Wandner , Hendrik: Thema: ”Computergestützte Dokumentation von Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten“

Kapitel 6. ZUSAMMENFASSUNG

Es wurde eine Datenbankmanagementsystem-Anwendung entwickelt zur Dokumentation von Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten. Ziel des Computerprogramms ist, anhand großer Patientenzahlen weitere statistisch abgesicherte Daten zu Heredität, anderen ätiologischen Faktoren, Epidemiologie und Therapiebewertung zu gewinnen. Besonderes Augenmerk wurde auf Angaben zu möglichen ursächlichen Faktoren der Spaltentstehung gelegt.

Die Auswertung großer Patientenkollektive (seit 1948 wurden etwa 3000 Spaltträger an der Charité behandelt) im objektiven Vergleich mit anderen Behandlungszentren kann zur Therapieoptimierung beitragen.


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Zur Analyse werden die funktionellen und aesthetischen Behandlungsresultate in Abhängigkeit vom Therapieverfahren eingeschätzt. Die Gesamtbehandlung erstreckt sich über 20 Jahre. Eine endgültige Ergebnisbeurteilung kann erst nach dieser Zeit erfolgen.

Es muß von einer großen Variationsbreite der Behandlungsmodelle ausgegangen werden. Diese müssen an großen Patientenkollektiven statistisch in ihrem Erfolg abgesichert werden.

Das steht im Konsens mit den Empfehlungen des interdisziplinären Arbeitskreises Dokumentation der Arbeitsgemeinschaft Lippen-Kiefer-Gaumenspalten der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Hinweise dieses Arbeitskreises wurden in allen Bereichen des Computerprogrammes berücksichtigt.

Die Anwendung wurde auf Basis der relationalen Datenbankmanagementsysteme FoxPro für Windows 2.6. und Visual FoxPro entwickelt. Sie ist auch für Laien leicht zu erlernen. Das Programm zeichnet sich durch einfache Bedienbarkeit und schnelle Datenerfassung aus. Es ist als detaillierte Erfassung konzipiert. Verschiedenartige Eingabeerleichterungen sind integriert. Bestimmte Eingabefehler werden durch festgelegte Eingabeformate von vornherein vermieden. Die Datenerfassung ist weitgehend standardisiert und skaliert. Die Befundkategorien entsprechen den Hinweisen des interdisziplinären Arbeitskreises Dokumentation der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.

Voraussetzung für diese Eigenschaften, die in ihrer Gesamtheit einen Fortschritt im Vergleich zu vorgenannten anderen Systemen darstellen, war die rasante Entwicklung der Hard- und Softwaretechnik. Wir haben versucht, die neuen Möglichkeiten für unsere Zwecke zu nutzen. Mit der von uns entwickelten computergestützten Dokumentation ist es problemlos möglich, die Datenfülle zu bewältigen. Schon für den einzelnen Patienten besteht durch die vielen beteiligten Fachgebiete, diverse Behandlungsmaßnahmen und wiederholte Kontrolluntersuchungen ein beachtlicher Dokumentationsbedarf. Bei den für die statistische Auswertung nötigen hohen Patientenzahlen resultieren tausende Datensätze.


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Der erreichte Stand ist nicht endgültig. Das Programm kann ständig weiterentwickelt und angepaßt werden.

Bezugnehmend auf andere Systeme soll der interdisziplinäre Charakter noch einmal betont werden. Dafür spricht unter anderem die Netzwerkkompatibilität. Spaltchirurgie ist eng mit der Kieferorthopädie, der HNO-Heilkunde, Pädiatrie, Logopädie sowie der konservierenden Zahnheilkunde verbunden. In deren Wechselspiel ergibt sich eine gegenseitige Beeinflussung. Das findet Berücksichtigung bereits im anamnestischen Bereich, setzt sich bei der Diagnose und Befunddokumentation fort. Auch die Menügestaltung ist darauf abgestimmt.

Die Wechselwirkung der beteiligten Fachgebiete zu optimieren, ist das Ziel der Auswertung großer Patientenkollektive. Die RQBE-Funktion (relationale Abfrage am Beispiel) bietet dazu ausgezeichnete Voraussetzungen. Selbst größte Patientenkollektive können nach beliebigen Kriterien und deren Verknüpfung in beeindruckender Schnelligkeit ausgewertet werden. Voraussetzung ist die exakte Erfassung mit Hilfe der Eingabemasken.

Die Anwendung moderner Erfassungssysteme und insbesondere die Archivierung und Bearbeitung visueller Befunde besitzt nicht nur wissenschaftlichen Wert in ihrer Auswertung oder der Therapieplanung, sondern kann im Praxisbetrieb motivierende Wirkung auf den Patienten haben. Er fühlt sich optimal mit modernsten Mitteln der Technik betreut, was die Compliance erhöhen kann. Die eingehende Beschäftigung mit seinen Befunden beziehungsweise mit den Eltern bezüglich der Krankengeschichte vermittelt dem Einzelnen, daß sein Schicksal nicht nur für ihn wichtig ist, sondern sich in die Gesamtheit der Bemühungen einordnet, die Prävention und Therapie der Spaltbildungen zu verbessern.


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Thu Dec 16 17:32:12 1999