| Schroeter, Matthias: Das antioxidative System der Blut-Hirn-Schranke - Einfluß von Astrozyten sowie Hypoxie/Reoxygenierung |
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Die vorliegende Arbeit ist damit befaßt, den Einfluß von Astrozyten (AZ) auf die antioxidativen Schutzmechanismen von Gehirnkapillarendothelzellen (GKEZ) und mithin der Blut-Hirn-Schranke (BHS) zu klären. Als pathologische Prozesse wurden Hypoxie und Reoxygenierung in ihrer Wirkung auf das antioxidative Potential untersucht (Modell einer zerebralen Ischämie). Die Experimente wurden im wesentlichen an einem in vitro-Modell der BHS durchgeführt. Im folgenden sollen die Grundlagen der Untersuchungen dargestellt werden. Nach Ausführungen über die Struktur und Funktion der BHS (1.1.), die durch AZ beeinflußt werden (1.1.1.), wird auf die Prozesse bei Ischämie/Reperfusion im zentralen Nervensystem (ZNS) eingegangen (1.2.). Hierbei sind reaktive Sauerstoff-Spezies (ROS) von zentraler Bedeutung (1.2.1.-1.2.3.). ROS vermögen die BHS während Ischämie/Reperfusion bzw. Hypoxie/ Reoxygenierung zu öffnen (1.3.). Im letzten Kapitel der Einleitung wird, ausgehend vom bisherigen Kenntnisstand, die Fragestellung der Arbeit entwickelt (1.4.).
Bereits Ehrlich (1902) und Goldmann (1913) beschrieben eine Schranke, die Blut- und Gehirnkompartiment voneinander separiert. In die Blutbahn injizierte Farbstoffe, z. B. Trypanblau, führten zu keiner Färbung des Gehirns, im Gegensatz zu anderen Geweben (Betz et al., 1994). Diese BHS gewährleistet die normale nervale Funktion, indem sie homöostatische Verhältnisse in bezug auf Elektrolyte (z.B. Ca2+- und K+-Konzentration geringer extravasal als intravasal), Aminosäuren, Hormone und Neurotransmitter herstellt. GKEZ, welche die BHS bilden, unterscheiden sich in vivo von Endothelzellen anderer Organe. Zum Einen vermeiden kontinuierliche zonulae occludentes (tight junctions) die parazelluläre Bewegung polarer Moleküle. Zum Zweiten wird nichtregulierter transzellulärer Transport verhindert, indem keine Fenestrationen oder transendothelialen Kanäle ausgebildet werden und die Anzahl plasmalemmaler bzw. intrazellulärer Vesikel gering ist. Auf Grund dieser morphologischen Merkmale vermögen GKEZ Blut- und Gehirnkompartiment voneinander abzugrenzen. In vivo werden GKEZ von einer Kollagen enthaltenden extrazellulären Matrix umgeben, in welche Perizyten eingebettet sind. Daran schließen sich die Endfüße von AZ-Ausläufern an, welche 90% der Oberfläche der vaskulären Zylinder bedecken (Abb. 1.1; Anhang) und nur 0,4 nm von der Membran der GKEZ entfernt sind (Pardridge, 1991). Diese morphologische Nähe von GKEZ
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und AZ führte zur Annahme funktioneller Einflüsse von AZ auf GKEZ, welche unter anderem in Kokultur-Systemen aus GKEZ und AZ in vitro untersucht werden können.Tabelle 1.1 gibt einen Überblick über die beschriebenen funktionellen Einflüsse von AZ auf GKEZ. Dabei wurde bei verschiedenen Effekten auch die Spezifität der Interaktion von GKEZ und AZ untersucht. Fibroblasten und Muskelzellen waren dabei ohne Einfluß auf GKEZ; teilweise waren nur GKEZ und keine anderen Endothelzellen von AZ beeinflußbar (Cancilla et al.,1993).
Tab. 1.1 Einfluß von AZ auf typische Eigenschaften von GKEZ.
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Induktion von
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Effektor
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Referenz
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verminderter Permeabilität
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kokultivierte C6-Glioma-Zellen/AZ
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Raub, 1996; Mertsch et al., 1997
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erhöhtem transendothelialen elektrischen Widerstand
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kokultivierte AZ/C6-Glioma-Zellen
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Cancilla et al., 1993; Giese et al., 1995
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tight junctions
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AZ-konditioniertes Medium, kokultivierte AZ
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Cancilla et al., 1993
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g-Glutamyl-Transpeptidase
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AZ/C6-Glioma-Zellen-konditioniertes Medium, kokultivierte AZ
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Transportsystem für neutrale Aminosäuren (A-, Alanin-System; abluminale Membran)
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kokultivierte AZ
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Transportsystem für Glukose (carrier-vermittelt oder erleichterte Diffusion)
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AZ/C6-Glioma-Zellen-konditioniertes Medium
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gehirnspezifischem Glukosetransporter GLUT-1
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kokultivierte AZ
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Hayashi et al., 1997
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Transferrin-Rezeptor
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kokultivierte AZ (mit morphologischem Kontakt)
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P-Glykoprotein (luminale Membran)
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kokultivierte AZ (mit morphologischem Kontakt)
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Na-K-Cl-Kotransporter
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Interleukin-6 aus kokultivierten C6-Glioma-Zellen, C6-Glioma-Zellen-konditioniertem Medium
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Sun et al., 1997
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Na+-K+-ATPase (abluminale Membran)
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kokultivierte C6-Glioma-Zellen
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Cancilla et al., 1993
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alkalischer Phosphatase
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AZ-konditioniertes Medium, kokultivierte AZ, Interleukin-6 aus Glioma-Zellen-konditioniertem Medium
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Cancilla et al., 1993 Takemoto et al., 1994
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Mitochondrien
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kokultivierte AZ (mit morphologischem Kontakt)
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Hayashi et al., 1997
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Vaskularisierung
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kokultivierte AZ VEGF aus AZ (in vivo)
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Cancilla et al., 1993 Laterra et al.,1993 Stone et al., 1995
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(VEGF = vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor; vascular endothelial growth factor)
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Andererseits ist die Wechselwirkung nicht einseitig, GKEZ vermögen ebenso in AZ spezifische Reaktionen hervorzurufen: So senden GKEZ ein chemotaktisches Signal aus, das zu einer Migration von AZ in die Richtung aus GKEZ gebildeter gefäßartiger Strukturen führt (Cancilla et al., 1993). Im Gegensatz zur Annahme einer unidirektionalen Einwirkung von AZ auf GKEZ muß von einer zirkulären Interaktion zwischen GKEZ und AZ ausgegangen werden.Im folgenden sollen pathologische Prozesse im ZNS (im besonderen zerebrale Ischämie/Reperfusion) dargestellt werden, welche mit Störungen der Homöostase zwischen Bildung und Abbau von ROS als einem wesentlichen Aspekt der multifaktoriellen Genese verbunden sind. Tabelle 1.2 gibt einen Überblick über diese Erkrankungen (Jesberger und Richardson, 1991; Cadet et al., 1996; Löschmann und Schulz, 1997; Knight, 1997; Mattson, 1997).
Tab. 1.2 Erkrankungen des ZNS mit gestörtem Radikal-Metabolismus.
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Krankheit
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Mechanismus
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Amyotrophe Lateralsklerose
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familiärer Typ: Mutationen im CuZnSOD-Gen führen zu reduzierter Aktivität
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Demenz vom Alzheimer-Typ
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unklar; erhöhter oxidativer Streß: vermindertes antioxidatives Potential, ß-Amyloid führt zur Bildung von ROS, bei familiärer Demenz vom Alzheimer-Typ Gendefekt auf Chromosom 21 (CuZnSOD beteiligt?), mis-sense-Mutation in mitochondrialer DNA mit reduzierter Cytochrom-c-Oxidase Aktivität (verstärkte Generierung ROS?)
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Down-Syndrom
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durch Trisomie 21 Überexpression CuZnSOD
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Mitochondriale Enzephalopathie
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unklar; Mutationen in mitochondrialer DNA durch ROS?
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Multiple Sklerose
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unklar (LPO des Myelins?); LPO erhöht, Fe-Chelatoren vermindern Progression der Krankheit
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Morbus Parkinson
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unklar; erhöhte LPO, erniedrigte Aktivität von GPx, Cat, SOD, verminderter GSH-Gehalt in substantia nigra, Monoaminooxidase bildet H2O2
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Morbus Huntington
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unklar; Reduktion der Atmungskettenfunktion, oxidative DNA-Schädigung, therapeutische Erfolge mit Antioxidantien
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Ischämie/Reperfusion (sowie vaskuläre Demenz)
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siehe im Text
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Schädel-Hirn-Trauma-induzierte Epilepsie
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unklar; LPO von Membranen?
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Schizophrenie
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unklar; im Katecholamin-Metabolismus erzeugte ROS stören Neurotransmission an dopaminergen Synapsen?
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Spätdyskinesie (tardive dyskinesia)
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durch Neuroleptika induzierte LPO führt zu Schädigung von Neuronen
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Methamphetamin-Mißbrauch
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.O2--vermittelte Neurotoxizität (transgene Mäuse, die CuZnSOD überexprimieren, zeigen geringere Empfindlichkeit)
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(LPO = Lipidperoxidation; weitere Abkürzungen siehe 1.2.2.)
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Einige dieser Erkrankungen sind mit einer radikalbedingten Störung der BHS verbunden. So konnten Blanc et al. (1997) im Falle des Morbus Alzheimer zeigen, daß Amyloid ß-Peptid zu einem Anstieg der Permeabilität von Albumin durch Endothelzell-Monolayer, apoptotischem Zelltod und einem beeinträchtigten Glukose-Transport führt. Außerdem verursacht ß-Amyloid eine endotheliale Dysfunktion in zerebralen Arterien (verstärkte Vasokonstriktion auf Serotonin sowie verminderte Vasodilatation auf Azetylcholin und Bradykinin; Price et al., 1997). In beiden Studien konnten die beobachteten Effekte mittels Antioxidantien vermindert werden, was auf ROS als Mediatoren der Schädigung hinweist.Die zerebrale Ischämie, eine prototypische Erkrankung des ZNS, hat von den erwähnten Erkrankungen neben der Demenz vom Alzheimer-Typ die größte epidemiologische Bedeutung. Der Schlaganfall (von dem 85% auf Ischämien, der Rest auf Hämorrhagien zurückzuführen ist) steht nach Herzkrankheiten und malignen Tumoren an dritter Stelle der Todesursachen in den zivilisierten Ländern. 10% der über 50 Jahre alten Deutschen sterben an einem Gefäßinsult (Poeck, 1990). Jedes Jahr werden in den USA 400.000 Patienten nach einem Schlaganfall aus dem Krankenhaus entlassen (Kistler et al., 1991). Die besondere Vulnerabilität des zerebralen Gewebes gegenüber Ischämie ist durch fehlende Sauerstoff- und Glukosevorräte sowie einen respiratorischen Quotienten von nahezu 1 bedingt. Der Energiebedarf des Gehirns wird fast ausschließlich durch oxidative Phosphorylierung gedeckt. Demzufolge kommt es bei Ischämie zu einem raschen Funktionsausfall von Neuronen. Nach 30 bis 40 s sistiert die Aktivität im Elektroenzephalogramm bei globaler Ischämie. Nach 4 bis 5 min treten die ersten Nekrosen an Ganglienzellen auf (Poeck, 1990; Dirnagl und Meisel, 1998).
Die durch Ischämie hervorgerufenen metabolischen Veränderungen laufen in den Zelltypen des ZNS ähnlich ab. Hier soll im wesentlichen auf die Zellen der BHS, GKEZ und AZ, eingegangen werden. Der Energiemangel führt zu einer Abnahme des Gehaltes an Adenosintriphosphat (ATP) sowie einem intrazellulären Anstieg von Ca2+, welches wiederum Enzymsysteme aktiviert (Proteinkinase C, Proteasen, Endonukleasen, NO-Synthase [NOS], Phospholipasen). Daraus resultieren Proteolyse, Proteinphosphorylierung, DNA-Fragmentierung und Membranabbau. Glutamat wird freigesetzt (Exzitotoxizität) und verstäkt die Schadenskaskade im Sinne eines circulus vitiosus (Mertsch et al., 1995; Dirnagl und Meisel, 1998).
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Abb. 1.2 Bildung und Abbau von freien Radikalen, wie z. B. während Ischämie/Reper-fusion (bzw. Hypoxie/Reoxygenierung) in GKEZ.

In diesem Prozeß werden ROS gebildet (Abb. 1.2), wobei dies im wesentlichen in der Reperfusionsphase stattfindet (oxidative burst). Eine Hauptquelle von .O2- ist unter diesen Bedingungen in makrovaskulären Endothelzellen die Xanthin-Oxidase (Zweier et al., 1994), welche bereits unter physiologischen Bedingungen eine 20 bis 25fach höhere Aktivität in GKEZ als in Hirnhomogenat besitzt (Terada et al., 1991). Xanthin-Oxidase wird in GKEZ während der Ischämie zusätzlich durch Proteolyse (Protease Calpain) bzw. Oxidierung einer Sulfhydrylgruppe aus Xanthin-Dehydrogenase gebildet. Ebenso wird mit dem Arachidonsäure-Metabolismus die Cyclooxygenase 2 aktiviert (Schmedtje et al., 1997). Neben diesen beiden Enzymen generieren auch die in den Mitochondrien lokalisierte NADH-Dehydrogenase und der Ubiquinon-Komplex des Cytochrom b sowie das mikrosomale Cytochrom-P-450-System .O2- (Matsuyama, 1996). Monoaminooxidase, ein Segment der ‘enzymatischen BHS, ist zur Bildung von H2O2 in der Lage.
H2O2 kann mit .O2- (Haber-Weiss-Reaktion) bzw. in Anwesenheit von Metallen (Fenton-Reaktion) weiter zu .OH reagieren. NO. und .O2- reagieren zu ONOO-. Die Haber-Weiss- und Fenton-Reaktion werden durch einen geringen Transferrin- und Coeruloplasmin-Gehalt in der extrazellulären Flüssigkeit des Hirngewebes begünstigt (Betz, 1993). GKEZ besitzen im Unterschied zu Endothelzellen anderer Gewebe eine große Anzahl von Transferrin-Rezeptoren als
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Teil eines Transzytose-Systems, das die Aufnahme von Eisen in das Gehirn bewirkt. .O2- vermittelt die Reduktion und die Freisetzung von Eisen in den GKEZ, welches die Bildung von .OH katalysieren kann (Betz, 1993). .OH und ONOO- können als die hauptsächlich schädigenden freien Radikale betrachtet werden, da sie sehr reaktiv sind und verschiedene biologisch wichtige Moleküle zu oxidieren vermögen. .OH kann zur Bildung von Lipidradikalen (L.) führen und mithin eine gesteigerte Lipidperoxidation initiieren (Bromont et al., 1989; Betz, 1993). Die Radikalbildung wird in der Ischämie durch die Gewebeazidose unterstützt (Dirnagl und Meisel, 1998).Für Endothelzellen wurde die Produktion von ROS wie .O2-, H2O2 und .OH während Hypoxie/Reoxygenierung nachgewiesen (Michiels et al., 1992; Kondo et al., 1996b; Kumar et al., 1996; Terada, 1996; Mertsch et al., 1997). AZ generieren ROS ebenfalls nach Hypoxie (Hori et al., 1994) jedoch später als GKEZ (Kondo et al., 1996b). Eine zusätzliche Quelle freier Radikale stellen Neutrophile dar, welche nach Aktivierung durch Ischämie .O2- mittels Nikotinsäureamid-Adenin-Dinukleotid-Phosphat- (NADPH-) Oxidase bilden (respiratory burst). Neutrophile durchdringen im Rahmen inflammatorischer Prozesse bei Ischämie die BHS und können diese zusätzlich schädigen (Betz, 1993).
Da bereits unter physiologischen Zuständen ca. 5% des metabolisierten O2 zu .O2- konvertiert werden, müssen biologische Systeme mit wirksamen antioxidativen Systemen ausgestattet sein, die den Abbau von ROS ermöglichen (Betz, 1993; Abb. 1.2). Dieses antioxidative System besteht aus den folgenden Enzymen/antioxidativen Substanzen:
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Shukla et al. (1995) konnten zeigen, daß isolierte zerebrale mikrovaskuläre Gefäße der Ratte im Vergleich mit Hirnhomogenat eine höhere Aktivität antioxidativer Enzyme aufweisen (Cat war 3,5fach, GPx und Glutathion-Reduktase 2fach höher; SOD war vergleichbar). Dieser Befund verdeutlicht die Bedeutung der antioxidativen Systeme für die BHS. Obwohl GKEZ und AZ in ihrem antioxidativen Potential bisher nicht verglichen wurden, ist ein relativ hohes antioxidatives Potential von AZ im Vergleich zu Neuronen/Oligodendroglia bekannt (Copin et al., 1992; Dringen und Hamprecht, 1997; Juurlink, 1997). Demgemäß konnten Desagher et al. (1996) sowie Lucius und Sievers (1996) beobachten, daß AZ Neurone vor oxidativem Streß schützen können.
Während Ischämie/Reperfusion bzw. Hypoxie/Reoxygenierung kommt es in der Regel zu einer Abnahme des antioxidativen Potentials (Plateel et al., 1995; Rabin et al., 1996). Eine mögliche Ursache sind vermehrt gebildete ROS. So kann .O2- die Enzyme Cat und GPx inaktivieren (Kono und Fridovich, 1982; Kühl, 1996). H2O2 und .O2- können CuZnSOD inaktivieren, jedoch nicht MnSOD (Sinet und Garber, 1981).
Eine Sonderstellung nimmt die MnSOD ein. Diese ist auf vielfältige Weise induzierbar (ionisierende Strahlung, .O2-, H2O2, Zytokine, z. B. Tumor-Nekrose-Faktor [TNF], Interleukin [IL]-1, Interferon-g; Wong, 1995; Kühl, 1996; Pinteaux et al., 1996). Im Falle der amyotrophen Lateralsklerose (Blaauwgeers et al., 1996) bzw. des Menkes-Syndrom (Menkes kinky
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hair disease; Shibata et al., 1995) kann eine wahrscheinlich kompensatorische Induktion dieses Enzyms beobachtet werden. Diese leichte Induzierbarkeit der MnSOD ist prophylaktisch bzw. therapeutisch nutzbar (Präkonditionierung; Ohtsuki et al., 1992; Matsuyama, 1996). Eine Überexpression von MnSOD in transgenen Mäusen bewirkt eine Reduktion der Infarktgröße und Lipidperoxidation nach Verschluß der mittleren zerebralen Arterie. MnSOD überexprimierende Phäochromozytom-Zellen zeigten nach Inkubation mit ROS generierenden Substanzen geringere Apoptose (Keller et al., 1998). Überexpression von CuZnSOD führt ebenfalls zur Reduktion der Infarktgröße sowie Aufrechterhaltung des normalen Gehaltes von antioxidativen Substanzen wie Ascorbinsäure und reduziertem Glutathion nach fokaler Ischämie (Kinouchi et al., 1991; Hurn et al., 1996). Wird dagegen das MnSOD-Gen in Mäusen ausgeschaltet (Knock-out), kommt es unter anderem zu einer Degeneration von Neuronen in den Basalganglien und im Hirnstamm mit fortschreitenden motorischen Störungen. Diese Mäuse sterben bereits nach 3 Wochen (Lebovitz et al., 1996). Dies sind weitere Hinweise für die Bedeutung der MnSOD.Bisher wurde nur die destruktive Wirkung von ROS dargestellt. ROS sind andererseits an der Signaltransduktion bei vielfältigen Prozessen beteiligt: Wirkung und Sekretion von Zytokinen, Wachstumsfaktoren und Hormonen; Apoptose und Transkription. ROS können ebenso den Ionen-Transport durch Kanäle beeinflussen (Lander, 1997). Hier soll nur ein Beispiel für die regulatorische Funktion von ROS auf transkriptionaler Ebene dargestellt werden, die Regulation der Bindungsaktivität des nukleären Faktors-kB (NF-kB).
Das Aktivator-Protein-1 (AP-1) und NF-kB sind Transkriptionsfaktoren, die in Abhängigkeit vom Redoxpotential der Zellen reguliert werden. Dabei hat NF-kB in GKEZ und AZ die größere Bedeutung. NF-kB spielt eine zentrale Rolle bei der Aktivierung von GKEZ, wie sie z. B. im Rahmen eines Reperfusionsschadens stattfindet (Ferran et al., 1995). Die Aktivierung von AZ (wie bei Gliosis) scheint, im Gegensatz zu der von Neuronen oder Mikroglia, ebenfalls über eine Erhöhung der Bindungsaktivität dieses Transkriptionsfaktors vermittelt zu sein (Pennypacker, 1997).
NF-kB ist ein als Heterodimer (meist p50/p65, RelA) vorliegender Transkriptionsfaktor, der im Zytoplasma an das spezifische inhibitorische Protein IkB gebunden vorliegt. Wird IkB durch Kinasen phosphoryliert, gelangt NF-kB in den Nukleus und bindet an cis-Elemente derjenigen Gene, die eine Bindungsregion für NF-kB enthalten. Da keine Neusynthese erforderlich
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ist, erfolgt die Aktivierung von NF-kB auf einen Stimulus sehr schnell (wenige min). Während Ischämie/Reperfusion können verschiedene Faktoren zu einer Aktivierung von NF-kB führen: Inflammatorische Zytokine wie TNF, IL-1; ROS, im besonderen H2O2; Reoxygenierung (Müller et al., 1997); Neurotransmitter wie Glutamat (ONeill und Kaltschmidt, 1997) sowie in Endothelzellen Scherstreß (Lan et al., 1994). Schmedtje et al. (1997) berichteten einen Anstieg der Bindungsaktivität von NF-kB in Endothelzellen während Hypoxie. Alle diese Stimuli können für GKEZ bzw. AZ relevant sein. NF-kB beeinflußt die Transkription vieler Gene (Abb. 1.3).
Abb. 1.3 Wirkung von NF-kB auf die Transkription verschiedener Gene. Vaskuläres Zell-Adhäsions-Molekül-1 (VCAM-1), Epitheliales Leukozyten-Adhäsions-Molekül (ELAM), Interzelluläres Adhäsions-Molekül-1 (ICAM-1), Cyclooxygenase-2 (COX-2), induzierbare NOS (iNOS) (Morishita et al., 1997; ONeill und Kaltschmidt, 1997).

Die Wirkung von NF-kB im Rahmen eines ischämischen Insultes wird kontrovers diskutiert. Einerseits soll NF-kB neuroprotektiv wirken, konnten doch Bruce et al. (1996) in einer TNF-Rezeptor (p55/p75)-knock-out Maus eine Verstärkung der Folgen einer zerebralen Ischämie zeigen. Andererseits deuten Experimente, welche die Folgen einer Hemmung von NF-kB bei einer myokardialen Ischämie untersuchten, eine eher destruktive Wirkung dieses Transkriptionsfaktors an. Morishita et al. (1997) konnten mit NF-kB-decoy (-Köder), die NF-kB binden und inaktivieren, eine Reduktion des Infarktgebietes erreichen. Dieses Ergebnis könnte auch für den Reperfusionsschaden im ZNS relevant sein, da NF-kB die Adhäsion von Leukozyten und Makrophagen an GKEZ vermittelt. Auf eine neurodestruktive Wirkung von NF-kB deuten weiterhin Befunde, die durch eine Inaktivierung von NF-kB mit Azetylsalizylsäure eine Neuroprotektion in einem Glutamat-Exzitotoxizitätsmodell erreichten (ONeill und
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Kaltschmidt, 1997). Da die wesentliche Eigenschaft der BHS ihre Dichtheit ist, soll im nächsten Kapitel die Funktion der BHS während Ischämie/Reperfusion betrachtet werden.In Abbildung 1.2 sind die mit ROS in Zusammenhang gebrachten Schädigungen der BHS summarisch zusammengefaßt. Neben diesen kurzfristigen Schädigungen kommt es ebenfalls zu verzögerten Schäden durch Apoptose (Bonfoco et al., 1995; Plateel et al., 1995; Du et al., 1996).
Ein wesentliches Kriterium der BHS-Funktion ist die Dichtheit der BHS. Diese kann in vitro mittels transendothelialem elektrischen Widerstand sowie in vitro und in vivo mittels Permeabilität (z. B. für Evans Blau, markiertes Albumin, Fluoreszein, Harnstoff, Na+) gemessen werden (Zuckerman et al., 1994; Giese et al., 1995; Inoue et al., 1996b). In vivo soll eine Öffnung der BHS und die Störung der mikrovaskulären Funktion eher im Falle der lokalen als der globalen Ischämie (mit Ausnahme des Gerbil) eine Rolle spielen (Siesjö et al., 1995).
Während Ischämie/Reperfusion in vivo wurde eine zweiphasige Öffnung der BHS berichtet (Baethmann et al., 1991), die zur Ausbildung eines vasogenen Ödems führt. Das in der frühen Ischämie (nach Sekunden bis Minuten) auftretende, zytotoxische Ödem steht dagegen nicht mit einer Schädigung der BHS in Zusammenhang. Dieses frühe Ödem ist intrazellulär lokalisiert, reversibel und durch Elektrolyt-Verschiebungen (ATP-Mangel) bedingt. Bei kurzer Ischämie kommt es erst in der frühen Reperfusionsphase, mit der postischämischen Hyperperfusion, zur ersten Öffnung der BHS. Die zweite Erhöhung der Schrankenpermeabilität folgt nach vielen Stunden. Mit der Öffnung der BHS wird die Entstehung des vasogenen, extrazellulären Ödems eingeleitet. Bei länger anhaltender Ischämie tritt die Schädigung der BHS bereits in der Ischämie auf. Prinzipiell hat das Ödem nach arteriellem Verschluß seinen Höhepunkt nach 2 bis 3 Tagen erreicht und bildet sich dann wieder zurück (Baethmann et al., 1991). Ursache des vasogenen Ödems ist die Extravasation von Proteinen (z.B. Albumin), Plasma-Filtrat und anderen Molekülen in das extrazellulär-extravasale Kompartiment (Farooqui et al., 1994). Durch Steigerung des intrakraniellen Druckes kann es zur vaskulären Kompression und Herniation von Hirngewebe kommen, was die häufigste Ursache der Frühmortalität bei zerebraler Ischämie darstellt (Baethmann et al., 1991).
Martz et al. (1989) untersuchten den Einfluß von ROS auf die Permeabilität der BHS nach fokaler Ischämie/Reperfusion bei der Ratte. Die Applikation von Allopurinol, einem Hemmer der Xanthin-Oxidase, führte zu einer Verkleinerung des Hirnödems und des ischämi
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schen Gebietes sowie einem Schutz der BHS nach 3 h Ischämie. In Modellen globaler zerebraler Ischämie wurden ähnliche Resultate gefunden. Zuckerman et al. (1994) berichteten, daß nach 20 min globaler zerebraler Ischämie und 2 h Reperfusion bei Schweinen die Permeabilität der BHS im Vergleich zur Kontrolle deutlich erhöht war. Eine Vorbehandlung mit SOD, Cat oder Indomethazin konnte die Erhöhung der Permeabilität vermindern, was auf ROS als Mediatoren hinweist. Takeda et al. (1993) und Inoue et al. (1996b) konnten bei Hunden eine Öffnung der BHS bereits nach 18 min globaler Ischämie und 30 min Reperfusion beobachten. Durch Applikation von modifizierter SOD mit hoher Affinität zu Albumin (t1/2 6-8 h im Gegensatz zu 5 min bei nativer SOD) konnten der Anstieg der BHS-Permeabilität, das konsekutive Hirnödem, die Hypoperfusion in der späten Reperfusion und neurologische Defizite vermieden werden.Entsprechende Resultate wurden auch in vitro erhalten. Nach Hypoxie/Reoxygenierung nahm die Permeabilität von Monolayern aus pulmonalen Endothelzellen für Albumin zu, was durch CuZnSOD und Cat verhindert werden konnte (Lum et al., 1992). Ähnliches wurde auch für ein in vitro-Kokultur-Modell der BHS aus GKEZ und AZ gezeigt. Das Lazaroid U83836E konnte die Dichtheit während Hypoxie/Reoxygenierung aufrechterhalten (Giese et al., 1995; Mertsch et al., 1997), was die durch ROS induzierte Membran-Lipidperoxidation als Ursache für die Schädigung der BHS wahrscheinlich macht.
Einerseits wird aus diesen Ergebnissen deutlich, daß ROS die BHS während Ischämie/Reperfusion bzw. Hypoxie/Reoxygenierung zu öffnen vermögen. Andererseits stellen sich Möglichkeiten zur pharmakologischen Intervention während oder nach einer zerebralen Ischämie dar. Momentan werden große Anstrengungen zur Erforschung therapeutischer Möglichkeiten bei dieser Erkrankung unternommen. Dabei sind die bisherigen Bemühungen im wesentlichen auf den Schutz der Neurone gerichtet. Die Zellen der BHS werden weitgehend vernachlässigt.
Die Benennung des Schlaganfalls als ‘brain attack im angloamerikanischen Raum macht einen Paradigmenwechsel (Kuhn, 1988) deutlich. Patienten mit zerebraler Ischämie werden ähnlich Patienten mit Myokard-Infarkt (heart attack) als therapierbarer Notfall betrachtet, während bis vor einigen Jahren die Auffassung einer sehr beschränkten Therapierbarkeit vorherrschte. Durch Information der Bevölkerung erreichen Patienten zeitiger spezialisierte Einrichtungen (stroke units). Die Möglichkeiten rationaler pharmakologischer Behandlung sind jedoch noch beschränkt. Bisher existiert für Patienten mit zerebraler Ischämie keine allgemein akzeptierte Standardtherapie. Tabelle 1.3 gibt einen Überblick über die bisher klinisch untersuchten Substanzen.
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Tab. 1.3 Klinisch untersuchte Pharmaka zur Behandlung der zerebralen Ischämie.
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Substanz
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Bemerkungen
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Referenz
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Antikoagulation/Thrombolyse
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NINDS-Studie (1995), Koroshetz und Moskowitz (1996), Gass (1997), Ryan et al. (1997)
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erfolgreich
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erfolgreich innerhalb 3 h
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Nebenwirkungen (Hämorrhagien)
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Nebenwirkungen (Hämorrhagien)
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Nebenwirkungen (Hämorrhagien)
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Glutamat-Rezeptor-Antagonisten
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hohe Nebenwirkungsrate (Psycho-se, neuronale Vakuolisierung)
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noch kein Ergebnis
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Radikalfänger wie
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noch kein Ergebnis
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erfolgreich bei Schädel-Hirn-Trauma
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Blocker der Adhäsion von Leukozyten an GKEZ
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noch kein Ergebnis
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Blocker spannungsgesteuerter Kanäle
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noch kein Ergebnis bzw. ohne positiven Effekt (Nimodipin)
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Neurotrophine
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noch kein Ergebnis
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GABA-Rezeptor-Agonisten
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noch kein Ergebnis
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Membranstabilisatoren
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noch kein Ergebnis
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(AMPA = a-Amino-3-Hydroxy-5-Methyl-4-Isoxazolpropionat; bFGF = basischer Fibroblasten-Wachstumsfaktor, basic fibroblast growth factor; GABA = g-Aminobuttersäure, g-aminobutyrate; NMDA = N-Methyl-D-Aspartat; tPA = Gewebe-Plasminogen-Aktivator, tissue plasminogen activator)
Die therapeutischen Ansätze richten sich im besonderen auf den Schutz des funktionell, aber nicht strukturell geschädigten Gewebes (Penumbra) in der Randzone des Infarktes. Zwei therapeutische Strategien werden verfolgt: Einerseits die Wiederherstellung einer physiologischen Durchblutungssituation und andererseits zytoprotektive Maßnahmen. Bisher wurde nur Gewebe-Plasminogen-Aktivator (tissue plasminogen activator; tPA) in den USA zum klinischen Einsatz bei akutem ischämischen Schlaganfall innerhalb von 3 h zugelassen.
Prinzipiell ist die Therapie mit Antikoagulantien/Thrombolytika mit der Gefahr von zerebralen Hämorrhagien als Nebenwirkung verbunden. In einer Studie des Nationalen Institutes für neurologische Erkrankungen und Schlaganfall (USA) wurde ein signifikanter Anstieg von symptomatischen intrazerebralen Blutungen in den ersten 36 h berichtet (NINDS, 1995). Die klinischen Versuche mit anderen Thrombolytika mußten auf Grund dieser Nebenwirkungen abgebrochen werden. Hier erscheint eine Kombination mit Pharmaka möglich, die in der Reperfusion die BHS zu schützen vermögen und mithin intrazerebrale Blutungen verringern bzw. vermeiden könnten. Bisher wurden Kombinationstherapien jedoch nur sehr selten klinisch
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getestet. Auf eine mögliche Bedeutung von Glutamat-Antagonisten für die BHS während Hypoxie/Reoxygenierung wurde durch Giese et al. (1995) hingewiesen, die einen protektiven Effekt von MK-801 (nicht-kompetitiver NMDA- [N-Methyl-D-Aspartat-] Rezeptor-Antagonist) in einem Kokultur-Modell (GKEZ und AZ) beobachteten. Die klinisch geprüften Radikalfänger Tirilazad und SOD (Pergorgotein) wirken im wesentlichen in den Gefäßen (Koroshetz und Moskowitz, 1996), zumal gezeigt wurde, daß Aorta-Endothelzellen mit Polyethylenglykol modifizierte SOD und Cat aufnehmen und dadurch das antioxidative Potential steigern können (Beckman et al., 1988). Die Blocker von Adhäsionsmolekülen werden ebenso an den GKEZ wirksam, da Ischämie/Reperfusion zu einer verstärkten Expression von Adhäsionsmolekülen an der Zellmembran von GKEZ führt.Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß klinisch-therapeutische Ansätze zum Teil auf die Erhaltung der Integrität der BHS gerichtet sind. Die an in vitro-Modellen der BHS erhaltenen Ergebnisse während Hypoxie/Reoxygenierung korrelieren mit den in vivo-Daten gut. Dies läßt weitere Untersuchungen in Zellkultur-Modellen der BHS sinnvoll erscheinen.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit bestand darin, (1) das antioxidative Potential von GKEZ und AZ zu vergleichen und (2) mögliche Einflüsse von AZ auf das antioxidative Potential von GKEZ zu untersuchen. Dies erschien aus verschiedenen Gründen sinnvoll. Das hohe antioxidative Potential von mikrovaskulären Gefässen des Gehirns scheint für die Aufrechterhaltung der BHS-Funktion von eminenter Bedeutung zu sein. Außerdem muß die BHS die Aufgaben einer antioxidativen Barriere zwischen Blut- (Radikalgenerierung) und Gehirnkompartiment (geringe Menge an Antioxidantien) erfüllen. Trotzdem wurde das antioxidative Potential von GKEZ und AZ bisher nicht systematisch verglichen. Weiterhin ist bekannt, daß AZ verschiedene Eigenschaften der BHS in GKEZ unterstützen bzw. induzieren. Aus diesen Gründen wurde von der Annahme ausgegangen, daß AZ das antioxidative Potential der BHS zu erhöhen vermögen. Zur experimentellen Untersuchung dieser Fragestellung mußte ein in vitro-System gewählt werden, da nur mit diesem methodischen Ansatz Effekte der Kokultivierung von GKEZ und AZ beobachtet werden konnten.
Neben der Wechselwirkung zwischen GKEZ und AZ wurde das Verhalten des antioxidativen Potentials während Hypoxie/Reoxygenierung (als Modell einer zerebralen Ischämie/Reperfusion) untersucht, bei dem ROS zu einer Öffnung der BHS führen. Auch hier war ein Vergleich von GKEZ in Monokultur mit GKEZ in Kokultur mit AZ notwendig, weil AZ
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die Dichtheit von GKEZ-Monolayern während Hypoxie/Reoxygenierung aufrechterhalten können (Kondo et al., 1996a) und dies möglicherweise durch ein höheres antioxidatives Potential bedingt ist. Das antioxidative Potential der BHS wurde während einer kürzeren Hypoxie/Reoxygenierung (<3 h) untersucht, da hieraus therapeutische Ansätze zur Reduzierung von Hämorrhagien als Nebenwirkung der tPA-Therapie durch Stärkung der BHS resultieren könnten.Um sowohl das antioxidative Potential der Zellen als auch die Radikalgenerierung zu erfassen, wurden die antioxidativen Enzyme CuZnSOD, MnSOD, Cat und GPx auf verschiedenen Ebenen (Aktivität, 2.3.1., Enzymprotein, 2.5.; mRNA, 2.4.1.), der Gehalt an Glutathion (2.3.2.) sowie die Membran-Lipidperoxidation (2.3.3.) bestimmt. Untersuchungen zur Signaltransduktion in Kokultur sowie bei Hypoxie/Reoxygenierung schlossen Messungen der Bindungsaktivität von NF-kB (2.4.2.) sowie des Einflusses von Zytokinen auf die Aktivitäten antioxidativer Enzyme ein. Als Parameter für die Funktion der BHS diente die Fluoreszein-Permeabilität (2.6.).
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