Huber, Kathrina: Thema: Validität der sonographischen Lungenbiometrie in der pränatalen Diagnose der Lungenhypoplasie

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Kapitel 3. Patienten und Methode

3.1. Patienten

Grundlage unserer Messungen waren durch sonographische Untersuchung von 313 Feten zwischen der 15. und 30. SSW aufgestellte Normkurven für verschiedene Biometrieparameter der fetalen Lunge (Heling u. Mitarb., 1997).

Um die Validität der Methode zu bestimmen, haben wir Messungen der Lungenbiometrie bei 39 Feten, die ein hohes Risiko für eine Lungenhypoplasie zeigten, zwischen der 17. und 30. SSW durchgeführt. Bei 29 dieser 39 Feten wurde eine pathologisch-anatomische Diagnose gestellt. Nur Messungen dieser Patientengruppe wurden in die Auswertung mitaufgenommen.

Die Zustimmung der schwangeren Patienten zur Auswertung der Meßwerte lag ausnahmslos vor.

In Abbildung 1 wird die Verteilung der Messungen in Abhängigkeit vom Gestationsalter dargestellt:

Abbildung 1: Verteilung der Messungen


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In der nachfolgenden Tabelle werden die autoptischen Befunde der Patienten zusammengefaßt:

Diagnose

Fallzahl

Vorzeitiger Blasensprung (< 24. SSW)

9

Hydrothorax

6

Nierenfehlbildungen

13

Skelettfehlbildungen

1

Vorzeitiger Blasensprung ( < 24. SSW)

Bei diesem Krankheitsbild wurden neun Messungen von verschiedenen Feten mit vorzeitigem Blasensprung (< 24. SSW) zwischen der 17. und 23. SSW vorgenommen. Bei zwei Feten wurden weitere Fehlbildungen (partielle Trisomie und Pallister-Hall-Syndrom) autoptisch diagnostiziert. Alle Schwangerschaften wurden vorzeitig beendet..

Hydrothorax

Es wurden sechs Untersuchungen zwischen der 17. und 23. SSW durchgeführt. Bei allen Feten trat der Hydrothorax als Folge eines nicht immunologischen Hydrops fetalis (NIHF) auf. Bei drei Feten waren chromosomale Anomalien bekannt. Alle Schwangerschaften endeten mit einem Abort.

Nierenfehlbildungen

Beim Krankheitsbild Nierenfehlbildungen wurden Messungen von 13 verschiedenen Feten zwischen der 17. und 30. SSW ausgewertet. Bei zwölf Feten wurde ein Potter-Syndrom diagnostiziert, bei einem Fall ein “Prune-belly-Syndrom“. Zwölf Schwangerschaften wurden vorzeitig beendet, ein Kind wurde lebend geboren, verstarb aber acht Stunden nach der Geburt.

Zusätzlich wurde ein Fetus mit einer Skelettfehlbildung in der 23. SSW sonographisch untersucht. Autoptisch wurde neben einer Lungenhypoplasie eine Laparoschisis (Syndrom der kurzen Nabelschnur) diagnostiziert.


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3.2. Methoden

Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich vom 1. Oktober 1993 bis zum 31. März 1996.

Für die Messungen wurden die Geräte Ultramark 9 HDI und HDI 3000 der Firma Advanced Technology Labaratories (ATL) mit einem 4 bzw. 7 MHz-Schallkopf verwendet. Alle Untersuchungen wurden vom gleichen Arzt durchgeführt. Die Erfassung der Parameter erfolgte Online während der Untersuchung.

Analog zu den Erhebungen bei der Erstellung der Normkurven wurden in der vorliegenden Arbeit Messungen in der Horizontal- und Frontalebene durchgeführt. Bei allen Parametern verliefen die Meßstrecken parallel bzw. senkrecht zu diesen Ebenen. Wegen einer ungünstigen intrauterinen Lage der Feten konnten nicht in jedem Fall alle Parameter gemessen werden.

Horizontalebene

Der anterior-posteriore Durchmesser wurde definiert als Strecke zwischen Innenseite des Sternums und der Wirbelkörper, der seitliche Durchmesser als längste Strecke zwischen den Innenseiten einer Rippe. Anterior-posteriorer und seitlicher Durchmesser standen im rechten Winkel zueinander.

Die Messungen wurden in folgenden Schnittebenen als Parallelverschiebung vorgenommen:


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Frontalebene

Die Messungen der Lungenlänge in der Frontalebene erfolgten zwischen der Clavicula- und der Zwerchfellebene. Dabei mußte die Aorta gerade noch darstellbar sein.

Zur Auswertung gelangten sieben Meßwerte (6 Messungen in der Horizontalebene, 1 Messung in der Frontalebene).

Auswertung

Die statistische Auswertung wurde mit Hilfe des Kalkulationsprogramms Excel 5.0 für Windows durchgeführt. Die erhobenen Messungen wurden in die oben erwähnten Normkurven eingetragen.

Die Validität der Meßmethode wurde mit Hilfe der Vierfeldertafel überprüft. Dabei wurde die sonographische Diagnose einer Lungenhypoplasie gestellt, wenn die Meßwerte unterhalb der doppelten Standardabweichung (-2 SD) lagen. Die pathologisch-anatomische Diagnose einer Lungenhypoplasie wurde durch einen Lungen-Körpergewichtsindex belegt, der unter dem gestationsaltersabhängigen Normbereich lag (Vogel u. Mitarb., 1990).

Zur Beurteilung der Validität mit Hilfe der Vierfeldertafel wurden nur Messungen verwendet, bei denen sowohl sonographische als auch pathologisch-anatomische Untersuchungen vorlagen.


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Vierfeldertafel:

Befund

Test positiv

(Werte unterhalb doppelter Standardabweichung)

Test negativ

(Werte oberhalb doppelter Standardabweichung)

Lungenhypoplasie path.-anat. bzw. klin. belegt

A

B

(falsch negativ)

Lungenhypoplasie path.-anat. bzw. klin. widerlegt

C

(falsch positiv)

D

Es gilt:

Die Sensitivität gab an, wieviel Prozent der Fälle mit nachgewiesener Lungenhypoplasie auch mit Hilfe unseres Verfahrens als Lungenhypoplasie diagnostiziert wurden. Die Spezifität drückte aus, wieviel Prozent der Fälle ohne nachgewiesener Lungenhypoplasie in unserer Untersuchung als gesund eingestuft wurden. Der Vorhersagewert eines positiven Tests gab an, wieviel Prozent der Fälle, die unterhalb der doppelten Standardabweichung lagen, nach pathologisch-anatomischer Diagnose eine Lungenhypoplasie hatten. Der Vorhersagewert eines negativen Tests drückte aus, bei wieviel Prozent der Fälle, die im oder oberhalb des Normbereich lagen, pathologisch-anatomisch keine Lungenhypoplasie diagnostiziert wurde.

Nach Unterteilung der Feten in einzelne Krankheitsbilder erfolgte die Auswertung dieser Gruppen. Dabei wurde nur auf die Messungen in der Vierkammerblickebene eingegangen.


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