Riedel, Frank: ”Prävalenz schlafbezogener Atmungsstörungen bei Herzschrittmacherpatienten“

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Kapitel 6. Zusammenfassung

Ziel der Untersuchungen war es, die Prävalenz SBAS in einer Gruppe von Herzschrittmacherpatienten zu bestimmen. Durch den Vergleich mit der in anderen Studien an entsprechenden Kollektiven ermittelten Prävalenz SBAS soll eine Aussage über einen möglichen Zusammenhang zwischen SBAS und schrittmacherbedürftigen Herzrhythmusstörungen getroffen werden. Dazu wurden 346 willkürlich ausgewählte Schrittmacherpatienten aus der Rhythmussprechstunde des Universitätsklinikums Charité mit Hilfe eines Symptombewertungsbogens (SBB) befragt. Die Angaben der 192 Patienten, welche sich zu einer weitergehenden Diagnostik bereit erklärten (diagnostizierte Patientengruppe), wurden mit den Angaben der verbleibenden 154 Patienten (nicht diagnostizierte Gruppe) verglichen, um systematische Fehler bei der Patientenauswahl zu erkennen. Zwischen beiden Patientengruppen bestanden lediglich hinsichtlich des Alters und der Häufigkeit eines Diabetes mellitus signifikante Unterschiede (um 3,7 Jahre geringeres Alter sowie selteneres Vorkommen eines Diabetes mellitus im diagnostizierten Kollektiv). Diese Differenzen sind bei der Patientenauswahl vermutlich dadurch bedingt worden, daß für die Durchführung der Untersuchung ein gewisses Maß an körperlicher Leistungsfähigkeit notwendig war (mindestens zweimaliges Erscheinen zum Anlegen und Abnehmen der Geräte). Ältere Patienten erklärten sich entsprechend weniger häufig zu einer weiteren Diagnostik bereit. Auf Grund des Zusammenhanges zwischen Alter und Häufigkeit SBAS ist zu erwarten, daß die Prävalenz der SBAS im Gesamtkollektiv etwas höher liegt als in der diagnostizierten Gruppe. Eine Beeinflussung der Untersuchungsergebnisse durch das signifikant seltenere Vorkommen eines Diabetes mellitus im untersuchten Kollektiv wird als nicht wahrscheinlich angesehen. Entsprechende Hinweise in der Literatur konnten nicht gefunden werden. Hinsichtlich aller anderen Parameter (Beschwerdesymptomatik, BMI, Herzrhythmusstörungen, zusätzliche Erkrankungen und Geschlechtsverhältnis) repräsentiert das untersuchte Kollektiv das Gesamtkollektiv.

Mit einem ambulanten Schlafapnoe-Monitoring unter Einsatz von MESAM IV-Geräten wurde bei 192 Patienten die Anzahl respiratorischer Ereignisse pro Nacht ermittelt und als respiratorischer Gesamtindex (RDI, respiratory disturbance index) angegeben. Der RDI ist als Grundlage zur Beurteilung für oder gegen das Vorliegen SBAS eingesetzt worden.

Entsprechend des RDI erfolgte eine Einteilung der Patienten in drei Diagnosegruppen. SBAS lagen dann vor, wenn der ermittelte RDI S 10 pro Stunde Schlaf betrug (Gruppe C). Ein RDI zwischen 5/h und 9,9/h wurde als grenzwertig festgelegt (Gruppe B). Keine SBAS wiesen die Patienten mit einem RDI < 5/h auf (Gruppe A). Bei der Einteilung in die Diagnosegruppen fand die Beschwerdesymptomatik der Patienten keine Berücksichtigung. Diese wurde zwar mit Hilfe des SBB erfragt, die Sensitivität (0,35) und Spezifität (0,91) des SBB erwiesen sich jedoch als nicht ausreichend.

Die Auswertung erbrachte folgende Ergebnisse:

100 von 192 Patienten (52,1 %) zeigten kein pathologisches Atmungsmuster (Gruppe A). Bei 30 Probanden (15,6 %) wurde ein grenzwertiger Befund (Gruppe B) festgestellt. 62 Patienten (32,3 %) wiesen einen RDI von 10/h oder mehr auf (Gruppe C), so daß bei diesen SBAS vorliegen.


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Signifikante Unterschiede bestanden zwischen Männern und Frauen. Während 40,0 % aller Männer in Gruppe C einzuordnen waren, betraf dies nur 23,9 % der Frauen. Bei ungefähr gleicher prozentualer Häufigkeit grenzwertiger Befunde (16,0 % bzw. 15,2 %) konnte nur bei weniger als der Hälfte der männlichen Schrittmacherpatienten (44,0 %) kein Anhalt auf SBAS festgestellt werden. Bei den Frauen war dies in 60,9 % der Fall. Das Verhältnis Männer : Frauen mit SBAS beträgt 1,7 : 1.

Der Vergleich von Patienten mit unterschiedlichen Formen von Herzrhythmusstörungen (z. B. Sick-Sinus-Syndrom, AV-Block oder Bradyarrhythmia absoluta) zeigte hinsichtlich der Häufigkeit der einzelnen Diagnosegruppen nur geringfügige, nicht signifikante Unterschiede, die keine Aussage über einen Zusammenhang zwischen einer bestimmten Form der Herzrhythmusstörung und den SBAS zulassen.

Die Auswertung von Alter und Body-Mass-Index (BMI) der Patienten zeigte ein signifikant höheres Lebensalter und einen ebenfalls signifikant höheren BMI bei den Patienten der Gruppe C gegenüber der Gruppe A.

Hinsichtlich kardiovaskuläre Begleiterkrankungen und Risikofaktoren unterschieden sich die Patienten mit und ohne SBAS nicht signifikant.

Die Untersuchungsergebnisse ergaben keinen Zusammenhang zwischen SBAS und schrittmacherbedürftigen Herzrhythmusstörungen. SBAS wurden bei Herzschrittmacherpatienten nicht häufiger beobachtet als in vergleichbaren Patientenkollektiven ohne Herzschrittmacher. Angaben zur Prävalenz SBAS in der Literatur schwanken für die entsprechende Altersgruppe von Patienten ohne Herzschrittmacher zwischen 24 % und 73 % [ 1 , 2 , 23 , 67 , 75 , 131 ]. Die für die Herzschrittmacherpatienten ermittelte Prävalenz der SBAS mit 32,3 % liegt innerhalb dieser großen Spannbreite. Auch konnte keine Unterschiede im Auftreten SBAS in Abhängigkeit von der Art der Herzrhythmusstörung nachgewiesen werden. Weiterführend sollte die Durchführung einer Fall-Kontroll-Studie erfolgen, um einen direkten Vergleich zwischen Schrittmacher- und Nichtschrittmacherpatienten vornehmen zu können. Unabhängig davon bedarf das Vorhandensein SBAS bei fast einem Drittel der Patienten mit Herzschrittmacher der Durchführung von Screeningtests, um diese kardiovaskulär gefährdeten Patienten vor weiteren negativen Folgen möglicherweise bestehender SBAS zu schützen oder eventuell eine unnötige Schrittmachertherapie zu vermeiden.


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