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Zelluläre Kontamination von Frischplasma

Das in dieser Studie beschriebene Verfahren der durchflußzytometrischen Bestimmung von Zellkonzentrationen unter Verwendung kommerziell erhältlicher Referenzpartikel wurde genutzt, um die zelluläre Kontamination von Frischplasma zu bestimmen. Dabei wurde Frischplasma unterschiedlicher Herstellungsverfahren untersucht. Es konnte festgestellt werden, daß das Herstellungsverfahren durchaus einen Einfluß auf die zelluläre Zusammensetzung des Frischplasmas hat und daß sich die einzelnen Verfahren hinsichtlich des Gehaltes an Leukozyten und Thrombozyten signifikant voneinander unterscheiden, während keine signifikanten Unterschiede im Erythrozytengehalt der untersuchten Plasmen gefunden werden konnten.

Im Hinblick auf die leukozytäre und erythrozytäre Kontamination des Plasmas wurden die Forderungen der Produktmonographie des Bundesanzeigers Nr. 182 vom 27.09.1989 9 durchweg erfüllt. Was allerdings den Gehalt an Thrombozyten betrifft, so wurde der vorgeschriebene Höchstzellgehalt von 20 000 Zellen/l bei drei von fünf untersuchten Verfahren weit überschritten. Während Plasma aus der diskontinuierlichen Thrombapherese mit Haemonetics MCS mit durchschnittlich 24 853 Zellen/l den Grenzwert um 24,3 % überschritt, handelte es sich mit 53 079 Zellen/ul bei der Plasmapherese mit Haemonetics MCS und 78 523 Zellen/ul bei Thrombapherese mit Fresenius AS 104 um Überschreitungen des Grenzwertes um 165 be-
ziehungsweise 292 %. Da durch die Prozedur des Einfrierens und Auftauens ein Teil dieser Thrombozyten zerstört wird, kommt es mit der Auflösung der thrombozytären Granula zur Freisetzung von thrombogenen Substanzen und zu einer Aktivierung der plasmatischen Gerinnung.

Wird der cill-Wert (critical immunological load of leukocytes) von 1106 Leukozyten pro Transfusionseinheit als Kriterium herangezogen, ist festzustellen, daß lediglich Plasma, das bei kontinuierlichen Thrombaphereseverfahren als Nebenprodukt gewonnen wurde, diesen Grenzwert der Leukozytenbelastung unterschritt.

Die übrigen Verfahren überschritten den cill-Wert mit 2,26106 Leukozyten pro Transfusionseinheit (Vollblutfraktionierung) und 3,08106 Leukozyten pro Transfusionseinheit (diskontinuierliche Thrombapherese Haemonetics MCS, PLP) deutlich. Bei der Plasmapherese mit Haemonetics MCS (PPP) wurden durchschnittlich 592 ml Frischplasma mit einem Gesamtleukozytengehalt von 4,19106 Zellen gewonnen. Da dieses Volumen in der Regel auf drei Empfänger verteilt wird, enthält die transfundierte Einheit an Frischplasma entsprechend nur 1,44106 Leukozyten. Damit wird der cill-Wert, unterhalb dessen keine Alloimmunisierung mehr zu erwarten ist, jedoch immer noch überschritten.

Alloimmunisierungen durch Frischplasma sind bisher nicht beschrieben worden. Allerdings beschrieb SNIECINSKI 50 für Patienten, die weniger als 6106 Leukozyten pro Transfusionseinheit eines Thrombozytenkonzentrates erhalten hatten, noch eine 15%ige Inzidenz von
Alloimmunisierungen. Auch VAN MARWIJK KOOY et al.53 beobachteten bei Patienten, die Thrombozytenkonzentrate mit weniger als 5106 Leukozyten pro Transfusionseinheit erhalten hatten noch in 7 % der Fälle Alloimmunisierungen.

Auch die Übertragung von Cytomegalieviren durch Frischplasma ist bisher kaum gezielt untersucht worden. In einer Arbeit von BOWDEN et al.8 wurde von fünf Patienten, die zwischen 2 und 10 Einheiten Frischplasma erhalten hatten, keiner mit CMV infiziert. Die Autoren untersuchten 21 Patienten mit Plasmaaustausch vor einer Knochenmarkstransplantation, die neben CMV-negativen Thrombozytenkonzentraten auch ungescreentes Plasma erhalten hatten. Keiner der Patienten erlitt eine CMV-Infektion. BOWDEN ging davon aus, daß Frischplasma zu wenig Leukozyten enthält, um eine CMV-Übertragung zu verursachen, und daß die Leukozyten überdies durch das Einfrieren zerstört würden.

Die in dieser Studie ermittelten Leukozytenkonzentrationen in Frischplasma sollten jedoch im Zusammenhang mit den teilweise erheblichen Überschreitungen des cill-Wertes Anlaß zu der Überlegung geben, Frischplasma aus bestimmten Herstellungsverfahren zumindest für Empfänger mit einem erhöhten Risiko für Alloimmunisierungen zu filtrieren oder aber Plasma aus der Herstellung mit in-line-Filtration des fraktionierten Vollblutes zu verwenden. Als Risikoempfänger sind in diesem Zusammenhang potentiell multitransfundierte Patienten und Patienten mit hämatologischen und onkologischen Erkrankungen zu betrachten.


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