Burkowitz, Jörg : Effektivität ärztlicher Kooperationsbeziehungen - Aus den Augen, aus dem Sinn ...? Empirische Analyse auf der Basis von Patientendaten

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Kapitel 2. Untersuchungsansatz

2.1. Ein- und Überweisungen als Kooperationsaufgabe

2.1.1. Verbesserung der interärztlichen Zusammenarbeit

Besonders im Hinblick auf Managed Care Ansätze wird die gezielte Förderung der interärztlicher Kooperation an Relevanz gewinnen. Um das Ergebnis des Prozesses und die kollegiale Kooperation zu verbessern, ist es notwendig, Determinanten und deren Wirkung zu analysieren.

Im idealtypischen Überweisungsprozeß konsultiert der Patient den Hausarzt, und eine Überweisung wird alleine durch die Möglichkeiten des Arztes zur Behandlung des Patienten entschieden. Nach der Therapie oder Diagnostik beim Facharzt, im Krankenhaus oder in anderen medizinischen Einrichtungen kehrt der Patient zurück, oder das Resultat wird zurückgemeldet. In der Realität weicht der Prozeß davon ab: Der Patient hat die Möglichkeit, direkt den Facharzt aufzusuchen (Abbildung 2.1).

Abb. 2.1: Überweisungsprozeß (nach Grembowski, Cook et al. 1998)


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Darunter leidet die Kooperation, da auf den Behandlungsstationen viele Unterbrechungen möglich sind, die zu einer »Verzettelung der Verantwortung« führen können.

Patienten mit chronischen Erkrankungen sind in besonderer Weise auf die ärztliche Zusammenarbeit angewiesen. Da sie kontinuierlich Medikamente einnehmen, ist bei der Therapie abzuklären, welche Auswirkungen die Maßnahmen auf laufende Therapien haben. Oft sind ältere, multimorbide Patienten davon betroffen. Dementsprechend sind eine Vielzahl von Behandlungseinrichtungen und Fachdisziplinen in die Behandlung chronischer Erkrankungen involviert. Ansätze zur Verbesserung der Versorgung zielen auf diese Patientengruppe.

Es sind durchaus weitere Unterschiede im Betreuungsgrad denkbar: Neben Erkrankungen wirken Alter und sozialer Status auf die Fähigkeit der Selbststeuerung des Patienten. Unklar ist bis jetzt, wie die Inanspruchnahme von Überweisungen und fachärztlichen Behandlungen und der daraus resultierende Informationsfluß von Fall- und Patientencharakteristika abhängt. Es sind keine Aussagen über den Informationsrücklauf verfügbar. Dieser kann durch schriftliche Mitteilungen oder indirekt durch den Patienten erfolgen. Der Stellenwert, der vom Patienten während der Anamnese geäußerten Informationen über fachärztliche Behandlungen, ist bisher auch international noch nicht thematisiert worden. Dies beeinträchtigt eine differenzierte Bewertung der Effektivität des Kooperationsprozesses.

2.1.2. Effektivität des Informationsflusses

Effektivität wird als Grad der Sachzielerreichung definiert. Es gibt kaum brauchbare Studien, die den Effekt von Überweisungen auf das Ergebnis der Behandlung untersuchen und als Evaluationsmaßstab dienen könnten (Grembowski, Cook et al. 1998). Daher wird in dieser Arbeit davon ausgegangen, daß das Behandlungsergebnis von dem Informationsgrad der beteiligten Ärzte abhängt. Nur sie können steuernd auf ökonomisch unsinnige, unerwünschte oder für den Patienten nachteilige Behandlungen einwirken.


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2.2. Forschungsfragen

2.2.1. Häufigkeit von Überweisungen und Rückmeldungen

Ausgangspunkt der Untersuchung bildet die deskriptive Analyse der Ein- und Überweisungen in der Hausarztpraxis. Es werden Häufigkeit und Ziel differenziert nach patienten- bzw. fallspezifischen Ausprägungen analysiert. Die Untersuchung soll zeigen, wie sich für den Hausarzt die Kooperation darstellt. Anhand der Quantität der Rückmeldungen soll der Frage nachgegangen werden, wie hoch der Aufwand einer Praxis für die interärztliche Kommunikation ist.

2.2.2. Vollständigkeit des Prozesses

Der Überweisungsprozeß ist vollständig, wenn vom Patienten oder vom Facharzt eine Rückmeldung den Hausarzt erreicht. Die fachärztliche Direktinanspruchnahme hat oft eine schriftliche Rückmeldung zur Folge - auf der anderen Seite bleiben viele Überweisungen ohne Rückmeldung. Nicht immer erfolgen Rückmeldungen als Arztbrief. Mitteilungen von Patienten sind zum Teil für die Behandlung wertvoll, da konkrete Informationen vermittelt werden, die vom Facharzt, da er den Brief ohne Kenntnis der Erwartungen und Wünsche verfaßt, nicht berücksichtigt werden. Es wird untersucht, wie der Informationsfluß verläuft und welche Faktoren ihn beeinflussen. Ein Aspekt ist in dieser Hinsicht die Dauer zwischen Überweisung, Konsultation und Rückmeldung.

2.2.3. Prädikatoren für das Rückmeldeverhalten

Anhand einer multivariaten Analyse sollen diejenigen Faktoren gefunden werden, die den Überweisungsprozeß beschreiben und ihn bestimmen. In vorliegender Studie werden in erster Linie personenbezogene Charakteristika als erklärende Variablen für das multivariate Modell herangezogen.


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