Kubo, Andreas: Osteoporose nach Lebertransplantation: Gewicht von Lebergrunderkrankung, Anabolen Sexualhormonen, Immunsuppression sowie Therapie mit Calcitriol als Monotherapeutikum und in Kombination mit Kalzium und Natriumfluorid

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Kapitel 5. Zusammenfassung

Die Diagnostik des Knochenmineralisationszustandes bei Patienten nach Lebertransplantation ist von klinischer Bedeutung. So ist zum einen die adäquate Erfassung der prä- und postoperativen Knochendichte und zum anderen der Versuch einer Evaluation der zugrundeliegenden Störungen notwendig. Dies erweist sich als schwierig, da die Pathogenese des Knochenverlustes nach Lebertransplantation (LTX) hochkomplex ist und noch nicht vollständig geklärt werden konnte. Eine spezifische, wirkungsvolle und möglichst nebenwirkungsarme Therapie abhängig vom Schweregrad des Knochenverlustes ist indiziert, um Wirbelkörper- und Hüftfrakturen als schwerwiegendste Komplikationen der Osteoporose vorzubeugen.

Patienten mit spezifischen chronischen Lebererkrankungen (insbesondere mit Primärer biliärer Zirrhose, Primär sklerosierender Cholangitis und autoimmuner Hepatitis) muß besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, da sie präoperativ den niedrigsten Knochenmineralstatus aufweisen und postoperativ am meisten Knochenmasse verlieren. Als Hauptursache für den Knochenverlust innerhalb der ersten 6 postoperativen Monate ist sicherlich der hochdosierte aber unverzichtbare Glukokortikoidgebrauch anzusehen. Zwar fand sich kein direkter Zusammenhang zwischen kumulativer Steroiddosis und Schweregrad der Osteoporose, doch wurden bei therapiebedürftigen Patienten erheblich mehr Steroide verabreicht als bei nichttherapierten Patienten.

Der Gebrauch von anderen immunsuppressiven Agenzien wie den Kalzineurin-Phosphatase-Inhibitoren Cyclosporin A (CsA) und Tacrolimus (FK 506) erlaubt eine fortlaufende Reduktion der Steroiddosis. Der Knochenverlust bei Patienten, die zusätzlich zu Prednisolon und Azathioprin noch mit FK 506 behandelt wurden, war an der Lendenwirbelsäule (LWS) signifikant kleiner (p=0,0249) als bei Patienten, die Cyclosporin A erhielten. Diese Beobachtung ist höchstwahrscheinlich durch deutlich erhöhte Prednisolongaben bei Patienten mit Cyclosporin A als Basisimmunsuppressivum bedingt.

Eine Gonadenunterfunktion spielt vermutlich in der Pathogenese der Osteoporose nach LTX eine untergeordnete Rolle, was dadurch belegt wird, daß die Serumtestosteronkonzentrationen bei Männern und die Serumöstrogenkonzentrationen bei Frauen über 50 Jahre zwischen therapierten Patienten und nichttherapierten Patienten (Kontrollgruppe) nicht wesentlich voneinander abwichen. 23,6% der Männer und 90,6% der Frauen über 50 Jahre wiesen 6 Monate postoperativ hypogonadische Serumtestosteron- bzw. Serumöstrogenwerte auf.


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Calcitriol ist ein wirkungsvolles, nebenwirkungsarmes Therapeutikum zum Ausgleich des Knochenmasseverlustes nach Lebertransplantation und zur Prävention von Wirbelkörper- und Hüftfrakturen. Es konnte als Monotherapeutikum in einer Dosierung von 0,5µg pro Tag sowie auch als Kombinationspräparat mit 1000 mg Kalzium in Dosierungen von 0,25µg und 0,5µg pro Tag die Knochendichte an der Lendenwirbelsäule (LWS) und am Schenkelhals (SH) in einem durchschnittlichen Zeitraum von 1,5 Jahren signifikant erhöhen. Dabei erwies sich die Dosierung von 0,5µg am effektivsten (Zuwachsrate ohne bzw. mit 1000mg Kalzium 10,17% bzw. 5,95% an der LWS und 10,101% bzw. 5,224% am SH). Bei Patienten mit schwerer Osteoporose ist eine Dreifachkombination aus 0,5µg Calcitriol + 1000mg Kalzium + 25mg Natriumfluorid am geeignetsten. In einem durchschnittlichen Therapiezeitraum von 1,15 Jahren wurden hier Zuwachsraten von 10,674% an der LWS und 12,795% am SH erreicht. Natriumfluorid steigert den Mineralisationseffekt besonders am Schenkelhals. Die Therapie wurde in ihrer Form von allen Patienten gut toleriert, es wurden nahezu keine Nebenwirkungen beobachtet. Calcitrioltherapie beugt wirksam atraumatischen Frakturen sowie Wirbelkörper- und Hüftfrakturen nach geringem Trauma vor. Die Frakturrate konnte mit 1,77% gering gehalten werden.
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Wed Jan 19 16:56:09 2000