Riedel, Frank: ”Prävalenz schlafbezogener Atmungsstörungen bei Herzschrittmacherpatienten“

Aus der Medizinischen Universitätsklinik und Poliklinik 1
SP Kardiologie, Angiologie, Pulmologie
des Universitätsklinikums Charité
der Humboldt-Universität zu Berlin
Direktor: Prof. Dr. med. G. Baumann


Dissertation
”Prävalenz schlafbezogener Atmungsstörungen bei Herzschrittmacherpatienten“

zur Erlangung des akademischen Grades
doctor medicinae
(Dr. med.)

vorgelegt der Medizinischen Fakultät der
Humboldt-Universität zu Berlin

von Herrn Frank Riedel ,
geb. am 24.11.1971 in Dahme

Dekan: Prof. Dr. med. M. Dietel

Gutachter:
Prof. Dr. med. Fritz-V. Kohl
Prof. Dr. Dr. H. J. Peter
Prof. Dr. med. J. Witte

eingereicht: Oktober 1997

Datum der Promotion: 03.07.1998

Schlagwörter:
Schlafbezogene Atmungsstörungen, Herzrhythmusstörungen, Herzschrittmacher, Obstruktives Schlafapnoesyndrom

Zusammenfassung

Ziel der Untersuchung war die Ermittlung der Prävalenz schlafbezogener Atmungsstörungen (SBAS) in einer Gruppe von Herzschrittmacherpatienten. Durch Gegenüberstellung mit der in der Literatur angegebenen Prävalenz SBAS in vergleichbaren Patientengruppen ohne Herzschrittmacher sollte eine Aussage über einen möglichen Zusammenhang zwischen SBAS und schrittmacherbedürftigen Herzrhythmusstörungen getroffen werden. Dieser Zusammenhang könnte indirekt über die bekannte Koinzidenz zwischen SBAS und arterieller Hypertonie bzw. KHK bestehen.

Es wurden 192 Patienten (100 Männer, 92 Frauen) der Rhythmussprechstunde des Universitätsklinikums Charité in Berlin mit einem Durchschnittsalter von 62,2 ± 12,2 Jahren ambulant für eine Nacht untersucht. Zum Einsatz kam das tragbare Schlafapnoe-Monitoring-Gerät MESAM IV. Schlafbezogene Atmungsstörungen lagen dann vor, wenn der respiratorische Gesamtindex (RDI = respiratory disturbance index) als Summe der Apnoen und Hypopnoen pro Stunde Schlaf größer oder gleich 10 war. Anhand des RDI erfolgte eine Einteilung der Patienten in Diagnosegruppen: Gruppe A (RDI < 5, kein Vorliegen SBAS), Gruppe B (RDI ge 5 und < 10, Grenzbefund) und Gruppe C (RDI ge 10, Vorliegen SBAS).

Ergebnisse (Gesamtkollektiv / Männer / Frauen):

Gruppe A: 100 / 44 / 56 Patienten (52,1 / 44,0 / 60,9 %)

Gruppe B: 30 / 16 / 14 Patienten (15,6 / 16,0 / 15,2 %)

Gruppe C: 62 / 40 / 22 Patienten (32,3 / 40,0 / 23,9 %).

Signifikant häufiger wurden SBAS (Gruppe C) bei Männern als bei Frauen nachgewiesen. Ebenso liegen das Durchschnittsalter (Gruppe A: 58,5 ± 14,5 Jahre, Gruppe C 67,3 ± 6,8 Jahre) sowie der durchschnittliche Body-Mass-Index (Gruppe A: 24,8 ± 3,4 kg/m2, Gruppe C 27,1 ± 3,3 kg/m2) bei Patienten mit SBAS signifikant höher als bei Patienten ohne SBAS.

Patienten mit unterschiedlichen, der Schrittmacherimplantation zugrundeliegenden, Herzerkrankungen (z. B. Sick-Sinus-Syndrom, AV-Block, Bradyarrhythmia absoluta) wiesen keine signifikanten Differenzen in der Häufigkeit SBAS auf. Gleichermaßen konnte das Vorliegen zusätzlicher kardiovaskulärer Erkrankungen und Risikofaktoren (z. B. KHK, arterielle Hypertonie, Rauchen) nicht als Einflußfaktor für das gehäufte Auftreten SBAS nachgewiesen werden.

Angaben zur Prävalenz SBAS in der Literatur schwanken für die entsprechende Altersgruppe von Patienten ohne Herzschrittmacher zwischen 24 % und 73 %. Die für die Herzschrittmacherpatienten ermittelte Prävalenz der SBAS mit 32,3 % liegt innerhalb dieser großen Spannbreite. Die Untersuchungsergebnisse ergaben daher keinen Zusammenhang zwischen SBAS und schrittmacherbedürftigen Herzrhythmusstörungen. Auch konnte kein Unterschied im Auftreten SBAS in Abhängigkeit von der Art der Herzrhythmusstörung nachgewiesen werden. Weiterführende Untersuchungen (z. B. in Form einer Fall-Kontroll-Studie) erscheinen notwendig.

Keywords:
sleep-related respiratory disturbances, rhythm disturbances, pacemaker, obstructive sleep apnea syndrom

Abstract

The study was aimed to determine prevalence of sleep-related respiratory disturbances (SRRD) in a group of pacemaker patients. It was investigated if SRRD are more prevalent in pacemaker patients compared to corresponding patients without pacemaker. This question was raised in background of the wellknown coincidence of SRRD and arterial hypertension respectively coronary heart disease. References about the prevalence of SRRD in corresponding elderly people served as standard of comparison.

192 hospital outpatients (100 men and 92 women) from rhythmological ambulance of university hospital ”Charité“ in Berlin were randomly selected and examined for one night by means of MESAM IV device, a ”Non-laboratory-monitoring-system“. The mean age of these patients was 62,2 ± 12,2 years.

A respiratory disturbance index (RDI; the sum of apneas and hypopneas per hour of sleep) equal or greater than 10 was laid down for the existence of SRRD. The RDI built the basis for dividing the patients into three groups: Group A (RDI < 5, no SRRD), Group B (RDI ge 5 and < 10, borderline SRRD) an Group C (RDI ge 10, SRRD).

Results (all patients / men / women):

Group A: 100 / 44 / 56 patients (52,1 / 44,0 / 60,9 %)

Group B: 30 / 16 / 14 patients (15,6 / 16,0 / 15,2 %)

Group C: 62 / 40 / 22 patients (32,3 / 40,0 / 23,9 %).

Significant differences occured in the frequency of SRRD (Group C) between men and women. Apart from that the mean age (Group A: 58,5 ± 14,5 years, Group C: 67,3 ±6,8 years) as well as the Body-Mass-Index (Group A: 24,8 ± 3,4 kg/m2, Group C: 27,1 ± 3,3 kg/m2) were significantly higher in patients with SRRD than in patients without SRRD.

No significant differences in the frequency of SRRD could be demonstrated in dependence on underlying rhythm disturbances (e. g. Sick-Sinus-Syndrom, atrioventricular block, Bradyarrhythmia absoluta). In the same manner no evidences regarding significant influences of additionally existing cardiovascular diseases or risk factors (e. g. coronary heart disease, arterial hypertension, smoking) on the appearance of SRRD were shown.

References about the prevalence of SRRD in corresponding elderly people without pacemaker vary from 24 % to 73 %. The prevalence of SRRD in pacemaker patients (32,3 %) fits right in the frame of this great variety. A more frequent appearance of SRRD in patients with pacemaker than in patients without could not be proved. Equally, the underlying rhythm disturbance has apparently no correlation to SRRD. Extended studies are necessary.

<


Seiten: [4-5] [6] [7] [8] [9] [10] [11] [12] [13] [14] [15] [16] [17] [18] [19] [20] [21] [22] [23] [24] [25] [26] [27] [28] [29] [30] [31] [32] [33] [34] [35-37] [38] [39] [40] [41] [42] [43] [44] [45] [46] [47] [48] [49] [50] [51] [52] [53] [54] [55] [56] [57] [58] [59] [60] [61] [62] [63] [64] [65] [66] [67] [68] [69] [70] [71] [72] [73] [74] [75] [76] [77] [78] [79]

Inhaltsverzeichnis

Titelseite”Prävalenz schlafbezogener Atmungsstörungen bei Herzschrittmacherpatienten“
Widmung
Abkürzungsverzeichnis Abkürzungsverzeichnis
1 Geschichtlicher Überblick und Zielsetzung
2 Pathophysiologische Grundlagen
2.1.Herzrhythmusstörungen
2.1.1.Definition [ 111 , 117 , 129 ]
2.1.2.Einteilung der Herzrhythmusstörungen
2.1.3.Schrittmacherbedürftige Herzrhythmusstörungen
2.1.3.1.Sick-Sinus-Syndrom (SSS)
2.1.3.2.Bradyarrhythmia absoluta bei Vorhofflimmern [ 111 , 114 , 117 , 129 ]
2.1.3.3.Atrioventrikuläre Leitungsstörungen [ 111 , 114 , 117 , 129 ]
2.1.3.4.Faszikuläre Blockierungen [ 114 , 129 ]
2.2.Schlafbezogene Atmungsstörungen
2.2.1.Allgemeines zur Atmung im Schlaf
2.2.2.Definition und Einteilung schlafbezogener Atmungsstörungen
2.2.3.Das Obstruktive Schlafapnoesyndrom (OSAS)
2.3.Zusammenhang zwischen Obstruktivem Schlafapnoesyndrom und der Funktion des Herz-Kreislauf-Systems
2.3.1.Kardiovaskuläre Funktionen während des normalen Schlafes
2.3.2.Pathophysiologische Auswirkungen der Obstruktiven Schlafapnoe
2.3.2.1.Beeinflussung der Herzfunktion durch mechanische Faktoren
2.3.2.2.Auswirkungen von Blutgasveränderungen und zirkulatorischen Reflexen auf Blutdruck, Atmungsantwort und Herzfrequenz
2.3.3.OSAS und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems
2.3.3.1.OSAS und arterielle Hypertonie
2.3.3.2.OSAS, pulmonale Hypertonie und Herzinsuffizienz
2.3.3.3.OSAS und ischämische Herzerkrankung
2.3.3.4.OSAS und bradykarde Herzrhythmusstörungen
3 Patienten und Methode
3.1.Allgemeines zur Diagnostik schlafbezogener Atmungsstörungen
3.2.Patientenauswahl
3.3.Der Symptombewertungsbogen
3.4.Die ambulante Diagnostik
3.4.1.Apparative Voraussetzungen - das MESAM IV-Gerät
3.4.2.Möglichkeiten der Auswertung und Auswertungskriterien
3.4.3.Zuverlässigkeit der MESAM IV-Befunde
3.5.Bewertungskriterien für die erhobenen Befunde
4 Untersuchungsergebnisse
4.1.Charakterisierung des Patientenkollektivs
4.2.Ergebnisse der ambulanten Screeninguntersuchung auf SBAS
4.2.1.Einteilung der Patienten in Abhängigkeit vom RDI
4.2.2.Häufigkeit SBAS in Abhängigkeit von der Art der Herzrhythmusstörung
4.2.3.Zusammenhang zwischen dem Auftreten SBAS und Alter, BMI und Begleiterkrankungen
4.3.Zusammenhang zwischen den Ergebnissen des SBB und den Resultaten der ambulanten Screeninguntersuchung auf SBAS
5 Diskussion
5.1.Beurteilung der Repräsentativität der Patientenauswahl und der Übertragbarkeit der Untersuchungsergebnisse auf das Gesamtkollektiv der Schrittmacherpatienten
5.2.Interpretation der Ergebnisse
5.2.1.Vergleich der Ergebnisse mit Resultaten anderer Studien
5.2.1.1.Wertigkeit von Prävalenzstudien
5.2.1.2.Teilergebnisse im Vergleich zu anderen Studien
5.2.2.Zusammenhang zwischen der Art der Herzrhythmusstörung und dem Auftreten SBAS
5.2.3.Mögliche pathogenetische Zusammenhänge zwischen SBAS und permanenten Herzrhythmusstörungen
5.3.Schlußfolgerungen
6 Zusammenfassung
Bibliographie Literaturverzeichnis
Anhang A Anhang
Danksagung
Lebenslauf
Selbständigkeitserklärung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 2.1: Ätiologie der Herzrhythmusstörungen [ 111 ]
Tabelle 2.2: NBG-Code [ 114 ]
Tabelle 2.3: Auswahl des Schrittmachermodus (vereinfacht nach [ 114 ])
Tabelle 2.4: Häufigkeit der verschiedenen Formen der Rhythmusstörungen beim SSS (n = 100) [ 111 ]
Tabelle 2.5: Ursachen des Vorhofflatterns/Vorhofflimmerns [ 111 , 117 , 129 ]
Tabelle 2.6: Kardiovaskuläre Alterationen während des normalen Schlafs
Tabelle 4.1: Charakteristika des diagnostizierten Kollektivs 1 und der Vergleichsgruppe des nicht diagnostizierten Kollektivs 2
Tabelle 4.2: Charakteristika der männlichen Patienten
Tabelle 4.3: Charakteristika der weiblichen Patienten
Tabelle 4.4: Absolute und relative Häufigkeiten verschiedener Arten von Herzrhythmusstörungen bei den Schrittmacherpatienten beider Kollektive
Tabelle 4.5: Absolute Häufigkeiten der SBB-Gruppen in beiden Kollektiven
Tabelle 4.6: Absolute Häufigkeiten der Diagnosegruppen und RDI-Lokalisationsmaße
Tabelle 4.7: Absolute Häufigkeiten der Diagnosegruppen bei Patienten mit verschiedenen Arten von Herzrhythmusstörungen (Werte in Klammern = Odds Ratio)
Tabelle 4.8: Durchschnittsalter (in Jahren) der Patienten innerhalb der Diagnosegruppen
Tabelle 4.9: Absolute Häufigkeiten der Diagnosegruppen innerhalb verschiedener Altersklassen
Tabelle 4.10: Durchschnittlicher BMI (kg/m2) innerhalb der Diagnosegruppen
Tabelle 4.11: Absolute Häufigkeiten bestimmter zusätzlicher Erkrankungen innerhalb der Diagnosegruppen (Werte in Klammern = Odds Ratio)
Tabelle 4.12: Gütekriterien des SBB (R: Richtig, F: Falsch, P: Positiv, N: Negativ)
Tabelle 4.13: Zusammenhang zwischen den Ergebnissen des SBB (SBB-Gruppen) und den Ergebnissen der ambulanten Screeninguntersuchung auf SBAS (Diagnosegruppen)
Tabelle 5.1: Prävalenzstudien zu SBAS bei älteren Menschen
Tabelle 5.2: Daten der untersuchten Herzschrittmacherpatienten im Vergleich zur Studie von Ancoli-Israel et al. [ 2 ]

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2.1: Pathomechanismus-Schema der Schlafbezogenen Atmungsstörungen (nach [ 90 ])
Abbildung 3.1: Stufenschema der Diagnostik SBAS (nach [ 93 ])
Abbildung 4.1: Prozentuale Verteilung der SBB-Gruppen innerhalb beider Kollektive
Abbildung 4.2: Prozentuale Häufigkeiten zusätzlicher Erkrankungen bzw. Risikofaktoren in beiden Patientenkollektiven
Abbildung 4.3: Prozentuale Verteilung der Diagnosegruppen im Patientenkollektiv
Abbildung 4.4: Prozentuale Verteilung der Diagnosegruppen bei Patienten mit verschiedenen Arten von Herzrhythmusstörungen
Abbildung 4.5: Prozentuale Verteilung der Diagnosegruppen innerhalb verschiedener Altersklassen
Abbildung 4.6: Prozentuale Verteilung der Diagnosegruppen in Bezug zu den Ergebnissen des Symptombewertungsbogens (SBB-Gruppen)

[Titelseite] [Widmung] [Abkürzungsverzeichnis] [1] [2] [3] [4] [5] [6] [Bibliographie] [Anhang] [Danksagung] [Lebenslauf] [Selbständigkeitserklärung]

© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.

DiDi DTD Version 1.1
a subset from ETD-ML Version 1.1
Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML - Version erstellt am:
Wed Nov 24 16:27:24 1999