Geil, Dominik: Thema: ”Charakterisierung der Ca2+-Transportaktivität des sarkoplasmatischen Retikulums nach experimentellem Myokardinfarkt“

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Kapitel 3. Ergebnisse

3.1. Allgemeine Charakteristika der Versuchstiere

Die allgemeinen Charakteristika der Versuchstiere sind in Tab. 3 dargestellt. Sechs Wochen nach Ligatur der linken Koronararterie konnte planimetrisch ein transmuraler Infarkt von ca. 40 % des linksventrikulären Myokards beobachtet werden. Die Behandlung der Versuchstiere mit 8 mg/kg KG/d (+) Etomoxir reduzierte die Infarktgröße signifikant auf etwa 30 %. Die Größe des infarzierten Areals im linken Ventrikel wies eine Variabilität zwischen 1 und 45 % auf. Da in diesem Tiermodell moderate Infarkte unter 20 % hämodynamisch stumm sind und keine kompensatorische Hypertrophie aufweisen (siehe Kap. 0 ), sind in dieser Arbeit nur Tiere mit einer Mindestinfarktgröße von 20 % berücksichtigt worden.

Hinsichtlich ihres Körpergewichtes wichen die Tiere sechs Wochen nach Infarkt nicht signifikant voneinander ab. Auffällig ist die signifikante Zunahme des Ventrikelgewichtes (LV+RV-Gewicht) um 27 % in der MI-Gruppe und um 40 % bei den mit Etomoxir behandelten Tieren. Betrachtet man das Gewicht von rechtem und linkem Ventrikel getrennt, trat nur bei der Etomoxir-Gruppe eine signifikante Gewichtszunahme der linken Herzkammer um 28 % auf. Die linksventrikuläre Gewichtszunahme von 18 % in der unbehandelten Infarktgruppe war gegenüber der Kontrollgruppe nicht signifikant. Die rechtsventriküläre Gewichtszunahme betrug 95 % (MI-Gruppe) und 82 % (Etomoxir-Gruppe). Als deutliches Merkmal einer Hypertrophie zeigte sich der Anstieg des relativen Herzgewichtes, also der Quotient aus Ventrikelgewicht in mg und Körpergewicht in g. Die Zunahme betrug 32 % in der MI-Gruppe und 48 % in der Etomoxir-Gruppe. Das relative linksventrikuläre Herzgewicht nahm unter CPT-1-Inhibition um 35 % zu, während das relative rechtsventrikuläre Herzgewicht in der unbehandelten Gruppe um 105 % und im Etomoxir-Kollektiv um 93 % anstieg. Der absolute linksventrikuläre Gesamtproteingehalt veränderte sich vergleichbar der Massenzunahme des linken Ventrikels. Allerdings wurde aufgrund der großen Streuung keine Signifikanz erreicht. Der spezifische Proteingehalt war dagegen zwischen den Versuchsgruppen vergleichbar.


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Tab. 3: Allgemeine Charakteristika der Versuchstiere.

Parameter

SO

MI

MI+Etomoxir

Zahl der Versuchstiere (n)

6

8

12

Infarktgröße (%)

0

38±4

31±7 +

KG (g)

375±25

362±34

356±22

Ventrikelgewicht (mg)

998±75

1271±190 *

1395±277 **

LV-Gewicht (mg)

785±56

928±140 1)

1008±178 *

RV-Gewicht (mg)

213±53

415±141 * 1)

387±156 *

Ventrikelgewicht/KG (mg/g)

2.67±0.11

3.53±0.59 *

3.95±0.91 **

LV-Gewicht/KG (mg/g)

2.1±0.13

2.63±0.38 1)

2.84±0.53 **

RV-Gewicht/KG (mg/g)

0.57±0.12

1.17±0.39 * 1)

1.1±0.49 *

absol. LV-Proteingehalt (mg) 2)

96±15

111±29

122±22

rel. LV-Proteingehalt (mg/g FG) 2)

121±14

120±13

122±14

Alle Werte sind als Mittelwert ± SD dargestellt. SO, scheinoperierte Tiere; MI, Tiere mit unbehandeltem Myokardinfarkt; MI+Etomoxir, Tiere mit Myokardinfarkt und Etomoxir-Behandlung vom ersten postoperativen Tag an; KG, Körpergewicht; LV, linker Ventrikel; RV, rechter Ventrikel; FG, Feuchtgewicht;

* p<0.05 vs. SO; ** p<0.01 vs. SO; +p<0.05 vs. MI; 1) n=6; 2) Werte beziehen sich ausschließlich auf überlebendes Myokard.


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3.2. Hämodynamik- und Frequenzmessung

Sechs Wochen nach Infarkt wurden bei den Versuchstieren in Narkose hämodynamische Messungen durchgeführt und über das EKG die Herzfrequenz abgeleitet. Einer der hämodynamischen Parameter ist der linksventrikuläre enddiastolische Druck (LVEDP). Er wird beeinflußt von der Wandspannung des linken Ventrikels, die nach Infarkt durch den Verlust vitalen Gewebes kompensatorisch ansteigt. Wie in Abb. 8 dargestellt, wies der LVEDP in der MI-Gruppe eine Steigerung um 146 % gegenüber der scheinoperierten Gruppe auf. In der Etomoxir-Gruppe fiel dieser Wert annähernd auf den Ausgangswert zurück. Die maximale Druckanstiegsgeschwindigkeit (+dP/dtmax), ein Parameter für die Kontraktilität des Herzens, sank in der MI-Gruppe deutlich. Keine signifikante Änderung zeigte sich zwischen Etomoxir-Behandlung und der scheinoperierten Gruppe. Die maximale Druckabfallgeschwindigkeit (-dP/dtmin), die über die Relaxationsfähigkeit des Myokards Aussagen zuläßt, unterschied sich in der MI-Gruppe hoch signifikant von den Kontrolltieren. Es kam zu einer Reduzierung dieses Parameters um fast die Hälfte. Gleichfalls war eine Abnahme der Druckabfallgeschwindigkeit zwischen SO-Gruppe und Etomoxir-Gruppe zu erkennen.

Die Ableitung der Herzfrequenz ergab sich aus der EKG-Registrierung. Es traten keine signifikanten Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen auf ( Tab. 4 ). Der aortale Blutfluß wurde ebenso wie die hämodynamischen Parameter unter Narkose bestimmt. Hier zeigten sich keine signifikanten Differenzen zwischen den verschiedenen Behandlungsmustern.

Tab. 4: Darstellung von Herzfrequenz (HF) und aortalem Blutfluß (AF).

Parameter

SO

MI

MI+Etomoxir

HF (1/min)

191±17

201±33

214±31

AF (ml/min)

20±4

18±8

21±10

Alle Werte sind als Mittelwert ± SD dargestellt. SO, scheinoperierte Tiere; MI, Tiere mit unbehandeltem Myokardinfarkt; MI+Etomoxir, Tiere mit Myokardinfarkt und Etomoxir-Behandlung vom ersten postoperativen Tag an; n=6-12; Die Parameter wurden unter Ketamin/Xylazin-Narkose (siehe Methodik) im Labor der Inneren Medizin an der Charité gemessen.


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Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß der infarzierte Ventrikel ohne sechswöchige Behandlung mit einem starken Anstieg des linksventrikulären enddiastolischen Drucks reagierte. Dieser Anstieg unterblieb in der Etomoxir-Gruppe. Desweiteren änderten sich der kontraktile Parameter (+dP/dtmax) und der lusitrope Parameter (-dP/dtmin) in der MI-Gruppe signifikant. Die maximale Druckanstiegsgeschwindigkeit zeigte keine signifikante Änderung in der Etomoxir-Gruppe.

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Abb. 8: Veränderte linksventrikuläre hämodynamische Parameter sechs Wochen nach experimentellem Myokardinfarkt
Alle Werte sind als Mittelwert ± SD dargestellt (n=6-12). SO, scheinoperierte Tiere; MI, Tiere mit unbehandeltem Myokardinfarkt; MI+Etomoxir, Tiere mit Myokardinfarkt und Etomoxir-Behandlung vom ersten postoperativen Tag an; LVEDP, linksventrikulärer enddiastolischer Druck; +dP/dtmax, maximale Druckanstiegsgeschwindigkeit; -dP/dtmin, maximale Druckabfallgeschwindigkeit; Die Parameter wurden unter Ketamin/Xylazin-Narkose im Labor der Inneren Medizin an der Charité gemessen.
* p<0.05 vs. SO; **p<0.01 vs. SO; *** p<0.001 vs. SO; 1) p<0.05 vs. MI


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3.3. Relaxationsverhalten von Papillarmuskelpräparaten nach Myokardinfarkt

In der Diastole jedes Herzzyklus muß die Interaktion zwischen den kontraktilen Proteinen Aktin und Myosin inaktiviert werden. Für eine schnelle Erschlaffung der Herzmuskelzelle ist vor allem die rasche Rückbindung des zytosolischen Ca2+ in das Lumen des SR von Bedeutung. Zur Charakterisierung der kardialen kontraktilen Funktion in dieser Hinsicht wurden Papillarmuskeln aus dem linken Ventrikel von chronisch infarzierten Rattenherzen unter isometrischen Bedingungen untersucht. Die Papillarmuskeln wurden Tieren derselben Versuchsserie entnommen. Herzmuskelgewebe dieser Versuchstiere stand für die biochemische Analyse der SR Ca2+-Transportfunktion nicht zur Verfügung. Es wurden nur Ratten berücksichtigt, die sechs Wochen nach MI eine Mindestinfarktgröße von 40 % aufwiesen. Um die diastolische Ca2+-Rückbindung auf indirektem Wege zu analysieren, wurden folgende drei Parameter herangezogen, die exemplarisch für die isometrische Myokardrelaxation sind:

  1. Die Zeit T, gemessen vom Beginn der Relaxation bis zum Erreichen der maximalen Relaxationsgeschwindigkeit (T[dF/dtmin]).
  2. Die Zeit, die vom Beginn der Relaxation vergeht, bis die entwickelte Kraft halbmaximal geworden ist (RT50).
  3. Der Quotient aus maximaler Relaxationsgeschwindigkeit und der zu diesem Zeitpunkt entwickelten Kraft ([dF/dtmin]/F).

Die ermittelten Ergebnisse sind in Tab. 5 dargestellt. Es zeigte sich, daß die Relaxationsgeschwindigkeit in der unbehandelten und der behandelten Gruppe nach Infarkt erst später ihr Maximum erreichte. Die Gabe von Etomoxir vermochte keine Änderung dieser Größe herbeizuführen. Die RT50 war in ähnlicher Weise verändert. Die Zeit bis zum Erreichen von 50 % der Maximalkraft war länger. Wiederum gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen MI und Etomoxir-Gruppe. Der Quotient aus maximaler Relaxationsgeschwindigkeit und der zugehörigen Kraft erbrachte keine statistische Änderung zwischen den drei Tierkollektiven.

Demnach führte eine Schädigung des Papillarmuskels durch Infarkt im linken Ventrikel zu einer verlangsamten Relaxation. Sechswöchige Behandlung mit Etomoxir blieb ohne signifikanten Einfluß.


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Tab. 5: Relaxationsparameter von linksventrikulären Papillarmuskelpräparaten chronisch infarzierter Ratten

Parameter

SO

MI

MI+Etomoxir

Anzahl (n)

22

21

16

T(dF/dtmin) (ms)

66±10

76±12 *

76±10 *

RT50 (ms)

80±10

90±12 *

88±9 *

(dF/dtmin)/F (1/s)

13.9±1.9

13.4±1.9

14±2.3

Werte sind als Mittelwert ± SD dargestellt. SO, scheinoperierte Tiere; MI, Tiere mit unbehandeltem Myokardinfarkt; MI+Etomoxir, Tiere mit Myokardinfarkt und Etomoxir-Behandlung vom ersten postoperativen Tag an; Erläuterungen der Parameter siehe Text. In den Gruppen MI und MI+Etomoxir sind nur Tiere mit einer Infarktgröße von mindestens 40 % eingegangen. Die Messungen erfolgten im Institut für Physiologie der Charité nach einer bereits früher beschriebenen Methode (47) .

* p<0.05 vs. SO

3.4. Beziehung zwischen Infarktgröße und Hypertrophiegrad

Da der Infarkt-bedingte Untergang von Myozyten von einer kompensatorischen Hypertrophie überlebender Herzmuskelzellen begleitet ist, wurde die Beziehung zwischen Infarktgröße und Hypertrophiegrad eingehender analysiert. Aus Abb. 9 läßt sich ersehen, daß zwischen Infarktgröße und relativem linksventrikulärem Gewicht keine Korrelation bestand. Auffällig ist die deutlich geringer ausgeprägte Infarktgröße unter Therapie mit dem CPT-1-Inhibitor Etomoxir. Eine entsprechende Reduktion der kompensatorischen Hypertrophie in der Etomoxir-behandelten Gruppe ist dabei nicht zu beobachten. Bei der eingezeichneten gestrichelten Geraden handelt es sich nicht um eine Korrelationskurve. Es wird lediglich demonstriert, daß es zwischen scheinoperierten Tieren und den beiden anderen Gruppen zu einem Anstieg des relativen linksventrikulären Gewichtes kam.

Über eine Vielzahl von bekannten und vermuteten zirkulierenden Wachstumsfaktoren wird nach linksventrilulärem Infarkt die Massenzunahme in der rechten Herzkammer stimuliert. Die Korrelation zwischen relativem rechtsventrikulärem Gewicht und Infarktgröße kommt in Abb. 10 zur Darstellung. Auch hier repräsentiert die eingezeichnete Kurve keine Korrelationsgleichung. Für den rechten Ventrikel ergab sich ein Korrelationskoeffizient


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zwischen Infarktgröße (MI- und Etomoxir-Gruppe) und dem relativen rechtsventrikulären Herzgewicht von r=0.56.

Abb. 9: Beziehung zwischen Infarktgröße und relativem linksventrikulärem Gewicht
KG, Körpergewicht; SO, scheinoperierte Tiere; MI, Tiere mit unbehandeltem Myokardinfarkt; MI+Etomoxir, Tiere mit Myokardinfarkt und Etomoxir-Behandlung vom ersten postoperativen Tag an; Gerade über alle Werte; Korrelationskoeffizient für Werte der unbehandelten und behandelten Tiere mit Myokardinfarkt: r=0.07; p>0.05;

Eine Korrelation zwischen Infarktgröße und relativem Ventrikelgewicht ergab sich mit den vorliegenden Meßwerten nicht.


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Abb. 10: Korrelation zwischen Größe des linksventrikulären Infarkts und relativem rechtsventrikulärem Gewicht
KG, Körpergewicht; SO, scheinoperierte Tiere; MI, Tiere mit unbehandeltem Myokardinfarkt; MI+Etomoxir, Tiere mit Myokardinfarkt und Etomoxir-Behandlung vom ersten postoperativen Tag an; Kurve über alle Werte; Korrelationskoeffizient für Werte der unbehandelten und behandelten Tiere mit Myokardinfarkt: r=0.56; p<0.05; n=6-12

3.5. Ca2+-Transport in Membranvesikel des sarkoplasmatischen Retikulums

3.5.1. Transportaktivität der SERCA2a in Herzmuskelhomogenaten

Da Störungen des SERCA2a-katalysierten Ca2+-Rücktransportes ein charakteristisches Kennzeichen bei adaptiver Hypertrophie infolge hämodynamischer Überlastung sind, wurde diese Ca2+-Transportfunktion des sarkoplasmatischen Retikulums in den verschiedenen


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Versuchsgruppen untersucht. Dazu dienten aus linksventrikulärem Gewebe präparierte Homogenate. Für drei repräsentative Proben wird in Abb. 11 die Zeitabhängigkeit des Oxalat-stimulierten SR Ca2+-Transports gezeigt. In 0.5 min Intervallen wurden, nach Zugabe von homogenisiertem Herzgewebe, Proben aus dem 45Ca2+-Reaktionsgemisch entnommen und der bis zu diesem Zeitpunk erfolgte Transport für 45Ca2+ bestimmt.

Abb. 11: Zeitabhängigkeit des Oxalat-stimulierten SR Ca2+-Transportes
Drei repräsentative Proben aus den Versuchsgruppen. SO, scheinoperiertes Tier; MI, Tier mit unbehandeltem Myokardinfarkt; MI+Etomoxir, Tier mit Myokardinfarkt und Etomoxir-Behandlung vom ersten postoperativen Tag an; die Punkte repräsentieren Mittelwerte aus Doppelbestimmungen. Dargestellte Messung erfolgte unter PKA-Einfluß.

Er stieg bei zunehmender Reaktionszeit linear an. Dieser lineare Reaktionsverlauf konnte in allen untersuchten Proben der drei Versuchsgruppen beobachtet werden. In Gegenwart des


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membranpermeabilisierenden Ca2+-Ionophores A23187 wurde kein Anstieg des Ca2+-Signals gemessen. Daran zeigte sich, daß Ca2+ tatsächlich in Membranvesikel aufgenommen wurde (Ergebnis nicht dargestellt). Darüber hinaus ist zu erkennen, daß die Ca2+-Transportwerte in der unbehandelten und behandelten Infarktgruppe deutlich unter den Kontrollwerten des SO-Kollektivs lagen. Dies trifft insbesondere für die Messwerte zu, die 1.5min und 2.0min nach Zugabe des Homogenates zur 45Ca2+-haltigen Reaktionslösung ermittelt wurden. Die Transportwerte bei den unbehandelten MI-Tieren und unter Etomoxir-Behandlung lagen dagegen eng beieinander. Aus diesen Einzelwerten ließ sich durch lineare Regressionsanalyse die Geschwindigkeit des 45Ca2+-Transportes in Membranvesikel des SR bestimmen.

Abb. 12 verdeutlicht, wie sich die oxalatstimulierten SR CA2+-Transportraten unter Kontrollbedingungen und nach Zugabe des Peptidinhibitors der Proteinkinase A (PKI) oder Zugabe der katalytischen Untereinheit der Proteinkinase A (PKA) verhalten haben. Der Transport bezieht sich auf die Ca2+-Menge, die pro Milligramm Protein und pro Minute aufgenommen wurde. Unter allen drei Bedingungen war eine deutliche Abnahme der SR Ca2+-Transportaktivität in der MI-Gruppe zu sehen. Durch Etomoxirbehandlung konnte dieser verminderte SR Ca2+-Transport nicht signifikant verbessert werden. Auffällig ist jedoch, daß die Streuung der Meßwerte in der Behandlungsgruppe mit einem Variationskoeffizienten von 37.6 % (unter PKI-Zusatz) am größtem war.


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Abb. 12: SR Ca2+-Transportaktivität unter Kontrollbedingungen sowie in Gegenwart von 10 µM Peptidinhibitor (PKI) der Proteinkinase A und 2 µM katalytischer Untereinheit der Proteinkinase A (PKA)
Alle Werte sind als Mittelwert ± SD dargestellt (n=6-12). SO, scheinoperierte Tiere; MI, Tiere mit unbehandeltem Myokardinfarkt; MI+Etomoxir, Tiere mit Myokardinfarkt und Etomoxir-Behandlung vom ersten postoperativen Tag an;
* p<0.05 vs. SO


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Abb. 13: Stimulierung des SR Ca2+-Transportes durch Proteinkinase A-abhängige Phosphorylierung von Phospholamban
Alle Werte sind als Mittelwerte ± SD dargestellt. (n=6-12); PKA, 2 µM katalytische Untereinheit der Proteinkinase A; PKI, 10 µM Peptidinhibitor der Proteinkinase A; SO, scheinoperierte Tiere; MI, Tiere mit unbehandeltem Myokardinfarkt; MI+Etomoxir, Tiere mit Myokardinfarkt und Etomoxir-Behandlung vom ersten postoperativen Tag an.

Die Stimulierbarkeit des SR Ca2+-Transportes durch die katalytische Untereinheit der Proteinkinase A ist in Abb. 13 dargestellt. Diese Stimulierung erfolgt über PKA-abhängige Phosphorylierung von Phospholamban. Dadurch wird der inhibitorische Einfluß von nicht-phosphoryliertem Phospholamban auf die SR Ca2+- ATPase aufgehoben. Die katalytische PKA-Aktivität der zugegebenen exogenen C-Untereinheit der PKA ist dafür verantwortlich. Durch den Einsatz der enzymatisch aktiven katalytischen Untereinheit der PKA konnte auf den Zusatz des PKA-Aktivators cAMP in der Reaktionslösung verzichtet werden. Endogene, in Homogenaten enthaltene Aktivität ist unter diesen Bedingungen von untergeordneter Bedeutung. Diese in den Homogenaten enthaltene aktivierte PKA kann durch einen PKA-spezifischen Inhibitor ausgeschaltet werden.


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Der PKA/PKI-Quotient ist ein Maß für die maximale Zunahme der Ca2+-Transportrate durch PKA-abhängige Phosphorylierung von PLB in vitro. Dieser Wert betrug in allen drei Gruppen nahezu 50%, d.h. unter den gewählten Bedingungen nahm die Geschwindigkeit des Transportes für Ca2+ in SR-Vesikel beträchtlich zu.

Wegen der auffällig großen Streuung der Meßwerte vor allem in der Etomoxir-behandelten Gruppe, sind in Abb. 14 die Einzelmeßwerte für die Oxalat-stimulierte SR Ca2+-Transportrate der jeweiligen Gruppen einander gegenübergestellt. Während die Werte in der scheinoperierten Gruppe relativ eng beieinander liegen, nimmt die Streubreite über MI-Gruppe bis zur Etomoxir-Gruppe stark zu.

Abb. 14: Einzelwertdarstellung der Oxalat-stimulierten SR Ca2+-Transport-geschwindigkeit
Querbalken zeigt den Mittelwert an. SO, scheinoperierte Tiere; MI, Tiere mit unbehandeltem Myokardinfarkt; MI+Etomoxir, Tiere mit Myokardinfarkt und Etomoxir-Behandlung vom ersten postoperativen Tag an. Die 45Ca2+-Reaktionslösung enthielt kein PKA oder PKI.

Bei 5/12 der Infarkttiere konnte durch Etomoxirbehandlung eine MI-bedingte Verminderung der Ca2+-Transportaktivität verhindert werden. Dagegen sprachen 7/12 der infarzierten Tiere nicht auf eine Behandlung an.


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3.5.2. Beziehung zwischen Infarktgröße und Ca2+-Transport in das sarkoplasmatische Retikulum

Es wurde vermutet, daß das Ausmaß der kompensatorischen Hypertrophie von der Größe des infarzierten Areals abhängt. Der Hypertrophiegrad kann gegebenenfalls in Beziehung zu den Ca2+-Transportveränderungen stehen. Dieser Umstand wurde daher näher untersucht. Die SR Ca2+-Transportrate war tatsächlich in Abhängigkeit von der Größe des infarzierten Gewebes vermindert. Dieser Sachverhalt ist in Abb. 15 wiedergegeben. Aufgezeigt sind die Werte unter Kontrollbedingungen, also ohne Zusatz von PKA oder PKI. Je größer das Infarktareal, desto weniger 45Ca2+ wurde in die SR-Vesikel des überlebenden Myokards gepumpt. In die Grafik eingezeichnet ist eine Gerade, die den Abfall des Ca2+-Transportes von den scheinoperierten Tieren zu den beiden Infarktgruppen demonstriert. Die Korrelation zwischen Infarktgröße und Ca2+-Transportrate für die beiden Gruppen MI und MI+Etomoxir ergibt einen Koeffizienten von r=0.55.

Abb. 15: Korrelation zwischen Infarktgröße und Oxalat-stimuliertem SR Ca2+-Transport
SO, scheinoperierte Tiere; MI, Tiere mit unbehandeltem Myokardinfarkt; MI+Etomoxir, Tiere mit Myokardinfarkt und Etomoxir-Behandlung vom ersten postoperativen Tag an; Die 45Ca2+-Reaktionslösung enthielt kein PKA oder PKI. Gerade über alle Werte; Korrelationskoeffizient für Werte der unbehandelten und behandelten Tiere mit Myokardinfarkt: r=0.55; p<0.05, n=6-12

3.6. Western-Blot Analyse der SERCA2a

Um zu prüfen, ob die beobachteten Ca2+-Transportveränderungen in Abb. 12 durch eine Veränderung der Ca2+-ATPasendichte bedingt war, wurde SERCA2a-Protein detektiert. Diese quantitative Untersuchung erfolgte in der Western-Blot Technik. Eine Bande auf der Nitrozellulose bei


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110 kDa wurde mit Hilfe des Molekulargewichtstandards als SERCA2a-Bande identifiziert. An dieser Stelle der NC haftete der polyklonale Antikörper gegen das SERCA2a-Potein. Das Ergebnis dieser quantitativen Messung ist in Abb. 16 dargestellt. Das

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immunoreaktive SERCA2a-Signal, vermittelt über die Bindung des zweiten Antikörpers, war in der MI-Gruppe signifikant vermindert. Unter Etomoxir-Behandlung ließen sich keine signifikanten Änderungen, verglichen mit der scheinoperierten Gruppe und der unbehandelten MI-Population, zeigen.

Abb. 16: Western-Blot Analyse der SERCA2a in Homogenaten
Oben : Exemplarischer Western-Blot der immunoreaktiven SERCA2a. Detektion mittels ECL-Kit. Dargestellt sind drei repräsentative Banden aus den unten aufgezeigten Gruppen.
Unten : Immunoreaktives SERCA2a-Signal. Alle Werte sind als Mittelwert ± SD dargestellt (n=5-7). SO, scheinoperierte Tiere; MI, Tiere mit unbehandeltem Myokardinfarkt; MI+Etomoxir, Tiere mit Myokardinfarkt und Etomoxir-Behandlung vom ersten postoperativen Tag an; OD, optische Dichte.
* p<0.01 vs. SO


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Im vorliegenden Kapitel zu den Ergebnissen wird folgendes deutlich:

Die Infarktgröße zwischen der unbehandelten und mit Etomoxir-behandelten Gruppe mit Myokardinfarkt unterschied sich signifikant. Nach Infarkt kam es sowohl in der MI-Gruppe, als auch in der Etomoxir-Gruppe zu einer Steigerung verschiedener Herzgewichtsparameter im Vergleich zu den scheinoperierten Tieren. Der relative und absolute Proteingehalt des linken Ventrikels veränderte sich dagegen nicht signifikant. Hämodynamisch betrachtet reagierte das infarzierte, unbehandelte Herz mit einer Zunahme des linksventrikulären enddiastolischen Drucks, während der Kontraktilitätsparameter +dP/dtmax und der Lusitropieparameter -dP/dtmin deutlich absanken. Unter sechswöchiger Etomoxir-Behandlung war eine signifikante Änderung gegenüber der SO-Gruppe nur bei der Druckabfallgeschwindigkeit zu ermitteln.

Die qualitative Untersuchung der SR Ca2+-ATPase als wichtigstem Transporter für die Rückbindung von Ca2+ in der Diastole zeigte eine deutliche Abnahme der Ca2+-Transportrate im überlebenden Myokard der MI-Gruppe. Eine gleichartige Aussage ließ sich für die Etomoxir-Gruppe nicht treffen.

Abschließend wurde gezeigt, daß die verminderte Transportrate für Ca2+ mit einer Abnahme des SERCA2a-Proteinspiegels korrelierte.


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