Friedrich , Beate: ”Cathepsine B, H, L und ihre Inhibitoren im Gewebe und in Zellkulturen der Prostata“

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Kapitel 6. Ausblick

Wir haben mit dieser Arbeit einen ersten Versuch unternommen, die Cathep-sine und ihre Inhibitoren hinsichtlich ihrer Beteiligung am Prostatakarzinom und als mögliche Prognosefaktoren einzuschätzen.

Dabei hat sich gezeigt, daß eine einfache Analyse der bei Operationen gewonnenen Gewebeproben keine eindeutig interpretierbaren Aktivitätswerte ergibt.

Die wichtigste Aussage, die sich aus unseren Ergebnissen ableitet ist, daß sich Gewebeproben der Prostata in der Cathepsinaktivität umgekehrt verhalten wie Primärzellkulturen.

Durch die Anzucht von Primärzellkulturen erreichten wir eine Verbesserung der Aussagekraft hinsichtlich des proteolytischen Gleichgewichts. Da die Aufzucht der Zellen sehr aufwendig und nicht immer erfolgreich ist, empfiehlt sich dieses Verfahren nicht für den klinischen Gebrauch. Auch in der Korrelation mit anderen Tumormerkmalen zeigten sich keine klaren Zusammenhänge, dies sicherlich aufgrund der kleinen Fallzahlen.

Bei anderen Karzinomen war es möglich, erhöhte Enzymaktivitäten in Geweben und Kulturen mit Stadien der malignen Transformation und Metastasierung zu korrelieren. Für das Mammakarzinom wurde Cathepsin B, vergleichbar mit dem Lymphknotenstatus, als unabhängiger prognostischer Faktor eingeschätzt [19]. In einer anderen Studie über Brustkrebs zeigte sich eine direkte Korrelation zwischen Cathepsin-B-Gehalt und dem Tumorstadium [18]. Diesen Zusammen-hang fand man auch für kolorektale Tumoren [33]. Auch bei Adenokarzinomen der Lunge war Cathepsin B korreliert mit der 5-Jahres-Überlebensrate und wurde als unabhängiger Prognosefaktor gewertet [27].

Größere, besser kontrollierte Studien mit standardisierter Methodik sind nötig, um die genaue Rolle der Cathepsinbestimmung als klinischen Parameter mit Sicherheit zu etablieren [60].

Die Rolle der Proteaseinhibitoren als potentielle Therapeutika tritt immer mehr in den Vordergrund [128]. Bjornland et al. [129] haben in einem in vitro Modell des malignen Melanoms nachgewiesen, daß die Invasivität der Zellen durch den synthetischen Inhibitor E-64 gehemmt wird.


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Man vermutet, daß Protease-Inhibitoren eine signifikante zytostatische Aktivität gegen den Primärtumor und bereits etablierte metastatische Läsionen haben. Die Blockade der proteolytischen Aktivität des Tumors kann dann zu einer Stimulation der stromalen Komponente führen, die zu einer Einkapselung des Tumors führt, der dann leichter resezierbar wäre [128].

Der entscheidende Schritt beim Einsatz der Proteaseinhibitoren ist weniger die Entdeckung eines effektiven Inhibitors, als die Untersuchung der genauen Wirkmechanismen und eventueller Langzeitnebenwirkungen.

Anhand unserer Ergebnisse schlußfolgern wir, daß Untersuchungen an Primär-zellkulturen der Prostata im Forschungsbereich auch weiterhin sinnvoll sind. Die Anzucht von Stromazellen würde dabei einen wichtigen Beitrag leisten und den Vergleich mit den epithelialen Zellkulturen ermöglichen.


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Mon Jan 10 18:11:09 2000