Meak, Pramol: Biochemische Charakterisierung von Pflanzen unterschiedlicher Nutzungsintensität zur Ableitung von Parametern für die Ermittlung des energetischen Futterwertes

1

Kapitel 1. Einleitung und Problemstellung

Kenntnisse über die Energie- und Nährstoffgehalte von wirtschaftseigenem Grundfutter sind Voraussetzung zur effektiven Nutzung dieser Futtermittel im landwirtschaftlichen Betrieb. Unter den Grünfuttermitteln nehmen die Aufwüchse von Wiesen und Weideflächen eine wichtige Position ein.

Grosse Schwankungen im Nährstoff- und Energiegehalt dieser Futtermittel können ihren optimalen Einsatz erschweren. Die Gehaltswerte sind von einer Vielzahl von Faktoren, wie Pflanzenalter, Pflanzenart, Nutzung, Wachstumsstadium und von den Witterungsbedingungen abhängig.

Im Allgemeinen nehmen Pflanzenbestände mit zunehmendem Pflanzenalter im Energie-, Rohprotein- und einigen Mineralstoffgehalten ab, während sich die Zellwandbestandteile sowie die Einlagerung gerüstbildender Stoffe (Lignifizierung) verstärken. Damit verbunden ist eine Senkung der Verdaulichkeit (JILG und BRIEMLE, 1993).

In den letzten Jahren haben sich die Nutzungsbedingungen auf dem Grünland teilweise deutlich verändert. Diese Veränderungen sind geprägt durch eine Reduzierung der Nutzungsintensität mit dem Ziel des Umweltschutzes und der Landschaftspflege sowie der Erhaltung der Biodiversität.

Der Übergang von intensiver zu extensiver Nutzung ist mit großen Qualitätsveränderungen verbunden. Die Merkmale der Extensivierung sind eine deutlich verspätete Nutzung des ersten Aufwuchses (ab 1. Juli), ein Verzicht auf Stickstoff-Düngung und eine geringere Nutzungshäufigkeit (2-Schnittnutzung). Damit verbunden ist eine deutliche Veränderung des Pflanzenbestandes zugunsten von Leguminosen.

Innerhalb des Gräserbestandes nimmt der Anteil an widerstandsfähigen Untergräsern zu. Das drückt sich in Veränderungen der Futterqualität des geernteten Pflanzenmaterials aus (KÜHBAUCH, 1988; KITTMANN und KORNNHER, 1991; KÜHBAUCH et al., 1991; SPATZ et al., 1991; JILG und BRIEMLE, 1993; SÜDEKUM und SCHRÖDER, 1995).

Die Referenzmethode zur Bestimmung des energetischen Futterwertes von Grünfutter für Wiederkäuer ist der Verdauungsversuch an Schafen. Da diese Methode sehr aufwendig ist, wurde und wird schon lange nach einfachen Alternativen der Futterwertbestimmung gesucht. Dabei sind chemische Methoden und verschiedene in vitro bzw. in situ Methoden angewendet worden. Die bekanntesten Verfahren sind: Schätzmethode auf Basis der Rohnährstoffe, HFT- und Cellulase-Methode (ELOS und EuLOS). Die Methode auf Basis der Rohnährstoffe findet in der Praxis die größte Anwendung.

Die aus diesen Methoden entwickelten Schätzgleichungen können mit hoher Genauigkeit für intensiv erzeugtes Grünland angewendet werden.

Die Schätzgleichung auf Basis der Rohnährstoffe ist für Futter vom Grünland mit 1-2 Nutzungen und sehr spätem Nutzungstermin bei einem Verdaulichkeitsquotienten unter 0,6 nicht anwendbar (DLG, 1998).

Die Ursache dafür sind nicht lineare Veränderungen der Beziehung zwischen Rohfasergehalt und Verdaulichkeit im höheren Reifegrad.


2

Ziel der vorliegenden Arbeit war es:

  1. zu prüfen, ob die von uns gewählten Zellwandbestandteile (Xylose, Arabinose, pCA, FA, säurelösliches Lignin, Gesamtlignin sowie ADL:Gesamtlignin u. a.) über ein breites Spektrum der Nutzung von Grünlandbeständen eine engere Beziehung zur Verdaulichkeit der organischen Substanz haben als die Rohfasergehalte.
  2. Dazu wurden diese Parameter analysiert und die Regressionsgleichungen zwischen den Gehalten und Verdaulichkeit bzw. dem Energiegehalt errechnet.
  3. die umsetzbare Energie (ME) auf Basis der Rohnährstoffe und der in vitro Methoden (HFT und Cellulase) für die geprüften Pflanzenbestände zu berechnen und mit in vivo gemessenen Werten zu vergleichen.
  4. durch die Sammlung und chemische Analytik, sowie die Bestimmung der Gasbildung der bestandsbestimmenden Einzelpflanzen deren Einfluss auf den Energiegehalt der geprüften Bestände zu erfassen.


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.

DiML DTD Version 2.0
Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML - Version erstellt am:
Thu Nov 7 15:07:23 2002