| Günther, Lukas: Thema: Charakterisierung des Proliferationsverhaltens
östrogen-positiver und östrogen-negativer Zellen
des Mammakarzinoms durch Vermessung
argyrophiler Nukleolus-organisierender Regionen
(AgNORs) |
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Dieser Arbeit liegen Untersuchungen an 49 Mammakarzinomen zugrunde. Dabei handelt es sich um 43 invasiv duktale sowie 6 invasiv lobuläre Mammakarzinome verschiedener histopathologischer Differenzierungsgrade (G1: 14 Karzinome; G2: 26 Karzinome; G3: 9 Karzinome). Die Tumorgröße lag zwischen 6 und 73mm.
Alle Patientinnen wurden infolge ihres Tumorleidens in der Chirurgischen Klinik der Charité behandelt. Das Alter der Patientinnen betrug 34 bis 84 Jahre (im Mittel: 62 Jahre).
Die vorliegenden Gewebsproben stammen ausschließlich aus den Jahren 1994 und 1995. Alle Fälle wurden im Pathologischen Institut der Charité im Rahmen der Routine-diagnostik begutachtet und befundet.
Es wurde weiterhin darauf geachtet, daß bei allen verwendeten Fällen sowohl eine biochemische (ER-EIA) als auch eine immunhistochemische (ER-ICA) Analyse der Östrogenrezeptoren vorgenommen wurde. Beim Enzym-Immuno-Assay wurde ein Rezeptorgehalt von über 20 fmol/mg Gesamtprotein als positives Ergebnis gewertet.
Ausgangspunkt der Aufarbeitung war in 10%iger Formalinlösung fixiertes und in Form von Paraffinblöcken archiviertes Tumormaterial.
Von diesen Blöcken wurden mit Hilfe eines Rotationsmikrotoms vom Typ Microm® HM 350 3µm dicke Schnitte hergestellt, welche auf SuperFrost/Plus® Objektträger auf-gezogen wurden.
Zur topologischen Orientierung wurde von jedem Fall ein Schnitt mit Hämatoxylin-Eosin (HE) gefärbt.
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Materialien
Immunotech® Monoclonal Antibody: Estrogen Receptor Nr. 1344
DAKO LSAB®2 Kit K 0674:
Link-Reagenz: biotinylierter Sekundär-Antikörper
Label-Reagenz: Streptavidin mit Alkalischer Phosphatase
SIGMA FAST™: Fast Red TR/Naphtol AS-MX
9g TRIS-Base (SIGMA®T1503)
68,5g TRIS-HCl (SIGMA®T3253)
57,5g NaCl (Serva®A30183)
Stammlösung: 18,91g Zitronensäure und 120,55g Na-Zitrat-di-Hydrat auf 5l
Stammlösung 1:10 verdünnen
Ein gründliches Entparaffinieren der Schnitte ist notwendig, weil Paraffinreste die unspezifische Hintergrundfärbung erhöhen.
Um die Sensitivität der Methode am Paraffinmaterial zu erhöhen, ist sowohl für eine verbesserte immunhistochemische Färbung [Bier et al. 1995
] als auch für eine verbesserte Versilberungsreaktion [Öfner et al. 1994
] ein
Autoklavieren
der Proben erforderlich, um die nukleären Antigene zu demaskieren. Dieser Arbeitsschritt erfolgt nur einmal und wird vor der immunhistochemischen Färbung durchgeführt.
Der pH-Wert des zum Autoklavieren verwendeten Zitratpuffers muß genau 6,0 betragen. Schon geringe Abweichungen beeinträchtigen nach eigenen Erfahrungen das Färbeergebnis.
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Die Schnitte dürfen während der gesamten Präparation nicht austrocknen und müssen daher grundsätzlich in einer Feuchtkammer bei 37°C inkubiert werden.Die aufgetropften Antikörperlösungen dürfen nicht unmittelbar am Rand des Präparates enden, sondern müssen darüber hinaus reichen. Ansonsten kommt es zu lokalen Austrocknungseffekten (sogenannten edge-Effekten ) mit verstärkter unspezifischer Hintergrundfärbung.
Färbeablauf
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Materialien
Es ist darauf zu achten, daß keine überlagerte
Gelatine
verwendet wird. Dies würde zu einer negativen Beeinflussung des Färbeergebnisses führen [Rüschoff 1992
]. Die Gelatine muß zuvor vorsichtig auf einer Thermoplatte mit Magnetrührer aufgelöst werden.
Die Silber-Kolloid-Gebrauchslösung muß frisch angefertigt werden, daß heißt maximal eine bis zwei Stunden vor Anwendung.
Das Standard-Färbeschema des histochemischen Labors des Instituts für Pathologie der Charité zur AgNOR-Darstellung wurde in zwei Punkten modifiziert. Zum ersten entfällt das Autoklavieren der Schnitte vor Inkubation mit der Silber-Kolloid-Gebrauchslösung, da dieser Arbeitsschritt schon vor der Östrogenrezeptorfärbung erfolgte. Zum zweiten wird nach der Versilberungsreaktion keine aufsteigende Alkoholreihe durchgeführt. Das würde zwangsläufig zu einem Ausbleichen der Immunfärbung führen.
Das endgültige Eindecken der doppelt gefärbten Präparate erfolgt aus dem Aqua dest zuerst mit Crystal-Mount™, welches die empfindlichen Färbungen konserviert und danach mit Kanadabalsam.
Färbeablauf
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Östrogen-positive Zellkerne stellen sich im mikroskopischen Bild rot oder orangerot dar. Demgegenüber stehen östrogen-negative Zellkerne mit einer zartgelben Färbung. Diese gelbliche Farbe ist als Artefakt der Versilberungsreaktion aufzufassen. Durch diesen Umstand ist der östrogen-negative Zellkern auch als solcher sichtbar und später auch meßtechnisch abgrenzbar, obwohl keine eigentliche Kern-färbung durchgeführt wurde.
Sowohl in östrogen-positiven, als auch in östrogen-negativen Zellkernen zeigen sich die AgNORs als kleine schwarzbräunliche punktartige Strukturen (siehe Abbildung 1).
Abb. 1 Zellen eines G2-differenzierten Mammakarzinoms. Simultanfärbung für Östrogenrezeptoren und AgNORs. 105µm×140µm

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Software Das Softwaresystem AMBA ist Teil des Bildverarbeitungssystems AMBA und wurde im Labor für automatisierte Mikroskopbildanalyse des Pathologischen Institutes der Charité Berlin entwickelt. Die aktuelle Windows-Version von AMBA wird von der IBSB GmbH Berlin angeboten.
Die
Hauptkomponenten
dieses Systems sind [Roth et al. 1989
]:
Das System ist vor allem für histometrische und karyometrische Messungen konzipiert.
So läßt sich für jede Fragestellung ein spezielles Meß- und Verarbeitungsprotokoll entwickeln. Der Entwickler kann dabei aus einer Reihe von Prozeduren wählen. Durch ein hohes Maß an Interaktivität kann man unter geringem Zeitaufwand ein reibungs-loses Laufen des entwickelten Programmes überprüfen und Änderungen vornehmen.
Hardware
Tabelle 4 gibt Übersicht über das aktuelle Hardwareprofil des Bildverarbeitungssystems AMBA im Labor für automatisierte Mikroskopbildanalyse des Instituts für Pathologie der Charité.
Tab. 4 Hardwareprofil des Bildverarbeitungssystems AMBA
|
Personal Computer |
CPU Pentium 100MHz 32MB RAM MS DOS V 6.20 Windows for Workgroups 3.11 |
|
Framegrabber/Graphikkarte |
Matrox Comet |
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Bildverarbeitungssoftware |
AMBA (IBSB GmbH, Berlin) |
|
Farbmonitor |
Sony Trinitron Multiscan 17 sf |
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Mikroskop |
Jenaval (Carl Zeiss Jena) |
|
Kamera |
Sony 3CCD-Color Video Camera |
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Abbildung 2 zeigt ein Blockschaltbild des gesamten Bildverarbeitungssystems.Abb. 2 Blockschaltbild des Bildverarbeitungssystems AMBA

Für die Vermessung von AgNORs in farbig markierten Zellen wurde das Programm AMBA\ orcolor entworfen. Dieses Programm wurde unter AMBA geschrieben und speziell an die Aufgabenstellung angepaßt.
Als generelles Problem stellte sich zunächst die Zellkernsegmentierung heraus. Wogegen sich rote östrogen-positive Kerne von AMBA gut segmentieren ließen, zeigten die zartgelben östrogen-negativen Kerne im Farbbild einen nur schwachen Kontrast zum Hintergrund.
Die Verwendung eines RGB-(Farb)-Bildes mit der Ablage jedes Teilbildes (Rot, Grün, Blau) in einem separaten Bildspeicher der Grafikkarte ermöglichte das Überprüfen der Kontraststärke der östrogen-negativen Zellkerne im jeweiligen Teilbild.
Im Rot-Bild zeigten zwar die östrogen-positiven Kerne maximalen Kontrast, die östrogen-negativen Zellen waren jedoch nahezu unsichtbar. Im Blau-Bild wurden beide Zellarten nicht außerordentlich kontrastreich dargestellt. Im Grün-Bild zeigten die
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östrogen-negativen Kerne ihren maximalen, die östrogen-positiven einen vertretbar starken Kontrast. Somit wurde das Grün-Bild zur Zellkernsegmentierung ausgewählt.Auch zur Segmentierung der AgNORs wurden die drei RGB-Bildkomponenten hinsichtlich des maximalen Kontrastes überprüft und das Rot-Bild gewählt. Der Untersucher sieht diese grünen und roten Teilbilder nicht. Ihm wird während des gesamten Untersuchungsablaufes das native gesamte RGB-Bild präsentiert.
Die Segmentierung sowohl der Kerne als auch der AgNORs erfolgt unter AMBA automatisch mit Hilfe einer Konturfolgerechnung. Die Erkennung des Objektes wird hierbei von einem hierarchischen Klassifikator überwacht. Dem Untersucher wird das jeweilige Segmentierungsergebnis mit Hilfe eines farbigen Overlays angezeigt. Versagt die automatische Segmentierung, ist eine interaktive Korrektur möglich. Mit der Bestätigung der erfolgreichen Segmentierung des jeweiligen Zellkerns oder der AgNORs durch den Untersucher wird im Hintergrund des Programmes der Ver-messungsprozeß des Objektes in Gang gesetzt.
Die Vermessung eines simultan gefärbten Präparates erfolgte grundsätzlich in zwei Arbeitsgängen. Im ersten Schritt wurden nur östrogen-positive Zellen, im zweiten Schritt nur östrogen-negative Zellen vermessen.
Die Klassifikation der Zellen als östrogen-positiv oder östrogen-negativ erfolgte im Farbbild durch das Auge des Untersuchers. Als östrogen-positiv wurden dabei alle Tumorzellkerne bezeichnet, welche eine Rotfärbung zeigten, egal ob sich diese als schwach oder stark darstellte. Als östrogen-negativ wurden jene Tumorzellkerne definiert, die keine Rotfärbung aufwiesen.
Es wurden jeweils einhundert Zellen einer Zellklasse in die Messungen einbezogen. Waren weniger als einhundert Zellen einer Klasse verfügbar, wurden nur alle verwert-baren Zellen gemessen.
Die Mikroskop- und Kameraeinstellungen wurden über die gesamte Meßserie konstant gehalten. Es wurde mit Köhlerscher Beleuchtung und vierhundertfacher Ver-größerung (Objektiv×40; Projektiv×10; Bildausschnitt: 105µm×140µm) gearbeitet.
Die prinzipiellen Arbeitsschritte der Vermessung werden im Folgenden kurz erläutert.
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Es wurden jeweils alle der klassenzugehörigen Tumorzellkerne im Bildauschnitt in die Messungen einbezogen. Nach Abarbeitung eines Ausschnittes wurde zum nächsten Areal gewechselt und mit der Schrittfolge von vorn begonnen.
In einem Datenfenster werden zu jedem Zeitpunkt die Anzahl der schon vermessenen Zellkerne ausgegeben. Abgebrochen wurde entweder nach einhundert Zellen, oder wenn nach Durchsuchen von fünf Gesichtsfeldern kein weiterer östrogen-positiver oder östrogen-negativer Zellkern zu finden war.
Anzahlmerkmale:
|
Nr. |
Merkmal |
Erklärung |
Einheit |
|
1 |
NORNMB_M |
unkorrigierte Anzahl der AgNORs pro Zellkern, d.h. AgNOR-Cluster werden als ein AgNOR gezählt; Mittelwert |
Anzahl |
|
2 |
NORNBC_M |
korrigierte Anzahl der AgNORs pro Zellkern, d.h. AgNOR-Cluster werden als zwei AgNORs gezählt; Mittelwert |
Anzahl |
|
3-13 |
NOR_Kx (x=1...10) |
Anzahl der Zellkerne mit x AgNORs (11 Gruppen: x=0; x=1; ...; x=10) |
Promille |
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Flächenmerkmale:
|
Nr. |
Merkmal |
Erklärung |
Einheit |
| 14 |
AREA_M |
Zellkernschnittfläche; Mittelwert |
µm2 |
|
15 |
S_AREA_M |
Summe der Schnittflächen aller AgNORs pro Zellkern; Mittelwert |
µm2 |
|
16 |
MAXNOR_M |
Anschnittsfläche des größten AgNORs im Zellkern; Mittelwert |
µm2 |
|
17 |
MEANAR_M |
Mittlere Anschnittsfläche der einzelnen AgNORs; Mittelwert (S_AREA_M/NORNBC_M) |
µm2 |
|
18 |
SNAR_R_M |
Verhältnis der Schnittfläche der einzeln gelegenen AgNORs zur Summenfläche der AgNORs;Mittelwert (MEANAR_M/S_AREA_M) |
Promille |
|
19 |
AR_RAT_M |
Verhältnis der AgNOR-Summenfläche zur Zellkernfläche; Mittelwert (S_AREA_M/AREA_M) |
Promille |
|
20 |
MN_RAT1_M |
Verhältnis max. AgNOR-Fläche im Zellkern zur Zellkernfläche; Mittelwert (MAXNOR_M/AREA_M) |
Promille |
|
21 |
MN_RAT2_M |
Verhältnis max. AgNOR- Fläche zur AgNOR- Summenfläche; Mittelwert (MAXNOR_M/S_AREA_M) |
Promille |
|
22 |
SIZRAT_M |
Verhältnis mittlere AgNOR- Fläche pro Kern zur Zellkernfläche; Mittelwert (MEANAR_M/AREA_M) |
Promille |
Lokalisationsmerkmale: Merkmale, welche die Lage der AgNORs im Zellkern und zueinander beurteilen.
|
Nr. |
Merkmal |
Erklärung |
Einheit |
| 23 |
CENTER_M |
Anzahl der zentral im Zellkern gelegenen AgNORs; Mittelwert | Anzahl |
|
24 |
CENT_R_M |
Anteil der zentral im Zellkern gelegenen AgNORs an der korrigierten Gesamtzahl der AgNORs; Mittelwert |
Promille |
|
25 |
BORDER_M |
Anzahl der randständigen AgNORs pro Zellkern; Mittelwert |
Anzahl |
|
26 |
BORD_R_M |
Anteil der randständig gelegenen AgNORs an der korrigierten Gesamtzahl der AgNORs; Mittelwert |
Promille |
|
27 |
LOCAT_M |
Abstand der AgNORs vom Zentrum der Ellipse (welche die idealisierte Zellkernform darstellt) im Verhältnis zur langen Achse; Mittelwert |
µm2 |
|
28-38 |
LOC_Kx (x=0;100;...;1000) |
Anzahl der AgNORs, die innerhalb eines bestimmten Flächenringes mit Ellipsen- bzw. Zellkernzentrum als zentralem Bezugspunkt liegen, Aufteilung des Zellkerns in 11 zirkuläre Flächenbereiche |
Anzahl |
|
39 |
MDIST_M |
mittlerer Abstand der AgNORs zueinander; Mittelwert |
µm2 |
|
40 |
MAXDIS_M |
maximaler Abstand zweier AgNORs zueinander; Mittelwert |
µm2 |
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Die statistische Bearbeitung der erhaltenen Meßwerte wurde mit dem Statistik-programm NCSS 5.1 (copyright 1991 by Dr. Jerry L. Hintze, 329 North 1000 East Kaysville, Utah 84037 [801] 5460445) durchgeführt.
Der im Bildverarbeitungssystem AMBA angelegte Datenfile wurde nach Abschluß der Messungen in ein ASCII-Format transformiert und in NCSS eingelesen.
Zur Ermittlung des Signifikanzniveaus und zum Vergleich der Gruppenmittelwerte wurde der t-Test für gleiche oder ungleiche Varianzen durchgeführt. Lag das Ergebnis des F-Tests bei F>0,1, so wurde der t-Test für gleiche Varianzen durchgeführt. Bei F<0,1 wurde von ungleichen Varianzen ausgegangen.
Korrelationen wurden mit dem Pearson-Korrelationskoeffizienten r für metrische Korrelationen oder dem Spearmans-Korrelationskoeffizienten für Rangkorrelationen überprüft. Die Koeffizienten können dabei Werte zwischen \|-\|1 und +1 annehmen.
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HTML - Version erstellt am: Wed Jun 3 18:16:15 1998 |