Rohr, Ute: sCD14, TNF, Interleukin-6, sICAM-1 und sE-Selektin im septischen Geschehen



30

Kapitel 4. Ergebnisse

4.1. Klinische Daten der einzelnen Patienten

Grunderkrankung, Infektionsdiagnose, Erregerspektrum sowie der APACHE-II-Score bei Aufnahme auf der Intensivstation sind in den Tabellen 1-3 dargestellt.

Tabelle 1: Patienten der Gruppe 1 (keine Sepsis)

PatNr.

Alter (Jahre)

APACHE-II-Score

sex

Grunderkrankung

Infektionsdiagnose

Erreger

01

35

10

m

Mundboden-CA

Osteomyelitis

Staphylococcus aureus

02

47

17

m

Mundboden-CA

Osteomyelitis

Staphylococcus aureus

03

66

31

w

Hirnblutung

Beatmungspneumonie

Klebsiella pneum.

04

52

21

w

Hirnblutung

NNH-Infektion, Meningitis

Escherichia coli

05

43

17

m

SHT

Hirnblutung

NNH-Infektion

Escherichia coli

06

73

19

m

BAA

Pneumonie

Klebsiella pneum., Candida albicans

07

35

11

m

Thoraxtrauma

Pneumonie, Katheterinfektion

Klebsiella pneum., Candida albicans

08

54

23

m

Coma diabeticum

Pneumonie, Katheterinfektion

Pneumokokken, Candida albicans.

09

19

5

m

traumatischer Bronchusabriß

Mediastinitis

koagulase negative Staphylokokken

x

47,1

17,1





SD

16,58

7,75





x

= Mittelwert

SD

= Standardabweichung

NNH

= Nasen-Neben-Höhlen

SHT

= Schädel-Hirn-Trauma

BAA

= Bauchaortenaneurysma

pneum.

= pneumoniae

CA

= Carzinom




31

Tabelle 2: Patienten der Gruppe 2 (Sepsis, survivor)

PatNr.

Alter (Jahre)

APACHE-II-Score

sex

Grunderkrankung

Infektionsdiagnose

Erreger

10

24

22

m

Polytrauma,

ARDS

Pneumonie

Ps. aeruginosa

11

46

18

w

Nephrolithiasis

Urosepsis

Escherichia coli Staph. aureus

12

47

42

w

Dermatomyesitis

Kathetersepsis

Staph. aureus

13

60

20

m

thorako-abdominales AA

Enterocolitis

Clostridium defficile

14

19

15

m

Hirnstammtumor

Aspirations-pneumonie

Klebsiella pneum., Ps. aeruginosa

15

53

29

m

Hirnblutung, Herzinsuffizienz

NNH-Infektion, Pneumonie

Staph. aureus

16

44

25

w

Myasthenie

Pneumonie

Ps. aeruginosa

17

76

27

w

Inhalationstrauma

Pneumonie

Ps. aeruginosa, Candida albicans

18

70

29

m

thorakales AA

Pneumonie, Kathetersepsis

Enterobacter cloacae Candida albicans

x

48,77

25,2





SD

18,94

7,97





x

= Mittelwert

SD

= Standardabweichung

NNH

= Nasen-Neben-Höhlen

ARDS

= Adult Respiratory Distress Syndrome

AA

= Aortenaneurysma

Ps.

= Pseudomonas

pneum.

= pneumoniae

Staph.

= Staphylococcus


32

Tabelle 3: Patienten der Gruppe 3 (Sepsis, nonsurvivor)

PatNr.

Alter (Jahre)

APACHE-II-Score

sex

Grunderkrankung

Infektionsdiagnose

Erreger

19

73

21

w

Nierentumor, Cavazapfen

Pneumonie, Peritonitis

Enterobacter cloacae

20

78

36

m

Nierentumor, BAA

Pneumonie, Peritonitis

Staphylococcus aureus

21

40

25

w

Lupus eryth., Nieren-TPL

Pankreatitis, Peritonitis

Enterokokken

22

60

13

m

Nierentumor, COLD

Peritonitis

Enterokokken

23

62

14

m

Lebercirrhose, Nephrolithiasis

Pneumonie, Urosepsis

Ps. aeruginosa, Escherichia coli

24

60

10

m

COLD, Darmperforation

Peritonitis, Pneumonie

Enterokokken

25

44

20

w

Uterus myomatosus

Peritonitis

Escherichia coli, Enterokokken

26

40

13

w

Hirntumor

Pneumonie

Ps. aeruginosa

27

71

30

m

Mesenterial-infarkt

Enterocolitis

Clostridium defficile Enterokokken

28

59

19

m

Cholecystektomie, Pankreatitis

Pneumonie, Peritonitis

Ps. aeruginosa, Enterokokken

x

58,7

20,1





SD

13,57

8,28





x

= Mittelwert

SD

= Standardabweichung

BAA

= Bauchaortenaneurysma

Lupus eryth.

= Lupus erythematodes

COLD

= Chronic Obstructiv Lung Disease

Ps.

= Pseudomonas

TPL

= Transplantation



Das Durchschnittsalter der Gruppen 1 und 2 ist mit 47 bzw. 48 Jahren identisch. Die Patienten in der Gruppe der Verstorbenen sind mit 58,7 ± 13,5 Jahren im Durchschnitt älter als die Patienten der Gruppen 1 und 2. Der Unterschied ist statistisch nicht signifikant. Die Geschlechtsverteilung


33

ist in allen Gruppen identisch. Insgesamt wurden mehr Männer als Frauen in die Studie eingeschlossen.

4.2. Infektionserreger

Bei 89 % (26) der Patienten handelte es sich um eine nosokomiale Infektion. 11 % (3) Patienten wurden mit einer ambulant erworbenen Infektion aufgenommen. Diese Patienten verteilen sich gleichmäßig auf die betrachteten Patientenkollektive. Im Gesamtkollektiv wurden 43 % der Infektionen durch grampositive und 46 % durch gramnegative Erreger verursacht. Bei 3 (11 %) Patienten war eine Mischinfektion aus gramnegativen und grampositiven Erregern die Ursache. 5 Patienten (18 %) hatten zusätzlich eine Superinfektion durch Hefen (Candida albicans). Die prozentuale Verteilung der Infektionserreger in den 3 Gruppen ist in der Abbildung 8 dargestellt.

Abb. 8: prozentuale Verteilung der Infektionserreger


34

4.3. Score-Werte

APACHE II-Score

Von allen Patienten wurde am Aufnahmetag der APACHE II-Score ermittelt. (s. Tabellen 1-3). Die Patienten der Gruppe 1 (Infektion ) hatten einen durchschnittlichen APACHE II-Score von 17,1 ± 7,75 (x ± SD) Punkten. Bei den Patienten der Gruppe 2 (Sepsis, survivor) betrug der APACHE II-Score 25,2 ± 7,97 (x ± SD) Punkte. Die Gruppe der verstorbenen Septiker (Gruppe 3) hatte mit 20,1 ± 8,28 (x ± SD) Punkten einen gering niedrigeren APACHE II-Score als die Patienten der Gruppe 2. Die Unterschiede waren statistisch nicht signifikant. Die Gruppen waren hinsichtlich der Schwere der Erkrankung am Aufnahmetag vergleichbar.

Multiple-Organ-Failure-Score (MOF-Score)

Die Patienten der Gruppe 1 (keine Sepsis) wiesen zum keinem Zeitpunkt einen MOF-Score > 4 Punkten auf. Innerhalb des Beobachtungszeitraumes fielen die Score-Werte deutlich ab. Am Ende der Beobachtungszeit von 11 Tagen hatten diese Patienten noch einen MOF-Score von 1,2 ± 0,9 (x ± SD). Der Abfall war statistisch signifikant (p<0,05) (s. Abbildung 9.).

Bei den Patienten der Gruppe 2 (Sepsis, survivor) war ein signifikanter Anstieg (p<0,05) des MOF-Scores am 4. Beobachtungstag, der dem Sepsisbeginn (SB) entspricht, zu verzeichnen. Von 3,3 ± 0,7 (x ± SD) am Aufnahmetag auf 6,3 ± 1,4 (x ± SD) am Tag des klinischen Sepsisbeginns. Zu einem kontinuierlichen, statistisch nicht signifikanten Abfall kommt es erst am 4. Tag nach SB. Alle Patienten dieser Gruppe hatten ab dem Tag des klinischen Sepsisbeginns einen MOF-Score > 4. Die Gruppen 1 und 2 waren an den beiden ersten Beobachtungstagen hinsichtlich ihres MOF-Scores völlig identisch.

Die Patienten der Gruppe 3 hatten schon am ersten Beobachtungstag einen MOF-Score > 4. An den ersten beiden Beobachtungstagen hatten die Patienten der Gruppe 3 einen höheren MOF-Score als die Patienten der Gruppen 1 und 2. Die Unterschiede waren statistisch jedoch nicht signifikant.

Am dritten Beobachtungstag, bereits 24 h vor der klinischen Sepsisdiagnose, hatten alle Patienten der Gruppe 3 einen MOF-Score > 6 und unterscheiden sich signifikant von den Patienten der Gruppen 1 und 2. Im weiteren Verlauf steigt der MOF-Score dieser Gruppe kontinuierlich an. Dieser Anstieg war statistisch signifikant (p<0,05). Die Diagnose Multiorganversagen wurde bei diesen Patienten 24 h vor der Diagnose Sepsis gestellt.


35

Abb. 9: MOF-Score der Gruppen 1-3


36

4.4. Ergebnisse der Mediatorenbestimmungen im Plasma

4.4.1. Ergebnisse der Gruppe 1 (keine Sepsis)

Alle Ergebnisse der Gruppe 1 (n = 9) sind als Übersicht in der Tabelle 4 enthalten.

Die TNFalpha-Spiegel in der Infektionsgruppe lagen im Beobachtungszeitraumes von 11 Tagen alle unterhalb des Referenzbereiches (< 40 pg/ml). Innerhalb des Beobachtungszeitraumes war kein signifikanter Anstieg der Werte zu verzeichnen.

Die Spiegel des sCD14 lagen mit Ausnahme der ersten beiden Tage alle gering oberhalb des mit 4,4 µg/ml angegebenen Referenzbereiches. Während des Beobachtungszeitraumes von 11 Tagen war ein leichter, nicht signifikanter Anstieg der sCD14-Spiegel zu verzeichnen.

Die IL- 6 Spiegel in dieser Gruppen zeigten während der betrachteten 11 Tage eine ansteigende Dynamik, die statistisch nicht signifikant war. Sie lagen gering oberhalb des Referenzbereiches, der für den Assay mit 0 - 48 pg/ml angegeben wird. Am 4. und 6. Beobachtungstag war ein geringer Anstieg der Mittelwerte zu verzeichnen, der nicht signifikant war.

Die Spiegel des löslichen ICAM-1 lagen bei Patienten der Gruppe 1 alle im oberen Teil des Referenzbereiches oder leicht darüber (229,0 - 410,0 ng/ml). Innerhalb dieser Gruppe gab es zwischen den einzelnen Abnahmepunkten keine signifikanten Unterschiede. Die Spiegel des sE-Selektins waren bei Intensivpatienten mit einer Infektion ohne septischer Entgleisung nicht erhöht. Sie liegen alle innerhalb des Referenzbereiches für gesunde Probanden (9,0 - 42,0 ng/ml) und blieben im Beobachtungszeitraum konstant.


37

Tab. 4: Ergebnisse der Gruppe 1 (Infektion) (x ± SD)

Abnahme-

TNF (pg/ml)

sCD 14 (µg/ml)

IL- 6 (pg/ml)

sICAM-1 (ng/ml)

sE-Selektin (ng/ml)

tag

(x ± SD)

(x ± SD)

(x ± SD)

(x ± SD)

(x ± SD)

1

0,8 ± 1,3

4,2 ± 1,4

38,4 ± 25,1

219,6 ± 77,4

28,0 ± 7,0

2

1,2 ± 1,7

4,5 ± 1,4

47,5 ± 46,1

239,4 ± 71,4

28,3 ± 8,8

3

1,3 ± 1,2

5,2 ± 1,4

51,2 ± 46,3

300,8 ± 112,1

28,1 ± 8,4

4

1,8 ± 1,5

5,3 ± 1,4

56,1 ± 40,3

368,5 ± 128,4

30,6 ± 6,3

5

1,0 ± 0,7

5,7 ± 1,7

52,9 ± 30,4

368,5 ± 166,0

29,8 ± 9,0

6

1,1 ± 0,7

5,7 ± 1,8

64,8 ± 58,8

334,2 ± 103,6

34,6 ±12,2

7

1,9 ± 1,6

5,6 ± 1,9

53,8 ± 40,9

378,4 ± 126,3

35,5 ± 8,2

8

2,2 ± 1,6

6,0 ± 2,1

48,1 ± 22,6

370,9 ± 119,4

34,2 ± 5,0

9

4,7 ± 5,4

5,8 ± 2,1

52,2 ± 20,6

385,5 ± 115,1

33,0 ± 8,0

10

4,2 ± 4,1

5,5 ± 1,8

33,7 ± 13,5

397,6 ± 108,3

32,3 ± 8,6

11

2,2 ± 1,9

5,3 ± 1,6

41,3 ± 27,2

374,0 ± 99,9

28,8 ± 6,6


38

4.4.2. Ergebnisse der Gruppe 2 (Sepsis, survivor)

TNFalpha war bei überlebenden Septikern über den gesamten Beobachtungszeitraum von 11 Tagen leicht erhöht. Die Mittelwerte lagen im oberen Teil des Referenzbereiches (< 40 pg/ml). Innerhalb der Gruppe gab es zwischen den einzelnen Abnahmepunkten starke Schwankungen. Es existierten keine signifikanten Unterschiede zwischen den einzelnen Abnahmepunkten.

sCD14 war bei den Patienten der Gruppe 2 über den gesamten Beobachtungszeitraum erhöht. Auch bei klinischer Besserung des septischen Krankheitsbildes blieben die Werte deutlich über dem Referenzbereich (1,4 - 4,4 µg/ml). Während des septischen Verlaufes war ein Anstieg der Werte am 3. Tag nach Sepsis zu verzeichnen, der statistisch nicht signifikant war.

Die IL-6- Spiegel lagen bei Patienten mit Sepsis alle oberhalb des Referenzbereiches (< 48 pg/ml). Bereits 3 Tage vor einem Sepsisbeginn waren die Spiegel mit 51,8 ± 28,1 pg/ml pathologisch erhöht. Am Tag des klinischen Sepsisbeginns (SB) kam es zu einem signifikanten Anstieg gegenüber den Ausgangswerten (p<0,05). Nach einem weiteren Anstieg am 2. und 3. Tag fielen die IL-6-Spiegel ab dem 5. Tag nach Sepsisbeginn signifikant ab. Am Ende der Beobachtungszeit lagen die Plasmaspiegel von IL-6 mit 75,6 ± 54,1 pg/ml (x ± SD) noch im pathologischen Bereich (s. Tabelle 5).

Die löslichen Adhäsionsmoleküle sICAM-1 und sE-Selektin waren bei septischen Patienten gegenüber dem Referenzbereich für gesunde Probanden erhöht. Die sICAM-1-Spiegel waren über den gesamten Beobachtungszeitraum konstant hoch und unterlagen nur geringen Schwankungen. 3 Tage vor dem klinischen Sepsisbeginn lagen die Mittelwerte von sICAM-1 nur geringfügig oberhalb des Referenzbereiches von 229,0 - 410 ng/ml. Am Tag 1 nach Sepsisbeginn kam es zu einem leichten Anstieg. Am Ende der Beobachtungszeit von 11 Tagen hatten sich die Werte bei klinischer Besserung des Krankheitsbildes noch nicht normalisiert.

Am 1 Beobachtungstag, 3 Tage vor dem klinischen Sepsisbeginn, lagen die Plasmaspiegel von sE-Selektin im oberen Teil des Referenzbereiches (42 ng/ml). Im Verlauf der Sepsis stiegen die Werte deutlich an. Ein signifikanter Anstieg ist erst am 1. Tag nach SB zu verzeichnen. Am 7. Tag nach Sepsisbeginn erreichten die Plasmaspiegel von sE-Selektin wieder die Ausgangswerte, bleiben aber im pathologischen Bereich.


39

Tab. 5: Ergebnisse der Gruppe 2 (Sepsis, survivor) (x ± SD)

Abnahme-

Sepsis

TNF (pg/ml)

sCD 14 (µg/ml)

IL- 6 (pg/ml)

sICAM-1 (ng/ml)

sE-Selektin (ng/ml)

tag

tag

(x ± SD)

(x ± SD)

(x ± SD)

(x ± SD)

(x ± SD)

1

-3

9,0 ± 7,9

6,0 ± 1,2

51,8 ± 28,1

439,1 ± 280,3

46,6 ± 22,0

2

-2

22,6 ± 39,1

5,9 ± 1,1

93,3 ± 98,30

411,0 ± 286,1

68,9 ± 69,0

3

-1

23,1 ± 39,9

6,4 ± 1,7

114,0 ± 106,9

459,8 ± 253,9

72,6 ± 75,0

4

0=SB

13,0 ± 11,4

6,3 ± 1,0

108,9 ± 71,40 *

385,5 ± 138,4

87,0 ± 71,3

5

1

37,8 ± 69,9

6,5 ± 2,5

245,9 ± 366,0 *

524,6 ± 290,3

97,5 ± 65,6 *

6

2

15,0 ± 11,4

6,3 ± 2,8

123,2 ± 106,9 *

498,7 ± 149,1

86,5 ± 37,1 *

7

3

11,6 ± 10,9

7,0 ± 3,0

178,7 ± 126,0 *

478,4 ± 295,5

74,9 ± 18,0 *

8

4

14,7 ± 10,4

5,7 ± 1,2

96,3 ± 50,70

529,0 ± 258,4

73,0 ± 24,3

9

5

12,5 ± 7,90

6,2 ± 1,1

93,6 ± 18,8 **

494,1 ± 275,6

64,6 ± 20,2

10

6

16,1 ± 12,4

6,1 ± 1,2

55,0 ± 34,7 **

492,4 ± 260,9

57,8 ± 14,9

11

7

29,2 ± 43,4

5,9 ± 1,1

75,6 ± 54,1 **

478,1 ± 224,2

54,1 ± 16,7

* p < 0,05 gegenüber Abnahmetag 1

** p < 0,05 gegenüber Abnahmetag 7


40

4.4.3. Ergebnisse der Gruppe 3 (nonsurvivor)

Die Mittelwerte von TNFalpha lagen bei Patienten mit schwerer Sepsis innerhalb des Beobachtungszeitraumes von 11 Tagen alle unterhalb des Referenzbereiches von 40 pg/ml. Am 7. Tag nach Sepsisbeginn war ein Anstieg auf 35,4 ± 44,2 pg/ml zu verzeichnen, der statistisch nicht signifikant war.

Auf Grund der große Schwankungen innerhalb der Gruppe 3 existierten keine signifikanten Unterschiede in den TNFalpha-Spiegeln zwischen den einzelnen Abnahmepunkten.

Die Plasmaspiegel von sCD14 lagen bei Patienten mit einer schweren Sepsis und Multiorganversagen bereits 3 Tage vor dem klinischen Sepsisbeginn (Tag 0 = SB) pathologisch erhöht. Innerhalb der Gruppe gabt es keine signifikanten Differenzen der Werte zwischen den einzelnen Abnahmepunkten. Die Plasmaspiegel von sCD14 blieben über den gesamten Zeitraum von 11 Tagen konstant hoch.

Die Plasmaspiegel von IL-6 lagen bei Patienten mit einer schweren Sepsis schon 3 Tage vor dem klinischen Sepsisbeginn im pathologischen Bereich. Sie blieben mit Ausnahme geringer Schwankungen über den gesamten Beobachtungszeitraum konstant. Am ersten Sepsistag kam es zu einem scheinbaren, nicht signifikanten Abfall der Plasmaspiegel von IL-6, dem ein ebenfalls nicht signifikanter Anstieg am 4.- 7. Sepsistag folgte.

Auch in der Gruppe der verstorbenen Septiker wurden konstant hohe Plasmaspiegel der löslichen Adhäsionsmoleküle sICAM-1 und sE-Selektin gemessen. Die Plasmaspiegel von sICAM-1 waren sind bereits 3 Tage vor Sepsisbeginn signifikant gegenüber dem Referenzbereich erhöht und blieben auf diesen Niveau. Ab dem 2. Tag nach Sepsisbeginn kam es zu einem kontinuierlichen, nicht signifikanten Anstieg der Plasmaspiegel, der bis zum Ende der Beobachtungszeit nicht mehr abfiel.

Die Spiegel von sE-Selektin bei verstorbenen Septikern lagen mit 97,7 ± 38,0 ng/ml (x ± ) schon 3 Tage vor den klinischen Sepsiszeichen signifikant höher (p<0,05) als der Referenzbereich für gesunde Probanden (42,0 ng/ml). Innerhalb des Beobachtungszeitraumes von 11 Tagen zeigten die Plasmaspiegel von sE-Selektin erst eine leicht fallende, im späteren Verlauf der Sepsis eine ansteigende Dynamik. Sie zeigten am 1. und 2. Tag nach Sepsisbeginn einen leichten, nicht signifikanten Abfall um dann am 6. Tag ihr Maximum mit 114,6 ± 51,0 ng/ml zu erreichen. Signifikante Unterschiede in den Plasmaspiegeln des sE-Selektins zwischen den einzelnen Abnahmetagen gab es nicht.


41

Tab. 6: Ergebnisse der Gruppe 3 (Sepsis, nonsurvivor) (x ± SD)

Abnahme-

Sepsis

TNF (pg/ml)

sCD 14 (µg/ml)

IL- 6 (pg/ml)

sICAM-1 (ng/ml)

sE-Selektin (ng/ml)

tag

tag

(x ± SD)

(x ± SD)

(x ± SD)

(x ± SD)

(x ± SD)

1

-3

8,3 ± 8,2

5,9 ± 0,9

367,1 ± 491,3

605,4 ± 280,1

97,7 ± 38,0

2

-2

14,2 ± 14,0

6,5 ± 1,5

423,7 ± 530,1

638,0 ± 234,0

119,7 ± 31,9

3

-1

18,7 ± 15,2

6,4 ± 0,7

438,5 ± 386,0

569,5 ± 268,0

101,7 ± 50,1

4

0=SB

16,9 ± 10,7

6,3 ± 1,4

436,5 ± 278,0

585,0 ± 264,0

105,2 ± 43,0

5

1

16,9 ± 9,0

6,4 ± 1,2

295,6 ± 251,1

584,6 ± 249,8

82,2 ± 15,0

6

2

17,3 ± 8,8

6,5 ± 1,8

283,6 ± 252,1

701,7 ± 237,0

81,7 ± 29,2

7

3

18,9 ± 8,3

6,3 ± 1,1

326,4 ± 245,0

680,5 ± 297,1

81,4 ± 23,0

8

4

17,8 ± 10,5

6,1 ± 1,8

353,5 ± 287,0

738,5 ± 220,4

93,2 ± 16,0

9

5

16,9 ± 11,0

5,8 ± 1,1

333,4 ± 272,0

730,2 ± 275,3

85,4 ± 27,0

10

6

24,0 ± 9,0

5,6 ± 0,6

360,9 ± 262,0

813,9 ± 790,1

114,6 ± 51,0

11

7

35,4 ± 44,2

6,0 ± 1,3

389,3 ± 265,0

368,4 ± 360,0

108,9 ± 27,0


42

4.4.4. Graphische Darstellung der einzelnen Parameter

4.4.4.1. Plasmaspiegel von TNFalpha

Die TNFalpha-Spiegel aller Gruppen sind vergleichend in den Abbildungen 10 und 11 dargestellt.

Abb. 10: TNFalpha-Spiegel septischer Patienten im Vergleich zu Patienten mit einer Infektion (x ± SEM)

Patienten mit Sepsis wiesen über den gesamten Beobachtungszeitraum von 11 Tagen signifikant höhere TNFalpha-Spiegel auf als die Patienten ohne Sepsis.

Die Mittelwerte der Plasmaspiegel von TNFalpha der septischen Patienten (Gruppe 2) lagen ebenso


43

wie die der Gruppe 1 innerhalb des Referenzbereiches für gesunde Probanden. An den beiden letzten Beobachtungstagen kommt es zu einem Anstieg der TNFalpha-Spiegel bei septischen Patienten.

Abb. 11: TNFalpha-Spiegel der Gruppe 1-3 (x + SEM)

Eine Differenzierung der septischen Patienten in überlebene (Gruppe 2) und verstorbene Septiker (Gruppe 3) ergab keine signifikanten Unterschiede in den Plasmaspiegeln von TNFalpha zwischen diesen beiden Gruppen. Am Tag 1 nach Sepsisbeginn lagen die Mittelwerte der TNFalpha-Spiegel in der Gruppe der überlebenden Septiker (Gruppe 2) über denen der verstorbenen Septiker. Der Unterschied war nicht signifikant.


44

4.4.4.2. Plasmaspiegel von sCD14

Eine vergleichende Darstellung der Spiegel von sCD14 aller Gruppen zeigen die Abbildungen 12 und 13.

Abb. 12: sCD14-Spiegel septischer Patienten im Vergleich zu Patienten mit einer Infektion (x ± SEM)

Die Mehrzahl der untersuchten Patienten wiesen über den gesamten Beobachtungszeitraum erhöhte Plasmaspiegel von sCD14 auf. Bereits 3 Tage vor Sepsisbeginn (Tag -3) lagen die Plasmaspiegel von sCD14 der Gruppen 2 und 3 signifikant höher als die sCD14-Spiegel der Infektionsgruppe. Im Verlauf stiegen die sCD14-Spiegel auch bei den Patienten mit einer Infektion

(Gruppe 1) deutlich über den Referenzbereich an. Der Anstieg war statistisch nicht signifikant.


45

Bei septischen Patienten lagen die sCD14-Spiegel bereits am ersten Abnahmetag deutlich im pathologischen Bereich und blieben über den gesamten Beobachtungszeitraum auf diesem Niveau.

Abb. 13: sCD14-Spiegel der Gruppen 1-3 (x + SEM)

Eine Differenzierung der Gruppe der septischen Patienten in überlebende (Gruppe 2) und verstorbene Septiker (Gruppe 3) ist in Abbildung 13 ersichtlich. Die Kurven verlaufen über den gesamten Beobachtungszeitraum nahezu parallel.

Es gab keine signifikanten Unterschiede in den Plasmaspiegeln von sCD14 zwischen verstorbenen und überlebenden Septikern.


46

4.4.4.3. Plasmaspiegel von Interleukin-6

Eine vergleichende Darstellung der Interleukin-6 Werte aller Gruppen zeigen die Abbildungen 14 und 15.

Abb. 14: IL-6- Spiegel septischer Patienten im Vergleich zu Patienten mit einer Infektion (x ± SEM)

Die Interleukin-6-Spiegel septischer Patienten lagen über den gesamten Beobachtungszeitraum von 11 Tagen signifikant über denen nicht septischer Patienten. Schon am ersten Beobachtungstag, d.h. 3 Tage vor der klinischen Diagnose Sepsis (SB) waren bei diesen Patienten die IL-6-Spiegel signifikant erhöht und blieben bis zum Ende der Beobachtungszeit auf diesem Niveau stabil.


47

Abb. 15: IL-6-Spiegel der Gruppen 1-3 (x + SEM)

Eine Differenzierung der septischen Patienten in überlebende (Gruppe 2) und verstorbene Septiker (Gruppe 3) ergab signifikante Unterschiede in den Plasmaspiegel von IL-6 zwischen diesen beiden Gruppen.

Die Patienten der Gruppe 2 (Sepsis, survivor) hatten 3 Tage vor dem klinischen Sepsisbeginn noch keine erhöhten IL-6 Werte und unterschieden sich nicht von den Patienten der Gruppe 1 (keine Sepsis). Erst am 1. Tag nach klinischer Diagnosestellung Sepsis stiegen die Mittelwerte innerhalb dieser Gruppe signifikant an und blieben bis zum 5. Tag nach Sepsisbeginn signifikant über den Werten der Gruppe 1.


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Die Patienten der Gruppe 3 (Sepsis, nonsurvivor) hatten 3 Tage vor dem klinischen Sepsisbeginn bereits signifikant höhere IL-6-Spiegel als die Patienten der Gruppen 1 und 2. In dieser Gruppe blieben die IL-6-Spiegel über den gesamten Zeitraum auf hohem Niveau konstant.

4.4.4.4. Plasmaspiegel von sICAM-1

Die sICAM-1 Spiegel aller Gruppen sind vergleichend in den Abbildungen 16 und 17 dargestellt.

Abb. 16: sICAM-1 bei septischen Patienten im Vergleich zu Patienten mit einer Infektion (x ± SEM)

Septische Patienten hatten im Beobachtungszeitraum von 11 Tagen gegenüber nicht septischen Patienten höhere Mittelwerte der sICAM-1-Spiegel im Plasma. Die Unterschiede waren an 6 von


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11 Beobachtungstagen signifikant (vgl Abb.16). Die Plasmaspiegel von sICAM-1 septischer Patienten liegen über den gesamten Beobachtungszeitraum im pathologischen Bereich. Bereits 3 Tage vor der klinischen Diagnosestellung Sepsis hatten diese Patienten signifikant höhere sICAM-1-Spiegel als die Patienten ohne Sepsis. Bei den Patienten der Gruppe 1 lagen die Mittelwerte der sICAM-1-Spiegel alle unterhalb des Referenzbereiches für gesunde Probanden.

Abb. 17: sICAM-1 Spiegel der Gruppen 1-3 (x + SEM)

Eine Differenzierung der septischen Patienten in überlebende (Gruppe 2) und verstorbene Septiker (Gruppe 3) ergab keine signifikanten Unterschiede in den Plasmaspiegel sICAM-1 zwischen diesen beiden Gruppen. Signifikante Unterschiede in den Plasmaspiegel von sICAM-1 traten nur auf zwischen der Gruppe 1 (keine Sepsis) und der Gruppe der verstorbenen Septiker (Gruppe 3). 3 Tage vor dem klinischen Sepsisbeginn (Tag -3) lagen die Plasmaspiegel der später verstorbenen


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Septiker (Gruppe 3) schon signifikant über denen der Gruppe 1. Zwischen den Patienten der Gruppe 1 (keine Sepsis) und den Patienten der Gruppe 2 (Sepsis, survivor) gab es keine signifikanten Unterschiede in den Plasmaspiegeln von sICAM-1.

4.4.4.5. Plasmaspiegel von sE-Selektin

Die sE-Selektin-Spiegel aller Gruppen sind vergleichend in den Abbildungen 18 und 19 dargestellt.

Abb. 18: sE-Selektin-Spiegel septischer Patienten im Vergleich zu Patienten mit einer Infektion (x ± SEM)

Patienten mit Sepsis hatten über den gesamten Beobachtungszeitraum von 11 Tagen signifikant höhere sE-Selektin-Spiegel als Patienten ohne Sepsis. Bereits 3 Tage vor der klinischen


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Sepsisdiagnose lagen die Mittelwerte von sE-Selektin aller septischen Patienten signifikant höher als die Mittelwerte der Gruppe 1 (keine Sepsis) und blieben bis zum Ende der Beobachtungszeit auf diesem Niveau. Bei Patienten mit einer Infektion ohne septische Entgleisung lagen die

sE-Selektin-Spiegel im Plasma alle innerhalb des Referenzbereiches für gesunde Probanden.

Abb. 19: sE-Selektin-Spiegel der Gruppen 1-3 (x + SEM)

Eine Differenzierung der septischen Patienten in überlebende (Gruppe 2) und verstorbene (Gruppe 3) Septiker ergab signifikante Unterschiede in den Plasmaspiegeln von sE-Selektin zwischen diesen beiden Gruppen nur an den Tagen vor dem klinischen Sepsisbeginn (Tag-3 bis Tag -1) und am 6. und 7. Tag nach Sepsisbeginn.

Die Patienten der Gruppe 3 (Sepsis, nonsurvivor) hatten 3 Tage vor dem klinischen Sepsisbeginn bereits signifikant (p < 0,05) höhere sE-Selektin-Spiegel als die Patienten der Gruppen 1 und 2. In


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der Gruppe der verstorbenen Septiker waren die sE-Selektin-Spiegel über den gesamten Zeitraum erhöht und stiegen zum Ende der Beobachtungszeit noch weiter an.

Die Patienten der Gruppe 2 (Sepsis, survivor) hatten 3 Tage vor den klinischen Sepsiszeichen noch keine erhöhten sE-Selektin-Spiegel im Plasma und unterschieden sich nicht von den Patienten der Gruppe 1 (keine Sepsis). Mit dem Beginn der septischen Symptomatik (Tag 0 = SB) stiegen die sE-Selektin-Spiegel dieser Gruppe signifikant an und blieben bis zum Ende der Beobachtungszeit über den sE-Selektin-Spiegeln nicht septischer Patienten.


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4.4.5. Korrelation zwischen IL-6 und sE-Selektin

Abb. 20: Korrelation zwischen IL-6 und sE-Selektin

Die mathematische Abhängigkeit der beiden Parameter IL-6 und sE-Selektin wurde durch eine lineare Regressionsanalyse ermittelt. Die Abbildung 20 stellt die Ergebnisse dieser Analyse getrennt in überlebende und verstorbene Patienten dar.

Bei verstorbenen Septikern korrelieren die Interleukin-6-Spiegel gut mit den Plasmaspiegeln von sE-Selektin. Bei den überlebenden Patienten bestand im Gegensatz dazu eine geringere Korrelation dieser beiden Parameter. Die Korrelation war in beiden Gruppen statistisch signifikant.


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