzelbauern nicht entschließen, Mitglied der SED zu werden.<2134> Ihre Kandidatenzeit aber klang aus. Dieses Faktum wirft ein bezeichnendes Licht auf den Grad und die Möglichkeiten der politischen Einflußnahme der Parteiorganisationen der LPG auf die individuell wirtschaftenden Bauern.

Ende der fünfziger Jahre agierten in den Dörfern des MTS-Bereiches Klüden starke Ortsgruppen der bürgerlichen Parteien, vornehmlich der CDU.<2135> Diese würden die sozialistische Umgestaltung keinesfalls positiv beeinflussen, "sondern werden sehr oft zu Foren der Interessenvertretung bestimmter reaktionärer bzw. großbäuerlicher Elemente“, mahnte das Büro der SED-KL Haldensleben in Richtung der zuständigen


394

GO der SED der LPG.<2136> Gerade hier hätte es aus seiner Sicht entschieden auftretender und entschlossen handelnder Parteiorganisationen der LPG bedurft, die in den meisten LPG dieses MTS-Bereiches aber nicht bestanden.<2137>

Für den Kreis Typisches förderte eine Einschätzung der politischen Führungstätigkeit der GO der SED der LPG Bülstringen durch eine Instrukteurgruppe der SED-KL Haldensleben im Sommer 1959 zutage: Die Parteiorganisation behauptete nicht die führende Rolle in LPG und Gemeinde. Zentrale Parteibeschlüsse fanden nur ungenügenden Niederschlag in ihren Beschlüssen. Die GO der SED leitete weder Maßnahmen zur Behebung der Mängel der LPG, noch Kontrollmaßnahmen zu deren Hilfsprogramm ein.<2138>

Zur Absicherung der politischen Führungsarbeit der GO der SED der LPG in den Genossenschaften und den Gemeinden des Kreises Haldensleben hielt es das Büro der SED-KL für erforderlich, durch Instrukteure der KL in den MTS-Bereichen mehr als bisher die Einhaltung der Statuten der LPG, die Durchführung der Beschlüsse der übergeordneten Leitungen sowie der eigenen Beschlüsse kontrollieren zu lassen.

Es gab Gemeinden, in denen die GO der LPG Einfluß auf das gesellschaftspolitische Leben in ihrer Gemeinde nahmen. In Altenhausen beispielsweise ist dies der Fall gewesen. Doch als politische Kraft, die sich in der Lage zeigte, das Leben im Dorfe allseitig zu beeinflussen, konnten sich bis zum Schlußakkord des Aufbaus des Sozialismus auf dem Lande weder die GO der LPG noch die OPO der Gemeinden des Kreises Haldensleben profilieren.<2139> Ihren Hauptaufgaben wurden sie auch Ende des Jahres 1959 längst nicht vollauf gerecht.

4.3.2 Die Arbeitsweise des Rates des Kreises und der Gemeindevertretungen

Das Büro der SED-KL und der Rat des Kreises münzten die umfassenderen Ansprüche, die sowohl das Gesetz über die örtlichen Organe der Staatsmacht vom Januar 1957 als auch das Gesetz über die Vervollkommnung und Vereinfachung des Staatsapparates vom Februar 1958 den örtlichen staatlichen Organen stellten, in konkrete Forderungen beim Aufbau des Sozialismus auf dem Lande um: Alle örtlichen Organe der Staatsmacht hätten verstärkte Überzeugungsarbeit zur Gewinnung weiterer Einzelbauern für LPG zu leisten.

Um festzustellen, inwieweit die örtlichen Organe der Staatsmacht mit den Bürgermeistern an der Spitze ihrer erhöhten Verantwortung in dieser Etappe des Umgestaltungsprozesses der Landwirtschaft nachkamen, ließen das Büro der SED-KL und der Rat des Kreises vermehrte Kontrollen ihrer Tätigkeit nach strengen Kriterien durchführen. Diese nahmen Brigaden des Parteiapparates und übergeordnete


395

Organe des Staatsapparates vor. Die Überprüfungen erstreckten sich im gesamten Jahr 1959 zuallererst auf die MTS-Bereiche Klüden und Rätzlingen. In einigen Dörfern dieser Bereiche bestanden noch immer keine LPG oder aber der Beitritt von Einzelbauern in bestehende Genossenschaften erfolgte dem Büro der KL zu zögerlich.

Sie förderten zutage, daß einige Bürgermeister und LPG-Vorsitzende vor hartnäckig geführten Gesprächen mit werktätigen Einzelbauern wegen ihres Beitritts in eine Genossenschaft bzw. der Neubildung einer Genossenschaft zurückschreckten.<2140> Zu wenig sei mit den werktätigen Einzel-, aber ebenso den Großbauern in den Bereichen Klüden und Rätzlingen über ihre Perspektive in einer genossenschaftlich betriebenen Großflächenwirtschaft geredet worden.

Die Brigaden stellten fest, im allgemeinen bestände in den Gemeindevertretungen und beim Rat des Kreises Zufriedenheit über den LPG-Beitritt zahlreicher Einzelbauern. Büro und Rat des Kreises traten dieser vermeintlichen Selbstzufriedenheit energisch entgegen. Sie verlangten, es dürfe kein Selbstlauf bei den Veränderungen auf dem Lande geduldet werden, weil sich daraus Stagnation entwickele. Der Rat des Kreises bemängelte selbstkritisch: “Wir haben einen ungenügenden Kampf gegen den Ausverkauf der Wirtschaften geführt und zu wenige Beispiele geschaffen, die Spekulanten zu entlarven.“<2141>

An den Rat des Kreises erging von der Landwirtschaftskommission der SED-KL im Sommer 1959 der Vorwurf, “daß die Maßnahmen zur Vervollkommnung der sozialistischen Großproduktion und die Beschlüsse der VI. Konferenz (gemeint ist die VI. LPG-Konferenz,

d. A.) zu eng und zu isoliert von der weiteren Gewinnung der werktätigen Bauern für die LPG getroffen werden.“<2142> Schwierigkeiten träten nach Feststellung der Kommission in Dörfern wie Berenbrock, Calvörde und weiteren zutage. In diesen Dörfern würden die Gemeindevertretungen in den Parteiorganisationen nicht den Hebel für die Lösung der politischen und ökonomischen Aufgaben auf dem Lande und der weiteren Gewinnung werktätiger Einzelbauern für die LPG sehen, sondern abgekapselt und individualistisch arbeiten. Vorwiegend in den MTS-Bereichen Klüden und Rätzlingen lag es nach Ansicht der Kommission an dem völlig unzureichenden Qualifizierungsgrad vieler Bürgermeister, daß nur wenige werktätige Einzelbauern sich LPG anschlossen oder neue bildeten. “Unserer Meinung nach sind dies mindestens 25 Bürgermeister, die ihren Aufgaben nicht nachkommen bzw. nicht nachkommen können“, stellte die Kommission fest.<2143> Auch in Zukunft traute sie ihnen die Erfüllung ihrer fachlichen und politischen Aufgaben nicht zu. Da "... aufgrund der mangelhaften Arbeit einiger Staatsorgane der Einfluß des Klassengegners, der Kirche, der Großbauern und anderer Kräfte in einigen Gemeinden stark zunehmen“, delegierte auf Empfehlung der Landwirtschaftskommission der SED-KL der Rat des Kreises noch im Sommer 1959 angeblich unprofilierte Bürgermeister zur Qualifizierung oder löste sie ab.<2144> Diesen indirekten Säuberungskampagnen fielen mitunter Bürgermeister zum Opfer, die von den


396

Werbebrigaden mehr Feingefühl bei der Gewinnung werktätiger Einzelbauern für die LPG verlangten.

Der Rat des Kreises forderte von den Gemeindevertretungen, den demokratischen Parteien und Massenorganisationen mit Nachdruck, Bauernaussprachen und -foren über die neuen Musterstatuten durchzuführen. Sie hätten das politische Gespräch mit den teilnehmenden werktätigen Einzelbauern zu suchen und sie davon zu überzeugen, durch den Beitritt in Genossenschaften ihre ökonomischen, politischen, sozialen und kulturellen Interessen umfassender als im Einzelbauernstande verwirklichen zu können. Überwiegend sollte den Einzelbauern der Beitritt in LPG des Typs I schmackhaft gemacht werden. Er kam ihren ökonomischen Interessen eher entgegen als der des Typs III.

Die Räte der Gemeinden legten zumeist nur unzureichende Maßnahmen zur Erfüllung der Hilfsprogramme der LPG fest. Die Fachabteilungen des Rates des Kreises und der Demokratische Block hingegen verpflichteten sich, den wirtschaftsschwachen LPG entsprechend ihrer Struktur Unterstützung zu geben und sie so zu entwickeln, daß sie von den werktätigen Einzelbauern als akzeptable Alternative zu ihrem Einzelbauerndasein angenommen werden. Letztlich half nur eine Fachabteilung einigen LPG ...

Von den Gemeindevertretungen und den Räten der Gemeinden verlangte das Büro der SED-KL in den Jahren 1959/60 mehr Unterstützung bei der Einbeziehung breitester Bevölkerungsschichten in den Umgestaltungsprozeß auf dem Lande. Ihre Arbeit sei auszugsweise anhand zweier Beispiele kurz dargelegt. Der Rat der Gemeinde Rätzlingen setzte sich das Ziel, 1959 70 Prozent der LN der Gemeinde in LPG zu vereinen. In seinem Arbeitsplan räumte er der Arbeit mit der LPG breiten Raum ein.<2145> Vertreter des Rates nahmen ständig an deren Beratungen teil. Weil der Rat auf dem Standpunkt stand, “wenn dieser in die LPG eintritt, werden andere folgen“, konzentrierte er sich auf die Gewinnung eines Großbauern. Seine Ländereien umfaßten 60 Hektar LN, im Dorf genoß er großes Ansehen.<2146> Die überprüfende Parteibrigade schätzte dieses Vorgehen als Fehler ein. Sie empfahl stattdessen, besagten Großbauern nicht in die Genossenschaft aufzunehmen, sondern sich auf das Gewinnen leistungsstarker Mittelbauernwirtschaften für LPG zu konzentrieren. Ihre "sektiererische“ Einstellung widersprach der offiziellen Parteilinie, die den Großbauern ausdrücklich eine Perspektive in den Genossenschaften zusicherte.

Einen untergeordneten Stellenwert nahm die LPG-Problematik in der Arbeit des Gemeinderates und der Gemeindevertretung von Calvörde ein.<2147> Beide befaßten sich im Jahre

1958 nicht mehr als dreimal mit Fragen der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft, obwohl für jede Gemeindevertretung die Auflage bestand, regelmäßig mit den werktätigen Einzelbauern über ihren LPG-Beitritt zu diskutieren.<2148>


397

Eine in den MTS-Bereichen Klüden und Rätzlingen vom Rat des Kreises eingesetzte Überprüfungsbrigade bemängelte zu Beginn des Jahres 1959 die ihrer Ansicht nach ungenügenden Bemühungen der SED-Mitglieder in den Gemeindevertretungen, die LPG-Bildung voranzutreiben. Oft herrsche im Gegensatz zum geschlossenen Auftreten der Vertreter der Blockparteien keine einheitliche Meinung bei der Lösung von Problemen. Zur Behebung dieses hemmenden Faktors empfahl die Brigade dem Rat des Kreises, die Parteigruppen der Gemeindevertretungen dazu aufzufordern, ein konkretes Arbeitsprogramm aufzustellen. Die Genossen unter den Ratsmitgliedern und Gemeindevertretern müßten per Parteiauftrag bzw. Beschluß verpflichtet werden, am gesellschaftlichen Leben ihrer Gemeinde teilzunehmen. So könne eine Verbesserung des Einflusses des Staatsapparates auf die LPG-Entwicklung und Erweiterung erreicht werden.<2149> Es gelte, alle Einwohner der Gemeinden - die auf dem Lande wohnenden Industriearbeiter nicht vergessen - in die Weiterführung der Umgestaltungen einzubeziehen. Zwischen den Räten der Gemeinden und den Ortsvorständen der VdgB und der BHG solle eine enge Zusammenarbeit angestrebt werden, um eine systematischere Werbung für die LPG betreiben zu können.

Im Zeitraum vom 29. Mai bis 18. Juni 1959 führte das KL-Büro im MTS-Bereich Flechtingen, in den Gemeinden Altenhausen und Bülstringen, einen Brigadeeinsatz durch.<2150> Die Untersuchungen, Aussprachen und Diskussionen über die Qualität der Arbeit dieser Gemeindevertretungen ergaben, daß die Gemeindevertretung Bülstringen regelmäßig Sitzungen abhielt, auf denen Festigung und Erweiterung des genossenschaftlichen Sektors der Landwirtschaft einen breiten Raum einnahmen. Der Rat der Gemeinde und die Ständigen Kommissionen würden nach Anleitung durch den Rat des Kreises eine zufriedenstellende Arbeit leisten, die auf eigenständig erstellten Plänen basierte. In Altenhausen hingegen hätten innerhalb von 18 Monaten lediglich sechs Sitzungen der Gemeindevertretung stattgefunden, auf denen kein einziges Mal LPG-Probleme zur Debatte standen.<2151>

Massenorganisationen und Gemeindevertretungen vereinigten in Bülstringen ihre Bestrebungen zur Gewinnung von Einzelbauern für die LPG. In kurzer Zeit gelang es ihnen, einige zu gewinnen. In Altenhausen wiederum überließen Gemeindevertretung und -rat die Erweiterung der LPG um neue Mitglieder, Boden, Vieh und Inventar dem Selbstlauf.

Das Gesetz über die Vervollkommnung und Vereinfachung der Arbeit des Staatsapparates in der DDR vom 11. Februar 1958 und die von der Konferenz der Partei- und Staatsfunktionäre am 25. Februar 1959 in Potsdam-Babelsberg kreierte Losung “Auf sozialistische Art leiten, arbeiten, leben!“ verlangten eine verbesserte Leitungs- und Führungstätigkeit der örtlichen Organe der Staatsmacht im Hinblick auf die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft.<2152>

Die Umsetzung dieser Forderungen verlief in Altenhausen und Bülstringen unterschiedlich. In Altenhausen nahmen Gemeindevertretung und -rat - wie gehabt - nur geringen Einfluß auf Entwicklung


398

und Erweiterung der Genossenschaft. Kritische Auseinandersetzungen zu diesen beiden Grundanliegen der LPG mied die Gemeindevertretung beinahe gänzlich. Sechs werktätige Einzelbauern, Mitglieder der Gemeindevertretung, lehnten es wegen der ökonomischen Schwäche der ortsansässigen LPG ab, Genossenschaftsmitglied zu werden.<2153> Offenbar dominierten ihre materiellen Interessen ihr politisches Bewußtsein, das zu besitzen die Partei von Volksvertretern vorab erwartete.

In Bülstringen führten auf der Grundlage gemeinsamer Beratungen im Ortsausschuß der Nationalen Front, der Rat der Gemeinde, die VdgB und die Massenorganisationen Arbeitseinsätze zur Unterstützung der LPG durch. Nach vorangegangener “Überzeugungsarbeit“ nahm an ihnen gleichfalls eine größere Zahl von Landbewohnern teil. Andererseits negierte in Bülstringen der LPG-Vorstand die Bedeutung der örtlichen Organe der Staatsmacht, indem er es für nicht notwendig erachtete, einen für eine Ratssitzung angeforderten Bericht über den Entwicklungsstand der LPG abzufassen. Die Sitzungen des Gemeinderates Bülstringen basierten auf Arbeitsplänen der Gemeindevertretung. Die Protokolle wiesen aus: Der Gemeinderat behandelte die Erweiterung und Festigung der LPG in Anlehnung an die Beschlüsse und Weisungen des Rates des Kreises.<2154> Auf Ratssitzungen erfolgten regelmäßige Stellungnahmen zum Erfüllungsstand des Volkswirtschaftsplanes der LPG, vorrangig zur Marktproduktion.

Bis zum Sommer 1959 besserte sich die Wirksamkeit der Arbeit des Rates des Kreises und der Gemeindevertretungen in Belangen des Aufbaus des Sozialismus auf dem Lande nur unwesentlich. Ein Mitarbeiter beim Bevollmächtigten der Zentralen Kontrollkommission des ZK der SED schätzte ihre bisherige Arbeitsweise sehr negativ ein. In einem Überprüfungsbericht von Anfang Juli 1959 beklagte er “... die völlig ungenügende Tätigkeit des Rates des Kreises und der örtlichen Organe in den Fragen der Landwirtschaft.“<2155>

Auf Geheiß des Büros der KL reagierte der Rat des Kreises prompt. Seine Fachabteilungen führten Seminare mit allen Bürgermeistern durch, auf denen sie praktikable Hinweise für die Perspektivplanung, die Konkretisierung der Pläne, zu Fragen der Standortverteilung und der Sicherung des Marktaufkommens erhielten. Er ließ weiter Konsultationsstützpunkte einrichten, die Einzelbauern Auskünfte über ihre Perspektive in einer LPG erteilten.

Um eine deutlich erkennbare Verbesserung in der Tätigkeit der Gemeindevertretungen zu erreichen, bedurfte es längerer Zeit. Im Sommer 1959, so ist in einem Bericht des Büros der SED-KL von Ende Juli 1959 über die staatliche Leitungstätigkeit im Kreis Haldensleben nachzulesen, würden erst in ca. einem Drittel der Gemeinden des Kreises gute Ansätze und Ergebnisse in der Arbeit der Gemeindevertretungen vorhanden gewesen sein.<2156> In Behnsdorf, Hödingen und weiteren Gemeinden hätten sich die Gemeindevertretungen auf die Lösung von Schwerpunktaufgaben konzentriert.<2157> Die Mehrheit der


399

Gemeindevertretungen arbeite jedoch planlos und beschäftige sich kaum bzw. unzureichend mit Problemen des sozialistischen Aufbaus auf dem Lande.

Als sehr schwach schätzte das Büro der SED-KL in dem gleichen Bericht die Arbeit der Gemeindevertretungen der MTS-Bereiche Flechtingen, Klüden und Rätzlingen ein. Mit der Feststellung: “In der Zeit vom 1. 1. bis 30. 4. 1959 haben sich nur 7 Gemeindevertretungen mit den Fragen der LPG beschäftigt“, klassifizierte sie deren Wirken als unbefriedigend ab.<2158>

Die Ursachen für die “noch“ vorhandenen Mängel<2159> in der Arbeitsweise des Rates des Kreises und der Räte der Gemeinden, besonders bei der Entwicklung des genossenschaftlichen Sektors der Landwirtschaft sah das Büro der SED-KL in folgenden Schwächen:

Immer von neuem würden Verstöße gegen die Beschlüsse von Partei und Regierung bekannt werden, hieß es weiter in dem vorgenannten Bericht, ohne daß die dafür Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen worden seien. Nach dem Beschluß des Büros der SED-KL “Über die Entwicklung der Viehbestände und die Sicherung der Marktproduktion“ vom 4. Februar 1959 beispielsweise hatten zu dessen Durchsetzung alle Gemeindevertretungen Maßnahmen für die LPG und die Einzelbauern festzulegen.<2161> Nur 50 Prozent der Gemeindevertretungen verwirklichten die Festlegungen dieses Beschlusses. Unverständlicherweise verlangte der Rat des Kreises als übergeordnetes Organ von den säumigen Vertretungen keinerlei Begründungen für ihre Unterlassung.<2162>

Als Schlußfolgerung aus seinen neuerlichen Versäumnissen legte der Rat fest, in den nächsten Monaten von erfahrenen Parteimitgliedern des Rates des Kreises Schulungen der Parteigruppensekretäre der LPG und der GO der SED der Gemeinden durchführen zu lassen. Sie sollten dazu beitragen, die führende Rolle der Partei auf dem Lande im Verlauf der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft aufrecht zu erhalten und auszubauen. Dazu bedurfte es erweiterter Formen der Anleitung und Hilfe für die örtlichen Staatsorgane durch den Rat des Kreises. Wie zuvor förderte der Rat den Erfahrungsaustausch zwischen


400

den Bürgermeistern mit der Absicht, die staatliche Leitungstätigkeit auf dem Lande zu verbessern.<2163>

In Einschätzung der Arbeit der Gemeinden des Kreises Haldensleben stellte der Rat des Kreises im August 1959 verallgemeinernd fest: “In den Gemeinden wird nicht immer beharrlich darum gerungen, die noch einzeln wirtschaftenden Bauern vom Sieg des Sozialismus restlos zu überzeugen und ihnen die Notwendigkeit der genossenschaftlich-sozialistischen Großproduktion klarzumachen.“<2164> Er orientierte die Gemeindevertretungen nochmals darauf, daß die Hauptreserven zur Steigerung der pflanzlichen und tierischen Produktion in der weiteren Stärkung und Festigung der LPG, vor allem aber im weiteren Zusammenschluß von werktätigen Einzelbauern in landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften lägen.

Im Sommer 1959 erarbeitete eine Arbeitsgruppe des Rates des Kreises in Übereinstimmung mit einer Operativgruppe des Rates des Bezirkes Magdeburg einen Vorschlag zur Bildung von

20 Hauptdörfern. Den Sitz der künftigen Groß-LPG legte sie nach den Kriterien Bevölkerungsdichte und -struktur, Verkehrslage, Vorhandensein einer POS sowie kulturellen Betreuungsmöglichkeiten fest.<2165> Von diesen Groß-LPG aus sollte der Umgestaltungsprozeß mit großer Intensität betrieben werden. Außerdem versprachen sich das Büro der SED-KL und der Rat des Kreises davon eine beschleunigte Beseitigung der Mängel und Schwächen, die den meisten LPG anhafteten.<2166>

In dem Bemühen die wirtschaftlich-organisatorische Festigung der LPG des Kreises zu verbessern, beauftragte der Kreistag gleichfalls im Sommer 1959 den Rat des Kreises und die Gemeindevertretungen, bis Jahresende in den Genossenschaften einen hohen 100 ha-Besatz bei allen Tiergattungen durchzusetzen.<2167> Monatlich hätten sie zu den Erfüllungsergebnissen des staatlichen Marktaufkommens Stellung zu nehmen. Diese Beauflagungen muten wie Phantastereien an, wenn wenig später festgestellt wird, es bestehe bei leitenden Funktionären des Staatsapparates keine Orientierung, wie man von den Planschulden bis Jahresende 1959 herunterkommen wolle. Das Büro der SED-KL erklärte im Dezember 1959 dazu: “Es wird bereits heute gesagt, daß im Jahre 1960 der Plan in der tierischen Produktion nicht erfüllt werden kann, weil die Voraussetzungen dafür nicht geschaffen wurden und kein Ziel gestellt wurde.“<2168>

Weiterhin verpflichtete der Kreistag den Rat des Kreises und dessen Ständige Kommission für Landwirtschaft, gemeinsam mit den Gemeindevertretungen und dem LPG-Fachbeirat, den LPG mit Hilfsprogrammen besondere Unterstützung zu geben und die beschlossenen Maßnahmen allseitig zu


401

erfüllen.<2169> Wie erwähnt, gelang dies nicht in angestrebtem Maße.

Das Büro der SED-KL Haldensleben befaßte sich im Spätherbst 1959 wiederum mit dem MTS-Bereich Klüden, in dem die LPG-Bildung langsamer als in anderen MTS-Bereichen verlief. Es schätzte ein, in diesem MTS-Bereich sei die Wirksamkeit der Staatsorgane und der Bürgermeister nicht in vollem Maße gewährleistet.<2170> Die Hauptaufgabe, die Stärkung und Erweiterung des genossenschaftlichen Sektors der Landwirtschaft, stände nicht im Mittelpunkt ihrer Arbeit.<2171> So habe in der Vergangenheit die Gemeindevertretung Calvörde seit dem Bestehen einer LPG vom Typ I überhaupt nicht über Möglichkeiten und Wege zu deren Vergrößerung über die Gewinnung von werktätigen Einzelbauern debattiert. Das Prinzip der persönlichen Verantwortung der Bürgermeister und der kollektiven Leitung fände im MTS-Bereich Klüden keine konsequente Beachtung. Gemeinderäte und Gemeindevertretungen dieses Bereiches würden sich davor scheuen, mit den werktätigen Einzelbauern über ihren LPG-Beitritt zu diskutieren.<2172> Jetzt sei es wichtig, die Parteigruppen der Gemeindevertretungen zu mobilisieren, damit sie ihre Führungsrolle bei der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft tatsächlich wahrnähmen. Im Rahmen der operativen Arbeit des Rates des Kreises müsse den Gemeinderäten und -vertretungen des Bereichs Klüden eine stärkere Anleitung und Hilfe zur Verbesserung ihrer Leitungstätigkeit gegeben werden.

In der Gemeinde Wieglitz bestand im November 1959 noch keine Genossenschaft. Die Schwierigkeiten in der LPG-Bildung glaubte der Rat des Kreises durch den Einsatz erfahrener Landwirtschaftskader zu beheben. Diese erhielten die Maßgabe, mit werktätigen Einzelbauern das ausführliche Gespräch zu suchen, Vorbehalte gegen die LPG auszuräumen und sie zur Gründung einer Genossenschaft zu bewegen.<2173>

Bis zum Beginn der Endphase der LPG-Bildung nahmen Gemeinderäte und Gemeindevertretungen in den Dörfern des Kreises Haldensleben nicht den Einfluß auf die Stärkung und Erweiterung der Genossenschaften, der für einen zügigeren Fortgang des Aufbaus des Sozialismus auf dem Lande vonnöten gewesen wäre. Der Rat des Kreises wiederum verstand es nur unzureichend, den örtlichen Staatsorganen verwertbare Erfahrungen bei der Werbung individuell wirtschaftender Bauern für die Genossenschaften und die Erhöhung der Produktivität der LPG zu geben.

4.3.3 Zur politischen Arbeit der MTS

Die Beschlüsse des 33. Plenums des ZK der SED vom Oktober 1957 verankerten für die Landwirtschaft die Forderung, die Hektarerträge erheblich zu steigern und erhöhte Leistungen in der Viehwirtschaft zu


402

vollbringen. Zur Erfüllung dieser Maßgaben bedurfte es u. a. einerseits verstärkter ökonomischer Anstrengungen in den LPG und einer umfassenden staatlichen Unterstützung des genossenschaftlichen und sozialistischen Sektors der Landwirtschaft, andererseits zunehmender Bemühungen bei der Überführung werktätiger Einzelbauern in LPG. Das Büro der SED-KL Haldensleben auferlegte dabei den BPO der sieben MTS des Kreises Haldensleben eine besondere Verantwortung für den zügigen Fortgang der LPG-Bildung. Nach seiner intensiven Einflußnahme stellten die MTS des Kreises Haldensleben die Gewinnung weiterer werktätiger Einzelbauern für LPG in den Mittelpunkt ihrer politisch-ideologischen Überzeugungsarbeit. Die politischen Aktivitäten der Stationen unter den werktätigen Einzelbauern und die Hilfe der MTS für die LPG sollten einen derartigen Wirkungsgrad erreichen, “daß die LPG in kurzer Zeit in allen Dörfern zum Anziehungspunkt der noch abseits stehenden alleinwirtschaftenden Bauern werden.“<2174>

Die 2. Zentrale MTS-Konferenz vom Januar 1958 traf wichtige Maßnahmen für die Weiterführung der Umgestaltungen auf dem Lande. Nach der Auswertung der Konferenzbeschlüsse betrachteten die BPO der MTS des Kreises als ihre Hauptaufgaben für die unmittelbare Zukunft diese:<2175>

Um ihre Zielstellungen zu erreichen, mußten die MTS der Parteidiktion nach zu wirklichen Zentren und Stützpunkten des Staates bei der Herbeiführung des "Sieges des Sozialismus auf dem Lande" werden.<2176> Das schloß ein entschiedenes Vorgehen gegen die “Landarbeiterideologie“, d. h. die fehlende Identifikation und das gleichgültige Verhalten der LPG-Mitglieder gegenüber ihrer Genossenschaft, ein.

Die MTS Flechtingen befand sich im Herbst 1958 noch weit ab von ihren eigenen Vorgaben. Aus einem Bericht über die Wirkung der politisch-ideologischen Erziehungsarbeit der Parteiorganisationen des MTS-Bereiches Flechtingen auf die Festigung und Entwicklung des genossenschaftlichen Sektors der Landwirtschaft geht hervor, “daß die BPO der MTS noch nicht die führende Kraft bei der Stärkung und Entwicklung der sozialistischen Landwirtschaft durch Realisierung der Beschlüsse der 2. Zentralen MTS-Konferenz und der Beschlüsse des V. Parteitages darstellt.“<2177> Nach dem Willen des Büros der KL galt es im Bereich Flechtingen, mit Hilfe der BPO der MTS die Qualifizierung der Parteileitungen der LPG zu erhöhen, den Einfluß der Kirche zu paralysieren und das sporadische Vorgehen der Arbeitsbrigaden der Genossenschaften zu überwinden. So könne eine Ausweitung und Festigung der LPG erreicht werden.

Die überarbeiteten Musterstatuten und das erste LPG-Gesetz standen im zeitigen Frühjahr 1959 an zentraler Stelle der von den Parteileitungen der MTS mit LPG- und Einzelbauern geführten Gespräche


403

und auf den Bauernaktivtagungen. Gleichzeitig versuchten die Parteiorganisationen in den einzelnen MTS-Bereichen, ihre Arbeit in besonders wirtschaftsschwachen LPG und den LPG vom Typ I zuverbessern. In LPG dieses Typs legte ein Teil der Genossenschaftsbauern frühere Verhaltensweisen an den Tag. Mitunter bestanden in LPG des Typs I keine arbeitsfähigen GO bzw. Parteileitungen.

Wie im MTS-Bereich Flechtingen, befand sich die Parteiarbeit in den Bereichen Klüden und Rätzlingen im Frühjahr 1959 nach Ansicht des Büros der SED-KL weiterhin im argen. Die BPO beider MTS-Bereiche vermochten die Entwicklung der LPG in ihren Bereichen nicht zu beleben. Ihr Einfluß auf die Arbeit der GO der LPG blieb geringfügig. In den Traktorenbrigaden dieser Bereiche, sie setzten sich zum Teil “... aus Bauernsöhnen, Söhnen von ehemaligen Großbauern, nicht aber vorwiegend aus dem Element der Arbeiterklasse zusammen“, bestanden eingangs des Jahres 1959 noch keine Parteigruppen.<2178>

Nach der Inspektion einer Instrukteurgruppe der SED-KL bildeten sich auf deren “Empfehlung“ hin Parteigruppen in den einzelnen MTS-Brigaden dieser Bereiche. Die Aktivität der Genossen sollte über Parteiaufträge mobilisiert werden. Sie beinhalteten vor allem Anleitung und Hilfe für die LPG und deren Parteiorganisationen.

Der MTS-Bereich Klüden galt im Kreis Haldensleben als ein Bereich, in dem im gesamten Verlauf der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft eine Vielzahl von diffizilen Problemen auftrat. Er blieb bei der wirtschaftlich-organisatorischen Festigung der LPG und der Gewinnung werktätiger Einzelbauern für die Genossenschaften offensichtlich hinter den anderen sechs MTS-Bereichen zurück. Das Büro der KL glaubte, über die neugebildeten Parteigruppen der MTS Einfluß auf die politische und wirtschaftliche Festigung der LPG dieses MTS-Bereiches nehmen und stabile Betriebe von werktätigen Einzelbauern zum Übergang in LPG überzeugen zu können.<2179> Die Mitglieder der Parteigruppen befaßten sich aber unzureichend mit den ökonomischen Belangen der LPG und suchten in zu geringem Maße das persönliche Gespräch mit den werktätigen Einzelbauern. Deshalb blieben ihnen größere Erfolge bei der Festigung und Erweiterung des genossenschaftlichen Sektors der Landwirtschaft versagt. Ihre teils mangelhafte Bildung hinderte sie zudem noch daran, wirkungsvoll für die LPG zu propagieren. Nach Ansicht des Büros der SED-KL gewannen sie viel zu wenige werktätige Einzelbauern für die LPG.

Auf einer Bürositzung Ende August 1959 kritisierte das Büro die Genossen sämtlicher MTS-Bereiche. Sie hätten es weder verstanden in der massenpolitischen Arbeit eine höhere Qualität zu erreichen noch eine kritische Wettbewerbsatmosphäre zu entfachen.

Bis zum Spätherbst 1959 fielen die Ergebnisse des MTS-Bereiches Klüden im Verlaufe der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft nicht zur Zufriedenheit des Büros der SED-KL und des Rates des Kreises aus. Der entscheidende Grund für das Zurückbleiben auf politischem, ökonomischem und kulturellem Gebiet, vor allem aber bei der Erweiterung des genossenschaftlichen Sektors der


404

Landwirtschaft läge primär an dem Negieren der führenden Rolle der Partei<2180> in Verbindung mit unzureichender Durchführung bedeutsamer Beschlüsse.

Der stellvertretende Direktor der MTS Klüden brachte kurz vor Beginn des "Schlußakkords" der LPG-Bildung zum Ausdruck, die Genossen "seiner" MTS hätten die richtigen Schlußfolgerungen aus der vergangenen ungenügenden politischen Wirksamkeit der MTS gezogen. Es wäre notwendig, eine starke BPO zu schaffen. Sie sollte die gesamte Belegschaft der MTS in die Aufgabenstellung im Rahmen der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft einbeziehen und auf sämtliche Dorfbewohner des Bereiches im Sinne der Zielstellungen der Parteiführung einwirken.

Nach diesem Signal aus Klüden verlangte das Büro der SED-KL umfassendere Aktivitäten sämtlicher MTS- und BPO-Leitungen, um den sozialistischen Aufbau auf dem Lande beschleunigt fortzuführen und auf dem Wege der wirtschaftlich-organisatorischen Festigung der LPG besser als zuvor voranzukommen.<2181>

4.3.4 Zur Arbeitsweise der VdgB und der BHG

Nach dem V. Parteitag der SED vom Sommer 1958 maß die Parteiführung der VdgB und der BHG beim Aufbau des Sozialismus auf dem Lande einen weiter erhöhten Stellenwert bei. Sie betrachtete beide als Transmissionsriemen der Partei für den Sieg des Sozialismus auf dem Gebiete der Landwirtschaft. In Verfolgung der Parteilinie trug im Herbst 1958 das Büro der SED-KL Haldensleben den Ortsvorständen von VdgB und BHG ihres Zuständigkeitsbereichs auf, die Genossenschaften verstärkt zu unterstützen. Sie hätten ihre Anstrengungen zur Gewinnung werktätiger Einzelbauern für LPG zu intensivieren.<2182>

Zur Beseitigung von Unklarheiten über Eigentumsrechte, Renten und Altenteil bei Eintritt von Einzelbauern und Landarbeitern in eine LPG veröffentlichten leitende Mitarbeiter der VdgB aufklärende Artikel in der Tagespresse.

Die Kritik der Parteiführung an der VdgB auf dem 31. und 32. Plenum<2183> des ZK der SED veranlaßte den Kreisvorstand der VdgB Haldensleben, gegen vermeintlich revisionistische und opportunistische Auffassungen in ihren Reihen vorzugehen. “Das war insofern notwendig“, schätzte der Kreisvorstand der VdgB im August 1958 ein, “weil es sich zeigte, daß den Einzelbauern in der VdgB der Blick nach vorn in die sozialistische Zukunft vielfach versperrt blieb, weil z. B. Auffassungen über einen dritten Weg, über langsames Hineinwachsen in den Sozialismus geduldet und Formen der gegenseitigen Hilfe der VdgB als Stück Sozialismus dargestellt wurden.“<2184> Verschiedentlich würden die BHG, nicht aber die LPG, von der Landbevölkerung als Mittelpunkt des Dorfes angesehen. Der Kreisvorstand räumte ein, in den letzten Jahren habe das Schwergewicht in der Hauptsache auf der Bildung von AG und


405

Meliorationsgenossenschaften sowie der Erhöhung der Rentabilität der BHG gelegen. Die Kreisvorstände von VdgB und BHG hätten sich zu wenig darum gekümmert, daß AG den Übergang zu LPG des Typs I vollzogen.<2185> Es habe in der Vergangenheit “... die zielstrebige Orientierung in der Kreisorganisation auf die Erweiterung und Festigung der LPG“ gefehlt.<2186> Eine entscheidende Veränderung in der Arbeitsweise der VdgB des Kreises Haldensleben sei nach dem 33. Plenum des ZK der SED vom Herbst 1957 sowie der IV. Zentralvorstandssitzung der VdgB im Dezember 1957 eingetreten. Im Ergebnis ihrer Auswertung seien sechs neue LPG entstanden.<2187> Der Kreisvorstand der VdgB schränkte jedoch sofort wieder ein, diese seien nicht als Resultat der Arbeit von Ortsvorständen, sondern eher durch die Überzeugungsarbeit Einzelner gebildet worden.

Offenkundig wirksamer arbeitete die Kreisorganisation der VdgB ab dem Sommer 1958. Nach dem V. Parteitag der SED stellte sie ihren Arbeitsstil um. Sie trat verstärkt an solche werktätigen Einzelbauern heran, die - teils VdgB-Funktionäre - Einfluß in ihren Heimatdörfern besaßen. Hierzu sei ein Beispiel angeführt.

Im Umkreis der Gemeinden Calvörde, Dorst, Flechtingen, Uthmöden und Wieglitz galt ein werktätiger Einzelbauer aus Dorst, ob seiner Erfolge als Schweinezüchter und -vermehrer, als zentrale Persönlichkeit.<2188> “Jetzt, wo Kollege X, nachdem er einzeln bearbeitet wurde, offen für die Bildung einer LPG in seiner Gemeinde eintritt und auch ein Gründungskomitee mit guten Bauern des Dorfes bildete, wird er laufend von Kollegen Bauern aus den genannten Gemeinden aufgesucht und um Rat gefragt“, stellte der Kreisvorstand der VdgB in einem Bericht vom 18. August 1958 fest.<2189> Die Formulierung “einzeln bearbeitet“ kann der fehlenden Sprachvariabilität der VdgB-Funktionäre geschuldet sein. Andererseits läßt sie den Schluß zu, daß eine lokale Größe wie er, dessen Haltung maßgeblich den Fortgang der LPG-Bildung in genannter Gegend zu beeinflussen vermochte, hartnäckig attackiert wurde. Seine Einflußnahme und die Initiativen der Ortsorganisationen der VdgB hätten bewirkt, daß verschiedene werktätige Einzelbauern in den genannten Dörfern daran gingen, neue LPG zu bilden.<2190>

Im Sommer 1958 traten fünf Mitglieder des Kreisvorstandes und 52 Mitglieder von Ortsvorständen der VdgB in bestehende LPG ein bzw. gründeten neue.<2191> Damit gehörten von den 19 werktätigen Einzelbauern, die Mitglieder des Kreisvorstandes der VdgB waren, 12 LPG an.<2192> Sieben von ihnen leiteten Genossenschaften.<2193>

Der Kreisvorstand der VdgB versicherte in einem an das Büro der SED-KL im August 1958 gerichteten Bericht: “Wir haben gegenwärtig eine starke Bewegung zur Genossenschaft, einen solchen Hunger nach Aufklärung unter den Einzelbauern zu verzeichnen, daß es uns große Anstrengungen kostet, den


406

anfallenden Aufgaben gerecht zu werden.“<2194>

Diese Einschätzung entsprach nicht gänzlich der Wahrheit. Tatsächlich trat ein leichter Aufschwung in der Genossenschaftsbewegung ein, ersuchten auch vereinzelt Mittelbauern um Mitgliedschaft in LPG. Zu diesem Zeitpunkt von einer “starken Bewegung“ zu reden, ist indes unzutreffend. Im Kreisvorstand gäbe es allerdings Funktionäre, so ist in dem Bericht weiter vermerkt, die werktätige Einzelbauern vom LPG-Beitritt abzuhalten versuchten. Diese müßten umgehend durch fortschrittliche Kräfte ersetzt werden.<2195>

Im September 1958 beabsichtigte der Kreisvorstand der VdgB Haldensleben den “großen Durchbruch“ zu erzielen. Konkret ging es darum, möglichst viele Einzelbauern für LPG zu gewinnen, “weil wir damit von vornherein verschiedenen Spekulationen, sei es durch Umstellung von Vieh, Viehkäufen, Saatgut- und Pflanzgutverkäufen, Ablieferungssollmanipulationen usw. die Spitze nehmen und in das Jahr 1959 mit sauberen Karten kommen.“<2196> Es wäre kein Zufall, daß die werktätigen Einzelbauern erst ab 1. Januar 1959 ihre Eintrittserklärungen abgeben wollten, weil sie bis zu diesem Datum längst alles Veräußerbare versetzt hätten. Sie kämen zum Nachteil der LPG mit "leeren Händen" in die Genossenschaften und gerade dieses versuchten die KL, der Rat des Kreises und die VdgB zu verhindern.

Die Kreisorganisation der VdgB stellte sich im Herbst 1958 als weiteres Ziel, die Familienmitglieder der Genossenschaftsbauern ebenfalls für LPG zu gewinnen. Die Arbeitserleichterungen in den Genossenschaften lagen vollauf im Interesse der Bäuerinnen. Die regelmäßige Bezahlung, die in den Einzelbauernbetrieben an Familienmitglieder in der Regel nicht erfolgte, tat das Ihrige. So blieb dieses Unterfangen nicht erfolglos.

Erscheinungen von Organisationsegoismus, die in der VdgB eine starke Ausprägung erfahren hatten, gelang es abzubauen. Auf Anregung der SED-KL unterbreiteten einige BHG-Leiter, dem Kreisvorstand der VdgB den Vorschlag, den LPG ganze Einrichtungen zu übergeben.<2197> Sie glaubten, solchermaßen die LPG in ihrer Entwicklung voranbringen zu können.<2198> Die BHG Vahldorf, so berichtete der Kreisvorstand im August 1958, "... wird demnächst ihre gesamte Einrichtung, Fuhrpark usw. der LPG übergeben, weil sich ihr Bestehen überlebt hat.“<2199> Der Vorstand der BHG in Neuenhofe übergab im Sommer 1958 einen neuerrichteten Kälberaufzuchtstall der LPG. Zudem faßte er den Beschluß, der Generalversammlung zu empfehlen, die Brennerei ebenfalls der LPG zu übergeben.<2200> Hier bahnten sich Parallelen zur Übertragung der MTS-Technik an die LPG an.

In den nächsten Monaten aber gerieten einige Ortsvereinigungen der VdgB in die Kritik des Büros der KL. In erster Linie trafen die Vorwürfe die Ortsvereinigungen der MTS-Bereiche Klüden und Rätzlingen. Von den Ortsvereinigungen der VdgB dieser Bereiche krittelte das Büro, “wird keinerlei politische Arbeit mehr


407

geleistet.“<2201> Grundsätzlich müsse die Arbeit der lokalen Organisationen der VdgB qualitativ verbessert werden. Mit den sich noch immer einem LPG-Beitritt verschließenden Parteimitgliedern unter den werktätigen Einzelbauern seien ebenso wie mit den parteilosen oder einer Blockpartei angehörenden werktätigen Einzelbauern regelmäßige Aussprachen zu führen. Das Büro versprach sich davon, unter den individuell wirtschaftenden Bauern der Kategorie bis zu 20 Hektar LN, einen Gesinnungswandel zugunsten der LPG zu erreichen.<2202>

Anfang Dezember 1959 führte der Kreisvorstand der VdgB zusammen mit den Ortsvereinigungen in allen Gemeinden des Kreises Aussprachen über die Notwendigkeit des Eintritts sämtlicher noch individuell wirtschaftender Bauern in LPG durch. Anders als in den Vorjahren, stellten werktätige Einzelbauern und Großbauern, konkrete Fragen zu allen wesentlichen Gesichtspunkten des Arbeitsablaufs in den LPG und zu den Möglichkeiten der Realisierung ihrer materiellen Interessen. Die Gespräche brachten das Büro der SED-KL und der VdgB-Kreisvorstand auf den Nenner, “daß sich der größte Teil der Bauernschaft mit unserem Weg in der Landwirtschaft abgefunden hat, wobei aber ein Teil der Bauern erkennen läßt, daß sie nur noch den für sie günstigsten Zeitpunkt des Anschlusses an die Genossenschaft suchen.“<2203>

Mit der Wortwahl “abgefunden hat“ sprachen Büro und Kreisvorstand - möglicherweise unbeabsichtigt - die Wahrheit aus: eine bittere für nicht wenige Einzelbauern. Wollten sie weiterhin als Bauern - wenn auch in einem veränderten Umfeld und mit veränderten Tätigkeitsmerkmalen ihren Lebensunterhalt bestreiten - gab es für sie keine andere Alternative als den Genossenschaftsbeitritt.<2204>Die absolute Mehrheit der Einzelbauern war längst zu dieser Einsicht gelangt.

In den letzten Wochen vor Abschluß des Umwälzungsprozesse auf dem Lande setzten sich auf Betreiben des Büros der KL der SED der Kreisvorstand der VdgB, der Kreisvorstand der BHG, die Ortsvorstände von VdgB und BHG sowie linientreue Mitglieder aktiver als zuvor bei der Werbung von Einzelbauern für LPG ein. Sie halfen damit, die agrarpolitischen Zielvorstellungen der SED-Führung beschleunigt zu verwirklichen.

4.4 Der "sozialistische Frühling" im Kreis Haldensleben

Das 7. Plenum des ZK der SED vom Dezember 1959 behandelte eingehend den Entwicklungsstand und die weiteren Aufgaben der Landwirtschaft der DDR. Die Parteiführung legte verschiedene politische und ökonomische Maßnahmen fest, um den Abstand im Produktionsniveau und den Ergebnissen zwischen Industrie und Landwirtschaft auf der einen und dem Entwicklungsstand der Landwirtschaft zur Weltspitze auf der anderen Seite, rasch zu überwinden. Indem das Plenum diese prinzipiellen Ziele herausarbeitete, unterstrich es nochmals nachdrücklich die Verantwortung der Landwirtschaft bei der Lösung der


408

ökonomischen Hauptaufgabe. Die Erhöhung der Marktproduktion sei nur möglich, wenn in der Landwirtschaft der DDR konsequent die Vorzüge genutzt würden, die die sozialistische Großproduktion mit sich bringe, stellte das Plenum fest.<2205> Im Klartext hieß das, die noch individuell wirtschaftenden Bauern beschleunigt in LPG zu überführen.

Wie überall in der DDR intensivierten ausgangs des Jahres 1959 auch im Kreis Haldensleben die GO der SED in der Kreisstadt und auf dem Lande, die Institutionen des Staatsapparates und der Nationalen Front ihre Anstrengungen, um die noch individuell wirtschaftenden Bauern für den Eintritt in LPG zu gewinnen. Der Kreisvorstand der VdgB schätzte Mitte Dezember 1959 ein, seine Veranstaltungen trügen zumeist den Charakter von Aussprachen über die Notwendigkeit der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft. Immer mehr Einzelbauern würden erkennen, sich nicht dauerhaft der neuen Entwicklung auf dem Lande entziehen zu können.

Positive Ergebnisse bei der Werbung von Einzelbauern für LPG seien nach nicht näher erläuterten Maßnahmen des Büros der SED-KL gegen Ende des Jahres 1959 im MTS-Bereich Klüden zu verzeichnen gewesen. In diesem Bereich habe es besonders heftige Diskussionen über die Notwendigkeit der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft gegeben. In deren Verlauf hätten selbst Einzelbauern, von denen die Parteiagitatoren bis in die jüngste Vergangenheit annahmen, sie würden sich der sozialistischen Entwicklung auf dem Lande verschließen, ihre Bereitschaft kundgetan, “... unseren Weg in der Landwirtschaft zu gehen.“<2206> Bezeichnend sei, “daß als Sprecher in diesen Veranstaltungen hauptsächlich ökonomisch starke Bauern aufgetreten sind.“<2207> Die Kleinbauern würden nur in geringer Zahl teilgenommen und sich in der Diskussion zurückgehalten haben. Das mutet insofern überraschend an, da nach der offiziellen Parteiversion gerade sie ihre Interessen in den Genossenschaften vollauf wahrnehmen konnten.

Die Auswertung der Schulungsabende und der Diskussionen über die LPG habe gezeigt, daß ein Teil der werktätigen Einzelbauern wenig über die Genossenschaften ihrer Gemeinden wußte. Dafür aber umso mehr über deren Unzulänglichkeiten und Schwierigkeiten. Einige wirtschaftsstarke werktätige Einzelbauern erklärten: “Die Fehler, die wir in der LPG sehen, sprechen wir auch an und das ist zugleich der Maßstab für uns, wie es in der LPG zugeht. Fragen zu stellen, getraut man sich nicht, weil man gleich in den Verdacht gerät, daß man Mitglied der Genossenschaft werden will. Am nächsten Tag käme dann gleich ein Schwarm von Funktionären und bearbeitet uns.“<2208> Diese Worte lassen erkennen, wie Einzelbauern die Werbungsversuche der Agitatoren empfanden.

Der Kreisvorstand der VdgB appellierte im Dezember 1959 an alle Parteien und Massenorganisationen sowie die örtlichen Organe der Staatsmacht, sich für die Schulungen der Agitatoren und damit für den Fortgang der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft verantwortlich zu fühlen.


409

Das Büro der SED-KL band die Wettbewerbsbewegung auf dem Lande in sein Vorhaben ein, die noch einzeln wirtschaftenden Bauern für den Beitritt in LPG zu gewinnen.<2209> Der Vertrag der Kreisparteiorganisation Salzwedel mit der Kreisparteiorganisation Haldensleben über die regelmäßige Durchführung von Leistungsvergleichen<2210> unter dem Motto “Vergleichen - Helfen - Verbessern“ von Ende Dezember 1959 enthielt als Wettbewerbskriterium für die Landwirtschaft u. a. den Punkt: “Wieviel Einzelbauern mit welcher LN wurden für die LPG gewonnen, unter besonderer Beachtung der Gewinnung von Mittelbauern?“<2211> Die Entwicklung des Standes der AE und der Herbeiführung der Rentabilität gehörten zu den weiteren Wettbewerbspunkten.<2212>

Der wirtschaftlich-organisatorischen Festigung der LPG widmete das Büro der SED-KL in der Endphase der LPG-Bildung wie zuvor ungebrochene Aufmerksamkeit. Im “Plan zur Durchführung der Berichterstattung und Neuwahl aller Leitungen der GO des Kreises Haldensleben 1960“ (o. Datum)<2213> wird gefordert, die Parteiwahlen im sozialistischen Sektor der Landwirtschaft müßten zum Inhalt haben, wie die allseitige Überlegenheit der LPG noch deutlicher demonstriert werden könne.<2214> Gleichzeitig fand sich in ihm der Hinweis, zur Erfüllung der hohen Planauflagen in der Landwirtschaft sei es unerläßlich, den Prozeß der sozialistischen Umgestaltung auf dem Lande zu beschleunigen: Das Kreisbüro betrachtete die grundlegende Umgestaltung des Dorfes als die größte Reserve zur Verwirklichung der ökonomischen Hauptaufgabe.

Eine andere wichtige Aufgabe der GO der SED in den LPG, MTS und VEG sei die Verbesserung der ideologischen Arbeit unter der Dorfbevölkerung, “damit die große revolutionäre Umwälzung im Dorf zur Sache aller Bauern gemacht wird.“<2215>

Ab Dezember 1959 bezog das Büro der SED-KL Haldensleben die örtlichen Organe der Staatsmacht stärker als zuvor in den Umgestaltungsprozeß der Landwirtschaft ein. Als Beleg dafür sei eine Bürovorlage für die Bürgermeisterschulung von Ende Dezember 1959 aufgeführt, die folgende Schwerpunkte enthielt:<2216>

Ende 1959 beschäftigte sich die SED-KL auf einer außerordentlichen Bürositzung wiederum ausführlich mit landwirtschaftlichen Problemen. Das von ihr angestrebte Weltniveau<2217> glaubte das Büro der SED-KL durch die erhebliche Steigerung der Arbeitsproduktivität, vor allem aber über die Beschleunigung des Tempos der LPG-Bildung, zu erreichen. In beiden Komponenten sah es Mittel, die Quantität und Qualität der Marktproduktion der LPG immens zu erhöhen. Für das Büro der KL bestand zwischen der Erhöhung der Marktproduktion und dem Tempo der LPG-Bildung eine enge Wechselwirkung. Von der Entwicklung der Marktproduktion der LPG hinge ihre Anziehungskraft auf die Einzelbauern ab. Deren vermehrter Eintritt in LPG wiederum sollte dazu beitragen, die genossenschaftliche Marktproduktion auszuweiten.

Selbstkritisch stellten die Mitglieder des Büros fest, nicht in allen MTS-Bereichen der Bildung von neuen LPG bzw. der Einbeziehung von Einzelbauern in LPG die gleiche Aufmerksamkeit gewidmet zu haben. Während das Büro sich vorrangig auf die Genossenschaftsbildung im MTS-Bereich Klüden konzentrierte, sei "in den MTS-Bereichen Schackensleben und Ostingersleben fast kein Zuwachs zum sozialistischen Sektor der Landwirtschaft zu verzeichnen“ gewesen.<2218> Zu vollgenossenschaftlichen Dörfern sollten in nächster Zeit u. a. Eickendorf, Eschenrode, Nordgermersleben, Rottmersleben, Schackensleben und Zobbenitz entwickelt werden. Hier sah das Büro der KL günstige objektive und subjektive Voraussetzungen, die noch individuell wirtschaftenden Bauern zum Genossenschaftseintritt zu bewegen.

Das Büro der SED-KL verlangte von den SED-Mitgliedern der Genossenschaften in der Produktion und bei der Gewinnung von Einzelbauern für LPG bzw. die Bildung neuer LPG eine hohe Einsatzbereitschaft. Der Beitrag der Parteiorganisation der LPG Ivenrode zu diesem Vorhaben bestand darin, 10 Einzelbauern für den Eintritt in LPG zu gewinnen.<2219>

Ende des Jahres 1959 betrug der Anteil der Parteimitglieder unter den LPG-Mitgliedern

14,4 Prozent.<2220> Gegenüber 1958 bedeutete dies eine Steigerung von 3,17 Prozent.<2221> Diese Zahl ebenso wie die Zuwachsrate hielt das Kreisbüro für dringlich steigerungsbedürftig, um seine erweiterten Zielstellungen auf dem Gebiete der Landwirtschaft durchzusetzen. Zur Sicherung und dem Ausbau der führenden Rolle der Partei auf dem Lande erachtete es das Büro der SED-KL für notwendig, aus den Parteilosenaktivs der neugebildeten LPG Kandidaten für die SED zu gewinnen und diese in Kandidatengruppen zusammenzufassen.<2222>


411

Zwecks Beschleunigung des Tempos der LPG-Bildung konstituierten sich im Kreis Haldensleben unter Leitung des Vorsitzenden des Rates des Kreises<2223> ein Kreisoperativstab und Arbeitsgruppen auf verschiedenen Ebenen. Sie galten formal als Organe des Rates des Kreises, in Wahrheit handelte es sich bei ihnen aber um Exekutivorgane des Büros der SED-KL.

Neben dem Kreisoperativstab fungierten im Kreis Haldensleben weiter Operativstäbe der MTS und der Gemeinden. Den Stäben gehörten führende Mitarbeiter des Partei- und Staatsapparates, MTS-Direktoren, Vorsitzende von LPG, MTS-Bereichssekretäre, die Sekretäre der GO der SED der LPG und der Gemeinden, alle Mitarbeiter der SED-KL mit ständiger Arbeitsstelle in den MTS, Mitglieder von Blockparteien und Massenorganisationen, die Vorsitzenden der Ortsausschüsse der Nationalen Front sowie "fortschrittliche" Werktätige an.

Wie die SED-Bezirksparteiorganisation Magdeburg entwickelte die SED-Kreisparteiorganisation Haldensleben im Verlaufe des Prozesses der Schaffung vollgenossenschaftlicher Dörfer eine enge Zusammenarbeit mit den in der Nationalen Front vereinten politischen und gesellschaftlichen Kräften. Sie wahrte wie zuvor ihre Führungsrolle und behielt sich wichtige Entscheidungen vor.

In allen Dörfern des Kreises wirkten Brigaden der Nationalen Front als Agitatoren. Sie setzten sich aus zahlreichen SED-Mitgliedern des Partei- und Staatsapparates, Mitgliedern der Blockparteien<2224>, der Massenorganisationen wie dem FDGB, der VdgB, der BHG und der FDJ, Lehrkräften der Fachschule für Landwirtschaft<2225> und der Volksbildung sowie dem Neuen gegenüber aufgeschlossenen parteilosen Werktätigen zusammen. An Wochenenden plante das Büro der SED-KL, Schüler und Lehrer der Kreisparteischule zu agitatorischen Großeinsätzen aufs Land zu entsenden.

Als Agitatoren bewährten sich im Sinne der Ziele der SED verschiedentlich beredsame Genossenschaftsbauern, die bis vor kurzem individuell gewirtschaftet hatten. Sie wußten sehr wohl, mit welchen Argumenten Einzelbauern für einen LPG-Beitritt gewonnen werden konnten.

Bei "stiller" Regie des Büros der SED-KL lenkte der Kreisoperativstab die vollständige Einbeziehung der Einzelbauern in LPG. Er trat zunächst zweimal pro Woche, ab Februar 1960 täglich zusammen. Auf seinen spätabendlichen Zusammenkünften wertete der Kreisoperativstab nicht nur die Ergebnisse der Werbekampagne zur Gewinnung von Einzelbauern für LPG aus. Vielmehr ging es dabei hauptsächlich um den Austausch von Erfahrungen in der Argumentation und im taktisch-strategischen Vorgehen. Die Agitatoren berichteten, was sie vor Ort erlebt hatten. Sie erläuterten, welche Argumente in den Diskussionen mit Einzelbauern wirkten und welche nicht ankamen, in welchen Dörfern es vorwärtsging und in welchen sich in puncto LPG-Beitritt bzw. -Bildung sich so gut wie nichts bewegte.

Der Kreisoperativstab setzte Schwerpunkte im Hinblick auf den Fortgang des


412

Vergenossenschaftlichungsprozesses. Einerseits konzentrierte er sich auf Dörfer, in denen kaum Einzelbauern LPG beitraten oder in denen es mit der LPG-Bildung langsamer als im allgemeinen voranging, andererseits auf soche Gemeinden, in denen sich die Gründung einer LPG oder weitere Zugänge zu LPG abzeichneten. Dorthin entsandte der Kreisoperativstab seine überzeugendsten Rhetoriker, seine erfahrensten landwirtschaftlichen Fachleute und solche Genossenschaftsbauern, die vordem als Einzelbauern Erfolge aufzuweisen hatten. Letztere erklärten sich öffentlich bereit vorzugeben, in den LPG ihre Interessen besser als früher verwirklichen zu können.

Um stets genauestens über den Verlauf der Überführung von Einzelbauern in LPG informiert zu sein, regte das Büro der SED-KL die Einrichtung eines Dispatcherdienstes beim Rat des Kreises an. Täglich hatten ihm die Bürgermeister über den Fortgang der LPG-Bildung in ihren Gemeinden sowie über besondere Vorkommnisse in diesem Zusammenhang zu berichten. Dadurch erhielten der Operativstab, das Büro der SED-KL und der Rat des Kreises präzise Informationen, die ihnen ihre Dispositionen erleichterten und ein kurzfristiges Reagieren auf akute Erfordernisse ermöglichten.

Sehr wohl erkannte der Kreisoperativstab, daß von Dörfern, in denen bereits sämtliche Bauern LPG angehörten, eine gewisse Ausstrahlung auf Einzelbauern ausgehen konnte. Deshalb unternahm er erhebliche Anstrengungen, in kürzester Zeit vollgenossenschaftliche Dörfer analog dem Kreis Schönebeck, Bezirk Magdeburg, zu bilden. Zu diesem Zweck beriefen die Operativstäbe der verschiedenen Ebenen u. a. Bauernversammlungen ein, auf denen zu erscheinen die Einzelbauern mitunter gezwungen wurden. In Ausnahmefällen verbrachte die Polizei Einzelbauern an die Tagungsstätte, wenn sie die Teilnahme an den Versammlungen ablehnten. Es kam vor - selten zwar -, daß sich einem Genossenschaftsbeitritt widersetzende Einzelbauern von geladenen "fortschrittlichen" Teilnehmern aufs äußerste attackiert, ja regelrecht an den Pranger gestellt sahen.

Auf den Zusammenkünften erläuterten die Agitatoren den Einzelbauern ihre Zukunftsaussichten in den LPG und die Vorteile gemeinsamen Wirtschaftens. Sie debattierten mit ihnen häufig nächtelang. Oft prallten die Meinungen hart aufeinander. Im Mittelpunkt der Diskussionen stand die Frage, ob die Einzelbauern weiterhin mit der einfachen Technik zu arbeiten gedachten. Die Einzelbauern erkundigten sich eingehend nach der Höhe der Einkünfte, die sie im Falle eines Genossenschaftsbeitritts erzielen konnten.

Von der Überzeugungskraft, Umtriebigkeit und Hartnäckigkeit der Mitglieder der unter den Einzelbauern für einen LPG-Beitritt werbenden Agitationsbrigaden hing in erheblichem Maße das Tempo der LPG-Bildung ab. Die Brigaden setzten in den Dörfern auf die Kraft des Wortes. Mit manchmal plumper versimplifizierter Agitation und Argumenten, die teils der Logik entbehrten, versuchten sie, Einzelbauern zum LPG-Beitritt zu veranlassen. Zu Beginn eines Gesprächs argumentierten sie zumeist - wie sich Zeitzeugen erinnern - der technische Fortschritt verlange den Übergang von der zersplitterten individuellen Produktion zur landwirtschaftlichen Großproduktion in Genossenschaften. Die Einzelbauern sollten sich dieser Notwendigkeit nicht verschließen. Halfen dieses Argument und ähnliche nicht, provozierten die Agitatoren die noch individuell wirtschaftenden Bauern mit konstruierten politischen Fragestellungen.


413

Die Werber agitierten oftmals heftig, achteten auf jedes Wort, suchten eine Handhabe, um eine unüberlegte Äußerung von Einzelbauern als Druckmittel für einen LPG-Beitritt auszunutzen. Es kam im Kreis Haldensleben aber selten vor, daß sich einem Genossenschaftsbeitritt widersetzende Einzelbauern, wegen Beleidigung der Staatsmacht abgeführt und im Schnellverfahren abgeurteilt wurden.

Zuweilen suchten die Agitationsbrigaden und Arbeitsgruppen nach ungesetzlichen Handlungsweisen im Vorleben von Einzelbauern, um diese - gleichsam erpresserisch - zum Eintritt in LPG zu zwingen. In verschiedenen Fällen drängten staatliche Organe mit der Einforderung von ausstehenden Ablieferungsverpflichtungen Bauern in LPG.

Die Agitatoren beschränkten ihr Vorgehen nicht ausschließlich auf Argumente und Drohungen, sondern wandten zusätzlich zum Wort verschiedene Pressionsmethoden an. Um die Bereitschaftserklärung für einen LPG-Beitritt von individuell wirtschaftenden Bauern zu erzwingen, beschallten sie im Einzelfall deren Gehöfte mit Lautsprechern oder richteten nachts grelles Scheinwerferlicht auf deren Wohnhäuser. Bereits im Morgengrauen spielten vor den Anwesen von Einzelbauern, die sich strikt dem Beitritt widersetzten oder ihn aufzuschieben versuchten, Musikkapellen pausenlos auf. Mitunter quartierten sich Agitatoren solange bei Einzelbauern ein, bis diese ihren Widerstand und damit ihren Einzelbauernstatus aufgaben.

Mit der Wahrheit nahmen es die Agitatoren nicht immer genau. Ging es darum Einzelbauern untereinander auszuspielen, kannten sie keine Scheu. Gegenüber einem LPG-Beitritt sich zögerlich verhaltenden Einzelbauern äußerten sie sich beispielsweise, dieser und jener Bauer hätte vor einigen Stunden unterschrieben, diese und jene Gemeinde sei soeben vollgenossenschaftlich geworden, ohne daß dies den Tatsachen entsprach.

Bei ihren Werbegesprächen lockten die Agitatoren immer wieder mit materiellen Vorteilen, die den Einzelbauern im Falle eines LPG-Beitritts zuteil werden würden. So verwiesen sie auf den Sollerlaß, auf den Preisnachlaß bei MTS-Rechnungen und weitere materielle Vergünstigungen. Es gab im Kreis Haldensleben Einzelbauern, die sich vor ihrer Zustimmung zum LPG-Beitritt mit Hilfe der Agitatoren Hypotheken tilgen ließen und durch deren Unterstützung wertvolle Gebrauchsgüter erwarben.

Die Ansichten über einen LPG-Beitritt gingen oft in der Familie zwischen Mann und Frau und ihren Kindern auseinander. Die Werber verstanden es, geschickt an die Interessen der Bäuerinnen anzuknüpfen. Die Frauen der Bauern drängten häufig ihre Männer, zum gemeinsamen Wirtschaften in LPG überzugehen.

Bei ihren Bestrebungen, in den Dörfern die LPG-Bildung abzuschließen, konzentrierten sich die Werbebrigaden und Arbeitsgruppen zunächst auf die Gewinnung einer bestimmten Gruppe von Einzelbauern. Es handelte sich dabei um Bauern, deren Betriebe als stabil galten, die im Dorfe gehöriges Ansehen genossen und nach deren Handeln sich andere Einzelbauern richteten. Gelang es, solche Einzelbauern für LPG zu gewinnen, dann ist es verschiedentlich nicht mehr als eine Frage von Stunden gewesen, bis sich andere Einzelbauern deren Beispiel anschlossen.

Zum "Wirken" der Werbebrigaden sei festgestellt, daß sie durch ihre offensive, häufig äußerst aggressive Vorgehensweise dazubeitrugen, die LPG-Bildung in nur wenigen Monaten abzuschließen.


414

Führende Vertreter der Staatsmacht, wie der Vorsitzende des Rates des Kreises und die Bürgermeister der Gemeinden, schalteten sich in der Endphase der LPG-Bildung aktiver als zuvor in die Kampagne zur Gewinnung von Einzelbauern in LPG ein. Sie bestellten Einzelbauern in ihre Diensträume und suchten sie - teils mit sachlicheren Argumenten als den zuvor aufgeführten - zum LPG-Eintritt zu veranlassen. Manchmal wohnte diesen Gesprächen ostentativ Polizei bei.

Am dargestellten Geschehen wird deutlich: Das Büro der SED-KL Haldensleben steuerte in den ersten Monaten des Jahres 1960 gezielt und mit immensem Aufwand mit Hilfe seines verlängerten Armes - den Operativstäben und den Werbebrigaden - die LPG-Bildung selbst in den kleinsten und entlegensten Gemeinden des Kreises Haldensleben.

Die Akten der SED-KL Haldensleben vermitteln nur einen fragmentarischen Eindruck darüber, mit welchen Methoden der Kreisoperativstab bei Rückendeckung und präziser Lenkung durch das Büro der SED-KL, die Überführung der großen Zahl der noch individuell wirtschaftenden Bauern in LPG in kurzer Zeit vollzog. Das lag in der Natur der Dinge und erscheint plausibel, waren doch die angewandten Methoden kein Ruhmesblatt für die SED. Zudem standen sie im Widerspruch zur These des freiwilligen Genossenschaftsbeitritts. Es gab gewiß eine Orientierung der Parteiführung, möglichst wenig von dem zu fixieren und an die Öffentlichkeit dringen zu lassen, was in den angewandten Methoden der politisch-ideologischen und organisatorischen Arbeit dem Prinzip der Freiwiligkeit eines LPG-Beintritts widersprach. Deshalb mußte auch das Erinnerungsvermögen von Zeitzeugen zur Aufhellung des damaligen Geschehens bemüht werden.

Daß die Überführung von Einzelbauern in LPG zu Beginn des Jahres 1960 nicht schneller voranschritt, lag aus der Sicht des Büros der SED-KL an der Arbeitsweise des Rates des Kreises. Der Rat trug neben der SED-KL die Hauptverantwortung für den Umwälzungsprozeß in den Dörfern des Kreises Haldensleben. Nach eigener Einschätzung wurde er in der Endphase der LPG-Bildung seiner besonderen Verantwortung für das Gelingen der Zielsetzungen der Parteiführung nicht gänzlich gerecht. Ende Januar 1960 stellte der amtierende Vorsitzende des Rates des Kreises in einem Schreiben an das Büro der KL fest, beim Rat des Kreises würden ernste Mängel bei der Erfüllung der Aufgaben in der Landwirtschaft auftreten. Dies beträfe insbesondere sein Vorgehen bei der Erhöhung des Tempos der Überführung von Einzelbauern in LPG. Die Mitarbeiter wären teilweise unfähig, exakte, aussagefähige Analysen zu der Situation in den Dörfern zu erarbeiten, wodurch das taktische Vorgehen des Rates unter den Einzelbauern erschwert worden sei. Der Rat des Kreises hätte es außerdem bisher nicht vermocht, ein straffes, koordiniertes Anleitungssystem für die örtlichen Staatsorgane auf dem Lande im Hinblick auf die Gewinnung von Einzelbauern für LPG zu schaffen.<2226>

Während der ersten Monate des Jahres 1960 sah die SED-KL Haldensleben ihre Hauptaufgabe darin, alle Einzelbauern des Kreises in LPG zu vereinen. Das Büro der SED-KL behandelte aber wie zuvor auf seinen Sitzungen umfassend ökonomische Probleme der Landwirtschaft, wie die Erhöhung der Produktion und die Erfüllung der Pläne als Teil der strategischen Zielsetzungen des V. Parteitages. Auf


415

ihrer außerordentlichen Bürositzung vom 3. Februar 1960 äußerten sich die Mitglieder des Büros, man könne einen Rückstand von 175 t in der Marktproduktion nicht dulden.<2227> An ihm wären wesentlich die LPG beteiligt. Um die Lösung der ökonomischen Hauptaufgabe nicht zu gefährden, beschloß das Büro, die Sekretäre hätten sich künftig nicht nur eine tägliche Übersicht von dem Fortgang der LPG-Bildung, sondern desgleichen von den Erfassungsstellen über die Planerfüllung zu verschaffen. Unverzüglich seien Maßnahmen zur Aufholung der Rückstände einzuleiten.

In einem Bericht über Fragen des Volkswirtschaftsplanes 1960<2228> stellte der stellvertretende Vorsitzende des Rates des Kreises Anfang Februar 1960 fest, der Kreis sei bei der Erfüllung des Staatsplans im staatlichen Aufkommen tierischer Produkte in unvertretbar hohen Rückstand geraten. "Diese Tatsache", bekannte er, “ist ernsthafte Kritik an der gesamten Kreisparteiorganisation und besonders der staatlichen Organe.“<2229>

Einige wirtschaftsschwache LPG erwiesen sich auf Grund der mangelhaften Entwicklung ihrer materiellen Produktionsgrundlagen sowie weiterer, in den Akten nicht näher bezeichneter Faktoren als unfähig, die Kennziffern des Volkswirtschaftsplanes einzuhalten. In verschiedenen Genossenschaften, so in Bebertal I und Flechtingen, reichte das Futter für die Rinderbestände nicht einmal mehr als Erhaltungsfutter. “Ein Teil der Tiere bricht vor der Krippe zusammen, so daß die Notschlachtungen im Monat Januar auf 70 Kühe und Rinder und 60 Kälber anstiegen.“<2230>

Mit erheblichen Auswirkungen in der tierischen Produktion auf Grund der prekären Futtersituation mußte in den beiden ersten Quartalen des Jahres 1960 gerechnet werden. Eine beträchtliche Verlängerung der Mastdauer zeichnete sich ab. Zum gegenwärtig hohen Planrückstand des Kreises an Schweinefleisch trügen nach Erhebungen der Abteilung Landwirtschaft der KL einige LPG nicht unerheblich bei. Aus 54 LPG und 6 VEG gelangten im Januar 1960 nur 1 150 Schweine mit einem Gesamtgewicht von 128 t zur Vermarktung.<2231> Verschiedene LPG brachten im gleichen Monat nicht ein einziges Schwein auf den Markt.<2232>

Die SED-KL Haldensleben sah dieser Entwicklung nicht tatenlos zu. Die LPG-Vorsitzenden erhielten auf einer Vorsitzendentagung Anfang Februar 1960 von der Abteilung Landwirtschaft der SED-KL nochmals Order, energisch die Überbietung der Planziele entsprechend dem Golßener Beispiel anzugehen. Mit Unterstützung der Parteimitglieder der MTS-Leitungen und des Rates des Kreises sollten in den MTS-Beiräten sowie den LPG die Diskussionen darüber fortgeführt werden.<2233> Die LPG Hödingen und


416

Hundisburg sowie eine weitere Reihe von LPG griffen tatsächlich die Golßener Initiative auf und gingen Verpflichtungen zur Steigerung ihrer Produktion ein.<2234> Dem Büro der KL schwebte vor, diese Verpflichtungsbewegung mit Hilfe der GO der SED der LPG und der Staatsorgane in eine breite Bewegung innerhalb des Kreises auszuweiten. Somit bot sich eine reale Möglichkeit, den Beschluß der SED-BL zumindest in einigen LPG zu verwirklichen. Er zielte darauf ab, einen durchschnittlichen Wert der AE von 10 DM im Kreis zu erreichen.<2235>

Im Zusammenhang mit Fragen des Volkswirtschaftsplanes 1960 auf dem Gebiete der Landwirtschaft führte der 1. Kreissekretär auf einer Bürositzung Mitte Februar 1960 aus, der dazu vorliegende Bericht widerspiegele den bisherigen Arbeitsstil des Büros der SED-KL Haldensleben, “denn der Stand der Planerfüllung ist das Kriterium unserer Arbeit.“<2236> Eine derart unverblümte Kritik an der Arbeitsweise der Leitungsgremien der SED auf Kreisebene übte zuvor kein Kreissekretär. Es werde notwendig, fuhr er fort, unverzüglich den koordinierten, schwerpunktmäßigen Einsatz aller Kräfte des Kreises einschließlich der Mitarbeiter des Staatsapparates vorzunehmen, um einen konkreten Überblick über die tatsächliche Lage in den Gemeinden zu erarbeiten. Danach sollten Maßnahmen zur Überwindung der Rückstände eingeleitet werden. Es sei nicht zu dulden, verlangte der erste Mann der Partei im Kreis, “daß die Produktionsplanung für die Landwirtschaft im Büro der Abteilung Landwirtschaft des Rates des Kreises vorgenommen wird."<2237> Auf diese Art würden unreale Pläne zustande kommen.

Er führte weiter aus, die Rentabilität der LPG hänge wie die Gewinnung weiterer Einzelbauern für die Genossenschaften vor allem von den Fähigkeiten und der Variabilität der Mitglieder der Parteiorganisationen ab. Sie müßten verstärkt mit den Menschen arbeiten, ihnen die zentralen Parteibeschlüsse erläutern, Grundfragen der Politik mit ihnen diskutieren und an Ort und Stelle bei Bedarf Anleitung und Hilfe geben.<2238>

Zum Fortgang der LPG-Bildung gab das Büro der SED-KL Mitte Februar 1960 zu, gegenwärtig habe es die Partei nicht verstanden, ein vollgenossenschaftliches Dorf zu schaffen. In solchen Dörfern wie Eickendorf, Eschenrode, Nordgermersleben und Vahldorf beständen aber alle Voraussetzungen dafür. Als Ursache hierfür bezeichnete es die ungenügende Führungstätigkeit der GO der SED. Sie hätten die Situation zwar richtig eingeschätzt und entsprechende Beschlüsse gefaßt, “aber die Organisierung dem Selbstlauf überlassen.“<2239>

Das Büro gelangte zu der für seine weitere Arbeit äußerst wichtigen Schlußfolgerung, daß der bisherige Arbeitsstil der politischen Führungstätigkeit nicht mehr genüge. Die ökonomische Hauptaufgabe zu lösen,


417

dazu bedürfe es der Gewinnung sämtlicher Einzelbauern für LPG. Deshalb müsse unverzüglich der konzentrierte Einsatz aller gesellschaftlichen Kräfte des Kreises erfolgen, um sämtliche noch individuell produzierenden Bauern in relativ kurzer Zeit in Genossenschaften zu überführen. In diesem Zusammenhang sollten der Demokratische Block und die Ausschüsse der Nationalen Front nach dem Willen des Büros der KL umfassender als bisher in den Wettbewerb “Das schöne sozialistische Dorf“ einbezogen werden. Der Wettewerb beinhaltete als wesentlichen Punkt die Gewinnung von Einzelbauern für LPG.

Auf der Sitzung des Büros der KL am 19. Februar 1960 stellte der 1. Sekretär fest, der “Tag des Genossenschaftsbauern“ sei im Kreis sehr gut durchgeführt worden. Aber gleichzeitig bekannte er: “Wir organisieren Republikbeispiele in unserer Arbeit, eine LPG hat Weltniveau, die andere hat DM 10 Minus. Wir packen die Arbeit nicht richtig an und wundern uns, wenn andere Kreise mehr Erfolg haben.“<2240> Im MTS-Bereich Klüden sei außer in zwei LPG noch nichts vom Golßener Elan zu spüren. Die meisten LPG würden hier noch immer unrentabel arbeiten.

Der 1. Sekretär erklärte weiter, im MTS-Bereich Weferlingen beständen ohne Einschränkungen die Voraussetzungen für die Bildung einiger vollgenossenschaftlicher Dörfer. Die LPG-Bildung sei dort deshalb noch nicht zum Abschluß gelangt, weil in den betreffenden Dörfern - Döhren, Hödingen sowie Seggerde - die Parteiarbeit weitgehend unwirksam geblieben wäre.

Auf einer weiteren Sitzung Ende Februar 1960 betonte das Büro ausdrücklich die strikte Wahrung des Prinzips der Freiwilligkeit.<2241> Es distanzierte sich formal von den verbalen Drohungen des Vorsitzenden der Groß-LPG Nordgermersleben, die dieser auf einer Sitzung der Nationalen Front im Februar 1960 gegen nicht beitrittswillige und ansonsten mißliebige Einzelbauern ausstieß. Der Vorsitzende hatte sich wie folgt geäußert: “Es gibt in unserem Ort noch drei werktätige Einzelbauern, die wir vorladen werden, um mit ihnen zu diskutieren. Wenn sie nicht Mitglied werden wollen, werden wir andere Wege beschreiten und mit denen, die zur Grünen Woche gefahren sind, werden wir uns noch anders unterhalten.“<2242>

Entrüstet reagierte daraufhin der 1. Sekretär der KL: “Wir üben bei der Bildung der LPG bzw. bei ihrer Entwicklung keinen Druck aus, sondern wir gehen den Weg der beharrlichen und unermüdlichen Überzeugung und verletzen nicht das Prinzip der Freiwilligkeit.“<2243> Seine verbale Absage an Drohungen und Pressionen hinderte die Partei- und Staatsorgane des Kreises Haldensleben nicht daran, auf sich einem LPG-Beitritt widersetzende Einzelbauern in der Endphase des Umbruchs teils erheblichen psychischen und ökonomischen Druck auszuüben. Dennoch beklagte der Leiter der Kreisdienststelle des


418

MFS als Mitglied des Büros der KL in ungewöhnlicher Offenheit, früher hätte seine Dienststelle die anderen Organe und Massenorganisationen gezwungen, "die Linie der Partei zu vertreten. Die Wirksamkeit fehlt uns heute.“<2244>

In Erörterung der ökonomischen Situation der LPG verwies der 1. Sekretär während derselben Sitzung auf die ungenügende Schweinefleischleistung pro Hektar sowie einen unbefriedigenden Besatz an Kühen. Auch der durchschnittliche Wert der AE läge mit 7,13 DM im Kreis weit unter dem angestrebten.<2245> Um in der wirtschaftlich-organisatorischen Festigung der LPG voranzukommen, beauftragte das Büro der SED-KL den LPG-Beirat, Vorschläge für die Durchführung von Leistungsvergleichen zwischen den LPG und ein System der Plankontrolle der Genossenschaften zu erarbeiten.

Ein ernsthaftes Problem, das die Festigung der LPG erschwerte, blieben auch in den letzten Monaten des Prozesses der LPG-Bildung die Austrittserklärungen aus den Genossenschaften. Während sich KL und Staatsorgane unter Anwendung verschiedenster Mittel mühten, sämtliche Einzelbauern für die LPG zu gewinnen, nahmen die Austritte erhebliche Dimensionen an.<2246> Vor allem wiederum Jugendliche verließen die LPG. Das Büro der SED-KL zeigte sich besorgt über die hohe Zahl von Austritten aus den Genossenschaften und empfahl den Parteiorganisationen der LPG, sich aufmerksamer als bisher um die beruflichen und kulturellen Interessen der Jugendlichen zu kümmern.<2247> Der die ökonomische Weiterentwicklung der LPG gefährdenden Abwanderungswelle müsse durch verstärkte Bemühungen um die jungen Menschen, durch die Übertragung von Verantwortung an Jugendliche, ihre Einbindung in interessante beruflliche Aufgaben sowie einem verbesserten kulturellen Angebot Einhalt geboten werden.

In den letzten Monaten vor dem Abschluß der LPG-Bildung drängte das Büro die Parteimitglieder unter den Genossenschaftsbauern, ihre Anstrengungen zur Erreichung der Rentabilität ihrer LPG zu erhöhen. Ein Mittel hierfür sei die Gewinnung von Einzelbauern für LPG. Die Resonanz fiel scheinbar positiv aus. Wie in einem Informationsbericht über die am 24. Februar 1960 durchgeführten Parteigruppenwahlen nachzulesen ist, hätten die Parteimitglieder der LPG des Kreises erkannt, "daß es unbedingt erforderlich ist, wenn man die Marktproduktion steigern will, die noch abseits stehenden Einzelbauern für den Eintritt in die LPG zu gewinnen.“<2248> Weiterhin ist dort aufgeführt, daß die Gemeinden Eickendorf und Detzel noch im Jahre 1960 die vollständige Vergenossenschaftlichung ihrer Dörfer anstreben würden. Spricht aus diesen Worten pure Heuchelei oder sollte bei den unteren Parteichargen des Kreises selbst zu diesem Zeitpunkt noch keine Klarheit darüber bestanden haben, daß die LPG-Bildung kurz vor dem Abschluß stand?

Aus einem Bericht über das Ergebnis der Jahresendabrechnungen der LPG 1959 und die ökonomischen


419

Konferenzen 1960<2249> des Rates des Kreises Haldensleben von Ende Februar 1960 geht hervor, die Mehrheit der Einzelbauern sehe die Überlegenheit der genossenschaftlichen Großproduktion gegenüber ihrer Art zu produzieren ein. Sie würden erkennnen, die sich immer stärker abzeichnenden Veränderungen auf dem Lande nicht aufhalten zu können. “Der Bauer in unseren Dörfern“, so hieß es in diesem Bericht, “wendet sich in einem nie gekannten Ausmaße dem Neuen zu.“<2250> Die Einzelbauern seien darum bemüht, Aufschluß über ihre Perspektive in der sozialistischen Großproduktion zu erhalten. “In dem Maße, in dem wir den Inhalt des Siebenjahrplans und des 7. Plenums erläutern, werden wir ihn für den Schritt vom Ich zum Wir gewinnen, wird er erkennen, daß seine Wirtschaftsweise zum Hemmnis für die Erfüllung des Siebenjahrplans wird“, prophezeite der Rat des Kreises.<2251>

Dem größten Teil der Einzelbauern konnte mit obigen Argumenten nicht beigekommen werden. Für sie blieben die ökonomische Leistungsfähigkeit einer LPG und nicht häufig wiederholte Sprechblasen das bestimmende Element eines Für oder Wider die LPG. Wie es um die Effizienz der meisten LPG des Kreises bestellt war, ist vorab hinreichend dargelegt worden. Unbeschadet anderslautender Aussagen und Feststellungen lag es in der Natur des Bauern, auf solche Weise seine Interessen wahrzunehmen, die ihre umfassendste Realisierung in Aussicht stellte. Und diese Möglichkeit bestand Anfang 1960 noch immer eher im Weiterbetreiben seiner individuellen Wirtschaft als in LPG.

Wenn in den ersten Wochen und Monaten zunehmend Bauern aufgaben, den Genossenschaften beitraten oder neue bildeten<2252>, dann lag dies kaum an den einleuchtenden Argumenten der Agitations- bzw. Instrukteurbrigaden.

Gebündelt seien die Motive dargelegt, die im Kreis Haldensleben in der Endphase der LPG-Bildung Einzelbauern veranlaßten, Genossenschaften beizutreten:

Die Endphase der LPG-Bildung verlief in den einzelnen Gemeinden des Kreises durchaus nicht gleichmäßig, sondern nach Auffassung des Rates des Kreises nicht vertretbar unterschiedlich. Die Partei- und Staatsorgane würden es nur unzureichend verstehen, die Einzelbauern von der politischen und ökonomischen Notwendigkeit des beschleunigten Abschlusses der LPG-Bildung zu überzeugen. Gleichfalls fehle es ihnen an der Fähigkeit, die realen Möglichkeiten zu nutzen, um so rasch wie möglich den Umwälzungsprozeß auf dem Lande zu beenden.

Wie sehr sich im Kreis Haldensleben die Einzelbauern mit einem LPG-Beitritt Zeit ließen - um nicht zu sagen dagegen sträubten -, wird hieran deutlich: Zwischen dem 1. Januar 1959 und dem 31. Dezember 1959 ersuchte in 15 Gemeinden kein einziger individuell wirtschaftender Bauer um Aufnahme in eine LPG.<2253> Obwohl ein Teil der Gemeinden mit leistungsstarken LPG kurz vor dem Abschluß der Vergenossenschaftlichung stand - in 11 Gemeinden des Kreises bearbeiteten Genossenschaftsbauern mehr als 80 Prozent der LN -, verzeichneten selbst derartige Genossenschaften kaum einen Mitgliederzuwachs.<2254>

Ende 1959 bestanden im Kreis 66 LPG mit 5 136 Mitgliedern, die 25 865 Hektar LN bewirtschafteten.<2255>

Vom Beginn des Jahres 1960 bis zum 5. März 1960 konnten nicht mehr als 105 Betriebe mit einer LN von über einem Hektar für LPG gewonnen werden.<2256> "Wobei, wenn wir real einschätzen, ein Teil dieser Betriebe bereits im Jahre 1959 gewonnen wurde“, stellte das Büro der SED-KL fest.<2257>

Wenn Einzelbauern weiterhin den Beitritt selbst in gefestigtere LPG mieden, dann handelte es sich in der Regel um Bauern mit stabilen Betrieben und/oder um solche, die sich partout nicht von ihren häufig mühevoll aufgebauten Wirtschaften trennen mochten. Aber es gab ferner eine Reihe von ökonomisch stärkeren LPG, in denen Ungesetzlichkeiten auftraten, "die sich die Einzelbauern zunutze machen bzw. sektiererische Einstellungen gegenüber den werktätigen Einzelbauern.“<2258> Diese Faktoren gestalteten den Fortgang der LPG-Bildung zähflüssig. Sie trugen dazu bei, daß in den ersten beiden Monaten des Jahres 1960 im Kreis Haldensleben der "Aufbau des Sozialismus" auf dem Lande zunächst nicht die vom Büro der KL und die vom Rat des Kreises vorgesehene Entwicklung nahm. Zwei Tabellen auf den folgenden Seiten legen Zeugnis vom Verlauf der LPG-Bildung und vom Ausmaß der in diesem Zusammenhang noch zu lösenden Aufgaben ab.


421

Tabelle 48: Zuwachs der LPG des Kreises Haldensleben an LN und Mitgliedern im Januar 1960 (nach MTS-Bereichen.)<2259>

 

Zuwachs

MTS-Bereich

in ha

Mitglieder

Flechtingen

69

31

Haldensleben II

77

27

Klüden

146

21

Ostingersleben

74

17

Rätzlingen

225

28

Schackensleben

33

24

Weferlingen

227

52

Insgesamt:

851

200

Wie aus Tabelle 48 hervorgeht, erhöhte sich im genannten Zeitraum die Mitgliederzahl der LPG des Kreises um 200, während die genossenschaftliche LN um 851 Hektar anwuchs. An der Zahl der noch vorhandenen Einzelbauernbetriebe nebst ihrer dazugehörigen LN wird deutlich, wie sehr sich die Einzelbauern einem Genossenschaftsbeitritt widersetzten und welche Anstrengungen bis zum Abschluß des Umbruchs auf dem Lande noch vor den Partei- und Staatsorganen lagen.


422

Im Detail ergab sich dieses Bild:<2260>

Tabelle 49: Die Anzahl der verbliebenen Einzelbauernbetriebe im Kreis Haldensleben und ihre LN im Januar 1960 (nach MTS-Bereichen) <2261>

MTS-Bereich

Zahl der Betriebe

LN (ha)

Flechtingen

240

2 100

Haldensleben II

165

2 085

Klüden

437

4 216

Ostingersleben

208

1 771

Rätzlingen

302

2 697

Schackensleben

124

1 149

Weferlingen

252

2 537

Insgesamt:

1 728

16 555

Was das Gewinnen für bzw. die Absicherung des Verbleibs von Jugendlichen in Genossenschaften anginge, "so müssen alle dafür infrage kommenden Organe den Jugendlichen endlich ihre Perspektive in der landwirtschaftlichen Produktion aufzeigen, eine bessere kulturelle Betreuung durchsetzen, mehr Ledigen- und Lehrlingswohnheime schaffen“<2262>, forderte der Rat des Kreises in seinem "Bericht über das Ergebnis der Jahresendabrechnungen der LPG 1959 und der ökonomischen Konferenzen 1960"<2263> von Ende Februar 1960.

Ein großer Teil der Angehörigen der Bauern, die in den ersten Monaten des Jahres 1960 LPG beitraten, gingen nicht den gleichen Weg. Darüber zeigte sich der Rat des Kreises besorgt und unzufrieden. Sie zogen es vor, ihren Lebensunterhalt mit leichteren und besonders für die Jugendlichen lukrativeren Tätigkeiten außerhalb der Genossenschaften zu verdienen.<2264> Ihre Haltung offenbare einen “... gewissen politisch-moralischen Zustand der eintretenden Einzelbauern bzw. der LPG“, stellte der Rat des Kreises


423

ernüchtert fest.<2265>

In dem vorgenannten Bericht ging der Rat des Kreises Haldensleben ausgiebig auf die ökonomischen Belange der LPG im Kreise ein. Die allseitige Entwicklung der LPG verlange neben dem freiwilligen Übergang der Bauern zur Großproduktion in LPG ein schnelles Wachstum der Produktion durch die Steigerung der Arbeitsproduktivität sowie die konsequente Durchsetzung der sozialistischen Betriebs- und Arbeitsorganisation. Diesem Anliegen müsse sich künftig die gesamte Leitungstätigkeit der Staatsorgane, der Organe der LPG und der Parteiorganisationen der LPG und MTS widmen. Derartige Konzessionen wie in den Vorjahren könnten den LPG im Jahre 1960 nicht mehr eingeräumt werden. “1960 können wir die 'Theorie von den besonderen Bedingungen', durch die die LPG angeblich nicht rentabel werden konnten, nicht akzeptieren.“<2266> Als Schlußfolgerung aus der Entwicklung der LPG im Jahre 1959 unterbreitete der Rat des Kreises folgende Vorschläge:<2267>

Erhebliche Bedeutung für den Abschluß der LPG-Bildung ist der außerordentlichen Bürositzung der KL vom 14. März 1960 beizumessen.<2268> Zunächst informierte der 2. Sekretär das Büro über die zwei Tage zuvor abgehaltene Beratung der BL der SED Magdeburg mit den ersten Kreissekretären und den Vorsitzenden der Räte der Kreise, “wo unser Kreis infolge der Rückstände bei der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft und der Erfassung stark kritisiert wurde.“<2269> Offenbar reichte der SED-BL das vom Büro der SED-KL Haldensleben vorgegebene Tempo bei der Überführung der noch beträchtlichen Anzahl von Einzelbauern in LPG nicht aus.

In der Diskussion über die Ausführungen des 2. Kreissekretärs arbeiteten die Büromitglieder heraus, “daß es in Auswertung der Beratung mit der Bezirksleitung und entsprechend der Beispiele der Kreise Schönebeck und Kalbe/Milde sowie des Bezirkes Rostock in erster Linie<2270> - ohne die übrigen Fragen zu vernachlässigen - darauf ankommt, alle Kräfte des Kreises, Parteien, Staatsapparat einschließlich der Plankommission, Massenorganisationen usw. für die schnelle sozialistische Umgestaltung und Aufholung


424

der Rückstände in der Erfassung einzusetzen.“<2271> Dabei sei bevorzugt auf örtliche gesellschaftliche Kräfte zurückzugreifen.

Auf der gleichen Sitzung fixierte der 2. Sekretär den angestrebten Abschluß der Genossenschaftsbildung auf dem Lande, als er erklärte: “Wir stellen uns das Ziel, bis 15. 4. 1960 unseren Kreis vollgenossenschaftlich zu gestalten. Jeder leitende Funktionär ist verpflichtet, ein vollgenossenschaftliches Dorf zu bilden.“<2272> Bei äußerst energischem Vorgehen des Kreisoperativstabes und der Stäbe in den MTS-Bereichen, ging es in den nächsten Tagen bei der Überführung von Einzelbauern in LPG rapide vorwärts.

Als beispielhaft für sämtliche MTS-Bereiche des Kreises bezeichneten die Teilnehmer dieser Bürositzung die Arbeitsweise des Sekretärs der SED-KL des MTS-Bereiches Weferlingen. Er würde zur Beschleunigung der LPG-Bildung die vielseitigsten Methoden der Agitation - erklärt wurden sie nicht näher - anwenden.

In Beachtung einer Festlegung des Büros der SED-BL Magdeburg vom 12. März 1960 erstattete die SED-KL Haldensleben bis zum Abschluß der LPG-Bildung der SED-BL Magdeburg täglich Bericht über ihren Verlauf im Kreis Haldensleben. Sie setzte in der Berichterstattung diese Schwerpunkte<2273>:

Das Beschlußprotokoll der außerordentlichen Bürositzung der SED-KL vom 18. März 1960 gibt über den Verlauf des Abschlusses der LPG-Bildung in den einzelnen MTS-Bereichen sehr präzise Aufschluß.<2274> Seit diesem Tage arbeitete der MTS-Bereich Rätzlingen vollgenossenschaftlich. Im Bereich Weferlingen wirtschafteten noch 18 Bauern mit einer LN von 590 Hektar individuell.<2275> Im Bereich Flechtingen fanden weitere 110 Hektar LN in den genossenschaftlichen Bereich Eingang.<2276> 67 Einzelbauern konnten sich hier noch nicht entschließen, in LPG einzutreten.<2277> Individuell wirtschafteten in Altenhausen 11, in Böddensell 25, in Bülstringen drei, im MTS-Standort Flechtingen 22 und in Hasselburg sechs Bauern weiter.<2278> Das Büro der SED-KL empfahl, den MTS-Beirat stärker als bisher zu aktivieren, um die


425

restlichen Einzelbauern dieses Bereiches schnellstens für den Eintritt in bzw. für die Gründung von LPG zu gewinnen.

Im MTS-Bereich Schackensleben mit insgesamt noch 94 Einzelbauern galt die Gemeinde Ackendorf mit 16 Einzelbauern als Schwerpunkt im Umwälzungsprozeß.<2279> Sie erklärten, sich der LPG vom Typ III unter der Bedingung anzuschließen, wenn sie bis zum Abschluß der Ernte im Herbst 1960 wie bisher weiter wirtschaften könnten. Ein Bauer argumentierte so: “Wir machen keine Politik und wenn wir über die LPG reden, welche Vorteile haben wir, wie können wir uns am besten von der LPG fernhalten.“<2280> Selbst noch in der Endphase der LPG-Bildung glaubte dieser Bauer - wie weitere Einzelbauern seiner Gemeinde -, zumindest für einige Zeit weiter individuell wirtschaften zu können.

Außer in Ackendorf traten im MTS-Bereich Schackensleben in Groppendorf, Groß Santersleben und im MTS-Standort Schackensleben Schwierigkeiten bei der Bildung bzw. Erweiterung von LPG auf. Die in jenen Gemeinden verbliebenen Einzelbauern äußerten, “daß sie sich erst einmal Typ I ansehen und in den nächsten Tagen noch einmal zusammenkommen werden.“<2281>

Im MTS-Bereich Klüden verzeichneten die LPG bis Mitte März 1960 einen Zuwachs ihrer LN um 650 Hektar.<2282> 93 Bauern wirtschafteten in diesem Bereich aber noch immer individuell.<2283>

Um die Vergenossenschaftlichung im MTS-Bereich Haldensleben II abzuschließen, hieß es insgesamt noch 137 Einzelbauern in LPG zu überführen.<2284> Im Falle eines Großbauern dieses Bereiches, der es ablehnte LPG-Mitglied zu werden, plante das Sekretariat der KL hart vorzugehen. Die Rechtsverhältnisse und Hypothekenangelegenheiten seines Betriebes sollten im Zusammenwirken mit dem Staatsanwalt, der Abteilung Landwirtschaft und der Bauernbank überprüft werden. Die Absicht dieser Aktion bestand darin, ihn schließlich vor Gericht zu bringen oder zum Einlenken und damit zum LPG-Beitritt zu bewegen.

Im MTS-Bereich Ostingersleben wuchs die LN der Genossenschaften zwischen dem 14. und 18. März 1960 um weitere 183,71 Hektar.<2285> Dennoch galt es auch in diesem Bereich, noch eine beträchtliche Zahl von Einzelbauern für die Genossenschaften zu gewinnen.<2286>

Der Sekretär für Agitation und Propaganda der KL der SED brachte in seinem Diskussionsbeitrag auf der außerordentlichen Bürositzung vom 18. März 1960 zum Ausdruck, "daß man eine beharrliche Überzeugungsarbeit leisten muß, um die restlichen Bauern von ihrer abwartenden Haltung und den Argumentationen erst die Gipfelkonferenz abwarten und bis zur Ernte noch wirtschaften ...",


426

abzubringen.<2287> Diese Tendenz sei vor allem in den Bereichen Ostingersleben und Schackensleben zu verzeichnen. Jetzt müsse die Kreisagitationskommission rege werden und mit allen Einzelbauern Gespräche führen.<2288>

Der Sekretär tadelte, daß der wichtige Kreistagsbeschluß, die Abgeordneten des Kreistages im MTS-Bereich Haldensleben II einzusetzen, ungenügend verwirklicht worden sei. Weiter verlangte er, die Mitglieder der Blockparteien stärker als zuvor in den Abschluß der LPG-Bildung einzubeziehen und zu mehr Aktivität anzuregen.<2289>

Ausgehend vom Golßener Beispiel bestand für alle Parteiorganisationen und örtlichen Volksvertretungen auf ökonomischem Gebiet im Winter/Frühjahr 1960 die Aufgabe, durch die Aufdeckung aller Reserven und eine maximale Steigerung der pflanzlichen und tierischen Produktion, den Volkswirtschaftsplan in der Marktproduktion zu überbieten. Einigen LPG und teils Gemeinden in ihrer Gesamtheit gelang es, die staatlichen Planvorhaben tatsächlich zu übertreffen. Die vom Büro der KL angestrebte Massenbewegung fehlte aber. “Obwohl durch eine Parteiaktivtagung nach dem 7. Plenum, in Kreistagssitzungen, Bürositzungen, Schulungen der Bürgermeister und weitere Maßnahmen einem breiten Kreis von Funktionären Klarheit über die Bedeutung und Notwendigkeit dieser Aufgaben geschaffen wurde, wir zumindest zu einer solchen Einschätzung nach all den Darlegungen gekommen sind, zeigte uns das Ergebnis am 14. März 1960, daß wir auf diesem Gebiet unsere Aufgaben nicht erfüllt haben", räumte das Büro der KL ein.“<2290> Die örtlichen Räte und noch augenscheinlicher der VEAB-Kreisbetrieb, unternähmen nicht die notwendigen Anstrengungen, um die beständig anwachsenden Rückstände aufzuholen. Es bemerkte außerdem, die Leitungstätigkeit des Rates des Kreises sei “aus der Enge der Tätigkeit auf den einzelnen Aufgabengebieten noch nicht genügend herausgekommen“ und die operative Arbeit zur Lösung der Schwerpunktaufgaben in den Gemeinden wäre nicht in erforderlichem Maße entwickelt worden.<2291> Was diese Belange anginge, so sei auch das Büro der SED-KL zu wenig wirksam geworden. Erst Beratungen und Beschlußfassungen des Büros und die Erfordernisse des Wettbewerbs der Kreise des Bezirkes Magdeburg hätten zum Einleiten von derartigen Maßnahmen geführt, die Erfolge in der Planerfüllung und dem Fortgang der Umgestaltungen ermöglichten.

Vorteilhaft für Tempo und Qualität des Vergenossenschaftlichungsprozesses habe sich die Bildung von Operativstäben in den MTS und das Übertragen der Verantwortung einschließlich des Einsatzes der


427

Kräfte an die Kreissekretäre in den MTS erwiesen. Hingegen würden die Operativstäbe in den Gemeinden - in Abhängigkeit vom Durchsetzungsvermögen und der Aktivität der Bürgermeister, Parteisekretäre und der Gemeindevertretungen - unterschiedliche Ergebnisse bei der Überführung der verbliebenen Einzelbauern in LPG verzeichnen.

Nach dem MTS-Bereich Rätzlingen erreichten als nächste die Bereiche Weferlingen und Schackensleben die vollständige Einbeziehung der Bauern in LPG. Der MTS-Bereich Schackensleben, in dem in der Schlußphase der LPG-Bildung Probleme größeren Ausmaßes zutage traten, meldete am 22. März 1960 dem Büro der SED-KL den Abschluß der Vergenossenschaftlichung.<2292>

In der Statistik ist über jenen Bereich folgendes zu lesen:<2293>

Unter Mißachtung des Hinweises der Parteiführung, zunächst vorwiegend LPG des Typs I zu bilden, entstanden im MTS-Bereich Schackensleben viele LPG vom Typ III. Sie bewirtschafteten insgesamt 4 998,84 Hektar, die des Typs I hingegen nur 760,61 Hektar.<2294>

Ab Mitte März 1960 verstärkte die KL zur Überführung der restlichen Einzelbauern in LPG ihre Agitationsbrigaden personell. Der Druck auf die individuell wirtschaftenden Bauern wuchs an. In Wieglitz, MTS-Bereich Klüden, suchten beispielsweise die Agitatoren die letzten Einzelbauern mit der nicht näher erklärten, aber unmißverständlichen Drohung, “Wir können auch anders!“ gefügig zu machen.<2295>

Zu sehr harten Auseinandersetzungen um einen LPG-Beitritt der verbliebenen Einzelbauern kam es unmittelbar vor dem Abschluß der Vergenossenschaftlichung in den Gemeinden Eimersleben, Hillersleben und in Haldensleben selbst. In Hundisburg bestand eine der führenden LPG des Kreises, die den Einzelbauern eine akzeptable Perspektive bieten konnte. Doch gerade hier wehrten sich die wenigen individuell wirtschaftenden Bauern heftig, der Genossenschaft beizutreten oder eine neue zu bilden. Wie in anderen Gemeinden des Kreises, brach auch dort das kompromißlose Vorgehen der Agitatoren kurzfristig jegliches Sträuben.

Am 24. März 1960 schließlich verkündete das Büro der SED-KL Haldensleben voller Stolz: “Nur durch die Mitarbeit aller Kräfte der Nationalen Front unter Führung der Partei, der ständigen Übersicht und Leitung durch den Operativstab, in diesem Falle einer konkreten Leitung, war es möglich, bis zum 24. 3. 1960 den Kreis Haldensleben vollgenossenschaftlich zu gestalten.“<2296> Damit schloß der Kreis Haldensleben die


428

Genossenschaftsbildung bei weitem eher ab, als es die erst auf der außerordentlichen Bürositzung der SED-KL am 14. März 1960 verkündete Zielstellung vorsah.<2297>

"Mit der Schaffung sozialistischer Produktionsverhältnisse auf dem Lande wurde die Grundlage für ein schnelles Wachstum der Marktproduktion, für die weitere zielstrebige sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft und für den Aufbau sozialistischer Dörfer gegeben", wird in einem Bericht des Büros der SED-KL über den Einsatz eines Parteiaufgebotes im Kreis Haldensleben nach Abschluß der LPG-Bildung festgestellt.<2298>

Ein erheblicher Anteil am Gelingen dieser Aufgabe kam nach Einschätzung des Kreisbüros der Parteiaktivtagung vom 15. März 1960 zu.<2299> Welche Maßnahmen diese Tagung im einzelnen beschloß, darüber verweigern die Archivalien die Auskunft. Doch kann nach vorangegangener Kritik der SED-BL Magdeburg an der SED-KL Haldensleben<2300> angenommen werden, daß das Büro der SED-KL die politischen und gesellschaftlichen Kräfte des Kreises dazu vergatterte, ihre Anstrengungen bei der Überführung von Einzelbauern in LPG zu bündeln und aufs äußerste zu intensivieren. Nicht anders ist der enorme Zuwachs an Mitgliedern und LN innerhalb des kurzen Zeitraums vom 15. März 1960 bis 24. März 1960 um 1 417 bäuerliche Betriebe zu erklären, nachdem zwischen dem 1. Januar 1960 und dem 15. März 1960 nicht mehr als 105 Einzelbauern den LPG beitraten.<2301>

Vom Jahresbeginn 1960 bis zum 24. März 1960, dem Tag des Abschlusses der LPG-Bildung im Kreis Haldensleben, schlossen sich somit 1 522 Einzelbauernbetriebe in Genossenschaften zusammen bzw. den bereits bestehenden an.<2302>

Die gesamte LN des Kreises Haldensleben betrug im Frühjahr 1960 52 660 Hektar.<2303> Seit dem 24. März 1960 bestellten die LPG davon 43 808 Hektar, d. h. 83,3 Prozent.<2304> 4 402 Hektar - 8,3 Prozent der LN - bewirtschafteten die VEG.<2305> Die restlichen 4 450 Hektar - 8,4 Prozent der LN - schlüsselten sich wie folgt auf :<2306>

Wie in der gesamten DDR erhielten Einzelbauern in den letzten Wochen vor Abschluß der LPG-Bildung von leitenden Funktionären des Rates des Kreises Versprechungen, “die von der Linie der Partei und den Verordnungen der Regierung abwichen.“<2307> Sollte deren Vorgehen nicht nur mit dem Büro der SED-KL abgesprochen, sondern von ihm ausdrücklich gebilligt worden sein? Das Büro tadelte - bewußt demagogisch? - am Sommerausklang 1960: “Eine solche ungerechtfertigte Versprechung ist z. B. , daß man in diesem Jahr die Ernte noch individuell abernten kann und erst im Jahre 1961 mit der genossenschaftlichen Arbeit beginnt. Das wird heute von einigen LPG als Vorwand genommen, um auch noch bis Ende 1960, ja bis April 1961, individuell weiter zu arbeiten und dann in die LPG Typ III einzutreten.“<2308>

Nach glaubwürdigen mündlichen Aussagen von Landbewohnern des Kreises Haldensleben produzierten über das Frühjahr 1960 hinaus einige Bauernbetriebe dieses Kreises weiterhin individuell. Das Büro der SED-KL versuchte, mit deren Duldung der Öffentlichkeit die vermeintlich völlige Freiwilligkeit des Genossenschaftsbeitritts zu dokumentieren.

Auf seiner Sitzung am 28. März 1960 wertete es, in einer ersten Analyse der Endphase der LPG-Bildung, vor allem die Arbeitsweise der GO der Partei in den Gemeinden aus.<2309> Dabei wandten sich die Büromitglieder gegen die Interpretation des Vorsitzenden des Rates des Kreises Haldensleben, der behauptete, “daß die Entwicklung in den Gemeinden ungenügend von der Kraft der Parteiorganisationen ausging und daß in überwiegendem Maße die Bewegung von außen hineingetragen wurde.“<2310> Nachdem es die richtigen Maßnahmen eingeleitet hätte, würde eine spürbare Wende in der Arbeit der GO der SED herbeigeführt worden sein, argumentierte das Büro. Den GO der SED auf dem Lande käme durchaus ein eigenständiger Anteil an dem kurzfristigen Abschluß der LPG-Bildung zu. Es sprach sich dafür aus, sie künftig präziser anzuleiten und besser zu unterstützen.

Zum überaus raschen Abschluß der Überführung der erheblichen Zahl von Einzelbauern in LPG erklärte der Kreissekretär, “daß die große Bereitschaft der Bauern zum Eintritt in die Genossenschaften durch die immer klarer werdende Perspektive des Sozialismus vorhanden war“, wenngleich die Einzelbauern teilweise nicht den Zusammenhang zwischen politischen und ökonomischen Fragen erkannt hätten.<2311> Seine Feststellung befand sich nicht in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit. Den LPG-Beitritt von Einzelbauern haben mehrheitlich andere, bereits zuvor aufgeführte Gründe bewirkt, nicht aber das vom Kreissekretär vorgegebene Motiv.

Nur wenige Tage später revidierte das Büro der SED-KL Haldensleben seine Einschätzung der Arbeitsweise der Parteiorganisationen in den Gemeinden des Kreises Haldensleben während der letzten Monate des Prozesses der LPG-Bildung. Obwohl das Büro der KL richtige Maßnahmen beschlossen


430

habe, seien die Parteiorganisationen ihren Aufgaben nicht vollauf gerecht geworden. Es schloß sich damit der zuvor von ihm bezweifelten Meinung des Vorsitzenden des Rates des Kreises an. Die Parteiorganisationen hätten es nicht verstanden, die Vergenossenschaftlichungsbewegung wirkungsvoll zu beleben. “Im überwiegenden Maße wurde sie von außen durch andere Kräfte hineingetragen“, klassifizierte das Büro das Agieren der Parteiorganisationen ab.<2312> Um welche Kräfte es sich dabei handelte, darüber schwieg es sich aus. Zweifelsfrei dürfte das Büro dabei den Kreisoperativstab, die Stäbe in den MTS-Bereichen und die Werbebrigaden gemeint haben.

Das Büro der SED-KL legte fest, nach Abschluß der LPG-Bildung sei es jetzt Aufgabe der GO der SED in den LPG, die Führungs- und Leitungstätigkeit der Gemeinderäte und -vertretungen in der Endphase der Vergenossenschaftlichung einzuschätzen. Weiterhin sollten die GO entsprechend dem Beschlußentwurf des 8. Plenums des ZK der SED Maßnahmen zur ökonomischen und politischen Festigung sowie der Durchsetzung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts vor allem in den neugebildeten LPG einleiten.<2313>

Bei der Bewertung der Tätigkeit der Gemeinderäte und der Mitglieder der Gemeindevertretungen in den letzten Monaten der LPG-Bildung gelangte das Büro zu dem Schluß: “Dieser Personenkreis war nicht der vorwärtstreibende Teil in der Gemeinde, welcher er hätte unbedingt sein müssen.“<2314> Die Vorgehensweise der Volksvertretungen habe die Anforderungen nicht erfüllt, die ihnen das Gesetz über die örtlichen Organe der Staatsmacht vom Januar 1957 auferlegte. Diese Gremien hätten zwar alle wesentlichen, im Zusammenhang mit der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft auftretenden Fragen beraten, doch seien sie nicht in erforderlichem Maße ihren Aufgaben nachgekommen.<2315> Die Ursachen dafür lagen - nach Meinung des Büros - im Nichterkennen ihrer Verantwortung auf ideologischem Gebiet.

In Reaktion auf ihre unzureichenden Aktivitäten in der Schlußphase der LPG-Bildung verlangte das Büro der SED-KL von den Räten der Gemeinden, zu ihrer Leitungstätigkeit in den letzten Monaten kritisch Stellung zu nehmen. Die Gemeindevertreter eines jeden Dorfes sollten in einer öffentlichen Tagung vor den Dorfbewohnern die Entwicklung ihrer Gemeinde während der letzten Monate darstellen und ihre Arbeitsweise in dieser Zeit erläutern. Nicht in jeder Gemeinde sei es zu einer realen Einschätzung des Handelns der Gemeindevertretungen in der unmittelbaren Vergangenheit und der Haltung der Einzelbauern in der Endphase der LPG-Bildung gekommen, stellte das Büro fest.<2316> Erhebliche


431

Schwächen auf ideologischem Gebiet und bei der uneingeschränkten Durchsetzung der Parteilinie im Verlauf des Schlußakkords traten laut dem Büro der SED-KL bei den Bürgermeistern zutage. Nur ein Teil von ihnen habe seine Aufgaben tatsächlich gelöst. Zur Gewährleistung der reibungslosen Durchsetzung der Parteilinie in den Dörfern handelte das Büro der KL rasch:<2317>

Nach Abschluß der LPG-Bildung blieb der Rat des Kreises nicht von neuerlichen Anwürfen durch das Büro der SED-KL verschont. Ende April 1960 tadelte der 1. Sekretär der SED-KL den Rat des Kreises und lobte gleichzeitig den Einsatz des Operativstabes indem er feststellte, “daß die sozialistische Umgestaltung unter Leitung des Operativstabes durchgeführt und der Rat des Kreises als Führungsorgan ausgeschaltet wurde.“<2318> Unmißverständlich hieß das, der Rat des Kreises hätte seiner Führungsrolle nicht entsprochen.

In den ersten Monaten des Jahres 1960 bemühte sich der Kreisoperativstab zwar zuerst um die Gewinnung möglichst vieler Einzelbauern für LPG, doch gleichfalls um eine qualitative Verbesserung der genossenschaftlichen Produktion. Letztere für die Festigung der neuentstandenen LPG so wichtige Aufgabe nahm er nach Abschluß der LPG-Bildung weiterhin wahr. Allabendlich trafen sich Mitarbeiter des Stabes mit Gemeinderäten und Gemeindevertretern, um sich über die jeweiligen Aufgaben in den LPG auszutauschen. Unverzüglich werteten sie die Ergebnisse ihrer Beratungen in den MTS aus und halfen den Stationen, die anstehenden Bestellarbeiten in den MTS-Bereichen vorzubereiten. So wurde es möglich, die sich aus der massenhaften LPG-Bildung und den veränderten Anforderungen der Frühjahrsbestellung ergebenden Maßnahmen effektiver durchzuführen.

Das Büro der SED-KL und der Rat des Kreises regten in Beratungen mit LPG-Vorsitzenden und MTS-Direktoren an, die Flächen der neugegründeten Genossenschaften unverzüglich zusammenzulegen, um die Anwendung und Auslastung der neuen Technik zu gewährleisten. Trotz jahrelanger mahnender Hinweise der SED-KL und des Rates des Kreises nutzten noch immer nicht alle MTS die verbesserten


432

technischen Bedingungen. Die zu geringe Auslastung der zweiten Schicht und fehlerhafte Arbeitsorganisation verzögerten in den MTS

Haldensleben II, Ostingersleben und Schackensleben die Getreideaussaat.<2319> Ungeachtet dessen gelang es per 28. März 1960, die Getreideaussaat in 31 Gemeinden des Kreises Haldensleben

abzuschließen.<2320> Die übrigen sollten bis zum 31. März 1960 folgen.<2321> Die Anbaukennziffern des mehrfach modifizierten Volkswirtschaftsplanes des Kreises konnten einem Bericht zufolge vollauf erfüllt werden.

Auf einer Sitzung des Büros der KL am 8. April 1960 erörterten die Büromitglieder eingehend die Entwicklung der Parteiorganisationen der MTS des Kreises. Ausgiebiger als die der anderen untersuchten sie die Arbeitsweise der Parteiorganisation der MTS Schackensleben und der Parteiorganisationen innerhalb ihres Bereiches.<2322> Da von der Parteiorganisation der MTS Schackensleben eine zu geringe Wirkung ausginge, verlangte das Büro der SED-KL von ihr Initiativen zur Aktivierung der Parteiarbeit in ihrem Bereich.<2323>Überhaupt gäbe es im gesamten Bereich erhebliche Probleme bei der Durchsetzung der Parteibeschlüsse. Bei der Veränderung der Lebensbedingungen auf dem Lande würden die Parteiorganisationen ihre führende Rolle nicht hinreichend wahrnehmen. Weder die GO der MTS Schackensleben noch die Parteiorganisationen der LPG ihres Bereiches hätten es bisher verstanden, das Prinzip der innergenossenschaftlichen Demokratie, das Prinzip der Einzelleitung und das Prinzip der materiellen Interessiertheit innerhalb des Bereiches durchzusetzen. In mehreren LPG dieses Bereiches stagniere die tierische Produktion. Die betreffenden LPG würden noch längst nicht alle Methoden und Formen der Leitungs- und Führungstätigkeit der sozialistischen Großproduktion nutzen. Änderungen seien hier dringend geboten.

Das Büro der SED-KL bemängelte ausbleibende Fortschritte in der Tierproduktion weiterer MTS-Bereiche: “Die Unterschätzung der tierischen Produktion, das Nichterkennen, daß sie das Primäre bei der weiteren Festigung und der Erhöhung des Wohlstandes der LPG und alle Maßnahmen diesem Ziel untergeordnet sind, ist nicht nur im MTS-Bereich Schackensleben, sondern auch in den Bereichen Haldensleben II und Ostingersleben zu verzeichnen.“<2324> Es verwies darauf, mit Recht habe das 8. Plenum des ZK der SED den Bezirk Magdeburg kritisiert.<2325> Gemessen an der Höhe der AE erziele er unbefriedigende Ergebnisse in der landwirtschaftlichen Produktion.<2326> Das Büro verlangte: “Wir müssen


433

daraus die Lehren ziehen und alle Maßnahmen auf der Grundlage der Beschlüsse unserer Partei organisieren, vor allem aber die bewußtseinsmäßige Klarheit schaffen, um die Mißstände zu überwinden, die Rückstände aufzuholen und die höchstmöglichste Produktion zu erreichen, um den Anschluß an das Weltniveau zu finden.“<2327> Mehr Wert sei auf die sozialistische Erziehung und Bewußtseinsbildung zu legen. Beispiele im Kreis, wie in den Gemeinden Bösdorf und Hörsingen, würden zeigen, “daß die Bereitschaft zum Eintritt in die LPG noch nicht ihren bewußtseinsmäßigen Niederschlag gefunden hat.“<2328> Unbeschönigt heißt das: Die Bauern dieser LPG sind nicht aus Überzeugung Genossenschaftsmitglieder geworden, sondern eher aus der Einsicht, langfristig den vehementen Werbeversuchen der Agitatoren nicht standhalten zu können. Dementsprechend fielen vorerst ihre Arbeitsleistungen aus.

In jenen Wochen beschränkte sich das Büro der SED-KL nicht ausschließlich auf Kritik. Es erteilte auch Lob. Einige Gemeindevertretungen und Ortsausschüsse der Nationalen Front - genannt seien die von Ackendorf und Nordgermersleben, MTS-Bereich Schackensleben - leisteten gemäß seiner Einschätzung in den ersten Wochen nach Abschluß des Umwälzungsprozesses auf dem Land eine gute Arbeit. Sie hätten es verstanden, eine enge Verbindung zwischen den örtlichen Organen der Staatsmacht und den LPG herzustellen und die Dorfbewohner an der Lösung wichtiger Fragen der Entwicklung ihres Dorfes zu beteiligen.<2329> In diesen Gemeinden seien Entscheidungen nicht vom Schreibtisch des Bürgermeisters aus gefällt, sondern gemeinsam mit den Ortsausschüssen der Nationalen Front beraten worden. Entspricht dies der Wahrheit, dann ist bei solchen umfassenden Aktivitäten die langsame Entwicklung der Genossenschaften der genannten Dörfer dieses Bereiches schwer nachvollziehbar.

In dem Bericht des Büros der SED-KL über den "Einsatz eines Parteiaufgebotes im Kreis Haldensleben" vom 7. April 1960 mahnte das Büro eine weitere Verbesserung der ideologischen Arbeit auf dem Lande an.<2330> Gestützt auf einen Beschluß des Büros der BL der SED vom 24. März 1960 äußerte das Büro der KL Haldensleben im Zusammenhang mit dem Einsatz eines Parteiaufgebotes in den Dörfern des Kreises, die Bewältigung der neuen Aufgaben in der Landwirtschaft müsse zur Sache aller in der Nationalen Front vereinten Kräfte erklärt und eine breite politische Massenarbeit in den Dörfern entfaltet werden.<2331> Vor allem die Festigung der neugegründeten LPG erforderte aus dem Blickwinkel des Büros eine permanente, intensive politisch-ideologische Unterstützung durch die Partei. Deshalb hielt es das Büro für notwendig, 55 Parteimitglieder aus dem Partei- und Staatsapparat, vorwiegend aber aus volkseigenen Betrieben, für mindestens sechs Monate aufs Land

zu entsenden.<2332> Die Aufgabe der Parteiaktivisten auf ökonomischem Gebiet lautete, den


434

Leitungsgremien der Genossenschaften ihre Erfahrungen in der Organisation von größeren Produktionsabläufen und der praktischen Gestaltung der Gemeinschaftsarbeit zu vermitteln. Sie sollten weiter eine der Linie der Parteiführung entsprechende effektive Partei-, Kultur- und ideologische Massenarbeit nicht nur unter den LPG-Mitgliedern, sondern der gesamten Dorfbevölkerung durchsetzen helfen.

Überall dort, wo neue LPG gebildet worden waren oder eine größere Anzahl von Einzelbauern den Eintritt in bestehende vollzogen hatte, wirkten sogenannte Festigungsbrigaden mit den Parteibeauftragten zusammen. Ihr Auftrag bestand darin, den LPG in allen Belangen der Entwicklung der genossenschaftlichen Produktion mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und jegliche Bestrebungen von Genossenschaftsmitgliedern, aus den Genossenschaften auszutreten, unterbinden.

Wie in der absoluten Mehrheit der Kreise der DDR, traten nach Abschluß der LPG-Bildung auch im Kreis Haldensleben in der Landwirtschaft Probleme unvorhergesehener Tragweite auf. Die Hauptgründe hierfür rührten:

Gemessen an den Planvorgaben, führten sie im Frühjahr 1960 zu hohen Rückständen im Schweinefleisch-, desgleichen im Eieraufkommen.

Auf seiner Bürositzung am 29. April 1960 kritisierte das Büro der SED-KL Haldensleben erneut den Rat des Kreises Haldensleben, dessen gesamtes Ratskollektiv sich nicht seiner gewachsenen Verantwortung bei der Realisierung der neuen Aufgaben auf dem Gebiete der Landwirtschaft bewußt sei.<2333>Die von den Gemeinden dem Rat des Kreises unterbreiteten Einschätzungen des landwirtschaftlichen Sektors seien unreal. Der Rat wiederum bemühe sich nicht, ein Bild von den tatsächlichen Gegebenheiten zu erhalten. Das Büro monierte, daß es gegenwärtig keinen allumfassenden Überblick über die Situation auf dem Gebiet der Landwirtschaft des Kreises gäbe.<2334> Zur Festigung der LPG, in erster Linie der soeben gegründeten, beschloß das Büro der SED-KL: "Der Rat des Kreises muß alle Abteilungen auf die Durchsetzung der Probleme der Landwirtschaft konzentrieren.“<2335> Diese Forderung des Büros der SED-KL Haldensleben sollte noch über Jahre hinaus die zentrale Aufgabe des Rates des Kreises Haldensleben bleiben.

Zahlreiche Genossenschaftsbauern des Kreises Haldensleben fanden noch über längere Zeit nach


435

Abschluß der LPG-Bildung keine Bande zu ihrem neuen Dasein. Die mangelnde Bindung zu ihrer LPG rührte zumeist von den erheblichen Schwierigkeiten wirtschaftlich-organisatorischer Natur in den Genossenschaften her, die eine weitgehende Befriedigung der materiellen Interessen der Genossenschaftsbauern in den nächsten Jahren selten zuließen. Die Meinung eines Genossenschaftsbauern bringt zum Ausdruck, was viele seiner Berufskollegen damals dachten und teils öffentlich äußerten. Sie sei hier wiedergegeben.

Im Protokoll einer Sitzung des Büros der SED-KL vom Sommer 1960 ist festgehalten, das Vorstandsmitglied der LPG Flechtingen habe ein Mitglied der KL mit den Worten begrüßt: “Ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein, das habt ihr dummen Schweine an die Häuser gepinselt und nun habt ihr den Salat ... Die ganze Bildung der LPG kam überstürzt, was der Staat noch teuer bezahlen wird, seht euch doch die Unglückshaufen vom LPG Typ III an, dort müssen ja die Menschen zu Betrügern erzogen werden, sonst können sie von den Erlösen nicht leben. In unserer LPG geht es in diesem Jahr noch, aber im nächsten Jahr, wenn alles genossenschaftlich werden soll, dann kommt der Knall. Wir werden genauso interessenlos, wie die von der anderen Feldpostnummer ... Sie können als bare Münze hinnehmen, was ich ihnen sage, was in unserer LPG getrieben wird, sind Hinhaltemanöver, weil die wenigsten daran glauben, daß es so bleibt. Kein Staat kann sich solche Faxen erlauben und diese schnelle Veränderung aushalten! “<2336>

Mit seiner Kritik sprach dieser Bauer wesentliche Mängel in der Mehrzahl der LPG des Kreises Haldensleben und darüberhinaus der DDR an. So wie er, dachten viele Bauern im Lande.

Die ultimative Forderung seiner letzten Feststellung revidierte wenige Jahre später die gesellschaftliche Realität. Nach erheblichen, teils außerordentlichen Schwierigkeiten in den ersten Jahren nach Abschluß der LPG-Bildung, entwickelte sich ab Mitte der sechziger Jahre der größte Teil der LPG des Kreises Haldensleben zumeist sukzessive, zuweilen sprunghaft und erreichte die Rentabilität. Ihre Wandlung zu leistungsfähigen landwirtschaftlichen Großbetrieben, in denen ein beträchtlicher Teil der Genossenschaftsbauern seine materiellen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse in höherem Maße denn als Einzelbauern gewahrt sah, vollzog sich trotz mancherlei und nie gänzlich überwundener Schwächen unbestreitbar.


Fußnoten:

<1611>

Geschichte der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Abriß, Berlin (O), S. 378.

<1612>

Als Beispiel für die Systemauseinandersetzung auf ökonomischem Gebiet diente die UdSSR, die sich die USA als Maßstab setzte. Die Volksrepublik China orientierte sich an den wirtschaftlichen Kennziffern Großbritanniens.

<1613>

Protokoll der Verhandlungen des V. Parteitages der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands,

10.-16. Juli 1958 in der Werner-Seelenbinder-Halle zu Berlin, Dokumente der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, im folgenden Dokumente der SED, Bd. II, Berlin (O) 1959, S. 1357.

<1614>

Nach der Errichtung der Berliner Mauer im August 1961 ließ die Parteiführung von der Forderung nach Erfüllung der ökonomischen Hauptaufgabe ab.

<1615>

Der Parteitag wies auf die Möglichkeit für Großbauern hin - es sei daran erinnert, daß sie seit Jahren bestand -, Mitglied einer LPG werden zu können. Vgl. Griebenow, H. ; Meyer, K. , Die Einbeziehung der Großbauern in die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft in der DDR, in: Jahrbuch für Geschichte, Bd. 6, Berlin (O) 1972, S. 389.

<1616>

Vgl. Protokoll der Verhandlungen des V. Parteitages der SED, Bd. I, Berlin (O) 1959, S. 130 f.

<1617>

Aus der Entschließung des V. Parteitages der SED, 15. Juli 1958, in: Ulbricht, W. , Die Bauernbefreiung in der Deutschen Demokratischen Republik, Bd. II, Berlin (O) 1962, S. 1484.

<1618>

Mückenberger, E. , Referat zum V. Parteitag der SED, Protokoll, Berlin (O) 1959, S. 371.

<1619>

Der Bauplatz “Altmärkische Wiese“, das erste zentrale Jugendobjekt in der Landwirtschaft der DDR, wrde am 12. 5. 1958 eröffnet. Es ging darum, rund 40 000 ha fruchtbaren Ackerbodens in den Kreisen Osterburg und Seehausen zu entwässern. Vgl. Emmer, M. , Die führende Rolle der Bezirksparteiorganisation Magdeburg der SED im Prozeß der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft im Bezirk Magdeburg (1952 bis 1960), Magdeburg 1986, S. 103.

<1620>

Emmer, M. , a. a. O. , S. 102.

<1621>

Vgl. LAMD-LHA, 9072/2, Bl. 9.

<1622>

Vgl. ebenda, Bl. 13.

<1623>

Vgl. Emmer, M. , a. a. O. , S. 98; Elvert, G. , Die Aufgaben der volkseigenen Güter bei der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft, in: Einheit, Heft 5, Berlin (O) 1956, S. 17.

<1624>

Vgl. Entwurf Perspektivplan zur sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft bis 1960, Kreis Haldensleben, Haldensleben 1958, S. 13.

<1625>

Vgl. Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik, a. a. O. , S. 212.

<1626>

Vgl. Prokop, S. , Übergang zum Sozialismus in der DDR, Berlin (O) 1986, S. 186.

<1627>

Vgl. LAMD-LHA, IV/1, Bl. 9a. Davon 1 367 in LPG, 480 in MTS und 124 in VEG. Vgl. LAMD-LHA, IV/1, Bl. 9a.

<1628>

Vgl. Dokumente der SED, Bd. VII, Berlin (O) 1961, S. 453 ff.

<1629>

Als Richtlinie für die Perspektivplandiskussion dienten die vom V. Parteitag der SED beschlossenen Hauptkennziffern des Siebenjahrplans, die Anfang Februar 1959 auf der VI. LPG-Konferenz eine Konkretisierung erfuhren.

<1630>

Vgl. LAMD-LHA 9072/1, Bl. 65.

<1631>

Zur Entwicklung des Maschinenparks der MTS zwischen 1958 und 1960 siehe Statistisches Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik 1960/61, im folgenden Statistisches Jahrbuch der DDR; Berlin (O) 1961, S. 436 f.

<1632>

Vgl. Emmer, M. , a. a. O. , S. 110.

<1633>

Vgl. ebenda, S. 106.

<1634>

Besonders die Großbauern sahen sich ab dem Sommer 1958 neuerlich verstärktem ökonomischem Druck ausgesetzt. Die Veränderung der Aufkaufs- und Erfassungspreise sowie die Erhöhung der Landarbeiterlöhne belasteten hauptsächlich Betriebe mit über 20 ha. Vgl. Piskol, J. , Zur sozialökonomischen Entwicklung der Großbauern in der DDR 1945 bis 1960, in: Zeitschrift für Gschichtswissen schaft, 1991, S. 433.

<1635>

Landesarchiv Magdeburg-Landeshauptarchiv, im folgenden LAMD-LHA; IV/2/2, BL. 12 a.

<1636>

Unter diesen erschwerten Bedingungen zogen es Kinder von Einzelbauern öfter als bisher vor, sich n der Stadt Arbeitsmöglichkeiten zu suchen. Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder überflügeln", Die DDR-Bauern in der SED-Politik des ökonomischen Wettbewerbs mit der Bundesrepublik von 1956 bis 1961, hefte zur ddr-geschichte, 16, Berlin 1994, S. 37.

<1637>

Piskol, J. , a. a. O. , S. 433.

<1638>

Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 31.

<1639>

Die im Frühsommer 1958 vorgenommene Veränderung der Erfassungs- und Aufkaufpreise ging mit einer erheblichen ökonomischen Belastung wirtschaftlich gefestigter bäuerlicher Betriebe einher.

<1640>

Ebenda, S. 32.

<1641>

Vgl. Matern, H. , Bericht des Politbüros an das Zentralkomitee, in: Neues Deutschland (B), 20. 9. 1958, Sonderbeilage.

<1642>

Vgl. Klemm, V. , Von den bürgerlichen Agrarreformen zur sozialistischen Landwirtschaft in der DDR, Berlin (O) 1985, S. 226.

<1643>

Vgl. ebenda.

<1644>

Vgl. ebenda.

<1645>

Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 26.

<1646>

Die Tabelle ist auf Seite 327 einzusehen.

<1647>

Vgl. ebenda, S. 27.

<1648>

Vgl. ebenda, S. 28, Anm. 72.

<1649>

Vgl. ebenda, S. 27.

<1650>

So verzichtete der Staat im Jahre 1958 vorab auf die Rückzahlung von 850 000 000 DM. gl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 29. Auch einen Teil der Kredite erhielten die LPG in den flgenden Jahren erlassen.

<1651>

Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 27.

<1652>

Vgl. ebenda.

<1653>

Vgl. Volksstimme, Magdeburg, 9. 7. 1958. Die Ministerratsbeschlüsse sahen vor, die AE in allen LPG auf 7 DM zu erhöhen. Vgl. Volksstimme, Magdeburg, 9. 7. 1958.

<1654>

Vgl. LAMD-LHA, 9072/1, Bl. 67.

<1655>

Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 30.

<1656>

Kuntsche, S. , Die Umgestaltung der Eigentumsverhältnisse und der Produktionsstruktur in der Landwirtschaft, in: Ansichten zur Geschichte der DDR, Bd. I, hrsg. von D. Keller, H. Modrow und H. Wolf, Bonn/Berlin 1993, S. 203.

<1657>

Unbeschadet anderslautender, propagandistisch gefärbter Aussagen behielten sich die SED-KL nicht nur in der Anfangsphase der LPG-Bildung das Entscheidungsrecht in allen für die Genossenschaften bedeutsamen Fragen vor. “Die Mitglieder durften weder über das Statut, noch über Produktionsstruktur und Produktionshöhe, noch über das Baugeschehen oder über die Betriebsorganisation und die Leitung ihrer eigenen LPG selbständig entscheiden.“ Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 30 f.

<1658>

Vgl. Statistisches Jahrbuch der DDR 1960/61, a. a. O. , S. 422.

<1659>

Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 226. Die Gruppe der LPG-Mitglieder mit einer Fläche von unter 20 ha LN machte den Großteil der LPG-Mitglieder aus, nämlich 47,7 %. Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 226.

<1660>

Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 226.

<1661>

Vgl. Statistisches Jahrbuch der DDR 1958, Berlin (O) 1959, S. 430.

<1662>

Vgl. LAMD-LHA, IV/1, Bl. 9a. In sieben Kreisen dieses Bezirkes gelang es, in jeder Gemeinde eine LPG zu bilden. Vgl. Unter Führung der Partei für das Wohl des Volkes, Geschichte der Bezirksparteiorganisation Magdeburg der SED 1952 bis 1981, Magdeburg 1989, S. 161.

<1663>

Vgl. Statistisches Taschenbuch 1958 für den Kreis Haldensleben, Hrsg.: Staatliche Zentralverwaltung für Statistik, Kreisstelle Haldensleben, o. J. , S. 72. Im folgenden firmieren die Statistischen Taschenbücher der Jahre 1956 bis 1960 dieses Kreises als Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben mit entsprechender Jahresangabe. Der Herausgeber ist stets derselbe.

<1664>

Die LPG wiesen diese soziale Zusammensetzung auf: Landarbeiter und sonstige Berufe 2 335, Neubauern und deren Familienangehörigen 942, Altbauern bis 20 ha 316, Altbauern über 20 ha 69, Industriearbeiter 256. Die Anzahl der Jugendlichen weist die Statistik mit 135 aus. Die unter dieser Fußnote aufgeführten Daten stammen ausnahmslos aus: Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1958, o. J. , S. 72.

<1665>

Von den 1 325 in LPG zusammengeschlossenen Betrieben bewirtschafteten zuvor 160 eine LN von 0,5 bis 5 ha, 916 eine LN von 5 bis 20 ha und 249 eine von 20 bzw. über 20 ha LN. Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1958, o. J. , S. 72.

<1666>

Vgl. Prokop, S. , a. a. O. , S. 190.

<1667>

Vgl. Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Chronik, Teil III, 1945 bis 1963, Berlin (O) 1967, S. 634.

<1668>

Vgl. ebenda.

<1669>

Als wesentliche Voraussetzung für die leihweise Übergabe der MTS-Ausrüstung an LPG galt, daß die LPG rentabel wirtschafteten und mindestens 80 % der LN eines Dorfes bearbeiteten.

<1670>

Krebs, Chr. , Der Weg zur industriemäßigen Organisation der Agrarproduktion in der DDR, Die Agrarpolitik der SED 1945 bis 1960, Bonn 1989, S. 360.

<1671>

Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 27.

<1672>

Beschluß der Ministerrates der DDR zur weiteren Entwicklung und Festigung der LPG in Auswertung der VI. LPG-Konferenz vom 9. 4. 1959, in: Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik, im folgenden GBl. ; I 1959, Nr. 26, S. 361 f.

<1673>

Vgl. Schulz, D. , “Kapitalistische Länder ...“, a. a. O. , S. 27.

<1674>

Zuerst errichteten vor allem wirtschaftsschwache LPG Offenställe, doch gerade dort bestanden erhebliche ökonomische und personelle Probleme.

<1675>

Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 42.

<1676>

Einzelbauern erhielten Prämien, wenn sie beim Eintritt in LPG des Typs III Kühe oder tragende Färsen einbrachten. Die gleiche Regelung galt für LPG-Mitglieder des Typs I, die sich bereitfanden, in LPG des Typs III überzugehen. Vgl. GBl. I 1958, Nr. 38, S. 462 f; GBl. I 1959, Nr. 6, S. 78. Diese Festlegungen trafen in der Endphase der LPG-Bildung gleichfalls auf Großbauern zu, die einer LPG vom Typ I oder II beitraten und nicht umhin kamen, ihre Viehbestände abzustocken.

<1677>

Vgl. Ulbricht W. , Referat auf der 8. Tagung des ZK der SED vom 30. 3. 1960, Der Kampf der sozialistischen Staaten für einen Überfluß an landwirtschaftlichen Produkten und die Erhöhung der Marktproduktion der LPG in der DDR, Berlin (O) 1966, S. 476. Bis Ende März 1960 übernahmen mehr als 1 000 LPG die Ausrüstung der MTS und 25 % ihres Traktorenbestandes. Vgl. Neues Deutschland, 1. 4. 1960.

<1678>

Vgl. Ulbricht, W. , Der Siebenjahrplan der sozialistischen Entwicklung in der Landwirtschaft, Referat vor der VI. LPG-Konferenz, 20. 2. 1959, in: Die Bauernbefreiung ... , a. a. O. , Bd. II, S. 819.

<1679>

Prokop, S. , Übergang ... , a. a. O. , S. 192 und vgl. Anm. 83, ebenda.

<1680>

Vgl. GBl. I 1959, Nr. 36, S. 577-580.

<1681>

Vgl. Früchte des Bündnisses, Werden und Wachsen der sozialistischen Landwirtschaft der DDR, Berlin (O) 1985, S. 136.

<1682>

Vgl. Statistisches Jahrbuch der DDR 1960/61, a. a. O. , S. 429.

<1683>

Errechnet nach ebenda.

<1684>

Vgl. Unter Führung ... , a. a. O. , S. 189.

<1685>

Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik, a. a. O. , S. 207.

<1686>

U. a. sah der veränderte Parteiaufbau der SED vor, in allen sich über mehrere Ortsteile oder Gemeinden erstreckenden LPG, eine GO der SED zu bilden. In Gemeinden mit mehrheitlicher Agrar-struktur und nur einer LPG, die über 80 % des Bodens bearbeitete und wo die überwiegende Zahl der Parteimitglieder in der GO der LPG zusammengeschlossen war, wurden die GO der Gemeindeverwaltungen, in die GO der SED der LPG als eigene Parteigruppe eingebunden. Was die Veränderungen in den Landgemeinden betraf, so wurden Dörfer mit LPG, die bereits über 80 % der LN bewirtschafteten und deren Territorium sich über mehrere Gemeinden erstreckte, zu einer größeren Gemeinde zusammengeschlossen. Vgl. Prokop, S. , Übergang zum Sozialismus ... , a. a. O. , S. 194 f.

<1687>

Vgl. Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Chronik, Teil III, ... , Berlin (O) 1967, S. 670.

<1688>

Die Viehbestände sollten wesentlich vergrößert, die Mastzeiten bei Senken des Futteraufwandes verkürzt, die Milchproduktion erhöht und die Geflügel- sowie Eierproduktion erheblich gesteigert werden.

<1689>

Vgl. Prokop, S. , a. a. O. , S. 193.

<1690>

Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 35.

<1691>

Vgl. Ulbricht, W. , Erhöht die Marktproduktion in der Landwirtschaft, Schlußwort der 7. ZK-Tagung, in: Die Bauernbefreiung ... , Bd. II, Berlin (O) 1962, S. 904 ff.

<1692>

Vgl. Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Chronik, Teil III, ... , a. a. O. , S. 671.

<1693>

Vgl. Statistisches Jahrbuch der DDR 1960/61, a. a. O. , S. 421.

<1694>

Errechnet nach ebenda, S. 422.

<1695>

Vgl. Früchte ... , a. a. O. , S. 140.

<1696>

Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 35.

<1697>

Vgl. Prokop, S. , a. a. O. , S. 193.

<1698>

Die Mitgliedschaft in LPG des Bezirkes Magdeburg suchten im Jahre 1959 vorwiegend Traktoristen und Landarbeiter, weniger aber Bauern.

<1699>

Vgl. Statistisches Jahrbuch der DDR 1959, Berlin (O) 1960, S. 418.

<1700>

Vgl. ebenda, S. 432.

<1701>

Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1959, o. J. , S. 84. Die gleichbleibende Zahl der LPG resultierte u. a. daraus, daß zwei oder mehrere LPG einer Gemeinde sich zu einer Genossenschaft zusammenschlossen oder aber werktätige Einzelbauern neue LPG bildeten. In der Satistik aber wurde diese Entwicklung nicht gesondert ausgewiesen.

<1702>

Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1959, o. J. , S. 84.

<1703>

Vgl. ebenda, S. 78.

<1704>

Vgl. ebenda, S. 84.

<1705>

Vgl. ebenda.

<1706>

Vgl. ebenda.

<1707>

Vgl. ebenda.

<1708>

Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1956, o. J. , S. 65.

<1709>

Dabei darf aber nicht verhehlt werden, daß sich die Unterstützung des Staates für die LPG, auf die Summe von 41 310 000 DM belief. Sie setzte sich aus “38,6 Millionen DM Wirtschaftsbeihilfe und dem Teil der Produktionsbeihilfe, welcher zur Deckung der Produktionsausgaben herangezogen wurde“, zusammen. LAMD-LHA, 9072/1, Bl. 68. Auf die gesamte DDR bezogen, erscheint dem Autor die o. g. Summe als zu gering.

<1710>

Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 228.

<1711>

Vgl. ebenda. Die Angaben sind mit den bekannten Vorbehalten zur Kenntnis zu nehmen.

<1712>

Kuntsche, S. , Die Umgestaltung ... , a. a. O. , S. 203 f.

<1713>

Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 36.

<1714>

Vgl. Kuntsche, S. , Die Umgestaltung ... , a. a. O. , S. 203.

<1715>

Vgl. Schulz, D. "Kapitalistische Länder ... , a. a. O. , 33.

<1716>

Vgl. ebenda, S. 32.

<1717>

Vgl. ebenda.

<1718>

Vgl. ebenda. Bei Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , finden sich auf den Seiten 32 und 33 tabellarisch aufgeführte, quellengestützte Angaben über den tatsächlich erwirtschafteten bzw. ausgezahlten Wert der AE und über die je Mitglied durchschnittlich erbrachten AE. Sie ermöglichen eine Berechnung der Höhe der Stützung des Wertes der AE.

<1719>

Die LPG vom Typ III des Bezirkes Halle erwirtschafteten je AE selbständig 8 DM, während die Genossenschaftsbauern in den Bezirken Gera, Leipzig und Rostock 7 DM je AE erzielten. Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ... ", a. a. O. , S. 33.

<1720>

Vgl. Emmer, M. , a. a. O. , S. 121.

<1721>

Vgl. Unter Führung ... , a. a. O. , S. 191. 63 LPG-Vorsitzende des Bezirkes Magdeburg wiesen einen Diplom-, 88 einen Facharbeiter- und 101einen Meisterabschluß nach. 268 Genossenschaftsbauern qualifizierten sich im Fachschulabendstudium zum staatlich geprüften Landwirt. Vgl. Unter Führung ... , a. a. O. , S. 191.

<1722>

Vgl. Unter Führung ... , a. a. O. , S. 193.

<1723>

Vgl. Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Chronik, Teil III, ... , a. a. O. , S. 676.

<1724>

Brief des Zentralkomitees an alle Grundorganisationen in den landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, Volkseigenen Gütern, Maschinen-Traktoren-Stationen (MTS) und in den Dörfern vom 15. Januar 1960, in: Dokumente der SED, Bd. VIII, Berlin (O) 1962, S. 11 f.

<1725>

Vgl. Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Chronik, Teil III, ... , a. a. O. , S. 677.

<1726>

Vgl. ebenda.

<1727>

Vgl. Neues Deutschland (B), 23. 1. 1960.

<1728>

Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ... ", a. a. O. , S. 33. Schulz erbringt aber nicht den Beweis in Form eines Beschlusses der Parteiführung, aus dem eindeutig hervorgeht, daß die LPG-Bildung beschleunigt abzuschließen sei.

<1729>

Die noch immer teils beträchtlichen Defizite zur Flächenproduktion der Bundesrepublik im Jahre 1958 reduzierten sich im Jahre 1959 kaum. Laut Ulbricht betrug die Differenz bei Schlachtvieh 24,3 Prozent, bei Milch 34,3 %, bei Getreide 8,5 %, bei Kartoffeln 26,7 % und bei Zuckerrüben 44,7 %. Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ... ", a. a. O. , S. 33 f; Ulbricht, W. , Erhöht die Marktproduktion in der Landwirtschaft, in: ders. , Die Bauernbefreiung ... , Bd. II, a. a. O. , S. 897 ff; Statistisches Jahrbuch der DDR 1960/61, a. a. O. , S. 446-450.

<1730>

Vgl. ebenda, S. 34. Die Parteiführung hoffte darüber hinaus, durch die Steigerung der Produktion Subventionen einzusparen und Arbeitskräfte für andere Bereiche der Volkswirtschaft gewinnen zu können. Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ... ", a. a. O. , S. 34.

<1731>

Vgl. Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Chronik, Teil III, ... , a. a. O. , S. 679.

<1732>

Die Bauernbefreiung ... , a. a. O. , Bd. II, S. 961.

<1733>

Hieran zeigt sich wiederum, wie variabel die Parteiführung Strategie und Taktik zu handhaben ver-stand.

<1734>

Erinnert sei an ihre Vertuschungsmanöver in den Jahren 1948/49 als sie erste Elemente für den Auf-bau des Sozialismus beförderte, in der Öffentlichkeit aber von der weiteren Festigung der antifaschi-stisch-demokratischen Ordnung sprach. Oder aber ihre mehrfach vorgetragene Beteuerung, nicht die Absicht einer neuerlichen tiefgreifenden Umwälzung der Agrarstruktur zu hegen. Das Instrument der Täuschung, das verstand auch das Büro der SED-BL Magdeburg virtuos zu handhaben. Dessen 1. Sekretär Alois Pisnik erklärte in der Endphase der LPG-Bildung: "Wir müssen eine bestimmte Orientierung haben, hängen das aber nicht an die große Glocke, in wieviel Tagen sie drin sein sollen (die Einzelbauern in LPG, d. Autor)." LAMD-LHA, IV/2/3/131, Bl. 29.

<1735>

Zu diesem Zeitpunkt erstreckte sich die LN des sozialistischen Sektors der Landwirtschaft der DDR erst über 53,3 % der gesamten LN. Vgl. Prokop, S. , a. a. O. , S. 197.

<1736>

Prokop, S. , a. a. O. , S. 197.

<1737>

Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ... ", S. 35.

<1738>

Besonders engagierten sich eine Reihe von Mitgliedern der DBD.

<1739>

Oftmals halfen auch unmittelbar zuvor für LPG gewonnene ehemals erfolgreiche Einzelbauern, LPG-Mitglieder zu gewinnen.

<1740>

Vgl. Kaiser, M. , Die Zusammenarbeit der SED mit der DBD, CDU, LDPD und NDPD bei der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft in der DDR 1958 - 1960, in: BzG, 1984, Heft 5, S. 638 f.

<1741>

Vgl. Unter Führung ... , a. a. O. , S. 194.

<1742>

Von 1957 bis zum 7. 1. 1960 verdoppelte sich die Zahl der Mitglieder der DBD, die Genossenschaftsbauern wurden. Im Kreis Schönebeck betrug sie gar 90 %. Vgl. Volksstimme, Magdeburg, 8. 1. 1960.

<1743>

Ulbricht, W. , Es kommt auf die richtige Leitungstätigkeit an, in: ders. , Die Bauernbefreiung ... , Bd. II, a. a. O. , S. 961.

<1744>

Vgl. Prokop, S. , a. a. O. , S. 201.

<1745>

Vgl. Unter Führung ... , a. a. O. , S. 195.

<1746>

Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 229.

<1747>

Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 36.

<1748>

Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 229.

<1749>

Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 36.

<1750>

Vgl. Nehrig, Chr. , Zur sozialen Entwicklung der Bauern in der DDR 1945 bis 1960, in: Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie, 41 (1993), Heft 1, S. 73. Bei Klemm wird von 280 620 Einzelbauernbetrieben gesprochen, die in der Endphase der LPG-Bildung Genossenschaften gründeten oder bestehenden beitraten. Vgl. Klemm, V. , a. a. O. , S. 230. Diese Angaben kollidieren mit o. g. , da Ende 1959, Anfang 1960, schon mehr als 50 % der ehemaligen Einzelbauern LPG angehörten.

<1751>

Vgl. Kuntsche, S. , Die Umgestaltung ... , a. a. O. , S. 204.

<1752>

Vgl. ebenda.

<1753>

Vgl. ebenda.

<1754>

Vgl. Statistisches Jahrbuch der DDR 1962, Berlin (O) 1963, S. 405.

<1755>

Vgl. ebenda.

<1756>

Errechnet nach ebenda.

<1757>

Vgl. ebenda.

<1758>

Errechnet nach ebenda.

<1759>

Errechnet nach ebenda.

<1760>

Krebs, Chr. , Der Weg ... , a. a. O. , S. 233.

<1761>

Vgl. Kuntsche, S. , Die Umgestaltung ... , a. a. O. , S. 202.

<1762>

Berechnungen nach Meyer, K., Die Entwicklung der Großbauernschaft im Prozeß der sozialistischen Revolution der DDR bis zu ihrem Übergang in die Klasse der Genossenschaftsbauern (1949/50 bis 1961), nachgewiesen am Beispiel des mittelsächsischen Raumes, Leipzig 1971, S. 235, ergaben aber, daß ab 1954 die Mehrheit der Bauern mit einer LN von über 20 ha, ca. 78%, LPG beitrat.

<1763>

Kuntsche, S. , Die Umgestaltung ... , a. a. O. , S. 202.

<1764>

Piskol, J. , Zur sozial-ökonomischen Entwicklung der Großbauern in der DDR 1945 bis 1960, a. a. O. , S. 433.

<1765>

Vgl. Die Zwangskollektivierung des selbständigen Bauernstandes in Mitteldeutschland, Weißbuch des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen, Bonn/Berlin (West) 1960, S. 19.

<1766>

Vgl. Horz, G. , Die Kollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands unter besonderer Berücksichtigung des sowjetischen Vorbildes, Ziele-Methoden-Wirkungen, Berlin (W) 1960, S. 174.

<1767>

Vgl. Kuntsche, S. , Die Umgestaltung ... , a. a. O. , S. 201.

<1768>

Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 41

<1769>

Vgl. Prokop, S. , a. a. O. , S. 205.

<1770>

Vgl. Volksstimme, Magdeburg, 30. 3. 1960.

<1771>

Vgl. ebenda.

<1772>

Vgl. LAMD-LHA, IV/2/7, Bl. 4.

<1773>

Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1960, o. J. , S. 67.

<1774>

Per 30. 9. 1960 wies der Kreis 71 LPG vom Typ I und 54 vom Typ III auf. Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben, o. J. , S. 68.

<1775>

Vgl. ebenda, S. 67.

<1776>

Vgl. ebenda.

<1777>

Vgl. ebenda, S. 69.

<1778>

Verschiedentlich bekamen die Bauern die Zusicherung, eine größere Wirtschaft behalten oder die Ernte noch als Einzelbauern einbringen zu können. Ferner erhielten sie die Option, bevorzugt mit Fernsehgeräten, Motorrädern und PKW versorgt zu werden. Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 38.

<1779>

Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 38.

<1780>

Hierauf wird eingehend im Abschnitt 4. 4. eingegangen.

<1781>

Vgl. Schulz, D. ,"Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 38 f.

<1782>

Vgl. ebenda, S. 39; Kuntsche, S. , Die Umgestaltung ... , a. a. O. , S. 204 und Horz, G. , a. a. O. S. 173.

<1783>

Kuntsche, S. , Die Umgestaltung ... , a. a. O. , S. 205.

<1784>

Vgl. Neues Deutschland, 18. 3. 1960.

<1785>

Kuntsche, S. , Die Umgestaltung ... , a. a. O. , S. 204.

<1786>

Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 36.

<1787>

Schwarz, J. C. , Reportage einer Reportage, in: Es war im Frühling 60, Halle 1960, S. 220 ff.

<1788>

Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ...", a. a. O. , S. 39.

<1789>

Vgl. Prokop, S. , a. a. O. , S. 203.

<1790>

Vgl. Chronik der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Teil III, ... , a. a. O. , S. 689.

<1791>

Ulbricht, W. , Der Kampf der sozialistischen Staaten für einen Überfluß an landwirtschaftlichen Produkten und die Erhöhung der Marktproduktion der LPG in der DDR, in: Die Bauernbefreiung ... , Bd. II, Berlin (O) 1962, S. 1012 f. Weiter wies er auf die Notwendigkeit hin, die Bodenfruchtbarkeit zu steigern, lenkte die Aufmerksamkeit darauf, Ertragsreserven besser zu nutzen, die Bodenbearbei tung und die Düngung des Bodens zu verbessern, umfangreiche Meliorationsmaßnahmen durchzuführen, wissenschaftliche Fruchtfolgen durchzusetzen, die ertragreichsten Kulturpflanzen anzubauen und die genossenschaftliche Viehwirtschaft rasch zu entwickeln.

<1792>

“Der Melkausbau wurde dermaßen vernachlässigt, daß nur etwa 22,5 Prozent der geplanten Offenställe für Milchvieh mit Fischgrätenmelkständen ausgerüstet werden konnten.“ Ulbricht, W. , Rede zur 8. Plenartagung des ZK der SED vom 30. 3. 1960, ders. in: Die Bauernbefreiung ... , Bd. II,a. a. O. , S. 1098.

<1793>

Hieran zeigt sich, daß die Landwirtschaftsfunktionäre der SED begrenzt lernfähig waren, wenn negative Erfahrungen in der praktischen Umsetzung ihrer Politik deren ideologische Prämissen korrigierten.

<1794>

Krebs, Chr. , Der Weg ... , a. a. O. , S. 381.

<1795>

Der Hauptpunkt lautete: “Der Kampf der sozialistischen Staaten für eine Überfluß an landwirtschaftlichen Produkten und die Erhöhung der Marktproduktion der LPG in der Deutschen DemokratischenRepublik.“ Dokumente der SED, Bd. VIII, Berlin (O) 1962, S. 101.

<1796>

Vgl. Dokumente zur Geschichte der Freien Deutschen Jugend, Vierter Band, Berlin (O) 1963, S. 504 ff.

<1797>

Vgl. Unter Führung ... , a. a. O. , S. 197.

<1798>

Kuntsche, S. , Die Umgestaltung der Eigentumsverhältnisse ... , a. a. O. , S. 205.

<1799>

Ebenda.

<1800>

Vgl. Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ... ", a. a. O. , S. 40.

<1801>

Vgl. ebenda.

<1802>

Vgl. ebenda.

<1803>

Vgl. ebenda. Die aus Schulz, D. , "Kapitalistische Länder ... ", a. a. O. , S. 32 entlehnte Tabelle gestattet einen Blick auf die Entwicklung der AE in LPG des Typs III, die Höhe der zur Auszahlung gelangenden sowie die pro Mitglied und die insgesamt erbrachten AE. Die Tabelle befindet sich im auf der folgenden Seite.

<1804>

Vgl. GBl. I 1960, Nr. 26, S. 255.

<1805>

Vgl. ebenda, S. 255 f, 3. Absatz.

<1806>

Das mehrmalige Auferlegen von höherer Verantwortung erwies sich in der Praxis häufig als Farce. Eine Reihe von Mitarbeitern arbeitete weiter wie gewohnt - und somit längst nicht stets gut.

<1807>

Jahr

<1808>

je AE real erarbeitet

(in DM)

<1809>

je AE ausgezahlt

(in DM)

<1810>

AE je Mitglied

<1811>

AE insgesamt

<1812>

1956

<1813>

1,70

<1814>

6,93

<1815>

329

<1816>

72 248 000

<1817>

1957

<1818>

3,16

<1819>

7,22

<1820>

355

<1821>

81 304 000

<1822>

1958

<1823>

4,38

<1824>

7,46

<1825>

344

<1826>

121 411 000

<1827>

1959

<1828>

5,68

<1829>

7,85

<1830>

350

<1831>

152 378 000

<1832>

1960

<1833>

5,79

<1834>

8,23

<1835>

379

<1836>

341 665 000

<1837>

Partei- und Staatsführung sprachen aus politisch-ideologischen Gründen von der vollständigen sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft. Tatsächlich handelte es sich um einen Prozeß, der mit dem Abschluß der LPG-Bildung nicht endete, sondern noch geraume Zeit währte.

<1838>

Derartige Empfindungen brachten im Zusammenhang mit soziologischen Befragungen Bauern im ehemaligen Mittelbauerndorf Zossen im Jahre 1992 zu Protokoll. Vgl. "Im Schatten der Mühle, eine Studie zum soziokulturellen Wandel im Dorf Saalow", Potsdam 1993, S. 10.

<1839>

Ulbricht, W. , Die westdeutschen Bauern müssen für den Frieden kämpfen, in: Die Bauernbefrei- ung ... , Bd. II, a. a. O. , S. 1229 f.

<1840>

Zusammengestellt nach Statistisches Jahrbuch der DDR 1962, a. a. O. , S. 405.

<1841>

Haus- und Kleingärten der Betriebe bis ein ha LN sind in der LN insgesamt als Bezugsgröße nicht enthalten.

<1842>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 89.

<1843>

Ebenda, Bl. 194.

<1844>

Vgl. ebenda, Bl. 477. Es wiederholte gleichzeitig seine Ermahnung, besonderes Augenmerk auf die Festigung neugebildeter LPG zu legen.

<1845>

LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 477.

<1846>

Vgl. ebenda. Unter dem Begriff “sozialistische Wirtschaftsprinzipien“ sind die Durchsetzung des Sparsamkeitsprinzips, die Steigerung der Arbeitsproduktivität, die Aufdeckung der Reserven aller LPG und die Festlegung der Produktionsziele zu verstehen.

<1847>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 478.

<1848>

Vgl. ebenda.

<1849>

Ebenda.

<1850>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/71, Bl. 94 und Bl. 101.

<1851>

Vgl. ebenda, Bl. 101.

<1852>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 255. Die Genossenschaftsbauern würden dem Gedeihen der eigenen Tiere weitaus mehr Aufmerksamkeit als den genossenschaftlich gehaltenen widmen, bemängelte das Büro der KL.

<1853>

LAMD-LHA, IV/4/5/71, Bl. 364.

<1854>

LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 258. Präziser müßte es am Satzende nicht "sozialistischen Sektors",sondern "genossenschaftlichen Sektors" heißen.

<1855>

Vgl. ebenda, Bl. 268. Gerade in derartigen LPG hätten sich die Bauern nach den Konferenzen mehr als bisher bemüht, äußerte sich die SED-KL, die Rentabilität zu erreichen.

Mit der Formulierung "noch wirtschaftsschwache LPG" sollten die in diesen LPG vorhandenen Schwierigkeiten verniedlicht und der Anschein erweckt werden, daß es sich um einen kurzzeitigen, bald behobenen Zustand handele.

<1856>

Überhaupt erwies sich diese Losung als eine Farce. Alle die LPG betreffenden Fragen entschied zunächst die Parteiführung. Die Durchführung organisierten und überwachten die Staatsorgane.

<1857>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 259.

<1858>

LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 127.

<1859>

LAMD-LHA, IV/4/5/71, Bl. 364.

<1860>

Vgl. Perspektivplan zur sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft bis 1960, Entwurf, Kreis Haldensleben, Haldensleben 1958.

<1861>

Vgl. Perspektivplan für die weitere sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft und die Steige rung der landwirtschaftlichen Produktion im Bezirk Magdeburg, Magdeburg 1958. Der Perspek-tivplan wurde durch den Bezirkstag Magdeburg am 11. 4. 1958 beschlossen.

<1862>

Hinzu kommt, daß eine Überprüfbarkeit nur in Ausnahmefällen möglich ist.

<1863>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 486.

<1864>

Vgl. ebenda, Bl. 491.

<1865>

Die Daten sind einem Bericht über die Ergebnisse der ökonomischen Konferenzen in den landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, Maßnahmen zur Herstellung der Rentabilität aller LPG im Jahre 1959 in Verbindung mit der Auswertung der Thesen zur VI. LPG-Konferenz entlehnt.

<1866>

Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1957, o. J. , S. 68; Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1958, o. J. , S. 59.

<1867>

Was den behandelten Zeitraum angeht, so kranken sie an einem häufigen Wechsel des Bezugssystems. Ein Vergleich der Entwicklung der Produktion der LPG und der einzelbäuerlichen Betriebe ist dadurch nur sehr bedingt möglich. Auch sei nicht ausgeschlossen, daß es sich bei den Angaben zu den LPG und VEG, um teils "geschönte" handelt.

<1868>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 486.

<1869>

Vgl. ebenda.

<1870>

Folgt man der vorangegangenen Tabelle, so reduzierte sich der genossenschaftliche Rinderbestand zwischen dem 3. 12. 1957 und dem 3. 6. 1958 geringfügig.

<1871>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 272. Diese Ergebnisse befinden sich in Einklang mit den für den bezeichneten Zeitraum in den Statistischen Taschenbüchern für den Kreis Haldensleben ausgewie-senen Angaben. Sie bestätigen unmittelbar zuvor geäußerte Zweifel. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 491.

<1872>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 273.

<1873>

Vgl. ebenda. Hier und in weiteren Fällen wird auf Daten aus Archivalien zurückgegriffen, weil den Statistischen Taschenbüchern für den Kreis Haldensleben keine vergleichbaren Angaben zu ent-nehmen sind.

<1874>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 272.

<1875>

Vgl. ebenda, Bl. 240.

<1876>

Der Anteil der Landwirtschaft zur Lösung der ökonomischen Hauptaufgabe bestand vornehmlich darin bis Ende 1963 die Bevölkerung der DDR bei wachsendem Verbrauch mit Produkten aus der eigenen Landwirtschaft voll zu versorgen und die westdeutsche Landwirtschaft in den Hektarer trägen und in der Produktion aus der Viehwirtschaft je ha LN zu übertreffen.

<1877>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/74, Bl. 178. Ähnlich ungünstig sähe es bei der Entwicklung der Schweinebestände aus.

<1878>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 280.

<1879>

Vgl. ebenda. Dieses für den einzelbäuerlichen Sektor günstige Ergebnis setzte sich aus solchen Faktoren wie der längeren Lebensdauer der Kühe, einer geringeren Sterblichkeitsrate und einem höheren Abkalbergebnis zusammen. Erstere Faktoren lassen auf größere Fachkompetenz und mehr Sorgfalt seitens der Einzelbauern bei der Pflege und Aufzucht der Tiere als in den LPG schließen. Möglicherweise trug zu diesen Resultaten der Einzelbauern bei, daß innerhalb dieser Zeitspanne wirtschaftlich weniger starke Einzelbauern LPG beitraten. Dadurch könnte sich der durchschnittliche Bestand bei Kühen im einzelbäuerlichen Sektor erhöht haben .

<1880>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 273.

<1881>

Vgl. ebenda.

<1882>

Vgl. ebenda.

<1883>

Vgl. ebenda, Bl. 245.

<1884>

Vgl. ebenda. Bl. 246.

<1885>

Vgl. ebenda.

<1886>

Die LPG Hundisburg nahm im Kreis eine Vorreiterrolle ein. Die SED-KL stellte sie häufig als vorbildlich hin.

<1887>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 486.

<1888>

Vgl. ebenda.

<1889>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, 246.

<1890>

Vgl. ebenda, Bl. 258 ff.

<1891>

Diesen Tatbestand sparte der Bericht aus. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 274.

<1892>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 486.

<1893>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 242.

<1894>

Vgl. ebenda. Auf demselben Blatt findet sich eine statistische Auflistung der Schweinebestände der einzelnen LPG. Der Bestand der Einzelbauern reduzierte sich von 139 auf 129 Stück je 100 ha. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 274. Gemäß einer Analyse vom Sommer 1959, würden bis zum Jahresende ca. 35 500 Schweine für den Markt geliefert werden können. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 276.

<1895>

Im I. Quartal 1959 krepierte fast jedes vierte neugeborene Ferkel. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 275. Die "Spitzenposition" hatte die LPG Mannhausen mit einer Ferkelsterblichkeit von 56 Prozent inne. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 275.

<1896>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 278.

<1897>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 236.

<1898>

Vgl. ebenda.

<1899>

Die “Rote Laterne“ trug der Kreis Haldensleben zu diesem Zeitpunkt ebenfalls in der industriellen Bruttoproduktion.

<1900>

LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 236.

<1901>

Vgl. ebenda, Bl. 280.

<1902>

Vgl. ebenda. Sie lag 1959 noch bei bis zu 12 Monaten je Schwein.

<1903>

Vgl. ebenda.

<1904>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 21.

<1905>

Vgl. ebenda.

<1906>

Vgl. ebenda.

<1907>

Vgl. ebenda.

<1908>

Ebenda.

<1909>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 244. Um welche es sich dabei handelte, ist auf eben diesem Blatt aufgeführt.

<1910>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 272. Die Ausfälle in der tierischen und pflanzlichen Produktion erforderten im Jahre 1957 1,7 Mill. an Wirtschaftsbeihilfen, um besonders betroffene LPG zu erhalten. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 272. Die gleichfalls durch die Witterung in Mitleidenschaft gezogenen Einzelbauernwirtschaften, gingen leer aus.

<1911>

LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 272.

<1912>

So verfuhren beispielsweise die LPG Bülstringen und Hörsingen. Vgl. ebenda, Bl. 278.

<1913>

In LAMD-LHA IV/4/5/75, Bl. 279, sind Tabellen über die genossenschaftliche Viehhaltung an Kühen und Schweinen, mit Stand vom 31. 12. 1959, aufgeführt. Auf Bl. 281 derselben Replik folgt eine Tabelle, aus der nach MTS-Bereichen gegliedert, Gattung und Umfang der Viehbestände der LPG im Jahre 1959 hervorgeht.

<1914>

LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 244. Diese Erscheinung zeige sich u. a. in den LPG Schackensleben und Altenhausen.

<1915>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 274.

<1916>

Die Rinderherden der Einzelbauern im Bördeteil des Kreises setzten sich zu 60 bis 70 % aus Kühen zusammen. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 274.

<1917>

Die Tabelle 40 ist auf der folgenden Seite aufgeführt.

<1918>

Laut Viehzählung vom 3. 6. 1956. Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1956, o. J. , S. 52.

<1919>

Laut Viehzählung vom 3. 6. 1957. Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1957, o. J. , S. 68.

<1920>

Laut Viehzählung vom 3. 6. 1958. Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1958, o. J. , S. 59.

<1921>

Laut Viehzählung vom 3. 6. 1959. Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1959, o. J. , S. 106.

<1922>

Laut Stand vom 31. 12. 1960. Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1960, o. J. , S. 67.

<1923>

Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1956, o. J. , S. 59.

<1924>

Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1957, o. J. , S. 75.

<1925>

Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1958, o. J. , S. 66.

<1926>

Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1959, o. J. , S. 109.

<1927>

Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1960, o. J. , S. 67.

<1928>

Auf ihren Sitzungen befaßten sich das Büro der SED-KL und der Rat des Kreises nicht stets mit der Entwicklung der sozialistischen Landwirtschaft im Kreis als Ganzes, sondern oftmals mit den Gegebenheiten in den einzelnen MTS-Bereichen.

<1929>

Er folgte damit konsequent den Prinzipien des "Grünen Fließbands".

<1930>

Vgl. Perspektivplan ... , Kreis Haldensleben, a. a. O. , S. 34.

<1931>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/68, Bl. 385.

<1932>

Vgl. ebenda.

<1933>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 246.

<1934>

LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 245.

<1935>

Der Perspektivplan sah ferner vor, den Feldfutteranbau nicht nur durch das Anpflanzen von Mais, sondern auch durch den Anbau von Zwischenfrüchten zu erweitern.

<1936>

Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1960, o. J. , S. 78.

<1937>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 250.

<1938>

Vgl. ebenda.

<1939>

In künstlich getrocknetem Grünfutter tritt nur ein geringer Verlust von Nährstoffen ein. Es wurde zur Überbrückung der Eiweißlücke in der Nahrungskette der Tierbestände in den Winter- und Vorsommermonaten verwendet.

<1940>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/74, Bl. 5.

<1941>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/71, Bl. 251.

<1942>

Vgl. ebenda.

<1943>

Vgl. ebenda, Bl. 147.

<1944>

Vgl. ebenda, Bl. 167.

<1945>

In Ostingersleben führte der MTS-Beirat am 18. Juni 1959 eine Beiratssitzung durch, in deren Verlauf er die Einsatzpläne zur Durchführung der Ernte kontrollierte und bestätigte. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/71, Bl. 387.

<1946>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/71, Bl. 387.

<1947>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 357.

<1948>

Vgl. ebenda.

<1949>

Vgl. ebenda.

<1950>

Vgl. ebenda.

<1951>

Vgl. ebenda.

<1952>

Vgl. ebenda.

<1953>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/73, Bl. 86.

<1954>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 357.

<1955>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 277.

<1956>

Vgl. ebenda.

<1957>

Vgl. ebenda.

<1958>

Der Rat des Bezirkes Magdeburg ging bei der Aufschlüsselung der Kennziffern der pflanzlichen Produktion für den Kreis Haldensleben von einer LN von 52 500 ha (einschließlich der VEG und der ablieferungsfreien Flächen unter 1 ha) aus. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 173. Die ablieferungsfreie Flächen, einschließlich der von LPG-Mitgliedern genutzten Flächen, betrugen 5 000 ha. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 173.

<1959>

Das Büro der SED-KL definierte sie nicht näher.

<1960>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/74, Bl. 69.

<1961>

Vgl. ebenda.

<1962>

Vgl. ebenda.

<1963>

Vgl. Perspektivplan ... , Kreis Haldensleben, a. a. O. , S. 37.

<1964>

Der Direktor des VEAB-Kreisbetriebes erklärte vor dem Rat des Kreises, die Zielstellungen der LPG in der tierischen Produktion seien real. Seine Erklärung ist insofern erstaunlich, da sie unter den im Volkswirtschaftsplan verankerten Kennziffern lagen. Die BPO des VEG Hundisburg legte Protest gegen das ihrer Ansicht nach diktatorische Vorgehen des Rates des Bezirkes Magdeburg in Sachen Planerfüllung ein, "durch das man keine Planerfüllung vornehmen könne." LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 98.

<1965>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 97.

<1966>

Differenzen zwischen dem Rat des Kreises und einigen LPG in der Planung der Hektarerträge bestanden vorwiegend in den Fruchtarten Getreide und Kartoffeln.

<1967>

Mitglieder des Vorstandes der LPG Schackensleben vertraten die Meinung, über die Erweiterung des Hopfenanbaus höhere Erträge zu erzielen, als aus der Vergrößerung der Tierbestände. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 168.

<1968>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 278.

<1969>

Als LPG mit großen Futterproblemen galten die Genossenschaften Belsdorf, Behndorf, Eickendorf, Flechtingen, Neuenhofe, Schwanefeld, Uthmöden, Vahldorf, Walbeck und Wedringen.

<1970>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 278.

<1971>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 30.

<1972>

Vgl. Perspektivplan ... , Kreis Haldensleben, a. a. O. , S. 29.

<1973>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 30.

<1974>

Vgl. ebenda. Bereits früher wird vermerkt, daß die Fehlmengen der LPG für die Frühjahrsbestellung an Kartoffeln 8 183 dt und an Getreide 359 dt betrugen. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 277.

<1975>

LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 33.

<1976>

Die Angaben für die Jahre 1958 und 1959 sind dem Statistischen Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1959, o. J. , S. 98, die für das Jahr 1960 dem Statistischen Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1960, o. J. , S. 80 entnommen.

<1977>

Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1959, o. J. , S. 98.

<1978>

Vgl. ebenda.

<1979>

Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreis Haldensleben 1960, o. J. , S. 80.

<1980>

Vgl. ebenda, S. 81 und Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1958, o. J. , S. 76.

<1981>

Sie lebten teilweise noch immer in ungünstigen Wohnverhältnissen.

<1982>

Vgl. LAMD-LHA IV/4/5/69, Bl. 251.

<1983>

Vgl. ebenda.

<1984>

Vgl. ebenda, Bl. 292.

<1985>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 267.

<1986>

Vgl. ebenda.

<1987>

Vgl. ebenda.

<1988>

Ebenda, Bl. 265.

<1989>

Vgl. ebenda, Bl. 268.

<1990>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 223 ff.

<1991>

Ebenda, Bl. 225.

<1992>

Vgl. ebenda, Bl. 107.

<1993>

Vgl. ebenda, Bl. 225. Die Auflistung erfolgt auf der nächsten Seite.

<1994>

Bei den in der DDR angewandten Fischgrätenmelkständen handelte es sich um fischgrätenmäßig angeordnete Abmelkanlagen, an denen Kühe von beiden Seiten abgemolken werden konnten. Diese sinnvolle Mechanisierung löste das Melken per Hand ab und führte zur Erhöhung der Produktivität im Kuhstall.

<1995>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 333.

<1996>

Vgl. ebenda.

<1997>

Der Vorsitzende der LPG Bartensleben zeigte beispielsweise kein Interesse an der Fertigstellung des Futterhauses, sondern legte Wert auf die Schaffung von zusätzlichen Behelfsställen.

<1998>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 333.

<1999>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/74, Bl. 132.

<2000>

Vgl. ebenda.

<2001>

LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 258. Auf Blatt 253 derselben Akte werden die Werte der AE aller LPG des Kreises im Jahre 1958 aufgeführt.

<2002>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/71, Bl. 101.

<2003>

Auf einem äußerst geringen Niveau bewegte sich im Jahre 1958 der reale Wert der AE im MTS-Bereich Klüden mit 3,48 DM. Vgl. LAMD-LHA IV/4/5/73, Bl. 390. Die Parteileitung der MTS Klüden äußerte sich, es gäbe Schwierigkeiten bei der Durchsetzung des Leistungsprinzips in “fast allen LPG unseres Bereiches.“ LAMD-LHA, IV/4/5/73, Bl. 393.

<2004>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 253.

<2005>

Die namentliche Aufstellung findet sich in LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 254.

<2006>

Welche Bedeutung der Beachtung des Sparsamkeitsprinzips beikam, zeigte sich am Beispiel der LPG Bartensleben und Weferlingen. In diesen - wie in drei weiteren LPG - traten beträchtliche Überschreitungen an AE auf. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 273. Sie beliefen sich in Bartensleben auf 2 989 AE und in Weferlingen auf 1 703 AE. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 254.

<2007>

LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 254.

<2008>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 273.

<2009>

Vgl. ebenda. Erheblichen Anteil an der durchschnittlichen Höhe des Wertes der AE kam der leistungsstarken LPG Hödingen zu. Der erst kurze Zeit bestehenden LPG Dorst wiederum gelang es, einen Wert der AE von 7,74 DM zu erzielen. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 274. Ihre Entwicklung ist Beispiel für eine ausnahmsweise rasche Festigung einer LPG des Kreises Haldensleben. Am Jahresende zahlte sie ihren Mitgliedern 1,74 DM pro AE nach. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 274.

<2010>

LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 273.

<2011>

Vgl. ebenda.

<2012>

Vgl. ebenda, Bl. 276.

<2013>

Die Verwendung des Terminus "Einnahmen" in dem Zitat ist nicht präzise. Exakter wäre es, von

"Erlösen" zu sprechen.

<2014>

LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 276.

<2015>

Vgl. ebenda.

<2016>

Vgl. ebenda. Wie die meisten wirtschaftsschwachen LPG, führte letztere Genossenschaft keine Leistungsbücher und konnte auf keine arbeitsfähige Normenkommission verweisen. In ihr bestand “Gleichmacherei“, die unter den Mitgliedern Unzufriedenheit provozierte.

<2017>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 273.

<2018>

Vgl. ebenda., Bl. 282.

<2019>

Vgl. LAMD-LHA IV/4/5/73, Bl. 393.

<2020>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 248.

<2021>

Vgl. ebenda.

<2022>

Vgl. ebenda.

<2023>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 225.

<2024>

Zwar wird im Kontext nur von “Mitsprache“ der Abteilung Landwirtschaft der KL in Fragen der Kreditbewilligung gesprochen. In Wahrheit “empfahl“ sie, an welche LPG und in welcher Höhe Kredite auszureichen seien.

<2025>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/74, Bl. 272.

<2026>

LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 272.

<2027>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/71, Bl. 119.

<2028>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/73, Bl. 29.

<2029>

Vgl. ebenda.

<2030>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/74, Bl. 43.

<2031>

Vgl. ebenda, Bl. 22.

<2032>

Vgl. Prokop, S. , a. a. O. , S. 182.

<2033>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 252.

<2034>

Vgl. ebenda, Bl. 267.

<2035>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/74, Bl. 21.

<2036>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 484. Die höchsten Beihilfen bezogen die LPG Etingen und Haldensleben II mit 194 687 DM bzw. 112 496 DM, die niedrigste Wirtschaftsbeihilfe erhielt die LPG Uthmöden mit 6 305 DM. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 484.

<2037>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 267.

<2038>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 252.

<2039>

Vgl. ebenda.

<2040>

Ebenda.

<2041>

Der Bereitstellung der Gelder hatte eine Begründung der Finazschwäche der jeweiligen LPG vor dem Kreistag vorauszugehen.

<2042>

LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 292.

<2043>

Vgl. ebenda. Die LPG Hörsingen gehörte zu den LPG, die von ihrer Gründung an bis weit über das Jahr 1960 hinaus mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hatten.

<2044>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 292.

<2045>

Vgl. ebenda, Bl. 270.

<2046>

Vgl. ebenda.

<2047>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/74, Bl. 11 ff.

<2048>

Vgl. ebenda, Bl. 21.

<2049>

Ebenda, Bl. 59. In dem Entwurf heißt es weiter: "Die Gesamtausgaben zur Förderung der LPG sinken von 2 560 TDM im Jahre 1959 auf 576 TDM im Jahre 1960." LAMD-LHA, IV/4/5/74, Bl. 59. Begründet wurde dieser Rückgang mit einer zu erwartenden Rentabilitätssteigerung der LPG.

<2050>

Formal erarbeiteten die Inhalte der Hilfsprogramme die GO der SED der jeweiligen LPG unter Hinzuziehung der Ortsausschüsse der Nationalen Front. In der Praxis regelten jedoch diese für die Fortentwicklung der LPG wichtige Angelegenheit das Büro der SED-KL, der Rat des Kreises und die Deutsche Bauernbank.

<2051>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 230.

<2052>

Ebenda, Bl. 264. Im Zusammenhang mit “weichen Plänen“ wurden die LPG Neuenhofe und Zobbenitz genannt.

<2053>

LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 264.

<2054>

Ebenda.

<2055>

Dies traf überwiegend auf die Funktionäre der MTS-Bereiche Haldensleben II, Ostingersleben und Weferlingen zu. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 265.

<2056>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 265. Arbeitsgruppen des LPG-Fachbeirates firmierten als "Ständige Arbeitsgruppen."

<2057>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 268.

<2058>

Vgl. ebenda.

<2059>

Vgl. ebenda.

<2060>

Vgl. ebenda, Bl. 269.

<2061>

Weiter oben wird von 14 LPG mit Hilfsprogrammen gesprochen.

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 268. Das bedeutete, daß sich die Zahl der LPG mit Hilfsprogrammen innerhalb weniger Wochen um weitere vier erhöhte.

<2062>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 225. In diesem Bericht ging es um den Erfüllungsstand des Volkswirtschaftsplanes im ersten Halbjahr 1959.

<2063>

LAMD-LHA, IV/2/1/28, Bl. 62.

<2064>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 477.

<2065>

Ebenda, Bl. 487.

<2066>

Vgl. ebenda.

<2067>

Vgl. ebenda.

<2068>

Vgl. ebenda. Um diesen untragbaren Zustand zu beheben, redete der Vorstand mit jedem Mitglied über seine Arbeitsleistungen.

<2069>

LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 487.

<2070>

Die MTS-Bereichskonferenzen beschäftigten sich u. a. mit der Erhöhung der Effektivität der MTS durch die modifizierte Anwendung der Schönebecker Methode und die Verbesserung des Zusammenwirkens zwischen MTS-Traktoren- und LPG-Feldbaubrigaden. Beide Vorhaben sollten zum Erreichen der Rentabilität in den Genossenschaften beitragen.

<2071>

LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 112. Ausführungen über die Hilfsprogramme der LPG des Kreises Haldensleben finden sich in LAMD-LHA, IV/4/5/71 von Bl. 96 bis 99 und von Bl. 102 bis 168.

<2072>

Das Büro erwähnte dabei besonders die Arbeit der Revisionskommissionen und Vorstände sowie Durchführung und Verlauf der Mitgliederversammlungen.

<2073>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 48.

<2074>

Vgl. ebenda, Bl. 234. In der LPG Hasselburg nahmen etwa 30 Prozent der Mitglieder an den Vollver- sammlungen teil. Vgl. ebenda, Bl. 234.

<2075>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 271.

<2076>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/71, Bl. 120.

<2077>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 196.

<2078>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 231 ff.

<2079>

Ebenda, Bl. 234.

<2080>

Einzelne Traktoristen der MTS Flechtingen vertraten die von Parteiführung und SED-KL als sektiererisch und untragbar verworfene Meinung gegenüber werktätigen Einzelbauern: "Ich pflüge Deinen Acker nur dann, wenn Du Mitglied der LPG bist.“ LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 240. Diese Einstellung trug nicht dazu bei, das Verhältnis zwischen den Traktoristen der MTS und den werktätigen Einzelbauern zu verbessern. Es bestärkte letztere in ihrem Widerstreben, Genossenschaftsmitglied zu werden.

<2081>

LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 159.

<2082>

LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 126. Allerdings habe die Traktorenbrigade in der Vergangenheit nicht immer qualitätsgerecht auf den Feldern der Genossenschaft gearbeitet.

<2083>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 223.

<2084>

Vgl. ebenda.

<2085>

LAMD-LHA, IV/4/5/73, Bl. 352.

<2086>

Vgl. ebenda, Bl. 356.

<2087>

Nur fünf von 70 besaßen einen Facharbeiterbrief. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/73, Bl. 355.

<2088>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/74, Bl. 21.

<2089>

Vgl. ebenda.

<2090>

Vgl. ebenda. Die Deutsche Bauernbank und der Rechnungsinstrukteur der MTS kontrollierten Inanspruchnahme und Verwendung der Kredite der MTS.

<2091>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 123.

<2092>

Mückenberger, E. , Warum beginnen wir mit der Übergabe der Technik der MTS an fortgeschrittene LPG?, Berlin (O) 1959, S. 13.

<2093>

Die VI. LPG- Konferenz ... , a. a. O. , S. 86 f.

<2094>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 272. Im Kreis Haldensleben wurde also noch vor dem wegweisen- den Ministerratsbeschluß vom April des gleiches Jahres betreffs der leihweisen Übergabe der Technik an fortgeschrittene LPG vom Typ III, die Übertragung der Technik an LPG dieses Typs vorgenommen.

<2095>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 7.

<2096>

Vgl. ebenda, Bl. 354.

<2097>

Ebenda.

<2098>

Tatsächlich übergab die MTS Schackensleben alle Traktorenbrigaden den LPG ihres Bereichs. Eine Ausnahme bildete die für die Gemeinde Rottmersleben zuständige Brigade.

<2099>

Vgl. Unter Führung ... , a. a. O. , S. 189.

<2100>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 25. Im Zuge dieser Aktion traten 57 SED-Mitglieder der MTS LPG bei. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 25.

<2101>

Wie der Wahrung der innergenossenschaftlichen Demokratie, einer positiven Arbeitsmoral, der Anwendung des Leistungsprinzips und einer tragfähigen Arbeitsorganisation.

<2102>

LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 117.

<2103>

Ebenda.

<2104>

Vgl. Entwurf Perspektivplan ... , Kreis Haldensleben, a. a. O. , S. 5.

<2105>

LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 117.

<2106>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/67, Bl. 293.

<2107>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 488.

<2108>

Anhand dieses Beispiels wird wiederum offenbar, daß in den wirtschaftlichen Belangen der LPG die KL eindeutig das Sagen hatte.

<2109>

LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 488.

<2110>

Es sollten in allen LPG konkrete Maßnahmen zur Gewährleistung der innergenossenschaftlichen Demokratie, der Erhöhung des sozialistischen Bewußtseins und der Arbeitsmoral getroffen werden.

<2111>

“Die Genossen des Rates des Kreises haben dabei Anleitung und Hilfe zu geben und diese Maßnahmen zu einem Aktionsprogramm der Rentabilität aller LPG im Jahre 1959 zusammenzufassen und seine Verwirklichung zu gewährleisten.“ LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 489.

<2112>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 177.

<2113>

Vgl. ebenda, Bl. 239.

<2114>

Ebenda, Bl. 262. Dies träfe insbesondere auf die OPO zu. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 262.

<2115>

LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 262.

<2116>

Vgl. ebenda. Die Vorstände der Blockparteien hatten sich längst uneingeschränkt mit den politischen Zielen der SED identifiziert.

<2117>

Ebenda.

<2118>

Zum Inhalt dieser Beschlüsse finden sich keine Aufzeichnungen.

<2119>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 8.

<2120>

Ebenda, Bl. 196.

<2121>

Es verwies dabei besonders auf die Gemeinde Wieglitz.

<2122>

Abgesehen von drei Dörfern, bestanden im Oktober 1959 in allen Gemeinden des Kreises Haldensleben LPG. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/73, Bl. 154.

<2123>

Die Verantwortlichkeit für diese Schulungen lag bei den Ortsvereinigungen der VdgB sowie der Nationalen Front.

<2124>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/73, Bl. 337.

<2125>

Ebenda, Bl. 364.

<2126>

Es bestand die Vorstellung, 25 Groß-LPG zu schaffen. Dazu sollte auch die Bildung von Haupt- und Nebendörfern beitragen. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 66.

<2127>

Die Verbesserung der ökonomischen Leistungskraft der LPG ist als unabdingbare Voraussetzung für die von der SED-KL angestrebte wirtschaftliche Überlegenheit der LPG gegenüber den Einzel-bauern anzusehen.

<2128>

Häufig weigerte sich der genannte Personenkreis, an Qualifizierungsmaßnahmen teilzunehmen. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 237.

<2129>

Ebenda.

<2130>

Ebenda, Bl. 238.

<2131>

Ebenda. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, daß der beträchtliche Einfluß der Kirche in Flechtingen - wie in vielen weiteren Orten des Kreises - erhalten blieb. Selbst Bürgermeister und Vorsitzende von LPG behielten ihre oftmals engen Verbindungen zur Kirche bei.

<2132>

Aus ihr geht allerdings nicht hervor, ob es sich um bereits seit längerem bestehende oder erst kürzlich gebildete LPG handelt.

<2133>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 49.

<2134>

Vgl. ebenda.

<2135>

Hauptsächlich in Berenbrock und Etingen bestanden starke Gruppierungen der CDU.

<2136>

LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 262.

<2137>

In den zurückliegenden Jahren unterstützten die Parteiorganisationen der Gemeinden des Kreises Haldensleben die auf ihrem Territorium ansässigen LPG kaum. Die Parteiorganisationen der Gemeinden Calvörde und Rätzlingen kümmerten sich nur in großen Abständen um die Entwicklung der einheimischen LPG.

<2138>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 131.

<2139>

Die OPO der Gemeinden gaben in der Vergangenheit den LPG kaum nennenswerte Anleitung und Hilfe.

<2140>

Dies traf u. a. auf die Bürgermeister der Gemeinden Grauingen und Wieglitz zu.

<2141>

LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 229.

<2142>

Ebenda, Bl. 259.

<2143>

Ebenda, Bl. 263.

<2144>

Ebenda.

<2145>

Vgl. ebenda, Bl. 281.

<2146>

Ebenda.

<2147>

In Calvörde bestand im Winter 1959 eine LPG vom Typ I, in der sich sechs ehemalige werktätige Einzelbauern vereinigt hatten. 140 Bauern mit einer LN von weniger als 20 ha wirtschafteten weiterhin individuell. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 283. Von Großbauern, die es in einer einwohnerreichen Gemeinde wie Calvörde mit Sicherheit in beträchtlicher Anzahl gab, ist in den Archivmaterialien überhaupt nicht die Rede.

<2148>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 273.

<2149>

Vgl. ebenda, Bl. 287.

<2150>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 119.

<2151>

Vgl. ebenda.

<2152>

Vgl. ebenda, Bl. 121.

<2153>

Vgl. ebenda, Bl. 122.

<2154>

Die Mitglieder des Gemeinderats von Bülstringen führten im Frühjahr 1959 mit allen ablieferungspflichtigen Betrieben, einschließlich der LPG-Betriebe, Aussprachen über die Aufschlüsselung der Marktproduktion durch. Außerdem regten sie eine Verpflichtungsbewegung an.

<2155>

LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 7.

<2156>

Vgl. ebenda, Bl. 109.

<2157>

Sie wirkten unter anderem eng mit der Nationalen Front zusammen, was aus ihrer Sicht zu positiven Ergebnissen im Wettbewerb “Das schöne Dorf“ führte.

<2158>

LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 109.

<2159>

Mit der Verwendung des Terminus “noch" vorhandene Mängel wollte das Büro der KL auch für diesen gesellschaftlichen Bereich den Anschein erwecken, bestehende Schwächen würden sehr

bald beseitigt sein.

<2160>

LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 109.

<2161>

Vgl. ebenda, Bl. 111.

<2162>

Vgl. ebenda.

<2163>

Vgl. ebenda, Bl. 115 ff. Diese Erfahrungsaustausche dehnten die Ständigen Kommissionen des Rates des Kreises auf die Ständigen Kommissionen der Gemeindevertretungen aus.

<2164>

LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 224.

<2165>

Eine Auflistung der vorgesehenen Hauptdörfer findet sich in LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 211.

<2166>

Dennoch lag ihre bevorstehende Bildung nicht vorbehaltlos im Interesse aller betroffenen Genossenschaftsbauern. Die Anfahrtswege zu den Arbeitsstätten würden sich verlängern, der Materialverbrauch wäre ein höherer, Mitglieder aus einer leistungsstarken LPG, die mit einer weniger gefestigten einen Verbund eingingen, würden zumindest anfänglich materielle Einbußen erleiden.

<2167>

Dieses Vorhaben konnte nicht durchgehend erreicht werden.

<2168>

LAMD-LHA, IV/4/5/74, Bl. 4.

<2169>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 232.

<2170>

Die Bürgermeister von Uthmöden, Velsdorf und Wieglitz leisteten nach Meinung des Büros ungenügende gesellschaftliche Arbeit. Sie sähen ihre gesellschaftliche Tätigkeit im Aufbau eines Gesang- vereins und kämpften darum, eine Einreisegenehmigung nach Westdeutschland zu erhalten. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/72, Bl. 235.

<2171>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/73, Bl. 363.

<2172>

Einige Funktionäre lehnten die Übernahme von Verantwortung ab, weil ihnen angeblich die fachli chen Kenntnisse fehlten.

<2173>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/73, Bl. 337.

<2174>

LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 231.

<2175>

Vgl. ebenda, Bl. 232.

<2176>

Vgl. ebenda.

<2177>

Ebenda, Bl. 239.

<2178>

LAMD-LHA, IV/4/5/70, Bl. 262.

<2179>

Das Büro der SED-KL Haldensleben differenzierte im Frühjahr 1958 wiederum zwischen werktätigen Einzelbauern und Großbauern, nachdem letztere Bezeichnung für einige Zeit aus ihrem Sprachgebrauch verschwand. Eine Erklärung für die abrupt veränderte Diktion läßt sich schwerlich finden. Möglicherweise ist sie auf die Festlegungen der 2. Zentralen MTS-Konferenz zurückzuführen.

<2180>

Der Parteisekretär der Gemeinde Wieglitz, ein werktätiger Einzelbauer, habe bisher an keiner Stütz- punktversammlung teilgenommen. Er würde die Bildung einer LPG in seinem Ort hemmen.

<2181>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/73, Bl. 394.

<2182>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 141.

<2183>

Die Plenartagungen fanden am 27.3. bzw. vom 10. bis 12. 7. 1957 statt.

<2184>

LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 146. In der Vergangenheit hätten AG - wie Ablieferungs-, Weide- und Erntegemeinschaften nebst den ihnen zugestandenen Vergünstigungen - Einzelbauern davon abgehalten, LPG beizutreten. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 147.

<2185>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 148.

<2186>

Ebenda, Bl. 147.

<2187>

Vgl. ebenda.

<2188>

Er fungierte gleichzeitig als Ortsvorsitzender der VdgB.

<2189>

Ebenda, Bl. 149 f.

<2190>

In Uthmöden beispielsweise schuf der Vorstand der BHG ein Gründungskomitee für eine LPG. Weitere Beispiele zu dieser Problematik folgen in LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 150.

<2191>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 151.

<2192>

Vgl. ebenda.

<2193>

Vgl. ebenda. Allerdings arbeitete im BHG-Bereich Wegenstedt kein Mitglied eines Ortsvorstandes der BHG in einer LPG.

<2194>

LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 151.

<2195>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 154.

<2196>

Ebenda.

<2197>

Erwähnt seien die BHG-Leiter von Flechtingen und Vahldorf.

<2198>

Die Vorschläge der BHG-Leiter basierten auf Anregungen der SED-KL.

<2199>

LAMD-LHA, IV/4/5/69, Bl. 151.

<2200>

Vgl. ebenda.

<2201>

Ebenda, Bl. 480.

<2202>

In Altenhausen arbeiteten Gemeinderat und Gemeindevertretungen unzulänglich. Der Ortsvorstand der VdgB trat in keiner Weise in Erscheinung. In Bülstringen hingegen, wo die staatlichen Organe ihren Pflichten konsequenter nachgingen, wirkte ein aktiver VdgB-Ortsvorstand. Er gewann verschiedene werktätige Einzelbauern für die LPG.

<2203>

LAMD-LHA, IV/4/5/74, Bl. 138.

<2204>

Umschrieben deuteten sie an, daß Einzelbauern den Zeitpunkt ihres LPG-Beitritts bis zum Verkauf ihrer Ernte, des Viehbestandes und des Inventars hinauszuschieben versuchten.

<2205>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 268.

<2206>

Ebenda.

<2207>

Ebenda.

<2208>

Ebenda.

<2209>

Auffallend ist, daß im Kreis Haldensleben Partei- und Staatsorgane unmittelbar vor dem Abschluß der LPG-Bildung noch immer häufig von der Gewinnung werktätiger Einzelbauern für LPG sprachen. Auf der Tagesordnung stand jedoch längst, alle individuell wirtschaftenden Bauern in Genossenschaften zu überführen. Es ist aber durchaus möglich, daß es im Kreis Haldensleben kaum noch Großbauern für LPG zu gewinnen galt. Laut Stand vom 15. 6. 1959 wirtschafteten im Kreis noch 103 Betriebe mit einer LN zwischen 20 und 50 ha und 16 Betriebe mit einer LN von über 50 Hektar individuell. Vgl. Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1959, o. J. , S. 78.

<2210>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 147.

<2211>

Ebenda, Bl. 147 f.

<2212>

Vgl. ebenda, Bl. 148.

<2213>

Vgl. ebenda, Bl. 192. Dieser Plan dürfte am Jahresende 1959 abgefaßt worden sein.

<2214>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/74, Bl. 196.

<2215>

Ebenda, Bl. 197.

<2216>

Vgl. ebenda, Bl. 217. Die Schwerpunkte sind auf Seite 416 aufgelistet.

<2217>

Zu diesem Zeitpunkt ist eine derartige Zielstellung als total überzogen einzuschätzen.

<2218>

Ebenda, Bl. 227 und LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 100.

<2219>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 91.

<2220>

Vgl. ebenda, Bl. 25.

<2221>

Vgl. ebenda.

<2222>

Die Sekretäre der KL in den MTS-Bereichen erhielten den Auftrag, in der Wahlperiode 1960 GO der SED bzw. Kandidatengruppen in den neuentstandenen LPG zu bilden.

<2223>

In Wirklichkeit nahm gerade in der Endphase der LPG-Bildung das Büro der SED-KL mit aller Entschiedenheit seine führende Rolle wahr.

<2224>

Angehörige der DBD setzten sich nach vorangegangenen Instruktionen ihrer Kreisverbandsleitung besonders engagiert für den Abschluß der LPG-Bildung ein.

<2225>

Die Fachschule für Landwirtschaft Haldensleben findet im Zusammenhang mit der LPG-Bildung in den Unterlagen der SED-KL so gut wie keine Erwähnung.

<2226>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 120.

<2227>

Vgl. ebenda, Bl. 156. Rückstände bestanden überwiegend im Schlachtviehaufkommen.

<2228>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 171 ff.

<2229>

Ebenda, Bl. 176. Per 6. 2. 1960 belief sich der Rückstand von Rind auf 79 t und von Schwein auf 111 t, der von Milch auf 102 560 kg und der von Eiern auf 289 000 Stück. Vgl. LAMD-LHA,IV/4/5/75, Bl. 171.

<2230>

LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 181. So befanden sich z. B. in den Ställen der LPG Bebertal I seit September 1959 40 bis 50 Läufer, deren Gewicht im Februar 1960 40 kg nicht überschritt. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 181.

<2231>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 181.

<2232>

Darunter die LPG Belsdorf, Schwanefeld und Walbeck.

<2233>

Besonders energisch seien die Diskussionen in ökonomisch stärkeren LPG der MTS-Bereiche Ostingersleben, Schackensleben und Weferlingen zu führen. Mit Billigung und Einverständnis der Bürgermeister bestände dort die Tendenz, weiche Pläne zu erarbeiten und die Hauptreserven in den pflanzlichen Positionen zu suchen. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 178.

<2234>

Die LPG Satuelle verpflichtete sich, 1960 150 dt Schweinefleisch, 130 dt Rind, 14 000 Eier und 10 dt Geflügelfleisch mehr als im Plan vorgesehen zu produzieren. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 179. Hier finden sich weitere Beispiele.

<2235>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75/, BL. 179.

<2236>

LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 160. Gegenwärtig existiere von den Zuständen ein völlig unreales Bild, weil die Viehzählung fehlerhaft durchgeführt und die Hausschlachtungen nicht erfaßt worden seien.

<2237>

LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 162.

<2238>

Vgl. ebenda.

<2239>

Ebenda.

<2240>

Ebenda, Bl. 234.

<2241>

In jenen für die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft entscheidenden Monaten, tagte die SED-KL in sehr rascher Folge.

<2242>

Ebenda, Bl. 248. Die drei sich der LPG verweigernden Einzelbauern verlangten im Falle ihres Genossenschaftsbeitritts 10 % an Bodenanteilen und freies Futter. Dieser Vorsitzende wetterte, die ehemaligen Landarbeiter hingegen, die eine hohe Arbeitsmoral an den Tag legten, hätten keine Bodenanteile und erführen damit nicht diese Vergünstigungen. Ginge es nach ihm, so müßten diese drei für die Flurarbeiten auf ihren Feldern 100%, statt lediglich 70%, bezahlen. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 249.

<2243>

LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 249.

<2244>

Ebenda, Bl. 228.

<2245>

Vgl. ebenda, Bl. 250.

<2246>

Im Jahre 1959 belief sich die Zahl der Austritte aus LPG auf 304. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 270. In den ersten Monaten des Jahres 1960 erfolgten weitere, nicht exakt zu beziffernde Ankündigungen der LPG-Mitgliedschaft.

<2247>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 250.

<2248>

Ebenda, Bl. 266. Die Parteimitglieder der LPG Lockstedt schätzten ein, im Jahre 1959 eine Reihe von Aufgaben nicht erfüllt zu haben. Der genossenschaftliche Sektor der Landwirtschaft sei statt der angestrebten 60 % nur auf 50 % angewachsen. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 265.

<2249>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 268.

<2250>

Ebenda.

<2251>

Ebenda.

<2252>

Vorwiegend entstanden LPG vom Typ I.

<2253>

Vgl. ebenda, Bl. 269.

<2254>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 20.

<2255>

Statistisches Taschenbuch des Kreises Haldensleben 1960, o. J. , S. 67.

<2256>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 20.

<2257>

Ebenda. In LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 269 ist eine Tabelle mit der prozentualen Mitgliederentwicklung der LPG der sieben MTS-Bereiche des Kreises zwischen dem 1. 1. 1959 und dem 31. 12. 1959, dem Flächenzuwachs der LPG sowie der Gesamtmitgliederzahl aufgeführt.

<2258>

LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 269.

<2259>

Vgl. ebenda.

<2260>

Eine ausführliche Tabelle hierzu ist auf der nächsten Seite einzusehen.

<2261>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 270.

<2262>

Ebenda, Bl. 271.

<2263>

Vgl. ebenda, Bl. 268 ff.

<2264>

Der Rat des Kreises bemerkte dazu, “daß ein Teil der Bauern verhinderte, daß weder Frau noch Kinder Mitglied der LPG wurden.“ LMAD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 271. Auf dem gleichen Blatt findet sich ebenfalls eine Tabelle, die verdeutlicht, wieviele Angehörige von Neu- und Altbauern in den einzelnen MTS-Bereichen des Kreises den Weg in LPG beschritten bzw. es vorzogen, anderweitige Tätigkeiten aufzunehmen.

<2265>

LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 271.

<2266>

Ebenda, Bl. 272.

<2267>

Vgl. ebenda, Bl. 276.

<2268>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 2.

<2269>

Ebenda.

<2270>

Der Kreis Schönebeck, Bezirk Magdeburg, und der Bezirk Rostock hatten zu diesem Zeitpunkt die LPG-Bildung bereits beendet. Im Kreis Kalbe/Milde, Bezirk Magdeburg, stand sie unmittebar vor dem Abschluß.

<2271>

LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 2. In den Kreisen Schönebeck und Kalbe/Milde - beide im Bezirk Magdeburg gelegen - waren am 11. bzw. 14. 3. 1960 im Prinzip alle Einzelbauern in LPG überführt.

<2272>

LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 2.

<2273>

Vgl. LAMD-LHA, IV/2/5/55, Bl. 26.

<2274>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 4. Die folgenden Daten über den Stand der LPG-Bildung in den MTS-Bereichen bzw. in den einzelnen Dörfern gab das Büro der SED-KL auf seiner Sitzung am 18. 3. 1960 bekannt.

<2275>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/Bl. 2. Aus einem Verzeichnis auf demselben Blatt geht hervor, wie viele Wirtschaften unter Angabe der Größe der LN in den Dörfern des Bereiches noch keiner LPG angehörten.

<2276>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 4.

<2277>

Vgl. ebenda.

<2278>

Vgl. ebenda, Bl. 5.

<2279>

Vgl. ebenda.

<2280>

Ebenda.

<2281>

Ebenda.

<2282>

Vgl. ebenda.

<2283>

Vgl. ebenda. Dort sind weitere detaillierte Angaben zu den einzelnen Gemeinden zu finden.

<2284>

Davon u. a. in Bebertal 22, in Hillersleben 14, in Hundisburg 6, in Neuenhofe und Wedringen je 13. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 5. Von den 14 Einzelbauern in der Gemeinde Emden sträubten sich vier Großbauern hartnäckig gegen einen LPG-Beitritt. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 5.

<2285>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 5.

<2286>

In Bartensleben gab es noch 14 Einzelbauern, in Eimersleben 49, in Erxleben 36, in Morsleben neun, in Ostingersleben 11 und in Uhrsleben 16. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 5.

<2287>

LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 6. Gemeint ist die Gipfelkonferenz der Regierungschefs Frankreichs, Großbritanniens, der UdSSR und der USA. Von dieser Konferenz erwarteten zahlreiche Einzelbauern die Weichenstellung in Richtung Einheit Deutschlands.

<2288>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 6.

<2289>

In Flechtingen z. B. , gehörten viele Einzelbauern der CDU an. In dieser Gemeinde sollte der Kreisverband der Partei entsprechende Hebel ansetzen, um die Bauern zum LPG-Eintritt zu bewegen. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 6.

<2290>

LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 21. Die Zielstellung des Volkswirtschaftsplanes lautete, abzüglich Geflügel wenigstens 8 900 t an Schlachtvieh zu produzieren. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 21. Realisiert aber konnten nur 8 658 t werden. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 21.Die Forderungen bei Schlachtvieh ohne Schwein lagen bei 2 860 t, bei Schlachtschwein bei 6 100 t, bei Milch bei 45 600 kg. Vgl. ebenda. Der Erfüllungsstand dieser Positionen belief sich dann auf nicht mehr als 2 793 t, 5 865 t sowie 43 271 kg. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 21.

<2291>

LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 22.

<2292>

Vgl. ebenda, Bl. 112.

<2293>

Vgl. ebenda.

<2294>

Vgl. ebenda.

<2295>

LAMD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 248.

<2296>

LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 24. Diese Einschätzung deckt sich nicht vollauf mit zuvor und später getroffenen. Das Büro der SED-KL gelangte noch wenige Tage vor dem Abschluß der LPG-Bildung zu dem Schluß, der auf der Grundlage eines Beschlusses des Büros der SED-KL unter der Verantwortlichkeit des Vorsitzenden des Rates des Kreises gebildete Operativstab sowie die in allen MTS-Bereichen zusammengestellten Arbeitsgruppen, würden bisher einen zu geringen Effekt erzielt haben. Es schätzte ein: “Auch dieser Einsatz führte zu einer Kräftezersplitterung und brachte nicht den notwendigen Erfolg.“ LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 22.

<2297>

Nach Abschluß der LPG-Bildung fanden in den jeweiligen Dörfern Großkundgebungen und Kulturveranstaltungen statt. In den Hauptdörfern zündeten die Freiwilligen Feuerwehren Feuerwerke.

<2298>

LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 165.

<2299>

Vgl. ebenda, Bl. 24.

<2300>

Die SED-BL Magdeburg hielt der SED-KL Haldensleben vor, sie hätte es nicht verstanden, das Tempo des sozialistischen Aufbaus auf dem Lande zu erhöhen.

<2301>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 24.

<2302>

Vgl. ebenda.

<2303>

Vgl. ebenda.

<2304>

Vgl. ebenda.

<2305>

Vgl. ebenda.

<2306>

Vgl. ebenda.

<2307>

LAMD-LHA, IV/4/5/78, Bl. 386.

<2308>

Ebenda.

<2309>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 9 ff.

<2310>

Ebenda, Bl. 13.

<2311>

Ebenda.

<2312>

Ebenda, Bl. 25.

<2313>

Das 8. Plenum des ZK der SED tagte vom 30. 3. 1960 bis 2. 4. 1960. Vgl. Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Chronik, Teil III, ... , S. 689.

<2314>

LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 26.

<2315>

Kritische Worte gingen bereits von der außerordentlichen Bürositzung der SED-KL vom 18. März 1960 an die örtlichen Volksvertretungen und örtlichen Räte. “Eingeschätzt werden muß, daß während der zurückliegenden Zeit die staatliche Leitungstätigkeit seitens der örtlichen Volksvertretungen und örtlichen Räte nicht in genügendem Maße wirksam wurde“, rügte der Sekretär für Agitation und Propaganda. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 6.

<2316>

Zur Verbesserung der Arbeitsweise der Volksvertretungen in den kommenden Monaten gab der Kreissekretär Order, den Beschlußentwurf des 8. Plenums in sämtlichen Gemeindevertretungen aus-zuwerten und darauf aufbauend das künftige Vorgehen zu organisieren. Die Parteigruppen der Gemeindevertretungen wies er an, auf der Grundlage des Statuts allseitig die Durchführung der Parteibeschlüsse zu sichern. Vgl. LMAD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 27. Allein an diesem Beispiel wird wiederum die dominierende Rolle der Partei in Gestalt des Büros der SED-KL deutlich.

<2317>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 27.

<2318>

LMAD-LHA, IV/4/5/75, Bl. 281. Es sei ausdrücklich erwähnt, daß die Gliederungen der SED - auch das Sekretariat bzw. Büro der SED-KL - kein offizielles Weisungsrecht gegenüber staatlichen Stellen besaßen. Das Sekretariat bzw. das Büro der SED-KL als Führungsorgan der SED im Kreis erteilte aber an die SED-Mitglieder in staatlichen Stellen Parteiaufträge, die diese unbedingt zu erfüllen hatten. Auch gegenüber den staatlichen Organen wurde auf diese Art, die führende Rolle der Partei in allen wesentlichen Belangen gewahrt.

<2319>

In Haldensleben II führten die Traktoristen trotz eines Belegschaftsstandes von 60 Kollegen nur sechs % der Arbeiten in der zweiten Schicht durch. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 31.Die beträchtliche Zahl an Schichttraktoristen gestattete aber, bis zu 40 % der Arbeitsaufgaben in der zweiten Schicht auszuführen. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 31 f.

<2320>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 32.

<2321>

Vgl. ebenda.

<2322>

Vgl. ebenda, Bl. 100.

<2323>

Der GO der SED der MTS Schackensleben hielt das Büro nachträglich vor, daß innerhalb ihres Bereiches “... bei der sozialistischen Umgestaltung eine Zeitlang ein absoluter Stillstand zu verzeichnen war." LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 100.

<2324>

LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 101.

<2325>

Eine ähnliche Kritik mußte der Bezirk Halle über sich ergehen lassen.

<2326>

Das Büro der SED-KL Haldensleben konstruierte daraus einen Zusammenhang zwischen mangelhafter Parteiarbeit und unbefriedigenden ökonomischen Leistungen.

<2327>

LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 101 f.

<2328>

Ebenda, Bl. 101.

<2329>

In Rottmersleben und Groß Santersleben allerdings fanden teilweise monatelang keine Gemeindevertretersitzungen statt. In diesen Dörfern bestand nur eine lose Verbindung zwischen den LPG und den Ortsausschüssen der Nationalen Front. Die örtlichen Kräfte arbeiteten lediglich in bescheidenem Rahmen an der Lösung der lokalen Angelegenheiten mit. Der Rat des Kreises wisse davon. Aber der Weg, dies zu ändern, sei lang und bürokratisch. Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 122 f.

<2330>

Vgl. LAMD-LHA, IV/4/5/76, Bl. 165.

<2331>

Vgl. ebenda.

<2332>

Vgl. ebenda.

<2333>

Vgl. ebenda, Bl. 276.

<2334>

Vgl. ebenda, Bl. 281.

<2335>

Ebenda.

<2336>

LAMD-LHA, IV/4/5/78, Bl. 386 f.


[Titelseite] [Einleitung] [1] [2] [3] [4] [5] [Anhang] [Abkürzungsverzeichnis] [Bibliographie]

© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.

DiML DTD Version 2.0
Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML - Version erstellt am:
Thu Oct 5 11:46:33 2000