Huber, Kathrina: Thema: Validität der sonographischen Lungenbiometrie in der pränatalen Diagnose der Lungenhypoplasie

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Kapitel 1. Einleitung

Erkrankungen der Lunge belasten die perinatale Mortalität und Morbidität erheblich. So ist z.B. das Atemnotsyndrom die häufigste Ursache für einen perinatalen Tod (v. Harnack u. Mitarb., 1994). Weitere pulmonal bedingte Ursachen für perinatale Sterbefälle sind Fehlbildungen der Lunge sowie eine Lungenhypoplasie, die bei 10 bis 20 % der autoptisch untersuchten Kinder gefunden werden kann (46, 80) und meist mit einer infausten Prognose einhergeht (11, 16, 47, 54, 60, 64, 72).

Im Gegensatz zu der Vielzahl von diagnostischen Möglichkeiten bei der postnatalen Untersuchung der Lunge wie Auskultation, Perkussion, Röntgenaufnahmen des Thorax, Spirometrie, Bronchoskopie, etc. existieren pränatal nur der Ultraschall zur Fehlbildungsdiagnostik (3, 4, 34, 45, 73) und zur biometrischen Vermessung der Lunge (19, 26, 32, 39, 55, 63) sowie die Lungenreifebestimmung aus dem Fruchtwasser (Gluck u. Mitarb., 1973). In den letzten Jahren wurden zunehmend physiologische Untersuchungen der Lungenentwicklung veröffentlicht, welche von Chaoui u. Mitarb. (1997) in einer Übersichtsarbeit zusammengefaßt wurden.

Trotz der enormen Bedeutung einer Lungenhypoplasie, die als Minderwuchs der fetalen Lunge bei regelrechter Organanlage definiert ist, ist sie bis heute eine pathologisch-anatomische Diagnose, gekennzeichnet durch einen verringerten Lungen-Körpergewichtsindex (L/KG-Index) als Maß für das Lungengewicht und einen verringerten Radial-Alveolar-Count-Wert (RAC-Wert) als Maß für die Alveolendichte (6, 70, 74).

Zu unterscheiden sind eine primäre bzw. idiopathische und eine sekundäre Form der Lungenhypoplasie. Verschiedene Krankheitsbilder wie z.B. Nierenfehlbildungen, Zwerchfellhernie, vorzeitiger Blasensprung, Pleuraerguß und Skelettfehlbildungen (2, 27, 46, 54, 62, 66, 74, 83) sind mit der sekundären Form assoziiert.

Seit einigen Jahren stellt die sonographische Beurteilung der fetalen Lunge zur Prognoseabschätzung bei Feten mit der Gefahr zur Entwicklung einer Lungenhypoplasie, v.a. bei Feten mit Nierenfehlbildungen und bei Vorliegen eines vorzeitigen Blasensprungs, einen Gegenstand des wissenschaftlichen Interesses dar. So haben verschiedene Arbeitsgruppen Normkurven zur sonographischen bzw. biometrischen Untersuchung des fetalen Lungenwachstums erstellt. Mit Hilfe dieser Normkurven versuchte man, eine Lungenhypoplasie schon pränatal zu diagnostizieren (20, 22, 44, 56, 58, 68, 78). Da die Studien in ihrer Methodik erheblich variieren, kann man bis heute die Diagnose einer fetalen Lungenhypoplasie noch nicht zuverlässig stellen (Sherer u. Mitarb., 1993).


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Deshalb wurden auch von unserer Arbeitsgruppe Normkurven für das fetale Lungenwachstum erstellt. Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Validierung dieser Normkurven hinsichtlich ihres prädiktiven Werts zur pränatalen Diagnose einer Lungenhypoplasie. Dazu wurde ein Kollektiv von Feten mit einem hohen Risiko einer Lungenhypoplasie sonographisch untersucht. Zur Auswertung gelangten letztlich nur die Feten, bei denen eine pathologisch-anatomische Untersuchung durchgeführt wurde. Bei diesen Feten wurde die pathologisch-anatomische mit der sonographischen Diagnose verglichen. Damit konnte eine exakte Berechnung von Sensitivität, Spezifität und Vorhersagewerte für einen positiven bzw. negativen Test zur Validierung der Meßmethode erfolgen.
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Wed Apr 7 18:59:29 1999