Tittel, Anja: Thema: Diagnostik vergrößerter Halslymphknoten mit der farbkodierten Dopplersonographie und dem Power-Doppler nativ sowie nach Applikation eines neuen Ultraschallkontrastmittels

82

Kapitel 7. Zusammenfassung

Bildgebende Verfahren werden im MKG- und HNO-Bereich häufig im Rahmen des TNM-Stagings vom Malignomen dieser Regionen, in 90 % Plattenepithelkarzinome, eingesetzt. Cervicale Lymphknotenvergrößerungen kommen bei diesen Patienten einerseits in ca. 92 % als reaktive, benigne Lymphknotenveränderungen im Abflußgebiet des Primärtumors vor, andererseits können sie metastatisch befallen sein und damit die weitere Therapie und die Prognose der Patienten entscheidend beeinflussen.

Im Rahmen der Differentialdiagnostik konnten mit der B-Bild-Sonographie bislang Kriterien, jedoch keine eindeutigen Malignitätszeichen etabliert werden. Die Darstellung der intranodalen Gefäßsituation ändert sich im Verlauf der Lymphknotenmetastasierung von einer zentralen Gefäßversorgung in ein peripheres Muster. Mit der FKDS blieb die Darstellung dieser Veränderungen bislang unbefriedigend. Die Power-Doppler-Sonographie ermöglicht aufgrund der andersartigen Weiterverarbeitung der hierbei aus der Amplitude des Dopplerspektrums gewonnenen Signale eine genauere Darstellung der Perfusionsverhältnisse auch bei schwierigeren Untersuchungsbedingungen.

Wir untersuchten in unserer Studie die Möglichkeiten, die sich mit der farbkodierten Dopplersonographie und der Power-Doppler-Sonographie nativ und nach Applikation eines neuen stabileren und lungengängigen Ultraschallkontrastmittels für die Diagnostik malignitätsverdächtiger cervicaler Lymphknotenvergrößerungen ergeben.

Zur Beantwortung dieser Fragestellung untersuchten wir 40 Patienten mit malignitätsverdächtigen Halslymphknoten, davon 34 Patienten mit histologisch gesichertem Plattenepithelkarzinom im MKG- oder HNO-Bereich und vorliegenden metastasenverdächtigen cervicalen Lymphknotenvergrößerungen. Jeweils ein Lymphknoten wurde im B-Bild bezüglich seiner Form, Größe, Morphologie und Kapselintegrität beurteilt, bezüglich der Widerstandsindices seiner Gefäße sowie seines Vaskularisationsgrades und der Morphologie seiner Perfusion in der FKDS und im Power-Doppler vor und nach Applikation des Ultraschallkontrastmittels


83

Levovist® (Schering AG, Berlin) . Zur Dignitätsfeststellung erfolgte die Exstirpation und histopathologische Untersuchung des Lymphknotens.

Wir stellten fest, daß Lymphknotenmetastasen in unserem Patientengut signifikant größer (p < 0,05) als reaktiv vergrößerte Lymphknoten waren und signifikant häufiger eine rundliche als eine ovaläre Form aufwiesen (p < 0,05). Korrelationen von B-Bild-morphologischen Kriterien wie Echogenität und Binnenstrukturhomogenität oder -inhomogenität mit der Lymphknotendignität ergaben sich nicht.

Der Vaskularisationsgrad (nicht detektierbare Perfusion, Hyper- oder Hypovaskularisation) kann nach unseren Ergebnissen ebenfalls nicht zur Feststellung der Dignität der Lymphknotenvergrößerung genutzt werden - unabhängig von der Untersuchung mit der FKDS oder dem Power-Doppler vor oder nach Kontrastmittelapplikation.

Signifikante Korrelationen zeigten sich in der farb- (nativ: p < 0,0001, nach Kontrastmittel: p < 0,0005) und power-dopplersonographischen (nativ: p < 0,0001, nach Kontrastmittel: p < 0,0001) Untersuchung für die Vaskularisationsmorphologie und die Lymphknotendignität. Ein zentraler Vaskularisationstyp kann nach unseren Ergebnissen als Benignitätszeichen, ein peripheres oder gemischtes Perfusionsmuster als Malignitätszeichen gewertet werden.

Die beiden dopplersonographischen Untersuchungsverfahren unterschieden sich nach Kontrastmittelapplikation signifikant (p < 0,05) bezüglich der Beurteilung der Vaskularisationsmorphologie. Während im Nativbild bei beiden Untersuchungsverfahren in einigen Lymphknoten keine Perfusion detektiert werden konnte oder eine Beurteilung bei Hypovaskularisation nicht eindeutig möglich war, konnten nach Kontrastmittel im Power-Doppler alle Lymphknoten bezüglich ihres Perfusionsmusters eingeordnet werden. Die FKDS zeigte nach Kontrastmittelapplikation weniger gute Ergebnisse, so daß nach unserer Studie der Power-Doppler mehr von der Kontrastmittelanwendung zu profitieren scheint.

Für eine Strategieerarbeitung innerhalb der Diagnostik metastasenverdächtiger Lymphknoten empfehlen wir nach unseren Ergebnissen zum einen die Betrachtung der Größe und Form der Lymphknoten in der B-Bild-Sonographie und zum


84

anderen die Beurteilung der Vaskularisationsmorphologie in der FKDS und im Power-Doppler. Im Fall einer nicht detektierbaren Perfusion oder eines bei Hypovaskularisation nicht beurteilbaren Perfusionsmusters sollte die Applikation von Ultraschallkontrastmittel und die Darstellung mit der Power-Doppler-Sonographie erfolgen. Zusätzliche Kriterien stellen die Messung der Widerstandsindices sowie die Beurteilung der Kapselintegrität dar.
[Titelseite] [Abkürzungsverzeichnis] [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [Bibliographie] [Selbständigkeitserklärung] [Danksagung] [Lebenslauf]

© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.

DiDi DTD Version 1.1
a subset from ETD-ML Version 1.1
Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML - Version erstellt am:
Mon Nov 9 12:14:09 1998