Wandner , Hendrik: Thema: ”Computergestützte Dokumentation von Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten“

Kapitel 3. MATERIAL UND METHODEN

Zunächst wurde der aktuelle Wissensstand über computergestützte Dokumentationssysteme für Spaltträger analysiert. Dazu waren umfangreiche Literaturrecherchen mit Hilfe des Med-Line-Systems


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durchzuführen (Hauptschlüsselwörter: cleft lip palate, classifikation, computed methods, computer assisted, computergraphics, computersimulation, computersupported documentation, computersystem, database, data collection methods, documentation, imageprocessing, informatics, information systems, medical records, registration).

Die Anwendung von Datenbanksystemen für Spaltbefunde ist eng mit Klassifikationsfragen verknüpft, weshalb dieser Problematik auch ein hoher Stellenwert eingeräumt wurde. Davon ausgehend war ein geeignetes Klassifikationssystem zu finden, das sich durch Prägnanz, Detailtreue, Anwendbarkeit in der EDV und Praktikabilität in der Sprechstundenroutine auszeichnet.

Ausgehend von den Erfahrungen anderer Anwender und an der Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie/Plastische Operationen der Charité, waren die für wissenschaftliche Zwecke erforderlichen Informationen über Anamnese, Heredität, mögliche ätiologische Faktoren und Befunde des Spaltträgers im Verlauf der Therapie zu bestimmen. Besondere Überlegungen und Recherchen waren erforderlich, um insbesondere diese inhaltlichen Aspekte der Dokumentation hinsichtlich Detailgenauigkeit, Wesentlichkeit und Eignung für die elektronische Datenverarbeitung zu prüfen. Dabei waren die Übereinkünfte des interdisziplinären Arbeitskreises Lippen-Kiefer-Gaumenspalten zu Anforderungen für die Minimaldokumentation eine wertvolle Hilfe (Härle 1989, Ackermann 1990, Rinker 1992). Vor der Aufnahme in die Datenbank mußten sich die Befundkategorien hinsichtlich eines Kompromisses zwischen umfassender Informationssammlung und Wesentlichkeit einer nochmaligen gewissenhaften Prüfung unterziehen.

Als geeignetes System zur Sammlung, Speicherung und Auswertung solch komplex strukturierter Daten stellte sich ein relationales Datenbankmanagementsystem (RDMS) heraus. RDMS dienen der Verwaltung von Daten verschiedener Formate (Zahlen, Zeichen, Datum, Objekte) in Tabellen mit Zeilen und Spalten. Der Zugriff auf diese


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Informationen geschieht entweder direkt über die Tabelle oder über spezielle Ein- und Ausgabemasken. Bei Letzteren ist eine graphisch und inhaltlich anspruchsvollere und genauere Eingabe möglich, die auch für den Benutzer anschaulicher ist. Insbesondere Laien können mit vorgegebenen Masken, die wie herkömmliche Formulare verstanden werden können, ohne spezielle Vorkenntnisse die Datenbank bedienen. Aus Eingabebereichen der Masken werden die Daten durch das Maskenprogramm automatisch in die richtigen Tabellenfelder abgelegt bzw. von dort aufgerufen.

Auf dem Markt befindet sich eine Vielzahl von Datenbankmanagementsystemen mit ähnlichen Eigenschaften: Access, d-Base, Delphi, FoxPro, Visual FoxPro. Sie weisen z.T. erhebliche Unterschiede im Preis auf. Außerdem sollte das System unter der gängigen Benutzeroberfläche Windows funktionsfähig sein. Wegen des angemessenen Preis-Leistungs-Verhälnisses bei vergleichbar guter und für unsere Zwecke ausreichender Leistungsfähigkeit fiel die Wahl auf FoxPro für Windows.

Auf dieser Basis wurde eine sogenannte Anwendung erstellt. Es handelt sich hierbei um eine Zusammenfassung aller zur Bedienung und Steuerung der Datenbank verwendeten Elemente in einem Programm, das so kompiliert werden kann, daß es auch funktioniert, wenn kein FoxPro auf dem betreffenden Computer installiert ist. Doch wird dann die Erstellung von Berichten (Ergebnisse der Datenbankauswertung) unter bestimmten Aspekten erschwert.

Abfragen (Zugreifen auf bestimmte Informationen) und Berichte (Reports) können nach individuellen Ansprüchen erstellt werden. Es werden dann nur bestimmte Datensätze bzw. Auszüge davon gezeigt. Darin liegt der Schlüssel der Datenverwaltung und Datenauswertung.

Mit Hilfe der RQBE-Funktion (relational query by example- Abfragen relationaler Tabellen am Beispiel) können alle erdenklichen Sachkriterien verknüpft werden. Relational bezeichnet dabei die Fähigkeit des Programms, die zur Abfrage benötigten Tabellendateien miteinander zu verknüpfen.


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Die Abfragekriterien können beliebige Elemente aller in der Anwendung befindlichen Datensätze sein. So ist es beispielsweise möglich, alle Patienten mit einseitiger isolierter Gaumenspalte männlichen Geschlechts auflisten zulassen oder alle Patienten deren Mütter während der Schwangerschaft Antiepileptika einnahmen oder alle Patienten mit einer totalen einseitigen Lippen-Kiefer-Gaumenspalten mit einer Gaumenspaltbreite >3mm, bei denen außerdem eine Velopharygoplastik notwendig war. Selbst ausgefallene Kombinationen von Kriterien sind möglich. Das erfordert eine möglichst definierte Gestaltung der Datenfelder bezüglich des möglichen Inhalts, damit bei jedem Patienten vergleichbare Formate vorhanden sind. Die Ergebnisse einer Abfrage können mit Hilfe der Berichtsfunktion in übersichtlicher Form ausgedruckt werden.

Um die Handhabung der erwähnten Eingabemasken zu vereinfachen, wird ein Menüsystem verwendet. Es handelt sich dabei um eine Leiste mit Menüpunkten am Oberrand des Bildschirms. Dort werden die Masken inhaltlich gegliedert, und sie können beliebig aufgerufen und geschlossen werden. Zusätzlich ist eine Funktion zum Beenden des Programms erforderlich.

Für FoxPro sind ca. 10 MB Festplattenkapazität erforderlich. Das anwendungsbereite Programm benötigt ca. 4 MB. Voraussetzung für die Integration des Dokumentationssystems in ein Computernetzwerk ist die physische Vernetzung der betreffenden Computer sowie ein Netzwerkprogramm. Dabei bietet sich Windows für Workgroups besonders an, da die meisten Anwender ohnehin bereits mit Windows arbeiten und FoxPro unter Windows arbeitet.

Um das Anwendungsprogramm praxisnah zu testen, wurde ein Probelauf im Rahmen der Sprechstunde für Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten an der Universitätspoliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie/Plastische Operationen der Charité durchgeführt. Dabei gelangten 56 Patienten aller Altersgruppen und beider Geschlechter (14 weiblich, 42 männlich) zur Auswertung. Es wurde keine Selektion hinsichtlich anamnestischer Daten, Diagnose oder Therapie vorgenommen.


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