Gebauer, Bernhard: Hyaluronsäure als Verlaufsparameter im Rahmen der Lebertransplantation

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Kapitel 5. Zusammenfassung

Komponenten der extrazellulären Matrix wie Hyaluronsäure spielen bei Reperaturvorgängen und Zell-zu-Zell-Interaktionen eine große Rolle. Um die Bedeutung von Hyaluronsäure als diagnostischer Parameter nach Lebertransplantation zu untersuchen, wurden bei 81 Patienten mit 85 Transplantationen in der vorliegenden, prospektiven Studie Hyaluronsäure-Spiegel zu definierten Zeitpunkten im Plasma nach Lebertransplantation gemessen.

28 Patienten entwickelten eine akute Abstoßung, von denen 14 als steroid-resistent eingestuft wurden. Bei 10 Patienten trat eine schwerwiegende Infektion auf, die bei 5 Patienten letal endete. Eine asymptomatische oder milde Cholangitis wurde bei 11 Patienten diagnostiziert, 37 Patienten hatten einen weitgehend unauffälligen postoperativen Verlauf. Bei 3 Patienten mit steroid-resistenter akuter Abstoßung, sowie bei einem Patienten ohne vorangegangene akute Abstoßung, entwickelte sich eine frühe chronische Abstoßung. Bei 2 der 4 Patienten konnte die frühe chronische Abstoßung erfolgreich mit einem FK506 Rescue behandelt werden.

Die postoperativen Hyaluronsäurespiegel lagen bei allen Patienten höher als bei den gesunden Probanden. Perioperativ konnten wir beobachten, daß besonders während der anhepatischen Phase der Operation die Hyaluronsäurekonzentration anstieg, was auf die zentrale Rolle der Leber im Hyaluronsäurestoffwechsel hindeutet.

Die 14 Transplantate, die initial schlecht funktionierten, hatten gegenüber den Transplantaten mit guter oder mäßiger Funktion signifikant erhöhte Hyaluronsäurespiegel. Die schlechte Funktion führte jedoch nicht zu einer erhöhten Mortalität oder zu einer Erhöhung der Inzidenz von Infektionen bei diesen Patienten. Jedoch traten in der Gruppe der Transplantate mit schlechter initialer Funktion gehäuft akute Abstoßungen auf. Vor allem die schwereren, steroid-resistenten Abstoßungen waren signifikant häufiger als bei den Transplantaten mit guter oder mäßiger Funktion.

Bei akuten Abstoßungen waren die Hyaluronsäurespiegel deutlich erhöht, jedoch zeigte sich, daß vor allem die steroid-resistenten Abstoßungen signifikant erhöhte Spiegel hatten, während die steroid-sensiblen Abstoßungen nur gering erhöhte Hyaluronsäurekonzentrationen aufwiesen. Bei Patienten bei denen die steroid-resistente Abstoßung mit weiteren Komplikationen, wie Übergang in eine frühe chronische


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Abstoßung oder eine schwerwiegende Infektion, verbunden war, zeigten besonders hohe Hyaluronsäurespiegel.

Bei den Patienten mit schwerwiegender Infektion konnte ein erhöhter Hyaluronsäurespiegel schon 3 Tage vor Diagnosestellung festgestellt werden. Die Spiegel blieben auch im Verlauf der Infektion signifikant gegenüber den Patienten mit Cholangitis und unauffälligem postoperativen Verlauf erhöht. Ferner zeigte sich, daß ein weiterer Anstieg der Hyaluronsäurekonzentrationen bei den Patienten vorlag, die später im Verlauf an der schwerwiegenden Infektion verstarben. Hyaluronsäure war auch hier in der Lage frühzeitig Patienten zu identifizieren, die später an der schwerwiegenden Infektion verstarben. Nur ein Patient, der die schwerwiegende Infektion überlebte, hatte exzessiv hohe Hyaluronsäurespiegel.

Die Hyaluronsäure ist eine Komponente der extrazellulären Matrix, die im Blutkreislauf vor allem von den Endothelzellen der Lebersinusoide abgebaut wird. Somit ist sie ein guter Indikator für die Funktion der Leberendothelzellen (9, 44, 49, 69 - 73, 76). Da die Endothelzellen im Rahmen von Abstoßungen und Infektionen eine der ersten Angriffspunkte sind, ist Hyaluronsäure ein geeigneter Parameter zu postoperativen Überwachung von Patienten nach Lebertransplantation. Jedoch muß beachtet werden, daß ein Anstieg von Hyaluronsäure auf verschiedene Ereignisse hindeuten kann und somit nur unter Miteinbeziehung anderer klinischer und laborchemischer Marker zur Diagnostik eingesetzt werden kann. Eine routinemäßige Hyaluronsäurebestimmung im postoperativen Verlauf könnte zu einer frühzeitigen Diagnose von Abstoßungen und Infektionen führen und somit eine Therapie zu einem früheren Zeitpunkt ermöglichen.

Besonders die schwerwiegenden steroid-resistenten Abstoßungen und die frühen chronischen Abstoßungen, sowie die schwerwiegenden Infektionen kann Hyaluronsäure zuverlässig anzeigen.


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