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Während der normalen Entwicklung des zentralen Nervensystems kommt programmierter Zelltod oder Apoptose vor, was der Eliminierung ineffizienter Neuronen dient. Spezifische exzitatorische Glutamatrezeptoren scheinen hierbei eine wichtige Rolle zu spielen. Werden in der frühen Neonatalperiode die glutamatergen N-Methyl-D-AspartatRezeptoren für wenige Stunden gehemmt, so kommt es im sich entwickelnden Rattengehirn zu ausgedehnten apoptotischen Zelluntergängen. Dieser Effekt lässt sich bereits direkt postpartal beobachten, ist am stärksten bei sieben Tagen alten Ratten ausgeprägt (wo es zu einer Potenzierung bis zur 39-fachen Apoptoserate kommt) und nimmt bis zum 30. Lebenstag wieder ab. Neuronale Apoptose ist erstmals nach einer 4-stündigen Hemmung der Rezeptoren zu beobachten und zeigt nach 24-stündiger Inhibition ihre maximale Ausdehnung. Der Neurotransmitter Glutamat, der als physiologischer Agonist an NMDA-Rezeptoren wirkt, scheint somit das Überleben von Neuronen während der Entwicklung des Gehirns zu beeinflussen und Nervenzellen, die zu wenig glutamaterge Reize erhalten, unterliegen dem programmierten Zelltod. Dieser Effekt kann über nonNMDARezeptoren (AMPA- oder Kainat-Rezeptoren) nicht ausgelöst werden, was für die Spezifität des NMDA-Rezeptors spricht und seine Rolle in der Hirnentwicklung hervorhebt.
In der pädiatrischen Anästhesie werden unter anderem die NMDA-Antagonisten Ketamin und Stickstoffmonoxid (NO) verwendet, die in Hinblick auf die Ergebnisse dieser Arbeit bei entsprechend langer Anwendung als bedenklich erscheinen. Drogenmissbrauch schwangerer Frauen stellt in diesem Zusammenhang eine weitere große Gefahrenquelle für das ungeborene Kind dar. Die wegen ihrer halluzinogenen Wirkung eingenommenen NMDA-Antagonisten Ketamin und Phencyclidin (PCP, ein altes Kurzzeitanästhetikum), können cerebrale Neuronen des Feten schädigen. Bei längerem Missbrauch kann davon ausgegangen werden, dass die NMDA-Rezeptoren des ungeborenen Feten lange genug gehemmt werden um apoptotische Schäden im Gehirn auszulösen. Am weitesten verbreitet mit großem Schädigungspotential ist jedoch der Ethanol. Er hat ebenfalls antagonistische Eigenschaften am NMDA-Rezeptor, und die durch ihn verursachte Nervenzellschädigung wird durch den agonistischen Effekt an GABAARezeptoren sogar noch verstärkt. Die fetale Alkohol-embryopathie und die fetalen Alkoholeffekte können durch diesen Mechanismus teilweise erklärt werden.
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