6 Ergebnisse

↓28

Die wichtigsten Ergebnisse dieser Studie waren:

↓29

6.1  Basischarakteristika

An vorliegender Studie nahmen mehr Männer als Frauen teil (62,6% vs. 37,4%).

In Bezug auf das Alter gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen Männern und Frauen (s. Tabelle 2).

↓30

Männer hatten ein signifikant höheres Körpergewicht und einen signifikant größeren Body Mass Index als Frauen (s. Tabelle 2).

Hinsichtlich der Häufigkeit des Lebens in einer Partnerschaft gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen Männern und Frauen (42%vs. 42,8%).

Frauen mit gefährdendem Konsum waren signifikant älter als diejenigen in der Kontrollgruppe (27 Jahre vs. 32 Jahre (Median)) (s. Tabelle 2).

↓31

Bezüglich der Unfallschwere, gemessen am ISS gab es weder Unterschiede zwischen den Geschlechtern noch zwischen Patienten mit gefährdendem Konsum und Patienten der Kontrollgruppe. Es handelt sich bei unseren Patienten fast ausnahmslos um Leichtverletzte (ISS- Punkte: 1 (1; 1) in allen Gruppen, maximaler Wert: 0 Punkte) (s. Tabelle 2).

Tabelle 2: Basischarakteristika

Gesamt

p-Wert

Gefährdender Konsum

Kontrolle

p-Wert

N =

Männer

1205

(62,5%)

211

(17,5%)

994

(82,5%)

< 0,01*

Frauen

722

(37,5%)

49

(6,8%)

673

(93,2%)

Alter ( Jahren)

Männer

32

(25-40)

0,19

32

(24-43)

33

(25-39)

0,57

Frauen

32

(24-44)

27

(22-36)

32

(24-45)

<0,01*

Body mass index (kg/m2)

Männer

23,7

(21,8-26,0)

0,042*

23,7

(22,0-26,0)

23,7

(21,8-26,0)

0,96

Frauen

22,3

(20,3-25,1)

23,3

(19,8-25,2)

23,3

(20,3-25,1)

0,63

Gewicht (kg)

Männer

78

(71-85)

<0,01*

79

(70-85)

78

(71-86)

0,86

Frauen

63

(57-70)

62

(55-68)

63

(57-70)

0,38

Injury severity scores (Punkte)

Männer

1

(1-1)

0,16

1

(1-1)

1

(1-1)

0,15

Frauen

1

(1-1)

1

(1-1)

1

(1-1)

0,92

Häufigkeiten(%), Medianwerte und (25-75%)-quartilen, * = signifikant, Gefährdender Konsum = Abhängigkeit oder schädlicher Gebrauch nach ICD-10 oder hochriskantem Alkoholkonsum nach WHO 2000.

6.2 Soziodemographische Daten

Zwischen den Geschlechtern bestanden signifikante Unterschiede bezüglich verschiedener soziodemographischer Merkmale. So waren Männer häufiger berufstätig oder arbeitslos und seltener Rentner bzw. Student als Frauen. Frauen hatten signifikant häufiger eine Hochschulreife als Männer(s. Tabelle 3).

↓32

Während bei den Frauen der Anteil an Abiturientinnen in der Kontrollgruppe (52,2%) und in der Gruppe mit gefährdendem Konsum (51%) nahezu gleich war, gab es bei den Männern in der Kontrollgruppe einen signifikant höheren Anteil an Patienten mit Hochschulreife als in der Gruppe mit gefährdendem Konsum (36,0% vs. 44,5%) (s. Tabelle 3).

Männer mit gefährdendem Konsum hatten eine höhere Wahrscheinlichkeit arbeitslos oder berentet und eine geringere Wahrscheinlichkeit berufstätig zu sein als Männer der Kontrolle (s. Tabelle 3).

Patienten beider Geschlechter mit gefährdendem Konsum (s. Kapitel 5.6) hatten häufiger keine Partnerschaft als Patienten der Kontrollgruppe.

↓33

Tabelle 3: Soziodemographische Daten

Gesamt

p-Wert

Gefährdender Konsum

Kontrolle

p-Wert

N =

Männer

1205

(62,5%)

211

(17,5%)

994

(82,5%)

< 0,01*

Frauen

722

(37,5%)

49

(6,8%)

673

(93,2%)

Berufstätig(%)

Männer

66%

<0,01*

53,6%

69,0%

<0,01*

Frauen

59%

46,9%

60,0%

0,07

Nicht berufstätig: arbeitslos (%)

Männer

9,6%

<0,01*

19,0%

7,7%

<0,01*

Frauen

5,3%

8,2%

5,1%

0,35

Student (%)

Männer

19,9%

<0,01*

19,0%

19,1%

0,96

Frauen

26,1%

32,7%

25,3%

0,25

Rentner (%)

Männer

3,7%

<0,01*

6,6%

3,0%

0,015*

Frauen

8,9%

8,2%

8,9%

0,86

Hochschulreife ”Abitur” (%)

Männer

43,0%

<0,01*

36,0%

44,5%

0,014*

Frauen

52,1%

51,0%

52,2%

0,88

In Partnerschaft/ Ehe lebend (%)

Männer

42,0%

0,73

33,6%

43,8%

<0,01*

Frauen

42,8%

22,4%

44,3%

<0,01*

Häufigkeiten(%), Medianwerte und (25-75%)-quartilen, * = signifikant, Gefährdender Konsum = Abhängigkeit oder schädlicher Gebrauch nach ICD-10 oder hochriskantem Alkoholkonsum nach WHO 2000.

6.3 Alkoholrelevante Daten

Hinsichtlich der erfassten alkoholrelevanten Daten (Ergebnisse des AUDIT, Prävalenz von schädlichem Gebrauch und Abhängigkeit, wöchentliche Trinkmenge) gab es signifikante Unterschiede sowohl zwischen Männern und Frauen als auch zwischen der Gruppe mit gefährdendem Konsum und der Kontrollgruppe.

Der Kontrollgruppe konnten 1667 Patienten (994 Männer und 673 Frauen) zugeordnet werden. Einen gefährdenden Konsum betrieben 211 Männer und 49 Frauen. Der Anteil der Männer mit gefährdendem Alkoholkonsum (17,5%) war mehr als doppelt so hoch wie der der Frauen (6,8%).

↓34

Die Prävalenz von schädlichem Gebrauch (F10.1) und Alkoholabhängigkeit (F10.2) nach ICD-10 (s. Kapitel 5.4.1) sowie von hochriskantem Alkoholkonsum nach WHO 2000 (s. Kapitel 5.4.2) war bei den männlichen Patienten signifikant höher als bei den weiblichen Patienten (s. Tabelle 4).

Außerdem war der Alkoholkonsum der Männer mit 113,3 g/ Woche (Median) mehr als dreimal so hoch wie derjenige der Frauen (34,7g/ Woche). Bei beiden Geschlechtern war die Trinkmenge in der Gruppe mit gefährdendem Konsum signifikant größer als in der Kontrolle (s. Tabelle 4).

Tabelle 4: Alkoholrelevante Daten

Gesamt

p-Wert

Gefährdender Konsum

Kontrolle

p-Wert

N =

Männer

1205

(62,5%)

211

(17,5%)

994

(82,5%)

< 0,01*

Frauen

722

(37,5%)

49

(6,8%)

673

(93,2%)

Schädlicher Gebrauch (F 10.1)

Männer

7,2%

<0,01*

41,2%

Abhängigkeit (F10.2)

4,9%

28,0%

Schädlicher Gebrauch (F 10.1)

Frauen

2,5%

36,7%

Abhängigkeit (F 10.2)

1,0%

14,3%

Hochriskanter Konsum

(WHO 2000)

Männer

9,7%

<0,01*

55,5%

Frauen

4,3%

63,3%

Alkoholtrinkmenge g/ Woche

Männer

113

(28-252)

<0,01*

450

(280-640)

81

(20-172)

<0,01*

Frauen

35g

(5,6-112)

319

(125-413)

28

(3-84)

<0,01*

AUDIT (Punkte)

Männer

4

(3-8)

0,01*

12

(7-18)

4

(2-6)

<0,01*

Frauen

2

(1-4)

9

(6-13)

2

(1-4)

<0,01*

Häufigkeiten, Medianwerte und (25-75%)-quartilen; * = signifikant; Gefährdender Konsum = Abhängigkeit oder schädlicher Gebrauch nach ICD-10 oder hochriskantem Alkoholkonsum nach WHO 2000.

6.3.1  AUDIT

↓35

Männer erreichten höhere Punktwerte im AUDIT als Frauen (Median 4(3-8) vs. 2(1-4)). Patienten mit gefährdendem Konsum hatten höhere AUDIT- Ergebnisse als Patienten der Kontrollgruppe (s. Tabelle 4).

Die Häufigkeitsverteilung der AUDIT- Antworten unterschied sich bei allen 10 Fragen signifikant zwischen Männern und Frauen. Die Null-Punkt-Antwortmöglichkeit wurde bei jeder der 10 Fragen eher von Frauen als von Männern gewählt. Männer entschieden sich bei jeder Frage häufiger als Frauen für die höchst werte Antwortmöglichkeit (s. Tabelle 5).

Tabelle 5: Häufigkeitsverteilung der Antworten von 1205 Männern und 722 Frauen auf den AUDIT bezogen auf das Geschlecht

Punkte

Frage

Ge-schlecht

0

1

2

3

4

Antworten Frage 1:

Frage2:

Frage 3-8:

Frage 9, 10:

- nie

-1-2

- nie

- nein

-< 1x/Monat

- 3-4

-< 1x/Monat

Ø

-2-4x/Monat

-5-6

< 1x/Monat

- ja, aber nicht im letzten Jahr

<3x/Woche

-7-9

- 1x/Woche

-4x/Woche

->10

-fast täglich

- ja, innerhalb des letzten Jahres

1. Trinkhäufigkeit

m

8,7%

13,9%

29,1%

29,5%

18,8%

w

15,7%

20,1%

33,9%

23,3%

6,9%

2. Wie viele Getränke ?

m

66,0%

20,9%

7,6%

2,2%

3,3%

w

82,7%

13,6%

2,6%

0,7%

0,4%

3. Wie oft ≥6 Getränke?

m

40,0%

31,0%

16,8%

9,0%

2,6%

w

70,2%

21,3%

6,5%

1,8%

0,1%

4. Nicht aufhören können?

m

75,3%

13,4%

6,6%

3,3%

1,5%

w

89,5%

7,3%

2,1%

1,0%

0,1%

5. Ungewöhnliches Verhalten ?

m

75,4%

17,1%

4,8%

2,1%

0,7%

w

86,6%

10,4%

1,7%

0,8%

0,3%

6. Morgengetränk?

m

93,4%

3,0%

1,2%

1,5%

1,0%

w

97,4%

2,1%

0,1%

0,3%

0,1%

7. Sich schuldig fühlen?

m

81,2%

12,3%

3,6%

1,5%

1,5%

w

89,9%

7,6%

1,5%

0,6%

0,4%

8. Erinnerungslücken?

m

83,2%

11,0%

3,3%

1,7%

0,7%

w

91,6%

6,2%

1,8%

0,3%

0,1%

9. Verletzung unter Alkoholeinfluss?

m

90,8%

4,6%

4,6%

w

97,9%

0,7%

1,4%

10. Besorgnis anderer ?

m

87,5%

3,7%

8,8%

w

96,1%

0,8%

3,0%

Häufigkeiten. Die Verteilung der Merkmale der Likert-Skala unterschied sich zwischen den Geschlechtern signifikant bei allen 10 AUDIT- Fragen. ( Chi-Quadrat, df=4; oder Exakter Test Monte Carlo Methode, p≤ 0,01)

6.4 ROC- Kurve und Validität

↓36

Beim Vergleich der Area under the curve der ROC-Kurven des AUDIT mit der Zielgröße Vorhandensein von gefährdendem Konsum zeigen sich keine signifikanten Geschlechtsunterschiede, die Validität des Testes war gut bei den Männern und gut bis sehr gut bei den Frauen (s. Abbildung 1).

Eine a priori als ausreichend festgelegte Spezifität von 0,8 (s. Kapitel 5.8 ) wurde erreicht bei einem Grenzwert von 8 bei den Männern und 5 bei den Frauen, um mit Hilfe des AUDIT gefährdenden Konsum bei Traumapatienten der Rettungsstelle zu identifizieren. Die dazugehörigen Sensitivitäten betrugen 0,75 (M) und 0,84 (F).

Der positive prädiktive Wert (PPV) für gefährdenden Konsum betrug bei einem AUDIT- Grenzwert von 5 für Männer 33% und für Frauen 24%, bei einem Grenzwert von 8 waren es 51% (M) und 46% (F). Die zugehörigen negativen prädiktiven Werte waren jeweils größer als 94%.

↓37

Abbildung 1

6.5 Spearman Rho

Die Korrelation zwischen der wöchentlichen Trinkmenge und dem AUDIT war signifikant. Der Korrelationskoeffizient nach Spearman Rho betrug 0,69 für die Männer und 0,76 für die Frauen (p< 0,001).

6.6 Cronbach`s Alpha

Cronbach`s Alpha für den AUDIT betrug 0,83 für Männer und 0,79 für Frauen. Der AUDIT zeigte somit eine akzeptable innere Konsistenz.

6.7 Computeranwendung

↓38

85% der leichtverletzten Patienten der Rettungsstelle konnten die Computerversion des AUDIT nach kurzer technischer Einführung ohne weitere Hilfestellungen selbständig beantworten (s. Tabelle 6).

Einige Patienten brauchten Hilfe beim Umgang mit dem Computer. Diese Patienten waren signifikant älter und hatten signifikant häufiger Verletzungen der oberen Extremitäten oder des Kopfes(s. Tabelle 7).

Weiterhin war Inanspruchnahme von Hilfestellungen beim Umgang mit dem Computer signifikant häufiger verbunden mit einem niedrigeren Bildungsstand (s. Tabelle 7). Arbeitslose brauchten häufiger, Beschäftigte seltener Unterstützung bei der Eingabe am Computer (s. Tabelle 7).

↓39

Es bestand kein signifikanter Unterschied zwischen den Geschlechtern hinsichtlich der selbständigen Benutzung des Computers (s. Tabelle 6).

Patienten mit gefährdendem Alkoholkonsum beanspruchten häufiger Hilfe bei der Beantwortung am Computer als die Kontrollgruppe (s. Tabelle 6).

Tabelle 6: Computerbenutzung ohne Hilfe

Gesamt

p -Wert

Gefährdender Konsum

Kontrolle

p-Wert

N =

Männer

1205

(62,5%)

211

(17,5%)

994

(82,5%)

< 0,01*

Frauen

722

(37,5%)

49

(6,8%)

673

(93,2%)

Computerbenutzung ohne Hilfe (%)

Männer

85,2%

0,44

77,3%

86,9%

<0,01*

Frauen

83,9%

79,6%

84,2%

0,39

Häufigkeiten(%),* = signifikant, Gefährdender Konsum = Abhängigkeit oder schädlicher Gebrauch nach ICD-10 oder hoch riskantem Alkoholkonsum nach WHO 2000.

↓40

Tabelle 7: Hilfestellung bei der Computerbedienung

mit Hilfe

ohne Hilfe

p-Wert

Alter in Jahren

48

31

<0,01*

Verletzung der oberen Extremität

36%

28%

<0,01*

Verletzung des Kopfes

21%

12%

<0,01*

Abitur

35%

49%

<0,01*

Student

13%

23%

<0,01*

Arbeitslos

15%

7%

<0,01*

Beschäftigt

53%

69%

<0,01*

Häufigkeiten(%),*=signifikant


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HTML-Version erstellt am:
04.09.2006