Rohr, Ute: sCD14, TNF, Interleukin-6, sICAM-1 und sE-Selektin im septischen Geschehen



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Kapitel 2. Problemstellung

Die erhöhte Infektionsgefahr nach großen Operationen, Traumata und Gewebszerstörungen kommt nicht durch eine Virulenzsteigerung bestimmter Mikroorganismen zustande, sondern vielmehr durch die Anergie des Organismus innerhalb des posttraumatischen Geschehens, also der reduzierten Fähigkeit, einer mikrobiellen Invasion zu widerstehen [38]. Trotz moderner Antibiotikaregime und verbesserter Intensivtherapie ist die Letalität einer Sepsis unverändert hoch. Sie beträgt für Patienten mit Sepsis 30-40 % und liegt bei Patienten im septischen Schock bei 70-80 % [122]. Auf chirurgischen Intensivstationen sind 80% aller späten lebensbedrohlichen Komplikationen durch das Nichtbeherrschen von Infektionen bedingt [4,78,129]. Ein Multiorganversagen nach schwerer Hypoperfusion oder Reanimation kann der Motor eines septischen Geschehens sein. Andererseits kann eine Sepsis in ein Multiorganversagen führen. Eine mikrobielle Sepsis ist in ca. 50 % aller Fälle die auslösende Ursache eines Multiorganversagens [49]. Die Prognose des MOV kann durch eine frühzeitige Diagnose und damit rechtzeitiger adäquater Therapie verbessert werden [4,38].

Daraus resultiert die Notwendigkeit der Etablierung von Frühparametern der Sepsis und der drohenden Organdysfunktion in die Routinediagnostik einer Intensivstation.

In der Literatur werden neben den gängigen Parametern wie Temperatur, Leukozytenzahl, C-reaktives Protein (CRP); auch die Leukozytenelastase [34] und die Anwesenheit von Mediatoren, insbesondere der Tumornekrosefaktor alpha (TNFalpha) und Interleukin-6 (IL-6) diskutiert [28,38].

Bei septischen Patienten wurden erhöhte Werte von sE-Selektin und sICAM-1 gefunden [14,27]. Hierbei korrelieren die sE-Selektin Spiegel mit dem Outcome [35]. KÜSTER und DEGITZ [70] postulierten, daß sICAM ein Marker für die neonatale Sepsis ist. Bei ihren Untersuchungen beobachteten sie einen Anstieg der sICAM-1-Spiegel im Durchschnitt 2 - 3 Tage bevor klinische Zeichen einer Sepsis auftraten. BURGMANN et al. [21] beschreiben den löslichen Endotoxinrezeptor sCD14 als Prognoseparameter bei grampositiver Sepsis.

In der vorliegenden Arbeit werden die Zytokine TNFalpha, Interleukin-6 (IL-6), die löslichen Adhäsionsmoleküle sICAM und sE-Selektin (sELAM) und der lösliche Endotoxinrezeptor sCD14 bei kritisch Kranken in ihrer Wertigkeit als Frühparameter der Sepsis untersucht.

Dabei sollen Antworten auf folgende Fragen gefunden werden:

  1. Kann man an Hand der Serumspiegel der Zytokine (TNFalpha, IL-6), der löslichen Adhäsionsmoleküle oder des sCD14 den Beginn einer Sepsis frühzeitig erkennen ?
  2. Lassen Veränderungen der Spiegel proinflammatorischer Zytokine (TNFalpha, IL-6), zirkulierender Adhäsionsmoleküle oder sCD14 eine Aussage über Sepsisverlauf und Prognose zu ?

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Wed Aug 4 18:48:53 1999