[Seite 1↓]

1  EINLEITUNG

Definition: „Außerklinische Geburt: Geplante oder ungeplante Entbindung außerhalb der klinischen Geburtshilfe: zu Hause, in einem von freiberuflichen Hebammen geführten Geburtshaus, in der Arzt- bzw. Hebammenpraxis oder –immer als Notfall – auf dem Transport. Häufigkeit: zur Zeit 2 %, d.h. etwa 10000 Geburten in Deutschland“ (239)

Zu Beginn des 20.Jahrhunderts fanden nahezu alle Geburten im privaten Hause statt. Die Periode zwischen 1900 und 1950 etwa war geprägt vom Übergang der traditionellen Hausgeburtshilfe zur klinischen Geburtshilfe.

Nach dem zweiten Weltkrieg entstanden zwei deutsche Staaten mit zwei unterschiedlichen Gesellschafts- und somit auch Gesundheitssystemen. In der DDR wurde der Anteil der klinischen Geburten Anfang der 70er Jahre mit 99% angegeben. Mit dieser Arbeit soll die Entwicklung der außerklinischen Geburtshilfe auf dem Gebiet der DDR aufgezeigt und in ihrem medizinischen und gesellschaftlichen Kontext vom Ende der 40er Jahre bis 1989 dargestellt und diskutiert werden.

Die Arbeit ist in drei Hauptkapitel unterteilt:

Der erste Teil beschäftigt sich mit der Entstehung der klinischen Geburtshilfe in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Grundlage für die weitere Entwicklung der folgenden Jahrzehnte. Die Klinikgeburt stellte eine anfangs stark umstrittene Neuerung dar, die aber schließlich von den Frauen und den Geburtshelfern als soziale Errungenschaft angenommen und während des Dritten Reiches verteidigt wurde.

Das zweite Kapitel zeigt die Entwicklung in der neu gegründeten DDR in den 50er und 60er Jahren. Der rapide Übergang zur klinischen Geburtshilfe soll im Kontext des Gesundheitssystems der DDR, als Teil des Gesundheitsschutzes von Mutter und Kind, dargestellt werden.

Das dritte Kapitel umfasst die 70er und 80er Jahre in der DDR bis zur politischen Wende. In diesem Kapitel soll die weitere Entwicklung nach Erreichen der ‘99% -[Seite 2↓] Grenze‘ der Klinikgeburten skizziert werden. Ausgehend von der Entwicklung in der damaligen Bundesrepublik in den 70er Jahren, die gekennzeichnet war von einem Wiederaufleben der Hausgeburt bzw. der außerklinischen Geburtshilfe (Geburts­häuser), soll ein kurzer Vergleich der Entwicklung in beiden Staaten während dieser Zeit angestellt werden.

Das Material dieser Arbeit ergab sich zunächst aus der Durchsicht der zu diesem Thema publizierten Arbeiten in den damals gängigen medizinischen Fachzeitschriften und Fachbüchern.

Für das erste Kapitel sind insbesondere das „Zentralblatt für Gynäkologie“ und das „Archiv Gynäkologie“ zu nennen. Die gängigen Fachzeitschriften für geburtshilfliche Themen in der DDR waren das „Zentralblatt für Gynäkologie“, die „Zeitschrift für ärztliche Fortbildung“, „Das Gesundheitswesen“ sowie die „Zeitschrift für die gesamte Hygiene und ihre Grenzgebiete“. (Kapitel zwei und drei)

Komplettiert wurde die Materialsammlung durch Dissertationen und Monographien, die in der DDR zu Themen der klinischen und außerklinischen Geburtshilfe, der Mütter- und Säuglingssterblichkeit sowie der Sozialpolitik erschienen waren.

Eine weitere Grundlage stellt die Analyse der Gesetzestexte der DDR und offizieller Dokumente, wie „Verfügungen und Mitteilungen des Ministeriums für Gesundheits­wesen“, dar sowie die Auswertung der statistischen Erhebungen der DDR.

Für den Vergleich zur Entwicklung der Problematik in den beiden deutschen Staaten wurde zusätzlich Literatur zur Sozialgeschichte und Geschichte der Frauenbewegung der DDR und BRD hinzugezogen.

Eine weitere wichtige Informationsquelle war die Befragung von und die Diskussion mit Zeitzeugen, sowohl aus dem medizinischen als auch aus dem nichtmedizinischen Bereich.


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
DiML DTD Version 3.0Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML-Version erstellt am:
23.04.2004