Huber, Kathrina: Thema: Validität der sonographischen Lungenbiometrie in der pränatalen Diagnose der Lungenhypoplasie

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Kapitel 4. Ergebnisse

Insgesamt wurden 39 Feten mit einem hohem Risiko, einen Lungenhypoplasie zu entwickeln, sonographisch untersucht. Zur Auswertung gelangten nur die 29 Fälle, bei denen zusätzlich eine pathologisch-anatomische Diagnose vorlag. Wegen einer ungünstigen intrauterinen Lage konnten nicht bei jedem Fetus alle sieben Biometrieparameter erhoben werden.

4.1. Messungen in der Zwerchfellebene

4.1.1. anterior-posteriorer Durchmesser

Im anterior-posterioren Durchmesser in der Zwerchfellebene wurden 25 Messungen ausgewertet. In 17 Fällen wurde die pathologisch-anatomische Diagnose einer Lungenhypoplasie gestellt, in neun Fällen widerlegt.


12

In Abbildung 2 wurden die sonographischen Meßwerte der Feten mit hohem Risiko zur Entwicklung einer Lungenhypoplasie in die Normkurve eingetragen.

Abbildung 2: ant.-post. Durchmesser in Zwerchfellebene

In acht von 17 Fällen mit nachgewiesener Lungenhypoplasie (47 %) wurde mit Hilfe der Lungenbiometrie die Diagnose einer Lungenhypoplasie gestellt. Von den neun Fällen, bei denen pathologisch-anatomisch keine Lungenhypoplasie diagnostiziert wurde, lagen fünf Fälle (63 %) inner- oder oberhalb des Normbereichs.


13

Darstellung der Ergebnisse in der Vierfeldertafel:

Befund

testpositiv

testnegativ

Lungenhypoplasie belegt

8 Fälle

9 Fälle

Lungenhypoplasie widerlegt

3 Fälle

5 Fälle

Die Auswertung des anterior-posterioren Durchmessers in der Zwerchfellebene ergab eine Sensitivität von 47 %, eine Spezifität von 63 % und Vorhersagewerte für einen positiven bzw. negativen Test von 73 % und 36 %.

4.1.2. seitlicher Durchmesser

Zur Auswertung des seitlichen Durchmessers in der Zwerchfellebene gelangten 26 Messungen von Feten aus dem Hochrisikokollektiv. Dabei wurde in 18 Fällen die pathologisch-anatomische Diagnose einer Lungenhypoplasie belegt, in acht Fällen widerlegt.


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Abbildung 3: seitl. Durchmesser in Zwerchfellebene

In fünf von 18 Fällen mit pathologisch-anatomischer gesicherter Lungenhypoplasie (28 %) wurde sonographisch eine Lungenhypoplasie diagnostiziert. Von den acht Fällen, bei denen der Verdacht einer Lungenhypoplasie widerlegt wurde, wurden fünf Fälle (63 %) im Ultraschall als gesund eingestuft.


15

Darstellung der Ergebnisse in der Vierfeldertafel:

Befund

testpositiv

testnegativ

Lungenhypoplasie belegt

5 Fälle

13 Fälle

Lungenhypoplasie widerlegt

3 Fälle

5 Fälle

Für den seitlichen Durchmesser in der Zwerchfellebene ergab sich eine Sensitivität von nur 28 % und eine Spezifität von 63 %. Die Vorhersagewerte für einen positiven bzw. negativen Test lagen entsprechend bei 63 % und 28%. Die Messungen in der Zwerchfellebene waren zur pränatalen Diagnose einer Lungenhypoplasie nicht geeignet.

4.2. Messungen in der Vierkammerblickebene

4.2.1. anterior-posteriorer Durchmesser

Für den anterior-posterioren Durchmesser in der Vierkammerblickebene wurden 26 Messungen ausgewertet. In 18 Fällen wurde die Verdachtsdiagnose pathologisch-anatomisch gesichert, in acht Fällen wurde sie widerlegt.


16

Abbildung 4: ant.-post. Durchmesser in VKB-Ebene

Bei der sonographischen Untersuchung lagen elf von 18 Messungen von Feten mit pathologisch-anatomisch nachgewiesener Lungenhypoplasie (61 %) unterhalb dem Normbereich. In sechs von acht Fällen ohne Lungenhypoplasie (75 %) wurde auch biometrisch keine Lungenhypoplasie diagnostiziert.


17

Darstellung der Ergebnisse in der Vierfeldertafel:

Befund

testpositiv

testnegativ

Lungenhypoplasie belegt

11 Fälle

7 Fälle

Lungenhypoplasie widerlegt

2 Fälle

6 Fälle

Bei der Auswertung des anterior-posterioren Durchmesser in der Vierkammerblickebene lag die Sensitivität des Tests zur Vorhersage einer fetalen Lungenhypoplasie bei 61 %, die Spezifität bei 75 % und die Vorhersagewerte für einen positiven bzw. negativen Test bei 85 % und 46 %. Die Werte waren deutlich höher als bei der Auswertung des anterior-posterioren Durchmesser in Zwerchfellebene (Sensitivität von 47 %).

4.2.2. seitlicher Durchmesser

Für die Auswertung des seitlichen Durchmessers in der Vierkammerblickebene wurden 26 Messungen in die entsprechende Normkurve eingetragen. In 18 Fällen wurde der Verdacht einer Lungenhypoplasie autoptisch bestätigt, in acht Fällen wurde der Verdacht widerlegt.


18

Abbildung 5: seitl. Durchmesser in VKB-Ebene

Von den 18 Messungen der Feten mit nachgewiesener Lungenhypoplasie wurde in acht Fällen (44 %) die sonographische Diagnose einer Lungenhypoplasie gestellt. Von den acht Fällen, bei denen autoptisch keine Lungenhypoplasie diagnostiziert wurde, wurden vier Fälle (50 %) im Ultraschall als gesund eingestuft.


19

Darstellung der Ergebnisse in der Vierfeldertafel:

Befund

testpositiv

testnegativ

Lungenhypoplasie belegt

8 Fälle

10 Fälle

Lungenhypoplasie widerlegt

4 Fälle

4 Fälle

Die Sensitivität bei der Messung des seitlichen Durchmessers in der Vierkammerblickebene zur pränatalen Diagnose einer Lungenhypoplasie betrug nur 44 %, die Spezifität 50 %. Die Vorhersagewerte für einen positiven bzw. negativen Test lagen bei 67 % bzw. 29 %. Die Sensitivität war deutlich niedriger als bei der Auswertung des anterior-posterioren Durchmessers in derselben Ebene.

4.3. Messungen in der Claviculaebene

4.3.1. anterior-posteriorer Durchmesser

Zur Untersuchung des anterior-posterioren Durchmessers in der Claviculaebene wurden 25 Messungen ausgewertet. In 16 Fällen konnte die Verdachtsdiagnose einer Lungenhypoplasie pathologisch-anatomisch bestätigt werden. In neun Fällen wurde keine Lungenhypoplasie diagnostiziert.


20

Abbildung 6: ant.-post. Durchmesser in Claviculaebene

Zwei von 16 Fällen mit nachgewiesener Lungenhypoplasie (13 %) lagen im Diagramm unterhalb der doppelten Standardabweichung. Von den neun Fällen ohne Lungenhypoplasie wurden sieben Fälle (78 %) sonographisch korrekt eingestuft.


21

Darstellung der Ergebnisse in der Vierfeldertafel:

Befund

testpositiv

testnegativ

Lungenhypoplasie belegt

2 Fälle

14 Fälle

Lungenhypoplasie widerlegt

2 Fälle

7 Fälle

Die Sensitivität der biometrischen Messungen des anterior-posterioren Durchmessers in der Claviculaebene betrug 13 % und war damit ohne praktische Bedeutung. Die Spezfität lag bei 78 %. Für die Vorhersagewerte für einen positiven bzw. negativen Test ergaben sich 50 % und 33 %.

4.3.2. seitlicher Durchmesser

Für den seitlichen Durchmesser in der Claviculaebene wurden 28 Messungen ausgewertet. 19mal konnte der Verdacht einer Lungenhypoplasie bestätigt werden, in neun Fällen wurde der Verdacht widerlegt.


22

Abbildung 7: seitl. Durchmesser in Claviculaebene

In Abbildung 7 lagen acht von 19 Fällen mit pathologisch-anatomisch nachgewiesener Lungenhypoplasie (42 %) unterhalb der doppelten Standardabweichung. Fünf von neun Messungen von Feten ohne Lungenhypoplasie (55 %) lagen im oder oberhalb des Normbereichs.


23

Darstellung der Ergebnisse in der Vierfeldertafel:

Befund

testpositiv

testnegativ

Lungenhypoplasie belegt

8 Fälle

11 Fälle

Lungenhypoplasie widerlegt

4 Fälle

5 Fälle

Obwohl die Sensitivität des Tests bei der Auswertung des seitlichen Durchmessers in der Claviculaebene größer war als bei der Auswertung des anterior-posterioren Durchmessers in derselben Ebene, war sie mit 42 % zu niedrig, um den Test als zuverlässig zur pränatalen Diagnose einer Lungenhypoplasie zu bezeichnen. Die Spezifität lag bei 55 %, die Vorhersagewerte für einen positiven bzw. negativen Test bei 67 % und 31 %.

Insgesamt war festzustellen, daß die Messungen in der Claviculaebene zur Vorhersage einer fetalen Lungenhypoplasie nicht geeignet waren.

4.4. Lungenlänge

Für die Auswertung der Lungenlänge wurden 24 Messungen durchgeführt. In 17 Fällen wurde der Verdacht einer Lungenhypoplasie belegt, in sieben Fällen widerlegt.


24

Abbildung 8: Lungenlänge

Vier von 17 Fällen mit nachgewiesener Lungenhypoplasie (24 %) fielen im Diagramm unter die doppelte Standardabweichung und konnten somit im Ultraschall erkannt werden. Dagegen wurden sechs von sieben Fällen ohne nachgewiesener Lungenhypoplasie (86 %) mit Hilfe des biometrischen Verfahrens als gesund erkannt.


25

Darstellung der Ergebnisse in der Vierfeldertafel:

Befund

testpositiv

testnegativ

Lungenhypoplasie belegt

4 Fälle

13 Fälle

Lungenhypoplasie widerlegt

1 Fall

6 Fälle

Bei der Auswertung der Lungenlänge war die Sensitivität des Tests mit 24 % niedrig und ohne nennenswerte Bedeutung zur pränatalen Diagnose einer Lungenhypoplasie. Die Spezifität des Tests lag bei 86 %. Für die Vorhersagewerte für einen positiven bzw. negativen Test ergaben sich mit 80 % und 32 % ähnliche Werte.

Der prädiktive Wert zur pränatalen Diagnose eines Minderwuchses der Lunge war bei der Messung der Lungenlänge niedrig. Ähnlich zu den Ergebnissen in der Clavicula- und in der Zwerchfellebene waren die Messungen der Lungenlänge nicht aussagekräftig genug, um eine fetale Lungenhypoplasie zu diagnostizieren.


26

4.5. Auswertung der einzelnen Krankheitsbilder in der Vierkammerblickebene

Da die Gruppe der Feten mit einem hohen Risiko einer Lungenhypoplasie sehr heterogen war, haben wir diese Gruppe nach verschiedenen ätiologischen Gesichtspunkten geordnet und die jeweiligen Messungen in der Vierkammerblickebene ausgewertet. Diese Ebene hat die größte praktische Relevanz, wurde in der Literatur am häufigsten verwendet (19, 20, 22, 26, 33, 45, 49, 56, 57, 65, 79) und zeigte auch in dieser Studie die höchsten prädiktiven Werte zur pränatalen Diagnose einer Lungenhypoplasie.

Es folgt eine Aufstellung der einzelnen Feten, gegliedert nach Erkrankungsgruppen und dem jeweiligen Outcome der Feten.


27

4.5.1. Vorzeitiger Blasensprung ( < 25. SSW)

Bei den Messungen der Feten mit vorzeitigem Blasensprung lag der Blasensprung nicht länger als eine Woche zurück.

Die untersuchten Fälle werden tabellarisch dargestellt:

SSW

Diagnose

Ausgang der SS

patholog.-anatomische

Diagnose

1

17

Anhydramnion, vorz. BS

Abort

Lungenhypoplasie

2

18

Anhydramnion, vorz. BS

Abort

keine Lungenhypoplasie

3

19

Anhydramnion, vorz. BS

Abort

Lungenhypoplasie

4

20

Anhydramnion, vorz. BS

Abort

keine Lungenhypoplasie

5

21

Anhydramnion, vorz. BS

Abort

keine Lungenhypoplasie

6

21

Anhydramnion, vorz. BS

Abort

keine Lungenhypoplasie

7

21

Anhydramnion, vorz. BS

Abort

keine Lungenhypoplasie

8

23

Anhydramnion, part. Trisomie, vorz. BS

Abort

Lungenhypoplasie

9

23

Anhydramnion, Pallister-Hall-Syndrom, vorz. BS

Abort

Lungenhypoplasie

4.5.1.1. anterior-posteriorer Durchmessr

Für die Auswertung des anterior-posterioren Durchmesser wurden acht Messungen von verschiedenen Feten zwischen der 17. und 23. SSW, bei denen ein vorzeitiger Blasensprung ( < 24. SSW) aufgetreten ist, in die entsprechende Normkurve eingetragen. Bei einem Fetus (19. SSW) mit nachgewiesener Lungenhypoplasie wurde der anterior-posteriore Durchmesser


28

nicht gemessen. Bei zwei Feten lagen zusätzliche Fehlbildungen vor (partielle Trisomie, Pallister-Hall-Syndrom). Alle Schwangerschaften wurden vorzeitig beendet.

Von den acht Fällen wurde in drei Fällen die pathologisch-anatomische Diagnose einer Lungenhypoplasie gestellt, in fünf Fällen widerlegt.

Abbildung 9: ant.- post. Durchmesser in VKB-Ebene

Zwei der acht durchgeführten Messungen (25 %) lagen unterhalb der doppelten Standardabweichung. Von den drei Feten mit nachgewiesener Lungenhypoplasie fielen zwei Messungen unter den Normbereich (67 %). Alle fünf Feten ohne nachgewiesene Lungenhypoplasie (100 %) lagen auch im Diagramm innerhalb des Normbereichs.


29

Darstellung der Ergebnisse in der in der Vierfeldertafel:

Befund

testpositiv

testnegativ

Lungenhypoplasie belegt

2 Fälle

1 Fall

Lungenhypoplasie widerlegt

5 Fälle

Für den anterior-posterioren Durchmesser bei Feten mit vorzeitigem Blasensprung ergab sich eine Sensitivität des Tests von 67 %, eine Spezifität von 100 % und Vorhersagewerte für einen positiven bzw. negativen Test von 100 % bzw. 83 %. Das Verfahren hatte in der Gruppe vorzeitiger Blasensprung eine höhere Zuverlässigkeit hat als bei der Auswertung aller Feten des Hochrisikokollektivs. Lediglich der Fall, der bereits in der 17. SSW untersucht wurde, wurde falsch negativ diagnostiziert. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß man die Diagnose einer Lungenhypoplasie auch pathologisch-anatomisch vor der 24. SSW nur schwer stellen kann.

4.5.1.2. seitlicher Durchmesser

Zur Auswertung des seitlichen Durchmessers gelangten acht Messungen der gleichen Patientengruppe (vergleiche 4.5.1.1.).

In drei Fällen wurde eine Lungenhypoplasie durch Autopsie belegt, in fünf Fällen widerlegt.


30

Abbildung 10: seitl. Durchmesser in VKB-Ebene

Zwei der acht Messungen (25 %) lagen unterhalb der doppelten Standardabweichung. Einer von drei Feten mit pathologisch-anatomisch bewiesener Lungenhypoplasie (33 %) wurden auch sonographisch korrekt diagnostiziert. Vier von fünf Fällen ohne Lungenhypoplasie wurden im Ultraschall als gesund erkannt.

Darstellung der Ergebnisse in der Vierfeldertafel:

Befund

testpositiv

testnegativ

Lungenhypoplasie belegt

1 Fall

2 Fälle

Lungenhypoplasie widerlegt

1 Fall

4 Fälle


31

Bei der Auswertung des seitlichen Durchmessers waren alle Parameter des Tests mit einer Sensitivität von 33 %, mit einer Spezifität von 80 %, Voraussagewerten für einen positiven bzw. negativen Test von 50 % bzw. 67 %, niedriger als die entsprechenden Parameter bei der Untersuchung des anterior-posterioren Durchmessers. Die Verteilung der Meßwerte war jedoch ähnlich. Lediglich bei zwei Feten (21.SSW u. 23.SSW) änderte sich die sonographische Diagnose, wodurch aufgrund der kleinen Patientenzahl die Parameter des Tests deutlich abnahmen. Es erscheint daher sinnvoll, bei jedem Patienten beide Durchmesser nebeneinander zu messen, um Patienten mit einem hohem Risiko für das Auftreten einer Lungenhypoplasie mit größerer Zuverlässigkeit diagnostizieren zu können.

4.5.2. Hydrothorax

Die untersuchten Feten werden tabellarisch dargestellt:

SSW

Diagnose

Ausgang der SS

patholog.-anatomische Diagnose

1

17

NIHF, Turner-Syndrom

Abort

keine Lungenhypoplasie

2

18

NIHF, Herzfehler

Abort

Lungenhypoplasie

3

19

NIHF, multiple Fehlbildungen

Abort

keine Lungenhypoplasie

4

19

NIHF, Turner-Syndrom

Abort

Lungenhypoplasie

5

21

NIHF, Turner-Syndrom

Abort

Lungenhypoplasie

6

23

NIHF

Abort

Lungenhypoplasie


32

4.5.2.1. anterior-posteriorer Durchmesser

Zur Auswertung des anterior-posterioren Durchmesser gelangten Messungen von fünf verschiedenen Feten zwischen der 18. und 23. SSW mit sonographisch diagnostiziertem Hydrothorax. Bei einem Fet (17. SSW) konnte der anterior-posteriore Durchmesser nicht bestimmt werden. Bei allen Feten trat der Hydrothorax im Rahmen eines nicht immunologischen Hydrops fetalis (NIHF) auf. Alle Schwangerschaften wurden vorzeitig beendet. Bei den Feten der 19. bzw. 21. SSW mit nachgewiesener Lungenhypoplasie wurde ein Turner-Syndrom diagnostiziert. Insgesamt wurde in vier von fünf Fällen die pathologisch-anatomische Diagnose einer Lungenhypoplasie gestellt, in einem Fall widerlegt.

Abbildung 11: ant.-post. Durchmesser in VKB-Ebene


33

Alle fünf Messungen (100 %) lagen unterhalb der doppelten Standardabweichung. Darunter waren alle vier Feten mit pathologisch-anatomisch nachgewiesener Lungenhypoplasie (100 %), d.h. bei diesen Feten stimmte die sonographische mit der pathologisch-anatomischen Diagnose überein. Der Fall ohne Lungenhypoplasie konnte sonographisch nicht erkannt werden.

Darstellung der Ergebnisse in der Vierfeldertafel:

Befund

testpositiv

testnegativ

Lungenhypoplasie belegt

4 Fälle

Lungenhypoplasie widerlegt

1 Fall

Bei der sonographischen Messung des anterior-posterioren Durchmessers bei den Feten mit Hydrothorax wurden alle Fälle mit Lungenhypoplasie richtig positiv diagnostiziert. Damit lag die Sensitivität des Tests bei 100 %. Der Fall ohne Lungenhypoplasie lag unterhalb der doppelten Standardabweichung. Für die Vorhersagewerte für einen positiven bzw. negativen Test ergaben sich die entsprechenden Werte von 80 % und 0 %.

4.5.2.2. seitlicher Durchmesser

Für die Auswertung des seitlichen Durchmessers wurden fünf Messungen derselben Patientengruppe (vergleiche 4.5.2.1.) in die entsprechende Normkurve eingetragen.

In vier Fällen wurde der Verdacht einer Lungenhypoplasie autoptisch bestätigt, in einem Fall widerlegt..


34

Abbildung 12: seitl. Durchmesser in VKB-Ebene

Vier von fünf Messungen (80 %) lagen unterhalb der doppelten Standardabweichung.

Von den vier Fällen mit Lungenhypoplasie konnte in drei Fällen (75 %) die Diagnose auch mit Hilfe der biometrischen Methode gestellt werden. Die Messung des Feten ohne Lungenhypoplasie war im Ultraschall falsch positiv.

Darstellung der Ergebnisse in der Vierfeldertafel:

Befund

testpositiv

testnegativ

Lungenhypoplasie belegt

3 Fälle

1 Fall

Lungenhypoplasie widerlegt

1 Fall


35

Für den seitlichen Durchmessers ergab sich mit 75 % eine niedrigere Sensitivität des Tests als bei der Auswertung des anterior-posterioren Durchmessers. Der Fall mit nachgewiesener Lungenhypoplasie, der hier im Normbereich lag, fiel bei Auswertung des anterior-posterioren Durchmessers unterhalb den Normbereich. Hier wird wieder deutlich, wie wichtig die Auswertung sowohl des anterior-posterioren als auch des seitlichen Durchmessers zur pränatalen Diagnose einer Lungenhypoplasie ist (vergleiche 4.5.1.2.). Spezifität und Vorhersagewerte für einen positiven bzw. negativen Test entsprachen ungefähr den Werten bei der Untersuchung des anterior-posterioren Durchmessers.


36

4.5.3. Nierenfehlbildungen

Die untersuchten Feten werden tabellarisch dargestellt:

SSW

Diagnose

Ausgang der SS

patholog.-anatomische

Diagnose

1

17

Potter-Syndrom

Abort

Lungenhypoplasie

2

18

Prune-belly-Syndrom

Abort

Lungenhypoplasie

3

19

Potter-Syndrom

Abort

Lungenhypoplasie

4

20

Potter-Syndrom

Abort

Lungenhypoplasie

5

20

Potter-Syndrom

Abort

Lungenhypoplasie

6

20

Potter-Syndrom

Abort

Lungenhypoplasie

7

20

Potter-Syndrom

Abort

Lungenhypoplasie

8

21

Potter-Syndrom,

Triplodie 69 XXX

Abort

Lungenhypoplasie

9

21

Potter-Syndrom

Abort

Lungenhypoplasie

10

23

Potter-Syndrom,

Abort

Lungenhypoplasie

11

24

Potter-Syndrom

Abort

keine Lungenhypoplasie

12

27

Potter-Syndrom

Abort

Lungenhypoplasie

13

30

Potter-Syndrom

Sectio, Tod 8h

nach Geburt

keine Lungenhypoplasie


37

4.5.3.1. anterior-posteriorer Durchmesser

Zur Auswertung des anterior-posterioren Durchmessers gelangten Messungen von 13 Feten zwischen der 17. und 30. SSW mit sonographisch diagnostizierter Nierenfehlbildung. In zwölf Fällen handelte es sich um Patienten mit Potter-Syndrom, in einem Fall um einen Patienten mit Prune-belly-Syndrom. 12mal erfolgte die vorzeitige Beendigung der Schwangerschaft. Ein Kind wurde lebend geboren, verstarb aber acht Stunden nach der Geburt. In elf Fällen wurde die pathologisch-anatomische Diagnose einer Lungenhypoplasie gestellt, in zwei Fällen widerlegt.

Abbildung 13 ant.-post. Durchmesser in VKB-Ebene


38

Vier von 13 Messungen (31 %) fielen unter die Normwerte. Von den elf Fällen mit gesicherter Lungenhypoplasie lagen drei Fälle (27 %) unterhalb der doppelten Standardabweichung. Einer von zwei Fällen ohne nachgewiesener Lungenhypoplasie (50 %) lag innerhalb des Normbereichs.

Darstellung der Ergebnisse in der Vierfeldertafel:

Befund

testpositiv

testnegativ

Lungenhypoplasie belegt

3 Fälle

8 Fälle

Lungenhypoplasie widerlegt

1 Fall

1 Fall

Beim Krankheitsbild Nierenfehlbildungen ergab sich entgegen der Erwartung im anterior-

posterioren Durchmesser eine sehr niedrige Sensitivität des Tests von 27 %. Auch die

Spezifität von 50 % lag unter dem erwarteten Ergebnis. Für die Vorhersagewerte für einen

positiven bzw. negativen Test ergaben sich mit 75 % und 11 % ähnliche Werte.

4.5.3.2. seitlicher Durchmesser

Im seitlichen Durchmessers wurden 13 Messungen der gleichen Patientengruppe (vergleiche 4.5.3.1.) ausgewertet. Von den 13 Fällen wurde in elf Fällen die pathologisch-anatomische Diagnose einer Lungenhypoplasie gestellt, in zwei Fällen widerlegt.


39

Abbildung 14: seitl. Durchmesser in VKB-Ebene

Insgesamt lagen fünf von 13 Messungen (38 %) unter dem Normbereich. Nur drei von elf Fällen mit nachgewiesener Lungenhypoplasie (27 %) und keiner von zwei Fällen ohne Lungenhypoplasie (0 %) wurden sonographisch korrekt diagnostiziert.

Darstellung der Ergebnisse in der Vierfeldertafel:

Befund

testpositiv

testnegativ

Lungenhypoplasie belegt

3 Fälle

8 Fälle

Lungenhypoplasie widerlegt

2 Fälle


40

Im Vergleich zum anterior-posterioren Durchmesser ergaben sich bei der Auswertung des seitlichen Durchmessers noch niedrigere prädiktive Werte zur Vorhersage einer Lungenhypoplasie. Mit einer Sensitivität des Tests von 27 %, einer Spezifität von 0 % und Vorhersagewerten für einen positiven bzw. negativen Test von 60 % bzw. 0 % war das Resultat enttäuschend. Bei der Prüfung der Zuverlässigkeit des Verfahrens zur pränatalen Diagnose einer Lungenhypoplasie ergab sich bei den Fällen mit Nierenfehlbildungen ein unbefriedigendes Ergebnis.

Die Messungen des Feten mit Skelettfehlbildung, bei dem pathologisch-anatomisch eine Lungenhypoplasie diagnostiziert wurde, lagen sowohl im anterior-posterioren als auch im seitlichen Durchmesser unterhalb der doppelten Standardabweichung.


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