Meißner, Wassilios: Vergleich verschiedener Konservierungslösungen in der Langzeitperfusion der Leber anhand klinisch-chemischer Parameter

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Kapitel 5. Zusammenfassung

Die Lebertransplantation beim Menschen hat sich in den letzten Jahren zu einem etablierten semielektiven Verfahren zur Behandlung terminaler Lebererkrankungen entwickelt. Einen wichtigen Beitrag hierzu hat die Entwicklung sicherer Konservierungsverfahren zwischen der Spenderhepatektomie und der Organimplantation geleistet. Mit der University of Wisconsin (UW)- und der Histidin-Tryptophan-Ketoglutarat (HTK)-Lösung ist in der humanen Lebertransplantation eine sichere Kaltkonservierung von 24 Stunden möglich, tierexperimentell mit der UW-Lösung von bis zu 48 Stunden. Dennoch kommt es teilweise postoperativ zu schweren Leberfunktionsstörungen bis hin zum initialen Transplantatversagen, die zum Teil mit der Dauer der Organkonservierung in Zusammenhang stehen. Die Ziele der Organkonservierung sind deshalb eine Verbesserung der Funktion des Transplantats und eine Verlängerung der sicheren Konservierungsdauer ohne das Auftreten irreversibler Leberfunktionsstörungen. Im Schweinetiermodell gelang mit der UW-Lösung bisher keine verläßliche über 24 Stunden hinausgehende Kaltkonservierung. Wir wählten deshalb eine Kaltkonservierungszeit in dem Grenzbereich zwischen 24 und 48 Stunden, nahe an der 48 Stundengrenze, die in allen Versuchsgruppen einen definierten Konservierungsschaden erwarten läßt.

Mit der Untersuchung sollte die Frage beantwortet werden, ob eine kontinuierliche Perfusion mit der UW-Lösung während der Kaltkonservierung einen geringeren Konservierungsschaden als eine Standardkaltlagerung mit der UW-Lösung nach sich zieht. Weiterhin sollte geklärt werden, ob mit der neu eingeführten FU-Lösung eine der UW-Lösung vergleichbare oder sogar bessere Leberkonservierung möglich ist. Insgesamt führten wir an 24 Schweinen der deutschen Landrasse eine Spenderhepatektomie durch. Für die kontinuierliche Perfusion gelangten UW-Lösung (n=6), HTK-Lösung (n=6) und die neu entwickelte FU-Lösung (n=6) zum Einsatz. Zur Kaltlagerung (n=6) wurde ebenfalls UW-Lösung eingesetzt. Der Funktionszustand der Leber wurde während einer sich an die Kaltkonservierung anschließenden isolierten Warmperfusion, wobei das Organ in der Versuchsapparatur verblieb, durch die Bestimmung definierter klinisch-chemischer Parameter, der Gallesekretion, des arteriellen Widerstandes und der Zunahme des Lebergewichts bis zum Versuchsende quantifiziert. Als Versuchsmodell diente die extrakorporale Perfusion modifiziert nach P. Neuhaus, welche die isolierte Betrachtung der Leber während der Konservierung ermöglicht. Systemisch wirkende hämodynamische und


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biochemische Störfaktoren durch andere Organe ließen sich dadurch ausschließen.

Die kontinuierliche Perfusion mit der UW-Lösung zeigte sich der Standardkaltlagerung unter Heranziehung der Nekroseparameter GOT und GPT, der Gallesekretion, der arteriellen Widerstände und der Zunahme des Lebergewichts überlegen. Dabei ging eine geringere Serumkonzentration der Transaminasen in der UW-Gruppe mit einer höheren Gallesekretion, einem geringeren arteriellen Widerstand und einer geringeren Zunahme des Lebergewichts einher. Diese Befunde stehen jedoch im Gegensatz zu den Lebersyntheseparametern PCHE und Albumin mit höheren Serumkonzentrationen für die Kontrollgruppe. Die neu entwickelte FU-Lösung zeigte im Vergleich mit der UW-Gruppe eine ähnliche Qualität der Konservierung. Am Ende der Kaltperfusion wurden die Lebern in der FU-Gruppe mit der FU-Lösung C freigespült. Dieses Freispülen erklärt die geringeren GOT- und GPT-Werte bei gleichzeitig geringerer Gallesekretion und höheren arteriellen Widerständen in der FU-Gruppe zu Beginn der Warmperfusion im Vergleich mit der UW-Gruppe. Die Kaltkonservierung mit der HTK-Lösung war unter Berücksichtigung der Nekroseparameter der kontinuierlichen Perfusion mit UW-Lösung unterlegen. Auch hier stehen diese Ergebnisse im Gegensatz zu den Lebersyntheseparametern PCHE und Albumin mit höheren Serumkonzentrationen für die HTK-Gruppe im Vergleich mit der UW-Gruppe. Die Gallengangsparameter AP, GGT und Gesamtbilirubin erbrachten keine zusätzliche Information für die Abschätzung des Konservierungsschadens in den einzelnen Versuchsgruppen.

Zusammenfassend erwies sich die kontinuierliche Kaltperfusion mit der UW-Lösung als das besser geeignete Konservierungsverfahren. Damit sich die kontinuierliche Perfusion bei der Lebertransplantation beim Menschen durchsetzen kann, müssen die gewonnenen Erkenntnisse technisch für die Konstruktion einer Perfusionsmaschine umgesetzt werden, die den hohen Standards der Medizin genügt. Daß dies realisierbar ist, zeigt die langjährige Erfahrung mit der kontinuierlichen Perfusion bei der Nierentransplantation beim Menschen.


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