Riewe,
Dagmar:
Widerspiegelung der Sprachproduktion im Hochfrequenzbereich des EEG Pilotstudie zur Anwendbarkeit der Subpotentialanalyse für die Erforschung kognitiver Prozesse

101

Kapitel 5. Zusammenfassung

In der vorliegenden Pilotstudie wurde bei 28 hirngesunden Probanden während des Sprechens kurzer Wortgruppen, die das Homonym ”Leiter“ im Sinne von ”DER LEITER“ (Versuchsbedingung R) oder als Steiggerät im Sinne von ”DIE LEITER“ (Versuchsbedingung I) näher definierten, das Breitband-EEG (bis 2000 Hz, Zeitkonstante: 1,5 s) über den Ableitpositionen F3, F4, C3 und C4 abgeleitet. Signalepochen des EEG- und Mikrofonsignals von 6 s Dauer wurden gespeichert. Offline erfolgte die Auswertung der auf Sprachbeginn zentrierten und auf 1 s gekürzten EEG-Episoden.

Es wurden vor der Vokalisation Bereitschaftspotentiale (BP) gefunden, die im gesamten Zeitbereich (750 ms präreaktiv und 250 ms perireaktiv) wenig strukturiert sind und sich an den vier Ableitorten weder in ihrer Amplitude noch in ihrer Amplituden-Zeitstruktur unterscheiden. Emotionale Reflexionen, die sich als Ergebnis einer Befragung der Probanden nach der Bewältigung der Aufgabe ergeben haben (Auswertbedingung L und S, von ”LEICHTER“ und ”SCHWERER“), sind nicht beweisbar. Unterschiede zwischen R und I sind nur vereinzelt nachweisbar.

Die Spektralanalyse der EEG-Signalstrecken zeigt unter allen Bedingungen eine überproportional hohe Amplitude im delta-Band. Die topographische Verteilung der spektralen Amplituden ähnelt sich unter R und I.

Mit Hilfe der von Bartsch und Krüger entwickelten Subpotentialanalyse, die im HF-Bereich (10 - 400 Hz) des Elektroencephalo- und Elektrocorticogramms (EEG, ECoG) des Menschen dem ”local field potential“ [ SG95 ] ähnliche Phänomene, sogenannte Subpotentiale (SP) nachweist, konnten in der Signalperiode der BP positive und negative SP-events (SPe) ermittelt werden. Die peak-to-peak-Amplitude dieser SPe liegt im Bereich von 6 - 12 µV und die


102

Dichte schwankt zwischen 78 und 81 SPe/s*Elektrode. Die SP-Amplitude korreliert signifikant mit den Amplituden von beta- und gamma-Band.

Die Intervalle zwischen den selektierten SPe sind schief verteilt, wobei die Klassenbelegung für die Intervalle von 4 bzw. 4,5 ms besonders oft auftreten. Zwischen den Intervallhistogrammen treten deutliche topographische Unterschiede auf. Die C3-Ableitung ist besonders auffällig für Intervalle in den Größenordnungen von 10 bis 15 ms.

Synoptisch zum BP wurde die SP-Analyse in vier Zeitzonen (ZZ) von je 250 ms durchgeführt. Davon betreffen drei Zeitzonen die Phase vor der Vokalisation. Die Analyse wurde nach dem Vorzeichen der SPe getrennt durchgeführt. Gewöhnlich nimmt die SP-Dichte positiver SPe von der 1. Zur 2. ZZ zu und von der 3. zur 4. ZZ wieder ab. Bei den negativen SPe sind in der Phase vor der Vokalisation wenige signifikante Veränderungen. Nach topographischen Gesichtspunkten dominieren die Dichten positiver SPe über F3 und negativer SPe über F4.

Das kohärente Auftreten von positiven und negativen SPe wurde ebenfalls in vier Zeitzonen untersucht und faktoriell auf den jeweiligen Triggerkanal als Kanalkopplungsfaktor (KKF) angegeben. Diese KKF zeigen in der Folge der Zeitzonen von ZZ1 bis ZZ4 in fast allen denkbaren Kombinationen einen Anstieg. Dabei sind die intrahemisphärischen KKF generell größer als die komissuralen KKF und entsprechende integrale Zusammenfassungen zu iKF zeigen von der ersten bis zur letzten Zeitzone einen stetigen Zuwachs, der in keiner Weise den Verlauf der gemittelten BP widerspiegelt.

Die Arbeit kommt zu dem Schluß, daß die vorgestellte Methode zur Untersuchung neurophysiologischer Prozesse während der Sprachproduktion nicht geeignet ist. Die Anwendung der SP-Analyse für eine ähnlich gelagerte Aufgabenstellung wird als prinzipiell richtig erachtet. Um die Vorteile dieser Analysemethode zu nutzen wird eine vielkanalige EEG-Ableitung mit SP-Analyse während eines standardisierten Interviews mit der Versuchsperson vorgeschlagen.


[Titelseite] [Abkürzungsverzeichnis] [1] [2] [3] [4] [5] [Bibliographie] [Danksagung] [Selbständigkeitserklärung] [Lebenslauf]

© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.

DiDi DTD Version 1.1
a subset from ETD-ML Version 1.1
Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML - Version erstellt am:
Mon Nov 15 14:47:32 1999