In der vorliegenden Arbeit wurde Frischplasma aus fünf verschiedenen Herstellungsverfahren auf seinen Gehalt an Leukozyten, Thrombozyten und Erythrozyten untersucht.
Die Zellkonzentrationen wurden nach Markierung der Zellen mit
fluoreszenzkonjugierten monoklonalen Antikörpern mit einem
Durchflußzytometer ermittelt. Zur Bestimmung des vom
Durchflußzytometer analysierten Volumens wurden kommerziell
erhältliche Latex-Eichpartikel verwendet. Mit der beschriebenen Methode
konnten Leukozytenkonzentrationen bis in einen Bereich von 0,5 bis 1
Leukozyten/l zuverlässig bestimmt werden, wobei der
Variations-
koeffizient im Bereich von 0,8 Leukozyten/l bei 22,9 % lag. Die
Methode wies eine zufriedenstellende Korrelation zur mikroskopischen
Zählung in der Nageotte-Kammer auf.
Es konnte gezeigt werden, daß sich Frischplasmen aus verschiedenen Herstellungsverfahren hinsichtlich ihrer Zellzusammensetzung signifikant voneinander unterscheiden.
Es konnte kein signifikanter Unterschied im Erythrozytengehalt der untersuchten
Plasmen
gefunden werden. Die gesetzlichen Vorschriften bezüglich der
Erythrozytenkontamination von Frischplasma wurden von allen fünf Verfahren
erfüllt.
Drei der untersuchten Verfahren überschritten den gesetzlichen Grenzwert der Thrombozytenkontamination mit 24,3 und 165 sowie 292 % erheblich, während die anderen Verfahren die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllten und sich bezüglich des Thrombozytengehaltes nicht signifikant voneinander unterschieden.
Die leukozytäre Kontamination der untersuchten Frischplasma-Proben lag bei
allen unter-
suchten Verfahren unterhalb des gesetzlich vorgeschriebenen
Grenzwertes von 500 Leukozyten/ l. Allerdings konnte nur Frischplasma, das als
Nebenprodukt bei kontinuierlichen Thrombaphereseverfahren gewonnen wurde, den
sogenannten cill-Wert (critical immunological load of leukocytes)
unterschreiten, der nach dem derzeitigen Kenntnisstand als Schwelle für
die Auslösung von Alloimmunisierungen angesehen wird.
Diese Ergebnisse sollten zu Überlegungen Anlaß geben, Patienten mit einem erhöhten Risiko für eine Alloimmunisierung entweder mit gezielt nach dem Herstellungsverfahren ausgewählten Frischplasmakonserven, oder aber mit leukozytendepletierten Produkten zu versorgen.