Cotta, Livia: Psychophysiologische Reaktionen unter psychosomatischen Therapiebedingungen

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Kapitel 11. Vergleich der Reaktionen während verbaler und paraverbaler Therapien

Überprüfung der dritten Hypothese:

H3: erschiedene psychotherapeutische Interventionsformen haben unterschiedliche Einflüsse auf die psychophysiologischen Prozesse.

Es wurden zwei Gruppen von Therapieformen gebildet: Die verbalen Therapien als Zusammenfassung von Gruppentherapie und Einzeltherapie und die paraverbalen Therapieformen ( Tabelle 47 und Tabelle 48 ). Aufgrund der in Kap. 8 dargestellten Ergebnisse, daß die physiologischen Meßwerte während Kunsttherapie und aktiver Einzelmusiktherapie von der Aktivität beeinflußt sind, wurden in der Gruppe der paraverbalen Therapieformen nur mehr die Funktionelle Entspannung und die rezeptive Einzelmusiktherapie zusammengefaßt.

11.1. Physiologische Parameter

11.1.1. Blutdruck

Betrachtet man die Mittelwerte des systolischen Blutdrucks (als Differenzen mit den Referenzwerten) während der verbalen und paraverbalen Therapien, fallen leicht höhere Werte während verbaler Therapien auf ( Abbildung 32 ), was sich aber diskriminanzanalytisch kaum sichern läßt (Wilks´Lambda = ,91; p = ,10; richtige Zuordnungen 58,1%).

Abbildung 32 Systolischer Blutdruck: Differenzwerte während verbaler und paraverbaler Therapieformen.


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Ein zu Beginn der Therapien ähnliches Bild ergibt sich für die diastolischen Blutdruckwerte ( Abbildung 33 , Wilks´Lambda = ,88; p = ,03; richtige Zuordnungen 64,0%).

Abbildung 33 Diastolischer Blutdruck: Differenzwerte während verbaler und paraverbaler Therapieformen.

11.1.2. Herzfrequenz

Die Herzfrequenzdifferenzen, gemittelt über die verbalen und paraverbalen Therapieformen, zeigen höhere Werte während der verbalen Therapien ( Abbildung 34 ). Zu Beginn der Therapien sind sie denen unter paraverbalen Therapien noch sehr ähnlich. In der Diskriminanzanalyse sind diese Unterschiede allerdings nicht sehr deutlich (Wilks´Lambda = ,86; p = ,20; richtige Zuordnungen 65,4%).

Abbildung 34 Herzfrequenzdifferenzwerte während verbaler und paraverbaler Therapieformen.


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11.1.3. EMG

Der EMG-Verlauf zeigt wieder die schon bekannte ”Senke“ während der Therapiephase sowohl unter verbaler Therapie als auch unter paraverbaler Therapie ( Abbildung 35 ). Die Werte unter paraverbaler Therapie sind niedriger als die unter verbaler, was für größere Entspannung unter Funktioneller Entspannung und rezeptiver Einzelmusiktherapie spricht bzw. für mehr Angespanntheit oder Aktivierung unter Gruppentherapie und Einzeltherapie. Auch hier ist der diskriminanzanalytische Nachweis eines Unterschiedes nur schwach (Wilks´Lambda = ,87; p =,08; richtige Zuordnungen 59,7%).

Abbildung 35 EMG-Differenzwerte (Median) während verbaler und paraverbaler Therapieformen.

11.1.4. Aktivitätsparameter

Das EMG wird, wie bereits dargestellt, von der Bewegungsaktivität beeinflußt ( Abbildung 36 ). Diese ist ebenfalls diskriminanzanalytisch nicht besonders geeignet, die beiden Therapiegruppen voneinander zu unterscheiden. (Aktivität Arm: Wilks´Lambda = ,85; p = ,56; richtige Zuordnungen 62,5%; Aktivität Bein: Wilks´Lambda = ,87; p = ,09; richtige Zuordnungen 62,5%).


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Abbildung 36 Aktivität (Differenzwerte/ Median) des Armes (A) und des Beines (B) während verbaler und paraverbaler Therapieformen.

11.2. Psychologische Parameter

Die Veränderungen auf den Skalen des BSF ( Abbildung 37 ) und des GBB ( Abbildung 38 ) zeigen über die hier untersuchten Therapieverfahren sehr geringe Ausprägungen ( Tabelle 48 ). Die Mittelwerte vor den gruppierten Therapien unterscheiden sich weder für die verbalen noch für die paraverbalen Therapien signifikant von denen nach den Therapien. Auch lassen sich die BSF- und GBB-Skalenwerte diskriminanzanalytisch nicht den Therapieverfahren eindeutig zuordnen, wenn man diese in Gruppen faßt (BSF: Wilks´Lambda = ,94; p = ,66; richtige Zuordnungen 54,1%; GBB: Wilks´Lambda = ,93, p = ,51, richtige Zuordnungen 54,1%).


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Abbildung 37 BSF-Skalen vor und nach verbalen und paraverbalen Therapieformen (Differenzwerte).

Abbildung 38 GBB-Skalen vor und nach verbalen und paraverbalen Therapieformen (Differenzwerte).


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11.3. Zusammenfassung

Die verbalen Therapieformen gehen im Gegensatz zu den paraverbalen mit einer leicht größeren Aktivierung der physiologischen Parameter einher, die ihren Ausdruck findet in höheren systolischen und auch diastolischen Blutdruckwerten, höheren Herzfrequenzen und höheren EMG-Werten. Alle physiologischen Parameter werden jedoch von der Bewegungsaktivität beeinflußt, die in den paraverbalen Verfahren, bedingt durch das äußere Setting, niedriger ist.

In den psychologischen Parametern lassen sich keine signifikanten Unterschiede feststellen, weshalb die Hypothese H3 zurückgewiesen werden muß.


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