Joachim Günther, Schulz: Identifikation des Glykosylphosphatidylinositol-verankerten Heparan Sulfat Proteoglykans Glypikan als Toxizitäts-vermittelndem Rezeptor für -Amyloid der Alzheimer’schen Krankheit in der neuronalen PC12 Zellinie

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Kapitel 2. Herleitung einer Aufgabenstellung

Ziel der Arbeit war herauszufinden, woran betaA an der neuronalen Zellmembran im AK-Gehirn bindet, um dann eine toxische Wirkung zu entfalten. Trotz der Beschreibung zahlreicher Bindungspartner für betaP und betaA ist es bislang nicht gelungen, einen betaA-”Rezeptor” oder Zelloberflächenmolekül zu finden, bzw. zu klären, ob es ihn überhaupt gibt.

Die Bedeutung der Identifikation eines solchen Rezeptors beinhaltet:

  1. Ein besseres Verständnis von betaA-bedingten Pathomechanismen und
  2. die Möglichkeit der spezifischen Intervention auf Ebene der betaA-Rezeptor Bindung als therapeutische Maßnahme.

Folgende Möglichkeiten, die Fragestellung anzugehen, wurden in Betracht gezogen.

Da zu Beginn der Arbeit nicht klar war, ob es einen ”Rezeptor” gibt, betaA sich direkt in die Lipidschicht der Zellmembran einbaut, oder unspezifisch an viele Oberflächenmoleküle bindet, ist das optimale Ausgangsmaterial für den Pool an möglichen betaA-Bindungspartnern ein natives Homogenat von synaptischen Membranen eines Alzheimergehirns. Dieses beinhaltet auf alle Fälle die Moleküle, die als Angriffspunkt einer direkten neurotoxischen Wirkung von betaA beim AK-Patienten dienen. Aufgrund der Tatsache, daß die in den vorliegenden Versuchen behandelte Zelle von der Ratte stammt, und aufgrund der einfachen Verfügbarkeit von Rattenhirn im Gegensatz zu menschlichem Autopsiematerial habe ich mich für synaptische Membranen aus Rattenhirn als Ausgangsmaterial entschieden. Weitere neuronale und nichtneuronale Zellbestandteile des Gehirns könnten zwar für andere Formen der betaA-Toxizität, wie z.B. inflammatorische Prozesse, relevant sein, nicht aber bei der direkten neuronalen Schädigung durch betaA. Deshalb wurden sie vernachlässigt.

Ein wesentliche Schwierigkeit bei der Suche nach relevanten Bindungspartner von betaA besteht darin, unter den Molekülen, die betaP oder betaA binden, diejenigen auszuwählen, die tatsächlich einen toxischen Effekt vermitteln. Dies wurde bislang bei keiner Studie, die sich mit dieser Fragestellung beschäftigt, berücksichtigt (Sabo et al., 1995 siehe Yan et al., 1996 siehe ; Paresce et al., 1996 siehe , El-Khoury et al., 1996 siehe ). Deshalb wurde ein Ansatz gewählt, bei dem


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nicht Bindung an betaA/betaP, sondern Hemmung der Toxizität von betaA selbst der Meßparameter ist. Als Assay wurde die Reduktion von MTT durch eine Pheochromozytomzellinie der Ratte (PC12) gewählt, da diese Methode zwischen betaP und betaA unterscheidet (betaP ohne Effekt, siehe Behl et al., 1994b siehe ), sensitiv ist (halbmaximaler Abfall der MTT Reduktion bei 100nM betaA), und schnell anspricht. Letzteres war aufgrund des transitorischen Charakters vorallem für Zelloberflächenbehandlungen wichtig. Da Hemmung der Toxizität durch Zugabe von kompetitiven Substanzen ins Medium nur indirekt ist, wurde im zweiten Teil der Arbeit die lebende PC12 Zelle direkt auf Rezeptoren untersucht, die die betaA-Toxizität vermitteln.

Die Bedingungen in der Zellkultur sind in mehrerlei Hinsicht nicht identisch mit denen im Gehirn. Die PC12 Zelle hat den Nachteil, daß sie keine neuronale Zelle des ZNS ist, sondern eine ausgelagerte im Nebennierenmark, die möglicherweise in der Expression relevanter Rezeptoren von ZNS-Neuronen differiert. In der Flüssigkeit, die die Zellen umspült, geht betaA eventuell andere Bindungen oder Komplexe ein als im Liquor oder Plasma. Die Zelle wird zwar ausreichend, aber dennoch anders als in vivo ernährt. Die Adhäsion wird in Form von Anheften auf der kollagenbeschichteten Kulturschale simuliert. Entscheidend für die PC12 Zelle sprach die neuronale Herkunft, das gute Ansprechen auf betaA, die Einheitlichkeit der Zellkultur aufgrund des klonalen Ursprungs, die einfache Handhabung, und die weitreichend vorhandene Literatur über diese Zellinie. Aufgrund der guten Überschaubarkeit des Systems mit nur einem Zelltyp, definierter Matrix in Form der kollagenbeschichteten Kulturschale und reproduzierbarem Medium schien dieser Ansatz geeignet, bestimmte Aussagen treffen zu können, die dann im komplexeren System überprüft werden können. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse dieser Arbeit auf komplexere Systeme muß in weiteren Untersuchungen gezeigt werden.


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Mon Jul 13 14:24:30 1998