Tittel, Anja: Thema: Diagnostik vergrößerter Halslymphknoten mit der farbkodierten Dopplersonographie und dem Power-Doppler nativ sowie nach Applikation eines neuen Ultraschallkontrastmittels

33

Kapitel 5. Ergebnisse

5.1. Patientendarstellung und histopathologische Ergebnisse

In diese Studie gingen die Daten von insgesamt 40 Patienten ein, die in der Zeit vom September 1996 bis Juni 1997 in der Hals-Nasen-Ohren-Klinik der Universitätsklinik Charité stationär aufgenommen und operiert wurden. Das Alter dieser Patienten lag zwischen 34 und 85 Jahren, das Durchschnittsalter betrug 58,7 Jahre. Es wurden 8 weibliche (Durchschnittsalter 60 Jahre) und 32 männliche (Durchschnittsalter 58,3 Jahre) Patienten untersucht.

Bei allen Patienten bestand bei Einlieferung in die Klinik der Verdacht auf das Vorliegen einer malignen Neubildung im Mund-Kiefer-Gesichts- oder Hals-Nasen-Ohren-Bereich. Bei 34 Patienten wurde histopathologisch im Rahmen einer Biopsie oder Operation das Vorliegen eines Plattenepithelkarzinoms gesichert. Es fanden sich in diesem Kollektiv 22 verhornende und 12 nicht-verhornende Plattenepithelkarzinome. Bei 6 Patienten wurde der Verdacht nicht bestätigt. In einem Fall fand sich bei Zustand nach vorhergegangener Operation eines Plattenepithelkarzinoms im HNO-Bereich nun aktuell eine cervicale Weichteiltuberkulose mit Einbeziehung eines benachbart liegenden Lymphknotens. Ein Rezidiv der malignen Erkrankung konnte nicht gesichert werden. Desweiteren fand sich ebenfalls nach ähnlicher vorausgegangener Operation eine reaktive Veränderung der cervicalen Lymphknoten ohne Anhalt für das erneute Vorliegen einer Neoplasie.

In den übrigen dieser Fälle ergaben sich keinerlei Hinweise auf ein Plattenepithelkarzinom im Kopf- und Halsbereich. Einmal konnte eine Hyperimmunreaktion der cervicalen Lymphknoten gesichert werden, wobei die Ursache nicht eruiert wurde. Eine maligne Neubildung konnte in diesem Zusammenhang ausgeschlossen werden. Bei einer Patientin stellte sich die malignitätsverdächtige cervicale Raumforderung als brachiogene laterale Halszyste heraus. Bei einem weiteren Patienten fand sich ein malignes, die Schleimhaut des weichen Gaumens infiltrierendes B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom; die cervicalen Lymphknoten zeigten in diesem Fall jedoch nur Veränderungen im Sinne einer chronischen Lymphadenitis. Bei einer anderen Patientin fand sich ein hochmalignes B-Zell-Lymphom im Bereich der Parotis, wobei die von uns untersuchten Lymphknoten reaktiv verändert, jedoch nicht blastomatös befallen waren.

Bei den Patienten, bei denen das Vorliegen eines Plattenepithelkarzinoms beschrieben wurde, war der von uns untersuchte Lymphknoten in 23 Fällen (67,6 %) metastatisch verändert, in 11 Fällen konnte eine benigne Vergrößerung festgestellt werden. Insgesamt wurden also 17 benigne veränderte Lymphknoten sowie 23 Lymphknotenmetastasen eines Plattenepithelkarzinoms in unserer Studie untersucht.

Die Plattenepithelkarzinome fanden sich in folgenden Lokalisationen, oftmals mit Ausbreitung in die angrenzenden Bezirke (nach den Angaben der HNO-Klinik und der Pathologie): Oropharynx (3), im Bereich der Tonsille/ des Gaumenbogens/ der Tonsillarfurche (9), Epiglottis


34

sowie supraglottischer Bereich (6), Nasopharynx (3), Hypopharynx (6), Zunge/ Mundboden (7).

5.2. Lymphknoten in der hochauflösenden B-Bild-Sonographie

5.2.1. Größe der Lymphknoten

Das Durchschnittsvolumen der untersuchten Lymphknoten betrug 7676,6 mm3, wobei sich die Zahlenangaben im Bereich zwischen 114 und 164011 mm3 bewegten.

Nach Diagnosen getrennt ergab sich in der Gruppe der benigne vergrößerten Lymphknoten ein Durchschnittsvolumen von 1642,3 mm3 bei einer Standardabweichung von 1984,0 mm3. Bei den malignen Lymphknotenvergrößerungen ergab sich ein durchschnittliches Volumen von 13711,7 mm3 bei einer Standardabwei-


35

chung von 40243,7 mm3. Es fand sich bei der statistischen Aufarbeitung der Daten eine signifikante Korrelation der Größe der suspekten Lymphknotenvergrößerung und ihrer Dignität (p < 0,05).

5.2.2. Form der Lymphknoten

Im Rahmen der Formbetrachtung der suspekten Lymphknotenvergrößerungen beurteilten wir in unserem Patientengut 12 der benigne vergrößerten Lymphknoten als ovalär; bei fünf fand sich eine rundliche Form. Die metastatisch bedingten Lymphknotenvergrößerungen stellten sich in sieben Fällen ovalär und bei 16 Patienten rundlich dar. Bei der Korrelation der Form der suspekten Lymphknoten mit ihrer Diagnose ergab sich mit p < 0,05, daß die Form (ovalär vs. rundlich) der benignen und malignen Lymphknoten signifikant unterschiedlich beurteilt wurde. Die durchschnittlichen Volumenwerte bei den verschiedenen Formen der Lymphknotenvergrößerungen in den Diagnosegruppen zeigt Tabelle 1 . Die Zahlenangaben in Klammern geben die Häufigkeit des beurteilten Kriteriums in unserem Patientengut an.

Tabelle 1: Volumen (in mm3) der Lymphknoten bei den

 

rundliche Form (n = 17)

ovaläre Form (n = 18)

benigne Lymphknoten (n = 16)

981,6 (n =5)

1942,8 (n = 11)

maligne Lymphknoten (n = 19)

17443,6 (n = 12)

4030,3 (n = 7)


36

5.2.3. Lymphkotenmorphologie im B-Bild

Bezüglich der B-Bild-Morphologie der untersuchten Lymphknoten ergab sich in dieser Studie keine signifikante Korrelation mit der Dignität der Lymphknotenvergrößerungen (p = 0,6984). In beiden Diagnosegruppen fanden sich überwiegend echoarme Lymphknoten mit sowohl inhomogener als auch homogener Struktur.

Tabelle 2 stellt die genauen Häufigkeitsverteilungen der unterschiedlichen Lymphknotenmorphologien nach Diagnosegruppen getrennt dar.

Tabelle 2: Lymphknotenmorphologie im B-Bild bei benignen und malignen

 

homogen echoarm

homogen echoreich

inhomogen echoarm

inhomogen echoreich

Benigne Lymphknoten

(n = 17)

9

(52,9 %)

1

5

(29,4 %)

2

Maligne Lymphknoten

(n = 23)

10

(43,5 %)

0

11

(47,8 %)

2

5.2.4. Kapsel der Lymphknoten und Gefäßinfiltration

Bei der Beurteilung eines Überschreitens der Kapsel der Lymphknotenmetastasen durch die malignen Zellen ergab sich eine Sensitivität von 60 % und eine Spezifität von 100 % für die sonographische Untersuchung. Im Vergleich mit den histopathologischen Resultaten stellten wir das Auftreten eines Fehlers 2. Ordnung (fälschlicherweise als intakt beurteilte Kapsel) bei 4 der Lymphknoten fest. Der Fehler 1. Ordnung (fälschlicherweise als überschritten beurteilte Kapsel) fand sich in keinem Fall.


37

Eine Gefäßinfiltration fand sich bei nur drei der metastatisch befallenen Lymphknoten, was die Sonographie in jedem Fall richtig erkannte. Eine fälschlicherweise in der sonographischen Untersuchung diagnostizierte Gefäßinfiltration zeigte sich nicht.

5.3. Lymphknoten in der FKDS und im Power-Doppler

5.3.1. Vaskularisation der Lymphknoten - nativ

Sowohl im Power-Doppler als auch in der farbkodierten Dopplersonographie stellten sich vor Kontrastmittelanwendung bezüglich der Vaskularisation der malignitätsverdächtigen Lymphknoten identische Ergebnisse dar. 64,7 % der untersuchten benignen und 74 % der metastatisch bedingten Lymphknotenvergrößerungen wurden unabhängig von der Diagnose als hypovaskularisiert beurteilt. In jeweils 17,6 % der benigne veränderten Lymphknoten konnte keine Perfusion detektiert werden oder sie stellten sich hypervaskularisiert dar. Bei den metastatisch befallenen Lymphknoten wurde bei 8,7 % keine detektierbare Perfusion, bei 17,4 % ein hypervaskularisiertes Bild beschrieben.

Insgesamt unterschied sich die Vaskularisation benigner und maligner Lymphknoten nach unseren Ergebnissen vor Kontrastmittelanwendung weder in der farbkodierten Dopplersonographie (p = 0,6056) noch im Power-Doppler-Verfahren (p = 0,6056) signifikant.


38

5.3.2. FKDS-Vaskularisation der Lymphknoten - nach Kontrastmittel

Nach der Kontrastmittelapplikation stellten sich die Lymphknoten unabhängig von der Dignität in der FKDS weiterhin mit 76 % der benignen Lymphknoten und 78,3 % der Lymphknotenmetastasen hypovaskularisiert dar. Die Anzahl der Lymphknoten, in denen im Nativbild keine Perfusion detektiert werden konnte, wurde in beiden Diagnosegruppen insgesamt durch die Kontrastmittelgabe von 12,5 % auf 5 % reduziert. Die Anzahl der sich hypervaskularisiert darstellenden Lymphknoten veränderte sich nicht.

Im Rahmen der statistischen Auswertung konnte ein signifikanter Unterschied in der Beurteilung der Lymphknotenvaskularisation weder in der Gruppe der benignen (p = 0,1797) noch in der Gruppe der metastatisch bedingten Lymphknotenvergrößerungen (p = 0,3173) durch die farbkodierte Dopplersonographie vor und nach Kontrastmittelapplikation festgestellt werden.

5.3.3. PD-Vaskularisation der Lymphknoten - nach Kontrastmittelgabe

In der Power-Doppler-Sonographie konnte nach Kontrastmittelapplikation in allen Lymphknoten eine Perfusion visualisiert werden. Im gesamten Lymphknotenkollektiv wurden 82,5 % der untersuchten Lymphknoten als hypovaskularisiert beschrieben. Die Anzahl der als hypervaskularisiert beschriebenen Lymphknoten veränderte sich vor und nach Kontrastmittelanwendung nicht. Auch nach Kontrastmittelapplikation konnte die Beurteilung der Vaskularisation mit dem Power-Doppler nicht signifikant zwischen benigne veränderten Lymphknoten und Lymphknotenmetastasen unterscheiden (p = 0,8574).


39

Tabelle 3 stellt die Häufigkeitsverteilungen der unterschiedlichen Lymphknotenvaskularisationen vor und nach Kontrastmittelapplikation für beide dopplersonographischen Untersuchungsverfahren dar.

Tabelle 3: Lymphknotenvaskularisation in der farbkodierten Dopplersonographie

vor Kontrastmittelapplikation
  FKDS Power-Doppler
  Vask. 1 Vask. 2 Vask. 3 Vask.1 Vask. 2 Vask. 3
Benigne Lymphknoten 3 11 (64,7 %) 3 3 11 (64,7 %) 3
Maligne Lymphknoten 2 17 (73,9 %) 4 2 17 (73,9 %) 4
Gesamte Lymphknoten 5 (12,5 %) 28 (70 %) 7 (17,5 %) 5 (12,5 %) 28 (70 %) 7 (17,5 %)
nach Kontrastmittelapplikation
  FKDS Power-Doppler
  Vask. 1 Vask. 2 Vask. 3 Vask.1 Vask. 2 Vask. 3
Benigne Lymphknoten 1 13 (76,5 %) 3   14 (82,4 %) 3
Maligne Lymphknoten 1 18 (78,3 %) 4   19 (82,6 %) 4
Gesamte Lymphknoten 2 31 (77,5 %) 7 (17,5 %)   33 (82,5 %) 7 (17,5 %)


40

Vask. 1 = Lymphknoten ohne detektierbare Perfusion

Vask. 2 = hypovaskularisierte Lymphknoten

Vask. 3 = hypervaskularisierte Lymphknoten

Weder für die benignen (p = 0,1088) noch für die malignen (p = 0,1797) Lymphknotenvergrößerungen konnte mit dem Power-Doppler-Verfahren ein signifikanter Unterschied der Vaskularisation vor und nach Kontrastmittelgabe erkannt werden.

5.3.4. Vaskularisation der Lymphknoten - Power-Doppler und FKDS im Vergleich

Der Vergleich der angewandten dopplersonographischen Untersuchungsverfahren in der statistischen Berechnung erbrachte keine signifikanten Unterschiede: Die Vaskularisation aller Lymphknoten wurde mit der Power-Doppler- und der farbkodierten Dopplersonographie in der Nativdarstellung identisch beurteilt. Nach Kontrastmittelapplikation ergab sich weder in der Gruppe der benignen (p = 0,3173) noch der malignen (p = 0,3173) Lymphknoten ein signifikanter Unterschied bei der Beurteilung der Vaskularisation mit der farbkodierten Dopplersonographie und dem Power-Doppler-Verfahren (für alle Lymphknoten p = 0,1797).

5.3.5. Periphere Flußwiderstände in der Dopplersonographie

Bei reproduzierbar und deutlich erkennbaren Gefäßen in der Nativdarstellung der Lymphknotenperfusion wurden der Resistance- und der Pulsatilitätsindex zur Erfassung der peripheren Flußwiderstände in den untersuchten Lymphknoten gemessen.


41

Der RI von benignen und malignen Lymphknoten unterschied sich nicht signifikant (p = 0,0990). Der PI in den untersuchten Lymphknotengefäßen korrelierte signifikant (p < 0,05) mit der Diagnose (benigne vs. PECA-Metastase) des Lymphknotens.

Eine Bestimmung eines Grenzbereichs zur Differenzierung benigner und metastatisch befallener Lymphknoten mit dem Resistance-Index ist bei fehlender Korrelation in unserem Patientengut nicht möglich. Für den Pulsatilitätsindex ergibt sich ein maximaler Wert von 1,24 bei den benignen Lymphknotenvergrößerungen sowie ein minimaler Wert von 0,92 bei den Lymphknotenmetastasen.

Mit der Power-Analyse wurde das Vorhandensein einer ausreichend großen Stichprobe für die statistische Auswertung bezüglich des Resistance-Index bestätigt.

Die Durchschnittswerte mit den entsprechenden Standardabweichungen sind der Tabelle 4 zu entnehmen.

Tabelle 4: Widerstandsindices in den intranodalen Gefäßen bei benignen und

 

Resistance-Index

Pulsatilitätsindex

benigne Lymphknoten (n = 10)

0,62 ± 0,13

1,02 ± 0,27

maligne Lymphknoten (n = 13)

0,76 ± 0,15

1,92 ± 1,10


42

5.3.6. Vaskularisationsmorphologie der Lymphknoten - vor Kontrastmittelgabe in der FKDS

Mit der farbkodierten Dopplersonographie konnte vor Kontrastmittelapplikation in 29,4 % der benigne veränderten Lymphknoten keine Beschreibung der Vaskularisationsmorphologie erfolgen, da keine Perfusion detektiert werden konnte oder bei Hypovaskularisation keine eindeutigen und damit beurteilbaren Gefäßverläufe sichtbar waren. Bei 52,9 % wurde eine zentrale Perfusion und in 17,6 % der benignen Lymphknotenvergrößerungen ein peripheres Vaskularisationsmuster beschrieben.

Bei den metastatisch bedingten Lymphknotenveränderungen konnten bis auf 4,3 % alle Lymphknoten bezüglich ihrer Vaskularisationsmorphologie beurteilt werden. 82,6 % dieser Lymphknoten wiesen einen peripheren Perfusionstyp auf. In einem Fall wurde bei einer Lymphknotenmetastase in dieser Untersuchungsphase ein zentraler Perfusionstyp beschrieben. Die statistische Datenaufarbeitung zeigte, daß die Vaskularisationsmorphologie in der farbkodierten Dopplersonographie vor Kontrastmittelapplikation mit p < 0,0001 signifikant zwischen benignen und metastatisch befallenen Lymphknoten unterscheidet.

5.3.7. Vaskularisationsmorphologie der Lymphknoten- nach Kontrastmittelgabe in der FKDS

Nach Kontrastmittelapplikation gelang in der FKDS sowohl bei den benigne als auch bei den metastatisch bedingten Lymphknotenvergrößerungen in jeweils einem Fall eine Visualisierung der Perfusion nicht. Dies entspricht einem Informationszuwachs von 23,5 % bei der Beurteilbarkeit der Vaskularisationsmuster in der Gruppe der benignen Lymphknoten. Bei den Lymphknotenmetastasen blieb diesbezüglich das Informationsdefizit weiterhin gleich. Es wurden 23,5 % der


43

benigne veränderten Lymphknoten als peripher und 70,6 % als zentral vaskularisiert beschrieben.

Abbildung 1: Zentraler Vaskularisationstyp vor KM-Gabe in der FKDS

Abbildung 2: Zentraler Vaskularisationstyp nach KM-Gabe in


44

Abbildung 3: Peripherer Vaskularisationstyp nach KM-Gabe in der FKDS

Abbildung 4: Peripherer Vaskularisationstyp nach KM-Gabe in

In der Gruppe der malignen Lymphknoten wurde ein vorher als rein peripher vaskularisierter Lymphknoten nun dem gemischten Typ zugeordnet. Ansonsten ergaben sich in dieser diagnostischen Gruppe nach Kontrastmittelapplikation in


45

der FKDS keine Unterschiede zur initialen Einteilung. Eine signifikante Unterscheidung der FKDS-Vaskularisationsmorphe nach Kontrastmittelgabe bei benignen und metastatisch befallenen Lymphknoten ergab sich weiterhin mit p < 0,0005.

Insgesamt konnte in der statistischen Aufarbeitung festgestellt werden, daß sich die Beurteilung der Vaskularisationsmorphologie weder der benignen Lymphknotenvergrößerungen (p = 0,0679) noch der Lymphknotenmetastasen (p = 0,6547) in der farbkodierten Dopplersonographie vor und nach Kontrastmittelapplikation signifikant unterscheidet (für alle Lymphknoten p = 0,2945).

5.3.8. Vaskularisationsmorphologie der Lymphknoten - vor Kontrastmittelgabe im Power-Doppler

Auch mit der Power-Doppler-Sonographie konnte vor Kontrastmittelgabe in 29,4 % der benignen und 4,3 % der malignen Lymphknoten unseres Patientenkollektivs keine Perfusionsbeurteilung erfolgen.

Bei den benignen Lymphknotenvergrößerungen fand sich in 47,1 % der Fälle ein zentraler Perfusionstyp. 17,6 % der benigne veränderten Lymphknoten zeigten ein peripheres Perfusionsmuster. Ein gemischtes Vaskularisationsbild wurde in keinem Fall beschrieben.

Die metastatisch befallenen Lymphknoten wiesen in 78,3 % der Fälle ein peripheres Vaskularisationsmuster auf. Ein zentral versorgter maligner Lymphknoten konnte nie beobachtet werden. In 17,4 % fanden sich in dieser Gruppe Lymphknoten mit einer gemischten Perfusion.

Insgesamt unterscheidet sich das im Power-Doppler-Verfahren vor Kontrastmittelapplikation dargestellte Perfusionsmuster bei benignen und malignen Lymphknoten in unserem Patientengut hochsignifikant (p < 0,0001).


46

5.3.9. Vaskularisationsmorphologie der Lymphknoten - nach Kontrastmittelgabe im Power-Doppler

In der Gruppe der benignen Lymphknotenvergrößerungen fand sich nach Kontrastmittelapplikation in 70,6 % ein zentraler Perfusionstyp. In den übrigen Fällen stellte sich ein peripheres Perfusionsmuster dar. Im Vergleich zur Nativuntersuchung konnten nun nach Kontrastmittelgabe alle Lymphknoten hinsichtlich ihrer Vaskularisationsmorphologie beurteilt werden.

Dies trifft auch auf die Gruppe der malignen Lymphknoten zu. Hier fand sich bei den untersuchten Lymphknotenvergrößerungen in 78,3 % ein peripherer, in 21,7 % ein gemischter Perfusionstyp. Eine zentrale Versorgung konnte weiterhin in keinem Fall dargestellt werden.

Nach Kontrastmittelapplikation stellte sich mit dem Power-Doppler-Verfahren ein signifikanter Unterschied hinsichtlich des Vaskularisationsmusters bei den benignen und den metastatisch bedingten Lymphknotenvergrößerungen in unserem Patientengut heraus (p < 0,0001).

Weder in der Gruppe der benignen Lymphknotenvergrößerungen (p = 0,1159) noch bei den Lymphknotenmetastasen (p = 0,7893) zeigte sich ein signifikanter Unterschied bezüglich der Bewertung der Vaskularisationsmorphologie vor und nach Kontrastmittelapplikation in der Power-Doppler-Sonographie (für alle Lymphknoten p = 0,1925).

Da mit dem Power-Doppler-Verfahren nach Kontrastmittelapplikation alle Lymphknoten hinsichtlich ihrer Vaskularisationsmorphologie beurteilbar waren und sich zudem ein hochsignifikanter Unterschied zwischen benignen und metastatisch befallenen Lymphknoten unter diesen Untersuchungsbedingungen zeigte, führten wir unter der Annahme, daß sowohl ein peripheres wie ein gemischtes Perfusionsmuster eindeutige Merkmale eines metastatisch befallenen Lymphknotens sein können, einen Kappa-Test durch. Wir stellten mit einem Kappa-Wert von 0,66766 eine gute Übereinstimmung der Diagnoseerstellung anhand der Vaskularisationsmorphologie mit der histopathologischen Diagnose fest.


47

Abbildung 5: Zentraler Vaskularisationstyp vor KM-Gabe im Power -

Abbildung 6: Zentraler Vaskularisationstyp nach


48

Abbildung 7: Peripherer Vaskularisationstyp vor KM-Gabe im Power -

Abbildung 8: Peripherer Vaskularisationstyp nach

In Tabelle 5 findet sich die Häufigkeitsverteilung der verschiedenen Vaskularisationsmuster für die Diagnosegruppen mit beiden dopplersonographischen Untersuchungsverfahren vor und nach Kontrastmittelapplikation.


49

Tabelle 5 : Vaskularisationsmorphologie der benignen und metastatisch

vor Kontrastmittelapplikation
  FKDS Power-Doppler
  VM 0 VM 1 VM 2 VM 3 VM 0 VM 1 VM 2 VM 3
Benigne Lymphknoten 5 (29 %) 9 (53 %) 3   5 (29 %) 8 (47 %) 3 1
Maligne Lymphknoten 1 1 19 (83 %) 2 1   18 (78 %) 4
nach Kontrastmittelapplikation
  FKDS Power-Doppler
  VM 0 VM 1 VM 2 VM 3 VM 0 VM 1 VM 2 VM 3
Benigne Lymphknoten 1 12 (71 %) 4     12 (71 %) 5 (29 %)  
Maligne Lymphknoten 1 1 18 (78 %) 3     18 (78 %) 5 (22 %)

VM 0 = nicht beurteilbare Vaskularisationsmorphologie

VM 1 = zentrales Vaskularisationsmuster

VM 2 = peripheres Vaskularisationsmuster

VM 3 = gemischtes Vaskularisationsmuster


50

5.3.10. Vaskularisationsmorphologie der Lymphknoten - Power-Doppler und FKDS im Vergleich

Der Vergleich der beiden dopplersonographischen Untersuchungsverfahren im Rahmen der statistischen Aufarbeitung der Daten ergab keinen signifikanten Unterschied: FKDS und der Power-Doppler beurteilten die Vaskularisationsmorphologie benigner (p = 0,3173) und metastatisch veränderter (p = 0,1797) sowie aller (p = 0,1088) Lymphknoten vor Kontrastmittelgabe nicht signifikant unterschiedlich. Dies konnte statistisch für die zwei Diagnosegruppen auch nach Kontrastmittelapplikation bestätigt werden (benigne Lymphknoten: p = 0,1797, maligne Lymphknoten: p = 0,1088). Wir stellten jedoch fest, daß die Vaskularisationsmorphologie aller Lymphknoten nach Kontrastmittelapplikation von der farbkodierte Dopplersonographie und der Power-Doppler-Sonographie signifikant unterschiedlich beurteilt wurde (p < 0,05).

Tabelle 6: Deskriptive diagnostische Gütemerkmale und Vorhersagewerte für die

  vor Kontrastmittelapplikation nach Kontrastmittelapplikation
  FKDS Power-Doppler FKDS Power-Doppler
Positiver Vorhersagewert 87,5 % 84,6 % 84 % 82 %
Negativer Vorhersagewert 90 % 100 % 92,3 % 100 %
Sensitivität 95,5 % 100 % 95,5 % 100 %
Spezifität 75 % 66,7 % 66,7 % 70,6 %
Fehler 1. Ordnung 25 % 33 % 33 % 29,4 %
Fehler 2. Ordnung 0,5 %   0,5 %  


51

Wir berechneten die unterschiedlichen deskriptiven diagnostischen Gütemerkmale und entsprechenden Vorhersagewerte für die beiden dopplersonographischen Verfahren vor und nach Kontrastmittelapplikation unter der Hypothese, daß ein peripheres sowie ein gemischtes Perfusionsmuster Malignitätszeichen darstellen und ein zentraler Vaskularisationstyp Zeichen für die Benignität einer Lymphknotenvergrößerung ist. Die entsprechenden Werte finden sich in siehe .

5.3.11. Subjektive Beurteilung der Darstellungsqualität nach Kontrastmittelapplikation im Power-Doppler und in der FKDS

Der subjektiv als positiv beurteilte Effekt des Kontrastmittels war in der farbkodierten Dopplersonographie signifikant größer bei den metastatisch befallenen Lymphknoten als bei den benigne bedingten Lymphknotenveränderungen (p < 0,05). Mit dem Power-Doppler-Verfahren ergab sich in dieser Hinsicht kein signifikanter Unterschied (p = 0,8300).

Weiterhin zeigte sich, daß der Kontrastmitteleffekt im Sinne einer subjektiven Zunahme der Darstellungsqualität im Power-Doppler bei allen Lymphknoten signifikant als größer beurteilt wurde als in der farbkodierten Dopplersonographie (p < 0,005). Getrennt für die beiden Diagnosegruppen zeigt sich dieses in der Gruppe der benigne bedingten Lymphknotenveränderungen signifikant (p < 0,01), während bei den Lymphknotenmetastasen kein signifikanter Unterschied (p = 0,1159) bei der Beurteilung des Kontrastmitteleffekts im Vergleich der beiden Untersuchungsverfahren zu verzeichnen war.


52

5.4. Sonographie - Zusammenfassung der Untersuchungs-ergebnisse

Die unter Einbeziehung aller Ergebnisse der angewandten unterschiedlichen sonographischen Untersuchungsverfahren ermittelten Diagnosen hinsichtlich der Dignität der metastasenverdächtigen Lymphknotenvergrößerungen wurden mit den von der Histopathologie festgestellten Resultaten verglichen. Es ergab sich für die Sonographie eine Sensitivität bezüglich der richtigen Dignitätsbestimmung der Lymphknoten von 100 %, eine Spezifität von 70,6 %. Die fälschlicherweise als maligne bezeichneten Lymphknoten gab es in 29,4 %. Ein Fehler 2. Ordnung zeigte sich nicht. Der positive Vorhersagewert bezüglich eines metastatisch befallenen Lymphknotens lag bei 80 % während sich ein negativer Vorhersagewert von 100 % fand.

Ein Kappa-Wert von 0,72180 zeigte eine "gute Übereinstimmung" zwischen der Methode Sonographie und Pathologie in unserer Studie.

Tabelle 7 stellt die genauen Häufigkeitsverteilungen der in der Sonographie und in der Pathologie vergebenen Diagnosen im einzelnen dar.

Tabelle 7: Vergleich der sonographischen und der histopathologischen Diagnosen

 

sonographisch benigne Lymphknoten

sonographisch maligne Lymphknoten

 

Pathologisch benigne Lymphknoten

12

5

17 (45,9 %)

Pathologisch maligne Lymphknoten

 

20

20 (54,1 %)

 

12 (32,4 %)

25 (67,6 %)

37


53

Für benigne und maligne Lymphknoten wurden die von uns nach der sonographischen Diagnostik erstellten Resultate und ihre Übereinstimmung mit den histopathologischen Diagnosen betrachtet. Getrennt nach der Diagnosebestimmung anhand der gefundenen signifikanten Hauptkriterien "Größe", "Form" und "Vaskularisationsmorphologie im Power-Doppler nach Kontrastmittelapplikation" berechneten wir die deskriptiven diagnostischen Gütemerkmale beim Zusammentreffen einer runden Lymphknotenform und einem peripheren oder gemischten Vaskularisationstyp als typische Zeichen für eine Lymphknotenmetastase sowie beim gemeinsamen Auftreten einer ovalären Lymphknotenform mit einem zentralen Gefäßversorgungstyp als typisch für einen benigne veränderten Lymphknoten. Ein Volumen von 2000 mm3 wurde von uns dabei als oberer Grenzwert für benigne vergrößerte Lymphknoten gewählt.

Tabelle 8 zeigt die sich unter diesen Voraussetzungen ergebenden diagnostischen Gütemerkmale für die Sonographie im Vergleich mit den histopathologischen Ergebnissen.

Der in diesem Zusammenhang berechnete Kappa-Wert zeigte mit 0,67062 ebenfalls eine gute Übereinstimmung zwischen der so erstellten sonographischen und der histopathologischen Diagnose.

Tabelle 8: Gütemerkmale der sonographischen Diagnose, wobei von den drei

 

Sensitivität

Spezifität

positiver Vorhersagewert

negativer Vorhersagewert

Sono-Diagnose (Kriterien s.u.)

90 %

76,5 %

81,8 %

86,7 %


54

5.5. Magnetresonanztomographie - Vergleich mit der sonographischen und der histopathologischen Diagnose

Als Referenzmethode bei der Lokalisation der interessierenden Lymphknoten diente die magnetresonanztomographische Untersuchung.

Bei der Diagnosestellung stellten wir hierbei mit einem Kappa-Wert von 0,62500 ebenfalls eine gute, im Vergleich mit der Sonographie jedoch schlechtere, Übereinstimmung mit der histopathologischen Diagnose fest.

Der Vergleich der Sonographie mit der MRT ergab eine mäßige Übereinstimmung der beiden Untersuchungsverfahren (Kappa-Wert 0,55319). Hierbei ist zu erwähnen, daß der beurteilende Arzt bei zwei der benigne bedingten Lymphknotenvergrößerungen ein malignes Lymphom diagnostizierte. Wir ordneten diese Fälle zur besseren statistischen Auswertung den als maligne bezeichneten Lymphknoten zu. Ein Informationsverlust oder eine Verfälschung der Ergebnisse konnte sich dadurch nicht ergeben.

Die diagnostischen Gütemerkmale sowie die Vorhersagewerte für die MRT sind in Tabelle 9 erfaßt.

Tabelle 9: Deskriptive diagnostische Gütemerkmale und Vorhersagewerte für die

 

Sensitivität

Spezifität

positiver Vorhersagewert

negativer Vorhersagewert

MRT-Diagnose

94,4 %

66,7 %

77,3 %

90,9 %


[Titelseite] [Abkürzungsverzeichnis] [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [Bibliographie] [Selbständigkeitserklärung] [Danksagung] [Lebenslauf]

© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.

DiDi DTD Version 1.1
a subset from ETD-ML Version 1.1
Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML - Version erstellt am:
Mon Nov 9 12:14:09 1998