| Gebauer, Bernhard: Hyaluronsäure als Verlaufsparameter im Rahmen der Lebertransplantation |
Aus der chirurgischen Klinik und Poliklinik
Virchow Klinikum
Medizinische Fakultät der Humboldt Universität zu Berlin
Direktor: Prof. Dr. P. Neuhaus
zur
Erlangung der medizinischen Doktorwürde
am Virchow-Klinikum
Medizinische Fakultät Charité
der Humboldt Universität zu Berlin
Gutachter:
Referent: Prof. Dr. med. P. Neuhaus
Koreferent: Prof. Dr. med. C. Frömmel
Gedruckt mit Genehmigung des Virchow-Klinikums, Medizinische Fakultät Charité der Humboldt Universität zu Berlin
Promoviert am: 11. September 1998
Schlagwörter:
Lebertransplantation, Hyaluronsäure, Infektion, Abstoßung
Keywords:
Liver transplantation, Hyaluronic Acid, Infection, Rejection
Schwere Infektionen und Abstoßungen sind die häufigsten Komplikationen nach Lebertransplantation. Hyaluronsäure (HA) als eine Komponente der extrazellulären Matrix wird aus dem Blutkreislauf praktisch nur durch die Endothelzellen der Lebersinusoide (SEC) entfernt. Somit ist die Konzentration von HA im Plasma abhängig vom HA-Einstrom in den Blutkreislauf (z.B. bei vermehrter HA-Produktion der Fibroblasten nach Zytokinstimulation) und der metabolischen Funktion der SEC. Es wird angenommen, daß die SEC zu den ersten Angriffspunkten einer Abstoßungsreaktion in der Leber gehören.
Bei 81 Patienten mit 85 Lebertransplantationen wurde zusätzlich zu den Routineparametern die Plasma-HA bestimmt. 28 der 81 Patienten (34,6%) entwickelten eine akute Abstoßung. 14 Patienten konnten erfolgreich mit Methylprednisolon (steroid-sensible akute Abstoßung, AR) behandelt werden, während 14 Patienten eine zusätzliche Therapie mit FK506 oder OKT3 (steroid-resistente akute Abstoßung, SR) benötigten. 4 Patienten entwickelten innerhalb des ersten postoperativen Jahres eine frühe chronische Abstoßung (CR).
Bei 10 Patienten wurde eine schwere postoperative Infektion beobachtet, 11 Patienten entwickelten eine milde oder asymptomatische Cholangitis, während 37 Patienten einen unauffälligen postoperativen Verlauf hatten.
Mittlere HA Spiegel waren bei den Patienten mit AR gegenüber den Patienten mit unauffälligem Verlauf erhöht. Ein weiterer Anstieg von HA konnte bei den Patienten mit SR (p
0,01 SR vs. AR) beobachtet werden. Patienten mit CR entwickelten die höchsten mittleren HA Spiegel aller Patienten mit Abstoßungen (p
0,01 CR vs. SR).
Ein signifikanter Anstieg von HA konnte bei Patienten mit schwerwiegenden Infektionen beobachtet werden (p
0,01 schwere Infektion vs. Cholangitis und unauffälliger Verlauf).
Ein HA Anstieg konnte schon 3 Tage vor der Diagnosestellung der schweren Infektion beobachtet werden. Die höchsten mittleren Plasma-HA Spiegel konnten bei den Patienten, die an einer schweren Infektion verstarben, festgestellt werden.
Eine routinemäßige HA-Bestimmung im postoperativen Verlauf könnte zu einer frühzeitigen Diagnose von Abstoßungen und Infektionen führen und somit eine Therapie zu einem früheren Zeitpunkt ermöglichen.
Severe infections and rejections are the most frequent complications following liver transplantation. Hyaluronic acid (HA) as a component of the extracellular matrix is cleared from the circulation only by sinusoidal liver cells (SEC). So the concentration of plasma HA depends upon the flow of HA in the circulation (e.g. increased HA-production in fibroblasts after cytokine stimulation and release) and the metabolic function of the SEC. SECs are suspected to be the first targets in allograft liver rejection.
81 patients with 85 liver transplantations were monitored for routine parameters and plasma HA on a daily basis. Of 81 patients, 28 patients (34,6%) developed acute rejection. 14 patients were successfully treated with methylprednisolone (steroid-sensitive acute rejection, AR), while 14 patients required additional treatment with FK506 or OKT3 (steroid-resistant acute rejection, SR). 4 patients developed an early chronic rejection (CR) within the first postoperative year.
10 patients developed a severe postoperative infection, 11 patients had a mild or asymptomatic cholangitis, while 37 patients had an uneventful postoperative course.
Mean HA levels were elevated in patients with AR compared with patients with an uneventful course. A further increase in HA was noticed in patients with SR (p
0,01 SR vs. AR). Patients with CR developed the highest mean HA levels in the rejection group (p
0,01 CR vs. SR).
A significant increase of HA was observed in patients with severe infection (p
0,01 severe infection vs. Cholangitis and uneventful course). HA increased approximately 3 days prior to the diagnosis of the severe infection. The highest levels in our study were monitored in patients with lethal infections.
Routine monitoring of HA may improve current diagnostic tools and possibly lead to earlier detection of patients at risk after liver transplantation.
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Inhaltsverzeichnis | |
| Titelseite | Hyaluronsäure als Verlaufsparameter im Rahmen der Lebertransplantation |
| 1 | Einleitung |
| 1.1. | Entwicklung der Lebertransplantation |
| 1.2. | Komplikationen nach Lebertransplantation |
| 1.3. | Neuere Therapieansätze |
| 1.4. | Hyaluronsäure |
| 1.5. | Fragestellung |
| 2 | Material und Methoden |
| 2.1. | Patienten und Diagnosen |
| 2.2. | Methoden |
| 2.2.1. | Prä- und postoperative Untersuchungen |
| 2.2.2. | Intraoperative Verfahren und Transplantat-Konservierung |
| 2.2.3. | Immunsuppression |
| 2.2.4. | Abschätzung der initialen Transplantatfunktion |
| 2.2.5. | Prophylaxe, Diagnose und Therapie von Infektionen |
| 2.2.6. | Diagnose und Therapie von Abstoßungen |
| 2.3. | Material |
| 2.3.1. | Materialgewinnung und Zeitpunkte |
| 2.3.2. | Konservierung und Messung der Blutproben |
| 2.4. | Statistische Methoden |
| 3 | Ergebnisse |
| 3.1. | Überlebensraten |
| 3.2. | Vergleich der Indikationen zur Lebertransplantation |
| 3.3. | Komplikationsloser postoperativer Verlauf |
| 3.4. | Vergleich Zentralvenös-Lebervenös |
| 3.5. | postoperative Komplikationen |
| 3.5.1. | Initiale Transplantatfunktion |
| 3.5.2. | Abstoßung |
| 3.5.3. | Infektion |
| 3.6. | Maximale Hyaluronsäurekonzentrationen in der vorliegenden Studie |
| 4 | Diskussion |
| 4.1. | Studienziele |
| 4.2. | Erhöhte Hyaluronsäurespiegel bei Lebererkrankungen |
| 4.3. | Hyaluronsäurespiegel bei verschiedenen Transplantations-Indikationen |
| 4.3.1. | Hyaluronsäurespiegel bei chronischen Lebererkrankungen |
| 4.3.2. | Hyaluronsäurespiegel bei Retransplantation |
| 4.3.3. | Hyaluronsäurespiegel bei kombinierter Leber- und Nierentransplantation |
| 4.4. | Hyaluronsäurespiegel bei komplikationslosem postoperativen Verlauf |
| 4.5. | Hyaluronsäurespiegel im Vergleich zentral-venös gegen leber-venös |
| 4.6. | Initialfunktion |
| 4.6.1. | postoperative Komplikationen bei schlechter initialer Transplantatfunktion |
| 4.6.2. | Hyaluronsäurespiegel in bezug auf die initiale Transplantatfunktion |
| 4.7. | Abstoßungsreaktion |
| 4.7.1. | Steroid-sensible Abstoßungen |
| 4.7.2. | Steroid-resistente Abstoßungen |
| 4.7.3. | Frühe chronische Abstoßungen |
| 4.7.4. | Ursache der erhöhten Hyaluronsäurespiegel bei Abstoßungen ? |
| 4.8. | Schwerwiegende Infektionen nach Transplantation |
| 4.8.1. | Häufigkeit von Infektionen in der vorliegenden Studie |
| 4.8.2. | Hyaluronsäure bei Cholangitis |
| 4.8.3. | Verhalten von Hyaluronsäure und Routineparametern im Verlauf von schwerwiegenden Infektionen |
| 4.8.4. | Hyaluronsäureverlauf bei erfolgreicher Therapie der Infektion gegenüber letalem Ausgang der Infektion |
| 4.8.5. | Ursache der Hyaluronsäurespiegel bei Infektion ? |
| 4.9. | Einfluß der Nierenfunktion auf die Hyaluronsäurespiegel |
| 5 | Zusammenfassung |
| Bibliographie | Literaturverzeichnis |
| Anhang A | Anhang |
| A.1. | Abkürzungen |
| Danksagung | |
| Lebenslauf | |
| Selbständigkeitserklärung | |
| Abb. 1 | : Aufbau der Hyaluronsäure aus GlcNAc-GlcUA-Disaccharid-Untereinheiten (aus : 55) |
| Abb. 2 | : Metabolismus von Hyaluronsäure |
| Abb. 3 | : Indikationen zur primären Lebertransplantation (n=79) |
| Abb. 4 | : Schema der Therapie von akuten Abstoßungen |
| Abb. 5 | : Überlebensraten Patienten und Transplantate in % |
| Abb. 6 | : HA Verlauf nach Indikation zur LTX in den ersten postoperativen 120 Stunden |
| Abb. 7 | : prä- und postoperative HA-Konzentrationen der Indikationen zur LTX |
| Abb. 8 | : Patient mit komplikationslosem postoperativem Verlauf |
| Abb. 9 | : Vergleich der zentral-venösen mit der leber-venösen HA-Konzentration |
| Abb. 10 | : Zeitlicher Verlauf der Hyaluronsäurekonzentration aufgeschlüsselt nach Transplantatfunktion |
| Abb. 11 | : Zeitlicher Verlauf der Hyaluronsäurekonzentration nach Abstoßung |
| Abb. 12 | : Zeitlicher Verlauf eines Patienten mit steroid-resistenter Abstoßung und erfolgreichem Rescue mit FK506 und OKT3 |
| Abb. 13 | : Hyaluronsäurekonzentrationen bei Patienten mit schweren Infektionen |
| Abb. 14 | : Vergleich der Hyaluronsäurekonzentrationen bei Patienten, die an einer schweren Infektion verstarben mit Patienten, die eine schwere Infektion überlebten |
| Abb. 15 | : HA-Verlauf eines Patienten mit schwerer, letaler Infektion |
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