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8.  Ellen Key und der libertäre Sozialismus


Ellen Key war eine Schriftstellerin und Pädagogin, die ihre Interessen weit über den genuin pädagogischen und psychologischen Bereich hinaus entwickelt hat. Eine wesentliche Thematik, die ihr einige Jahrzehnte lang immer wieder Stellungnahmen in Form von Vorträgen oder Essays entlockt hat, war die Politik respektive Kultur- und Ideologiekritik.

Der Begriff „Politik“ stammt vom griechischen Wort politis, welches soviel wie „Öffentlichkeit“ oder „die Öffentlichen“ bedeutet. Ein Zoon politikon wurde im Griechenland der Antike den sogenannten idiotes gegenüber gestellt, d.h. Menschen, die nur ihre privaten Probleme und Fragestellungen als relevant erachten. Beurteilt man das Leben Ellen Keys zusammenfassend, kann mal feststellen, dass sie durch und durch ein Zoon politikon und keineswegs zur Gruppe der „Idioten“ zu zählen war.

Eine Abhandlung, die dieses Urteil vollumfänglich bestätigt, ist der Aufsatz Die Wenigen und die Vielen (1895), der in deutscher Übersetzung 1901 im gleichnamigen Sammelband – Die Wenigen und die Vielen. Neue Essays – im S. Fischer Verlag Berlin erschienen ist. In diesem Text geht Key von der menschlichen Urerfahrung aus, einerseits Mitglied einer größeren Gruppierung, einer Sozietät, eines Volkes oder einer Nation und andererseits ein Individuum zu sein. Diese Erfahrung ist den Ausführungen der Autorin gemäß immer mit Dissonanzen und Konflikten verknüpft, da fast immer einige, meist unüberbrückbare Antagonismen zwischen der Masse und dem jeweiligen Einzelnen bestehen.

Key verweist in diesem Zusammenhang auf die historischen Epochen der griechischen Antike und der Renaissance, die beide charakterisiert waren von einer Hochschätzung des Individuums:

Sowie wir nur die Worte „Hellas“ oder „Renaissance“ aussprechen, so ist es, als wallte ein Festzug göttlich-herrlicher Gestalten vorbei, die Luft mit Klang und Farbe erfüllend. Das Leben ist für immer reicher geworden durch das tiefe selbstische Lebensgefühl und die überströmende Schaffensfreude dieser Zeiten. In anderen Epochen wieder trat das Mitgefühl in den Vor[Seite 163↓]dergrund. Da beschäftigte die Denkenden nicht das Glück des Einzelnen, sondern die Leiden der Vielen.1


Die Dynamik zwischen dem Individuum und der Gesellschaft kann auch als Polarität zwischen Selbstgefühl und Mitgefühl interpretiert werden. Unter Selbstgefühl versteht Key einen - aus kultureller Sicht - gesunden und schöpferischen Egozentrismus, der es dem Einzelnen erlaubt, die eigenen Anschauungen, Empfindungen, Stimmungen und Gedanken derart wichtig und ernst zu nehmen, dass er mit ihrer Hilfe seinem Leben und damit allen seinen Lebensäußerungen einen unverwechselbaren Stempel aufdrücken kann. Große und bedeutende künstlerische, wissenschaftliche und philosophische Errungenschaften werden normalerweise immer oder zumindest vorrangig von derartigen Individuen initiiert und ins Werk gesetzt.

Das Mitgefühl bedeutet der schwedischen Pädagogin zufolge soviel wie Solidarität, Kooperation und Kommunikation. Insbesondere auf diese Qualitäten musste die Menschheit in ihrer Geschichte zurückgreifen, um ihr Überleben und ihre Weiterentwicklung zu sichern. Ohne die „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt“ - so der Titel des bekanntesten Buches von Peter Kropotkin, eines libertären Sozialisten und Anarchisten, das dieser 1902 publiziert hat -, wäre die Menschheit sicherlich den Unbilden der Natur gesamthaft zum Opfer gefallen.

Ellen Key vertritt die Meinung, dass es in der Menschheitsgeschichte Epochen gab, in denen entweder das Selbstgefühl oder das Mitgefühl dominierend waren. Ein wesentlicher Untersuchungsansatz ihrer Abhandlung besteht darin herauszufinden, ob und unter welchen Bedingungen ein produktiver Ausgleich zwischen diesen beiden Lebensstilen hergestellt werden könne. Ihr schwebt dabei das Ideal einer Gemeinschaft vor, die sowohl Solidarität und Mitgefühl als auch die Achtung vor der Individualität und Einzigartigkeit des Menschen gleichermaßen berücksichtigt.

Eine jede politische Ideologie oder gesellschaftliche Struktur darf und soll der schwedischen Pädagogin zufolge daraufhin beurteilt werden, inwiefern in ihnen sowohl das Mitgefühl als auch das Selbstgefühl zum Tragen kommen. In Die Wenigen und die Vielen untersucht Key zuerst den Liberalismus und Sozialismus als wichtige gesellschaftliche Formen des Zusammenlebens auf ihre Möglichkeiten hin, diesen beiden Lebens[Seite 164↓]formen einen entsprechenden Platz einzuräumen. Den Liberalismus wie auch den Sozialismus wählt die Autorin, weil beide - wie sie meint - „Kinder der Französischen Revolution“ seien und weil sie, Ellen Key, für diese historische Epoche besondere Sympathie aufbringe.

Der Liberalismus - der schon in seinem Namen das Programm der Freiheit (lat. libertas) vorgibt - gilt seit je als weltanschaulich-politische Richtung, die dem Individuum den Vorrang vor der Gemeinschaft oder der Gesellschaft einräumt. Zum Hauptanliegen des Liberalismus gehören die Förderung und Wahrung von Freiheit und Selbstbestimmung des Individuums, die Bändigung und Regulierung politischer Herrschaft durch institutionelle Strukturen und Arrangements (z.B. Gewaltenteilung), die Abwehr von Bevormundung durch das Kollektiv einschließlich aller staatlicher und kirchlicher Institutionen sowie das Eintreten für eine sich selbst regulierende Marktwirtschaft und ein dementsprechendes Wirtschaftsleben.

Einige wesentliche Grundgedanken des Liberalismus gehen unter anderem auf Adam Smith (1723-1790), John Bentham (1784-1832), John Stuart Mill (1806-1873) sowie Alexis de Tocqueville (1805-1859) zurück; darüber hinaus findet sich aber bereits in den 1689 formulierten Bill of Rights sowie in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1787 und der französischen Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (1789) liberalistisches Gedankengut. Im 19. Jahrhundert wurde etwa im Rahmen der Revolution von 1848/49 versucht, den Liberalismus auf breiterer Front durchzusetzen, was jedoch nur punktuell gelang. Allmählich kristallisierten sich (z.B. in Deutschland) mehrere Parteien heraus, die entweder nationalliberale oder aber linksliberale Positionen vertraten und in der Regel im bürgerlichen Lager ihre Heimat fanden. Zu jener Zeit, als Ellen Key ihre Abhandlung Die Wenigen und die Vielen verfertigte, war der Liberalismus zwar als Idee und politisches Programm durchaus bekannt, jedoch nicht in praxi erprobt.

Ähnlich stand es Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Sozialismus, dessen Name ebenfalls programmatisch zu verstehen ist (lat. sozialis = gesellig, kameradschaftlich). Auch der Sozialismus war damals theoretisch einigermaßen elaboriert; ihm fehlte jedoch die konkrete gesellschaftliche und politische Praxis.

Auch der Sozialismus kann - wie der Liberalismus - auf eine weltanschauliche und philosophische Tradition und Quellenlage zurückblicken, die bis in das 17. und 18. Jahrhundert zurückreichen. Wer irgendeine Ge[Seite 165↓]schichte des Sozialismus aufschlägt, um die Grundzüge dieser Weltanschauung etwas genauer zu studieren, wird rasch bemerken, dass es nicht den, sondern viele „Sozialismen“ gibt. Die verschiedenen Richtungen weisen dabei auch jeweils eigene Namen und Bezeichnungen sowie Gründerväter und Adepten auf.

So unterscheidet man beispielsweise die französischen, englischen und deutschen Utopisten, die Anarchisten, Revisionisten, Syndikalisten, Marxisten, Leninisten, Trotzkisten, Spartakisten, Kommunisten, Neomarxisten, Stalinisten, Sozialdemokraten, die I. und die II. Internationale usw. Anhand dieser kurzen Aufzählung ahnt man bereits, dass sich hinter den diversen Namen und Titeln zum Teil recht heterogene Modelle und Konzepte des einzelnen Menschen und seines kollektiven Zusammenlebens mit anderen verbergen, die jedoch an dieser Stelle nicht näher abgehandelt werden können.

Ellen Key hat in Die Wenigen und die Vielen vorrangig auf den damals nur von der Theorie her zu beurteilenden Staatssozialismus Bezug genommen und diesen hinsichtlich seiner Werte und Ideale untersucht. Unter Staatssozialismus, den die Autorin in ihrem Text schlicht „Sozialismus“ nennt, verstand sie vor allem diejenigen Staats-, Wirtschafts- und Gesellschaftsformen, die von Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895) ausgearbeitet oder in Umrissen entworfen worden waren.

Marx hat zusammen mit Engels im Marxismus eine politisch-ökonomische Theorie und Ideologie geschaffen, die sich auf bestimmte historische Modelle (vor allem auf den sogenannten historischen Materialismus), auf Religionskritik und aufklärerische Philosophie sowie auf nationalökonomische Ideen stützten und letztlich zu revolutionären Umwälzungen Anlass gaben. Vernunft- und Fortschrittsglaube ebenso wie radikal-demokratische und atheistische Vorstellungen wurden dabei vom Ideengut der europäischen Aufklärung entlehnt und in ein Modell einer mehr oder minder utopisch anmutenden Gesellschaftsform gegossen.

Schon in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts hatte Marx in seinen Frühschriften, in denen er sich merklich von seinem philosophischen Lehrer Hegel und dessen konservativen Ansichten absetzte, der Philosophie eine den Menschen emanzipierende Aufgabe zugeschrieben: Durch die Kritik an Religionen, entfremdender Herrschaft, Ungerechtigkeiten und Verdummungsmechanismen der Staaten, materieller Verelendung usw. soll nach Marx die Philosophie den Menschen die Augen für ihre Situation [Seite 166↓]öffnen und sie darüber zu aktiv Handelnden ihres Lebens werden lassen. Der Mensch müsse enttäuscht und desillusioniert werden, damit er schließlich als Nüchterner und Wachgewordener sein Schicksal selbst in die Hand nimmt und sich um sich selbst und damit um seine „wirkliche Sonne“ dreht:

Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Sozietät. Dieser Staat, diese Sozietät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewußtsein, weil sie eine verkehrte Welt sind... Es ist also Aufgabe der Geschichte, nachdem das Jenseits der Wahrheit verschwunden ist, die Wahrheit des Diesseits zu etablieren. Es ist zunächst die Aufgabe der Philosophie, die im Dienste der Geschichte steht, nachdem die Heiligengestalt der menschlichen Selbstentfremdung entlarvt ist, die Selbstentfremdung in ihren unheiligen Gestalten zu entlarven. Die Kritik des Himmels verwandelt sich damit in die Kritik der Erde, die Kritik der Religion in die Kritik des Rechts, die Kritik der Theologie in die Kritik der Politik.2


Der frühe Marx kannte also durchaus die Verbindung von Ideologie-, Religions- und Staatskritik und spürte deutlich, dass diese Formen sich gegenseitig stützen und eine einheitliche Struktur bilden.

Ein Jahrhundert später hat Sigmund Freud auf einen analogen Sachverhalt abgehoben, als er davon sprach, dass die sexuelle, religiöse und autoritäre Denkhemmung eine Trias bilden, bei der die einzelnen Denkhemmungen sich ebenfalls gegenseitig bedingen; eine Überwindung von Denkhemmungen setze deshalb immer die kritische Emanzipation auf den Gebieten der Religion, des Staates (bzw. der Autoritäten) und der Moral (der Sexualität) voraus.3

Das hehre Ziel einer emanzipierten und von Selbstentfremdung befreiten Menschheit besteht nach Marx im Kommunismus, in einer Staatsform also, die sich durch eine auf Gemeineigentum basierende Wirtschaftsordnung auszeichnet und in der dadurch alle wesentlichen sozialen [Seite 167↓]Gegensätze und Benachteiligungen aufgehoben sind. Als eine wichtige Etappe auf dem Weg dorthin durchlaufe eine Gesellschaft notwendigerweise die Phase des Sozialismus, der in Ansätzen schon auf wirtschaftliche und soziale Gleichheit und Gerechtigkeit ausgerichtet ist.

Marx und Engels sahen im Europa des 19. Jahrhunderts vorrangig Staaten am Werk, deren Rechts- und Wirtschaftssysteme von diesen eben skizzierten Zielen nicht nur weit entfernt waren, sondern ihnen diametral entgegenstanden. Die industrielle Revolution und der damit einher gehende Frühkapitalismus hatten in vielen europäischen Gesellschaften zu Massenelend und zu schreienden Ungerechtigkeiten geführt, die das sogenannte Proletariat4 am härtesten trafen.

Der marxschen Theorie zufolge stellt das Proletariat einerseits die Klasse der ausgebeuteten, erniedrigten und entfremdeten Menschen dar, andererseits zugleich aber auch diejenige Gruppierung in der kapitalistischen Gesellschaft, die über ihre Arbeitskraft der eigentliche Schöpfer des Mehrwerts und des wirtschaftlichen Reichtums ist. Dem Proletariat kommt nun aufgrund dieser massiven Benachteiligungen nach Marx die gesellschaftliche Rolle einer umwälzenden und revoltierenden Macht zu. Im Rahmen eines Klassenkampfes werde sich das Proletariat gegen die Besitzenden von Produktionsmittel und gegen die herrschende Bourgeoisie erheben und mit den althergebrachten kapitalistischen Wirtschaftssystemen auch die dazu gehörenden Staats-, Regierungs- und Gesellschaftssysteme hinweg fegen.

Den konzentriertesten schriftlichen Niederschlag dieser Überlegungen und Theorien schufen Karl Marx und Friedrich Engels in ihrem Manifest der Kommunistischen Partei, das 1848 in London erschien. Darin wird die bisherige Geschichte der Klassenkämpfe im Zusammenhang mit den Produktivkräften und -verhältnissen dargelegt, im Abschnitt über „Proletarier und Kommunisten“ jedoch auch ausgeführt, dass die proletarische Bewegung auf die Kommunisten als treibender Teil der Arbeiterparteien aller Länder angewiesen sei. Sie, die Kommunisten, zeichneten sich durch „Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung“ aus und wiesen somit eine Art Exklusiv-Wissen auf, das sie in die Lage versetze, den historischen Ablauf und Prozess von [Seite 168↓]Krisen und Klassenkämpfen, von ökonomischen und politischen Entwicklungen zu prognostizieren.

Spätestens mit diesem Konzept einer kommunistischen Partei, welche die Kräfte und Bewegungsimpulse des Proletariats bündelt, ordnet, in revolutionäre Bahnen lenkt und so letztlich die Herrschaft des Proletariats und damit die Überwindung aller Klassen und ihrer Gegensätze initiiert, haben Marx und Engels die theoretische Basis für jene gesellschaftlichen Entwicklungen gelegt, die einige Jahrzehnte später zwar nicht zur Diktatur des Proletariats, wohl aber zur Diktatur von Kommunistischen Parteien und einer Nomenklatura geführt haben. Damit war die alte hegelsche Auffassung vom Staat durch die Hintertüre wieder in den „Ballsaal der Historie“ eingedrungen, die Auffassung nämlich, dass es einigen wenigen vorbehalten sei, die Rolle von Subjekten der Geschichte einzunehmen, während die Masse der Menschen als bloße Objekte des Geschichtsverlaufs ihr Dasein fristen und als Individuen (in einem weiteren und politischen Sinne) nicht in Betracht kommen.

An dieser zumindest partiellen Entwertung oder Geringschätzung von Individuen, die eine kommunistische Weltanschauung und Gesellschaftsordnung à la Marx und Engels mit bedingen können, übte Ellen Key heftige Kritik:

Die Möglichkeit der Unterdrückung der Individualität durch den Sozialismus ist für mich wie so viele andere der große gültige Einwand gegen den Sozialismus gewesen. Kann dieser nicht ebenso sehr, nein, viel mehr als die gegenwärtige Gesellschaft die Individualität berücksichtigen, dann bleibt die sozialistische Gesellschaft nicht bestehen.5


Abgesehen davon, dass die Geschichte des Staatssozialismus und des Kommunismus im 20. Jahrhundert die Prognose Ellen Keys (bezüglich seines Nichtbestehens angesichts einer Entwertung des Individuellen) bestätigt hat, wird in diesem kurzen Passus eine Position vertreten, die am Ende des 19. Jahrhunderts von einigen sozialistisch eingestellten Intellektuellen und Politikern als „libertärer Sozialismus“ oder als „Anarchismus“ tituliert wurde. Im Folgenden soll gezeigt werden, dass die politischen Ansichten Ellen Keys am ehesten als libertärer Sozialismus bezeichnet wer[Seite 169↓]den können und dass sie sich damit durchaus in der Gesellschaft anderer „Anarchisten“ befand. Dies verdeutlicht auch ein Passus in ihrem Buch Der Lebensglaube (1906), worin sie die Bedingungen für günstige seelische Entwicklungen der Menschen bedenkt. Key meint,

... daß der Traum des Sozialismus wie des Anarchismus ... im Innersten mit dem Gedanken einer verwirklichten Lebenskunst eins ist, wo Seelenfreiheit und Selbsterziehung die „schöne Güte“ erzielt haben, die es dem Ich ermöglichen wird, sich selbst aufrecht zu erhalten, ohne die Stütze jener Gesellschaftsmacht und Gesellschaftsmeinung, die jetzt an sich nicht böse Menschen zwingt, als Gesellschaftsmitglieder und Staatsdiener einander zu unterdrücken und zu vernichten.6


Im Gegensatz zu den staatsgläubigen Sozialisten und Kommunisten gab es schon im 19. Jahrhundert Intellektuelle, Künstler, Politiker und Philosophen, die zwar ähnliche Ziele der Emanzipation der Menschen, des weltweiten Friedens, der gerechteren Verteilung des Besitzes und der Aufhebung autoritärer Bildungs- oder Geschlechtsunterschiede verfolgten wie die Marxisten und Kommunisten, die jedoch weder auf einen Staat noch auf eine Partei bauen wollten, um diese Ziele zu realisieren, und die dem Individuum einen sehr hohen Stellenwert im gesellschaftlichen Leben zukommen lassen.

Weil der Staat und seine Institutionen und damit auch alle Parteien immer schon die Tendenz zeigten, sich als Leviathan anbeten und vergotten zu lassen und die ihnen übertragene Macht und Herrschaft zu missbrauchen, galt (und gilt) es unter den Vertretern dieser Gruppierung als ausgemachte Sache, dass der Staat und sein Einfluss möglichst weit zurückgedrängt und an seine Stelle die Rechte und die Freiräume von Individuen treten müssen, wenn wirklich humane gesellschaftliche Verhältnisse geschaffen werden sollen.

Aufgrund dieser Einstellung nennt man die Anhänger einer derartigen politischen Richtung libertäre Sozialisten oder Anarchisten. Neben England waren es vor allem Frankreich, Spanien, Russland und Deutschland, die in den letzten Jahrhunderten solche sozialistische Denker mit offensichtlich großen Sehnsüchten nach einer besseren Welt hervorge[Seite 170↓]bracht haben. Zu ihnen zählen etwa Saint-Simon (1760-1825) und seine Anhänger, die „Saint-Simonisten“, Charles Fourier (1772-1837) oder auch Pierre-Joseph Proudhon (1809-1865).

Ähnlich wie Proudhon – und im Gegensatz zu Marx, Engels und anderen staatsgläubigen Kommunisten – fühlten sich die russischen Anarchisten Michael Bakunin (1814-1876), Peter Kropotkin (1842-1921) und Leo Tolstoi (1828-1910) oder die deutschen Anarchisten Max Stirner (1806-1856), Gustav Landauer (1870-1919) und Rudolf Rocker (1873-1958) einem libertären Sozialismus verpflichtet. Stirner, den Ellen Key in ihrem Text Die Wenigen und die Vielen rühmend hervorhebt und von dem sie ein Zitat ihrem Essay über Die Freiheit der Persönlichkeit 7 voranstellte, räumt dem „Einzigen“ - der Titel seines bekannten Buches lautet Der Einzige und sein Eigentum (1845) - oder dem Individuum den Vorrang vor den Interessen des Staates und der Gesellschaft ein.

Auch viele Schriftsteller oder Künstler haben sich zu einem libertären Sozialismus bekannt und stellten ihr Tun in den Dienst einer staatsfernen und das Individuum fördernden Politik; Oscar Wilde, George Bernard Shaw, Leo Tolstoi, in gewisser Weise auch Henrik Ibsen und manche andere verdienen hier, erwähnt zu werden. Es steht zu vermuten, dass Ellen Key vor allem die libertären Ansichten Ibsens kannte, da dieser mit Georg Brandes einen intensiven Briefwechsel geführt hat, bei dem auch Fragen der Politik und dabei ganz dezidiert des Anarchismus eine Rolle spielten.

Inwiefern dabei die ibsenschen Ansichten zur Politik direkt von Ellen Key rezipiert wurden oder ob es sich eher um die von Georg Brandes mitgeteilten und modifizierten Gedanken des Dichters gehandelt hat, ist schwer zu entscheiden. Dies liegt vor allem daran, dass Brandes selbst in den Jahren vor und um die Jahrhundertwende einen Schwenk weg vom Liberalismus hin zum libertären Sozialismus vorgenommen hat.

Brandes war in den 1860er Jahren mit einer Übersetzung einiger Texte von John Stuart Mill hervorgetreten, einem - wie oben erwähnt - Vertreter einer liberalen Ideologie. Kaum fünfzehn Jahre später, 1881, erschien aus der Feder von Brandes eine Biographie über Ferndinand Lassalle (1825-1864), der in seinem Denken manche sozialistischen Elemente vorweggenommen oder mit formuliert hatte. Anfang des 20. Jahrhunderts schließlich lässt sich die weltanschauliche Entwicklung des dänischen Literatur- und Kulturkritikers hin zum libertären Sozialismus eines [Seite 171↓]Peter Kropotkin nachweisen, weil Brandes ein recht einfühlsames und von großer Sympathie für den russischen Edel-Anarchisten geprägtes Vorwort zu dessen Lebenserinnerungen verfasst hat.

Im Briefwechsel zwischen Ibsen und Brandes kommen jedenfalls die libertären Ansichten der beiden Protagonisten (zumindest diejenigen von Ibsen) recht deutlich zum Ausdruck. So heißt es beispielsweise in einer Briefstelle aus der Korrespondenz des norwegischen Dichters an den dänischen Kulturkritiker:

Der Staat ist der Fluch des Individuums. Womit ist Preußens Stärke als Staat erkauft? Mit dem Aufgehen der Individuen in dem politischen und geographischen Begriff... Der Staat muß weg! Bei der Revolution tue ich auch mit! Untergrabt den Staatsbegriff, stellt die Freiwilligkeit und das geistig Verwandte als das für ein Bündnis Entscheidende auf,- das ist der Anfang einer Freiheit, die etwas wert ist.8


Diese Zeilen hätten in ihrer entschiedenen und eindeutigen Stellungnahme für das Individuum und gegen den Staat so oder so ähnlich auch von Proudhon, Bakunin oder Kropotkin stammen können. Und der Geist dieser Zeilen kehrt im Essay Ellen Keys Die Wenigen und die Vielen ziemlich unverändert wieder, wenn sie schreibt:

Es ist darum ein Glück für den Sozialismus, daß der Anarchismus ihn zwingt, seine Theorien zu anarchisieren, so wie der Sozialismus den Liberalismus gezwungen hat, die seinen zu sozialisieren. Der Anarchismus hat gewisse wichtige Warnungen zu geben. Er führt die Sache des Individualismus gegenüber der Staatsgewalt; der Selbstverwaltung gegenüber der Zentralisation; der Initiative gegenüber der Kontrolle.9


Mit ihren libertär-sozialistischen Ansichten vertrat Ellen Key Positionen, wie sie etwa zeitgleich auch von dem weiter oben schon erwähnten russischen Edel-Anarchisten Peter Kropotkin (1842-1921) formuliert worden waren. Dieser ehemalige Aristokrat, der als Anhänger Bakunins seine poli[Seite 172↓]tische Laufbahn begann, sich aber bald einer wissenschaftlichen Erforschung und philosophischen Durchdringung gesellschaftlicher und anthropologischer Fragestellungen widmete, hat mit seinem Buch über Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt eine überzeugende Polemik gegen Darwins survival of the fittest formuliert.

Kropotkin bekämpfte in seinen Schriften den von ihm sogenannten „autoritären Sozialismus“ (Sozialdemokratie und bolschewistischer Kommunismus) aufs Entschiedenste. Er war stark von der Lektüre der proudhonschen Schriften inspiriert und sah deshalb im Staat ein Instrument der herrschenden Klasse, welches dem Volk eine nicht wirklich vorhandene Einheit und Zusammengehörigkeit vorgaukelt, um es besser ausbeuten und knechten zu können.

Dementsprechend beurteilte er auch eine mögliche zukünftige Herrschaft des Proletariats als „Diktatur“ und ähnlich autoritär wie andere staatliche Gewalt. Der russische Anarchist war fest davon überzeugt, dass die Menschen ohne staatliche Autorität erfolgreich, friedlich und kooperativ ihr Dasein gestalten können. Allen denjenigen, die von der Schlechtigkeit des Menschengeschlechts überzeugt waren und deshalb nach einem starken Staat - dem hobbesschen Leviathan - riefen, schrieb Kropotkin ins Stammbuch:

Eben weil wir die Menschen kennen, sagen wir denen, welche glauben, daß die Menschen sich ohne jene Obrigkeiten gegenseitig auffressen würden: „Ihr sprecht wie der König, der bei seiner Verbannung ausrief: Was wird aus meinen armen Untertanen ohne mich werden!?“10


In diesen und vielen anderen Textpassagen Kropotkins wird sein tiefer Glaube an die potentielle Solidarität und Kooperation der Menschen untereinander evident. Insbesondere in dem weiter oben schon erwähnten Buch über Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt hat er die diesbezüglichen anthropologischen Grundlagen ausführlich erörtert. Dabei ist vor allem sein gegen Darwin gerichtetes Diktum erwähnenswert, dass nicht der stärkere, sondern der kooperativere Mensch die besseren Vor[Seite 173↓]aussetzungen zur Bewältigung des Existenzkampfes und zur Durchsetzung im Entwicklungsgang aufweise.

Es lässt sich nicht im Detail abschätzen, ob und wie sehr Ellen Key die zur Jahrhundertwende relativ verbreiteten Schriften Kropotkins im Original gekannt und gelesen hat. Wahrscheinlich wurden ihr jedoch über Georg Brandes und dessen Beschäftigung mit dem russischen Denker einige seiner wesentlichen Gedanken vorgestellt. In den Texten Keys kann man jedenfalls - besonders was die libertär-sozialistischen Formen des menschlichen Zusammenlebens anbelangt - Spuren des kropotkinschen Denkens nachweisen. Allerdings vertrat Key im Gegensatz zu Kropotkin einen eher darwinistischen Ansatz bezüglich ihres Menschenbildes.

Noch ein weiterer Schriftsteller soll in diesem Rahmen Erwähnung finden, der in seinen Texten einen libertären Sozialismus vertrat, wie er in ähnlicher Form und Ausgestaltung auch von Ellen Key propagiert wurde. Gemeint ist Oscar Wilde, der seine diesbezüglichen Positionen besonders eindrücklich in seinem Essay Die Seele des Menschen unter dem Sozialismus (1895) zum Ausdruck gebracht hat. Angeregt wurde Wilde zu diesem Aufsatz unter anderem durch George Bernard Shaw und die Fabian Society. Diese Gesellschaft, die aus Wissenschaftlern, Künstlern und Intellektuellen bestand, war 1884 von Sidney und Beatrice Webb gegründet worden und hatte ihren Namen nach dem römischen Feldherrn Quintus Fabius Maximus erhalten, der durch seine zögernde Taktik letztlich Hannibal besiegen konnte. Auch die Fabian Society liebäugelte mit einer „zögernden Taktik“, baute auf die langsame Umgestaltung der Gesellschaft hin zu den Idealen des Sozialismus und lehnte dementsprechend revolutionäre Umstürze ab. Neben den Webbs war G.B. Shaw einer der führenden Köpfe der Society; bis zu seinem Tod lautete daher auch seine Telegrammadresse: „Sozialist, London“.

Auch Oscar Wilde fühlte sich dem Tempo und der evolutionären Entwicklungsidee der Fabian Society nahe verwandt; und so wie sie betonte auch der Dichter den Vorrang des Individuums vor jeglichem Staats-Sozialismus. Bei Wilde allerdings speist sich ein großer Teil seiner sozialistischen Gedanken auch aus seinem Ästhetizismus: Er fand Armut, Arbeits- und Obdachlosigkeit sowie fehlende Bildungsmöglichkeiten schlicht „hässlich“. Aber trotz dieser ästhetisierenden Zusätze zum libertären Sozialismus bleibt Wildes Engagement für die Zukurzgekommenen außeror[Seite 174↓]dentlich lobenswert und seine Warnungen vor einem Staats-Sozialismus enorm hellsichtig:

Wenn der Sozialismus autoritär ist, wenn es Regierungen gibt, die sich mit der wirtschaftlichen Macht bewaffnen, wie heute mit der politischen Macht, wenn wir mit einem Wort Industrietyrannen bekommen sollen, dann wird der letzte Staat des Menschen schlechter als der erste sein.11


Für Wilde gibt es ein hartes Kriterium, an dem man erkennen kann, ob und wie ein Staat - und sei es auch ein sogenannt sozialistischer - es tatsächlich mit der Humanität hält: das Individuum! Nur diejenige Gesellschaft, die ihren Mitgliedern wirkliche Freiräume der Entfaltung und des Wachstums zugesteht und das Wohl des Einzelnen über das Wohlergehen von Institutionen stellt, verdient den Namen „sozialistisch“. Bei Wilde heißt es dazu lapidar:

Andrerseits ist der Sozialismus lediglich darum von Wert, weil er zum Individualismus führt.12


Key kannte diese Ausführungen Oscar Wildes und hat sich inhaltlich mit ihnen größtenteils identifiziert. In Ihrem Essay über Nietzsche und Goethe ging sie auf den Gedanken Wildes ein, dass der Sozialismus seinem Wesen nach ein realisierter Individualismus zu sein habe:

Viele andere der leidenschaftlichen Kulturträumer der Gegenwart haben in dieser Richtung klar gesehen. Man kann wohl einen Wilde ... nicht der „Herdenmenschen“-Gesichtspunkte bezichtigen. Dennoch hat er den Weg zum verwirklichten Individualismus und zur Gesellschafts-Schönheit im Sozialismus gesehen.13


In ihrem Essay Die Freiheit der Persönlichkeit (1903) hat die schwedische Reformpädagogin ein entschiedenes Plädoyer für einen Individualismus gehalten, der an den Belangen und Interessen der Allgemeinheit und [Seite 175↓]Menschheit orientiert ist und gleichzeitig den Auf- und Ausbau der eigenen Person als höchsten Wert deklariert.

In dieser Abhandlung versucht Key erfolgreich einen Brückenschlag zwischen Individuum und Kollektiv. Der Einzelne, den sich Key durchaus im Sinne Max Stirners imaginiert, zeichnet sich durch sehr individuelle Interessen, Neigungen, Antriebe, weltanschauliche Facetten, Entwürfe und Werthorizonte aus. Bei ihr heißt es dazu:

Der geborene Individualist hat schon von der Kinderstube und der Schulbank an instinktiv seine Spiele, seine Bücher, seine Arbeitsweise, seine Freunde gewählt. Er hat früh den Mut gehabt, seinen eigenen Schmerz und seine eigene Freude zu zeigen, seinen eigenen Geschmack und seine eigenen Fehler. Er hat sich nicht abplatten, bleichen oder abrunden lassen.14


Eine Generation später hat Martin Heidegger ähnliche Gedanken in seinem bekannten Buch Sein und Zeit (1927) geäußert. Bei ihm gibt es den Antagonismus von Ich-selbst-Sein und Man-selbst-Sein, also den Gegensatz von individueller und Massenexistenz. Normalerweise leben die Menschen beinahe vollständig egalisiert im Modus des Man-selbst-Seins. Nur in Ausnahmesituationen und nur bei Einzelnen kommt es zu Momenten des Ich-selbst-Seins, die das Individuum jedoch ängstigen und vereinsamen. Die Tendenz der meisten Menschen geht daher in die Richtung der Angleichung an die Meinungen, Vorurteile und Werthierarchien der Majorität.

Was bei Heidegger jedoch – im Gegensatz zu Ellen Key – völlig fehlt, ist eine positive Bezugnahme zum Sozialismus. Der Schwarzwälder Philosoph war ein ausgesprochen konservativer Denker, dem die aufklärerische, emanzipatorische und progressive Potenz eines (libertären) Sozialismus völlig fremd und unzugänglich geblieben ist und der einige Jahre später nicht zufällig eine merkliche Nähe zum Faschismus entwickelt hat.

Der Individualismus keyscher Couleur weist eine ganz und gar andere Zielsetzung auf. Die schwedische Reformpädagogin wusste sehr wohl um die Brüchigkeit und Doppelbödigkeit des z.B. im Christentum propagierten Altruismus, dem sie entschieden die Selbstliebe und den Egoismus entgegenstellte. Sie war Nietzscheanerin genug, um in den Be[Seite 176↓]teuerungen der Nächstenliebe die Melodie der Macht und der Egozentrizität zu erkennen und zu detektieren.

Den christlichen Altruismus wollte Key mit einem heidnischen Individualismus überwunden sehen – ein Individualismus, der auf dem Boden eines libertären Sozialismus erwachsen und gleichzeitig denselben ermöglichen sollte. Die Entwicklung der eigenen Person und das Werden und Wachsen als „Einziger“ (Max Stirner) sowie die Förderung anderer Menschen, des Kollektivs und des Allgemeinwohls stellten für Ellen Key keine Polaritäten oder Dualismen dar, sondern bedingten sich gegenseitig:

Kein Individualist spiegelt sich vor, daß er um irgendeines anderen Willen lebe, als um seiner selbst willen, oder mit irgend einem anderen Ziel, als alle Mittel seiner Natur herauszuarbeiten und zu veredeln. Aber je weiter er es in seiner eigenen Aktualisierung gebracht hat, desto stärker fühlt er in sich die Mannigfaltigkeit: Anderer Wohl und Weh ist für ihn gegenwärtig und fühlbar wie sein Eigenes. Er braucht nicht länger mit anderen um Freiheit für sein eigenes Wachstum zu kämpfen, und er begünstigt das Wachstum anderer, weil alle Bäume ein Teil seines eigenes Waldes sind. Er macht dabei mit strahlendem Glücksgefühl die Erfahrung: Daß das Größte, wofür wir leben können, unserer eigenen und anderer Persönlichkeiten Entwicklung ist.15


In dieser Abhandlung vertritt Key also die Meinung, dass das politische Problem des libertären Sozialismus auch und vor allem ein kulturelles und geistiges Problem darstelle. Deshalb gehören Künstler, Wissenschaftler und Philosophen mindestens ebenso wie genuine Politiker zu denjenigen, die eine Umsetzung der libertär-sozialistischen Ideale in eine humane Wirklichkeit möglich machen können. Manche Künstler unter den libertären Sozialisten – wie etwa George Bernard Shaw oder Oscar Wilde – haben dies teilweise schon im letzten Jahrhundert verstanden und zu leben versucht.

Für Key ebenso wie für andere libertäre Sozialisten bedeutete die sozialistische Weltanschauung neben der Entwicklung der eigenen Individualität vor allem: Abschaffung der Herrschaft des Menschen über den [Seite 177↓]Menschen; Eliminierung jeglicher Form ökonomischer Ausbeutung; absolute Gleichberechtigung der Geschlechter; Überwindung von Nationalismus und Rassismus; Abschaffung von Verarmung und Verelendung; Ersetzung der Religion durch ein wissenschaftlich-philosophisches Weltbild; Erziehung und Bildung im Geiste der Humanität; Verminderung der Arbeitszeit und statt dessen Vermehrung der Zeit für Persönlichkeitsbildung; Kampf gegen Vorurteile in allen Kulturbereichen; Abrüstung und Abschaffung der Rüstungsindustrie und des Militärs sowie genossenschaftliche Produktionsweisen.


Fußnoten und Endnoten

1 Key, E.: Die Wenigen und die Vielen (1895), in: Die Wenigen und die Vielen. Neue Essays, Berlin 1901, S. 9

2 Marx, K.: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie (1843/44), in: Die Frühschriften, Stuttgart 1971, S. 208f.

3 Siehe hierzu: Freud, S.: Die Zukunft einer Illusion (1927), in: Gesammelte Werke Band XIV, Imago-Ausgabe 1948, Frankfurt am Main 1999

4 Der Begriff des Proletariats leitet sich ab vom lateinischen Wort proles, das soviel wie Nachkommen bedeutet. In der römischen Gesellschaft wurde die Klasse der Nicht-Steuerfähigen als „Proleten“ bezeichnet - besitz- und rechtlose Menschen, die dem Staat lediglich ihre (große Zahl an) Nachkommen zur Verfügung stellen und sich selbst damit über Wasser halten konnten.

5 Key, E.: Die Wenigen und die Vielen. Neue Essays, a.a.O., S. 23f.

6 Key, E.: Der Lebensglaube, Berlin 1906, S. 461

7 Key, E.: Die Freiheit der Persönlichkeit, in: Essays, Berlin 1903, S. 95ff.

8 Ibsen, H.: Brief an Georg Brandes vom 17.02.1871, zit. n.: Nadolny, H.: Henrik Ibsen - Peer Gynt, Berlin 1990, S. 38

9 Key, E.: Die Wenigen und die Vielen. Neue Essays, a.a.O., S. 43f.

10 Kropotkin, P.: Der Anarchismus. Seine Philosophie - sein Ideal (1896), in: Anarchismus - Grundtexte, hrsg. v. O. Rammstedt, Köln 1969, S. 64f.

11 Wilde, O.: Die Seele des Menschen unter dem Sozialismus, in: Oscar Wilde - Sämtliche Werke Band 7, Frankfurt am Main 2000, S. 216

12 Wilde, O.: Die Seele des Menschen unter dem Sozialismus, a.a.O., S. 224

13 Key, E.: Nietzsche und Goethe, a.a.O., S. 396

14 Key, E.: Die Freiheit der Persönlichkeit, a.a.O., S. 96

15 Key, E.: Die Freiheit der Persönlichkeit, a.a.O., S. 122



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11.08.2004