| Cotta, Livia: Psychophysiologische Reaktionen unter psychosomatischen Therapiebedingungen |
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Überprüfung der ersten Hypothese:
H1: Im Rahmen psychotherapeutischer Intervention kommt es zur Veränderung psychophysiologischer Variablen.
Die physiologischen Parameter wurden mittels Varianzanalyse auf Veränderungen im Verlauf untersucht, sofern sie einer Normalverteilung entsprachen ( Tabelle 14 ). Die nicht normalverteilten Parameter Elektromyogramm und Bewegungsaktivitäten wurden mit Hilfe des Friedman-Tests untersucht ( Tabelle 15 ).
Die Blutdruckwerte weisen insgesamt wenig signifikante Veränderungen über die Zeit auf. Nur während Einzeltherapie verändert sich der systolische Blutdruck signifikant ( Abbildung 4 , Tabelle 15 ). Er steigt zu Beginn der Therapie an (Manti= 17,86; SDanti=10,25; M1=24,34; SD1=14,51; t=-2,82; d.f.=28; p<,05) und fällt in der Reflektionsphase wieder ab (M3=24,5; SD3=19,5; Mref=12,10; SDref= 21,09; t=-3,63; d.f.4; p<,05). Die Blutdruckverläufe während der übrigen Therapieformen gruppieren sich um normotone Werte ohne bemerkenswerte Schwankungen.
Abbildung 4 Systolische Blutdruckdifferenzwerte vor, während und nach den Therapiesitzungen.

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Dadurch unterscheidet sich das durchschnittliche Niveau aller während Einzeltherapie gemessenen systolischen Blutdruckwerte signifikant von denen, die unter verbaler Gruppentherapie, Funktioneller Entspannung, Musiktherapie und rezeptiver Einzelmusiktherapie erhoben wurden ( Tabelle 9 ).
Tabelle 9 Systolische Blutdruckmittelwerte (Differenzwerte) während Einzeltherapie im Vergleich mit den anderen Therapieformen.
|
Therapien |
MET |
SDET |
Mvergl. |
SDvergl. |
t |
d.f. |
p |
|
ET/AMT |
23,13 |
14,67 |
25,28 |
8,93 |
,71 |
8 |
n.s. |
|
ET/FE |
17,20 |
6,56 |
22,37 |
10,87 |
-2,34 |
8 |
<,05 |
|
ET/GT |
23,78 |
11,21 |
16,55 |
7,64 |
-3,09 |
20 |
<,01 |
|
ET/KT |
20,52 |
12,41 |
20,27 |
9,45 |
-,13 |
11 |
n.s. |
|
ET/GMT |
25,53 |
14,48 |
15,29 |
7,94 |
-2,86 |
6 |
<,05 |
|
ET/RMT |
29,11 |
10,23 |
18,50 |
6,09 |
-3,74 |
4 |
<,05 |
Signifikanztest mittels t-Test, M=Mittelwert, SD=Standardabweichung, vergl.=die jeweils verglichene Therapieform,t=t-Wert, p=Irrtumswahrscheinlichkeit, d.f.=Freiheitsgrade, übrige Abkürzungen siehe Tabelle 3
Der diastolische Blutdruck zeigt demgegenüber im Therapieverlauf sowie im Niveau keine signifikanten Änderungen ( Abbildung 5 ).
Abbildung 5 Diastolische Blutdruckdifferenzwerte vor, während und nach den Therapiesitzungen.

Die Herzfrequenz weist in der Varianzanalyse mit Meßwiederholungen unter Einzeltherapie, Gesprächsgruppentherapie, Funktioneller Entspannung, Musiktherapie und rezeptiver
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Einzelmusiktherapie signifikante Änderungen über die Zeit auf ( Tabelle 14 ). Unter Kunsttherapie und aktiver Einzelmusiktherapie verändert sie sich nicht signifikant.Zu Beginn aller Therapien - in der Antizipationsphase bis zum 2. Drittel Therapie - liegen die Herzfrequenzwerte etwa auf gleichem Niveau ( Abbildung 6 ). Zum Ende der Therapien hin - im 3. Drittel Therapie und in der Reflektionsphase - ändert sich dieses Bild: Während die Herzfrequenzen während verbaler Gruppentherapie, Einzeltherapie, Musiktherapie, Kunsttherapie und rezeptiver Einzelmusiktherapie leicht absinken, bleiben sie während aktiver Einzelmusiktherapie höher. Die Werte während Funktioneller Entspannung sinken stärker ab als während der übrigen Therapieformen.
Abbildung 6 Herzfrequenzdifferenzwerte vor, während und nach den Therapiesitzungen.

So wie die Herzfrequenz unter AMT offenbar im 3. Therapiedrittel (M3 AMT = 19,10; SD3 AMT = 7,89; M3 andere = 15,31; SD3 andere = 6,28; t = 2,98; d.f. 20; p < ,05) und der anschließenden Reflektionsphase (Mref AMT = 21,18; SDref AMT = 8,80; Mref andere = 17,58; SDref andere = 7,83; t = 2,36, d.f. 18; p < ,05) das Niveau der übrigen Therapien überschreitet, unterschreitet sie während Funktioneller Entspannung im 3. Therapiedrittel (M3 FE = 10,34; SD3 FE = 7,90; M3 andere = 17,14; SD3 andere = 6,81; t = -2,33; d.f. 9; p < ,05) und der Reflektionsphase (Mref FE = 10,73; SDref FE = 6,51; Mref andere = 19,83; SDref andere = 9,00; t = -3,33; d.f. 7; p < ,05)die der übrigen Therapien, so daß offenbar gegen Ende der Therapien die Herzfrequenzen recht unterschiedlich reagieren.
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Das EMG zeigt in allen Therapieformen signifikante Veränderungen ( Tabelle 15 ). Unter verbaler Gruppentherapie, Einzeltherapie, Funktioneller Entspannung, rezeptiver Einzelmusiktherapie und Musiktherapie sinkt das EMG-Niveau nach der Antizipationsphase ab und steigt zur Reflektionsphase wieder an, so daß es zu einer Senke während der eigentlichen Therapiephase kommt ( Abbildung 7 ).
Abbildung 7 EMG-Differenzwerte (Median) vor, während und nach ET, GT, FE und RMT.

Ein anderes Bild ergibt sich für die Kunsttherapie und die aktive Einzelmusiktherapie: Das EMG steigt in der aktiven Einzelmusiktherapie von der Antizipationsphase zum ersten Drittel der Therapie leicht und zum zweiten Drittel deutlich an, fällt dann ab und erreicht in der Reflektionsphase etwa wieder den Ausgangswert. Unter Kunsttherapie kommt es nach einem anfänglichen Abfall im ersten Drittel der Therapie zu einem Gipfel im zweiten Abschnitt. Es sinkt zum Ende der Therapie wieder, steigt aber zur Reflektionsphase erneut an ( Abbildung 8 ).
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Abbildung 8 EMG-Differenzwerte (Median) vor, während und nach KT, GMT und AMT.

Der Verlauf der EMG-Werte während Musiktherapie ähnelt nicht dem Verlauf während Kunsttherapie und aktiver Einzelmusiktherapie, wie es nach dem äußeren Setting der Therapien anzunehmen wäre (s.u.), sondern dem während der Verfahren, die durch weniger große körperliche Bewegung gekennzeichnet sind (Einzeltherapie, verbale Gruppentherapie, Funktionelle Entspannung und rezeptive Einzelmusiktherapie).
Auch die Aktivitätsparameter zeigen signifikante Änderungen unter Einzeltherapie, Gesprächsgruppentherapie, Musiktherapie, Kunsttherapie, Funktioneller Entspannung und rezeptiver Einzelmusiktherapie ( Tabelle 15 ). Auf den ersten Blick fällt die Ähnlichkeit der Verlaufskurven der Aktivität ( Abbildung 9 ) des Armes mit der des EMG auf. Dies legt den plausiblen Schluß nahe, daß das EMG von der Bewegungsaktivität konfundiert wird. Auf eine gesonderte statistische Überprüfung wurde hier aus mehreren Gründen verzichtet, die in Kap. 12.1.4 diskutiert werden.
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Abbildung 9 (A)/(B) Bewegungsaktivität des Armes (Differenzwerte/ Median) vor, während und nach den Therapiesitzungen (g = Erdbeschleunigung).

Die Bewegungsaktivität des Beines ( Abbildung 10 ) zeigt einen ähnlichen Verlauf wie die des Armes, womit naheliegt, daß offenbar über diese beiden Parameter eine allgemeine Körperbewegung erfaßt wird.
Man könnte annehmen, daß neben dem EMG auch die Herzfrequenzwerte von der Bewegungsaktivität beeinflußt werden. Interessanterweise finden sich dem Augenschein nach keine solch offenkundigen Zusammenhänge zwischen den kardiovaskulären Parametern und der Bewegungsaktivität.
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Abbildung 10 (A)/(B) Bewegungsaktivität des Beines (Differenzwerte/ Median) vor, während und nach allen Therapiesitzungen (g = Erdbeschleunigung).

Bei der varianzanalytischen Einzelprüfung scheint sich ein Einfluß des Alters der Versuchspersonen auf die systolischen Blutdruckwerte während Einzeltherapie
(Mbis 40 Jahre = 20,14; SDbis 40 Jahre = 10,90; Müber 40 Jahre = 25,16; SDüber 40 Jahre = 14,24) und während rezeptiver Einzelmusiktherapie (Mbis 40 Jahre = 19,92; SDbis 40 Jahre = 8,80;
Müber 40 Jahre = 22,93; SDüber 40 Jahre = 15,82) abzubilden (
Tabelle 14
).
Nach der aufgrund der multiplen Testungen erforderlichen
-Adjustierung sind die genannten Ergebnisse aber nicht mehr signifikant und müssen demnach als zufällig verstanden werden.
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Das Geschlecht der Testpersonen zeigt keinen signifikanten Einfluß auf die Varianz der erhobenen Meßdaten ( Tabelle 14 ).Zur Beurteilung der psychologischen Parameter wurden die Skalen für Stimmungen und Beschwerden im Berliner-Stimmungs-Fragebogen (BSF) (
Abbildung 11
) bzw. Gießener-Beschwerde-Bogen (GBB) (
Abbildung 12
) aus der Antizipationsphase und der Reflektionsphase der einzelnen Therapieformen mittels t-Test für gepaarte Stichproben verglichen (
Tabelle 16
bis
Tabelle 22
). Es lassen sich einige signifikante Änderungen feststellen. Bedenkt man jedoch den
-Fehler durch die multiple Testung und nimmt eine dementsprechende
-Adjustierung vor, erreichen die vorher signifikanten Befunde dieses Niveau nicht mehr. Aufgrund des evaluativen Charakters der Studie sollen sie hier dennoch erwähnt werden:
Während Einzeltherapie sinken hiernach sowohl der Ärger als auch die Teilnahmslosigkeit. Unter Kunsttherapie zeigt sich eine Abnahme der Teilnahmslosigkeit, sowie eine Zunahme der Gliederschmerzen und Kopfbeschwerden. Unter aktiver Einzelmusiktherapie steigt die gehobene Stimmung. Die übrigen BSF-Skalen ängstliche Depressivität, Müdigkeit und Engagement sowie GBB-Skalen Erschöpfung, Herzbeschwerden, Magenbeschwerden und das GBB-Item Neigung zum Weinen zeigen keine derartigen Veränderungen.
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Abbildung 11 BSF-Skalen Ärger, Teilnahmslosigkeit und gehobene Stimmung vor und nach allen Therapieformen (Differenzwerte), *p<,05, **p<,001 vor
-Adjustierung.

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Abbildung 12 GBB-Skalen Gliederschmerzen und Kopfbeschwerden vor und nach allen Therapieformen (Differenzwerte), *p<,05 vor
-Adjustierung.

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Im Rahmen psychotherapeutischer Intervention kommt es zur Veränderung folgender psychophysiologischer Variablen:
Der Blutdruck zeigt signifikante Erhöhung während Einzeltherapie, wird aber sonst von den Therapiebedingungen kaum beeinflußt.
Die Herzfrequenzwerte zeigen zu Beginn aller Therapieformen ähnlich hohe Werte. Am Ende der Therapien sind die Herzfrequenzen während aktiver Einzelmusiktherapie signifikant höher, während Funktioneller Entspannung signifikant niedriger als bei den übrigen Therapien.
Das EMG-Niveau zeigt unter verbaler Gruppentherapie, Einzeltherapie, Funktioneller Entspannung, rezeptiver Einzelmusiktherapie und Musiktherapie eine deutliche Abnahme während der Therapiephase, unter Kunsttherapie und aktiver Einzelmusiktherapie eher eine Zunnahme, Veränderungen, die offenbar wesentlich durch die Bewegungsaktivität bedingt sind.
Veränderungen psychologischer Parameter finden sich unter Einzeltherapie, Kunsttherapie und aktiver Einzelmusiktherapie. Es sind dies die Skalen Ärger ,Teilnahmslosigkeit, gehobene Stimmung, Gliederschmerzen und Kopfbeschwerden. Diese Befunde sind nach
-Adjustierung jedoch nicht mehr signifikant.
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