Wandner , Hendrik: Thema: ”Computergestützte Dokumentation von Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten“

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Kapitel 2. ZIELSTELLUNG DES PROJEKTS

Aufgrund des interdisziplinären Charakters der Therapie von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten ist eine einheitliche Dokumentation aller beteiligten Fachgebiete anzustreben. Von hoher wissenschaftlicher Bedeutung sind die Möglichkeit des Datenaustausches sowie die Komplexität der Dokumentation, insbesondere bei der Therapieoptimierung und Ätiologieforschung.

Bestehende Dokumentationssysteme genügen diesen Anforderungen nur unzureichend. Sie tragen nur bedingt dem interdisziplinären Behandlungskonzept Rechnung (HNO-Heilkunde und Kieferorthopädie meist unberücksichtigt) und weisen kaum Aspekte der Ätiologieforschung auf.

Besonders für retrospektive Analysen sollen im Hinblick auf ätiologische Fragen zu exogenen Ursachen und Heredität, Therapieplanung und Operationsergebnissen neue Akzente gesetzt werden. Dabei werden wissenschaftliche Ansprüche berücksichtigt. Es wird eine Perspektive geboten, aufwendige konventionelle Krankenakten auf ein Mindestmaß zu reduzieren.

Weiteres Ziel ist die Vermeidung von doppelter Dokumentation. Für klinische und poliklinische Anwendungen ist das eine wirksame Hilfe.

Um statistisch gesicherte Aussagen treffen zu können, sind hohe Stichprobenzahlen und definierte Kriterien erforderlich. Im besonderen Fall der Lippen-Kiefer-Gaumenspalten ist noch die lange Behandlungsdauer bzw. lange Zeit bis zur endgültigen Ergebnisbeurteilung hinsichtlich der Informationsspeicherung zu berücksichtigen. Die Programmbedienung muß auch für Laien leicht erlernbar sein (Windows). Bis jetzt existierende Systeme auf Clipper- und d-Base-Basis (Rinker et al, Engelke, Rivoalan) bieten diesen Vorteil nicht.

Die zügige Befundaufnahme im Sprechstundenbetrieb ist zu gewährleisten. Daher wird auf geeignete Hilfsmittel moderner Datenbankführung zurückgegriffen. Programmeigene Befehle sollen nicht für die Bedienung erforderlich sein. Dazu soll die Verwendung von


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Menüsteuerung, fester Eingabeformeln und anderer Eingabeerleichterungen dienen. Ebenso ist die Klartexteingabe für andere Benutzungen zu gewährleisten.

Sachkriterien für bestimmte Daten (z.B. zur Diagnose der Spaltform oder für exogene Einflußfaktoren in der Frühschwangerschaft) zu verknüpfen und so gewissermaßen eine Suche nach Fällen mit allen erdenklichen Befundkombinationen zu ermöglichen, ist Ziel der geplanten umfassenden Analysemöglichkeiten.

Alle zusammenarbeitenden Fachrichtungen sollen das Dokumentationssytem im Sinne einer vereinheitlichten Befundsammlung nutzen können. Besondere Spezifikationen, die sich gegebenenfalls im Laufe der Anwendung erforderlich machen, müssen ohne großen Aufwand integrierbar sein.

Auch die Bildbearbeitung und Bildspeicherung ist als neuer Dokumentationspunkt vorgesehen. Sie ermöglicht die Herstellung, die Abspeicherung, den Ausdruck sowie die Bearbeitung von Bilddokumenten. Das können sowohl Fotografien als auch Röntgenbilder, CT- oder MRT- Aufnahmen sein. Bisher wurden herkömmliche Fotografien angefertigt, die in konventionellen Akten abgelegt bzw. als Diapositive aufbewahrt wurden. Die Verwaltung und Auswertung dieser Bilder ist somit nur sehr aufwendig möglich. Des weiteren wird die interdisziplinäre Zusammenarbeit erschwert.

Die umfassende und komplexe Betreuung hat auch die Aufgabe, dem Patienten dieses aufwendige Therapiekonzept zu vermitteln, damit er sich optimal mit modernsten Methoden von Wissenschaft und Technik behandelt fühlt. Das erhöht auch die Compliance und hat weiterreichende Wirkungen auf seine psychosoziale Situation.


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