Mahlig, Kirsten: Der Nachweis von Plasmazytoiden Monozyten in der Bronchoalveolären Lavage - Methodik und klinische Bedeutung

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Kapitel 1. Einführung und Aufgabenstellung

1.1. Plasmazytoide Monozyten ( früher: Plasmazytoide T-Zellen)

In vorliegender Studie wurden mit Hilfe der Antikörper CD68,KP1 und CD36 plasmazytoide Monozyten in der BAL detektiert. Das bisher bekannte Wissen zu diesen Zellen wird im folgenden Abschnitt dargestellt.

1958 wurden von LENNERT und REMMELE erstmals sogenannte "Lymphoblastennester" in menschlichen Lymphknoten bei unspezifischer Lymphadenitis beschrieben. In späteren Untersuchungen wurden die in diesen Nestern enthaltenen Zellen als morphologisch einförmige Zellen mit rundem bis ovalen Kern, deutlichem Nucleolus und bei Giemsa-Färbung graublauem, mäßig breitem, scharf begrenztem Zytoplasma beschrieben ( 62 ). Die "Lymphoblastennester" standen in deutlicher Beziehung zu Venolen und Intermediärsinus. Ultrastrukturell zeigten die Zellen einen 12µ großen Kern, einen kleinen runden Nucleolus und ein feingranuläres Chromatingerüst. Das reichlich vorhandene endoplasmatische Retikulum deutete auf eine sezernierende Tätigkeit dieser Zellen hin, als Sekretionsprodukt wurden Immunglobuline vermutet. Freie Ribosomen und Mitosen fehlten fast vollständig. Daraus wurde geschlußfolgert, daß es sich um einen ausdifferenzierten Zelltyp handelte ( 62 ).

Aufgrund ihrer Lokalisation in den T-Zonen der Lymphknoten ( 91 ), der Expression einiger T-assoziierter Antigene ( 63 , 70 , 40 ) und ihres Gehaltes an rauhem endoplasmatischem Retikulum wurden die Zellen mit dem Begriff "plasmazytoide T-Zellen" (PTZ) charakterisiert.

Zunächst fand man die PTZ in 14 % aller unspezifischen Lymphadenitis-Fälle ( 91 ), wobei zervikale Lymphknoten jüngerer Patienten besonders häufig betroffen waren. Es wurde vermutet, daß eine Beziehung zwischen den PTZ und Virusinfektionen des unteren Respirationstraktes bestehen könnte. Darüberhinaus wurden die Zellen häufig bei Lymphadenitiden infolge von Toxoplasmose, Röteln und frischer Tuberkulose gefunden, und außer in Lymphknoten in


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Tonsillen, Thymus und Haut nachgewiesen ( 91 ). Facchetti und Mitarbeiter (1991) fanden plasmazytoide Zellen in 90% der von ihnen untersuchten reaktiven Lymphknoten. Sie zogen daraus den Schluß, daß diese Zellen Teil des normalen Lymphknotenparenchyms sein müßten. Dabei traten die Zellen einzeln, als lose Aggregate oder als Zellhaufen in Erscheinung.

In späteren Publikationen wurden maligne Lymphome beschrieben, die aus plasmazytoiden T-Zellen bestanden ( 63 , 70 , 7 , 50 ; 14 , 29 , 3 ). Die Symptomatik war bei allen betroffenen Patienten ähnlich: starker Gewichtsverlust, Asthenie, generalisierte Lymphadenopathie und eine sehr kurze Überlebenszeit nach Diagnosestellung (im Höchstfall 15 Monate). Besonders bemerkenswert war dabei, daß alle Patienten eine akute oder chronische myeloische Leukämie entwickelten. Die licht- und elektronenmikroskopischen Eigenschaften der Zellen in diesen Untersuchungen stimmten mit den bereits erwähnten, von MÜLLER-HERMELINK et al. (1973) beschriebenen überein.

Die Resultate der immunhistochemischen Untersuchungen plasmazytoider T-Zellen sind sehr unterschiedlich und z.T. widersprüchlich. Gemeinsames Ergebnis aller Studien ist die Negativität der Zellen für B-Zell-Marker. MÜLLER-HERMELINK und Mitarbeiter (1983) fanden positive Reaktionen für einige T-Zell Marker (OKT 4, Leu-1, Lyt-2) und für HLA-DR, und negative für OKT8 (zytotoxische T-Zellen) und OKT11 (Schaferythrozyten-Rezeptor). Sie schlossen daraus, daß die PTZ zur Gruppe der aktivierten T-Helfer-Zellpopulation gehören könnten, die den Schaferythrozyten-Marker während ihrer Proliferation verloren hätten. Es wurde keine Reaktion mit Monozyten-/ Makrophagen-spezifischen Antikörpern beobachtet. Im Unterschied dazu beschrieben PRASTHOFER und Kollegen (1985) positive Reaktionen der PTZ mit Antikörpern, die den Schaferythrozyten-Marker detektieren, doch Negativität für HLA-DR. T4 (entspricht CD4) ergab ebenso positive Reaktionen wie T9 (entspricht CD71) und T10 (CD38). Eine regulatorische Rolle der PTZ bei der Myeloidzellproliferation wurde von den Autoren vermutet.

Die 1986-1992 publizierten Untersuchungen zeigen eine große Heterogenität, vor allem in Bezug auf die nunmehr beschriebenen Reaktionen der PTZ mit Monozyten-/


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Makrophagen-spezifischen Markern. Die T-Zell Marker waren bis auf CD4 und z.T. CD5 meist negativ. Nur CALDWELL und Mitarbeiter (1990) beschrieben positive Reaktionen auch für CD3, CD7, CD1 und CD2. Einige CD2+ PTZ wurden auch von anderen Autoren gefunden ( 50 , 3 ).

Plasmazytoide T-Zellen exprimieren laut Literaturangaben folgende Monozyten-/ Makrophagen-Marker:

Übereinstimmend positive Ergebnisse in den aufgeführten Studien gab es für HLA-DR, CD45 und CD71 (Transferrin-Rezeptor) und Negativität für CD25 (IL-2-Rezeptor). Weniger als 2% der plasmazytoiden Zellen trugen das Ki-67-Antigen ( 50 , 29 , 63 ), was auf eine geringe Proliferationsrate schließen ließ.

Interleukin 2 ist für T-Zellen die Voraussetzung zur Ausprägung des Transferrinrezeptors. Da plasmazytoide T-Zellen ein IL-2 negatives, CD71-positives Profil aufwiesen, zogen BEISKE und Kollegen (1986) die Möglichkeit in Betracht, daß die PTZ den Transferrinrezeptor anlagebedingt besitzen könnten, etwa wie die Makrophagen. Der Nachweis Makrophagen-assoziierter Antigene auf den PTZ bei fehlender Reaktion mit T-Zell-typischen Antikörpern ließ einige Autoren zu dem Schluß gelangen, daß der Ursprung dieser Zellen in der Makrophagen/Monozyten-Linie zu suchen sei ( 50 , 3 ). FACCHETTI und Kollegen (1990) schlugen deshalb die Bezeichnung "plasmazytoide Monozyten" (PM) vor, die sich in der Literatur durchgesetzt hat.


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BEISKE et al. führten 1987 Untersuchungen an PM-angereicherten Tumorzellsuspensionen aus Knochenmark- und Lymphknoten-Bioptaten ihres 1986 beschriebenen Falles durch. Sie stellten fest, daß es in Zytozentrifugenpräparaten keinen morphologischen Unterschied zwischen den PM und anderen runden lymphoiden Zellen gab. Das antigene Profil stimmte mit dem der ersten Untersuchung überein. Darüberhinaus wurde festgestellt, daß sich 95% der plasmazytoiden Zellen in der G0/G1-Phase des Zellzyklusses befanden, und daß es bei in vitro Stimulation unmöglich war, die PM aus dieser Phase herauszutriggern. Die Autoren folgerten, daß plasmazytoide Monozyten eine ausdifferenzierte Zellart darstellen.

Außer den beschriebenen Fällen konnten plasmazytoide Monozyten nachgewiesen werden: in einigen axillären Lymphknoten bei Mammakarzinom ( 40 ), in reaktiven Lymphknoten bei Piringer-Kuchinka-Lymphadenitis und Sarkoidose ( 27 ), im Haut-assoziierten Lymphgewebe bei lymphozytärer Infiltration Jessner ( 28 ) und bei gutartigen dermalen lymphoiden Hyperplasien ( 22 ). Auch in diesen Untersuchungen stellten die Autoren die Hypothese auf, daß die plasmazytoiden Monozyten eher von den Monozyten/Makrophagen als von T-Lymphozyten abstammen ( 27 , 22 , 34 ). Die unterschiedliche Ausprägung einiger und das Fehlen anderer Monozyten-/Makrophagen-spezifischer Marker könnte gegen diesen Ursprung sprechen. Es ist jedoch hinreichend bekannt, daß sich die Makrophagenpopulation selbst sehr heterogen bezüglich Funktion und Oberflächen-phenotyp darstellt ( 15 ).

Da die plasmazytoiden Zellen in regional enger Beziehung zu den T-Lymphozyten stehen und Ähnlichkeiten mit Makrophagen hinsichtlich ihres antigenen Profils haben, wurde die Hypothese aufgestellt, daß plasmazytoide Monozyten ähnliche Funktionen erfüllen wie die Makrophagen selbst. Ihre Aufgabe könnte die Antigenpräsentation bei T-Zell-vermittelten Immunaufgaben sein ( 27 ). Denkbar ist ebenso die direkte Aktivierung und Proliferation von T-Zellen über einen unbekannten Mediator ( 22 ).


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1.2. Interstitielle Lungenerkrankungen (ILD) bei Sarkoidose, systemischer Sklerodermie und systemischem Lupus erythematodes

Die vorliegende Untersuchung erfolgte anfangs mit der Aufgabenstellung, Unterschiede in der Antigenexpression von Alveolarmakrophagen und Lymphozyten bei interstitiellen Lungenerkrankungen zu untersuchen. An dieser Stelle sollen einige einführende Worte zu Sarkoidose, systemischer Sklerodermie und systemischem Lupus erythematodes erfolgen, da die Patienten dieser Studie aus diesen Erkrankungsgruppen rekrutiert und die ursprünglich geplanten Untersuchungen auch durchgeführt wurden.

Sarkoidose, systemische Sklerodermie und systemischer Lupus erythematodes sind Systemerkrankungen, die sich häufig an der Lunge manifestieren. Sarkoidosepatienten zeigen zu 90% Lungenbeteiligung ( 37 ), bei der systemischen Sklerodermie sind es 70% ( 96 ). Die Angaben zur Häufigkeit der Lungenmanifestation bei SLE differieren von 3% in klinischen ( 24 ) bis zu 68% in Autopsiestudien ( 36 ).Die häufigste interstitielle Lungenerkrankung ist die pulmonale Sarkoidose. Darüberhinaus spielen interstitielle Lungenerkrankungen bei den genannten Autoimmunkrankheiten des rheumatischen Formenkreises eine Rolle.

Die Ätiologie der hier zu besprechenden Krankheiten ist nicht vollständig geklärt, wahrscheinlich spielen genetische und exogene Faktoren im Sinne einer Immunmodulation eine Rolle ( 80 ).

In der Aufklärung der Immunpathogenese sind in den letzten Jahren entscheidende Fortschritte erzielt worden, nicht zuletzt durch die Technik der bronchoalveolären Lavage. Physiologischerweise sorgt ein fein abgestimmtes immunologisches System dafür, daß inhaliertes Antigen durch die Alveolarmakrophagen downreguliert wird. Eine verringerte Antigenpräsentationsfähigkeit der Alveolarmakrophagen und eine Senkung der Lymphozytenproliferation durch Prostaglandine spielen dabei unter anderem eine Rolle ( 78 ) Störungen in diesem System können den interstitiellen Krankheitsprozess auslösen und letztendlich zur Lungenfibrose führen.

Die pathogenetisch bedeutsamen Vorgänge scheinen für die Sarkoidose, die SSc


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und den SLE ähnlich zu verlaufen. Ausgangspunkt des interstitiellen Krankheitsprozesses ist eine Alveolitis, an deren Entstehung Alveolarmakrophagen und T-Lymphozyten maßgeblich beteiligt sind ( 73 , 35 , 72 , 82 ). Sowohl für die Sarkoidose als auch für die Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises wird postuliert, daß die aus unbekannter Ursache aktivierten Alveolarmakrophagen Interleukin-1 und Tumornekrosefaktor (TNF) und die ebenfalls aktivierten T-Lymphozyten Interleukin-2 und gamma-Interferon produzieren. Es resultiert eine Entzündungsreaktion, die die weitere Aktivierung und Proliferation von Makrophagen und Lymphozyten nach sich zieht, Chemotaxis und Monozyteninflux bewirkt und sich schließlich als Alveolitis darstellt ( 64 ).

Die hauptsächlich durch das gamma-Interferon der T-Zellen aktivierten Alveolarmakrophagen setzen bei interstitiellen Lungenerkrankungen spontan Fibronectin und den Alveolarmakrophagen-abhängigen Wachstumsfaktor (AMDGF) frei, was zur Fibroblastenproliferation führt und damit der Fibrose Vorschub leistet ( 73 , 82 , 9 , 77 ). Darüberhinaus spielt die Aktivierung der Fibroblasten durch die Zytokine und Wachstumsfaktoren der T-Helferzellen eine Rolle ( 38 ).

Neben diesen Prozessen gibt es krankheitsspezifische Mechanismen, die die immunologischen Veränderungen an der Lunge beeinflussen:

Alveolarmakrophagen von Sarkoidose- Patienten zeigen eine erhöhte Antigen-präsentationsfähigkeit ( 84 , 78 ), die mit der verstärkten HLA-DR-Expression erklärbar sein könnte ( 89 , 45 ). Eine vergrößerte Anzahl neu aus Blutmonozyten rekrutierter Makrophagen kommt als weitere Ursache in Betracht ( 78 ). Tatsächlich exprimieren Sarkoidose-Makrophagen mehr Monozytenmarker als normale Alveolarmakrophagen, was für einen Monozyteninflux aus den Lungenkapillaren spricht ( 73 , 4 ). Nach Aktivierung und Umwandlung der Makrophagen in Epitheloidzellen bilden diese die Sarkoidosegranulome. Somit verläuft der pathogenetische Prozeß der Sarkoidose vom Initialstadium der Alveolitis über die Granulombildung zur Lungenfibrose ( 65 )

Bedeutsam in der Pathogenese der systemischen Sklerodermie sind die aktivierten T-Helferzellen. Sie stimulieren die B-Zellen polyklonal, woraus die Bildung


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größerer Mengen an Autoantikörpern resultiert ( 38 ). Außerdem erfolgt aus den Granulozyten, die bei der SSc in den pulmonalen Geweben vermehrt vorhanden sind, die Freisetzung von Sauerstoff-Radikalen, die die Basalmembran zusätzlich schädigen ( 35 ).

Im Zentrum der Abweichungen des Immunsystems beim SLE steht die erhöhte B-Zellaktivität, die daraus folgende Überproduktion von Autoantikörpern und die Entstehung von Immunkomplexen ( 80 ). Der Antikörperproduk-tion durch B-Zellen geht auch hier eine erhöhte T-Zellaktivität voraus ( 81 ). Die Ablagerung der Immunkomplexe in der Lunge und die Aktivierung der Alveolarmakrophagen durch diese Komplexe werden als Mechanismen zur Pathogenese der interstitiellen Lungenbeteiligung bei SLE diskutiert ( 97 ).

Die Veränderungen am Lungenparenchym, insbesondere die Fibrosierung, führen zur Ventilationsstörung mit Einschränkung der Vitalkapazität, zur Verringerung der Lungencompliance und zur Beeinträchtigung des Gasaustausches aufgrund einer O2-Diffusionsstörung ( 6 , 61 ). Klinisch imponieren diese Störungen als zunehmende Belastungsdyspnoe.

Die Entzündung als wesentlicher pathologischer Prozeß läßt sich therapeutisch mit Hilfe von Kortikosteroiden beeinflussen. Sie sind in vielen Fällen Mittel der Wahl in der medikamentösen Therapie der chronisch-fibrosierend verlaufenden Erkrankungen aufgrund ihrer hemmenden Wirkung auf die Fibroblastenproliferation und -aktivität, der Abnahme der Lymphozytenzahl und der Hemmung der Phagozytose.

Die akute Sarkoidose mit hohen CD4/CD8-Quotienten verläuft auch ohne Therapie häufig rasch regredient ( 74 ), eventuell sind hier nichtsteroidale Antiphlogistika indiziert. Progressive klinische Verläufe der Sarkoidose und auch der Autoimmunerkrankungen SSc und SLE sind Indikationen für die systemische Steroidtherapie ( 73 , 97 ). Ziel dieser Therapie bei den Sarkoidosepatienten ist die Einleitung der Remission und die Verhinderung von irreversiblen Organschäden ( 52 ). Die Kortikoidtherapie der systemischen Sklerodermie bewirkt eine Verbesserung der Lungenfunktionsparameter


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( 77 ) und der Symptome Arthritis und Myositis ( 57 ), diese Therapieziele bestehen in gleicher Form beim SLE.

Ein effektives Therapiemonitoring erfordert geeignete Parameter, die mit der Entzündungsaktivität korrelieren. Die Lymphozytenzahl und die CD4/CD8-Ratio in der BAL sind Entzündungsparameter der Sarkoidose ( 73 ). Zur Beurteilung der Therapieeffizienz des SLE werden häufig die Besserung der Symptomatik und der Autoantikörpertiter herangezogen. SÖNNICHSEN, AUDRING und BARTHELMES (1993) schlugen vor, ausgehend von der Pathogenese der Erkrankung die Aktivität der T-Zellen zur Erfassung einer erneuten Exazerbation der Krankheit zu bestimmen. Aufgrund der Ähnlichkeit der immunologischen Abweichungen wäre dies auch für die SSc vorstellbar.

1.3. Die bronchoalveoläre Lavage (BAL) bei interstitiellen Lungen-erkrankungen

Die bronchoalveoläre Lavage ist eine bronchoskopische Methode, mit deren Hilfe Material aus den peripheren Atemwegen und den Alveolen gewonnen wird. Obwohl invasiv, ist diese Technik nur mit einem geringen Risiko behaftet und kann deshalb bei fast allen Patienten durchgeführt werden ( 59 , 78 ). Die Indikation ist bei allen unklaren interstitiellen Lungenveränderungen, bei HIV-infizierten Patienten mit pulmonalen Infiltraten zum Erregernachweis und zur Aktivitätsbeurteilung und Therapieoptimierung bei ätiologisch bereits geklärten interstitiellen Erkrankungen gegeben ( 20 ).

Die BAL wird in Lokalanästhesie mit dem Fiberbronchoskop im Mittellappen durchgeführt, indem 100ml einer physiologischen Kochsalzlösung instilliert und anschließend wieder aspiriert werden ( 17 ). Das so gewonnene Material wird im Labor zu Zytopräparaten weiterverarbeitet und hinsichtlich der Zellzahl, der prozentualen Anteile der Zellen und eventueller Besonderheiten, wie z.B. Hinweise auf eine alveoläre Lipoproteinose die zu einer milchigen Trübung der Lavage führt ( 46 ), ausgewertet. Die von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Tuberkulose 1988 vorgeschlagenen Normwerte für das


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BAL-Differentialzellbild lauten: Lymphozyten bis 15%, Neutrophile bis 3%, Eosinophile bis 0,5%.

COSTABEL und Mitarbeiter (1985) geben ähnliche Werte an: 88-96% Makrophagen, unter 13% Lymphozyten, unter 3% Granulozyten, Gesamtzellzahl 7 ! 3 Mill. Zellen/ml.

Neben ihrer klinischen Bedeutung spielt die BAL in der Erforschung pulmonaler Krankheitsprozesse eine wesentliche Rolle ( 46 ). Es sind sehr viele Untersuchungen bekannt geworden, in deren Ergebnis zelluläre, biochemische und immunologische Veränderungen in der BAL bei Sarkoidose, SSc und SLE dargestellt ( 6 , 35 , 77 , 97 , 48 , 82 , 73 , 74 )

Die Erhöhung der Lymphozytenzahl und die Erhöhung des CD4/CD8-Quotienten hat Eingang in die Diagnostik und Verlaufskontrolle der Sarkoidose gefunden ( 18 , 73 ). Die akute Form der Erkrankung ist gekennzeichnet durch eine T-Helferzellreiche Alveolitis mit einem CD4/CD8-Quotienten >3,5 ( 80 ). Die T-Zellen stellen mit 88% in der normalen BAL und mit 95% in Lavagen von Sarkoidose-Patienten den größten Anteil der Lymphozyten ( 73 ). HOOGSTEDEN et al. (1989) und STRIZ et al. (1993) wiesen nach, daß Alveolarmakrophagen bei Sarkoidose verstärkt die Monozytenmarker CD13 und CD14 exprimieren, was den Monozyteninflux aus dem Blut beweist.

Der Nachweis der Lungenbeteiligung bei der SSc erfolgt durch pulmonale Diagnostik und die BAL, da extrapulmonale Manifestationen keine Rückschlüsse auf eine Alveolitis zulassen ( 96 ). Die Alveolitis ist charakterisiert durch eine hyperzelluläre BAL-Flüssigkeit mit Vermehrung der eosinophilen und neutrophilen Granulozyten und der Lymphozyten ( 77 , 5 ). Darüberhinaus besitzt die BAL bei der systemischen Sklerodermie prognostische Relevanz, da ein Zusammenhang zwischen dem Gehalt an Entzündungszellen der BAL und einer Verschlechterung der Lungenfunktion im weiteren Krankheitsverlauf besteht ( 5 ). Außerdem kann die Krankheitsaktivität mit Hilfe der BAL-Kollagenase reflektiert werden ( 49 ). ROSSI und Mitarbeiter (1985)


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wiesen nach, daß Alveolarmakrophagen bei Sklerodermie verstärkt Fibronectin und AMDGF freisetzen und dadurch die Fibroblastenproliferation stimulieren.

Das BAL-Differentialzellbild von SLE-Patienten ist ebenso wie das der SSc-Patienten durch eine lymphozytäre Alveolitis charakterisiert ( 35 ). Während die Lymphozytose für eine gute Prognose spricht, kennzeichnet eine Neutrophilie und Eosinophilie in der BAL ungünstige Verläufe ( 97 ), so daß der BAL auch beim SLE prognostische Bedeutung zukommt. Die T-Helferzellen sind gegenüber den T-Suppressorzellen geringfügig erhöht ( 35 , 97 ). Als Ausdruck der Aktivierung der BAL-T-Zellen ist die HLA-DR-Expression auf CD4+- und CD8+-Lymphozyten erhöht ( 35 ).

In der vorliegenden Arbeit wurden Lavagen von Patienten mit Sarkoidose, systemischer Sklerodermie und systemischem Lupus erythematodes ausgewertet. Die BAL ist für diese Erkrankungen in folgenden Fällen indiziert (Tabelle.1):

Tabelle 1: Indikationen der BAL bei Sarkoidose, SSc und SLE

Sarkoidose

-zur Diagnostik und Aktivitätsbestimmung der Erkrankung mittels Differentialzellbild und der CD4/CD8-Ratio ( 18 )

-zur Krankheitsverlaufskontrolle und Therapieüberwachung anhand der Entwicklung des CD4/CD8-Quotienten ( 73 )

SSc

-zur Aktivitätsbestimmung der Erkrankung

-zur prognostischen Beurteilung der Erkrankung ( 49 )

SLE

-bei Infektionshinweisen

-bei Hinweisen auf eine alveoläre Hämorrhagie

-zur Diagnostizierung einer Alveolitis ( 97 )


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1.4. Aufgaben und Zielstellung der Arbeit

Ziel der vorliegenden Arbeit war es, Alveolarmakrophagen und Lymphozyten aus der bronchoalveolären Lavage mittels entzündungsassoziierter monoklonaler Antikörper (27E10, G16/1, RM3/1) und der Antikörper CD4, CD8, CD36 und CD68,KP1 bei interstitiellen Lungenerkrankungen zu charakterisieren. Dabei sollten krankheitsspezifische Unterschiede und der Einfluß des Rauchens untersucht und mit Hilfe des Antikörpers RM3/1 der Einfluß einer Glukokortikoid- Therapie auf die Antigenexpression ermittelt werden.

Im Verlauf der Untersuchung wurden lymphozytenähnliche Zellen beobachtet die mit dem Makrophagenmarker CD68,KP1 eine deutliche Reaktion zeigten. Folglich sind diese Zellen in die Gruppe der in der Lunge bisher nicht beschriebenen plasmazytoiden Monozyten (früher plasmazytoide T-Zellen) einzuordnen.

Plasmazytoide Monozyten konnten somit erstmalig in der BAL nachgewiesen werden. Die weiteren Untersuchungen konzentrierten sich dann auf diese Zellen. Zunächst wurde mit einem zweiten Antikörper (CD36) das Vorhandensein plasmazytoider Monozyten bestätigt. Anschließend wurde die Antigenexpression auf diesen Zellen in Abhängigkeit von der Art der Erkrankung und des Tabakkonsums bestimmt, unter der Fragestellung, ob die PM für interstitielle Lungenerkrankungen pathognomisch sind und welchen Einfluß das Rauchen auf diese Zellen hat.


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